DIE Internationalen Rahmenbedingungen Deutscher Außenpolitik

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DIE INTERNATIONALEN
RAHMENBEDINGUNGEN
DEUTSCHER
AUßENPOLITIK
Von Britta Blauert
Gliederung
1.
Einführung
2.
Was ist Außenpolitik?
3.
Grundprobleme der internationalen Restriktionen außenpolitischen
Handelns
4.
Die Tiefenstruktur des internationalen Systems: Anarchie, Polarität
5.
GIT-Prozesse: Transnationalisierung, Globalisierung,
Internationalisierung, Auswirkungen der GIT-Prozesse, Turbulenzen
6.
Restriktionen durch Institutionen und Normen? Internationale
Organisationen und Regime, Allianzen, Gegenmachtbildung und
Regelbildung, internationales Recht
7.
Zusammenfassung
Einführung
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Staaten stellen füreinander Umwelt dar, da sie miteinander in
Beziehung treten können
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In der Umwelt findet staatliches Handeln statt
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Aus der Umwelt kann außenpolitisches Handeln
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hervorgerufen
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provoziert
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beschränkt werden
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Umwelt besteht nicht nur aus Staaten, sondern auch aus
gesellschaftlichen Akteuren
Einführung
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Der Umsetzung von ordnungspolitischen Interessen
stehen Widerstände entgegen:
1) Akteure oder auch die mit diesem Konflikt
verbundenen Staaten können nicht zu irgendwelchen
Maßnahmen gezwungen werden
2) Angestrebter Friede ist eine Ordnung, die
unterschiedliche Gesellschaften, Schichten und
Personengruppen mit unterschiedlichen Lebenschancen
ausstattet
Einführung
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Die Analyse von Außenpolitik erfordert eine umfassende
Erfassung aller beteiligten Akteure und der ihr Handeln
begrenzenden Faktoren
Unterschied zur medialen Darstellung
Unterscheidung von Sachbereichen und Analyseebenen
Untersuchung von spezifischen Ursache-WirkungsZusammenhängen
Frage:
Welche internationalen Rahmenbedingungen schränken in
welchen Sachbereichen (Sicherheit, Wohlfahrt, Partizipation)
politisches Handeln und in welchem Maße die
außenpolitische Handlungsfreiheit ein?
Wichtig: In den drei Sachbereichen werden Werte
unterschiedlich hergestellt und verteilt.
Was ist Außenpolitik?
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Verteilung von Werten
Sicherheit
Wohlfahrt
Partizipation
Verteilung erfolgt asymmetrisch
Verteilung der Werte erfolgt entsprechend den
Relationen an Macht
Staatlich verfasste Gesellschaften sind gezwungen,
außenpolitisch zu agieren
Was ist Außenpolitik?
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Außenpolitik ist:
die inhaltliche Ausformung und
organisatorische Steuerung der Beziehungen
einer staatlich verfassten Gesellschaft zu ihrer Umwelt.
Sie basiert auf:
gesellschaftlichen Werten und Interessen die im Inneren als
auf Zeit allgemeinverbindlich gelten, welche jedoch
beeinflusst werden können.
Je größer die Bedeutung eines Staates für andere Staaten
ist, insbesondere für die internationalen Ordnungsmächte,
und je schwächer die jeweils eigene Machtposition sich
darstellt
desto stärker wird der äußere Einfluss auf die interne
Willensbildung sein.
Grundprobleme der internationalen
Restriktionen außenpolitischen Handelns
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Hard Power: militärische und ökonomische Macht
Soft Power: politische und kulturelle Macht
Uneinigkeit, welche Ressource in welcher Situation von
welcher Bedeutung für die beobachtbare Entwicklung
ist.
Drei Reichweiten außerpolitischer Handlungen:
1) Output
2) Outcome
3) Impact
Grundprobleme der internationalen
Restriktionen außenpolitischen Handelns
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Welche Bedeutung welchen machtpolitischen
Restriktionen zukommt, hängt ab von:
der globalen Polarität und
der regionalen Balance of Power.
Regierungen kalkulieren Nutzen und Kosten
außenpolitischer Maßnahmen
doppelte Aufgabe für die Außenpolitik:
1) Erreichung konkreter Ziele
2) Internationale Ordnung zum eigenen Vorteil gestalten
Außenpolitische Restriktionen liegen jenseits des
Handlungszugriffs der Regierungen
Die Tiefenstruktur des internationalen
Systems - Anarchie
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Definition:
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Keine Existenz einer autoritativen Instanz über den Staaten
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Ausrichtung des staatlichen Handelns an der Sicherstellung
der eigenen
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sozialen
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politischen und
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territorialen Existenz
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Wichtig: größtmögliche Autonomie
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weniger mächtige Staaten drängen eher auf Kooperation im
Rahmen multilateraler Institutionen, denen sich die mächtigen
Staaten versuchen zu entziehen
Die Tiefenstruktur des internationalen
Systems - Polarität
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Definition:
Welche Zahl von Staaten (Großmächten) wirken als
Ordnungsmächte?
Unipolar: Eine Großmacht
Bipolar: Zwei Großmächte
Multipolar: Mehrere Großmächte
Von der Ausprägung der Polarität hängt die Bedrohung
der eigenen Existenz und die außenpolitischen
Handlungsoptionen ab
Die Polarität entscheidet über den Handlungsspielraum
der jeweiligen Akteure
Die Tiefenstruktur des internationalen
Systems - Polarität
Die Tiefenstruktur des internationalen
Systems - Polarität
GIT-Prozesse:Transnationalisierung
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Umwelt: Staaten und gesellschaftliche Akteure
Phänomen seit Beginn des Westfälischen Friedens
Akteure können eigenständig über nationale Grenzen
hinweg handeln
freier Kapitalverkehr, ungehinderte Warenströme
Wichtig insbesondere:
in dem Bereich Ökonomie
bei Fragen der soft power aber auch
in Fragen der Sicherheit
Regierungen müssen die Interessen der transnationalen
Akteure berücksichtigen
GIT-Prozesse: Globalisierung
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Prozesse, in denen Bereiche des menschlichen
Handelns zeitlich und räumlich eine Komprimierung
gegen Null erfahren
Veränderung der Umwelt für außenpolitisches Handeln
durch:
Sekundenschnelle Kapitalbewegungen
mediale Übertragungen in Realzeit und
Internetaustausch
Folge:
Sinken der Kontrollfähigkeit staatlicher Stellen
Erhöhung der eigenen Reaktionszeit
GIT-Prozesse: Globalisierung
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Auf dem Sachgebiet der Sicherheit:
Revolution im Ausbau militärischer Fähigkeiten
Auf dem Sachgebiet der Ökonomie:
Mitbestimmung der Akteure von währungs- und
wirtschaftspolitischen Entwicklungen
Auf dem Sachgebiet der Diplomatie (hier: Partizipation oder
voice):
Drastische Änderung von dem zeitlichen Ablauf, der
Geschwindigkeit und der Orte diplomatischen Vorgehens
Adressat von Regierungshandeln nicht mehr nur die eigene
Bevölkerung, sondern zunehmend auch andere
Gesellschaften
GIT-Prozesse: Internationalisierung
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Internationalisierung: Bewahrung und Ausweitung des
internationalen Handlungsspielraumes durch Regierungen
Regierungen geht es darum:
asymmetrische Gewaltanwendung grundsätzlich
einzudämmen
Kontrolle über transnationale Beziehungen grundsätzlich
auszuüben
diplomatische Vorgänge grundsätzlich aus den RealzeitMedien rauszuhalten
Durch den Verlust über die Kontrolle der staatlichen Akteure
müssen Regierungen Kooperationen eingehen, um
erfolgreich zu agieren
Regierungen führen eine Art Staatenwettbewerb
GIT-Prozesse: Auswirkungen der GITProzesse
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GIT-Prozesse sind
technologisch,
organisatorisch und
politisch miteinander verbunden und
haben Einfluss auf die Ausgestaltung der Polarität des
internationalen Systems
Ordnungspolitische Macht durch Einpassung in diese
Prozesse
Dann aber mit dem Ziel, sie zu verändern
Unterschiedliche Sachbereiche=unterschiedliche
Systeme
GIT-Prozesse: Auswirkungen der GITProzesse
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Historische Analyse
Fähigkeiten des einen Gebiets können nicht mit Fähigkeiten
eines anderen ersetzt werden
Ökonomie bildet die Grundlage militärischer Macht
Je schwächer die Machtressourcen von Staaten ausgebildet
sind, desto größer ist der Einfluss externer Akteure
Außenpolitik muss, um erfolgreich zu sein:
transnationale Netzwerke in ihre Überlegungen integrieren,
die eigenen Maßnahmen der Schnelligkeit medialer
Diplomatie anpassen und
mit unterschiedlichen Verhandlungsstrategien Einfluss auf die
institutionelle Ausgestaltung internationale Ordnung nehmen
GIT-Prozesse: Turbulenzen
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Turbulenz: Verhältnisse, zu deren Steuerung
ordnungspolitisch relevante Akteure nicht auf geplante
oder geübte Handlungsweisen zurückgreifen können
Regierungen können besonders in Konfliktsituationen
nur auf zuvor geplante, trainierte Handlungsweisen
zurückgreifen
Aufgabe der Außenpolitik:
Lernen aus Erfahrungen
Zukunftsanalyse
Gefahr:
nur taktisch und nicht politisch strategisch zu agieren
Restriktionen durch Institutionen und Normen?
Internationale Organisationen und Regime
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Internationale Organisationen und Regime stellen eine
Möglichkeit dar, die internationale Ordnung kalkulierbarer zu
machen
Für verschiedene Sachbereiche
in unterschiedlicher Intensität
in Abhängigkeit von der Polarität des internationalen Systems
Internationale Organisationen stellen somit eine Restriktion
für außenpolitisches Handeln dar
Internationale Organisationen sind ein Spiegel der realen
Machtverhältnisse
Einsatz durch starken Staaten: Eigene Interessen hinter
einem Organisationsinteresse verstecken
Restriktionen durch Institutionen und
Normen? Allianzen
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Allianzen werden gegen äußere Bedrohungen geschlossen
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Probleme der Allianztransformation bei Abnahme der Gefahr:
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1) Gefahr wird nicht mehr von vielen, sondern einigen wenigen
wahrgenommen
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2) Aus Allianzverpflichtungen in Konflikte hineingezogen zu werden
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Nach Ost-West-Konflikt: keine globale und dominante Balance of
Power mehr
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Gegenmachtbildung kann überflüssig erscheinen
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Zwei mögliche Reaktionen:
−
1) Keine Bildung von Gegenmacht
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2) Gegenmachtbildungsprozesse wichtig für die Freiheit der
Eigenentwicklung und Sicherung der eigenen selbstbestimmten
Existenz
Restriktionen durch Institutionen und Normen?
Gegenmachtbildung und Regelbildung
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Nur Macht kann Macht begrenzen
Staaten streben nach Vorherrschaft, um die eigenen
Interessen besser realisieren zu können
durch Bestimmung der Normen und Regeln des
internationalen Systems
Außenpolitik ist darauf gerichtet, den eigenen Einfluss zu
mehren und den anderer Staaten zu begrenzen
Aus Kooperation sollen möglichst große Gewinne gezogen
werden
Führungsstaaten müssen Kollektivgüter erstellen, wollen sie
auf der Grundlage der Zustimmung der übrigen Staaten
interagieren
durch diese Bereitstellung wird der Führungsstaat durch die
anderen Staaten akzeptiert
Restriktionen durch Institutionen und
Normen? Internationales Recht
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Macht wird durch Recht begrenzt. Voraussetzung: Prozess
der Institutionenbildung
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internationale Organisationen sollen jenseits der Staaten
existierende Akteure sein
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Staatenordnung befindet sich in einem Prozess der
Zivilisierung
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Durch einen Sozialisationsprozess würden Staaten zu einer
Sicherheitsgemeinschaft bilden
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Legitimation außenpolitischen Handelns von enormer
Bedeutung
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Erhöht die soft power eines Staates
Zusammenfassung
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Hohe Bedeutung von Restriktionen
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Anarchie: Sachbereich Sicherheit.
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Bipolarität: Sachbereiche Sicherheit, Wohlfahrt, Partizipation.
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Transnationalisierung: Sachbereiche Wohlfahrt, Partizipation.
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Internationale Organisation: Sachbereich Partizipation.
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Allianzen: Sachbereich Sicherheit.
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Situative Gegenmachtbildung: Sachbereiche Sicherheit, Wohlfahrt,
Partizipation.
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Internationales Recht: Partizipation.
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Ergebnis:
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Die Analyse der deutschen Außenpolitik hat auf den unterschiedlichen
Gebieten jeweils unterschiedliche Wirkungskräfte und Restriktionen aus der
internationalen Umwelt zu berücksichtigen
¾
Wichtig für den Erfolg von außenpolitischen Maßnahmen
Fragen?
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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
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