Nab-Paclitaxel

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Nab-Paclitaxel
Mammakarzinom
ArzneimittelPROFIL Onkologie
Dezember 2015
Nab-Paclitaxel, Dezember 2015
ArzneimittelPROFIL Onkologie
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Ziel der Publikation
Die Reihe ArzneimittelPROFIL fasst die aktuell verfügbare wissenschaftliche Evidenz zu einer Substanz objektiv und komprimiert, aber nicht selektiv, zusammen.
Pharmakologische Aspekte, Wirksamkeit und Nebenwirkungsprofil werden übersichtlich und leicht verständlich dargestellt. Grundlage für die Erstellung ist die
umfassende Sichtung der wissenschaftlichen Fachliteratur. Hierbei kann auch auf
Datenmaterial der Hersteller zurückgegriffen werden. Große kontrollierte Studien
werden bevorzugt behandelt, ergänzend ev. Abstracts und Kongressberichte. Die
Einhaltung wissenschaftlicher Grundsätze wird durch einen Scientific Editor, einen Managing Scientific Editor sowie ein Editorial Board gewährleistet, das bei der
Auswahl von Substanzen, Autoren und Reviewer beratende Funktion hat. Die Beiträge werden von Experten der jeweiligen Fachgebiete verfasst. Objektivität und
Korrektheit sind durch zwei unabhängige Reviewer gewährleistet. Die Meinung
der Autoren und Reviewer muss nicht immer mit der des Editorial Board und des
Verlags übereinstimmen. Die kritische Beurteilung der jeweiligen Substanz und
deren klinischer Wertigkeit beruht allein auf der Einschätzung der unabhängigen
Experten. Bei Vorliegen neuer Daten wird eine Aktualisierung angestrebt.
Autoren dieser Ausgabe
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Marija Balic (Einleitung, Wirkmechanismus, Pharmakokinetik, Pharmakodynamik), Medizinische Universität Graz
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch (Bewertung und Aussichten), Medizinische Universität und Comprehensive Cancer Center Wien
Priv.-Doz. Dr. Michael Hubalek (Verträglichkeit), Medizinische Universität
Innsbruck
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Georg Pfeiler (Wirksamkeit), Medizinische Universität
Wien (MUW)/AKH Wien
Offenlegung von Interessenkonflikten
Balic: Honorare von Celgene, Amgen, Roche, Novartis, AstraZeneca
Bartsch: Vortragshonorare von Celgene
Hubalek: Honorare von Celgene
Pfeiler: Honorare von Celgene, Roche, Amgen, AstraZeneca
Impressum: Verleger, Eigentümer und Herausgeber: Medizin Medien Austria
GmbH, DVR-Nr: 4007613, Verlagsanschrift: Grünbergstraße 15, 1120 Wien, Tel.:
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Denis Martin Freiberg, Pia Holzer, Chefredaktion: Dr. Susanne Billich, billich@
arzneimittelprofil.at, ­Koordination: Dr. Susanne Billich, Objektleitung: Martina
Osterbauer, osterbauer@­medizin-medien.at, Art Directon: Karl J. Kuba, Layout
und DTP: Sonja Vetters, Lektorat: Heinz Javorsky, Druck: Friedrich VDV, 4020 Linz,
Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz siehe http://medizin-medien.at/impressum; Auflage: 1500 E
­ xemplare
Die Realisierung dieser Ausgabe ermöglichte Celgene: erstellt 11/2015;
RT/1341/05112015
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Nab-Paclitaxel
Mammakarzinom
Marija Balic, Rupert Bartsch, Michael Hubalek, Georg Pfeiler
Abstract
Nanopartikel-Albumin-gebundenes Paclitaxel (Nab-Paclitaxel) ist eine innovative Formulierung, bei der der hydrophobe
Wirkstoff in einem patentierten Verfahren in physikalisch stabilen und gut wasserlöslichen Nanopartikeln von Humanalbumin
eingeschlossen wird. Somit kann auf die Beimischung potenziell nebenwirkungsreicher Lösungsvermittler gänzlich verzichtet
werden. Mit der Nanopartikel-Formulierung werden die natürlichen Eigenschaften von humanem Albumin ausgenutzt, was
eine deutlich verbesserte und lineare Pharmakokinetik, einen
aktiven und passiven transendothelialen Transport und letztlich eine selektivere Anreicherung mit einer höheren Konzentration von Nab-Paclitaxel im Tumorgewebe bedingt.
Die Ergebnisse der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie,
an der insgesamt 460 Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom in unterschiedlichen Therapielinien teilnahmen, konnten
eine Überlegenheit von Nab-Paclitaxel im Vergleich zu konventionellem Paclitaxel belegen. Die Gesamtansprechrate war im
Prüfarm mit 33% gegenüber 19% signifikant erhöht. In der Gesamtpopulation zeigte sich ein nicht signifikant verlängertes
Gesamtüberleben (9,7 Wochen Unterschied). In der Subgruppenanalyse bestand für jene Patientinnen, die in der Zweit- oder
Folgelinientherapie behandelt wurden, ein signifikanter Vorteil
für Nab-Paclitaxel gegenüber der konventionellen Formulierung (56,4 versus 46,7 Wochen; p=0,024).
Erste Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie GeparSepto deuten auf eine bessere Wirksamkeit von neoadjuvantem Nab-Paclitaxel gegenüber dem lösungsmittelbasierten
(konventionellen) Paclitaxel auch bei Patienten mit frühem
Mammakarzinom hin, wenngleich die Zulassung dafür noch
nicht vorhanden ist.
Ein günstigeres Verträglichkeitsprofil mit besser handhabbaren und rascher abklingenden sensorischen Neuropathien und
einer signifikant geringeren Inzidenz schwerer Neutropenien
stellt einen wichtigen Vorteil von Nab-Paclitaxel im Vergleich zu
konventionellem Paclitaxel dar. Auf der Grundlage dieser Therapieerfolge wurde Nab-Paclitaxel zugelassen als Monotherapie
für Patientinnen mit metastasierendem Mammakarzinom, deren Primärtherapie der metastasierten Erkrankung versagt hat
und für die eine Anthrazyklintherapie nicht angezeigt ist.
Inhalt
1.Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.Wirkmechanismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
3.Pharmakokinetik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
4.Pharmakodynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
5.Wirksamkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
5.1. Phase-II/IIb-Monotherapie-Studien . . . . . . . . . . . . . 6
5.2. Phase-III-Zulassungsstudie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
5.3. Monotherapie-Studien im ambulanten Setting . . . . . 9
5.4. Nab-Paclitaxel-Kombinationstherapien . . . . . . . . . . 10
6.Verträglichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
7.Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
8.Zulassungsstatus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
9.Bewertung und Aussichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
10. Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
11. Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Eigenschaften von Nab-Paclitaxel
Dosierung
Es wird empfohlen, Nab-Paclitaxel in einer Dosierung von
260mg/m2 intravenös über einen Zeitraum von 30 Minuten
in einem dreiwöchentlichen Zyklus (q3w) zu verabreichen.
Bei Auftreten von Nebenwirkungen sind Dosisanpassungen
erforderlich (siehe Angaben in der Fachinformation).
Aufnahme und Verteilung
Mittlere Cmax........................ 19.556,4 bis 22.968,6 ng/ml1
Halbwertszeit t½.................. 13 bis 27 Std2
Plasmaclearance................. 13 bis 30 l/h•m2 2
Mediane Exposition AUC..... 2.653 bis 16.736 ng•h/ml2
Verteilungsvolumen............. 1.741 l2
Metabolisierung und Elimination
Paclitaxel wird überwiegend durch Cytochrom-P450-Isoenzyme CYP2C8 und CYP3A4 metabolisiert. Der Haupteliminationsweg von Nab-Paclitaxel besteht in der hepatischen
Metabolisierung mit anschließender biliärer Exkretion.
1 für eine i.v. Dosis von 260mg/m2; 2 für den Dosisbereich
von 80 bis 300mg/m2
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
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1. Einleitung
Trotz der Fortschritte in der Therapie des metastasierenden
Brustkrebses (MBC) stellt diese Erkrankung immer noch eine
große Herausforderung für den behandelnden Onkologen dar.
Taxan-basierte Therapieschemata haben sich seit ihrer Einführung von etwa 15-20 Jahren als effektive Behandlungsoptionen
bewährt. Allerdings sind Taxane wie Paclitaxel und Docetaxel
sehr hydrophobe Moleküle, welche synthetische Lösungsvermittler (Cremophor®-EL [CrEL] und Tween® 80) benötigen. Zu
den gut charakterisierten und klinisch relevanten Toxizitäten
dieser Lösungsvermittler gehören Überempfindlichkeitsreaktionen, periphere Neuropathie und eine verstärkte Myelosuppression. Daher werden konventionelle Taxane in der Regel nur
nach Prämedikation mit Kortikosteroiden und Anti-Histaminika verabreicht.
Diese Problematik konnte nun durch eine innovative Formulierung gelöst werden, bei der die Paclitaxel-Moleküle in
Form von Nanopartikeln von einem Mantel aus Humanalbumin
umgeben sind. Die Nanopartikel zerfallen nach Injektion in die
Blutbahn schnell in kleinere, lösliche albumingebundene Paclitaxel-Komplexe mit einer Größe von ~10nm und sind damit den
endogenen Albuminmolekülen von der Größe her sehr ähnlich.
„Nanoparticle albumin-bound“-(Nab-)-Paclitaxel nutzt die natürlichen Transporteigenschaften von Albumin für den transendothelialen Transport und führt durch seine Bindung an SPARC/
Osteonectin (Secreted Protein, Acidic and Rich in Cystein) zu
einer bevorzugten Anreicherung im Tumorgewebe. Nab-Paclitaxel ist als Monotherapie für die Behandlung des metastasierenden Mammakarzinoms bei erwachsenen Patientinnen zugelassen, die auf eine Erstlinientherapie nicht mehr ansprechen und
für die eine standardmäßige Anthrazyklin-enthaltende Therapie
nicht indiziert ist. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Therapie mit Nab-Paclitaxel beim metastasierenden Mammakarzinom zu einem signifikant verbesserten Ansprechen geführt hat,
was sich insbesondere in der Zweitlinientherapie in einer deutlichen Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS)
und des Gesamtüberlebens (OS) widerspiegelt. Daher wurde mit
Nab-Paclitaxel ein weiterer Fortschritt in der Tumortherapie des
metastasierenden Brustkrebses errungen.
2. Wirkmechanismus
Paclitaxel wurde erstmals vor etwa 40 Jahren als Naturstoff
aus der Rinde der pazifischen Eibe (Taxus brevifolia) isoliert
(Wani et al. 1971) und gehört – wie auch der chemisch nahe ver-
Chemische Struktur von Paclitaxel
O
O
Abb. 1
O
OH
wandte Wirkstoff Docetaxel – zur Substanzklasse der Taxane
(siehe Abb. 1). Seine Wirkung als Zytostatikum beruht auf der
spezifischen Bindung an die Beta-Tubulin-Untereinheit der Mikrotubuli des Spindelapparates während der Zellteilung. Dadurch werden Tubulin-Dimere und -Polymere stabilisiert und
eine Depolymerisierung der Mikrotubuli verhindert. Die Verteilung der Schwesterchromatiden auf die Tochterzellen wird so
blockiert (Bharadwaj & Yu 2004; Rowinsky & Calvo 2006, Brito
et al. 2008). Dies hat den apoptotischen Tod der sich in der Mitose befindlichen Zellen zur Folge.
Paclitaxel ist ein lipophiles, im wässrigen Milieu nur schwer
lösliches Molekül, welches bisher mit synthetischen Lösungsvermittlern wie Cremophor® EL (CrEL) verabreicht wurde. Im
Blutplasma wird es von den universellen Transportproteinen
für hydrophobe Moleküle wie Albumin und Alpha-1-Glykoprotein gebunden (Kumar et al. 1993). Eine neue Strategie zur Optimierung der Bioverfügbarkeit bedient sich genau dieser Eigenschaften des Plasma-Transportproteins Albumin, welches nicht
kovalent an das Paclitaxel gekoppelt wird. Es formen sich physikalisch stabile Nanopartikel einer Größe von etwa 130nm, in
deren Innerem die Paclitaxel-Moleküle in einem amorphen
Zustand vorliegen (Kratz 2002). Nach intravenöser Verabreichung dissoziieren die Nanopartikel rasch, wobei kleinere, etwa
10nm große Albumin-Paclitaxel-Komplexe entstehen, die den
endogenen Albuminmolekülen im Blut von der Größe her sehr
ähnlich sind. Die Folge ist eine wesentlich verbesserte Exposition und nahezu lineare Pharmakokinetik im Dosisbereich von
80–300mg/m2 (Ibrahim et al. 2002; Nyman et al. 2005). Albumin
ist ein spezifischer Ligand des Endothelzellrezeptors gp60, was
einen aktiven, durch Caveolin-1 vermittelten transendothelialen Transport (Transzytose) der Nanopartikel und ihre Freisetzung im interstitiellen Kompartment des Tumorgewebes bewirkt (Desai et al. 2006). Ein weiterer, wesentlicher Aspekt der
Nab-Paclitaxel-Nanopartikel ist ein verbessertes TumorzellTargeting. Albumin bindet mit hoher Affinität an Osteonectin,
auch als SPARC (Secreted Protein, Acidic and Rich in Cysteine)
bekannt. Es spielt normalerweise eine Rolle bei vielen Zell-Matrix-Interaktionen, Rezeptor-Signaltransduktion, Angiogenese
und Wundheilung (Rivera et al. 2011; Bradshaw 2012). Es kann
aber auch in verschiedenen Tumorgeweben einschließlich
Mammakarzinom überexprimiert sein und die Tumorexpansion und Metastasierung beeinflussen (Podhajcer et al. 2008;
Chlenski &Cohn 2010; Lindner et al. 2015). Neben der Hypothese, dass durch die Affinität von SPARC für Albumin eine höhere
intratumorale Konzentration des in Nanopartikeln verabreichten Wirkstoffes erreicht wird, werden allerdings auch SPARCunabhängige Mechanismen der Tumorspezifität von Nab-Paclitaxel postuliert (Yardley 2013; Neesse et al. 2014). Der Aufbau der
Nab-Paclitaxel-Nanopartikel, die von gp60-vermittelte Transzytose und präferenzielle Anreicherung im Tumorgewebe durch
SPARC sind in Abbildung 2 schematisch dargestellt.
3. Pharmakokinetik
O
NH
O
O
OH
H
O
OH O
OO
O
Quelle: Mastropaolo et al. 1995
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ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Die Daten zur Pharmakokinetik wurden, sofern nicht anders angegeben, der Fachinformation der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) entnommen (Fachinformation Stand
Juli 2015).
Resorption und Verteilung. Die Formulierung von Nab-Paclitaxel beeinflusst ganz wesentlich die Pharmakokinetik. Humanalbumin-gebundenes Paclitaxel kann in Form etwa 130nm großer
Nanopartikel ohne Lösungsvermittler mit üblichen Salinelösungen als kolloidale Suspension intravenös verabreicht werden. Die nicht kovalente Kopplung des Wirkstoffes an Albumin
hat gegenüber der bisher verwendeten, konventionellen Zube-
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Wirkmechanismus von Nab-Paclitaxel
Abb. 2
1. Injektion von Nab-Paclitaxel (i.v.)
2. Nab-Paclitaxel dissoziiert
3. N
ab-Paclitaxel bindet
an gp60-Rezeptor
Albumin
Paclitaxel
4. Aktivierung von Caveolin-1
und Trans­zytose des
Albumin-PaclitaxelKomplexes
Endothelzelle eines
Tumor-Blutgefäßes
Tumorinterstitium
8. Diffusion von Nab-Paclitaxel
in die Tumorzelle und
Induktion der Apoptose
7. Akkumulation von Nab-Pacli­
taxel via SPARC an der Tumor­
zellmembran
5. F reisetzung von
Nab-Paclitaxel in
das Interstitium
6. B
indung von
Nab-Paclitaxel an
SPARC
Paclitaxel-induzierte
Tumorzell-Apoptose
Albumin
Paclitaxel
Tumorzelle
SPARC
gp60-Rezeptor
reitung mit dem Lösungsvermittler Cremophor® EL (CrEL) entscheidende Vorteile hinsichtlich der Bioverfügbarkeit und Gewebsverteilung. So konnte in präklinischen Experimenten gezeigt werden, dass die durch endotheliales Glykoprotein gp60
vermittelte Transzytose von Paclitaxel als Nanopartikel gegenüber der konventionellen Formulierung um das Vierfache erhöht ist (Desai et al. 2006). In einer randomisierten Cross-overPharmakokinetik-Studie erhielten Patienten mit soliden Tumoren entweder 175mg/m2 CrEL-Paclitaxel einmal in drei Wochen
(q3w) als dreistündige Infusion oder Nab-Paclitaxel in einer
Dosierung von 260mg/m2, ebenfalls q3w in einer 30-minütigen
Infusion. Die von 14 Patienten mittels Massenspektroskopie jeweils vier Stunden nach Ende der Infusion vorgenommenen
Messungen zeigten, dass die mittlere systemische Exposition
(Area Under the Curve, AUC) des freien und somit bioverfügbaren Wirkstoffes nach Gabe von Nab-Paclitaxel um das etwa Dreifache signifikant höher war als nach Gabe von CrEL-Paclitaxel
(p<0,001, Gardner et al. 2008). Die mittlere maximale Konzentration (Cmax) nach Infusion von 260mg/m2 Nab-Paclitaxel wird
in der Literatur in zwei klinischen Pharmakokinetikstudien bei
Patienten mit soliden Tumoren mit 19.556,4 bzw. 22.968,6ng/ml
angegeben (Gardner et al. 2008 bzw. Sparreboom et al. 2005).
Die für Nab-Paclitaxel berichteten ca. 50% höheren Werte
für Clearance und Gesamt-Verteilungsvolumen lassen zudem
auf eine bessere Verteilung des Wirkstoffes Nab-Paclitaxel verglichen mit konventionellem CrEL-Paclitaxel im Gewebe schließen (Sparreboom et al. 2005). Dies steht im Einklang mit dem
Befund, dass Nab-Paclitaxel im Gegensatz zu CrEL-Paclitaxel im
Dosisbereich von 135 bis 300mg/m2 einen linearen Anstieg der
AUC Werte von 5.654 bis 17.610ng•h/ml und zwischen 80 und
200mg/m2 einen linearen Anstieg von 2.653ng•h/ml bis
11.363ng•h/ml zeigte (Ibrahim et al. 2002, Nyman et al. 2005).
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mit der innovativen Formulierung von Nab-Paclitaxel eine erhöhte Bioverfügbarkeit und Tumorexposition sowie eine höhere klinische Dosis
erreicht wird.
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Quelle: Minshall et al. 2002
Metabolisierung und Elimination. Paclitaxel wird in erster Linie zu 6α-Hydroxypaclitaxel und im geringeren Ausmaß zu den
zwei Metaboliten 3’-p-Hydroxypaclitaxel und 6α-3’-pDihydroxypaclitaxel von Cytochrom-P450-Isoenzymen (CYP)
2C8 und 3A4 metabolisiert. Nach einer 30-minütigen Infusion
von 260 mg/m2 Nab-Paclitaxel bei Patienten mit metastasiertem
Mammakarzinom betrug der Mittelwert für die kumulative Ausscheidung des unveränderten Wirkstoffs im Urin vier Prozent
der verabreichten Gesamtdosis mit weniger als ein Prozent in
Form der Metaboliten 6α-Hydroxypaclitaxel und 3’-p-Hydroxypaclitaxel. Der Haupteliminationsweg von Paclitaxel besteht
daher in der hepatischen Metabolisierung und biliären Exkretion, die renale Clearance spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Für die empfohlene Nab-Paclitaxel-Dosis beim metastasierten
Mammakarzinom (260mg/m2) wurde eine mittlere Plasmaclearance von 21,13l/h•m2 und eine mittlere terminale Halbwertszeit von 21,6 Stunden ermittelt (Sparreboom et al. 2005).
Arzneimittelinteraktionen
Die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln, die entweder
CYP2C8 oder CYP3A4 hemmen (z.B. Ketoconazol und andere
Imidazol-Antimykotika, Erythromycin, Fluoxetin, Gemfibrozil,
Cimetidin, Ritonavir, Saquinavir, Indinavir) oder induzieren
(z.B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Efavirenz, Nevirapin) sollte mit Vorsicht erfolgen.
Spezielle Patientengruppen
Alter. Von den 229 in der randomisierten Phase-III-Studie mit
Nab-Paclitaxel-Monotherapie behandelten Patientinnen mit
metastasiertem Mammakarzinom waren 13% mindestens 65
Jahre alt und <2% waren mindestens 75 Jahre alt. Bei der Analyse nach Lebensalter war die Inzidenz von unerwünschten Ereignissen in beiden Behandlungsgruppen (Nab-Paclitaxel vs.
CrEL-Paclitaxel) bei Patienten <65 und ≥65 Jahren vergleichbar.
Die Inzidenz von Neutropenie, Leukopenie, Übelkeit, Hyperglykämie und Flush war jedoch bei Patienten ≥65 Jahre unter
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Nab-Paclitaxel deutlich niedriger als in der Gruppe mit konventionellem Paclitaxel (Gradishar et al. 2005). Eine nachfolgende
Analyse von 981 Patienten, die eine Nab-Paclitaxel-Monotherapie zur Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms erhielten und von denen 15% ≥65 Jahre und 2% ≥75 Jahre alt waren, zeigte jedoch bei Patienten ≥65 Jahre eine höhere Inzidenz
von Epistaxis, Diarrhoe, Dehydratation, Fatigue und peripheren
Ödemen.
Pädiatrische Patienten. Wirksamkeit und Verträglichkeit sind
bei Kindern und Jugendlichen bisher nicht ausreichend untersucht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Nab-Paclitaxel eine Freistellung von der Verpflichtung zur Vorlage von
Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen zur
Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms gewährt.
Leberfunktionsstörungen. Bei Patienten mit metastasiertem
Mammakarzinom und mäßig bis stark eingeschränkter Leberfunktion (Gesamtbilirubin >1,5 bis ≤5xULN und AST ≤10xULN)
wird eine Dosisreduktion von Nab-Paclitaxel um 20% empfohlen. Sofern der Patient die Behandlung über mindestens zwei
Zyklen verträgt, kann die reduzierte Dosis auf die für Patienten
mit normaler Leberfunktion vorgesehene Dosis wieder gesteigert werden.
Nierenfunktionsstörungen. Eine leicht bis mäßig eingeschränkte Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance ≥30 bis <90ml/
min) hat keinen klinisch bedeutsamen Einfluss auf die maximale Eliminationsrate und systemische Exposition (AUC und Cmax)
von Paclitaxel, und somit kann die empfohlene Initialdosis von
Nab-Paclitaxel verabreicht werden. Für Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion sind die Daten zur Pharmakokinetik bisher nicht ausreichend belegt. Für Patienten mit terminaler
Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <30ml/min) liegen
keine Daten vor.
Monitoring
Bei Patienten mit schwerer Neutropenie (Neutrophilenzahl
<500 Zellen/mm3 über einen Zeitraum von einer Woche oder
länger) oder schwerer sensorischer Neuropathie sollte die NabPaclitaxel-Dosis in den nachfolgenden Zyklen von 260 auf
220mg/m2 reduziert werden. Bei Wiederauftreten einer schweren Neutropenie oder einer schweren sensorischen Neuropathie
sollte die Dosis auf 180mg/m2 herabgesetzt werden. Nab-Paclitaxel sollte nicht angewendet werden, bis sich die Neutrophilenzahl auf >1.500 Zellen/mm3 erholt hat. Bei einer sensorischen
Neuropathie vom Grad 3 ist die Behandlung zu unterbrechen, bis
eine Besserung auf Grad 1 oder 2 erreicht wird, und bei allen
nachfolgenden Zyklen sollte die Dosis reduziert werden.
4. Pharmakodynamik
Daten zur Pharmakodynamik lieferte eine präklinische Studie, in der der transendotheliale Transport, die intratumorale
Wirkstoffanreicherung und antitumorale Wirkung von Nab-Paclitaxel mit CrEL-Paclitaxel direkt verglichen wurden (Desai et
al. 2006). Der transendotheliale Transport von Nab-Paclitaxel
durch einen Endothelzell-Monolayer war im Vergleich zu CrELPaclitaxel um das Vierfache erhöht. Bei gleicher Dosierung
(20mg/kg) war die intratumorale Exposition von Nab-Paclitaxel
gegenüber CrEL-Paclitaxel gemessen an der Menge von radioaktiv markiertem Paclitaxel um insgesamt 33% höher.
Die antitumorale Wirkung wurde nach subkutaner Transplantation humaner Tumorzellen und der Etablierung von soliden Tumoren in immundefizienten Mäusen (Xenograft-Modelle) untersucht. Insbesondere für Xenografts des Mammakarzi-
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ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
noms konnte eine signifikante Überlegenheit von Nab-Paclitaxel im Vergleich zu CrEL-Paclitaxel bei äquitoxischer Dosierung
(4% Mortalität für beide Substanzen) gezeigt werden. Die maximal tolerierte Dosis (MTD) von Nab-Paclitaxel (MTD: 30mg/kg/
Tag) bewirkte eine komplette Regression der Xenografts und
verhinderte deren erneutes Wachstum für mehr als 103 Tage
(mediane Zeit), während ein erneutes und progressives Tumorwachstum nach Gabe von CrEL-Paclitaxel (MTD: 13,4mg/kg/
Tag) bereits nach 22 Tagen dokumentiert wurde (p=0,004). Diese präklinischen Studien belegten die Vorteile von Nab-Paclitaxel hinsichtlich einer höheren Anreicherung des Wirkstoffes im
Tumorgewebe und einer hoch signifikant längeren kompletten
Regression des Mammakarzinoms.
5. Wirksamkeit
Nab-Paclitaxel wurde in mehreren Phase-II/III-Studien
zum metastasierten Mammakarzinom untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien sind in Tabelle 1 dargestellt.
5.1. Phase-II/IIb-Monotherapie-Studien
Die Ergebnisse einer ersten multizentrischen Phase-II-Studie zur Effektivität und Verträglichkeit von Nab-Paclitaxel als
Monotherapie wurden im Jahr 2005 publiziert (Ibrahim et al.
2005). Insgesamt 63 therapienaive oder vorbehandelte Patientinnen – davon 17% mit Taxanen im adjuvanten und/oder metastasierten Setting – mit histologisch verifiziertem, fortgeschrittenem Brustkrebs erhielten alle drei Wochen 300mg/m2 NabPaclitaxel in einer 30-minütigen Infusion.
Die Gesamtansprechrate (Overall Response Rate, ORR), ermittelt als komplettes Ansprechen (CR) oder partielles Ansprechen (PR) der Gesamtpopulation, wurde mit 48% (95% CI, 35,3–
60,0%) ermittelt. Für Patientinnen in der Erstlinie betrug die
ORR 64% (95% CI, 49,0–79,2%), in der Zweitlinie oder in späteren Therapielinien 21% (95% CI, 7,1–42,1%). Die mediane Zeit
bis zur Progression (Time To Progression, TTP) lag bei 26,6
­Wochen, bei Respondern (CR oder PR) 48,1 Wochen. Das mediane Gesamtüberleben betrug etwa 63,3 Wochen.
Dosisvergleichsstudie wöchentlich 100 versus 125mg/m2 NabPaclitaxel. Eine weitere Phase-II-Studie in der Zweitlinientherapie verglich zwei Dosierungen von Nab-Paclitaxel, 100 und
125mg/m2 (n=106 bzw. n=75), die einmal wöchentlich an den
Tagen 1, 8 und 15 für jeweils drei Wochen mit einer anschließenden Therapiepause von einer Woche verabreicht wurden (Blum
et al. 2007). Ein Voranschreiten des Tumors nach einer Taxanbasierten adjuvanten Erstlinientherapie war das Haupteinschlusskriterium in dieser Studie.
Die ORR betrug 14 bzw. 16% für die 100 bzw. 125mg/m2Dosiskohorten (p=nicht signifikant). Eine Stabilisierung der Erkrankung (SD) für ≥16 Wochen wurde bei 12 bzw. 21% der Patientinnen mit der niedrigeren bzw. höheren Nab-Paclitaxel-Dosis festgestellt. Beide Nab-Paclitaxel-Dosierungen waren hinsichtlich der Endpunkte progressionsfreies Überleben (PFS 3,0
vs. 3,5 Monate) oder Gesamtüberleben (OS 9,2 vs. 9,1 Monate)
vergleichbar effektiv.
Vergleichsstudie: drei Nab-Paclitaxel-Regime versus Docetaxel. In einer weiteren Phase-IIb-Studie (Gradishar et al. 2009)
wurden 302 Patientinnen mit MBC im durchschnittlichen Alter
von 54 Jahren rekrutiert, um die Effektivität von drei unterschiedlichen Nab-Paclitaxel-Dosierungsschemata mit Docetaxel-Therapie direkt vergleichen zu können. Die Einbringung von
Patienten mit Taxan-basierter primär adjuvanter oder neoadjuvanter Therapie in die Studie war erlaubt, wenn sie mindestens
ein Jahr vor Studienbeginn abgeschlossen worden war. Patien-
Dezember 2015
Klinische Wirksamkeit von Nab-Paclitaxel als Monotherapie beim MBC (Phase-II/III-Studien) Studie
Phase
n
Dosierungsschema
Tab. 1
ORR (%)
(95% CI)*
PFS** (Wo, Mo)
(95% CI)
OS (Wo, Mo)
Klinische Studien
Ibrahim et al.
2005
Blum et al.
2007
63
Nab-Paclitaxel, 300mg/m2 q3w
48
(35,3–60,0)
TTP
26,6 Wo
63,6 Wo
106
Nab-Paclitaxel, 100mg/m2 q1w
(Tage 1/8/15, q28d)
14
(7,5–21,0)
3,0 Mo
9,2 Mo
75
Nab-Paclitaxel, 125mg/m2 q1w
(Tage 1/8/15, q28d)
16
(7,7–24,3)
3,5 Mo
9,1 Mo
76
(A) Nab-Paclitaxel, 300mg/m2
q3w
46
(34,8–57,3)
10,9 Mo
(8,9–14,6)
27,7 Mo
76
(B) Nab-Paclitaxel, 100mg/m2
q1w (Tage 1/8/15, q28d)
63
(52,3–74,0)
7,5 Mo
(7,2–9,3)
22,2 Mo
74
(C) Nab-Paclitaxel, 150mg/m2
q1w (Tage 1/8/15, q28d)
74
(64,4–84,3)
14,6 Mo
(10,0–18,9)
33,8 Mo1
74
(D) Docetaxel, 100mg/m2 q3w
39
(28,1–50,3)
7,8 Mo
(6,3–11,0)
26,6 Mo2
104
Nab-Paclitaxel, 260mg/m2 q3w
543
(44,3–63,4)
7,6 Mo4
(6,7–8,6)
106
CrEL-Paclitaxel, 175mg/m2 q3w
293
(20,6–37,9)
6,2 Mo4
(4,7–8,0)
Nab-Paclitaxel, 260mg/m2 q3w
335
(27,1–39,3)
TTP
23,0 Wo
65,0 Wo6
bzw. 56,4 Wo7
CrEL-Paclitaxel, 175mg/m2 q3w
195
(13,6–23,8)
TTP
16,9 Wo
55,7 Wo6
bzw. 46,7 Wo7
52
Nab-Paclitaxel, 260mg/m2 q3w
ORR 48
(31,5–61,3)
CR 13,5
PR 34,5
SD 36,5
CBR 77
8,9Mo
(8,8–11,6)
noch nicht
erreicht
Gesamtpopulation
664
Monotherapie und Kombinationen (Erst-/Zweit-/Drittlinie)
II
II
Gradishar et al.
IIb
2009 & 2012
Guan et al.
2009
II
Gradishar et al.
III
2005
460
(229/225)
k.A.
Studien im ambulanten Setting
Palumbo et al.
2015
Patt et al.
2014, 2015
II
retrospektive
Analyse
129/82
Monotherapie vs. Kombination
(Zweitlinie)
134/59
Monotherapie
q1w vs. q3w
22,7/17,4/15,1
Mo
k.A.
15,6 vs. 24,4 Mo
19,8 vs. 17,4 Mo
1 p=0,008 für den Vergleich der Nab-Paclitaxel-Regime 150mg/m2 q1w versus 100mg/m2 q1w; 2 nicht signifikant für den Vergleich Nab-Paclitaxel (150mg/m2 q1w) versus
Docetaxel (100mg/m2 q3w); 3 p<0,001; 4 PFS: p=0,118; TTP: p=0,078, HR 0,710 ; 5 Gesamtpopulation p=0,001; 6 Gesamtpopulation (p=0,374); 7 ≥Zweitlinie (p=0,024)
k.A.=keine Angabe; Mo=Monate; ORR=Gesamtansprechrate; OS=Gesamtüberleben; PFS=progressionsfreies Überleben; q1w=wöchentlich; q3w=alle drei Wochen; TPP=Zeit
bis zur Progression; Wo=Wochen
*Investigator Assessment; **sofern nicht anders angegeben
Quelle: Übersichtstabelle adaptiert nach Lluch et al. 2014
tinnen, die noch eine Hormon- oder Immuntherapie erhielten
oder in den vorangegangenen fünf Jahren eine andere maligne
Erkrankung hatten, konnten nicht an dieser Studie teilnehmen.
Insgesamt wurden 300 Patientinnen auf folgende vier Therapiearme verteilt: Nab-Paclitaxel 300mg/m2 jede dritte Woche (Arm
A), entweder 100 oder 150mg/m2 an den Tagen 1, 8 und 15 eines
vierwöchigen Zyklus (Arm B bzw. C) und Docetaxel 100mg/m2
jede dritte Woche (Arm D). Primärer Endpunkt war das Gesamtansprechen (ORR). Als sekundäre Endpunkte wurden Tumorkontrollrate (Disease Control Rate, DCR, d.h. vollständiges/
partielles Ansprechen und Krankheitsstabilisierungen) und PFS
evaluiert. Im Review durch die Prüfärzte ergab sich ein signifikanter Vorteil hinsichtlich der ORR für beide Therapiearme mit
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
wöchentlichen Nab-Paclitaxel-Regimen sowohl gegenüber Docetaxel (ORR 74 bzw. 63% für 150 bzw. 100mg/m2 Nab-Paclitaxel
versus 39% für Docetaxel; p<0,001 bzw. p=0,002) als auch gegenüber dem 300mg/m 2-q3w-Nab-Paclitaxel-Regime (46%;
p=0,002 bzw. 0,024). Für den Vergleich von 300mg/m2 Nab-Paclitaxel alle drei Wochen (46%) mit Docetaxel (39%) war der
ORR-Unterschied nicht signifikant. Auch in der unabhängigen
radiologischen Auswertung erzielte das wöchentliche Schema
mit 150mg/m2 mit 49% die höchste Ansprechrate, gefolgt vom
100mg/m2-wöchentlichen Regime (45%). Das 300mg/m2-NabPaclitaxel-Regime und Docetaxel waren bezüglich der ORR vergleichbar (37 bzw. 35%; Gradishar et al. 2009). Hinsichtlich des
PFS konnte eine signifikante Überlegenheit für die wöchentli-
Dezember 2015
7
che Dosierung von Nab-Paclitaxel mit 150mg/m2 gezeigt werden, sowohl gegenüber der 100mg/m2-Nab-Paclitaxel-Dosierung (PFS 14,6 vs. 7,5 Monate, p=0,001) als auch im Vergleich mit
100mg/m2 Docetaxel (PFS 7,8 Monate, p=0,012). Mit 300mg/
m2-Nab-Paclitaxel alle drei Wochen betrug das PFS 10,9 Monate
– der Unterschied gegenüber der wöchentlichen 150mg/m2Dosierung (Arm C) war nicht signifikant.
Die finale Auswertung dieser Studie hinsichtlich des Gesamtüberlebens (Gradishar et al. 2012) zeigte ein verlängertes
medianes OS von 33,8 Monaten (95% CI, 29,1–41,3 Monate) für
die 150mg/m2 Nab-Paclitaxel-Dosierung verglichen mit den beiden anderen Nab-Paclitaxel-Armen 100mg/m2 und 300mg/m2
(22,2 und 27,7 Monate) und dem Docetaxel-Vergleichsarm (26,6
Monate; p=0,047). Die Analyse ergab auch eine signifikante
Überlegenheit des Protokolls mit wöchentlich 150mg/m2 NabPaclitaxel gegenüber der Dosierung mit 100mg/m2 (OS 33,8 versus 22,2 Monate, p=0,008, HR=0,575). Die Protokoll-spezifizierte
Erfassung der Zwei-Jahres-Überlebensraten bestätigte die Überlegenheit der 150mg/m2-Nab-Paclitaxel-Therapie (42%) verglichen mit 100mg/m2-Nab-Paclitaxel (22%) und Docetaxel (35%).
Vergleichsstudie Nab-Paclitaxel versus CrEL-Paclitaxel. In einer multizentrischen Phase-II-Studie wurde Nab-Paclitaxel
(260mg/m2 q3w) direkt mit CrEL-Paclitaxel (175mg/m2 q3w) bei
210 chinesischen MBC-Patientinnen, stratifiziert nach Erstlinie
oder späteren Linien, verglichen (Guan et al. 2009). Die Frauen
erhielten entweder 260mg/m2 Nab-Paclitaxel alle drei Wochen
ohne Prämedikation als 30-minütige Infusion oder lösungsmittel-basiertes CrEL-Paclitaxel (175mg/m2 q3w) mit einer Standardprämedikation Kortikosteroid plus Antihistaminikum als
dreistündige Infusion.
Mit Nab-Paclitaxel waren die Ansprechraten signifikant höher (54 vs. 29%, p<0,001). Bezüglich der Ansprechraten war NabPaclitaxel in folgenden Subgruppen überlegen: unter 65-Jährige, in der Erstlinientherapie, bei Anthrazyklin-naiven Frauen,
bei viszeraler Metastasierung und sowohl bei ≤3 als auch >3
Metastasierungsstellen. Darüber hinaus wurde ein Trend zur
TTP-Verlängerung beobachtet: 7,6 vs. 6,2 Monate (p=0,078).
5.2. Phase-III-Zulassungsstudie
Die zulassungsrelevante Studie beim metastasierenden
Brustkrebs war eine multinationale, randomisierte Phase-IIIStudie zum direkten Vergleich der konventionellen Therapie mit
CrEL-Paclitaxel und Nab-Paclitaxel (Gradishar et al. 2005). Diese Studie umfasste insgesamt 454 Patientinnen mit histologisch
verifizierten Metastasen, für welche eine Monotherapie mit Paclitaxel in der Erstlinie (ca. 41% der Studienteilnehmer) oder
≥Zweitlinie indiziert war oder deren Taxan-basierte adjuvante
Therapie ohne Auftreten neuer Metastasen bereits mehr als ein
Jahr zurücklag. Rund zwei Drittel der Patientinnen (64%) hatten
zu Studieneinschluss einen beeinträchtigten Allgemeinzustand
(ECOG 1–3), 79% hatten viszerale Metastasen und 76% hatten
mehr als drei Metastasierungsstellen.
Die Patientinnen erhielten entweder Nab-Paclitaxel
(260mg/m2 q3w, n=229) ohne Prämedikation oder CrEL-Paclitaxel (175mg/m2 q3w, n=225), das nach einer Kortikosteroidund Antihistamin-basierten Prämedikation verabreicht wurde.
Somit war die tatsächliche Gesamtdosis für Nab-Paclitaxel um
etwa 49% höher. Das im Protokoll vorgesehene Nab-PaclitaxelTherapieschema konnte von 94% der Patientinnen eingehalten
werden (Vergleichswert im CrEL-Paclitaxel-Arm: 90%). Therapieabbrüche, Dosisreduktionen und -verschiebungen waren in
beiden Studienarmen selten (Nab-Paclitaxel 3% vs. CrEL-Paclitaxel 7%). Der primäre Endpunkt ORR war im Nab-PaclitaxelArm signifikant höher als in der CrEL-Paclitaxel-Vergleichs-
8
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Subgruppen-Analyse der Phase-III-Studie Tab. 2
Gesamtansprechrate (%)
Subgruppe
p-Wert
NabPaclitaxel
CrELPaclitaxel
Alle Patientinnen
33
19
0,001
Erstlinie
42
27
0,029
27
13
0,006
adjuvant und/oder
metastasiert
34
18
0,002
nur metastasiert
27
14
0,010
Viszeral metastasiert
34
19
0,002
Nicht-viszeral
metastasiert
34
19
n.s.
<65 Jahre
34
19
<0,001
≥65 Jahre
27
19
n.s.
≥Zweitlinie
Anthrazyklin vorbehandelt
Alter
n.s.=nicht signifikant
Quelle: Gradishar et al. 2005
gruppe (33 vs. 19%, p<0,01). Wenn man die Resultate der beiden
Behandlungslinien differenziert betrachtet, bestätigte sich ein
signifikanter Unterschied zugunsten von Nab-Paclitaxel in der
Erstlinie (ORR 42 vs. 27%, p=0,029) und auch ab der Zweitlinie
(ORR 27 vs. 13%, p=0,006). Eine signifikant erhöhte ORR im NabPaclitaxel-Arm wurde auch für die Gruppe jener Patientinnen
gezeigt, die zuvor eine Anthrazyklin-basierte Therapie im adjuvanten/metastasierten Setting bekommen hatten (34 vs. 18%,
p=0,002), vorwiegend viszerale Metastasen aufwiesen (34 vs.
19%, p=0,002) oder jünger als 65 Jahre waren (34 vs. 19%,
p<0,001; Tabelle 2). In den Subgruppen der Patientinnen mit
nicht viszeraler Erkrankung und jenen älter als 65 Jahre zeigte
sich Nab-Paclitaxel ebenfalls überlegen gegenüber der konventionellen Formulierung, erreichte aber kein Signifikanzniveau,
was sich vermutlich auf die geringe Fallzahl zurückführen lässt.
Die progressionsfreie Zeit (TTP) war für Nab-Paclitaxel signifikant länger als im CrEL-Paclitaxel-Arm (23 vs. 16,9 Wochen;
HR=0,75; p=0,006), was ebenfalls auf die Patientinnen der ≥2
Linie zutraf (20,9 vs. 16,1 Wochen; HR=0,73; p=0,02). Bei Betrachtung der OS-Unterschiede ergab sich eine signifikante
Überlegenheit von Nab-Paclitaxel in der Zweit- und Folgelinientherapie (56,4 vs. 46,7 Wochen; HR=0,73; p=0,024, siehe Abb. 3).
Gegenüber CrEL-Paclitaxel bei MBC-Patientinnen mit ≥1 Vor­
therapie und ≥3 Metastasen führte Nab-Paclitaxel ebenso zu
einer signifikanten OS-Verlängerung von vier Monaten (13,0 vs.
9,0 Monate; p=0,037; Ciruelos & Jackisch 2014).
Aggressives MBC ist gekennzeichnet durch eine höhere Anzahl an Metastasen, das Vorkommen viszeraler Metastasen, ein
verkürztes krankheits- bzw. behandlungsfreies Intervall oder
triplenegativen Phänotyp. Nab-Paclitaxel zeigte sich auch bei
diesen Patientinnen mit aggressivem MBC effektiv, wie eine exploratorische Analyse aus der Phase-III-Studie zutage führte
(Ciruelos & Jackisch 2014). Unter der Nab-Paclitaxel-Therapie
wurde die Tumorschrumpfungsrate bei allen Patienten mit
MBC verglichen mit CrEL-Paclitaxel mehr als verdoppelt
­(„Waterfall-Diagramm“: -34,5% vs. -15,4%). Auch bei Patientinnen mit MBC und Therapie ab der Zweitlinie führte Nab-Paclitaxel zu einer mehr als verdreifachten Tumorreduktion gegenüber konventionellem Paclitaxel (-31,19 vs. -9,48%; siehe Abb. 4)
Dezember 2015
Gesamtüberleben in der Phase-III-Zulassungsstudie (≥Zweitlinie)
sich u.a. aus unterschiedlichen Studienpopulationen (61% der Patientinnen in der
Phase-III-Studie erhielten Nab-Paclitaxel
100
■ Nab-Paclitaxel (n=131)
ab der Zweitlinie) sowie aus einer höheren
Median: 56,4 Wochen
kumulierten Studienmedikation in Phase
■ CrEL-Paclitaxel (n=136)
80
Median: 46,7 Wochen
II. Das mediane OS von ≥65-jährigen Patientinnen war unter Nab-Paclitaxel ähnlich
HR 0,73
p=0,024
in beiden Studien. Künftige Studien mit un60
terschiedlichen Dosierungsintervallen
könnten dazu beitragen, Empfehlungen für
40
ein optimales und auf die jeweilige Patientengruppe abgestimmtes Therapieergebnis
zu formulieren.
20
Nab-Paclitaxel zeigte trotz höherer Paclitaxel-Dosisintensität ein vorteilhafteres Ver46,7
56,4
träglichkeitsprofil verglichen mit CrEL-Pa0 8 16 24 32 40 48 56 60 72 80 88 96 104112120128136144
clitaxel, was unter anderem durch die deutZeit (in Wochen)
lich geringere Inzidenz von Grad-4-NeutroQuelle: Gradishar et al. 2005
penien und der wesentlich schnelleren
Erholung von sensorischen Neuropathien
belegt werden konnte (siehe Kapitel 6). Trotz der um zirka 50%
Die Lebensqualität wurde in der Phase-III-Studie anhand
höheren verabreichten Dosis von Paclitaxel blieb die Lebensdes QOL-Fragebogens C30 der European Organisation for Requalität unter der Therapie mit Nab-Paclitaxel verglichen mit
search and Treatment of Cancer (EORTC) ermittelt und als VerCrEL-Paclitaxel im gesamten Phase-III-Studienverlauf veränderung gegenüber dem Wert zu Behandlungsbeginn für jegleichbar gut.
den Behandlungszyklus ausgewertet.
In keiner Phase der Studie war ein Unterschied in der Lebensqualität zwischen den beiden Behandlungsarmen festzu5.3. Monotherapie-Studien im ambulanten Setting
stellen, obwohl im Nab-Paclitaxel-Therapiearm eine um 49%
5.3.1. Italienische Real-World-Studie
höhere Dosis des Paclitaxel-Wirkstoffes verabreicht wurde.
Aktuelle Ergebnisse zur Verträglichkeit und Lebensqualität
einer Zweitlinien-Monotherapie mit Nab-Paclitaxel (260mg/
In einer Post-hoc-Analyse von zwei Phase-II- und -IIIm2, Drei-Wochen-Zyklus) lieferte eine kürzlich publizierte proStudien wurden Wirksamkeit und Sicherheit von wöchentli2
spektive, multizentrische und ambulant durchgeführte Studie
chem Nab-Paclitaxel (Phase II: 100 oder 150mg/m ) und drei(Palumbo et al. 2015). An dieser Studie nahmen 52 Patientinwöchentlicher Dosierung (Phase II: 300mg/m2 und Phase III:
nen teil, die ein lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes,
260mg/m2) bei älteren, ≥65-jährigen Patientinnen mit konHER2-negatives Mammakarzinom nach Taxan-Vorbehandlung
ventionellem Paclitaxel verglichen (Aapro et al. 2011). Die
im adjuvanten (Taxan-Mono- oder -Kombinationstherapie bei
wöchentliche Gabe von Nab-Paclitaxel 150mg/m2 bei Patien65,4% der Patientinnen) oder metastasierten Setting (46,2% der
tinnen mit ≥65 Jahren war hinsichtlich des PFS mit 18,9 MoPatientinnen) aufwiesen. 30,8% der Studienteilnehmerinnen
naten der dreiwöchentlichen Dosierung (13,8 Monate) in der
hatten triplenegativen Status (TNBC). Die Gesamtansprechrate
Phase II nicht signifikant überlegen (p=0,071). Die Subgrupbetrug 48%, davon 13,5% komplette und 34,5% partielle Remispenanalyse bei Patientinnen mit ≥65 Jahren in der Phase-IIIsionen. Eine Krankheitsstabilisierung konnte für 36,5% aller
Studie lag bei 5,6 Monaten und war somit länger als im KonPatientinnen dokumentiert werden. 68,8% der Patientinnen
trollarm mit CrEL-Paclitaxel (3,5 Monate). Die Unterschiede
mit TNBC und 75% mit ≥3 Metastasen sprachen auf Nab-Pacliim PFS zwischen den Phase-II- und -III-Ergebnissen ergeben
Anteil Überlebender (in Prozent)
Abb. 3
Exploratorische Analyse der Phase-III-Zulassungsstudie:
Veränderung der Größe der Zielläsionen bei vorbehandelten MBC-Patientinnen (≥Zweitlinie)
Abb. 4
■ Nab-Paclitaxel (n=126)
durchschnittliche Ansprechrate:-31,19%(SD 37,6)
■ CrEL-Paclitaxel (n=128)
durchschnittliche Ansprechrate: -9,48% (SD 79,88)
80
60
p=0,006
40
20
30
60
90
120
0
Tumorschrumpfung
Änderung der Tumorgröße (in Prozent)
100
Tumorwachstum
>100
-20
-40
-60
-80
-100
SD=Standardabweichung
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Quelle: Ciruelos & Jackisch 2014
Dezember 2015
9
Monotherapie in der Zweitlinie: objektive Ansprechraten
Ansprechrate (%)
Tab. 3
Subgruppe
n
95% CI
<65 Jahre
31
61,3
43,9–76,3
≥65 Jahre
21
28,6
13,8–50,0
ECOG 0
32
62,5
45,3–77,1
ECOG 1–2
20
25,0
11,2–46,9
<24 Monate
19
63,2
41,0–80,9
≥24 Monate
33
39,4
24,7–56,3
ER+/PgR+
25
32,0
17,2–51,6
ER+/PgR-
9
55,6
26,7–81,1
ER-/PgR+
2
50,0
9,5–90,5
ER-/PgR-
16
68,8
44,4–85,8
prämenopausal
25
64,0
44,5–79,8
postmenopausal
27
33,3
18,6–52,2
medianes DFI ab Diagnose
HR-Status
Zahl der Metastasierungsstellen
1
13
23,1
8,2–50,3
2
27
44,4
27,6–62,7
≥3
12
75,0
46,8–91,1
Dominante Metastasierungsstelle
Leber
24
75,0
55,1–88,0
Lunge
11
36,4
15,2–64,6
Knochen
10
20,0
5,7–51,0
7
14,3
2,6–51,3
Weichgewebe/Haut/
Lymphknoten
Vorangegangene adjuvante CHT
Anthrazyklin
14
28,6
11,7–54,6
Taxan
16
68,8
44,4–85,8
Anthrazyklin + Taxan
18
55,6
33,7–75,4
4
0,0
0,0–50,0
CMF
Vorangegangene CHT bei metastasierter Erkrankung
Taxan-basiert
24
54,2
35,1–72,1
Taxan-frei
28
42,9
26,5–60,9
CHT=Chemotherapie; CMF=Cyclophosphamid/Methotrexat/5-Fluorouracil;
DFI=krankheitsfreies Intervall; ER=Östrogen-Rezeptor; HR=Hormonrezeptor;
n=Patientenzahl; PgR=Progesteron-Rezeptor
Quelle: Palumbo et al. 2015
taxel an. Die Patientinnen profitierten trotz einer Taxan-basierten Vorbehandlung im adjuvanten Setting (Taxan-Mono- bzw.
Anthrazyklin-Taxan-Kombinationstherapie) von Nab-Paclitaxel mit einer Ansprechrate von 68,8 bzw. 55,6% (Tab. 3). Auch
Frauen, die bereits Taxane zur Behandlung ihrer metastasierten Erkrankung erhalten hatten, profitierten von Nab-Paclitaxel
mit einer Ansprechrate von 54,2%. Als mittlere Zeit bis zum
Ansprechen wurden 70 Tage und als medianes PFS fast neun
Monate (Spanne: 5–21 Monate) ermittelt. 92% der Patientinnen
haben die volle geplante Nab-Paclitaxel-Dosierung von 260
mg/m2 q3w im gesamten Studienverlauf erhalten. Bei den hämatologischen Nebenwirkungen stand erwartungsgemäß die
Neutropenie im Vordergrund (21% Grad 3/4), die jedoch durch
kurze Therapieunterbrechung oder G-CSF-Gabe gut handhabbar war. Hervorzuheben ist bei dieser Studie die systematische
10
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Erfassung der Lebensqualität (Quality of Life, QoL). Die Patientinnen beantworteten vor Therapiestart und vor Beginn eines
Behandlungszyklus den EORTC-QLQ-BR23-Fragenkatalog
(European Organization for Research and Treatment of Cancer
Quality of Life Questionnaire Breast-23). Zusätzlich wurde ein
von den Studienzentren konzipierter und validierter Fragenbogen ausgefüllt, in dem die subjektive Verträglichkeit von NabPaclitaxel im Vergleich zu der vor Studienbeginn erhaltenen
Therapie bewertet wurde (siehe Abb. 5). Mehr als 80% der Patientinnen beurteilten die Verträglichkeit mit „sehr gut“ oder
„gut“ und 60% gaben an, dass sie die Behandlung mit Nab-Paclitaxel besser als ihre vorherige Therapie vertragen hätten. Die
Analyse der Parameter der Lebensqualität bestätigte das gute
Verträglichkeitsprofil auch bei Patientinnen, die ≥9 Therapiezyklen mit Nab-Paclitaxel erhalten hatten. Zusammenfassend
wurde die Nab-Paclitaxel-Monotherapie von den Autoren der
Studie als valide Option mit guter Wirksamkeit und Verträglichkeit bei nicht oder bereits Taxan-vorbehandelten MBC-Patientinnen gewertet.
5.3.2. US Oncology Survey
Eine große US-Real-World-Studie zeigte die Wirksamkeit
einer Nab-Paclitaxel-Monotherapie im ambulanten Setting
(Patt et al. 2014 und 2015). Die Publikation der Daten basiert auf
einer retrospektiven Analyse der Optum Research Database ergänzt um „Social Security Death Index“-Quellen von erwachsenen Patientinnen mit MBC aus den USA. Eingeschlossen wurden Patientinnen ohne andere Malignitäten und ohne frühere
Chemotherapie. Kohorten wurden auf Grund der Therapielinie,
Nab-Paclitaxel-Regime und Dosierung eingeteilt. Studienendpunkte beinhalteten Therapieschemata, Zeit zur nächsten Therapie oder Tod, Gesamtüberleben und Verträglichkeit. Von den
insgesamt 664 dokumentierten Patientinnen waren 88% im Alter 40–69 Jahre und erhielten Nab-Paclitaxel mehrheitlich ab der
Zweitlinie (74%) und als Monotherapie (61%). Als Kombinationspartner für Nab-Paclitaxel wurden am häufigsten Bevacizumab (58%; bevorzugt bei Erstlinientherapie) und HER2-zielgerichtete Therapien (24%; bevorzugt bei ≥Drittlinientherapien) eingesetzt.
Die Auswertung der OS-Daten nach Therapielinie zeigte ein
medianes OS von 22,7, 17,4 und 15,1 Monaten für Patientinnen
in der Erst-, Zweit- und ≥Drittlinie. Bei Patientinnen mit einer
Zweitlinientherapie lag das OS mit Nab-Paclitaxel-Monotherapie bei 15,6 Monaten verglichen mit 24,4 Monaten, falls NabPaclitaxel in Kombination mit anderen Substanzen verabreicht
wurde. Eine tiefergehende Analyse, die auch verschiedene Dosisschemata berücksichtigte, zeigte für Patientinnen in der
Zweitlinie mit einer wöchentlichen Nab-Paclitaxel-Dosierung
ein OS von 19,8 Monaten gegenübergestellt mit 17,4 Monaten,
falls eine Nab-Paclitaxel-Dosis von 260mg/m2 q3w zur Anwendung kam. Dieses Ergebnis korreliert mit den aus der Phase III
von Gradishar et al. publizierten 13 Monaten bei ≥ZweitlinienPatientinnen in der zugelassenen q3w-Dosierung. Das Nebenwirkungsprofil in dieser großen Real-World-Studie war konsis­
tent mit den früher publizierten Daten.
5.4. Nab-Paclitaxel-Kombinationstherapien
5.4.1. Phase-II-Studien im metastasierten Setting
Therapieergebnisse von Kombinationen von Nab-Paclitaxel
mit monoklonalen Antikörpern und/oder Chemotherapeutika
sind in mehreren Phase-II-Studien publiziert worden. Obgleich
Zulassungen von Kombinationstherapien mit Nab-Paclitaxel
beim MBC noch nicht vorliegen, sollen im Folgenden zur Beurteilung verschiedener klinischer Daten die Resultate der wesentlichen Studien in Bezug auf Therapieerfolg und relevante
Dezember 2015
Zweitlinienstudie: Lebensqualität im zeitlichen Verlauf auf Basis
des EORTC-QLQ-BR23-Fragenkatalogs
50
■ Zukunftsperspektiven ■ Nebenwirkungen der
■ Brustsymptome ■ Armsymptome
systemischen Therapie
40
Score-Punkte
Abb. 5
30
sätzlich fünf Patientinnen mit stabiler und
zwei Patientinnen mit progressiver Erkrankung (Clinical Benefit Rate [CBR]: 93,1%).
Das mittlere PFS betrug 10,4 Monate, die OSRate nach 18 Monaten lag bei 77,2% (95% CI:
51,1–90,5%). Grad-3/4-Nebenwirkungen
traten bei insgesamt bei 27,6% der Teilnehmerinnen auf. Neutropenie trat bei 10,3%
Patientinnen auf (nur Grad-2-Fälle).
Nab-Paclitaxel plus Bevacizumab. In einer
offenen Studie wurden Patientinnen mit metastasiertem, HER 2-negativem Brustkrebs
auf drei Therapiearme randomisiert: Arm A:
10
Nab-Paclitaxel 260mg/m2 und Bevacizumab
15mg/kg alle drei Wochen (n=72); Arm B:
Nab-Paclitaxel 260mg/m2 und Bevacizumab
Baseline Zyklus 1 Zyklus 2 Zyklus 3 Zyklus 4 Zyklus 5 Zyklus 6 Zyklus 7 Zyklus 8 Zyklus 9
10mg/kg plus Filgrastim (Granulocyte Colo(n=52) (n=52) (n=52) (n=52) (n=52) (n=50) (n=50) (n=48) (n=48) (n=48)
ny-Stimulating Factor, G-CSF) alle zwei WoQuelle: adaptiert nach Palumbo et al. 2015
chen (n=54); Arm C: Nab-Paclitaxel 130mg/
m2 wöchentlich und Bevacizumab 10mg/kg
alle zwei Wochen (n=76). 61% aller Patientinnen hatten zuvor
Nebenwirkungen kurz zusammengefasst werden. Eine Übereine (neo-)adjuvante Therapie erhalten, davon rund 39% eine
sicht ausgewählter Phase-II-Studien zur Kombinationstherapie
Taxan-basierte (Seidman et al. 2013). Es ergaben sich keine simit Nab-Paclitaxel beim metastasierten oder lokal fortgeschritgnifikanten Unterschiede in den allgemeinen Ansprechraten
tenen Brustkrebs zeigt Tabelle 4.
zwischen den drei Studienarmen. Die Zeit bis zur Tumorprogression war allerdings bei wöchentlicher Nab-Paclitaxel-DoNab-Paclitaxel plus Gemcitabin. In einer Erstlinien-Kombinatisierung im Arm C mit 9,2 Monaten gegenüber den Armen B und
onstherapie wurden 50 Teilnehmerinnen, die mehrheitlich einen
A mit 6,4 bzw. 7,7 Monaten signifikant verlängert (p=0,028).
HER2-negativen und rund ein Drittel TNBC-Status aufwiesen, am
Neuropathie vom Grad ≥2 war in allen drei Armen mit mehr als
ersten und achten Tag eines Drei-Wochen-Zyklus mit Nab-Pacli50% häufig. Die Grad-3/4-Neutropenie-Rate war im Arm C am
taxel (125mg/m2) und Gemcitabin (1.000mg/m2) behandelt (Roy
höchsten (33%).
et al. 2009). Die Hälfte der Patientinnen hatte zuvor eine adjuvante oder neoadjuvante Chemotherapie erhalten, darunter auch 15
Nab-Paclitaxel plus Trastuzumab. Die Kombination von NabPatientinnen (30%) eine Therapie mit Taxanen, die seit mehr als
Paclitaxel (125mg/m2) an den Tagen 1, 8 und 15 eines vierwöchisechs Monaten abgeschlossen worden war. Nach RECIST-Kriterien ergaben sich eine ORR von 50%, ein PFS von 7,9 Monaten und
gen Zyklus mit wöchentlicher Gabe von Trastuzumab (2mg/kg)
eine OS-Rate von 92% nach sechs Monaten. Für die Taxan-vorbekonnte in einer Phase-II-Studie (n=72) bei 22 HER2-positiven
handelten Patientinnen wurde die Wirksamkeit dieser TherapiePatientinnen getestet werden. Parallel dazu konnten die Daten
option bestätigt. Die vorwiegenden Grad-3/4-Nebenwirkungen
von 42 der 50 ausschließlich mit Nab-Paclitaxel behandelten
waren Neutropenie (54%), Fatigue (28%), Anämie (14%) und
Patientinnen mit HER2-negativen MBC ausgewertet werden
Thrombozytopenie (12%). Eine periphere Neuropathie (Grad 3)
(Mirtsching et al. 2011). 20,8% aller Patientinnen wurden mit
wurde bei vier Patientinnen (8%) beobachtet.
Taxanen vorbehandelt. In der HER2-positiven Gruppe lag die
ORR bei 52,4% gegenüber 38,1% in der HER2-negativen VerNab-Paclitaxel plus Capecitabin. In einer Phase-II-Studie ergleichsgruppe. Das mediane PFS und das mediane OS lagen bei
hielten 50 Patientinnen mit HER2-negativen MBC eine Kombi18,7 Monaten bzw. 36,8 Monaten für die Kombinationstherapie
nation von Capecitabin (825mg/m2 oral zweimal täglich) für 15
gegenüber einem PFS und OS von 12,8 bzw. 27,3 Monaten im
HER2-negativen Nab-Paclitaxel-Arm. Die Verträglichkeit war
Tage und Nab-Paclitaxel (125mg/m2) an den Tagen 1 und 8 eines
allgemein sehr gut mit nur sechs Fällen einer sensorischen Neudreiwöchigen Zyklus (Schwartzberg et al. 2012). Eingeschlossen
ropathie im Grad 3 bzw. drei Episoden einer Grad-4-Toxizität.
wurden Patientinnen, deren Erstlinien-Chemotherapie mit Anthrazyklinen (40%) oder Taxanen (34%) mehr als sechs Monate
Nab-Paclitaxel plus Carboplatin plus Trastuzumab. Eine mulzurücklag. Es wurde eine ORR von 61%, eine Krankheitsstabilitizentrische Phase-II-Studie zur Erstlinientherapie des fortgesierungsrate von 83% und ein PFS von 10,6 Monaten (95% CI:
schrittenen HER2-positiven MBC rekrutierte 32 Patientinnen
8,2–13,2) festgestellt, wobei das mediane OS 19,9 Monate (95%
(ECOG-Status 0–1 mit einer Ausnahme), die mit der KombinaCI: 15,1–23,9) betrug. Die vorwiegenden Nebenwirkungen vom
tion von Nab-Paclitaxel (Dosierung 100mg/m2 an Tagen 1, 8 und
Grad ≥3 waren Schmerzen, Hand-Fuß-Syndrome sowie Neutropenie und traten bei ca. zehn Prozent der Patientinnen auf.
15) und Carboplatin (Dosis AUC=2 an Tagen 1,8 und 15; n=13
oder AUC=6 am Tag 1; n=19) in vierwöchigem Zyklus und
Nab-Paclitaxel plus Bevacizumab plus Gemcitabin. Für 29 PaTrastuzumab (initial 4mg/kg, dann nach einem Protokolltientinnen mit metastasiertem HER-2-negativen (44,8% tripelAmendment auf 2mg/kg wöchentlich für alle Teilnehmerinnen)
negativ) MBC zeigte die Auswertung einer offenen Phase-IIbehandelt wurden (Conlin et al. 2010). 34% der Patienten hatten
Studie zur Kombination von Nab-Paclitaxel (150mg/m2) mit
eine Taxan-Vortherapie erhalten. Die Auswertung der Studie
ergab eine ORR von 62,5% mit drei bestätigten pathologisch
Gemcitabin (1.500mg/m2) und Bevacizumab (10mg/kg), verabkompletten (pCR) und 17 partiellen Remissionen (PR). Weitere
reicht am 1. und 15. Tag eines vierwöchigen Therapiezyklus,
sechs Patientinnen zeigten eine Stabilisierung ihre Erkrankung,
folgende Ergebnisse (Lobo et al. 2010): Die ORR betrug 75,9%,
womit sich eine DCR von 81,3% ergab. Als relevante Nebenwirmit acht kompletten und 14 partiellen Remissionen, sowie zu20
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Dezember 2015
11
Übersicht ausgewählter Phase-II- und -III-Studien zu Erstlinien-Kombinationstherapien mit Nab-Paclitaxel beim MBC N
(Anteil HER2neg/TNBC)
Studie
Therapieschema
Nab-Paclitaxel
Zytostatikum
Biologikum
Tab. 4
Therapieerfolg
Nebenwirkungen
Phase-II-Studien
Roy et al. 2009
50
(98%/28%)
125mg/m2,
d1/8;
alle 3 Wochen
Gemcitabin (i.v.):
1.000mg/m2;
d1/8;
3-Wochen-Zyklus
ORR 50%
PFS 7,9Mo
6-Mo-OS 92%
Neutropenie
(G3/4): 54%
Neuropathie (G3):
8%
Schwartzberg
et al. 2012
50
(alle
HER2-neg)
125mg/m2,
d1/8;
alle 3 Wochen
Capecitabin
(p.o.): 825mg/m2,
bid Tage 1-15,
3-Wochen-Zyklus
ORR 61%
PFS 10,6Mo
OS 19,9Mo
Neutropenie
(G3/4): 10%
Neuropathie (G3):
1%
30
(100%/44,8%)
150mg/m2,
d1/15
alle 4 Wochen
Gemcitabin (i.v.):
1.500mg/m2,
d1/15
alle 4 Wochen
Lobo et al.
2010
Seidman et al.
2013
Bevacizumab
(i.v.): 10mg/kg,
d1/15 alle 4 Wochen
75
(alle
HER2-neg)
260mg/m2, d1,
alle 3 Wochen
(q3w), (=Arm A),
21-Tage-Zyklus
Bevacizumab
ORR 45%
(i.v.): 15mg/kg,
TTP 8Mo
d1, alle 3 Wochen OS 21,3Mo
Neutropenie
(G3/4):16%
Neuropathie
(G3/4): 33%
54
(alle
HER2-neg)
260mg/m2, d1,
alle 14 Tag (q2w),
(=Arm B);
14-Tage-Zyklus
Bevacizumab
(i.v.): 10mg/kg,
d1, alle 14 Tage
plus G-CSF
ORR 41%
TTP 5,8Mo
OS 19Mo
Neutropenie
(G3/4): 6%
Neuropathie
(G3/4): 56%
79
(alle
HER2-neg)
130mg/m2, d1,
wöchentlich (qw),
(=Arm C);
21-Tage-Zyklus
Bevacizumab
ORR 46%
(i.v.): 10mg/kg,
TTP 9Mo
d1, alle 3 Wochen OS 23,7Mo
Neutropenie
(G3/4): 33%
Neuropathie
(G3/4): 46%
ORR 42,2%
DCR 68,8%
PFS 14,5Mo
OS 29Mo
Gesamtpopulation 72,
davon 64
auswertbar
Mirtsching et
al. 2011
Conlin et al.
2010
Neutropenie:
ORR 75,9%
(G3/4): 0%
PFS 10,4Mo
Neuropathie (G3):
18-Mo-OS 77,2%
3,4%
22
HER2positiv
125mg/m2,
d1/8/15 alle 4
Wochen
42
HER2negativ
125mg/m2, q1w
(Tage 1/8/15,
q28d)
32
(alle
HER2-pos)
100mg/m2,
d1/8/15 alle 4
Wochen
Trastuzumab
(i.v.): 4mg/kg d1,
2mg/kg
wöchentlich
Neutropenie (nur
G3): 8%
Neuropathie (nur
G3):6%
ORR 52,4%
DCR 71,4%
PFS 18,7Mo
OS 36,8Mo
ORR 38,1%
DCR 66,7%
PFS 12,8Mo
OS 27,3Mo
Carboplatin bei
AUC=2: d1/8/15
alle 4 Wochen;
Amendment zu:
AUC=6: d1
Trastuzumab
(i.v.): 4mg/kg d1
Woche 1, dann
2mg/kg
wöchentlich
ORR 62,5%
DCR 81%
PFS 16,6Mo
Neutropenie
(G3/4): 50%
Neuropathie (nur
G3): 3%
Phase-III-Studie
267
Nab-Paclitaxel
(150mg/m2; Tage
1/8/15, q28d)
214
Ixabepilon
(16mg/m2; Tage
1/8/15, q28d)
275
CrEL-Paclitaxel
(90mg/m2, Tage
1/8/15, q28d)
CALGB 40502
Rugo et al.
2015
Bevacizumab
(i.v.): 10mg/kg,
d1/15 alle
4 ­Wochen
PFS 9,3Mo
OS (vs. CrEL-P)
23,5 vs. 26,5Mo
PFS 7,4Mo
OS (vs. CrEL-P)
23,6 vs. 27,3Mo
PFS 11,0Mo
hämatologische
Toxizität (G≥3)
Nab-P 55%
Ixabepilon 12%
CrEL-P 22%
periphere Neuropathie (G≥2)
Nab-P 54%
CrEL-P 47%
(p=0,031)
AUC=Area Under the Curve; bid=zweimal täglich; DCR=Krankheitskontrollrate (CR+PR+SD); G=Grad; G-CSF=Granulocyte Colony-Stimulating Factor; HER2=humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2; Mo=Monate; ORR=Gesamtansprechrate (CR+PR); OS=Gesamtüberleben; PFS=progressionsfreies Überleben; TTP=Time To Progression
12
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Dezember 2015
5.4.2. Phase-III-Studie CALGB 40502
In dieser randomisierten Studie wurden Ixabepilon (16mg/
m2), CrEL-Paclitaxel (90mg/m2) und Nab-Paclitaxel (150mg/m2)
und jeweils in Kombination mit Bevacizumab (10mg/kg Körpergewicht, d 1/15 alle vier Wochen) bei 799 chemotherapienaiven
Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs im Stadium III/IV verglichen (Rugo et al. 2015). Alle Chemotherapien wurden, falls
erforderlich mit entsprechenden Prämedikationen, an den Tagen 1, 8 und 15 eines Vier-Wochen-Zyklus verabreicht, und fast
alle Patientinnen (97%) erhielten wie vorgesehen Bevacizumab.
Der Ixabepilon-Arm wurde nach der ersten Interimsanalyse
wegen Vergeblichkeit geschlossen (n=214), die CrEL- bzw. NabPaclitaxel-Arme (n=275 bzw. 267) wurden nach der zweiten Interimsanalyse aufgegeben. Das mediane PFS für CrEL-Paclitaxel wird mit 11,0 Monaten angegeben, und Ixabepilon erwies
sich als unterlegen (7,4 Monate; HR=1,59; 95% CI 1,31–1,93;
p<0,001). Nab-Paclitaxel war mit einem PFS von 9,3 Monaten
CrEL-Paclitaxel nicht überlegen (HR=1,20; 95% CI 1,00–1,45;
p=0,054). Die PFS-Ergebnisse korrelierten mit dem medianen
Gesamtüberleben (Ixabepilon vs. CrEL-Paclitaxel 23,6 vs. 27,3
Monaten und Nab-Paclitaxel vs. CrEL-Paclitaxel 23,5 vs. 26,5
Monate). In beiden experimentellen Armen war die Zeit bis zum
Therapieversagen kürzer als mit der Standardtherapie CrELPaclitaxel. Hämatologische und nicht hämatologische Nebenwirkungen inklusive peripherer Neuropathien traten im NabPaclitaxel-Arm öfter auf und erforderten häufiger und auch
früher Dosisreduktionen.
5.4.3. Sequenzielle adjuvante Therapie mit Nab-Paclitaxel-Kombinationen
In einer offenen, multizentrischen Pilotstudie, an der elf
Onkologie-Praxen in den USA teilnahmen, wurde die Verträglichkeit eines adjuvanten Therapieschemas bei Patientinnen
mit Hochrisiko-HER2-negativem (33% TNBC) Brustkrebs getes­
tet (Robert et al. 2011). Insgesamt 30 Teilnehmerinnen erhielten
vier Zyklen dosisintensives Doxorubicin-Cyclophosphamid
(AC-Arm) plus pegyliertem G-CSF; 29 Patientinnen erhielten
anschließend dosisintensives Nab-Paclitaxel (260mg/m2 alle
zwei Wochen für geplante vier Zyklen), davon erhielten 27 Patientinnen alle vier Zyklen. Während der Nab-Paclitaxel-Behandlung war eine Supportivtherapie mit pegyliertem G-CSF bei 34%
der Probandinnen indiziert. Grad-3- oder Grad-4-Nebenwirkungen wurden bei 45 bzw. 10% der Patientinnen im Verlauf der
vier Nab-Paclitaxel-Zyklen festgestellt, wobei Neutropenie und
periphere Neuropathie im Vordergrund standen. Nach zwei
bzw. acht Monaten waren Neuropathien jedoch bei 79 bzw. 97%
fast völlig verschwunden (Grad ≤1).
5.4.4. Sequenzielle neoadjuvante Therapie mit NabPaclitaxel-Kombinationen
Die deutlichen Vorteile von Nab-Paclitaxel in der Zweitlinientherapie des MBC lieferten die Rationale für eine Anwendung
im neoadjuvanten Setting. Tabelle 5 gibt eine Übersicht.
Nab-Paclitaxel gefolgt von FEC. Im neoadjuvanten Setting wurde die Behandlung mit dosisintensivem Nab-Paclitaxel (100mg/
m2 wöchentlich für 12 Wochen) gefolgt von bis zu vier Zyklen
5-Fluorouracil-Epirubicin-Cyclophosphamid (FEC) bei insgesamt 66 eingeschlossenen Patientinnen (darunter HER2-positive Diagnosen bei 29% der Patientinnen: Zugabe von Trastu-
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
zumab erlaubt) mit lokal fortgeschrittenem Brustkrebs (Stadien
IIB, IIIA und IIIB bei 33, 42 und 24%) und einen ECOG-Status
von 0–1 evaluiert (Robidoux et al. 2010). Primärer Endpunkt war
eine pathologische komplette Remission (pCR) des Tumors, die
bei insgesamt 29 bzw. 26% bezogen auf die pCR für Brust bzw.
Brust und Lymphknoten erreicht werden konnte. Eine ähnliche
pCR-Rate (28%) ergab sich auch für Frauen mit TNBC. Die häufigsten Nebenwirkungen mit Nab-Paclitaxel waren periphere
Neuropathien des Grades 2 bzw. 3 bei elf bzw. fünf Prozent, sowie Neutropenien des Grades 2 oder 3 bei sechs bzw. drei Prozent der Probandinnen.
GeparSepto. Das Ziel der bislang größten multizentrischen randomisierten Phase-III-Studie, der GeparSepto-Studie (EudraCT-Nummer 2011-004714-41), war der Vergleich der Rate
pathologisch vollständigen Ansprechens (pCR=ypT0ypN0)
nach neoadjuvanter Behandlung mit Nab-Paclitaxel oder alternativ mit lösungsvermittlerhaltigem Paclitaxel im Rahmen der
neoadjuvanten Therapie von lokal fortgeschrittenem und operablem primärem Brustkrebs. Diese Studie, an der 69 Zentren in
Deutschland teilnahmen, rekrutierte 1.204 Patientinnen mit
zuvor unbehandeltem Mammakarzinom im Stadium cT2–cT4d
(Untch et al. 2014). Insgesamt 54,3% hatten G3-Tumore, 45,7%
waren nodalpositiv und 16,3% hatten ein cT3/4-Karzinom. Das
Gesamtdurchschnittsalter betrug 49 Jahre. Die Teilnehmerinnen wurden 1:1 in zwei Studienarme randomisiert und erhielten
über jeweils zwölf Wochen entweder CrEL-Paclitaxel (80mg/m²
pro Woche, n=598) oder Nab-Paclitaxel (150 bzw. 125mg/m² pro
Woche, n=606). Im Prüfarm wurde die Dosierung von initial
150mg/m²/Woche nach den ersten 400 Patientinnen wegen Nebenwirkungen auf 125mg/m²/Woche reduziert. Diesem Schema folgten je vier Zyklen Epirubicin-Cyclophosphamid (90 und
600mg/m² alle drei Wochen). Patientinnen mit HER2-positiven
Tumoren (n=395; 32,8%) erhielten in Analogie zur TRYPHAENA-Studie (Schneeweiss et al. 2013) parallel zur neoadjuvanten
Chemotherapie eine duale anti-HER2-gerichtete Behandlung
mit Pertuzumab und Trastuzumab. Die Interimsanalyse der
pCR-Rate (ypT0 ypN0) als primärer Studienendpunkt zeigte einen statistisch signifikanten Unterschied von absolut neun Prozent zugunsten von Nab-Paclitaxel (pCR 38 vs. 29 %; Odds Ratio
[OR] 1,53; 95% CI 1,21–1,95; p=0,001; Abb. 6). Hierbei ist anzumerken, dass die pCR-Rate sehr streng definiert war – kein residualer Tumorrest, weder invasiv noch nicht invasiv in Brust
oder Axilla (ypT0 ypN0, Abb. 6). Auch bei weniger strengen pCR-
pCR-Raten in der Phase-III-Studie GeparSepto
(Gesamtpopulation)
Abb. 6
60
p=0,001
50
38
Patienten (in Prozent)
kungen wurden Grad-4-Neutropenien bei drei Patientinnen
und febrile Neutropenie in einem Fall dokumentiert sowie das
Auftreten von peripherer Grad-2- oder Grad-3-Neuropathie bei
13 bzw. drei Prozent der Frauen.
40
29
30
20
10
CrEL-Paclitaxel
Nab-Paclitaxel
Quelle: adaptiert nach Untch et al. 2014
Dezember 2015
13
Kombinationstherapien mit Nab-Paclitaxel beim frühen Brustkrebs
Studie
Tab. 5
Therapieschema
Nab- oder CrELPaclitaxel
Zytostatikum
AC alle 2 Wo gefolgt
von Nab-Paclitaxel
(260mg/m2 alle 2 Wo;
vier Zyklen)
A: 60mg/m2
C: 600mg/m2
Peg-G-CSF:
6mg sc am
Tag 2 nach jeder AC-Gabe
Nab-Paclitaxel
(100mg/m2/Wo für
12 Wo) gefolgt von
FEC nach 2–3 Wo
F: 500mg/m2
E: 100mg/m2
C: 500mg/m2
21-TageZyklen,
4 Zyklen
Nab-Paclitaxel (150
bzw. 125mg/m2
d1/8/15 wöchentlich
für 4 Zyklen)1
vs.
CrEL-Paclitaxel
(80mg/m2 wöchentlich für 4 Zyklen
gefolgt von EC
bei HER2+:
Pertuzumab
840mg/kg initial,
2
E: 90mg/m
danach 420mg/
C: 600mg/m²,
kg;
dreiwöchentund
lich
Trastuzumab
8mg/kg initial,
danach 6mg/kg
N
Biologikum
Therapieerfolg
Neben­
wirkungen
(Nab-Paclitaxel)
k.A.
Neutropenie Grad
3/4: je 10%
Neuropathie Grad
3: 14%/0%
Adjuvante Therapie
Robert et al.
2011
29
Neoadjuvante Therapie
Robidoux et
al. 2010
GeparSepto
Untch et al.
2014
65
1.204
(395
HER2+)
pCR Brust: 29% (95% CI
19–42%);
bei HER2 : TrastupCR Brust und LK: 26%
zumab (n=17):
(95% CI 16–39%)
4mg/kg initial,
pCR für TNBC (n=18):
danach 2mg/kg
28%
2-J-PFS: 81%
+
Neutropenie Grad
3/4: 3%/0%
Neuropathie Grad
3/4: 5%/0%
Gesamtpopulation pCR:
38 vs. 29% 2
TNBC (n=275)
pCR 48,2 vs. 25,7% 2
Neutropenie Grad
3/4: 60,5%
Grad 3/4 Neuropathie: 10,2%
HER2+, HR- (n=107)
pCR 74,6 vs. 66,7%
1 nach einem Amendment reduziert auf 125mg/m2; 2 p=<0,001
AC=Doxorubicin-Cyclophosphamid; EC=Epirubicin-Cyclophosphamid; FEC=5-Fluorouracil-Epirubicin-Cyclophosphamid; HR=Hormonrezeptor; HER2=humaner epidermaler
Wachstumsfaktor-Rezeptor 2; LK=Lymphknoten; k.A.=keine Angabe; pCR=pathologisch komplette Response; Peg-G-CSF=pegylierter Granulocyte Colony-Stimulating Factor;
TNBC=triplenegativer Brustkrebs; Wo=Wochen
Definitionen, die eine In-situ-Komponente in der Brust oder
einen positiven Lymphknotenbefall in der Axilla tolerieren,
blieb der absolute pCR-Vorteil von neun Prozent für das Gesamtkollektiv erhalten (ypT0/is ypN0 43% vs. 34%; p=0,004 und
ypT0/is ypN0/+ 49% vs. 40%; p=0,002).
Nab-Paclitaxel war unabhängig vom HER2- bzw. Hormonrezeptor -(HR)-Status favorisiert. Insbesondere die TNBC-Patientinnen (23% der Studienpopulation) profitierten von der neoadjuvanten Behandlung mit Nab-Paclitaxel. Hier lag die pCRRate mit 48,2% fast doppelt so hoch wie im Kontrollarm mit
CrEL-Paclitaxel (48,2 vs. 25,7%; OR 2,69; p<0,001). Patientinnen
mit HER2-positiven, Hormonrezeptor-negativen Tumoren erreichten eine pCR von 74,6% mit Nab-Paclitaxel (vs. 66,7%, OR
1,47; p=0,371).
Dem deutlichen Wirksamkeitsvorteil von Nab-Paclitaxel
stand ein günstiges Nebenwirkungsprofil gegenüber. Obwohl
die Inzidenz peripherer sensorischer Grad-3/4-Neuropathien
bei Gabe von 150mg/m² signifikant höher ausfiel (Gesamtpopulation: 10,2 vs. 2,7%; p<0,001), neutralisierte sich dieser Unterschied nach der Dosisreduktion auf 125mg/m².
In einem Update (Von Minckwitz et al. 2015) zeigte sich ein
verbessertes Nutzen-Risiko-Profil für die 125mg/m2-Dosierung:
höhere pCR-Raten in der Gesamtpopulation (Nab-Paclitaxel
125- bzw. 150mg/m2 wöchentlich 41 bzw. 32% verglichen mit
Cr-EL-Paclitaxel 29%). Ähnliches zeigte sich auch für triplenegative Patientinnen (pCR-Rate 49%, 46% und 26%). Die verbesserte Wirksamkeit der 125mg/m2-Dosierung ging mit einer reduzierten Toxizität (periphere sensorische Neuropathien vom
Schweregrad 3/4 8% bzw. 15% versus 3%), verbesserter Adhä-
14
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
renz und höherer relativer Dosisintensität (119 bzw. 129mg/m2
und 78mg/m2 für Cr-EL-Paclitaxel) einher.
Zurzeit liegen noch keine Ergebnisse zum PFS oder OS vor.
Die bisherigen signifikanten pCR-Vorteile und die hohe Überlegenheit beim TNBC sind ein für die Zukunft mögliches Anwendungsgebiet von Nab-Paclitaxel vor einer Anthrazyklin-basierten Chemotherapie, was die finale Auswertung der GeparSeptoStudie bestätigen wird müssen. Nab-Paclitaxel hat für die Anwendung im neoadjuvanten Setting noch keine Zulassung.
6. Verträglichkeit
Nab-Paclitaxel weist ein gut handhabbares Verträglichkeitsprofil auf. Als dosislimitierende Nebenwirkung von NabPaclitaxel ist vorrangig das Auftreten einer schweren peripheren
Neuropathie zu werten. In der zulassungsrelevanten Phase-IIIStudie, in der die dreiwöchige Gabe von 260mg/m2 Nab-Paclitaxel mit der Dosierung von 175mg/m2 CrEL-Paclitaxel verglichen
wurde, traten sensorische Neuropathien vom Grad 3 im Prüfarm
mit zehn gegenüber zwei Prozent häufiger auf. Jedoch konnte
eine Besserung der sensorischen Neuropathie auf Grad 1 oder 2
durch Dosisreduktion und Unterbrechung der Behandlung mit
Nab-Paclitaxel rasch, im Mittel bereits nach 22 Tagen, erzielt
werden. Verglichen dazu dauerte es im Median 79 Tage unter
konventionellem Paclitaxel, bis eine vergleichbare Besserung
der Symptome der sensorischen Neuropathie eintrat (p=0,028).
Es gab keine Episoden von sensorischer Neuropathie Grad 4
oder von motorischer Neuropathie in beiden Studienarmen.
Am Tag 28 nach dem Erstauftreten war die Zahl der Patientinnen
mit persistierender sensorischer Neuropathie Grad 3 unter Nab-
Dezember 2015
Häufigkeit von therapiebedingten Nebenwirkungen
in der Phase-III-Studie
Tab. 6
Neben­
wirkung (%)
Schweregrad
NabPaclitaxel
(n=229)
CrELPaclitaxel
(n=225)
Sensorische
Neuropathie
alle Grade
Grad 3
Grad 4
71
10
0
55
2
0
0,001
Neutropenie
alle Grade
Grad 3
Grad 4
34
20
10
49
25
21
0,002
Übelkeit
alle Grade
Grad 3
Grad 4
29
3
0
20
<1
0
0,041
Diarrhoe
alle Grade
Grad 3
Grad 4
25
<1
0
13
<1
0
0,002
Erbrechen
alle Grade
Grad 3
Grad 4
16
2
<1
8
<1
0
0,01
alle Grade
Grad 3
Grad 4
3
0
0
13
0
0
<0,001
Flush
p-Wert
Quelle: Gradishar et al. 2005 sowie EPAR Assessment Report for Abraxane
(Doc.Ref.: EMEA/47053/2008), EMA, 2008
Paclitaxel gleich hoch wie unter CrEL-Paclitaxel (n=4; Gradishar
et al. 2005; Ciruelos & Jackisch 2014). Dies ist in guter Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Phase-II-Vergleichsstudie
von Nab-Paclitaxel (300mg/m2, n=76) mit Docetaxel (100mg/
m2, n=74), in der Grad-3-Neuropathien bei dreiwöchentlicher
Gabe zwar häufiger auftraten (17 vs. 12%), jedoch die mittlere
Zeit bis zum Abklingen der Symptomatik mit 22 Tagen bei NabPaclitaxel gegenüber 37 Tagen bei Docetaxel deutlich verkürzt
war (Gradishar et al. 2009). Behandlungsbedingte Neutropenien können eine weitere Komplikation darstellen, die eine Dosisreduktion oder Therapieunterbrechung indizieren. In der Phase-III-Studie wurden schwere Grad-4-Neutropenien im NabPaclitaxel-Arm jedoch deutlich seltener als mit CrEL-Paclitaxel
festgestellt (9 vs. 22%). Die Häufigkeit von Grad-3/4-Nebenwirkungen in der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie ist in Tabelle 6 gegenübergestellt.
Im Folgenden werden die Nebenwirkungen im Detail besprochen. Ausführliche Angaben zum Therapiemanagement
wurden auch von Schneeweiss et al. publiziert (2013).
Haut. Dermatologische Nebenwirkungen von Nab-Paclitaxel
beinhalten sehr häufig Alopezie und Hautausschlag. Weitere
mögliche als häufig beschriebene Veränderungen der Haut umfassen Pruritus, trockene Haut, Erytheme und Hyperpigmentierung sowie Nagelkrankheiten (Paronychien, Onycholyse bzw.
selten Onychomadese sowie andere Nagelveränderungen wie
druckempfindliches Nagelbett, Nagelpigmentierung/-verfärbung und transversale Beau-Reil-Querfurchen). Stevens-Johnson-Syndrom und toxische Epidermolyse wurden als sehr seltene Ereignisse einer fortgesetzten Paclitaxel-Therapie nach einer
Nab-Paclitaxel-Behandlung beschrieben (Fachinformation
2015). Zusätzlich existieren Fallberichte bezüglich Photosensitivitätsreaktionen, bei Strahlentherapie „Recall“-Phänomenen
und bei Patientinnen nach vorangegangener Capecitabin-Therapie das Hand-Fuß-Syndrom.
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Zur Vermeidung zusätzlicher Noxen wird geraten, Sonnenexposition zu vermeiden, auf ausreichenden Luftkontakt der
Haut zu achten sowie ausreichende und bequeme Kleidung zu
tragen. Es sollten milde Seifen und Hautpflegeprodukte verwendet werden (Schneeweiss et al. 2013).
Hämatologische Nebenwirkungen. Hämatologische Nebenwirkungen zeigen sich wie bereits beschrieben in Form von
Neutropenien. 79% der Patientinnen weisen zu unterschiedlichen Therapiezeitpunkten eine Neutropenie auf (Daten aus der
Phase-III-Studie mit Nab-Paclitaxel-Monotherapie 260mg/m2
q3w; Gradishar et al. 2005). Lymphopenie wurde bei 45% der
Patientinnen beobachtet, und 46% hatten zu unterschiedlichen
Zeitpunkten eine Anämie (Hämoglobin <10g/dl). Zusätzlich
treten in seltenen Fällen Thrombozytopenien und febrile Neutropenien auf. Insgesamt ist die Myelosuppression dosisabhängig und reversibel (Fachinformation 2015).
Bei Auftreten einer febrilen Neutropenie vom Grad 3 oder 4
ist die Therapie nach Abklingen mit der nächstniedrigeren NabPaclitaxel-Dosisstufe fortzusetzen (siehe auch Kapitel Dosierung). Bei erhöhtem Risiko für eine febrile Neutropenie (≥20%),
einem Risiko von 10–20% und Begleiterkrankungen und/oder
höherem Alter der Patientin kann die prophylaktische Gabe von
G-CSF erwogen werden.
Neurologische Nebenwirkungen – sensorische Neuropathien. Neurologische Nebenwirkungen einer Therapie mit NabPaclitaxel bewirken bei 68% der Patientinnen mit Mammakarzinom sensorische Neuropathien (hauptsächlich sensorische
Neuropathie Grad 1 oder 2). Bei etwa zehn Prozent der Patientinnen treten Grad-3-Symptome von peripheren sensorischen
Neuropathien auf. Die Symptomatik dieser Nebenwirkungen
ist dosisabhängig und wird durch vorangegangene Therapien
mit neurotoxischen Nebenwirkungen beeinflusst. Im Vergleich zu konventionellem, lösungsvermittler-basiertem Paclitaxel lösen sich die Symptome von sensorischer Neuropathie
rascher auf: Die mediane Zeit bis zur Verbesserung der Neuropathie auf Grad ≤2 betrug 22 Tage unter Nab-Paclitaxel vs. 79
Tage unter CrEL-Paclitaxel (p = 0,028). Das empfohlene Vorgehen bei Auftreten von Neuropathien siehe Kapitel 7. Dosierung. Arthralgie treten bei etwa 32% in leichter Form und bei
6% in verstärkter Weise auf. Myalgie trat bei 24% der mit NabPaclitaxel behandelten Patienten auf und war in 7% der Fälle
schwerwiegend (Schneeweiss et al. 2013; Fachinformation
2015). Die Symptome waren gewöhnlich vorübergehend, traten meist drei Tage nach der Verabreichung von Nab-Paclitaxel
auf und verschwanden innerhalb einer Woche. Es gibt Studien,
die darauf hinweisen dass Duloxetin (60mg) Schmerzen durch
chemotherapieinduzierte Neuropathien reduzieren kann
(Smith et al. 2012).
Hypersensitivitätsreaktionen. Im Gegensatz zu herkömmlichem Paclitaxel sind Hypersensitivitätsreaktionen auf NabPaclitaxel sehr seltene Ereignisse. Bei etwa vier Prozent der
Patientinnen, die mit Nab-Paclitaxel behandelt werden, können Symptome wie Dyspnoe, Flush, Hypotonie, Thoraxschmerzen und Arrhythmien im Sinne einer Hypersensitivitätsreaktion auftreten. Damit ist keine besondere Vorbereitung vor einer
geplanten Nab-Paclitaxel-Infusion notwendig bzw. empfohlen.
Nab-Paclitaxel ist eine Albumin-gebundene Nanopartikel-Formulierung von Paclitaxel, die wesentlich andere pharmakologische Merkmale als andere Formulierungen von Paclitaxel
aufweisen dürfte. Es soll deshalb nicht als Ersatz für andere
Paclitaxel-Formulierungen verwendet und auch nicht durch
solche Formulierungen ersetzt werden (Fachinformation
Dezember 2015
15
2015). In der Phase-III-Studie traten bei keinem der mit NabPaclitaxel behandelten Patienten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (Grad 3 oder 4) auf, obwohl keine Vorbehandlung verabreicht wurde und die Infusionsdauer im Vergleich zu
lösungsmittelhaltigem Paclitaxel kürzer war (30min vs. 3h). Im
Gegensatz dazu zeigten fünf Patienten in der mit lösungsvermittlerhaltigem Paclitaxel behandelten Gruppe trotz Standardvorbehandlung Überempfindlichkeitsreaktionen dritten Grades (Brustschmerzen, n=2; allergische Reaktion, n=3; Gradi­
shar et al. 2005).
Sonstige Nebenwirkungen von Nab-Paclitaxel. Bei etwa 39%
der Patientinnen unter dieser Therapie traten erhöhte Leberwerte (Serum-Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, SGOT) auf.
Grad-3/4-Erhöhungen der Gamma-Glutamyl-Transpeptidase
wurden bei etwa 14% der Patientinnen beobachtet. Schwere Leberschäden (hepatische Nekrose und hepatische Enzephalopathie) wurden im Rahmen einer fortgesetzten Therapie mit Paclitaxel nach Nab-Paclitaxel in sehr wenigen Fällen beschrieben
(Fachinformation 2015).
Nausea und Erbrechen ist unter Nab-Paclitaxel eine Nebenwirkung, welche bei etwa 30 bzw. 18% der Patientinnen zu beobachten ist. Allerdings wurde dies in sämtlichen Studien
hauptsächlich nur im Grad-1/2-Bereich beobachtet und war
durch entsprechende Supportivtherapie und Diät einfach zu
handhaben (siehe auch Schneeweiss et al. 2013). Bei etwa einem
Viertel aller Patientinnen wurde Diarrhoe unter dieser Behandlung beobachtet.
7. Dosierung
Die empfohlene Dosis für Nab-Paclitaxel beim Mammakarzinom beträgt 260mg/m2, gegeben als intravenöse Infusion über
30 Minuten alle drei Wochen
Dosisanpassungen
Neutropenie. Bei Patienten mit schwerer Neutropenie (Neutrophilenzahl <500 Zellen/mm3 über einen Zeitraum von einer
Woche oder länger) oder schwerer sensorischer Neuropathie
während der Nab-Paclitaxel-Therapie sollte die Dosis in den
nachfolgenden Zyklen auf 220mg/m2 reduziert oder – bei Wiederauftreten – auf 180mg/m2 herabgesetzt werden. Nab-Paclitaxel sollte nicht angewendet werden, bis sich die Neutrophilenzahl auf >1.500 Zellen/mm3 erholt hat.
Neuropathie. Bei einer sensorischen Neuropathie von Grad 3
oder 4 ist die Behandlung zu unterbrechen, bis eine Besserung auf
Grad 1 oder 2 erreicht wird, und bei allen nachfolgenden Zyklen
muss die Dosis um 20% reduziert werden. Nach Wiederauftreten
einer schweren sensorischen Neuropathie und Besserung der
Symptomatik wird die Therapie mit einer um 40% reduzierten
Dosis fortgesetzt (Fachinformation 2015; Schneeweiss et al. 2013).
Leberfunktionsstörungen. Bei eingeschränkter Leberfunktion
besteht wegen der verminderten Paclitaxel-Clearance ein erhöhtes Toxizitätsrisiko, insbesondere für Myelosuppression. Die
Patienten müssen hinsichtlich der Entwicklung einer schweren
Myelosuppression engmaschig überwacht werden.
Bei Patienten mit leicht eingeschränkter Leberfunktion (Gesamtbilirubin >1 bis ≤1,5x oberhalb des oberen Normwerts
[ULN] und Aspartat-Aminotransferase [AST] ≤10x ULN) ist keine Dosisanpassung erforderlich. Für Patientinnen mit mäßig bis
stark eingeschränkter Leberfunktion (Gesamtbilirubin >1,5 bis
≤5x ULN und AST ≤10x ULN) ist eine Dosisreduktion um 20%
empfohlen. Sofern die Behandlung über mindestens zwei Zyklen vertragen wird, kann die reduzierte Dosis auf die für Pati-
16
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
enten mit normaler Leberfunktion vorgesehene Dosis gesteigert
werden. Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion (Bilirubin >5x ULN oder AST/ALT >10x ULN) sollten Nab-Paclitaxel
nicht erhalten (Fachinformation 2015; Schneeweiss et al. 2013).
8. Zulassungsstatus
Nab-Paclitaxel ist zugelassen als Monotherapie des metastasierenden Brustkrebses bei erwachsenen Patientinnen, deren Erstlinientherapie fehlgeschlagen und für die eine Anthrazyklin-basierte Behandlung nicht angezeigt ist.
Darüber hinaus ist Nab-Paclitaxel in Kombination mit Gemcitabin für die Erstlinienbehandlung des metastasierten Pankreaskarzinoms indiziert.
Nab-Paclitaxel in Kombination mit Carboplatin ist auch indiziert für die Erstlinienbehandlung des nicht-kleinzelligen
Bronchialkarzinoms (NSCLC) bei erwachsenen Patienten, bei
denen keine potenziell kurative Operation und/oder Strahlentherapie möglich ist (Fachinformation 2015).
9. Bewertung und Aussichten
Brustkrebs ist heute die häufigste Krebsart bei Frauen weltweit und stellt trotz großer Fortschritte in den Behandlungsmöglichkeiten auch weiterhin eine der Hauptursachen für
krebsbedingte Todesfälle unter Frauen dar. Bei Patientinnen mit
metastasierten Karzinomen zielt die Behandlung auf Krankheits- und Symptomkontrolle, also auf Verbesserung bzw. Erhalt
der Lebensqualität ab, daneben ist, wo sinnvoll möglich, auch
die Verlängerung des Gesamtüberlebens ein Therapieziel. Anthrazykline und/oder Taxane sind die bevorzugte Erstlinientherapie bei nicht hormonsensitivem MBC und symptomatischer
oder rasch fortschreitender Erkrankung, speziell wenn diese
Substanzen noch nicht im adjuvanten oder neoadjuvanten Setting verabreicht wurden oder der Zeitraum seit Abschluss der
Adjuvanstherapie mehr als ein Jahr beträgt. Mit der innovativen
Entwicklung des Albumin-gekoppelten, als Nanopartikel formulierten Wirkstoffes Nab-Paclitaxel ist nun ein weiterer wesentlicher Fortschritt hinsichtlich besserer Wirksamkeit und
Verträglichkeit einer Taxantherapie erreicht worden. Vor der
30-minütigen intravenösen Gabe kann gänzlich auf eine Prämedikation mit Antihistaminika und Kortikosteroiden verzichtet
werden. Nichtsdestotrotz muss auf ein gutes und rechtzeitiges
Nebenwirkungsmanagement und entsprechende Prophylaxemaßnahmen geachtet werden, um eine adäquate Compliance
zu gewährleisten.
In einer Phase-III-Studie wurde die Überlegenheit von NabPaclitaxel im direkten Vergleich zur konventionellen Darreichungsform CrEL-Paclitaxel gezeigt. Insbesondere bei MBCPatientinnen ab der Zweitlinie war Nab-Paclitaxel mit nahezu
verdoppelter Ansprechrate signifikant überlegen, weitere Subgruppenanalysen suggerierten einen speziellen Vorteil auch bei
ausgedehnter viszeraler Metastasierung und bei Vortherapie
mit Anthrazyklinen. Gerade für Frauen mit einem ungünstigen
Krankheitsverlauf stellt Nab-Paclitaxel daher eine wertvolle
Therapieoption dar. Darüber hinaus zeichnet sich ein zukünftig
immer früherer Einsatz ab, z.B. auf Basis der GeparSepto-Studie
im neoadjuvanten Setting, wo durch den Ersatz von konventionellen Taxanen durch Nab-Paclitaxel gerade in der Subgruppe
der triplenegativen Karzinome eine Verdoppelung der Rate an
pathologischen Komplettremissionen erzielt werden konnte.
Einschränkend muss festgehalten werden, dass die vollständige
Publikation dieser Studie noch ausständig ist und Nab-Paclitaxel daher derzeit nicht als Standard im neoadjuvanten Setting
angesehen werden kann.
Aus den bisherigen Studiendaten zur Kombination von
Nab-Paclitaxel mit Antikörpern wie Trastuzumab, Pertuzumab
Dezember 2015
und Bevacizumab oder anderen Chemotherapeutika lassen
sich aufgrund der eingeschränkten Daten noch keine gültigen
Schlussfolgerungen ziehen. Hier wird man die Ergebnisse weiterer, noch laufender Studien evaluieren müssen.
Auf der Basis der bisherigen Therapieerfolge und des güns­
tigeren Nebenwirkungsprofils stellt Nab-Paclitaxel eine wertvolle Bereicherung der Optionen zur Behandlung des Mammakarzinoms dar.
Die AutorInnen
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Marija Balic
Klinische Abteilung für Onkologie
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 15, 8036 Graz
E-Mail: [email protected]
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch
Klinische Abteilung für Onkologie
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Medizinische Universität und Comprehensive Cancer Center Wien
Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. Michael Hubalek
Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe
Brustgesundheitszentrum Tirol
Medizinische Universität Innsbruck
Anichstraße 35, 6020 Innsbruck
E-Mail: [email protected]
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Georg Pfeiler
Klinische Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie
Universitäts-Klinik für Frauenheilkunde
Medizinische Universität Wien (MUW)/ AKH Wien
Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien
E-Mail: [email protected]
ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Dezember 2015
17
10. Abkürzungen
11. Literatur
AUC
Area Under the Curve
CIKonfidenzintervall
CrEL-Lösungsmittel-(Cremophor-EL)-basierte
Formulierung
G-CSF
Granulocyte Colony-Stimulating Factor
HER2
Human Epidermal growth factor Receptor 2
HR
Hazard Ratio
HR+/HR- Hormonrezeptor - positiv/-negativ
Nab
Nanoparticle albumin-bound
OR
Odds Ratio
ORR
Objective Response Rate; objektive Ansprechrate
OS
Overall Survival; Gesamtüberleben
pCRPathological Complete Response, pathologisch
vollständiges Ansprechen
PFSProgression Free Survival; progressionsfreies
Überleben
PR
Partial Response
q1w
wöchentliche Gabe
q3wDreiwochen-Zyklen
q4wVierwochen-Zyklen
RECIST
Response Criteria in Solid Tumors
SPARC
Secreted Protein, Acidic and Rich in Cysteine
TNBC
Triple Negative Breast Cancer
TTP
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ArzneimittelPROFIL Nab-Paclitaxel
Dezember 2015
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