Spektroskopische Untersuchungen des lichtinduzierten zyklischen

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Aerobe photosynthetische Bakterien
Spektroskopische Untersuchungen des
lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfers in
Roseobacter denitrificans
Inaugural-Dissertation
zur Erlangung der Doktorwürde
der Fakultät für Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften
der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg im Breisgau
Vorgelegt von
Claudia Schwarze
September 2002
Dekan: Prof. Dr. P. Gräber
Vorsitzender des Promotionsausschusses: Prof. Dr. G. Schulz
Referent: Prof. Dr. P. Gräber
Koreferent: PD Dr. A. Labahn
Tag der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses: 31. Oktober 2002
Teile der vorliegenden Arbeit bilden den Inhalt der folgenden Publikationen und
Tagungsbeiträgen:
Publikationen:
C. Schwarze, A. V. Carluccio, G. Venturoli und A. Labahn (2000) Photo-induced
cyclic electron transfer involving cytochrome bc1 complex and reaction center
in the obligate aerobic phototroph Roseobacter denitrificans. European Journal
of Biochemistry 267, 422-433.
C. Schwarze, A. Labahn, A. V. Carluccio und G. Venturoli (1998) Evidence for lightinduced cyclic electron transfer in chromatophores of Roseobacter
denitrificans. In Photosynthesis: Mechanism and Effects (Garab, G., ed.), Vol. III,
pp. 1529-1532. Kluwer Academic Publisher, Dordrecht, The Netherlands
Vorträge:
A. Labahn, O. Hucke, C. Schwarze und G. Venturoli
Struktur und Funktion des photosynthetischen Apparates aerober
photosynthetischer Bakterien. 101. Hauptversammlung der Deutschen BunsenGesellschaft für Physikalische Chemie in Potsdam, Deutschland (9. – 11. Mai 2002)
C. Schwarze, O. Hucke, S. Herter, G. Drews, G. Venturoli und A. Labahn
Die Funktion des Photosyntheseapparates im Bakterium Roseobacter
denitrificans. Kolloquium „Bioenergetik der Bakterien“, Mauloff / Taunus,
Deutschland (25. - 26. September 2000)
D. Zannoni, C. Schwarze, A. Labahn, M. Candela und G. Venturoli
Electron transport and energy transduction in membranes from the obligate
aerobic (photosynthetic) bacterium Roseobacter denitrificans. 10th International
Symposium on Phototrophic Procaryotes, Barcelona, Spanien (26. – 31. August
2000)
III
C. Schwarze, A. Carluccio, G. Venturoli und A. Labahn
Q-Cycle model of photo-induced electron transfer in aerobic photosynthetic
bacteria from Roseobacter denitrificans. 44th Annual Meeting of the American
Biophysical Society, New Orleans, Louisiana, U.S.A. (12. - 16. Februar 2000)
Biophysical Journal 78, 24A
C. Schwarze, A. V. Carluccio, G. Venturoli und A. Labahn
Elektronentransferreaktionen am Cytochrom bc1 Komplex in Roseobacter
denitrificans. Veranstaltung des Graduiertenkollegs „Systeme von ungepaarten
Elektronen in Chemie, Physik und Biologie“ in Titisee-Neustadt, Deutschland (22. 23. Januar 2000)
C. Schwarze, A. V. Carluccio, G. Venturoli und A. Labahn
Licht-induzierter zyklischer Elektronentransfer in aeroben Bakterien.
Veranstaltung des Graduiertenkollegs „Systeme von ungepaarten Elektronen in
Chemie, Physik und Biologie“ in Titisee-Neustadt, Deutschland (30. - 31. Januar
1999)
Posterpräsentationen:
C. Schwarze, A. Labahn, A. V. Carluccio und G. Venturoli
Evidence for light-induced cyclic electron transfer in chromatophores of
Roseobacter denitrificans. 11th International Photosynthesis Congress, Budapest,
Ungarn (17. - 22. August 1998)
O. Hucke, C.Schwarze, N.Gad’on, G. Drews und A. Labahn
FTIR difference spectroscopy and structural model of the bacterial reaction
center from Roseobacter denitrificans. 11th International Photosynthesis
Congress, Budapest, Ungarn (17. - 22. August 1998)
IV
Zusammenfassung
Die Umwandlung von elektromagnetischer Energie des Lichts in chemische
Energie läuft im Reaktionszentrum photosynthetischer Bakterien ab. Bei den
anaeroben photosynthetischen Bakterien wie z. B. Blastochloris viridis erfolgt die
Ausbildung des Photosyntheseapparates und die Photosynthese nur unter
Sauerstoffausschluss im Licht. Vor einigen Jahren wurden aerobe, photosynthetische
Bakterien entdeckt. Roseobacter denitrificans gehört zu diesen Bakterien, die im
Gegensatz zu den anaeroben photosynthetischen Bakterien den Photosyntheseapparat ausschließlich in Gegenwart von Sauerstoff ausbilden und ein lichtinduzierter
Elektronentransfer findet nur unter aeroben Bedingungen statt. Die Ursache der
Sauerstoffabhängigkeit der Photosynthese bei diesen Organismen ist bislang
unverstanden.
Im Rahmen dieser Arbeit wurden Zellen des Bakteriums von Roseobacter
denitrificans semiaerob angezogen. Es wurde die Isolation der Reaktionszentren
ausgehend von einer Literaturvorschrift optimiert, so dass aus 100 g Zellen 10 mg
Reaktionszentren erhalten wurden. Es wurden erstmalig Reaktionszentren mit den
Untereinheiten H, M, L und dem Tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit erhalten und
es konnte der lichtinduzierte Elektronentransfer P+QA- zu PQA gemessen werden.
Weiterhin wurden die photosynthetischen Membranen für spektroskopische
Untersuchungen des blitzinduzierten Elektronentransfers isoliert und die
blitzinduzierten Redoxänderungen der Cytochrome des b- und c-Typs in den
Membranen unter definierten Redoxbedingungen untersucht. Die Beteiligung eines
Cytochrom bc1 Komplexes am lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfer konnte
durch blitzinduzierte Reduktion von Cytochrom b561 gezeigt werden, die durch
Antimycin stimuliert und Myxothiazol gehemmt wurde. Das Cytochrom b561 wurde,
nach dem es nach Anregung durch den Blitz reduziert wurde, auch in Abwesenheit
von Antimycin langsam reoxidiert. Die Geschwindigkeit der Reduktion des Cytochrom
b561 erhöht sich in Gegenwart von Antimycin bei Verringerung des eingestellten
Redoxpotentials, was wahrscheinlich auf die fortschreitende Präreduktion des
Ubichinon-Pools in der Membran zurückzuführen ist. Die Membran von Roseobacter
denitrificans enthält 20 Ubichinon-10 Moleküle pro Reaktionszentrum. Unter
optimalen Redoxbedingungen wurden nach Blitzanregung ca. 0,3 Cytochrom b pro
Reaktionszentrum reduziert.
Darüber hinaus wurde der lichtinduzierte Elektronentransfer von den
Cytochromen des c-Typs zum primären Elektronendonator P untersucht. In
Abhängigkeit des eingestellten Redoxpotentials vor der Anregung wird der
photooxidierte Donator durch eine schnelle Elektronenübertragung von Häm H1
(Em,7 = 290 mV), H2 (Em,7 = 240 mV) oder L1/L2 (Em,7 = 90 mV) der am
Reaktionszentrum gebundenen Cytochrom c-Untereinheit reduziert. Bei mittleren
Redoxpotentialen (Eh = 145 - 195 mV) wird Häm H2 in einer weiteren
Elektronentransferreaktion innerhalb von etwa 50 ms vom Cytochrom c551 in einem
diffusions-abhängigen Prozess rereduziert. Unter diesen Bedingungen lässt sich
auch die Kopplung der Reduktion von Cytochrom b561 mit der Rereduktion von
photooxidiertem Häm H2 beobachten, was die Beteiligung des Cytochrom bc1
Komplexes am lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfer nach dem Q-ZyklusMechanismus anzeigt. Für ein Redoxpotential von Eh = 50 mV wurde kein
V
Elektronentransfer zu den reduzierten low potential Hämen L1 und L2 beobachtet, so
dass der zyklische Elektronentransfer unterbrochen ist. Dies erklärt die
Notwendigkeit von Sauerstoff für die Ausbildung des photosynthetischen Apparates
in Roseobacter denitrificans, da bei niedrigem Redoxpotential in der Zelle dieser
Prozess unterbrochen ist.
VI
Einleitung
Abkürzungen
A
∆A
APS
ATP
B
BCA
BChl
BSA
c
CMC
d
DEAE
DTT
E
EDTA
Eh
Em,7
H1, H2
HiPIP
I
∆I
ICM
kAP
Absorption
Absorptionsdifferenz
Ammoniumperoxodisulfat
Adenosintriphosphat
Bacteriochlorophylle der Antennenkomplexe
2,2’-Bicinchoninsäure
Bacteriochlorophyll
Rinderserumalbumin
Konzentration
kritische Mizellenkonzentration
optische Schichtdicke
Diethylaminoethyl
1,4-Dithiothreitol
Extinktion
Ethylendiamintetraessigsäure, Dinatriumsalz, Dihydrat
eingestelltes Redoxpotential
Halbstufenpotential bei pH=7,0
Häme mit hohem Halbstufenpotential (high potential Häme)
high potential iron-sulfur protein
Lichtintensität
Differenz der Lichtintensität
intracytoplasmatische Membran
Geschwindigkeitskonstante der Ladungsrekombination von
P+QA- nach PQA
kBP
Geschwindigkeitskonstante der Ladungsrekombination von
P+QAQB- nach PQAQB
KD
Dissoziationskonstante
L1, L2
Häme mit niedrigem Halbstufenpotential (low potential Häme)
LDAO
N,N-Dimethyl-dodecylamin-N-oxid
LH I (oder LHC I) Lichtsammelkomplex I
LH II (oder LHC II) Lichtsammelkomplex II
Mops
3-Morpholino-propansulfonsäure
+
NADP
Nicotinamid-adenin-dinukleotid-phosphat (oxidiert)
NADPH
Nicotinamid-adenin-dinukleotid-phosphat (reduziert)
OD
optische Dichte
P
primärer Elektronendonator
+
P
primärer Elektronendonator im oxidierten Zustand
PAGE
Polyacrylamid Gel-Elektrophorese
PS I
Photosystem I
PS II
Photosystem II
Q
Chinon
QA
primärer Elektronenakzeptor
QB
sekundärer Elektronenakzeptor
Qi
Chinon Reduktase katalytischer Bindungsplatz des Cytochrom bc1
Komplexes
Dihydrochinon Oxidase katalytischer Bindungsplatz des
Qo
Cytochrom bc1 Komplexes
Qx-Bande
Absorptionsbande des primären Donators bei 590 nm
Qy-Bande
Absorptionsbande des primären Donators bei 860 nm
VII
Einleitung
RC
rpm
RT
SDS
SHE
t1/2
TEMED
Tris
Triton X-100
U
∆U
UQ
UQH2
v/v
w/v
xg
16S rRNA
ε
Reaktionszentrum (reaction center)
Umdrehungen pro Minute
Raumtemperatur
Natriumdodecylsulfat
Standardwasserstoffelektrode
Halbwertzeit
N,N,N’,N’-Tetramethylethylendiamin
Tris(hydroxymethyl)aminomethan
Alkylphenylpolyethylenglykol
Spannung
Spannungsdifferenz
Ubichinon
Dihydroubichinon
Volumenverhältnis
Gewicht pro Volumen
Vielfaches der Erdbeschleunigung
16S ribosomale Ribonukleinsäure
molarer dekadischer Extinktionskoeffizient
Hinweis:
Rhodopseudomonas viridis wurde kürzlich unbenannt in Blastochloris viridis. In der
vorliegenden Arbeit wurde die neue Nomenklatur verwendet.
VIII
Einleitung
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
V
Abkürzungsverzeichnis
VII
A.
Einleitung
A.1. Photosynthese
A.2. Oxygene und anoxygene Photosynthese
A.2.1. Die Lichtreaktion der Photosynthese
A.3. Anoxygene photosynthetische Bakterien
A.3.1. Struktur und Funktion der Lichtsammelkomplexe
A.3.2. Struktur und Funktion des Reaktionszentrums
A.3.3. Elektronentransferreaktionen im bakteriellen Reaktionszentrum aus
Rhodobacter sphaeroides
A.3.4. Struktur und Funktion des Cytochrom bc1 Komplexes in
photosynthetischen Bakterien
A.3.5. Der lichtinduzierte zyklischer Elektronentransfer als Q-Zyklus
A.4. Aerobe photosynthetische Bakterien
A.4.1. Habitat, Morphologie und Phylogenese
A.4.2. Pigmente
A.4.3. Struktur und Funktion der Antennenkomplexe in den aeroben
photosynthetischen Bakterien
A.4.4. Struktur und Funktion der Reaktionszentren
A.4.5. Der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer in Roseobacter
denitrificans und beteiligte Enzymkomplexe
A.5. Motivation und Ziele der Arbeit
1
1
2
3
5
8
10
B.
Materialien und Methoden
B.1. Materialien
B.1.1. Chemikalien
B.1.2. Puffer und Lösungen
B.1.2.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans
B.1.2.2. Präparation von Membranen und Reaktionszentren
B.1.2.3. BCA-Proteinbestimmung
B.1.2.4. SDS-PAGE-Gelelektrophorese
B.1.2.5. Spektroskopische Untersuchungen
B.1.2.5.1. Ubichinonstammlösung
B.1.2.5.2. Inhibitorlösung für die QB-Bindungsstelle
B.1.2.5.3. Redoxmediatoren, Entkoppler und Inhibitoren für die
Messungen an Membranen aus Roseobacter denitrificans
B.2. Methoden
B.2.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans
B.2.1.1. Stämme
B.2.1.2. Anzucht
B.2.1.2.1. Vorkulturen
B.2.1.2.2. Hauptkulturen
B.2.2. Isolierung und Reinigung der Membranen aus Roseobacter
denitrificans
B.2.2.1. Waschen der Zellen
B.2.2.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
IX
15
17
19
23
25
28
29
31
34
41
43
43
43
45
45
46
49
50
51
52
53
54
55
55
55
55
56
57
59
60
60
Einleitung
B.2.2.3. Pufferwechsel
B.2.3. Isolierung und Reinigung der Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans
B.2.3.1. Vorschrift nach K. Takamiya
B.2.3.1.1. Waschen der Zellen
B.2.3.1.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
B.2.3.1.3. Solubilisierung der Membranproteine
B.2.3.1.4. Anionenaustausch-Chromatographie
B.2.3.2. Isolation durch Dichtegradientenzentrifugation
B.2.3.2.1. Waschen der Zellen
B.2.3.2.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
B.2.3.2.3. Solubilisierung der Membranproteine
B.2.3.2.4. Dichtegradientenfraktionierung der Membranproteine
B.2.3.2.5. Anionenaustausch-Chromatographie
B.2.3.3. Modifizierte Vorschrift nach K. Takamiya
B.2.3.3.1. Waschen der Zellen
B.2.3.3.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
B.2.3.3.3. Solubilisierung der Membranen
B.2.3.3.4. Ammoniumsulfat-Fällung
B.2.3.3.5. Gelfiltration
B.2.3.3.6. Anionenaustausch-Chromatographie
B.2.3.3.7. Entsalzung
B.2.3.3.8. Aufkonzentrierung
B.2.3.3.9. Lagerung der Reaktionszentren
B.2.4. Charakterisierung der Proben
B.2.4.1. Bacteriochlorophyll-Bestimmung
B.2.4.2. Proteinbestimmung mit dem BCA-Proteintest
B.2.4.3. SDS-PAGE-Gelelektrophorese
B.2.4.3.1. Gießen der Gele
B.2.4.3.2. Probenvorbereitung
B.2.4.3.3. Elektrophorese
B.2.4.3.4. Färbung der Gele mit Coomassie Brilliant Blue
B.2.4.3.5. Gel-Dokumentation
B.2.4.4. UV-VIS-Absorptionsspektren
B.2.5. Transiente Absorptionsspektroskopie
B.2.5.1. Messung an isolierten Reaktionszentren
B.2.5.1.1. Messanordnung
B.2.5.1.2. Probenvorbereitung und Messbedingungen
B.2.5.1.3. Absorptionsdifferenzspektroskopie: Bestimmung der
Geschwindigkeitskonstanten der Ladungsrekombination
von P+QA- bzw. P+QB- und des Besetzungsgrades der QAund QB-Bindungsstellen im Reaktionszentrum aus
Roseobacter denitrificans
B.2.5.2. Messung an Membranen
B.2.5.2.1. Messanordnung
B.2.5.2.2. Probenvorbereitung und Messbedingungen
B.2.6. Redox-Potentiometrie
B.2.7. Bestimmung des Ubichinongehalts in der Membran aus Roseobacter
denitrificans
X
61
62
62
64
64
65
65
66
67
68
68
69
70
71
73
73
74
76
79
80
81
82
82
83
83
83
84
84
85
85
85
86
86
89
91
91
92
93
97
97
100
102
107
Einleitung
C.
C.1.
C.2.
Ergebnisse
Anzucht von Roseobacter denitrificans
Untersuchungen an isolierten Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans
C.2.1. Isolation der Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
C.2.1.1. Isolation der Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
nach der Vorschrift von K. Takamiya
C.2.1.2. Isolation der Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
durch Dichtegradientenfraktionierung
C.2.1.3. Isolation der Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
nach der modifizierten Vorschrift von K. Takamiya
C.2.2. Isolation und Aufreinigung von Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach Optimierung der Präparationsvorschrift
C.3. Untersuchungen an Membranen aus Roseobacter denitrificans
C.3.1. Isolation der Membranen
C.3.2. Transiente optische Spektroskopie an Membranen aus Roseobacter
denitrificans
C.3.2.1. Probenvorbehandlung für die transiente optische
Spektroskopie
C.3.2.2. Differenzspektrum des primären Elektronendonators nach
Anregung durch einen Blitz
C.3.2.3. Lichtinduzierte Reduktion von Cytochrom b bei hohen
Redoxpotentialen
C.3.2.4. Kopplung zwischen der Reduktion von Cytochrom b und der
Re-Reduktion der Cytochrome des c-Typs nach Anregung
durch einen Blitz
C.3.2.5. Zeitaufgelöste Spektren der Redoxänderungen von
Cytochromen des c-Typs nach Anregung durch einen single
turnover Blitz
C.3.2.6. Der Einfluss von Viskosität und Ionenstärke auf den
Elektronentransfer von Cytochrom c551 zum Häm H2 des
Reaktionszentrums
C.3.2.7. Orientierung des Reaktionszentrums in der Membran
C.3.2.8. Titration der blitzinduzierten Redoxänderungen von
Cytochrome des b- und c-Typs
C.3.3. Bestimmung des Ubichinongehalts in Membranen aus Roseobacter
denitrificans
D.
D.1.
Diskussion
Anzucht von Roseobacter denitrificans, Isolation von photosynthetischen
Membranen und Reaktionszentren
D.1.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans
D.1.2. Isolierung der photosynthetischen Membran
D.1.3. Isolierung der Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
D.2. Der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer (Q-Zyklus) in
Roseobacter denitrificans
D.2.1. Elektronentransfer von Cytochromen des c-Typs zum primären
Donator des Reaktionszentrums
D.2.2. Beteiligung eines Cytochrom bc1 Komplexes am lichtinduzierten
zyklischen Elektronentransfer in Roseobacter denitrificans
XI
109
109
113
113
114
119
119
127
139
139
140
140
142
149
155
167
176
178
184
190
193
193
193
195
197
201
201
207
Einleitung
D.2.3. Das Halbstufenpotential des primären Elektronenakzeptors QA im
Reaktionszentrum aus Roseobacter denitrificans
D.2.4. Der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer in Roseobacter
denitrificans: Schlussfolgerungen und Ausblick
211
213
Literaturverzeichnis
221
Abbildungsverzeichnis
241
Tabellenverzeichnis
245
Danksagung
247
XII
Einleitung
A. Einleitung
A.1. Die Photosynthese
Die primäre Energiequelle für alle Lebewesen auf der Erde ist das Sonnenlicht. Den
Prozess der Nutzbarmachung der Energie aus dem Sonnenlicht durch phototrophe
Organismen bezeichnet man als Photosynthese. Durch diesen Prozess wird die
Sonnenenergie letztlich über die Nahrungskette auch den heterotrophen Organismen
(Tiere, Pilze etc.) zugänglich gemacht. Gemessen am Umsatz ist die Photosynthese
der quantitativ bedeutendste chemische Prozess, der auf der Erde stattfindet.
Schätzungen zufolge werden jährlich mehr als 1010 Tonnen Kohlenstoff durch diesen
Prozess fixiert, was einer gespeicherten Energie von 1012 kJ entspricht [1]. Die
Photosynthese findet in bestimmten Zellkompartimenten, den Chloroplasten der
Algen und höheren Pflanzen sowie in Cyanobakterien und photosynthetischen
Bakterien statt.
Durch diesen Prozess wird die elektromagnetische Energie des Sonnenlichts in
chemisch gebundene Energie umgewandelt. Dabei werden einzelne Lichtquanten
durch
Lichtsammelkomplexe
in
der
Zellmembran
absorbiert
und
zu
den
Reaktionszentren weitergeleitet, in denen eine photoinduzierte transmembrane
Ladungstrennung
stattfindet.
Dieser
Elektronentransport
ist
mit
einem
Protonentransport über die Membran gekoppelt. Es wird also zusätzlich zur
transmembranen Ladungstrennung eine elektrochemische Potentialdifferenz der
Protonen über die Membran aufgebaut. Die so gespeicherte Energie wird
anschließend in einer Reihe von lichtunabhängigen Reaktionen (Dunkelreaktion der
Photosynthese) in das für alle Lebewesen als zentralen Energieüberträger dienende
Adenosintriphosphat (ATP) und in Reduktionsäquivalente umgewandelt. In weiteren
Reaktionen werden diese Substanzen für die Synthese chemischer Verbindungen,
die die Zelle benötigt (wie z.B. Kohlenhydrate), eingesetzt.
1
Einleitung
A.2. Oxygene und anoxygene Photosynthese
Man unterteilt die Photosynthese in oxygene und anoxygene Photosynthese. Die
oxygene Photosynthese ist charakteristisch für prokaryontische Cyanobakterien,
eukaryontische Algen und höhere Pflanzen. Sie findet in den Thylakoidmembranen
der Chloroplasten statt. Die Struktur des Photosyntheseapparates ist sehr komplex
und setzt sich im wesentlichen aus zwei durch Elektronenüberträger und
Redoxenzyme
miteinander
gekoppelten
größeren
Proteinkomplexen,
den
Photosystemen PSI und PSII, die die Lichtsammelkomplexe und jeweils ein
unterschiedliches Reaktionszentrum enthalten, zusammen. Dazu kommen die ATPSynthase und die Ribulose-1,5-bisphosphat-Carboxylase der Dunkelreaktion [1]. Im
folgenden sind die Reaktionsgleichungen der Photosynthese dargestellt.
Lichtreaktion:
12 NADP+ + 12 H2O
12 NADPH + 12 H+ + 6 O2
→
18 ADP + 18 Pi + 18 H+
→
18 ATP + 18 H2O
Gleichung A.2.1
Gleichung A.2.2
Dunkelreaktion:
6 CO2 +18 ATP + 12 NADPH + 12 H2O
→ C6H12O6 + 18 ADP + 18 Pi + 12 NADP+ + 6 H+
Gleichung A.2.3
Nettoreaktion:
6 CO2 + 6 H2O
→
C6H12O6 + 6 O2
Gleichung A.2.4
Zu den Vertretern der anoxygenen Photosynthese gehören Purpurbakterien, grüne
Schwefelbakterien, Heliobakterien und grüne fädige Bakterien. Sie sind strukturell
einfacher gebaut. Die Photosynthese findet in der inneren Cytoplasmamembran statt,
die oft weitläufige Einstülpungen bildet, die intracytoplasmatische Membran (ICM).
Der Photosyntheseapparat ist wesentlich einfacher gebaut und enthält nur einen Typ
Reaktionszentrum.
2
Einleitung
A.2.1. Die Lichtreaktionen der Photosynthese
Die Primärschritte der Photosynthese sind in der oxygenen und anoxygenen
Photosynthese prinzipiell ähnlich. Obwohl der oxygene Photosyntheseapparat viel
komplexer ist, sind praktisch alle gültigen Prinzipien bei den anoxygenen
photosynthetischen Bakterien bereits vorhanden, teilweise in vereinfachter Form.
Deshalb spielt bei der Erforschung der Prinzipien der Photosynthese die
Untersuchung der anoxygenen photosynthetischen Bakterien eine entscheidende
Rolle. An dieser Stelle soll die Lichtreaktion bei den oxygenen Phototrophen kurz
beschrieben werden. Die anoxygene Photosynthese wird ausführlicher im nächsten
Kapitel beschrieben.
Lichtreaktionen bei oxygenen Photosyntheseorganismen
Im oxygenen Photosyntheseapparat sind Cyanobakterien, Algen und grüne Pflanzen
in der Lage, durch Kopplung von zwei Lichtreaktionen einen Elektronentransfer von
H2O
auf
NADP+
durchzuführen.
Die
daraus
resultierende
transmembrane
elektrochemische Potentialdifferenz der Protonen wird zur Synthese von ATP
genutzt. Das sogenannte Z-Schema der Photosynthese ist schematisch in
Abbildung A.2.1.1 dargestellt [2]. Im ersten Schritt der oxygenen Photosynthese
wird das Licht durch Lichtsammelkomplexe der Photosysteme I und II absorbiert.
Im Photosystem I folgt der Lichtabsorption die Übertragung des Photons auf den
primären Donator P7001, der hierbei in den ersten angeregten Singulettzustand
übergeht. Aus diesem wird ein Elektron über die Elektronenakzeptoren A0 und A1 auf
Ferredoxin übertragen. Die Ferredoxin-NADP+-Reduktase katalysiert dann die
Reduktion von NADP+ durch Ferredoxin, wobei zwei reduzierte Ferredoxine ein
Molekül NADP+ reduzieren. Der oxidierte Donator P700+ wird durch ein reduziertes
Plastocyanin wieder reduziert und kann dann erneut ein Photon aufnehmen.
Alternativ können die Elektronen im PS I dem zyklischen Elektronenfluss folgen.
Hierbei wird das Elektron aus dem angeregten Zustand des P700 bis zum Ferredoxin
transportiert und von dort jedoch anstatt auf NADP+ auf den Cytochrom b6f Komplex
1
Bei dieser Bezeichnung steht P für den primären Donator und 700 entspricht der Wellenlänge des
Maximums im UV-VIS-Spektrum des primären Donators.
3
Einleitung
übertragen. Aus diesem wird dann ein Elektron über ein Plastocyanin zurück auf das
P700+ übertragen. Durch diesen zyklischen Elektronenfluss werden ausschließlich
Protonen durch den Cytochrom b6f Komplex gepumpt, die eine transmembrane
Halbstufenpotential / V
elektrochemische Potentialdifferenz erzeugen.
PS I
PS II
Abbildung A.2.1.1: Z-Schema des linearen Elektronentransfers in der oxygenen
Photosynthese [2]. Das vom Photosystem II (PS II) gebildete reduzierte Plastochinon (QH2)
übergibt Elektronen auf den Cytochrom b6f Komplex (Cyt b6/f). Von dort transportiert
reduziertes Plastocyanin (PC) Elektronen zum Photosystem I (PSI), das Ferredoxin (Fd)
reduziert. Dieses überträgt sein Elektron über die Ferredoxin-NADP+-Reduktase (Fp) auf
NADP+. Der Cytochrom b6f Komplex bildet die Verbindung zwischen den Photosystemen I
und II (siehe Text). Die gestrichelten Linien kennzeichnen Elektronentransferreaktionen, die
Pfeile die Absorption von Photonen.
Im Photosystem II folgt der Lichtabsorption die Übertragung des absorbierten
Photons auf den Elektronendonator P680, der daraufhin in den angeregten Zustand
übergeht. Aus diesem erfolgt dann ein transmembraner Elektronentransfer über ein
Chlorophyll und ein Phäophytin zu einem primären Plastochinon (QA), das reduziert
wird. Von dort wird das Elektron auf ein sekundäres Plastochinon (QB) übertragen.
Nach Reduktion von P680+ erfolgt ein zweiter lichtinduzierter Elektronentransfer, der
zur weiteren Reduktion des zweiten Plastochinons führt, das nach Aufnahme zweier
Protonen als Plastohydrochinon aus dem PS II in die Membran diffundiert und durch
ein Plastochinon aus dem Membran-Pool ersetzt wird. Das nach Lichtabsorption und
darauffolgendem Elektronentransfer im PS II entstandene Kationenradikal P680+ ist
ein
starkes
Oxidationsmittel.
Es
entzieht
4
dem
Mangancluster
der
Einleitung
Wasserspaltungsmaschine des PS II ein Elektron und geht dadurch wieder in den
Grundzustand über. Nach viermaligem Durchlaufen dieses Vorgangs wird aus zwei
Molekülen H2O ein Molekül O2 gebildet. Dabei werden vier Protonen freigesetzt.
Das PS I und das PS II sind über den Cytochrom b6f Komplex miteinander
gekoppelt. Hier wird das im PS II reduzierte Plastochinon reoxidiert. Die
aufgenommenen Elektronen werden auf Plastocyanine übertragen, welche das
P700+ des Photosystems I reduzieren. Auch die Elektronenübertragungen im
Cytochrom b6f Komplex sind mit einem transmembranen Protonentransfer gekoppelt.
Die Gesamtreaktion des PS I, des Cytochrom b6f Komplexes und des PS II ist somit
der lichtinduzierte Elektronenfluss von H2O zu NADP+, der der Gewinnung von
Reduktionsäquivalenten dient. Die stöchiometrische Gesamtgleichung ergibt sich zu:
2 H2O + 2 NADP+ → 2 NADPH + 2 H+ + O2
Gleichung A.2.1.1
Zusätzlich führt der Elektronentransfer vom H2O zum NADP+ durch den daran
gekoppelten
transmembranen
Protonentransfer
zur
Erzeugung
einer
elektrochemischen Potentialdifferenz der Protonen, die nach der chemiosmotischen
Theorie von P. Mitchell von der ATP-Synthase zur Synthese von ATP aus ADP und
anorganischem Phosphat verwendet wird [3].
A.3. Anoxygene photosynthetische Bakterien
Anoxygene Phototrophe besitzen nur ein Photosystem und sind nicht in der Lage,
Reduktionsäquivalente selbst zu bilden. Wie in Abbildung A.3.1 dargestellt,
katalysiert das Reaktionszentrum einen zyklischen Elektronentransport, an den ein
Protonentransport durch die Membran gekoppelt ist. Die Beschreibung der
anoxygenen Photosynthese sei hier am Beispiel Rhodobacter sphaeroides, eines der
am besten untersuchten Purpurbakterien, vorgenommen. Ergänzend werden die
davon abweichenden Eigenschaften bei Rhodopseudomonas viridis (vor kurzem in
Blastochloris viridis umbenannt) beschrieben.
5
Einleitung
Halbstufenpotential / V

 RC

Abbildung A.3.1: Der zyklische Elektronentransfer in photosynthetischen
Purpurbakterien [2]. Die Absorption von zweimal je ein Photon durch den primären Donator
(P870) im Reaktionszentrum (RC2) führt nach zweimaligem Durchlaufen der
Elektronentransferkette zur Bildung von Ubihydrochinon (QH2), das vom Reaktionszentrum
abdissoziiert und zwei Elektronen dem Cytochrom bc1 Komplex (Cyt bc1) übergibt. Die
Elektronen werden nacheinander über das lösliche Cytochrom c2 (Cyt c2) zurück zum
primären Donator transferiert. Bei der Bildung von Ubihydrochinon (im Reaktionszentrum
bzw. an der Qi-Bindungstelle des Cytochrom bc1 Komplexes, siehe Kapitel A.3.5. und
Abbildung A.3.5.1) werden Protonen aus dem Cytoplasma aufgenommen, die bei der
Oxidation an der Qo-Bindungstelle des Cytochrom bc1 Komplexes in das Periplasma
abgegeben werden. Die gestrichelten Linien kennzeichnen den Elektronentransfer und der
Pfeil die Absorption von Photonen.
Der erste Schritt der bakteriellen Photosynthese ist die Absorption eines Photons
durch die Lichtsammelkomplexe. Die Anregungsenergie wird dann auf den primären
Elektronendonator des Reaktionszentrums weitergeleitet, welcher in den ersten
angeregten
Singulettzustand
übergeht.
Im
Reaktionszentrum
findet
eine
Ladungstrennung statt, bei der der primäre Donator oxidiert und das sekundäre
Ubichinon reduziert wird. Durch ein lösliches Cytochrom c2 wird der Donator
rereduziert und ist somit in der Lage ein weiteres Photon aufzunehmen (in
Rhodopseudomonas viridis ist noch ein gebundenes tetrahämes Cytochrom c
zwischengeschaltet, siehe Kapitel A.3.3. und A.3.5.). Nach der Absorption eines
zweiten Photons wird ein zweites Elektron über die Elektronentransportkette zum
sekundären Ubichinon weitergeleitet. Nach Aufnahme zweier Protonen aus dem
Cytoplasma
verlässt
das
gebildete
Dihydrochinon
2
seine
Bindungsstelle
im
In dieser Arbeit wird das Reaktionszentrum mit RC abgekürzt, wie es in der angelsächsischen
Literatur (reaction center) üblich ist.
6
Einleitung
Reaktionszentrum und wird durch ein Ubichinon aus dem Chinon-Pool in der
Membran ersetzt. Die vom Ubihydrochinon aufgenommenen Elektronen werden über
den Cytochrom bc1 Komplex auf ein lösliches Cytochrom c2 übertragen, welches
wiederum den oxidierten primären Donator (bzw. das gebundene Cytochrom c)
reduziert. Im Gegensatz zum linearen lichtinduzierten Elektronentransfer der
pflanzlichen
Photosynthese,
findet
bei
den
Bakterien
ein
zyklischer
Elektronentransfer statt, der in der Summe zu keiner Redoxreaktion führt, sondern
einzig Protonen vom Cytoplasma ins Periplasma pumpt. Dies führt zu einer
transmembranen elektrochemischen Potentialdifferenz der Protonen, welche zur
Synthese von ATP benutzt wird. Das bei der Photophosphorylierung erzeugte ATP
wird dann bei den Stoffwechselprozessen eingesetzt. Da Purpurbakterien nicht in der
Lage sind, NADP+ direkt im photoinduzierten Elektronentransfer zu reduzieren,
müssen sie zur Reduktion von NADP+ unter Aufwand von ATP externe
Elektronendonatoren (wie H2S, S, S2O32-, H2 und auch viele organische
Verbindungen) verwenden. In den folgenden Kapiteln wird auf die Struktur und
Funktion der Proteinkomplexe der Lichtreaktionen näher eingegangen.
Gegenstand neuester Untersuchungen ist die supramolekulare Anordnung der an
der Lichtreaktion der Photosynthese beteiligten Proteinkomplexe, da diese für die
Funktion des photosynthetischen Apparates von Bedeutung sind [4, 5]. In
Rhodobacter sphaeroides liegen die Komplexe in der Membran im stöchiometrischen
Verhältnis von 1 Cytochrom bc1 Komplex auf 2 Reaktionszentren und von ca. 24
Bacteriochlorophyllmolekülen
pro
Reaktionszentrum
vor,
wobei
ein
Lichtsammelkomplex LH I und ca. 9 Lichtsammelkomplexe LH II auf ein
Reaktionszentrum kommen.
7
Einleitung
A.3.1. Struktur und Funktion der Lichtsammelkomplexe
Die Funktion der Lichtsammelkomplexe (auch Antennenkomplexe genannt) besteht
darin, Lichtquanten zu absorbieren und die Anregungsenergie möglichst effizient
innerhalb von 10-10 s mittels Resonanzenergietransfer (nach dem FörsterMechanismus [6]) dem aufnahmebereiten Reaktionszentrum zu übergeben.
Antennenkomplexe
existieren
bezüglich
ihrer
Struktur,
ihrer
Polypeptidzusammensetzung und ihrer Chromophoren (Bacteriochlorophylle und
Carotenoide) in viel größerer Vielfalt als die untereinander recht ähnlichen
Reaktionszentren. Infolgedessen können Antennenkomplexe Licht verschiedener
Wellenlänge absorbieren und dem Reaktionszentrum weiterleiten, so dass sie die
Bakterien befähigen, die spektrale Verteilung des zur Verfügung stehenden Lichtes
möglichst optimal zur Photosynthese auszunutzen und so die Anpassung an die
Umweltbedingungen zu optimieren. Die Effizienz der Energieübertragung von den
Antennenkomplexen
auf
das
Reaktionszentrum
wird
durch
den
hohen
Organisationsgrad ihrer Anordnung in der Membran gewährleistet [7].
Purpurbakterien haben ein relativ einfaches System mit in der Regel zwei Typen von
3
Lichtsammelkomplexen, LH I und LH II [8]. LH I umgibt das Reaktionszentrum und
bildet mit ihm einen Kernkomplex [9-11]. Dieser wird von einem weiteren
Antennenkomplex
LH
II
umgeben,
in
einer
Stöchiometrie,
die
von
den
Wachstumsbedingungen abhängen kann. Die Lichtsammelkomplexe werden nach
dem Absorptionsmaximum der Bacteriochlorophylle spezifiziert. In Purpurbakterien
sind B875, B880 und B890 die Bacteriochlorophylle des LH I und B800-B820 sowie
B800-B850 die Bacteriochlorophylle des LH II4. In Rhodobacter sphaeroides
absorbiert LH II bei 800 nm und 850 nm, LH I bei 875 nm, und die absorbierte
Energie wird dem Energiegefälle folgend von LH II über LH I auf den primären
Donator des Reaktionszentrums übertragen. Die Lichtsammelkomplexe bestehen
aus zwei Typen von Polypeptidketten α und β von jeweils ca. 50 Aminosäuren mit
einer Molekularmasse von jeweils ca. 6 kDa. Beide Polypeptide haben jeweils eine
hydrophobe Domäne, die eine α-Helix formt und die Membran durchspannt, und eine
3
Lichtsammelkomplexe werden mit LH oder LHC (von light-harvesting complex) abgekürzt. In dieser
Arbeit wird die Abkürzung LH verwendet.
4
Bei der Bezeichnung der Bacteriochlorophylle steht B für Bacteriochlorophyll und die Zahl entspricht
der Wellenlänge des Maximums (bzw. der Maxima) im langwelligen Bereich des UV-VISAbsorptionspektrums.
8
Einleitung
hydrophile C-terminale und N-terminale Domäne [12]. Sie bilden im Verhältnis 1:1
jeweils eine Untereinheit, die im Gegensatz zu den Lichtsammelkomplexen in
Pflanzen große Ansammlungen von bis zu 9 Untereinheiten bilden [13, 14].
Für den Lichtsammelkomplex LH II von Rhodopseudomonas acidophila [15] und von
Rhodospirillum molischianum [16] konnte die dreidimensionale Struktur mit atomarer
Auflösung aufgeklärt werden. Danach besteht dieser aus Ringen von jeweils neun
bzw. acht Untereinheiten.
Für LH I konnte die dreidimensionale Struktur mit atomarer Auflösung bisher nicht
aufgeklärt
werden.
Dennoch
zeigen
Untersuchungen
an
zweidimensionalen
Kristallen, dass LH I einen großen Ring um das Reaktionszentrum bildet [10, 11, 17].
Abbildung A.3.1.1 zeigt eine schematische Darstellung der Anordnung der
Lichtsammelkomplexe und des Reaktionszentrums in der Membran nach einer
Modellrechnung [18].
Abbildung A.3.1.1: Anordnung der Lichtsammelkomplexe LH I und LH II und des
Reaktionszentrums in Rhodobacter sphaeroides in einer Modellrechnung nach H.
Xiche et al. [18] mit Blick auf die Membran, in der die Proteinkomplexe eingebettet
sind. Bei den Lichtsammelkomplexen befinden sich die β-Apoproteine auf der Außenseite
der Ringe (helle Helices relativ zur Senkrechten der Membranebene geneigt), die αApoproteine im Inneren der Ringe (dunkle Helices senkrecht zur Membranebene). Die
Struktur des Reaktionszentrums in atomarer Auflösung ist bekannt (siehe Text und
Abbildung A.3.2.1). Die relative Lage der Bacteriochlorophylle und der Carotinoide ist
eingezeichnet.
Die
Bacteriochlorophylle
der
Lichtsammelkomplexe
und
des
Reaktionszentrums sind coplanar angeordnet, so dass ein Energietransfer von den
Lichtsammelkomplexen zum Reaktionszentrum erfolgen kann.
9
Einleitung
A.3.2. Struktur und Funktion des Reaktionszentrums
Die photoinduzierte schnelle Ladungstrennung findet in den Reaktionszentren der
anoxygenen
Bakterien
statt.
Die
Gesamtheit
der
photosynthetischen
Reaktionszentren lässt sich in zwei Gruppen unterteilen, die entsprechend ihrer
Ähnlichkeit zu den Photosystemen I und II der oxygenen Photosynthese als Typ I
und II klassifiziert werden [19]. Die Reaktionszentren des Typs I enthalten als
terminale Elektronenakzeptoren Eisen-Schwefel-Cluster. Zu dieser Gruppe gehören
die Reaktionszentren aus grünen Schwefelbakterien und Heliobakterien. Als
terminale Elektronenakzeptoren der Reaktionszentren des Typs II fungieren
hingegen
Chinone.
Zu
den
Reaktionszentren
dieses
Typs
zählen
die
Reaktionszentren der Purpurbakterien und der grünen fädigen Bakterien. Im
folgenden Abschnitt wird das Reaktionszentrum der Purpurbakterien Rhodobacter
sphaeroides und Blastochloris viridis besprochen.
Das Reaktionszentrum ist ein integraler Membranproteinkomplex. Obwohl seine
Existenz schon in den 30er Jahren postuliert wurde [20, 21], gelang es erst um 1970,
das Reaktionszentrum aus Rhodobacter sphaeroides (Wildtyp) und aus Rhodobacter
sphaeroides R-26 in der aktiven Form zu isolieren [22-24]. Die Aminosäuresequenz
wurde Anfang der 80iger Jahre bestimmt [25-27], und schließlich konnte die
Röntgenstruktur mit nahezu atomarer Auflösung aufgeklärt werden. Das bakterielle
Reaktionszentrum aus Blastochloris viridis war das erste Membranprotein, dass
kristallisiert und dessen dreidimensionale Struktur mit atomarer Auflösung aufgeklärt
werden konnte, wofür H. Michel, R. Huber und J. Deisenhofer 1988 den Nobelpreis
für Chemie erhielten [28, 29]. Kurze Zeit später wurde die dreidimensionale Struktur
des bakteriellen Reaktionszentrums von Rhodobacter sphaeroides aufgeklärt [3033].
10
Einleitung
P
QB
QA
Abbildung A.3.2.1: Die Struktur des photosynthetischen Reaktionszentrums aus
Rhodobacter sphaeroides in atomarer Auflösung [34]. Dargestellt sind die drei
Untereinheiten L (dunkel, rechts), M (hell, links), die vollständig in der Membran (als
Strichzeichnung dargestellt) eingebettet sind, und H (hell, unten), die über eine Helix mit dem
LM-Komplex verbunden ist und in das Cytoplasma hereinragt. Eingezeichnet sind die
symmetrisch angeordneten Cofaktoren. Das Bacteriochlorophylldimer befindet sich auf der
periplasmatischen und die zwei Ubichinone auf der cytoplasmatischen Seite.
Die Struktur der Reaktionszentren aus Blastochloris viridis und Rhodobacter
sphaeroides ist ähnlich. Im Folgenden wird zunächst auf die Struktur des
Reaktionszentrums aus Rhodobacter sphaeroides eingegangen, die in Abbildung
A.3.2.1 dargestellt ist.
Das
Reaktionszentrum
aus
Rhodobacter
sphaeroides
ist
ein
integrales
Membranprotein mit einer Molmasse von 96000 Da. Es besteht aus drei
Proteinuntereinheiten L, M, H [32]. Der gesamte Proteinkomplex enthält elf
transmembrane Helices, davon fünf in der L-, fünf in der M- und eine in der HUntereinheit. L und M sind Strukturhomologe und liegen im engen Kontakt
zueinander, so dass man von einem zylindrischen LM-Komplex spricht. Die
Lichtabsorption
und
Ladungstrennung
erfolgt
über
Cofaktoren,
die
in
der
Proteinmatrix eingebettet liegen (vgl. auch Abbildung A.3.2.3): ein Dimer aus zwei
Bacteriochlorophyllen (P), zwei weitere Bacteriochlorophyllmonomere (BA und BB),
zwei Bacteriophäophytine (φA und φB), zwei Ubichinone (QA und QB) sowie ein
„highspin“ Fe2+-Kation. Die Cofaktoren bilden die Elektronentransportkette und sind
in einer nahezu perfekten zweizähligen Symmetrie angeordnet, die sich in der
11
Einleitung
Symmetrie des LM-Komplexes widerspiegelt [35]. Im nativen Reaktionszentrum ist
nur der A-Zweig photosynthetisch aktiv, der weitgehend in der L-Untereinheit liegt,
während der in der M-Untereinheit gelegene B-Zweig photosynthetisch inaktiv ist.
Die H-Untereinheit hat eine globuläre Struktur, die ins Cytoplasma hineinragt, und
über eine α-Helix mit dem LM-Komplex verbunden ist. Sie ist wahrscheinlich für die
Stabilisierung der Reaktionszentrenstruktur von Bedeutung. Eine weitere Funktion
der H-Untereinheit könnte die Abschirmung des Ubichinons in der QA-Bindungsstelle
von der wässrigen Umgebung sein [36], was für den Ablauf des Protonentransfers im
Reaktionszentrum von Bedeutung ist.
Auf der periplasmatischen Seite der Membran findet sich die Bindungsstelle für den
sekundären Donator, das Cytochrom c2.
Die Strukturen der Untereinheiten L, M, und H des Reaktionszentrums aus
Blastochloris viridis sind homolog zu den Strukturen von Rhodobacter sphaeroides.
Dieses Reaktionszentrum hat aber eine zusätzliche Untereinheit, die Cytochrom cUntereinheit, die in Abbildung A.3.2.2 dargestellt ist. Dieses Cytochrom c aus 333
Aminosäuren mit einer Molmasse von ca. 40000 Da enthält vier Häm-Gruppen und
ist an das Reaktionszentrum gebunden [37]. Es ist üblich, die vier Häme auf Grund
ihres Redoxpotentials in zwei Gruppen zusammenzufassen: zwei mit hohem
Potential (H1 und H2), die sogenannten high potential Häme und zwei mit niedrigem
Potential (L1 und L2), die sogenannten low potential Häme. Das Halbstufenpotential
der Häme in Blastochloris viridis ist in Tabelle A.3.2.1 aufgeführt [38-41]:
Tabelle A.3.2.1: Physikalische Eigenschaften der Tetrahämuntereinheit des
Reaktionszentrums
aus
Blastochloris
viridis.
Angegeben
sind
die
Halbstufenpotentiale Em,7 und die Absorptionsmaxima l der a-Bande.
Em,7 / mV
l (a-Bande) / nm
Name
H1
380
559
Cytochrom c559
H2
310
556
Cytochrom c556
L1
20
552
Cytochrom c552
L2
-60
554
Cytochrom c554
Häm
12
Einleitung
L2
H2
L1
H1
Abbildung A.3.2.2: Struktur der tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit des
Reaktionszentrums aus Blastochloris viridis in atomarer Auflösung [29]. Die
Proteinkette ist als Band dargestellt, die relative Lage der Häm-Gruppen und der CysteinReste, an die sie gebundenen sind, sind eingezeichnet. Die Häm-Gruppen werden nach
ihrem Redoxpotential mit H1, H2, L1, und L2 bezeichnet (Details im Text). Das Häm H1 ist
dem Bacteriochlorophylldimer des Reaktionszentrums am nächsten. Von dieser Seite ist die
Cytochrom c-Untereinheit auf der periplasmatischen Seite der Membran an den LM-Komplex
des Reaktionszentrum gebunden. Die Cytochrom c-Untereinheit ragt in das Periplasma.
Aus der Kristallstruktur erkennt man, dass die Häme näherungsweise linear
angeordnet sind. Wie Untersuchungen der Elektronentransferkinetik, EPR- und
Lineardichroismus-Messungen gezeigt haben, ist die Zuordnung der Redoxpotentiale
zu den Hämen in Blastochloris viridis, wie in Abbildung A.3.2.3 dargestellt [29, 4245].
13
Einleitung
Abbildung A.3.2.3: Anordnung der Cofaktoren des Reaktionszentrums aus
Blastochloris viridis und Orientierung der Häme der Cytochrom c-Untereinheit
(verändert nach O. Hucke [46]). Die Pfeile zeigen den Weg des lichtinduzierten
Elektronentransfers. Nach Anregung durch Licht erfolgt ein Elektronentransfer vom primären
Donator P über das Bacteriochlorophyll BA und das Bacteriophäophytin φA zum primären
Akzeptor QA, das im Falle von Blastochloris viridis ein Menachinon ist, und von dort auf den
sekundären Akzeptor QB (Ubichinon). P+ wird dann von Häm H1 reduziert, das wiederum von
Häm H2 reduziert wird. In Klammern sind die Halbstufenpotentiale der Häme der CytochromUntereinheit angegeben.
Die Funktion des gebundenen tetrahämen Cytochroms c ist, den primären Donator
nach erfolgter lichtinduzierter Ladungstrennung wieder zu reduzieren. Das oxidierte
tetrahäme Cytochrom c wird wiederum vom löslichen Cytochrom c2 reduziert.
Das tetrahäme Cytochrom c ist in vielen photosynthetischen Bakterien vorhanden
[47-53]. Die Struktur dieser Untereinheit variiert in Hinblick auf die elektrochemischen
Eigenschaften und Orientierung der Häme. Darüber hinaus werden verschiedene
Mechanismen der Elektronenübertragung gefunden. Die besondere Funktion dieser
tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit ist noch unklar.
14
Einleitung
Die Untereinheiten L, M und C des Reaktionszentrums sind zusammen mit den
Untereinheiten des LH I Komplexes im puf Operon im Genom kodiert (pufBALM in
Rhodobacter sphaeroides [25] bzw. pufBALMC in Blastochloris viridis [54]). Die HUntereinheit wird an anderer Stelle im Genom kodiert.
Im nächsten Kapitel sollen die Elektronentransferreaktionen im Reaktionszentrum
näher erläutert werden.
A.3.3.
Elektronentransferreaktionen
im
bakteriellen
Reaktionszentrum aus Rhodobacter sphaeroides
Im Reaktionszentrum aus Rhodobacter sphaeroides wird die durch Lichtabsorption
aufgenommene Energie durch Ladungstrennung stabilisiert, wie in Abbildung
A.3.3.1 schematisch dargestellt. Nach der Absorption eines Photons geht der
primäre Elektronendonator P in den angeregten Singulettzustand P* über. Aus
diesem wird ein Elektron auf das Bacteriochlorophyllmonomer BA übertragen [55].
Vom BA wird das Elektron über das Bacteriophäophytin φA auf den primären
Elektronenakzeptor QA übertragen. Die Elektronenübertragung auf das QA führt zum
ersten stabilen ladungsgetrennten Zustand P+QA-. Von diesem erfolgt ein weiterer
Elektronentransfer zum sekundären Akzeptor QB. Durch ein lösliches Cytochrom c
wird das Radikalkation P+ reduziert und ist somit in der Lage ein weiteres Photon zu
absorbieren. Aus dem angeregten Zustand des Donators wird dann wiederum ein
Elektron auf das Ubichinonanionradikal QB- übertragen, welches nach Aufnahme
zweier Protonen als Ubihydrochinon die Bindungsstelle verlässt und durch ein
Ubichinon aus dem Pool der Membran ersetzt wird.
15
Einleitung
1,5
P*φAQAQB
10-12 s
Freie Standardenthalpie / eV
P+φA-QAQB
1,0
10-10 s
10-9 s
10-8 s
hν
P+φAQA-QB 10-4 s
P+φAQAQB-
0,5
10-1 s
1s
0,0
PφAQAQB
Abbildung A.3.3.1: Vereinfachtes Schema der Elektronentransferreaktionen im
bakteriellen photosynthetischen Reaktionszentrum aus Rhodobacter sphaeroides. Die
Größenordnungen der charakteristischen Elektronentransferzeiten sind bei den Pfeilen
angegeben, die die jeweiligen Reaktionen symbolisieren.
Als Konkurrenzreaktion zu jedem Schritt des Vorwärtselektronentransports tritt die
Ladungsrekombination aus dem jeweiligen ladungsgetrennten Zustand auf. Jede
Ladungsrekombination stellt eine unproduktive Vergeudung von Energie dar. Daher
versucht die Natur, die Ladungsrekombination weitgehend zu unterbinden. Dies
geschieht
durch
Optimierung
der
Proteinstruktur
dahingehend,
dass
der
Vorwärtselektronentransfer um zwei bis drei Größenordnungen schneller ist als die
jeweils
konkurrierende
Ladungsrekombination
Elektronentransferreaktionen
finden
sich
in
(die
Zeiten
Abbildung
für
die
A.3.3.1).
Die
Quantenausbeute beträgt somit nahezu eins. Die hohe Effizienz geht jedoch mit
einem
hohen
Energieverlust
einher.
Von
der
Energie
des
angeregten
Singulettzustands des Donators werden nur ca. 35% im ladungsgetrennten Zustand
gespeichert.
Die Untersuchung sowohl der schnellen Vorwärtselektronentransferschritte wie auch
der langsamen Ladungsrekombinationen sind Voraussetzung für das Verständnis,
16
Einleitung
wie das Protein die effektive Speicherung der Energie der absorbierten Photonen in
einen stabilen ladungsgetrennten Zustand bewerkstelligt.
Die Ladungsrekombination, die aus dem Zustand P+QA-QB zurück in den
Grundzustand führt, wird durch die Geschwindigkeitskonstante kAP ∼ 10 s-1
charakterisiert. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, um die Ladungsrekombination
von P+QA- in isolierten Reaktionszentren zu beobachten. Zum einen darf kein
exogener Elektronendonator den oxidierten primären Donator reduzieren (Cytochrom
c2 wird bei der Isolation des Reaktionszentrums entfernt). Außerdem muss der
Vorwärtselektronentransfer zum QB unterbunden werden, entweder durch selektive
Extraktion von QB oder durch Verwendung eines kompetitiven Inhibitors für die QBBindungsstelle (o-Phenanthrolin oder Terbutryn). In isolierten Reaktionszentren, bei
denen QB vorhanden ist, wird hingegen die Ladungsrekombination aus dem Zustand
P+QAQB- in den Grundzustand beobachtet (kBP ≈ 1 s-1). Im Falle einer am Reaktionszentrum gebundenen Cytochrom c-Untereinheit, wie es bei Blastochloris viridis der
Fall ist (siehe Kapitel A.3.2.), kann der primäre Donator vom gebundenen
Cytochrom
c
reduziert
werden,
sofern
dieser
reduziert
vorliegt.
Diese
Elektronentransferreaktionen des tetrahämen Cytochrom c werden in Kapitel A.3.5.
im
Rahmen
des
bakteriellen
lichtinduzierten
zyklischen
Elektronentransfers
beschrieben. Bei Messung der Ladungsrekombination liegen die Reaktionszentren in
Lösung vor und stehen mit dem Sauerstoff aus der Luft in Kontakt. Somit liegen
oxidierende Bedingungen vor, so dass das gebundene Cytochrom c oxidiert vorliegt
und den primären Donator nicht reduzieren kann (vgl. Kapitel B.2.5.1. und C.2.).
A.3.4.
Struktur und Funktion des Cytochrom
Komplex in photosynthetischen Bakterien
bc1
Die Cytochrom bc Komplexe bilden eine phylogenetisch vielfältige Gruppe von
Membranproteinkomplexen, die sowohl in der mitochondrialen und bakteriellen
Atmungskette als auch in der Photosynthese den Elektronentransfer von einem
Dihydrochinon zu einem Cytochrom des c-Typs (bzw. eines Fe-S-Proteins mit hohem
Potential, HiPIP, oder eines Plastocyanins) katalysieren. Dieser Elektronentransfer
ist gekoppelt mit einem Transfer von Protonen durch die Membran und erzeugt so
eine elektrochemische Potentialdifferenz der Protonen über die Membran, die von
17
Einleitung
der ATP-Synthase zur Synthese von ATP genutzt wird. Zu dieser Gruppe von
Membranproteinkomplexen gehören die mitochondrialen und bakteriellen Cytochrom
bc1 Komplexe sowie die Cytochrom b6f Komplexe aus den Chloroplasten und
Cyanobakterien (Reviews finden sich in [56-60]).
Der Cytochrom bc1 Komplex (auch Ubichinol:Cytochrom c Oxidoreduktase) konnte
sowohl aus Mitochondrien verschiedener Organismen als auch aus verschiedenen
Purpurbakterien isoliert werden [61-65]. Der Cytochrom bc1 Komplex von
Rhodobacter sphaeroides R-26 konnte erstmals 1982 isoliert werden [66, 67].
Kürzlich konnte die Struktur des mitochondrialen Cytochrom bc1 Komplexes auf
atomarer Ebene aufgeklärt werden [68-70], während für den bakteriellen Cytochrom
bc1 Komplex auf Grund mangelnder Ausbeute und Stabilität des isolierten Proteins
noch keine Struktur-Analyse zur Verfügung steht. Der mitochondriale Cytochrom bc1
Komplex besteht aus 10 oder 11 Untereinheiten, während der bakterielle Cytochrom
bc1 Komplex wesentlich einfacher gebaut ist und aus drei (z.B. Rhodospirillum
rubrum) oder vier (z.B. Rhodobacter sphaeroides) Untereinheiten besteht [71-73].
Die drei katalytischen Untereinheiten (Cytochrom b, Cytochrom c1 und das Rieske
Protein) sind in allen bisher untersuchten Spezies konserviert und sind zusammen
auf dem fbc Operon im Genom kodiert [71, 74, 75]. Diese drei Untereinheiten binden
alle Redoxzentren des Enzyms. Die Beschreibung der Untereinheiten des Cytochrom
bc1 Komplexes erfolgt am Beispiel des Cytochrom bc1 Komplexes von Rhodobacter
sphaeroides [63, 76]. Dieser besteht aus vier Untereinheiten: die Cytochrom bUntereinheit, die Cytochrom c1-Untereinheit, das Rieske-Eisen-Schwefel-Protein und
die Untereinheit IV (vgl. auch Abbildung A.3.5.1).
Die Cytochrom b-Untereinheit (mit einer Molekularmasse von 40 kDa) bindet zwei
Häme des b-Typs, Häm bH (Cytochrom b5615) mit einem hohem Halbstufenpotential
(Em = 50 mV) und Häm bL (Cytochrom b566) mit einem niedrigen Halbstufenpotential
(Em = -90 mV), und bildet die Chinonbindungsstellen Qi und Qo. Sie ist ein integrales
Membranprotein, das aus acht transmembranen Helices und einer amphipatischen
α-Helix, die sich außerhalb der Membran befindet [77], besteht, in dem die Häme
senkrecht zur Membran in einer Linie angeordnet sind. An der Qo-Bindungsstelle wird
das Dihydrochinon aus der Membran gebunden und oxidiert.
5
Die Bezeichnung der Cytochrome erfolgt anhand der Wellenlänge im Maximum der α-Bande im UVVIS-Absorptionsspektrum (siehe Abbildung B.2.5.1).
18
Einleitung
Cytochrom c1 (34 kDa) ist in der Membran durch eine C-terminale transmembrane αHelix verankert, während der größte Teil des Proteins, das auch die Häm-Gruppe
(Em = 270 mV) bindet, sich außerhalb der Membran befindet. Hier verlassen die
Elektronen den Cytochrom bc1 Komplex.
Das Rieske Eisen-Schwefel Protein (24 kDa) wurde zuerst in den Membranen von
Rinderherz Mitochondrien von J. S. Rieske et al. [78-80] gefunden. Es bindet über
die N-terminale Domäne an die Membran und ist auf diese Weise mit dem Komplex
assoziiert. Der [2Fe-2S]-Cluster befindet sich in dem C-terminalen Teil in Nähe der
Oberfläche des Proteins und die koordinierenden Proteinreste sind in allen RieskeProteinen konserviert. Der [2Fe-2S]-Cluster ist von zwei Cysteinen und zwei
Histidinen koordiniert und hat ein hohes Halbstufenpotential von ca. 300 mV. Er ist
somit der Oxidationsfaktor des Cytochrom bc1 Komplexes.
Die Untereinheit IV des Cytochrom bc1 Komplexes aus Rhodobacter sphaeroides hat
eine Molmasse von 14 kDa und spielt eine Rolle bei der Bindung von Chinon sowie
für die Struktur [67, 72, 76, 81].
Die Elektronentransferreaktionen im Cytochrom bc1 Komplex werden im nächsten
Kapitel
im
Rahmen
der
Beschreibung
des
lichtinduzierten
zyklischen
Elektronentransfers nach dem sogenannten Q-Zyklus behandelt.
A.3.5. Der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer als
Q-Zyklus
Rhodobacter sphaeroides ist das am besten untersuchte photosynthetische
Purpurbakterium in Bezug auf die Teilreaktionen des lichtinduzierten zyklischen
Elektronentransfer. Auf Grundlage der Untersuchungen an dieser Spezies ist für die
photosynthetische Elektronentransferkette ein Modell erarbeitet worden, das auf den
Q-Zyklus basiert, wie ursprünglich von P. Mitchell [82, 83] vorgeschlagen
(Abbildung A.3.5.1). Dieses Modell beschreibt die Sequenz der lichtinduzierten
Elektronentransferschritte und den Mechanismus der Protonenpumpe, durch die die
Energieumwandlung des Sonnenlichtes in chemische Energie erfolgt [84-87]. An
diesem
Prozess
sind
zwei
transmembrane
Proteinkomplexe
beteiligt:
das
Reaktionszentrum und der Cytochrom bc1 Komplex (oder Ubichinol-Cytochrom c1Oxidoreduktase-Komplex). Diese beiden Komplexe sind durch zwei weitere
19
Einleitung
Redoxkomponenten miteinander verbunden: das Ubichinon in der hydrophoben
Membran
und
das
lösliche
Cytochrom
c2
im
Periplasma.
Diese
sind
Elektronenakzeptoren bzw. Elektronendonatoren zum Reaktionszentrum. Das
Ubichinon ist in der Membran gegenüber dem Reaktionszentrum und dem
Cytochrom bc1 Komplex im stöchiometrischen Überschuss vorhanden (UbichinonPool).
In
Membranen
von
Rhodobacter
sphaeroides
sind
je
nach
Wachstumsbedingungen 20 - 60 Ubichinon-Moleküle pro Reaktionszentrum
vorhanden. Das Ubichinon reagiert am Cytochrom bc1 Komplex an zwei
katalytischen Bindungsstellen: Qo auf der periplasmatischen Seite der Membran und
Qi auf der cytoplasmatischen Seite. Die beiden Bindungsstellen können selektiv
gehemmt werden durch verschiedene Typen von Inhibitoren, wie z.B. Antimycin und
Myxothiazol.
Im folgenden wird die Sequenz der Teilreaktionen nach einer Photoaktivierung des
Reaktionszentrums in einem einzelnen Turnover betrachtet. Wenn das System unter
oxidierenden Bedingungen (200 mV bei pH=7) vollständig dunkeladaptiert ist, sind
vor der Photoaktivierung der primäre Donator P (Em,7 = 450 mV), das lösliches
Cytochrom c2 (Em,7 = 340 mV), die Komponenten des Cytochrom bc1 Komplexes mit
hohem Potential, das FeS-Zentrum (Em,7 = 290 mV) sowie Cytochrom c1 (Em,7 = 270
mV) reduziert. Hingegen liegen im Dunkeln die beiden Cytochrome b561 (Em,7 = 50
mV) und b566 (Em,7 = -90 mV), sowie die Ubichinone QA und QB des
Reaktionszentrum oxidiert vor. Der Ubichinon-Pool in der Membran (Em,7 = 90 mV)
liegt bei diesen Bedingungen vollständig oxidiert vor [88].
Unter diesen Bedingungen wird durch die Photoaktivierung zunächst das Semichinon
von QB gebildet. Ein zweiter lichtinduzierter Elektronentransfer ist notwendig, um das
Dihydrochinon QBH2 zu bilden, welches mit dem Cytochrom bc1 Komplex reagieren
kann. Es ist jedoch bei den üblichen spektroskopischen Untersuchungen nicht
möglich, eine vollständige Dunkeladaptation zu erhalten, so dass alleine das
Messlicht ausreicht, um in einem Teil der Reaktionszentren QB- zu erzeugen. In
diesen Reaktionszentren wird das Dihydrochinon bereits nach den ersten Laserblitz
gebildet. Der primäre Donator P+ oxidiert das lösliche Cytochrom c2, das wiederum
Cytochrom c1 und das FeS-Zentrum im Cytochrom bc1 Komplex (high potential
Zweig) oxidiert. Das Dihydrochinon verlässt das Reaktionszentrum und reagiert an
der Qo-Bindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes in einer konzertierten,
diffusionskontrollierten Reaktion. Ein Elektron reduziert den high potential Zweig des
20
Einleitung
Cytochrom bc1 Komplexes und das andere den low potential Zweig, so dass
schließlich das an der Qi-Bindungsstelle gebundene Ubichinon reduziert wird. Der
Protonentransfer
vom
Cytoplasma
ins
Periplasma
ist
am
zyklischen
Elektronentransfer gekoppelt.
Myxothiazol
2 H+e
Periplasma
-
cyt c2
e
FeS
Licht
Em= +340 mV
cyt c1
-
e
Em = 270 mV
Em = 290 mV
2e-
Qo
P
QH2
Em=+450 mV
cyt b566
Em = −90 mV
Q
e-
QH2
e-
Q
cyt b561
Em = 50 mV
Q
QH2
QH2
-
e
Qi
bc1 Komplex
Cytoplasma
2 H+
e-
Q
QB
Antimycin
Plasmamembran
QA
Em = 0 mV
RC
2 H+
Abbildung A.3.5.1: Modifizierter Q-Zyklus-Mechanismus für den zyklischen
Elektronentransfer in Rhodobacter sphaeroides nach A. R. Crofts et al. [84]. Die
Elektronentransferschritte sind mit durchgezogenen Pfeilen eingezeichnet, die Diffusion von
Q und QH2 in der Membran mit gestrichelten Pfeilen, und die Aufnahme bzw. Abgabe von
Protonen mit gepunkteten Pfeilen. Die Anregung durch Licht wird durch den gezackten Pfeil
symbolisiert. Die Halbstufenpotentiale Em der Redoxpartner bei pH = 7 sind angegeben.
P: primärer Donator des Reaktionszentrums (RC)
Q: Ubichinon
QH2: Dihydroubichinon
QA, QB,: Bindungsstellen für Ubichinon bzw. Dihydroubichinon am Reaktionszentrum
Qi und Qo: Bindungsstellen für Ubichinon bzw. Dihydroubichinon am Cytochrom bc1 Komplex
b, c1 und FeS: Cytochrom b, c1 und das Rieske-Protein im Cytochrom bc1 Komplex
Für die Reduktion von Q zu QH2 am Reaktionszentrum (RC) müssen zwei Anregungen von
P erfolgen. Für die Oxidation eines Äquivalents von QH2 müssen die
Elektronentransferschritte von Qo, FeS, cyt c1 und cyt c2 zu P zweimal erfolgen, hingegen die
Schritte von Qo über cyt b566 und cyt b561 zu Qi nur einmal.
21
Einleitung
Bei reduzierenden Redoxbedingungen (150 - 100 mV) ist der Redoxzustand der
Komponenten mit Ausnahme des Ubichinon-Pools, der jetzt teilweise reduziert
vorliegt, unverändert. Da jetzt schon vor der Anregung Dihydroubichinon-Moleküle
zur Verfügung stehen, ergibt sich nach dem Anregungsblitz eine schnelle Reaktion
an der Qo-Bindungsstelle. Dieses Modell wurde aus Messungen an Chromatophoren
(Vesikel der intracytoplasmatischen Membran, s.o.) in Rhodobacter sphaeroides und
Rhodobacter capsulatus erhalten. In diesen Spezies ist kein am Reaktionszentrum
gebundenes Tetrahäm vorhanden. Cytochrom c2 reduziert direkt den primären
Donator P+. Diese Spezies scheinen jedoch eher die Ausnahme bei den
Purpurbakterien zu bilden. Bei viele Arten (Blastochloris viridis [41], Chromatium
vinosum
[48],
Rhodocyclus
gelatinosus
[47],
Ectothiorhodospira
mobilis,
Chloroflexus aurantiacus [50], Rhodospirillum salinarum [89] und Rhodoferax
fermentans [90]) wird P+ vom am Reaktionszentrum gebundenen multihämen
Cytochrom c reduziert (s.o.). Man vermutet, dass das Schema des Q-Zyklus in
seinen grundsätzlichen Elektronentransferschritten auch in diesen Arten gilt.
Experimentelle Nachweise wurden in Chromatophoren von Chromatium vinosum
[91]
und
Blastochloris
viridis
[92]
erhalten,
auch
wenn
systematische
Untersuchungen der vom Cytochrom bc1 Komplex katalysierten Reaktionen fehlen.
Untersuchungen an ganzen Zellen von Blastochloris viridis [92] zeigen, dass sowohl
unter aeroben als auch unter anaeroben Bedingungen6 eine Oxidation des high
potential Häms H2 10 µs nach der Anregung durch einen Blitz beobachtet werden
kann, das wiederum vom löslichen Cytochrom c2 mit einer Halbwertszeit von 110 µs
bei aeroben Bedingungen und 40 µs bei anaeroben Bedingungen rereduziert wird.
Das lösliche Cytochrom c2 wird dann mit einer Halbwertszeit von 25 ms bei aeroben
Bedingungen und 8 ms bei anaeroben Bedingungen in einer Reaktion, an der der
Cytochrom bc1 Komplex beteiligt ist, rereduziert. Eine Photooxidierung der low
potential Häme konnte selbst bei den reduzierendsten Bedingungen, d.h. bei
anaeroben Bedingungen, nicht beobachtet werden. Im gebundenen Cytochrom c
erfolgt der lichtinduzierte Elektronentransfer bei höheren Potentialen, wenn nur ein
high potential Häm reduziert vorliegt, mit einer Halbwertszeit von 230 ns von H1 zum
primären Donator P+. Bei niedrigeren Potentialen, wenn beide high potential Häme
reduziert vorliegen, erfolgt der Elektronentransfer von H1 zu P+ mit einer
6
Aerobe Bedingungen wurden erzeugt, indem Luft durch die Zellsuspension geleitet wurde, anaerobe
Bedingungen hingegen durch Zugabe von 20 mM Glucose und 3 mg/ml Glucoseoxidase, wobei
Stickstoff durch die Suspension geleitet wurde [92].
22
Einleitung
Halbwertszeit von 190 ns. H1 wird anschließend von H2 mit einer Halbwertszeit von
1,7 µs reduziert und dieses wird wiederum von Cytochrom c2 rereduziert [93]. Der
beschriebene Mechanismus des Elektronentransfers im gebundenen Cytochrom c
von Blastochloris viridis ist in Abbildung A.4.5.1 schematisch dargestellt und mit
dem Mechanismus des Elektronentransfers in Roseobacter denitrificans verglichen
(siehe Kapitel A.4.5.).
Zur Zeit geht man davon aus, dass bei den Bakterienarten mit einem am
Reaktionszentrum
gebundenen
Cytochrom
c
je
nach
Redoxpotential
das
Oxidationsäquivalent, das sich nach Anregung bildet, zeitweise auf einem der high
potential Häme des Reaktionszentrums lokalisiert ist. Die Reduktion dieses Häms
erfolgt dann durch eine lösliche Komponente im Periplasma, das die Elektronen vom
Cytochrom bc1 Komplex erhält. Die Art des periplasmatischen Transporters hängt
von der untersuchten Spezies ab [94]. Außer Cytochrom c2 [92] kann dies auch ein
HiPIP (ein FeS-Protein mit hohem Redoxpotential) und/oder ein Cytochrom c8 sein
[95-97].
A.4. Aerobe photosynthetische Bakterien
Bei den meisten fakultativ phototrophen Purpurbakterien, wie z.B. Rhodobacter
sphaeroides, die sowohl zu einer phototrophen als auch zu einer chemotrophen
Energiegewinnung7 befähigt sind, ist neben der Lichteinstrahlung vor allem der
Sauerstoffpartialdruck
Photosyntheseapparates
der
wichtigste
reguliert,
so
Faktor,
dass
7
ein
der
hoher
die
Bildung
des
Sauerstoffpartialdruck
An dieser Stelle sollen einige in Zusammenhang mit Mikroorganismen verwendete Begriffe erläutert
werden (nähere Ausführungen finden sich z.B. in [98]):
Autotrophe Mikroorganismen speichern Energie, in dem sie aus anorganischen Verbindungen
energiereiche Verbindungen synthetisieren. CO2 ist die einzige Kohlenstoffquelle.
Heterotrophe Organismen benötigen organische Verbindungen als Kohlenstoffquelle.
Phototrophe Bakterien speichern die Sonnenenergie durch Synthese energiereicher Verbindungen
(Photosynthese).
Photoautotrophe Organismen nutzen die Sonnenenergie und CO2 ist die einzige Kohlenstoffquelle.
Chemotrophe Organismen benutzt energiereiche Verbindungen als Energiequelle.
Chemohetrotrophe Organismen benutzen energiereiche Verbindungen als Energiequelle und
brauchen organische Verbindungen als Kohlenstoffquelle.
Aerobe Bakterien benötigen Sauerstoff für das Zellwachstum.
Anaerobe Bakterien benötigen kein Sauerstoff für das Zellwachstum und können nicht an der Luft
(21% Sauerstoff) wachsen. Für sie ist Sauerstoff toxisch.
23
Einleitung
besonders im Licht die Biosynthese des Photosyntheseapparates hemmt [99-101].
Eine Ausnahme dazu bilden Rhodovulum sulfidophilum und Rhodospirillum cetenum,
die auch bei Anwesenheit von Sauerstoff den Photosyntheseapparat ausbilden
können [102, 103]. Ende der 70er Jahre wurde erstmals eine neue physiologische
Gruppe von Bakterien entdeckt, die Bacteriochlorophyll a-haltigen, obligat aeroben
photosynthetischen Bakterien [104-106]. Die aeroben photosynthetischen Bakterien8
können den Photosyntheseapparat ausschließlich unter aeroben Bedingungen
bilden, und ein effizienter photoinduzierter Ladungstransfer findet nur unter aeroben
Bedingungen
statt.
Unter
anaeroben
Bedingungen
hingegen
findet
keine
Photosynthese statt, d.h. diese Bakterien sind nicht in der Lage, phototroph in
Abwesenheit von Sauerstoff bzw. von externen Oxidantien zu wachsen. In den
letzten Jahrzehnten wurden über 20 Spezies aerober photosynthetischer Bakterien
aus verschiedenen marinen und Süßwasserstandorten isoliert und untersucht (zum
Überblick siehe [107] und [109]). Alle bisher bekannten Arten mit Ausnahme von
Roseobacter
denitrificans
haben
eine
obligat
aerobe
chemoheterotrophe
Lebensweise. Roseobacter denitrificans ist in der Lage, auch anaerob mit Nitrat oder
Trimethylaminoxid (TMAO) als Elektronenakzeptor im Licht zu wachsen [110, 111].
Da Licht und hoher Sauerstoff-Gehalt die Ausbildung des Photosyntheseapparates
und die Synthese von Bacteriochlorophyll a hemmen, scheint die Photosynthese
unter Standortbedingungen keinen signifikanten Beitrag zum Energiestoffwechsel der
aeroben photosynthetischen Bakterien zu liefern. Über Nacht (also im Dunkeln) und
bei niedrigem Sauerstoffgehalt wird der Photosyntheseapparat in geringem Umfang
gebildet. Er kann in den frühen Morgenstunden bevor ein lichtbedingter Abbau der
Photosynthesepigmente einsetzt, einen kleinen Beitrag zum Energiestoffwechsel der
Bakterien leisten [112]. Unter Ausschluss von Sauerstoff im Licht findet kein
Wachstum statt, da diese Bakterien keinen anaeroben Lichtstoffwechsel betreiben
können. Die Ursache hierfür ist zur Zeit Gegenstand intensiver Untersuchungen.
Die Tatsache, dass aerobe photosynthetische Bakterien nicht photoautotroph
wachsen können und Sauerstoff benötigen, führte zur Hypothese, dass diese die
evolutionäre Verbindung zwischen den photosynthetischen Purpurbakterien und den
aeroben Heterotrophen bilden [113] oder in ihrer Entwicklung zu aeroben Bakterien
8
Diese neue Gruppe von Bakterien soll hier aerobe photosynthetische Bakterien genannt werden. Sie
wurden in der Literatur zunächst als (obligat) aerobe Bacteriochlorophyll-enthaltende Bakterien [106],
später auch als (obligat) aerobe Photoheterotrophen, aerobe anoxygene Bakterien, aerobe
anoxygene Phototrophe [107], obligat aerobe phototrophe Bakterien und quasi-photosynthetische
Bakterien [108] bezeichnet.
24
Einleitung
einen überflüssigen, nicht funktionierenden Photosyntheseapparat beibehalten
haben. Ferner könnten diese Organismen den Photosyntheseapparat aeroben
Bedingungen
angepasst
haben
und
einen
kompetenten
photosynthetischen
Elektronentransfer als zusätzliche Möglichkeit der Energiegewinnung im Rahmen
eines effizienten heterotrophen Metabolisums aufrechterhalten [114].
Im Folgenden soll ein Überblick über die aeroben photosynthetischen Bakterien
gegeben werden, wobei der Schwerpunkt auf Roseobacter denitrificans9 liegt. Diese
Spezies ist am besten charakterisiert und wurde für die Untersuchungen der
vorliegenden Arbeit verwendet.
A.4.1. Habitat, Morphologie und Phylogenese
Alle bisher bekannten Arten der aeroben photosynthetischen Bakterien haben eine
obligat aerobe chemoheterotrophe Lebensweise. Roseobacter denitrificans bildet
insofern eine Ausnahme, als diese Bakterien auch unter anaeroben Bedingungen in
Anwesenheit von Elektronenakzeptoren wie Nitrat oder TMAO10 im Licht wachsen.
Die
aeroben
photosynthetischen
Bakterien
wurden
hauptsächlich
aus
nahrungsreichen, geschützten wässrigen Umgebungen wie Sandstränden, Seetang
u.ä. isoliert. Die ersten Arten wurden in den marinen Gewässern an der japanischen
Küste in der Nähe von Tokio gefunden [106]. Weitere marine Arten wurden an den
Küsten Australiens [106] und der kanadischen Küste bei Vancouver [115] gefunden.
Süßwasserarten wurden in Russland gefunden [116]. Trotz der weiten Verbreitung
dieser aeroben photosynthetischen Bakterien in verschiedenen ökologischen
Nischen, wo sie bis zu 30% der heterotrophen Bakterien ausmachen, ist die
ökologische Bedeutung und ihre Rolle in den Populationen von Mikroben bis heute
unklar.
Neuere
Untersuchungen
zeigen,
dass
die
Verbreitung
von
aeroben
photosynthetischen Bakterien über nahrungsreiche, geschützte ökologische Nischen
hinausgeht und sie in den oberen Schichten der Ozeane der Welt verbreitet sind, wo
sie mindestens 11% der gesamten mikrobiellen Organismen ausmachen [114, 117].
Die aeroben photosynthetischen Bakterien der Ozeane bilden eine relativ
9
Früher als Erythrobacter sp. OCh 114 bezeichnet.
Trimethylamino-N-oxid
10
25
Einleitung
einheitliche, weitverbreitete Klasse, die mit den phänotypisch vielfältigen aeroben
photosynthetischen Bakterien der nahrungsreichen ökologischen Nischen verwandt
sind, wobei letztere möglicherweise sich aus einem Vorläufer der ozeanischen
aeroben photosynthetischen Bakterien entwickelt haben könnten. Die ozeanischen
aeroben
photosynthetischen
Bakterien
koexistieren
mit
den
oxygenen
Photoautotrophen der Ozeane und leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag
zum organischen und anorganischen Kohlenstoff-Zyklus im Ozean, dessen Details
noch völlig unbekannt sind [117]. Neueste Analysen der Genome von ozeanischen
aeroben photosynthetischen Bakterien zeigen, dass in den Ozeanen noch wesentlich
mehr bisher noch nicht kultivierte und charakterisierte, z.T. nur entfernt miteinander
verwandte Arten von aeroben photosynthetischen Bakterien verbreitet sind [118].
Alle bisher untersuchten aeroben photosynthetischen Bakterien haben eine gramnegative Zellwand, ihre Morphologien sind jedoch sehr verschieden. Die marine
Spezies Roseobacter denitrificans, die 1979 von T. Shiba [106] isoliert wurde,
vermehrt sich durch binäre Zellteilung und bildet ovoid bis stäbchenförmige Zellen
mit einer Größe von ca. 0,5 µm x 1,0 µm. Die meisten Spezies sind mobil und haben
polar oder subpolar angeordnete Flagellen (Geißeln).
Die meisten Purpurbakterien haben zusätzlich zur Plasmamembran ein System von
intracytoplasmatischen Membranen (ICM) mit Morphologien, die von Spezies zu
Spezies variieren können. Die ICM wird aus der Plasmamembran gebildet und ist mit
ihr verbunden. Sie kann Vesikel, Tubuli oder thylakoidähnliche Gebilde bilden. Die
Proteinkomplexe des Photosyntheseapparates sind fast ausschließlich in den ICM zu
finden. Bei den meisten Purpurbakterien wird die Ausbildung der ICM durch Licht und
Sauerstoffpartialdruck reguliert. Bei den aeroben photosynthetischen Bakterien
hingegen sind iIntracytoplasmatische Membranen wahrscheinlich nicht vorhanden
und wurden in den Genera Erythrobacter und Erythromonas nicht gefunden. In
Roseobacter denitrificans wurden hingegen gelegentlich vesikelähnliche Strukturen
gefunden wie in Abbildung A.4.1.1 dargestellt [119].
26
Einleitung
Abbildung A.4.1.1: Elektronenmikroskopische Aufnahme der Zelle von Roseobacter
denitrificans [119]. Der Balken entspricht 0,5 µm. Man kann die innere cytoplasmatische
und die äußere Membran erkennen sowie Vesikel in der Größe von ca. 100 nm
Durchmesser, die die intracytoplasmatische Membran (ICM) bilden. Der BacteriochlorophyllGehalt der Zellen betrug 3,8 nmol/mg Trockengewicht.
Die aeroben photosynthetischen Bakterien [107] bilden zwei marine (Erythrobacter
und Roseobacter) und sechs Süßwasser-Genera (Erythromicrobium, Roseococcus,
Porphyrobacter, Acidiphilium, Erythromonas und Sandaracinobacter).
Phylogenetisch sind aerobe photosynthetische Bakterien im Stammbaum der
photosynthetischen Bakterien in der α-Subklasse der Proteobakterien, zu denen die
photosynthetischen Purpurbakterien gehören, einzuordnen11. Die starke Verbreitung
in verschiedenen Untergruppen deutet darauf hin, dass sie sich aus verschiedenen
unabhängigen Purpurbakterien entwickelt haben könnten. Interessanterweise bringt
die vergleichende Sequenzanalyse der 16S ribosomalen RNA Roseobacter
denitrificans in relativ nahe phylogenetische Verwandtschaft zu den fakultativen
Phototrophen Rhodobacter capsulatus und Rhodobacter sphaeroides [121], während
es nur entferntere Verwandtschaft zu den anderen aeroben photosynthetischen
Bakterien zeigt [122].
11
Eine vereinfachte Beschreibung des Stammbaumes der photosynthetischen Bakterien und ihrer
phylogenetischen Verwandtschaften findet sich in G. Drews [120].
27
Einleitung
A.4.2. Pigmente
Charakteristisch für alle Arten von aeroben photosynthetischen Bakterien sind die
großen
Mengen
an
Carotinoiden,
die
deren
Farbe
bestimmen.
Die
Zusammensetzung variiert von Spezies zu Spezies. Ihre Funktion ist der Schutz vor
photooxidativen Schäden sowie die Absorption von Licht zur Weiterleitung an die
Lichtsammelkomplexe bzw. an das photosynthetische Reaktionszentrum. In
Roseobacter denitrificans ist die rosarote Farbe durch Spheroidenon verursacht, das
95% des Carotionoidgehalts ausmacht [123]. Spheroidenon ist auch das häufigste
Carotinoid bei semiaerob gezogenen Zellen von einigen Purpurbakterien wie
Rhodobacter sphaeroides.
Im Gegensatz zu den anderen Arten aerober photosynthetischer Bakterien besitzt
Roseobacter
denitrificans
nur
Carotinoide,
die
nicht-kovalent
an
das
Reaktionszentrum und die Lichtsammelkomplexe gebunden sind (Pigment-ProteinKomplexe) und als lichtsammelnde Pigmente fungieren [124]. Spektroskopische
Untersuchungen
haben
gezeigt,
dass
Roseobacter
denitrificans
ein
Reaktionszentrum und zwei Antennenkomplexe, LH I bzw. B870 (ähnlich dem in
Purpurbakterien) und LH II bzw. B806, besitzt [125, 126].
In
den
aeroben
photosynthetischen
Bakterien
ist
die
einzige
Form
von
Bacteriochlorophyll, die gefunden wurde, das Bacteriochlorophyll a, das nichtkovalent in Pigment-Protein-Komplexen (LH I, LH II und Reaktionszentrum)
eingebaut ist und Absorptionsmaxima zwischen 800 und 870 nm aufweist
(Abbildung A.4.2.1). Im Vergleich zu den Purpurbakterien enthalten die aeroben
Bakterien viel geringere Mengen an Bacteriochlorophyll (5 - 10% bzw. ca. 1 - 2
nmol/mg Zellen Trockengewicht [109]), daher überrascht eine geringe Bildung der für
die Photosynthese spezialisierten intracytoplasmatischen Membran (ICM) nicht. Das
Bacteriochlorophyll a, das von Roseobacter denitrificans isoliert wurde, enthält wie
auch bei den meisten Purpurbakterien einen Phytolrest.
Das Verhältnis von Bacteriochlorophyll zu Carotinoiden liegt in ganzen Zellen
aerober photosynthetischer Bakterien bei ca. 1 : 10, wobei dieser Wert durch Licht
und Sauerstoffgehalt während des Zellwachstums beeinflusst wird [109]. Ferner
bilden diese Bakterien einen Photosyntheseapparat aus, der in seiner Organisation
dem der Purpurbakterien entspricht, aber in wesentlich geringeren Konzentrationen
synthetisiert wird. Die bisher bekannten Eigenschaften des Photosyntheseapparates
28
Einleitung
in den aeroben photosynthetischen Bakterien sollen im Folgenden beschrieben
900
800
900
800
900
900
800
800
Absorption
werden, wobei besonders auf Roseobacter denitrificans eingegangen wird.
Wellenlänge (nm)
Abbildung A.4.2.1: Absorptionsspektren von Membransuspensionen aerober
Bakterien Roseococcus thiosulfatophilus (A), Erythrobacter litoralis (B),
Erythromicrobium hydrolyticum (C) und Erythromicrobium ezovicum (D) [109]. Die
Ausschnitte zeigen die Absorptionsmaxima des in Proteinkomplexen (Antennenkomplexe
und Reaktionszentrum) eingebauten Bacteriochlorophylls a.
A.4.3. Struktur und Funktion der Antennenkomplexe in den
aeroben photosynthetischen Bakterien
Die Absorptionsmaxima der Antennenkomplexe in den aeroben Bakterien weisen oft
unübliche Wellenlängen auf, wie z.B. bei Roseococcus thiosulfatophilus, der einen
LH I Komplex B856 (mit einem Absorptionsmaximum bei 856 nm) enthält.
Roseobacter denitrificans besitzt zwei Antennenkomplexe, B870 (LH I) und B806 (LH
II). LH II wurde isoliert und gereinigt und besteht aus zwei Polypeptiden α und β mit
Molekularmassen von jeweils 5,0 kDa und 7,0 kDa. Der Lichtsammelkomplex weist
als Pigmente Carotinoide (95% Spheroidenon) und Bacteriochlorophyll a auf. Das
UV-VIS-Absorptionsspektrum weist neben dem Absorptionsmaximum bei 806 nm,
Bacteriochlorophyll-Absorptionsbanden bei 370 nm und 590 nm auf. Die Bande bei
510 nm ist den Carotinoiden zuzuschreiben (Abbildung A.4.3.1). Die Funktion der
29
Einleitung
Lichtsammelkomplexe
besteht
darin,
Lichtquanten
zu
absorbieren
und
die
Anregungsenergie möglichst effizient mittels Förster-Resonanzenergietransfer an
das Reaktionszentrum weiterzuleiten (siehe Kapitel A.3.1.). Im Vergleich zu den
Purpurbakterien überlappen die Absorptionsmaxima von B806 (LH II) und B870 (LH
I) nur sehr wenig. Untersuchungen von K. Shimada [126] zeigen, dass der
Energietransfer von LH II zum LH I-RC-Komplex12 trotzdem effizient verläuft. Das
Fluoreszenz-Spektrum
der
Membran
weist
bei
Raumtemperatur
(bei
einer
Anregungswellenlänge von 800 nm) eine starke Emissionsbande bei 885 nm und
eine schwache bei 820 nm auf, die jeweils B870 und B806 zugeschrieben werden
können. Vergleicht man das Emissionsspektrum der Membran mit dem einer mit
Detergens behandelten Membran, beobachtet man bei der Fluoreszenzbande von
B806 einen sehr starken Anstieg und bei der von B870 eine Abnahme. Die
Fluoreszenz von B806 wird also in den intakten Membran unterdrückt, was auf einen
effizienten Energietransfer von LH II auf den LHI-RC-Komplex schließen lässt. Der
Grund für die hohe Effizienz des Energietransfers ist vermutlich die strukturelle
Anordnung der Lichtsammelkomplexe in der Membran (siehe Kapitel A.3.1.).
Obwohl die Lichtsammelkomplexe in den aeroben photosynthetischen Bakterien in
den
Absorptionseigenschaften
signifikant
verschieden
von
denen
der
Purpurbakterien sind, scheint ihre Organisation grundsätzlich ähnlich zu sein [109].
12
RC steht für Reaktionszentrum.
30
Einleitung
Absorption
,6
,5
,4
,3
,2
,1
0,0
300
400
500
600
700
800
900
Wellenlänge (nm)
Abbildung A.4.3.1: Absorptionsspektrum vom Lichtsammelkomplex LH II aus
Roseobacter denitrificans [127]. Die Absorptionsbanden des Bacteriochlorophyll a finden
sich bei 370 nm, 590 nm und 806 nm. Bei 510 nm befindet sich eine breite Bande der
Absorption der Carotinoide.
A.4.4. Struktur und Funktion der Reaktionszentren
Die Anwesenheit eines Reaktionszentrums in aeroben photosynthetischen Bakterien
wurde zunächst Anfang der 80iger Jahre in Roseobacter denitrificans und
Erythrobacter
longus
[119]
durch
lichtinduzierte
Absorptionsänderungen
nachgewiesen. Später konnte das Reaktionszentrum von Roseobacter denitrificans
isoliert werden [128]. Die Absorptionsspektren im oxidierten und reduzierten Zustand
ähneln den entsprechenden Spektren von Rhodobacter sphaeroides mit Ausnahme
der
Cytochrom-Banden
und
der
Carotinoid-Banden.
Die
Cofaktoren
des
Reaktionszentrums, die die transmembrane Ladungstrennung katalysieren (siehe
Kapitel A.3.2. und A.3.3.) sind die gleichen wie in Blastochloris viridis. Das Protein
besteht aus vier Untereinheiten, und davon konnte eine als Cytochrom-Untereinheit
identifiziert werden [128]. Kürzlich konnte die Primärstruktur der Untereinheiten L
und M des Reaktionszentrums sowie der Polypeptide α und β des LH I Komplexes
durch Sequenzanalyse des puf Operons, das die Gene der Untereinheiten L, M und
C des Reaktionszentrum (pufLMC) sowie der Polypeptide des LH I Komplexes
(pufAB) enthält, ermittelt werden [129, 130]. Das pufC Gen kodiert die Untereinheit
31
Einleitung
des tetrahämen Cytochroms c, das aus 352 Aminosäuren besteht (Mr = 39043 Da).
Dabei sind 20% bzw. 34% der Aminosäuren identisch mit den Aminosäuren der
Cytochrom c-Untereinheit von Chloroflexus aurantiacus bzw. Rubrivirax gelatinosum.
Der hydrophobe N-terminale Bereich ist wahrscheinlich für die Verankerung der
Untereinheit
Roseobacter
in
der
Membran
denitrificans,
verantwortlich.
Blastochloris
viridis,
Das
Sequenz-Alignment
Rubrivirax
gelatinosum
von
und
Chloroflexus aurantiacus hat es ermöglicht, die Aminosäuren zu identifizieren, die die
Häme binden (Cys-X-X-Cys).
Bislang gab es nur relativ wenige Arbeiten, die sich mit der physikalischen
Charakterisierung der Reaktionszentren aerober photosynthetischer Bakterien
beschäftigten. Messungen an Membranen aus Roseobacter denitrificans ergaben für
den primären Elektronenakzeptor QA ein Halbstufenpotential von Em,7 = 35 mV [131].
Dieser Wert war wesentlich größer verglichen mit dem Halbstufenpotential von
Em,7 = 0 mV bzw. Em,7 = -100 mV, den Dutton et. al. für Chromatophoren aus
Rhodobacter sphaeroides bzw. Chromatium vinosum gefunden haben[132]. Daraus
schlossen K. Okamura et al. [131], dass QA in dunkeladaptierten Zellen reduziert
vorliegt. Da QA ein Ein-Elektronen-Akzeptor ist, kann unter diesen Bedingungen kein
lichtinduzierter Elektronentransfer stattfinden. In Gegenwart von Sauerstoff wird QAoxidiert, und der Prozess der Photosynthese kann ablaufen. Dies erklärt, warum
diese Bakterien Sauerstoff zum Wachsen benötigen. In isolierten Reaktionszentren
wurde für QA ein Wert von Em = -44 mV und für den primären Donator P ein
Halbstufenpotential von Em,7 = 435 mV gefunden [128]. Das Ergebnis für QA
entspricht dabei im Rahmen der Messgenauigkeit dem von Rhodobacter
sphaeroides [133]. Der Grund für diese Diskrepanz zwischen den gemessenen
Daten an Reaktionszentren und Membranen ist unklar und bedarf weiterer
Untersuchungen.
Der two electron gate Mechanismus konnte durch Untersuchung der binären
Oszillationen, die aus der Ubisemichinonbildung nach Lichtanregung resultieren,
durch eine Sequenz von vier aufeinanderfolgenden Anregungsblitzen verifiziert
werden. Auch die Ladungsrekombinationskinetiken ähneln denen in Rhodobacter
sphaeroides (siehe Kapitel A.3.3.). Für die Rekombination von P+QA- zu PQA bzw.
von P+QB- zu PQB wurde jeweils eine Halbwertzeit von 20 ms (in Anwesenheit von
10 mM o-Phenanthrolin) bzw. 0,8 s ermittelt [128].
32
Einleitung
Ebenso
wurden
in
Roseobacter
denitrificans
die
thermodynamischen
und
spektroskopischen Eigenschaften des tetrahämen Cytochrom c im isolierten
Reaktionszentrum untersucht [108]:
Tabelle A.4.4.1: Physikochemische Eigenschaften der Tetrahäm-Untereinheit
des
Reaktionszentrums
aus
Roseobacter
denitrificans
[108].
Die
Halbstufenpotentiale wurden bei pH = 7 angegeben.
Häm
Halbstufenpotential Absorptionsmaximum
l (a-Bande) / nm
Em,7 / mV
Name
H1
290
555
Cytochrom c555
H2
240
554
Cytochrom c554
L1 / L2 1
90
553
Cytochrom c553
1
Die low potential Häme können spektroskopisch nicht unterschieden werden.
Aus Untersuchungen des Linearen Dichroismus wurde die Orientierung der Häme in
bezug auf die Membranebene abgeschätzt [108]. Die Häme H1, H2, L1 und L2
bilden jeweils Winkel von 40°, 55°, 90° bzw. 40° und 40° bzw. 90° mit der
Membranebene. L1 und L2 haben ein sehr ähnliches Potential und können deshalb
nicht unterschieden werden. Die Orientierung der Häme in Blastochloris viridis,
Rubrivirax gelatinosum, Chromatium vinosum, Chloroflexus aurantiacus und
Roseobacter denitrificans ist in Tabelle A.4.4.2 verglichen. In Roseobacter
denitrificans sind die Halbstufenpotentiale der high potential Häme H1 und H2
niedriger als in den anderen photosynthetischen Bakterien (in Blastochloris viridis ist
Em,7 = 370 mV für H1 und Em,7 = 320 mV für H2; in Chromatium vinosum ist Em,7 =
350 mV für H1 und Em,7 = 320 mV für H2). Hingegen sind die Halbstufenpotentiale
der low potential Häme L1 und L2 höher als in Blastochloris viridis und Chromatium
vinosum. Ähnlicher sind die Werte bei Rubrivirax gelatinosum und Chloroflexus
aurantiacus [47, 50].
33
Einleitung
Tabelle A.4.4.2: Orientierung der Häme der tetrahämen Cytochrom cUntereinheit des Reaktionszentrums in bezug auf die Membranebene
verschiedener photosynthetischer Bakterien.
Blastochloris
viridis
Rubrivirax
gelatinosum
Chromatium
vinosum
Chloroflexus
aurantiacus
Roseobacter
denitrificans
[108]
[42]
[48]
[134]
[108]
H1
80°
0°
30°
30°
40°
L1
60°
90°
0° bzw. 40°1
40° - 50°
90° bzw. 40°1
H2
55°
90°
90°
90°
55°
L2
85°
0°
40° bzw. 0°1
45°
40° bzw. 90°1
1
Die Häme L1 und L2 können bei diesen Spezies nicht spektroskopisch unterschieden
werden.
A.4.5. Der zyklische Elektronentransfer in Roseobacter
denitrificans und beteiligte Enzymkomplexe
Das Reaktionszentrum aus Roseobacter denitrificans hat ebenso wie in anderen
aeroben
photosynthetischen
Bakterien
der
Genera
Erythromonas,
Sandaracinobacter und Roseococcus [115, 116] eine tetrahäme Cytochrom cUntereinheit. Die Elektronentransferkinetiken vom tetrahämen Cytochrom c zum
primären Donator P+ wurden kürzlich im Detail an isolierten Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans untersucht [93]. In einem weiten Bereich des eingestellten
Redoxpotentials (Eh = 500 - 100 mV) zeigt die Reduktionskinetik des durch Anregung
mit einem Laserimpuls oxidierten primären Donators P+ zu P drei exponentielle
Phasen (vgl. Abbildung A.4.5.1): eine langsame Phase mit einer Halbwertzeit t1/2 >
10 ms und zwei schnelle Phasen mit t1/2 = 5 µs bzw. 280 ns. Die langsame Phase
überwiegt bei einem eingestellten Redoxpotential Eh > 290 mV und verschwindet,
wenn das Potential verringert wird mit einem scheinbaren Halbstufenpotential Em,7 =
290 mV. Diese Phase entspricht der Rekombination von P+ mit QA- zu PQA und
verschwindet mit zunehmender Reduktion von H1 (Em,7 = 290 mV) bei Verringerung
des eingestellten Redoxpotentials. Die schnelle Phase mit 5 µs entsteht in dem
Maße wie die langsame verschwindet und entspricht dem Elektronentransfer von H1
nach P+. Kommt man bei Verringerung des eingestellten Redoxpotentials in den
34
Einleitung
Bereich, in dem H2 anfängt, vor der Photoanregung reduziert vorzuliegen (Eh ≈ 240
mV), verschwindet die 5 µs Phase und wird nach und nach durch die schnellere 280
ns Phase ersetzt. Diese Phase entspricht dem Elektronentransfer von H2 zu P+. Die
Elektronentransferkinetik zwischen den high potential Hämen und dem primären
Donator in Roseobacter denitrificans unterscheidet sich stark von der in Blastochloris
viridis. In Blastochloris viridis erfolgt die Reduktion des primären Donators P+ mit 230
ns, wenn H1 reduziert vorliegt, und mit 190 ns, wenn beide high potential Häme vor
der Anregung reduziert sind, wobei H2 zunächst H1 mit einer Halbwertszeit
t1/2 = 1,7 µs reduziert [135]. In Roseobacter denitrificans ist der Elektronentransfer
von H1 zu P+ 20mal langsamer. Das lässt vermuten, dass H1 nicht das dem
Reaktionszentrum am nächsten liegende Häm ist. Zudem lässt sich die Verringerung
der Halbwertszeit des Elektronentransfers von den Hämen auf P+, wenn beide Häme
reduziert vorliegen, nicht mit einem Elektronentransfer von H2 auf H1, welches dann
P reduziert, erklären. Daher wurde vorgeschlagen, dass in Roseobacter denitrificans
im Unterschied zu Blastochloris viridis H2 das dem Reaktionszentrum nächste Häm
sein muss. Aus der Sequenzanalyse und aus dem Vergleich mit Blastochloris viridis
und Rhodocyclus gelatinosus wird vermutet, dass ein low potential Häm zwischen H1
und H2 liegt. Demnach wäre die Reihenfolge der Häme im gebundenen Cytochrom c
wie folgt:
P  H2  L1  H1  L2
35
Einleitung
Em,7 = 450 mV
Em,7 = 435 mV
Em,7 = 380 mV
Em,7 = 240 mV
Em,7 = 20 mV
Em,7 = 90 mV
Em,7 = 310 mV
Em,7 = 290 mV
Em,7 = -60 mV
Em,7 = 90 mV
Abbildung A.4.5.1: Anordnung der Häme im tetrahämen Cytochrom c von Roseobacter
denitrificans (rechts) im Vergleich zu Blastochloris viridis (links) nach D. Garcia et al.
[93]. Angegeben sind die Halbwertszeiten für die Elektronentransferreaktionen, die durch
Pfeile symbolisiert sind sowie die Halbstufenpotentiale der Redoxkomponenten (siehe Text).
Bei 0 mV, wenn die low potential Häme reduziert vorliegen wird P+ mit einer
Halbwertszeit von 160 ns reduziert, ein ähnlicher Wert wie bei Blastochloris viridis
[92].
Die
Organisation
der
Häme,
wie
sie
für
Roseobacter
denitrificans
vorgeschlagen wurde, konnte auch für Chromatium vinosum und Rhodocyclus
gelatinosus verifiziert werden [47, 48]. In beiden Spezies ist die Ebene des Häms H2
senkrecht zur Membranebene und damit parallel zum Bacteriochlorophylldimer.
Diese Orientierung begünstigt einen schnellen Elektronentransfer zwischen H2 und
P+. Ähnliches könnte bei Roseobacter denitrificans der Fall sein. Die Ebene des
Häms H2 bildet in der Tat einen größeren Winkel mit der Membranebene als das
Häm H1. Der Vergleich zeigt, wie die funktionelle Anordnung der Häme in der
tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit des Reaktionszentrums von der Spezies
abhängt. In Chloroflexus aurantiacus wurde z.B. eine Reihenfolge P-H1-L1-L2-H2
postuliert [136].
Untersuchungen an ganzen Zellen von Roseobacter denitrificans zeigen, dass neben
dem tetrahämen Cytochrom c noch ein lösliches Cytochrom c am lichtinduzierte
Elektronentransfer
beteiligt
ist
[108].
Es
wurden
blitzinduzierte
Absorptionsänderungen in der α-Bande der Cytochrome des c-Typs zeitabhängig
unter
aeroben
Bedingungen
gemessen.
Das
Differenzspektrum
hat
ein
Absorptionsmaximum bei 554 nm, aufgenommen 10 µs nach der Anregung, was der
Oxidation von H2 entspricht. Nach weiteren 6 ms ist das Maximum auf 552 nm
36
Einleitung
verschoben und zeigt somit die Beteiligung eines anderen Cytochrom c, das als
Cytochrom c551 identifiziert wurde [108].
Cytochrom c551 wurde isoliert und aufgereinigt [137] und ist das häufigste lösliche
Cytochrom in Roseobacter denitrificans. Es hat Absorptionsmaxima bei 277 nm, 410
nm sowie zwischen 524 und 525 nm im oxidierten Zustand, während im reduzierten
Zustand die Werte bei 415 nm, 522 nm sowie bei 550,5 nm liegen. Das
Halbstufenpotential beträgt Em,7 = 250 mV bei pH = 7. Die Aminosäuresequenzanalyse [138] hat ergeben, dass dieses lösliche Protein aus 119 Aminosäuren
besteht und einer Molmasse von 13235 Da hat. Das Alignment mit den Sequenzen
anderer Cytochrome c zeigt, dass es dem Cytochrom c2 von Rhodobacter
capsulatus, Rhodobacter sphaeroides und Paracoccus denitrificans ähnlich ist.
Obwohl die physikochemischen Eigenschaften ähnlich sind, überträgt Cytochrom c551
die Elektronen nicht wie Cytochrom c2 direkt auf P+, sondern über die tetrahäme
Cytochrom c-Untereinheit. Das Cytochrom c551 in Roseobacter denitrificans ist
möglicherweise sowohl an der Photosynthese als auch an der Zellatmung beteiligt
[139]. Versuche an ganzen Zellen zeigen, dass Cytochrom c551 von H2 mit einer
Halbwertzeit von 1,5 ms oxidiert wird [108]. Die darauffolgende Rereduktion erfolgt
mit t1/2 > 10 ms. Wird die Viskosität der Zellsuspension durch Zugabe von 20%
Ethylglycol erhöht, verdoppelt sich sowohl die Halbwertszeit der Oxidation als auch
die der Rereduktion des Cytochrom c551. Dieses steht in Einklang mit der Hypothese,
dass Cytochrom c551 mit dem tetrahämen Cytochrom reagiert und seinerseits
Elektronen aus der zyklischen Transportkette in einem diffusionskontrollierten
Prozess zweiter Ordnung erhält.
Es ist anzunehmen, dass auch in Roseobacter denitrificans ein zyklischer
Elektronentransfer stattfindet, an dem ein Cytochrom bc1 Komplex beteiligt ist. Dieser
Komplex wurde bisher nicht isoliert, aber seine Beteiligung in der aeroben
Zellatmungskette vorgeschlagen, um die Inhibierung durch spezifische Inhibitoren
wie Antimycin und Myxothiazol zu erklären [139]. In der Literatur sind bisher keine
Daten veröffentlicht worden, die die Beteiligung des Cytochrom bc1 Komplexes am
lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfer zeigen. In ganzen Zellen konnte
gezeigt werden, dass die Rereduktion von Cytochrom c551 mit zunehmender
Konzentration an Myxothiazol (< 1 µM) verlangsamt wird [108]. Dieses Ergebnis lässt
die Beteiligung eines Cytochrom bc1 Komplexes vermuten und ist im Einklang mit der
Hypothese, dass Cytochrom c551 den lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfer
37
Einleitung
ermöglicht, indem es Elektronen vom Cytochrom bc1 Komplex übernimmt und zum
tetrahämen Cytochrom c des Reaktionszentrums überträgt.
Unter semiaeroben Bedingungen wird in ganzen Zellen von Roseobacter
denitrificans die Amplitude der Photooxidation der Cytochrome des c-Typs
gegenüber aeroben Bedingungen um ca. 20% verringert, vermutlich wegen der
partiellen Präreduktion des primären Akzeptors QA im Reaktionszentrum. Zudem
verschiebt sich das Maximum in der α-Bande der Cytochrome im lichtinduzierten
Differenzspektrum von 554 nm zu 553 nm, was dem Absorptionsmaximum der low
potential Häme entspricht [108]. Unter diesen Bedingungen liegt also eines oder
beide low potential Häme L vor der Anregung teilweise reduziert vor. Die
beobachtete Photooxidierung nimmt nur sehr langsam mit einer Halbwertzeit von ca.
5
s
ab
und
zeigt,
dass
unter
diesen
offensichtlich
sehr
reduzierenden
Redoxbedingungen kein zyklischer Elektronentransfer mittels Cytochrom c551
möglich ist. Aus thermodynamischer Sicht ist dieses Verhalten in Einklang mit den
Redoxpotentialen der low potential Häme L (90 mV), die sehr viel niedriger sind als
Cytochrom c551 (250 mV) und daher keinen Elektronentransfer ermöglichen.
Abbildung A.4.5.2. fasst die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen des
lichtinduzierten
zyklischen
Elektronentransfers
zusammen.
38
in
Roseobacter
denitrificans
Einleitung
ePeriplasma
cyt c
L2 Em= +90mV
cyt c551
H1 Em= +290mV
Em = +250 mV
L1 Em= +90mV
Licht
H2 Em= +240mV
eP870
Em = +435 mV
Cytochrom
bc1 Komplex
Plasmamembran
e-
eQB
Cytoplasma
QA
Em,Chrom= 34 mV
Em,RC = -44 mV
RC
Abbildung A.4.5.2: Schematische Darstellung des zyklischen Elektronentransfers in
Roseobacter denitrificans. Die Halbstufenpotentiale des am Reaktionszentrum (RC)
gebundenen Cytochrom c (cyt c) wurden in isolierten Reaktionszentren gemessen [108],
ebenso wie das Redoxpotential des primären Donators [128]. Das Halbstufenpotential des
primären Akzeptors QA wurde zunächst in Chromatophoren (Chrom [131]) und später in
isolierten Reaktionszentren (RC [128]). Das Halbstufenpotential von Cytochrom c551 wurde
im isolierten Protein bestimmt [137]. Die Elektronentransferreaktion wurde im isolierten
Reaktionszentrum bestimmt [93]. Der Elektronentransfer von Cytochrom (cyt) c551 zum
tetrahämen Cytochrom c wurde in ganzen Zellen gemessen [93]. Der Cytochrom bc1
Komplex konnte nicht direkt nachgewiesen werden.
Aerobe photosynthetische Bakterien können nicht unter anoxischen Bedingungen
wachsen und den Photosyntheseapparat synthetisieren. In ganzen Zellen von
Roseobacter denitrificans findet die lichtinduzierte ATP-Synthese nur unter aeroben
Bedingungen statt [140]. So wurde beobachtet, dass in Zellsuspensionen die durch
kontinuierliches Licht unter aeroben Bedingungen induzierten pH-Veränderungen
unter
anoxischen
Bedingungen
verschwanden
[131].
Ebenso
wird
die
photochemische Aktivität stark gehemmt, wenn man von aeroben zu anaeroben
Bedingungen wechselt. Sowohl die lichtinduzierte Oxidation des primären Donators,
als auch die Oxidation des Cytochrom c551 nach Anregung durch einen Blitz ist unter
39
Einleitung
anaeroben Bedingungen blockiert. Die photochemische Aktivität kommt nach und
nach zurück, wenn man die Zellsuspension belüftet [131]. Die Interpretation dieses
Verhaltens mit Hilfe der thermodynamischen und kinetischen Eigenschaften der
photosynthetischen
und/oder
respiratorischen
Elektronentransferkette
ist
Gegenstand der Forschung. Bisher wurde die Inhibierung der photochemischen
Aktivität in Anaerobiosis mit der Präreduktion des primären Akzeptors QA des
Reaktionszentrums begründet, da Redoxtitrationen von QA in Chromatophoren von
Roseobacter denitrificans einen Wert von 35 mV ergeben haben [131]. Dieser Wert
ist positiver als bei anderen photosynthetischen Bakterien wie Rhodobacter
sphaeroides, und deshalb sollte QA in Roseobacter denitrificans unter anaeroben
Bedingungen leichter reduziert werden als in anderen photosynthetischen Bakterien.
Eine
weitere
mögliche
Ursache
für
die
Blockierung
des
lichtinduzierten
Elektronentransfers unter anaeroben Bedingungen könnte die Unfähigkeit der Zellen
sein,
ein
für
den
lichtinduzierten
zyklischen
Elektronentransfer
optimales
Redoxpotential aufrechtzuerhalten, so dass unter diesen Bedingungen der Q-Pool
vollständig reduziert vorliegen würde und der Elektronentransferzyklus unterbrochen
wäre. Es wurde beobachtet, dass Roseobacter denitrificans unter anaeroben
Bedingungen wachsen kann und externe Oxidantien wie TMAO oder Nitrat in der
Lage sind, die photochemische Aktivität unter anaeroben Bedingungen in ganzen
Zellen wieder herzustellen [139]. Dies zeigt, dass in Roseobacter denitrificans unter
Sauerstoffausschluss externe Oxidantien als Elektronenakzeptoren benutzt werden
können, um Reduktionsäquivalente aus der Elektronentransferkette zu entfernen und
einen optimalen Redoxzustand in der Zelle wiederherzustellen. Auf diese Weise ist
auch unter anaeroben Bedingungen eine photochemische Aktivität möglich.
40
Einleitung
A.5. Motivation und Ziele der Arbeit
Im ersten Teil der Arbeit sollte die Anzucht des Bakteriums Roseobacter denitrificans
in einem Fermenter sowie die Isolation und Reinigung von photosynthetischen
Reaktionszentren etabliert werden. Dabei sollte die Präparationsvorschrift vor allem
im Hinblick auf eine hohe Ausbeute an reinen und funktionalen Reaktionszentren
optimiert werden. Die erhaltenen Reaktionszentren sollten mittels transienter
Absorptionsspektroskopie charakterisiert werden.
Im zweiten Teil der Arbeit sollte der photosynthetische Apparat von Roseobacter
denitrificans über die Messung lichtinduzierter Redoxänderungen der Cytochrome b
und c bei definierten Redoxbedingungen untersucht werden:
•
Es sollte die Beteiligung eines Cytochrom bc1 Komplexes am lichtinduzierten
zyklischen Elektronentransfer (Q-Zyklus) nachgewiesen werden, indem die
Redoxänderungen von Cytochromen des b-Typs nach Anregung durch einen
Blitz mittels transienter Absorptionsspektroskopie in Abhängigkeit von der Zeit
untersucht wurden. Das high potential Cytochrom b sollte anhand des
Absorptionsdifferenzspektrums und des Halbstufenpotentials charakterisiert
werden.
•
Darüber hinaus sollten die Elektronentransferreaktionen vom Cytochrom bc1
Komplex zur tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit des Reaktionszentrums
untersucht und die Beteiligung des löslichen Cytochrom c551 in einer
diffusionskontrollierten Reaktion nachgewiesen werden.
•
Die Häme des am Reaktionszentrum gebundenen Cytochrom c sollten
anhand ihrer Absorptionsdifferenzspektren und der Halbstufenpotentiale
charakterisiert sowie deren Funktion beim zyklischen Elektronentransfer in
Abhängigkeit des eingestellten Redoxpotentials untersucht werden.
•
Die Größe des Ubichinon-Pools in Membranen aus Roseobacter denitrificans
sollte durch Extraktion des Ubichinons aus der Membran bestimmt werden.
41
Materialien und Methoden
B. Materialien und Methoden
B.1. Materialien
B.1.1. Chemikalien
Die für das Ansetzen von Puffern und Stammlösungen benötigten Chemikalien,
sowie benötigte Lösungsmittel und andere gängige Chemikalien wurden von
kommerziellen Anbietern (Fluka, Aldrich, Merck, Roth, Sigma, etc.) bezogen und,
wenn nicht anders angegeben, ohne vorherige Reinigung eingesetzt. Aufgelistet sind
hier die Quellen der Chemikalien, die besondere Eigenschaften erfordern oder
generell schwer zu erhalten sind.
Anzucht von Roseobacter denitrificans:
Der Stamm von Roseobacter denitrificans (ATCC Number: 33942) wurde erhalten
von der American Type Culture Collection, 10801 University Boulevard, Manassas,
Virginia, USA, FAX: 703-365-2750, email: [email protected].
Pepton Casein, Hefeextrakt (Yeast Extract) und Agar-Agar wurden von Fluka,
Deisenhofen bezogen, Bacto Pepton von Difco, USA, bestellbar bei Becton
Dickinson GmbH, Heidelberg, Tel.: 06221/305-0, Fax: 06221/305-216.
Antifoam 204 wurde von Sigma, Seelze/Taufkirchen bezogen.
Präparationen:
Der Proteasen-Inhibitoren-Cocktail Complete wurde bei Boehringer, Mannheim
erhalten, DNAse I sowie Triton X-100 Molecular Biology Grade bei Calbiochem,
Bad Soden / Schwalbach, LDAO bei Fluka, Deisenhofen.
Für die Säulenchromatographien wurden fertige Säulen bei Pharmacia, Freiburg
gekauft: PD-10 desalting Column und HiLoad 16/60 Superdex 200 prep grade.
Bei TosoHaas, Japan (TosoHaas Stuttgart, Tel.: 0711-13257-0, Fax: 0711-13257-89)
43
Materialien und Methoden
wurde das Säulenmaterial DEAE Toyopearl Chromatographic Resin 650M
bezogen.
Der BCA Protein Assay Kit wurde bei Pierce, USA; bestellbar bei KMF
Laborchemie Handels GmbH, Sankt Augustin, Tel.: 0224196850, Fax: 02241968535,
erhalten.
Der LMW Electrophoresis Calibration Kit wurde bei Pharmacia, Freiburg erhalten.
Bei Millipore, Eschborn wurden die PM-30 und YM-100 Flachmembranen (mit
einem Ausschlussmasse von 30000 Da bzw. 100000 Da) für die Amicon Rührzelle
und die PM-100 Centricon-Konzentratoren bezogen.
Spektroskopische Untersuchungen:
1,10-Phenanthrolin Monohydrat wurde von Merck, Darmstadt bezogen, Terbutryn
von Riedel de Haen, Seelze.
Die
Mediatoren
3,6-Diaminodurol
(2,3,5,6-Tetramethyl-p-phenylendiamin),
p-Benzochinon, 1,2-Naphthochinon, 1,4-Naphthochinon, Durochinon (2,3,5,6Tetramethyl-1,4-benzochinon),
methosulfat),
Phenazin
Phenazin
Ethosulfat
Hydroxy-1,4-Naphthochinon
wurden
Methosulfat
(N-Methylphenazonium-
(N-Methylphenazoniumethosulfat)
bezogen
von
Aldrich
bzw.
und
2-
Sigma,
Seelze/Taufkirchen.
Valinomycin und Nigericin wurden erhalten bei Sigma, Seelze/Taufkirchen.
Cytochrome c Type 6 (aus Pferdeherz) wurde von Sigma, Seelze/Taufkirchen
bezogen.
44
Materialien und Methoden
B.1.2. Puffer und Lösungen
B.1.2.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans
In den Tabellen B.1.2.1.1 bis 1.2.1.5 sind die für die Anzucht von Roseobacter
denitrificans verwendeten Stammlösungen und Medien aufgelistet.
Tabelle B.1.2.1.1: Rbor (Roseobacter denitrificans organic rich) -Medium
Lösung I
74 % (v/v)
Lösung II
25 % (v/v)
Vitamine Stammlösung
1 % (v/v)
Glycerin
1,84 g/l
Die Lösungen werden getrennt autoklaviert und unter sterilen Bedingungen
zusammen gegeben. Bei kleineren Ansätzen kann die Vitamin Stammlösung und das
Glycerin vor dem Autoklavieren zur Lösung I hinzugegeben werden.
Tabelle B.1.2.1.2: Lösung I
NaCl
MgSO4⋅6 H2O
KCl
Pepton Casein
Hefe Extrakt
Bacto Pepton
Spurenelemente Stammlösung
pH=7,8 (HCl)
31,75 g/l
2,70 g/l
0,81 g/l
1,35 g/l
1,35 g/l
1,35 g/l
1,35 % (v/v)
Tabelle B.1.2.1.3: Lösung II
MgCl2⋅6 H2O
CaCl2⋅2 H2O
40 g/l
5,84 g/l
45
Materialien und Methoden
Tabelle B.1.2.1.4: Spurenelemente Stammlösung
Titriplex II
FeSO4⋅7 H2O
MnCl2⋅2 H2O
CoCl2⋅6 H2O
CuCl2⋅2 H2O
NiCl2⋅6 H2O
Na2MO4⋅2 H2O
ZnSO4⋅7 H2O
H3BO3
pH≈3 (HCl)
Tabelle B.1.2.1.5: Vitamine Stammlösung
Nicotinsäure
Nicotinsäureamid
Thiamin
Biotin
0,5 g/l
0,3 g/l
3 mg/l
5 mg/l
1 mg/l
2 mg/l
3 mg/l
5 mg/l
2 mg/l
0,2 g/l
0,2 g/l
0,4 g/l
8 mg/l
B.1.2.2. Präparation von Membranen und Reaktionszentren
In den Tabellen B.1.2.2.1 bis B.1.2.2.10 sind die für die Isolierung der
Membranfragmente und für die Isolierung und Aufreinigung der Reaktionszentren
aus Roseobacter denitrificans verwendeten Stammlösungen und Medien aufgelistet.
Für die Herstellung der Puffer werden folgende Stammlösungen verwendet:
1 M Tris/HCl (pH = 7,5)
100 mM EDTA/NaOH (pH = 7,5)
Außerdem wurden bei den Präparationen folgende Puffer verwendet (siehe Kapitel
B.2.2. und B.2.3.):
20 mM Tris / HCl (pH = 7,8)
20 mM Tris /HCl (pH = 7,5)
46
Materialien und Methoden
•
Lösungen für die Präparation nach K. Takamiya
Tabelle B.1.2.2.1: Tris-Puffer I für Solubilisierung
Tris
NaCl
Phenylmethylsulfonylfluorid
pH=7,5 (HCl)
20 mM
0,1 M
1 mM
Tabelle B.1.2.2.2: Tris-Puffer IV A für Anionenaustausch-Chromatographie
Tris
20 mM
Triton X-100
0,1% (v/v)
NaCl
0,1 M
pH=7,5 (HCl)
Die NaCl-Puffer, die beim Eluieren verwendet werden, entsprechen dem Tris-Puffer
IV A mit der entsprechenden NaCl-Konzentration (siehe Kapitel B.2.3.1.).
•
Lösungen für die Präparation mittels Dichtegradientenfraktionierung
Tabelle B.1.2.2.3: Saccharose-Lösungen für Dichtegradientenzentrifugation
Tris
20 mM
LDAO
0,4%
pH=7,8 (HCl)
Im Tris/HCl-Puffer wurde jeweils 1,2 M, 0,9 M bzw. 0,3 M Saccharose gelöst (siehe
Kapitel B.2.3.2.4.).
Tabelle B.1.2.2.4: LDAO-Stammlösung
LDAO (N,N-Dimethyldodecylamin-N-Oxid)
Tris-(hydroxymethyl)-aminomethan (C4H11NO3)
pH=7,5 (HCl)
LDAO wird als 30%ige Stammlösung in H2O eingesetzt.
47
10% (v/v)
20 mM
Materialien und Methoden
Tabelle B.1.2.2.5: Tris-Puffer IV für Anionenaustausch-Chromatographie
Tris
20 mM
EDTA (C10H14N2NO2O8.2H2O)
1 mM
Triton X-100
0,1% (v/v)
NaCl
0,1 M
NaN3
1 mM
pH=7,5 (HCl)
Die NaCl-Puffer, die beim Eluieren (siehe Kapitel B.2.3.2.5.) verwendet werden,
entsprechen dem Tris-Puffer IV mit der entsprechenden NaCl-Konzentration.
•
Lösungen für die Präparation nach der modifizierten Vorschrift von K.
Takamiya
Tabelle B.1.2.2.6: LDAO-Stammlösung
LDAO (N,N-Dimethyldodecylamin-N-Oxid)
Tris-(hydroxymethyl)-aminomethan (C4H11NO3)
pH=7,5 (HCl)
10% (v/v)
20 mM
LDAO wird als 30%ige Stammlösung in H2O eingesetzt.
Tabelle B.1.2.2.7: Tris-Puffer II für Ammoniumsulfat-Fällung
Tris
Triton X-100 (Polyethylenglycol-p-isooctylphenyl ether;
Octylphenoxypolyethoxyethanol)
pH=7,5 (HCl)
20 mM
0,6%
Triton X-100 wird als 10%ige Stammlösung in H2O eingesetzt (Ausnahme bei sehr
großen Ansätzen).
Tabelle B.1.2.2.8: Tris-Puffer III für Gelfiltration
Tris
Triton X-100
NaCl
NaN3
pH=7,5 (HCl)
20 mM
0,2% (v/v)
0,1 M
1 mM
Die Lösung wird mit einem 0,45 µm-Sterilfilter von kleinen Partikeln befreit.
48
Materialien und Methoden
Tabelle B.1.2.2.9: Tris-Puffer IV für Anionenaustausch-Chromatographie
Tris
20 mM
EDTA (C10H14N2NO2O8.2H2O)
1 mM
Triton X-100
0,1% (v/v)
NaCl
0,1 M
NaN3
1 mM
pH=7,5 (HCl)
Die NaCl-Puffer, die beim Eluieren (siehe Kapitel B.2.3.3.6.) verwendet werden,
entsprechen dem Tris-Puffer IV mit der jeweiligen NaCl-Konzentration.
Tabelle B.1.2.2.10: Tris-Puffer V für Entsalzung
Tris
EDTA
Triton X-100
NaN3
pH=7,5 (HCl)
Tabelle B.1.2.2.11: Tris-Puffer VI für Aufkonzentrierung
Tris
EDTA
pH=7,5 (HCl)
20 mM
1 mM
0,025% (v/v)
1 mM
20 mM
1 mM
B.1.2.3. BCA-Proteinbestimmung
Die für den BCA-Protein-Test benötigten Lösungen werden kommerziell bei Pierce
erworben:
- BCA Protein Assay Reagent A
- BCA Protein Assay Reagent B
- BSA-Proteinstandard
49
Materialien und Methoden
B.1.2.4. SDS-Page-Gelelektrophorese
In den Tabellen B.1.2.4.1 bis B.1.2.4.9 sind die für die SDS-Gelelektrophorese
verwendeten Lösungen aufgelistet.
Tabelle B.1.2.4.1: Acrylamidstammlösung
Acrylamid/Bisacrylamid im Mischungsverhältnis 37,5 : 1
Tabelle B.1.2.4.2: Probenpuffer
Tris pH=8,0
SDS
Glycerin
Dithiothreitol (DTT)
Bromphenolblau
40%ige Lösung
von Sigma
20 mM
3% bzw. 5% (w/v)
25% (v/v)
40 mM
0,025% (w/v)
Wird in Aliquots bei -20°C gelagert.
Tabelle B.1.2.4.3: Trenngelpuffer
Tris pH=8,0
SDS
1,5 M
0,4%
Tabelle B.1.2.4.4: Sammelgelpuffer
Tris pH=6,8
SDS
0,5 M
0,4%
Tabelle B.1.2.4.5: APS-Lösung
APS (Ammoniumperoxodisulfat)
0,1 g / 1 ml H2O
Tabelle B.1.2.4.6: Elektrophoresepuffer
Tris
Glycin
SDS
erhaltener pH ≈ 8,3 (nicht mit HCl titrieren)
50
50 mM
0,384 M
0,1%
Materialien und Methoden
Tabelle B.1.2.4.7: Fixierer
Ethanol
Essigsäure
30%
10%
Tabelle B.1.2.4.8: Färber
Ethanol
Essigsäure
Coomassie
25%
10%
0,1%
Tabelle B.1.2.4.9: Proteinreferenz
Phosphorylase b
BSA
Ovalbumin
Carbonic Anhydrase
Soybean Trypsin Inhbitor
α-Lactalbumin
94000 Da
67000 Da
43000 Da
30000 Da
20000 Da
14000 Da
Es werden 600 µg Proteinreferenz in 300 µl H2O aufgenommen.
B.1.2.5. Spektroskopische Untersuchungen
In den Tabellen B.1.2.5.1 bis B.1.2.5.3 sind die Lösungen und Puffer aufgelistet, die
bei den spektroskopischen Untersuchungen an Membranen sowie an isolierten
Reaktionszentren verwendet wurden.
Tabelle B.1.2.5.1: Tris-Puffer VII für Reaktionszentren
Tris
EDTA (C10H14N2NO2O8⋅2H2O)
Triton X-100
pH=7,5 (HCl)
51
20 mM
1 mM
0,025% (v/v)
Materialien und Methoden
Tabelle B.1.2.5.2: Mops-Puffer I für Reaktionszentren
Mops (3-Morpholino-propansulfonsäure)
KCl
Triton X-100
pH=7,2 (NaOH)
10 mmol/l
50 mmol/l
0,25% (v/v)
Tabelle B.1.2.5.3: Mops-Puffer II für Membranen
Mops (3-Morpholino-propansulfonsäure)
KCl
pH=7,0 (NaOH)
50 mmol/l
100 mmol/l
B.1.2.5.1. Ubichinonstammlösung
Bei der Isolierung und Aufreinigung der Reaktionszentren gehen die Ubichinone in
den Bindungstaschen QA und QB verloren. Zur Aktivitätsbestimmung müssen diese
wieder mit Ubichinon besetzt werden.
Aufgrund seiner langen Isoprenkette ist das Ubichinon in wässrigen Systemen
extrem schlecht löslich. Das Ubichinon zeigt aber detergensähnliche Eigenschaften,
da es aus einer langen aliphatischen Kette und einer polaren Kopfgruppe besteht.
Daher lässt es sich in wässrigen Systemen zusammen mit Detergens in Form von
Mischmizellen in Lösung bringen [141]. In dieser Arbeit kamen Mischmizellen aus
Ubichinon und Triton X-100 zur Anwendung (zu Testzwecken wurden auch
Mischmizellen aus Ubichinon mit LDAO bzw. n-Dodecyl-β-D-maltosid verwendet).
Für die Herstellung von Mischmizellen aus Ubichinon und Detergens wurden in
einem 50 ml Rundkolben 10 - 50 mg Ubichinon in möglichst wenig Ethanol bei ca.
50°C gelöst. Anschließend wurde durch Einblasen von Stickstoff das Ethanol wieder
entfernt und dadurch das Ubichinon als Film am Glasrand abgeschieden. Auf diese
Weise wird die Oberfläche des Ubichinons vergrößert und die Lösungseigenschaften
verbessert. Dann wurden 16 - 80 ml der gewünschten Detergenslösung (Triton X100, 1% (w/v) bzw. 15 mM, CMC = 0,2 mmol/l; LDAO, 1% (v/v) bzw. 13 mM, CMC =
0,14 mmol/l; n-Dodecyl-β-D-maltosid, 1% (w/v) bzw. 20 mM, CMC = 0,12 mmol/l
[142]) in Mops/NaOH-Puffer (pH = 7,2) zugegeben und der Ansatz über Nacht bei
Raumtemperatur gerührt. Die Konzentration des zuzugebenden Detergens wurde
oberhalb der jeweiligen kritischen Mizellenkonzentration gewählt. Anschließend
52
Materialien und Methoden
wurde
die
Lösung
vorsichtig
abdekantiert.
Sofern
sich
noch
ungelöste
Ubichinonpartikel in der Lösung befanden, wurden diese über eine Fritte vorsichtig
abgesaugt. Um die Konzentration der Ubichinonlösung zu bestimmen, wurde ein Teil
der Lösung auf zwei Küvetten verteilt. Zur Messküvette wurde vorsichtig eine
Spatelspitze
NaBH4
gegeben
und
nach
Beendigung
der
Reduktion
das
Differenzspektrum zwischen Hydrochinon und Chinon gemessen. Die Differenz
zwischen den Extinktionskoeffizienten des Ubihydrochinons und des Ubichinons
beträgt bei 275 nm ∆ε275nm = 12,25 cm-1mM-1 [143]. Mit Hilfe des Lambert-Beerschen
Gesetzes (Gleichung B.1.2.5.1.1) wurde aus der gemessenen Absorptionsdifferenz
die Konzentration der Ubichinonstammlösung berechnet.
E = OD = A = εcd = log I0/I
Gleichung B.1.2.5.1.1
mit:
OD ≡ optische Dichte
E ≡ Extinktion
A ≡ Absorption
ε ≡ molarer dekadischer Extinktionskoeffizient
c ≡ Konzentration der Probe
d ≡ Schichtdicke der Probe
I0 ≡ eingestrahlte Lichtintensität
I ≡ Lichtintensität nach der Probe
Die Konzentration des Ubichinons lag je nach Ansatz zwischen 100 und 300 µmol/l,
wobei im allgemeinen mit den Detergentien Triton X-100 (bis zu 700 µmol/l) und
LDAO höhere Konzentrationen erreicht wurden als mit n-Dodecyl-β-D-maltosid.
B.1.2.5.2. Inhibitorlösung für die QB-Bindungsstelle
Als Inhibitor wurde das Triazinherbizid 2-tert-Butylamino-4-ethyl-amino-6-methylthio1,3,5-triazin (Handelsname: Terbutryn; Riedel de Haen) verwendet, das mit einer
Konzentration von 10 mmol/l in Ethanol gelöst wurde. Die Endkonzentration in den
Messansätzen betrug 100 µmol/l.
53
Materialien und Methoden
Alternativ wurde o-Phenanthrolin in Ethanol (c = 500 mM) verwendet. Die
Endkonzentration in der Probe betrug 10 mM. In beiden Fällen war der Ethanolgehalt
kleiner als 1%.
B.1.2.5.3. Redoxmediatoren, Entkoppler und Inhibitoren für die Messungen an
Membranen von Roseobacter denitrificans
Die verwendeten Mediatoren (Diaminodurol, p-Benzochinon, 1,2-Naphthochinon,
1,4-Naphthochinon, Durochinon, Phenazin Methosulfat, Phenazin Ethosulfat, 2Hydroxy-1,4-naphthochinon) sowie die Entkoppler Nigericin und Valinomycin und die
verwendeten Inhibitoren Myxothiazol und Antimycin A wurden als konzentrierte
Lösungen in Ethanol eingesetzt. Die Endkonzentration an Ethanol in der Probe war
< 3% (v/v), so dass Ethanol selbst keinen Effekt auf den Ladungstransfer hatte.
54
Materialien und Methoden
B.2. Methoden
B.2.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans
B.2.1.1. Stämme
Der Stamm von Roseobacter denitrificans wurde von der American Type Culture
Collection (ATCC Number: 33942) bezogen. Die Langzeitkultur wurde in 20%
Glycerin in Rbor-Medium (siehe Kapitel B.1.2.1.) bei -80°C gelagert.
B.2.1.2. Anzucht
Die Anzucht von Roseobacter denitrificans erfolgte in einer statischen Kultur nach
einer modifizierten Vorschrift von Y. Shioi [144].
Sie erfolgte durch Ausplattieren, zwei Vorkulturen und Kultivierung im Fermenter, wie
schematisch in Abbildung B.2.1.2.1 dargestellt. Nach etwa 4 Tagen konnten etwa
100 g Zellen im 28 l-Fermenter bzw. nach etwa 5 Tagen etwa 800 g Zellen im 200 lFermenter gewonnen werden.
Alle verwendeten Lösungen sind in Kapitel B.1.2.1. aufgelistet.
55
Materialien und Methoden
Langzeitkultur
Roseobacter
denitrificans
Agarplatte
Wärmeschrank
1 - 2 Tage
Vorkultur I
3 x 12 ml
Schüttler
16 h
Vorkultur I
2 x 12 ml
Schüttler
16h
Vorkultur II
3 x 200ml
Schüttler
16 h
Vorkultur II
2x 200ml
Schüttler
16 h
Hauptkultur
28 l
Fermenter
17 h
Hauptkultur
200 l
Fermenter
30 h
Abbildung B.2.1.2.1: Anzucht des Bakteriums Roseobacter denitrificans
B.2.1.2.1. Vorkulturen
Die Langzeitkultur von Roseobacter denitrificans wurde mit einer sterilen Öse auf
eine Agarplatte (20 g Agar Agar auf 1 l Rbor-Medium) übertragen. Die Festkultur
wurde im Brutschrank bei 30°C im Dunkeln angezogen. Nach 1 - 2 Tagen waren
einzelne rosarote Kolonien sichtbar, und die Kultur wurde in eine Flüssigkultur (12 ml
Rbor-Medium) überführt. Diese wurde bei 30°C in Schikane Kolben bei 200 rpm in
einem Schüttler (New Brunswick Scientific, G25) semiaerob im Dunkeln angezogen.
Nach Erreichen des letzten Drittels der exponentiellen Wachstumsphase (ca. 16 h;
OD660 ≈ 1,5) wurde diese Vorkultur zum Animpfen einer zweiten größeren Vorkultur
56
Materialien und Methoden
(200 ml Rbor-Medium) verwendet, die unter den gleichen Bedingungen angezogen
wurde. Nach Erreichen des letzten Drittels der exponentiellen Wachstumsphase (ca.
16 h; OD660 ≈ 1,5) wurde diese zweite Vorkultur zum Animpfen eines größeren
Ansatzes (siehe unten) verwendet. Die Vorkulturen müssen innerhalb von wenigen
Stunden weiter verwendet werden, da die Zellen dann sehr schnell in die
Absterbephase übergehen. Die Festkulturen können im Kühlschrank bei 4°C einige
Tage aufbewahrt werden.
B.2.1.2.2. Hauptkulturen
28 l-Fermenter
Die Anzucht der Hauptkultur erfolgte in einem 28 l -Fermenter von Bioengineering
(Laborpilot LP 35 l) mit einem Arbeitsvolumen von 28 l bei 30°C im Dunkeln bei 250 350 rpm Rührwerksdrehzahl und semiaeroben Bedingungen unter Luftzufuhr über
einen Pressluftgenerator (zur Handhabung des Fermenters siehe [145]).
Zur Vorbereitung der Fermentation wurde Lösung I in den Fermenter eingefüllt und
20 min bei 121°C sterilisiert. Mit Hilfe eines autoklavierten Trichters wurden
anschließend Lösung II, Glycerin, die Spurenelemente-Stammlösung, die VitamineStammlösung sowie 5 ml der Antischaumemulsion (eine Emulsion von 1 Teil
Antifoam 204 mit 99 Teilen H2O) zugegeben (jeweils vorher autoklaviert).
Anschließend wurde durch eine Voreichung eine 70%ige O2-Sättigung eingestellt.
Zum Schluss wurde mit ca. 600 ml Vorkultur II angeimpft. Der Verlauf der
Fermentation wurde durch eine stündliche Messung der optischen Dichte bei 660 nm
sowie des Spektrums zwischen 600 und 1000 nm und durch eine kontinuierliche
Messung des Sauerstoffgehalts im Medium, überprüft. Nach ca. 17 h erreichten die
Zellen das Ende der exponentiellen Wachstumsphase (OD660 ≈ 2,0) ; der Fermenter
wurde auf 5°C abgekühlt und die Zellen mittels Durchflusszentrifuge (CEPA GLE mit
SK Rotor) geerntet, weiterverarbeitet (bzw. eingefroren) und bei -80°C gelagert.
57
Materialien und Methoden
200 l-Fermenter
Um schneller zu größeren Mengen an Zellmaterial für die Präparationen (siehe
unten) zu kommen, wurde die Anzucht auch in Zusammenarbeit mit N. Gad’on,
Arbeitskreis Prof. Dr. G. Fuchs, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für
Biologie, Mikrobiologie in einem 200 l -Fermenter von Bioengineering durchgeführt
(Arbeitsvolumen 200 l). Die Vorbereitungen des Fermenters erfolgten analog zum 28
l -Fermenter. Es wurden 100 ml (1% (w/v)) der Antischaumemulsion zugegeben. Der
Fermenter wurde mit 400 ml der Vorkultur II angeimpft, und die Fermentation erfolgte
bei 30°C mit einer Rührergeschwindigkeit von 180 - 250 rpm und einem
Luftdurchfluss von 40 - 80 l/min. Der Verlauf der Fermentation wurde durch mehrere
Messungen der optischen Dichte bei 578 nm überprüft. Nach ca. 30 h bei einer
OD578 ≈ 3,0 wurden die Zellen mittels Durchlaufzentrifuge geerntet, eingefroren und
bei -80°C gelagert.
58
Materialien und Methoden
B.2.2. Isolierung und Reinigung der Membranen aus
Roseobacter denitrificans
Die Isolierung und Reinigung der Membranen von Roseobacter denitrificans erfolgte
nach dem Schema in Abbildung B.2.2.1 analog zu den ersten Schritten der
Isolierung und Aufreinigung der Reaktionszentren (siehe Kapitel B.2.3.).
Die verwendeten Lösungen sind in Kapitel B.1.2.2. aufgelistet.
Roseobacter denitrificans
Zellen
French Press
Zentrifugation
Überstand
Membranen + Cytoplasma
Niederschlag
nicht aufgeschlossene Zellen
Ultrazentrifugation
Überstand
Cytoplasma
Niederschlag
Membranen
Pufferwechsel
100 mM Mops / NaOH
pH=7,0
Abbildung B.2.2.1: Isolation der Membranen aus Roseobacter denitrificans.
59
Materialien und Methoden
B.2.2.1. Waschen der Zellen
100 g Roseobacter denitrificans Zellen über Nacht im Kühlschrank auftauen
Zellen in 800 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 durch 30 min rühren bei 4°C
resuspendieren
20 min im JA 10 Rotor (Beckman Kühlzentrifuge J2-HS) bei 9000 rpm (10000 g)
bei 4°C zentrifugieren
Niederschlag in 300 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 resuspendieren und
homogenisieren (Potter), Überstand verwerfen
Suspension direkt weiterverarbeiten
B.2.2.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
Zugabe von Protease Inhibitor (1 Tablette pro 50 ml Zellsuspension) und EDTA
(1 mM Endkonzentration) unter rühren
Zugabe von einer Spatelspitze DNase I ohne rühren
French Press Zelle über Nacht im Kühlraum vorkühlen
Zellaufschluss in der French Press (French Pressure Cell Press, SLM Aminco)
der vorbereiteten Zellsuspension bei 20000 - 27000 psi (entspricht der Einstellung
1300 - 1700 psig am Gerät)
Probe auf Eis auffangen und vor Licht schützen
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 13000 rpm (17000 g) und 30 min bei 4°C
(Beckman Kühlzentrifuge J2-HS)
Der Überstand (enthält aufgeschlossene Zellen) wird abgenommen, während der
Niederschlag verworfen wird
Überstand 60 min bei 4°C im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm (300000 g)
zentrifugieren (Beckman Ultrazentrifuge L7)
Überstand verwerfen und den Niederschlag weiterverarbeiten
60
Materialien und Methoden
B.2.2.3. Pufferwechsel
Niederschlag in 200 ml 100 mM Mops/NaOH-Puffer pH = 7,0 resuspendieren und
homogenisieren
Überstand 60 min bei 4°C im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm (300000 g)
zentrifugieren (Beckman Ultrazentrifuge L7)
Überstand verwerfen, den Niederschlag weiterverarbeiten
Die ersten drei Schritte wiederholen
Den Niederschlag (Membranen) in möglichst wenig 100 mM Mops/NaOH-Puffer
pH = 7,0 resuspendieren und homogenisieren, anschließend 50% Glycerin
zugeben und bei -20°C lagern, so dass das H2O nicht kristallisiert und die
Proteine nicht zerstört werden.
61
Materialien und Methoden
B.2.3. Isolierung und Reinigung der Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans
Für die Isolation und Aufreinigung der Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans wurden verschiedene Vorschriften getestet, die im Folgenden
beschrieben werden sollen (für Details siehe Kapitel C.2.). Letztendlich wurde die in
Kapitel B.2.3.3. beschriebene modifizierte Vorschrift von K. Takamiya für die
Isolation und Aufreinigung der Reaktionszentren in dieser Arbeit verwendet. Alle
verwendeten Lösungen sind in Kapitel B.1.2.2. beschrieben.
B.2.3.1. Vorschrift nach K. Takamiya
Abbildung B.2.3.1.1 zeigt schematisch die Isolationsvorschrift nach K. Takamiya et
al. [128, 131, 146, 147]. Aus 100 g Roseobacter denitrificans Zellen können in 2 - 3
Tagen ca. 10 mg Reaktionszentren isoliert werden.
62
Materialien und Methoden
Roseobacter denitrificans
Zellen
French Press
Roseobacter denitrificans
Membranen
Vorsolubilisierung mit 0,45% LDAO
Solubilisierung mit 0,45% LDAO nach Verdünnung auf das
doppelte Probenvolumen
Ultrazentrifugation
Überstand
1. DEAE-SephacelAnionenaustauschChromatographie
reaktionszentrenreiche Fraktionen sammeln
und um das 5fache verdünnen
2. DEAE-SephacelAnionenaustauschChromatographie
Reaktionszentren
Abbildung B.2.3.1.1: Schema der Isolation von Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach K. Takamiya et al. [128].
63
Materialien und Methoden
B.2.3.1.1. Waschen der Zellen
100 g Roseobacter denitrificans Zellen über Nacht im Kühlschrank auftauen
Zellen in 800 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 durch Rühren resuspendieren
20 min im JA 10 Rotor (Beckman Kühlzentzrifuge J2-HS) bei 9000 rpm (10000 g)
bei 4°C zentrifugieren
Niederschlag in 300 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 resuspendieren und
homogenisieren (Potter), Überstand verwerfen
Suspension direkt weiterverarbeiten
B.2.3.1.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
Zugabe von Protease Inhibitor (1 Tablette pro 50 ml Zellsuspension) und EDTA
(1 mM Endkonzentration) unter rühren
Zugabe von einer Spatelspitze DNase ohne rühren
Zellaufschluss der vorbereiteten Zellsuspension in der vorgekühlten French Press
Zelle bei 20000 - 27000 psi
Probe auf Eis auffangen und vor Licht schützen
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 13000 rpm (17000 g) 30 min bei 4°C (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
Überstand (enthält aufgeschlossene Zellen) wird abgenommen; der Niederschlag
wird verworfen
Überstand 60 min bei 4°C im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm (300000 g)
zentrifugieren (Beckman Ultrazentrifuge L7)
Überstand verwerfen, Pellet in möglichst wenig Tris-Puffer I resuspendieren und
homogenisieren (Potter)
Membranen in flüssigen N2 einfrieren und bei -80°C Kühlschrank oder über Nacht
auf Eis im Dunkeln lagern
64
Materialien und Methoden
B.2.3.1.3. Solubilisierung der Membranproteine
Membranen gegebenenfalls auftauen, homogenisieren; Bacteriochlorophyllgehalt
der Suspension bestimmen (siehe Kapitel B.2.4.1.) und mit Tris-Puffer I, unter
Berücksichtigung des Volumens der LDAO-Lösung, auf 0,2 mM BacteriochlorophyllKonzentration verdünnen
die 30%ige (v/v) LDAO-Lösung langsam unter rühren dazu tropfen bis zu einer
Endkonzentration von 0,45% (v/v) LDAO
30 min bei RT im Dunkeln rühren
Zentrifugation im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm (300000 g) 60 min bei 4°C
(Beckman Ultrazentrifuge L7)
Der Überstand wird verworfen; der Niederschlag wird in Tris-Puffer I
resuspendiert und homogenisiert, so dass das ursprüngliche Volumen verdoppelt
wird (unter Berücksichtigung des Volumens der LDAO-Lösung)
Das entsprechende Volumen an 30%iger (v/v) LDAO-Lösung (s.o.) wird unter
rühren langsam dazu getropft, so dass eine Endkonzentration von 0,45% (v/v)
LDAO erreicht wird
60 min bei RT im Dunkeln rühren
Zentrifugation im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm (300000 g) 60 min bei 4°C
(Beckman Ultrazentrifuge L7)
Der Überstand wird abgenommen und sofort weiterverarbeitet; er beinhaltet die
solubilisierten Proteine; der Niederschlag wird verworfen
B.2.3.1.4. Anionenaustausch-Chromatographie
Es wird eine Säule mit DEAE-Toyopearl 650M Säulenmaterial verwendet:
• Durchmesser: 2 cm
• Länge: ca. 16 cm
• Volumen: ca. 50 ml
Die Säule wird nach Anleitung vorbereitet und in Tris-Puffer IV A aufbewahrt.
65
Materialien und Methoden
Die Säule wird mit 5 Säulenvolumen (5 x 50 ml) Tris-Puffer IV A äquilibriert,
Flussrate: 50 - 20 ml/min
Probe nach Solubilisierung (s.o.) auftragen
Waschen mit 1 Säulenvolumen (50 ml) Tris-Puffer IV A, Flussrate: 50 - 20 ml/min
Elution: der Gradient erfolgt in Stufen von jeweils 50 ml (entspricht einem
Säulenvolumen):
0,20 M NaCl
0,25 M NaCl
0,28 M NaCl
0,30 M NaCl
0,50 M NaCl
Flussrate: 5 ml/min
Detektion: Spektrum zwischen 300 nm und 900 nm
Waschen der Säule mit Tris-Puffer IV A; Flussrate: 50 - 20ml/min
Die RC-enthaltenden Fraktionen mit hohem Proteingehalt (ODV) werden
gesammelt (vgl. Kapitel B.2.4.4.)
Das Eluat der 1. Anionenaustausch-Chromatographie wird auf das 5fache
verdünnt und durch eine 2. Anionenaustausch-Chromatographie unter den
gleichen Bedingungen weiter aufgereinigt
Die erhaltenen RC-Fraktionen werden gesammelt, aufkonzentriert, mit flüssigem
N2 schockgefroren und bei -80°C gelagert
B.2.3.2. Isolierung durch Dichtegradientenzentrifugation
Als weitere Methode zur Isolation und Aufreinigung der Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans wurde in Zusammenarbeit mit N. Gad’on, Arbeitskreis Prof.
Dr. G. Fuchs, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Biologie II die Methode
der Dichtegradientenfraktionierung getestet. Abbildung B.2.3.2.1 zeigt schematisch
die verwendete Isolationsvorschrift. Aus 100 g Roseobacter denitrificans Zellen
können in ca. 10 - 15 Tagen 3 - 5 mg Reaktionszentren isoliert werden.
66
Materialien und Methoden
Roseobacter denitrificans
Zellen
French Press
Roseobacter denitrificans
Membranen
Solubilisierung mit 0,5% LDAO
Auftragung der solubilisierten Membranproteine auf einen
Saccharosegradienten
Ultrazentrifugation über Nacht
reaktionszentrenreiche Fraktionen sammeln
DEAE-ToyopearlAnionenaustauschChromatographie
Eluat
Reaktionszentren
Abbildung B.2.3.2.1: Schematische Darstellung der Isolation und Aufreinigung der
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans mittels Dichtegradientenfraktionierung.
B.2.3.2.1. Waschen der Zellen
100 g Roseobacter denitrificans Zellen über Nacht im Kühlschrank auftauen
Zellen in 800 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 durch rühren resuspendieren
20 min im JA 10 Rotor (Beckman Kühlzentzrifuge J2-HS) bei 9000 rpm (10000 g)
bei 4°C zentrifugieren
Niederschlag in 300 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 resuspendieren und
homogenisieren (Potter), Überstand verwerfen
Suspension direkt weiterverarbeiten
67
Materialien und Methoden
B.2.3.2.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
Zugabe von Protease Inhibitor (1 Tablette pro 50 ml Zellsuspension) und EDTA
(1 mM Endkonzentration) unter rühren
Zugabe von einer Spatelspitze DNase ohne rühren
Zellaufschluss der vorbereiteten Zellsuspension in einer vorgekühlten French
Press Zelle bei 20000 - 27000 psi
Probe auf Eis auffangen und vor Licht schützen
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 13000 rpm (17000 g) 30 min bei 4°C (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
Überstand (enthält aufgeschlossene Zellen) wird abgenommen; der Niederschlag
wird verworfen
Überstand 60 min bei 4°C im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm zentrifugieren
(Beckman Ultrazentrifuge L7)
Überstand verwerfen, den Niederschag in möglichst wenig Puffer resuspendieren
(20 mM Tris / HCl / pH = 7,5) und homogenisieren (Potter)
Protease Inhibitor und EDTA (1 mM Endkonzentration) hinzugeben und bis zum
Lösen rühren
Membranen in flüssigen N2 einfrieren und bei -80°C Kühlschrank oder über Nacht
auf Eis im Dunkeln lagern
B.2.3.2.3. Solubilisierung der Membranproteine
Membranen gegebenenfalls auftauen, homogenisieren; Bacteriochlorophyllgehalt
der Suspension bestimmen (siehe Kapitel B.2.4.1.) und mit 20 mM Tris/HCl-Puffer
pH = 7,8, unter Berücksichtigung des Volumens der LDAO-Lösung, auf 0,2 mM
Bacteriochlorophyll-Konzentration verdünnen
die 1%ige (v/v) LDAO-Stammlösung langsam unter rühren dazu tropfen bis zu einer
Endkonzentration von 0,5% (v/v) LDAO und 15 min bei Raumtemperatur im Dunkeln
rühren
die solubilisierte Protein-Lösung (ca. 200 ml) wird gleich weiterverarbeitet
68
Materialien und Methoden
B.2.3.2.4. Dichtegradientenfraktionierung der Membranproteine
der Saccharose-Gradient wird hergestellt, indem je 7 ml einer 1,2 M, 0,9 M und
0,3 M Saccharose-Lösung in 20 mM Tris-Puffer (pH = 7,8) mit 0,4% LDAO in
Zentrifugenröhrchen, wie in Abbildung B.2.3.2.4.1A schematisch dargestellt,
übereinandergeschichtet werden
nach der Solubilisierung werden 2 - 2,5 ml Protein-Lösung auf den SaccharoseGradienten aufgetragen und über Nacht (16 h) im Ti 60 Rotor bei 38000 rpm
(250000 g) bei 4°C zentrifugiert (Beckman Ultrazentrifuge L7); es werden ca. 10
Zentrifugenläufe durchgeführt, um das gesamten Volumen an solubilisierten
Membranproteine aufzutrennen
die Reaktionszentren werden an der Grenzschicht zwischen 1,2 M und 0,9 M
Saccharose-Lösung (siehe Abbildung B.2.3.2.4.1B) mit Hilfe einer Pipette
gewonnen
Die Reaktionszentren-Fraktionen werden gesammelt und weiterverarbeitet
A
B
Cytochrom
0,3 M
LH I
0,9 M
LH II
Reaktionszentren
1,2 M
Niederschlag
Abbildung B.2.3.2.4.1: Schematische Darstellung des Saccharose-Gradienten (A) und
Auftrennung der Membranproteine mittels Dichtegradientenzentrifugation (B).
69
Materialien und Methoden
B.2.3.2.5. Anionenaustausch-Chromatographie
Es wird eine Säule mit DEAE-Toyopearl 650M Säulenmaterial verwendet:
• Durchmesser: 2 cm
• Länge: ca. 16 cm
• Volumen: ca. 50 ml
Die Säule wird nach Anleitung vorbereitet und in Tris-Puffer IV aufbewahrt.
Die Säule wird mit 5 Säulenvolumen (5 x 50 ml) Tris-Puffer IV äquilibriert,
Flussrate: 50 - 20 ml/min
gesammelte Fraktionen der Dichtegradientenfraktionierung (s.o.) auftragen
Waschen mit 1 Säulenvolumen (50 ml) Tris-Puffer IV, Flussrate: 50 - 20 ml/min
Elution: der Gradient erfolgt in Stufen von jeweils 50 ml (entspricht einem
Säulenvolumen):
0,20 M NaCl
0,25 M NaCl
0,28 M NaCl
0,30 M NaCl
0,50 M NaCl
Flussrate: 5 ml/min
Detektion: Spektrum zwischen 300 nm und 900 nm
Waschen der Säule mit Tris-Puffer IV; Flussrate: 50 - 20ml/min
Die RC-enthaltenden Fraktionen mit hohem Proteingehalt (ODV) werden
gesammelt
(vgl.
Kapitel
B.2.4.4.),
schockgefroren und bei -80°C gelagert
70
aufkonzentriert,
mit
flüssigem
N2
Materialien und Methoden
B.2.3.3. Modifizierte Vorschrift von K. Takamiya
Zur Isolierung und Aufreinigung der Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
wurde die Vorschrift von K. Takamiya et al. [128] modifiziert. Im folgenden wird die in
dieser Arbeit verwendete Vorschrift im Detail beschrieben. Sie ermöglicht es, aus
100 g Roseobacter denitrificans Zellmasse in etwa 10 Tagen ca. 15 mg (50 ODV)
Reaktionszentren zu isolieren. Sämtliche Isolationsschritte wurden im Dunkeln und,
wenn nicht anders angegeben, auf Eis oder im Kühlraum bei 4°C durchgeführt. In
Abbildung B.2.3.3.1 sind die Isolierungs- und Aufreinigungsschritte schematisch
dargestellt.
71
Materialien und Methoden
Roseobacter denitrificans
Zellen
French Press
Zentrifugation
Überstand
Membranen + Cytoplasma
Niederschlag
nicht aufgeschlossene Zellen
Ultrazentrifugation
Niederschlag
Membranen
Überstand
Cytoplasma
Aufweichen der Zellmembran mit LDAO
Solubilisierung mit LDAO
Ultrazentrifugation
Niederschlag
Membranen
Überstand
solubilisierte Membranproteine
Ammoniumsulfat-Fällung
(mit Detergenswechsel zu Triton X-100)
Zentrifugation
Überstand
andere Membranproteine, z.B. LH II
„schwimmender“ Niederschlag
RC + andere Membranproteine
Gelfiltration
Eluat
RC + andere Proteine
andere Proteine
Anionenaustausch-Chromatographie
Eluat
Reaktionszentrum
übrige Membranproteine
Abbildung B.2.3.3.1: Isolation von Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans.
72
Materialien und Methoden
B.2.3.3.1. Waschen der Zellen
100 g Roseobacter denitrificans Zellen über Nacht im Kühlschrank auftauen
Zellen in 800 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 durch rühren resuspendieren
20 min im JA 10 Rotor (Beckman Kühlzentrifuge J2-HS) bei 9000 rpm (10000 g)
bei 4°C zentrifugieren
gelblich-klar
rosarot
Niederschlag in 300 ml 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,8 resuspendieren und
homogenisieren (Potter), Überstand verwerfen
Suspension direkt weiterverarbeiten
B.2.3.3.2. Zellaufschluss und Isolierung der Membranen
Zugabe von Protease Inhibitor (1 Tablette pro 50 ml Zellsuspension) und EDTA
(1 mM Endkonzentration) unter Rühren
Zugabe von einer Spatelspitze DNase ohne Rühren
French Press Zelle über Nacht im Kühlraum vorkühlen
Zellaufschluss der vorbereiteten Zellsuspension bei 20000 - 27000 psi (entspricht
der Einstellung 1300 - 1700 psig am Gerät)
Probe auf Eis auffangen und vor Licht schützen
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 13000 rpm (17000 g) 30 min bei 4°C (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
73
Materialien und Methoden
dunkelrot
fast undurchsichtig
Membranen
rosarot
Zellbruchstücke
Überstand (enthält aufgeschlossene Zellen) wird abgenommen; der Niederschlag
wird verworfen
Überstand 60 min bei 4°C im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm zentrifugieren
(Beckman Ultrazentrifuge L7)
Überstand verwerfen, den Niederschlag in möglichst wenig Puffer resuspendieren
(20 mM Tris / HCl / pH = 7,5) und homogenisieren (Potter)
Protease Inhibitor und EDTA (1 mM Endkonzentration) hinzugeben und bis zum
Lösen rühren
Membranen in flüssigen N2 einfrieren und bei -80°C Kühlschrank oder über Nacht
auf Eis im Dunkeln lagern
B.2.3.3.3. Solubilisierung der Membranproteine
Membranen gegebenenfalls auftauen, homogenisieren; BChl- bzw. Proteingehalt
der Suspension bestimmen (siehe Kapitel B.2.4.1. und B.2.4.2.) und mit 20 mM
Tris/HCl-Puffer pH = 7,5, unter Berücksichtigung des Volumens der LDAO-Lösung,
auf 0,2 mM bzw. 20 mg/ml einstellen (in der Regel 100 - 120 ml)
die 10%ige (v/v) LDAO-Stammlösung langsam unter rühren dazu tropfen bis zu
einer Endkonzentration von 0,45% (v/v) LDAO
30 min bei RT im Dunkeln rühren
Zentrifugation im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm 60 min bei 4°C (Beckman
Ultrazentrifuge L7)
74
Materialien und Methoden
klar
rot
Der Überstand wird verworfen; das Pellet wird in 20 mM Tris/HCl-Puffer pH = 7,5
resuspendiert und homogenisiert, so dass das ursprüngliche Volumen verdoppelt
wird (unter Berücksichtigung des Volumens der LDAO-Lösung)
Das entsprechende Volumen an 10%iger (v/v) LDAO-Lösung in Puffer (s.o.) wird
unter Rühren langsam dazu getropft, so dass eine Endkonzentration von 0,45%
(v/v) LDAO erreicht wird
60 min bei RT im Dunkeln rühren
Zentrifugation im Ti 55,2 Rotor bei 52000 rpm 60 min bei 4°C (Beckman
Ultrazentrifuge L7)
durchsichtig rot
solubilisierte Proteine
rot
Der Überstand wird abgenommen und sofort weiterverarbeitet; er enthält die
solubilisierten Proteine; der Niederschlag wird verworfen
75
Materialien und Methoden
B.2.3.3.4. Ammoniumsulfat-Fällung
Es wurde alternativ die fraktionierende oder die 50%ige Ammoniumsulfat-Fällung
durchgeführt (vgl. Kapitel C.2.1.3.).
A. Fraktionierende Ammoniumsulfat-Fällung
50%-Fällung (w/v)
Zugabe der aus der Tabelle B.2.3.3.4.1. berechneten Menge an festem
Ammoniumsulfat unter rühren
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 10000 rpm bei 4°C 10 min (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
„schwimmender“ Niederschlag in 1/4 des Ausgangsvolumen der Probe an TrisPuffer II (20 mM Tris/HCl-Puffer pH=7,5 mit 0,6% (v/v) Triton X-100) aufnehmen
und vorsichtig homogenisieren
„schwimmender“ Niederschlag
durchsichtig rot
50%-Waschung (w/v)
Tropfenweise Zugabe von gesättigter, neutralisierter Ammoniumsulfat-Lösung bis
zu einer Sättigung von 50% unter rühren
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 10000 rpm bei 4°C 10 min (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
76
Materialien und Methoden
Niederschlag wie oben abnehmen und im gleichen Volumen Tris-Puffer II
aufnehmen und vorsichtig homogenisieren
die
50%ige
Waschung
kann
wiederholt
werden,
um
einen
besseren
Detergensaustausch zu erhalten
35%-Fällung (w/v)
Tropfenweise Zugabe von gesättigter, neutralisierter Ammoniumsulfat-Lösung bis
zu einer Sättigung von 35% unter rühren
Zentrifugation im JA-20 Rotor bei 10000 rpm bei 4°C 10 min (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
Den Überstand abnehmen (hier befinden sich die Reaktionszentren) und
weiterverarbeiten, den Niederschlag verwerfen
65%-Fällung (w/v)
Tropfenweise Zugabe von gesättigter, neutralisierter Ammoniumsulfat-Lösung bis
zu einer Sättigung von 65% unter rühren (Differenz zu 35%)
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 18000 rpm bei 4°C 10 min (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
Der Überstand wird verworfen und der „schwimmende“ Niederschlag in 1/20 des
Ausgangsvolumens der Probe in Tris-Puffer II aufgenommen und vorsichtig
homogenisiert
Zur vollständigen Abtrennung nicht gelöster Bestandteile wird anschließend im
JA-20 Rotor bei 20000 rpm 20 min bei 4°C zentrifugiert (Beckman Kühlzentrifuge
J2-HS). Der Überstand wird so abgenommen, dass keine festen Partikel in die
Lösung kommen, den Vorgang eventuell wiederholen
Probe gleich weiterverarbeiten oder nach Zugabe von 20% Glycerin bei -20°C
lagern, damit das H2O nicht kristallisieren kann und die Proteine bei der Lagerung
nicht zerstört werden
77
Materialien und Methoden
B. 50%ige Ammoniumsulfatfällung
50%-Fällung (w/v)
Zugabe der aus der Tabelle B.2.3.3.4.1 berechneten Menge an festen
Ammoniumsulfat unter rühren und weitere 15 min rühren
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 10000 rpm bei 4°C 20 min (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
Der Niederschlag schwimmt auf der Flüssigkeit („floating pellet“), in 1/4 des
Ausgangsvolumens der Probe (ca. 20 ml) an Tris-Puffer II aufnehmen und
vorsichtig homogenisieren, den Rest verwerfen
Tabelle B.2.3.3.4.1: Die Menge an festem Ammoniumsulfat, die einer Lösung
zugefügt werden muss, um die gewünschte Endkonzentration bei 0°C zu
erreichen [148].
Endkonzentration an Ammoniumsulfat, % Sättigung bei 0°C
Anfangskonzentration an Ammoniumsulfat, % Sättigung bei 0°C
g festes Ammoniumsulfat, das 100 ml einer Lösung zugegeben wird
78
Materialien und Methoden
50%-Waschung (w/v)
Tropfenweise Zugabe von gesättigter, neutralisierter Ammoniumsulfat-Lösung bis
zu einer Sättigung von 50% unter rühren (insgesamt 15 min rühren).
Zentrifugation im JA 20 Rotor bei 10000 rpm bei 4°C 10 min (Beckman
Kühlzentrifuge J2-HS)
Niederschlag wie oben abnehmen und im gleichen Volumen Tris-Puffer II
aufnehmen und vorsichtig homogenisieren
Die
50%ige
Waschung
kann
wiederholt
werden,
um
einen
besseren
Detergensaustausch zu erhalten. Dies gilt besonders, wenn die Probe länger
gelagert werden soll.
Abtrennung nichtgelöster Bestandteile
Zur vollständigen Abtrennung nichtgelöster Bestandteile wird anschließend in der
Biofuge 28 RS mit dem Eppendorf-Rotor Nr. 3740 bei 18000 rpm (21400 g) 20
min bei 4°C zentrifugiert. Der Überstand wird so abgenommen, dass keine festen
Partikel in die Lösung kommen.
Probe gleich weiterverarbeiten oder nach Zugabe von 20% Glycerin bei -20°C
lagern
B.2.3.3.5. Gelfiltration
Es wird eine HiLoad 16/60 Superdex 200 prep grade-Säule verwendet:
• Durchmesser: 16 mm
• Länge: ca. 60 cm
• Säulenvolumen: ca. 120 ml
Die
Säule
wird
bei
längeren
Zeiträumen
in
20%
Ethanol
gelagert;
Inbetriebnahme erfolgt nach Anleitung; es sind mehrere (ca. 4) Läufe
notwendig
Die Säule wird mit 3 Säulenvolumen (3 x 120 ml) Tris-Puffer III äquilibriert
79
Materialien und Methoden
Auftragung der Probe aus der Ammoniumsulfat-Fällung (Probenvolumen: 4 - 5
ml) ohne Pumpe
Elution mit Tris-Puffer III, Flussrate: 30 ml/h
Die Reaktionszentren enthaltenden Fraktionen werden gesammelt (Detektion
nach den Spektren, vgl. Abbildung C.2.2.2) und nach Zugabe von 20% Glycerin
bei -20°C gelagert
B.2.3.3.6. Anionenaustausch-Chromatographie
Es wird eine Säule mit DEAE-Toyopearl 650M Säulenmaterial verwendet:
• Durchmesser: 2 cm
• Länge: ca. 16 cm
• Volumen: ca. 50 ml
Die Säule wird nach Anleitung vorbereitet und in Tris-Puffer IV aufbewahrt.
Die Säule wird mit 5 Säulenvolumen (5 x 50 ml) Tris-Puffer IV äquilibriert,
Flussrate: 20 - 50 ml/min
Probe (aus den ca. 4 Gelfiltrationen gesammelt) auftragen
Waschen mit 1 Säulenvolumen (50 ml) Tris-Puffer IV, Flussrate: 20 - 50 ml/min
Elution: der Gradient erfolgt in Stufen von jeweils 50 ml (entspricht einem
Säulenvolumen):
0,20 M NaCl
0,25 M NaCl
0,28 M NaCl
0,30 M NaCl
0,50 M NaCl
Flussrate: 5 ml/min
Detektion: Spektrum zwischen 300 nm und 900 nm
Waschen der Säule mit Tris-Puffer IV; Flussrate: 20 - 50ml/min
80
Materialien und Methoden
Die Reaktionszentren enthaltenden Fraktionen (vgl. Abbildung B.2.4.4.3) mit
hohem Proteingehalt (ODV) werden gesammelt und gleich weiterverarbeitet (vgl.
Kapitel B.2.4.4.)
B.2.3.3.7. Entsalzung
Es wird eine Sephadex G-25 M PD-10 Entsalzungssäule verwendet:
•
Säulenvolumen: 9,1 ml
•
Probenvolumen: 2,5 ml
•
Flussrate: durch die Schwerkraft gegeben
Zur Entsalzung muss die Probe aus dem Anionenaustauscher gegebenenfalls
geteilt werden.
Die Säule wird mit 25 ml Tris-Puffer V äquilibriert
Die Probe (2,5 ml) wird aufgetragen und einsickern gelassen, während das Eluat
verworfen wird
Es wird mit 3,5 ml Tris-Puffer V eluiert; das farbige Eluat wird gesammelt
Säule waschen
Probe gleich weiterverarbeiten
Sollten die Reaktionszentren noch nicht rein genug sein, folgt eine zweite
Aufreinigung durch Anionenaustauscher und Entsalzung. Der Reinheitsgrad wird
zunächst anhand des UV-VIS-Spektrum beurteilt, welches mit dem Spektrum reiner
Reaktionszentren, wie in Abbildung B.2.4.4.3 dargestellt, verglichen wird.
Insbesondere wird darauf geachtet, dass die Amplituden der Banden bei 750 nm und
860 nm im Verhältnis 1 : 1 stehen und das Verhältnis der Amplituden der Banden bei
750 nm, 802 nm und 860 nm möglichst nahe bei 1 : 2 : 1 ist.
81
Materialien und Methoden
B.2.3.3.8. Aufkonzentrierung
Die Aufkonzentrierung geschieht mittels einer YM 100 Membran (mit einem
Ausschlussmolekulargewicht von 100000 Da) in einer Amicon-Rührzelle bei 4°C.
Bei kleineren Volumina werden PM 100 Centricon Konzentratoren verwendet. Die
Proben werden bis zu einer OD802 von 30 aufkonzentriert.
B.2.3.3.9. Lagerung der Reaktionszentren
Die erhaltenen Reaktionszentren werden in Aliquots unter Zusatz von 20%
Glycerin in Tris-Puffer IV bei -20°C gelagert. Die Reaktionszentren können nicht
wie sonst üblich bei -80°C gelagert werden, da das Kristallisieren des H2O das
Protein soweit zerstört, dass keine Ladungstrennung mehr beobachtet werden
kann (siehe Kapitel C.2.1.)
82
Materialien und Methoden
B.2.4. Charakterisierung der Proben
B.2.4.1. Bacteriochlorophyll-Bestimmung
Die Bacteriochlorophyll (BChl)-Konzentration in den Membransuspensionen wurde
durch Extraktion mit einer Aceton/Methanol-Mischung im Verhältnis 7 : 2 (v/v) und
Absorptionsmessung mit einem Perkin-Elmer Lambda 2 Spektrometer bei 770 nm
bestimmt. Bei dieser Wellenlänge beträgt der Extinktionskoeffizient für das
Bacteriochlorophyll ε = 75 mM-1cm-1 [149].
B.2.4.2. Proteinbestimmung mit dem BCA-Proteintest
Die Bestimmung der Proteinkonzentration während der Isolation und Reinigung
erfolgte mit dem BCA-Proteintest [150]. Die verwendeten Lösungen sind in Kapitel
B.1.2.3. beschrieben. Der BCA-Test ähnelt der Proteinbestimmung nach Lowry, hat
aber eine geringere Störanfälligkeit gegenüber Detergentien, wie sie insbesondere
zur Solubilisierung von Membranproteinen verwendet werden. Die Methode
kombiniert
den
Biuret-Proteintest
mit
2,2’-Bicinchoninsäure
Detektionssystem. Die Methode beruht auf der Reduktion von Cu
2+
(BCA)
als
+
zu Cu durch
Cystein, Tyrosin, Tryptophan und die Peptidbindungen des Proteins. BCA bildet
spezifisch mit Cu+ einen violetten Farbkomplex mit einem Absorptionsmaximum bei
562 nm. Eine Eichung erfolgt mit einem BSA (Bovine Serum Albumin) Standard, der
im Bereich von 2,0 – 20 µg/ml eine lineare Zunahme der Absorption mit der
Konzentration zeigt. Es können Proteinkonzentrationen bis 5 µg/ml nachgewiesen
werden
Die Proteinbestimmung erfolgt direkt in Küvetten. Dazu werden die Proben sowie der
Proteinstandard nach Anleitung mit den Test-Lösungen (BCA Protein Assay Reagent
A und Reagent B) vermischt, inkubiert und in einem UV-VIS-Spektrometer
vermessen.
83
Materialien und Methoden
B.2.4.3. SDS-PAGE-Gelelektrophorese
Die Standardmethode der SDS-Gelelektrophorese [151] wurde zur Charakterisierung
des isolierten Reaktionszentrums und seiner Untereinheiten sowie zur Überprüfung
seiner Reinheit angewendet. Ebenso wurde mit dieser Methode der Verlauf der
Isolierung und Reinigung des Proteins dokumentiert.
Natriumdodecylsulfat (SDS) ist ein anionisches Detergens, das an die hydrophoben
Regionen des zu untersuchenden Proteins bindet (bei den meisten Proteinen mit
einem
konstanten
Verhältnis
von
etwa
einem
SDS-Molekül
pro
zwei
Aminosäureresten), es in seine Untereinheiten dissoziiert (durch Disulfid-Brücken
zusammengehaltene Untereinheiten werden mit Dithiothreitol (DTT) dissoziiert) und
die Eigenladung des Proteins maskiert. Dadurch weisen SDS-beladene Proteine
nahezu identische Ladungs-Masse-Verhältnisse und ähnliche Formen auf. Die
Proteine werden bei einer SDS-Gelelektrophorese in der Reihenfolge der molaren
Massen getrennt. Die Molmasse des zu untersuchenden Proteins wurde durch den
Vergleich mit einem mitlaufenden Proteinstandard ermittelt.
Die verwendeten Lösungen sind in Kapitel B.1.2.4. beschrieben.
B.2.4.3.1. Gießen der Gele
In der Gießkammer können zwei Gele gleichzeitig gegossen werden. Die Gele
wurden sofort verwendet.
Trenngel (12,5 %; 1 mm Dicke; für zwei Gele)
-
7,35 ml H2O
-
4,25 ml Trenngelpuffer (siehe Tabelle B.1.2.4.3)
-
5,3 ml Acrylamidstammlösung (siehe Tabelle B.1.2.4.1)
-
10 min entgasen
-
130 µl APS-Lösung (siehe Tabelle B.1.2.4.5)
-
6 µl TEMED (startet die Polymerisation)
84
Materialien und Methoden
Sammelgel (5 %; 1 mm Dicke; für zwei Gele)
-
4,38 ml H2O
-
2 ml Sammelgelpuffer (siehe Tabelle B.1.2.4.4)
-
1 ml Acrylamidstammlösung
-
10 min entgasen
-
94 µl APS-Lösung
-
8 µl TEMED
B.2.4.3.2. Probenvorbereitung
Die Proteinprobe wurde im gleichen Verhältnis mit dem Probenpuffer vermischt und
30 min bei 60°C inkubiert. Die Proteinkonzentration betrug etwa 1 mg/ml. Es wurden
ca. 1 - 2 µg Protein pro erwartete Bande auf eine Bahn aufgetragen.
B.2.4.3.3. Elektrophorese
Die Elektrophorese wurde nach einer Standardmethode bei einer konstanten
Stromstärke von ca. 5 mA pro Gel im Sammelgelbereich und ca. 28 mA pro Gel im
Trenngelbereich durchgeführt und dauert ca. 1 - 2 h.
Als Elektrophorese-Apparatur wurde die Mini Protean II von Biorad verwendet, in der
bis zu zwei Gele eingebaut werden können.
B.2.4.3.4. Färbung der Gele mit Coomassie Brilliant Blue
Jedes Gel wurde getrennt in einer Plastikbox unter schwenken mit Coomassie
Brilliant Blue G-250 eingefärbt.
30 min in Fixierer-Lösung schwenken
1 h in Färber-Lösung schwenken
85
Materialien und Methoden
in Fixierer-Lösung entfärben, bis die Banden sichtbar werden und der Hintergrund
klar wird
Gel in 10 % Essigsäure-Lösung aufbewahren
B.2.4.3.5. Gel-Dokumentation
Die fertigen Gele wurden dokumentiert und ausgewertet. Als Protein Referenz diente
der LMW Electrophoresis Calibration Kit von Pharmacia Biotech sowie aufgereinigtes
Reaktionszentrum aus Rhodobacter sphaeroides.
Die Gele wurden mit einer Gel-Dokumentationsanlage Digit Store System 95KFE103
von INTAS gespeichert und mit dem Programm Gelscan bearbeitet.
B.2.4.4. UV-VIS-Absorptionsspektren
Die UV-VIS-Spektren der Zellen, der Membranen und des Reaktionszentrums aus
Roseobacter denitrificans wurden an einem Perkin-Elmer Lambda 2 Spektrometer
aufgenommen. Je nach benötigten Extinktionswerten wurden Spektren im Bereich
zwischen 650 und 900 nm für die Suspension der Zellen, 300 und 900 nm für die
Membranen und zwischen 300 und 900 nm bzw. 700 nm und 900 nm für die
Reaktionszentren-Lösungen aufgenommen (Schichtdicke = 1 cm). Diese Aufnahmen
dienen zur Dokumentation der Anzucht von Roseobacter denitrificans sowie der
Isolationen von Membranen und Reaktionszentren. Zudem wurden Spektren von
jeder Probe vor und nach Messreihen aufgenommen. Abbildungen B.2.4.4.1 bis 3
zeigen
typische
Spektren
der
Zellsuspension,
der
Membranen
und
des
Reaktionszentrums aus Roseobacter denitrificans.
Aus den Spektren der Reaktionszentren-Lösungen wird die optische Dichte OD802
bestimmt.
Sie
entspricht
der
Absorption
der
Bacteriochlorophylle
im
Reaktionszentrum (und damit der Absorption des Proteins) und wird bei der
Charakterisierung
von
Reaktionszentrenpräparationen
häufig
Konzentrationsangaben verwendet (siehe Gleichung B.1.2.5.1.1).
86
anstelle
von
Materialien und Methoden
Mit Hilfe des Extinktionskoeffizienten des Reaktionszentrums kann die optische
Dichte (OD) in Konzentrationseinheiten umgerechnet werden (ε802 = 288 mM-1cm-1 für
Rhodobacter sphaeroides [152]). Aus der OD802 und dem Volumen der Probe in ml
berechnet sich:
ODV = OD802 x VProbe
Gleichung B.2.4.4.1
Mit Hilfe der Molmasse Mr des Reaktionszentrums (Mr = 136056 Da aus der DNASequenz abgeleitet nach [129, 130, 153] bzw. Mr = 130000 Da apparente Molmasse
aus SDS-PAGE [128]) und des Extinktionskoeffizienten lässt sich diese Größe dann
in Stoffmengen (mg bzw. nmol) umrechnen.
optische Dichte
2,35
806 nm
2,30
870 nm
2,25
2,20
2,15
700
750
800
850
W ellenlänge (nm )
Abbildung B.2.4.4.1: Absorptionsspektrum der Flüssigkultur von Roseobacter
denitrificans Zellen. Das Maximum bei 806 nm zeigt die Absorption des
Bacteriochlorophylls a von LH II, während das Maximum bei 870 nm die Absorption des
Bacteriochlorophylls a des RC-LH I-Komplexes zeigt.
87
Materialien und Methoden
870 nm
0,5
806 nm
0,6
590 nm
0,7
510 nm
optische Dichte
0,8
420 nm
0,9
370 nm
1,0
0,4
0,3
0,2
0,1
0,0
400
500
600
700
800
900
W ellenlänge (nm )
Abbildung B.2.4.4.2: Absorptionsspektrum von gereinigten Roseobacter denitrificans
Membranen in 100 mM Mops/NaOH-Puffer (pH = 7,0).
Das Maximum bei 870 nm entspricht der Absorption von Bacteriochlorophyll a im LH I-RCKomplex, das Maximum bei 806 nm der Absorption des Bacteriochlorophylls a im LH II.
Weiterhin zeigt das Bacteriochlorophyll a Absorptionsbanden bei 590 nm und 370 nm. Die
breite Bande mit Maximum bei 510 nm entspricht der Absorption der Carotinoide (95%
Spheroidenon) und die Schulter bei 420 nm der Absorption der Cytochrome.
3,5
370 nm
420 nm
802 nm
2,5
2,0
860 nm
500-550 nm
1,0
750 nm
1,5
600 nm
optische Dichte
3,0
0,5
0,0
350
400
450
500
550
600
650
700
750
800
850
W ellenlänge (nm )
Abbildung B.2.4.4.3: Absorptionsspektrum von gereinigten Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans. Die Absorptionsmaxima bei 860 nm und 600 nm entsprechen
dem Bacteriochlorophylldimer, das Maximum bei 802 nm entspricht dem
Bacteriochlorophyllmonomer und das Maximum bei 750 nm dem Bacteriophäophytin. Im
Bereich von 500 bis 550 nm liegen die Banden des Bacteriophäophytin, der Carotinoide und
der Cytochrome c (α-Banden bei 550 nm) übereinander. Bei 420 nm beobachtet man die
Soret-Banden der c-Typ Cytochrome, während bei 370 nm das Bacteriochlorophyllmonomer
absorbiert. Die Reaktionszentren sind in 20 mM Tris/HCl (pH = 7,5) / 1 mM EDTA / 0,25%
(v/v) Triton X-100 gelöst.
88
Materialien und Methoden
B.2.5. Transiente Absorptionsspektroskopie
Elektronentransferreaktionen in photosynthetischen Reaktionszentren und den
anderen an der Photosynthese beteiligten Proteinen lassen sich mit Hilfe der
optischen Spektroskopie anhand der Extinktionsänderungen einzelner Spezies
verfolgen. Diese Änderungen werden durch die mit dem Elektronentransfer
verbundenen Oxidations- und Reduktionsreaktionen und der Änderung der jeweiligen
Extinktionskoeffizienten
von
Cofaktoren
+
-
+
verursacht.
Die
Rekombination
der
-
ladungsgetrennten Zustände P QA und P QAQB im Reaktionszentrum kann z.B. mit
Hilfe der Absorptionsänderung des bei der Ladungsrekombination rereduzierten
primären Elektronendonators untersucht werden. In dieser Arbeit wurde hierfür die
Qy-Bande
des
Donators
P
bei
860
nm
verwendet,
da
der
Differenz-
extinktionskoeffizient zwischen reduziertem und oxidiertem Zustand in dieser Bande
relativ groß ist. Für Rhodobacter sphaeroides ist ∆εP/P+(865 nm) = 112 mM-1cm-1
[152]. Auf Grund der Strukturähnlichkeiten ist anzunehmen, dass sich der
Differenzextinktionskoeffizient in Roseobacter denitrificans in einem ähnlichen
Bereich bewegt. Alternativ dazu lassen sich Änderungen des Redoxzustandes auch
im Bereich der Soret-Bande (370 nm), der Qx-Bande (600 nm) oder im langwelligen
Bereich bei 1250 nm, wo der Donator stark absorbiert, untersuchen.
Ebenso lässt sich die Reduktion der Ubichinone spektroskopisch verfolgen. Das
Semichinonanionradikal des Ubichinons zeigt eine charakteristische Bande bei ca.
450 nm. Der Differenzextinktionskoeffizient ∆εUQ/UQ-(445 nm) = 8,5 mM-1cm-1 (für QB
in Rhodobacter sphaeroides [154]) ist jedoch sehr klein. Daher wurden in dieser
Arbeit die Ladungsrekombinationskinetiken im Reaktionszentrum aus Roseobacter
denitrificans über die Reduktion von P+ gemessen.
Auch die Redoxänderungen der Cytochrome können spektroskopisch untersucht
werden. Abbildung B.2.5.1 zeigt schematisch das typische Spektrum von
Cytochrom c im oxidierten und reduzierten Zustand. Eingezeichnet sind die
charakteristischen
Banden
(α-,
β-
und
γ-Bande),
in
denen
die
Absorptionsänderungen, die mit den Redoxänderungen einhergehen, verfolgt
werden können. Die Differenzextinktionskoeffizienten liegen im Bereich von
∆εox/red(γ-Bande) ≈ 60 mM-1 cm-1 und ∆εox/red(α-Bande) ≈ 20 mM-1 cm-1 (vgl.
Abbildung B.2.5.1). Cytochrome werden nach der Lage ihrer α-Bande in
89
Materialien und Methoden
Cytochrome des Typs a (Häm A mit dem Maximum der α-Bande bei 600 nm), des
Typs b (Eisen-Protoporphyrin IX mit dem Maximum der α-Bande bei 560 nm) und
des Typs c (Häm C mit dem Maximum der α-Bande bei 550 nm) eingeteilt. Durch
gezielte Wahl der Wellenlänge, bei der Absorptionsänderungen beobachtet werden,
können Cytochrome und der Elektronentransfer zwischen den Redoxzentren von
Proteinen eines Systems (also auch differenziert in Zellen oder isolierten
Membranen, in denen eine komplexe Mischung verschiedenster Cytochrome
vorliegt) untersucht werden.
γ-Bande
α-Bande
β-Bande
Abbildung B.2.5.1: Absorptionsspektrum einer 10 µM Lösung von Cytochrom c im
reduzierten (durchgezogene Linie) und oxidierten Zustand (gepunktete Linie). Die drei
charakteristischen Banden im Spektrum von reduziertem Cytochrom werden als γ- (oder
Soret-), α- und β-Bande bezeichnet. Sie entsprechen den p-p*-Übergängen des Häms aus
dem Grundzustand S0 in die drei angeregten Zustände S1, S2 und S3. Der energetisch
höchste Übergang S0 Æ S3 liegt zwischen 390 und 430 nm (g-Bande) und verschiebt sich
durch Reduktion zum Längerwelligen. Reduziertes Cytochrom c zeigt bei 520 nm die bBande (S0 Æ S2 Übergang) und bei 550 nm die a-Bande (S0 Æ S1 Übergang). Im oxidierten
Zustand liegt zwischen 500 und 600 nm eine breite Absorptionsbande vor.
90
Materialien und Methoden
B.2.5.1. Messungen an isolierten Reaktionszentren
B.2.5.1.1. Messanordung
Der Aufbau der Apparatur wurde im Detail bei R. Schmid [155] beschrieben. Als
Lichtquelle wurde eine Philips Halogenlampe (12 V, 50 W, abgelöteter Blechkragen)
verwendet. Das Messlicht wurde mit dem Monochromator eines Sigma ZWS 11
Spektrometers
monochromatisiert
und
mit
Lichtleitern
zur
Probe
geführt
(Schichtdicke = 1 cm). Die Detektion des Messlichtes erfolgte mit einem im nahen
Infrarot sensitiven Sekundärelektronenvervielfacher (SEV, Hamamatsu R316(S-1)),
der über ein Sigma ZWS 11 Spektrometer mit einer Hochspannung von 1000 V
betrieben wurde. Das erhaltene Spannungssignal wurde verstärkt und digital gefiltert
(Stanford Research Systems SR570) sowie auf einem Speicher Oszilloskop (LeCroy
9310AM) aufgezeichnet.
Zur Messung der Ladungsrekombination muss die optische Anregung des
Reaktionszentrums und damit die Ladungstrennung induziert werden. Die Anregung
des Reaktionszentrums erfolgte im Bereich der Qx-Bande des primären Donators
und der akzessorischen Bacteriochlorophylle bei einer Wellenlänge von 590 nm mit
einem blitzlampengepumpten Farbstofflaser (Cynosure SLL-250, Rhodaminchlorid
590 (Fa. Exciton) in Methanol, Pulsbreite = 400 ns, Energie pro Puls ca. 0,2 J), der
im rechten Winkel zum Messlicht in die Probenkammer eingekoppelt war. Die
Auslösung des Laserblitzes erfolgte entweder manuell oder mit Hilfe eines
Pulsgenerators (Stanford Research Systems, DG 535). Der Aufzeichnungsvorgang
am Oszilloskop wurde durch eine auf das Streulicht des Lasers ansprechende
Photodiode (Eigenbau der Elektronikwerkstatt des Instituts für Physikalische Chemie)
ausgelöst. Der SEV wurde mit einem für den langwelligen Teil des Lichtes
durchlässigen Kantenfilter (780-FG07-50, Lot-Oriel) oder einem Interferenzfilter (870FS10-50, Lot-Oriel) vor Laserstreulicht geschützt. In der Abbildung B.2.5.1.1 ist ein
Schema dieser Messanordnung gegeben.
91
Materialien und Methoden
Optischer
Filter
Sekundärelektronenvervielfacher
Probenkammer
Lampe
Monochromator
Verstärker/
elektronischer
Filter
Laser
Oszilloskop
PC
Abbildung B.2.5.1.1: Messanordnung für die transiente Absorptionsspektroskopie an
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans (Zeitauflösung 400 ns, bedingt durch die
Pulsbreite des Lasers).
B.2.5.1.2. Probenvorbereitung und Messbedingungen
Für die spektroskopischen Untersuchungen wurden 2,5 ml Fluoreszenzküvetten aus
Quarzglas (Helma 108F-QS) verwendet. Die Reaktionszentren waren in Tris-Puffer
VII oder in Mops-Puffer I für Reaktionszentren (siehe Kapitel B.1.2.5.) gelöst. Die
Konzentration der Reaktionszentren lag zwischen 0,1 < OD802 < 1,0 (entspricht einer
Konzentration von 0,3 - 3 µM). Die Absorptionsänderung wurde bei 860 nm verfolgt,
dem Maximum in der Bacteriochlorophylldimer-Bande.
92
Materialien und Methoden
B.2.5.1.3. Absorptionsdifferenzspektroskopie: Bestimmung der Geschwindigkeitskonstanten der Ladungsrekombination von P+QA- bzw. P+QB- und des
Besetzungsgrades der QA- und QB-Bindungsstellen im Reaktionszentrum aus
Roseobacter denitrificans
Die Messungen erfolgten als Differenzmessungen, d.h. das Ausgangssignal V0, das
proportional zur Zahl der Photonen (und damit auch der Lichtintensität I0) ist, die die
Probe
vor
der
Anregung
durchlaufen,
wurde
durch
eine
mit
Hilfe
der
Verstärkereinheit angelegte Gegenspannung auf 0 mV kompensiert. Verstärkt wurde
folglich nur das Differenzsignal. Zur weiteren Verbesserung des Signal-RauschVerhältnisses wurden mehrere Messungen auf dem Oszilloskop gemittelt. Die
gemittelten Daten wurden zur Weiterverarbeitung auf einen IBM-kompatiblen
Personalcomputer übertragen.
Die
Umrechnung
der
gemessenen
Spannungsänderungen
in
Absorptions-
änderungen erfolgte gemäß Gleichung B.2.5.1.3.1:
∆A(t) = -log[1+∆U(t)/U0]
Gleichung B.2.5.1.3.1
mit:
∆A ≡ Absorptionsänderung als Funktion der Zeit
∆U ≡ Spannungsänderung als Funktion der Zeit
U0 ≡ Spannung vor der Anregung
Aus
den
Absorptionsänderungen
Geschwindigkeitskonstanten
Konzentrationsänderungen
∆A
als
bestimmt
der
beteiligten
Funktion
werden,
Spezies
der
Zeit
da
proportional
können
diese
sind
die
den
(siehe
Abbildung B.2.5.1.3.1).
Im Prinzip lassen sich die Elektronentransferreaktionen im Reaktionszentrum mit
einer Kinetik erster Ordnung beschreiben. Die Kurvenanpassung erfolgt dann mit
einer einfachen Exponentialfunktion:
∆A(t) = ∆A1 exp(-kAPt) + C
Gleichung B.2.5.1.3.2
93
Materialien und Methoden
mit:
∆A(t) ≡ Gesamtänderung der Amplitude als Funktion der Zeit
∆A1 ≡ Amplitude der Komponente 1
kAP ≡ Geschwindigkeitskonstante der Ladungsrekombination von QA-
Absorptionsänderung, ∆ A 860
t ≡ Zeit
C ≡ Konstante
0,00
-0,01
-0,02
-0,03
-0,04
Laserblitz
0,00
0,05
0,10
0,15
Zeit (s)
Abbildung B.2.5.1.3.1: Ladungsrekombination von QA- und P+ im bakteriellen
Reaktionszentrum aus Roseobacter denitrificans. Die Ladungstrennung erfolgt durch
einen Laserblitz bei t = 0 s. Die Amplitude des Signals entspricht der Zahl der
Reaktionszentren im Zustand P+. Bei Ladungsrekombination wird P+ reduziert und die Kinetik
klingt monoexponentiell ab mit einer Geschwindigkeitskonstante von ≈ 35 s-1. Dies entspricht
der schnellen Kinetik von Reaktionszentren, die kein Ubichinon in der QB-Bindungsstelle
enthalten, und demzufolge mit kAP-1 rekombinieren. Über 99% der Reaktionszentren haben
kein gebundenes Ubichinon in der QB-Bindungstasche, so dass keine Rekombination von
kBP-1 beobachtet werden kann. Nach etwa 10 kAP-1 ist das System vollständig rekombiniert,
und man erhält die Ausgangsabsorption (∆A860 ≅ 0).
94
Materialien und Methoden
Für den Fall zweier Parallelreaktionen ist jedoch eine weitere Exponentialfunktion zur
Beschreibung der Messdaten notwendig:
∆A(t) = ∆A1 exp(-kAPt) + ∆A2 exp(-kBPt) + C‘
Gleichung B.2.5.1.3.3
mit:
∆A(t) ≡ Gesamtänderung der Amplitude als Funktion der Zeit
∆A1 ≡ Amplitude der Komponente 1 zur Zeit t = 0
∆A2 ≡ Amplitude der Komponente 2 zur Zeit t = 0
kAP ≡ Geschwindigkeitskonstante der Ladungsrekombination von QAkBP≡ Geschwindigkeitskonstante der Ladungsrekombination von QBt ≡ Zeit
C‘ ≡ Konstante
Die zusätzlichen Konstanten C bzw. C‘ werden benötigt, um den Signalabfall für
einen Bruchteil an Reaktionszentren zu korrigieren, bei denen das Elektron auf QAbzw. QB- durch unkontrollierten Elektronenfluss verschwindet oder oxidiert wird und
somit der photooxidierte Donator zurückbleibt.
Um die Geschwindigkeitskonstante der Ladungstrennung von QA- (kAP) im
Reaktionszentrum
zu
bestimmen,
wurde
selektiv
das
Ubichinon
der
Q B-
Bindungsstelle durch Zugabe eines kompetitiven Inhibitors verdrängt. Es wurde
entweder Terbutryn mit einer Endkonzentration von 100 µM oder o-Phenanthrolin mit
einer Endkonzentration von bis zu 10 mM eingesetzt (siehe Kapitel B.1.2.5.2.). Nach
einer Inkubationszeit von 30 min bei Raumtemperatur wurde die Messung
durchgeführt. Der Wert für kAP lässt sich dann durch Anpassung der Kinetik nach
Gleichung B.2.5.1.3.3 erhalten.
Analog kann die Geschwindigkeitskonstante der Ladungsrekombination von QB- (kBP)
bestimmt werden. In der Regel ging jedoch bei der Präparation der Reaktionszentren
ein
Teil
des
Ubichinons
in
den
Bindungsstellen
verloren,
so
dass
die
Reaktionszentren vor der Messung zunächst mit Ubichinon rekonstituiert werden
mussten. Hierzu wurde die Probe mit einer Ubichinonstammlösung (Ubichinon in
Detergensmizellen) titriert, bis die maximale Besetzung erreicht wurde. Trotzdem trat
generell das Problem auf, dass die QB-Bindungsstelle nicht vollständig besetzt
vorliegt, so dass in der Regel eine zweiphasige Kinetik beobachtet wurde: eine
95
Materialien und Methoden
schnelle Phase, verursacht durch Reaktionszentren, die nur Ubichinon in der QABindungsstelle enthalten und mit der Geschwindigkeitskonstante kAP rekombinieren,
und
eine
langsame
Phase
der
Reaktionszentren,
die
beide
Ubichinon-
Bindungsstellen besetzt haben, mit der Geschwindigkeitskonstante kBP. Für die
Auswertung ist also die Bestimmung von kAP notwendig. Diese wurde in der
biexponentiellen Kurvenanpassung (Gleichung B.2.5.1.3.3) vorgegeben und kBP aus
einer Vier-Parameter-Anpassung bestimmt.
Die erhaltene Amplitude der schnellen Phase entspricht der Besetzungszahl von
Ubichinon in der QA-Bindungsstelle. Sie wurde bestimmt, in dem man das
Ausbleichen der Absorptionsbande des Bacteriochlorophylldimers in einem sehr
kleinen Zeitfenster (< 20 ms) misst und die Amplitude des Signals ∆A860(t=0) durch
lineare Extrapolation ermittelt. Der Quotient aus der Absorptionsänderung ∆A860(t=0)
und der Absorption A860 ist ein Maß für die Besetzung von QA mit einem Chinon. Für
Reaktionszentren aus Rhodobacter sphaeroides hat dieser Quotient je nach
Präparation den Wert von 0,8 - 0,9 für eine vollbesetzte QA-Bindungsstelle.
Die Amplitude der langsamen Phase ∆A860(langsame Phase) entspricht der Anzahl
an Reaktionszentren mit Ubichinon in der QB-Bindungsstelle. Zur Bestimmung der
relativen Besetzung der QB-Bindungsstelle bezüglich der QA-Bindungsstelle wurde
der Quotient aus ∆A860(langsame Phase) und ∆A860(t=0) gebildet.
Die nichtlineare Kurvenanpassung erfolgte mit dem Programm Peakfit (Version 4,05,
SPSS Inc.).
96
Materialien und Methoden
B.2.5.2. Messungen an Membranen
B.2.5.2.1. Messanordnung
Die Untersuchungen des photosynthetischen Apparates an Membranen aus
Roseobacter denitrificans wurde am Dipartimento di Biologia, Università di Bologna
im Labor von Prof. Dr. G. Venturoli durchgeführt. Der Aufbau des optischen Systems
der Apparatur bestand aus einer Reihe von ORIEL Elementen, die auf einen
schwingungsgedämpften Tisch linear angeordnet wurden [96]. Als Lichtquelle diente
eine Halogenquarzlampe (150 W, 15 V), die von einem Countant ACS1000 betrieben
wurde und in einem Beleuchtungsapparat von ORIEL (Modell 7340) eingebaut war.
Die Wellenlänge des Messlichtes wurde durch einen doppelten Monochromator von
ORIEL (Gitter von 1200 l/mm; Eingangsöffnung 600 µm, Ausgangsöffnung 280 µm)
ausgewählt. Ein System aus zwei bikonvexen Linsen mit einem Durchmesser von
25,4 mm und einer Brennweite von 50 mm bzw. 25 mm, fokussierte das Messlicht
auf die Küvette in der Probenkammer (Schichtdicke = 1 cm). Durch einen Magnetrührer unter der Probenkammer konnte die Probe in der Küvette gerührt werden. Das
Messlicht wurde von einem Photomultiplier PHILIPS XP2013B (10 Dynoden;
semitransparente Photokathode Typ S20) detektiert. Der Anodenstrom des
Photomultipliers wurde in Spannung umgewandelt und zu einem Drei-PhasenVerstärker weitergeleitet. Am Verstärker konnte eine Gegenspannung angelegt
werden, um das vom Messlicht hervorgerufene Spannungssignal im Photomultiplier
zu kompensieren, so dass auch kleine Änderungen des Signals mit ausreichender
Auflösung gemessen werden können. Um eine Anregung der Probe durch das
Messlicht zu vermeiden, wurde die Probe dem Messlicht nur für die für die Messung
erforderliche Zeit (durch Öffnen und Schließen eines Shutters im Messlicht
Strahlengang) ausgesetzt.
Das System wurde durch eine Photodiode vervollständigt, der ein Teil des
Messlichtes (10%) mittels eines Strahlteilers zugeleitet wurde. Diese Anordnung
wurde für langsame Messungen (Messdauer länger als 50 ms) verwendet, um die
Qualität der Signale zu verbessern, die bei diesen Bedingungen unter den kleinen
Änderungen der Lichtintensität des Messlichtes leiden. Dazu wurde das Signal des
Photomultipliers mit dem Signal der Photodiode (vor der Probe) nach entsprechender
Verstärkung verglichen und normalisiert.
97
Materialien und Methoden
Für die Anregung der Probe wurde eine Xenonlampe (EG&G; Pulsbreite 4 µs)
verwendet, die im rechten Winkel zum Messstrahl in die Probenkammer eingekoppelt
wurde. Das Anregungslicht wurde durch einen Kodak Wratten 88 A Filter
(durchlässig für den Spektralbereich zwischen 730 und 950 nm) geleitet.
Das System zur Datenaufnahme bestand aus einem digitalen Oszilloskop (Le Croy
9410, 100 MHz) mit einem Interface zu einem Personal Computer.
Zu Beginn der Messung wurde durch Auslösung eines Schalters der Lichtschalter
geöffnet, der Magnetrührer gestoppt und der Ventilator für die Kühlung der Lampe
ausgeschaltet (um mechanische Schwingungen auszuschließen) sowie zeitlich
verzögert der Impulsgenerator aktiviert, der die Signale zur Auslösung der Blitzlampe
für die Anregung sowie zur Auslösung der Datenaufzeichnung am Oszilloskop
weiterleitet.
In Abbildung B.2.5.2.1.1 ist ein Schema der beschriebenen Messanordnung
dargestellt. Die Zeitauflösung der gesamten Apparatur war, durch die Dauer des
Anregungsblitzes bedingt, auf einige µs begrenzt.
98
Materialien und Methoden
1 Lampe
2 Betreiber der Lampe
3 Doppelter Monochromator
4 Beam Splitter
5 Photodiode
6 Probenkammer
7 Photomultiplier
8 Blitzlampe
9 Impulsgenerator
10 Betreiber der Blitzlampe
11 Platinelektrode
12 Calomel-Referenzelektrode
13 Salzbrücke
14 Voltmeter
15 Argonflasche
16 Magnetrührer für die Probe
17 Verstärker und Betreiber des Photomultipliers
18 Oszilloskop
19 Trigger
20 Verstärker der Photodiode
21 Personal Computer
22 Monitor
23 Shutter
Abbildung B.2.5.2.1.1: Messanordnung für die transiente Absorptionsspektroskopie
an Membranen aus Roseobacter denitrificans. Die Redoxküvette (siehe Kapitel B.2.6.)
wird in der Probenkammer 6 eingesetzt und angeschlossen. Die Zeitauflösung der gesamten
Apparatur beträgt einige µs, bedingt durch die Dauer des Anregungsblitzes.
99
Materialien und Methoden
B.2.5.2.2. Probenvorbereitung und Messbedingungen
Die Membranen wurden mit einer Endkonzentration an Bacteriochlorophyll von 10 15 µM in Mops-Puffer II pH = 7,0 suspendiert.
Die Konzentration der Reaktionszentren in der Membransuspension wurde aus der
Absorptionsänderung, die bei 605 nm gemessen wurde und dem Extinktionskoeffizienten ∆ε605 = 19,5 mM-1cm-1 [156, 157] mit Hilfe des Lambert-Beer Gesetzes
(Gleichung B.1.2.3.1.1, Kapitel B.1.2.5.) berechnet. Zur Bestimmung wurde die
Wellenlänge λ = 605 nm gewählt, da sie das maximale Ausbleichen der Bande nach
Anregung
durch
Licht
zeigt
und
keine
Interferenzen
durch
andere
Redoxkomponenten vorhanden sind.
Es wurden 10 µM Valinomycin und 10 µM Nigericin zugegeben. Diese Entkoppler
(oder Ionophoren) heben das Membranpotential der Membran und die pH-Differenz
zwischen
Cytoplasma
und
Periplasma
auf,
das
durch
den
zyklischen
Elektronentransfer erzeugt wird. Valinomycin macht die Membran für K+-Kationen
durchlässig, während Nigericin den ladungsneutralen Austausch von H+ und K+
durch die Membran katalysiert.
Die Mediatoren wurden mit einer Konzentration von 10 µM zugesetzt, außer
Diaminodurol, Phenazin Methosulfat und Phenazin Ethosulfat, die mit einer
Konzentration von 5 µM eingesetzt wurden. Nicht alle Mediatoren wurden in allen
kinetischen Messungen eingesetzt (siehe hierzu Kapitel C.3.2.).
Antimycin A und Myxothiazol wurden als spezifische Inhibitoren des Cytochrom bc1
Komplexes mit einer Konzentration von 10 µM bzw. 0,5 µM bei bestimmten
Experimenten zugesetzt (siehe Kapitel C.3.2.). Antimycin A bindet an der QiBindungstelle des Cytochrom bc1 Komplexes, Myxothiazol an der Qo-Bindungsstelle
und verhindern so die Bindung von Ubichinon (siehe Kapitel D.2.). Myxothiazol
bindet auch an der QB-Bindungstelle im Reaktionszentrum, wie in Rhodobacter
sphaeroides nachgewiesen wurde [158], wenn auch mit einer geringeren Affinität
(Dissoziationskonstante KD = 1,5
.
10-5 M). Daher wurde die Konzentration von
Myxothiazol in der Probe so gering gehalten (0,5 µM), dass keine Inhibierung der
Photochemie im Reaktionszentrum stattfinden konnte.
Das
Redoxpotential
der
Membransuspension
wurde
durch
Zugabe
von
Reduktionsmitteln (Natriumascorbat und Natriumdithionit) oder von Oxidationsmitteln
(Kaliumhexacyanoferrat) eingestellt (siehe Kapitel B.2.6.).
100
Materialien und Methoden
Um die Trübung der Probe zu reduzieren und damit das Signal-Rausch-Verhältnis zu
verbessern, wurden die Proben vor Zugabe der Mediatoren, der Entkoppler und der
Inhibitoren auf Eiswasser beschallt (MSE Sonifier, Stufe 3, mittlere Stärke; 3 x 3 s mit
60 s Pause).
In Abbildung B.2.5.2.2.1 ist eine typische Messkurve dargestellt: Die lichtinduzierte
Absorptionsänderung bei einer bestimmten Wellenlänge und bei einem bestimmten
eingestellten Redoxpotential ist gegen die Zeit aufgetragen. Im Zeitpunkt t = 0 und
t = 500 ms erfolgt jeweils eine Anregung des Systems mit einem Blitz. Um ein
besseres Signal-Rausch-Verhältniss zu erhalten, wurden je nach Messbedingungen
bis zu 64 Messungen gemittelt (siehe Angaben in Kapitel C.3.2.). Aus den
gemessenen Kinetiken wurde die Änderung der Amplitude bei der gewählten
Wellenlänge zu einem bestimmten Zeitpunkt nach der Anregung ermittelt. Die
erhaltenen
Absorptionsänderungen
wurden
dann
in
Abhängigkeit
von
der
Wellenlänge („Differenzspektren“), vom angelegten Redoxpotential Eh („Titrationen“)
Absorptionsänderung, ∆ A 430 x 10
3
sowie von Viskosität und Ionenstärke graphisch dargestellt (siehe Kapitel C.3.2.).
5
4
3
2
+ Antim ycin
+ M yxothiazol
1
0
0
500
1000
Zeit (ms)
Abbildung B.2.5.2.2.1: Einfluss von Inhibitoren auf den lichtinduzierten zyklischen
Elektronentransfer in Membranen aus Roseobacter denitrificans. Bei t = 0 und t = 500
ms erfolgt jeweils eine Anregung durch einen Blitz. Die Messung erfolgte bei Eh = 390 mV
unter Zugabe der Inhibitoren Myxothiazol und Antimycin A bei 430 nm (Soret-Bande der
Cytochrome des Typs b). Es wurden 64 Messungen mit einer Dunkelzeit von 90 s zwischen
den einzelnen Messungen gemittelt (weitere Details finden sich in Kapitel C.3.2.).
101
Materialien und Methoden
B.2.6. Redox-Potentiometrie
Die kinetischen Untersuchungen der lichtinduzierten Elektronentransferreaktionen an
suspendierten Membranen aus Roseobacter denitrificans erfordern eine genaue
Kontrolle der Redoxzustände der beteiligten Redoxpartner und damit des
Redoxpotentials der Suspension. Um dies zu gewährleisten, wurde für die
Messungen eine spezielle Redoxküvette verwendet, die es ermöglicht, während der
Messung strikt anaerobe Bedingungen einzuhalten. Abbildung B.2.6.1 zeigt eine
schematische Darstellung der Küvette und in Abbildung B.2.5.2.1.1 ist dargestellt
wie sie in das Spektrometer eingebaut wird.
Pt-Elektrode
Argon
Argon
zur Kalomel-Referenzelektrode
Küvette mit der Probe
Rührer
Abbildung B.2.6.1: Schematische Darstellung der Redoxküvette. Die Platin-Elektrode
taucht in die Probe ein. Es besteht ein Kontakt über eine Salzbrücke zur Kalomel-ReferenzElektrode. Die Probe kann gerührt werden und wird unter Argon (d.h. sauerstofffrei)
gehalten. Die Funktionsweise ist im Text beschrieben.
102
Materialien und Methoden
Zur Einstellung des Redoxpotentials der Suspension wurde die Redoxküvette unter
konstantem Argondurchfluss gehalten und die Suspension mit einem Magnetrührer
gerührt. Das Redoxpotential wurde mittels einer Platinelektrode (Radiometer Pt 100),
dessen Platinplättchen direkt in die Membran-Suspension tauchen, und einer
Kalomel-Referenzelektrode gemessen.
Das Redoxpotential der Kalomel-Referenzelektrode Eh(cal) gegen die StandardWasserstoffelektrode (SHE) bei einer bestimmten Temperatur T ist durch folgende
Gleichung gegeben:
Eh(cal)= 260,6 mV - (0,69 mV/°C x T)
Gleichung B.2.6.1
Das Redoxpotential der Suspension (und damit der Redoxzustand der am
Elektronentransfer
beteiligten
Redoxpartner)
wurde
durch
Zugabe
von
Reduktionsmitteln (Natriumascorbat und Natriumdithionit) oder von Oxidationsmitteln
(Kaliumhexacyanoferrat)
eingestellt.
Das
eingestellte
Redoxpotential
der
Membransuspension bewirkt in Abhängigkeit des jeweiligen Halbstufenpotentials die
Reduktion oder Oxidation der Redoxkomponente. Damit kommt es nach Anregung
durch Licht je nach eingestellten Redoxpotential zu unterschiedlichen Redox- bzw.
Elektronentransfer-Reaktionen, deren Untersuchung Gegenstand dieser Arbeit ist.
Der reduzierte bzw. oxidierte Anteil einer Redoxkomponente bei einem bestimmten
Redoxpotential wird mit Hilfe der Nernst-Gleichung (Gleichung B.2.6.3) berechnet.
Für den Redox-Prozess an einer Elektrode gilt:
ox + z e-
red
Gleichung B.2.6.2
Die Nernst-Gleichung ergibt sich zu:
E = E +
RT
zF
ln
aox
Gleichung B.2.6.3
ared
mit:
E ≡ Elektrodenpotential
E ≡ Standardpotential der Elektrode
aox ≡ Aktivität der Spezies im oxidierten Zustand
ared ≡ Aktivität der Spezies im reduzierten Zustand
103
Materialien und Methoden
R ≡ Gaskonstante ≡ 8,31441 JK-1mol-1
T ≡ Temperatur in K
z ≡ stöchiometrischer Faktor der Elektronen
F ≡ Faraday-Konstante ≡ 9,64846 104 Cmol-1
Es ist:
E=E +
RT
zF
ln
fox
fred
+
RT
zF
ln
cox
Gleichung B.2.6.4
cred
mit:
fox ≡ Aktivitätskoeffizient der Spezies im oxidierten Zustand
fred ≡ Aktivitätskoeffizient der Spezies im reduzierten Zustand
cox ≡ Konzentration der Spezies im oxidierten Zustand
cred ≡ Konzentration der Spezies im reduzierten Zustand
Bei biochemischen Prozessen setzt man meistens voraus, dass:
fox = fred ≈ 1
Gleichung B.2.6.5
Somit können statt der Aktivitäten die Konzentrationen der entsprechenden Spezies
verwendet
werden.
Darüber
hinaus
wird
zumeist
noch
der
biochemische
Standardzustand (c[H+] = 10-7 M und die Konzentrationen sind die Summenkonzentrationen der jeweiligen Stoffe) eingeführt:
Eh = E’m,7 +
RT
zF
ln
cox
Gleichung B.2.6.6
cred
Für den Fall, dass
Gleichung B.2.6.7
cox = cred
ergibt sich
Eh = E’m,7 ≡ Em,7
Gleichung B.2.6.8
104
Materialien und Methoden
Der Wert von Em,7 wird als Halbstufenpotential bezeichnet und bei pH = 7 gemessen.
Zum Beispiel berechnet sich der Anteil an oxidierten H1 (Em,7 = 290 mV) der
tetrahämen
Cytochrom
c-Untereinheit
des
Reaktionszentrums
bei
einem
eingestellten Redoxpotential Eh = 375 mV (siehe Kapitel C.3.2.2.) wie folgt:
Eh = Em,7 +
RT
zF
ln
cox
Gleichung B.2.6.9
cred
mit:
Em,7 = 290 mV
Eh = 375 mV
zu:
ln
cox
cred
= (0,375 - 0,29) V / 0,0257 V
Gleichung B.2.6.10
das Verhältnis von oxidiertem zu reduziertem Anteil von H1 beträgt somit:
cox
cred
= 27,39
Gleichung B.2.6.11
und damit erhält man für den oxidierten Anteil von H1:
cox
cges
Gleichung B.2.6.12
= 0,96
mit:
Gleichung B.2.6.13
cges = cox + cred
Um eine schnelle Gleichgewichtseinstellung zwischen dem biologischen System und
der externen wässrigen Umgebung, in der die Messelektroden eintauchen,
herzustellen, ist der Einsatz von Redoxmediatoren notwendig. Dies sind organische
Moleküle mit partiell hydrophoben Eigenschaften und von geringerer Größe als die
105
Materialien und Methoden
zu untersuchenden Komponenten, die in der Lage sind sowohl mit den biologischen
Redoxzentren als auch mit den gelösten Redoxstoffen zu reagieren, so dass sie die
Oxidations- bzw. Reduktionsmittel aus der wässrigen Umgebung dem Protein
zugänglich machen. Ohne den Einsatz von Mediatoren wären die Redoxzentren des
zu untersuchenden Systems durch die Proteinstruktur von der wässrigen Umgebung
abgeschirmt.
Die wichtigsten Voraussetzungen für Redoxmediatoren sind:
- Sie müssen wirksam und reversibel sowohl mit der Elektrode als auch mit den
biologischen Proteinkomplexen reagieren.
- Sie müssen stabil in Bezug auf Oxidation und Reduktion sein.
- Sie dürfen keine durch eine Änderung ihres Redoxzustands bedingte
Absorptionsänderungen im Wellenlängenbereich des Spektrums der zu
untersuchenden Redoxpartner des Proteins zeigen.
In Tabelle B.2.6.1 werden die in dieser Arbeit verwendeten Mediatoren und ihre
Redoxpotentiale bei pH = 7 (Em,7) sowie deren pH-Abhängigkeit aufgelistet.
Tabelle B.2.6.1: Verwendete Redoxmediatoren mit ihrem Halbstufenpotential bei
pH = 7,0, den pKA-Werten und der Molmasse [159-162].
Halbstufenpotential
gegen SHE1 (mV)
pKA-Werte
Molmasse
(g/mol)
Diaminoduren
+275
6,6 ; 7,7
164,25
p-Benzochinon
+280
9,85 ; 11,4
108,1
1,2-Naphthochinon
+145
-
158,16
1,4-Naphthochinon
+36
-
158,16
Durochinon
+5
-
164,2
Phenazin Methosulfat
+85
9,0
306,3
Phenazin Ethosulfat
+65
9,0
334,4
2-Hydroxy-Naphthochinon
-220
8,2
174,16
Mediator
1
Standardwasserstoffelektrode
106
Materialien und Methoden
B.2.7. Bestimmung des Ubichinongehalts in der Membran
aus Roseobacter denitrificans
Der Ubichinongehalt in der Membran aus Roseobacter denitrificans wurde durch
vollständige Extraktion und Reverse-phase HPLC Analyse mit einer ODS-Säule
bestimmt [163].
Die Membranen wurden in 50 mM Mops / 100 mM KCl-Puffer (pH = 7) resuspendiert
und dreimal mit einem Methanol/Petrolether-Gemisch im Verhältnis 6 : 4 extrahiert.
Die drei Extrakte wurden vereint und die Etherphase wurde eingedampft. Die so
erhaltenen eingetrockneten Proben wurden in Ethanol (HPLC grade) gelöst.
Zur Analyse wurde die Elution auf einer HPLC-Säule bei 275 nm verfolgt. Die mobile
Phase enthielt 96% Ethanol und 4% H2O. Es wurde eine Eichung mit reinem
Ubichinon
in
verschiedenen
Konzentrationen
erstellt.
Durch
Vergleich
der
Chromatogramme der zu untersuchenden Extrakte mit denen der reinen UbichinonProben konnte Ubichinon klar von anderen Komponenten im Extrakt unterschieden
werden. Die integrierten Banden vom Elutionsprofil des reinen Ubichinons sind
proportional zur Konzentration an Ubichinon in der Probe im Bereich zwischen 0 und
240 pmol. Es wurde eine Eichkurve erstellt, die zur Bestimmung der Konzentration an
Ubichinon in den Extrakten verwendet wurde.
107
Ergebnisse
C. Ergebnisse
C.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans
Die Anzucht von Roseobacter denitrificans erfolgte standardmäßig in einer statischen
Kultur in einem 28 l-Fermenter bzw. in einem 200 l-Fermenter nach einer
modifizierten Vorschrift von Y. Shioi [144], wie in Kapitel B.2.1. beschrieben.
Das Kulturmedium wurde leicht verändert. Die Zusammensetzung der Salze wurde
vereinfacht. Es wurden andere organische Substrate verwendet, und vor allem
wurden neben dem Vitamine-Cocktail auch ein Spurenelemente-Cocktail zugegeben
(vgl. Kapitel B.2.1.). Die Belüftung der Kultur im Fermenter wurde durch die
Luftzufuhr über eine Pressluftpumpe und die Rührergeschwindigkeit eingestellt. Die
Anzucht wurde bei 30°C durchgeführt.
Das Ziel war, eine möglichst hohe Ausbeute an Zellen zu erhalten, die einen hohen
Anteil an Bacteriochlorophyll in der Membran aufweisen sollten, wenig Carotinoide
bilden und bei denen das Mengenverhältnis RC/LH I : LH II zu Gunsten der
Reaktionszentren verschoben sein sollte. Eine erhöhte Luftzufuhr begünstigt das
Wachstum (nach T. Shiba [164] erhält man bei 55% O2 die optimale
Wachstumsrate), kann aber auch zur vermehrten Bildung von Lipopolysacchariden
auf der äußeren Membran führen, die den Aufschluss der Zellen in der French-Press
und das Gewinnen von Membranen (siehe Kapitel B.2.2. bzw. B.2.3.) erschwert
bzw. verhindert [165]. Daher wurde in der Anfangsphase eine geringere Luftzufuhr
und Rührergeschwindigkeit verwendet (ca. 70% O2 und 200 bis 250 rpm
Rührergeschwindigkeit im 28 l-Fermenter; ca. 40 l/min Luftzufuhr und 150 bis
200 rpm Rührergeschwindigkeit im 200 l-Fermenter), die während der exponentiellen
Wachstumsphase erhöht wurde, um das Zellwachstum zu begünstigen (85% O2 und
300 rpm Rührergeschwindigkeit im 28 l-Fermenter; 80 l/min Luftzufuhr und 250 rpm
Rührergeschwindigkeit im 200 l-Fermenter).
Es wurde versucht, durch Variierung der Luftzufuhr und der Rührergeschwindigkeit
das Verhältnis von BCHl : Carotinoide (1:10) zu verbessern, um die Isolierung des
Reaktionszentrums aus den Zellen zu erleichtern. Es konnte aber kein Effekt
nachgewiesen werden. Auch das Verhältnis von RC-LH I-Komplex zu LH II konnte
nicht verbessert werden. Die Bildung von LH II kann durch Licht inhibiert werden
109
Ergebnisse
[166]; dies war aber bei den verwendeten Fermentern nicht durchzuführen. Ein
weiteres
Problem
für
den
Zellaufschluss
könnten
Einlagerungen
von
Polysacchariden, Polyhydroxyalkanoaten und Polyphosphaten in die Zelle darstellen,
die
bei
bestimmten
Wachstumsbedingungen
stattfinden
können
[109]. Ein
ungünstiges Verhältnis von C und N im Nährmedium könnte sich negativ auswirken,
allerdings ist über die genaue Ursache und Bedingungen für solche Einlagerungen
nichts bekannt.
Es wurde mit einer kleinen Menge an Bakterienzellen angeimpft (insbesondere beim
großen Fermenter mit 200 l Arbeitsvolumen), was zwar eine längere lag-Phase
bedingte, wodurch aber ein stärkeres Wachstum der Zellen und eine bessere Bildung
von
Bacteriochlorophyll
(gemessen
anhand
der
charakteristischen
Absorptionsmaxima im Spektrum bei 810 nm (RC-LH I) und 870 nm (LH II)) erreicht
werden konnte. Das Wachstum der Zellen im 28 l-Fermenter wurde durch die
Messung der Zunahme der Trübung der Zellsuspension mittels der optischen Dichte
bei 660 nm, das Wachstum der Zellen im 200 l-Fermeter analog durch die Messung
der optischen Dichte bei 578 nm verfolgt. Nach dem Animpfen betrug die optische
Dichte im 28 l-Fermenter OD660 ≈ 0,05 bis 0,1 und im 200 l-Fermenter OD578 ≈ 0,005
bis 0,01.
Standardmäßig wurde eine Wachstumskurve aufgenommen, indem die Absorption
als Maß der Zellmenge gegen die Zeit aufgetragen wurde, um den geeigneten
Zeitpunkt für das Ernten der Zellen zu ermitteln. Die Wachstumskurve hat eine
sigmoidale Gestalt, bei der verschiedene Wachstumsphasen unterschieden werden:
-
lag-Phase: Sie umfasst das Zeitintervall zwischen dem Impfen und Erreichen der
maximalen Teilungsphase. Ihre Länge ist abhängig von der Menge und
Konzentration der zum Impfen verwendeten Vorkultur sowie von den Bakterienund Nährmedium-Eigenschaften.
-
log-Phase:
Sie
wird
durch
eine
konstante
minimale
charakterisiert, die von der Bakterienart abhängt.
-
stationäre Phase: In dieser Phase hört das Zellenwachstum auf.
-
letale Phase: Hier beginnen die Zellen abzusterben.
110
Generationszeit
Ergebnisse
In den Abbildungen C.1.1 und C.1.2 sind die Wachstumskurven der Anzucht von
Roseobacter denitrificans im 28 l-Fermenter bzw. im 200 l-Fermenter dargestellt.
Absorption, A 660
1,5
1,0
0,5
0,0
0
5
10
15
20
25
Zeit (h)
Abbildung C.1.1: Wachstumskurve der Anzucht von Roseobacter denitrificans
Bakterien im 28 l-Fermenter. Bei dieser Anzucht wurde bei einer OD660 ≈ 1,7 abgeerntet.
4
Absorption, A578
3
2
1
0
0
5
10
15
20
25
30
Zeit (h)
Abbildung C.1.2: Wachstumskurve der Anzucht von Roseobacter denitrificans
Bakterien im 200 l-Fermenter. Man beachte die relativ lange lag-Phase von ca. 15 h. Es
wurde bei einer OD578 ≈ 3,0 abgeerntet.
111
Ergebnisse
Die Fermentation wurde am Ende der log-Phase abgebrochen, um die Zellen mit
einer
Durchflusszentrifuge
abzuernten.
Um
das
Absterben
und
andere
Veränderungen der Zellen, die das Verarbeiten der Zellen beeinträchtigen könnten,
in dieser Zeit zu verhindern, wurde die Kultur sofort auf 10°C abgekühlt. Die
geernteten Zellen wurden anschließend bei -80°C eingefroren.
Die Ausbeute im 28 l-Fermenter nach ca. 17 bis 20 h Laufzeit betrug 3,5 bis 4,0 g/l
Medium (Nassgewicht); die Ausbeute im 200 l-Fermenter nach ca. 30 h Laufzeit
betrug ca. 3,5 g/l Medium (Nassgewicht). In Tabelle C.1.1 sind die im Text
beschriebenen Daten zu der Anzucht im Fermenter zusammengefasst.
Tabelle C.1.1: Zusammenfassung der Bedingungen und Ergebnisse für die Anzucht
von Roseobacter denitrificans im 28 l-Fermenter und im 200 l-Fermenter (siehe auch
Text).
OD660 beim Animpfen
OD578 beim Animpfen
T (°C)
O2 während der lag-Phase (%)
Luftzufuhr während der lag-Phase
(l/min)
O2 während der log-Phase (%)
Luftzufuhr während der log-Phase
(l/min)
Laufzeit (h)
Länge der lag-Phase (h)
OD660 beim Ernten der Zellen
OD578 beim Ernten der Zellen
Ausbeute (g Nassgewicht/ l Medium)
112
28 l-Fermenter
0,05 - 0,1
30
70
-
200 l-Fermenter
0,005 - 0,01
30
40
85
-
80
17 - 20
5-8
1,8 - 2,3
3,5 - 4,0
28 - 30
15 - 16
2,5 - 3,0
3,0 - 3,5
Ergebnisse
C.2. Untersuchungen an isolierten Reaktionszentren
aus Roseobacter denitrificans
C.2.1. Isolation der Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans
Grundsätzlich umfasst die Isolation eines Membranproteins folgende Schritte:
-
Aufbrechen der Zellen;
-
Gewinnung
von
Membranvesikel
bzw.
Chromatophoren
oder
von
Membranfragmenten;
-
Solubilisierung der Membranproteine mit einem geeigneten Detergens;
-
Abtrennung des gewünschten Membranproteins.
Bei der Isolation von Reaktionszentren aus Purpurbakterien werden u.a. modifizierte
Vorschriften nach der Methode von G. Feher und M.Y. Okamura für Rhodobacter
sphaeroides [167] verwendet. Bei dieser Methode werden nach dem Zellaufschluss
die
gewonnenen
Chromatophoren
mit
LDAO
zur
Solubilisierung
der
Membranproteine behandelt und die Reaktionszentren mittels AnionenaustauschChromatographie von den restlichen Proteinen abgetrennt.
Dieses
Präparationsschema
kann
im
Prinzip
auch
bei
der
Isolation
der
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans angewendet werden [128]. Es
beinhaltet im wesentlichen folgende Schritte:
-
Aufbrechen der Zellen mit einer French Press;
-
Gewinnung der Chromatophoren durch fraktionierende Zentrifugation;
-
Vorsolubilisierung und Solubilisierung der Membranproteine mit LDAO;
-
Abtrennung
der
Reaktionszentren
über
eine
DEAE-Sephacel-
Anionenaustausch-Säule durch Elution mit NaCl.
Daneben wird in der Literatur ein anderes Verfahren beschrieben, was auf einer
Dichtegradientenzentrifugation
beruht.
Dieses
Verfahren
wurde
bereits
sehr
+
erfolgreich zur Reinigung der H -ATPase aus Spinat-Chloroplasten (CF0F1) [168]
und aus Escherichia coli (EF0F1) [169] verwendet. Auch bei der Isolation von
113
Ergebnisse
Lichtsammelkomplexen aus photosynthetischen Bakterien [170] fand die Methode
mit den folgenden Schritten Anwendung:
-
Aufbrechen der Zellen mit einer French Press;
-
Gewinnung von Membranvesikel durch Ultrazentrifugation;
-
Abtrennung der Cytoplasmamembran durch Dichtegradientenzentrifugation;
-
Solubilisierung der Membranproteine mit LDAO;
-
Abtrennung von LH I und LH II durch Dichtegradientenzentrifugation;
-
Weitere Aufreinigung von LH I und LH II durch AnionenaustauschChromatographie.
Ziel der Arbeit war funktionale Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans in
möglichst hoher Ausbeute mit allen Untereinheiten (H, M, L und C; siehe Kapitel
A.4.4.) und Cofaktoren zu erhalten. Die Funktionalität der Reaktionszentren wurde
über die Ladungsrekombination vom primären Akzeptor QA bzw. vom sekundären
Akzeptor QB zum primären Donator P nachgewiesen.
C.2.1.1. Isolation der Reaktionszentren aus
denitrificans nach der Vorschrift von K. Takamiya
Roseobacter
Zunächst wurden die Reaktionszentren nach der Vorschrift von K. Takamiya et al.
[128, 131, 146, 147] isoliert und aufgereinigt. Die Isolationsvorschrift ist in Kapitel
B.2.3.1. beschrieben, die verwendeten Lösungen in Kapitel B.1.2.2..
Bei allen Präparationen wurden die Zellen zunächst mittels einer French Press
aufgebrochen (siehe Kapitel B.2.2.).
Da bei einigen Präparationen nach dem Zellaufschluss im SDS-Gel keine
Proteinbanden
mehr
erkennbar
waren,
schloss
man
daraus,
dass
beim
Zellaufschluss Proteasen freigesetzt wurden, die die Proteine zerstören. In den
folgenden Präparationen wurde dies behoben, indem beim Zellaufschluss das
Protease-Inhibitoren-Cocktail Complete (Boehringer) und 1 mM EDTA zugegeben
wurde.
114
Ergebnisse
Bei einigen Präparationen ließen sich die Zellen nicht aufschließen und oft war die
Ausbeute an gewonnenen Membranen nach dem Zellaufschluss sehr gering. Daher
wurde der Zellaufschluss einer Zellsuspension mit der French Press bis zu 5x
hintereinander mit dem maximalen Druck (27000 psi) wiederholt. Alternativ wurde die
Zellsuspension mit Ultraschall behandelt, um die Zellen aufzuschließen. Keine dieser
Methoden verbesserte den Zellaufschluss. Bei diesen Untersuchungen wurde aber
festgestellt, dass die Zellsuspension sich im Laufe der Zeit verändert (obwohl die
Präparationsschritte bei 4°C durchgeführt wurden) und zu einer leicht zähflüssigen
und schäumenden Suspension wurde, die sich dann nicht mehr aufschließen ließ.
Um dies zu vermeiden, wurden die Zellen in den folgenden Präparationen im
Kühlschrank bei 4°C über Nacht aufgetaut, in 4°C kalten Puffer resuspendiert,
homogenisiert und gewaschen sowie danach sofort und zügig in der vorgekühlten
French Press mit einem Durchgang bei 27000 psi aufgebrochen und die Membranen
durch Zentrifugation bei 4°C gewonnen. Dennoch konnten bei einigen Präparationen
die Zellen nicht oder nicht vollständig aufgeschlossen werden, was auf ein
unterschiedliches Wachstum der Zellen zurückgeführt wurde (siehe Kapitel C.1.).
Im Folgenden soll der Verlauf und das Ergebnis der Isolation und Reinigung von
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans nach der Vorschrift von K. Takamiya
et al. [128] beschrieben werden. Abweichend zur Vorschrift wie in Kapitel B.2.3.1.
beschrieben wurde mit 0,4% LDAO solubilisiert, da die Bacteriochlorophyllkonzentration in der Membransuspension nach dem Zellaufschluss nur 0,16 mM
(anstatt 0,2 mM) betrug. Es wurden zwei Anionenaustausch-Reinigungsschritte
durchgeführt und dabei 15 ODV bzw. 5 mg Reaktionszentren aus ca. 65 g Zellen von
Roseobacter denitrificans gewonnen.
Abbildung C.2.1.1.1 zeigt die UV-VIS-Absorptionsspektren der Zellen von
Roseobacter denitrificans zwischen 660 und 900 nm vor Beginn der Präparation und
im Verlauf der Isolation der Reaktionszentren beginnend mit der Abtrennung der
Membranen vom Cytoplasma und größeren Membranen zwischen 700 und 900 nm
bzw. zwischen 300 und 900 nm. Im Spektrum der Zellen erkennt man die
charakteristischen Absorptionsbanden des LH II bei 806 nm und des LH I-RCKomplexes bei 870 nm, die auch nach Isolation der Membranen erhalten bleiben. Im
Spektrum der Membranen wird lediglich die Trübung der Probe stark reduziert. Nach
der Solubilisierung mit 0,4% LDAO ändert sich das Spektrum deutlich. Jetzt sind
115
Ergebnisse
Absorptionsbanden von an Protein gebundenem Bacteriochlorophyll im Bereich
zwischen 700 und 900 nm zu erkennen, die sowohl von Reaktionszentren als auch
von LH I und LH II herrühren. Das Spektrum zwischen 300 und 600 nm ändert sich
ebenfalls im Vergleich zum Spektrum von Membranen (siehe Kapitel C.2.2.). Nach
der 1. Anionenaustausch-Säule entspricht das Spektrum schon weitgehend dem
typischen Spektrum isolierter Reaktionszentren (vgl. Abbildung B.2.4.4.3), lediglich
die Amplituden der Banden, insbesondere die Amplituden der Banden bei 750, 802
und 860 nm, stehen noch nicht im richtigen Verhältnis zueinander, was auf noch
vorhandene Verunreinigungen hindeutet. Das Spektrum nach weiterer Reinigung
durch eine 2. Anionenaustausch-Säule entspricht dem Spektrum gereinigter
Reaktionszentren (vgl. Abbildung B.2.4.4.3).
116
Ergebnisse
A
0,45
1,85
1,80
1,75
0,40
Absorption
Absorption
1,90
B
Membranen
0,35
0,30
0,25
0,20
Zellen
0,15
1,70
700
750
800
850
700
Wellenlänge (nm)
750
Absorption
0 ,6
Solubilisierung mit 0,4%
LDAO
0 ,4
800
850
Wellenlänge (nm)
C
0 ,2
0 ,0
300
400
500
600
700
800
Wellenlänge (nm)
0 ,4
Absorption
D
1. DEAE-SäulenChromatographie
0 ,3
0 ,2
0 ,1
0 ,0
400
500
600
700
800
Wellenlänge (nm)
E
0 ,1 0
gereinigte
Reaktionszentren
Absorption
0 ,0 8
0 ,0 6
0 ,0 4
0 ,0 2
0 ,0 0
400
500
600
700
800
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.2.1.1.1: Verlauf der Isolation von Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach K. Takamiya. (A) Zellsuspension, (B) nach Isolation der Membranen,
(C) nach Solubilisierung mit 0,4% LDAO (D) nach der Isolation von Reaktionszentren und
Aufreinigung mit einer Anionenaustausch-Säule und (E) die gereinigten Reaktionszentren
nach der zweiten Anionenaustausch-Säule.
117
Ergebnisse
Abbildung C.2.1.1.2 zeigt das SDS-Gel der isolierten Reaktionszentren. Die Proben
wurden vorbereitet wie in Kapitel B.2.4.3. beschrieben. Im SDS-Gel sind die
Untereinheiten M, L und die Cytochrom c-Untereinheit des Reaktionszentrums zu
erkennen, während die H-Untereinheit fehlt. Die isolierten Reaktionszentren zeigen
auch keinerlei Rekombinationskinetik (vgl. Kapitel B.2.5.1.3.). Mit dieser Methode
konnten also keine aktiven Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans erhalten
werden, da die H-Untereinheit während der Präparation abdissoziierte und
möglicherweise weitere Schädigungen des Reaktionszentrums auftraten.
94000
67000
Cyt
43000
M
L
H
M
L
30000
20000
14000
RC I
RC II
RC III
Ref
sphe
Abbildung C.2.1.1.2: SDS-Gel von isolierten Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach der Vorschrift von K. Takamiya [128].. RC I, RC II und RC III
sind verschiedene gesammelte Fraktionen an Reaktionszentren aus einer Präparation.
Ref ist der Proteinstandard mit den angegebenen Molmassen und sphe sind
aufgereinigte Reaktionszentren aus Rhodobacter sphaeroides. Weitere Erläuterungen
im Text.
118
Ergebnisse
C.2.1.2. Isolation der Reaktionszentren aus
denitrificans durch Dichtegradientenfraktionierung
Roseobacter
Als Nächstes wurde in Zusammenarbeit mit N. Gad’on, Arbeitskreis Prof. Dr. G.
Fuchs, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Biologie, Mikrobiologie die
Methode
der
Dichtegradientenfraktionierung
getestet,
um
reine
intakte
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans zu isolieren. Die verwendete
Vorschrift ist in Kapitel B.2.3.2. beschrieben, die Lösungen in Kapitel B.1.2.2.. Diese
Methode lieferte sehr reine und stabile Reaktionszentren. Dennoch musste diese
Methode verworfen werden, da sie nur kleine Mengen verarbeiten kann. Für die
Präparation von Reaktionszentren aus 100 g Zellen sind 10 und mehr
Dichtegradientenzentrifugationen nötig, denn die Ausbeute an Reaktionszentren ist
eher gering (ca. 10 - 15 ODV bzw. 3 - 5 mg Reaktionszentren aus 100 g Zellen), was
möglicherweise auch auf Verluste bei der Entnahme der gewünschten Fraktion aus
dem Dichtegradienten zurückzuführen ist. Auf eine weitere spektroskopische
Charakterisierung wurde aus diesen Gründen verzichtet.
C.2.1.3. Isolation der Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach der modifizierten Vorschrift von K. Takamiya
Wie in Kapitel C.2.1.1. beschrieben, konnten nach der Vorschrift von K. Takamiya et
al. [128] keine intakten und aktiven Reaktionszentren isoliert werden. Daher wurde
diese Vorschrift wie im Folgenden dargestellt modifiziert.
Solubilisierung der Membranproteine mit LDAO
Die Solubilisierung der Membranproteine mit LDAO wurde untersucht, um die
Ausbeute an Reaktionszentren zu erhöhen. Dazu wurde die Konzentration an
zugegebenem Detergens variiert (Abbildung C.2.1.3.1). Die Vorsolubilisierung nach
K. Takamiya et al. [128], die die Membranstruktur aufweiten soll, um die Effektivität
der darauffolgenden Solubilisierung zu erhöhen, wurde beibehalten. Hierzu wurden
die Membranen mit einer Bacteriochlorophyll-Konzentration von 0,2 mM (ca. 20
119
Ergebnisse
mg/ml Gesamtprotein) eingesetzt. Es zeigte sich, dass Konzentrationen von LDAO >
1% insbesondere die Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans zerstörten,
eine Konzentration von LDAO < 0,4% jedoch kein Protein zu lösen vermochte. Die
Bestimmung der benötigten LDAO Konzentration im Vorfeld durch Titration kleiner
Proben der verwendeten Membranen-Suspension mit 0,4 bis 0,5% LDAO und
Ultrazentrifugation mit einer Airfuge (die Methode ist im Detail bei R. Schmid
beschrieben [155]) verbessert die Ausbeute an Reaktionszentren nur geringfügig
(von ca. 35 auf ca. 50 ODV bzw. von 10 mg auf 15 mg Reaktionszentren aus ca. 100
g Zellen pro Präparation). Dennoch kann sich unter Umständen der dazu
erforderliche Arbeitsaufwand lohnen, da ohnehin nur eine geringe Ausbeute an
Reaktionszentren erwartet werden kann, wenn man voraussetzt, dass in Zellen von
Roseobacter denitrificans selbst unter optimalen Wachstumsbedingungen im
Vergleich zu Rhodobacter sphaeroides (aus 100 g Zellen werden ca. 120 mg bzw.
420 ODV Reaktionszentren gewonnen; [171]) nur etwa 1/10 Reaktionszentren
gebildet werden [172].
120
Absorption
Ergebnisse
0,05
0,40% LDAO
0,00
500
600
700
Wellenlänge (nm)
800
Absorption
0,20
0,50% LDAO
0,15
0,10
0,05
0,00
500
600
700
800
Absorption
Wellenlänge (nm)
0,5
0,55% LDAO
0,0
500
600
700
Wellenlänge (nm)
800
Absorption
1,0
0,70% LDAO
0,5
0,0
500
600
700
800
Wellenlänge (nm)
Absorption
1,0
0,95% LDAO
0,5
0,0
500
600
700
800
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.2.1.3.1: Solubilisierung mit unterschiedlichen Konzentrationen an LDAO.
Ab einer Konzentration von 0,55% LDAO ändert sich das Spektrum deutlich. Die typischen
Absorptionsbanden für das Membranen-Spektrum verschwinden, und es treten die typischen
Banden für die aus den Membranen herausgelösten Proteinkomplexe auf (siehe Kapitel
B.2.4.4.). Bei höheren LDAO-Konzentrationen werden mehr Proteine herausgelöst. Im
weiteren Verlauf der Präparation stellte sich jedoch heraus, dass durch eine höhere LDAOKonzentration die H-Untereinheit vom Reaktionszentrum abgelöst wird und vermutlich
weitere Schädigungen (Aufweitung der Bindungstasche) erfolgen, so dass keine
Rekombinationskinetik zu beobachten war (siehe Kapitel C.2.2.). Die optimale Konzentration
an LDAO betrug in diesem Fall 0,50%. Die geringste Konzentration, bei der sich die
Proteinkomplexe aus der Membran herauslösen ließen, war 0,55% LDAO. Bei Verwendung
eines Vorsolubilisierungsschrittes (siehe Text bzw. vgl. Kapitel B.2.3.1.3. und B.2.3.3.3.)
wurde dann die niedrigere Konzentration an LDAO verwendet.
121
Ergebnisse
Abtrennung der Reaktionszentren von den restlichen Membranproteinen
Die Abtrennung der Reaktionszentren von den anderen Membranproteinen mittels
Anionenaustausch-Chromatographie wurde mehrfach untersucht und variiert.
Als Säulenmaterial wurde DEAE Toyopearl Chromatographic Resin 650M eingesetzt,
das in der Arbeitsgruppe bei der Isolation der Reaktionszentren aus Rhodobacter
sphaeroides verwendet wurde und von den getesteten Säulenmaterialien die beste
Aufreinigung der Reaktionszentren zeigte [171]. Die Elution der Reaktionszentren
aus Roseobacter denitrificans erfolgte mit einem NaCl-Stufen-Gradienten (0,1 - 0,5 M
NaCl). Die Reaktionszentren wurden bei der DEAE-Toyopearl-Säule bei 0,28 M NaCl
eluiert (bei der DEAE-Sephacel-Säule in der Vorschrift von K. Takamiya bei 0,35 M
NaCl; [128]). Gegebenenfalls wurde eine zweite Aufreinigung mit der DEAEToyopearl-Säule angeschlossen, um die Reinheit der erhaltenen Reaktionszentren
zu verbessern.
Trotz des Detergenswechsel von LDAO zu Triton X-100 (milderes Detergens) bei der
Aufreinigung der Reaktionszentren [128] wurde festgestellt, dass die erhaltenen
Reaktionszentren instabil waren und bei Lagerung in Puffer mit 0,1 % Triton [128] bei
4°C innerhalb einiger Stunden bzw. beim Einfrieren und wieder Auftauen zerstört
wurden.
Dies
zeigte
Reaktionszentren.
sich
durch
Insbesondere
Änderungen
ging
die
im
UV-VIS-Spektrum
Absorptionsbande
der
des
Bacteriochlorophylldimers (primärer Donator P) bei 860 nm zurück oder verschwand
ganz (Abbildung C.2.1.3.2). Weiterhin konnte an solchen Reaktionszentren-Proben
keine Aktivität in Form einer blitzinduzierten Ladungsrekombination nachgewiesen
werden. Die Zerstörung der Reaktionszentren nach der Isolation wurde auf die
aggressive Wirkung der verwendeten Detergentien (LDAO und Triton X-100) in hoher
Konzentration zurückgeführt. Zudem wurde vermutet, dass auch die erhöhte NaClKonzentration die Reaktionszentren destabilisieren könnte. Die gleiche Wirkung hatte
offensichtlich auch die Kristallisation des H2O beim Einfrieren der ReaktionszentrenProben.
122
Ergebnisse
0.1
Absorption
nach dem Auftauen
0.0
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.2.1.3.2: Absorptionsspektrum von gereinigten Reaktionszentren nach
dem Auftauen. Die Reaktionszentren wurden zur Lagerung mit flüssigem Stickstoff
schockgefroren und dann bei -80°C gelagert. Die Bacteriochlorophylldimer-Bande bei 860
nm ist fast vollständig verschwunden, die Reaktionszentren sind inaktiv.
Diese Instabilität der Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans gegen
Detergentien, Salzen und Einfrieren ist ungewöhnlich groß, wenn man sie z.B. mit
den Reaktionszentren aus Rhodobacter sphaeroides vergleicht, die ohne weiteres in
0,025% LDAO bei -80°C gelagert werden können. Um die Zerstörung der
Reaktionszentren zu vermeiden, wurden folgende Maßnahmen getroffen:
•
Die Reaktionszentren-Proben wurden nach der Anionenaustausch-Säule
sofort entsalzt, bevor sie weiterverarbeitet wurden (weitere Aufreinigung,
Aufkonzentrierung oder Lagerung).
•
Die Reaktionszentren-Proben wurden nach Zugabe von 20% Glycerin bei
-20°C gelagert, so dass das H2O nicht kristallisierte.
123
Ergebnisse
Es wurden verschiedene Methoden getestet, um die Konzentration an Detergens zu
erniedrigen. Insbesondere wurde versucht, die LDAO-Konzentration nach der
Solubilisierung der Membranproteine möglichst rasch zu verringern, da dieses
Detergens (ionisches Detergens) wesentlich aggressiver ist als Triton X-100 (nichtionisches Detergens) und eine Mischmizellen-Bildung nach dem Detergenswechsel
bei der Aufreinigung wahrscheinlich ist.
•
Zunächst wurde versucht, das LDAO nach der Solubilisierung durch
Behandlung mit Biobeads, die Detergensmoleküle binden können, zu
entfernen. Die LDAO-Konzentration konnte dadurch nur geringfügig verringert
werden. Diese Methode konnte bei den verwendeten großen Volumina (>100
ml) die große Menge an Detergensmolekülen (ca. 0,5% LDAO) nicht
bewältigen.
•
Es wurde versucht, die Detergensmoleküle durch Dialyse bei 4°C gegen einen
Puffer, der kein Detergens enthielt, zu entfernen (diese Methode wird bei
Rhodobacter sphaeroides angewendet [155]). Diese Methode ist aber nicht
schnell genug, und die Reaktionszentren wurden während der Dialyse
zerstört.
•
Als weitere Methode zur Abtrennung von überschüssigem Detergens (LDAO)
wurde die Gelfiltration untersucht. Ausgehend von der Vorschrift nach K.
Takamiya et al. [128] wurde nach der Solubilisierung der Proteine mit LDAO
und vor der Anionenaustausch-Chromatographie der Detergensaustausch
zum weniger aggressiven Triton X-100 mittels Gelfiltration durchgeführt.
Hierzu
musste
das
Probenvolumen
nach
der
Solubilisierung
mittels
Ammoniumsulfat-Fällung, wie in Kapitel B.2.3.3.4. beschrieben, auf ca. ¼ (ca.
20 ml) des Ausgangsvolumen reduziert werden. Schon während dieses
Schrittes wurde das Detergens gewechselt. Dann wurde die Probe in ca. 4 - 5
Proben zu jeweils 5 ml aufgeteilt, die jeweils auf eine Superdex 200
Gelfiltrationssäule aufgetragen und wie in Kapitel B.2.3.3.5. beschrieben
eluiert wurden. Die einzelnen Proben aus den Gelfiltrationen wurden bei -20°C
gelagert,
für
zusammengegeben
die
und
Anionenaustausch-Chromatographie
wie
in
124
Kapitel
B.2.3.3.6.
wieder
beschrieben
Ergebnisse
weiterverarbeitet.
Diese
Methode
war
von
den
untersuchten
am
zufriedenstellendsten, obwohl auch sie einen Zeitaufwand von mehreren
Tagen bedeutete (siehe auch Kapitel C.2.2.).
•
Nach der Anionenaustausch-Chromatographie wurde die Triton X-100
Konzentration in den Puffern beim Entsalzen und Aufkonzentrieren der
Reaktionszentren-Proben auf 0,025 % verringert.
•
Die Konzentrierung der Reaktionszentren-Proben geschah mit einer AmiconRührzelle über eine YM 100-Membran, die Moleküle mit einer Molmasse von
≤ 100 KDa durchlässt und Moleküle, die größer sind, zurückhält. Auf diese
Weise sollten die reaktionszentrenfreien Detergensmizellen (90000 Da nach
Herstellerangaben der Firma Roth, Karlsruhe) die Lösung verlassen können,
während das Reaktionszentrum (136000 Da) zurückgehalten wird. Dies
verhindert eine Aufkonzentrierung des Detergens, was die isolierten
Reaktionszentren zerstören würde.
Weiterhin wurde untersucht, inwieweit sich die Ammoniumsulfat-Fällung zur
Abtrennung von Proteinverunreinigungen eignet. Hierzu wurde neben der einfachen
50%igen Ammoniumsulfat-Fällung eine fraktionierende Ammoniumsulfat-Fällung in
drei Schritten getestet. Beide Methoden sind in Kapitel B.2.3.3.4. beschrieben. Für
die fraktionierende Ammoniumsulfat-Fällung wurde zunächst eine Fällung und
darauffolgende Waschung mit 50% Ammoniumsulfat-Sättigung in der Lösung
durchgeführt. Dieser Schritt bewirkte hauptsächlich die Abtrennung von einem Teil
der LH II Komplexe. Anschließend wurde der Niederschlag wieder in Puffer
aufgenommen
und
mit
35%
Ammoniumsulfat
gefällt.
Dabei
blieben
die
Reaktionszentren in Lösung, während andere Proteinverunreinigungen gefällt
wurden. Anschließend wurde der Überstand, der die Reaktionszentren enthielt, mit
65% Ammoniumsulfat versetzt und so das gesamte übriggebliebene Protein gefällt,
das wieder in Puffer aufgenommen und mittels Gelfiltration wie in Kapitel B.2.3.3.5.
beschrieben
weiterverarbeitet
wurde.
Die
so
erhaltene
Vorreinigung
der
Reaktionszentren ging einher mit nicht vernachlässigbaren Proteinverlusten, da
insbesondere bei der 35%-Fällung ein erheblicher Teil der Reaktionszentren
mitgefällt wurde und damit für die Präparation verloren ging. Die Ausbeute an
125
Ergebnisse
Reaktionszentren mit der fraktionierenden Ammoniumsulfat-Fällung betrug 21 ODV
bzw. 7 mg, während mit der 50%igen Ammoniumsulfat-Fällung 45 ODV bzw. 15 mg
Reaktionszentren
erhalten
wurden.
Daher
wurde
die
fraktionierende
Ammoniumsulfat-Fällung durch eine einfache 50%-Fällung ersetzt, die in jedem Fall
einen Teil der LH II Komplexe aus der Proteinlösung abtrennen konnte. Gleichzeitig
wurde dadurch der benötigte Zeitaufwand reduziert, was ein wichtiger Faktor bei der
Erhaltung der Aktivität der Reaktionszentren während der Aufreinigung ist. Die
Ergebnisse der Präparation mit fraktionierender Ammoniumsulfat-Fällung sowie der
Präparation mit 50%iger Ammoniumsulfat-Fällung sind in Kapitel C.2.2. beschrieben.
126
Ergebnisse
C.2.2. Isolation und Reinigung von Reaktionszentren aus
Roseobacter
denitrificans
nach
Optimierung
der
Präparationsvorschrift
In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Isolation und Aufreinigung von
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans nach Optimierung der Vorschrift wie
in Kapitel B.2.3.3 und C.2.1.3 beschrieben dargestellt. Die verwendeten Lösungen
sind in Kapitel B.1.2.2. beschrieben. Zur Dokumentation der Isolationsprozedur
wurden am Ende bestimmter Präparationsschritte Proben entnommen, um den
Bacteriochlorophyll- bzw. Proteingehalt zu bestimmen, die Absorptionsspektren
aufzunehmen,
ein
SDS-Gel
der
Proteine
zu
machen
und/oder
die
Ladungsrekombination zu messen (siehe Kapitel B.2.4. und B.2.5.).
Für die im folgenden beschriebene Präparation von Reaktionszentren wurden 75 g
Zellen von Roseobacter denitrificans eingesetzt. Es wurde mit 0,5% LDAO
solubilisiert und eine fraktionierende Ammoniumsulfat-Fällung durchgeführt. In
Abbildung C.2.2.1 ist die Proteinmenge im Verlauf der Isolation dargestellt. Die
Angaben beziehen sich auf eine Ausgangszellmasse von 75 g (Nassgewicht).
7000 mg
Zellsuspension
4800 mg
aufgeschlossene Zellen
2250 mg
Membranen
1630 mg
solubilisierte Proteine
149 mg
Ammoniumsulfat-Fällung
98 mg
nach der Gelfiltration
10 mg
isolierte Reaktionszentren
Abbildung C.2.2.1: Verlauf der Proteinmenge während der Isolation und Reinigung von
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans. Die Ausgangszellmasse betrug 75 g
(Nassgewicht). Die Präparationsschritte sind in Kapitel B.2.3.3. detailliert beschrieben.
127
Ergebnisse
Betrachtet man den Verlauf der Proteinmenge, ist zu Beginn ein starker Verlust durch
den Zellaufschluss und die Abtrennung der Membranen zu erkennen. Weitere
Verluste treten vor allem nach der fraktionierenden Ammoniumsulfat-Fällung und
nach Abtrennung der Reaktionszentren durch Anionenaustausch-Chromatographie
auf.
Abbildung C.2.2.2 zeigt die UV-VIS-Absorptionsspektren zwischen 300 und 900 nm
im Verlauf der Isolation beginnend mit der Abtrennung der photosynthetischen
Membranen vom Cytoplasma und größeren Membranen. Im Spektrum der
Membranen sind deutlich die beiden Maxima der Absorption de LH II(Lichtsammelkomplex
II)
und
RC-LH
I-Komplexe
(Reaktionszentrum-
Lichtsammelkomplex I-Kernkomplex) bei 806 und 870 nm zu erkennen. Die
Reaktionszentren sind noch in die Membran eingebettet und bilden einen Komplex
mit dem Lichtsammelkomplex LH I aus. Nach der Solubilisierung mit 0,5% LDAO
ändert sich das Spektrum deutlich. Jetzt sind Absorptionsbanden von an Protein
gebundenem Bacteriochlorophyll im Bereich zwischen 700 und 900 nm zu erkennen,
die sowohl von Reaktionszentren als auch von LH I und LH II herrühren. Das
Spektrum zwischen 300 und 600 nm ändert sich ebenfalls im Vergleich zum
Spektrum der Membranen. Bei 590 und 370 nm erkennt man wiederum die
Bacteriochlorophyllbanden. Die breite Bande um die 500 nm entspricht der
Absorption von Carotinoiden. Andere Banden, wie z.B. die von Cytochromen (siehe
Abbildung B.2.5.1), werden hingegen (fast) vollständig überlagert. In den folgenden
Präparationsschritten der Ammoniumsulfat-Fällung und der Gelfiltration ändern sich
die Spektren nur wenig. Es werden immer mehr neue Banden bzw. Schultern
sichtbar, wie z.B. zwischen 400 und 420 nm die Soret-Bande der Cytochrome oder
bei 860 nm die Bande des Bacteriochlorophylldimers des Reaktionszentrums
(Abbildung C.2.2.2D). In diesen Präparationsschritten werden nach und nach die
Antennenkomplexe und die Carotinoide abgetrennt. Abbildung C.2.2.2E zeigt das
Spektrum der isolierten Reaktionszentren nach dem Entsalzen. Aufgrund der relativ
kleinen Ausbeute wurde die Probe nicht aufkonzentriert. Dieses Spektrum zeigt alle
charakteristischen Banden des Reaktionszentrum aus Roseobacter denitrificans (vgl.
Abbildung B.2.4.4.3). Das Verhältnis der Amplituden der Banden A750 nm : A802 nm :
A860
nm
= 1 : 2,5 : 1 ist etwas größer als in isolierten Reaktionszentren aus
Rhodobacter sphaeroides (A760 nm : A802 nm : A865 nm = 1 : 2,2 : 1; [167]) und deutet
128
Ergebnisse
daraufhin, dass die Antennenkomplexe nicht restlos von den Reaktionszentren
abgetrennt werden konnten. Dies könnte auf die besondere Stabilität des RC-LH IKomplex zurückzuführen sein. Ein ähnliches Verhältnis der Amplituden findet sich
auch bei K. Takamiya et al. [128].
129
Absorption
Absorption
Ergebnisse
0 ,2
A
Membranen
0 ,1
0 ,0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
Wellenlänge (nm)
8 0 0
Absorption
Absorption
0 ,6
B
Solubilisierung
0 ,4
0 ,2
0 ,0
3 0 0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
8 0 0
Wellenlänge (nm)
Absorption
Absorption
1 ,0
C
fraktionierende
AmmoniumsulfatFällung
0 ,5
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
8 0 0
Wellenlänge (nm)
Absorption
Absorption
0 ,3
D
Gelfiltration
0 ,2
0 ,1
0 ,0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
8 0 0
Absorption
Absorption
Wellenlänge (nm)
E
AnionenaustauschChromatographie
1 ,0
0 ,5
0 ,0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
8 0 0
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.2.2.2: Verlauf der Isolation und Reinigung von Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans. Beschreibung im Text.
130
Ergebnisse
Abbildung C.2.2.3 zeigt das SDS-Gel der isolierten Reaktionszentren. Die Proben
wurden vorbereitet wie in Kapitel B.2.4.3. beschrieben. Es sind deutlich die vier
Banden der vier Untereinheiten des Reaktionszentrums zu erkennen: die Cytochrom
c-Untereinheit bei ca. 50000 Da, die M-Untereinheit bei 32000 Da, die H-Untereinheit
bei 30000 Da und die L-Untereinheit bei 26000 Da. Diese Zuordnung der Banden
wurde durch N-terminale Sequenzierung der vier Proteine bestätigt [173]. Die
dunklere Färbung der Banden des Cytochroms und der H-Untereinheit lässt sich
wahrscheinlich auf die höhere Polarität dieser aus der Membran ins Cytoplasma bzw.
Periplasma ragenden Proteine, die eine stärkere Anfärbung durch den Farbstoff
Coomassie brilliant blue ermöglicht, zurückführen. Die weiteren Banden, die
insbesondere bei höheren Molmassen auftreten, könnten auf Komplexbildung
zwischen den vier Untereinheiten zurückzuführen sein. Die Solubilisierung der
Proteine mit SDS erwies sich als problematisch, da die üblicherweise angewandte
Methode [174], die Proteinprobe mit SDS bei 95°C zu kochen, hier nicht angewendet
werden konnte, da das Protein dabei agglutinierte und nicht mehr in Lösung zu
bringen war. Eine Solubilisierung bei RT hingegen brachte kein Protein in Lösung.
Das beste Ergebnis wurde mit einer Erhitzung der Probe auf 60°C erzielt. Darüber
hinaus verbesserte eine Erhöhung der SDS-Konzentration von 3% auf 5% die
Solubilisierung.
131
Ergebnisse
94000
67000
Cyt
43000
H
M
L
M
H
L
30000
20000
14000
sphe
Ref
Roseo
Abbildung C.2.2.3: SDS-Gel der isolierten Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans (Roseo). Die mittlere Bahn zeigt die Banden der Referenzproteine (Ref), die
Bahn ganz links die Banden der isolierten Reaktionszentren aus Rhodobacter sphaeroides
(sphe). Probenvorbereitung und Durchführung der Gelelektrophorese wie in Kapitel B.2.4.3.
beschrieben.
132
Ergebnisse
Als nächstes soll das Ergebnis einer weiteren Präparation von Reaktionszentren
nach Optimierung der Vorschrift, bei der die fraktionierende Ammoniumsulfat-Fällung
durch eine 50% Ammoniumsulfat-Fällung ersetzt wurde, wie in Kapitel B.2.3. und
C.2.1.3. beschrieben dargestellt werden.
Abbildung C.2.2.4 zeigt die UV-VIS-Spektren im Verlauf der Isolation und
Aufreinigung der Reaktionszentren. Es wurde mit 0,5% LDAO solubilisiert (0,2 mM
Bacteriochlorophyll in der Membransuspension). Aus ca. 80 g Zellen von
Roseobacter denitrificans wurden 45 ODV bzw. 15 mg Reaktionszentren erhalten.
Bei Vergleich der Spektren im Verlauf der Präparation von Reaktionszentren nach
Optimierung der Vorschrift bei Durchführung einer 50%igen Ammoniumsulfat-Fällung
mit den Spektren bei Durchführung einer fraktionierenden Ammoniumsulfat-Fällung
(Abbildung C.2.2.2) sind keine wesentlichen Unterschiede zu erkennen. Das
Bandenverhältnis A750 : A802 : A860 der isolierten Reaktionszentren betrug bei dieser
Präparation 1 : 2,8 : 1.
133
Ergebnisse
Absorption
Absorption
A
Solubilisierung mit LDAO
0 ,2
0 ,1
0 ,0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
8 0 0
Absorption
Absorption
Wellenlänge (nm)
50%ige
AmmoniumsulfatFällung
0 ,2
B
0 ,0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
Wellenlänge (nm)
8 0 0
Absorption
Absorption
1 ,0
C
Gelfiltration
0 ,5
0 ,0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
8 0 0
Absorption
Absorption
Wellenlänge (nm)
D
Reaktionszentren
2
1
0
4 0 0
5 0 0
6 0 0
7 0 0
8 0 0
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.2.2.4: Absorptionsspektren im Verlauf der Isolation und Reinigung von
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans mittels 50%iger AmmoniumsulfatFällung. Beschreibung im Text.
134
Ergebnisse
Abbildung C.2.2.5 zeigt das SDS-Gel der isolierten Reaktionszentren aus
Roseobacter
denitrificans
nach
der
optimierten
Präparationsvorschrift
bei
Durchführung einer 50%igen Ammoniumsulfat-Fällung. Wie auch im SDS-Gel der
isolierten
Reaktionszentren
bei
Durchführung
einer
fraktionierenden
Ammoniumsulfat-Fällung (Abbildung C.2.2.3) zeigt das Gel alle vier Banden der
Untereinheiten L, M, H und des Cytochroms.
94000
67000
C
43000
M
H
30000
L
20000
Referenz
RC
RC
Abbildung C.2.2.5: SDS-Gel von isolierten Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans. Es wurde eine 50%ige Ammoniumsulfat-Fällung durchgeführt. Die Details sind
im Text beschrieben.
Zusammengefasst ergibt sich, dass die Durchführung von Isolation und Reinigung
der Reaktionszentren mittels 50%iger Ammoniumsulfat-Fällung sehr ähnliche
Ergebnisse liefert wie die fraktionierende Ammoniumsulfat-Fällung.
135
Ergebnisse
Die
Aktivität
der
Reaktionszentren
wurde
durch
die
Messungen
der
Rekombinationskinetiken in den Membranen, nach der Gelfiltration und in den
isolierten
Reaktionszentren
während
der
Isolation
und
Aufreinigung
der
Reaktionszentren verfolgt (siehe Kapitel B.2.5.).
Die Auswertung der Kinetiken wie in Kapitel B.2.5.1.3. beschrieben ergibt für die
Membranen:
kAP = 47 s-1
für den Prozess P+QA- → PQA
kBP = 0,55 s-1
für den Prozess P+QB- → PQB
Die Ladungsrekombinationskinetik nach der Gelfiltration ist ebenfalls zweiphasig:
kAP = 32 s-1
für den Prozess P+QA- → PQA
kBP = 0,59 s-1
für den Prozess P+QB- → PQB
Für isolierte Reaktionszentren hingegen beobachtet man nur eine schnelle Kinetik
von:
kAP = 32 s-1
für den Prozess P+QA- → PQA
Während in den Membranen und den Proben aus der Gelfiltration eine
Ladungsrekombination sowohl von QA- als auch von QB- beobachtet werden konnte,
ist in den Reaktionszentren das Ubichinon zum Teil verloren gegangen, so dass nur
die QA-Bindungsstelle besetzt wurde und nur die schnelle Rekombination von QAbeobachtet werden konnte (Abbildung C.2.2.6).
Die Amplitude der schnellen Phase betrug:
∆A860(t=0) = 0,049
136
Ergebnisse
daraus errechnet sich mit A860 = 0,164:
∆A860(t=0) / A860 = 0,3
für die Besetzung der QA-Bindungsstelle
Der Wert für kAP in Membranen ist etwas größer als in den Reaktionszentren, was auf
die beschleunigende Wirkung von o-Phenanthrolin, das zur Verdrängung von
Ubichinon
aus
der
QB-Bindungsstelle
in
Membranen
verwendet
wurde,
zurückzuführen ist. Die Reaktionszentren hatten kein Ubichinon in der QBBindungsstelle, so dass keine Verdrängung durch o-Phenanthrolin nötig war. Der
Absorptionsänderung, ∆A860
gleiche Effekt konnte auch in Rhodobacter sphaeroides beobachtet werden [155].
0.000
-0.005
-0.010
-0.015
-0.020
-0.025
0.00
0.05
0.10
0.15
Zeit (s)
Abbildung C.2.2.6: Ladungsrekombinationskinetik in isolierten Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans. Die isolierten Reaktionszentren enthalten kein Ubichinon in der
QB-Bindungsstelle, und man beobachtet nur eine schnelle Rekombination von P+QA- zu PQA.
Der Pfeil stellt den Zeitpunkt der Anregung durch den Laser dar.
Da in allen durchgeführten Präparationen ein Teil des Ubichinons und oft das
gesamte Ubichinon in den Bindungsstellen QA und QB verloren ging, wurde versucht,
die isolierten Reaktionszentren mit Ubichinon zu rekonstituieren. Dazu wurden wie in
Kapitel B.2.5. beschrieben die isolierten Reaktionszentren mit einer UbichinonLösung in Triton X-100 (siehe Kapitel B.1.2.5.1.) über mehrere Stunden bei
137
Ergebnisse
Raumtemperatur
inkubiert
und
in
15
bis
30
min
Abständen
die
Ladungsrekombination nach Anregung durch einen Laser gemessen und die
Besetzung der Ubichinonbindungsstellen bestimmt (siehe Kapitel B.2.5.1.3.).
Obwohl
diese
Methode
bei
der
Rekonstitution
von
Reaktionszentren
aus
Rhodobacter sphaeroides sehr erfolgreich angewendet wird [155], konnte bei
Roseobacter denitrificans keine über die Zeit stabile Rekonstitution erreicht werden.
Auch bei der Verwendung von Dodecylmaltosid, einem noch milderen Detergens, um
das Ubichinon in Lösung zu bekommen, ist die Rekonstitution von Ubichinon in die
Bindungstaschen
nur
vorübergehend
möglich,
so
dass
vermutlich
die
Detergenskonzentration bei dieser Methode zu hoch ist und die Bindungsstellen der
Reaktionszentren zu weit aufgeweitet werden. Dadurch wird kein gebundenens
Ubichinon gefunden. Daher wurde versucht über eine Dialyse der Reaktionszentren
nach Zugabe der Ubichinon-Lösung in Triton X-100 bzw. Dodecylmaltosid in
10fachem Überschuss gegen Puffer mit 0,02% Triton X-100 bzw. 0,04%
Dodecylmaltosid im Verhältnis 1 : 40 über 1 bis 2 Tage zu rekonstituieren. Diese
Methode war erfolgreicher, aber es konnte nur eine Besetzung der QA-Bindungsstelle
erreicht werden mit ∆A860(t=0)/A860 ≅ 0,3. Eine signifikante Besetzung der QBBindungsstelle
wurde
nicht
beobachtet.
Zum
Vergleich:
Für
Rhodobacter
sphaeroides wurde für das Ausbleichen der Absorptionsbande bei 865 nm ein Wert
von ∆A865(t=0) / A865 = 0,8 (QA-Bindungsstelle) und ein Besetzungsgrad der QBBindungsstelle von 0,7 bis 0,8 gefunden [175].
Um zu prüfen, ob eventuell der primäre Elektronenakzeptor QA (Em,7 = -50 mV;
dieses Halbstufenpotential ist jedoch umstritten, siehe Kapitel D.2.3.) bei den
gegebenen Messbedingungen reduziert vorliegt und deswegen keine Messung der
Rekombinationskinetik möglich war, wurde die Reaktionszentren-Lösung schrittweise
mit einer Ferricyanid-Lösung oxidiert. Es konnte kein Effekt beobachtet werden, so
dass offenbar die Ubichinone nicht reduziert vorlagen. Bei Zugabe eines
Überschusses von Ferricyanid wird der primäre Donator (Em,7 = 435 mV) oxidiert,
was über das Ausbleichen der Bande bei 860 nm nachgewiesen wurde.
138
Ergebnisse
C.3.
Untersuchungen
an
Roseobacter denitrificans
Membranen
aus
C.3.1. Isolation der Membranen
Die Isolation der Membranen wurde wie in Kapitel B.2.2. beschrieben durchgeführt.
Die erhaltenen Ergebnisse werden in Kapitel C.2. zusammen mit den Ergebnissen
der Isolation der Reaktionszentren behandelt.
Aus 75 g Zellen (7000 mg Gesamtprotein) wurden 50 ml in 100 mM Mops/NaOHPuffer (pH = 7) suspendierte Membranen (45 µg /µl Protein, d.h. 2250 mg
Gesamtprotein, 0,33 mM Bacteriochlorophyll) erhalten. Abbildung C.3.1.1A und B
zeigen die Spektren der in 20 mM Tris/HCl-Puffer (pH = 7,8) suspendierten Zellen
und der in 100 mM Mops/NaOH-Puffer (pH = 7) suspendierten Membranen.
2.35
Absorption
Absorption
0.2
2.30
2.25
2.20
0.1
2.15
0.0
700
750
800
Wellenlänge (nm)
400
850
500
600
700
Wellenlänge (nm)
800
Wellenlänge
Wellenlänge
Abbildung C.3.1.1: Spektren der Zellen (A) und der Membranen (B) aus Roseobacter
denitrificans.
139
Ergebnisse
C.3.2. Transiente optische Spektroskopie an Membranen
aus Roseobacter denitrificans
C.3.2.1. Probenvorbehandlung
Spektroskopie
für
die
transiente
optische
Wie in Kapitel B.2.2. beschrieben, wurde aus Zellen von Roseobacter denitrificans
eine Membransuspension erhalten. Daraus wurde, wie in Kapitel B.2.5.2.2.
beschrieben, die Probe für die spektroskopischen Untersuchungen vorbereitet.
Abweichungen von der Standardprobe werden in den jeweiligen Kapiteln und
Bildunterschriften beschrieben. Um Signale mit möglichst gutem Signal-RauschVerhältnis zu erhalten, wurden die Proben vor der Messung mit einem Sonifier
beschallt. Dadurch werden die Membranaggregate gelöst, die die Trübung der Probe
hervorrufen. Abbildung C.3.2.1.1 zeigt exemplarisch die UV-VIS-Spektren einer
Probe vor, nach einer und nach zwei Beschallungen. Schon nach zwei
Beschallungen erhöht sich die Transparenz der Probe beachtlich. Standardmäßig
wurden jede Probe vor den spektroskopischen Messungen drei mal beschallt, um
sicher zu sein, dass die Beschallungen die Trübung der Probe hinreichend verringert
haben.
Während der Dauer der Messungen (bis zu 4 - 5 Stunden) wurde die Transparenz
der Probe beibehalten. Die Amplitude der Bacteriochlorophyll-Banden bei 805 nm
und 870 nm verringerte sich, was darauf hindeutet, dass die Antennenkomplexe und
das Reaktionszentrum über die relativ lange Dauer von einer Messreihe zum Teil
zerstört werden. Im Bereich des Spektrums, in dem die Messreihen dieser Arbeit
durchgeführt wurden (400 - 450 nm und 530 - 570 nm), sind hingegen kaum
Änderungen im Spektrum zu erkennen (Abbildung C.3.2.1.2).
140
Absorption
Ergebnisse
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.3.2.1.1: Spektrum der für
verwendete Probe vor der Beschallung (a),
Beschallungen (c). Beschallungsdauer
aufeinanderfolgenden Beschallungen von
Beschallungen auf Eis gekühlt.
die spektroskopischen Untersuchungen
nach einer Beschallung (b) und nach zwei
von 3 s; Abstand zwischen zwei
60 s. Die Probe wurde während der
2,2
2,0
vor der Messung
nach der Messung
Absorption
1,8
1,6
1,4
1,2
1,0
0,8
0,6
0,4
0,2
400
500
600
700
800
900
W ellenlänge (nm)
Abbildung C.3.2.1.2: Spektrum der für die spektroskopischen Untersuchungen
verwendeten Probe vor und nach der Messreihe. Für Erläuterungen siehe Text.
141
Ergebnisse
C.3.2.2. Differenzspektrum des primären Elektronendonators nach
Anregung durch einen Blitz
Bei der Untersuchung der durch Lichtanregung erzeugten Absorptionsänderungen in
Membransuspensionen
hat
man
in
der
Regel
eine
Überlagerung
von
Absorptionsänderungen, die durch die Redoxreaktionen der Cytochrome des c- und
b-Typs entstehen, und Absorptionsänderungen, die durch die Oxidation des primären
Donators P des Reaktionszentrums hervorgerufen werden. Daher ist die genaue
Kenntnis des Differenzspektrum des Redoxpaares P/P+ in der α- sowie in der γRegion Voraussetzung für die Analyse der lichtinduzierten Absorptionsänderungen
der Cytochrome des c- und b-Typs in der Elektronentransportkette. Mit Hilfe dieses
Spektrums ist es möglich, den Beitrag von P+ an den Absorptionsänderungen zu
bestimmen und zu korrigieren, um den Beitrag der Redoxänderungen der
Cytochrome an der Absorptionsänderung zu bestimmen.
Um das Differenzspektrum des primären Donators zu bestimmen, wurde die
Membransuspension im Dunkeln bei einem Redoxpotential Eh = (375 ± 5) mV unter
Zugabe der Inhibitoren Antimycin A und Myxothiazol äquilibriert und dann die
Absorptionsänderung nach Anregung durch einen einzelnen sättigenden Blitz
gemessen.
Bei diesen stark oxidierenden Redoxbedingungen liegen alle in der Literatur
bekannten Redoxkomponenten der Elektronentransportkette oxidiert vor, bis auf den
primären Elektronendonator P im Reaktionszentrum (vgl. Abbildung A.4.5.2). Bei Eh
= 375 mV ist das Cytochrom c mit dem höchstem Redoxpotential, das Häm H1 im
am Reaktionszentrum gebundenen Cytochrom c (Em,7 = 290 mV), zu 96% oxidiert,
der primäre Donator P (Em,7 = 435 mV) ist hingegen zu 91% reduziert (aus der
Nernst-Gleichung berechnet, siehe Kapitel B.2.6.). Unter der Voraussetzung, dass
ein Cytochrom bc1 Komplex in Roseobacter denitrificans vorhanden ist und dieser
sich genauso verhält wie der aus dem Purpurbakterium Rhodobacter sphaeroides,
sollten sich durch Zugabe der Inhibitoren Antimycin A (Qi-Bindungsstelle) und
Myxothiazol
(Qo-Bindungsstelle)
die
lichtinduzierten
Redoxreaktionen
der
Cytochrome des b-Typs ausschalten und somit die Rereduktion des primären
Donators P+ verhindern lassen (vgl. Abbildung D.2.4.1). Daher erwartet man, dass
unter diesen Messbedingungen nur Absorptionsänderungen durch die lichtinduzierte
142
Ergebnisse
Oxidation des primären Donators P zu P+ beobachtet werden. Damit in Einklang ist
die Tatsache, dass über den gesamten untersuchten spektralen Bereich ein
einzelner Blitz eine schnelle (durch das Gerät nicht aufgelöste) Absorptionsänderung
(∆A) erzeugt, die mit einer langsamen Kinetik (t1/2 ≥ 1 s) wieder zerfällt. Diese Kinetik
entspricht der Ladungsrekombination von P+QB- zu PQB.
In Abbildung C.3.2.2.1 ist die Absorptionsänderung 1 ms nach der Anregung durch
den Blitz in Abhängigkeit von der Wellenlänge in den spektralen Regionen der α- und
γ-Bande dargestellt. Das Spektrum zeigt in der α-Region ein Minimum bei 605 nm,
einen isosbestischen Punkt bei 582 nm und eine breite Bande mit ∆A > 0 und
Maximum bei 545 nm. Das Verhältnis von ∆A605 zu ∆A540 liegt bei -2,0. Die
Wellenlänge bei 540 nm wird oft verwendet, um die Redoxänderungen des primären
Donators P in Purpurbakterien zu messen. Die Eigenschaften des Spektrums von
P/P+ in Roseobacter denitrificans entsprechen weitgehend denen der Spektren in
Rhodobacter sphaeroides oder Rhodobacter capsulatus [157]. In diesen Bakterien
ist der isosbestische Punkt leicht verschoben (587 nm), während das Maximum bei
545 nm und das Minimum bei 605 nm den bei Roseobacter denitrificans erhaltenen
Werten entsprechen. Auch das Verhältnis ∆A605 : ∆A540 = -1,96 hat den gleichen Wert
im Rahmen der Messgenauigkeit.
143
Absorptionsänderung, ∆A x 103
Ergebnisse
A
3
2
1
0
-1
-2
-3
-4
-5
530
540
550
560
570
580
590
600
610
620
Absorptionsänderung, ∆A x 103
Wellenlänge (nm)
B
7
6
5
4
3
2
1
0
-1
400
410
420
430
440
450
460
470
480
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.3.2.2.1: Zeitaufgelöste lichtinduzierte Absorptionsdifferenzspektren des
primären Elektronendonators im Reaktionszentrum aus Roseobacter denitrificans in den
spektralen Bereichen α (A) und γ (B). Es wurde eine Standardprobe verwendet wie in Kapitel
B.2.5.2.2. beschrieben, mit folgenden Redoxmediatoren und Inhibitoren: 10 µM 1,2Naphthochinon, 1,4-Naphthochinon, p-Benzochinon und 5 µM Diaminoduren sowie 10 µM
Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol. Das eingestellte Redoxpotential wurde durch Zugabe von
kleinen Mengen von Natriumascorbat bzw. Kaliumhexacyanoferrat auf Eh = (375±5) mV
konstant gehalten. Die Daten zeigen die Absorptionsänderungen 1 ms nach einer Anregung
durch einen einzelnen Blitz. Jeder Punkt in der Graphik ist der Mittelwert aus 4 Messungen die
im Abstand von 60 s gemacht wurden. In dieser Zeit kann die Probe im Dunkeln in den
Grundzustand zurückkehren. Bei λ = 605 nm wurden 16 Messungen gemittelt.
144
Ergebnisse
Entsprechendes gilt für das gemessene Spektrum in der γ-Region. Hier beobachtet
man eine breite und nichtsymmetrische Bande mit einem Maximum bei 440 nm mit
einer Schulter bei 415 nm, die man in den Spektren von Rhodobacter sphaeroides
genauso vorfindet [157]. Der isosbestische Punkt liegt bei 403 nm in Roseobacter
denitrificans und bei 405 nm in Rhodobacter sphaeroides. In der γ-Region des
Spektrums ist die gemessene Absorptionsänderung wahrscheinlich zum Teil auf die
Bildung des Ubisemichinons an der Bindungsstelle QB des Reaktionszentrums
zurückzuführen. Dieser Beitrag ist jedoch eher gering. Aus der gemessenen
Absorptionsänderung bei 605 nm (Abbildung C.3.2.2.1A) lässt sich mit dem
Extinktionskoeffizienten ∆ε605(P/P+) = 20 mM-1cm-1 [91] die Konzentration des nach
Anregung durch einen Blitz photooxidierten Reaktionszentrums auf 0,24 µM
bestimmen (nach Lambert-Beer, siehe Kapitel B.1.2.5.1.). Wie man in anderen
Messungen bei vergleichbaren Redoxpotentialen Eh beobachten konnte (siehe
Kapitel C.3.2.3.), zeigt schon die Anregung durch einen einzelnen Blitz die Bildung
von reduziertem Cytochrom b561. Auch wenn eine zweite Anregung (500 ms nach
dem ersten Blitz) eine sehr viel höhere Menge an reduziertem Cytochrom b561 bildet
(nach dem
two-electron-gate Prinzip, siehe Kapitel A.3.5.), zeigen diese
Experimente, dass in einem Teil der Reaktionszentren das Ubisemichinon an der QBBindungsstelle schon vor der Anregung durch Licht gebildet wird. Mit dem
Extinktionskoeffizienten ∆ε445(QB-/QB) ≅ 8,5 mM-1cm-1 [154] berechnet sich ∆A445 ≈
2·10-3 für die Bildung von P+QB-. Dieser Wert entspricht maximal 30% des
gemessenen Signals bei 445 nm (siehe Abbildung C.3.2.2.1).
Insgesamt bestätigen die Daten in Abbildung C.3.2.2.1 die großen Ähnlichkeiten,
die auch schon in der Literatur dokumentiert sind, des Reaktionszentrums von
Roseobacter denitrificans zu den Reaktionszentren aus Purpurbakterien (siehe
Kapitel A.3.2. und A.4.4.).
145
Ergebnisse
Bestimmung
der
Redoxänderungen
des
primären
Donators
des
Reaktionszentrums und Korrektur der gemessenen Absorptionsänderungen
Die Wellenlänge λ = 605 nm eignet sich zur Bestimmung der Redoxänderungen des
primären Donators P im Reaktionszentrum, weil sie zum einen das maximale
Ausbleichen der Bande nach Anregung durch Licht zeigt, und zum anderen sind bei
dieser
Wellenlänge
keine
Interferenzen
durch
andere
Redoxkomponenten
vorhanden.
Zur Bestimmung und Korrektur des Beitrages der Oxidation des primären Donators
an der gemessenen Absorptionsänderung bei einer bestimmten Wellenlänge wird die
Absorptionsänderung bei 605 nm ∆A60513 mit einem wellenlängenabhängigen
Korrekturfaktor f(λ) multipliziert:
∆Aλ(primärer Donator) = ∆A605 · f(λ)
Gleichung C.3.2.2.1
mit:
∆Aλ(primärer Donator) ≡ Absorptionsänderung erzeugt durch die Oxidation des primären
Donators bei der Wellenlänge λ
∆A605 ≡ gemessene Absorptionsänderung bei 605 nm
f(λ) ≡ Multiplikationsfaktor bei der Wellenlänge λ
Der Multiplikationsfaktor f(λ) für jede Wellenlänge ist in Tabelle C.3.2.2.1 aufgelistet.
Er berechnet sich aus den Absorptionsänderungen im Differenzspektrum des
primären Donators in Abbildung C.3.2.2.1 wie folgt:
f(λ) = ∆Aλ(P/P+) / ∆A605(P/P+)
Gleichung C.3.2.2.2
mit:
f(λ) ≡ Multiplikationsfaktor bei der Wellenlänge λ
∆Aλ (P/P+) ≡ Absorptionsänderung bei der Wellenlänge λ im Differenzspektrum des primären
Donators
∆A605 (P/P+) ≡ Absorptionsänderung bei der Wellenlänge 605 nm im Differenzspektrum des
primären Donators
13
muss bei jeder Versuchsreihe unter den jeweiligen Messbedingungen gemessen werden
146
Ergebnisse
Diese Berechnung ist unabhängig von den Redoxbedingungen und kann somit auch
bei Redoxpotentialen Eh, bei denen nach Anregung durch Licht Redoxänderungen
von
Cytochromen
des
b-
oder
c-Typs
durch
Absorptionsänderungen
des
photooxidierten primären Donators überlagert werden (vorausgesetzt ∆A605 wird bei
den gleichen Bedingungen gemessen), angewandt werden.
Subtrahiert man den Beitrag zur Absorptionsänderung der Oxidation des primären
Donators ∆Aλ(primärer Donator) von der gemessenen Absorptionsänderung ∆Aλ bei
einer bestimmten Wellenlänge λ, erhält man die Absorptionsänderung der
Redoxänderung der Cytochrome des b- und/oder c-Typs (siehe z.B. Kapitel
C.3.2.5.):
∆Aλ(Cytochrom) = ∆Aλ - ∆Aλ(primärer Donator)
Gleichung C.3.2.2.3
mit:
∆Aλ(Cytochrom) ≡ Absorptionsänderung der Redoxreaktion der Cytochrome
∆Aλ ≡ gemessene Absorptionsänderung bei einer Wellenlänge λ
∆Aλ(primärer Donator) ≡ Absorptionsänderung durch die Oxidation des primären Donators
147
Ergebnisse
Tabelle C.3.2.2.1: Faktoren f(λ) zur Bestimmung des Anteils der Oxidation des
primären Donators P an der gemessenen Absorptionsänderung (siehe Text).
λ (nm)
400
401
402
403
404
405
406
407
408
409
410
411
412
413
414
415
416
417
418
419
420
421
422
423
424
425
426
427
428
429
430
431
432
433
434
435
436
437
438
439
440
441
442
443
444
445
446
447
448
449
450
451
452
453
f(λ)
0,15
0,10
0,05
0
-0,07
-0,13
-0,20
-0,28
-0,37
-0,44
-0,54
-0,62
-0,69
-0,76
-0,83
-0,88
-0,91
-0,93
-0,96
-0,97
-1,01
-1,04
-1,07
-1,12
-1,16
-1,18
-1,22
-1,25
-1,27
-1,31
-1,35
-1,37
-1,40
-1,40
-1,41
-1,43
-1,43
-1,43
-1,43
-1,43
-1,43
-1,41
-1,40
-1,38
-1,35
-1,34
-1,29
-1,26
-1,21
-1,15
-1,10
-1,03
-0,96
-0,90
λ (nm)
454
455
456
457
458
459
460
461
462
463
464
465
466
467
468
469
470
471
472
473
474
475
476
477
f(λ)
-0,85
-0,78
-0,73
-0,70
-0,68
-0,65
-0,63
-0,61
-0,59
-0,57
-0,56
-0,56
-0,55
-0,54
-0,54
-0,54
-0,54
-0,54
-0,54
-0,54
-0,53
-0,53
-0,53
-0,53
537
538
539
540
541
542
543
544
545
546
547
548
549
550
551
552
553
554
555
556
557
558
559
560
556
557
558
559
560
-0,46
-0,46
-0,48
-0,49
-0,50
-0,51
-0,51
-0,53
-0,53
-0,54
-0,53
-0,51
-0,48
-0,47
-0,42
-0,37
-0,32
-0,28
-0,26
-0,25
-0,23
-0,22
-0,23
-0,23
-0,23
-0,23
-0,23
-0,23
-0,23
148
λ (nm)
561
562
563
564
565
566
567
568
569
570
571
572
573
574
575
576
577
578
579
580
581
582
583
584
585
586
587
588
589
590
591
592
593
594
595
596
597
598
599
600
601
602
603
604
605
606
607
608
609
610
611
612
613
f(λ)
-0,23
-0,23
-0,23
-0,21
-0,21
-0,19
-0,18
-0,16
-0,15
-0,15
-0,15
-0,14
-0,14
-0,13
-0,13
-0,13
-0,12
-0,10
-0,08
-0,05
-0,01
0,01
0,07
0,08
0,12
0,15
0,18
0,21
0,23
0,28
0,31
0,37
0,43
0,50
0,59
0,68
0,76
0,84
0,88
0,93
0,96
0,98
1,00
1,01
1,00
0,98
0,96
0,93
0,89
0,84
0,78
0,69
0,57
Ergebnisse
C.3.2.3. Lichtinduzierte Reduktion von Cytochrom b bei hohen
Redoxpotentialen
Obwohl in Roseobacter denitrificans ein Cytochrom bc1 Komplex postuliert worden ist
[139, 176] (vgl. auch Kapitel A.4.5.), konnte bisher dessen Beteiligung an einem
lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfersystem nicht nachgewiesen werden.
Setzt man einen Q-Zyklus-Mechanismus voraus, wie man ihn in Purpurbakterien
findet [84], würde man Folgendes erwarten (vgl. hierzu Abbildung A.3.5.1): Das
nach zwei aufeinander folgenden Photoanregungen an der QB-Bindungsstelle des
Reaktionszentrum
aus
Ubichinon
gebildete
Dihydroubichinon
wird
in
einer
konzertierten Reaktion an der Qo-Bindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes zu
Ubichinon oxidiert. Ein Elektron wird dabei in die high potential Kette des Cytochrom
bc1 Komplexes eingespeist, wo es nacheinander ein FeS-Zentrum und ein
Cytochrom c1 reduziert. Das andere Elektron hingegen wird auf die low potential
Kette, bestehend aus zwei hintereinander angeordneten Cytochromen des b-Typs
(Cytochrom b566 und b561), übertragen, wo es schließlich in der Qi-Bindungsstelle ein
Ubichinon (oder ein Ubisemichinon) reduziert. Zur Bildung von Dihydroubichinon im
Cytochrom bc1 Komplex sind zwei Durchgänge notwendig. Bei geeigneten
Redoxbedingungen erzeugt also die Photoaktivierung des Reaktionszentrums eine
transiente Reduktion von Cytochrom b561, bevor dieses in einer schnellen Reaktion
durch das Ubichinon in der Qi-Bindungsstelle oxidiert wird. Setzt man Antimycin zu,
wird diese Oxidation gehemmt und reduziertes Cytochrom b kann akkumulieren.
Setzt man hingegen Myxothiazol zu, wird die Oxidation des Dihydroubichinon an der
Qo-Bindungsstelle gehemmt und die Reduktion von Cytochrom b kann nicht
stattfinden.
Ziel der folgenden Messungen war es, die lichtinduzierte Reduktion von Cytochrom b
in Membranen aus Roseobacter denitrificans nachzuweisen. Dazu wurde bei der
Membransuspension von Roseobacter denitrificans ein Redoxpotential von Eh = 390
mV eingestellt und die Reduktion von Cytochrom b nach Anregung durch kurze
sättigende Lichtblitze gemessen. Unter diesen Redoxbedingungen liegt der primäre
Elektronendonator des Reaktionszentrums überwiegend reduziert vor (ca. 85% mit
Em,7(P/P+) = 435 mV), während alle Häme des am Reaktionszentrum gebundenen
Cytochrom c sowie das lösliche Cytochrom c551 vollständig oxidiert vorliegen (vgl.
Abbildung D.2.4.1). Wir können deshalb erwarten, dass nur die Oxidation des
149
Ergebnisse
primären Donators und eventuelle Redoxänderungen von Cytochromen des b-Typs
zur
lichtinduzierten
Absorptionsänderung
beitragen.
Diese
sind
leicht
zu
unterscheiden, da die primäre Ladungstrennung im Reaktionszentrum sehr schnell in
einem Zeitraum < 200 ps erfolgt, während die Reduktion von Cytochrom b561 eine
typische Reaktion zweiter Ordnung ist (abhängig von der Diffusionsgeschwindigkeit
der Teilchen) und auf einer viel langsameren Zeitskala > 10 ms erfolgt.
Abbildung C.3.2.3.1A zeigt den Effekt der Inhibitoren Antimycin und Myxothiazol auf
die Absorptionsänderung bei 430 nm (γ-Bande) nach zwei single turnover Blitzen
unter den genannten oxidierenden Bedingungen. Diese Wellenlänge wurde zur
Untersuchung der lichtinduzierten Absorptionsänderungen gewählt, weil es sich um
das Absorptionsmaximum im (ox-red)-Differenzspektrum der Cytochrome des b-Typs
handelt. Nach Anregung durch den Blitz kann eine langsame kinetische Phase
beobachtet werden, die durch Antimycin stimuliert und durch Myxothiazol gehemmt
wird. Dieses Signal wird von einer schnellen Absorptionsänderung überlagert, die auf
die Photooxidation des primären Donators zurückzuführen ist.
Abbildung C.3.2.3.1C zeigt die langsame Kinetik, die der Reduktion von Cytochrom
b zugerechnet wird, ohne Überlagerung mit der schnellen Kinetik der Photooxidation
des primären Donators in Abwesenheit von Inhibitoren, Abbildung C.3.2.3.1B die
Kinetik nach Zugabe von Antimycin. Man erkennt aus dem kleinen Differenzsignal
von ca. 0,3 x 10-3 nach dem ersten Blitz und von 0,8 x 10-3 nach dem zweiten Blitz in
Abbildung C.3.2.3.1C, dass auch in Abwesenheit von Antimycin eine deutliche
Reduktion von Cytochrom b erfolgt. In Anwesenheit von Antimycin (Abbildung
C.3.2.3.1B) wird wesentlich mehr Cytochrom b reduziert, da es an der QoBindungsstelle nicht durch Ubichinon reoxidiert werden kann. Nur wenig Cytochrom b
wird nach dem ersten Blitz reduziert (t1/2 = 200 ms), während wesentlich mehr und
mit einer schnelleren Kinetik nach dem zweiten Blitz reduziert wird. Dieses binäre
Muster, das sich bei Mehrfachanregung wiederholt (nicht dargestellt), wird erwartet,
wenn Cytochrom b von Elektronen, die vom sekundären Akzeptor QB des
Reaktionszentrums geliefert werden, in einem two electron gate Mechanismus nach
vollständiger Reduktion und Protonierung des Ubichinons zu Ubichinol nach
geradzahligen Anregungen durch aufeinanderfolgenden Blitzen reduziert wird.
Ähnliche binäre Oszillationen bei blitzinduzierten Reduktionen von Cytochrom b sind
auch in Chromatophoren von Rhodobacter capsulatus bei hohen Redoxpotentialen
gezeigt worden [177].
150
Ergebnisse
5
Absorptionsänderung, ∆A430 x 103
4
A
b
a
c
3
2
1
Eh = 390 mV
0
1,5
B
1,0
(b)-(c)
Cyt b
0,5
Eh = 390 mV
0,0
-200
0
200
400
600
800
1000
1200
1,5
∆A430 x 103
Absorptionsänderung,
Zeit (ms)
Eh = 390 mV
C
1,0
(a)-(c)
0,5
Cyt b
0,0
-200
0
200
400
600
800
1000
1200
Zeit (ms)
Abbildung C.3.2.3.1: Der Effekt von Inhibitoren des Cytochrom bc1 Komplexes auf die
Kinetik der Absorptionsänderungen nach Anregung durch zwei Blitze im Abstand von
500 ms bei 430 nm (γ-Bande). Die Probe wurde wie in Kapitel B.2.5.2.2. beschrieben
vorbereitet. Das Redoxpotential in der Zelle wurde auf 390 mV eingestellt (Kapitel
B.2.5.2.2.). Es wurden keine Mediatoren zugegeben. (A) Die Signale sind Mittelungen aus
64 Messungen mit einer Äquilibrierungszeit (Dunkeladaptation) von 90 s zwischen den
einzelnen Messungen. Signal a ohne Inhibitor; Signal b nach Zugabe von 5 µM Antimycin;
Signal c nach weiterer Zugabe von 0,5 µM Myxothiazol. (B) Signal c wurde von Signal b
abgezogen. Dieses Signal entspricht der lichtinduzierten Reduktion von Cytochrom b in
Anwesenheit von Antimycin. (C) Signal c wurde von Signal a abgezogen. Dieses Signal
entspricht der Reduktion von Cytochrom b in Abwesenheit von Inhibitoren. Die
eingezeichneten Pfeile stellen den Zeitpunkt der Anregung durch den Blitz dar.
151
Ergebnisse
Abbildung C.3.2.3.2 zeigt die Kinetik der Reduktion von Cytochrom b561 in der αBande bei 562 nm in Anwesenheit von Antimycin nach Abzug des Signals nach
Zugabe von Myxothiazol. Obwohl die Kinetik nach dem ersten Blitz der Kinetik in der
γ-Bande bei 430 nm (Abbildung C.3.2.3.1C) ähnlich ist, ist die Reduktion von
Cytochrom b nach dem zweiten Blitz nicht merklich erhöht. Dies könnte allerdings an
einer bei diesen sehr kleinen Signalen nicht ausreichenden Dunkeläquilibrierung (von
60 s) zwischen den Anregungen bei der Messung bei 562 nm liegen, so dass das
Absorptionsänderung, ∆A562 x 103
binäre Muster verloren gegangen ist.
0,3
Antimycin - Myxothiazol
0,2
0,1
Cyt b
0,0
Eh = 390 mV
-0,1
-200
0
200
400
600
800
1000
1200
Zeit (ms)
Abbildung C.3.2.3.2: Der Effekt der Inhibitoren des bc1 Komplexes auf die Kinetik der
Absorptionsänderung nach Anregung durch zwei Blitze im Abstand von 500 ms bei
562 nm (α-Bande). Die eingezeichneten Pfeile kennzeichnen den Zeitpunkt der Anregung
durch einen Blitz. Das abgebildete Signal ist die Subtraktion des Signals aus der Messung in
Anwesenheit von 5 µM Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol (nicht dargestellt) vom Signal aus
der Messung nach Zugabe von 5 µM Antimycin (nicht dargestellt), analog zu Abbildung
C.3.2.3.1.C. Es wurden 90 Messungen gemittelt, mit einer Dunkelzeit von 60 s zwischen den
Messungen.
152
Ergebnisse
Abbildung C.3.2.3.3 zeigt die Spektren der blitzinduzierten Absorptionsänderungen,
die bei Eh = 390 mV nach Zugabe von Antimycin sowie nach weiterer Zugabe von
Myxothiazol gemessen wurden. Sie bestätigen die Zuordnung der beobachteten
langsamen Phase zur Reduktion von Cytochrom b in Abbildung C.3.2.3.1 und
zeigen ein Maximum bei 430 nm im Bereich der Soret-Bande (Abbildung
C.3.2.3.3A) und bei 561 nm in der α-Bande (Abbildung C.3.2.3.3B). Das Verhältnis
der Redoxextinktionskoeffizienten bei 430 nm und 561 nm ist ca. 4,5, ähnlich wie bei
Cytochrom b562 in Rhodobacter sphaeroides [157] und in Chromatium vinosum [91].
153
∆ A x 10
3
Absorptionsänderung,
3 ∆A x 10
Ergebnisse
7
A
Eh = 390 mV
+ Antimycin
6
5
+ Antimycin
+ Myxothiazol
4
420
425
430
435
440
∆ A x 10
Absorptionsänderung, 3∆A x 103
Wellenlänge (nm)
2
1
++ Antimycin
Antimycin B
Antimycin
++
Antimycin
++
Myxothiazol
Myxothiazol
Eh= 390 mV
0
550
555
560
565
570
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.3.2.3.3: Das blitzinduzierte Differenzspektrum der Redoxänderungen des
Reaktionszentrums und des Cytochrom b in der γ- (A) und der α-Region (B) bei Eh =
390 mV. Die Proben wurden wie in Abbildung C.3.2.3.1 vorbereitet. Die
Absorptionsänderungen wurden durch eine Folge von 4 Blitzen im Abstand von 300 ms
induziert und die Absorptionsänderungen wurden 300 ms nach dem letzten Blitz
aufgenommen in Gegenwart von Antimycin (volle Symbole) und nach weiterer Zugabe von
Myxothiazol (leere Symbole). Bei jeder Wellenlänge wurden 16 Messungen gemittelt (60 s
Dunkelzeit zwischen den Messungen). Die Linien dienen nur der Veranschaulichung.
Verschiedene Symbole (Rauten und Quadrate) entsprechen unabhängigen Messungen mit
verschiedenen Proben.
154
Ergebnisse
C.3.2.4. Kopplung zwischen der Reduktion von Cytochrom b und
der Rereduktion der Cytochrome des c-Typs nach Anregung durch
einen Blitz
Die Beobachtung der blitzinduzierten Reduktion von Cytochrom b und des Effektes
der spezifischen Cytochrom bc1-Inhibitoren Antimycin und Myxothiazol auf die
Kinetiken (siehe Kapitel C.3.2.3.), geben Anlass zur Vermutung, dass ein Cytochrom
bc1 Komplex an der lichtinduzierten Elektronentransferkette von Roseobacter
denitrificans beteiligt ist. Daher wurde der Effekt von Antimycin und Myxothiazol auf
die Kinetiken der Redoxänderungen der Cytochrome des b-Typs sowie des c-Typs
nach Anregung durch einen Blitz (single turnover excitation) bei niedrigeren
Redoxpotentialen gleichzeitig untersucht. Wenn man einen Q-Zyklus-Mechanismus
voraussetzt, erfolgt die photoinduzierte Reduktion des Cytochroms b561 über die low
potential Kette des Cytochrom bc1 Komplexes in einer konzertierten Reaktion an der
Q0-Bindungsstelle im Cytochrom bc1 Komplex, vorausgesetzt die Oxidation der high
Potential Kette des Komplexes (Cytochrom c1 und das Rieske-FeS-Zentrum) durch
den photooxidierten primären Donator des Reaktionszentrums kann erfolgen (siehe
Abbildung A.3.5.1). Somit muss nach Anregung durch einen Blitz zeitgleich die
Reduktion des Cytochroms b und die Oxidation der Cytochrome c beobachtet
werden können.
Die Messungen wurden bei leicht unterschiedlichen Potentialen (Eh = 195 mV, Eh =
160 mV und Eh = 145 mV) durchgeführt (s.u.). Bei allen genannten Potentialen liegen
die gleichen Komponenten reduziert bzw. oxidiert vor (s.u.), nur die Anteile ändern
sich geringfügig, und der Q-Pool wird bei abnehmendem Potential zunehmend
reduziert. Die Variierung des Redoxpotentials hat vor allem technische Gründe, da
die Einstellung eines exakten Potentials, insbesondere bei Membransuspensionen
auf Grund der hohen Anzahl an Redoxkomponenten nicht trivial ist und unter
bestimmten Bedingungen ein definiert eingestelltes Potential über die Dauer einer
Messreihe (bis zu mehreren Stunden) besonders bei niedrigeren Potentialen nicht
stabil ist, so dass man gegebenenfalls auf ein ähnliches Potential (das stabil ist)
ausweichen muss. Ein niedrigeres Potential vergrößert z.B. die Signale der
Cytochrom b-Reduktion (s.u.), was für die Auswertung der Messung von Vorteil ist.
Bei einem eingestellten Redoxpotential in der Umgebung von Eh = 195 mV liegen in
Roseobacter denitrificans beide Häme H1 und H2 des am Reaktionszentrum
155
Ergebnisse
gebundenen tetrahämen Cytochroms c (Em,7(H1) = 290 mV und Em,7(H2) = 250 mV;
[108]) sowie Cytochrom c551 (Em,7 = 250 mV; [178]) im Dunkeln überwiegend
reduziert vor. Bei diesem Potential Eh wird das durch Blitzanregung gebildete P+
innerhalb der Zeitauflösung unserer Messmethodik (im submillisekunden Bereich)
unter gleichzeitiger Oxidation von Cytochromen des c-Typs wieder reduziert. Im
Bereich
der
γ-Bande
überlagert
sich
der
Beitrag
der
lichtinduzierten
Absorptionsänderungen von Cytochromen des b-Typs und des c-Typs zum Teil (s.u.
und Abbildung C.3.2.4.4). Trotzdem kann der Effekt von Antimycin und Myxothiazol
auf die Reduktion von Cytochrom b und die parallel erfolgende Rereduktion von
Cytochrom c nach einer Photoanregung untersucht werden, wenn man die
blitzinduzierten Absorptionsänderungen jeweils bei 430 nm bzw. 422 nm misst.
Das Signal bei 422 nm zeigt allein die Redoxänderungen der Cytochrome des cTyps, da sich Cytochrom b bei dieser Wellenlänge isosbestisch verhält (siehe
Abbildung
C.3.2.3.3A).
Nach
der
schnellen
blitzinduzierten
Oxidation
der
Cytochrome c (Häme H1 und H2), gekennzeichnet durch eine schnelle Abnahme des
Signals, erfolgt eine langsame Rereduktion, die dadurch charakterisiert ist, dass das
Signal langsam wieder zunimmt. Abbildung C.3.2.4.1A zeigt die Inhibierung der
Cytochrom c Rereduktion durch Antimycin insbesondere nach dem zweiten Blitz.
Zugabe von Myxothiazol zur Probe verlangsamt die Rereduktion von Cytochrom c
zusätzlich. Abbildung C.3.2.3.4.1B zeigt den Effekt der Inhibitoren auf die
gleichzeitig stattfindende Reduktion von Cytochrom b. Bei 430 nm induziert die
Anregung durch einen Blitz eine schnelle Absorptionsabnahme, die der Oxidation
von Cytochrom c (Häme H1 und H2) entspricht. Anschließend kann die langsame
Kinetik der Cytochrom b Reduktion (die zu einer Absorptionszunahme führt)
beobachtet werden, überlagert von dem Beitrag zur Absorptionsänderung durch die
Rereduktion der Cytochrome des c-Typs. Wie schon bei höherem Redoxpotential
beobachtet, stimuliert Antimycin die Reduktion von Cytochrom b, während
Myxothiazol
sie
hemmt.
Man beachte, dass Antimycin bei 430 nm die
Wiederherstellung des Signals durch die Zunahme der Reduktion des Cytochrom b
beschleunigt, während bei 422 nm eine Signalabnahme zu beobachten ist, da hier
nur die Cytochrom c-Rereduktion beobachtet werden kann.
156
Ergebnisse
Absorptionsänderung,
∆A430 x 103
Absorptionsänderung,
∆A422 x 103
5
A
0
-5
a
b
c
-10
-15
Kontrolle
a
+ Antimycin b
-20
-25
-30
2
0
+ Antimycin
+ Myxothiazol
Eh=195 mV
B
+ Antimycin
-2
b
a
-4
c
Kontrolle
c
b
a
-6
-8
c
+ Antimycin
+ Myxothiazol
-10
-12
-14
Eh=195 mV
0
500
1000
1500
Zeit (ms)
Abbildung C.3.2.4.1: Der Effekt der Inhibitoren des Cytochrom bc1 Komplexes auf die
Kinetik der Absorptionsänderungen nach Anregung durch zwei Blitze bei 422 nm (A)
und bei 430 nm (B). Bei 422 nm sind nur Absorptionsänderungen zu sehen, die von den
Cytochromen des c-Typs herrühren, da diese Wellenlänge für Cytochrom b isosbestisch ist,
während die Änderungen bei 430 nm indikativ für Cytochrome des b-Typs, aber auch des cTyps sind. Das Redoxpotential wurde auf 195 mV konstant gehalten. Die Probe wurde
vorbereitet wie in Kapitel B.2.5.2.2. beschrieben. Als Redoxmediatoren wurden jeweils 10
µM 1,2-Naphthochinon, 1,4-Naphthochinon und p-Benzochinon zugesetzt. Die Signale sind
Mittelungen von vier Messungen. Signal a ohne Inhibitor; Signal b nach Zugabe von 5 µM
Antimycin; Signal c nach weiterer Zugabe von 0,5 µM Myxothiazol.
157
Ergebnisse
Weiterhin wurde der Effekt der Inhibitoren auf die Redoxänderungen der Cytochrome
des b- und c-Typs auch in der α-Bande des Spektrums bei einem etwas niedrigeren
Redoxpotential von Eh = 145 mV untersucht. Bei 554 nm (Abbildung C.3.2.4.2)
wurde eine vergleichbare Kinetik der Cytochrom c-Rereduktion nach der lichtinduzierten Oxidation erhalten wie bei 422 nm (Abbildung C.3.2.4.1A). Auch hier
sind die Beiträge der Cytochrom b-Reduktion vernachlässigbar (vgl. Abbildung
C.3.2.3.3B). Die Rereduktion des Cytochroms c nach dem ersten und zweiten Blitz
erscheint unter diesen Bedingungen in Abwesenheit von Inhibitoren ausgeprägter
und schneller. Dies stimmt damit überein, dass bei stärker reduzierenden
Bedingungen (d.h. bei niedrigeren Redoxpotentialen, nämlich bei Eh = 145 mV
anstatt Eh = 195 mV, vgl. Abbildung C.3.2.4.1A) die Konzentration von
Dihydroubichinon im Ubichinon-Pool in der Membran höher ist und dieser dem
Cytochrom bc1 Komplex schneller Elektronen zur Verfügung stellen kann. Somit kann
die Reduktion der high potential Kette des Cytochrom bc1 Komplexes schneller
Absorptionsänderung, ∆ A
554
x 10
3
erfolgen (s.u.).
1
0
-1
a
b
c
-2
-3
-4
-5
-6
E h = 145 mV
0
500
1000
Zeit (ms)
a
Kontrolle
b
+ Antimycin
c
+ Antimycin
+ Myxothiazol
1500
2000
Abbildung C.3.2.4.2: Absorptionsänderung bei 554 nm nach zwei aufeinander
folgenden Blitzen im Abstand von 500 ms. (a) ohne Inhibitor; (b) mit Antimycin; (c) mit
Antimycin und Myxothiazol. Das Redoxpotential wurde auf 145 mV eingestellt. Zugesetzt
wurden folgende Redoxmediatoren: jeweils 10 µM 1,2-Naphthochinon, 1,4-Naphthochinon,
p-Benzochinon und Durochinon. Es wurden 4 Messungen im Abstand von 90 s gemittelt.
158
Ergebnisse
Abbildung C.3.2.4.3 zeigt die entsprechende Kinetik der Reduktion von Cytochrom b
bei Eh = 145 mV in der α-Bande bei 562 nm. Auch bei diesen Redoxbedingungen
liegen die Häme H1 und H2 sowie Cytochrom c551 vor der Anregung reduziert vor,
und der primäre Donator P+ wird nach der Anregung durch den Blitz sofort reduziert
(s.o.). Die schnelle Oxidation der Häme H1 und H2 zeigt jedoch bei dieser
Wellenlänge keine signifikante Absorptionsänderung, wie in Abbildung C.3.2.5.2E
zu erkennen ist . Der Effekt der Inhibitoren auf die Reduktion des Cytochroms b ist
bei Eh = 145 mV ähnlich wie bei höheren Potentialen (siehe Kapitel C.3.2.3.).
Genauso beobachtet man hier eine signifikante Reduktion von Cytochrom b auch in
Abwesenheit von Antimycin. Dies lässt vermuten, dass in Roseobacter denitrificans
die Reoxidation des Cytochroms b561 durch ein Ubichinon (oder Ubisemichinon) an
der Qi-Bindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes langsamer stattfindet als im
Cytochrom
bc1
Komplex
von
Rhodobacter
sphaeroides,
oder,
dass
im
thermodynamischen Gleichgewicht die Verteilung des Elektrons stärker zum
Cytochrom b561 hin verschoben ist. Wie auch bei Eh = 390 mV stimuliert Antimycin
sowohl die Amplitude des Signals als auch die Anfangsgeschwindigkeit der
Reduktion des Cytochroms b561, während Myxothiazol das Signal fast vollständig
verschwinden
lässt.
Vergleicht
man
die
Signale
der
lichtinduzierten
Absorptionsänderung bei 562 nm in der α-Bande in Anwesenheit von Antimycin bei
Eh = 390 mV (Abbildung C.3.2.3.2) und Eh = 145 mV (Abbildung C.3.2.4.3B),
erkennt man, dass bei einer Verringerung des eingestellten Redoxpotentials die
Amplitude des Signals sowie die Anfangsgeschwindigkeit der Reaktion signifikant
größer wird. Nach der ersten Anregung verringert sich die Halbwertszeit der
Oxidation von Cytochrom b561 von t1/2 (Eh = 390 mV) ≅ 200 ms auf t1/2 (Eh = 145 mV)
≅ 40 ms. In Roseobacter denitrificans besteht der Q-Pool wie in Rhodobacter
sphaeroides ausschließlich aus Ubichinon-10 [179]. Da man voraussetzen kann,
dass
die
thermodynamischen
Eigenschaften
des
Q-Pools
in
Roseobacter
denitrificans dem von Rhodobacter sphaeroides (Em,7 = 90 mV [88]) ähnlich sind, ist
anzunehmen, dass bei stärker reduzierenden Bedingungen die Konzentration an
UQH2 im Pool, welches für die Reaktion an der Qo-Bindungsstelle des Cytochrom bc1
Komplexes zur Verfügung steht, stark erhöht und damit die Reduktion des
Cytochrom b wie auch die Rereduktion der high potential Kette (s.o.), nach dem QZyklus-Mechanismus beschleunigt (vgl. Kapitel A.3.5.) wird.
159
Ergebnisse
0
3
500
1000 1500 2000
A
2
Kontrolle
Absorptionsänderung, ∆A562 x 103
1
0
3
B
2
+ Antimycin
1
0
3
C
+ Antimycin
+ Myxothiazol
2
1
0
0
500
1000 1500 2000
Zeit (ms)
Abbildung C.3.2.4.3: Absorptionsänderung bei 562 nm nach Anregung durch zwei
aufeinanderfolgende Blitze im Abstand von 500 ms (mit Pfeilen gekennzeichnet). (A)
ohne Inhibitor; (B) mit 5 µM Antimycin; (C) mit 5 µM Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol. Das
Redoxpotential wurde auf 145 mV eingestellt. Redoxmediatoren: 1,2-Naphthochinon, 1,4Naphthochinon, p-Benzochinon, Durochinon (jeweils 10 µM). Es wurden 4 Messungen im
Abstand von 90 s gemittelt.
160
Ergebnisse
Nimmt man einen Differenzextinktionskoeffizienten für Cytochrom b561 von
∆ε561(ox-red) = 20 mM-1cm-1 [157] [91] an, kann aus Abbildung C.3.2.4.3B
abgeschätzt werden, dass eine Photoaktivierung ca. 0,3 Cytochrom b561 pro
Reaktionszentrum reduziert14.
Die Beobachtung der blitzinduzierten Cytochrom b Reduktion bei eingestellten
Redoxpotentialen, die einen Elektronentransfer durch Cytochrome des c-Typs zu P+
erlauben, wird durch die zeitaufgelösten Spektren bestätigt, die in ähnlichen
Experimenten bei Eh = 160 mV in Anwesenheit und Abwesenheit von Antimycin in
der γ-Bande des Spektrums gemessen wurden (Abbildung C.3.2.4.4)15. Dieses
etwas niedrigere Potential wurde gewählt, um größere Signale zu erhalten. Die
Redoxzustände der Cytochrome des c-Typs und des b-Typs sind im wesentlichen
unverändert. Ohne Zugabe von Inhibitoren (Abbildung C.3.2.4.4A) werden die
Spektren von den Beiträgen der Redoxänderungen der Cytochrome des c-Typs
dominiert. Die Absorptionsänderung 100 µs nach dem ersten Blitz hat ein Maximum
bei 422 nm und gibt die schnelle Oxidation des Häms H2 des Reaktionszentrums
gebundenen Tetrahäm wieder (s.u.). Nach 400 ms verringert sich die Amplitude, und
die Cytochrom c Bande ist leicht zu kürzeren Wellenlängen verschoben. Außerdem
ist die Verringerung der Amplitude bei 430 nm stärker ausgeprägt als bei 422 nm.
Dies lässt vermuten, dass, wie schon bei höheren Potentialen beobachtet, eine
partielle Reduktion von Cytochrom b auch ohne Zugabe von Antimycin erfolgt. Diese
Veränderungen werden im Spektrum 500 ms nach dem zweiten Blitz beibehalten,
bzw. verstärkt. Nach Zugabe von Antimycin (Abbildung C.3.2.4.4B) ist das
Spektrum nach 100 µs unverändert, während nach 400 ms eine gewisse Erhöhung
14
Aus der Amplitude der Absorptionsänderung bei 561 nm kann nach Lambert-Beer (siehe Kapitel
B.1.2.5.) mit Hilfe des Extinktionskoeffizienten ∆ε bei 561 nm die Konzentration von Cytochrom b561
ermittelt werden. Die Konzentration der Reaktionszentren in der Probe wird wie in Kapitel B.2.5.2.2.
beschrieben ermittelt.
15
Zum besseren Verständnis der Ausführungen im diesem Kapitel sei darauf hingewiesen, dass die
Nomenklatur der Cytochrome auf das Absorptionsmaximum der a-Bande, die nur im reduzierten
Zustand auftritt, basiert. Dennoch sind auch die Absorptionsmaxima der g-Bande für ein Cytochrom
charakteristisch. So hat Cytochrom b561 Absorptionsmaxima bei 561 nm und bei 430 nm (vgl.
Abbildung C.3.2.3.3), Cytochrom c554 (H2) bei 554 und 422nm (vgl. Abbildung C.3.2.5.2),
Cytochrom c551 bei 550,5 und 415 nm [137]. Für Cytochrom c533 (L1/L2) sind die Absorptionsmaxima
leicht zu kleineren Wellenlängen, und für Cytochrom c555 (H1) leicht zu größeren Wellenlängen
verschoben (vgl. auch Kapitel B.2.5. und Abbildung B.2.5.1). Die Messungen in der g-Bande
ermöglichen auf Grund des größeren Extinktionskoeffizienten (siehe Kapitel B.2.5.) eine leichtere
Auswertung der Ergebnisse, und werden deshalb gründlicher behandelt. Die Messungen in der aBande liefern die gleichen Ergebnisse, und werden zur Ergänzung und Vervollständigung weiter
hinten im Kapitel behandelt.
161
Ergebnisse
der Absorption mit einem Maximum bei 432 nm beobachtet wird, die die Reduktion
von Cytochrom b wiederspiegelt. Die Absorptionsabnahme in der Cytochrom c
Bande wird ebenso durch Antimycin stimuliert. Dies zeigt, dass parallel zur
Stimulierung der Cytochrom b Reduktion die Rereduktion der nach dem Blitz
oxidierten Cytochrome des c-Typs gehemmt wird. Spektren 500 ms nach der zweiten
Blitzanregung zeigen eine weitere Akkumulierung von reduziertem Cytochrom b und
oxidiertem Cytochrom c. Interessanterweise scheint sich bei Anwesenheit von
Antimycin die Bande bei 422 nm im Spektrum 100 µs nach Blitzanregung auf 420 nm
zu verschieben (500 ms nach dem zweiten Blitz). Es ist zu vermuten, dass auf einer
langsamen Zeitskala ein spektroskopisch unterschiedliches Cytochrom c in der
Elektronentransferkette beteiligt ist. Diese Verschiebung der Banden, sowohl in der
α- als auch in der γ-Region des Spektrums der Cytochrome des c-Typs, zu kleineren
Wellenlängen 95 ms nach der Anregung durch einen Blitz in Gegenwart von
Antimycin und Myxothiazol, lässt sich auch bei Eh = 195 mV beobachten (Abbildung
C.3.2.4.6).
Abbildung C.3.2.4.4C zeigt die zeitaufgelösten Spektren bei den gleichen
Bedingungen nach weiterer Zugabe von Myxothiazol. Da der Cytochrom bc1 Komplex
an beiden Bindungsstellen blockiert ist, wird der Elektronentransfer zu Cytochrom b
verhindert, und die Oxidation von Cytochrom c kann beobachtet werden. Die Bande
bei 432 nm verschwindet, d.h. die Reduktion von Cytochrom b wird vollständig
gehemmt. Die Amplitude der Cytochrom c Oxidation ist nach dem ersten Blitz (bei
422 nm) kleiner. Nach dem zweiten Blitz ist eine Verschiebung der Bande nicht zu
beobachten.
162
Ergebnisse
410
415
420
425
430
435
440
445
450
15
A
Inhibit or
ohne Inhibitor
10
A bsorpt
ionsänderung,DA∆xA10x3 1 0
Absorptionsänderung,
3
5
0
-5
-1 0
-1 5
-2 0
-2 5
Eh =
Eh160
= 1 6mV
0 mV
-3 0
10
B
+
+ Antimycin
A nt im y c in
5
0
-5
-1 0
-1 5
-2 0
-2 5
Eh E
=h =160
1 6mV
0 mV
-3 0
410
415
420
425
430
435
440
445
450
Absorptionsänderung, ∆ A x 10
3
Wellenlänge (nm)
15
10
C
+ Antimycin
+ Myxothiazol
5
0
-5
-10
-15
-20
-25
-30
-35
100 µ s nach dem 1. Blitz
400 ms nach dem 1. Blitz
500 ms nach dem 2. Blitz
E h = 160 mV
410
415
420
425
430
435
440
445
450
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.3.2.4.4: Absorptionsdifferenzspektren in der γ-Region aufgenommen
nach dem ersten Blitz (volle Kreise nach 100 µs und offenen Kreise nach 400 ms) und
500 ms nach dem zweiten Blitz (offene Dreiecke). Blitze erfolgten im Abstand von 400 ms:
(A) in Abwesenheit von Inhibitoren; (B) in Gegenwart von 5 µM Antimycin; (C) nach weiterer
Zugabe von 0,5 µM Myxothiazol. Das Redoxpotential wurde auf Eh = 160 mV eingestellt. Als
Redoxmediatoren wurden 10 µM 1,2-Naphthochinon, 1,4-Naphthochinon, p-Benzochinon
und 5 µM Diaminoduren zugesetzt. Bei jeder Wellenlänge wurden 4 Messungen gemittelt mit
einer Dunkelzeit von 2 min zwischen den Messungen.
163
Ergebnisse
Die zeitaufgelösten Spektren in der α-Bande wurden in ähnlichen Experimenten bei
Eh = 145 mV in Anwesenheit von Antimycin und nach weiterer Zugabe von
Myxothiazol untersucht (Abbildung C.3.2.4.5). Es wurde die Absorptionsänderung
2 ms und 500 ms nach einem Blitz gemessen. Die schnelle Absorptionsänderung hat
sowohl in Anwesenheit von Antimycin als auch von Myxothiazol ein Minimum bei
554 nm, d.h. dieses Spektrum spiegelt die Oxidation des H2 wieder. Nach 500 ms ist
die Bande der Cytochrom c Oxidation kleiner und zu kleineren Wellenlängen
verschoben, in Einklang mit der Hypothese, dass H2 von den Komponenten der high
potential Kette, genauer gesagt vom löslichen Cytochrom c551, in einer langsamen
Reaktion rereduziert wird (siehe auch Abbildung C.3.2.5.1). In Anwesenheit von
Antimycin beobachtet man auf der langsamen Zeitskala auch ein Maximum bei
562 nm, das nach weiterer Zugabe von Myxothiazol fast vollständig verschwindet.
Dies spiegelt den Effekt der Inhibitoren auf die Reduktion von Cytochrom b wieder.
164
Absorptionsänderung, ∆ A x 10
3
Ergebnisse
2
A
1
+ Antimycin
0
-1
-2
2 ms
-3
500 ms
Eh = 145 mV
-4
540
545
550
555
560
565
570
575
Absorptionsänderung, ∆ A x 10
3
W ellenlänge (nm )
2
B
+ A ntim ycin
+ M yxothiazol
1
0
-1
-2
-3
2 ms
500 m s
Eh = 145 mV
-4
540
545
550
555
560
565
570
575
W ellenlänge (nm )
Abbildung C.3.2.4.5: Absorptionsdifferenzspektren in der α-Region nach Anregung
durch einen Blitz (offene Kreise nach 2 ms, geschlossene Vierecke nach 500 ms). (A)
in Gegenwart von 5 µM Antimycin; (B) nach weiterer Zugabe von 0,5 µM Myxothiazol.
Mediatoren wie in Abbildung C.3.2.4.3. Jeder Punkt entspricht der Mittelung von zwei
Messungen im Abstand von 90 s.
165
Ergebnisse
Absorptionsänderung, ∆A x 10
3
A
5
+Antimycin
+Myxothiazol
0
-5
-10
2 ms
-15
95 ms
Eh=195 mV
410
415
420
425
430
435
440
445
Absorptionsänderung, ∆A x 10
3
Wellenlänge (nm)
1,0
B
+Antimycin
+Myxothiazol
0,5
0,0
-0,5
-1,0
-1,5
-2,0
2 ms
-2,5
-3,0
-3,5
95 ms
Eh=195 mV
540
545
550
555
560
565
570
Wellenlänge (nm)
Abbildung C.3.2.4.6: Blitzinduzierte Absorptiondifferenzspektren in der γ-Region (A)
und α-Region (B) des Spektrums bei Eh = 195 mV. Offene Kreise zeigen die
Absorptionsänderung 2 ms nach der Anregung durch einen Blitz, volle Quadrate die
Absorptionsänderung nach 95 ms. Die Probe wurde vorbereitet wie in Abbildung C.3.2.4.1
beschrieben. Es wurden 5 µM Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol zugegeben.
Insgesamt zeigen die Messungen in Abbildung C.3.2.4.1 bis 6, dass bei einem
geeigneten Redoxpotential die blitzinduzierte Reduktion von Cytochrom b561 an die
Lieferung von Elektronen zum tetrahämen Cytochrom c gekoppelt ist, mit einem
Reaktionsmechanismus, der durch die Inhibitoren des Cytochrom bc1 Komplexes
gehemmt werden kann.
166
Ergebnisse
C.3.2.5. Zeitaufgelöste Spektren der Redoxänderungen
Cytochromen des c-Typs nach einem single turnover Blitz
von
Um den Weg der Elektronen von der Qo-Bindungsstelle des Cytochrom bc1
Komplexes zu dem tetrahämen Cytochrom c besser zu charakterisieren, wurden die
Kinetiken der blitzinduzierten Absorptionsänderungen der Cytochrome des c-Typs
bei bestimmten eingestellten Redoxpotentialen und vollständiger Inhibierung der Q0und Qi-Bindungsstellen des Cytochrom bc1 Komplexes, sowohl in der γ- als auch in
der α-Bande im Detail untersucht. Es wurden die Redoxpotentiale Eh = 310 mV, Eh =
170 mV und Eh = 50 mV auf Grund der vorhandenen Daten in der Literatur [108,
137] gewählt, um in der Membransuspension ein oder mehrere Cytochrome des cTyps selektiv zu reduzieren.
Beispiele für die gemessenen Signale bei λ = 422 nm und λ = 415 nm16 zeigt
Abbildung C.3.2.5.1. Die spektralen Beiträge des primären Donators wurden wie in
Kapitel C.3.2.2. beschrieben korrigiert, so dass die abgebildeten Signale unter den
gegebenen Bedingungen ausschließlich die Redoxänderungen der Cytochrome des
c-Typs wiederspiegeln. Nach der Anregung durch den Blitz wird eine schnelle
Absorptionsänderung erzeugt (< 20 µs), die bei Eh = 310 mV und 50 mV bis zum
Ende der Messung konstant bleibt (Abbildung C.3.2.5.1A und C, sowie C.3.2.5.1D
und F). Bei einem Potential von Eh = 170 mV hingegen erfolgte eine Photooxidation
innerhalb von 15 ms. Bei Vergleich mit den (ox-red)-Differenzspektren der
Cytochrome [108] kann man schlussfolgern, dass die Anregung durch einen Blitz
eine
schnelle
Oxidation
eines
Häms
erzeugen,
und
unter
bestimmten
Redoxbedingungen das Elektron auf ein oder mehrere weitere Cytochrome des cTyps verteilt wird. Um die genannten Beobachtungen besser zu verstehen, wurde
eine spektrale Analyse bei den verschiedenen Redoxpotentialen durchgeführt.
16
Die Wellenlänge l = 422 nm ist charakteristisch für Cytochrom c554 (H2) der tetrahämen Cytochrom
c-Untereinheit. Wenn man das zeitaufgelöste Spektrum von Cytochrom c554, das bei Eh = 310 mV
aufgenommen werden kann betrachtet, erkennt man, dass es bei 415 nm einen isosbestischen Punkt
hat (Abbildung C.3.2.5.2), d.h. die Redoxänderung von Cytochrom c554 zeigt bei dieser Wellenlänge
keine Absorptionsänderung. Cytochrom c551 hingegen hat bei 415 ein Absorptionsmaximum [137]. Bei
415 nm können also die Redoxreaktionen dieses Cytochroms c551 (und möglicherweise auch anderer
Cytochrome des c-Typs) unabhängig von den Redoxreaktionen des tetrahämen Cytochrom c
beobachtet werden.
167
Absorptionsänderung,
∆A415 x 103
Absorptionsänderung,
∆A415 x 103
Absorptionsänderung,
∆A415 x 103
Ergebnisse
Eh = 310 mV
Eh = 170 mV
C
Eh = 50 mV
Zeit (ms)
Abbildung C.3.2.5.1: Lichtinduzierte Absorptionsänderungen nach Anregung durch
einen sättigenden Blitz bei Redoxpotentialen von Eh = 310 mV (A bzw. D), Eh = 170 mV
(B bzw. E) und Eh = 50 mV (C bzw. F). Die Signale A, B und C wurden bei 415 nm
aufgenommen, die Signale D, E und F bei 422 nm. Die Proben wurden vorbereitet wie in
Kapitel B.2.5.2.2. beschrieben. Es wurden 5 µM Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol
zugegeben. Die Zeitauflösung der Messapparatur beträgt 20 µs. Die Signale A und D ent-
168
Absorptionsänderung,
∆A422 x 103
Absorptionsänderung,
∆A422 x 103
Absorptionsänderung,
∆A422 x 103
Ergebnisse
Eh = 310 mV
Eh = 170 mV
Eh = 50 mV
Zeit (ms)
Abbildung C.3.2.5.1: Fortsetzung
sprechen der Mittelung von 4 Messungen im Abstand von 60 s, die Signale B und E der
Mittelung von 4 Messungen im Abstand von 2 min und die Signale C und F der von 4
Messungen im Abstand von 3 min. Bei den Signalen A und D wurden die
Absorptionsbeiträge von P+, wie in Kapitel C.3.2.2. beschrieben, korrigiert. Dazu wurde das
Signal bei 605 nm (nicht gezeigt) verwendet, das unter den gleichen Bedingungen
aufgenommen wurde. Hier wurden 16 Messungen im Abstand von 60 s gemittelt.
169
Ergebnisse
Abbildung C.3.2.5.2 zeigt die in Gegenwart von Antimycin und Myxothiazol
gemessenen Absorptionsänderungen jeweils 100 µs und 90 ms nach dem Blitz als
Funktion der Wellenlänge bei verschiedenen eingestellten Redoxpotentiale (Eh = 310
mV, Eh = 170 mV und Eh = 50 mV). Durch die Inhibierung des Cytochrom bc1
Komplexes wird keine Absorptionsänderung von Cytochrom b erwartet.
Bei Eh = 310 mV ist neben dem primären Donator P nur das Häm H1 zu einem
nennenswerten Anteil vor der Anregung reduziert (32% mit Em,7(H1) = 290 mV). Die
anderen Cytochrome des c-Typs sind zu mindestens 95% oxidiert und können P+
nach der Photooxidierung nicht wieder reduzieren. Beide Spektren, 100 µs bzw.
90 ms nach der Anregung, haben ein Maximum bei 423 nm in der γ-Region
(Abbildung C.3.2.5.2A) und bei 555 nm in der α-Region (Abbildung C.3.2.5.2D), in
Übereinstimmung mit der α-Bande im (ox-red)-Differenzspektrum von Häm H1, das
in gereinigten Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans durch GleichgewichtsRedoxtitration bestimmt wurde [108]. Für die Oxidation von H1 spricht auch die
relativ kleine Zeitkonstante der Reaktion (< 20 µs), die mit der Apparatur nicht
aufgelöst werden konnte. In isolierten Reaktionszentren wurde die Halbwertszeit des
Elektronentransfers von H1 zum primären Donator P mit 5 µs angegeben [93]. Das
Spektrum nach 90 ms stimmt mit dem unmittelbar nach der Anregung gemessenen
Spektrum überein. Auch auf einer langsameren Zeitskala (bis zu 500 ms nach dem
Blitz) konnte keine Abnahme des Signals beobachtet werden, was darauf hindeutet,
dass bei diesem Potential keine Redoxkomponente das photooxidierte Häm H1
reduzieren kann.
170
Ergebnisse
171
Ergebnisse
405 410 415 420 425 430 435 440 445 450
1 0 0 µs
9 0 ms
5
A bsorpt
ionsänderung,
A 3x 1 0
Absorptionsänderung
, ∆A x∆10
3
0
-5
-1 0
A
Eh= 3 1 0 mV
10
0
-1 0
9 0 ms
-2 0
-3 0
Eh= 1 7 0 mV
10 0 µs
B
10 0µs
90 ms
10
0
-1 0
-2 0
-3 0
C
Eh = 5 0 m V
405 410 415 420 425 430 435 440 445 450
(nm)
WWellenlänge
ellenlänge
(nm )
Abbildung C.3.2.5.2: Absorptionsdifferenzspektren in der α- und γ-Region 100 µs (volle
Symbole) und 90 ms (offene Symbole) nach dem Blitz in Gegenwart von 5 µM
Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol. (A) und (D) Eh = 310 mV; (B) und (E) Eh = 170 mV; (C)
und (F) Eh = 50 mV. In (B) und (E) entsprechen die unterschiedlichen Symbole (Kreise und
Quadrate) jeweils Messungen mit verschiedenen Proben. Die experimentellen Bedingungen
sind in Kapitel B.2.5.2.2. beschrieben. Der Mediator DAD wurde mit einer erhöhten
Konzentration von 10 µM eingesetzt, um eine schnellere Gleichgewichtseinstellung zu
erreichen 17. Bei jeder Wellenlänge wurden 12 Messungen mit einer Dunkeladaptation
17
Es wurde durch Experimente mit 2 µM, 5 µM und 10 µM DAD sichergestellt, dass die langsame
Oxidation von Cytochrom c unabhängig von der Konzentration an DAD ist.
172
Ergebnisse
535
540
545
550
0 ,5
555
560
565
570
100µs
9 0 ms
0 ,0
A bsorpt
ionsänderung,
∆ Ax x1013 0
Absorptionsänderung
, ∆A
3
-0 ,5
-1 ,0
-1 ,5
D
Eh = 3 1 0 m V
1
0
-1
-2
-3
9 0 ms
-4
-5
-6
100 µs
Eh= 1 7 0 mV
E
1 0 0 µs
9 0 ms
1
0
-1
-2
-3
-4
-5
F
Eh= 5 0 mV
-6
535
540
545
550
555
560
565
570
W Wellenlänge
ellenlänge(nm)
(nm )
Abbildung C.3.2.5.2: Fortsetzung
von 2 - 4 min zwischen den Messungen gemittelt (längere Äquilibrierungszeiten wurden bei
Eh = 50 mV benutzt). Bei den Messungen bei Eh = 310 mV wurden die Signale um den
Beitrag der P+/P-Differenzspektren korrigiert, wie in Kapitel C.3.2.2. beschrieben. Bei
niedrigeren Potentialen wird das nach der Blitzanregung gebildete P+ innerhalb der
Zeitauflösung unserer Messanordnung von den reduzierten Hämen des tetrahämen
Cytochrom c rereduziert, so dass keine Absorptionsänderung der Reduktion von P+
beobachtet werden kann.
173
Ergebnisse
Wenn man das Redoxpotential auf Eh = 170 mV verringert, können signifikante
Änderungen im Spektrum beobachtet werden. Bei diesem Potential sind die Häme
H1 und H2 reduziert (Em,7(H1) = 290 mV und Em,7(H2) = 240 mV; zu 100% bzw. zu
94%), während die low potential Häme L1 und L2 zu 95% oxidiert vorliegen. Bei
diesem Potential ist eine Korrektur der Beiträge des primären Donators nicht nötig,
da dieser innerhalb der Zeitauflösung der Messung von H2 reduziert wird (t1/2 = 380
ns in isolierten Reaktionszentren [93]). Das Spektrum der schnellen Änderungen
100 µs nach dem Blitz zeigt Maxima bei 422 nm (Abbildung C.3.2.5.2B) und 554 nm
(Abbildung C.3.2.5.2E), d.h., im Vergleich zu den Spektren bei Eh = 310 mV, zu
kürzeren Wellenlängen verschoben. Die α-Bande entspricht jetzt dem (ox-red)Differenzspektrum von H2 im isolierten Reaktionszentrum [108]. Dies zeigt, dass
innerhalb von 100 µs die Elektronenlücke, die durch die Photooxidation von P
erzeugt wurde, mit Häm H2 ins Gleichgewicht gekommen ist (entsprechend den
relativen Halbstufenpotentialen für die Häme, da H2 ein niedrigeres Potential hat als
H1). Auch das Spektrum nach 90 ms ist deutlich zu kleineren Wellenlängen
verschoben mit Maxima bei 420 nm und 553 nm sowie einer Schulter bei 550 nm.
Unter diesen Redoxbedingungen ist mindestens ein weiteres Cytochrom des c-Typs
neben H1 und H2 am Elektronentransfer beteiligt. Diese Komponente wird langsam
oxidiert
und
rereduziert
dabei
das
photooxidierte
Häm
H2
auf
der
Millisekundenzeitskala. Bei Eh = 170 mV würde auch das lösliche Cytochrom c551
reduziert vorliegen (Em,7 = 250 mV [137]), das ein Maximum bei 550,5 nm im (oxred)-Differenzspektrum aufweist. Dieses Cytochrom wäre also ein möglicher
Kandidat für die beobachtete langsame Redoxänderung ebenso wie Cytochrom c1
vom Cytochrom bc1 Komplex.
Aus Abbildung C.3.2.5.2B ist ersichtlich, dass das Differenzspektrum 100 µs nach
der Anregung, das der Oxidation von H2 zugeordnet wird, einen isosbestischen
Punkt bei 415 nm hat. Die langsame Oxidation von Cytochrom c kann also bei dieser
Wellenlänge beobachtet werden, ohne dass Redoxänderungen anderer Cytochrome
interferieren. Abbildung C.3.2.5.1B zeigt die Kinetik der langsamen Cytochrom c
Oxidation mit t1/2 = 15 ms.
In Abbildung C.3.2.5.2C,F werden die Spektren bei Eh = 50 mV gezeigt. Bei diesem
Redoxpotential sind die Häme H1 und H2 vor der Anregung durch einen Blitz
vollständig reduziert. Ebenso sind die Häme L1 und L2 zu 82% reduziert, wenn für
beide Em,7 = 90 mV [108] angenommen wird. Die Absorptionsänderungen nach
174
Ergebnisse
100 µs und nach 90 ms sind im Rahmen der Messgenauigkeit identisch und haben
ein Maximum bei 421 nm und 553 nm, d.h. sie entsprechen den Maxima des (oxred)-Differenzspektrums der Häme L1 und L2 im isolierten Reaktionszentrum [108].
Auch nach einer Messdauer von 500 ms folgt auf die schnelle Oxidation keine
Rereduktion
von
Cytochrom
c.
Die
Signale
bei
diesen
reduzierenden
Redoxpotentialen zeigen also, dass, wenn ein low potential Häm reduziert vorliegt,
dieses in einer schnellen Reaktion den primären Donator P+ reduziert, aber keine
weiteren Oxidationen von Cytochromen des c-Typs wie bei Eh = 170 mV erfolgen.
Aufgrund der identischen Halbstufenpotentiale lassen sich L1 und L2 nicht
unterscheiden. Der Elektronentransport von den Cytochromen des c-Typs mit
höherem Halbstufenpotential, wie z.B. Cytochrom c551 (Em,7 = 250 mV; s.o.) zu den
Hämen L1 und L2 mit jeweils einem Halbstufenpotential Em,7 = 90 mV ist vermutlich
aus thermodynamischen Gründen unterbrochen, da ein uphill Elektronentransfer
energetisch ungünstig ist.
175
Ergebnisse
C.3.2.6. Der Einfluss von Viskosität und Ionenstärke auf den
Elektronentransfer von Cytochrom c551 zum Häm H2 des
Reaktionszentrums
Die Rereduktion von Häm H2 durch ein anderes Cytochrom vom c-Typ, die nur bei
mittleren Potentialen (Eh = 170 mV) beobachtet werden kann, erfolgt im msZeitbereich. Dies deutet auf eine diffusionskontrollierte Reaktion mit einer löslichen
Komponente, vermutlich Cytochrom c551 (Em,7 = 250 mV) hin. Diese Hypothese kann
über den Einfluss von Viskosität und Ionenstärke auf die Kinetik der langsamen
Cytochrom c Oxidation untersucht werden.
Die Reaktion wurde bei 415 nm beobachtet, da diese Wellenlänge isosbestisch für
die schnelle Oxidation des Häms H2 ist (s. Abbildung C.3.2.5.1B). Die Abhängigkeit
von der Viskosität (Tabelle C.3.2.6.1) wurde in einer offenen ungerührten Küvette,
ohne Redoxmediatoren mit nur 1 mM Natriumascorbat für die Redoxeinstellung des
Systems nach Zugabe von Glycerin untersucht. Damit wurde ausgeschlossen, dass
die beobachtete langsame Phase von den Redoxmediatoren beeinflusst werden
konnte. Die Halbwertzeit vergrößert sich um einen Faktor 4, wenn man die GlycerinKonzentration auf 60% erhöht. Wie erwartet, verlangsamt eine höhere Viskosität die
langsame Oxidation von Cytochrom c.
Ebenso wurde die Abhängigkeit von der Ionenstärke nach Zugabe von KCl
untersucht. Wie in der Tabelle C.3.2.6.1 gezeigt, erfolgt der Elektronentransfer
schneller, wenn man die Konzentration von KCl in der Probe von 20 mM auf 80 mM
erhöht. Größere KCl Konzentrationen wirken jedoch inhibierend auf die Kinetik. Die
Halbwertszeit steigt von ca. 20 ms bei 80 mM KCl auf 130 ms bei 600 mM KCl und
zeigt so, dass elektrostatische Wechselwirkungen die Geschwindigkeitskonstante
des Elektronentransfers vom löslichen Cytochrom c zu den Hämen beeinflussen.
176
Ergebnisse
Tabelle C.3.2.6.1: Die Kinetik der diffusionskontrollierten Cytochrom c Oxidation nach
Anregung durch einen Blitz in Abhängigkeit von der Glycerin Konzentration und der
Ionenstärke. Die Kinetiken wurden bei 415 nm aufgenommen. Für jeden Messpunkt wurden
jeweils 4 Messungen im Abstand von 2 min gemittelt. Die Standardabweichung wurde aus
einem Datensatz mit 5 unabhängigen Messungen ermittelt. Die Abhängigkeit von der
Glycerin-Konzentration wurde bei 293 K in einer offenen Küvette bei ausgeschaltetem
Rührer gemessen, die 50 mM Mops, 100 mM KCl, 1 mM Natriumascorbat, 10 µM Antimycin,
0,5 µM Myxothiazol, 10 µM Valinomycin und 10 µM Nigericin enthielt. Die Viskosität wurde
nach [180] berechnet. Der Effekt der KCl-Konzentration wurde bei Eh = 170 mV wie in
Kapitel B.2.5.2. beschrieben gemessen.
Glycerin (%, v/v)
Viskosität (cP)
0
10
20
40
60
1,0
1,3
2,0
4,8
16,4
t1/2 (ms)
26 ± 6
23 ± 8
51 ±12
68 ± 9
91 ±13
[KCl] (mM)
t1/2 (ms)
20
40
80
160
260
320
500
640
29 ± 7
30 ± 6
22 ± 5
25 ± 4
43 ± 8
47 ± 7
72 ± 6
128 ±12
177
Ergebnisse
C.3.2.7. Orientierung des Reaktionszentrums in der Membran
Die Durchlässigkeit und die Orientierung der für die Messungen präparierten
Membranvesikel können untersucht werden, indem man die Oxidation eines exogen
zugegebenen Cytochroms c nach Anregung durch eine Sequenz von Blitzen verfolgt.
Die Chromatophoren der Purpurbakterien wie z.B. Rhodobacter sphaeroides und
Rhodobacter capsulatus bestehen hauptsächlich aus geschlossenen Vesikel der
intracytoplasmatischen Membran (ICM) mit einer festen Orientierung der Membran,
so dass der primäre Donator des Reaktionszentrums in das Innere des Vesikels zeigt
(inside-out-Orientierung). In diesen Präparationen wird der oxidierte primäre Donator
P+ durch das in das Vesikel eingeschlossene lösliche Cytochrom c2 reduziert. Die
Zugabe von exogenem Cytochrom c führt nicht zu einer wesentlichen Zunahme der
Oxidation von Cytochromen des c-Typs, da P+ nicht vom exogenen Cytochrom c, das
sich außerhalb der Chromatophoren befindet, reduziert werden kann. Wird hingegen
das exogene Cytochrom c nach Zugabe im stöchiometrischen Überschuss zur Probe
oxidiert, bedeutet dies, dass der primäre Donator P+ vom exogenen Cytochrom c
erreicht werden kann. Dies ist nur möglich, wenn entweder die Membranvesikel
durchlässig wären oder die Orientierung der Membran umgekehrt wäre (right-sideout-Orientierung).
Abbildung C.3.2.7.1 und 2 zeigen den Effekt der Zugabe von Cytochrom c aus
Pferdeherz (Em,7 = 261 mV, [181]) zu einer Suspension von Membranen aus
Roseobacter denitrificans auf die Absorptionsänderung bei 554 nm und 422 nm (den
Absorptionsmaxima des tetrahämen Cytochrom c in der a- und g-Bande) nach
Anregung durch 18 aufeinander folgende Blitze im Abstand von 50 ms. Die
Messungen wurden unter Luftausschluss (Anaerobiosis) bei einem Redoxpotential
von Eh = (170 ± 5) mV durchgeführt. Bei diesem Redoxpotential sind die Häme H1
und H2 der Tetrahäm-Untereinheit des Reaktionszentrums, das Cytochrom c551 und
das exogene Cytochrom c reduziert, welches mit einer Endkonzentration von 4 µM
(11facher Überschuss bezogen auf die Konzentration der Reaktionszentren von
0,35 µM) zugegeben wurde.
Abbildung C.3.2.7.1A und 2A zeigen, dass in Abwesenheit von exogenem
Cytochrom
c,
die
Sequenz
von
Anregungsblitzen
nur
bei
den
ersten
Elektronentransferzyklen zur Oxidation von Cytochromen des c-Typs führt. Nach
178
Ergebnisse
dem 6. Blitz ist keine weitere Oxidation mehr zu beobachten, und die Menge an
photooxidiertem Cytochrom c bleibt während der Dauer der Messung (d.h. während 1
s) konstant. Die beobachteten Kinetiken bei 554 nm (Abbildung C.3.2.7.1A) und bei
422 nm (Abbildung C.3.2.7.2A) sind sehr ähnlich, im Einklang mit der Erwartung,
dass bei beiden Signalen der Beitrag der Redoxänderung der gebundenen Häme
überwiegt. Nach der zweiten Photoanregung werden schon mehr als 65% des
endogenen Cytochroms c oxidiert. Die Tatsache, dass noch Zyklen nötig sind, um
eine vollständige Oxidation zu erhalten, kann damit erklärt werden, dass der
Anregungsblitz nur etwa zu 80% sättigend ist, Cytochrom c551 im Vesikel vorliegt und
auch Cytochrom c1 im Cytochrom bc1 Komplex einen Beitrag zur Redoxänderung
liefert.
Die Zugabe von exogenem Cytochrom c erhöht das Ausmaß der Oxidation von
Cytochrom c nach der Sequenz von Anregungsblitzen deutlich, wie in Abbildung
C.3.2.7.1B (bei 554 nm) und 2B (bei 422 nm) zu erkennen ist. Die Oxidation des
Cytochroms c erreicht nach dem 6. Blitz kein Plateau, sondern steigt weiter bis zum
letzten Blitz an. Dies bedeutet, dass das exogene Cytochrom c photooxidiert wird
und der primäre Donator P sowie die Tetrahämuntereinheit des Reaktionszentrums
zumindest bei einem Teil der Membranvesikel für das exogene Cytochrom c
zugänglich sind. Auch diese beobachteten Kinetiken bei 554 nm und 422 nm sind
sich sehr ähnlich. Diese Kinetiken unterscheiden sich von den entsprechenden
Kinetiken ohne Zugabe von exogenem Cytochrom c. Während in Abwesenheit von
exogenem Cytochrom c die Absorptionsänderungen nach jedem Blitz in der
Dunkelzeit zwischen den Blitzen nur langsam abnehmen, wird bei Zugabe von
exogenem Cytochrom c eine viel schnellere Abnahme der Absorptionsänderung
nach jedem Blitz (t1/2 < 10 ms) sowohl bei 554 nm als auch bei 422 nm beobachtet.
179
Absorptionsänderung,
∆A554 x 103
Absorptionsänderung,
∆A554 x 103
Ergebnisse
Abbildung C.3.2.7.1: Oxidation des exogenen Cytochroms c nach Anregung durch
eine Sequenz von 18 Blitzen bei 554 nm. Die Blitze erfolgten im Abstand von 50 ms. Die
Probe wurde wie in Kapitel B.2.5.2.2. beschrieben vorbereitet. Folgende Redoxmediatoren
wurden zugegeben: 1,2-Naphthochinon, 1,4-Naphthochinon, p-Benzochinon und
Durochinon. Die Messungen wurden bei einem Redoxpotential von Eh = 170 mV
durchgeführt. (A) zeigt die Oxidation von Cytochrom c ohne Zugabe von Cytochrom c
(Pferdeherz); (B) zeigt die Oxidation nach Zugabe von 4 µM Cytochrom c (Pferdeherz). Die
Reaktionszentrenkonzentration betrug 0,35 µM.
180
Absorptionsänderung,
∆A422 x 103
Absorptionsänderung,
∆A422 x 103
Ergebnisse
Abbildung C.3.2.7.2: Oxidation des exogenen Cytochroms c nach Anregung durch
eine Sequenz von Blitzen im Abstand von 50 ms bei 422 nm. (A) ohne (B) nach Zugabe
von 4 µM Cytochrom c aus Pferdeherz. Probenvorbereitung und Messbedingungen wie in
Abbildung C.3.2.7.1 beschrieben.
181
Ergebnisse
Die
gewählten
Wellenlängen
sind
optimiert
für
die
Untersuchung
der
Redoxänderungen von high potential Hämen H1 (Absorptionsmaximum bei 555 nm)
und H2 (Absorptionsmaximum bei 554 nm). Bei diesen Wellenlängen ist der Beitrag
zur Absorptionsänderung des exogenen Cytochroms c (aus Pferdeherz) jedoch
geringer, da sein (ox-red)-Differenzspektrum ein Maximum bei 550 nm aufweist
[181]. Das beobachtete Verhalten zeigt, dass das exogene Cytochrom c oxidiert wird
und dabei seine Elektronen auf einem oder beiden high potential Hämen überträgt.
Die gemessenen Signale entsprechen daher der Zunahme an oxidiertem exogenen
Cytochrom c sowie der partiellen Photooxidierung und darauffolgender Rereduktion
der Häme H1 und/oder H2 durch das exogene Cytochrom c nach jedem
Anregungsblitz. Dies wird durch Messungen in Anwesenheit von exogenem
Cytochrom c bei gleichen Messbedingungen, aber bei zwei anderen Wellenlängen
550 nm (Abbildung C.3.2.7.3A) und 416 nm (Abbildung C.3.2.7.3B) bestätigt. Bei
550 nm wird erwartet, dass der Beitrag zur Absorptionsänderung des exogenen
Cytochroms c überwiegt. Bei 416 nm liegt ein isosbestischer Punkt im Spektrum der
Häme H1 und H2 vor, so dass bei dieser Wellenlänge nur die Absorptionsänderung
des exogenen Cytochroms c beobachtet wird. In der Tat beobachtet man bei beiden
Wellenlängen keinen Zerfall der Absorptionsänderung nach der Anregung zwischen
den Blitzen. Bei 416 nm beobachtet man hingegen nach dem Blitz die Oxidation des
exogenen Cytochroms c mit einer Kinetik zweiter Ordnung, wie man sie für einen
Elektronentransfer zwischen diffundierenden Redoxpartnern erwartet.
Diese Messungen zeigen, dass exogenes Cytochrom c (aus Pferdeherz) in der Lage
ist, den high potential Hämen (wahrscheinlich dem H2) mit guter Effizienz Elektronen
zu übertragen. Somit ist zumindest in einem Teil der Membranen das Tetrahäm dem
exogenen Cytochrom c zugänglich, d.h. die isolierten Membranen liegen nicht als
Vesikel vor bzw. die Orientierung der Membranvesikel ist entgegengesetzt zur
Orientierung bei den Chromatophoren aus Purpurbakterien. Die Überlagerung der
Absorptionsänderungen der Häme und des exogenen Cytochroms c verhindert eine
genaue Abschätzung der Fraktion von Reaktionszentren in den Membranen, dessen
Tetrahäm für ein exogenes Cytochrom c zugänglich ist.
182
Absorptionsänderung,
∆A416 x 103
Absorptionsänderung,
∆A550 x 103
Ergebnisse
Abbildung C.3.2.7.3: Oxidation des exogenen Cytochroms c nach Anregung durch
eine Sequenz von 18 Blitzen im Abstand von 50 ms bei 550 nm (A) und 416 nm (B).
Probenvorbereitung und Messbedingungen wie in Abbildung C.3.2.7.1 beschrieben. Es
wurden jeweils 4 mM Cytochrom c aus Pferdeherz zugegeben.
183
Ergebnisse
C.3.2.8. Titration der blitzinduzierten
Cytochrome des b-Typs und c-Typs
Redoxänderungen
der
Wie in den vorherigen Abschnitten gezeigt wurde, sind mindestens drei verschiedene
Cytochrome des c-Typs (spektroskopisch charakterisiert durch das Maximum in der
α-Bande jeweils bei 555, 554 und 553 nm) in der Lage, das durch einen sättigenden
Blitz erzeugte P+ im Submillisekundenbereich zu rereduzieren. Basierend auf den
vorhandenen Informationen können diese Spezies mit den Hämen H1, H2, und L1/L2
des am Reaktionszentrum gebundenen Tetrahäms identifiziert werden.
Abbildung
C.3.2.8.1
zeigt
die
Redoxtitrationskurve
der
schnellen
Absorptionsänderung bei 422 nm (dies ist das Absorptionsmaximum des tetrahämen
Cytochrom c in der g-Bande), die durch einen Anregungsblitz erzeugt wurde. Im
Potentialbereich zwischen 400 mV < Eh < 260 mV entsteht das Signal der
blitzinduzierten Oxidation von Cytochrom c. Hier gibt die durchgezogene Linie die
theoretische Titrationskurve wieder, berechnet aus den folgenden Annahmen (vgl.
auch [96]):
ein Oxidationsäquivalent wird bei der Photoanregung erzeugt, wenn der
-
primäre Donator P vor dem Blitz reduziert vorliegt;
die gebildete Elektronenlücke im Reaktionszentrum äquilibriert in der H2-H1-
-
P-Redoxkette im Submillisekundenbereich;
die Halbstufenpotentiale der Häme H1 und H2 in Membranen entsprechen
-
denen im gereinigten Reaktionszentrum, d.h. Em,7 = 290 mV bzw. 240 mV;
die Differenzextinktionskoeffizienten ∆ε für H1 und H2 sind bei 422 nm
-
identisch.
Für die Oxidation der high potential Häme18 bei einem eingestellten Redoxpotential
Eh nach Anregung durch den Blitz gelten demnach folgende Gleichungen:
2
Σ (o – o ) + o
i
i0
P
- oP0= {exp [(Eh - EmP) F/RT] + 1 }-1 x {exp [(EmQ - Eh) F/RT] + 1 }-1
i=1
18
Gleichung C.3.2.8.1
Die low potential Häme wurden vernachlässigt, da ihr Halbstufenpotential viel kleiner ist.
184
Ergebnisse
Emi + RT/F ln [ oi / (1-oi) ] = EmP + RT/F ln [ oP / (1-oP) ] i = 1,2 Gleichung C.3.2.8.2
mit:
oi0 / oi ≡ oxidierte Form des i-ten Häms vor und nach der Anregung durch den Blitz
oP0 / oP ≡ oxidierte Form des primären Donators vor und nach der Anregung durch den Blitz
Eh ≡ eingestelltes Redoxpotential
EmP ≡ Halbstufenpotential des primären Donators
EmQ ≡ Halbstufenpotential des primären Akzeptors QA
Emi ≡ Halbstufenpotential des i-ten Häms
Die Lösung dieser Gleichungen ergibt eine Redoxtitrationskurve der erwarteten
lichtinduzierten Oxidation für jedes Häm (∆oi = oi - oi0). Die lichtinduzierte
Absorptionsänderung bei 422 nm wird dann nach folgender Gleichung berechnet:
2
∆A = ∆Amax
Σ
i=1
∆oi
Gleichung C.3.2.8.3
Wenn man bedenkt, dass die einzige Variable der Simulation die maximale
Amplitude der Absorptionsänderung (bestimmt aus dem absoluten Wert des
Differenzextinktionskoeffizienten der Häme) ist, ist die Übereinstimmung der
theoretischen Titrationskurve mit den experimentellen Ergebnissen hervorragend.
Dies bestätigt weiterhin die Schlussfolgerungen der spektralen Analyse in Abbildung
C.3.2.5.2 in Kapitel C.3.2.5..
Wenn man das Redoxpotential unter 50 mV absenkt, verschwindet das Signal der
blitzinduzierten Oxidation von Cytochrom c und spiegelt damit die zunehmende
Blockierung
der
lichtinduzierten
Ladungstrennung
wieder,
wahrscheinlich
hervorgerufen durch die Reduktion des primären Akzeptors QA im Reaktionszentrum.
Eine nichtlineare Kurvenanpassung in diesem Bereich der Titration (50 mV > Eh > 150 mV) nach der Nernst-Gleichung stimmt sehr gut mit den experimentellen Daten
überein und ergibt ein Halbstufenpotential Em,7 = -50 mV für QA/QA-. Demnach
entspricht dieses Ergebnis dem Halbstufenpotential für QA/QA- in Rhodobacter
sphaeroides Em,7 = -50 mV [133].
185
Absorptionsänderungen, ∆A422 x 10
3
Ergebnisse
0
-5
-10
-15
-20
-25
-30
-35
-100
0
100
200
300
400
500
600
Redoxpotential,
Redoxpotential, EE
(mV)
h (mV)
h
Abbildung C.3.2.8.1: Redoxtitration der Absorptionsänderung bei 422 nm,
aufgenommen 0,5 ms nach Anregung durch einen einzelnen Blitz sowie in Gegenwart
von 5 µM Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol. Die Probe wurde wie in Kapitel B.2.5.2.2.
beschrieben vorbereitet. Bei Eh > 250 mV wurden die Signale um den Beitrag des primären
Donators P+ zur Absorptionsänderung korrigiert. Die durchgezogene Kurve entspricht der
theoretischen Eh-Abhängigkeit (siehe Text für Details).
Die in Kapitel C.3.2.4. und C.3.2.5. vorgestellten Messungen zeigen, dass bei einem
entsprechenden Redoxpotential das durch den Blitz oxidierte Häm H2 in einer
Reaktion, die sensitiv für die Cytochrom bc1-Inhibitoren ist, rereduziert wird, und
daraufhin zeitgleich eine langsame Oxidation eines Cytochroms des c-Typs, das sich
spektroskopisch von den am Reaktionszentrum gebundenen Hämen unterscheidet,
erfolgt.
Abbildung C.3.2.8.2 zeigt die Redoxtitration dieser langsamen Cytochrom c
Oxidation, gemessen bei 415 nm19, in Anwesenheit von Antimycin und Myxothiazol.
Das Signal entsteht mit einem scheinbaren Halbstufenpotential Em,7 ≅ 220 mV. Es
19
isosbestisch für die Redoxreaktionen der Häme des am Reaktionszentrum gebundenen Cytochrom
c
186
Ergebnisse
verschwindet mit einem scheinbaren Halbstufenpotential Em,7 ≅ 75 mV. Dieses
Verhalten steht im Einklang mit den Ergebnissen in Abbildung C.3.2.5.1. Das
Auftreten dieser langsamen Phase der Oxidation scheint in der Tat die Präreduktion
eines löslichen Redoxcarriers, möglicherweise Cytochrom c551 (Em,7 = 250 mV; s.
Kapitel D.2.1.) zu erfordern. Andererseits wird bei niedrigen Redoxpotentialen die
langsame Oxidation von Cytochrom c durch die schnelle Äquilibrierung von P+ mit
den low potential Hämen L1/L2 (Em,7 = 90 mV), die vor dem Blitz reduziert vorliegen,
Absorptionsänderung, ∆ A 415 x 10
3
verhindert.
2
0
-2
-4
-6
-8
-10
50
100
150
200
250
300
350
Redoxpotential, E h (m V)
Abbildung C.3.2.8.2: Redoxtitration der Absorptionsänderungen bei 415 nm,
aufgenommen 100 ms nach der Anregung durch einen einzelnen Blitz in Gegenwart
von 5 µM Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol. Die Probe wurde wie in Kapitel B.2.5.2.2.
beschrieben vorbereitet. Absorptionsbeiträge durch P+ wurden korrigiert (siehe Kapitel
C.3.2.2.).
187
Ergebnisse
Die Abhängigkeit der lichtinduzierten Cytochrom b Reduktion vom eingestellten
Redoxpotential wurde durch Messung der Kinetik von Absorptionsänderungen nach
einem einzelnen Blitz bei 562 nm in Anwesenheit von Antimycin im Potentialbereich
zwischen -20 mV < Eh < 200 mV untersucht. In diesem Bereich ist das blitzinduzierte
Signal bei 562 nm überwiegend frei von Beiträgen von Redoxänderungen anderer
Komponenten in der Elektronentransportkette. Das Signal der blitzinduzierten
Reduktion von Cytochrom b (Abbildung C.3.2.8.3) verschwindet mit Verringerung
des Potentials Eh mit einem scheinbaren Halbstufenpotential Em,7 = 65 mV. Dieser
Wert sollte als die obere Grenze für das Halbstufenpotential von Cytochrom b561
betrachtet werden (s. Kapitel D.2.2.).
Die Kinetik der Reduktion von Cytochrom b nach einem Blitz wird beschleunigt bei
Redoxpotentialen Eh = 200 mV (t1/2 ≅ 45 ms) im Vergleich zu sehr oxidierenden
Redoxpotentialen Eh = 390 mV (t1/2 ≅ 200 ms, s. Abbildung C.3.2.3.1). Wird
hingegen Eh weiter verringert, so beobachtet man kleinere Halbwertszeiten. Bei
Eh = 100 mV wird ein Minimum von ca. 15 - 20 ms erreicht. Dieses Verhalten könnte
die zunehmende Reduktion des Ubichinon-Pools vor der Anregung durch einen Blitz
wiederspiegeln. Unter diesen Umständen steht dem Cytochrom bc1 Komplex
jederzeit
Dihydroubichinon
zur
Oxidation
an
der
Qo-Bindungsstelle
und
darauffolgender Reduktion der high sowie der low potential Kette des Cytochrom bc1
Komplexes zur Verfügung, sofern die high potential Kette zunächst nach
blitzinduzierter Oxidation des primären Donators P des Reaktionszentrums über
Cytochrom c551 oxidiert wurde (vgl. Abbildung D.2.4.1). Die Oxidation von
Dihydroubichinon an der Qo-Bindungsstelle ist ein diffusionskontrollierter Prozess,
der um so schneller abläuft je mehr Substrat zur Verfügung steht (vgl. auch Kapitel
D.2.2.).
Die
Gesamtkonzentration
an
photoreduzierbarem
Cytochrom
b
wurde
in
verschiedenen Präparationen aus der Absorptionsänderung, die bei 561 nm in
Anwesenheit von Antimycin nach vier Blitzen im Abstand von jeweils 200 ms bei
optimalen
Redoxpotential
Redoxextinktionskoeffizienten
erzeugt
für
wurde,
abgeschätzt.
Cytochrom
b561
bei
Wenn
562
man
nm
einen
von
∆ε562 = 19,5 mM-1cm-1 annimmt [91, 157], erhält man ca. 0,3 Cytochrom b Moleküle
pro Reaktionszentrum (die Konzentration der Reaktionszentren wird mit Hilfe des
Extinktionskoeffizienten ∆ε605 bei 605 nm bestimmt; siehe Kapitel B.2.5.2.2.).
188
Absorptionsänderung, ∆ A 562 x 10
3
Ergebnisse
2.5
2.0
1.5
1.0
0.5
0.0
0
50
100
150
200
Redoxpotential, E h (m V)
Abbildung C.3.2.8.3: Bestimmung des Halbstufenpotentials von Cytochrom b. Die
Probe wurde wie in Kapitel B.2.5.2.2. beschrieben vorbereitet. Absorptionsänderungen
wurden nach Zugabe von 10 µM Antimycin bei 562 nm 180 ms nach dem Blitz gemessen.
Bei jedem eingestellten Redoxpotential wurde über 8 Messungen gemittelt. Die Dunkelzeit
zwischen zwei aufeinanderfolgenden Messungen betrug jeweils 3 min. Die Kurve entspricht
einer nichtlinearen Anpassung an die Nernst-Gleichung mit n = 1 und Em,7 = 65 mV (siehe
Gleichung B.2.6.3).
189
Ergebnisse
C.3.3. Bestimmung des Ubichinongehaltes in Membranen
aus Roseobacter denitrificans
Wie in Kapitel C.3.2.8. beschrieben werden die Kinetiken der Cytochrom b
Reduktion bei niedrigen Redoxpotentialen stark verlangsamt. Dieses Verhalten
könnte auf eine progressive Präreduktion eines möglicherweise in der Membran aus
Roseobacter
denitrificans
vorhandenen
Ubichinon-Pools
ähnlich
wie
in
Purpurbakterien vor der Anregung beruhen. Um diesen Ubichinon-Pool in der
Membran von Roseobacter denitrificans nachzuweisen und dessen Eigenschaften zu
bestimmen, wurde die Gesamtmenge an Ubichinon bestimmt.
Dazu
wurden
aus
drei
verschiedenen
Membranpräparationen
mit
einer
Methanol/Petrolether-Mischung die Chinone vollständig extrahiert und anschließend,
nachdem das Lösungsmittel gewechselt wurde, in Ethanol mittels HPLC analysiert (s.
Kapitel B.2.7.). Das Elutionsprofil zeigte zwei scharfe Banden, von denen die erste
dem Solvens zugeordnet werden konnte. Durch Eichung mit verschiedenen
Chinonen konnte die zweite Bande als Ubichinon-Bande identifiziert werden. Eine
Eichung mit reinem Ubichinon in verschiedenen Konzentrationen ermöglichte eine
quantitative Auswertung der Ubichinonbanden. Tabelle C.3.3.1 zeigt die Ergebnisse
der HPLC-Analyse von Membranextrakten aus Roseobacter denitrificans. Da die
HPLC-Methode eine genaue Bestimmung der Ubichinon-Menge in der Probe auf ±10
pmol ermöglicht, besteht die größte Fehlerquelle bei der verwendeten Methode in
einer möglicherweise nicht vollständigen Extraktion des Ubichinons aus der
Membransuspension. Daher wurde der höchste ermittelte Wert als realistisches
Ergebnis gewertet. Somit liefert die Analyse der Extrakte eine Stöchiometrie von
20±5 Ubichinon-10 Molekülen pro Reaktionszentrum, d.h. die typische Größe des
Ubichinon-Pools wie er in Rhodobacter sphaeroides und Rhodobacter capsulatus
gefunden wird [88, 182, 183].
190
Ergebnisse
Tabelle C.3.3.1: HPLC-Analyse von Membranextrakten aus Roseobacter denitrificans.
Die Konzentration an Ubichinon in der Probe wurde wie im Text beschrieben bestimmt. Die
Konzentration an photoaktiven Reaktionszentren in der Probe wurde über die
Absorptionsänderung nach einer Folge von Blitzen im Abstand von 20 ms bei 605 nm mit
dem Extinktionskoeffizienten ε605 = 19,5 mM-1cm-1 [156, 157] bestimmt (vgl. Kapitel
B.2.5.2.2.).
Nr.
1
2
3
4
5
6
7
Stoffmenge1 /
pmol
Gesamtstoffmenge2 / µmol
V3 / µl
[UQ]4 / µM
[RC]5 / µM
UQ-10 / RC
860
870
820
770
740
315
1750
21500
21500
21500
21500
18500
18500
18500
250
250
250
250
250
250
250
86
87
82
77
74
31,5
175
5,5
5,5
5,5
5,5
8,5
4,25
8,5
16
16
15
14
9
7
20
1
Stoffmenge, die in 40 µl Extrakt mittels HPLC bestimmt wurde
Stoffmenge im gesamten Extrakt (1ml)
3
Volumen der Membranenprobe
4
Konzentration an Ubichinon in den Membranen
5
Konzentration an Reaktionszentren in den Membranen
2
191
Diskussion
D. Diskussion
D.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans,
Isolation von photosynthetischen Membranen und
Reaktionszentren
D.1.1. Anzucht von Roseobacter denitrificans
In der vorliegenden Arbeit wurden Zellen von Roseobacter denitrificans in
Fermentern angezogen. Hierzu wurden die in der Literatur [144] beschriebenen
Bedingungen für die Anzucht in Kolben auf einer Schüttelbank der Anzucht in
Fermentern angepasst. Mit der modifizierten Vorschrift können innerhalb von vier
Tagen im 28 l-Fermenter von Bioengineering etwa 100 - 120 g Zellen und innerhalb
von fünf Tagen im 200 l-Fermenter von Bioengineering etwa 600 - 700 g Zellen
erhalten werden (vgl. Kapitel C.1.). Die Ausbeute beträgt daher 3 - 4 g / l Medium
(Nassgewicht), wobei im 200 l-Fermenter die Ausbeute eher geringer ausfällt. Nach
Y. Shioi [144] wurden bei der Anzucht in Kolben auf der Schüttelbank eine etwa
doppelt so hohe Ausbeute erzielt (7 - 8 g / l Medium (Nassgewicht)). Der Grund für
die Abweichungen ist unklar. Dennoch wurde die Anzucht im Fermenter der im
Kolben vorgezogen, weil sie in relativ kurzer Zeit eine große Menge an Zellen für die
Isolation von Reaktionszentren liefert.
Die Ausbeute der Anzucht von Roseobacter denitrificans Zellen liegt im Bereich der
Ausbeuten für die Anzucht von anoxygenen photosynthetischen Purpurbakterien wie
z.B. Rhodobacter sphaeroides, die anaerob entweder in Flaschen oder in
Glasfermentern im Licht angezogen werden (Ausbeute ca. 4 - 5 g / l Medium
(Nassgewicht) [171]).
Bei der Anzucht von aeroben nicht-photosynthetischen Bakterien sind die Ausbeuten
hingegen
in
der
Regel
höher.
Dort
liegen
die
Ausbeuten,
je
nach
Wachstumsbedingungen, bei bis zu 10 - 20 g / l Medium, z.B. bei der Anzucht von
Escherichia coli.
193
Diskussion
Eine Verbesserung der Pigmentzusammensetzung der Zellen durch Variierung der
Luftzufuhr,
d.h.
eine
Verringerung
der
am
lichtinduzierten
zyklischen
Elektronentransfer nicht beteiligten stark absorbierenden Pigmente (Carotinoide und
Bacteriochlorophylle der Antennenkomplexe, siehe Kapitel A.4.2.), um die Isolation
des
Reaktionszentrums
sowie
die
spektroskopischen
Messungen
der
Elektronentransferreaktionen in isolierten Membranen zu erleichtern, brachte keinen
Erfolg. Eine Inhibierung der LH II-Biosynthese kann durch Anzucht im Licht erreicht
werden [109]. Hierzu müsste die Anzucht von Roseobacter denitrificans in speziellen
Glasfermentern erfolgen und die Wachstumsbedingungen angepasst werden. Da die
Abtrennung der Lichtsammelkomplexe während der Isolation und Aufreinigung der
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans sehr aufwendig ist (vgl. Kapitel
D.1.3.) könnte der Aufbau einer entsprechenden Anzuchtapparatur lohnenswert sein.
Auch für die spektroskopischen Untersuchungen an photosynthetischen Membranen
aus Roseobacter denitrificans wäre ein günstigeres Verhältnis von Reaktionszentren
zu Lichtsammelkomplexen von Vorteil.
Neueste Untersuchungen von Z. Kolber et al. [114, 117] haben gezeigt, dass aerobe
photosynthetische Bakterien nicht nur in besonderen ökologischen Nischen
vorkommen (siehe Kapitel A.4.1.), sondern weitverbreitet in den oberen Schichten
der Ozeane sind. Im Zuge dieser Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass
aerobe photosynthetische Bakterien in nährstoffreicher Umgebung (organic-rich
environment) die Biosynthese von Bacteriochlorophyll und Reaktionszentren
unterdrücken, einige Spezies unter diesen Bedingungen keine photosynthetischen
Pigmente synthetisieren und demzufolge auch keine Photosynthese durchführen
[184]. Werden diese Bakterien in nährstoffarmen Medien angezogen (low-organic
carbon diet mit ca. 10 - 100 µM organischem Kohlenstoff), beginnen sie wieder
Bacteriochlorophyll zu synthetisieren.
Entsprechend könnte die Anzucht von Roseobacter denitrificans in nährstoffarmen
Medien die Menge an Reaktionszentren in den Zellen erhöhen und damit sowohl die
Isolation des Reaktionszentrums als auch Messungen der lichtinduzierten zyklischen
Elektronentransferreaktionen in Membranen erleichtern. Die Ausbeute an Zellen bei
der Anzucht in nährstoffarmen Medien wäre im Vergleich zu der Anzucht in
nährstoffreichen Medien sicherlich geringer, wie aus Untersuchungen von Y. Shioi
[144] abzuleiten ist. Dennoch bliebe abzuwägen, welche Vorteile überwiegen.
194
Diskussion
Sinnvoll wäre auch, die Anzucht von Roseobacter denitrificans unter natürlichen
Bedingungen durchzuführen, um Zellen zu erhalten, deren Eigenschaften denen der
Bakterien in ihrer natürlichen Umgebung entsprechen. Dies könnte bei der
Untersuchung der Eigenschaften des lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfers
an Membranen von Vorteil sein.
D.1.2. Isolierung der photosynthetischen Membranen
In der vorliegenden Arbeit wurden die photosynthetischen Membranen aus
Roseobacter denitrificans isoliert. Mit der Isolationsvorschrift konnten aus 75 g Zellen
ca. 10 g Membranen (Membranvesikel) gewonnen werden (vgl. Kapitel C.3.1.).
Die Untersuchung der Durchlässigkeit und Orientierung isolierter photosynthetischer
Membranvesikel
erfolgte
mit
Hilfe
eines
exogen
zugegebenen
reduzierten
Cytochroms c aus Pferdeherz, das über die gebundene Cytochrom c-Untereinheit
den
nach
Anregung
durch
einen
Blitz
oxidierten
primären
Donator
des
Reaktionszentrums reduzieren kann und dabei selbst oxidiert wird (siehe Kapitel
C.3.2.7.). Die Oxidation des exogenen Cytochroms c nach Anregung durch einen
Blitz kann nur beobachtet werden, wenn dieses an die am Reaktionszentrum
gebundene Cytochrom c-Untereinheit binden kann, die sich in der intakten Zelle auf
der periplasmatischen Seite der Membran befindet (siehe Abbildung D.2.4.1). Das
Experiment ergab, dass das zugegebene exogene Cytochrom c von den isolierten
photosynthetischen Membranvesikel nach Anregung durch einen Blitz oxidiert wurde.
Somit muss in den isolierten Membranvesikel aus Roseobacter denitrificans die am
Reaktionszentrum gebundene Cytochrom c-Untereinheit vom Lösungsmittel aus
zugänglich sein. Dies bedeutet, dass die Membranvesikel entweder eine right-sideout-Orientierung haben, bei der die Proteine, die sich in der intakten Zelle auf der
periplasmatischen Seite der Membran befinden, auf der Oberfläche der Vesikel, und
die Proteine, die sich auf der cytoplasmatischen Seite der Membran befinden, im
Inneren der Vesikel anzutreffen sind (vgl. Abbildung D.1.2.1). Im Falle der Proteine,
die am lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfer beteiligt sind, würde dies
bedeuten, dass der primäre Donator sowie die tetrahäme Cytochrom c-Untereinheit
195
Diskussion
des Reaktionszentrums, das lösliche Cytochrom c551 sowie Cytochrom c1 vom
Cytochrom bc1 Komplex auf der Außenseite der Vesikel anzutreffen und somit vom
Lösungsmittel aus zugänglich wären, während Cytochrom b562 des Cytochrom bc1
Komplexes und die QB-Bindungsstelle des Reaktionszentrums sich im Inneren des
Vesikels befinden und somit von der wässrigen Außenphase her nicht zugänglich
sind.
Eine andere mögliche Interpretation der erhaltenen Ergebnisse wäre, dass die
isolierten Membranvesikel eine inside-out-Orientierung (vgl. Abbildung D.1.2.1)
haben, d.h. die Proteine der periplasmatischen Seite der Plasmamembran befinden
sich im Inneren der Vesikel und die Proteine der cytoplasmatischen Seite auf der
Außenseite der Vesikel. Die Membran ist aber durchlässig, so dass auch Proteine im
Inneren
der
Vesikel
(in
diesem
Falle
die
Cytochrom
c-Untereinheit
des
Reaktionszentrums) vom Lösungsmittel aus zugänglich sind. Letztere Interpretation
ist wahrscheinlicher, wenn man in Betracht zieht, dass bei der Isolierung von
photosynthetischen
Membranen
aus
Purpurbakterien
wie
z.B.
Rhodobacter
sphaeroides (auch Chromatophoren genannt) in der Regel eine inside-outOrientierung der Vesikel erhalten wird [185]. Diese Interpretation wird auch durch die
Tatsache bekräftigt, dass bei der Isolation der Membranvesikel das lösliche
Cytochrom c551 nur zum Teil verloren geht und so ein lichtinduzierter zyklischer
Elektronentransfer möglich ist. Dies spricht eher für eine Durchlässigkeit der Vesikel
als für eine right-side-out-Orientierung, da man im letzteren Fall erwartet, dass alle
löslichen Proteine, die sich auf der Oberfläche der Vesikel befinden, bei der Isolation
und Umpufferung (siehe Kapitel B.2.2.) abgetrennt werden.
196
Diskussion
inside-out
Cytoplasma
Zellaufschluss
poröse Vesikel
Zelle
Periplasma
right-side-out
Cyt c
Reaktionszentrum
Vesikel
HML-Komplex
Abbildung D.1.2.1: Schematische Darstellung der Orientierung der Membranvesikel
nach dem Zellaufschluss. Dargestellt sind sowohl Vesikel mit right-side-out-Orientierung,
bei denen die Proteine (am Beispiel des Reaktionszentrums) die gleiche Orientierung in der
Membran haben wie in den Zellen, und mit inside-out-Orientierung, bei denen die
Orientierung der Proteine umgekehrt ist. Poröse Vesikel haben eine durchlässige Membran,
so dass z.B. exogenes Cytochrom c in das Vesikel hinein diffundieren kann (vgl. Text). Bei
der Präparation der Vesikel überwiegt eine der möglichen Orientierungen der Membran.
D.1.3. Isolierung des Reaktionszentrums aus Roseobacter
denitrificans
In der vorliegenden Arbeit wurde das photosynthetische Reaktionszentrum aus
Roseobacter denitrificans isoliert. Nach dem die in der Literatur beschriebene
Isolationsmethode [128] Reaktionszentren ergab, denen die H-Untereinheit fehlte,
wurde sie diesbezüglich optimiert (siehe Kapitel C.2.2.). Eine Optimierung erfolgte
auch in Bezug auf die Stabilität, die Ausbeute und den Ubichinongehalt der
erhaltenen Reaktionszentren.
197
Diskussion
Mit der optimierten Isolationsvorschrift lassen sich aus 75 g Roseobacter denitrificans
Zellen innerhalb von etwa 10 Tagen etwa 10 mg Reaktionszentren gewinnen. Die
isolierten Reaktionszentren besitzen alle vier Untereinheiten (H, M, L und Cytochrom
c), haben aber z.T. die Ubichinone in den Bindungsstellen QA und QB verloren. Eine
Rekonstitution des Ubichinons in die Bindungsstellen gelingt nur teilweise (siehe
Kapitel C.2.2.). Die isolierten Reaktionszentren zeigen auch nach Rekonstitution
eine Besetzung der QA-Bindungsstelle von nur ca. 30 %. Die QB-Bindungsstelle bleibt
fast gänzlich unbesetzt. Die Ladungsrekombinationskinetik für den Prozess P+QA- →
PQA ergab eine Geschwindigkeitskonstante kAP = 32 s-1, die sich nach Zugabe von oPhenanthrolin auf kAP = 45 s-1 erhöht. Diese entspricht der von K. Takamiya et al.
veröffentlichten Geschwindigkeitskonstante [128].
Die Ausbeute an Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans ist wesentlich
geringer als bei Rhodobacter sphaeroides, wo aus 100 g Zellen in 6 Tagen 120 mg
Reaktionszentren isoliert werden können [171]. Dieses Ergebnis spiegelt die
geringere Ausbildung des Photosyntheseapparates in Roseobacter denitrificans im
Vergleich zu den Purpurbakterien wieder. So werden in Roseobacter denitrificans nur
etwa 10% der Bacteriochlorophyll-Menge von Rhodobacter capsulatus gebildet
[172].
Insgesamt zeigen die in dieser Arbeit durchgeführten Verbesserungen der
Isolationsvorschrift, dass die Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans im
Vergleich zu Purpurbakterien ungewöhnlich instabil gegenüber Detergentien, Salz
sowie mehrmaligem Einfrieren und Auftauen sind. Um stabile Reaktionszentren, die
für spektroskopische Untersuchungen der Elektronentransferkinetiken (oder auch für
Untersuchungen der Proteinstruktur) eingesetzt werden können, zu erhalten, sind die
in dieser Arbeit durchgeführten Verbesserungen noch nicht ausreichend. Neben dem
bereits publizierten Detergenswechsel von LDAO zu Triton X-100 [128] und der
anschließenden Verringerung der Detergenskonzentration ─ die bei den einzelnen
Präparationsschritten noch weiter bis zur kritischen Micellenkonzentration (CMC)
verringert werden sollte, so dass gerade genug Detergens in der Probe vorhanden
ist, um die Proteine20 in Lösung zu halten ─ könnte auch die Verringerung der
20
das Reaktionszentrum sowie die in den einzelnen Präparationsschritten noch vorhandenen
Verunreinigungen (z.B. Lichtsammelkomplexe)
198
Diskussion
Präparationsdauer eine entscheidende Rolle spielen. Bei der Isolation von
Membranproteinkomplexen wurde oft beobachtet, dass längere Lagerung der
Zwischenstufen bei 4°C oder bei Raumtemperatur unweigerlich zur Verringerung der
Aktivität des Proteins führt.
Um die Präparationsdauer zu verkürzen, wären mehrere Möglichkeiten denkbar:
Zunächst könnte die Solubilisierungsprozedur vereinfacht werden, indem keine
Vorsolubilisierung wie in Kapitel B.2.3.3.3. beschrieben durchgeführt wird. Die für die
Solubilisierung optimale Detergenskonzentration könnte dann durch Solubilisierung
von Aliquots an Reaktionszentren bei verschiedenen Detergenskonzentrationen,
anschließender Zentrifugation in der Airfuge und nachfolgender spektroskopischer
UV/VIS-Analyse wie bei Rhodobacter sphaeroides bestimmt werden [155, 171]. Als
nächstes könnte die auf die Solubilisierung folgende Ammoniumsulfat-Fällung noch
weiter verkürzt werden, indem eine einfache 50%ige Fällung ohne darauffolgende
Waschung
durchgeführt
wird
(vgl.
Kapitel
B.2.3.3.4.).
Die
Menge
an
Ammoniumsulfat, die für die Fällung des Proteins notwendig ist, könnte zudem noch
genauer ermittelt werden. Der darauffolgende Präparationsschritt der Gelfiltration
(vgl. Kapitel B.2.3.3.5.) sollte automatisiert werden, so dass die Gelfiltration
unbeaufsichtigt über Nacht laufen kann. Um die gesamte Probe aus der
Ammoniumsulfat-Fällung in einem Schritt mittels Gelfiltration aufreinigen zu können,
müsste eine entsprechend große präparative Gelfiltrationssäule aufgebaut werden.
Die anschließende Anionenaustauscherchromatographie (vgl. Kapitel B.2.3.3.6.) ist
an sich eine schnelle Methode, die verhältnismäßig wenig Zeit in Anspruch nimmt.
Eine weitere Verbesserung könnte möglicherweise durch den Einsatz der
Perfusionschromatographie erreicht werden, wenn eine geeignete Chromatographiematrix gefunden werden kann. Diese Methode wurde u.a. bei der Isolation von
Reaktionszentren aus Rhodobacter sphaeroides getestet [186] und ermöglicht durch
eine besondere Porenstruktur der Chromatographiematrix eine schnellere und
schärfere Trennung von Proteinen.
Durch die genannten Vereinfachungen der Isolationsvorschrift würde sich die
Präparationsdauer von 10 Tagen auf zwei Tage (48 h) verringern. Eine Lagerung der
Zwischenstufen der einzelnen Präparationsschritte, die auch Ursache für die
Zerstörung der Reaktionszentren sein kann, würde dabei entfallen.
199
Diskussion
Die Besetzung der Ubichinon-Bindungsstellen des Reaktionszentrums könnte
verbessert
werden,
wenn
die
Detergenskonzentration
Präparationsschritten
weiter
herabgesetzt
werden
kann.
in
den
Somit
einzelnen
würde
eine
Rekonstitution wie in Kapitel C.2.2. beschrieben ähnlich wie bei der Isolation der
Reaktionszentren aus Rhodobacter sphaeroides entfallen. Sollte hingegen eine
Rekonstitution weiterhin notwendig sein, liegt auch hier das Problem in der relativ
hohen Detergenskonzentration (1%) und der langen Inkubationsdauer (mehrere
Stunden bei Raumtemperatur). Hier könnte eine Verbesserung durch Verringerung
der Detergenskonzentration und Rekonstitution durch Dialyse bei 4°C, ähnlich wie in
Kapitel C.2.2. beschrieben, erreicht werden.
200
Diskussion
D.2. Der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer
(Q-Zyklus) in Roseobacter denitrificans
D.2.1. Elektronentransfer von Cytochromen des c-Typs
zum primären Donator des Reaktionszentrums
Die Redoxeigenschaften und das UV-VIS-Spektrum des primären Donators P+ im
Reaktionszentrum aus Roseobacter denitrificans sind denen der anoxygenen
Purpurbakterien mit Typ II Reaktionszentrum wie Rhodobacter sphaeroides bzw.
Blastochloris viridis sehr ähnlich, wie die lichtinduzierten Differenzspektren an
photosynthetischen Membranen in dieser Arbeit (siehe Abbildung C.3.2.2.1) sowie
das Halbstufenpotential von Em,7 = 435 mV, das am isolierten Reaktionszentrum
gemessen
wurde
[128],
zeigen.
Das
Reaktionszentrum
von
Roseobacter
denitrificans konnte bis heute noch nicht kristallisiert werden. Der Vergleich der
Aminosäuresequenz des HLM-Komplexes zeigt eine große Sequenzhomologie
(70%) zum Reaktionszentrum aus anaeroben photosynthetischen Bakterien. Für die
Cytochrom c-Untereinheit hingegen liegt die Homologie nur bei 29% [153].
Ausgehend von experimentell bestimmten Strukturen wurde ein Homologiemodell
der Struktur des Reaktionszentrums aus Roseobacter denitrificans berechnet [46].
Dieses
stimmt
weitgehend
mit
der
Struktur
des
Reaktionszentrums
aus
Purpurbakterien überein.
Die Halbstufenpotentiale der am Reaktionszentrum gebundenen Häme wurden durch
Gleichgewichts-Redoxtitrationen
im
Dunkeln
an
isolierten
Reaktionszentren
bestimmt. Ebenso wurden die (ox-red)-Differenzspektren der Häme im Bereich der αBanden an isolierten Reaktionszentren gemessen [108].
In der vorliegenden Arbeit wurde die lichtinduzierte Cytochrom c-Oxidation nach
Anregung durch einen Blitz in isolierten photosynthetischen Membranen aus
Roseobacter denitrificans unter definierten Redoxbedingungen sowohl in der α- als
auch in der γ-Bande untersucht (vgl. Kapitel C.3.2.5. und C.3.2.8.). Die Messungen
(vgl.
Abbildung
C.3.2.5.2
und
Abbildung
C.3.2.8.1)
zeigen,
dass
die
Elektronenlücke, die beim primären Donator P+ nach einer Photoanregung erzeugt
wird, nach weniger als einer Millisekunde auf die Redoxkette P-H2-L1-H1-L2
entsprechend der Redoxpotentialeinstellung des Systems vor dem Blitz und in
201
Diskussion
Übereinstimmung mit den im isolierten Komplex ermittelten Halbstufenpotentialen der
Häme verteilt wird: Liegt nur H1 vor der Anregung im Dunkeln reduziert vor, verlagert
sich die Elektronenlücke nach Anregung durch einen Blitz auf H1, liegen H1 und H2
reduziert vor, verlagert sich die Elektronenlücke auf H2 und, wenn alle Häme
reduziert vorliegen, auf L1/L2. Mit diesem Ergebnis stimmen auch die am isolierten
Reaktionszentrum gemessenen Kinetiken der blitzinduzierten Rereduktion des
oxidierten primären Donators P+ überein.
D. Garcia et al. [93] konnten zeigen, dass der nach Anregung durch Licht oxidierte
primäre Donator P+ mit einer Halbwertszeit t1/2 = 5 µs, 380 ns bzw. 160 ns rereduziert
wird, wenn jeweils nur H1, H1 und H2 bzw. alle Häme vor der Anregung im Dunkeln
reduziert vorliegen (in Abhängigkeit vom eingestellten Redoxpotential).
Die Zeitauflösung der in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnisse erlaubt nicht zu
unterscheiden, ob Häm H2 direkt den primären Donator P+ reduziert oder zunächst
Häm H1 reduziert, das dann den primären Donator P+ reduziert. Ebenso wenig lässt
sich bestimmen, ob die Photooxidation der low potential Häme L1/L2 über einen
direkten Elektronentransfer zum primären Donator P+ oder einen Elektronentransfer
zwischen den Hämen mit Beteiligung der high potential Häme erfolgt. Auf Grund des
großen Unterschieds der gemessenen Halbwertszeiten wurde von D. Garcia et al.
[93] vorgeschlagen, dass H2 das nächste Häm zum primären Donator P sein muss
und direkt den primären Donator P+ reduziert.
Untersuchungen der Elektronentransferreaktionen von der Cytochrom c-Untereinheit
zum primären Donator des Reaktionszentrums an anderen photosynthetischen
Bakterien ergaben je nach Spezies unterschiedliche Mechanismen. In Blastochloris
viridis erfolgt der Elektronentransfer vom Häm H2 über Häm H1 auf den primären
Donator P. Die Häme sind in folgender Reihe angeordnet: L2 – H2 – L1 – H1 – P
[40, 42, 43, 187]. In Chloroflexus aurantiacus sind die Häme hingegen in der
Reihenfolge H2 – L2 – L1 – H1 – P angeordnet [136] und in Chromatium vinosum in
der Reihe L2 – H1 – L1 – H2 – P [48] wie in Roseobacter denitrificans. Die
funktionale Organisation der tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit scheint kein
allgemeingültiges Muster in den photosynthetischen Bakterien zu haben, sondern
hängt
von
der
Auswirkungen
für
Spezies
das
ab.
Dies
hat
lichtinduzierte
möglicherweise
zyklische
photosynthetischen Bakterien [93, 188, 189].
202
bisher
unbekannte
Elektronentransfersystem
in
Diskussion
Durch Analyse der zeitaufgelösten Spektren (siehe Abbildung C.3.2.5.2) konnte in
der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, dass in Membranen von Roseobacter
denitrificans nur das Häm H2 nach Photooxidation langsam rereduziert wird und
dabei gleichzeitig ein weiteres Cytochrom c oxidiert wird. Die Menge an Cytochrom c,
die durch diesen Prozess langsam oxidiert wird, wird durch Antimycin erhöht,
insbesondere nach Mehrfachanregungen (vgl. Abbildung C.3.2.4.4) und dies zeigt,
dass ein Cytochrom bc1 Komplex am lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfer
beteiligt ist (s.u.). Die Cytochrom c Bande, die in Anwesenheit der Inhibitoren auf
einer langsamen Zeitskala auftritt, könnte Beiträge der Oxidation von Cytochrom c1,
des Cytochrom bc1 Komplexes sowie des löslichen Cytochroms c enthalten und so
die Elektronentransferkette vom Cytochrom bc1 Komplex zum am Reaktionszentrum
gebundenen Tetrahäm wiederspiegeln.
In Einklang mit der Beteiligung einer löslichen Redoxkomponente ist die signifikante
Verlangsamung der Reaktion bei Erhöhung der Viskosität (siehe Tabelle C.3.2.6.1).
Die Abhängigkeit von der Ionenstärke (siehe Tabelle C.3.2.6.1) deutet ebenso
darauf hin, dass die gemessene langsame Cytochrom c Oxidation über einen
Mechanismus
erfolgt,
der
die
Wechselwirkung
des
am
Reaktionszentrum
gebundenen Tetrahäms mit einem zweiten löslichen Redoxprotein erfordert. Diese
wird von elektrostatischen Wechselwirkungen bestimmt. In Blastochloris viridis
konnte durch die Untersuchung der Ionenstärkeabhängigkeit des Elektronentransfers
vom löslichen Cytochrom c2 zum am Reaktionszentrum gebundenen Tetrahäm
nachgewiesen werden, dass die elektrostatischen Wechselwirkungen der beiden
Proteine von entscheidender Bedeutung für einen effektiven Elektronentransfer sind
[190].
Die lösliche Spezies in Roseobacter denitrificans kann mit Cytochrom c551 (Em,7 = 250
mV), das aus Roseobacter denitrificans isoliert werden konnte [137], identifiziert
werden. Dies wird durch Untersuchungen der Abhängigkeit der langsamen Phase
der Cytochrom c Oxidation vom eingestellten Redoxpotential Eh in isolierten
Membranen aus Roseobacter denitrificans (vgl. Abbildung C.3.2.8.2), die ein
scheinbares Halbstufenpotential von 220 mV für das lösliche Cytochrom c ergeben
bestätigt, ein Wert, der leicht unter dem Halbstufenpotential für das gereinigte
Cytochrom c551 liegt (s.o.). Bedenkt man aber, dass sich nach der schnellen
Photooxidation von Häm H2 die Elektronenlücke nach dem Q-Zyklus-Mechanismus
(siehe Kapitel A.3.5.) auf Cytochrom c551, Cytochrom c1 und das Rieske-FeS203
Diskussion
Zentrum des Cytochrom bc1 Komplexes verteilt, kann nicht erwartet werden, dass die
Titration der langsamen Oxidation von Cytochrom c das exakte Halbstufenpotential
von Cytochrom c551 wiedergibt, da das gemessene Halbstufenpotential von der
Stöchiometrie der löslichen Komponente und des Cytochrom bc1 Komplexes sowie
den Halbstufenpotentialen von Cytochrom c1 und dem FeS-Cluster abhängt. In
Rhodobacter sphaeroides wurden für das FeS-Zentrum, das Cytochrom c1 und das
Cytochrom c2 Halbstufenpotentiale von jeweils Em,7 = 290 mV, 270 mV und 340 mV
bestimmt (siehe Abbildung A.3.5.1 [84]). Wenn man vereinfachend annimmt, dass
in Rhodobacter sphaeroides die Redoxkomponenten im gleichen Verhältnis vorliegen
und das Elektron sich zu gleichen Teilen auf die Redoxkomponenten verteilt, würde
man
bei
einer
Titration
den
Mittelwert
der
Halbstufenpotentiale
der
Redoxkomponenten, d.h. ein scheinbares Halbstufenpotential von Em,7 ≈ 300 mV
erhalten, das um 40 mV niedriger liegt als im isolierten Cytochrom c2. Nimmt man
eine ähnliche Abstufung der Halbstufenpotentiale für das FeS-Zentrum, das
Cytochrom c1 und das Cytochrom c551 in Roseobacter denitrificans an, kann dies
leicht zu einer Verschiebung des gemessenen Halbstufenpotentials von 30 mV zu
niedrigeren Werten bezogen auf das Halbstufenpotential von Cytochrom c551 sowie
zu Abweichungen vom Nernst-Verhalten führen.
Die Amplitude der langsamen Cytochrom c Oxidation nimmt bei Verringerung des
eingestellten Redoxpotentials unter 120 mV immer stärker mit einem scheinbaren
Halbstufenpotential von Em,7 = 75 mV ab (vgl. Abbildung C.3.2.8.2). Dieses
Verhalten stimmt mit dem Elektronentransferweg vom Cytochrom bc1 Komplex über
das lösliche Cytochrom c551 zum Häm H2 des tetrahämen Cytochroms c des
Reaktionszentrums, wie oben vorgeschlagen, überein. Bei diesem Potential werden
die low potential Häme L1/L2 (Em,7 = 90 mV) im Dunkeln zunehmend reduziert und
können so den durch den Blitz oxidierten primären Donator P+ schnell rereduzieren.
Damit wird die Oxidation des löslichen Cytochroms c durch das Häm H2 und die
darauf folgende Oxidation der high potential Kette des Cytochrom bc1 Komplexes
verhindert.
Die in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnisse sind in Übereinstimmung mit
Messungen an ganzen Zellen von Roseobacter denitrificans [108]. Unter aeroben
Bedingungen liegen Zellen bei atmosphärischen Luftdruck (1013 mbar) mit einem
Sauerstoffpartialdruck von 213 mbar vor. Bei semiaeroben Bedingungen ist der
204
Diskussion
Sauerstoffgehalt reduziert und bei anaeroben Bedingungen ist kein Sauerstoff für die
Bakterien verfügbar. An dieser Stelle soll qualitativ der Zusammenhang zwischen
Redoxpotential und Sauerstoffpartialdruck in der Zelle beschrieben werden. Hierzu
wird die Nernst-Gleichung (Gleichung B.2.6.3 in Kapitel B.2.6.) verwendet. Nimmt
man an, dass der pH-Wert im Zellinneren leicht sauer ist21, reagiert in wässrigem
Medium gelöster Sauerstoff nach folgender Reaktionsgleichung:
O2 + 4 H+ + 4 eDamit
ergibt
2 H2O
sich
die
Gleichung D.2.1.1
Nernst-Gleichung
unter
Vernachlässigung
der
Aktivitätskoeffizienten (vgl. Kapitel B.2.6.) für diese Reaktion zu:
RT
E=E +
ln
zF
pO2 /p [H+]4/c4
Gleichung D.2.1.2
xH2O2
mit:
E ≡ Redoxpotential von Sauerstoff
E ≡ Standardpotential für die Redoxreaktion von O2 zu H2O in saurer wässriger Lösung
pO2 ≡ Sauerstoffpartialdruck in Lösung
[H+] ≡ Konzentration der Protonen
xH2O ≡ Molenbruch von H2O
R ≡ Gaskonstante ≡ 8,31441 JK-1mol-1
T ≡ Temperatur in K
z ≡ Zahl der pro Formelumsatz übertragenen Elektronen
F ≡ Faraday-Konstante ≡ 9,64846 104 Cmol-1
Mit xH2O ≈ 1, z = 4 ergibt sich bei Raumtemperatur (RT):
0,059
E = E +
z
lg pO2 /p · [H+]4/c4
Gleichung D.2.1.3
mit E = 1,23 V [192]
Der Sauerstoffpartialdruck in der Atmosphäre in Höhe des Meeresspiegel beträgt:
pO2 = 213 mbar
21
Die Messung des pH-Wertes im Zellinneren ist schwierig und hängt von den Bedingungen ab.
Wahrscheinlich reagieren die Zellinhalte leicht sauer (pH = 6 bis 7) [191].
205
Diskussion
Damit ergibt sich mit pH = 6, p = 1013 mbar und c = 1 M nach Gleichung D.2.1.3:
E = 0,866 V
Bei Verringerung des Sauerstoffpartialdrucks um Faktor 100 des atmosphärischen
Partialdruckes, verringert sich das Redoxpotential für O2 nach der dargestellten
vereinfachten Rechnung um 30 mV. Damit ergibt sich bei einer Verringerung des
Sauerstoffpartialdruckes eine Abnahme des Redoxpotentials in der Zelle.
In Zellen von Roseobacter denitrificans konnte unter semiaeroben Bedingungen ein
low potential Häm L nach Anregung durch Licht photooxidiert werden, das nicht
rereduziert wurde. Dies steht im Einklang mit den Messungen der vorliegenden
Arbeit (siehe Kapitel C.3.2.5.), bei denen bei einem eingestellten Redoxpotential von
Eh = 50 mV keine Rereduktion der low potential Häme L1/L2 durch das lösliche
Cytochrom c551 beobachtet wurde, vermutlich weil dieser Schritt thermodynamisch
ungünstig ist. Daraus kann geschlossen werden, dass in intakten Zellen von
Roseobacter denitrificans unter semiaeroben Bedingungen ein Redoxpotential von
≤ 50 mV für die Cytochrom c Kette vorliegen muss. Die Photooxidation der low
potential Häme unter semiaeroben oder anaeroben Bedingungen wird hingegen in
ganzen Zellen von Blastochloris viridis nicht beobachtet [92]. Dieses unterschiedliche
Verhalten unter semiaeroben Bedingungen kann auf die unterschiedlichen
Halbstufenpotentiale der low potential Häme zurückgeführt werden, die in
Roseobacter denitrificans wesentlich höher sind (Em,7 = 90 mV) als in Blastochloris
viridis (Em,7 = 20 mV bzw. -60 mV). Bei einem Redoxpotential von 50 mV liegen die
low potential Häme in Roseobacter denitrificans unter semiaeroben Bedingungen
reduziert vor, während in Blastochloris viridis unter diesen Bedingungen diese Häme
oxidiert vorliegen. Im letzteren Falle erfolgt bei niedrigen Redoxpotentialen ein
schneller Elektronentransfer vom löslichen Cytochrom c2 zum high potential Häm H2
[92], so dass Wachstum der Bakterien unter semiaeroben / anaeroben Bedingungen
beobachtet werden kann.
In Blastochloris viridis [190, 193] sowie in Rhodocyclus gelatinosus [194] konnte auf
Grund der elektrostatischen Oberflächeneigenschaften und der Gestalt der
Cytochrom c-Untereinheit nachgewiesen werden, dass das lösliche Cytochrom c2
nahe am low potential Häm L2 bindet, welches sich in der Nähe der Oberfläche des
Proteins befindet (vgl. Abbildung A.3.2.3). Die Untersuchungen des Strukturmodells
206
Diskussion
des Reaktionszentrums aus Roseobacter denitrificans [46] liefert auf Grund eines
insgesamt überwiegend negativen Oberflächenpotentials der Tetrahäm-Untereinheit
keine klaren Hinweise für die Bindungsstelle des löslichen Cytochrom c551.
Berücksichtigt man bei der Berechnung der elektrostatischen Oberflächeneigenschaften, dass Roseobacter denitrificans ein marines Bakterium ist und
infolgedessen eine höhere Ionenstärke im periplasmatischen Raum vorhanden ist als
in Süßwasserbakterien wie
Blastochloris viridis, erhält man eine stärkere
Differenzierung der elektrostatischen Eigenschaften der Oberfläche, die ähnlich wie
in Blastochloris viridis die Bindung des löslichen Cytochroms c551 in der Nähe des
äußersten Häms L2 begünstigen würde.
D.2.2. Beteiligung eines Cytochrom bc1 Komplexes am
lichtinduzierten
zyklischen
Elektronentransfer
in
Roseobacter denitrificans
Obwohl ein lichtinduzierter zyklischer Elektronentransfer ähnlich dem in Rhodobacter
sphaeroides und Rhodobacter capsulatus generell in Purpurbakterien mit einem am
Reaktionszentrum
gebundenem
Tetrahäm
vermutet
wird,
sind
nur
wenige
Untersuchungen über die Redoxwechselwirkungen zwischen dem Reaktionszentrum
und dem Cytochrom bc1 Komplex in diesen Bakterien bekannt. Ein direkter Beweis
für
die
Beteiligung
eines
Cytochrom
bc1
Komplexes
am
lichtinduzierten
Elektronentransfer konnte bisher nur in Zellen von Blastochloris viridis [92] und in
Chromatophoren von Chromatium vinosum [91, 195] erhalten werden.
In dieser Arbeit konnte erstmalig durch Untersuchung der Kinetiken der
blitzinduzierten Reduktion von Cytochrom b561 unter definierten Redoxbedingungen
(vgl. Kapitel C.3.2.3.) die Beteiligung eines Cytochrom bc1 Komplexes am
photoinduzierten Elektronentransfer in einem obligat aeroben photosynthetischen
Bakterium, i.e. Roseobacter denitrificans, gezeigt werden. Dabei wurde zunächst das
Cytochrom b561 mittels blitzinduziertem (ox-red)-Differenzspektrum identifiziert (vgl.
Abbildung C.3.2.3.3). Dieses zeigt ein Maximum in der α-Bande bei 561 nm und ein
Maximum in der γ-Bande bei 430 nm. Die spektroskopischen Eigenschaften des
207
Diskussion
Cytochroms b561 aus Roseobacter denitrificans sind vergleichbar mit denen des
Cytochroms b562 aus Rhodobacter sphaeroides.
Viele der Merkmale der Cytochrom b Redoxänderungen, die in Roseobacter
denitrificans entdeckt wurden, können im Rahmen eines Q-Zyklus-Modell (siehe
Kapitel A.3.5.) interpretiert werden. Die Halbwertszeit der Cytochrom b-Reduktion
liegt im Hundertstelsekundenbereich und spricht für eine Reaktion zweiter Ordnung.
Dabei wird die Reduktionsgeschwindigkeit der Cytochrom b Reduktion durch die
Diffusionsgeschwindigkeit des Dihydroubichinons UQH2 aus dem Q-Pool zur QoBindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes bestimmt. Bei allen eingestellten
Redoxpotentialen Eh, die getestet wurden, wird die blitzinduzierte Cytochrom b
Reduktion von Antimycin stimuliert und von Myxothiazol gehemmt.
Im Unterschied zu anaeroben photosynthetischen Purpurbakterien wie Rhodobacter
sphaeroides [196-198] kann eine signifikante Reduktion von Cytochrom b schon in
Abwesenheit von Antimycin beobachtet werden (vgl. Abbildung C.3.2.3.1), was auf
eine relativ langsame Reoxidation von Cytochrom b561 an der Qi-Bindungsstelle des
Cytochrom bc1 Komplexes hindeutet.
Bei Einstellung eines hohen Redoxpotentials (390 mV) zeigt die Cytochrom bReduktion ein binäres Oszillationsmuster (siehe Abbildung C.3.2.3.1), das
phasenverschoben zu den binären Oszillationen der Semichinonbildung ist, die im
Reaktionszentrum
beobachtet
wurden
[128].
Unter
diesen
oxidierenden
Bedingungen ist das Reduktionsmittel für Cytochrom b561 das Dihydroubichinon
(UQH2), das an der QB-Bindungsstelle des Reaktionszentrums in einem two electron
gate Mechanismus gebildet wird.
Eines der wichtigsten Merkmale des Q-Zyklus Modells ist, dass die Oxidation des
Dihydroubichinons UQH2 an der Qo-Bindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes in
einer konzertierten Reaktion verläuft, bei der das erste Elektron auf die high potential
Kette des Komplexes (Rieske-Protein, Cytochrom c1) übertragen wird und so später
den primären Donator P+ reduziert, während das zweite Elektron zur low potential
Cytochrom
b-Kette
Übereinstimmung
übertragen
damit
wird
(vgl.
zeigen
die
auch
Abbildung
zeitaufgelöst
D.2.4.1).
In
gemessenen
Absorptionsdifferenzspektren der blitzinduzierten Cytochrom b- und Cytochrom cRedoxänderungen bei mittleren Redoxpotentialen (Eh = 145 - 195 mV), dass die
Reduktion von Cytochrom b am Elektronentransfer vom Cytochrom bc1 Komplex zum
208
Diskussion
photooxidierten
Häm
H2
der
tetrahämen
Cytochrom
c-Untereinheit
des
Reaktionszentrums gekoppelt ist (vgl. Abbildung C.3.2.4.4). Wie schon im
vorhergehenden Kapitel diskutiert, scheint dieser letzte Prozess durch einen
löslichen Redoxcarrier vermittelt zu werden, wahrscheinlich Cytochrom c551.
Wenn man das Redoxpotential von 200 mV auf 100 mV verringert, wird die
Halbwertszeit der Cytochrom b Reduktion auf ca. 30 ms, d.h. um den Faktor 2 - 3
verkleinert. Nach dem Q-Zyklus Modell sollte die Reduktion von Cytochrom b in
Gegenwart von Antimycin durch die Oxidation des Dihydroubichinons UQH2 an der
Qo-Bindungssstelle in einer Reaktion zweiter Ordnung stattfinden (s.o.). Die
beobachtete Beschleunigung der Cytochrom b-Reduktionskinetik bei niedrigerem
Redoxpotential könnte daher die fortschreitende Reduktion des Q-Pools, d.h. die
Zunahme von Dihydroubichinon in der Membran, wiederspiegeln. In der vorliegenden
Arbeit wurde in Membranen von Roseobacter denitrificans ein Ubichinon-Pool von
ca. 20 Ubichinonen/Dihydroubichinonen pro Reaktionszentrum gefunden (siehe
Kapitel C.3.3.). Wenn man annimmt, dass das Halbstufenpotential des Redoxpaares
Ubichinon/Dihydroubichinon in der Membran bei ähnlicher Zusammensetzung der
Membranlipide wie in Rhodobacter sphaeroides [88] Em,7 = 90 mV bei pH = 7 ist,
sollte in diesem Potentialbereich (100 mV) eine zunehmende Konzentration an
Dihydroubichinon UQH2 (reduzierte Spezies) an der Qo-Bindungsstelle zur Verfügung
stehen. Selbst unter optimalen Redoxbedingungen ist die Reaktion jedoch viel
langsamer als in Chromatophoren von Rhodobacter sphaeroides und Rhodobacter
capsulatus [84, 199] und der Effekt der Beschleunigung durch Verringerung des
angelegten Potentials scheint gering zu sein. Die Größe des Q-Pools in Roseobacter
denitrificans ist vergleichbar mit dem in Rhodobacter sphaeroides [88]. Auf Grund
der Kopplung der Elektronentransferreaktionen der high potential und der low
potential Kette des Cytochrom bc1 Komplexes (siehe Kapitel A.3.5.) liegt es nahe,
dass die Geschwindigkeit der Cytochrom b Reduktion durch die Geschwindigkeit der
Oxidation der high potential Kette des Cytochrom bc1 Komplexes bestimmt wird.
Dieser Prozess ist wahrscheinlich langsam auf Grund der niedrigen Konzentration
des löslichen Elektronencarriers Cytochrom c551, der die Redoxwechselwirkungen
zwischen dem tetrahämen Cytochrom c und dem Cytochrom bc1 Komplex vermittelt.
Dementsprechend ist die Halbwertszeit der Cytochrom b-Reduktion der für die
langsame Cytochrom c-Oxidation sehr ähnlich (s. Tabelle C.3.2.6.1). Der partielle
209
Diskussion
Verlust des löslichen Cytochroms c551 beim Zellaufschluss wird bestätigt durch die
Detektion großer Mengen dieser Komponente im Überstand. Wie in Kapitel D.1.2.
beschrieben scheint ein größerer Anteil der Membranvesikel offen zu sein.
Unter
optimalen
Redoxbedingungen
wurden
etwa
0,3
Cytochrome
b
pro
Reaktionszentrum nach Anregung durch einen Blitz reduziert (vgl. Kapitel C.3.2.8.).
Die Stöchiometrie der am zyklischen Elektronentransfer beteiligten Proteinkomplexe
ergibt sich also zu nur 1 Cytochrom bc1 Komplex auf 3 Reaktionszentren. In
Rhodobacter sphaeroides wurde hingegen ein Verhältnis von 1 Cytochrom bc1
Komplex zu 2 Reaktionszentren gefunden [5, 200].
Die Titration der blitzinduzierten Cytochrom b561 Reduktion ergibt ein scheinbares
Halbstufenpotential von Em,7 = 65 mV (vgl. Abbildung C.3.2.8.3). Die Interpretation
dieses Ergebnisses ist komplex. Die unmittelbare Interpretation wäre, dass das
Gleichgewichtsredoxpotential des Cytochrom b561 mit diesem Wert übereinstimmt
und das Verschwinden der Cytochroms c561-Reduktion beim Verringern des
angelegten Redoxpotentials aus der Präreduktion des Cytochroms im Dunkeln folgt.
Dennoch liegen bei diesen Potentialen die low potential Häme der tetrahämen
Cytochrom c-Untereinheit des Reaktionszentrums zunehmend reduziert im Dunkeln
vor und reduzieren in einer schnellen Reaktion den primären Donator P+. Wie schon
diskutiert, verhindert dies die Oxidation des löslichen Cytochrom c551, und, da das
FeS-Zentrum und Cytochrom c1 wahrscheinlich bei diesen Redoxpotentialen ebenso
reduziert vorliegen22, kann auch die Oxidation der high potential Kette des
Komplexes nicht stattfinden. Es ist demnach wahrscheinlich, dass die Reduktion des
Cytochrom
b561,
unabhängig
von
seinem
Halbstufenpotential,
bei
diesen
Redoxpotentialen nicht stattfinden kann, weil das Dihydroubichinon UQH2 an der QoBindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes nicht durch die high potential Kette
zum Semichinon oxidiert werden kann. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen,
dass die Amplitude der Cytochrom c561-Reduktion und der langsamen Oxidation von
Cytochrom c fast parallel bei Verringerung des eingestellten Redoxpotentials
verschwinden (vgl. Abbildung C.3.2.8.2). Diese Übereinstimmung ist mit einem QZyklus-Mechanismus vereinbar.
22
Dies gilt, wenn man ähnliche Halbstufenpotentiale wie für Rhodobacter sphaeroides annimmt (vgl.
Abbildung A.3.5.1).
210
Diskussion
Diese
Interpretation
wird
auch
gestützt
durch
vorläufige
Ergebnisse
aus
Gleichgewichts-Redoxtitrationen der Cytochrome des b-Typs im Dunkeln, die in
isolierten Membranen aus Roseobacter denitrificans durchgeführt wurden [201].
Diese Untersuchungen haben die Anwesenheit von zwei Cytochromen des b-Typs
gezeigt, mit Em ≅ 25 mV und Em ≅ -165 mV, die auf Grund ihrer spektralen
Eigenschaften jeweils zu Cytochrom b561 und Cytochrom b566 zugeordnet wurden.
Ähnliche Werte wurden in Rhodobacter sphaeroides ermittelt: Em = 50 mV für
Cytochrom b562 und Em = -90 mV für Cytochrom b566 [157, 202]. Cytochrom b566
konnte bei den lichtinduzierten spektroskopischen Messungen nicht beobachtet
werden, da der Elektronentransfer zum Cytochrom b561 für die Zeitauflösung der
Messapparatur zu schnell ist (< µs). Auch in anaeroben photosynthetischen
Purpurbakterien wie Rhodobacter sphaeroides wurden schnelle Elektronentransferzeiten (t1/2 < 25 µs, was der Zeitauflösung der Messapparatur in diesen
Experimenten entspricht [203]) von Cytochrom b566 zu Cytochrom b562 beobachtet.
D.2.3.
Das
Halbstufenpotential
des
primären
Elektronenakzeptors QA im Reaktionszentrum aus
Roseobacter denitrificans
Das Verschwinden der photosynthetischen Aktivität in Anaerobiosis (d.h. unter
Sauerstoffausschluss), das in Roseobacter denitrificans und im Allgemeinen bei
aeroben photosynthetischen Bakterien beobachtet wird, wurde in der Literatur auf die
Präreduktion des primären Elektronenakzeptors QA des Reaktionszentrums unter
diesen Bedingungen zurückgeführt (siehe Kapitel A.4.5.). So wurde in isolierten
Membranen von Roseobacter denitrificans ein höheres Halbstufenpotential als in
anoxygenen photosynthetischen Purpurbakterien von Em,7 = 35 mV gemessen [131].
In isolierten Reaktionszentren wurde hingegen ein niedrigeres Halbstufenpotential
von Em,7 = -44 mV bestimmt [128].
In Voruntersuchungen zur Titration von QA/QA- konnte in der vorliegenden Arbeit
beobachtet werden, dass die Reoxidation des nach Anregung durch einen Blitz
reduzierten primären Akzeptors QA- bei niedrigen Redoxpotentialen ein sehr
langsamer Prozess ist, und zwar auch in Anwesenheit effizienter Redoxmediatoren
211
Diskussion
wie 2-Hydroxy-1,4-naphthochinon. Eine exakte Äquilibrierung des Akzeptors
während der Titration erfordert eine Dunkeladaptation der Probe von mehreren
Minuten zwischen den Anregungen durch einen Blitz und eine kurze Belichtung der
Probe durch den Messstrahl vor der Anregung. Wenn man diese Maßnahmen nicht
beachtet, können Abweichungen vom Nernstverhalten beobachtet werden, was
systematisch zu einer Überschätzung des Halbstufenpotentials führt. Dies gilt
insbesondere bei Reaktionszentren mit Tetrahäm-Untereinheit, da bei niedrigen
Potentialen die Häme reduziert vorliegen und schon bei geringfügiger Beleuchtung
(z.B. durch den Messstrahl) in einem Teil der Reaktionszentren QA- vor der Anregung
durch den Blitz gebildet wird. Damit würde das Redoxpotential von QA überschätzt
werden. Andererseits kann ein systematischer Fehler, der eine Unterschätzung des
bestimmten Redoxpotentials zur Folge haben würde, ausgeschlossen werden, weil
die Reversibilität der Titration überprüft wurde. Nach Ermittlung der geeigneten
Bedingungen für eine vollständige Dunkeläquilibrierung konnte in der vorliegenden
Arbeit ein Halbstufenpotential von Em,7 = -50 mV gemessen werden, in guter
Übereinstimmung mit dem an Reaktionszentren gemessenen Wert für QA/QA-. Für
Roseobacter denitrificans [128] und Rhodobacter sphaeroides [133] wurde in
isolierten Reaktionszentren jeweils ein Wert von Em,7 ≈ -50 mV bestimmt. Danach
können die thermodynamischen Eigenschaften des primären Akzeptors kaum der
Grund für das Unvermögen der Zelle sein, Photosynthese unter anaeroben
Bedingungen durchzuführen.
Dieses
Ergebnis
wird
durch
neueste
Untersuchungen
zur
Struktur
des
Reaktionszentrums aus Roseobacter denitrificans bestätigt [46]. Die Berechnung
eines Homologiemodells ergab eine weitgehende Übereinstimmung mit der Struktur
des Reaktionszentrums aus Purpurbakterien wie Blastochloris viridis. Insbesondere
in der Umgebung des primären Akzeptors QA ist die Proteinstruktur konserviert, so
dass sich keine Merkmale finden, die eine Erhöhung des Halbstufenpotentials von
QA erklären könnten.
212
Diskussion
D.2.4. Der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer in
Roseobacter
denitrificans:
Schlussfolgerungen
und
Ausblick.
In dieser Arbeit wurden die Elektronentransferreaktionen, die durch die Anregung
durch einen einzelnen Blitz (single turnover) in photosynthetischen Membranen aus
Roseobacter denitrificans induziert wurden, unter kontrollierten Redoxbedingungen
untersucht. Die Ergebnisse liefern den direkten Nachweis, dass ein Cytochrom bc1
Komplex an einem zyklischen Elektronentransfersystem in Roseobacter denitrificans
beteiligt ist und dieses Elektronentransfersystem im Rahmen bisher bekannter QZyklus-Modelle diskutiert werden kann [84, 91].
Der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer in Roseobacter denitrificans ist in
Abbildung D.2.4.1 schematisch dargestellt. Nach der Anregung durch den Blitz
reagiert das Dihydroubichinon, das entweder an der QB-Bindungsstelle des
Reaktionszentrums nach erfolgter Ladungstrennung produziert wurde oder reduziert
im Q-Pool vorliegt, an der Qo-Bindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes und
überträgt ein Elektron an die high potential Kette und eines an die low potential Kette
und reduziert so Cytochrom b561. Die Reoxidation des durch den Blitz reduzierten
Cytochroms b561 durch ein Ubichinon aus dem Q-Pool an der Qi-Bindungsstelle des
Cytochrom bc1 Komplexes ist viel langsamer als in Cytochrom bc1 Komplexen der
anaeroben Bakterien. In diesem Verhalten, scheint der Cytochrom bc1 Komplex von
Roseobacter denitrificans den Cytochrom b6f Komplexen in Cyanobakterien und
Chloroplasten ähnlicher zu sein, für den eine niedrige Stabilitätskonstante des
Semichinons an der Qi-Bindungsstelle postuliert wurde [204]. Das lösliche
Cytochrom c551, das die Redoxwechselwirkungen zwischen dem Cytochrom bc1
Komplex und dem am Reaktionszentrum gebundenen Cytochrom c vermittelt,
reduziert selektiv Häm H2, das vom photooxidierten primären Donator P+ oxidiert
wurde. Wenn die low potential Häme (Em,7 = 90 mV) im Dunkeln bei niedrigen
Potentialen (Eh < 50 mV) reduziert vorliegen, wird der zyklische Elektronentransfer
nach einer Anregung durch einen Blitz verhindert, da der oxidierte primäre Donator
P+ schnell von den low potential Hämen reduziert wird. Diese können nicht von
Cytochrom c551 rereduziert werden, und somit wird der Zyklus unterbrochen. Ebenso
ist der lichtinduzierte zyklische Elektronentransfer bei hohen Potentialen (Eh > 290
mV) unterbrochen, wenn H2 vor der Anregung durch den Blitz oxidiert vorliegt. Die
213
Diskussion
Bildung von Dihydroubichinon an der QB-Bindungsstelle des Reaktionszentrums
erfordert zwei aufeinanderfolgende Anregungen durch jeweils einen Blitz ebenso wie
die Bildung von Dihydroubichinon an der Qi-Bindungsstelle des Cytochrom bc1
Komplexes zwei turnover des Komplexes erfordert.
214
Diskussion
cyt c
Myxothiazol
Periplasma
high
potential
Kette
L2 Em= +90mV
cyt c551
Em= +250 mV
H1 Em= +290mV
e
e-
Licht
L1 Em= +90mV
-
H2 Em= +240mV
eP870
Qo
e-
Em=+435 mV
low
potential
Kette
Q / QH2
Plasmamembran
ecyt b561
Em ≤ 65 mV
eQi
e-
bc1 Komplex
Cytoplasma
QB
Antimycin
QA
Em = -50 mV
RC
Abbildung D.2.4.1: Lichtinduzierter zyklischer Elektronentransfer in Roseobacter
denitrificans. Zusammenfassung der in dieser Arbeit und in der Literatur veröffentlichten
Ergebnisse [93, 108, 128, 137]. Der gezackte Pfeil stellt die Anregung des primären
Donators P durch Licht dar, die durchgezogenen Pfeile die Elektronentransferschritte und die
gepunkteten Pfeile die Diffusion von Ubichinon (Q) bzw. Dihydroubichinon (QH2) von und zu
den Bindungsstellen des Reaktionszentrums (RC) und des Cytochrom bc1 Komplexes
(nämlich QB bzw. Qo und Qi) bzw. in die Membran (Ubichinon-Pool Q / QH2). Die Balken
kennzeichnen die Stellen, bei denen die Inhibitoren Antimycin bzw. Myxothiazol den
Elektronentransfer blockieren. Soweit bekannt, sind die Halbstufenpotentiale Em der
Redoxkomponenten angegeben. Die Beschreibung des Elektronentransferzyklus erfolgt im
Text. Die Elektronentransferreaktionen erfolgen vom am Reaktionszentrum gebundenen
Cytochrom c je nach eingestelltem Redoxpotential entweder von H1, H2 oder von L1/L2 zum
primären Donator P+. Eingezeichnet ist der Elektronentransfer von H2 zu P+, der bei mittleren
Potentialen (Eh ≈ 190 mV), wenn der Elektronentransferzyklus geschlossen ist, stattfindet. An
der Qo-Bindungsstelle des Cytochrom bc1 Komplexes werden gleichzeitig zwei Elektronen
vom Dihydroubichinon in einer konzertierten Reaktion auf die high potential und auf die low
potential Kette übertragen. Der Transfer von Protonen über die Plasmamembran ist in
diesem Schema aus Gründen der Übersicht nicht berücksichtigt.
215
Diskussion
Im Gegensatz zu dem, was bisher vermutet wurde, zeigen die Ergebnisse dieser
Arbeit, dass die thermodynamischen Eigenschaften des primären Akzeptors QA nicht
für
die
Beeinträchtigung
des
photosynthetischen
Elektronentransfers
unter
anaeroben Bedingungen verantwortlich gemacht werden können. Es scheint
wahrscheinlicher, dass das Unvermögen von Roseobacter denitrificans, unter
anaeroben Bedingungen Photosynthese zu betreiben, auf eine Überreduktion des
Q-Pools23 zurückzuführen ist, die durch das Zusammenspiel der Elektronentransferketten der Photosynthese und der Zellatmung bestimmt ist. Wenn der Q-Pool unter
anaeroben Bedingungen überwiegend reduziert (Dihydroubichinon im Überschuss)
vorliegt, wird die Rate, mit der das Dihydroubichinon UQH2, das an der QBBindungsstelle
des
Reaktionszentrums
entsteht,
gegen
ein
oxidiertes
Ubichinonmolekül UQ aus dem Pool ausgetauscht wird, kritisch für die Funktion der
Photochemie des Reaktionszentrums. Im Labor von D. Oesterhelt wurde für
Rhodobacter sphaeroides gezeigt, dass das pufX-Protein des Antennenkomplexes
eine wesentliche Rolle bei der Erleichterung dieses Austauschprozesses spielt [205207]. In Rhodobacter sphaeroides kommt dabei ein pufX-Protein auf ein
Reaktionszentrum [208]. PufX bildet eine Transmembranhelix [209] und bindet
wahrscheinlich sowohl an das LH I als auch an das Reaktionszentrum (in der Nähe
der QB-Bindungsstelle) des LH I-RC-Kernkomplexes in der Membran [208, 210-212].
Dabei verhindert es die Ausbildung eines geschlossenen LH I-Ringes um das
Reaktionszentrum
und
erleichtert
so
möglicherweise
den
Austausch
von
Dihydroubichinon mit Ubichinon aus dem Q-Pool in der Membran an der QBBindungsstelle des Reaktionszentrums [213]. PufX hat somit eine wichtige und eine
komplexe Funktion bei der strukturellen Organisation des photosynthetischen
Kernkomplexes in Rhodobacter capsulatus und Rhodobacter sphaeroides, deren
Details weiterhin unverstanden sind. In neueren Arbeiten wurde die Rolle des C- und
N-Terminus von pufX auf die Organisation des LH I-RC-Komplexes untersucht [214].
Dabei konnte gezeigt werden, dass der C-Terminus verantwortlich für die Insertion
von pufX in den Kernkomplex ist. Die transmembrane helikale Region ist wichtig für
den
Austausch
Interessanterweise
sphaeroides
[206]
von
Hydroubichinon
mit
Ubichinon
zeigen
die
pufX-deletierten
sowie
von
Rhodobacter
Mutanten
capsulatus
aus
von
[215]
dem
Q-Pool.
Rhodobacter
das
gleiche
Unvermögen, unter anaeroben Bedingungen photosynthetisch zu wachsen, wie
23
D.h. es liegen in der Membran im Verhältnis viel mehr Dihydroubichinon-Moleküle als UbichinonMoleküle vor.
216
Diskussion
Roseobacter denitrificans. Darüber hinaus stellt die Zugabe externer Hilfsoxidantien
(Dimethylsulfoxid und TMAO) die photosynthetischen Aktivitäten unter anaeroben
Bedingungen sowohl in Roseobacter denitrificans [139] als auch in den pufX
deletierten Mutanten von Rhodobacter sphaeroides [207] wieder her. Da auch in
Roseobacter denitrificans das pufX-Gen nicht vorhanden ist [129, 130], könnte man
spekulieren, dass ein gehinderter Austausch von Dihydroubichinon (UQH2) und
Ubichinon (UQ) an der QB-Bindungsstelle des Reaktionszentrums mitverantwortlich
für die Blockierung des photosynthetischen Elektronentransfers in anaeroben Zellen
von Roseobacter denitrificans ist.
Die Tatsache, dass der Q-Pool unter anaeroben Bedingungen reduziert vorliegt, wird
durch neuere Untersuchungen der respiratorischen Elektronentransferkette in
Roseobacter denitrificans bekräftigt [216]. In Roseobacter denitrificans wurde eine
lineare
respiratorische
Elektronentransferkette
gefunden,
die
einige
Redoxkomponenten mit dem lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfer teilt (wie
z.B. den Cytochrom bc1 Komplex oder das Cytochrom c551). Dieser Weg endet mit
einer Cytochrom c-Oxidase des aa3-Typs. Im Gegensatz zu den Purpurbakterien
wurde kein Hydrochinon-Oxidase-Weg (quinol oxidase pathway) gefunden, der in
Membranen von Rhodobacter capsulatus und Rhodopseudomonas rubrum einen
photoinduzierten
nicht-zyklischen
Elektronentransfer
katalysiert,
wobei
Hydroubichinon (UQH2) oxidiert wird und O2 zu H2O reduziert wird (lichtinduzierte O2Aufnahme), und daher für die Regulation des Redoxzustandes des Q-Pools sowie
der Photophosphorylierungsaktivität von Bedeutung ist [217, 218]. So verändert
kontinuierliches Licht nicht den Redoxzustand des Q-Pools unter respiratorischen
steady state Bedingungen solange der Hydrochinon-Oxidase-Weg aktiv ist [219].
Dies wirkt sich auf die Photophosphorylierungsrate aus, da der zyklische
Elektronentransfer blockiert wird, wenn der Q-Pool (der mit dem sekundären
Elektronenakzeptor des Reaktionszentrums QB im Gleichgewicht steht) vollständig
reduziert (d.h. UQH2 überwiegt gegenüber UQ) vorliegt [87]. So konnten M. Candela
et al. [216] auch zeigen, dass lichtinduzierte ATP-Synthese in Roseobacter
denitrificans nur unter oxischen Bedingungen stattfindet. Die lichtinduzierte ATPSynthese
erfordert
geeignete
Redoxbedingungen
mit
einem
intrazellulären
Redoxpotential zwischen 80 und 140 mV (Redoxgleichgewicht). Dieses liegt im
Bereich des Halbstufenpotentials des Q-Pools (Em,7 = 90 mV). In Roseobacter
217
Diskussion
denitrificans
können
überschüssige
Reduktionsäquivalente
im
Q-Pool
(Hydroubichinon) in Ermangelung alternativer terminaler Oxidasen (wie z.B. die
Hydrochinon-Oxidase), nur über die lineare respiratorische Elektronentransferkette
abgebaut werden. Somit könnte ein sehr aktiver respiratorischer Elektronentransfer
die Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit aller am lichtinduzierten zyklischen
Elektronentransfer
beteiligten
Redoxkomponenten
sein.
Die
Funktion
der
Hilfsoxidantien wie TMAO wäre demnach, die überschüssigen Reduktionsäquivalente auf der Ebene des Q-Pools (Dihydroubichinon) abzubauen, so dass ein
lichtinduzierter zyklischer Elektronentransfer ungehindert erfolgen kann.
Die Überreduktion des Q-Pools unter anaeroben Bedingungen bewirkt, dass auch
die low potential Häme des am Reaktionszentrum gebundenen Cytochroms c
reduziert vorliegen.
Ein
weiterer
wichtiger
Mechanismus
zur
Stabilisierung
des
intrazellulären
Redoxzustandes während des phototrophen Wachstums ist die CO2-Fixierung durch
den Calvin-Zyklus [220]. Keines der aeroben photosynthetischen Bakterien konnte
jedoch bisher autotroph angezogen werden und das wichtigste Enzym des CalvinZyklus (Ribulosebisphosphatcarboxylase, Rubisco) konnte in keiner bisher isolierten
Spezies gefunden werden [109]. Lediglich in einigen Spezies konnte eine
lichtinduzierte CO2-Aufnahme beobachtet werden, die der Phosphoenolpyruvatcarboxylase zugeordnet wurde.
Aerobe photosynthetische Bakterien sind scheinbar nicht in der Lage, das
intrazelluläre Redoxgleichgewicht zu regulieren. Weitere Studien sind notwendig, um
die Regulationsmechanismen der Photosynthese in den aeroben photosynthetischen
Bakterien zu verstehen, insbesondere in Hinblick auf ihre ökologische Bedeutung.
Neueste Studien zeigen, dass aerobe photosynthetische Bakterien 11% der
gesamten Mikrobenpopulation in den oberen Schichten der Ozeane ausmachen und
dort 2 - 5% des gesamten photosynthetischen Elektronentransfers betreiben [114,
117]. Die Menge an fixiertem Kohlenstoff ist jedoch niedrig. Ihre Bedeutung für den
Kohlenstoff-Zyklus liegt nicht so sehr in der Fixierung von Kohlenstoff sondern im
geringeren Verbrauch von organischem Kohlenstoff durch die Zellatmung, da sie
einen großen Teil (50 - 80%) ihres Energiebedarfs über die photosynthetische ATPSynthese decken [184].
218
Diskussion
Um
den
lichtinduzierten
zyklischen
Elektronentransfer
in
den
aeroben
photosynthetischen Bakterien besser zu verstehen, sollten die noch fehlenden
Redoxkomponenten (FeS-Zentrum, Cytochrom c1, Cytochrom b566) charakterisiert
und die Elektronentransferkinetiken bestimmt werden. Für die Untersuchungen der
spektroskopischen und Redoxeigenschaften der Cytochrome c1, b566 (sowie auch die
genauere Untersuchung des Cytochroms b561) wäre die Isolation des Cytochrom bc1
Komplexes hilfreich, da Überlagerungen von anderen Cytochromen (sowie anderer
stark absorbierender Substanzen) in der Membran entfallen würden. Allerdings sind
am isolierten Cytochrom bc1 Komplex keine lichtinduzierten Messungen des
Elektronentransfers möglich. Diese wären dann möglich, wenn man die isolierten
Enzymkomplexe in Proteoliposomen rekonstituieren könnte. N. Gabellini et al. [221]
gelang es, Reaktionszentren, Cytochrom bc1 Komplex und ATP-Synthase aus
Rhodobacter capsulatus in Liposomen einzubauen und den lichtinduzierten
zyklischen Elektronentransfer sowie die Photophosphorylierung zu messen.
Ferner sind die Elektronentransferkinetiken von QA- nach QB, QA- nach QB- und die
Protonierung zum Dihydroubichinon von Interesse sowie die Austauschrate von
Dihydroubichinon an der QB-Bindungsstelle, da ein langsamer Elektronentransfer
vom
primären
zum
sekundären
Elektronenakzeptor,
eine
langsame
Protonenaufnahme bzw. ein langsamer Austausch vom Dihydroubichinon mit
Ubichinon aus dem Q-Pool der Membran unter anaeroben Bedingungen jeweils die
Ursache für die Beeinträchtigung des lichtinduzierten zyklischen Elektronentransfers
unter den genannten Bedingungen sein kann. Man erwartet also, dass die genannten
Elektronentransferreaktionen und/oder die Austauschrate von Dihydroubichinon mit
Ubichinon bei Verringerung des Potentials auf ca. 50 mV deutlich langsamer werden.
Der Elektronentransfer von QA- nach QB kann am isolierten Reaktionszentrum durch
Messung der transienten Absorptionsänderung in Abhängigkeit vom eingestellten
Redoxpotential nach Anregung durch einen Blitz bei 750 und 770 nm [222] oder aus
Messungen der Menge an oxidiertem Cytochrom c aus Pferdeherz oder Cytochrom
c2, das der Probe zugegeben wird, nach zwei aufeinanderfolgenden Blitzanregungen
oder bei kontinuierlicher Beleuchtung [223-225] ermittelt werden. Bei Messung der
Kinetiken in Abhängigkeit von der Ubichinon-Konzentration kann auch die
Dissoziationskonstante KD für Ubichinon-10 bestimmt werden. Da Ubichinon-10 in
H2O schwer löslich ist, muss es hierzu mit Detergentien in Lösung gebracht werden.
Eine Bestimmung kann aber auch nach Solubilisierung des Reaktionszentrums in
219
Diskussion
inversen Phospholipid-Mizellen in n-Hexan erfolgen, wobei Ubichinon in der
organischen Phase gelöst vorliegt [226]. Dies hat den Vorteil, dass die Bestimmung
der Austauschrate von Dihydroubichinon mit Ubichinon unabhängig von den
Eigenschaften der Ubichinon-Detergens-Mizellen ist. Um zu prüfen, ob der
Austausch durch den LH I-Komplex auf Grund des in Roseobacter denitrificans
fehlenden pufX-Proteins (s.o.) verursacht wird, wären analoge Messungen am LH IRC-Kernkomplex von Interesse. Eine geeignete Prozedur für die Isolation müsste
entwickelt werden. Die Messung könnten auch an isolierten Membranen erfolgen.
Auch
Untersuchungen
der
Funktion
der
Tetrahäm-Untereinheit
des
Reaktionszentrums sind von Interesse. Aus den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit
geht hervor, dass die Voraussetzung von aeroben Wachstumsbedingungen für
Roseobacter denitrificans auf das erhöhte Halbstufenpotential der low potential
Häme L1/L2 im Vergleich zu Blastochloris viridis zurückzuführen ist. Die Struktur der
Tetrahäm-Untereinheit konnte mittels Homologiemodellierung ermittelt werden [46].
Über elektrostatische Rechnungen könnten die Redoxpotentiale der Häme ermittelt
werden. Darauf basierend könnten durch Konstruktion geeigneter Mutanten die
Potentiale der low potential Häme L1/L2 auf die entsprechenden Werte von
Blastochloris viridis angeglichen werden. Liegt die Ursache für das beobachtete
Wachstumsverhalten allein an der tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit, sollte an
diesen Mutanten Wachstum im Licht unter Sauerstoffausschluss wie bei den
anaeroben photosynthetischen Bakterien beobachtet werden können.
220
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240
Abbildungsverzeichnis
A.2.1.1:
A.3.1:
A.3.1.1:
A.3.2.1:
A.3.2.2:
A.3.2.3:
A.3.3.1:
A.3.5.1:
A.4.1.1:
A.4.2.1:
A.4.3.1:
A.4.5.1:
A.4.5.2:
Z-Schema des linearen Elektronentransfers in der oxygenen
Photosynthese
Der zyklische Elektronentransfer in photosynthetischen
Purpurbakterien
Anordnung der Lichtsammelkomplexe LH I und LH II und des
Reaktionszentrums in Rhodobacter sphaeroides in einer
Modellrechnung nach H. Xiche et al. mit Blick auf die Membran,
in der die Proteinkomplexe eingebettet sind
Die Struktur des photosynthetischen Reaktionszentrums aus
Rhodobacter sphaeroides in atomarer Auflösung
Struktur der tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit des
Reaktionszentrums von Blastochloris viridis in atomarer
Auflösung
Anordnung der Cofaktoren des Reaktionszentrums aus
Blastochloris viridis und Orientierung der Häme der Cytochrom cUntereinheit
Vereinfachtes Schema der Elektronentransferreaktionen im
bakteriellen
photosynthetischen
Reaktionszentrum
aus
Rhodobacter sphaeroides
Modifizierter Q-Zyklus-Mechanismus für den zyklischen
Elektronentransfer in Rhodobacter sphaeroides nach A. R. Crofts
et al.
Elektronenmikroskopische Aufnahme der Zelle von Roseobacter
denitrificans
Absorptionsspektren von Membransuspensionen der aeroben
Bakterien Roseococcus thiosulfatophilus, Erythrobacter litoralis,
Erythromicrobium hydrolyticum und Erythromicrobium ezovicum
Absorptionsspektrum vom Lichtsammelkomplex LH II aus
Roseobacter denitrificans
Anordnung der Häme im tetrahämen Cytochrom c aus
Roseobacter denitrificans im Vergleich zu Blastochloris viridis
nach D. Garcia et al.
Schematische Darstellung der bisherigen Daten zum zyklischen
Elektronentransfers in Roseobacter denitrificans
B.2.1.2.1: Anzucht des Bakteriums Roseobacter denitrificans
Isolation der Membranen aus Roseobacter denitrificans
B.2.2.1:
B.2.3.1.1: Schema der Isolation von Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach K. Takamiya et al.
B.2.3.2.1: Schematische Darstellung der Isolation und Aufreinigung der
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans mittels
Dichtegradientenfraktionierung
B.2.3.2.4.1: Schematische Darstellung des Saccharose-Gradienten und der
Auftrennung der Membranproteine mittels Dichtegradientenzentrifugation
B.2.3.3.1: Isolation von Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
241
4
6
9
11
13
14
16
21
27
29
31
36
39
56
59
63
67
69
72
der Flüssigkultur von Roseobacter
B.2.4.4.1: Absorptionsspektrum
denitrificans Zellen
B.2.4.4.2: Absorptionsspektrum von gereinigten Roseobacter denitrificans
Membranen in 100 mM Mops-Puffer (pH = 7,0)
B.2.4.4.3: Absorptionsspektrum von gereinigten Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans
Absorptionsspektrum einer 10 µM Lösung von Cytochrom c im
B.2.5.1:
reduzierten und oxidierten Zustand
B.2.5.1.1: Messanordnung für die transiente Absorptionsspektroskopie an
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans
Ladungsrekombination
von QA- und P+ im bakteriellen
B.2.5.1.3.1:
Reaktionszentrum aus Roseobacter denitrificans
B.2.5.2.1.1: Messanordnung für die transiente Absorptionsspektroskopie an
Membranen aus Roseobacter denitrificans
B.2.5.2.2.1: Einfluss von Inhibitoren auf den lichtinduzierten zyklischen
Elektronentransfer in Membranen aus Roseobacter denitrificans
Schematische Darstellung der Redoxküvette
B.2.6.1:
C.1.1:
C.1.2:
C.2.1.1.1:
C.2.1.1.2:
C.2.1.3.1:
C.2.1.3.2:
C.2.2.1:
C.2.2.2:
C.2.2.3:
C.2.2.4:
C.2.2.5:
C.2.2.6:
C.3
C.3.2.1.1:
C.3.2.1.2:
Wachstumskurve der Anzucht von Roseobacter denitrificans
Bakterien im 28 l-Fermenter
Wachstumskurve der Anzucht von Roseobacter denitrificans
Bakterien im 200 l-Fermenter
Verlauf der Isolation von Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach K. Takamiya
SDS-Gel von isolierten Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans nach der Vorschrift von K. Takamiya
Solubilisierung mit unterschiedlichen Konzentrationen an LDAO
Absorptionsspektrum von gereinigten Reaktionszentren nach
dem Auftauen
Verlauf der Proteinmenge während der Isolation und
Aufreinigung
von
Reaktionszentren
aus
Roseobacter
denitrificans
Verlauf der Isolation und Reinigung von Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans
SDS-Gel der isolierten Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans
Absorptionsspektren im Verlauf der Isolation und Reinigung von
Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans mittels 50%iger
Ammoniumsulfat-Fällung
SDS-Gel von isolierten Reaktionszentren aus Roseobacter
denitrificans
Ladungsrekombinationskinetik in isolierten Reaktionszentren aus
Roseobacter denitrificans
Spektren der Zellen und Membranen aus Roseobacter
denitrificans
Spektrum der für die spektroskopische Untersuchungen
verwendete Probe vor der Beschallung (a), nach einer
Beschallung (b) und nach zwei Beschallungen (c)
Spektrum der für die spektroskopischen Untersuchungen
verwendete Probe vor und nach der Messreihe
242
87
88
88
90
92
94
99
101
102
111
111
117
118
121
123
127
130
132
134
135
137
139
141
141
C.3.2.2.1: Zeitaufgelöste lichtinduzierte Absorptionsspektren des primären
Elektronendonators im Reaktionszentrum aus Roseobacter
denitrificans in den spektralen Bereichen α und γ
144
C.3.2.3.1: Der Effekt von Inhibitoren des Cytochrom bc1 Komplexes auf die
Kinetik der Absorptionsänderungen nach Anregung durch zwei
Blitze im Abstand von 500 ms bei 430 nm (g-Bande)
151
C.3.2.3.2: Der Effekt der Inhibitoren des Cytochrom bc1 Komplexes auf die
Kinetik der Absorptionsänderung nach Anregung durch zwei
Blitze im Abstand von 500 ms bei 562 nm (α-Bande)
152
C.3.2.3.3: Das blitzinduzierte Differenzspektrum der Redoxänderungen des
Reaktionszentrum und des Cytochrom b in der γ- und der αRegion bei Eh = 390 mV
154
C.3.2.4.1: Der Effekt der Inhibitoren des Cytochrom bc1 Komplexes auf die
Kinetik der Absorptionsänderungen nach Anregung durch zwei
Blitze bei 422 nm und bei 430 nm
157
bei
554
nm
nach
zwei
C.3.2.4.2: Absorptionsänderung
aufeinanderfolgenden Blitzen im Abstand von 500 ms
158
C.3.2.4.3: Absorptionsänderung bei 562 nm nach Anregung durch zwei
aufeinanderfolgende Blitze im Abstand von 500 ms
160
C.3.2.4.4: Absorptionsdifferenzspektrum in der γ-Region aufgenommen
nach dem ersten Blitz (nach 100 µs und 400 ms) und 500 ms
nach dem zweiten Blitz
163
C.3.2.4.5: Absorptionsdifferenzspektren in der α-Region nach Anregung
durch einen Blitz (nach 2 ms und 500 ms)
165
C.3.2.4.6: Blitzinduzierte Absorptionsdifferenzspektren in der γ- Region und
α-Region des Spektrums bei Eh = 195 mV
166
C.3.2.5.1: Lichtinduzierte Absorptionsänderungen nach Anregung durch
einen sättigenden Blitz bei Redoxpotentialen von Eh = 310 mV,
Eh = 170 mV und Eh = 50 mV
168/169
C.3.2.5.2: Absorptionsdifferenzspektren in der α- und γ- Region 100 µs und
90 ms nach dem Blitz in Gegenwart von 5 µM Antimycin und 0,5
µM Myxothiazol
172/173
C.3.2.7.1: Oxidation des exogenen Cytochroms c nach Anregung durch
eine Sequenz von 18 Blitzen bei 554 nm
180
C.3.2.7.2: Oxidation des exogenen Cytochroms c nach Anregung durch
eine Sequenz von Blitzen im Abstand von 50 ms bei 422 nm
181
C.3.2.7.3: Oxidation des exogenen Cytochroms c nach Anregung durch
eine Sequenz von 18 Blitzen im Abstand von 50 ms bei 550 nm
und 416 nm
183
C.3.2.8.1: Redoxtitration der Absorptionsänderung bei 422 nm,
aufgenommen 0,5 ms nach Anregung durch einen einzelnen
Blitz sowie in Gegenwart von 5 µM Antimycin und 0,5 µM
Myxothiazol
185
C.3.2.8.2: Redoxtitration der Absorptionsänderungen bei 415 nm,
aufgenommen 100 ms nach der Anregung durch einen einzelnen
Blitz in Gegenwart von 5 µM Antimycin und 0,5 µM Myxothiazol
187
C.3.2.8.3: Bestimmung des Halbstufenpotentials von Cytochrom b
189
243
D.1.2.1:
D.2.4.1:
Schematische Darstellung der Orientierung der Membranvesikel
nach dem Zellaufschluss
Lichtinduzierter zyklischer Elektronentransfer in Roseobacter
denitrificans
244
197
215
Tabellenverzeichnis
A.3.2.1:
A.4.4.1:
A.4.4.2:
Physikochemische Eigenschaften der Tetrahäm-Untereinheit des
Reaktionszentrums aus Blastochloris viridis
Physikochemische Eigenschaften der Tetrahäm-Untereinheit des
Reaktionszentrums aus Roseobacter denitrificans
Orientierung der Häme der tetrahämen Cytochrom c-Untereinheit
des Reaktionszentrums in Bezug auf die Membranebene
verschiedener photosynthetischer Bakterien
12
33
34
B.1.2.1.1: RbOR (Roseobacter denitrificans organic rich) -Medium
45
B.1.2.1.2: Lösung I
45
B.1.2.1.3: Lösung II
45
B.1.2.1.4: Spurenelemente Stammlösung
46
B.1.2.1.5: Vitamine Stammlösung
46
B.1.2.2.1: Tris-Puffer I für Solubilisierung
47
B.1.2.2.2: Tris-Puffer IV A für Anionenaustausch-Chromatographie
47
B.1.2.2.3: Saccharose-Lösungen für Dichtegradienten-Zentrifugation
47
B.1.2.2.4: LDAO-Stammlösung
47
B.1.2.2.5: Tris-Puffer IV für Anionenaustausch-Chromatographie
48
B.1.2.2.6: Tris-Puffer II für Ammoniumsulfat-Fällung
48
B.1.2.2.7: Tris-Puffer III für Gelfiltration
48
B.1.2.2.8: Tris-Puffer IV für Anionenaustauscher-Chromatographie
49
B.1.2.2.9: Tris-Puffer V für Entsalzung
49
B.1.2.2.10: Tris-Puffer VI für Aufkonzentrierung
49
B.1.2.4.1: Acrylamidstammlösung
50
B.1.2.4.2: Probenpuffer
50
B.1.2.4.3: Trenngelpuffer
50
B.1.2.4.4: Sammelgelpuffer
50
B.1.2.4.5: APS-Lösung
50
B.1.2.4.6: Elektrophoresepuffer
50
B.1.2.4.7: Fixierer
51
B.1.2.4.8: Färber
51
B.1.2.4.9: Proteinreferenz
51
B.1.2.5.1: Tris-Puffer VII für Reaktionszentren
51
B.1.2.5.2: Mops-Puffer I für Reaktionszentren
52
B.1.2.5.3: Mops-Puffer II für Membranen
52
B.2.3.3.4.1: Die Menge an festem Ammoniumsulfat, die einer Lösung zugefügt
werden muss, um die gewünschte Endkonzentration bei 0°C zu
erreichen
78
In dieser Arbeit verwendete Redoxmediatoren mit ihrem
B.2.6.1:
Halbstufenpotential bei pH = 7,0, den pKA-Werten und der
Molmasse
106
Zusammenfassung der Bedingungen und Ergebnisse für die
Anzucht von Roseobacter denitrificans im 28 l-Fermenter und im
200 l-Fermenter
112
C.3.2.2.1: Faktoren f(λ) zur Bestimmung des Anteils der Oxidation des
primären Donators P an der gemessenen Absorptionsänderung
148
C.1.1:
245
C.3.2.6.1: Die Kinetik der diffusionskontrollierten Cytochrom c Oxidation nach
Anregung durch eine Blitz in Abhängigkeit von der Glycerin
Konzentration und der Ionenstärke
177
HPLC Analyse von Membranenextrakten aus Roseobacter
C.3.3.1:
denitrificans
191
246
Danksagung
Mein Dank gilt allen, die mich bei meiner Arbeit auf verschiedenste Weise unterstützt haben:
Prof. Dr. P. Gräber danke ich für die Ermöglichung dieser Arbeit am Institut für Physikalische
Chemie, die Bereitstellung von Räumen und Geräten, seine Unterstützung und nicht zuletzt für
die angenehme Arbeitsatmosphäre.
PD Dr. A. Labahn danke ich ganz besonders für seine Unterstützung in allen Phasen dieser
Arbeit, seine sehr hilfreichen Anregungen und seine stete Diskussionsbereitschaft.
Prof. Dr. G. Venturoli sowie seinen Mitarbeitern im Laboratorio di Biochimica e Biophisica,
Dipartimento di Biologia der Universität in Bologna danke ich ganz herzlich für die freundliche
Aufnahme, die sehr gute Zusammenarbeit, die vielen Anregungen und die Hilfsbereitschaft im
Labor sowie bei der Organisation meiner Aufenthalte in Bologna. Ich danke seinen Diplomanden
Anna V. Carluccio und Marco Contarini für die Mitarbeit bei den spektroskopischen Messungen
bzw. bei der Isolation von Reaktionszentren. Zudem möchte ich Dr. Paola Turina für Ihre
Hilfsbereitschaft und Ihre Freundlichkeit danken.
Prof. Dr. G. Drews danke ich für das große Interesse bezüglich der Untersuchungen an aeroben
photosynthetischen Bakterien und seine vielen Anregungen.
Prof. Dr. G. Fuchs und N. Gad’on, Institut für Biologie II der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg, danke ich für die Durchführung der Anzucht von Roseobacter denitrificans im 200 lFermenter der Firma Bioengineering.
Dr. Stefan Herter danke ich für die leider nur kurze Zusammenarbeit bei der Optimierung der
Isolationsvorschrift von Reaktionszentren aus Roseobacter denitrificans.
Dank auch an Annette Blau, die im Rahmen eines Mitarbeiterpraktikums bei der Anzucht von
Roseobacter denitrificans geholfen hat.
Vielen Dank an die technischen Assistenten des Instituts für Physikalische Chemie, Christine
Disch, Ursula Friedrich, Ruth Lehmann, Monika Siegel und Willi Wangler, für die Unterstützung
im Laboralltag.
Vielen Dank an die Mitarbeiter der Mechanik- und Elektronikwerkstatt des Instituts für
Physikalische Chemie.
Mein Dank gilt auch Dr. Susanne Fischer und Rolf Reuter für die Hilfe bei der Handhabung des
28 l-Fermenters der Firma Bioengineering sowie Dr. Ralf Schmid für die Handhabung des
Laserspektrometers.
Besonderen Dank für Anregungen und Diskussionen möchte ich der „Freitag-Runde“ aussprechen.
247
Allen Mitarbeitern des Instituts für Physikalische Chemie, ins besondere allen HabilitantInnen,
DoktorandInnen und DiplomandInnen danke ich für die freundliche Arbeitsatmosphäre.
Ich danke dem Graduiertenkolleg „Systeme von ungepaarte Elektronen in Chemie, Physik und
Biologie“ und der deutschen Forschungsgemeinschaft für die finanzielle Unterstützung.
Last but not least danke ich ganz besonders herzlich meiner Familie!
Lieber kleiner Janis,
Dir danke ich dafür,
dass Du mir immer wieder
das Lächeln auf die Lippen
zurück gezaubert hast.
248
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