Ballon-astronomie - Spektrum der Wissenschaft

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Welt der Wissenschaft: Beginn der Weltraum-astronomie
Ballon-Astronomie
gestern und heute
Bereits im Jahr 1874 ließen sich wagemutige Forscher in einer Ballongondel auf fast
8000 Meter Höhe tragen, um astronomische Beobachtungen durchzuführen. Damit
begann die Astronomie aus dem Weltraum. Heute dienen Ballonteleskope vor allem
der wissenschaftlichen und technischen Vorbereitung aufwändigerer Instrumente auf
Weltraumobservatorien.
Von Dietrich Lemke
In Kürze
D
er Astronomie am Boden sind
Abenteuerliche Anfänge
zahlreiche Grenzen gesetzt.
Im Jahre 1782 ließen Joseph Michel
Um den Störungen durch die
Montgolfier (1740 – 1810) und sein Bruder
Erdatmosphäre zu entgehen,
Jacques Étienne (1745 – 1799) in ihrem
lassen manche Beobachter ihre Fernrohre
Heimatort Annonay Papiertüten aufstei-
von Ballonen dreißig, vierzig Kilometer
gen, die sie mit »brennbarer Luft« (wie der
rische Turbulenzen und erschlie­
hoch in die Stratosphäre tragen, dorthin,
Wasserstoff damals noch genannt wurde)
ßen neue Bereiche des elektro­
wo rund 99 Prozent der irdischen Lufthülle
gefüllt hatten. Diese Flüge waren nur von
magnetischen Spektrums.
unter ihnen liegen. In solch großen Höhen
kurzer Dauer, da das Gas schnell heraus-
ó Die ersten Schritte der Weltraum­
wird die optische Abbildung kaum noch
diffundierte. Die beiden Tüftler suchten
astronomie wurden schon früh
durch Luftunruhe beeinträchtigt, so dass
daher nach einem anderen Gas »leichter
von Ballongondeln aus getan.
scharfe Bilder mit einer Auflösung von
als Luft« und erzeugten es durch Verbren-
Die Entdeckung der kosmischen
etwa einer zehntel Bogensekunde entste-
nen von feuchtem Stroh. Rauch, so ihre
Teilchenstrahlung und erste wich­
hen. Ausgedehnte Himmelsobjekte lassen
Meinung, schien besondere Auftriebskraft
tige Entdeckungen der Röntgen-
sich kontrastreicher abbilden, da das
zu verleihen, was sie durch Zugabe alter
und UV-Astronomie sowie der
Streulicht in der dünnen Restatmosphäre
Schuhe zu steigern wussten. Die Brüder
Astronomie im Infraroten und im
erheblich reduziert ist.
nahmen an, sie hätten mit ihrer Methode
ó Von Ballonen getragene Teleskope
umgehen die Beeinträchtigungen
der Bildschärfe durch atmosphä­
Millimeterwellenbereich gelangen
mit Ballonteleskopen.
Spektralbereiche jenseits des optischen
ein besonderes aerostatisches Gas herge-
Lichts werden in der Stratosphäre über-
stellt – tatsächlich hatten sie den Heißluft-
ó Die preiswerten und wiederholt
haupt erst zugänglich, so im kurzwelligen
ballon erfunden.
einsetzbaren Ballonteleskope
Bereich das mittlere Ultraviolett und die
Die weitere Entwicklung ging rasend
spielen mit ihren kurzen Entwick­
hochenergetische Röntgen- und Gam-
schnell. Im September 1783 starteten ein
lungszeiten nach wie vor eine
mastrahlung. Auch der gesamte Infrarot-
Schaf, ein Hahn und eine Ente unter der
wichtige Rolle als technologische
bereich, also die Wärmestrahlung kühler
Anteilnahme des französischen Königs
Wegbereiter langwieriger und
Objekte, steht nun für Messungen zur
Ludwig XVI. von Versailles aus zu einem
kostspieliger Weltraummissionen.
Verfügung, da der absorbierende Wasser-
zehnminütigen Ausflug in die Lüfte. Be-
dampf fast vollständig unter der Strato-
reits zwei Monate später fuhren die ersten
sphäre liegt. Zudem ist auch die Eigen­
Menschen mit einer Montgolfière über
emission der warmen Atmosphäre, welche
Paris, die längere Fahrzeit von 25 Minuten
die Empfindlichkeit der Instrumente be-
wurde durch ein Strohfeuer an Bord mög-
grenzen würde, stark vermindert.
lich. Und noch im Dezember des gleichen
32
September 2010
Sterne und Weltraum
Sammlung Audouin Dollfus / Kolorierung SuW
Der Beginn der Ballonastronomie: Die
französischen Aeronauten Théodore Sivel
Die Astronomie mit
und Joseph Crocé-Spinelli gelangten im
Ballonen ist ein relativ
März 1874 im offenen Korb unter einem
einfacher und sehr
effizienter Wegbereiter
Ballon auf 7300 Meter Höhe. Mit einem
Handspektrometer untersuchten sie
Wasserdampflinien im Sonnenspektrum.
der großen Weltraumobservatorien. Dazu haben wir didaktische Materialien erstellt,
die unter www.wissenschaft-schulen.de kostenfrei abgerufen werden können. Ballons
üben eine Faszination auf die Schüler aus, und dies umso mehr, wenn sie für einen
klareren Blick in den Weltraum sorgen. Unser Schulprojekt führen wir in Zusammen­
arbeit mit der Landesakademie für Lehrerfortbildung in Bad Wildbad und dem Haus
der Astronomie in Heidelberg durch.
www.astronomie-heute.de
September 2010
33
SuW-Grafik
10-8
Radio
UV
IR
Röntgen
10-7
100
1
2
optisch
Restatmosphäre
10-6
10-5
10-4
80
1
100
10-3
60
40
0,01
Weltraum dringt je nach Wellenlänge
Mount Everest
1m
1mm
1 mm
1nm
ein. Die beiden Kurven zeigen die Höhen an,
bis zu denen die Strahlung auf die Hälfte
beziehungsweise auf ein Hundertstel der
extraterrestrischen Intensität geschwächt
wird. Aus Ballon-Flughöhen werden das
Gammabereich zugänglich. Nur im
Optischen und im Radiobereich erreicht die
0
10-3 nm
unterschiedlich tief in die Erdatmosphäre
Infrarote (IR), der harte Röntgen- und der
20
0,1
1
Die elektromagnetische Strahlung aus dem
140
120
Gamma
Höhe in Kilometern
10-9
10-6 nm
Strahlung ungeschwächt den Erdboden.
Wellenlänge
Jahres stieg der erste bemannte Freiballon
der Sonne oder in derjenigen der Erde
Ein besonderer Erfolg waren die Auf-
auf, der mit Wasserstoff gefüllt war.
entstehen. Im offenen Korb erreichten
stiege von Victor Franz Hess (1883 – 1954)
In den Folgejahren begann von Paris,
die Forscher eine Höhe von 7300 Metern,
im Jahre 1912. Der Physiker wollte heraus-
London, Hamburg und Sankt Petersburg
aber das Beob­achtungsergebnis war nicht
finden, was die Leitfähigkeit der Luft am
aus die physikalische Erforschung der
eindeutig. Ein erneuter Versuch im Fol-
Erdboden verursachte. War es, wie damals
oberen Atmosphäre mit Ballonen: Druck,
gejahr brachte sie auf 8000 Meter Höhe.
vermutet, die Radioaktivität des irdischen
Temperatur und Zusammensetzung der
Dieser Aufstieg endete leider tragisch, die
Gesteins, die durch Ionisierung die Leitfä-
Luft sowie das Magnetfeld der Erde wurden
beiden mutigen Aeronauten starben an
higkeit bewirkte, so sollte die Erscheinung
bis in Höhen von 7000 Metern studiert.
Sauerstoffmangel.
mit zunehmender Höhe abnehmen. Tat-
Am 22. März 1874, neunzig Jahre nach
astronomische
sächlich registrierte er zunächst diesen
stieg
Beobachtungen von Ballons aus in den
Effekt, aber nach einem Minimum bei
in Frankreich ein Ballon mit dem aus-
folgenden Jahrzehnten fortgesetzt. So
800 Meter über dem Boden stieg die Leit-
schließlichen Ziel astronomischer Beob­
stieg der russische Naturforscher Dmitri
fähigkeit bis 5000 Meter Höhe wieder an.
achtungen auf. An Bord befanden sich
Iwanowitsch
(1834 – 1907),
Hess schloss daraus, es sei »die Existenz …
den
ersten
Montgolfière-Starts,
Dennoch
wurden
Mendelejew
Théodore Sivel (1834 – 1875) und Joseph
der Entdecker des Periodensystems der
einer durchdringenden Strahlung außer-
Crocé-Spinelli (1845 – 1875), die im Auf-
Elemente, zur Beobachtung der Son-
irdischer Herkunft anzunehmen«.
trag der Sternwarte Meudon bei Paris mit
nenfinsternis von 1887 nördlich von
Ein Jahr später beob­achtete Werner Kol-
einem Handspektroskop die Sonne be-
Moskau bis über die Wolkendecke auf;
hörster (1887 – 1946) mit empfindlicheren
obachten sollten (siehe Bild auf S. 33). Es
französische Astronomen beobachteten
Instrumenten die gleiche Erscheinung bis
galt festzustellen, ob einige dunkle Linien
auf diese Weise die Sternschnuppen des
zu einer Höhe von 9300 Metern; er wies
im Sonnenspektrum in der Atmosphäre
Leonidenstroms.
später auch den Teilchencharakter der
US Standard Atmosphere / SuW-Grafik
100
90
E
in Ballon erfährt, ähnlich wie ein
80
leichter Schwimmkörper unter
Wasser, eine Auftriebskraft F im Luft­
0,001
0° C
Thermosphäre
0,01
Mesopause
70
meer. Sie steigt mit dem Volumen V
luft und leichtem Füllgas:
F = V • Δr • g,
wobei g die Erdbeschleunigung ist.
Ein Kubikmeter Luft wiegt am
Erdboden etwa 1,3 Kilogramm, die
60
50
1
40
30
Druck in Millibar
Höhe in Kilometern
Dichten zwischen schwerer Außen­
0,01
0,1
0,01
und der Differenz Δr der spezifischen
0,001
Mesosphäre
Stratopause
1
Stratosphäre
10
10
gleiche Menge Wasserstoff hingegen
nur 0,09 Kilogramm. Ein Wasserstoff­
So ist die Erdatmo-
ballon mit 1,2 Meter Durchmesser
sphäre aufgebaut:
kann demnach am Boden etwa ein
Die rote Kurve zeigt
Kilogramm Nutzlast tragen, und
den Verlauf der zusätzlich hat er die Masse der Hülle
Temperatur in
und des Füllgases zu heben.
Abhängigkeit von
der Höhe.
34
September 2010
20
100
100
Tropopause
10
0
Dichte in Gramm pro Kubikzentimeter
Auftrieb
1000
180
Troposphäre
200
220
240
1000
260
280
Temperatur in Kelvin
Sterne und Weltraum
Die Hülle von Gleichdruckballons fasst
des Aufstiegs dehnt sich das Gas aus, so-
mehrere hunderttausend Kubikmeter, ist
dass es schließlich in etwa 33 Kilometer
aber erst in der gewünschten Aufstiegs-
Höhe, in der etwa 99 Prozent der Erdatmo-
höhe prall gefüllt. Innen- und Außendruck
sphäre überwunden sind, die gesamte Hül-
sind dann gleich, da das Füllgas durch eine
le ausfüllt (siehe nebenstehendes Bild). Ab
Öffnung am unteren Ende entweichen
diesem Augenblick strömt das überschüs-
kann.
sige Füllgas durch die untere Öffnung aus.
Der Ballon steigt nun nicht weiter auf,
Winzen Research
sondern schwebt im Luftmeer. Der Druck
in seinem Innern ist etwa so hoch wie der
Außendruck, deshalb reicht eine dünne
Folie aus – eine wichtige Voraussetzung
für ein möglichst geringes Eigengewicht.
kosmischen Strahlung nach. Hess erhielt
Die beiden 3,4 Meter großen Ballons, die
Wie hoch? Wie lange?
1936 für seine Entdeckungen mit dem
jeweils an einem langen Seil eine sieben
Neben der Wahl des Füllgases – Wasserstoff
Ballon den Nobelpreis für Physik. Heute
Kilogramm schwere Messsonde trugen,
oder Helium – bestimmt das Volumen
wissen wir, dass die hochenergetischen
schwebten dann in 50 Kilometer Höhe über
des Ballons, welche Nutzlastmasse in
Teilchen aus dem Kosmos in der Folge
der Venusoberfläche. In zwei Tagen legten
welche Höhe getragen werden kann. Ein
von heftigen Supernova-Explosionen ent-
sie mehr als 10 000 Kilometer zurück und
500 000 Kubikmeter fassender Ballon zum
stehen.
lieferten Informationen über die stark ver-
Beispiel vermag 200 Kilogramm auf 42 Ki-
änderliche, lebensfeindliche Atmosphäre
lometer Höhe zu bringen. Dort sind mehr
unseres Nachbarplaneten.
als 99,6 Prozent der Atmosphäre und der
Verschiedene Ballontypen
Die klassischen Heißluftballons spielen in
Als Träger für astronomische Instru-
größere Teil der Ozonschicht überwunden.
der modernen Forschung kaum noch eine
mente in die hohe Erdatmosphäre werden
Damit wird der Spektralbereich des mittle-
Rolle. Da die Differenz zwischen der Dich-
indes nur Gleichdruckballons benutzt. Die
ren Ultraviolett mit Wellenlängen zwischen
te der kühlen Außenluft und der Dichte
Hüllen dieses Typs bestehen aus einer nur
200 und 300 Nanometer zugänglich. Für das
der erwärmten Luft im Ballon nur gering
etwa 25 Mikrometer dicken Folie aus Po-
Infrarote reichen Höhen von 33 Kilometern
ist, müssten ihre Hüllen riesige Ausmaße
lyethylen oder aus dem kältefesteren und
aus, da der absorbierende Wasserdampf mit
annehmen. Aber selbst dann ließen sich
somit zuverlässigeren Polyolefin.
der Höhe sehr viel schneller abnimmt als
nur bescheidene Höhen erreichen. Je nach
Gleichdruckballons haben an ihrem
der Luftdruck. Dafür genügt ein 100 000 Ku-
Anwendungszweck nutzt die Wissenschaft
unteren Ende einen stets offenen Gasaus-
bikmeter fassender Ballon, wenn das Tele-
deshalb eine der drei anderen Ballonklas-
lass. Vor dem Start wird die riesige Hülle
skop etwa 250 Kilogramm wiegt. Mit halb
sen: dehnbare Gummiballons, Überdruck-
zu etwa einem Prozent des Volumens mit
so schweren Nutzlasten lassen sich selbst
ballons oder Gleichdruckballons.
Wasserstoff oder Helium gefüllt. Während
Höhen von 48 Kilometern erreichen.
Zu dem Typ der dehnbaren Gummibal50
der Wetterdienst, um Messgeräte bis in
45
70
60
40
stehen aus festem Kunststoff, wie wir ihn
von den Aufreißstreifen in Verpackungen
kennen. Der Aufstieg solcher Ballons endet, wenn das gesamte, nicht dehnbare Volumen der reißfesten Hülle ausgefüllt und
40
20
35
oder Wochen in nahezu gleich bleibenden
Höhen in der oberen Atmosphäre.
Selbst auf anderen Planeten wurden
10
-10
Westwind
25
Jan.
Febr.
März
20
-20
ein leichter Überdruck im Inneren entstanden ist. Die Ballons schweben dann für Tage
30
-30
10
30
40
hr
Ballons.
Die Hüllen von Überdruckballons be-
Höhe in Kilometern
ner werdenden Atmosphäre überdehnten
ke
-Windum
Frühjahrs
30
endet stets mit dem Platzen des in der dün-
50
-40
hr
die Stratosphäre zu senden. Der Aufstieg
Herbst-Windumke
her bekannten Luftballons. Größere nutzt
-10
Ostwind
April
Mai
Juni
Juli
Westwind
Aug.
Sept.
Okt.
solche Überdruckballons schon eingesetzt.
Die Grafik zeigt die Windverhältnisse in der Stratosphäre über Texas im
Als französischer Beitrag zu den sowje-
Verlaufe eines Jahres. Im Winter herrscht Westwind, im Sommer Ostwind.
tischen Missionen VEGA 1 und 2 wurden
Beim Richtungswechsel im Frühjahr und Herbst sind die Windgeschwindig-
1985 zwei aus Teflonfolie gefertigte Ballons
keiten gering. Mit der Höhe steigt die Windgeschwindigkeit (angegeben in
über der Nachtseite der Venus ausgesetzt.
Meter pro Sekunde) an.
www.astronomie-heute.de
Nov.
Dez.
September 2010
35
NCAR / SuW-Grafik
lons gehören die vom Kindergeburtstag
Audouin Dollfus stieg 1959 in einer
Druckkapsel, an deren Außenseite ein
Teleskop angebracht war, auf eine Beobachtungshöhe von 13 500 Metern. Getragen
wurde die Gondel von 104 dehn­baren
Gummiballons an einem 450 Meter langen
Seil (rechts).
Während des Einsatzes driften Ballonteleskope, durch stratosphärische Winde
angetrieben, längs der Breitengrade der
Erde. Da sie einerseits möglichst lange ihre
gewünschte Höhe beibehalten und andererseits noch über dem Festland geborgen
werden sollen, ist eine sorgfältige Planung
von Startort und -zeit erforderlich.
Die Windverhältnisse in der Stratosphäre wechseln zweimal im Jahr (siehe
die Grafik auf S. 35). Auf der Nordhalbkugel herrschen im Sommer Ostwinde
Audouin Dollfus
und im Winter Westwinde. Die Ursache
ist anschaulich zu verstehen: Wenn zu
Beginn des Sommers die Luftmassen über
den nördlichen polaren Gebieten durch
die Sonne erwärmt werden, dehnen sie
sich aus und strömen nach Süden. Dabei
Drift hinter dem Horizont verschwindet
vor allem des »Stratoscope« von Martin
bleiben sie zunehmend hinter der Erdro-
und keine Funkverbindung zum Startort
Schwarzschild in den USA zum Studium
tation zurück; der Wind weht dann aus der
mehr besteht. Wenn man auf eine Echt-
der Planetenatmosphären und der Son-
Richtung, in die sich die Erde dreht, also
zeitverbindung für Signalempfang und
nengranulation, erfolgten unbemannt.
aus Osten. Die Windgeschwindigkeit in
Telekommandos angewiesen ist, muss
Bevor ab den 1980er Jahren zunehmend
40 Kilometer Höhe kann mehr als 100 Ki-
dann eine weitere Bodenstation längs der
Weltraumteleskope für extraterrestrische
lometer pro Stunde betragen. Nach einer
vorausberechneten Driftstrecke bereit-
Beobachtungen
Beobachtungsnacht hat sich der Ballon
stehen. Andernfalls werden alle Daten an
waren Ballonteleskope für alle Spektral-
dann mehr als 1000 Kilometer weit vom
Bord gespeichert oder neuerdings über
bereiche weit verbreitet. So betrieben in
Startplatz entfernt.
eine Satellitenverbindung übertragen.
Deutschland
Deshalb liegt ein günstiger Startplatz
das
eingesetzt
wurden,
Kiepenheuer-Institut
für Sonnenphysik in Freiburg das »Spek-
mitten auf einem großen Kontinent, er
Ballonteleskope
kann dann ganzjährig genutzt werden.
Flüge mit Ballonteleskopen erfolgen heute
Universität Kiel ballongetragene Instru-
Vom Startplatz Palestine im US-Bundes-
stets unbemannt. Der Franzose Audouin
mente zur Untersuchung der kosmischen
staat Texas aus können Ballons mehr als
Dollfus war der letzte Astronom, der sich
Strahlung, das Max-Planck-Institut für
1000 Kilometer weit nach Osten oder Wes-
selbst in die Höhe tragen ließ. Im Jahre
extraterrestrische Physik in Garching
ten driften, bevor sie den Atlantischen oder
1959 stieg er in einer Druckkapsel, auf
und das Astronomische Institut der Uni-
Pazifischen Ozean erreichen. Im kleineren
deren Oberseite außen ein 50-Zentimeter-
versität Tübingen Röntgenteleskope, das
Frankreich wird im Sommerhalbjahr von
Teleskop montiert war, in eine Höhe von
Max-Planck-Institut für Astronomie in
Gap in den Alpen aus gestartet, im Win-
13 500 Metern. Er hielt es für sicherer, nicht
Heidelberg ein Infrarot- und Ultraviolett-
terhalbjahr von Air-sur-l’Adour nahe der
nur einen, sondern 104 dehnbare Ballons
Teleskop. An großen Startplätzen wie
Atlantikküste.
zu benutzen (siehe Bilder oben). Durch ge-
dem des National Center for Atmospheric
Besonders begehrt sind Starts zur Zeit
zieltes Platzenlassen einzelner Ballons und
Research in Palestine, Texas, herrschte
des Richtungswechsels der stratosphä-
Ballastabwürfe konnte Dollfus die Höhe
Andrang von Wissenschaftlern aus vielen
rischen Winde. Im Mai oder September
stabilisieren und später einen sanften Ab-
Ländern. In der Nähe der Windwechsel-
werden damit Flugdauern von 50 Stunden
stieg einleiten. Ziel seiner Beobachtungen
Zeiten im Frühjahr und Herbst wurde fast
möglich, ohne dass der Ballon sich nen-
war die Bestimmung des Wasserdampfge-
täglich ein Teleskop gestartet. Die längsten
nenswert vom Startort entfernt. Zu den
halts in den Atmosphären von Mars und
Flugzeiten erhielten oft die Gamma-Astro-
übrigen Jahreszeiten mit höheren Wind-
Venus, was auch gelang. Es zeigte sich aber,
nomen, da der Photonenfluss von ihren
geschwindigkeiten muss auch bedacht
dass der Mann an Bord die Stabilisierung
Quellen sehr gering und die erforderliche
werden, dass der Ballon trotz einer Höhe
des Teleskops störte und er sich unnötigen
Beobachtungszeit entsprechend lang ist.
von mehr als 30 Kilometern wegen der
Gefahren aussetzte. Bereits die Aufsehen
Die meisten Ballonteleskope waren
Erdkrümmung nach etwa 350 Kilometern
erregenden Flüge in den 1960er Jahren,
Eigenbauten aus den Instituten, deren
36
September 2010
trostratoskop« zur Sonnenforschung, die
Sterne und Weltraum
Naturwissenschaftliches
Wissen aus erster Hand
für Schulen und Schüler
AUS DER FORSCHUNG IN DEN UNTERRICHT
Das Projekt Wissenschaft in die Schulen! – eine Investition in die Zukunft
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Deutschland von fundamentaler Bedeutung. Daher möchten wir gemeinsam mit Ihnen das Interesse der Jugendlichen an
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w w w . w i s s e n s c h a f t - sSeptember
c h u l e2010
n . d e37
Dietrich Lemke
Die Heidelberger Ballongondel THISBE wurde am Max-Planck-Institut für
Astronomie in Zusammenarbeit mit der Firma Dornier in Friedrichshafen
entwickelt. Mit einem Trockeneis-gekühlten Infrarotteleskop ausgerüstet,
Wilfried Hofmann
wurde sie in den 1970er Jahren mehrmals in Palestine, Texas, gestartet
(links). Die Messungen führten zu einer ersten Karte des Zentralbereichs der
Milchstraße bei einer Wellenlänge von 2,4 Mikrometern. Wo die Reise endet,
bestimmt der Wind. Auch in den sumpfigen Urwäldern Lousianas musste
THISBE nach der Landung geborgen werden (oben).
Mitarbeiter den Beobachtungsflug durch-
mit der Ballonhülle, die – noch als Schlauch
wenn der Fallschirm versagt oder Anwoh-
führten und auswerteten. Nach glücklicher
zusammengelegt – ebenfalls fast hundert
ner die landende Gondel mit Schusswaf-
Bergung konnten die Geräte verbessert
Meter lang ist. Dann wird der oberste Teil
fen durchlöchern, um das Aussteigen der
und oft noch während der gleichen Start-
der Hülle über Plastikschläuche mit Heli-
vermuteten außerirdischen Invasoren zu
kampagne erneut eingesetzt werden.
um (in den USA) oder Wasserstoff (in Euro­
verhindern.
Ein solches Projekt ließ sich innerhalb
pa) gefüllt.
Vielfältige Entdeckungen
von zwei bis drei Jahren im Rahmen einer
Zum Start wird diese gefüllte Blase
Doktorarbeit durchführen, eine kurze Zeit
schlagartig freigegeben und steigt über die
Vor allem in den 1970er und in den frühen
verglichen mit den heute üblichen 15 bis 20
Gondel auf. Der Kranwagen kann durch
1980er Jahren erbrachten Ballonteleskope
Jahren für die Vorbereitung und Auswer-
kurze schnelle Fahrt noch Veränderungen
viele neue astronomische Erkenntnisse.
tung einer Satellitenmission. Allerdings
in der Richtung des Bodenwindes ausglei-
Zum Beispiel wurde die Zusammenset-
liefern die modernen Weltrauminstru-
chen und gibt dann, sobald das Gespann
zung der kosmischen Strahlung gründlich
mente das Mehrhundertfache an Daten,
gestrafft ist, die Gondel frei. In drei bis vier
erforscht: Sie besteht aus Atomkernen
aber sie kosten auch das Tausendfache. Ein
Stunden erreicht das Ballonteleskop seine
fast aller Elemente des Periodensystems
großer Teil dieser Mehrkosten wird durch
Diensthöhe von 30 oder 40 Kilometern. In
sowie aus Elektronen und Positronen.
den Aufwand für Zuverlässigkeit und Qua-
Frankreich wird statt des Kranwagens ein
Obwohl ihr Ursprung weit außerhalb des
litätssicherung
Satellitenteleskope
Hilfsballon zum Start benutzt (siehe Bild
Sonnensystems liegt, zeigt die Häufigkeit
verursacht, die dann aber auch mit mehr
rechts oben). Damit werden Starts selbst
der Kerne große Ähnlichkeit mit der Ele-
bei stärkerem Bodenwind möglich.
menthäufigkeit im Sonnensystem. Einige
als
der
90-prozentiger
Wahrscheinlichkeit
einwandfrei arbeiten – anders die Ballon-
Nach Ende der Beobachtung wird der
Abweichungen bei den leichten Kernen Li-
instrumente, die schätzungsweise nur zu
Ballon per Funkbefehl vom übrigen Ge-
thium, Beryllium und Bor konnten durch
etwa 50 Prozent erfolgreich flogen, aber
spann getrennt, das zunächst im freien
das Zertrümmern schwerer Kerne beim
eben auch leicht nach Instandsetzung und
Fall auf etwa zehn Kilometer Höhe herab-
Durchflug durch das interstellare Gas mit
Verbesserung erneut eingesetzt werden
stürzt. Wenn mit zunehmender Dichte der
einer berechenbaren »Dicke« von sieben
konnten.
Atmosphäre genügend Staudruck aufge-
Gramm pro Quadratzentimeter erklärt
baut ist, öffnet sich der Fallschirm. Mit
werden. Einige Kerne sind radioaktive
einer Geschwindigkeit von etwa 5 Metern
Isotope, sie dienen damit als »Uhr« für
Zum Start wird die Ballongondel mit Te-
pro Sekunde landet dann die Gondel am
die Geschichte der kosmischen Strahlung
leskop an einem Kranwagen einige Meter
Erdboden. Stoßdämpfer und Schwimm-
innerhalb der Galaxis. So fehlt das radio-
hoch über dem Boden aufgehängt (siehe
körper begrenzen die Beschleunigung
aktive Beryllium-10 fast vollständig – folg-
Bild oben links). Das übrige Gespann wird
beim Aufschlag auf etwa 5 g, also das Fünf-
lich ist die kosmische Strahlung mehr als
auf dem Boden ausgelegt: Die Gondel ist
fache der Erdbeschleunigung. Schwierig
zunächst über ein Entkopplungsglied mit
sind Landungen und Bergungen in den un-
10 Millionen Jahre alt.
Ballongetragene
einem Fallschirm verbunden, dieser wie-
wegsamen Urwäldern in den Südstaaten
beobachteten die aus der Richtung des ga­
derum durch ein hundert Meter langes Seil
der USA. Auch Verluste sind zu beklagen,
lak­ti­schen Zentrums kommende Elektron-
Vom Start bis zur Landung
38
September 2010
Gammateleskope
Sterne und Weltraum
Hilfsballon
Dietrich Lemke
Nutzlast
Positron-Vernichtungsstrahlung mit ihrer
diese Materie dann auf die Polkappen des
charakteristischen
bei
Neutronensterns. Dort erzeugt sie einen
0,51 Megaelektronvolt (MeV). Weiterhin
200 Millionen Grad heißen Brennfleck,
wurde die Veränderlichkeit extragalak-
der intensive Röntgenstrahlung aussen-
tischer Quellen bei dieser hochenerge-
det. Mit dem Röntgen-Ballonteleskop der
tischen Strahlung entdeckt. Und es wurde
Universität Tübingen und des Max-Planck-
ein damals unerklärlicher Überschuss in
Instituts für extraterrestrische Physik in
Emissionslinie
der diffusen galaktischen Gammahinter­
Garching wurde 1976 in diesem pulsie-
grundstrahlung im Bereich von 1 bis
renden Röntgenlicht eine Zyklotronlinie
10 MeV gefunden.
entdeckt. Sie entsteht, weil Elektronen
Mit Röntgenteleskopen, die während
in starken Magnetfeldern nur diskrete
der Mondbedeckungen des Krebsnebels
Energieniveaus einnehmen können. Das
im Jahre 1974 geflogen wurden, ließ sich
wird durch eine Emissions-Absorptions-
die Struktur des Nebels im harten Röntgen-
Struktur im Spektrum angezeigt (siehe
licht bestimmen. Daraus folgten bessere
Grafik auf S. 40 oben). Aus deren Lage im
Modelle für die Energieübertragung vom
Energiespektrum lässt sich auf eine Ma-
zentralen Pulsar in die nichtthermische
gnetfeldstärke von 100 Millionen Tesla
Röntgenstrahlung des Nebels.
schließen.
Die Röntgenquelle Hercules X-1 sen-
Mit Röntgenteleskopen auf Ballons
det Röntgenpulse mit einer Periode von
wurden weiterhin die leuchtkräftigsten
1,24 Sekunden aus: Diese Strahlung ent-
Quasare und ein neuer Hochtemperatur-
steht in einem Doppelsternsystem, das
Anteil (etwa 35 Millionen Grad) in der
aus einem veränderlichen Blauen Riesen
Strahlung von Sonnenflares entdeckt.
und einem Neutronenstern besteht. Von
Im nahen Infraroten konnten ballon-
Ein Hilfsballon hebt bei Starts in Frankreich
der aufgeblähten Hülle des Riesensterns
getragene Teleskope erstmals die groß-
die Nutzlast an. Er wird abgeschnitten,
fließt Materie in eine Akkretionsscheibe
räumige Verteilung der häufigen kühlen
sobald das Gespann durch den schnelleren
um den kompakten Begleiter. Durch des-
Sterne im Bereich um das galaktische Zen-
Aufstieg des Hauptballons gestrafft ist.
sen starkes Magnetfeld geleitet, stürzt
trum und die galaktische Ebene kartieren
Wie ein Ballonteleskop stabilisiert wird
E
in Teleskop, per Seil mit einem Ballon verbunden, der durch die Kraft des Windes
getrieben wird: Wie lassen sich damit astronomische Beobachtungen durchführen?
Für einige Anwendungen – wie zum Beispiel beim Einsatz von Gammateleskopen,
90 m
deren Auflösungsvermögen gering ist, und für Beobachtungen ausgedehnter Quellen
im Infraroten – genügt es, das Teleskop mit Bogenminuten-Genauigkeit auszurichten.
Ballon
Angeregt durch Windscherung führt die an einem langen Seil unterhalb des Ballons
hängende Gondel mit dem Teleskop langsame Pendelbewegungen aus. Deren Amplitu­
de beträgt typischerweise etwa neun Bogenminuten, das heißt, in zwei von drei Achsen
ist das Teleskop ohne Aufwand bereits mit dieser Genauigkeit stabilisiert. Die Schwin­
gungsdauer hängt nur von der Seillänge ab; bei 100 Meter Länge zum Beispiel beträgt
sie etwa 18 Sekunden. Solch langsame Störungen lassen sich leicht herausregeln.
Abschneider
Nylonseil
Die Drehbewegung um die dritte Achse, die Vertikale, lässt sich über ein Magneto­
meter kontrollieren, das nach Art eines Kompasses die Azimutrichtung bestimmt. Zur
Ausrichtung dreht ein zwischen Aufhängeseil und Gondel angeordneter Motor eine
100 m
Fallschirm
Hantel in die zur gewünschten Gondeldrehung entgegengesetzte Richtung. Damit lässt
sich das Teleskop auf ± 30 Bogenminuten im Azimut stabilisieren.
Radarreflektor
Für höhere Ansprüche benutzt man ein zusätzliches Kreiselsystem. Beim Heidelber­
ger Ballonteleskop THISBE wurde mit einem Kreisel, der ursprünglich für die Stabilisie­
Entkopplungsglied
rung einer Panzerkanone bei der Geländefahrt entwickelt worden war, in allen Achsen
eine Genauigkeit von etwa drei Bogenminuten erreicht. Aufbauend auf einer solchen
preiswerten Grobstabilisierung lässt sich mit zusätzlichen Stern- und Sonnensensoren,
die kleine Kippspiegel im optischen Strahlengang bewegen, eine Genauigkeit unterhalb
Ballast
Ein typisches Gespann aus Gondel und Ballon ist rund 200 Meter lang.
www.astronomie-heute.de
Antennen
Dietrich Lemke
Teleskop
von einer Bogensekunde erreichen.
September 2010
39
Instituts für extraterrestrische Physik in
Garching wurde 1976 die im starken
Magnetfeld des Röntgendoppelsterns
Herkules X-1 entstehende quantisierte
Zyklotronstrahlung entdeckt, die sich durch
die beobachtete Emissions-AbsorptionsStruktur im Spektrum verrät.
Einer der THISBE-Flüge erbrachte die Daten
für diese Karte des Zentralbereichs der
Milchstraße bei einer Wellenlänge von
2,4 Mikrometern (als Konturlinien einem
optischen Bild überlagert). Die Infrarotstrahlung stammt von Milliarden kühlen
Sternen, deren sichtbares Licht von
interstellaren Staubwolken absorbiert wird.
(siehe Bild unten). Dies ist im Optischen
Orbiting Solar
Observatory
August 1975
wegen der Absorption durch dichte interstellare Staubwolken in diesen Gebieten
10-2
nicht möglich.
Im fernen Infraroten wurde die großräumige Verteilung dieses kalten Staubes
10-3
Universität
Tübingen
und MPE
Mai 1976
in der Milchstraße anhand seiner Wärmestrahlung bestimmt. Dazu gehörte das
Auffinden der unerwartet großen FerninJoachim Trümper / MPE / SuW-Grafik
Photonen pro Quadratzentimeter, Sekunde und Kiloelektronvolt
Mit dem Röntgen-Ballonteleskop der
Universität Tübingen und des Max-Planck-
10-4
10-5
10-6
1
10
100
1000
Photonenenergie in Kiloelektronvolt
frarot-Flüsse von eingebetteten Wolken
aus ionisiertem Wasserstoff und Staub, so
genannten HII-Regionen, die durch gerade
entstandene heiße Sterne gespeist werden. Als unerwartet groß zeigten sich die
Helligkeit des galaktischen Zentrums und
die Gesamtleuchtkraft der Milchstraße im
fernen Infraroten.
Bei noch längeren Wellen ließ sich
von Ballons aus das Spektrum der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung und ihre
gleichförmige Verteilung über die gesamte
Himmelskugel bestimmen. Auch eine erste Anisotropie, die durch die Bewegung
der Erde relativ zu diesem kosmischen
Hintergrund entsteht, wurde von Ballons
aus gemessen.
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Entwicklung astronomischer Instrumente
für die mit Satelliten neu zugänglich gewordenen Spektralbereiche.
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komplizierten
Teleskope
der
Hochenergieastronomie, bestehend aus
Szintillationszählern,
Zählrohren
und
Funkenkammern, konnten am Erdboden
gar nicht erprobt werden, da die Röntgen-
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0 100 200 300
Temperaturdifferenz in Mikrokelvin
Im Jahr 1998 startete das Teleskop
Boomerang in der Antarktis zu einer
BOOMERANG
19-tägigen Rundtour um den Südpol, bei
der die Fluktuationen der kosmischen
Hintergrundstrahlung auf der Bogenminuten-Skala entdeckt wurden (oben).
und Gammastrahlung den Boden nicht
Ballonstarts der 1970er Jahre her kann-
Seldowitsch-Effekt
erreicht. Ihre schrittweise Verbesserung
ten, später in den Wissenschaftlerteams
Abell 2163 nachgewiesen werden. Durch
über mehrjährige Ballonflugkampagnen
der Instrumente für das Infrared Space
diesen Effekt erhöht sich die Energie der
war die Grundlage für die erfolgreichen
Observatory (ISO) wieder zusammen. Die
Photonen der kosmischen Mikrowellen-
Satelliteninstrumente der 1980er Jahre.
Ballonexperimente hatten allen beteili-
Hintergrundstrahlung nach dem Durch-
im
Galaxienhaufen
So führten die Ballonexperimente des
gten Wissenschaftlern und Ingenieuren
gang durch das heiße Plasma der Galaxi-
MPI für extraterrestrische Physik in Gar-
zusätzlich wertvolle Erfahrungen im Ma-
enhaufen: Schnelle Elektronen im Plasma
ching zum Röntgenspektrometer HEXE
nagement von Weltraumexperimenten,
können Energie auf die durchlaufenden
auf der Raumstation MIR und später zum
Startkampagnen, Datenverarbeitung und
Photonen übertragen – dadurch wird die
Röntgensatelliten ROSAT. Die Ballon­astro­
der Beob­achtungsplanung für »unzu-
langwellige Seite des Spektrums der Hin-
no­mie im Gammabereich bahnte den
gängliche« Teleskope gebracht.
tergrundstrahlung geschwächt, und der
Weg für das 17 Tonnen schwere Compton
Galaxienhaufen lässt sich als quasi als
Gamma Ray Observatory, das 1991 in den
Die jüngsten Ballonteleskope
Weltraum gebracht wurde.
Ähnliche Entwicklungen gab es in
Weniger zahlreich als vor 35 Jahren, werden
aufspüren. Die Experimentatoren setzen
auch heute noch größere Ballonteleskope
ihre Messungen jetzt mit dem europä-
allen anderen Spektralbereichen. Zum
für die astronomische Forschung gebaut.
ischen Weltraumteleskop Planck fort.
Beispiel fanden sich Infrarotastronomen
So konnte 1998 mit dem französischen
Ebenfalls einen Zwei-Meter-Hauptspie-
aus England, Holland, Frankreich und
Zwei-Meter-Ballonteleskop PRONAOS im
gel hat das Balloon-borne Large Aperture
Deutschland, die sich fast alle von den
fernen Infraroten erstmals der Sunjajew-
Submillimeter Telescope (BLAST) eines
Schatten auf der Hintergrundstrahlung
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–AUSTRIA
41
Kanada
13.6.2009
10.6.2009
9.6.2009
Das ballongetragene Teleskop Sunrise ist
das größte jemals geflogene Sonnentele-
Sonnengranulation
Ultraviolett (300 nm)
Sonnengranulation
visuell (525 nm)
skop; im Juni 2009 trieb es in knapp sechs
Chromosphäre
Kalzium-H-Linie
(397 nm)
eden
Grönland
TerraForma / SuW-Grafik
Nordatlantik
11.6.2009
Schw
MPI für Sonnensystemforschung (MPS)
12.6.2009
Zirkularpolarisation
Tagen von Kiruna in Schweden bis nach
Kanada (oben). Da entlang der Route die
Sonne nicht unterging, konnte es ihre
Oberfläche ununterbrochen beobachten.
Sunrise lieferte hochaufgelöste Bilder und
Spektren der Sonnenoberfläche (rechts): Die
beiden linken Teilbilder zeigen die Sonnengranulation im UV und im Sichtbaren. Es
MPS / IMAX-Konsortium
folgt ein Bild der Chromosphäre im Licht der
Kalzium-H-Linie bei 397 Nanometer. Im
rechten Teilbild, das die Zirkularpolarisation
im Sichtbaren zeigt, sind kleine Magnetfeld1000 km
konzentrationen zu erkennen.
amerikanisch-kanadisch-britischen
Wis-
Besonderes Interesse fanden die Er-
nachgewiesen. Diese Ergebnisse wurden
senschaftler-Konsortiums. Bei Einsätzen
gebnisse des Ballonteleskops Boomerang.
später vom Satelliten WMAP der NASA be-
in Schweden und über der Antarktis im
Es wurde in den Jahren 1998 und 2003 in
stätigt, verfeinert und ergänzt.
Jahr 2006 wurden unter anderem Stern-
der Antarktis geflogen. Dort umkreiste es
Die Beobachtungen mit Boomerang
entstehungsgebiete kartiert und die Mas-
wegen der gleichbleibenden stratosphä-
führten Wissenschaftler aus den USA, Ita-
senverteilung kalter Knoten (mit Tempera-
rischen Winde im Polarwirbel den Südpol
lien, Kanada und Großbritannien durch.
turen unterhalb von 14 Kelvin) bestimmt,
innerhalb von etwa zehn Tagen in einer
Mehrere von ihnen setzen heute diese For-
in denen zwei Prozent des kalten Molekül-
Höhe von mehr als 35 Kilometern, und ge-
schung mit dem Satelliten Planck fort, der
gases gebunden sind. Aus diesen Knoten
langte – wie ein Bumerang – wieder in die
höhere Auflösung und Empfindlichkeit be-
entstehen mit hoher Wahrscheinlichkeit
Nähe des Startortes. Auf dem ersten Flug
sitzt und zusätzlich auch die Polarisation
neue Sterne.
wurden die kleinen Fluktuationen der kos-
der Hintergrundstrahlung misst, aus der
For-
mischen Hintergrundstrahlung entdeckt,
sie sich Hinweise auf Gravitationswellen
schungsprogramm wurde mit BLAST die
In
einem
extragalaktischen
aus denen sich die großen Strukturen im
vom Urknall erhoffen.
kosmische
im
Universum, etwa die Galaxienhaufen, ent-
Auch für die Sonnenphysik haben sich
fernen Infraroten gemessen. Sie fasst das
wickelten (siehe Bild S. 41). Die Auflösung
Ballonteleskope verdient gemacht. Von
Licht aller fernen Galaxien zusammen
des 1,2-Meter-Teleskops war mehr als 30-
der Stratosphäre aus können sie scharfe,
und somit die Geschichte der Energieer-
mal so hoch wie die des berühmten COBE-
beugungsbegrenzte Bilder der Sonnen-
zeugung in der kosmischen Vergangen-
Satelliten der NASA aus dem Jahr 1991.
oberfläche liefern. Das ballongetragene
Hintergrundstrahlung
heit. Einige Wissenschaftler dieses Ballon-
Aus den Boomerang-Daten ließen sich
Teleskop Sunrise ist das größte Sonnente-
Konsortiums haben zur Instrumentierung
erstmals die kosmologischen Parameter
leskop, das jemals den Erdboden verlassen
des Weltraumobservatoriums Herschel
genau bestimmen. Aus diesen wurde
hat. Mit seinem Ein-Meter-Spiegel kann
beigetragen und können jetzt mit höherer
auf die Existenz der Dunklen Energie ge-
es auf der Sonne noch etwa 35 Kilometer
Auflösung und Empfindlichkeit ihre For-
schlossen, und mit ihnen wurde die flache,
große Strukturen räumlich auflösen. Ziel
schung aus dem Weltraum fortsetzen.
euklidische Geometrie des Universums
solcher Beobachtungen ist die Messung
42
September 2010
Sterne und Weltraum
der solaren Magnetfelder, welche die Ak-
Ballon- und Raketenforschung für Studenten
tivität der Sonne verursachen. Der jüngste
Flug wurde im Juni 2009 in Kiruna in Nordschweden gestartet und führte über den
In einem deutsch-schwedischen Forschungsprogramm können Studenten kleine
Nordatlantik und Grönland nach Kanada,
Experimente mit Ballons (Bexus) oder Höhenforschungsraketen (Rexus) durchführen.
wo das Teleskop unbeschädigt geborgen
Die Starts erfolgen am Raketenstartplatz Esrange in der Nähe von Kiruna, Schweden
wurde (siehe die oberen Bilder links). Aus
(siehe Bild). In diesem Jahr beispielsweise fliegen Gruppen der Universitäten Aachen
37 Kilometer Höhe konnte die Entwick-
und Kiel Ballonexperimente zur Untersuchung der kosmischen Strahlung. Die Förde­
lung der Sonnengranulation 5½ Tage lang
rung der deutschen Nachwuchswissenschaftler übernimmt das Deutsche Zentrum
ununterbrochen beobachtet werden, da
für Luft- und Raumfahrt in Bonn. Mehr dazu unter: www.rexusbexus.net
entlang der Driftroute Mitternachtssonne
herrschte. Die große Flughöhe erlaubte es
auch, die Beobachtungen auf das mittlere
Ultraviolett bei einer Wellenlänge von
215 Nanometern auszudehnen.
Technisch eindrucksvoll ist neben der
Größe auch das Gewicht von Sunrise:
Die Gondel wiegt mit Teleskop 2600 Kilogramm, der Ballon 2000, der Fallschirm
600 Kilogramm – insgesamt stiegen sechs
Tonnen Masse in die Stratosphäre. Ein
weiterer Einsatz von Sunrise würde vorzugsweise vollständig um den Pol herum
Russlands zu erhalten wäre. Das Projekt
DLR
führen, wenn dafür eine Genehmigung
wird vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
in
Katlenburg-Lindau
DIETRICH LEMKE war bis
geleitet und vom Kiepenheuer-Institut für
Ballonexperimente der letzten Jahr-
Sonnenphysik in Freiburg und führenden
zehnte verfolgten stets zwei Ziele – einer-
zu seiner Emeritierung am
Sonnenforschern aus Spanien und den USA
seits wissenschaftliche Messungen, die
Max-Planck-Institut für As­
unterstützt. Ein technologisches Ziel von
vom Erdboden aus nicht, und aus dem
tronomie in Heidelberg für
Sunrise ist die Vorbereitung ähnlicher Ex-
Weltraum noch nicht möglich waren.
die Weltraumprojekte des
perimente auf dem europäischen Satelliten
Dabei gelangen viele Entdeckungen. Aber
Instituts verantwortlich.
Solar Orbiter, der um 2017 starten soll.
sie dienten immer auch der schrittweisen
Sein eigener Einstieg in die Weltraumastro­
instrumentellen Entwicklung von Gerä-
nomie verlief über Entwicklung und Bau des
ten und Teleskopen, die dann auf den viel
Ballonteleskops THISBE und dessen Einsatz für
teureren Satelliten zum Einsatz kommen
Beobachtungsprogramme im Ultravioletten
Nachdem die großen Weltrauminter-
sollten. Dabei erwarben die Beteiligten
und im nahen Infraroten.
ferometer der ESA (DARWIN) und der
wertvolles Wissen, das die wissenschaft-
NASA (Terrestrial Planet Finder) wegen
liche und technische Durchführung der
technischer und finanzieller Bedenken
auf Jahre hinaus aufgeschoben worden
Satellitenprojekte förderte.
Ballonexperimente lassen sich ver-
sind, planen Astrophysiker in Frankreich
gleichsweise
und den USA jetzt Vorversuche mit Bal-
durchführen, sind kostengünstig und kön-
lonteleskopen. Dazu soll das Licht von
nen nach den im Allgemeinen problem-
zwei Teleskopen an den Enden eines zehn
losen Bergungen verbessert und erneut
Meter langen Kohlefaserbalkens zur Inter-
geflogen werden. Für Studenten bietet jetzt
ferenz gebracht werden. So ließe sich un-
ein deutsch-schwedisches Programm die
ter weltraumähnlichen Bedingungen in
Möglichkeit, innerhalb eines Jahres kleinere
40 Kilometer Höhe die Machbarkeit eines
Ballonexperimente durchzuführen (siehe
extrem komplizierten Geräts nachweisen.
Infokasten oben). Allerdings gibt es keine
Auch wissenschaftlich könnte dieses Bal-
Organisation, die größere Ballonexperi-
loninterferometer Neues entdecken: die
mente ähnlich umfassend unterstützt, wie
Zodiakallichtwolken um sonnenähnliche
beispielsweise ESA und NASA die Weltraum-
Sterne und die chemische Zusammenset-
Experimente, oder ESO die erdgebundene
zung von protostellaren Scheiben. Ein Er-
Astronomie. Dennoch wird dieser älteste
folg dieser Ballonexperimente würde der
und einfachste Fahrstuhl an den Rand des
Wiederaufnahme der Weltrauminterfero-
Weltraums auch in der Astronomie der Zu-
meter-Projekte großen Schub verleihen.
kunft seine Nische behaupten.
Fahrstuhl an den Rand des Weltraums
www.astronomie-heute.de
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vorbereiten
und
Literaturhinweise
Lemke, D.: Die astronomische Ballon­
sonde THISBE. In: Sterne und Weltraum
2/1970, S. 29 – 32.
Röhrs, H.: Flüge mit Stratosphärenbal­
lonen zu wissenschaftlichen Unter­
suchungen. In: Sterne und Weltraum
2/1970, S. 33 – 36.
Wittmann, A.: Die Erforschung der
Sonne mit Ballonteleskopen. In: Sterne
und Weltraum 1/1978, S. 8 – 13.
Staubert, R., Trümper, J.: Ballon-Rönt­
genmessungen an Neutronensternen
und Quasaren. In: Sterne und Weltraum
7–8/1982, S. 286 – 290.
Weblinks zum Thema:
www.astronomie-heute.de/
artikel/1040370
September 2010
43
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