bereit machen für neues

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geburten
bereit machen für neues
Der Streit um die Berufshaftpflicht wirkt: Deutsche Hebammen bekommen Unterstützung
für Reformen. Ihre niederländischen Kolleginnen sind in vielen Belangen Vorbild.
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securvita - krankenkasse 3 | 14
uropas Gesundheitssysteme tun
verdeutlicht dies: In Deutschland liegt die
Und während die freiberuflichen Ge-
sich 2014 schwer mit ihren He-
Quote bei rund 30 Prozent, in den Nieder-
burtshelferinnen in Deutschland um ihre
bammen. In Frankreich streiken Anfang
landen ist sie mit etwa 15 Prozent (2008)
Existenz bangen und Probleme haben, ge-
des Jahres Tausende in den Kliniken, weil
um die Hälfte niedriger.
nügend Versicherer zu finden, die ihnen
E
ihnen
Status
Diese starke Rolle der Hebammen im Ge-
überhaupt noch Haftpflichtpolicen zum
gegenüber den Ärzten eingeräumt wird. In
kein
gleichberechtigter
sundheitssystem unterliegt einer strengen
Preis von jährlich 5.000 Euro anbieten, zah-
Österreich haben die Hebammen Nach-
Berufsordnung. Für deren Regulierung sind
len die niederländischen Kolleginnen für ih-
wuchssorgen und müssen dringend offene
das Gesundheitsministerium und der He-
re Policen nur etwa 350 Euro pro Jahr.
Stellen besetzen. Das übernehmen deut-
bammenverband verantwortlich. Zu den
sche Hebammen zum Beispiel in Vorarlber-
hohen Anforderungen gehört beispiels-
mehr ausgleich
ger Kliniken. Deutsche Hebammen hält es
weise ein Minimum von 40 Geburten pro
Die Gründe für diesen eklatanten Unter-
nicht mehr in ihrer Heimat, auch nicht
Jahr – unabhängig vom Status als angestell-
schied beruhen in erster Linie auf Unter-
mehr in ihrem Beruf, weil sie woanders
te oder freiberufliche Hebamme. Um in ei-
schieden im Rechtssystem und darauf,
bessere Verdienst- und Arbeitsbedingun-
nem bestimmten Qualitätsregister geführt
dass es in den Niederlanden weniger teure
gen finden. Und die Hebammen in den
zu werden, müssen Hebammen diese Quo-
Haftpflichtfälle gibt. Denn es ist nicht so,
Niederlanden? Die haben fast alles richtig
ten erfüllen und den Besuch von etlichen
dass deutsche Hebammen schlechter oder
gemacht, heißt es.
Weiterbildungen nachweisen.
riskanter arbeiten als ihre niederländi-
Niederländische Hebammen haben sich
straff und zentralistisch organisiert und
werden im Gegenzug vom Staat mit weitreichenden Kompetenzen in die Gesundheitsversorgung eingebunden. Hebammen sind dort Schlüsselfiguren in der medizinischen Schwangerenversorgung und
haben einen klaren Auftrag als erste Ansprechpartnerinnen für werdende Mütter
und junge Familien. Wohnortnähe ist dabei oberste Prämisse. Frauen mit einem
unauffälligen
Schwangerschaftsverlauf
werden bis zur Geburt und darüber hinaus
nur von Hebammen betreut – Frauenärzte
sind außen vor.
hebammen-struktur in deutschland
■
Es gibt in Deutschland etwa 21.000 Hebammen. Sie kümmern sich um jährlich
673.000 Geburten bundesweit.
■
98,5 Prozent der Kinder kommen im Krankenhaus zur Welt.
■
1,5 Prozent sind Hausgeburten oder Entbindungen im Geburtshaus
■
Rund 7.000 Hebammen sind festangestellt, etwa 14.000 arbeiten freiberuflich
oder sind teilselbstständig.
■
Etwa 3.500 Freiberuflerinnen/Teilselbstständige arbeiten als Geburts-Hebam-
men. Eine große Gruppe bilden die Beleghebammen. Sie bieten werdenden Müttern in der Regel eine Rufbereitschaft an und begleiten sie persönlich zur Geburt
in die Klinik.
■
Beispiel Bayern 2012: Rund 60 Prozent aller 107.000 Geburten wurden von frei-
beruflichen Beleghebammen geleitet. Außerhalb der bayerischen Kliniken kamen
2.077 Kinder zur Welt: 871 zuhause, 1.206 im Geburtshaus.
weniger kaiserschnitte
2011 brachte jede vierte Niederländerin ihr
Kind zuhause zur Welt. Fast jedes zehnte
Baby wurde darüber hinaus in einer der
rund 500 Hebammeneinrichtungen geboren. Während in den Niederlanden fast jedes dritte Kind das Licht der Welt jenseits
von Kliniken erblickt, ist es in Deutschland
nur jedes fünfzigste.
Niederländische Hebammen stärken
nach eigenem Bekunden auch aus wirtschaftlichen Gründen die Strukturen für
natürliche Geburten. »Das minimiert die
Wahrscheinlichkeit von unnötigen medizinischen Eingriffen jedweder Art und ist bei
einem zugleich hohen Versorgungsniveau
auch noch kostensparend«, argumentiert
der niederländische Hebammenverband
KNOV. Ein Vergleich der Kaiserschnittraten
In den Niederlanden kommen viele Kinder in Hebammeneinrichtungen zur Welt.
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schen Kolleginnen. Doch hier wie dort
holländische
Gesundheitssystem
ver-
der Hebammen und Gynäkologen deutlich
kommt es in seltenen Fällen bei Geburten
schiedene Beschwerdeinstanzen vorgese-
zugenommen. Das liegt an erhöhten
zu gravierenden Komplikationen und da-
hen, in denen Mediziner, Hebammen und
Schmerzensgeldaufwendungen für die
mit einhergehenden Personenschäden, die
Rechtsanwälte mit den Opfern und Verur-
Patienten, gestiegenen Therapie- und
mit Schadensersatzforderungen in Milli-
sachern von Falschbehandlungen gemein-
Pflegekosten sowie Kompensationszah-
onenhöhe verbunden sein können. In den
sam einen Ausgleich suchen.
lungen für den zu erwartenden zukünfti-
Niederlanden springt bei Schadenssum-
gen
Verdienstausfall.
Die
Versicherer
men von über 2,5 Millionen Euro ein staat-
selten, aber teuer
haben laut einer Studie des Berliner IGES
licher Haftungsfonds ein. Dieser Fonds er-
In Deutschland geht der Trend in eine an-
Instituts in der Vergangenheit insbesonde-
hält sein Geld aus dem nationalen Bei-
dere Richtung, hier steigt die Klage- und
re die Kosten für zukünftige Verdienstaus-
tragssystem. Im Gegenzug ermuntert der
Regressfreudigkeit. Einerseits kommt es
fälle bei Langzeitschäden deutlich unter-
Staat die Geburtshelfer zu mehr Eigenver-
bei Hebammen-geleiteten Geburten nach
schätzt.
antwortung und konsequenter Qualitäts-
Angaben der deutschen Versicherungs-
kontrolle.
wirtschaft
In den Niederlanden können die Versi-
im Vergleich zu anderen
cherer glücklich darüber sein, dass der
Damit will er möglichst viele Prozesse
Lebensbereichen vergleichsweise selten zu
staatliche Haftungsfonds Schäden über
von den Zivilgerichten fernhalten. Für
Schäden. Aber die Ausgaben für Schäden
2,5 Millionen Euro auffängt. Denn somit
außergerichtliche Vereinbarungen hat das
über 500.000 Euro haben zum Leidwesen
muss die Assekuranz ihre HebammenHaftpflichtprämien auch nur für Schäden
der vier-punkte-plan des
bundesgesundheitsministeriums
1. Sicherstellungszuschlag: Damit auch Hebammen, die wenige Geburten
betreuen, ihre Haftpflichtprämien finanzieren können, soll ein Sicherstellungszuschlag eingeführt werden.
2. Stabile Haftpflichtprämien: Um den weiteren Anstieg der Haftpflichtprämien
für freiberufliche Geburts-Hebammen zu begrenzen, sollen Krankenkassen
in bestimmten Fällen auf ihre Regressforderungen gegenüber Haftpflichtversicherungen verzichten.
3. Qualitätssicherung: Um die notwendige Versorgungsqualität in der
Geburtshilfe sicherzustellen, sollen die Hebammenverbände und die
Krankenkassen Qualitätsanforderungen vereinbaren.
4. Datengrundlage: Zur Sicherung der Versorgungsqualität soll die
Datengrundlage im Bereich der Hebammenversorgung verbessert werden.
bis zu maximal 2,5 Millionen Euro kalkulieren. Eine Summe, die bis 2003 auch in
Deutschland
akzeptiert
wurde,
doch
mittlerweile werden hierzulande Schäden
bis zu 6 Millionen Euro abgesichert. Dieser
Umstand macht die Policen für viele
freiberufliche Geburtshebammen unbezahlbar. Und noch etwas kommt hinzu: In
Deutschland
macht
eine
30-jährige
Verjährungsfrist für Personenschäden die
Policen teurer als in den Niederlanden,
denn dort gilt eine 20-jährige Verjährungszeit für Schadensersatzforderungen.
Die Niederländer haben ihren Hebammen eine zentrale Funktion im Gesundheitssystem eingeräumt, wirtschaftliche
Stabilität geschaffen und ihnen dafür eine
straffe und qualitätsorientierte Selbstorganisation abverlangt. Das hat Erfolg und
einen nachhaltigen Effekt: Um die Zukunft
dieser Berufsgruppe bangt dort niemand.
In Deutschland hingegen hat das Hebammen-Dilemma eine große Öffentlichkeit erreicht. So viel Unterstützung durch Bürgerprotest und Medienaufmerksamkeit wie in
diesem Frühjahr hatten die Hebammen
noch nie. Unter Druck geraten, hat die
Bundesregierung Mitte Mai eine Gesetzesinitiative ins Parlament eingebracht, die die
Hebammen finanziell und organisatorisch
besser stellen würde. Der Ansatz könnte
bald erste Erfolge bringen. Und gibt den Hebammen Zeit, noch mal in die Niederlande
Protest: So viel Unterstützung gab es noch nie.
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zu schauen. ■
Peter Kuchenbuch
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