Hebamme.ch Sage-femme.ch Levatrice.ch Spendrera.ch 5 2015 Beckenendlage – Erfahrungen aus der Praxis Présentations en siège – expériences issues de la pratique 60% 4x dünner mambaby.com weicher* MAM Logo in 1c-Cyan Pantone: Process Cyan C CMYK: 100-000-000-000 RGB: 000-158-244 Hexadecimal value: #009ee0 Entwickelt, um das Risiko von Zahnfehlstellungen zu reduzieren. Der MAM Perfect Nuggi: 60 % dünner, 4 mal weicher* Unabhängige Untersuchungen beweisen Innovation und Wirkung des gemeinsam mit Zahn- und Kinderärzten entwickelten MAM Perfect Nuggis: Sein aussergewöhnlich dünner Saugerhals und das besonders weiche Saugermaterial wurden im Vergleich getestet. Weniger Druck auf Zähne und Kiefer unterstützt die gesunde Gebissentwicklung. Dahinter stehen die Experten persönlich. des MAM Perfect minimiert den Druck auf Babys Kiefer. Dies reduziert das Risiko von Zahnfehlstellungen.“ Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche Landesklinikum Leoben, Österreich: „Der Kieferabstand ist beim MAM Perfect durch den besonders schmalen Halsteil und das weiche Material signifikant geringer.“ Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon, Leiter der Abteilung Kieferorthopädie Universitätszahnklinik Wien, Österreich: „Sogar als ausgesprochen zahngerecht bezeichnete Schnuller erfordern weit mehr Kraftaufwand als der MAM Perfect.“ *Wissenschaftliche Berichte des OFI Instituts belegen: der einzigartige Saugerhals des MAM Perfect ist 60% dünner; klinische Tests der Universitätszahnklinik Wien bestätigen: er ist ausserdem 4 mal weicher als vergleichbare Nuggis (Durchschnittswerte: 36 – 76% dünner / 2 – 8 mal weicher als übliche Silikonnuggis). Dr. Yvonne Wagner, Zahnärztin Universitätsklinikum Jena, Deutschland: „Der extra dünne und weiche Saugerhals WISSENSCHAFTLICH BESTÄTIGT ICMRS_Logo.indd 1 MAM unterstützt seit über 35 Jahren Babys in ihrer individuellen Entwicklung. SterilisierBox MAM Stillprodukte: begleiten sicher durch die Stillzeit MAM Mini-Beissringe: einzigartig leicht für Babys kleine Hände MAM Sterilisier- und Transportbox: Einfache Sterilisation in der Mikrowelle MAM Medizinische Experten: Teamwork für maximale Sicherheit Forschungsinstitute wie das ICMRS, Kinderärzte, Entwicklungs-Pädagogen und Hebammen werden in die Entwicklung unserer Produkte von Anfang an miteinbezogen. Erst wenn unsere medizinischen Experten ihr Okay geben, ist eine MAM Innovation bereit für das Babyleben. ° °Alle MAM Produkte werden aus BPA-freien Materialien hergestellt. 10.06.13 13:42 Inhalt • Sommaire Ausgabe 5 Beckenendlage – Erfahrungen aus der Praxis Edition 5 Présentations en siège – expériences issues de la pratique Aktuell 2 Actualité 30 Editorial Dr. Grégoire Théry 5 Editorial Dr Grégoire Théry 33 Dossier 4 Dossier 32 Den Frauen bei der Geburt aus Beckenendlage wieder Optionen eröffnen Dr. Werner Stadlmayr Mosaik Version du siège et médecines alternatives Marie-Julia Guittier 11 Wie sich Hebammen vor Haftung und Strafbarkeit schützen können Ursina Pally Hofmann und Claudia Wyss-Cozza Vécu des femmes lors des interventions professionnelles en fin de grossesse et pour l’accouchement Marie-Julia Guittier 35 Nouvelles des HES 38 Fédération 20 Moralische Kompetenzen von Hebammen fördern Stephan Oelhafen, Ursula Hölzli Reid, Eva Cignacco Müller 18 Verband 20 Sections 22 Sektionen 22 Formation continue FSSF 25 Fort- und Weiterbildung SHV 24 En librairie 37 Thema der Ausgabe 6/2015 Hebammen in der Schwangerenvorsorge Thème de l’édition 6/2015 Les sages-femmes et les soins prénataux Erscheint Anfang Juni 2015 Parution début juin 2015 113. Jahrgang | 113e année Geschäftsstelle | Secrétariat Rosenweg 25 C, Postfach, CH-3000 Bern 23, T +41 (0)31 332 63 40, F +41 (0)31 332 76 19 [email protected], www.hebamme.ch, www.sage-femme.ch Öffnungszeiten Mo–Do 8.30–12 Uhr, 13.30–16.30 Uhr / Fr 8.30–12 Uhr | Heures d’ouverture Lu-Je 8:30–12:00, 13:30–16:30 / Ve 8:30–12:00 Offizielle Zeitschrift des Schweizerischen Hebammenverbandes | Journal officiel de la Fédération suisse des sages-femmes | Giornale ufficiale della Federazione svizzera delle levatrici | Revista uffiziala da la Federaziun svizra da las spendreras Erscheinungsweise 10 Mal im Jahr, Doppelausgaben im Januar / Februar und Juli /August | Parution 10 éditions par année, numéros doubles en janvier / février et en juillet /août Foto Titelseite Der SHV dankt Yvonne Lüthi und ihrer Tochter Juliette, Bern Photo couverture La FSSF remercie Yvonne Lüthi et sa fille Juliette, Berne Aktuell Sachcomic «Neuland» Verfassungsänderung zugunsten zum Thema Stillen und der Präimplantationsdiagnostik gepasst werden. Heute dürfen bei einer Wochenbett Bundesrat und Parlament möchten die genetische Untersuchung von mensch­ lichen Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung entstanden sind, in einem klar begrenzten Rahmen zulassen. Dadurch sollen Paare, die Träger einer schweren Erbkrankheit sind, Kinder bekommen können, die von dieser Krankheit nicht betroffen sind. Zudem sollen Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, so eine bessere Chance erhalten, ein eigenes Kind zu bekommen. Um die Präimplantationsdiagnostik (PID) erfolgversprechend durchführen zu können, muss zunächst die Verfassung angepasst werden. Die Abstimmung darüber findet am 14. Juni statt. Die Zulassung der PID erfolgt erst später auf Gesetzesstufe. Die Geburt eines eigenen Babys gleicht dem Aufbruch zu einer Reise mit vielen neuen Erfahrungen – vor allem, wenn es das erste Mal ist. Einen solchen Aufbruch erleben Louise und Tom bei der Geburt ihrer Tochter Anna. Der Sach­ comic «Neuland» erzählt von der spannenden Reise der jungen Familie von der Geburt über die vielfältigen Stationen des Wochenbetts bis hin zur schrittweisen Gestaltung des neuen Alltags. Die von der Illustratorin Kati Rickenbach einfühlsam gezeichnete und witzig erzählte Geschichte zeigt die ganze Palette der für diese besondere Lebensphase typischen Freuden, Fragen und Sorgen. Zusammen mit einer dem Buch beigelegten Broschüre mit nützlichen Informa­ tionen rund um Stillen und Wochenbett bietet «Neuland» beste Unterhaltung und dient zugleich als Ratgeber für den Start in ein Leben mit Baby. Careum, 164 Seiten, CHF 31.– ISBN 978-3-03787-205-5 Bestellung unter www.stiftungstillen.ch oder www.careum.ch Fortpflanzungstourismus vermeiden In der Schweiz kommen pro Jahr etwa 80 000 Kinder zur Welt, rund 2000 von ihnen dank einer künstlichen Befruchtung. Ärztinnen und Ärzte dürfen diese sogenannten In-vitro-Fertilisationen bei Paaren anwenden, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können oder die Träger von schweren Erbkrankheiten sind. Das geltende Fortpflanzungsmedizingesetz verbietet ihnen jedoch, die auf diese Weise erzeugten Embryonen genetisch zu untersuchen, bevor sie in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden. Bundesrat und Parlament wollen die PID künftig für die genannten Paare zulassen. Bei Paaren, die Träger einer schweren Erbkrankheit sind, können mit Hilfe der PID Embryonen ausgewählt werden, die keine entsprechenden Gendefekte aufweisen. Dadurch kann das Risiko, dass das Kind von der Erbkrankheit seiner Eltern betroffen ist, stark reduziert werden. Bei Paaren, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können, könnten mittels PID Embryonen ausgewählt werden, die eine gute Entwicklungsfähigkeit erwarten lassen. Dadurch soll erreicht werden, dass die Schwangerschaft möglichst ohne Komplikationen verläuft und die Frau das Kind nicht verliert. Die Reise ins Ausland bliebe diesen Paaren künftig erspart. Vor gesundheitlichen Risiken schützen Um die PID in diesem engen Rahmen erfolgversprechend durchführen zu können, muss zunächst die Verfassung an- 2 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 künstlichen Befruchtung nicht mehr Embryonen entwickelt werden, als der Frau sofort eingesetzt werden können. Künftig dürften es so viele sein, wie für eine zweckmässige Behandlung notwendig sind. Zudem dürften nicht verwendete Embryonen im Hinblick auf eine spätere Behandlung eingefroren werden. Die Verfassungsänderung würde es ermöglichen, künftig nur noch einen Embryo pro Behandlung auszuwählen und ein­ zusetzen. Dadurch könnte die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften und damit die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind reduziert werden. Die geänderte Verfassung verbietet es weiterhin, Embryonen aufgrund ihres Geschlechtes oder anderer Körpermerkmale auszuwählen. Zudem dürfen auch in Zukunft keine sogenannten Retterbabys erzeugt werden, die sich als Stammzellenspender für ein schwer krankes Geschwister eignen. Nach wie vor dürften nicht beliebig viele Embryonen pro Behandlungszyklus entwickelt werden. Damit bleiben die Menschenwürde und der Embryonenschutz aus Sicht des Bundesrates gewahrt. Zulassung erst auf Gesetzesstufe Konkret geregelt wird die Durchführung der PID im Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG), das diese heute verbietet. Das Parlament hat die Änderung dieses Gesetzes bereits beschlossen. Sobald der neue Verfassungsartikel in Kraft tritt, wird die Gesetzesänderung im Bundesblatt publiziert; von diesem Moment an kann das Referendum dagegen ergriffen werden. Kommt dieses zustande, so können die Stimmberechtigten zu einem späteren Zeitpunkt über das neue FMedG abstimmen. Erst das geänderte FMedG würde die PID für Paare, die Träger von schweren Erbkrankheiten sind oder die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können, zulassen. Alle anderen Anwendungen blieben auch auf Gesetzesstufe verboten. Wird die Verfassungsänderung am 14. Juni abgelehnt, so kann auch das geänderte FMedG nicht in Kraft treten. Weitere Informationen unter www.news.admin.ch › 23. März 2015 Pilotprojekt: Medikamentenfehler in Spitälern vermeiden Knapp jeder zehnte Patient erleidet im Spital medikamentenbedingte Schäden. Der Spitaleintritt und -austritt sind besonders riskante Momente für Fehler wie falsche Dosierungen oder Auslassungen von Medikamenten. Viele solcher Fehler liessen sich vermeiden, wenn die Medikamente des Patienten beim Eintritt systematisch erfasst und diese Angaben bei jeder Änderung bis zum Austritt immer wieder standardisiert überprüft würden. Doch diese wichtige Sicherheitsmassnahme wird in Schweizer Spitälern bisher kaum konsequent angewandt. Um diese Lücke zu schliessen, startet Patienten­ sicherheit Schweiz das zweijährige Pilotprojekt (2015/2016) namens «progress! Sichere Medikation an Schnittstellen» mit neun Spitälern aus allen Landesteilen, das im Rahmen der nationalen Qualitätsstrategie des Bundes durchgeführt wird. Neben Schulungen für das Spitalpersonal bietet das Programm auch wichtige Sicherheitshinweise für Patienten. Weitere Informationen unter www.patientensicherheit.ch Der Kinderwunsch bleibt hoch im Kurs Fast zwei Drittel (63 %) der kinderlosen Frauen und Männer im Alter von 20 bis 29 Jahren wünschen sich zwei Kinder. Ein Viertel (28 %) gibt drei oder mehr Kinder als persönliches Ideal an. Am häufigsten bleiben Frauen mit einem Tertiärabschluss kinderlos (30 %). Die Akzeptanz der Berufstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern hat seit den 1990er-Jahren deutlich zugenommen. Das zeigen die ersten Ergebnisse der Erhebung zu Familien und Generationen 2013 des Bundesamts für Statistik. Wunsch und Realität liegen betreffend Anzahl Kinder deutlich auseinander. Bei den Frauen zwischen 50 und 59 Jahren sind 20 % kinderlos und 16 % haben ein Kind. Diese Anteile sind deutlich höher, als man dies aufgrund der Wünsche der heute 20 bis 29-jährigen Frauen vermuten würde. Nur 6 % dieser Frauen möchten kein Kind und lediglich 3 % wünschen sich ein Kind. Auch wenn sich die Wünsche der jungen Frauen nicht direkt mit der Anzahl der geborenen Kinder der älteren Frauen vergleichen lassen, fällt der Unterschied dennoch auf. Einfluss des Bildungsniveaus 30 % der Frauen mit einem Tertiärabschluss – Universitäre Hochschule, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule oder Höhere Fachschule – bleiben kinderlos. Bei den Frauen mit dem höchsten Bildungsabschluss auf Sekundarstufe II sind es 17 % und bei Frauen ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss 13%, die kein Kind haben. Bei der Anzahl der gewünschten Kinder der jungen Frauen besteht hingegen kein Zusammenhang mit dem Bildungsniveau. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass es Frauen mit einem Bildungsabschluss auf Ter­ tiärstufe häufig nicht gelingt, die gewünschte Anzahl Kinder zu haben. Berufstätigkeit von Müttern Die Haltung der Bevölkerung gegenüber den Formen des familiären Zusammenlebens hat sich seit der letzten Erhebung zu Familien von 1994 / 1995 deutlich gewandelt. Dies zeigt sich zum Beispiel bei der Frage, ob ein Kind im Vorschulalter darunter leide, wenn seine Mutter arbeitet. Während 1994 / 1995 noch sechs von zehn Männern (61%) fanden, dass ein Kind darunter leide, wenn seine Mutter erwerbstätig sei, waren es 2013 noch rund vier von zehn (44 %). Der Anteil Frauen, die dieser Aussage zustimmen, ist von knapp der Hälfte (49 %) auf einen Drittel zurückgegangen. Die Männer sind also damals wie heute skeptischer eingestellt gegenüber der Berufstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern als die Frauen. Quelle: www.bfs.admin.ch › Aktuell › Medienmitteilungen › 24. März 2015 Studie «Erhebung zu Familien und Generationen 2013» unter www.bfs.admin.ch › Aktuell › Publikationen Empfehlungen zum Stillen werden vermehrt befolgt Die Ergebnisse der neusten Studie zur Säuglingsernährung und Gesundheit im ersten Lebensjahr (Swiss Infant Feeding Study) zeigen, dass sich die Mütter in der Schweiz eng an die nationalen Empfehlungen zum Stillen und zur Säuglings­ ernährung halten. Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfehlen ausschliessliches Stillen während der ersten vier Lebensmonate und die Einführung von Beikost im fünften bis siebten Monat. Damit weichen die Schweizerischen Empfehlungen von denen der Weltgesundheitsorganisation ab, die seit 2001 ausschliessliches Stillen während der ersten sechs Monate empfiehlt. Seit 1993 werden im Rahmen des Ernährungsmonitorings in der Schweiz in Abständen von ca. zehn Jahren Erhebungen zu Stillen und Säuglingsnahrung durchgeführt. 62 % der Mütter haben 2014 ihre Säuglinge während den ersten drei bis vier Lebensmonaten ausschliesslich gestillt, sie also nur mit Muttermilch und ohne zusätzliche Gabe von Wasser, Tee oder Beikost ernährt. Das bedeutet eine Zunahme von 9 % gegenüber der Vorgängerstudie von 2003. Auch im fünften und sechsten Lebensmonat wurde 2014 häufiger ausschliesslich gestillt (26 %) als noch 2003 (21%). Die Einführung der Beikost erfolgte in der Regel zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat, was den nationalen Empfehlungen entspricht. Die Studie zeigt zudem, dass die Mütter sich an die Empfehlungen zur Einnahme von Folsäure und zur Verabreichung von Vitamin D halten. Immer mehr Frauen nehmen vor als auch während der Schwangerschaft Folsäure zu sich, was zur gesunden Entwicklung des unge­ borenen Kindes beiträgt. Über 80 % der in der Studie befragten Mütter gaben an, dem Kind zusätzlich Vitamin D zu geben. Die Empfehlung lautet, dem Kind während der ersten drei Lebensjahre Vitamin D zu verabreichen. Weitere Informationen unter wwws.news.admin › 24. März 2015 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 3 Dossier Den Frauen bei der Geburt aus Beckenendlage wieder Optionen eröffnen Das kindliche Mortalitätsrisiko liegt statistisch bei einem vaginalen Geburtsversuch aus Beckenendlage (BEL) im niedrigen, einstelligen Promillebereich. Der Beratungsprozess mit den geburtshilflich Betreuenden soll den Frauen mit BEL eine Wahlfreiheit ermöglichen. Die gängige geburtshilfliche Sicht auf der Basis von geometrisch-anatomischen Modellen und populationsstatischen Vergleichen ist um ein Modell von Gebärprozessen zu erweitern, bei dem unter anderem Kommunikation, Interaktion, Emotion und Rhythmizität beschreiben, wie gebärfördernd die inneren Passungsprozesse sind. Dr. Werner Stadlmayr Max Hirsch schrieb 1927*: «Die abdominelle Schnittentbindung ist dazu berufen, die operative Geburtshilfe aus der jahrzehntelangen Stagnation, in welche sie durch Festhalten an den vaginalen Operationsverfahren geraten ist, herauszuführen und den grössten Teil der 6000 Mütter und 90 000 Kinder zu retten, welche heute noch der vaginal-operativen Geburtshilfe jährlich zum Opfer fallen.» Auf der Basis des damit beschriebenen Grundgedankens stieg die Sectio-Rate bis heute auf über 30 % (Schweiz 2012: 33,2 %; Bundesamt für Statistik). Henning Schneider [ 1 ], der emeritierte Lehrstuhlinhaber für Geburtshilfe der Universität Bern, fügte dem jedoch schon 1997 neue Überlegungen hinzu: «Die Bedeutung der Psyche in ihrer Beeinflussung somatischer Vorgänge und die Kommunikation des Individuums mit der unmittelbaren persönlichen Umgebung sowie mit der Gesellschaft als Ganzes muss für diagnostische, therapeutische und präventive Massnahmen berücksichtigt werden.» Und er ergänzt an anderer Stelle [ 2 ]: «Es geht um die Stärkung von Aspekten der Betreuung und des geburtshilflichen Managements, durch die die Zahl von problemlosen Geburten bei intaktem Damm mit einem gesunden Baby erhöht werden kann.» * Deutsches Zentralblatt für Gynäkologie, Nr. 35. Dieses Zitat ist Prof. Willy Stoll, ehemaliger Chefarzt Geburtshilfe, Kantonsspital Aarau, zu verdanken (unveröffentlichter Vortrag vom 6. November 2014 am Kantonspital Aarau). 4 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Vaginale Geburt nach Ablehnung der Sectio Frau A., eine 27-jährige Erstgebärende, meldete sich in der 37/38. Schwangerschaftswoche (SSW) – nach bis anhin normaler Schwangerschaftsentwicklung – zur Geburtsbesprechung, weil sich ihr Kind in Steisslage befand. Sie wünschte einen vaginalen Geburtsversuch. Am Termin wurde ihr die primäre Sectio empfohlen, weil das geschätzte Kindsgewicht bei rund 4000 g lag. Sie wollte weiter abwarten, und da sich kein spontaner Geburtsbeginn einstellte, wurde ihr bei T + 12 erneut die primäre Sectio empfohlen. Das biophysikalische Profil (Fruchtwasserindex, NS-Doppler) war normal. Sie lehnte erneut ab und meldete sich bei T + 17 mit Geburtswehen. Die kindliche Befindlichkeit in der Kardiotokografie (CTG) war unauffällig. Bei Eintritt wurde ihr erneut die Sectio empfohlen, die sie wiederum ablehnte. Diese Konstellation – Empfehlung der Sectio und Ablehnung durch die Gebärende – wiederholte sich in mehrstündigem Abstand bis zu einer Muttermunderöffnung von 7 bis 8 cm nach rund zwölfstündiger Eröffnungsperiode: Erneut lehnte sie die dringend empfohlene Sectio ab. Sie selbst fühlte sich zu diesem Zeitpunkt so wohl, dass sie noch spazieren gehen wollte. Sie kam mit den Wehen, die im Abstand von 5 bis 8 Minuten auftraten, atmend sehr gut zurecht, und ihr Kind zeigte weiterhin im CTG keinerlei Auffälligkeiten. Nach weiteren vier Stunden war der Muttermund vollständig eröffnet. Im Verlauf der knapp dreistündigen Austreibungsperiode kam es – mit sekundärer Wehenunterstützung durch Oxytocin sowie nach Setzen einer mediolateralen Episiotomie – zur vaginalen Geburt mit Hilfe einer problemlosen klassischen Armlösung sowie Unterstützung der Kopfentwicklung nach Veit-Smellie. Das Kind adaptierte primär gut: Apgar 2/8/9, art. NS-pH 7:20 (Geburtsgewicht 4000 g). Editorial Gebärende als «offenes und geschlossenes System» Dieses Fallbeispiel soll auf zwei Grundansätze unseres geburtshilflichen Denkens hinweisen (siehe Abbildung 1 unter www.hebamme.ch > Aktuelles): 1. Beobachten und Eingriff in das (offene) System gebärende Frau, und 2. Kommunikation und Unterstützung der Selbstorganisation des (geschlossenen) Systems gebärende Frau. Die geburtshilflich Betreuenden können die Schwangere und Gebärende wie ein «offenes System» [ 3 ] (von Uexküll/ Wesiack 1998) behandeln, etwa wie ein Uhrmacher das Uhrwerk öffnen und die defekten Teile erkennen und reparieren kann. In einem offenen System sind die Zusammenhänge kausalmechanisch und linear, das heisst berechenbar: Wenn ich A mache, geschieht immer B. Idealtypischerweise kommt aus der Perspektive des offenen Systems jeder Beobachtende zur selben objektiven Befunderhebung. Im Austausch mit der Gebärenden genügt hier eine Beobachtungspartnerschaft, in der die individuelle Persönlichkeit der/des Betreuenden – und des/r Betreuten! – in ihrer Subjektivität unbedeutend ist. Die gruppenstatistische Analyse sind hier beispielsweise Mittelwertvergleiche, etwa der Vergleich der Kindersterblichkeit bei Beckenendlage (BEL) zwischen der Gruppe mit einer vaginalen Geburt und der Gruppe mit einem Kaiserschnitt. Wer profitiert von einer primären Sectio bei BEL? Im klinischen Alltag entstehen so Handlungsanweisungen nach der – etwas salopp ausgedrückt – Rasenmäheroder Giesskannenmethode: Alle Frauen / Kinder mit einem bestimmten Risikomerkmal erhalten dieselbe Massnahme, obwohl nur ein geringer Teil der Frauen /Kinder mit dem Merkmal davon profitieren wird. Stillschweigend wird dabei davon ausgegangen, dass das Verpassen einer vaginalen Geburt durch den Kaiserschnitt kein Schaden sei. Dass darüber hinaus ein Kaiserschnitt durchaus – jenseits des Vorenthaltens einer vaginalen Geburt – weitere schädliche Folgen für die Mutter haben kann, ist zudem in den bisherigen Betrachtungen noch nicht mit eingeflossen: Da von einem primären Kaiserschnitt bei BEL nur sehr wenige Kinder profitieren, ist es höchst wahrscheinlich, dass von den Folgen des für die meisten Frauen unnötigen Kaiserschnitts vor allem Frauen betroffen sind, deren Kinder nicht von einem Kaiserschnitt im Sinne des Überlebens profitiert haben. Hier zeigt sich eine ethische Dimension, die in den Diskussionen im Kollegium und mit den betroffenen Frauen und Paaren kaum beachtet wird. Beziehungspartnerschaft mit der Gebärenden Der Argumentation von Hirsch steht die Vorstellung von Schneider gegenüber, der mit seiner Argumentation für das Psychische und die Kommunikation auf eine Perspektive hinweist, bei der die Schwangere durch ihr Erleben, dessen Auswirkung auf die biologischen Vorgänge sowie dessen Gestaltung durch die Interaktion mit der Umwelt beschrieben wird. Die Gebärende bleibt für die geburtshilflich Betreuenden ein geschlossenes System, dessen innere Prozesse für den Beobachter nicht vorhersehbar sind: Er muss in einem kommunikativen Prozess (verbal oder non-verbal) eine Vorstellung entwickeln, wie die aktuelle Situation ist. Idealtypischerweise entsteht dadurch Dr. Grégoire Théry Gynäkologie und Geburtshilfe, Maternité du Léman, Thonon-les-Bains (F ) Liebe Leserin, lieber Leser Ein fiktives Gespräch zwischen Arzt und Patientin. Patientin: «Mein Kind ist in der Steisslage! Werde ich trotz­ dem natürlich gebären können?» Arzt: «Das könnte ein bisschen schwierig sein, da gibt es viele Sicherheitsrisiken zu beachten. Und für die Organisation innerhalb des Teams und je nach Fähigkeiten der verschie­ denen Geburtshelferinnen und -helfer ist es besser, einen Kaiserschnitt zu machen.» «Ich habe aber im Internet gelesen, dass es für die Gesund­ heit des Kindes keinen Unterschied macht, ob es mit einem Kaiserschnitt oder auf dem normalen Weg zur Welt kommt. Ich sollte doch entscheiden dürfen.» «Ja, da haben Sie recht.» «Weshalb möchten Sie mir den Bauch aufschneiden? Wenn Sie die Kontrollen durchgeführt haben, die möglich sind, wenn es mein Wunsch ist und wenn keine zusätzlichen Risiken bestehen?» «Das stimmt schon, doch die Kinder in der Steisslage werden schon seit einiger Zeit mit einem Kaiserschnitt geboren, was dazu geführt hat, dass die Geburtshelferteams keine Erfahrung mehr haben. Ursprünglich machte man bei Kin­ dern in der Steisslage einen Kaiserschnitt, weil er als sicherer galt. Die natürliche Geburt ist weniger kontrollierbar, und ein Kaiserschnitt ist einfacher zu organisieren.» «Was befürchten Sie denn? Was gibt es überhaupt zu orga­ nisieren? Ich möchte selber entscheiden, und ich weiss um die Risiken und Unsicherheiten. Wenn es aus medizinischer Sicht nicht riskanter ist, dann muss ich davon ausgehen, dass Sie mir misstrauen.» «Ich verstehe Sie, aber eine Geburt, wie Sie sie sich wünschen, wird nicht möglich sein. Das Team wird sich unsicher fühlen.» «Ihre Entscheide beruhen offenbar auf Kriterien, die nicht ganz rational sind. Das passt mir nicht, doch ich bin froh, dass Sie ehrlich sind und Ihre – menschlichen – Zweifel und Unsicherheiten äussern.» Herzlich, Dr. Grégoire Théry 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 Dossier Autor Präpartale Beckenmessungen helfen nur bedingt Warum dies von Bedeutung ist, verdeutlichen zwei Kurzvignetten. Vignette A: Vor ungefähr zwölf Monaten kam eine knapp 30-jährige erstgebärende Frau in meine Sprechstunde zur Beratung vor der Geburt. In ihrer Familie würden alle Frauen einen Kaiserschnitt brauchen, und sie befürchte, dass sie familiär bedingt ein enges Becken habe. Sie selbst war eine normal gewachsene Frau, und ihr Kind wuchs sonographisch ungefähr auf der 30. Perzentile. Die von ihr dringend gewünschte, anschliessende MRI-Untersuchung ergab normale Beckenmasse. Als sie einige Wochen später nach spontanem Wehenbeginn zur Geburt kam, hatte sie einen mehrstündigen Geburtsstillstand in der zweiten Hälfte der Eröffnungsphase, und es kam schliesslich zu einer sekundären Sectio. Vignette B: Vor ungefähr sechs Monaten kam eine zweitgebärende Frau in der ca. 30. SSW in meine Sprechstunde, die bei der ersten Geburt einen Kaiserschnitt bei vollständig eröffnetem Muttermund und einem Kindsgewicht von ungefähr 3600 g erhalten hatte. Wir führten psychosomatisch orientierte Beratungsgespräche durch. In ihr und ihrem Partner reifte der Wunsch, einen vaginalen Geburtsversuch zu unternehmen. Der Outcome war beeindruckend: Sie gebar ihr zweites Kind, das über 4100 g wog – also 500 g mehr als das Erste, bei dem es zum Geburtsstillstand gekommen war – spontan. Beide Einzelfälle bestätigen das Ergebnis einer Untersuchung von Spörri [ 4 ] , der zeigte, dass präpartale Beckenmessungen nicht helfen, den Geburtsverlauf vorherzusehen und dass demzufolge die alleinige Anwendung des geometrisch-anatomischen Modells obsolet ist. Um die Passungsprozesse zwischen dem mütterlichen Becken und dem kindlichen Köpfchen (dem sogenannten pelvic molding nach Russell [ 5 ]) zu verstehen und womöglich positiv beeinflussen zu können, braucht es den Zugang auf der Basis des geschlossenen Systems. Diese Passungsprozesse gelingen in einer bestimmten, gebärimmanenten psycho-physischen Gestimmtheit. Werner Stadlmayr Dr. med., Arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, arbeitet seit 2014 an der Abteilung für Geburtshilfe und Perinatalmedizin des Kanton­spitals Aarau als Leitender Arzt. An der Geburtshilfe­abteilung des Spitals Riggisberg (BE) war er von 2008 bis 2011 als Leitender Arzt und bis 2013 als Co-Chefarzt / Chefarzt tätig. Er absolvierte verschiedene psychotherapeutische Ausbildungen, unter anderem mit psychoanalytischem und körperpsychotherapeutischem Schwerpunkt. [email protected] www.ksa.ch Die Orientierung von aussen nach innen Zu Aspekten einer gebärförderlichen Gestimmtheit, die sich vor allem über qualitative Phänomene und nur indirekt über beobachtbare Aspekte des menschlichen Körpers erfassen lässt, wurde bisher nur wenig systematisch geforscht. Eine der frühesten Arbeiten hierzu stammt von Klaus [ 6 ] und beschreibt die Bedeutung der Beziehung während der Geburt als Parameter, der mit weniger komplizierten Geburten assoziiert ist. In einer eigenen Arbeit [ 7 ] konnten wir an 73 Gebärenden zeigen, dass Frauen, die während des Gebärprozesses in eine bestimmte Gestimmtheit kamen, die wir als Orientierung nach innen (englisch Intranatal Inward Orientation, IIO) bezeichnen, überzufällig häufig komplikationslose Geburtsverläufe hatten; dieses Ergebnis war unabhängig vom Geburtsgewicht des Kindes. Was bedeutet das Gesagte im Hinblick auf das erste Beispiel von Frau A.? Das geburtshilfliche Betreuungssystem hat die Schwangere überwiegend aus der Sicht des offenen Systems gesehen: Das grosse Kind und die Steisslage sind geometrisch-anatomisch gesehen ein Risikomerkmal, auf welches das betreuende System mit der Antwort eine (subjektive) gemeinsame Wirklichkeit zwischen den Betreuenden und der Gebärenden. Die Zusammenhänge sind nun nicht mehr kausalmechanisch und linear, sondern basieren auf subjektiven Bedeutungen, auf welche die geburtshilflich Tätigen kommunikativ Einfluss nehmen können. In so einer Perspektive sind die Schlüsselphänomene und -begriffe nun Emotion, soziale Interaktion, körpernahes Selbsterleben, Rhythmizität und andere. All diesen Phänomenen ist zu Eigen, dass sie nicht unmittelbar beobachtbar, sondern nur erfahrbar beziehungsweise nur indirekt erschliessbar sind, weshalb man sich mit der Gebärenden in eine Beziehungspartnerschaft begeben muss. Die Persönlichkeit, die subjektiven Wahrnehmungen sowie die Einstellungen der einzelnen Individuen sind hier von entscheidender Wichtigkeit: Beide sind nicht durch einen allgemeinen Arzt / eine Hebamme und eine allgemeine Schwangere ersetzbar. Aus der Perspektive des geschlossenen Systems gilt es zu versuchen, mittels beziehungsbasierter Interaktion mit der Gebärenden deren Selbstregulation durch innere Passungsvorgänge zu unterstützen. Es werden Umgebungsbedingungen (Raum, Stimmung, Interaktion usw.) geschaffen mit dem Ziel, auf diese Weise eine psycho-physische Gestimmtheit im System gebärende Frau zu fördern oder anzuregen. Eine limitierende Grösse ist aus dieser Per­ spektive – neben der Bereitschaft der Betreuenden, sich auf solche eine «Anregungsarbeit» einzulassen – die Fähigkeit des Systems gebärende Frau, in der zur Verfügung stehenden Zeit «anregbar» zu sein. Lebensgeschichtliche Prozesse können dazu führen, dass diese Anregbarkeit nicht oder nur unzureichend zur Verfügung steht. 6 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Kaiserschnitt reagierte, weil in der Gruppe von Frauen mit BEL-Kindern mehr Kinder als in der Gruppe mit Kopflagenkindern sterben. Aspekte auf der Basis des Modells vom geschlossenen System fanden zur Erarbeitung eines differential-therapeutischen Vorgehens keinen Eingang. Hierbei wären verschiedene Aspekte der Gestimmtheit des Systems gebärende Frau wichtig gewesen, zum Beispiel die gute Beziehung der Schwangeren zu ihrem Körper, das emotionale Integrieren ihres Kindes sowie die stabile und emotionale Partnerschaft. Unter der Geburt wären die souveräne Verarbeitung der Wehen sowie die langsame, aber stetige Muttermundseröffnung – als Ausdruck der gelingenden inneren Selbstregulation – mehr betont worden. Ein Blick auf die letzten Jahrzehnte Die kurz skizzierte Perspektive der Gebärenden als offenes System ist die unser medizinisch-geburtshilfliches Betreuungssystem dominierende Sichtweise. Im Folgenden soll sie in der Entwicklung der Sectio als primärer Geburtsmodus bei BEL beleuchtet werden. Kubli (zitiert nach Ludwig [ 8 ]), der Schweizer Lehrstuhlinhaber für Geburtshilfe an der Universität Heidelberg, formulierte 1975 die Hypothese, dass eine BEL immer per Sectio entbunden werden sollte. Allerdings konnten er und sein Team in Nachuntersuchungen zwei Jahre postpartal (nach Kaiserschnitt oder vaginaler Geburt aus BEL) keinen Unterschied im neurologischen Outcome der Kinder finden. 1993 unterstützte dann die Metaanalyse von Studien der Jahre 1966 bis 1992 durch Cheng und Hannah [ 9 ] dieselbe Hypothese: Zum definitiven Beweis seien allerdings prospektive, wenn möglich randomisierte Studien nötig. 2000 zog Husslein [ 10 ], der Wiener Lehrstuhlinhaber für Gynäkologie und Geburtshilfe, auf der Basis der klinischen Fortschritte beim Kaiserschnitt (siehe zum Beispiel Huch [ 11 ]) den Schluss, dass die BEL «ein gelöstes Problem» sei, weil – sinngemäss – die geringe Komplikationsrate der Sectio für die Mutter das Risiko der vaginalen Geburt für das Kind nicht mehr rechtfertige. Die Hannah-Studie und ihre Kritiker Hannah [ 12 ] veröffentlichte 2000 ihre bekannte Studie «The Term Breech Trial», in der randomisiert Frauen mit Kinder in BEL den Zweigen vaginale Geburt oder Sectio zugeteilt wurden. Da in ersterem Kinder starben, wurde die Studie mit der Feststellung beendet, dass «Kinder bei der vaginalen Geburt aus BEL – im Gegensatz zu den per Sectio geborenen Kindern – sterben können». In einer Nachuntersuchung derselben Studienpopulation (Whyte [ 13 ]) zur unmittelbar postpartalen Belastetheit der neugeborenen Kinder und zu deren neuromotorischem Outcome nach zwei Jahren zeigte sich 2004, dass a) die Kinder nach vaginaler Geburt signifikant gestresster waren, operationalisiert am Nabelschnur-pH und Apgar-Wert, dass sich jedoch b) die Kinder beider Gruppen nach zwei Jahren nicht signifikant im neuromotorischen Outcome unterschieden. Der Studienansatz von Hannah [ 12 ] wurde verschiedentlich einer fundamentalen Kritik unterzogen (Kotaska [ 14 ], Glezermann [ 15 ], siehe auch auf Deutsch: Krause [ 16 ]) mit der Schlussfolgerung, dass die Studie aufgrund ihrer Mängel zurückgezogen werden sollte. Goffinet [ 17 ] und Hopkins [ 18 ] ziehen in den folgenden Jahren aus eigenen Untersuchungen sinngemäss die Schlussfolgerung, dass – in Abhängigkeit von klinischer Erfahrung der geburtshilflichen Teams und basierend auf guter Selektion der geeigneten Schwangeren – der vaginale Geburtsversuch bei BEL eine valable Option sei. Diese Befunde bestätigen die von Feige und Krause [ 19 ] schon 1998 dargelegten Ergebnisse. Ethische Problematik bleibt bestehen Die Diskussion um den Geburtsmodus bei BEL ging nun in die nächste Runde. So veröffentlichte Vlemmix [ 20 ] im Jahr 2014 eine Auswertung der Jahre 1999 bis 2007 aus den Niederlanden von insgesamt über 50 000 Frauen mit einer BEL am Termin. Die Autoren errechneten 1,7 verstorbene Kinder auf 1000 vaginale BEL-Geburten im Vergleich zu 0 verstorbenen Kindern bei einer Sectio im Zusammenhang mit einer BEL. Die eingangs skizzierte ethische Problematik tritt erneut auf: Demzufolge gehen bei der vaginalen BEL-Geburt mehr als 998 Geburten ohne kindliches Versterben vonstatten, und genau diese 998 Frauen erhalten einen Kaiserschnitt mit all seinen Risiken, ohne einen Vorteil für das Überleben ihres Kindes zu generieren. Und erneut ist es eine Frage der Sichtweise der Befürworter und Gegner des vaginalen Geburtsversuchs bei BEL [ 21 ]: So streichen die einen den statistischen Unterschied der beiden Gruppen in der Holland-Studie heraus und kommentieren «Offenbar ist es nach wie vor weitaus sicherer für Kinder in BEL, per Kaiserschnitt zur Welt zu kommen», während andere auf die in dieser Studienpopulation ungenügende Vorselektion der Schwangeren und ihrer ungeborenen Kinder für eine vaginale Geburt aus BEL hinweisen. Zeitgleich warnten 2014 der American Congress of Obstetricians and Gynegologists gemeinsam mit der Society for Maternal-Fetal Medicine (ACOG / SMFM [ 22, 23 ]) in einem Leitlinienpapier davor, die Folgen einer Sectio für die Mütter zu unterschätzen, und kamen zum Schluss, dass die Mütter nach Kaiserschnitten «zwei bis drei Mal so viele schwerwiegende bis tödliche Komplikationen erleiden wie Mütter nach einer vaginalen Geburt». In Bezug auf die Geburt bei BEL bleibt das ACOG / SMFMPapier allerdings ambivalent: Die vaginale Geburt bei BEL müsse von der Information, dass Kinder dabei sterben könnten, begleitet werden. Das ist zwar richtig, aber insofern diskussionswürdig, als dass dieses Statement auf vaginale Geburten generell zutrifft und insbesondere auf vaginale Geburten in komplexen geburtshilflichen Situationen – wie zum Beispiel, wenn eine Schwangere schon einmal einen Kaiserschnitt gehabt hat, bei Zwillingsgeburten oder bei grossen Kindern – und ebenso auf die Mutter beim Kaiserschnitt als Geburtsmodus. Warum die BEL hier informationstechnisch gesondert behandelt werden soll, bleibt rätselhaft. 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 7 Dossier Haltungsaspekte von Gebärenden und Betreuenden Was in der dargestellten Diskussion gar keine Erwähnung findet, ist die Bedeutung des Gebärens für die Frau und des Geborenwerdens für das Kind. Diese Bedeutung kann ihrem ganzen Wesen nach ausschliesslich nur subjektiv sein: Der Gebärprozess ist Selbsterfahrung in einem ganz ursprünglichen Sinn. Wenn wir der Überzeugung sind, dass der Gebärprozess und der Prozess des Geborenwerdens – auch und gerade in seinen Aspekten der Ausge­ liefertheit – für Mutter und Kind sinnvoll ist, dann ist es unsere Aufgabe, diese existentielle Erfahrung so zu begleiten, dass sie überhaupt stattfinden kann. Das bedeutet, dass wir nach Möglichkeiten suchen, den natürlichen Geburtsprozess, wo immer möglich, zuzulassen. Gleichzeitig soll den lebens- und gebärimmanenten Risiken mit Augenmass begegnet werden, immer wissend, dass es bei der vaginalen Geburt oder beim Kaiserschnitt kein Nullrisiko gibt. Dabei gilt unser Augenmerk sowohl der somatischen Morbidität und Mortalität als auch der psychischen Traumatisierung, aber ebenfalls dem Ziel, die enorme potenzielle Glückserfahrung nicht zu verhindern. Wie ist die Haltung der Gebärenden und im Weiteren auch der geburtshilflich Betreuenden zu beschreiben? Ich schlage dafür die folgenden drei Kriterien für die Schwangere und in leicht abgewandelter Form für die geburtshilflich Betreuenden vor, deren Endpunkte wie eine Linie verstanden werden sollten, auf der man eine Einordnung vornehmen kann (siehe Abbildung 2 unter www.hebamme.ch > Aktuelles): – Kriterium 1 «Geburt organisieren versus Geburt als Prozess verstehen»: Will die Schwangere / das geburtshilfliche Team die Geburt eher organisieren oder sich auf einen Prozess einlassen? Insbesondere das geburtshilfliche Team muss sich fragen, ob es sich authentisch auf den Prozess der Gebärenden und ihres Kindes einlassen will / kann oder ob es nicht bereit ist, die immensen Nachteile/Bedrohungen / Belastungen auszuhalten, die eine vaginale Geburt in organisatorischer, finanzieller, psychischer und juristischer Hinsicht bedeuten kann. – Kriterium 2 «Sinnhaftigkeit des Gebärens»: Ist Gebären als Prozess sinnlos / bestenfalls nicht destruktiv oder ist er für die Gebärende / ihr Kind und ihrer beider Beziehung/ihre Familie und Partnerschaft (trotz Mühsal / Verletzung / Komplikation) sinnvoll? – Kriterium 3 «Vermeiden versus Begegnen»: Will die Schwangere ihre Sorgen / Nöte / Ängste zur Geburt und zum Gebärprozess eher vermeiden oder sich mit ihnen auseinandersetzen / sie aushalten? Will das Team der Schwangeren eher helfen, ihre Sorgen / Nöte / Ängste zur Geburt und zum Gebärprozess zu vermeiden oder ihr eher helfen, sich mit diesen auseinanderzusetzen / sie auszuhalten? Beraten bei Wunsch nach vaginaler Geburt aus BEL Wenn ein geburtshilfliches Team für sich zur Überzeugung kommt, dass es authentisch Hilfe beim vaginalen Geburtsversuch aus BEL anbieten will und kann, ist folgendes Beratungsvorgehen sinnvoll. 8 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Die Steisslagengeburt – auch in ihren Komplikationsmöglichkeiten – ist nicht gänzlich anders ist als die Kopflagengeburt. Bei beiden kindlichen Lagen kann es zum Horrorszenario kommen: dem Nichtfolgen des nachfolgenden Teils (Kopf- beziehungsweise Schulterdystokie). Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Nabelschnur bei der Geburt aus BEL nach Geburt des Rumpfes meist komprimiert wird. Daraus leitet sich die klinische Überlegung ab, dass, wenn es zur letzten Geburtsphase kommt, das Kind «zwei bis drei Wehen lang tauchen» können sollte. Aus diesem Grund sollte das Kind für diese Geburtsart keine Vorschwächung haben, weder im Verlauf der Schwangerschaft (zum Beispiel Schwangerschaftsdiabetes) noch im Verlauf der Muttermunderöffnung (zum Beispiel länger andauernde suspekte Herztonkurve). Die klinische Erfahrung zeigt, dass auch diese letzte Phase der Geburt problemlos geht, wenn die vorangehende Geburtsphase flüssig ablief. Flüssig muss jedoch immer im Kontext der Gebärenden verstanden werden: Eine langsame Eröffnungsperiode und eine gut dreistündige Austreibungsperiode kann bei einer erstgebärenden Frau mit gross geschätztem Kind absolut adäquat sein! Eigenen Erfahrungen nach liegt bei erstgebärenden Frauen die Erfolgsquote der vaginalen Geburt bei 70 % und bei mehrgebärenden Frauen bei über 95 % . Bezogen auf Erst- und Mehrgebärende zusammen nennt zum Beispiel Louwen eine Sectio-Rate von 25 % [ 21 ], und die Universitätsfrauenklinik Eppendorf (Hamburg, Deutschland: Aufklärungsblatt für werdende Eltern, Herbst 2014) gibt eine Sectio-Rate von knapp unter 20 % an. Das Todesrisiko für Mutter und Kind bei der vaginalen Geburt aus BEL bewegt sich im niedrigen einstelligen Promillebereich. Die genannten statistischen Zahlen können zwar gruppenstatistisch bei grossen Populationen als signifikant unterschiedlich beschrieben werden, helfen jedoch einem Individuum – aufgrund ihrer Kleinheit – nicht mehr, sich dieses Risiko vorzustellen. Dazu kommt, dass in diesen Risikostatistiken die Bedeutung der vaginalen Geburtserfahrung für Mutter und Kind keinen Niederschlag findet. Die genannten Studien von Hannah [ 12 ] und Vlemmix [ 20 ], ebenso wie die Kritik an denselben, sollten in Beratungsgesprächen erwähnt werden. Des Weiteren sollte im Zusammenhang mit der zwei bis drei Mal so hohen mütterlichen Mortalität bei Sectio im Vergleich zur vaginalen Geburt auf die Befunde und Empfehlungen der ACOG/SMFM [ 22, 23 ] hingewiesen werden. Wie Whyte [ 13 ] zeigte, sind Kinder nach einer vaginalen BELGeburt zu Beginn etwas gestresster als Kinder nach einem Kaiserschnitt. Dies hat jedoch laut derselben Studie keine Auswirkungen auf die neuromotorische Entwicklung der Kinder im Alter von zwei Jahren. Das Problem der statistischen Berechnung und deren Interpretation ist, dass das unwahrscheinliche Ereignis jederzeit eintreten kann, auch wenn seine Wahrscheinlichkeit bei unter 1:1 Million liegen sollte. Auf die vaginale Geburt wie die Sectio gleichermassen angewendet, bedeutet dies: Auch die unwahrscheinliche tödliche Lungenembolie der Frau bei Sectio kann schon heute eintreten. Es ist also vielmehr Ausdruck des persönlichen Temperaments sowie von Haltungen und Werten, die einem Menschen den Mut geben oder die Hoffnung nehmen, sich vorzustellen, bei der Geburt zu der einen oder der anderen Gruppe zu gehören. Literaturtipps Die Schwangere soll dem eigenen Prozess folgen Um bei so einer Sachlage, bei der es um sehr ernsthafte, aber sehr seltene Risiken geht, eine Entscheidung zu finden, muss die Schwangere – oft am besten mit ihrem Partner zusammen – in sich hinein hören. Sie sollte von dem primären Angebot der geplanten Sectio nur abweichen, wenn sie bei diesem inneren Dialog den Wunsch nach einem vaginalen Geburtsversuch verspürt. Sie soll in diesem – idealerweise mehrwöchigen – Prozess auch auf ihre Entspanntheit / Anspannung sowie auf Träume achten, um so zu erkennen, ob sie sich auf dem für sie richtigen Weg befindet. Falls sich im Paar eine Pattsituation entwickelt – die Frau eher für den vaginalen Geburtsversuch, der Mann eher für die geplante Sectio –, lohnt es sich, jeden der beiden Partner als wichtigen Repräsentanten im Paar für die beiden Optionen ausführlich seine Gefühle und Überlegungen ausdrücken zu lassen. Es gilt hier, die Pattsituation eine Weile auszuhalten, indem die Sorgen und Nöte des Mannes gewürdigt sowie der Wunsch der Frau nach einer vaginalen Geburt und ihr damit einhergehendes Kompetenzgefühl positiv konnotiert werden. So wird beiden Partnern in diesem Paarprozess derselbe Respekt entgegengebracht. Ein weiterer Aspekt ist die Vorbereitung auf den Fall einer sekundären Sectio, sodass sich, falls diese eintritt, nicht (nur) ein Gefühl von Niederlage breit macht. Der authentisch unternommene Versuch zur vaginalen Geburt soll im Zentrum stehen, und ein Gefühl der Selbststärkung soll nicht nur aus dem Gelingen der vaginalen Geburt, sondern aus dem Sicheinlassen in den Gebärprozess erfolgen. Bedeutung der Wahlmöglichkeit für die Eltern Im Dezember letzten Jahres waren drei erstgebärende Frauen mit Kindern in Steisslage gekommen: Die erste hatte eine nicht gelungene Wendung und gebar nach einer Einleitung bei T + 12 problemlos ihr Kind aus Steisslage. Die zweite wünschte keinen Wendungsversuch, kam bei T + 9 mit spontanen Wehen und hatte schon früh in der Eröffnungsperiode ein suspektes CTG mit grünem Fruchtwasser. Bei Muttermunderöffnung von 9 cm kam es wegen suspektem bis pathologischem CTG und Nichttiefertreten des Steisses zur sekundären Sectio. Die dritte Frau wünschte eine äussere Wendung, und als diese nicht gelang, entschloss sie sich zur primär geplanten Sectio. Diese drei Situationen sollen aufzeigen, dass es bei dem hier vorgestellten Konzept zum Prozedere bei BEL darum geht, den Frauen wieder Optionen zu eröffnen – Optionen, die sie selbst stark mitgestaltet haben. Es ist meine Erfahrung, dass es diese Beteiligung am Prozess ist, die Frauen auch beim Umstellen auf eine sekundäre Sectio oder beim Planen der primären Sectio ein Gefühl der Zufriedenheit gibt. Literaturtipps der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Institut für Hebammen, zusammengestellt von Cynthia Meili-Hauser, Dozentin und Co-Leiterin Kompetenzgruppe Skills am Bachelorstudiengang Hebamme Opitz-Kreuter S, Rakos E (2015) Regelwidriger Geburtsmechanismus In: Mändle C, Opitz-Kreuter S: Das Hebammenbuch. Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe. Stuttgart: Schattauer In der neu überarbeiteten 6. Auflage des Hebammen­ buches beschreiben die Autorinnen die wesentlichen Grundlagen zu Einteilung, Formen, Diagnostik, Geburtsmodus und Management der Beckenendlage (BEL). Auch sie weisen auf die unter anderem in Folge der HannahStudie (Term Breech Trial, Hannah et al.) stetig ansteigende Rate von primären Kaiserschnitten hin, obwohl in Folgestudien keine signifikante erhöhte Morbidität und Mortalität des Kindes nach vaginaler Geburt aus BEL nachgewiesen werden konnte. Sie integrieren kurz die Möglichkeiten und Voraussetzungen zur manuellen äusseren Wendung und erklären sehr gerafft einige nicht invasive komplementäre Methoden zur Wendung des Kindes. Der Leitung und des Managements der vaginalen Geburt aus BEL widmen sich die Autorinnen genauso ausführlich wie der bebilderten Beschreibung der verschiedenen Manualhilfen und Armlösungen. Leider verfügt die neue Auflage in diesem Kapitel nicht über neues Bildmaterial. Neu hinzugekommen ist der Hinweis auf die Bedeutung von regelmässigem Simu­ lationstraining, um die Überprüfung der Situation aller Beteiligten und die Manöver sowie die Handgriffe im Notfall wirklich zu beherrschen. Literatur Die vollständige Literaturliste kann zusammen mit zwei Abbildungen heruntergeladen werden unter www.hebamme.ch › Aktuelles 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 9 Literaturtipps Harder U, Rockel-Loenhoff A (2013) Beckenendlage In: Stiefel A, Geist C, Harder U (Hrsg.): Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. 5. überarbeitete und erweiterte Auflage, 445–455. Stuttgart: Hippokrates Im Kapitel über die BEL geben die Autorinnen eine anschauliche Übersicht über deren Einteilung und Formen, die verschiedenen Geburtsmodi sowie die veränderte Geburts­ mechanik und die Geburtsleitung bei der spontanen Geburt aus BEL. Sie thematisieren die Rolle der Hebamme bei der Beratung und Information der Schwangeren bezüglich der Wahl und Indikation des Geburtsmodus. Die Beratung und Anleitung der Frauen bezüglich alternativer Wendungs­ methoden wird in anderen Kapiteln des Buches beschrieben. Die üblichen Handgriffe zur Kopfentwicklung und die Manualhilfen sind bebildert und verständlich erklärt. Die Bedeutung der aufrechten Gebärhaltungen und des Vierfüsslerstandes als komplikationsarme und physio­ logischste Gebärpositionen werden zwar erwähnt, leider aber nicht bebildert dargestellt. daher empfehlungswert und gewinnt bei der Renaissance der vaginalen Geburt aus BEL vermutlich wieder an Bedeutung. Es kombiniert die reichen persönlichen Erfahrungen der Autoren im präpartalen und peripartalen Management der Geburt aus BEL mit statistischen Untersuchungen aus mehreren Dekaden. Betont wird insbesondere die Wichtigkeit einer sorgfältigen Risikoabklärung und Beratung der Frau in der Schwangerschaft. Als Standard für die Geburt aus BEL definieren die Autoren eine expektative Geburts­ leitung mit der Option zur sekundären Sectio caesarea. Die Voraussetzung der Anwesenheit eines gut ausgebil­ deten und erfahrenen interdisziplinären Teams und gut organisierten Rahmenbedingungen seien ebenso entscheidend für ein positives Outcome. Den zunehmenden Mangel oder Verlust von Erfahrungswissen von Geburtshelferinnen und Geburtshelfern sowie Hebammen sehen sie klar im Zusammenhang mit den beschriebenen erhöhten Risiken der vaginalen BEL-Geburt und den vermehrten Entscheiden zur primären Sectio caesarea bei einem Kind in BEL. Krause M (2006) Feige A, Krause M (2011) Beckenendlage In: Schneider H, Husslein P, Schneider KTM (Hrsg.): Die Geburtshilfe. 4. Auflage, 942–958. Berlin, Heidelberg: Springer Die Autoren beschreiben ausführlich allgemeine Grund­ lagen rund um die Entstehung, Formen, Prädispositionen und Diagnostik der BEL. Eine Schlüsselposition wird bei der Planung des Geburtsprozederes der präpartalen (ärztlichen) Begleitung und Beratung mit entsprechender Risikoselektion beigemessen. Indikation und Durchführung der äusseren manuellen Wendung unter Berücksichtigung maternaler und perinatologischer Risiken und deren Auswirkungen auf das Kind werden ebenso dargelegt wie die verschiedenen Einflussfaktoren auf eine vaginale Geburt aus BEL. Die Autoren betonen speziell die Notwendigkeit eines eingespielten, erfahrenen geburtshilflichen Teams bei der Geburtsleitung. Die gezielte und kontrollierte Anwendung der verschiedenen Handgriffe und Manöver wird sehr ausführlich, leider aber nicht bebildert dargestellt. Die Kontroverse über die nach der Publikation der Hannah-Studie (2000) ausgelöste Empfehlung der primären Sectio bei BEL und deren Widerruf (2005) aufgrund gravierender methodischer Mängel besagter Studie wird eindrücklich beschrieben. Feige A, Krause M (1998) Beckenendlage München: Urban & Schwarzenberg Dieses ausführliche Standardwerk wurde seit 1998 leider nicht mehr neu aufgelegt. Wesentliche Auszüge davon sind in bereits genannten Werken (zum Beispiel Schneider / Husslein «Die Geburtshilfe» und Opitz-Kreuter / Rakos «Das Hebammenbuch») aufgenommen worden. Es ist 10 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Term Breech Trial: Aufstieg und Fall einer nationalen, multizentrisch randomisierten, kontrollierten Studie – eine kritische Bilanz Z Geburtsh Neonatol 2006; 210(4): 121–125. DOI 10.1055/s-2006-947215 Wer mehr über die Hintergründe, Auswirkungen und methodischen Mängel der Hannah-Studie (2000) erfahren möchte, dem empfiehlt sich die Zusammenfassung der kri­ tischen Beurteilung der Studie durch Dr. med. M. Krause, einem renommierten Geburtshelfer mit viel Erfahrung im Bereich spezieller Geburtshilfe und in der Leitung von spontanen Geburten aus BEL. Herunterzuladen unter www.thieme-connect.com/products/ejournals/ abstract/10.1055/s-2006-947215 Bunse S (2013) Die Beckenendlage: physiologische Längslage Deutsche Hebammen Zeitschrift 12/2013: 55–59 In ihrem Artikel fasst die Autorin Erkenntnisse aus interna­ tionalen Studien der Jahre 2003 bis 2013 zusammen. Dabei beschreibt sie die Hintergründe des Anstiegs der Sectiorate bei BEL in den letzten zwei Dekaden ebenso wie den dezenten Richtungswechsel in den aktuellen Empfehlungen in Deutschland. Sie erläutert kurz die Grundlagen zum Verständnis der Geburtsmechanik der Geburt aus BEL. Ergebnisse aus der Recherche diverser wissenschaftlicher Artikel zum Vergleich der Outcome-Parameter – perinatale und neonatale Mortalität und Morbidität sowie Langzeit-Outcome der Kinder, Geburtstraumata, Erfahrungen der Teams – bei geplanter vaginaler BEL-Geburt und geplanter Sectio caesarea werden verglichen und diskutiert. Die Autorin bemängelt den erschwerten und mit erheblichem finanziellen Aufwand verbundenen Zugang zu hebammenspezi­fischen, wissenschaftlichen Artikeln und den Mangel an wissenschaftlichen Studien qualitativer Art, die insbesondere die Erfahrungen der Gebärenden mit unterschiedlichen Betreuungsformen und Geburtsmodi bei BEL-Geburten untersuchen. Mosaik Wie sich Hebammen vor Haftung und Strafbarkeit schützen können Hebammen können eine Frau mit speziellen Wünschen begleiten, ohne rechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Wesentlich dabei ist, dass der Frau vorgängig verständlich und deutlich vermittelt wird, worauf sie sich bei der Wahl der Betreuung oder dem Verzicht darauf einlässt. Es ist empfehlenswert, das Aufklärungsgespräch und den Hinweis auf negative Folgen eines Behandlungsverzichts schriftlich festzuhalten und von der Frau unterzeichnen zu lassen. Ursina Pally Hofmann und Claudia Wyss-Cozza Als Hebamme sieht sich Frau regelmässig mit der Frage konfrontiert, wie sie sich verhalten soll, um den Ansprüchen der zu betreuenden Frau gerecht zu werden, ohne sich haft- oder strafbar zu machen. Die Frau wünscht beispielsweise eine Behandlung, die medizinisch nicht indiziert ist. Es kommt aber auch vor, dass die Frau eine Behandlung ablehnt, obwohl diese ihr oder dem ungeborenen Kind Nutzen bringen würde. So gibt es Frauen, die zum Beispiel nur eine Minimalkontrolle in der Schwangerschaft wünschen und deshalb nicht möchten, dass alle medizinisch notwendigen Untersuchungen durchgeführt werden. Die Hebamme ist als Fachfrau in der Lage zu entscheiden, ob und wenn ja, welcher Eingriff medizinisch sinnvoll beziehungsweise notwendig ist. Die Entscheidung betreffend Behandlung oder Verzicht darauf hängt aber nicht nur von medizinischen Fakten ab. Ebenso haben Wertvorstellungen, Erfahrungen und Ängste der Frau Einfluss darauf. Auch die Folgen einer Behandlung oder des Verzichts darauf trägt die Frau. Deshalb kann nur sie selbst entscheiden, ob sie diese durchführen lassen will. Aufklärung und Einwilligung Mit der Aufklärung und Einwilligung wird das Selbstbestimmungsrecht der Frau gewährleistet. Sie alleine darf darüber entscheiden, ob sie einen Eingriff in ihre körperliche Unversehrtheit geschehen lassen will [ 1 ]. Das Selbstbestimmungsrecht geht dem körperlichen Wohl vor. Es ist deshalb nicht erlaubt, eine Frau gegen ihren Willen zu behandeln, auch wenn das zugunsten ihrer eigenen Gesundheit oder derjenigen ihres ungeborenen Kindes notwendig wäre [ 2 ]. So darf die Frau weder untersucht noch behandelt werden, wenn sie es nicht wünscht. Das gilt für alle Arten von Untersuchungen wie vaginale Untersuchung, Auskultation der Herztöne, Ultraschallunter­ suchung, Kontrolle des Urins usw. Auch eine Behandlung, beispielsweise das Durchführen eines Dammschnittes oder einer Sectio, darf ohne Einwilligung der Frau nicht vorgenommen werden. Behandelt die Hebamme eine Frau gegen deren Willen, macht sie sich strafbar. Kommt es bei der Behandlung zu einem Schaden, haftet sie dafür. Kriterien für die Urteilsfähigkeit Um entscheiden zu können, ob sie eine Behandlung wünscht, muss die Frau in die Lage versetzt werden, auch die medizinischen Fakten zu kennen und zu verstehen. Sie muss nach der Aufklärung die Vor- und Nachteile einer Behandlung für sich persönlich abschätzen können [ 3 ]. Es gibt Frauen, die eine solche Entscheidung nicht treffen können. Dazu gehören Kinder und unter Umständen auch noch sehr junge Teenagerinnen, Frauen, die im Koma liegen, aber auch Frauen unter der Geburt, wenn der Einfluss von Schmerzen, Ängsten und Medikamenten die Urteilsfähigkeit trübt [ 4 ]. Es gibt keine einfachen Kriterien, mittels denen die Urteilsfähigkeit festgestellt werden kann. Vermutungsweise sind alle Menschen urteilsfähig, sofern das nicht aufgrund ihres Kindesalters oder einer Geisteskrankheit grundsätzlich verneint werden muss [ 5 ]. Die Hebamme darf im Normalfall davon ausgehen, dass eine erwachsene Frau urteilsfähig ist. Bestehen diesbezüglich Zweifel, ist im Einzelfall zu prüfen, ob die Urteilsfähigkeit gegeben ist. Die Hebamme hat abzuschätzen, ob eine Frau nach den folgenden Kriterien in der Lage ist, eine Entscheidung zu treffen. Diese Überlegungen sollen in der Krankengeschichte festgehalten werden. So lässt sich bei einer späteren Diskussion nachweisen, auf welche Feststellungen sich die Einschätzung der Hebamme stützte. Aufgepasst bei jungen Teenagerinnen Eine Abklärung der Urteilsfähigkeit ist im Rahmen der geburtshilflichen Betreuung vor allem bei jungen Teenagerinnen angezeigt. Denn auch minderjährige Frauen, das sind Frauen unter 18 Jahren, dürfen über die Durch- 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 11 Mosaik führung oder das Unterlassen einer medizinischen Behandlung selbst entscheiden, sofern sie urteilsfähig sind. Es gibt keine feste Altersgrenze, ab wann man von Minderjährigen Urteilsfähigkeit erwarten kann. Ab einem Alter von 16 Jahren ist davon auszugehen, dass die Urteilsfähigkeit für nicht allzu schwerwiegende Eingriffe vorliegt. Nur wenn nicht vom Vorliegen der Urteilsfähigkeit ausgegangen werden darf oder wenn Zweifel bestehen, sind die gesetzlichen Vertreter der Minderjährigen zu involvieren und aufzuklären. Diese – meist die Eltern gemeinsam oder ein Elternteil alleine [ 6 ] – haben dann zu entscheiden, wie vorgegangen wird. Auch wenn der gesetzliche Vertreter entscheidet, ist die Meinung der Minderjährigen einzuholen und möglichst weitgehend zu berücksichtigen [ 7 ]. Sollte die elterliche Vertretung nicht im Interesse der Minderjährigen ausgeübt werden, kann sich die Hebamme an die Kindesschutzbehörde wenden [ 8 ]. Urteilsfähigkeit ist gegeben, wenn eine Person vernunftgemäss handeln kann. Sie muss in der Folge nicht vernünftig handeln, sondern es genügt, dass sie es könnte. Das bedeutet nun, dass eine urteilsfähige Frau auf eine Behandlung verzichten darf, auch wenn dies aus objektiven Gründen nicht vernünftig erscheint. Bestehen betreffend Urteilsfähigkeit Zweifel, muss geprüft werden, ob die Frau in der Lage ist, ihre Situation einzuschätzen und sich über das weitere Vorgehen einen Willen zu bilden (Willensbildungsfähigkeit). Als zweite Voraussetzung muss sie sich diesem Willen entsprechend verhalten können (Willensumsetzungsfähigkeit) [ 9 ]. Je nach Komplexität der Situation, in der eine Entscheidung gefällt werden muss, ist eine Frau urteilsfähig oder nicht. Wie bei Urteilsunfähigkeit reagiert werden kann Eine urteilsunfähige Frau kann weder aufgeklärt werden noch ist es möglich, ihre Einwilligung einzuholen. Verschiedene Möglichkeiten stehen in dieser Situation zur Verfügung: – Die Frau hat ihren Willen zu einem Zeitpunkt bekannt gegeben, in dem sie urteilsfähig war: Dieser Wille ist zu befolgen, sofern er bekannt ist, weil er zum Beispiel in einer Patientenverfügung festgehalten wurde oder aus früheren Gesprächen mit der Hebamme hervorgegangen ist [ 10 ]. – Der Wille der Frau ist nicht bekannt, und es ist möglich, innert nützlicher Frist einen gesetzlichen Ver­ treter für medizinische Behandlungen zu erreichen: Der Vertreter ist aufzuklären und hat die Einwilligung zu geben. Allerdings darf er nur im Interesse der Frau entscheiden, und er hat allfällige Anordnungen in der Patientenverfügung zu beachten [ 11 ]. Bestehen Unklarheiten im Zusammenhang mit der Vertretung, kann die Erwachsenenschutzbehörde eingeschaltet werden [ 12 ]. Als Vertreter kommen in absteigender Reihenfolge in Frage: die in der Patientenverfügung genannte Person; ein Beistand mit Vertretungsmacht; Ehegatte oder eingetragener Partner, der mit der Frau in einem gemeinsamen Haushalt wohnt und ihr Beistand leistet; eine andere Person in gemeinsamem Haushalt lebend und Beistand leistend usw. [ 13 ] 12 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 – Der Wille der Frau ist nicht bekannt, und es ist nicht möglich, in nützlicher Frist einen Vertreter zu erreichen: Die Hebamme entscheidet selbst, muss dabei aber den mutmasslichen Willen der Frau berücksich­ tigen und ihre Interessen vertreten [ 14 ]. Auch die urteilsunfähige Frau ist soweit möglich in die Entscheidungsfindung einzubeziehen [ 15 ]. Untersuchung, Befund und Diagnose Die Aufklärung ist genügend, wenn der Frau die medizinischen Fakten vermittelt werden. Politische oder standespolitische Erwägungen, persönliche und medizinisch nicht erhärtete Einschätzungen haben darin keinen Platz. Es geht alleine darum, der Frau eine medizinische Entscheidungsbasis zur Verfügung zu stellen. Es ist aber erlaubt, der Frau auf Nachfragen zusätzlich eine persönliche Einschätzung und eigene Erfahrungen zu vermitteln und diese als persönliche Meinung benennen. Falls die Frau ihre Einwilligung zu einer Untersuchung gegeben hat, ist sie nach deren Durchführung darüber aufzuklären, welche Befunde erhoben wurden, welches ihre Autorinnen Ursina Pally Hofmann Dr. iur. ist Rechtsanwältin und Hebamme. Sie leitet das Kompetenzzentrum Komplexe Körperschäden der Zurich Versicherungs-Gesellschaft und ist Dozentin für Recht im Departement Gesundheit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sowie nebenamtliche Handelsrichterin im Kanton Zürich. Claudia Wyss-Cozza Lic. iur. ist Rechtsanwältin und Spezialistin Medical Claims am Kompetenz­zentrum Komplexe Körperschäden der Zurich VersicherungsGesellschaft. Bedeutung ist und welche Diagnose sich daraus ableiten lässt. Nach einer vaginalen Untersuchung ist der Frau deshalb mitzuteilen, was die Hebamme ertastet hat und welche Schlüsse sie daraus zieht. Das gilt auch für Zufallsbefunde, also Erkenntnisse, nach denen im Rahmen der Behandlung nicht gesucht wurde [ 16 ]. Über die Möglichkeit pränataler Untersuchungen ist rechtzeitig aufzuklären [ 17 ]. Vor der Durchführung von Laboruntersuchungen oder von bildgebenden Verfahren (pränatale Risikoabklärung) muss die Frau über die folgenden Punkte informiert werden [ 18 ]: – Zweck und Aussagekraft der Untersuchung – Möglichkeit eines unerwarteten Untersuchungs­ ergebnisses – mögliche Folgeuntersuchungen und -eingriffe – Informations- und Beratungsstellen für pränatale Untersuchungen Vor genetischen Untersuchungen muss die Frau von einer fachkundigen genetischen Beratung begleitet werden, wobei diese nicht direktiv durchgeführt werden darf. Die Information umfasst: Zweck, Art und Aussagekraft der Untersuchung sowie die Möglichkeit von Folgemassnahmen; mit der Untersuchung verbundene Risiken wie ein dadurch ausgelöster Abbruch der Schwangerschaft; Art und Häufigkeit der zu diagnostizierenden Störung, zum Beispiel des Down-Syndroms; die Möglichkeit eines unerwarteten Ergebnisses; mögliche physische und psychische Belastungen, die mit der Untersuchung, der Kenntnis des Ergebnisses und der Entscheidung über das weitere Vorgehen verbunden sind; mögliche Kostentragung; mögliche Unterstützung im Zusammenhang mit dem Untersuchungsergebnis; die Bedeutung der festgestellten Störung; mögliche prophylaktische oder therapeutische Behandlung für das ungeborene Kind [ 19 ]. Die Frau hat nach erfolgter Aufklärung das Recht, darüber zu entscheiden, ob sie eine pränatale Untersuchung durchführen lassen will, ob sie das Untersuchungsergebnis zur Kenntnis nehmen will, und welche Folgerungen sie aus dem Ergebnis zieht [ 20 ]. Behandlung und Verlauf Sofern eine Behandlung in Frage kommt, ist die Frau darüber zu informieren, wie diese in etwa durchgeführt wird. Bei grösseren Eingriffen und komplexen Sachverhalten kann es hilfreich sein, der Frau den Eingriff mittels Bildern oder Skizzen näher zu bringen. Man kann ihr beispielswese aufzeigen, wie ein Dammschnitt gesetzt oder wo der Schnitt bei einer Sectio geführt wird. Sie muss ebenfalls erfahren, ob eine Behandlung medizinisch indiziert ist und wie es mit der zeitlichen Dringlichkeit des Eingriffs aussieht. Je nachdem kann sie auf einen Eingriff verzichten, nämlich dann, wenn er für ihre Gesundheit nicht relevant ist, oder sie kann die Entscheidung in die Zukunft verlegen, wenn es mit der Behandlung nicht eilt, diese aber irgendwann doch notwendig wird. Der Frau ist aufzuzeigen, wie sich ihre Gesundheit und diejenige ihres Kindes entwickeln sollte, wenn ein Eingriff vorgenommen wird und auch, was die Folgen sein können, wenn sie darauf verzichtet, zum Beispiel wie sich der Heilverlauf voraussichtlich darstellt, ob sich Narben bilden werden, welche Komplikationen im Verlauf auftreten können oder ob die Einnahme von Medikamenten ansteht. Dieser Hinweis hat umso deutlicher zu erfolgen, je schwerwiegender die Folgen eines Verzichts auch für das ungeborene Kind sein können. Zeigt sich in der Kardiotokografie (CTG) ein pathologisches Muster und ist eine Sectio indiziert, muss die Frau auf eine mögliche Schädigung des Kindes hingewiesen werden. Ist die Frau über die möglichen negativen Folgen eines Behandlungsverzichts für sich oder das ungeborene Kind aufgeklärt worden und verzichtet sie dennoch, ist dieser Entscheid zu respektieren. Der Hebamme ist zu empfehlen, dieses Gespräch detailliert schriftlich festzuhalten und der Frau zur Unterzeichnung zu unterbreiten. Richtiges Aufklärungsmass der Risiken Als Risiken gelten Komplikationen, die typischerweise mit einem Eingriff verbunden sind. Dazu gehören Blutungen und Infektionen, Nervenverletzungen oder Thrombosen. Risiken treten auch auf, wenn die Behandlung selbst sorgfältig war. Deshalb kann nicht darauf geschlossen werden, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, nur weil sich ein Risiko verwirklicht hat [ 21 ]. Die Aufklärung über Risiken birgt die Gefahr, dass die Frau verunsichert wird. Ihr wird klar, dass mit einer Behandlung auch Nachteile verbunden sein können. Das ist gewollt und auch richtig, denn sollte das Risiko tatsächlich eintreten, muss die Frau damit leben. Deshalb soll sie nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken einer Behandlung in ihre Entscheidungsfindung mit einbeziehen können. Es ist wichtig, hier das richtige Mass zu finden. Über alle Risiken aufzuklären ist nicht notwendig, weil die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich verwirklichen, oft äusserst gering ist, und die gesundheitlichen Folgen ihrer Verwirklichung vernachlässigbar sind. Die Frau darf nicht so verängstigt werden, dass sie nicht mehr in der Lage ist, sich ein realistisches Bild über das Chancen-Risiko-Verhältnis zu machen. Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, über welche Risiken aufzuklären ist. Als Faustregel kann man sich merken, dass immer dann über ein Risiko aufzuklären ist, wenn es [ 22 ] – sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit verwirklicht oder wenn – die Folgen der Risikoverwirklichung für die Lebens­ führung der Frau einschneidend sind und wenn – das Risiko typischerweise mit dem Eingriff verbunden ist und wenn – die Frau nicht mit dem Risiko rechnen muss. Weil die Rechtslage nicht klar und die Risikoaufklärung deshalb mit vielen Unsicherheiten verbunden ist, werden in Aufklärungsformularen meist die häufigsten Risiken aufgeführt, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit ihrer Verwirklichung nicht allzu hoch ist und die Auswirkungen für die Lebensführung der Frau eher gering sind. 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 13 Fotolia Mosaik Da Hebammen müssen beweisen können, dass sie aufgeklärt haben und die schwangere Frau eingewilligt hat, sollten sie die Gespräche schriftlich festhalten und unterzeichnen lassen. Die Frau kann bei Alternativen wählen Grundsätzlich liegt es in der Kompetenz der Hebamme zu entscheiden, welcher Eingriff medizinisch indiziert und deshalb durchzuführen ist [ 23 ]. Liegen alternative Behandlungsmöglichkeiten vor, kann die Frau wählen, welche sie in Anspruch nehmen will. Diese Wahl kann sie nur treffen, wenn sie über alle zur Diskussion stehenden Eingriffsmöglichkeiten aufgeklärt wird, ohne in ihrer Wahl beeinflusst zu werden [ 24 ]. Alternativen sind gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten, die jeweils mit unterschiedlichen Belastungen einhergehen. Die Methoden unterscheiden sich darin, dass sie unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen bergen [ 25 ]. Beispielsweise kommt in vielen Fällen eine konservative Behandlung als Alternative zur Operation in Frage. In einer physiologischen Geburtssituation und solange sich in der Schwangerschaft keine Auffälligkeiten zeigen, gilt die Sectio nicht als Alternative zur vaginalen Geburt. Zur Alternative wird sie erst dann, wenn mit einer vaginalen Geburt erhöhte Risiken verbunden sind. Denkbar ist das unter anderem bei Vorliegen einer Plazenta prävia und je nach Situation bei Beckenendlagen. Sobald während der Schwangerschaft oder unter der Geburt Komplikationen auftreten und die Sectio als alternative Entbindungsmethode in Frage kommt, muss die Frau darüber aufgeklärt werden [ 26 ]. Die Aufklärung ist von derjenigen Person geschuldet, welche die Untersuchung beziehungsweise den Eingriff vornehmen wird. Möglich ist es aber auch, die Aufklärung einer fachlich ebenso kompetenten Kollegin zu überlassen. Fachlich kompetent ist eine Person, die den Eingriff selbst durchführen kann. Die Sectioaufklärung muss deshalb von einer Ärztin gemacht werden. 14 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Lieber früher als später aufklären Nach der Aufklärung benötigt die Frau genügend Zeit, um sich einen Willen bilden und sich entscheiden zu können. Grundsätzlich sollte so früh als möglich aufgeklärt werden [ 27 ]. Die Regel lautet, dass vor einer grossen Operation mindestens drei Tage zwischen Aufklärung und Einwilligung liegen müssen. Bei kleineren Eingriffen oder einer Narkose reicht die Aufklärung am Vortag aus, vor ambulanten Eingriffen kann am selben Tag aufgeklärt werden [ 28 ]. In der Geburtshilfe können diese Fristen meist nicht eingehalten werden, da eine Untersuchung oder ein Eingriff oft dringlich sind. Deshalb reicht es, die Frau aufzuklären, sobald absehbar ist, dass ein Eingriff notwendig werden kann. Davon ist auszugehen, wenn sich abzeichnet, dass Mutter oder Kind Gefahr droht. In einer Notfallsituation ist grundsätzlich auch eine Aufklärung geschuldet. Deren Inhalt und Umfang richten sich aber nach der jeweiligen Situation und sind meist nur noch eingeschränkt möglich. Gespräche notieren und unterschreiben lassen Abgesehen von Ausnahmefällen wie zum Beispiel in der Forschung oder vor einer Sterilisation sind Aufklärung und Einwilligung gültig, wenn sie mündlich gegeben werden [ 29 ]. Ein mündliches Aufklärungsgespräch lässt sich oft nicht beweisen. Die Hebamme hat aber den Beweis zu erbringen, dass sie aufgeklärt und die Frau eingewilligt hat [ 30 ]. Deshalb ist sehr zu empfehlen, das Gespräch schriftlich festzuhalten. Das kann mit einem Eintrag in die Krankengeschichte geschehen, wobei es nicht ausreichend ist, lediglich einen Hinweis auf das Gespräch zu machen. Vielmehr ist zu notieren, wann und wo aufgeklärt wurde, wer anwesend war, und in Stichworten auch, worüber gesprochen wurde. Die Unterschrift der Frau bestätigt das Niedergeschriebene. Für grössere Eingriffe, die häufiger durchgeführt werden – zum Beispiel eine Sectio –, werden in der Regel Formulare gestaltet. Sie enthalten die wichtigsten Fakten und lassen darüber hinaus Platz für Zeichnungen, Ergänzungen und Notizen über den Verlauf des Gesprächs. Ein solches ist immer notwendig. Es genügt nicht, der Frau kommentarlos ein Formular zur Unterschrift vorzulegen. Sie muss in einem Gespräch aufgeklärt werden und die Gelegenheit erhalten, Fragen zu stellen und diese beantworten zu lassen [ 31 ]. Aufklärungsformulare werden von den entsprechenden medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet. Das ist sinnvoll, denn es geht primär darum, festzulegen, welches die relevanten medizinischen Fakten sind. Juristische Kenntnisse sind nur ergänzend notwendig; sie sollen sicherstellen, dass das Formular vor der Richterin besteht. Mitwirkungspflicht und hypothetische Einwilligung Die Frau hat anlässlich des Aufklärungsgesprächs bekannt zu geben, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen, die einen Einfluss auf Behandlung oder Genesung haben können wie beispielsweise eine Allergie auf ein Antibiotikum. Sie hat ausserdem die Fragen der Hebamme richtig und vollständig zu beantworten und mitzuteilen, wenn sie etwas nicht versteht [ 32 ]. Der Grund dafür kann in mangelnden Sprachkenntnissen liegen. Dann ist ein Dolmetscher zu organisieren, sofern die Situation das zulässt [ 33 ]. Mangelndes Verständnis kann weiter durch den Gebrauch von Fachsprache hervorgerufen werden, weshalb diese zu vermeiden ist. Falls bei der Aufklärung ein Fehler begangen wurde und es zu einem Schaden kommt, kann sich die Hebamme auf die hypothetische Einwilligung der Frau berufen. Sie kann sich vor Haft- und Strafbarkeit schützen, indem sie vorbringt, die Frau hätte auch in die Behandlung eingewilligt, wenn sie richtig aufgeklärt worden wäre. Massgebend ist nicht, ob eine vernünftige Frau nach erfolgter Aufklärung den Eingriff hätte durchführen lassen, sondern es ist nur zu berücksichtigen, was die betroffene Frau in der damaligen Situation gewollt hätte. Hier können sich je nach deren Hintergrund und Lebensumständen grosse Unterschiede zeigen. Die Frau hat mitzuwirken und darzulegen, dass sie bei Kenntnis der Sachlage vor einem echten Entscheidungskonflikt gestanden hätte. [ 34 ] Die Aufklärung der Frau über die wirtschaftlichen Aspekte der bevorstehenden Behandlung gehört auch zu den Pflichten der Hebamme. Der Frau müssen die finanziellen Folgen von Untersuchung und Behandlung klar sein, soweit die Kosten nicht von der Krankenversicherung übernommen werden [ 35 ]. Je höher die zu tragenden Kosten sind, desto genauer muss sie darüber aufgeklärt werden. Es versteht sich von selbst, dass auch die Aufklärung über die wirtschaftlichen Folgen vor der Behandlung zu geben ist [ 36 ] , obwohl sie rechtlich der sorgfältigen Behandlung zugerechnet wird. So wird die Sorgfalt definiert Die von der Hebamme der Frau geschuldete sorgfältige Behandlung leitet sich aus dem zwischen den beiden bestehenden Vertragsverhältnis ab. Der Behandlungsvertrag zwischen einer freipraktizierenden Hebamme und der Frau gilt als einfacher Auftrag [ 37 ]. Die Pflichten der Beauftragten werden im Gesetz folgendermassen bezeichnet [ 38 ]: «Ist der Umfang des Auftrags nicht ausdrücklich bezeichnet worden, so bestimmt er sich nach der Natur des zu besorgenden Geschäfts.» Damit verweist der Gesetzgeber auf die berufstypischen Leistungen, die sogenannten Standards des jeweiligen Berufs [ 39 ]. Verlangt wird eine getreue und sorgfältige Ausführung des übernommenen Auftrags [ 40 ]. Die Sorgfalt wird nach objektiven Kriterien bestimmt; Massstab ist ein berufsspezifisches Durchschnittsverhalten. Standesrechtliche Verhaltensregeln und Usanzen können zur Beurteilung herangezogen werden [ 41 ]. Eine Hebamme handelt demnach sorgfältig, wenn sie eine Frau so behandelt, wie eine durchschnittliche Kollegin es in derselben Situation auch tun würde. Ein Abweichen von der durchschnittlichen Sorgfalt ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. Ein solcher liegt beispielsweise dann vor, wenn es keinen Behandlungsstandard für eine bestimmte Situation gibt oder wenn das Abweichen vom Standard sogar geboten ist, weil die Gesundheit von Frau und Kind nur so erhalten werden kann. Die Behandlung in einem öffentlichen Spital unterliegt einem besonderen Rechtsverhältnis, das sich aus öffentlich-rechtlichen, aber auch aus privatrechtlichen Bestimmungen zusammensetzt [ 42 ]. Die anwendbaren Standards bleiben dieselben. Medizinische Kunstregeln Das Bundesgericht definiert die Regeln der ärztlichen Kunst als Grundsätze, die von der medizinischen Wissenschaft aufgestellt wurden, die allgemein anerkannt sind und von Ärzten beziehungsweise Hebammen im All­ gemeinen befolgt und angewendet werden [ 43 ]. Will die Hebamme den mit der Frau geschlossenen Vertrag pflichtgemäss erfüllen, muss sie die ihr übertragene Arbeit sorgfältig und somit nach den anerkannten Standards – den Regeln der ärztlichen Kunst beziehungsweise Hebammenkunst – ausführen. Das bedeutet, dass die Hebamme alles tun muss, um den Erfolg, zum Beispiel die Bewahrung oder Wiederherstellung der Gesundheit von Frau und Kind, herbeizuführen. Allerdings schuldet sie diesen Erfolg nicht, denn es ist möglich, dass auch bei sorgfältigem Handeln eine Schädigung eintreten kann, weil diese andere Ursachen hat [ 4 4 ]. Die Anforderungen an die Hebamme lässt sich nicht für alle Behandlungen allgemein festlegen, sondern richtet sich nach den Umständen des Einzelfalles [ 45 ], insbesondere nach der Art des Eingriffs oder der Behandlung, den damit verbundenen Risiken, dem Ermessensspielraum, den Mitteln und der Zeit, die der Hebamme im Einzelfall zur Verfügung steht, sowie nach deren Ausbildung und Leistungsfähigkeit [ 46 ]. Ob die Sorgfalt eingehalten wurde, entscheidet die Richterin, die sich auf ein medizinisches Gutachten stützen muss. Denn sie verfügt nicht über die medizinischen Kenntnisse, um diese Beurteilung alleine vornehmen zu können [ 47 ]. Zusammengefasst bedeutet 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 15 Mosaik das nun, dass nach jeder Behandlung, aus der eine Schädigung von Mutter oder Kind resultiert, anhand der Krankengeschichte und allenfalls von Zeugen zu beurteilen ist, ob sie sorgfältig durchgeführt wurde. Von der Hebamme wird ein Höchstmass an Sorgfalt verlangt, das sich am berufsspezifischen Durchschnittsverhalten misst. Sie muss über alle Fähigkeiten verfügen, die zur entsprechenden Berufsausübung notwendig sind [ 48 ]. Die Hebamme ist selbst für ihre Weiterbildung verantwortlich. Insbesondere muss sie sich über die Fortschritte in ihrem Spezialgebiet auf dem Laufenden halten [ 49 ]. Eine ungenügende Ausbildung, zu wenig Erfahrung und Unwissenheit der neusten Erkenntnisse oder Methoden sind keine Entlastungsgründe. Die Anforderungen sind hoch. Gemäss Lehre und Rechtsprechung reichen sie bis an die Grenze des Zumutbaren [ 50 ]. Überlastung und Zeitnot sind ebenfalls keine Entlastungsgründe [ 51 ]. Arbeitet die Hebamme nicht mit gehöriger Aufmerksamkeit oder Vorsicht, liegt ein Kunst- beziehungsweise ein Behandlungsfehler vor. Wie gross ist der Ermessensspielraum? Der Entscheid, welche Behandlung durchzuführen ist – aber erst nachdem die rechtsgenügende Aufklärung gegeben und die Einwilligung der Frau eingeholt wurde –, liegt wie bereits dargestellt bei der Hebamme. Oftmals bietet sich ihr ein Ermessenspielraum in der Auswahl der entsprechenden Behandlung an: Sie kann sich für die eine oder andere Methode entscheiden. Beispielsweise obliegt es der Wahl eines Chirurgen nach Abschätzung sämtlicher Vor- und Nachteile des wählbaren Eingriffs, ob er sich für einen lapraskopischen oder offenen Eingriff entscheidet [ 52 ]. Die Hebamme kann dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden, auch wenn sich bei der nachträglichen Betrachtung herausstellt, dass es nicht die objektiv beste Lösung war. Eine Sorgfaltspflichtverletzung ist nur zu bejahen, wenn das Vorgehen der Hebamme gemäss fachlichem Wissenstand nicht mehr als vertretbar erscheint und damit ausserhalb der objektiven Hebammenkunst liegt [ 53 ]. Nicht mehr vertretbar wäre es wohl, eine Frau mit einem HELLP-Syndrom nicht in spitalärztliche Betreuung zu übergeben. Situation zum Behandlungszeitpunkt beurteilen Die Richterin beurteilt eine mögliche Sorgfaltspflichtverletzung nicht nach dem Sachverhalt, wie er sich nachträglich betrachtet darstellt. Massgebend ist vielmehr, wie die Hebamme zum Zeitpunkt, in dem sie sich für eine Behandlung entschieden oder eine solche unterlassen hat, die Situation beurteilen musste [ 54 ]. Denn es ist meist so, dass im Nachhinein mehr Informationen zur Verfügung stehen, die eine andere Entscheidung zulassen. Die Beurteilung aufgrund der Situation zum Behandlungszeitpunkt schützt Hebamme und Ärztin, weil Z wei Beispiele von unsorgfältigem Handeln Unsorgfältiges Arbeiten führt zu Strafbarkeit und/oder Haftbarkeit. Es kommt nicht darauf an, ob der Fehler leicht oder schwer ist. Falsche Behandlung bei aufgetretener Asphyxie Das Gericht ging vom Vorliegen einer Sorgfaltspflichtverletzung aus, nachdem auf eine ein­getretene Bradykardie mit Verabreichung von Oxytocin reagiert und die Geburt mittels Forceps beendet wurde. Ein solches Vorgehen ist nur erlaubt, wenn mit einer Geburt in den nächsten Minuten zu rechnen ist, was vorliegend nicht der Fall war. Die Geburt dauerte nach der Verabreichung von Oxytocin noch 30 bis 35 Minuten. Sorgfältig wäre es gewesen, in dieser Situation mit einer intrauterinen Reanimation, das heisst einer Akuttokolyse durch Verabreichung von wehenhemmenden Mitteln und einem eventuellen Hochschieben des kindlichen Kopfes zur Druckentlastung zu reagieren. Falls möglich, hätte nach der Gabe von Wehenmitteln eine sofortige vaginal-operative Entbindung durchgeführt werden müssen [ 66 ]. Zu spät interveniert bei suspektem bis pathologischem CTG Das Bundesgericht hatte einen Fall zu beurteilen [ 67 ], in dem eine Schadenhöhe von 13 Mio. CHF eingeklagt wurde. Trotz Vorliegen eines abklärungsbedürftigen CTG, das sich durch konser­ vative Massnahmen nicht korrigieren liess, unterliess der Assistenzarzt den Beizug eines Oberarztes. Bis zur Geburt war nie ein vorgesetzter Arzt im Gebärsaal. Es fehlte trotz suspektem CTG an einer kontinuierlichen Aufzeichnung der kindlichen Herztöne. Die lückenhafte Aufzeichnung bei kaum fortschreitendem Geburtsverlauf und auffälligem Herzfrequenzmuster wurde vom Gericht als Sorgfaltspflichtverletzung beurteilt. Trotz zunehmender potenzieller Gefährdung des Kindes erfolgte keine Beurteilung und Klärung des Zustandes durch eine Mikro­blutuntersuchung. Es wurde auch keine Sectio vorgenommen, was ebenfalls als Sorgfaltspflichtverletztung beurteilt wurde. Die im Gebärsaal teilweise anwesende Hebamme hatte noch eine weitere Geburt zu betreuen. Die mangelnde Betreuung, die nicht vollständig angeordnete Sectiobereitschaft sowie die später nicht eingeleitete Sectio stellen gemäss Urteil einen Behandlungsfehler dar. Das Kind verstarb im Alter von 14 Jahren. 16 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 spätere Erkenntnisse und nachträglich bekannt gewordene Tatsachen nicht berücksichtigt werden dürfen. In der Praxis lässt sich aber immer wieder feststellen, dass die Richterin oder die zur Beurteilung beigezogene Gutachterin geneigt sind, einen Sachverhalt vor dem Hintergrund des heute bekannten Wissensstandes und in Kenntnis des sich zugetragenen Schadens zu beurteilen oder sich davon beeinflussen zu lassen (sogenannte Rückschaufehler [ 55 ]). Aus diesem Grund sind echtzeit­ liche Aufzeichnungen in der Krankengeschichte eine grosse Hilfe bei der Beurteilung. Übernahmeverschulden, Beweis und Kausalität Übernimmt die Hebamme eine Behandlung, die ihre fachlichen Fähigkeiten und ihre Sachkunde übersteigt und überschätzt sie dadurch ihre eigenen Fähigkeiten, macht sie sich haft- oder strafbar, wenn aus diesem Grund eine Schädigung eintritt. Das rechtzeitige Hinzuziehen einer Gynäkologin oder gar einer anderen ärztlichen Spezialistin oder die Überweisung der Frau in ein für die notwendige Behandlung ausgestattetes Krankenhaus liegen im Verantwortungsbereich der Hebamme [ 56 ]. Unterlässt sie dies, handelt sie unsorgfältig. Die Beweislast für das Vorliegen des Behandlungsfehlers der Hebamme liegt bei der Frau [ 57 ]. Dies im Gegensatz zu der beschriebenen Aufklärungspflichtverletzung, die von der Hebamme zu beweisen ist. An dieser Stelle sei bemerkt, dass sich der Beweis grundsätzlich einfacher führen lässt, wenn schriftliche Aufzeichnungen vorhanden sind. Der Zeugenbeweis ist vor Gericht zwar zulässig, aber es zeigt sich immer wieder, dass Darstellungen aus der Erinnerung der betroffenen Personen ungenau sind. Helfen kann das Anfertigen eines Gedächtnisprotokolls. Jede an der Behandlung beteiligte Person sollte sich möglichst bald nach dem unerwünschten Ausgang einer Behandlung darum bemühen, die Ereignisse und Abläufe aus eigener Sicht darzustellen. In einem Gerichtsverfahren, das meist erst viele Jahre später stattfindet, können solche Protokolle von erheblichem Beweiswert sein, weil Zeugenaussagen durch diese gestützt werden. Die Hebamme kann für ihr Verhalten nur zur Rechenschaft gezogen werden, wenn zwischen ihrer unsorgfältigen Behandlung und dem bei der Frau eingetretenen Schaden ein Zusammenhang besteht [ 58 ]. Die unsorg­ fältige Behandlung muss also die Ursache für die Schä­ digung sein. Kann nicht festgestellt werden, dass ein unsorgfältiges Vorgehen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit den Schaden verursacht hat, kommt es weder zur Haftung noch zur Strafbarkeit. Wie viel Freiheit lässt die Behandlungspflicht? Die Frau, die sich zur Hebamme in Behandlung begibt, begründet mit dieser ein Vertragsverhältnis; die beiden schliessen wie bereits erwähnt einen Auftrag ab [ 59 ]. Die Hebamme verpflichtet sich, die Frau sorgfältig zu behandeln – aber immer unter der Voraussetzung, dass die Frau in jede Behandlung einzeln einwilligt. Die Begründung eines Behandlungsvertrags gilt deshalb nicht als generelle Erlaubnis, eine Frau zu behandeln. Die Frau hat der Hebamme ein Honorar zu bezahlen. Daneben gibt es noch weitere Pflichten, auf die hier aber nicht eingegangen wird. Die Hebamme ist nicht verpflichtet, mit einer schwangeren Frau einen Behandlungsvertrag abzuschliessen. Beide haben zudem das Recht, jederzeit vom Vertrag zurückzutreten beziehungsweise ihn zu kündigen. Dies gilt nicht, wenn die Kündigung zu Unzeiten erfolgt und der anderen Partei daraus ein Nachteil erwächst [ 60 ]. Das ist denkbar, wenn die Hebamme den Behandlungsvertrag während einer Geburt kündigt, die Frau daraufhin verlässt und wenn es der Frau nicht mehr möglich ist, Ersatz zu organisieren. Das jederzeitige Kündigungsrecht bedeutet für die Hebamme, dass sie eine Frau, deren Wünsche und Weisungen sie nicht befolgen möchte, nicht weiter behandeln muss, sofern diese durch die Auflösung des Vertrags nicht in eine medizinische Notlage gerät. Anders stellt sich die Situation dar, wenn die Hebamme im Spital arbeitet und eine Aufnahmepflicht besteht [ 61 ]. Selbst wenn sie mit den Wünschen der Frau nicht einverstanden ist, hat sie diese zusammen mit dem Behandlungsteam zu respektieren und die Frau entsprechend zu begleiten. In solchen Situationen ist es wichtig, der Frau zu vermitteln, dass sie sich selbst und/oder ihr Kind gefährdet, wenn das der Fall ist. Je nach Dringlichkeit und Gefahrenlage für das Kind darf die Hebamme sehr deutlich werden und gemäss einem Urteil aus Deutschland verbal bis zum Eklat gehen [ 62 ]. Grundsätzlich keine Zwangsbehandlung Eine Zwangsbehandlung ist unter strengen Voraussetzungen möglich. Sie darf nur im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung durchgeführt werden. Das setzt voraus, dass die Frau entweder unter einer psychischen Störung leidet, geistig behindert oder schwer verwahrlost ist. Dann kann sie von einem Arzt oder der Erwachsenenschutzbehörde in einer geeigneten Einrichtung untergebracht werden, wenn die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders erfolgen kann [ 63 ]. Nur die betroffene Frau selbst kann – sofern sie urteilsfähig ist – in eine Behandlung einwilligen [ 64 ]. Bei fehlender Zustimmung kann der Chefarzt der Abteilung die im Behandlungsplan vorgesehenen medizinischen Massnahmen im Sinne einer Zwangsbehandlung schriftlich anordnen, wenn die folgenden Voraussetzungen gegeben sind: Ohne Behandlung droht der Frau ein ernsthafter gesundheit­ licher Schaden oder Dritte sind ernsthaft gefährdet; die betroffene Person ist urteilsunfähig; es steht keine weniger einschneidende Massnahme zur Verfügung [ 65 ]. Zusam­mengefasst ist davon auszugehen, dass eine Zwangsbehandlung in der Geburtshilfe grundsätzlich keinen Platz hat. Literatur Die vollständige Literaturliste kann heruntergeladen werden unter www.hebamme.ch › Aktuelles 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 17 Mosaik Moralische Kompetenzen von Hebammen fördern In der Geburtshilfe sind moralische Probleme relativ häufig anzutreffen. Dabei ist eine zunehmende Zahl an komplexen Fällen zu beobachten, die in einem Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt stehen, beispielsweise in der Pränataldiagnostik. Die Berner Fachhochschule hat zusammen mit Fachhochschulen und Kliniken aus Finnland und Estland ein Projekt lanciert, um mit einem neuen Modell für den Ethikunterricht die moralischen Kompetenzen von Hebammen zu stärken. Stephan Oelhafen, Ursula Hölzli Reid, Eva Cignacco Müller Typisch für komplexe klinische Situationen ist, dass keine Entscheidungsalternative eindeutig als moralisch richtig eingestuft werden kann. Deshalb bedarf es einer ausgewogenen Analyse der Situation, um eine Entscheidung zu fällen. Ethische Theorien, der Ethikkodex der International Confederation of Midwives (ICM) oder institutionelle Richtlinien können zwar helfen, das Problem zu struk­ turieren. Es ist jedoch immer auch eine individuelle Beurteilung der Situation erforderlich. Gesundheitsfachpersonen benötigen folglich nicht nur kognitive Fähigkeiten, um ethische Theorie und Praxis zu verknüpfen, sondern es gilt vor allem, die verschiedenen Bedürfnisse aller beteiligten Personen beziehungsweise des ungeborenen Kindes in ausgewogener Weise bei der Entscheidungs­ findung zu berücksichtigen. Häufiger sind aber im klinischen Alltag Situationen, bei denen sich bei Gesundheitsfachpersonen unmittelbar das Gefühl einstellt, dass ein moralisches Fehlverhalten vorliegt [ 1 ]. Dabei handelt es sich typischerweise um Konstellationen, in denen der Zeitdruck und die Entscheidungsautonomie nicht vereinbar sind oder in denen Entscheidungen hierarchiegeleitet und nicht evidenzbasiert gefällt werden [ 2 ]. Im Gegensatz zu den komplexen Fällen, bei denen die Notwendigkeit eines Diskurses offensichtlich ist, benötigt hier beispielsweise eine Hebamme vor allem den Mut, solche systematischen Probleme anzusprechen. Dabei muss ebenso klar sein, dass fachliche Kompetenzen das Fundament ethisch korrekten Handelns darstellen. Darüber hinaus werden weitere Kompetenzen benötigt, um im Falle von moralischen Dilemmata die richtige Entscheidung zu fällen oder in Situationen, bei denen ein Verstoss vorliegt, richtig zu handeln. Einerseits mag der medizinisch-technologische Fortschritt eine Rolle gespielt haben, dass komplexe Entscheidungssituationen häufiger vorkommen und die entsprechenden Anforderungen gestiegen sind. Andererseits ist das Bewusstsein für Verletzungen der medizinethischen Prinzipien heutzutage wesentlich ausgeprägter [ 3 ]. 18 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Das Projekt startete mit Einzelinterviews Um die moralischen Kompetenzen von Hebammen zu verbessern, wurde im Rahmen des Erasmusprogramms für lebenslanges Lernen das Projekt «Increasing Ethical Competence in Midwifery Education and Practice (INEC)» lanciert. Dabei arbeitet die Berner Fachhochschule (BFH) mit Fachhochschulen und Kliniken aus Turku in Finnland und Tallinn in Estland zusammen, um ein neues Modell für den Ethikunterricht für Hebammen zu entwickeln. In einer ersten Explorationsphase wurde die gegenwärtige Situation in der Ausbildung und in der Praxis erhoben. Dazu wurden Einzelinterviews mit Hebammen, Dozentinnen und Dozenten sowie Hebammenstudentinnen durchgeführt. Im Fokus standen dabei die Fragen, mit welchen Anforderungen Hebammenstudentinnen konfrontiert sind, welche moralischen Kompetenzen in der Ausbildung vermehrt im Fokus stehen sollten und wie diese besser gefördert werden könnten. Für die Inhaltsanalyse dieser Interviews standen moralische Kompetenzen oder didaktische Mittel zur Umsetzung im Ethikunterricht im Vordergrund. Ziel war es, den Ethikunterricht für Hebammen auf Grundlage dieser Aussagen so weiterzuentwickeln, dass er den formulierten Anforderungen an moralischen Kompetenzen gerecht wird. Nur Theorie zu vermitteln, reicht nicht Gemäss den Erhebungen erkennen Hebammenstudentinnen, wenn ein moralisches Problem vorliegt. Sie haben aber mitunter Schwierigkeiten, diese moralische Intuition zu versprachlichen, das heisst, die moralischen Aspekte einer Situation mit der gelernten Theorie zu verknüpfen. Für Ethikvorlesungen bedeutet dies, dass das Vermitteln von ethischen Theorien oder Entscheidungsfindungsmodellen alleine nur wenig hilfreich ist. Bleibt die Theorie isoliert, fällt es den Studentinnen tatsächlich schwer, das gelernte Wissen in einer konkreten Situation anzuwenden. Eine Studentin brachte die wichtige Frage auf, wozu das Wissen denn dienen sollte, wenn eine individuelle Person wenig ausrichten könne. Damit wird eine gewisse Machtlosigkeit ausgedrückt, die in der gegenwärtigen Literatur im Zusammenhang mit moralischem Stress diskutiert wird. Für Betroffene kann es sehr belastend sein, wenn sie zum Beispiel aufgrund institutioneller Einschränkungen nicht gemäss ihrer eigenen moralischen Entscheidung handeln können. In solchen Situationen braucht es Mut, um moralische Probleme anzusprechen oder kritische Fragen zu stellen. Wenn die moralischen Aspekte einer Situation erkannt sind und das Problem angesprochen ist, geht es darum, gemeinsam eine Entscheidung zu finden. Gemäss der Untersuchung ist dazu vor allem die Perspektiveneinnahme für die verschiedenen Positionen involvierter Personen gefragt. Das Üben dieses Perspektivenwechsels ist zudem eng verknüpft mit der Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und moralischen Überzeugungen. Diese Reflexion scheint eine Grundvoraussetzung zu sein, um überhaupt moralisch korrekt handeln zu können. Sich mit den eigenen Werten auseinandersetzen Basierend auf den Aussagen der interviewten Personen und der aktuellen Literatur wurden verschiedene Lehrveranstaltungen des Bachelorstudiengangs Hebamme an der BFH modifiziert oder neu konzipiert. Diese Lehrveranstaltungen des ersten und zweiten Studienjahres werden in den nächsten Monaten pilotiert und evaluiert. Da die Konfrontation mit eigenen persönlichen Werten die Grundlage für jedes moralische Handeln darstellt, wird in der ersten Lehrveranstaltung eine Auseinandersetzung mit persönlichen, aber auch mit den professionellen Werten und mit dem Ethikkodex des ICM angestrebt. Dabei wird anhand einer problembasierten Aufgabe ein Fall bearbeitet, in dem die Werte aller beteiligter Personen ausgearbeitet werden müssen, um die Situation beurteilen zu können. In der nachfolgenden Vorlesung wird angestrebt, dass die Theorie eng mit der Praxis verknüpft wird. Konkret sollen ethische Theorien nicht einfach nur verstanden werden, sondern es wird auch thematisiert, inwiefern ethische Theorien und Kodizes im Arbeitsalltag nützlich sein können. Die ethischen Theorien wiederum sollen greifbarer gemacht werden, indem sie auf das immer gleiche Fallbeispiel angewendet und so auch die unterschiedlichen Konsequenzen offenbar werden. In einem Fachforum, das den Ethikunterricht im ersten Studienjahr abschliesst, soll vor dem ersten Praktikum auch der moralische Stress thematisiert werden. Dabei werden das Konzept erläutert und konkrete Handlungsalternativen aufgezeigt, die im Falle einer moralischen Stresserfahrung hilfreich sind. Verschiedene Perspektiven als Handlungsgrundlage Im zweiten Studienjahr wird das Verknüpfen von Theorie und konkretem Fallbeispiel wie auch das Benennen von moralischen Problemen ausführlicher thematisiert. In einem achtstündigen Fallseminar werden dabei zuerst ethische Theorien aufgefrischt, bevor sie bei moderierten Falldiskussionen anhand von Beispielen aus der Praxis der Studentinnen angewandt werden. Das Ziel hierbei ist es, das moralische Problem oder den Konflikt mithilfe der Theorie zu benennen, die Perspektive aller beteiligten Personen einzunehmen und schliesslich eine Entscheidung für das moralische Handeln zu treffen. Die ethischen Lehrveranstaltungen im dritten Studienjahr werden vorerst nicht angepasst. Nach der Durchführung werden diese Lehrveranstaltungen evaluiert und wenn nötig erneut angepasst. Das Ziel ist es, mit den Projektpartnern ein gemeinsames Modell für den Ethikunterricht zu schaffen, das die künftigen Hebammen befähigt, moralische Situationen zu erkennen, zu strukturieren und die Prozesse so zu beeinflussen und zu gestalten, dass moralisches Handeln geschehen kann. Autoren Stephan Oelhafen Dr. phil, Psychologe, arbeitet an der Berner Fachhochschule als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschung und Lehre. Ursula Hölzli Reid ist Hebamme MSc und arbeitet an der Berner Fachhochschule als Dozentin im Studiengang Hebamme BSc. Eva Cignacco Müller PD Dr., Hebamme und Pflege­ wissenschaftlerin. Sie ist Forschungsleiterin der Disziplin Geburtshilfe an der Berner Fachhochschule. Literatur 1. Monteverde S: Caring for tomorrow’s workforce: Moral resilience and healthcare ethics education. Nursing Ethics 2014; advance online publication, DOI 10.1177/0969733014557140. 2. Arn C, Porz R: Klinische Ethik und Philosophie. Information Philosophie 2013; 4, 40–45. 3. L anger M: Ethische Probleme in der Geburtshilfe. In Schneider H et al., Die Geburtshilfe 2011; Springer Berlin Heidelberg, 1167–1181. Mit Unterstützung durch das Programm für lebenslanges Lernen der Europäischen Union. 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 19 Verband • Fédération An der Sitzung vom 31. März 2015 hat der SHV-Zentralvorstand … – die aktive Teilnahme der Präsidentin an diversen Anlässen (Kongress Mannheim, nationale Frauendemo und überparteiliche Veranstaltung zum Elternurlaub) mit Freude zur Kenntnis genommen. – über die Taxpunktwertverhandlungen mit der tarifsuisse ag und deren Angebot diskutiert. – eine künftige Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Erwägung gezogen. – Silvia Meyer und Christina Diebold in den redaktionellen Beirat und Carolyn Giroud Dorsaz als neue Kursbegleiterin gewählt. – die Statutenänderung der Sektion Ostschweiz genehmigt. – für die Volksabstimmung vom 14. Juni über die Ver­ fassungsänderung zur Präimplantationsdiagnostik die Stimmfreigabe entschieden (siehe auch Seite 2). – die Rechnung 2014 und das Budget 2015 zuhanden der Delegiertenversammlung verabschiedet sowie die Anträge besprochen. – entschieden, neue Mitglieder für den ZV zu rekrutieren, damit baldige Austritte aufgrund der Amtszeitbeschränkung abgefedert werden können. Barbara Stocker Kalberer, SHV-Präsidentin Lors de sa séance du 31 mars 2015, le Comité central de la FSSF a … – pris acte avec satisfaction de la participation active de la présidente à divers événements (congrès à Mannheim, manif nationale des femmes et manifestation interpartis autour du congé parental). – débattu des négociations tarifaires avec tarifsuisse sa et discuté de l’offre présentée. – évoqué l’éventualité d’une future collaboration avec la Société suisse de gynécologie et d’obstétrique. – nommé Silvia Meyer et Christina Diebold au conseil consultatif de rédaction, ainsi que Carolyn Giroud Dorsaz nouvelle accompagnatrice de cours. – approuvé la modification des statuts de la section Suisse orientale. – décidé la liberté de vote concernant la modification constitutionnelle relative au diagnostic préimplantatoire qui sera soumise au peuple le 14 juin (voir aussi page 31). 20 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 – approuvé les comptes 2014 et le budget 2015 qui seront présentés à l’Assemblée des déléguées puis discuté des propositions reçues. – décidé de recruter de nouvelles membres pour le CC afin d’anticiper les prochains départs dus à la limitation de la durée des mandats. Barbara Stocker Kalberer, présidente de la FSSF Nella riunione del 31 marzo 2015 il Comitato centrale della FSL ha … – preso atto con soddisfazione della partecipazione attiva della presidente a diverse iniziative (Congresso Mannheim, manifestazione nazionale delle donne e comitato non partitico a favore del congedo parentale). – discusso con tarifsuisse ag, nell’ambito dei negoziati sul valore del punto tariffario, circa le sue proposte. – preso in considerazione una futura collaborazione con la Società svizzera di ginecologia e ostetricia. – eletto Silvia Meyer e Christina Diebold nel comitato consultivo di redazione e Carolyn Giroud Dorsaz come nuova assistente per i corsi. – approvato la modifica dello statuto della sezione Svizzera orientale. – deciso di lasciare libertà di voto nella votazione popolare del 14 giugno sulla modifica costituzionale relativa alla diagnostica preimpianto. – approvato il rendiconto economico 2014 e il bilancio 2015 e li ha inviati all’attenzione dell’Assemblea delle delegate e ha discusso le proposte relative. – ha deciso di reclutare nuovi membri per il CC per sostituire coloro che prossimamente dovranno ritirarsi a causa della limitazione della durata del mandato. Barbara Stocker Kalberer, presidente FSL Schweizerischer Hebammenkongress Congrès suisse des sages-femmes Congresso svizzero delle levatrici Congress Center Basel / L’Entrée KommuniKation ComuniCazione CommuniCation 20. / 21.05.2015 www.hebamme.ch Impressum pf_Hebammen_Inserat A5.indd 1 20.08.14 16:55 Herausgeberin | Editeur Schweizerischer Hebammenverband (SHV) Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des SHV wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion | Fédération suisse des sages-femmes (FSSF) Les articles signés ne reflètent pas forcément l’opinion de la FSSF. Toute reproduction est soumise à autorisation de la rédaction. Redaktion | Rédaction Verantwortliche Redaktorin: Miryam Azer, Geschäftsstelle SHV, Rosenweg 25 C, Postfach, CH-3000 Bern 23, T +41 (0)31 331 35 20, [email protected] Rédaction de langue française Josianne Bodart Senn, Chemin du Bochet 4a, CH-1196 Gland, T +41 (0)22 364 24 66, N +41 (0)79 755 45 38, [email protected] Redaktioneller Beirat | Conseil rédactionnel Bénédicte Michoud Bertinotti, Viviane Luisier, Marie Blanchard, Christina Diebold, Silvia Meyer Foto Titelseite | Photo couverture Deborah Azer Layout | Graphisme www.atelierrichner.ch Jahresabonnement | Abonnement annuel Nichtmitglieder CHF 109.–, inkl. 2,5% MWST, Ausland CHF 140.–, Einzelnummer CHF 13.20, inkl. 2,5% MWST + Porto. Das Abonnement verlängert sich um ein weiteres Jahr, wenn es nicht bis zum 31. Oktober des laufenden Jahres schriftlich beim SHV gekündigt wird. | Non-membres CHF 109.–, 2,5% TVA inclue, étranger CHF 140.–, prix du numéro CHF 13.20, 2,5% TVA inclue + porto. L’abonnement est automatiquement renouvelé pour un an s’il n’est pas résilié par écrit auprès de la FSSF au 31 octobre de l’année en cours. Inseratemarketing | Régie d’annonces kömedia AG, Geltenwilenstrasse 8a, CH-9001 St. Gallen, T +41 (0)71 226 92 92, [email protected], www.kömedia.ch Druck | Impression Vogt-Schild Druck AG, Gutenbergstrasse 1, CH-4552 Derendingen, www.vsdruck.ch Papier PlanoArt 100 gm2, holzfrei, hochweiss matt, säurefrei, FSC-zer­tifiziert | PlanoArt 100 gm2, sans bois, extra-blanc mat, sans acide, certifié FSC | WEMF-beglaubigt | ISSN 1662-5862 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 21 Sektionen • Sections Sektion Zürich und Umgebung Neue Mitglieder | N ouveaux membres Sitzungen der Fachgruppe Spitalhebammen 27. Mai 2015, 25. August 2015 und 24. November 2015 Beide Basel BL/BS Neumitglieder T 061 281 01 21 Toth Stephanie, Binningen | Ille Vanessa, Lörrach (D) Aargau-Solothurn Neumitglieder T 079 208 61 21 Landis Ruth, Gebenstorf | Mattli Eva, Othmarsingen | Naegeli Madeleine, Rheinfelden | Reimann Jessica, Bergdietikon Bern Neumitglieder T 033 783 01 70 Hochuli Andrea, Bern | Molari Livia, Magglingen | Nardo Elena, Kehrsatz | Schuster Salomé, Winterthur | Wälti Stephanie, Biel | Wenger Laila, Schwarzenburg | Zaugg Sibil, Bern Ostschweiz Nouveaux membres T 071 440 18 88 Freuler Nicole, Heiden | Gayer Raphaela, Abtwil | Hardegger Agnes, Gams | Lenherr Kathrin, Wil SG Ticino Neumitglieder T 091 866 11 71 Fiore Debora, Caslano | Miccichè Verena, Ghiffa Vb (I) Vaud-Neuchâtel-Jura Nouveau membre T 079 732 06 64 Marcault Patricia, Thoiry (F) Zürich und Umgebung Neumitglied T 079 711 80 32 Bloch Fiona, Winterthur | Giebl Sabine, Bichelsee Schweizerischer Hebammenverband SHV | Fédération suisse des sages-femmes FSSF | Federazione svizzera delle levatrici FSL | Federaziun svizra da las spendreras FSS Präsidentin | Présidente Barbara Stocker Kalberer, SHV Rosenweg 25 C, Postfach, 3000 Bern 23 Sektionen | Sections Aargau-Solothurn Sula Anderegg [email protected] Eichmattweg 11, 4562 Biberist T 079 208 61 21 Beide Basel (BL/BS) Cristina Granado [email protected] Allschwilerstrasse 85, 4055 Basel T 061 281 01 21 Bern Marianne Haueter [email protected] Bunschen 171 B, 3765 Oberwil i. S. T 033 783 01 70 Fribourg Anne-Marie Pillonel [email protected] Rte de Bertigny 39, 1700 Fribourg T 078 623 52 38 22 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Lorraine Gagnaux [email protected] Ch. des Granges 30, 1730 Ecuvillens T 026 411 00 05 Marie-Gabrielle von Weber [email protected] Urenmatt, 6432 Rickenbach T 041 811 13 26, M 079 516 08 59 Géraldine Zehnder-Joliat [email protected] Ch. des Oiseaux, 1040 Villars-le-Terroir T 079 647 69 75 Genève Dany Aubert-Burri [email protected] 16, rue Henri-Mussard, 1208 Genève T 022 300 40 03, M 078 606 40 03 Ticino Francesca Coppa-Dotti [email protected] Via Raslina 5, 6763 Mairengo T 091 866 11 71 Zentralschweiz (LU/NW/OW/UR/ZG) Karien Näpflin-Defloor [email protected] Dorfhalde 40, 6033 Buchrain T 041 442 08 00, M 079 743 88 14 Oberwallis Ruth Karlen [email protected] Mühlackerstr. 26a, 3930 Visp T 027 945 15 56 Simona Pagani Scarabel [email protected] IRunch da Vigana 21, 6528 Camorino T 076 616 74 06 Carmen Zimmermann-Steiger [email protected] Gärtnerweg 20, 6010 Kriens T 041 320 63 06, M 079 565 05 82 Valais romand Daniela Sintado [email protected] Av. de Tourbillon 60, 1950 Sion T 079 471 41 60 Zürich und Umgebung (ZH/GL/SH) Stephanie Hochuli [email protected] Köschenrütistrasse 95, 8052 Zürich T 079 711 80 32 Ostschweiz (SG/TG/AR/AI/GR) Madeleine Grüninger [email protected] Weidenhofstr. 3, 9323 Steinach T 071 440 18 88, M 079 238 40 78 Schwyz Christine Fässler-Kamm [email protected] Chappelihof 26, 8863 Buttikon T 055 445 21 54, M 079 733 18 48 Isabelle Mabeau [email protected] Rte du Grand St Bernard 11, 1945 Liddes T 027 746 36 53 Vaud-Neuchâtel-Jura (VD/NE/JU) Laurence Juillerat [email protected] Route du Bugnon 21, 1823 Glion T 079 732 06 64 Sektion Geburtshäuser Section maisons de naissance Jacqueline Hartmeier [email protected] Winkelriedstrasse 56, 6003 Luzern T 079 548 81 76 Erweitern Sie Ihre beruflichen Perspektiven CAS Still- und Laktationsberatung 17 Studientage, August 2015 bis Juni 2016, 10 ECTS-Credits Fachkurs Körperarbeit im Hebammenalltag 7 Studientage, August bis Oktober 2015, 5 ECTS-Credits Alle Informationen finden Sie auf der Website. Gerne stellen wir Ihnen das Weiterbildungsprogramm auch per Post zu. Telefon +41 31 848 44 44 gesundheit.bfh.ch/weiterbildung ▶ Weiterbildung WD_HEB_Inserat_Hebamme.ch_20150507.indd 1 PR-Anzeige 27.03.2015 08:44:26 Wenn der Popo schmerzt – Windeldermatitis Zumindest in ihrer leichten Form bleibt die Windeldermatitis so gut wie keinem Kind im Windelalter erspart. Neben der typischen Rötung kann es zu Schwellungen, Knötchen, Bläschen, Pusteln, Krusten und Schuppung kommen. Der Feuchtigkeits- und Wärmestau begünstigt die Vermehrung für Erreger aller Art, seien es Pilze oder Bakterien. Durch die ständige Nässe und die toxischen Substanzen aus dem Stuhl-Urin-Gemisch wird die natürliche Hornschicht der zarten Babyhaut geschädigt und in der Folge kommt es zu den typischen entzünd­l ichen Symptomen. Bei der Therapie der Windeldermatitis stehen die Massnahmen zur Verminderung der krankheits­ begünstigenden Faktoren wie Reibung, Feuchtigkeits- und Wärmestau im Vordergrund. Empfohlen werden mindestens sechsmaliger Windelwechsel pro Tag und die Verwendung hochabsorbierender, luftdurchlässiger Wegwerfwindeln. Am besten aber längere Zeit am Tag auf Windeln verzichten. Mit lauwarmem Wasser oder OXYPLASTIN® Baby care Feuchttüchlein reinigen. Um die entzündeten Stellen vor Urin und Stuhl zu schützen, hat sich OXYPLASTIN® bestens bewährt. Bei hartnäckigen Infektionen braucht es zusätzlich ein lokales antimykotisches oder anti­bakterielles Mittel. Damit es gar nicht erst soweit kommt, tragen Sie am besten eine schützende Schicht OXYPLASTIN® Wundpaste auf. Dr. Wild & Co. AG, Hofackerstr. 8, 4132 Muttenz Telefon +41 61 279 90 00, [email protected] www.wild-pharma.com 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 23 Fort- und Weiterbildung SHV • Formation continue FSSF Kursorganisation Bildungsbeauftragte Deutschschweiz Marianne Luder-Jufer Gitziweidstrasse 7, 4932 Lotzwil, T 062 922 15 45 [email protected] Anmeldungen für SHV-Kurse schriftlich an die SHVGeschäftsstelle in Bern. Sie finden das Kursprogramm unter www.hebamme.ch Anmeldung und Evaluation Kurs 8 Die neue Broschüre der Fort- und Weiterbildung SHV 2015 / 2016 ist erschienen, und alle Kurse sind in der Rubrik Weiterbildung auf der Webseite www.hebamme.ch aufgeschaltet. Ich hoffe sehr, dass alle Hebammen in den zahlreichen Angeboten einen Kurs finden, der ihrem Interesse entspricht. Ab sofort können Sie sich online anmelden. Ich bin mir bewusst, dass es vor allem für frei berufliche Hebammen nicht immer einfach ist, sich innerhalb der gesetzten Anmeldefrist für eine Kursteilnahme zu entscheiden. Für mich als Organisatorin ist es aber zwingend notwendig, rechtzeitig über eine Kurs­ zusage respektive -absage zu entscheiden, um unnötige Kosten infolge Stornierung der Raumreservationen zu vermeiden. Die Evaluation von Fort- und Weiterbildungsangeboten ist ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung. Alle Beteiligten, Dozentinnen und Dozenten, Kursbegleiterinnen und Kursteilnehmende erstatten Rückmeldungen anhand standardisierter Evaluationspapiere. Schon einige Male ist mir beim Durchsehen der Evaluationen aufgefallen, dass Teilnehmende sich fragen, weshalb bei jeder Fortbildung am Tagesende noch dieses Papier ausgefüllt werden muss. Viele wissen nicht, was mit diesen Frage­ bogen geschieht. Ich erstelle eine Zusammenfassung aller Rückmeldungen und stelle diese dem jeweiligen Dozenten zu. Je differenzierter die Rückmeldungen ausfallen, umso einfacher ist es für mich, Defizite zu erkennen und entsprechende Veränderungen anzugehen sowie Massnahmen zu definieren und umzusetzen. Zudem sind die Rückmeldungen der Teilnehmenden ein wichtiges Kriterium in der Entscheidung, welche Angebote zukünftig in das Programm der Fort- und Weiterbildung aufgenommen werden. An dieser Stelle bedanke ich mich für viele konstruktive Feedbacks und bitte Sie weiterhin, die Evaluationsbogen auszufüllen. Dystokien und Gebärhaltungen 19. September 2015, Bern In dieser Weiterbildung liegt der Schwerpunkt auf den verschiedenen Faktoren, welche die Wirkung von Gebärbewegungen beeinflussen. Der Einfluss von Gebärhaltungen bei schwierigen Gebärsituationen und protrahierten Geburtsverläufen steht besonders im Fokus. Die Dozentin verfügt über viel Erfahrung zu diesem Thema und bezieht aktuelle Evidenzen mit ein. In dieser Weiterbildung aktualisieren Sie ihr Wissen betreffend beteiligter Körperstrukturen bei Dystokien und setzen sich mit dem gezielten Einsatz von Bewegung und Haltung bei schwierigen Geburten auseinander. Marianne Luder-Jufer 24 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Kurs 14 Kindsrecht und Kindesschutz 23. / 24. Oktober 2015, Olten Mit dem neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrecht und neuen Normen in Bezug auf die gemeinsame elterliche Sorge hat sich die Rechtssituation grundlegend verändert. In der Weiterbildung werden verschiedene Themenbereiche ausgeleuchtet und anhand von praktischen Frage­ stellungen aus dem Berufsalltag der Hebamme bearbeitet. In diesem Kurs erwerben Sie das notwendige Wissen, um Gefährdungssituationen von Kindern zu erkennen und professionell handeln zu können. Kurs 17 Harmonisierendes Bewegen und Massieren in der Schwangerschaft 14. November 2015, Hochdorf Durch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungsdruck ist den schwangeren Frauen kaum erlaubt, sich mental auf die körperlichen Geschehnisse einzulassen. Durch harmonisierendes Massieren und Bewegen nimmt die schwangere Frau die natürlichen Bedürfnisse ihres Körpers wahr. Sie erlangt dadurch physisches und psychisches Gleichgewicht und schafft Bezug zu ihrem Körper und ihrem Kind. Sie stärkt das Vertrauen zu sich selbst und bereitet sich auf aktives Gebären vor. Teil­ nehmende lernen und erleben, wie sich das hormonelle System auf den Körper auswirkt und auf welche Weise sie dies positiv beeinflussen können. Organisation des cours de la FSSF Chargée de la formation de la Suisse romande et du Tessin Elke De Witte Chemin Sainte Marguerite 45, 1965 Savièse, T 027 395 28 22 [email protected] Inscriptions par écrit aux cours de la FSSF au secrétariat central de la FSSF à Berne. Vous trouverez le programme complet des cours sur www.sage-femme.ch Pourquoi des évaluations? Après chaque cours organisé par la Fédération suisse des sages-femmes (FSSF), on demande à chaque participante et intervenante de remplir une feuille d’évaluation. Nous sommes conscients que ce n’est pas toujours le moment propice pour vous: le train n’attend pas, il faut encore aller chercher les enfants à l’école ou une consultation en urgence s’est rajoutée au programme. C’est pour cela qu’à la fin de chaque cours, le dernier quart d’heure est réservé à l’évaluation. Les questions adressées aux participantes sont axées sur le contenu du cours: pertinence, objectifs atteints, méthodes pédagogiques adaptées au public et aux sujets traités, etc. Pour la FSSF, cette évaluation est un outil précieux qui s’inscrit dans notre démarche qualité. Grâce au travail ponctuel des accompagnatrices, je reçois les évaluations quelques jours après le cours. J’en fais un résumé pour l’intervenant qui tient compte de vos remarques lors de l’élaboration de ses cours suivants. De son côté, l’intervenant me fait également part de ses remarques concernant l’ambiance de la journée ainsi que sur l’aspect organisationnel et son appréciation du lieu de cours. Les données ainsi récoltées se concrétisent ensuite en mesures concrètes afin de vous garantir des cours de qualité qui répondent bien aux attentes des sages-femmes. Avec le numéro du mois dernier, vous avez reçu notre brochure des formations continues pour la nouvelle année académique. Etes-vous déjà inscrite à votre cours préféré? N’hésitez pas trop longtemps car les places sont limitées. Malheureusement, on reçoit souvent des inscriptions tardives, ce qu’il pose souvent problème vis-à-vis de nos engagements envers les participantes déjà inscrites (confirmation ou annulation tardive), envers la salle de cours réservée depuis une année et envers l’intervenant. Je comprends qu’avec notre travail irrégulier, il est dif­ ficile d’organiser l’agenda des mois à l’avance. Mais, ensemble, nous pourrions trouver une solution à ce problème. N’hésitez pas à me faire part de vos remarques pour que l’on puisse améliorer l’organisation de vos cours. La FSSF recherche une accompagnatrice des formations pour novembre 2015 En tant qu’accompagnatrice des cours de formation organisés par la FSSF en Suisse romande et au Tessin, vous représentez la FSSF pendant toute la journée du cours. Vous êtes responsable de son bon déroulement et vous assurez le point de contact pour les intervenantes et les participantes. A la fin de la journée, vous recueillez les fiches d’évaluation que vous transmettrez à votre responsable après les avoir annexées au rapport sur le déroulement de la journée que vous aurez rédigé entre-temps. – L a FSSF vous accompagne dans cette tâche et vous offre une bonne rémunération ainsi que la possibilité de suivre des cours de la FSSF. – Vous êtes en possession d’un diplôme de sagefemme. Vous disposez si possible d’un diplôme de formateur d’adulte Niveau 1 ou d’un titre jugé équivalent. Vous avez de l’expérience dans les tâches organisationnelles et dans l’accompagnement de groupes. Vous communiquez avec aisance. – Vous travaillez au sein d’une équipe d’accompagnatrices Vous savez utiliser (ou vous êtes prête à apprendre à utiliser) le matériel technique de communication utilisé (beamer, ordinateur, micro, etc.). – Si ce poste vous intéresse, envoyez rapidement votre CV et une lettre de motivation à: [email protected] Cours 1 Profil de la sage-femme indépendante: droit et devoirs Ce cours est prévu pour des sages-femmes qui veulent s’installer comme sage-femme indépendante et des sages-femmes qui sont installées depuis quelques années et qui souhaitent approfondir leurs connaissances concernant l’administration, le dossier et les droits des patients, les lois et règlements auxquels sont soumises les sages-femmes indépendantes. Pendant ce cours, vous apprenez comment vous positionner dans le cadre d’une pratique privée. Il a comme objectif la connaissance des obligations, des lois de santé publique liées au statut de la sage-femme indépendante, mais aussi de vous familiariser avec le travail administratif nécessaire à votre pratique indépendante ou de l’approfondir. Renseignements et inscription Intervenantes Josée Bernard Delorme, sage-femme indépendante, titulaire d’une maîtrise en pédagogie des sciences de la santé, fondatrice du Centre Sages-Femmes Vevey. Corinne Meyer, sage-femme indépendante depuis plus de 25 ans, fondatrice d’une maison de naissance. Date, lieu jeudi et vendredi 10 et 11 septembre 2015, Montpreveyres Inscription 10 août 2015 www.sage-femme.ch Elke De Witte 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 25 Der Augentröster bei verklebten Tränenkanälchen WALA Euphrasia Seminare zur Zertifizierten Kursleiterin Einzeldosis-Augentropfen 4 Augentrost lindert gerötete und gereizte Augen 4 natürliches, ätherisches Rosenöl beruhigt juckende Augen 4 Nächste Kurse: 30. April. bis 3. Mai 2015, Wien-Guntramsdorf, A 14. bis 17. Mai 2015, Freiburg im Breisgau, D 3. bis 6. September 2015, Berikon, CH 15. bis 18. Oktober 2015, Fürth, D Kontakt: Sydney Sobotka, Kursleitung ohne Konservierungsstoffe sind sie für Kinder aller Altersgruppen geeignet www.hypnobirthing.ch [email protected] Tel: +41 44 734 31 78 „Die Kunst, die Welt der Geburt mit Ruhe zu entdecken!“ Ins. H|CH GW DUK 02.15_: 18.02.15 16:36 Seite 1 2 Juni 015 in don a u-un i. ac. mg w. /i n f o BEND INFO-AWien ww Midwifery 18. Master of Science in a t/ z Das Ziel dieses berufsbegleitenden Universitätslehrgangs ist die Verbindung von traditionellem Hebammenwissen und persönlicher Erfahrung mit modernen Managementmethoden und wissenschaftlicher Arbeit. Der Masterlehrgang dauert vier Semester und richtet sich an Hebammen und Geburtshelfer mit mehrjähriger Berufserfahrung, die sich auf Führungsaufgaben in Einrichtungen des Gesundheitswesens vorbereiten oder als selbstständige UnternehmerInnen tätig werden wollen. Dauer: 4 Semester, berufsbegleitend | Kosten: EUR 11.900,- www.donau-uni.ac.at/midwifery Donau-Universität Krems Zentrum für Management im Gesundheitswesen Erhältlich in Ihrer Apotheke oder Drogerie. Bitte lesen Sie die Packungsbeilage. WALA Schweiz GmbH, 3011 Bern www.wala.ch OXYPLASTIN Damit der Po zart und rosa bleibt ® OXYPLASTIN® Wundpaste schützt vor Windeldermatitis fördert die Wundheilung Die OXYPLASTIN® Wundpaste ist ein Arzneimittel, bitte lesen Sie die Packungsbeilage. OXYPLASTIN® Feuchttüchlein mit wohltuendem Kamillenextrakt schonende Reinigung der Haut Dr. Wild & Co. AG, 4132 Muttenz www.wild-pharma.com Hebamme CH 5-15 90x86_Layout 1 07.04.2015 16:56 Seite 1 10.03.15 08:53 SPINAS CIVIL VOICES P_Oxyplastin_Hebamme_April_1-2quer_d.indd 1 das Babytragetuch. Die natürlichste Verbindung DIDYMOS® Erika Hoffmann GmbH Alleenstr. 8/1 D-71638 Ludwigsburg Tel.: +49 7141 9210 24 E-Mail: [email protected] www.didymos.de SAUBERES WASSER IST DER BESTE KINDERARZT AFRIKAS. Wünschen Sie sich zum Geburtstag sauberes Trinkwasser für Kinder in Afrika auf WWW.MEIN-WUNSCH.ORG Anzeigenmarketing • Régie d’annonce Kömedia AG • Geltenwilenstrasse 8 a • 9001 St. Gallen T 071 226 92 92 • F 071 226 92 93 [email protected] • www.kömedia.ch 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 27 Sicherheit und Kompetenz im Bereich Beckenboden BeBo® Aus-/Weiterbildungsangebot Nächste Ausbildungstermine: Zürich Bern Teil 1+2 Teil 1+2 04./05.09.15 12./13.09.15 03./04.10.15 24./25.10.15 Workshops: Zürich Zürich 10./11.10.15 Der Beckenboden als Pforte zum Leben Schwangerschaft und Rückbildung 12.03.16 Arthrokinematische Adjustierung des Beckenrings Weitere spannende Workshops und Seminare finden Sie unter www.beckenboden.com. NEU: Detaillierte Unterlagen unter: BeBo® Gesundheitstraining Friedackerstrasse 52, 8050 Zürich nBeckenbode Training Die BeBo®D Übungs DV Telefon 044-312 30 77 www.beckenboden.com, [email protected] PR-Anzeige E ntdeckungsreise zur weiblichen Mitte BeBo® – Ihr Beckenbodenspezialist Erfahren Sie in der BeBo®-Ausbildung und -Weiter­bildung, wie geheimnisvoll und lernfähig Ihr Beckenbodenmuskel ist, wie differenziert Sie ihn wahr­nehmen können, und geben Sie dieses wertvolle Wissen an Ihre Teilnehmerinnen weiter. Die Anforderungen an die Kursleiterinnen sind hoch, Achtsamkeit und Geduld sind gefragt, und je nach Ausbildung braucht es theoretische oder prak­ tische Zusatzkomponenten. Die BeBo®-Ausbildung legt den Grund­s tein für eine Tätigkeit im Bereich Becken­ bodentraining. Das Weiterbildungsangebot bietet verschiedene Vertiefungen. So sind Sie beispielsweise am Ende des Work­shops «Arthrokinematische Adjustierung des Beckenrings» in der Lage, Beckenringdysfunktionen zu erkennen, korrekt zu diagnostizieren, manuell zu behandeln sowie eine Stabilisierung und Prophylaxe zu empfehlen. Im Workshop «Der Beckenboden als Pforte zum Leben – Schwangerschaft und Rückbildung» werden das Wissen über die körperlichen Veränderungen ver­ mittelt und das Beckenbodentraining in der Praxis geübt und vertieft. Ein Repertoire an Übungen und exakte Instruktionen sind Voraussetzung, um das Training abwechslungsreich und motivierend zu gestalten. 28 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Die Kurse werden für Hebammen, als Ergänzung in der Physiotherapie, für medizinische Praxisassisten­ tinnen, Pflegefachfrauen und Bewegungstherapeuten empfohlen. Informationen und Anmeldemöglichkeiten unter www.beckenboden.com oder [email protected] BeBo® Verlag & Training GmbH 8050 Zürich T 044 312 3077, F 044 312 3055 [email protected] www.beckenboden.com Der innovative Hersteller rund um Themen wie Geburt /Wochenbett… Sanitär-Medizintechnik Faserverbund-Kunststoffe www.topol.ch Topol AG Aengermatte 94 CH-4936 Kleindietwil Tel. +41 62 923 04 43 Fax +41 62 923 04 41 [email protected] Neu Liebe, heit Geborgen le und Hol Das neue Holle Säuglingsmilchnahrungssortiment auf Bio-Ziegenmilchbasis Bereits seit vielen Jahren bietet Holle eine Bio-Folgemilch auf Ziegenmilchbasis an und engagierte sich erfolgreich für die Zulassung Ziegenmilch-basierter Säuglingsnahrung. Holle passt nun das Sortiment der auf Ziegenmilch basierenden Säuglingsnahrung an die Ernährungsbedürfnisse der Säuglinge verschiedener Altersstufen an. Neu hat Holle nun eine auf Ziegenmilch basierende Anfangsmilch (ab der 1. Flasche) in Bio-Qualität entwickelt. Diese wird voraussichtlich ab April 2015 erhältlich sein. Damit steht nun eine Bio-Alternative auf Ziegenmilchbasis, für alle die keine Kuhmilch verwenden wollen, zur Verfügung. 51969_183x131_Ziege_Hebamme.indd 1 02.04.15 09:26 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 29 Actualité Comment éviter les erreurs liées aux médicaments? Près d’un patient hospitalisé sur dix est victime d’un préjudice lié aux médicaments. Le risque d’erreur – dosage erroné, oubli d’un médicament – est par­ ticulièrement élevé à l’admission et à la sortie de l’hôpital. De nombreuses erreurs pourraient être évitées par l’établissement systématique d’une liste des médicaments pris par le patient avant son hospitalisation, puis la vérification méthodique de ces données à chaque changement, jusqu’à la sortie du patient. Or cette mesure de sécurité importante n’est pas encore appliquée de manière conséquente dans les hôpitaux suisses. Soucieuse de combler cette lacune, la fondation «Sécurité des patients Suisse» lance un projet pilote sur deux ans (2015/ 2016) auquel participent neuf hôpitaux des différentes régions du pays. Ce programme fait partie intégrante de la «Stratégie fédérale en matière de qualité dans le système de santé suisse». Outre des formations pour le personnel des établissements, il propose aux patients des recommandations pour leur sécurité. à recourir uniquement à l’allaitement en 2014 (26 %) qu’en 2003 (21%). L’étude montre également que les aliments complémentaires sont généralement introduits entre le 5e et le 7e mois, ce qui correspond aux recommandations nationales. En outre, les mères respectent les recommandations relatives à la prise d’acide folique et de vitamine D. Les femmes sont toujours plus nombreuses à prendre de l’acide folique avant et pendant la grossesse. Enfin, plus de 80 % des mères interrogées dans le cadre de l’étude ont déclaré donner en plus de la vitamine D à leur enfant. Source: Communiqué de presse du 24 mars 2015 publié par l’Office fédéral de la sécurité alimentaire et des affaires vétérinaires (OSAV) L’allaitement maternel et le post-partum en bande dessinée Voir aussi: www.securitedespatients.ch › Dossier de presse du 23 mars 2015 Allaitement: des recommandations de plus en plus suivies Les résultats de la dernière étude sur l’alimentation des nourrissons et la santé durant la première année de vie (SWIFS) montrent que, en Suisse, les mères suivent étroitement les recommandations nationales en matière d’allaitement et d’alimentation du nourrisson. Cette étude est réalisée tous les dix ans. D’après les résultats, 62 % des mères ont, en 2014, nourri leur enfant exclusivement par allaitement pendant les trois à quatre premiers mois (c’est-à-dire seulement au lait maternel, sans ajout d’eau, de thé ou d’aliments complémentaires). Cela représente une augmentation de 9 % par rapport à l’étude précédente, menée en 2003. Au cours des 5e et 6e mois, les mères ont aussi été plus nombreuses 30 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Le souhait d’enfant a toujours la cote Une bande dessinée intitulée «Nouveaux horizons» (164 pages, CHF 31.–) décrit le parcours des jeunes parents, Louise et Tom, de la naissance de leur fille Anne en passant par les diverses phases du postpartum jusqu’à la gestion d’un quotidien qui a beaucoup changé. Avec humour et sensibilité, l’illustratrice Kati Rickenbach montre toute la palette des situations typiques dans cette période de vie extraordinaire, ses moments de joie, de préoccupations et d’incertitudes. Une brochure «Questions et réponses» (7 pages) est annexée à cette nouvelle bande dessinée. Elle fournit des réponses détaillées à toutes les questions essentielles sur cette période à la fois pal­ pitante et exténuante pour les jeunes familles. Commande en ligne: www.careum.ch Voir aussi: ww.allaiter.ch › Actualités Les premiers résultats de l’enquête sur les familles et les générations réalisée par l’Office fédéral de la statistique (OFS) en 2013 indiquent que près de deux tiers des femmes et hommes sans enfant âgés de 20 à 29 ans (63 %) souhaitent avoir deux enfants. Un quart de ces personnes (28 %) aimeraient dans l’idéal en avoir trois ou plus. Toutefois, en matière de nombre d’enfants, il y a une grande différence entre souhaits et réalité. Si l’on considère les femmes de 50 à 59 ans, 20 % n’ont pas d’enfant et 16 % un seul enfant. Ces parts sont nettement plus élevées que ne le laisseraient supposer les souhaits d’enfant exprimés par les femmes ayant aujourd’hui entre 20 et 29 ans. Seuls 6 % de ces dernières ne désireraient pas avoir d’enfant et pas plus de 3 % aimeraient n’en avoir qu’un seul. Même si l’on ne peut comparer directement les souhaits formulés par les jeunes femmes avec le nombre d’enfants mis au monde par les femmes plus âgées, il n’en demeure pas moins que l’écart est important. La présente publication (2015, 36 pages, version papier ou électronique) se limite volontairement à quelques aspects ayant trait aux familles et aux générations: ceux qui ont été retenus, l’ont été parce que les données les concernant étaient rares, voire inexistantes jusqu’ici. Ces résultats fournissent de précieuses informations sur le partage des tâches au sein des ménages et des familles, sur les relations entre les générations, sur les souhaits et les attitudes de la population sur les formes de vie familiale et l’organisation de la vie en commun. A télécharger ou à commander sur: www.bfs.admin.ch › Actualités › Publications Source: Communiqué de presse du 24 mars 2015 publié par l’Office fédéral de la statistique (OFS) Nouvelle plate-forme Une modification constitutionnelle en vue pour les sages-femmes de l’autorisation du diagnostic préimplantatoire En partenariat avec la Confédération Internationale des Sages-femmes (ICM), la Fondation Sanofi Espoir a développé «Connecting Midwives», une plate-forme digitale dédiée aux sages-femmes. Le site fonctionne en anglais, français et espagnol: – pour faciliter leur mise en réseaux et leur offrir la possibilité de publier leurs projets grâce à «Care Challenge»; – pour communiquer avec d’autres sages-femmes et partager des informations, des articles ou des ressources sur la profession de sage-femme; – pour promouvoir leur participation à un concours international annuel appelé «Midwives for Life Awards» qui récompense et valorise les projets des sages-femmes. Voir: http://fr.connectingmidwives.com/web Tout sur les stéréotypes à propos de l’hymen L’Association nationale (française) des centres d’IVG et de contraception (ANCIC) publie une plaquette infor­mative sur l’hymen «pour en finir avec les idées reçues». A télécharger sur www.avortementancic.net › Grand public › Autres thèmes Près de 80 000 enfants naissent chaque année en Suisse, parmi lesquels environ 2000 suite à une fécondation in vitro. Les médecins peuvent pratiquer ce genre de fécondation pour les couples qui ne peuvent pas avoir d’enfant par voie naturelle ou qui sont porteurs d’une grave maladie héréditaire. Toutefois, l’actuelle loi sur la procréation médicalement assistée leur interdit de soumettre à une analyse génétique les embryons conçus de cette manière avant qu’ils ne soient implantés dans l’utérus de la mère. Les embryons de couples porteurs d’une maladie génétique grave ne peuvent être analysés que pendant la grossesse, à l’aide du diagnostic prénatal (DPI), qui sert à détecter les gènes défectueux. Suivant le résultat, ces couples peuvent être confron­tés à la difficile décision d’interrompre ou non la grossesse. A l’heure actuelle, certains couples se rendent en Espagne, aux Pays-Bas ou en Belgique, où le DPI est autorisé; d’autres renoncent à leur désir d’enfant. Eviter le tourisme de la procréation Le Conseil fédéral et le Parlement entendent autoriser à l’avenir le DPI dans des cas précis: – Pour les couples porteurs d’une maladie héréditaire grave, le DPI permettra de sélectionner les embryons ne présentant pas les défauts génétiques concernés. Cette technique réduira fortement le risque de voir l’enfant atteint de la maladie héréditaire de ses parents. – Pour les couples qui ne peuvent pas procréer par voie naturelle, le DPI permettra de sélectionner les embryons ayant les meilleures chances de se développer. Dans ce cas-là, le diagnostic vise à ce que la grossesse se déroule si possible sans complications et à ce que la mère ne perde pas son enfant. A l’avenir, ces couples n’auront plus besoin de se rendre à l’étranger. Protéger la mère et l’enfant Cette application du DPI passe tout d’abord par une modification constitutionnelle. En cas de fécondation in vitro, la loi actuelle interdit de développer plus d’embryons que le nombre pouvant être immédiatement implanté chez la femme. A l’avenir, les médecins pourront développer autant d’embryons qu’il sera nécessaire pour un traitement approprié. Dans cette optique, les embryons non utilisés pourront être congelés en vue d’un traitement ultérieur. La modification constitutionnelle permettra de sélectionner et d’implanter un seul embryon par traitement, réduisant ainsi la probabilité de grossesses multiples et, partant, les risques pour la mère et l’enfant à naître. La Constitution interdira toujours de développer, par cycle de traitement, autant d’embryons que l’on souhaite et de sélectionner des embryons sur la base de leur sexe ou d’autres caractéristiques physiques. En outre, la conception de «bébés sauveurs», qui pourraient faire don de cellules souches pour un frère ou une sœur gravement malade, restera également prohibée. Le Conseil fédéral estime que ces mesures continuent de garantir la dignité humaine et de protéger les embryons. Le DPI sera autorisé plus tard Pour l’instant interdit, le DPI doit être réglé concrètement dans la loi sur la procréation médicalement assistée (LPMA), dont la modification a déjà été décidée par le Parlement. Une fois le nouvel article constitutionnel entré en vigueur, la modification de la loi sera publiée dans la Feuille fédérale; dès lors, un référendum pourra être lancé. Si celui-ci aboutit, les citoyens pourront voter sur la nouvelle LPMA. Seule la loi modifiée autorisera le DPI pour les couples qui sont porteurs de maladies héréditaires graves ou qui ne peuvent pas procréer par voie naturelle. Elle interdira tous les autres recours à ce type de diagnostic. Si le Peuple refuse de modifier la Constitution le 14 juin 2015, la modification de la LPMA ne pourra pas entrer en vigueur. Source: Communiqué de presse www.news.admin.ch du 23 mars 2015 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 31 Dossier Version du siège et médecines alternatives Pour tenter de corriger la malposition du fœtus avant l’accouchement, il existe diverses techniques issues des médecines complémentaires et alternatives. L’auteure fait le point sur leur utilisation et leur efficacité en se basant sur les résultats des études les plus récentes. Marie-Julia Guittier La tentative d’accouchement par voie basse par le siège est de moins en moins proposée aux femmes, notamment en Suisse. Le mode d’accouchement par le siège est l’objet de nombreuses controverses depuis 15 ans, suite à la publication des résultats du Term Breech Trial [ 1 ]. A ce jour, il n’y a pas d’évidence d’un intérêt de pratiquer de manière systématique une césarienne élective quand des critères stricts de sélection des patientes éligibles à tenter un accouchement par voie basse par le siège sont respectés [ 2, 3 ]. Néanmoins, une femme qui tente un accouchement par voie basse par le siège a un risque de césarienne en urgence en cours de travail supérieur à celui d’une femme qui tente un accouchement par voie basse avec une présentation céphalique. Une alternative possible est de tenter de corriger la malposition du fœtus avant l’accouchement. Pour cela, il y a la tentative de version céphalique externe. C’est une intervention médicale qui comporte peu de risques lorsqu’elle est réalisée dans un environnement sécurisé. Cela dit, cette intervention est ressentie comme douloureuse pour la majorité des femmes, anxiogène à l’idée de recourir à la force pour tourner le fœtus contre son gré, et d’efficacité relative (30 à 70 % selon les critères de sélection [ 4 ]. Beaucoup de femmes sont alors tentées de recourir à des techniques issues des médecines alter- natives et complémentaires (MAC) comme les postures maternelles, l’acupuncture / moxibustion ou l’hypnose. Ces MAC sont perçues par les femmes comme efficaces, sécures, et plus douces pour elles et leur fœtus [ 5 ]. Notre rôle professionnel de sages-femmes est d’accompagner leurs décisions en respectant leurs valeurs, mais aussi en leur permettant de faire un choix le plus éclairé possible. Que dit la littérature scientifique au sujet de l’efficacité des MAC pour faire tourner un fœtus en siège? Méthodes posturales Les techniques posturales maternelles indiquées pour faire tourner les fœtus tête en bas sont essentiellement deux positions dérivées du yoga et appelées «pont indien» ou «génu-pectorale»: La version «indienne» La position génu-pecturale Auteure Marie-Julia Guittier Sage-femme, PhD, Professeure à la Haute Ecole de Santé de Genève (HEdS) 32 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Elles peuvent être utilisées dès 33 SA (semaines d’aménorrhée) et de manière pluriquotidienne. Une revue systématique publiée en 2012 par la Cochrane incluant six essais cliniques randomisés et 417 femmes au total n’a pas pu mettre en évidence une augmentation des présentations céphaliques à l’issue de ces postures [ 6 ]. Editorial Moxibustion ou acupuncture La médecine traditionnelle chinoise préconise la stimulation par moxibustion du point n°67 situé sur le méridien de la vessie pour favoriser la version «spontanée» des fœtus en siège. La moxibustion consiste à stimuler un point d’acupuncture par la chaleur dégagée par un bâton de moxa. D r Grégoire Théry Gynécologue-obstétricien, Maternité du Léman, Thonon-les-Bains (F ) Chère lectrice, cher lecteur, Un essai clinique randomisé réalisé en Chine en 1998 avait montré une augmentation significative des présentations céphaliques à 35 SA ainsi qu’à terme grâce à cette technique [ 7 ]. Nous avions alors décidé de réaliser une étude similaire en Suisse pour vérifier la compliance des femmes à pratiquer une technique issue de la médecine chinoise dans notre contexte occidental, et conforter des résultats sur l’efficacité. Nous n’avons pas pu mettre en évidence une efficacité de la moxibustion dans notre contexte: 19/106 fœtus étaient en mode céphalique dans le groupe «avec séance de moxibustion» vs 17/106 dans le groupe «contrôle», soit RR = 1.12, IC 95 % [0.62-2.03] [ 8 ]. La dernière revue Cochrane sur le sujet, incluant huit essais, dont le nôtre, pour un total de 1346 femmes [ 9 ], conclue également à un manque d’évidence scientifique concernant l’effet de la moxibustion comparé à aucun traitement pour réduire le nombre de présentation non céphalique à l’accouchement: P = 0.45. Par contre, la moxibustion combinée à l’acupuncture ou aux postures maternelles semble réduire le nombre de présentations non céphaliques à l’accouchement: RR 0.73, IC 95 % [0.570.94] et RR 0.26, IC 95 % [0.12-0.56] respectivement. Mais les auteurs concluent à un besoin d’essais cliniques randomisés supplémentaires pour appuyer les résultats de cette méta-analyse. Hypnose L’hypnose est un état modifié de conscience, différent du sommeil, où l’attention du sujet est concentrée et focalisée. Le sujet s’absorbe en lui-même, à tel point qu’il n’est plus concerné par des considérations extérieures. Le cerveau est décrit en état de dissociation. Cet état hypnotique ou «transe» est caractérisé par une réceptivité augmentée à des communications verbales ou non Une conversation fictive entre une patiente et un médecin. Une patiente – Mon bébé est en siège! Est-ce que je pourrais quand même accoucher naturellement? Un médecin – Ça risque d’être un peu plus difficile, il y a beaucoup de critères de sécurité. – On peut les contrôler? – En partie. – Et si tout est normal? – En fait, pour l’organisation dans l’équipe, en fonction des compétences des différents accoucheurs, on préfère faire une césarienne. – Mais j’ai lu sur Internet qu’il n’y avait pas vraiment de différence pour le bien-être de mon enfant entre voie naturelle et césarienne. Je devrais pouvoir choisir. – Oui vous avez raison. – Mais pourquoi vous voulez m’ouvrir le ventre? Si vous avez vérifié les critères, si c’est mon souhait, s’il n’y a pas plus de risques? – Vous n’avez pas tort, mais ça fait tellement longtemps que les bébés en siège naissent par césarienne, l’équipe a perdu l’expérience. Au début, on a faisait des césariennes parce que l’accouchement en siège semblait moins sûr. La voie naturelle est moins sous contrôle et une césarienne c’est plus simple à organiser. – Vous êtes inquiets de quoi? Vous voulez organiser quoi? C’est moi qui le demande et je peux comprendre les risques, les incertitudes. S’il n’y a pas plus de risque médical, ça me donne l’impression que vous vous méfiez de moi. – Je comprends, mais on ne saura pas faire l’accouchement que vous souhaitez. L’équipe se sentira en insécurité. – Je constate aussi que vos décisions reposent sur des critères pas toujours rationnels. Ça ne m’arrange pas, mais je préfère que vous soyez des êtres humains avec leurs inquiétudes et j’apprécie votre sincérité. Pouvez-vous me conseiller une équipe qui se sentirait en compétence? Si je ne trouve pas, je reviendrai vers vous. J’ai confiance. Cordialement, Dr Grégoire Théry 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 33 Dossier verbales, appelées suggestions. Ces dernières permettent d’atteindre certains buts thérapeutiques comme le soulagement de la douleur ou de l’anxiété. Seule l’étude de Mehl et al., publiée en 1994, évalue l’intérêt de l’hypnose avec l’objectif de convertir «spontanément» une présentation du siège en présentation céphalique, avant la tentative de VCE [ 10 ]. Le design était prospectif, comparatif, non randomisé: 100 femmes avec un fœtus en siège entre 36 et 42 SA ont été comparées à un groupe de comparaison historique (pris dans une étude précédente) constitué de 100 femmes également. L’intervention consistait à faire autant de séances d’hypnose que possible en fonction des souhaits des femmes participantes. Les auteurs ont rapporté 81 % de versions obtenues dans le groupe hypnose versus 48 % dans le groupe témoin. On regrette la qualité méthodologique moyenne de cette investigation, tant pour sa validité interne qu’externe: procédure de sélection obscure, notamment pour le groupe contrôle; résultats statistiques non rapportés de façon standardisée (pas de calcul de valeur p, de RR et d’IC). Deux revues de la littérature sur les méthodes alternatives à la version par manœuvre externe en cas de présentation du siège citent l’hypnose en faisant référence à l’étude de Mehl, tout en regrettant l’absence de littérature plus récente [ 11, 12 ]. Conclusion Les femmes avec un fœtus en siège recourent souvent aux MAC pour tenter de corriger la malposition fœtale, de leur propre fait ou suite à des encouragements des professionnels de la périnatalité. Même si aucun effet adverse en lien avec ces techniques n’a été mis en évidence, des preuves de leur efficacité n’ont pas été apportés de manière indiscutable à ce jour pour cette indication précise. Parmi les techniques issues des MAC, c’est la moxibustion combinée aux postures maternelles qui montre les résultats les plus encourageants. Bibliographie 1. Hannah ME et al.: Planned caesarean section versus planned vaginal birth for breech presentation at term: a randomised multicentre trial. Term Breech Trial Col­ laborative Group. Lancet, 2000. 356(9239): p. 1375-83. 2. Whyte H et al.: Outcomes of children at 2 years after planned cesarean birth versus planned vaginal birth for breech presentation at term: the International Randomized Term Breech Trial. Am J Obstet Gynecol, 2004. 191(3): p. 864-71. 3. Goffinet F et al.: Is planned vaginal delivery for breech presentation at term still an option? Results of an observational prospective survey in France and Belgium. Am J Obstet Gynecol, 2006. 194(4): p. 1002-11. 4. Pichon M et al.: [External cephalic version in case of persisting breech presentation at term: motivations and women’s experience of the intervention]. Gynecol Obstet Fertil, 2013. 41(7-8): p. 427-32. 5. Guittier MJ et al.: Recourse to alternative medicine during pregnancy: motivations of women and impact of research findings. J Altern Complement Med, 2012. 18(12): p. 1147-53. 6. Hofmeyr GJ and Kulier R: Cephalic version by postural management for breech presentation. Cochrane Database Syst Rev, 2012. 10: p. CD000051. 7. Cardini F and Weixin H: Moxibustion for correction of breech presentation: a randomized controlled trial. JAMA, 1998. 280(18): p. 1580-1584. 34 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 8. Guittier MJ et al.: Moxibustion for breech version: a randomized controlled trial. Obstet Gynecol, 2009. 114(5): p. 1034-40. 9. Coyle ME, Smith CA and Peat B: Cephalic version by moxibustion for breech presentation. Cochrane Database Syst Rev, 2012. 5: p. CD003928. 10. Mehl L: Hypnosis and conversion of the breech to the vertex presentation. Arch Fam Med, 1994(3): p. 881-7. 11. Tiran D: Breech presentation: increasing maternal choice. Complement Ther Nurs Midwifery, 2004. 10(4): p. 233-8. 12. Boog G: [Alternative methods instead of external cephalic version in the event of breech presentation. Review of the literature]. J Gynecol Obstet Biol Reprod (Paris), 2004. 33(2): p. 94-8. Vécu des femmes lors des interventions professionnelles en fin de grossesse et pour l’accouchement Dans le cadre d’une thèse de doctorat, plusieurs recherches ont été menées avec l’objectif d’évaluer les effets des interventions professionnelles sur le vécu des femmes, dans le cas précis de la présentation fœtale en siège. Les résultats ont mis en évidence une succession d’étapes pour la femme au cours desquelles nos interventions profes­ sionnelles, tant techniques que relationnelles, doivent être finement ajustées. Marie-Julia Guittier Toutes les citations des femmes rapportées dans cet article sont extraites des interviews menées dans le cadre de l’étude de Guittier et al. sur les déterminants du choix du mode d’accouchement par le siège [ 1 ]. Au moment du diagnostic Le diagnostic de présentation fœtale en siège et le processus d’acceptation d’un risque élevé d’accoucher par césarienne peut être psychologiquement difficile pour certaines femmes et mérite une écoute et un accompagnement attentifs. Nous savons que l’accouchement ne se passe pas toujours de la manière idéalisée comme les femmes ont pu l’imaginer avant le jour de l’accouchement. Mais, le plus souvent, en même temps que la surprise d’un déroulement imprévu, arrive le nouveau-né. La découverte de l’enfant et les premiers apprentissages de vie à ses côtés prennent souvent le pas sur les éventuelles déceptions en lien avec le déroulement de l’accouchement. Dans le cas du diagnostic de présentation du siège, la place prise par la déception et le deuil de l’accouchement idéalisé, surtout chez la primipare, est importante car l’enfant est encore au statut d’imaginaire. Montrer à ces femmes qu’on ne banalise pas le diagnostic de présentation du siège en prenant le temps d’écouter leur ressenti face à cet évènement, et en leur laissant du temps pour parcourir leur chemin émotionnel avant d’aborder les informations pour le mode d’accouchement, est essentiel. Nous avons observé que la question simple consistant à leur demander pourquoi, selon elles, leur bébé se présente de cette façon-là peut aussi apporter des éléments pour évaluer le niveau de détresse maternelle: «Je me disais: Mais s’il est comme ça (en siège) c’est que peut-être il n’a pas envie de venir et s’il ne met pas sa tête en bas c’est peut-être que parce j’ai, ou nous, n’avons pas assez mis en place un cadre ou un foyer qui lui donne l’impulsion de se retourner. Moi je trouvais ça très culpabilisant, vraiment.» Dans la même idée de qualité d’écoute, accepter d’entendre leur intérêt pour les MAC dans leurs stratégies de prise en charge individuelles, c’est prendre en compte l’individu dans sa spécificité et c’est aussi respecter son droit à l’auto-détermination. Les réactions envers les MAC, tant parmi les patients que parmi les professionnels de la santé, sont très souvent de l’ordre de l’émotionnel allant d’une extrême à l’autre, «j’y crois/j’y crois pas», et se traduisent par un excès d’enthousiasme ou une fin de nonrecevoir face à la patiente qui s’exprime [ 2 ]. Les jugements liés aux représentations personnelles des professionnels ne devraient pas être ressentis par les femmes: «Et puis j’ai osé dire qu’avec l’acupuncture aussi il y avait 60 % de réussite apparemment (pour faire tourner le fœtus avant l’accouchement). Et le médecin m’a dit: ‹Mais moi l’acupuncture je m’en fous parce que de toute façon je n’y crois pas›. Alors on constate que notre expérience ne vaut rien, et puis qu’il faut vraiment écouter ce que le médecin nous dit.» La conséquence est un manque de sincérité dans la relation professionnel / patient. Une étude a rapporté que jusqu’à 77 % des patients ne communiquent pas au médecin leur utilisation en parallèle des MAC pour se soigner [ 3 ]. Informer les femmes de manière objective des résultats des recherches permettrait à certaines de s’autoriser à ne pas entrer dans un activisme épuisant: «Quand je l’ai annoncé autour de moi, tout le monde m’a dit: ‹Il faut absolument que tu fasses tout pour qu’il se retourne, coûte que coûte, il faut qu’il se retourne parce qu’une césarienne ce n’est pas bien›. Alors tous les vieux remèdes de grandmères sont bons. Et donc j’ai commencé un peu à … pas à paniquer mais j’étais prise dans un petit tourbillon», et permettrait à celles qui ont besoin de tout tenter pour avancer dans le processus d’acceptation de le faire sans dissimulation auprès du corps médical. Nos recherches ont aussi permis de prendre conscience du fait que la tentative de version céphalique externe (VCE) est vécue comme fortement douloureuse pour beaucoup trop de femmes [ 4 ]. Une étude publiée en 2013 rapporte que l’appréhension de la douleur est le premier facteur influençant négativement le choix de la femme concernant le tentative de VCE [ 5 ]. Prendre en charge la douleur favoriserait le recours à la tentative de VCE par un plus grand nombre de femmes et augmenterait leurs chances d’accoucher par voie basse. 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 35 Dossier Lors de la décision de la voie d’accouchement Concernant la décision de la voie d’accouchement du fœtus en siège, la perception des risques des deux modes d’accouchement est très subjective et d’origine multifactorielle mais l’information reçue des professionnels l’influence fortement [ 1 ]. Le problème est que l’information pour les risques des deux modes d’accouchement par le siège n’est pas consensuelle. Elle varie d’un pays à l’autre, d’un canton à l’autre, d’un établissement à l’autre et, encore même d’un médecin à l’autre à l’intérieur d’un même établissement. La variation interprofessionnelle peut s’expliquer par le fait que le choix de la patiente a le potentiel d’engager le médecin dans des gestes techniques pour lesquels son niveau de compétence et d’assurance est variable. En effet, la pratique clinique de l’accouchement par voie basse par le siège est insuffisante pour beaucoup d’obstétriciens depuis la publication du Term Breech Trial (TBT) en 2000 [ 6 ]. Dans ce cas, la pratique de la césarienne élective est préférable pour la sécurité de l’enfant, mais pose question au niveau éthique. En effet, plusieurs études ont mis en évidence des souffrances psychologiques possibles consécutives à un accouchement par césarienne [ 7, 8 ] . «Quand je suis rentrée à la maison, je continuais de pleurer, j’avais envie d’être seule. Je ne me considérais pas comme une bonne mère. J’ai été frustrée parce que, dans ma vision des choses je voulais et puis je pouvais accoucher naturellement. Pour moi, encore aujourd’hui c’est un échec.». D’autres études font état d’une augmentation des risques maternels liés à la chirurgie, ainsi que des risques de complications obstétricales pour les futures grossesses. De récentes études font le lien entre une naissance par césarienne et une augmentation de la morbidité infantile [ 9 ]. Alors comment défendre le recours massif à une intervention invasive pour la femme, tant au niveau physique que psychologique, pour des motifs en partie officieux de compétences professionnelles fragiles? D’un point de vue éthique et législatif, l’information donnée au patient doit être neutre et complète, lui apportant des éléments essentiels pour exercer son droit à l’autodétermination. Mais l’aspect législatif est parfois perçu en opposition à l’éthique par une partie des médecins. Ces derniers sont alors réticents à l’emploi des documents écrits d’information et de consentement éclairés à faire signer aux femmes. Selon le Dr Azria, ces procédures médico-légales récentes sont la conséquence d’une dérive dans l’utilisation de l’Evidence-Based Medicine [ 10 ]. Il défend l’idée que ce concept serait détourné de son objectif initial d’aide à la décision pour les médecins en un outil de standardisation de la pratique médicale conduisant à la déshumanisation de la relation entre soigné et soignant. Leurs arguments sont aussi que ces documents à caractère médico-légal ont un caractère trop général qui n’aide pas vraiment la femme à prendre sa décision individuelle. Ces professionnels soulignent également que ces formulaires colorent la médecine d’une teinte défensive qui est délétère pour les patientes. En effet, nous avons observé dans une de nos études que cette information écrite avec signature de consentement est parfois perçue par les femmes enceintes comme une déresponsabilisation du médecin des conséquences de 36 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 leur choix: «Je me dis: Mon Dieu, s’il arrive quelque chose, c’est qui le responsable? C’est la maman, c’est le papa, c’est le médecin qui a insisté?» Le fait de laisser aux femmes éligibles à la tentative d’accouchement par voie basse le choix du mode d’accouchement par le siège, sous prétexte de préserver son droit à l’autonomie, est délicat. Il sera apprécié par certaines femmes qui le percevront comme un renforcement de leur sentiment de contrôle, mais sera mal vécu pour d’autres. En effet, les recherches de Green et al. ont mis en évidence deux grands profils de femmes enceintes: celles qui veulent participer à toutes les décisions et celles qui souhaitent pouvoir s’abandonner en confiance au monde médical et n’ont pas d’attentes particulières [ 11 ]. «J’aurais préféré qu’on me dise à la consultation: Aujourd’hui vous êtes là parce que c’est nous qui prenons en charge la suite de votre accouchement.» Aucun de ces profils ne risque davantage de déconvenues que l’autre. L’important est l’écoute attentive de la part des professionnels pour s’adapter à la demande, et non l’inverse comme cela est souvent rapporté par les femmes. Mais quel que soit leur profil, beaucoup de femmes sont en proie à de véritables conflits décisionnels à propos du choix du mode d’accouchement. En effet, le conflit décisionnel survient quand aucune option ne satisfait véritablement les objectifs personnels et qu’aucune n’est sans risque de résultats indésirables. Avec cette définition, il est évident que le choix du mode d’accouchement par le siège risque de provoquer un tel inconfort chez les femmes: «Avec mon mari, pendant ces deux jours-là, on a essayé de prendre une décision qui, finalement, je trouve, est une décision impossible à prendre d’un point de vue rationnel. Parce que, dans l’un et dans l’autre, il y a des arguments pour et il y a des arguments contre.» Quelles solutions pour le futur? La question de l’expérience clinique des obstétriciens pour l’accouchement par voie basse des sièges est taboue et pourtant au cœur de la problématique en 2015. Pourtant, des solutions existent. L’apprentissage en formation initiale ou continue par simulation est en pleine expansion et offre des perspectives réjouissantes pour la pratique des manœuvres d’accouchement par le siège. Encore faut-il le vouloir. N’oublions pas qu’aucun professionnel n’est à l’abri de devoir assumer un accouchement inopiné par le siège. Ensuite, comme l’ont souligné les Drs Delotte et Boubli, il y a un risque pour les spécialités d’obstétriciens et de sages-femmes à ne pas défendre leurs compétences spécifiques à réaliser les manœuvres obstétricales de l’accouchement du siège par voie basse [ 12 ]. Selon eux, après le siège, il sera logique d’envisager la fin de l’accouchement de jumeaux par voie basse, puis anticiper le risque de dystocie des épaules en césarisant aussi en cas de suspicion de macrosomie fœtale. Au nom du principe de précaution, la liste des indications de césarienne élective pourrait un jour supplanter la liste des indications d’accouchement par voie basse. C’est une perspective d’avenir professionnel pessimiste mais tangible. En librairie Concernant le choix laissé aux femmes du mode d’accouchement par le siège, certaines ont rapporté le coté irrationnel d’une telle décision avec, comme base de réflexion, uniquement les risques théoriques des deux modes d’accouchement. Développer un score d’accouchement par le siège tel que l’avaient commencé plusieurs équipes de recherche pourrait réduire la subjectivité du praticien pour son information à la patiente et favoriser la rationalité de la décision pour la femme [ 13, 14 ]. Enfin, plusieurs études ont mis en évidence l’intérêt d’outils d’aide à la décision s’ajoutant à une information orale par les professionnels pour favoriser le sentiment de décision partagée, notamment dans le cas de la présentation du siège [ 15 ]. Mais ces outils d’aide à la décision sont très peu utilisés. Ils mériteraient d’être évalués avec précision par rapport à ce pour quoi ils ont été conçus. Références 1. Guittier MJ et al.: Breech presentation and choice of mode of childbirth: a qualitative study of women’s experiences. Midwifery, 2011. 27(6): p. e208-13. 2. Graz B and Schopper D: [Complementary and alternative medicines (CAM): towards an «evidence-based» consensus in the university hospital]. Rev Med Suisse, 2009. 5(229): p. 2524-6. 3. Robinson A and McGrail MR: Disclosure of CAM use to medical practitioners: a review of qualitative and quantitative studies. Complement Ther Med, 2004. 12(2-3): p. 90-8. 4. Pichon M et al.: [External cephalic version in case of persisting breech presentation at term: motivations and women’s experience of the intervention]. Gynecol Obstet Fertil, 2013. 41(7-8): p. 427-32. 5. Vlemmix F et al.: Patient’s willingness to opt for external cephalic version. J Psychosom Obstet Gynaecol, 2013. 34(1): p. 15-21. 6. Hannah ME et al.: Planned caesarean section versus planned vaginal birth for breech presentation at term: a randomised multicentre trial. Term Breech Trial Collaborative Group. Lancet, 2000. 356(9239): p. 1375-83. 7. Guittier MJ et al.: Impact of mode of delivery on the delivery experience in primiparous women: a qualitative study. Submission process, 2013. 8. Boorman RJ et al.: Childbirth and criteria for traumatic events. Midwifery, 2014. 30(2): p. 255-61. 9. Kulas T et al.: New Views on Cesarean Section, its Possible Complications and Long-Term Consequences for Children’s Health. Med Arch, 2013. 67(6): p. 460-3. 10. A zria E: L’humain face à la standardisation du soin médical. La vie des idées, 2012. 11. Green JM, Coupland VA and Kitzinger JV: Expectations, experiences, and psychological outcomes of childbirth: a prospective study of 825 women. Birth, 1990. 17(1): p. 15-24. 12. Delotte J and Boubli L: Accouchement du siège: quel est le débat? Les dossiers de l’obstétrique, 2007. 361(Juin): p. 10-13. 13. L agrange E et al.: [Breech presentation and vaginal delivery: evolution of acceptability by obstetricians and patients]. Gynecol Obstet Fertil, 2007. 35(9): p. 757-63. 14. Westin B: Evaluation of a feto-pelvic scoring system in the management of breech presentations. Acta obstetricia et Gynecologica Scandinavia, 1977(56): p. 505-508. 15. Nassar N et al.: Evaluation of a decision aid for women with breech presentation at term: a randomised controlled trial [ISRCTN14570598]. BJOG, 2007. 114(3): p. 325-33. Cyril Jost | Illustrations de Pierre Wazern L’essentiel sur les bébés Editions Loisirs et Pédagogie 2014, 159 p., CHF 19.– ISBN 2-606-01518-3 Voici est un petit guide très complet qui aborde tous les sujets qui préoccupent les futurs et jeunes parents. Il permet d’obtenir les premières réponses qui ne suf­ firont pas toujours, mais qui permettront aux parents d’avoir les renseignements les plus importants. Un des grands atouts de cet ouvrage est de présenter un regard neutre, sans dogmatisme. L’auteur est d’une grande précision et, très vite, on sent qu’il a été secondé par des professionnels qualifiés, ce qui rend sa lecture très claire et précise. Il met en évidence les pratiques en vigueur en Suisse, en France et en Belgique, ce qui permet au lecteur d’avoir un point de comparaison utile. On y apprend que les papas français ont droit à 3 jours de congé de naissance et 11 jours de congé paternité; en Belgique, ils bénéficient de 10 jours de congé paternité alors que la loi suisse ne prévoit pas de congé pour les pères. Présenté sous la forme d’un lexique avec des illus­ trations pleines d’humour et de simplicité, sa lecture est très agréable. C’est un livre que je conseillerais aux parents d’un premier enfant. Il devrait rester à porter de vue et être régulièrement consulté. Karine Allaman, sage-femme 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 37 Nouvelles des HES Pratique et mise en valeur de l’examen clinique pour affiner les compétences de la sage-femme De par le suivi de situations complexes en prénatal, le retour précoce à domicile et des grossesses de plus en plus tardives, l’examen clinique affine les compétences de la sage-femme. Dans cette perspective, il a été décidé de le développer plus formellement pour la femme hors grossesse, à tout âge de la vie, dans le plan de formation initiale 2012 (HEdS Genève). Christiane Sutter et Aurélie Delouane L’examen clinique (ou clinical assessment) est un outil de la démarche intellectuelle. Il part d’une plainte ou d’un symptôme d’une femme. Il comprend une anamnèse générale et spécifique complète puis une mise en lien avec un examen physique et des résultats paracliniques. Au final, il permet d’orienter de manière argumentée la prise en charge d’une femme en déterminant d’un degré de priorité. Il permet de détecter plus finement l’écart à la norme, et donc de définir si la situation est encore du rôle autonome de la sage-femme. Le programme est élaboré selon le modèle de Calgary Cambridge dont l’examen clinique est une partie indispensable. 38 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 La sage-femme est une experte en ce qui concerne la périnatalité. Elle assure sous sa propre responsabilité et en autonomie le suivi de la grossesse, de l’accouchement et la prise en charge au post-partum de la mère et de l’enfant dans les situations physiologiques. Elle est aussi garante du diagnostic des écarts de la norme et de la mise en place des premières mesures de prise en charge d’urgence interdisciplinaire. Elle est une professionnelle de premier recours. L’examen clinique fait l’objet d’un entraînement durant la formation et il est affiné avec les années d’expérience. Pour cela, durant la formation, les étudiantes effectuent un examen clinique de l’ensemble des grands systèmes de la femme hors grossesse. «En fonction des situations de soins et de son jugement, elle pourra choisir entre plusieurs types d’examen clinique comme l’examen clinique complet de la tête au pied (lors d’une première entrevue avec un patient), l’examen cli­ nique partiel (suivi régulier des patients hospitalisés ou en libérale), l’examen clinique centré sur un symptôme (suivi plus particulier d’un élément clinique comme une escarre) et l’examen clinique effectué en urgence (centré sur la fonc­ tion vitale du patient).» (Cloutier, 2010) Les principaux objectifs de l’examen clinique de la femme adulte sont: – Effectuer une anamnèse précise selon une métho­ dologie type PQRSTUI permettant d’investiguer plus en profondeur un symptôme – Donner formellement la parole à la femme pour exposer ses plaintes subjectives – Réaliser une prise en soin plus holistique de la santé maternelle en intégrant les modifications inhérentes aux situations de crises physiques et psychiques – Développer des techniques d’examen clinique com­ posées de l’observation, l’auscultation, la palpation et la percussion permettant d’orienter les hypothèses diagnostiques afin de proposer, en collaboration avec le médecin, une investigation plus rapide par des examens paracliniques – Renforcer l’évaluation vis-à-vis de l’écart à la norme, entraîner un jugement clinique et affiner la compétence en diagnostics différentiels indépendants de la grossesse qu’il soit obstétrical ou général – Travailler dans la prévention et l’anticipation avec comme objectif d’assurer une prise en charge rapide du symptôme et / ou de la pathologie par l’équipe interdisciplinaire – Prendre en compte l’évolution de la patientèle rencontrée par la sage-femme, avec l’apparition des pathologies liées à une procréation de plus en plus tardive par exemple – S’entraîner à communiquer avec l’équipe interdisci­ plinaire en utilisant un langage professionnel selon une trame clé cette pratique sur le terrain, l’implication de professionnelles du terrain – dont les praticiennes formatrices – est en cours, que ce soit en hospitalier ou en pratique indépendante. Au niveau de la formation Bachelor, l’objectif général n’est pas de réaliser un statut clinique général mais bien d’affiner les compétences cliniques. L’intérêt d’enseigner cette compétence est de s’assurer que la femme reste au centre des soins et d’accentuer chez l’étudiante une vision plus globale de la patiente. Auteures L’examen clinique se réalise sur les trois années Bachelor à travers des cours ainsi qu’un entraînement à l’examen clinique autour de situations touchant tous les grands systèmes (par exemple, abdominal, cardiaque, pulmonaire, rénal, etc.). Les ateliers sont conduits sous la supervision des chargé-e-s d’enseignement et de cours, de praticiens formateurs et de professionnel-le-s de terrain. En troisième année s’y ajoute des médecins afin d’ajuster au mieux l’apprentissage aux situations réelles les plus courantes. Les pathologies les plus fréquemment rencontrées dans la population générale féminine sont vues sous forme de cas cliniques. Cet enseignement se poursuit dans la pratique sur les lieux de stage où les étudiant-e-s sont encouragé-e-s à pratiquer l’examen sous la supervision d’une professionnelle ou d’un médecin. Pour assurer le relais de Christiane Sutter chargée d’enseignement à la Haute école de santé de Genève (HEdS Genève) Aurélie Delouane MSc, chargée de cours à la HEdS Genève et sage-femme en salle d’accouchement au Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) 5 2015 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 39 C M Y CM MY CY CMY K Ihre Ausbildung zum zertifizierten K-Taping Therapeuten International einheitliche Ausbildung in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sowie in mehr als 50 Standorten weltweit. Kurse auch in Ihrer Nähe. … mehr als Worte und Bilder! Anatomische Übungsmodelle Das geburtshilfliche Phantom Weitere Informationen unter www.k-taping.de nach Prof. B. S. 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Dies sollte in jedem Fall vorab von einem Arzt festgestellt werden, um abzuklären, ob bei einer Kuhmilch­ allergie die Holle-Bio-Anfangsmilch 1 auf Ziegenmilchbasis für das Kind eine verträgliche Alternative darstellt. Weitere Informationen finden Sie unter www.holle.ch. 42 Hebamme.ch • Sage-femme.ch 5 2015 Anzeigenschluss für Stellenanzeigen Montag, 7. Mai 2015 Dernier délai pour les offres d’emploi Lundi 7 mai 2015 Anzeigenmarketing • Régie d’annonce Kömedia AG • Geltenwilenstrasse 8 a • 9001 St. Gallen T 071 226 92 92 • F 071 226 92 93 [email protected] • www.kömedia.ch Stadtspital Tremli 1-4 - 03-15.qxp 31.03.15 11:15 Seite 1 Die Frauenklinik des Stadtspital Triemli Zürich legt grossen Wert auf eine individuelle und ganzheitliche Betreuung der Frauen und deren Bezugspersonen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett. 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