OPEN-AIR FILMRETROSPEKTIVE

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BM.I
REPUBLIK Ö STERREICH
BU N DE SMIN IST E R IU M FÜ R IN N E R E S
MAUTHAUSEN
MEMORIAL | KZ-GEDENKSTÄTTE
Freier Eintritt
OPEN-AIR-FILMRETROSPEKTIVE
„Verleugnete Schuld und bleibende Verantwortung“
Nie hat sich in der österreichischen Zeitgeschichte die Frage nach umfassender Verantwortung für ein gesellschaftliches Problem so eindringlich gestellt, wie in der gegenwärtigen Krise des Umgangs mit der Not von
ExilantInnen und Flüchtlingen. Eine aktuelle humanistische und demokratische Antwort auf diese Krise hat
auch sehr viel mit historischem Bewusstsein, mit Erinnerung und dem Umgang mit der eigenen Geschichte zu
tun. Erinnern wir uns, wie vor Jahrzehnten all diejenigen, die dem NS-Regime nicht genehm waren, flüchten
mussten oder in Lager deportiert wurden oder umgebracht wurden. Erinnern wir uns auch daran, wie die Not
der Flüchtlinge war, wie nur wenige Länder bereit waren, die vertriebenen ÖsterreicherInnen aufzunehmen,
wie Tausende an den Grenzen zurückgewiesen wurden.
Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber die moralische Verantwortung bleibt in jeder Generation. Umso
wichtiger ist es, sich historischen Fragen von Schuld, individueller und gesellschaftlicher Verantwortung zu
stellen. Die vier Spielfilme der Filmreihe im August 2016 wollen eine aktive Auseinandersetzung mit historischer Schuld und der ungenügenden Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in den Jahrzehnten nach
1945 bewirken.
Begleiteter Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte Mauthausen am Samstag, 27. August 2016, vor Beginn der Filmretrospektive.
Bei Schlechtwetter werden die Filme im angrenzenden Besucherzentrum gezeigt.
Einführung Univ.-Prof. Dr. Frank Stern, mit anschließender Diskussion.
Kostenloser Shuttlebus-Service von Wien und Linz nach Mauthausen und retour.
Info und verbindliche Anmeldung zur Teilnahme sowie für den Shuttlebus und den begleiteten Rundgang unter: Tel.: 01-53126-3832,
E-Mail: [email protected], online: www.mauthausen-memorial.org
Für den Inhalt verantwortlich: Bundesministerium für Inneres, Abteilung IV/7 – Mauthausen Memorial, www.mauthausen-memorial.org
OPEN-AIR
FILMRETROSPEKTIVE
„Verleugnete Schuld und bleibende Verantwortung“
24. – 27. August 2016
vor dem Besucherzentrum der
KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Erinnerungsstraße 1, 4310 Mauthausen
Mittwoch, 24. August 2016, 20:00 Uhr
Samstag, 27. August 2016, 20:00 Uhr
„Das Urteil von Nürnberg“
„Der Rosengarten“
US 1961, 186 Min., Regie: Stanley Kramer
Die Nürnberger Prozesse sind im Jahr 1961 schon längst
abgeschlossen und das weltweite Interesse an juristischer
Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Opfer und
Verfolgten des Nationalsozialismus flaut bereits ab, nicht
aber jenes der Überlebenden. Sie werden in gar dokumentarischer Weise als Zeugen von Daniel Haywood (Spencer
Tracy), dem führenden Richter des amerikanischen Militärgerichts gegen vier leitende Juristen des „Dritten Reichs“,
im Film aufgeführt. Ernst Janning (Burt Lancaster) sitzt auf
der Anklagebank, entschließt sich jedoch zu schweigen, was
den Richter an seiner Schuld zweifeln lässt und seinem
Verteidiger die Möglichkeit gibt, ihn nicht als jenen treuen
Diener eines verbrecherischen Regimes, der er war, zu
inszenieren, sondern auf Eichmann’sche Weise als kleines
Rad im System. Der Film ist jedoch nicht nur die bloße
Darstellung eines juristischen Prozesses, denn tagespolitische Geschehnisse, das alltägliche Gerede der Menschen
hinter verschlossenen Türen oder auch auf offener Straße,
sowie die Frage nach der Verantwortlichkeit des Einzelnen
zeichnen ebenso das Bild der Zeit.
Donnerstag, 25. August 2016, 20:00 Uhr
Freitag, 26. August 2016, 20:00 Uhr
„Chronik eines Mordes“
„Jetzt und in der Stunde meines Todes“
DDR 1964, 92 Min., Regie: Joachim Hasler
DDR 1963, 98 Min., Regie: Konrad Petzold
Gibt es Rache oder Vergeltung Überlebender an ihren Peinigern, an den Mördern ihrer Familien? Die 1950er Jahre in
einer westdeutschen Kleinstadt, der Mief der Verdrängung,
die Ablehnung jeglicher Schuld und Verantwortung prägen
die gesellschaftliche Atmosphäre. Eine Überlebende, die
Gerechtigkeit erwartet und hofft, dass NS-Täter vor Gericht
gestellt werden, ist lediglich ein Störenfried, eine Art Brandstifter unter Biedermännern. Der DEFA-Film „Chronik eines
Mordes“ zeichnet sich auch dadurch aus, dass Situationen
jüdischer Tradition unter dem Terror der Nazi-Herrschaft
gezeigt werden. Der Film basiert auf einer Erzählung von
Leonhard Frank. Der Drehbuchautor Angel Wagenstein hat
unter anderem mit Konrad Wolf zusammengearbeitet und
war wesentlich an der demokratischen Wende in Bulgarien
1990 beteiligt.
Der politische Kriminalfilm „Jetzt und in der Stunde meines
Todes“ gehört zu jener Reihe von Defa- Filmen, deren
Augenmerk sowohl auf die nazistischen Hinterlassenschaften als auch Probleme des Verschweigens und Vertuschens
in Westdeutschland gerichtet war. Die westdeutsche
Journalistin Ella Conradi berichtet aus Jerusalem vom
Eichmann-Prozess. Die geschilderten Gräuel schockieren sie
dermaßen, dass sie ihre Reportage abbricht und nach
Deutschland zurückkehrt. Man überträgt ihr die Recherche
in einem scheinbar gewöhnlichen Mordfall. Doch plötzlich
reichen die Fäden zurück in die Nazizeit, sie spinnen sich um
die Vergangenheit führender Persönlichkeiten in Politik,
Justiz und Wirtschaft.
BRD/Ö/USA 1989, 112 Min., Regie: Fons Rademakers
„Der Rosengarten“ ist einerseits ein Drama über die späten
Gräueltaten der Nazis, welche noch 1945 zwanzig jüdische
Kinder erhängten, die zuvor für medizinische Versuche im
Konzentrationslager Neuengamme missbraucht wurden.
Andererseits ist es ein Versuch, den Umgang der
Überlebenden in der fortwährenden Konfrontation mit
Nazi-Kriegsverbrechern zu veranschaulichen, sowie eine
Visualisierung der Opfer-Täter-Umkehr durch das
gerichtliche Verfahren gegen Aaron Reichenbach
(Maximilian
Schell).
Reichenbach
glaubt
jenen
KZ-Kommandanten wiedererkannt zu haben, der für die
eben genannte Ermordung der Kinder verantwortlich war,
wird jedoch, nachdem er ihn niederschlägt, selbst vor
Gericht gestellt. Artur Brauner fungierte bei dem Film „Der
Rosengarten“ sowohl als Produzent als auch als
Drehbuchautor.
Kuratierung durch Univ.-Prof. Dr. Frank Stern, Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und
Mag. Stephan Matyus, KZ-Gedenkstätte Mauthausen.
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