Die Bedeutung der Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext Knowledge Paper zum Webinar vom 18.01.2017 » vimeo.com/199978657 DerMenschenrechtsratderVereintenNationenverabschiedete2011dieUN-LeitprinzipienfürWirtschaftund MenschenrechteundlegtedamiterstmaligAnforderungenfürverantwortungsvolleUnternehmensführungdar. DiedurchdieGlobalisierungimmerkomplexerwerdendenLiefer-undWertschöpfungskettenerhöhendas RisikofürMenschenrechtsverletzungendurchunternehmerischenTätigkeiten.DieFolgesindzunehmende gesetzlicheRegelungen,dieUnternehmenzumehrTransparenzundVerantwortungauffordern.ImFolgenden wirdderZusammenhangzwischenWirtschaftundMenschenrechtensowiediedaraufbasierendengesetzlichen Entwicklungen,gesellschaftlichenErwartungenundwirtschaftlichenChancenfürUnternehmendurchdie ImplementierungmenschenrechtlicherSorgfaltspflichtdargelegt. Content 1 MenschenrechteundWirtschaft 1.1 DieEntwicklungderMenschenrechte–vonsoftlawzuhardlaw 1.2 UnternehmensverantwortungfürMenschenrechte:DieUN-Leitprinzipien 2 MenschenrechteundihreRelevanzfürUnternehmen 2.1 GesetzlicheEntwicklung 2.2 GesellschaftlicheErwartungen 2.3 WirtschaftlicheNotwendigkeitenundChancen 3 BeispielefürMenschenrechteimwirtschaftlichenKontext 3.1 Beispiel:Vereinigungsfreiheit 3.2 Beispiel:ZwangsarbeitundModerneSklaverei 4 Fazit 1 Menschenrechte und Wirtschaft 1.1 Die Entwicklung der Menschenrechte – von soft law zu hard law MenschenrechtesindjeneFreiheitenundRechte,diejedemMenschenvonGeburtanuneingeschränktzustehen, unddiewedervonanderenIndividuenentzogen,nochfreiwilligaufgegebenwerdenkönnen.Artikel1des DeutschenGrundgesetztes(1949)fasstdieMenschenrechtemitdenWorten„DieWürdedesMenschenist unantastbar“zusammen. DenGrundsteinfürdieuniverselleGültigkeitderMenschenrechtelegtedievondenVereintenNationen verabschiedeteAllgemeineErklärungderMenschenrechte(1948)mitdemSatz„AlleMenschensindfreiund gleichanWürdeundRechtengeboren“.Ininsgesamt30ArtikelnlegtdieAllgemeineErklärungder MenschenrechtediegrundlegendenRechte,wiebeispielsweiseGedanken-,Gewissens-undReligionsfreiheit, oderdasRechtaufArbeitundgleichenLohn,dar.SieistdieGrundlagefürdieBetrachtungmenschenrechtlicher Fragestellungen.DieAllgemeineErklärungderMenschenrechteistallerdingszunächsteinerechtlich unverbindlicheWillenserklärung. RechtsverbindlichwurdedieWahrungderMenschenrechteerstdurchdieimJahre1976inKraftgetretenen zentralenUN-Menschenrechtspakte-denInternationalenPaktüberbürgerlicheundpolitischeRechte (Zivilpaket)sowiedenInternationalenPaktüberwirtschaftliche,sozialeundkulturelleRechte(Sozialpakt).Zum aktuellenZeitpunkthaben169StaatendenUN-Zivilpaktund165StaatendenUN-Sozialpaktratifiziert. NebendeninternationalenMenschenrechtsverträgenstelltdieVerabschiedungderKernarbeitsnormender InternationalenArbeitsorganisation(ILO)ausdemJahr1988einenbesonderenMeilensteinfürdie SicherstellungmenschenwürdigerArbeitdar.DieachtKernarbeitsnormenbasierendabeiaufdenvier GrundprinzipenderILO:1.VereinigungsfreiheitundRechtaufKollektivverhandlungen,2.Beseitigungder Zwangsarbeit,3.AbschaffungderKinderarbeitund4.VerbotderDiskriminierunginBeschäftigungundBeruf. DieILOKernarbeitsnormenbieteneinenMindestreferenzrahmenfürArbeitsstandardsundsindinternational anerkannt.DieAllgemeineErklärungderMenschenrechte,derUNZivilpakt,derUNSozialpaktunddieILO KernarbeitsnormenbildendennormativenRahmenfürdiemenschenrechtlicheSorgfaltspflichtvon Unternehmen. 1.2 Unternehmensverantwortung für Menschenrechte: Die UN-Leitprinzipien ImJahr2011wurdedurchdieVerabschiedungderUN-LeitprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechtedie langjährigeDebatteüberdieVerantwortungzurWahrungderMenschenrechteeinengroßenSchritt vorangebracht.1IndenenvonProfessorJohnRuggie2entwickeltenLeitprinzipien(auchRuggie-Prinzipien genannt)wurdenebenderVerpflichtungvonStaatenerstmalsauchdieVerantwortungvonUnternehmenfür denSchutzvonMenschenrechtenklardefiniert.DieUN-LeitprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechte unterscheidendiefolgendendreiVerantwortungsbereiche: 1 2 Vereinte Nationen (2011): Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für Wirtschaft und Menschenrechte. 2 1. Pflicht der Staaten: Staatensinddazuverpflichtet,dieMenschenrechtezuachten,zuschützenundaktivzu fördern. 2. Pflicht der Unternehmen: UnabhängigvonderSchutzpflichtderStaatensindUnternehmendazuverpflichtet, dieMenschenrechtezuwahren,menschenrechtlicheGefahreninihrenGeschäftsprozessenzuvermeiden undmenschenrechtlicheAspekteinihrRisikomanagementaufzunehmen.DieVerantwortung,die Menschenrechtezuachten,erfordert,dassUnternehmeneinesorgfältigeBetrachtungderLieferkette durchführen,uma)nachteiligeAuswirkungenaufdieMenschenrechtedurcheigeneTätigkeitenzu vermeidenundb)negativeAuswirkungenaufdieMenschenrechtezumindern,dieaufGrundeiner GeschäftsbeziehungmitihrerGeschäftstätigkeit,ihrenProduktenoderDienstleistungenunmittelbar verbundensind.Dasgiltselbstdann,wennsienichtzudiesenAuswirkungenbeitragen.DieVerantwortung vonUnternehmenzurAchtungderMenschenrechteistdabeiunabhängigvonderGrößeunddemSektordes Unternehmens.DerUmfangunddieKomplexitätderMaßnahmenvariierenjedochjenachUnternehmen. LautdenUN-LeitprinzipiensolltenUnternehmendiefolgendenMaßnahmenergreifena)Verfassungeiner Grundsatzverpflichtung,ihrerVerantwortungzurAchtungderMenschenrechtenachzukommen,b) EinführungeinesVerfahrenszurGewährleistungdermenschenrechtlichenSorgfaltspflicht,um AuswirkungenaufdieMenschenrechtezuermitteln,zuverhütenundzumildernsowieRechenschaft darüber,wiesiediesenbegegnenabzulegenundc)EntwicklungeinesVerfahrenszurWiedergutmachung nachteiligermenschenrechtlicherAuswirkungen. 3. Pflicht von Staaten und Unternehmen: StaatenundUnternehmenmüssenOpfernvon MenschenrechtsverletzungenZugangzugerichtlichenundaußergerichtlichenBeschwerde-und Sanktionsmaßnahmengewährleisten. DieUN-LeitprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechtedieneninternationalalsLeitlinienfürdie menschenrechtlicheSorgfaltvoninternationalenundmultinationalenKonzernen.AuchindenOECD-Leitsätzen fürmultinationaleUnternehmensinddieUN-Leitprinzipienverankert. 3 2 Menschenrechte und ihre Relevanz für Unternehmen AusunsererStudie„LieferkettensindMenschenketten:WodeutscheUnternehmeninBezugaufMenschenrechte stehen“(2016)gehtklarhervor,dassnebendenzunehmendengesetzlichenVorschrifteninsbesondereauchdie steigendenErwartungenderGesellschaftundwirtschaftlicheFaktorendenDruckaufUnternehmen entscheidenderhöhen.3 2.1 Gesetzliche Entwicklung InDeutschlandwurdendieUN-LeiprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechtedurchdenNationalen AktionsplanWirtschaftundMenschenrechte(NAP)unddurchdieCSR-Berichtspflichtverankert.Deram21. Dezember2016verabschiedeteNAPenthältkeinegesetzlichenVorgabenfüreinemenschenrechtliche Sorgfaltsprüfung,formuliertjedochklareErwartungenderdeutschenPolitikanUnternehmen.Nebender DurchführungeinermenschenrechtlichenSorgfaltsprüfung,einschließlicheinermenschenrechtlichen Risikoanalyse,wirdvonUnternehmenerwartet,dasssieeineöffentlicheGrundsatzerklärungzurAchtungder Menschenrechteablegen,VerfahrenzurErmittlungvonMenschenrechtsverletzungenimplementierenund TransparenzindieUnternehmenstätigkeitenbringen.ZieldesNAPsistes,dassbis202050%allerdeutschen Unternehmenmitmehrals500MitarbeiterneinemenschenrechtlicheSorgfaltsprüfunginihre Unternehmensprozesseintegrierthaben.SolltediesesZielnichterreichtwerden,siehtderNAPdie VerabschiedunggesetzlicherMaßnahmenvor. AufeuropäischerEbenewirddurchdie2014vomEuropäischeParlamentbeschlosseneCSR-Richtlinieeine erweiterteBerichtspflichtvonkapitalmarktorientiertenUnternehmenverlangt.DasCSR-RichtlinieUmsetzungsgesetztwurdeam9.März2017vomdeutschenBundestagbeschlossenundgiltrückwirkendseit dem1.Januar2017.ImGegensatzzumNAPistdieCSR-Berichtspflichtrechtlichbindend.AlleUnternehmenmit mehrals500BeschäftigtensinddemnachzumehrTransparenzinBezugaufdieImplementierungeiner menschenrechtlichenRisikoanalyse,MaßnahmenzurMinimierungmenschenrechtlicherRisikenund regelmäßigesMonitoringverpflichtet.DiegesetzlichenNeuerungenbetreffennichtnurgroßeUnternehmen, sondernindirektauchkleinereundmittelständischeUnternehmenwiebeispielsweiseZuliefererund GeschäftspartnervonUnternehmen,dieunterdieCSR-Berichtspflichtfallen.4 2.2 Gesellschaftliche Erwartungen DieWahrungderMenschenrechtegehörtheutzutageebensozueinermodernenNachhaltigkeitsstrategieeines Unternehmens,wiederverantwortungsvolleUmgangmitnatürlichenRessourcenunddasBestreben, Umweltbelastungenzureduzieren.DerwohlgrößteDruckaufUnternehmenwirddurchdieArbeitvonNGOs undMedienunddiedamitverbundeneAngstvorReputationsschädenausgeübt.DurchdiesozialenMedien könnenbreiteBevölkerungsmasseninkürzesterZeitübermenschenrechtlicheMissständeinformiertwerden. NichtseltenkommtesaufdieseWeisez.B.zurAufdeckunggroßerSkandale,zuöffentlichenBoykottaufrufenund ForderungennachmehrNachhaltigkeitundTransparenz.AuchfürKonsumentenspieltdiemenschenrechtliche SorgfaltspflichteinebedeutendeRolle.LautdesjährlicherscheinendenEdelmannTrustBarometersglaubtenim Jahr201680%derBefragtendaran,dassUnternehmenihrenUmsatzsteigernundgleichzeitigsozialeund ökonomischeBedingungenverbessernkönnen.5Weiterhingaben50%derBefragtenan,dassihrVertrauenin Für mehr Informationen zum Thema siehe Löning (2016): Lieferketten sind Menschenketten: Wo deutsche Unternehmen in Bezug auf Menschenrechte stehen. Für mehr Informationen zum Thema siehe das Knowledge Paper Löning (2017): Die CSR-Berichtspflicht. 5 Edelman (2016): Edelman Trust Barometer. 3 4 4 einUnternehmensinke,wenndasUnternehmennichtzumAllgemeinwohlbeiträgt.Insbesonderejunge MenschenlegennichtnurbeimKaufvonProdukten,sondernauchbeiderWahldesArbeitgeberszunehmend Wertaufverantwortungsvolleswirtschaften. 2.3 Wirtschaftliche Notwendigkeiten und Chancen DieImplementierungeinerMenschenrechtstrategiebietetnebenderErfüllunggesellschaftlicherErwartungen auchzahlreichewirtschaftlicheVorteileundChancen.Unternehmen,diedermenschenrechtlichen Sorgfaltspflichtnachkommen,könnenpotenzielleRisiken,wiebeispielsweiseReputationsschäden, ProzessrisikenoderHaftungsrisikenvorbeugenundminimieren.DurchnachhaltigesWirtschaftenkönnensich außerdemneuePartnerschaftenundverbesserteHandelsbeziehungenergeben.Durchverbesserte LieferantenbeziehungenodereineDiversifizierungderBeschaffungsquellenkannzudemdasBeschaffungsrisiko knapperRohstoffereduziertwerden.DamitleistetnachhaltigesWirtschafteneinenwichtigenBeitragzueiner gerechterenGestaltungderGlobalisierungundträgtzumsozialenFriedenbei. DarüberhinauskanneinenachhaltigeUnternehmensstrategiedenZugangzuInvestorenundneuenFinanzmittel erleichtern.LauteinerStudiederBostonConsultingGroupausdemJahr2016istfür75%derbefragten InvestorenNachhaltigkeiteinwichtigesInvestitionskriterium,Tendenzsteigend.6InDeutschlandsehensogar 88%derbefragtenInvestorenNachhaltigkeitalswichtigenFaktorbeiAnlageentscheidungen.Auchbeider RekrutierungvonneuenqualifiziertenMitarbeiternbirgteinefundierteNachhaltigkeitsstrategiegroße Wettbewerbsvorteile.LauteinerStudievonConeCommunicationsausdemJahr2015würden62%der sogenanntenMillennialssogareineGehaltsreduzierunghinnehmen,umfüreinverantwortungsvollesund nachhaltigesUnternehmenzuarbeiten.7ZudemkönnendurchverantwortungswolleUnternehmensstrategien innovativeIdeengefördertunddieErschließungneuerAbsatzmärkteermöglichtwerden. 3 Beispiele für Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext JenachBranche,ProduktionundWertschöpfungsketteunterscheidensichdiedurchunternehmerische TätigkeitenbetroffenenMenschenrechte,sowiedasAusmaßderAuswirkungen.Einerobusteundumfangreiche menschenrechtlicheRisikoanalysebildetdaherdenGrundsteineinererfolgreichenMenschenrechtsstrategie. UmeinemöglichstobjektiveAnalysederpotentiellenundtatsächlichennegativenmenschenrechtlichen AuswirkungeneinesUnternehmenszugewährleisten,sollteninterneundexterneExpertenhinzugezogen werden.EsistwichtigsowohldiefüreinUnternehmen(riskassessment)alsauchdiefürdieRechteinhaber (impactassessment)relevantenRisikenzuberücksichtigen.EntscheidendfüreineguteRisikoanalyseistdas StakeholderEngagement,alsodieEinbeziehungallerrelevanterGruppenundIndividuen,dieInteresseanund EinflussaufdieUnternehmensstrategiehaben(beispielsweiseMitarbeiter,InvestorenoderLieferanten).8 InunsererStudie„LieferkettensindMenschenketten:WodeutscheUnternehmeninBezugaufMenschenrechte stehen“(2016)wurdedieRelevanzeinzelnerMenschenrechtevonUnternehmenbewertet.DieBefragungzeigt, dassfastalleUnternehmeneineVerbindungzwischenMenschenrechtenundihrerGeschäftstätigkeitsehen. Boston Consulting Group (2016): Investigators Care More About Sustainability Than Many Executives Believe. Cone Communications (2015): Millennial CSR Study. 8 Für mehr Informationen zum Thema siehe das Knowledge Paper Löning (2017): „Menschenrechtliche Risikoanalyse“. 6 7 5 Für wie relevant halten Sie die Menschenrechte für die globale Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens? (Angaben in Prozent) gar nicht relevant eher nicht relevant fast nicht relevant eher relevant relevant sehr relevant Vereinigungsfreiheit: Recht zur Bildung von Gewerkschaften 4 4 13 33 46 Verbot von Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf 4 8 13 25 50 Recht auf Gleichheit des Entgeltes und angemessene Entlohnung 4 12 13 25 46 Schutz der Privatsphäre des Einzelnen 8 13 4 21 54 Recht auf Leben, Freiheit, Sicherheit und Gesundheit 4 4 13 17 8 Recht auf Kollektivverhandlungen 4 12 21 Verbot von Kinderarbeit 4 13 8 8 54 21 8 42 58 Anspruch auf rechtliches Gehör und faire Gerichtsverfahren 4 12 25 17 42 Meinungs- und Informationsfreiheit 4 4 17 13 13 50 Recht auf Bildung 4 4 8 33 9 42 6 Recht auf Erholung, Freizeit und Begrenzung der Arbeitszeit 4 4 13 21 29 Verbot von Sklaverei und Zwangsarbeit 8 13 13 13 29 54 Recht auf soziale Sicherheit 4 4 13 33 25 21 Recht auf sauberes Wasser und ausreichende Ernährung 8 12 21 4 Religionsfreiheit 8 4 21 17 38 29 13 25 Recht auf Eigentum, Schutz von Landnutzungsrechten 21 8 8 17 Schutz der Rechte indigener Gemeinschaften 17 21 25 17 29 8 8 21 3.1 Beispiel: Vereinigungsfreiheit DasThemaVereinigungsfreiheitunddasRechtaufKollektivverhandlungenistfürvieleUnternehmenbesonders relevant.DieVereinigungsfreiheiterlaubtes,ArbeitnehmernVereinigungenzugründenundbeizutreten.Diesist elementarfürdasBestehenvonBetriebsrätenoderGewerkschaften;ZusammenschlüssedieesArbeitnehmern erlauben,mitdemArbeitgeberinVerhandlungen,beispielsweisezuArbeitsbedingungenzutreten.Unternehmen sinddazuverpflichtet,alleerforderlichenundgeeignetenMaßnahmenzutreffen,umdenArbeitnehmernund denArbeitgeberndiefreieAusübungdesVereinigungsrechteszugewährleisten.Aufgrundländerspezifischer UnterschiedekommtesjedochimmerwiederzuKonflikten,daineinigenLänderndieVereinigungsfreiheit gegennationalgeltendesRechtverstößt.In82Ländernwiez.B.inChinaoderVietnamgibteskeinRechtauf Vereinigungsfreiheitundin89LändernwirdkeinodernureinsehrstarkeingeschränktesRechtauf Kollektivverhandlungengewährleistet.UnternehmenbefindensichdementsprechendineinemDilemma,daes ihnengesetzlichnichterlaubtist,demVereinigungsrechtnachzukommen.IndiesenFällensolltenstandort-und unternehmensspezifischeProgrammezurFörderungderVereinigungsfreiheitentwickeltwerden. BeispielsweisehatdasUnternehmenJohnLewisPartnershipeinProgrammfürseineFabrikeninChina entwickelt.DurchSchulungenüberArbeitnehmerrechteundBeschwerdemechanismen,sowiedurchdenEinsatz vonArbeitnehmerrepräsentantenindenFabriken,wirdderDialogzwischenManagernundArbeiterngefördert. AufdieseWeiseversuchtJohnLewisaufdieRechtederArbeitnehmerzuachtenundihrenSchutzzu gewährleisten. 3.2 Beispiel: Zwangsarbeit und Moderne Sklaverei ModerneSklavereiistinvielenLändernundUnternehmennochimmereinTabuthema.Dabeilebenundarbeiten vieleMillionenMenschenunterSklavereiodersklavenähnlichenBedingungen.SogewinntdieBekämpfung modernerSklavereizunehmendanBedeutung.ErstkürzlichhabensichdieStaats-undRegierungschefsbeim G20GipfelinHamburgdaraufgeeinigt,umgehendwirksameMaßnahmenzurBeseitigungmodernerSklavereizu ergreifen.AktuellenZahlenderILOundUNzufolge,arbeitenweltweitfast21MillionenMenschenunter sklavenähnlichenBedingungen,davonalleineca.880.000MenscheninEuropa.9ModerneSklavereibeschreibt einen„Zustand,indemeinePersonbesessenundkontrolliertwird,mitdemZiel,ausdemMenschenProfitzu schlagen,ihnzumissbrauchenoderzuschleusen“.10ZurmodernenSklavereizählenunterschiedlicheFormen derAusbeutungvonArbeitskraft,wieetwaZwangsarbeit,KinderarbeitoderMenschenhandel.NichtnurinAsien undAfrika,sondernauchineuropäischenLändern,wieSpanienundItalien,findensichErwachseneundKinder inSituationenmodernerSklavereiwieder.NichtseltenkommendieinEuropaalsSklavenlebendenMenschen selbstausdemeuropäischenRaum,beispielsweiseausRumänienoderBulgarien.ModerneSklavereiisthäufig dieFolgetiefgreifenderstrukturellerProblemeundfürUnternehmennurschwerzuerkennenundnoch schwererzubekämpfen.ImFallevonSklavereiisteineinfacherWechselvonLieferantenoder Produktionsstättenbeispielsweisenichtausreichend,daeinesolcheMaßnahmenichtzurallgemeinen BekämpfungmenschenunwürdigerArbeitbeiträgt.ZurBekämpfungvonModernerSklavereibedarfeseiner ganzheitlichenUnternehmensstrategie,beiderdieUrsachenderProblematikindenFokusgestelltwerden.Die folgendenSchrittesolltenzurBekämpfungModernerSklavereidurchgeführtwerden: – EntwicklungunternehmensweiterStandardsundPrinzipien(TopLevelEngagementdesUnternehmens, Verhaltensgrundsätze,Beschwerdemechanismen) – DurchführungeinermenschenrechtlichenRisikoanalyseentlangdergesamtenLieferkette – DefinitionvonHandlungsfeldernundImplementierunggeeigneterMaßnahmen/Prozesse – AusbauvoneinemganzheitlichenGrundverständniszumThemaModerneSklaverei(z.B.Schulungen) – DurchführungvonkontinuierlicherDueDiligenceinderLieferkette(z.B.Audits,SupplierScoreCards) GleichzeitigstelltdieZusammenarbeitmitNGOs,GewerkschaftenundArbeitgeberverbändensowielokalen BündnissenundVereinigungeneinewichtigeMöglichkeitfürUnternehmendar,sichzielgerichtetundeffektivin derBekämpfungvonModernerSklavereizuengagieren.AlsBeispielfüreinesolcheMulti-StakeholderInitiative dientdie1998inderUKgegründeteEthicalTradingInitiative(ETI).DieETIisteineAllianzausUnternehmen, GewerkschaftenundNGOs,dieessichzumZielgesetzthatmitderDurchsetzungvonVerhaltenskodizesdie Arbeitnehmerrechteweltweitzufördernundzuverbessern.AlleMitgliederderETIhabensichverpflichtet,den sogenannten„ETIBaseCode“,deraufdenStandardsderInternationalenArbeitsorganisationbasiert, einzuhalten.11 ILO (2016): Moderne Sklaverei und die weltweite Ausbeutung von Arbeitskraft. Walk Free Foundation. 11 Ethical Trading Initative. 9 10 7 4 Fazit DurchdieGlobalisierungistdasRisikofürUnternehmenMenschenrechteentlangihrerLieferkettenzuverletzen deutlichgestiegen.DurchdieVerabschiedungderUN-LeitlinienfürWirtschaftundMenschenrechteundden daraufbasierendendeutschenNationalenAktionsplanWirtschaftundMenschenrechtewerdennebenStaaten erstmaligauchUnternehmendazuverpflichtetnachhaltigeglobaleLieferkettenzugewährleisten.Zunehmende gesetzlicheVerpflichtungen,gesellschaftlicheErwartungenundwirtschaftlicheNotwendigkeiterhöhen außerdemdenDruckaufdeutscheUnternehmen,dieAchtungunddenSchutzderMenschenrechteinihrer Unternehmensstrategiezuverankern. WirtschaftsaktivitätenkönnenaufunterschiedlichsteundkomplexeWeiseimKonfliktmitMenschenrechten stehen.MitHilfeunsereExpertisehelfenwirIhremUnternehmenbeiderEntwicklungeiner Menschenrechtsstrategie,sowiederDurchführungvonStakeholderAnalysenundmenschenrechtlichen RisikoanalysenundbietenIhnenindividuelleBeratungzuMenschenrechtsthemenan.SolltenSieFragenhaben odereineausführlicheBeratungwünschen,könnenSiesichjederzeitmitunsinVerbindungsetzen. Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung! 8 MarkusLöning CEO StephaniePoppendörfer Beraterin LisaSzeponik Beraterin TellMünzing Berater ThaoWiesner Researcherin WeitereKnowledgePaperfindenSieaufunsererWebseitehttp://www.loening-berlin.de/ Löning–HumanRights&ResponsibleBusiness Naunynstrasse40,10999Berlin·T+493061653150·[email protected]