Die Bedeutung der Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext

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Die Bedeutung der Menschenrechte im
wirtschaftlichen Kontext
Knowledge Paper zum Webinar vom 18.01.2017 » vimeo.com/199978657
DerMenschenrechtsratderVereintenNationenverabschiedete2011dieUN-LeitprinzipienfürWirtschaftund
MenschenrechteundlegtedamiterstmaligAnforderungenfürverantwortungsvolleUnternehmensführungdar.
DiedurchdieGlobalisierungimmerkomplexerwerdendenLiefer-undWertschöpfungskettenerhöhendas
RisikofürMenschenrechtsverletzungendurchunternehmerischenTätigkeiten.DieFolgesindzunehmende
gesetzlicheRegelungen,dieUnternehmenzumehrTransparenzundVerantwortungauffordern.ImFolgenden
wirdderZusammenhangzwischenWirtschaftundMenschenrechtensowiediedaraufbasierendengesetzlichen
Entwicklungen,gesellschaftlichenErwartungenundwirtschaftlichenChancenfürUnternehmendurchdie
ImplementierungmenschenrechtlicherSorgfaltspflichtdargelegt.
Content
1
MenschenrechteundWirtschaft
1.1 DieEntwicklungderMenschenrechte–vonsoftlawzuhardlaw
1.2 UnternehmensverantwortungfürMenschenrechte:DieUN-Leitprinzipien
2
MenschenrechteundihreRelevanzfürUnternehmen
2.1 GesetzlicheEntwicklung
2.2 GesellschaftlicheErwartungen
2.3 WirtschaftlicheNotwendigkeitenundChancen
3
BeispielefürMenschenrechteimwirtschaftlichenKontext
3.1 Beispiel:Vereinigungsfreiheit
3.2 Beispiel:ZwangsarbeitundModerneSklaverei
4
Fazit
1 Menschenrechte und Wirtschaft
1.1 Die Entwicklung der Menschenrechte – von soft law zu hard law
MenschenrechtesindjeneFreiheitenundRechte,diejedemMenschenvonGeburtanuneingeschränktzustehen,
unddiewedervonanderenIndividuenentzogen,nochfreiwilligaufgegebenwerdenkönnen.Artikel1des
DeutschenGrundgesetztes(1949)fasstdieMenschenrechtemitdenWorten„DieWürdedesMenschenist
unantastbar“zusammen.
DenGrundsteinfürdieuniverselleGültigkeitderMenschenrechtelegtedievondenVereintenNationen
verabschiedeteAllgemeineErklärungderMenschenrechte(1948)mitdemSatz„AlleMenschensindfreiund
gleichanWürdeundRechtengeboren“.Ininsgesamt30ArtikelnlegtdieAllgemeineErklärungder
MenschenrechtediegrundlegendenRechte,wiebeispielsweiseGedanken-,Gewissens-undReligionsfreiheit,
oderdasRechtaufArbeitundgleichenLohn,dar.SieistdieGrundlagefürdieBetrachtungmenschenrechtlicher
Fragestellungen.DieAllgemeineErklärungderMenschenrechteistallerdingszunächsteinerechtlich
unverbindlicheWillenserklärung.
RechtsverbindlichwurdedieWahrungderMenschenrechteerstdurchdieimJahre1976inKraftgetretenen
zentralenUN-Menschenrechtspakte-denInternationalenPaktüberbürgerlicheundpolitischeRechte
(Zivilpaket)sowiedenInternationalenPaktüberwirtschaftliche,sozialeundkulturelleRechte(Sozialpakt).Zum
aktuellenZeitpunkthaben169StaatendenUN-Zivilpaktund165StaatendenUN-Sozialpaktratifiziert.
NebendeninternationalenMenschenrechtsverträgenstelltdieVerabschiedungderKernarbeitsnormender
InternationalenArbeitsorganisation(ILO)ausdemJahr1988einenbesonderenMeilensteinfürdie
SicherstellungmenschenwürdigerArbeitdar.DieachtKernarbeitsnormenbasierendabeiaufdenvier
GrundprinzipenderILO:1.VereinigungsfreiheitundRechtaufKollektivverhandlungen,2.Beseitigungder
Zwangsarbeit,3.AbschaffungderKinderarbeitund4.VerbotderDiskriminierunginBeschäftigungundBeruf.
DieILOKernarbeitsnormenbieteneinenMindestreferenzrahmenfürArbeitsstandardsundsindinternational
anerkannt.DieAllgemeineErklärungderMenschenrechte,derUNZivilpakt,derUNSozialpaktunddieILO
KernarbeitsnormenbildendennormativenRahmenfürdiemenschenrechtlicheSorgfaltspflichtvon
Unternehmen.
1.2 Unternehmensverantwortung für Menschenrechte: Die UN-Leitprinzipien
ImJahr2011wurdedurchdieVerabschiedungderUN-LeitprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechtedie
langjährigeDebatteüberdieVerantwortungzurWahrungderMenschenrechteeinengroßenSchritt
vorangebracht.1IndenenvonProfessorJohnRuggie2entwickeltenLeitprinzipien(auchRuggie-Prinzipien
genannt)wurdenebenderVerpflichtungvonStaatenerstmalsauchdieVerantwortungvonUnternehmenfür
denSchutzvonMenschenrechtenklardefiniert.DieUN-LeitprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechte
unterscheidendiefolgendendreiVerantwortungsbereiche:
1
2
Vereinte Nationen (2011): Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte.
ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für Wirtschaft und Menschenrechte.
2
1.
Pflicht der Staaten: Staatensinddazuverpflichtet,dieMenschenrechtezuachten,zuschützenundaktivzu
fördern.
2.
Pflicht der Unternehmen: UnabhängigvonderSchutzpflichtderStaatensindUnternehmendazuverpflichtet,
dieMenschenrechtezuwahren,menschenrechtlicheGefahreninihrenGeschäftsprozessenzuvermeiden
undmenschenrechtlicheAspekteinihrRisikomanagementaufzunehmen.DieVerantwortung,die
Menschenrechtezuachten,erfordert,dassUnternehmeneinesorgfältigeBetrachtungderLieferkette
durchführen,uma)nachteiligeAuswirkungenaufdieMenschenrechtedurcheigeneTätigkeitenzu
vermeidenundb)negativeAuswirkungenaufdieMenschenrechtezumindern,dieaufGrundeiner
GeschäftsbeziehungmitihrerGeschäftstätigkeit,ihrenProduktenoderDienstleistungenunmittelbar
verbundensind.Dasgiltselbstdann,wennsienichtzudiesenAuswirkungenbeitragen.DieVerantwortung
vonUnternehmenzurAchtungderMenschenrechteistdabeiunabhängigvonderGrößeunddemSektordes
Unternehmens.DerUmfangunddieKomplexitätderMaßnahmenvariierenjedochjenachUnternehmen.
LautdenUN-LeitprinzipiensolltenUnternehmendiefolgendenMaßnahmenergreifena)Verfassungeiner
Grundsatzverpflichtung,ihrerVerantwortungzurAchtungderMenschenrechtenachzukommen,b)
EinführungeinesVerfahrenszurGewährleistungdermenschenrechtlichenSorgfaltspflicht,um
AuswirkungenaufdieMenschenrechtezuermitteln,zuverhütenundzumildernsowieRechenschaft
darüber,wiesiediesenbegegnenabzulegenundc)EntwicklungeinesVerfahrenszurWiedergutmachung
nachteiligermenschenrechtlicherAuswirkungen.
3.
Pflicht von Staaten und Unternehmen: StaatenundUnternehmenmüssenOpfernvon
MenschenrechtsverletzungenZugangzugerichtlichenundaußergerichtlichenBeschwerde-und
Sanktionsmaßnahmengewährleisten.
DieUN-LeitprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechtedieneninternationalalsLeitlinienfürdie
menschenrechtlicheSorgfaltvoninternationalenundmultinationalenKonzernen.AuchindenOECD-Leitsätzen
fürmultinationaleUnternehmensinddieUN-Leitprinzipienverankert.
3
2 Menschenrechte und ihre Relevanz für Unternehmen
AusunsererStudie„LieferkettensindMenschenketten:WodeutscheUnternehmeninBezugaufMenschenrechte
stehen“(2016)gehtklarhervor,dassnebendenzunehmendengesetzlichenVorschrifteninsbesondereauchdie
steigendenErwartungenderGesellschaftundwirtschaftlicheFaktorendenDruckaufUnternehmen
entscheidenderhöhen.3
2.1 Gesetzliche Entwicklung
InDeutschlandwurdendieUN-LeiprinzipienfürWirtschaftundMenschenrechtedurchdenNationalen
AktionsplanWirtschaftundMenschenrechte(NAP)unddurchdieCSR-Berichtspflichtverankert.Deram21.
Dezember2016verabschiedeteNAPenthältkeinegesetzlichenVorgabenfüreinemenschenrechtliche
Sorgfaltsprüfung,formuliertjedochklareErwartungenderdeutschenPolitikanUnternehmen.Nebender
DurchführungeinermenschenrechtlichenSorgfaltsprüfung,einschließlicheinermenschenrechtlichen
Risikoanalyse,wirdvonUnternehmenerwartet,dasssieeineöffentlicheGrundsatzerklärungzurAchtungder
Menschenrechteablegen,VerfahrenzurErmittlungvonMenschenrechtsverletzungenimplementierenund
TransparenzindieUnternehmenstätigkeitenbringen.ZieldesNAPsistes,dassbis202050%allerdeutschen
Unternehmenmitmehrals500MitarbeiterneinemenschenrechtlicheSorgfaltsprüfunginihre
Unternehmensprozesseintegrierthaben.SolltediesesZielnichterreichtwerden,siehtderNAPdie
VerabschiedunggesetzlicherMaßnahmenvor.
AufeuropäischerEbenewirddurchdie2014vomEuropäischeParlamentbeschlosseneCSR-Richtlinieeine
erweiterteBerichtspflichtvonkapitalmarktorientiertenUnternehmenverlangt.DasCSR-RichtlinieUmsetzungsgesetztwurdeam9.März2017vomdeutschenBundestagbeschlossenundgiltrückwirkendseit
dem1.Januar2017.ImGegensatzzumNAPistdieCSR-Berichtspflichtrechtlichbindend.AlleUnternehmenmit
mehrals500BeschäftigtensinddemnachzumehrTransparenzinBezugaufdieImplementierungeiner
menschenrechtlichenRisikoanalyse,MaßnahmenzurMinimierungmenschenrechtlicherRisikenund
regelmäßigesMonitoringverpflichtet.DiegesetzlichenNeuerungenbetreffennichtnurgroßeUnternehmen,
sondernindirektauchkleinereundmittelständischeUnternehmenwiebeispielsweiseZuliefererund
GeschäftspartnervonUnternehmen,dieunterdieCSR-Berichtspflichtfallen.4
2.2 Gesellschaftliche Erwartungen
DieWahrungderMenschenrechtegehörtheutzutageebensozueinermodernenNachhaltigkeitsstrategieeines
Unternehmens,wiederverantwortungsvolleUmgangmitnatürlichenRessourcenunddasBestreben,
Umweltbelastungenzureduzieren.DerwohlgrößteDruckaufUnternehmenwirddurchdieArbeitvonNGOs
undMedienunddiedamitverbundeneAngstvorReputationsschädenausgeübt.DurchdiesozialenMedien
könnenbreiteBevölkerungsmasseninkürzesterZeitübermenschenrechtlicheMissständeinformiertwerden.
NichtseltenkommtesaufdieseWeisez.B.zurAufdeckunggroßerSkandale,zuöffentlichenBoykottaufrufenund
ForderungennachmehrNachhaltigkeitundTransparenz.AuchfürKonsumentenspieltdiemenschenrechtliche
SorgfaltspflichteinebedeutendeRolle.LautdesjährlicherscheinendenEdelmannTrustBarometersglaubtenim
Jahr201680%derBefragtendaran,dassUnternehmenihrenUmsatzsteigernundgleichzeitigsozialeund
ökonomischeBedingungenverbessernkönnen.5Weiterhingaben50%derBefragtenan,dassihrVertrauenin
Für mehr Informationen zum Thema siehe Löning (2016): Lieferketten sind Menschenketten: Wo deutsche Unternehmen in Bezug auf Menschenrechte stehen.
Für mehr Informationen zum Thema siehe das Knowledge Paper Löning (2017): Die CSR-Berichtspflicht.
5 Edelman (2016): Edelman Trust Barometer.
3
4
4
einUnternehmensinke,wenndasUnternehmennichtzumAllgemeinwohlbeiträgt.Insbesonderejunge
MenschenlegennichtnurbeimKaufvonProdukten,sondernauchbeiderWahldesArbeitgeberszunehmend
Wertaufverantwortungsvolleswirtschaften.
2.3 Wirtschaftliche Notwendigkeiten und Chancen
DieImplementierungeinerMenschenrechtstrategiebietetnebenderErfüllunggesellschaftlicherErwartungen
auchzahlreichewirtschaftlicheVorteileundChancen.Unternehmen,diedermenschenrechtlichen
Sorgfaltspflichtnachkommen,könnenpotenzielleRisiken,wiebeispielsweiseReputationsschäden,
ProzessrisikenoderHaftungsrisikenvorbeugenundminimieren.DurchnachhaltigesWirtschaftenkönnensich
außerdemneuePartnerschaftenundverbesserteHandelsbeziehungenergeben.Durchverbesserte
LieferantenbeziehungenodereineDiversifizierungderBeschaffungsquellenkannzudemdasBeschaffungsrisiko
knapperRohstoffereduziertwerden.DamitleistetnachhaltigesWirtschafteneinenwichtigenBeitragzueiner
gerechterenGestaltungderGlobalisierungundträgtzumsozialenFriedenbei.
DarüberhinauskanneinenachhaltigeUnternehmensstrategiedenZugangzuInvestorenundneuenFinanzmittel
erleichtern.LauteinerStudiederBostonConsultingGroupausdemJahr2016istfür75%derbefragten
InvestorenNachhaltigkeiteinwichtigesInvestitionskriterium,Tendenzsteigend.6InDeutschlandsehensogar
88%derbefragtenInvestorenNachhaltigkeitalswichtigenFaktorbeiAnlageentscheidungen.Auchbeider
RekrutierungvonneuenqualifiziertenMitarbeiternbirgteinefundierteNachhaltigkeitsstrategiegroße
Wettbewerbsvorteile.LauteinerStudievonConeCommunicationsausdemJahr2015würden62%der
sogenanntenMillennialssogareineGehaltsreduzierunghinnehmen,umfüreinverantwortungsvollesund
nachhaltigesUnternehmenzuarbeiten.7ZudemkönnendurchverantwortungswolleUnternehmensstrategien
innovativeIdeengefördertunddieErschließungneuerAbsatzmärkteermöglichtwerden.
3 Beispiele für Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext
JenachBranche,ProduktionundWertschöpfungsketteunterscheidensichdiedurchunternehmerische
TätigkeitenbetroffenenMenschenrechte,sowiedasAusmaßderAuswirkungen.Einerobusteundumfangreiche
menschenrechtlicheRisikoanalysebildetdaherdenGrundsteineinererfolgreichenMenschenrechtsstrategie.
UmeinemöglichstobjektiveAnalysederpotentiellenundtatsächlichennegativenmenschenrechtlichen
AuswirkungeneinesUnternehmenszugewährleisten,sollteninterneundexterneExpertenhinzugezogen
werden.EsistwichtigsowohldiefüreinUnternehmen(riskassessment)alsauchdiefürdieRechteinhaber
(impactassessment)relevantenRisikenzuberücksichtigen.EntscheidendfüreineguteRisikoanalyseistdas
StakeholderEngagement,alsodieEinbeziehungallerrelevanterGruppenundIndividuen,dieInteresseanund
EinflussaufdieUnternehmensstrategiehaben(beispielsweiseMitarbeiter,InvestorenoderLieferanten).8
InunsererStudie„LieferkettensindMenschenketten:WodeutscheUnternehmeninBezugaufMenschenrechte
stehen“(2016)wurdedieRelevanzeinzelnerMenschenrechtevonUnternehmenbewertet.DieBefragungzeigt,
dassfastalleUnternehmeneineVerbindungzwischenMenschenrechtenundihrerGeschäftstätigkeitsehen.
Boston Consulting Group (2016): Investigators Care More About Sustainability Than Many Executives Believe.
Cone Communications (2015): Millennial CSR Study.
8 Für mehr Informationen zum Thema siehe das Knowledge Paper Löning (2017): „Menschenrechtliche Risikoanalyse“.
6
7
5
Für wie relevant halten Sie die Menschenrechte für die globale
Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens? (Angaben in Prozent)
gar nicht
relevant
eher nicht
relevant
fast nicht
relevant
eher
relevant
relevant
sehr
relevant
Vereinigungsfreiheit: Recht zur Bildung von Gewerkschaften
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4
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33
46
Verbot von Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf
4
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50
Recht auf Gleichheit des Entgeltes und angemessene Entlohnung
4
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46
Schutz der Privatsphäre des Einzelnen
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Recht auf Leben, Freiheit, Sicherheit und Gesundheit
4
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Recht auf Kollektivverhandlungen
4
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Verbot von Kinderarbeit
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58
Anspruch auf rechtliches Gehör und faire Gerichtsverfahren
4
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42
Meinungs- und Informationsfreiheit
4
4
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50
Recht auf Bildung
4
4
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6
Recht auf Erholung, Freizeit und Begrenzung der Arbeitszeit
4
4
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Verbot von Sklaverei und Zwangsarbeit
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Recht auf soziale Sicherheit
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Recht auf sauberes Wasser und ausreichende Ernährung
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4
Religionsfreiheit
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Recht auf Eigentum, Schutz von Landnutzungsrechten
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8
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Schutz der Rechte indigener Gemeinschaften
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8
8
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3.1 Beispiel: Vereinigungsfreiheit
DasThemaVereinigungsfreiheitunddasRechtaufKollektivverhandlungenistfürvieleUnternehmenbesonders
relevant.DieVereinigungsfreiheiterlaubtes,ArbeitnehmernVereinigungenzugründenundbeizutreten.Diesist
elementarfürdasBestehenvonBetriebsrätenoderGewerkschaften;ZusammenschlüssedieesArbeitnehmern
erlauben,mitdemArbeitgeberinVerhandlungen,beispielsweisezuArbeitsbedingungenzutreten.Unternehmen
sinddazuverpflichtet,alleerforderlichenundgeeignetenMaßnahmenzutreffen,umdenArbeitnehmernund
denArbeitgeberndiefreieAusübungdesVereinigungsrechteszugewährleisten.Aufgrundländerspezifischer
UnterschiedekommtesjedochimmerwiederzuKonflikten,daineinigenLänderndieVereinigungsfreiheit
gegennationalgeltendesRechtverstößt.In82Ländernwiez.B.inChinaoderVietnamgibteskeinRechtauf
Vereinigungsfreiheitundin89LändernwirdkeinodernureinsehrstarkeingeschränktesRechtauf
Kollektivverhandlungengewährleistet.UnternehmenbefindensichdementsprechendineinemDilemma,daes
ihnengesetzlichnichterlaubtist,demVereinigungsrechtnachzukommen.IndiesenFällensolltenstandort-und
unternehmensspezifischeProgrammezurFörderungderVereinigungsfreiheitentwickeltwerden.
BeispielsweisehatdasUnternehmenJohnLewisPartnershipeinProgrammfürseineFabrikeninChina
entwickelt.DurchSchulungenüberArbeitnehmerrechteundBeschwerdemechanismen,sowiedurchdenEinsatz
vonArbeitnehmerrepräsentantenindenFabriken,wirdderDialogzwischenManagernundArbeiterngefördert.
AufdieseWeiseversuchtJohnLewisaufdieRechtederArbeitnehmerzuachtenundihrenSchutzzu
gewährleisten.
3.2 Beispiel: Zwangsarbeit und Moderne Sklaverei
ModerneSklavereiistinvielenLändernundUnternehmennochimmereinTabuthema.Dabeilebenundarbeiten
vieleMillionenMenschenunterSklavereiodersklavenähnlichenBedingungen.SogewinntdieBekämpfung
modernerSklavereizunehmendanBedeutung.ErstkürzlichhabensichdieStaats-undRegierungschefsbeim
G20GipfelinHamburgdaraufgeeinigt,umgehendwirksameMaßnahmenzurBeseitigungmodernerSklavereizu
ergreifen.AktuellenZahlenderILOundUNzufolge,arbeitenweltweitfast21MillionenMenschenunter
sklavenähnlichenBedingungen,davonalleineca.880.000MenscheninEuropa.9ModerneSklavereibeschreibt
einen„Zustand,indemeinePersonbesessenundkontrolliertwird,mitdemZiel,ausdemMenschenProfitzu
schlagen,ihnzumissbrauchenoderzuschleusen“.10ZurmodernenSklavereizählenunterschiedlicheFormen
derAusbeutungvonArbeitskraft,wieetwaZwangsarbeit,KinderarbeitoderMenschenhandel.NichtnurinAsien
undAfrika,sondernauchineuropäischenLändern,wieSpanienundItalien,findensichErwachseneundKinder
inSituationenmodernerSklavereiwieder.NichtseltenkommendieinEuropaalsSklavenlebendenMenschen
selbstausdemeuropäischenRaum,beispielsweiseausRumänienoderBulgarien.ModerneSklavereiisthäufig
dieFolgetiefgreifenderstrukturellerProblemeundfürUnternehmennurschwerzuerkennenundnoch
schwererzubekämpfen.ImFallevonSklavereiisteineinfacherWechselvonLieferantenoder
Produktionsstättenbeispielsweisenichtausreichend,daeinesolcheMaßnahmenichtzurallgemeinen
BekämpfungmenschenunwürdigerArbeitbeiträgt.ZurBekämpfungvonModernerSklavereibedarfeseiner
ganzheitlichenUnternehmensstrategie,beiderdieUrsachenderProblematikindenFokusgestelltwerden.Die
folgendenSchrittesolltenzurBekämpfungModernerSklavereidurchgeführtwerden:
– EntwicklungunternehmensweiterStandardsundPrinzipien(TopLevelEngagementdesUnternehmens,
Verhaltensgrundsätze,Beschwerdemechanismen)
– DurchführungeinermenschenrechtlichenRisikoanalyseentlangdergesamtenLieferkette
– DefinitionvonHandlungsfeldernundImplementierunggeeigneterMaßnahmen/Prozesse
– AusbauvoneinemganzheitlichenGrundverständniszumThemaModerneSklaverei(z.B.Schulungen)
– DurchführungvonkontinuierlicherDueDiligenceinderLieferkette(z.B.Audits,SupplierScoreCards)
GleichzeitigstelltdieZusammenarbeitmitNGOs,GewerkschaftenundArbeitgeberverbändensowielokalen
BündnissenundVereinigungeneinewichtigeMöglichkeitfürUnternehmendar,sichzielgerichtetundeffektivin
derBekämpfungvonModernerSklavereizuengagieren.AlsBeispielfüreinesolcheMulti-StakeholderInitiative
dientdie1998inderUKgegründeteEthicalTradingInitiative(ETI).DieETIisteineAllianzausUnternehmen,
GewerkschaftenundNGOs,dieessichzumZielgesetzthatmitderDurchsetzungvonVerhaltenskodizesdie
Arbeitnehmerrechteweltweitzufördernundzuverbessern.AlleMitgliederderETIhabensichverpflichtet,den
sogenannten„ETIBaseCode“,deraufdenStandardsderInternationalenArbeitsorganisationbasiert,
einzuhalten.11
ILO (2016): Moderne Sklaverei und die weltweite Ausbeutung von Arbeitskraft.
Walk Free Foundation.
11 Ethical Trading Initative.
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4 Fazit
DurchdieGlobalisierungistdasRisikofürUnternehmenMenschenrechteentlangihrerLieferkettenzuverletzen
deutlichgestiegen.DurchdieVerabschiedungderUN-LeitlinienfürWirtschaftundMenschenrechteundden
daraufbasierendendeutschenNationalenAktionsplanWirtschaftundMenschenrechtewerdennebenStaaten
erstmaligauchUnternehmendazuverpflichtetnachhaltigeglobaleLieferkettenzugewährleisten.Zunehmende
gesetzlicheVerpflichtungen,gesellschaftlicheErwartungenundwirtschaftlicheNotwendigkeiterhöhen
außerdemdenDruckaufdeutscheUnternehmen,dieAchtungunddenSchutzderMenschenrechteinihrer
Unternehmensstrategiezuverankern.
WirtschaftsaktivitätenkönnenaufunterschiedlichsteundkomplexeWeiseimKonfliktmitMenschenrechten
stehen.MitHilfeunsereExpertisehelfenwirIhremUnternehmenbeiderEntwicklungeiner
Menschenrechtsstrategie,sowiederDurchführungvonStakeholderAnalysenundmenschenrechtlichen
RisikoanalysenundbietenIhnenindividuelleBeratungzuMenschenrechtsthemenan.SolltenSieFragenhaben
odereineausführlicheBeratungwünschen,könnenSiesichjederzeitmitunsinVerbindungsetzen.
Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!
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MarkusLöning
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