Bündner Woche, 18.4.2012 - Psychiatrische Dienste Graubünden

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Mittwoch, 18. April 2012
Familie & Gesundheit
bündner woche 25
RATGEBER
Sexualität –
keine Lust, zu viel Lust?
Sexualität ist ein wichtiges Thema in jeder Partnerschaft. Viele
Menschen leiden jedoch aus psychischen Gründen unter sexuellen
Störungen. Dagegen kann man mit einfachen Mitteln viel tun.
Fachärzte der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR) sagen,
wie man seine Sexualität wieder erfüllt leben kann.
khr. 20 bis 30 Prozent der Menschen leiden
an funktionellen Sexualstörungen, also an
psychisch bedingten Beeinträchtigungen der
Sexualität ohne körperliche Ursache, wie die
Statistik besagt. «Tatsächlich wirken sich
psychische Probleme häufig unmittelbar auf
den sexuellen Bereich der Partnerschaft
aus», bestätigt Dr. med. Michael Prapotnik,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin der PDGR.
Häufig führen andere, bestehende psychische Erkrankungen wie Angststörungen,
Depressionen oder unbewusste Konflikte,
die bis in die Kindheit zurückreichen können, zu sexuellen Störungen. Ein anderes
Thema sind Medikamente, die wegen psychischer oder körperlicher Erkrankungen
eingenommen werden sollten, jedoch zu sexuellen Nebenwirkungen führen.
Stress und Leistungsdruck
Die Lustlosigkeit im Bett kennt verschiedene
Auslöser: berufliche Belastung (Stress), psychosexuelles Trauma, Partnerprobleme, sexueller Leistungsdruck oder eine körperliche
Erkrankung. «Menschen, die wenig selbstsicher sind, hohe Leistungsansprüche an sich
selbst stellen oder negative sexuelle Vorerfahrungen machen mussten, beklagen öfter
sexuelle Störungen», sagt Prapotnik. Daraus
können sich Versagensängste, sexuelle Aversionen, psychogene Impotenz, Erektionsund Orgasmusstörungen oder sogar
Schmerzen beim sexuellen Kontakt entwickeln. Betroffen sind Frauen (bis zu 43 Pro-
zent) genauso wie Männer (bis zu 31 Prozent).
Darüber reden
Michael Prapotnik: «Da das Thema Sexualität leider oft tabuisiert ist, sprechen die Paare zu wenig oder gar nicht über ihre sexuellen Ängste, Schwierigkeiten und Wünsche.
Dabei wären solche Gespräche ein ganz
wichtiger Schritt auf dem Weg einer erfüllten
Sexualität.»
Der PDGR-Facharzt empfiehlt daher, mit
einem Arzt seines Vertrauens zu reden. Oder
sich im Fall eines belastenden Problems zu
einer Therapie bei den PDGR anzumelden.
Es lohne sich, über seinen Schatten zu springen, seine Verlegenheit und Scham zu überwinden und therapeutische Hilfe zu suchen.
Man könne schliesslich nur gewinnen, findet
Prapotnik.
Befriedigende Sexualität leben
Was braucht es, um seine Sexualität befriedigend leben zu können? «Sicherlich eine
positive Einstellung zur Sexualität und zum
eigenen Körper. Auch sollte man seine eigenen Bedürfnisse kennen und darüber mit
dem Partner sprechen.» Selbstvertrauen
und Selbstwertgefühle spielen hier eine
wichtige Schlüsselrolle. Körperliche Gesundheit, Depressionen und Sexualstörungen
hängen eng zusammen. Sind Psyche und
Körper in Harmonie, kann ein Paar seine Sexualität wieder erfüllt leben. In einer Sexualtherapie werden unter anderem Versagens-
Endlich wieder ein
erfülltes Sexualleben
leben: In Therapien
werden Probleme und
Störungen aufgelöst.
Bilder Susi Haas
Dr. med. Michael Prapotnik, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH der
PDGR und Stv. Leitender Arzt.
ängste aufgelöst, Ängste und Konflikte bearbeitet, die sexuellen Störungen für die Partnerschaft geklärt und neue und ungestörte
sexuelle Verhaltensrepertoires aufgebaut.
Häufig erhalten die Paare «Hausaufgaben»,
durchaus lustvolle, wie etwa «Streichelübungen», um so Körper und Partner ganz
neu zu erforschen. Es gibt aber ebenso Anleitungen dazu, wie ein Paar wieder ins Gespräch kommt, wie es über seine Gefühle
und Bedürfnisse sprechen lernt.
«Zuerst jedoch klären wir ab, ob wir eine
Einzeltherapie oder eine Paartherapie machen sollten. Erst danach folgen die Analyse
der Probleme und psychotherapeutische Gespräche.»
Die PDGR bieten beispielsweise für sexsüchtige Menschen ebenso stationäre Therapien
an. «Die Klinik bietet Betroffenen einen geschützten Rahmen. Sie ist ein Ort, an dem
der Alltag draussen bleibt und schon allein
deshalb neue, andere Verhaltensweisen
möglich werden. Wir erarbeiten mit den Patienten gemeinsam neue Strategien, die ihnen helfen, ein neues Leben ohne Sucht zu
führen.»
n VORTRAG SEXUALITÄT
In seinem Vortrag über Sexualität zeigt
Michael Prapotnik auf, wie es gelingt,
dass Menschen einen natürlichen Umgang
mit ihrer Sexualität finden und wieder ein
erfülltes Sexualleben führen können. Einzelne Störungsbilder werden kurz thematisiert. «Vielleicht braucht es etwas Mut,
den Vortrag zu besuchen. Aber weil dieses
Thema für alle Menschen in jedem Alter
wichtig ist, hoffe ich auf viele Zuhörende.»
• Vortrag «Sexualität – wieder erfüllt
erleben» mit Michael Prapotnik,
24. April, 19 Uhr, Klinik Waldhaus
in Chur
• Anlaufstelle für Gespräche und
Sexualtherapien: Psychiatrische Dienste
Graubünden (PDGR), Klinik Waldhaus
Loëstrasse 220, 7000 Chur
Tel. +41 58 225 25 25, www.pdgr.ch
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