N-Spätdüngung: Mehr Ertrag, bessere Qualität

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 Ackerbau
N-Spätdüngung: Mehr
Ertrag, bessere Qualität
Für schwere Körner
mit viel Eiweiß ist
ausreichend Stickstoff
nötig. Dr. Schönberger,
N.U. Agrar GmbH,
informiert.
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M
it spät gedüngtem Stickstoff nehmen wir Einfl uss auf den Ertrag und die Qualität des Weizens. Die Ertragswirkung beruht auf der Förderung der Blütenfertilität (= Bekörnung je Ährchen) und des Kornwachstums (= Bildung von Speicherzellen im Korn). Zudem wird durch eine rechtzeitige Spätdüngung der Wurzelabbau hinausgezögert, der mit dem Ährenschieben einsetzt. Diese Faktoren werden beeinfl usst, wenn Sie die Versorgung mit Stickstoff ab
dem Fahnenblatt-Stadium bis
zur Blüte anheben. Dadurch
wird das Gewicht der zuerst
gebildeten (Außen-) Körner
gefördert. Wenn jedoch zusätzliche (Mittel-) Körner ausgebildet werden, kann trotzdem
das mittlere TKG geringer ausfallen.
Mehr Stickstoff ab
dem Fahnenblatt
Die Wirkung der Spätgabe
auf die Qualität kommt zum
Tragen, wenn die Speicherzellen gebildet worden sind. Hohe Proteingehalte setzen voraus, daß bereits im Pedunkel
(= oberstes Halmstück) ein hoher Stickstoffvorrat vorhanden
ist. Damit wird gewährleistet,
dass ausreichend Stickstoff in
den ersten 14 Tagen nach der
Befruchtung für den Keimling
und die Eiweißeinlagerung in In diesem Stadium können Sie durch das Vergleichen der Blattverfärbung sicher beurteilen,
die Speicherzellen zur Verfü- ob der Weizen noch ausreichend mit Stickstoff versorgt ist oder die N-Nachlieferung aus dem
Fotos: agrarfoto.com
gung steht. Eine hohe N-Ver- Boden nachlässt. sorgung in der späten Schossphase wirkt sich nicht nur auf
die Ertragsleistung, sondern auch auf die
Backqualität positiv aus.
In den ersten 14 Tagen nach der Befruchtung müssen immerhin 5 bis 8 kg/ha
N aus Blättern und Halmen in die Körner
umgelagert bzw. aus dem Boden aufgenommen werden.
Für die Beurteilung der aktuellen N- die Pflanzen noch reichlich mit StickVersorgung hat sich der Blattvergleich stoff versorgt.
Die Mehrzahl unserer Böden ist nicht
zum Zeitpunkt des Fahnenblattstadi- ● Hellt das vierte gegenüber dem dritin der Lage, in der Phase der Kornbildung und Eiweißeinlagerung ausreichend
ums zusammen mit dem Bestandesauf- ten Blatt auf, ist noch eine gute Versorbau als geeignetes Hilfsmittel erwiesen.
gung gewährleistet.
Stickstoff für hohe Erträge mit hohen
Dünne Bestände haben in EC ● Sofort gedüngt werden muss, wenn
Eiweißgehalten zur Verfügung zu stellen.
Deshalb ist eine N-Spätdüngung erfor37/39 weniger als 400, auf besse- das dritte gegenüber dem zweiten Blatt
ren Standorten weniger als 600 aufhellt.
derlich, wenn nicht durch langjährige orkräftige Halme und kaum noch unViel zu dichte, überzogene
ganische Düngung ein hoher Stickstoffpool im Boden geschaffen wurde. Aber
terständige Triebe ohne Ährenanlage.
Bestände haben in EC 37/39
● Sind in diesen Beständen die vier
selbst in diesen Fällen wird meist pro Tag
deutlich mehr als 600, auf besoberen Blätter eines Halmes gleich
seren Böden mehr als 700 kräftinicht genug Stickstoff mineralisiert, um
den N-Bedarf zu decken.
grün, dann ist die Pflanze noch gut mit ge Triebe und eine Vielzahl noch nicht
Stickstoff versorgt.
reduzierter, unterständiger Triebe.
● Wird das vierte Blatt (von oben ge● Vier gleich grüne Blätter bedeuten in
Wie hoch ist der N-Bedarf?
zählt) gegenüber dem dritten Blatt be- diesem Fall, dass der Bestand heillos
Bei 100 dt/ha Kornertrag und 13 % Eireits deutlich heller, ist dies ein Indiz für mit Stickstoff überzogen ist.
● Hellt das vierte gegenüber dem driteine nachlassende N-Nachlieferung.
weiß müssen innerhalb von etwa 30 Ta● Beginnt bereits das dritte gegenüber
gen nach der Blüte rund 190 kg N/ha ins
ten Blatt auf, ist der Bestand immer
Korn gepumpt werden. Ein vergleichbadem zweiten Blatt aufzuhellen, ist die noch reichlich mit Stickstoff versorgt.
rer N-Bedarf ergibt sich bei 75 dt/ha mit
N-Versorgung zu knapp; der Bestand Das Aufhellen bzw. Vergilben ist meist
15 % Eiweiß. Pro Tag müssen über 6 kg
beginnt zu hungern.
eine Reaktion auf den Lichtmangel im
N/ha in das wachsende Korn transporEin dichter Bestand hat im Bestand.
Stadium EC 37/39 auf schwä- ● Wird allerdings das dritte gegenüber
tiert werden.
cheren Böden über 600, auf bes- dem zweiten Blatt heller, lässt offenEin gut geführter Bestand nimmt bis
zur Blüte insgesamt zwischen 150 und
seren Böden über 700 kräftige Trie- sichtlich die N-Nachlieferung nach.
be. Unterständige Triebe sind aber noch
180 kg N/ha auf. In Stroh und Spelzen
Die Unterschiede in der Blattfarbe
vorhanden.
können Sie auch mit dem N-Tester
verbleiben nach der Ernte 50 bis 70 kg/ha
● Bei vier gleich grünen Blättern sind
N. Aus Blättern und Halmen werden sonachvollziehen.
mit 80 und 130 kg N/ha ins Korn umgela-
Diese Symptome zeigen die
N-Versorgung an
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Ackerbau
Übers. 1: N-Gesamtbedarf
von Winterweizen
Bodenart
Bodenpunkte
Ertragsziel dt/ha
für Körner bei 13 % Eiweiß
für Stroh + Wurzeln
Reststickstoff
Gesamt N-Bedarf
S/lS
30
65
sL/L lU/uL tL/lT
60
80
50
90
100
80
N-Bedarf in kg/ha
120
170
180
155
50
45
215
65
55
290
70
60
310
60
70
285
Den je nach Standort notwendigen N-Gesamtbedarf aus
Tabelle 1 setzen Sie in Tabelle 2 oben ein. Danach wird
über Zu- oder Abschläge die erforderliche N-Spätgabe
zu Weizen ermittelt.
gert. Der Boden muss demnach zwischen
70 und 100 kg N/ha in der Zeit zwischen
Blüte und beginnender Teigreife nachliefern. Das sind pro Tag zwischen 2 und 3 kg pro ha N. Selbst auf Spitzenböden ist
im Juni/Juli nicht mehr mit derart hohen
Freisetzungsraten zu rechnen.
Wird zu Beginn des Kornwachstums,
bis zwei Wochen nach der Blüte, nicht genügend Stickstoff ins wachsende Korn
transportiert, leidet der Einzelährenertrag. Bereits befruchtete Kornanlagen
werden nicht ausgebildet, das TKG begrenzt. Je mehr Stickstoff dagegen in der
dritten bis vierten Woche nach der Blüte
ins Korn kommt, umso mehr Eiweiß wird
gebildet. Dazu ist allerdings auch ausreichend Sonne notwendig, genauso wie genug Schwefel und andere Nährstoffe, damit der Stickstoff in Eiweiß eingebaut
werden kann.
Nicht zu viel Stickstoff
vorhalten
Nimmt der Weizen vor der Blüte zu
viel Stickstoff auf, der nicht in Eiweiß
eingebaut werden kann, wird die Kornbildung verzögert. Eine überhöhte N-Versorgung vor und zur Blüte wirkt sich vor
allem bei nachfolgender Hitze und unzureichender Wasserversorgung, aber auch
bei verzögerter Abreife durch nasskaltes
Wetter nachteilig aus.
Eine überzogene Vorhaltestrategie bei
der N-Spätdüngung verbietet sich deshalb nicht nur aus Kostengründen und
wegen der Gefahr der späteren N-Auswaschung, sondern auch wegen möglicher Ertrags- und Qualitätseinbußen.
Das Risiko ist umso höher, je geringer die
Sonneneinstrahlung in dieser Zeit ist,
weil dann nicht genug Kohlehydrate für
die Proteinbildung zur Verfügung stehen.
Wird sehr spät noch viel (Nitrat-)
Stickstoff gedüngt oder viel Stickstoff aus
dem Boden freigesetzt, verzögert sich die
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Auslagerung von Stickstoff aus Blättern und Stängeln mit der Folge, dass
die Ähre abreift, während das Stroh
noch grün bleibt. Die Verzögerung
der natürlichen Abreife wird durch
Fungizide mit seneszenzverzögernder Wirkung verstärkt und geht zu
Lasten der Kornbildung und der Eiweißeinlagerung ins Korn.
Reichen Schwefel und
Spurenelemente?
Für den Einbau von Stickstoff in
Amide und Eiweiß sind Enzyme verantwortlich. Deren wesentlicher Bestandteil besteht aus Spurenelementen. Dazu gehören beispielsweise
Molybdän und Kupfer, aber auch
Mangan und Magnesium. Zudem
muss genug Schwefel und Phosphor
als Bestandteil von Eiweiß verfügbar
sein. Reicht die Versorgung mit einem dieser Elemente nicht aus, wird
die Eiweißbildung begrenzt. Das
wirkt sich umso ungünstiger aus, je
mehr Stickstoff angeboten wird.
Auch wenn nicht genug Kohlehydrate zur Verfügung stehen, kann
der Stickstoff nicht in Proteine eingebaut werden. Deshalb spielt die
Versorgung mit Kalium und Bor eine nicht zu unterschätzende Rolle
für die Qualität des Weizens.
Vorzeitig abstürzende Fallzahlen
bei hoher N-Versorgung stehen oft
Übers. 2: So können Sie die N-Spätgabe kalkulieren
Beispiel
1. Aufdüngungsziel
290
Standort (s. Übersicht 1) z. B. sL, 60 BP, 80 dt/ha
2. Abweichende Bodengüte bei gleicher Bodenart
10 Bodenpunkte weniger
+15 kg/ha N
10 Bodenpunkte mehr
-10 kg/ha N
+15
3. Nachlieferung aus langjähriger org. Düngung
Gülle, Mist (Faustzahl)
-20 kg/ha N
0
4. Vorfruchtwirkung
Getreide
-10 kg/ha N
Zuckerrüben
-40 kg/ha N
2)
Raps, Kartoffeln
-60 kg/ha N
Körnermais
-20 kg/ha N
Silomais
-30 kg/ha N
-60
Leguminosen (auch Zwischenfrüchte)
-70 kg/ha N
5. abzgl. Nmin im Wurzelraum im Frühjahr1)
-25
6. abzgl. vorangegangene N-Düngung (Frühjahr)
-140
Kalkulierte N-Spätgabe
=
80
Anpassung der Spätgabe
7. Abweichende Ertragserwartung
10 dt/ha weniger
-25 kg/ha N
-25
10 dt/ha mehr
+30 kg/ha N
8. Angestrebter Eiweißgehalt
unter 11 % Eiweiß
-30 kg/ha N
12 % Eiweiß
-15 kg/ha N
13 % Eiweiß
0 kg/ha N
14 % Eiweiß
+25 kg/ha N
15 % Eiweiß
+50 kg/ha N
0
9. Korrektur aktueller Versorgung
vier gleich grüne Blätter
-20 kg/ha N
4. Blatt heller als 3.
0 kg/ha N
3. Blatt heller als 2.
+25 kg/ha N
0
10. Erforderliche N-Spätgabe (bei intakter Bodenstruktur) =
55
1)
wenn eigene Werte fehlen, Durchschnittswerte einsetzen, 2) Speisekartoffeln
Ihr
Bestand
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
kg/ha
Mit diesem Schema lässt sich die N-Spätdüngung an Standort, Vorfrucht, Verwertungsziel und Bestandesentwicklung angepassen.
im Zusammenhang mit knapper Kaliund Schwefelversorgung. Woran Sie die
Versorgung mit Stickstoff „ablesen“ können, haben wir im Kasten (Seite 55) zusammengestellt.
Anhand der Übersichten (links) können Sie den Spätdüngungs-Bedarf, abhängig von Standort, Verwertungsziel
und Bestandesaufbau sowie von der vo­
rangegangenen N-Düngung abschätzen.
Die Wasserversorgung
muss stimmen
Damit die Spätdüngung noch voll umgesetzt werden kann, muss ausreichend
Wasser im Boden für die Pflanze verfügbar sein. Das sind zum Zeitpunkt des Ährenschiebens auf sandig-lehmigen Böden
wenigstens 70 bis 80 l/m², auf tonigen Böden wenigstens 100 bis 120 l/m². Oder es
muss sicher sein, dass während der Kornbildung und -füllung (Juni bis Anfang Juli) wenigstens 50 bis 70 mm Regen fallen. Ist das nicht gewährleistet, schlägt
sich die Spätgabe nicht mehr im Ertrag,
höchstens noch im Eiweißgehalt nieder
und kann sogar ertragsmindernd wirken.
Auf eine Spätgabe sollten Sie in stark
ausgedünnten Beständen verzichten,
wenn die Böden bereits stärker ausgetrocknet sind. Mit späteren Niederschlägen wird auch der Weizen zwiewüchsig
und bildet Nachschosser. Die bringen
keinen Ertrag und gehen zu Lasten der
kräftigen Ähren. Immerhin kosten 30 %
Nachschosser 10 % Ertrag.
Wenn es um die Ertragsleistung geht,
muss der Stickstoff ab Fahnenblattstadium bis Beginn der Blüte wirken. Dann
wird der Keimling gebildet und die Speicherzellen im Korn werden angelegt. Für
die Eiweißeinlagerung (Qualität!) muss
der Stickstoff in den 14 Tagen nach der
Blüte voll zur Wirkung kommen. Der
Düngungstermin richtet sich nach den
Feuchteverhältnissen des Standortes und
der Einschätzung der aktuellen N-Versorgung des Bestandes.
Auf Standorten mit unsicheren Niederschlägen ist eine Spätgabe bis zum
Fahnenblattstadium (EC 37) angebracht,
um eine sichere Wirkung zu gewährleisten. Die frühe Spätdüngung in EC 32/37
verbietet sich, wenn die Gefahr besteht,
dass Niederschläge nach einer Trockenperiode den Nitrat-Pool in der Pflanze zu
hoch ansteigen lassen und dann die Blüte
und Kornbildung verzögern. Die frühe
Spätgabe ist auf Trockenstandorten aber
angebracht, um die noch vorhandene Bodenfeuchte zu nutzen.
Nitrat-Dünger
richtig einsetzen
Auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung und hoher, notwendiger Spätgabe sollten Sie N-Mengen ab 70 kg/ha
aufteilen. Die Teilgaben fallen dann in
kurzem Abstand in EC 37 und in EC
49/51. Für eine rechtzeitige und sichere
Wirkung ist es auf sorptionsstarken Böden
in der Regel besser, nitrathaltige N-Dünger (KAS, ASS) einzusetzen. Auch auf Böden mit nicht optimalen pH-Werten sind
nitrathaltige N-Dünger effektiver.
Auf wenig sorptionsfähigen Böden mit
meist ausreichend hohen Niederschlägen
ist dagegen eine Überkonzentration an
NO3-Stickstoff zu vermeiden. Auf diesen
Standorten ist die Spätgabe mit Harnstoff oder Piamon S zu empfehlen, wie
mehrjährige Versuche der Uni München
in Roggenstein zeigen. Dort war es in der
Regel am effektivsten, wenn die Spätgabe in EC 39 fiel.
top agrar 6/2011 57
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