Inkontinenz - Angst vor dem Malheur

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Gesundheitsgespräch
Die Angst vor dem Malheur - Inkontinenz
Sendedatum: 24.06.2017
Expertin:
Prof. Dr. med. Birgit Seelbach-Göbel, Ärztliche Direktorin in der Klinik St.
Hedwig in Regensburg
Autorin: Prisca Straub
Ungewollter Harnverlust ist für die meisten Menschen eine große Belastung.
Viele Patientinnen - die meisten sind Frauen - trauen sich nur noch selten auf
die Straße, verlieren ihre Sozialkontakte und vermeiden Geschlechtsverkehr.
Sie leben in ständiger Furcht, dass andere ihr Problem riechen könnten, denn
Uringeruch ist beißend und lässt sich aus Matratzen und Polstern nur schwer
entfernen. Lachen, Laufen, Treppensteigen - der ganz normale Alltag wird
plötzlich zum Problem. Vier Millionen Menschen, so schätzt man, leiden in
Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Harninkontinenz. Die
Dunkelziffer allerdings ist mindestens doppelt so hoch, denn noch immer ist
Inkontinenz tabubehaftet und die Schamschwelle groß. Dabei kann, wer
Warnsignale ernst nimmt, einiges dafür tun, damit das Tröpfeln nicht
lebensbeherrschend wird.
Der Text beruht auf einem Interview von Prisca Straub mit Prof. Dr. Birgit
Seelbach-Göbel, Ärztliche Direktorin in der Klinik St. Hedwig in Regensburg.
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Hilfe, es tröpfelt!
Die Harnblase ist ein kugelförmiger und sehr dehnbarer Muskel, der über Niere
und Harnleiter mit Urin gefüllt wird. Bei einer gewissen Füllmenge geben die
Nerven den Impuls ans Gehirn: „Die Blase ist voll!“ Je nach Blasenkapazität ist
das schon bei 300 oder erst bei 500 Millilitern der Fall. Je weniger Volumen
eine Blase fassen kann, desto früher erfolgt die Meldung an das Gehirn.
Normalerweise ist das kein Problem: Der gesunde Mensch hält den Urin so
lange zurück, bis er durch ein bewusstes Öffnen des Verschlusssystems durch
die Harnröhre abfließen kann.
Ursachen für eine Harninkontinenz
Im Volksmund wird Harninkontinenz gerne auch als „Blasenschwäche“
bezeichnet. Gemeint ist die Unfähigkeit, Urin bewusst zurückzuhalten. Genau
genommen betrifft diese „Schwäche“ aber nicht die Blase, sondern ihre
trichterförmige Ausflussöffnung, die normalerweise durch zwei Muskelringe fest
verschlossen ist. Die Harnblase ist nur „dicht“, solange die Kraft des
Beckenbodens und der Schließmuskeln groß genug ist, dem Füllungsdruck der
vollen Blase standzuhalten.
Drei Funktionsstörungen – nach Prof. Seelbach-Göbel
Dranginkontinenz - Störung der Blasenmuskulatur
In einigen Fällen zieht sich die Blasenmuskulatur spontan zusammen, ohne
dass ein Harndrang vorliegt. Damit presst sie Urin aus der Harnröhre. Ein
überaktiver Blasenmuskel wird häufig auch als Reizblase oder als
Dranginkontinenz bezeichnet. Das kann psychisch bedingt sein, muss es aber
nicht. Im Extremfall ist ein normales Leben aufgrund des ständigen Drangs, auf
die Toilette gehen zu müssen, unmöglich.
Belastungsinkontinenz - Störung des Verschlusssystems der Harnröhre
Das Signal „Bitte schließen!“ wird zwar empfangen, kann aber nicht ausgeführt
werden, weil der Schließmuskel nicht mehr kräftig genug ist. Das betrifft die
Mehrzahl der Fälle, sowohl bei Harninkontinenz als auch bei analer
Inkontinenz, bei der unwillkürlich Stuhl abgeht.
Überlaufblase - Störung des Nervensystems
Die Meldungen an das Gehirn oder die vom Gehirn kommenden Signale sind
unterbrochen. Die Meldung, dass die Blase voll ist, kommt nicht im Bewusstsein
an. Der Patient verspürt keinen Harndrang und die Blase läuft einfach über.
Das ist bei einigen wenigen Patienten mit Querschnittslähmung der Fall.
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Inkontinenz - Ein Frauenleiden
Aufgrund ihres schwächeren Bindegewebes und ihrer schwächeren
Beckenbodenmuskulatur sind Frauen von Harninkontinenz viel häufiger
betroffen als Männer.
80 Prozent der Frauen zwischen 20 und 75 Jahren, aber nur zehn Prozent der
Männer leiden darunter. Deshalb weisen Frauen, die mehrere Kinder geboren
haben, ältere Frauen, Frauen, die körperlich schwer arbeiten, und
übergewichtige Frauen häufig eine sogenannte Beckenbodeninsuffizienz auf.
Warum Frauen häufiger von Inkontinenz betroffen sind
Durch die übermäßige Belastung ist die Muskulatur überdehnt - mit
unmittelbaren Auswirkungen auf den Verschluss der Harnröhre, der in die
Beckenbodenmuskulatur eingebettet ist. Hinzu kommen hormonelle
Veränderungen in der Menopause. Durch den Östrogenverlust wird das
Gewebe schwächer und hält die Blase nicht mehr optimal fest.
Geburten – nur ein möglicher Risikofaktor
„Häufig wird der Beckenboden durch besonders viele oder besonders schwere
Geburten gedehnt, überdehnt und geschwächt. Das ist aber nicht zwangsläufig
so: Es gibt Frauen, die trotz mehrerer Geburten keine Probleme haben.
Andererseits haben wir auch viele Patientinnen mit Beckenbodenproblemen,
die nie geboren haben.“ Prof. Dr. Seelbach-Göbel
„Stress“ drückt auf die Blase
Mit Stress bezeichnet die Gynäkologie nicht psychischen Stress, sondern eine
Belastung, die von oben auf die Blase ausgeübt wird. Das geschieht beim
Niesen, Husten, Lachen, Bücken und Treppensteigen. Der dabei entstehende
Druck wirkt nach unten und drückt den Verschlussmechanismus der Blase auf.
Diese Form der Blasenschwäche nennt man Stress- oder neuerdings
Belastungsinkontinenz. In schweren Fällen verlieren die Patientinnen ihren
Harn sogar im Ruhezustand.
Der Fragebogen-Test
Anhand von drei Fragen kann der Arzt feststellen, ob eine Frau an Inkontinenz
leidet oder nicht:
1. Verlieren Sie Urin beim Husten, Lachen, Niesen?
2. Wie oft am Tag gehen Sie auf die Toilette?
3. Wie sehr beeinträchtigt Sie dieses Problem?
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Wenn die Psyche drückt
„Psychischer Druck alleine bewirkt noch keine Inkontinenz. Die Prädisposition,
also die Veranlagung dazu, wird allerdings gefördert. Wenn Frauen eine
nervöse Blase, eine sogenannte Reizblase, bekommen, kann es gut sein, dass
psychischer Stress - zum Beispiel Probleme in der Familie oder permanente
Überforderung - diese Entwicklung begünstigt.“ Prof. Dr. Seelbach-Göbel:
Warnzeichen Schwangerschaftsstreifen?
Nach einer US-amerikanischen Studie ist das Risiko, einen Uterusprolaps
(Senkung bzw. Vorfall der Gebärmutter) und damit Inkontinenz zu bekommen,
bei Frauen mit Schwangerschaftsstreifen dreifach erhöht im Vergleich zu
Frauen ohne Schwangerschaftsstreifen (Fachausdruck Striae).
„Sicher sind die Striae bzw. Dehnungsstreifen ein Hinweis auf ein schwaches
Bindegewebe, also möglicherweise auch ein Hinweis auf eine
Bindegewebsschwäche im Beckenbodenbereich. Ich kann mir gut vorstellen,
dass es diesbezüglich einen Zusammenhang gibt.“ Prof. Dr. Seelbach-Göbel
Hilfsprogramm – Mögliche Therapien bei Inkontinenz
Aufbautraining heißt die Devise, denn der Beckenboden kann - auch
vorbeugend - bestens trainiert werden. Für viele Menschen ist das die Lösung
eines Problems, das sie schon Jahrzehnte mit sich herumtragen.
Voraussetzung ist allerdings, dass es sich bei der Störung tatsächlich um eine
Beckenbodenschwäche handelt. In spezialisierten Kursen und
Selbsthilfegruppen wird Beckenbodengymnastik besonders vor und nach einer
Geburt angeboten, wenn die ganze untere Muskelplatte extrem belastet und
überdehnt wird. Eine Inkontinenz, der eine nervliche Störung oder eine
Reizblase (Dranginkontinenz) zugrunde liegt, kann ebenfalls mit Muskeltraining
behandelt werden, hier sind die erzielten Erfolge allerdings nicht ganz so gut.
Beckenbodengymnastik – leicht gemacht
„Viele Menschen wissen gar nicht, wo genau sich ihre Beckenbodenmuskulatur
eigentlich befindet. Deshalb ist es wichtig, dass der Frauenarzt, Urologe oder
der Physiotherapeut der Frau ein Gefühl für den Beckenboden vermittelt, so
dass dann gezielt ‚trocken’ und selbständig trainiert werden kann.
Entsprechende Katheter, die in Darmausgang oder Scheide eingeführt und mit
Muskelkraft am Herausfallen gehindert werden sollen, können nicht nur der
eigenen Wahrnehmung (Bio-Feedback), sondern auch den Muskeln helfen.
Wer seine Beckenbodenmuskulatur einmal ‚entdeckt’ hat, kann auch an der
Bushaltestelle oder während der Arbeit auf dem Bürostuhl trainieren. Auch mit
Hilfe von elektrischer Stimulation der Beckenbodenmuskulatur, bei der eine
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Sonde in Vagina oder Enddarm eingeführt wird, ist aus meiner Erfahrung eine
gute Therapieoption in Ergänzung zum Beckenbodentraining. Und seit
neuestem gibt es noch ein Vibrationstraining mit einem speziellen
Trainingsgerät, mit dem der Beckenbodenmuskel hocheffizient trainiert wird.“
Prof. Dr. Seelbach-Göbel
Tipp:
Bei Blasenschwäche, die sich mit solchen konservativen Therapiemethoden
nicht bessert, sollte auch immer eine Blasendruckmessung beim Gynäkologen
oder Urogynäkologen bzw. Urologen erfolgen.
Hilfe mit dem Skalpell
Für viele Patientinnen mit ausgeprägter Harninkontinenz ist langfristig ein
operativer Eingriff die beste Therapie. Es gibt heute Operationsmethoden, die
sehr schonend sind: In einer 20-minütigen Operation in kurzer Vollnarkose wird
ein sogenanntes "Tension-free Vaginal Tape“, ein spannungsfreies Band, auch
TVT oder TOT genannt, unter der Harnröhre durchgelegt. Dieses Band ist
einen Zentimeter breit, netzförmig strukturiert und wird mit seinen beiden Enden
in der Bauchdecke bzw. in den Schenkelbeugen verankert.
Ziel der Therapie
Auf diese Weise entstehen keine Spannungen im Gewebe, daher auch der
Name „tension-free“, spannungsfrei. So kommt die Harnröhre etwas höher zu
liegen und der Harn kann nicht mehr unwillkürlich ablaufen. In über 85 Prozent
der Fälle wird eine signifikante Besserung erreicht.
Hilfe im Alltag
„Die allermeisten Patientinnen warten mit einem Arztbesuch so lange, bis sich
ihre Inkontinenz nicht mehr verheimlichen lässt. Sie vermeiden
Geschlechtsverkehr und improvisieren – meist jahrelang – mit Slipeinlagen und
Damenbinden herum. Doch diese sind für Menstruationsblut, nicht aber für Urin
gemacht. Blut ist eher dickflüssig, Urin aber dünnflüssig. Weil der Urin nicht
optimal ins Innere einer Damenbinde geleitet werden kann, entsteht schnell die
typische Geruchsbelästigung. Dieses Problem ist bei Inkontinenzeinlagen und höschen viel besser gelöst.“ Prof. Dr. Seelbach-Göbel
Ein Pflaster gegen Inkontinenz?
Heutzutage gibt es Pflaster, die den Wirkstoff Oxybutynin enthalten. Solche
Pflaster müssen alle drei Tage gewechselt werden.
„Sie sind gut geeignet für Patientinnen, die nicht so gerne viele Tabletten
einnehmen. Außerdem fällt die Konzentration des für die Nebenwirkungen
verantwortlichen Metaboliten deutlich geringer aus als bei oraler Applikation.
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Das bedeutet: Es kommt zu weniger unerwünschten
Arzneimittelnebenwirkungen.“ Prof. Dr. Seelbach-Göbel
Medikamentöse Therapie
Zur Behandlung der Belastungsinkontinenz (also Urinverlust bei körperlicher
Anstrengung) gibt es das Medikament Duloxetin. Die Substanz ist ein
Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Ursprünglich wurde
Duloxetin als Antidepressivum entwickelt. Der Wirkstoff erhöht die
Konzentration der Neurotransmitter und verbessert so die neuronale Aktivität
und die Kontraktionsfähigkeit des Schließmuskels.
„Als Nebenwirkungen können Übelkeit und Kreislaufbeschwerden auftreten.
Eine Operation kann man mit Duloxetin jedoch nicht umgehen, da das
Medikament vor allem bei leichten bis mittleren Beschwerden angewandt wird.“
Prof. Dr. Seelbach-Göbel
Gegen Dranginkontinenz, also einer Blasenspeicherungsstörung, bei der sich
der Blasenmuskel bereits bei geringer Füllmenge der Blase zusammenzieht,
gibt es neue Medikamente, z.B. Urivesc und Kentera, allerdings mit ähnlichem
Nebenwirkungsprofil wie bei Duloxetin: Mundtrockenheit, Augendruck und
kognitive Einschränkung.
Hilfe bei Inkontinenz für Männer
Auch für Männer ist es ratsam, den Beckenboden zu stärken - am besten unter
Anleitung, damit die richtigen Muskeln trainiert werden, sagt auch Dr. Ricarda
Bauer von der Urologischen Klinik und Poliklinik LMU München. Falls das nicht
helfe, gäbe es operative Methoden, wie beispielsweise verschiedene
Schlingenverfahren. Dabei wird die Harnröhre im Dammbereich leicht
angehoben und komprimiert. Zum Wasserlassen ist bei diesen Verfahren keine
Manipulation nötig.
Wer einen schweren Schließmuskelschaden hat, für den gibt es auch noch den
künstlichen Schließmuskel, der implantiert wird: Eine Manschette um den
Harnleiter, die man manuell öffnen kann.
Warnung vor falscher Vorsicht
„Viele Menschen mit einer Inkontinenz stellen einfach das Trinken ein, weil sie
meinen, das Problem so am einfachsten in den Griff zu bekommen. Das aber
hat ganz fatale Folgen für den Organismus.“ Prof. Dr. Seelbach-Göbel
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Schwache Blase – Was steckt dahinter?
Experte: Prof. Dr. Christian Stief, Direktor der urologischen Klinik am Klinikum
der LMU in München
Autor: Holger Kiesel
Eigentlich ist die Blase gar kein kompliziertes Organ: Sie füllt sich ganz von
alleine und meldet sich, wenn sie entleert werden muss. Dennoch haben Viele
öfter mal Probleme mit ihr. Gerade Frauen kämpfen häufig mit Entzündungen,
bei Männern drückt oft die sich vergrößernde Prostata auf die Harnblase. Viele
Beschwerden sind vermeidbar oder recht effektiv zu beheben, wenn man auf
ein paar Dinge achtet. Anders beim Blasenkrebs: Hier ist die rechtzeitige
Entdeckung ganz entscheidend für Heilungschancen und Therapieerfolg. Und:
Vieles hängt davon ab, wo genau der Tumor sitzt.
Dieser Textabschnitt beruht auf einem Interview von Holger Kiesel mit Prof. Dr.
Christian Stief, Direktor der urologischen Klinik am Klinikum der LMU in
München.
Blasenschwäche - Was heißt das?
Blasenvolumen
Die menschliche Blase kann man sich in etwa wie einen Luftballon vorstellen,
der sich ganz langsam füllt. Während dieser Füllungsphase empfindet man
nichts. Harndrang entsteht erst, wenn sich die Blase ihrer Kapazitätsgrenze
nähert. Im gesunden Zustand liegt diese bei durchschnittlich 300-500 Millilitern.
Hält man den Harndrang zu lange zurück, treten immer stärkere Schmerzen
auf.
Stress schwächt die Blase
Unsere Blase füllt sich unwillkürlich, also ohne unser aktives Zutun. Die dafür
verantwortlichen Muskeln reagieren aber auf äußere Einflüsse wie z.B. Stress.
Deshalb kann Nervosität (etwa vor einer Prüfung oder dem ersten Date) dazu
führen, dass Menschen häufiger zur Toilette müssen.
Die männliche und die weibliche Blase
Bei Frauen ist die Blase deutlich anfälliger, etwa für Entzündungen. Der Grund:
Die weibliche Harnröhre ist sehr kurz und führt direkt in die Blase. Auf diesem
Weg können bei verschiedensten Aktivitäten - etwa beim Sport oder beim Sex Dieses Manuskript wird ohne Endkorrektur versandt und darf nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.
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Keime in die Blase eindringen. Deshalb leiden ungefähr acht bis zwölf Prozent
der ganz jungen Frauen (ca. 14 - 25 Jahre) unter regelmäßigen
Blasenentzündungen. Männer mit ihrer deutlich längeren Harnröhre haben
dieses Problem dagegen nur sehr selten.
Wie oft sollte man am Tag zur Toilette?
Wer täglich ca. 1,5 Liter trinkt, muss täglich vier bis fünf Mal zur Toilette, auch
sechs oder sieben Mal sind durchaus noch normal. Aber: Wer zu häufig zur
Toilette geht, verringert das Volumen seiner Blase! Und: Wer nachts zweimal
oder öfter raus muss, stört seinen Schlafrhythmus erheblich und sollte etwas
unternehmen.
Achtung: Viel Kaffee oder scharfes Essen reizen die Blase und man muss öfter
zur Toilette! Für Alkohol gilt das – entgegen der landläufigen Meinung – nicht.
Man kann die Blase trainieren
Es ist möglich, die Blase zu trainieren, d.h. ihr Fassungsvermögen etwas
erweitern, indem man den Gang zur Toilette öfter hinauszögert. Allerdings:
Wenn man damit übertreibt, wird die Blasenwand allmählich immer schlaffer –
wie bei einem Luftballon, der zu oft zu stark aufgeblasen wurde. Die Folge: Auf
Dauer zieht sich die Blase dann nicht mehr richtig zusammen, dort verbleiben
immer größere Mengen von Restharn und die Betroffenen leiden häufiger an
Harnwegsinfekten.
Harndrang und Blasenentzündung
Wenn die Prostata auf die Blase drückt
Bei älteren Männern liegt die Ursache für häufigeren Harndrang sehr oft in ihrer
Prostata. Sie liegt direkt unterhalb des Ausgangs der Harnblase und beginnt
etwa ab dem 35. Lebensjahr zu wachsen. Dadurch wird die Harnröhre mehr
und mehr abgedrückt. In der Folge wird der Harnstrahl immer schwächer und
die Betroffenen müssen häufiger zur Toilette.
Harndrang nach dem Sex ist normal
Bei der Frau liegt die Harnblase direkt neben der Scheide. Beim Mann befindet
sich die Prostata, die sich beim Orgasmus erheblich zusammenzieht, gleich
unterhalb der Blase. Daraus folgt: Ein gewisser Harndrang nach dem Sex ist
durchaus normal.
Blasenentzündung
Natürlich kann auch eine akute Blasenentzündung zu häufigerem Harndrang
führen. Außerdem verursacht die auch Zystitis genannte Blasenentzündung in
der Regel Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen. Häufiger Harndrang
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kann auch als Folge verschiedener Erkrankungen, etwa eines Diabetes oder
eines Schlaganfalls auftreten.
Was löst Blasenentzündungen aus?
Blasenentzündungen werden durch Bakterien ausgelöst, die natürlich im Darm
vorkommen. Dazu können äußere Faktoren kommen, wie z.B.:
- mangelnde Hygiene im Intimbereich
- Kälte
- eine geschwächte Immunabwehr
Blasenentzündungen vermeiden
Die wichtigste Maßnahme, um Blasenentzündungen vorzubeugen: Viel trinken!
Mindestens 1,5 Liter pro Tag. Und zwar am besten Wasser oder Tee, keine
kohlensäurehaltigen Getränke!
Tipp 1: Wer da empfindlich ist, sollte einmal im Monat fünf bis sieben Tage lang
morgens und abends einen Becher (150ml) Cranberrysaft trinken. Der wirkt im
Urin auf natürliche Weise antibiotisch.
Tipp 2: Sich ausreichend Zeit nehmen beim Wasserlassen, damit die Blase
auch wirklich leer ist!
Tipp 3: Besonders Frauen sollten nach dem Sex ihre Blase leeren, damit sich
dort keine Bakterien vermehren!
Was tun bei Blasenentzündung?
Bei einer akuten Blasenentzündung sollten Frauen, die wesentlich öfter
betroffen sind, sich warmhalten, viel trinken und mindestens drei Tage lang ein
Antibiotikum einnehmen. Männer dagegen sollten immer auch einen Arzt
aufsuchen, um ihre Prostata kontrollieren zu lassen.
Chronische Blasenentzündung
Tritt eine Blasenentzündung häufiger auf, wird sie also chronisch, ist sie sehr
viel schwerer zu bekämpfen, da sich häufig resistente Keime gebildet haben,
etwa durch die unvollständige Einnahme von Antibiotika.
Deshalb: Antibiotika unbedingt über die gesamte verschriebene Zeit
einnehmen!
Sind die Nieren betroffen, wird es kritisch
Dramatisch wird eine Blasenentzündung dann, wenn sie nach oben steigt und
die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann tauchen zusätzliche
Symptome wie hohes Fieber, Abgeschlagenheit und Nierenschmerzen auf.
Eine solche Nierenentzündung tritt meist bei Diabetikern, Männern mit stark
vergrößerter Prostata oder Menschen mit viel Resturin in der Blase auf.
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Deutlich seltener ist sie die Folge einer schlecht ausgeheilten
Blasenentzündung.
Achtung: Eine Entzündung der Niere bedeutet immer einen (wenn auch
vielleicht nur kleinen) Funktionsverlust, der sich nicht wieder regenerieren kann!
Pflanzliche Mittel bei häufigem Harndrang
Bei häufigem Harndrang preist die Werbung zahlreiche Phytotherapeutika, also
Mittel auf pflanzlicher Basis (etwa aus Kürbiskernen), an. Deren Wirkung ist in
der Regel nachweisbar, aber eher gering.
"Solche Präparate kann man bei leichten Problemen mit der Blase ruhig mal
ausprobieren. Sie haben meist kaum Nebenwirkungen und sind günstig.
Allerdings sollte man sich keinen allzu großen Effekt erwarten."
Prof. Dr. Christian Stief, Direktor der urologischen Klinik am Klinikum der LMU
in München.
Blasenkrebs
Gutartige Tumoren der Blase
Gutartige Tumoren oder Zysten im Bereich der Blase kommen extrem selten
vor. Bei Männern mit einer stark verstopfenden (obstruktiven) Prostata bilden
sich manchmal gutartige Schleimhaut-Aussackungen (Divertikel) in der Blase.
Harnblasenkrebs
Harnblasenkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten auf der Welt. In
Deutschland erkranken daran ca. 16 Tausend Menschen pro Jahr, Männer
etwa doppelt so häufig wie Frauen. Die gute Nachricht: Die meisten Tumoren
(etwa 85 Prozent) sind oberflächlich und deshalb bei frühzeitiger Diagnose
leicht operativ zu entfernen. Die schlechte: Die restlichen 15 Prozent wachsen
tief in die Blase hinein und sind meist sehr aggressiv und entsprechend
lebensbedrohlich. Wird hier nicht schnell gehandelt, liegt die verbleibende
Lebenserwartung der Betroffenen meist unter 18 Monaten.
Warnsignale bei Blasenkrebs
Bei Blasenkrebs ist das rechtzeitige Erkennen (durch eine
Gewebeuntersuchung) besonders wichtig. Ein Warnsignal: Häufiger
wiederkehrende starke Beschwerden wie bei einer Blasenentzündung, bei
denen die Behandlung mit Antibiotika jedoch nicht anschlägt.
Wichtig: Wer auch nur ein einziges Mal ohne Schmerzen Blut im Urin hat,
sollte sich sofort auf Blasenkrebs untersuchen lassen!
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Risikofaktoren für Blasenkrebs
Der Hauptrisikofaktor bei Blasenkrebs ist das Rauchen. Etwa zwei Drittel der
Betroffenen sind Raucher. Dass Frauen seltener rauchen, ist einer der Gründe,
dass wesentlich mehr Männer erkranken. Auch bestimmte Haarfärbemittel
können Blasenkrebs befördern (bei Friseuren ist er deshalb als Berufskrankheit
anerkannt). Gleiches gilt für einige Pestizide, die in Weinbergen oder
Obstplantagen gegen Schädlinge eingesetzt werden.
Warum fördert Rauchen Blasenkrebs?
Das Rauchen trägt deshalb so stark zur Entstehung von Harnblasenkrebs bei,
weil die Schadstoffe aus den Zigaretten über die Nieren ausgeschieden
werden. Sie verbleiben daher oft sehr lange mit dem Urin in der Blase und
greifen in dieser Zeit die Schleimhäute an.
Behandlungsmöglichkeiten bei Blasenkrebs
Welche Behandlungsmöglichkeiten es bei Blasenkrebs gibt, hängt ganz
entscheidend davon ab, wo der Tumor im Einzelfall sitzt und wie aggressiv er
ist. Oberflächliche Tumoren können meist vollständig endoskopisch entfernt
werden. Bei aggressiveren oberflächlichen Karzinomen können zusätzlich
Chemotherapeutika in die Harnblase eingefüllt werden. Bestrahlungen helfen in
den meisten Fällen nicht, weil sich die Blase bewegt, während sie sich füllt und
somit kaum effektiv bestrahlt werden kann. Auch Chemotherapie verlängert das
Überleben der Betroffenen meist nur unwesentlich bei relativ schlechter
Lebensqualität.
Immunabwehr stärken
Eine dagegen durchaus wirksame Therapiemöglichkeit bei oberflächlichen
Blasentumoren ist es, die Immunabwehr des Patienten zu stärken. Dazu kann
beispielsweise der Bazillus Calmette-Guerin (BCG), der auch bei Impfungen
etwa gegen Pocken oder Tuberkulose Anwendung findet, in die Blase injiziert
werden. Die entstehende Entzündungsreaktion aktiviert Abwehrzellen in der
Blase, die dann den Krebs angreifen und bekämpfen.
Total-OP der Blase
Bei aggressiven Tumoren, die in die Harnblase hineinwachsen, hilft meist nur
die totale operative Entfernung der Harnblase (Zystektomie). Dieser Eingriff
hinterlässt zwar eine relativ große Narbe (10 - 11 cm), häufig kann aber aus
Gewebe des Dünndarms eine neue Blase geformt und dann an die
ursprüngliche Stelle gesetzt werden.
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Kontinenz nach der OP
Muss die Blase komplett entfernt und durch eine neue aus Dünndarm ersetzt
werden, bekommen die Patienten für die ersten zwei bis drei Wochen einen
Katheter gesetzt, bis das neue Konstrukt innen zusammengewachsen ist. Nach
dem Entfernen des Katheters folgen meist zwei bis drei Tage mit starker
Inkontinenz, weil die neue Blase noch kein Volumen hat. Hat sie sich dann
ausgedehnt, sind die meisten Patienten nach ca. drei Wochen, bis auf einige
spezielle Situationen, in denen etwas Urin heraustropfen kann (husten, lachen,
schwer heben), fast immer wieder vollständig kontinent. Nach weiteren ein bis
drei Monaten kommen in der Regel auch diese gelegentlichen Fälle von
Inkontinenz nicht mehr vor.
Erhaltung der Potenz
Muss Männern die Harnblase entfernt werden, geht es auch um die Frage, wie
die Potenz des Patienten erhalten werden kann. Dies ist besonders schwierig
und erfordert einen außerordentlich erfahrenen Operateur!
Wichtig: Man sollte auf jeden Fall nachfragen, wie oft eine Klinik bzw. der
einzelne Arzt einen Eingriff schon gemacht hat! Eine Totalentfernung der Blase
sollte der Operateur insgesamt bereits mindestens 100 Mal durchgeführt haben!
Stuhlinkontinenz - OP-Methoden und Alternativen
Autorin: Sabine März-Lerch
Verletzungen bei Entbindungen, Darmvorfälle, operative Eingriffe,
Beckenboden-Insuffizienz: Teils sind die Ursachen für eine Stuhlinkontinenz die
gleichen wie die für eine Harninkontinenz. Tabuthema ist das eine wie das
andere.
Wer seinen Stuhlgang nicht kontrollieren kann, lebt in ständiger Angst vor
peinlichen Situationen. Viele Betroffene ziehen sich zurück, meiden Kontakte
mit anderen Menschen. Denn Stuhlinkontinenz lässt sich sehr viel schwieriger
verheimlichen als Harninkontinenz.
Operative Behandlungsmöglichkeit
Wenn konservative Maßnahmen wie medikamentöse Behandlung,
physiotherapeutische Maßnahmen oder Beckenbodentraining nicht helfen oder
nur minimale Besserung erzielen, kann unter Umständen auch eine Operation
helfen, beispielsweise die Implantierung eines Schließmuskelschrittmachers in
einer minimalinvasiven Operation. Dieser stimuliert den Schließmuskel durch
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elektrische Impulse, wodurch er sich besser zusammenziehen kann. Der
Schließmuskelschrittmacher wird je nach Situation des Patienten hinten
oberhalb des Gesäßes oder vorne am Bauch eingepflanzt. Er sendet
unablässig Signale an den Schließmuskel, so dass der Darm verschlossen
bleibt. Nur beim Gang zur Toilette muss das Gerät dann natürlich ausgeschaltet
werden.
Leben ohne OP
Doch nicht alle Betroffenen wollen unters Messer. Viele setzen auf
konventionelle Mittel und haben sich mit ihrem Leiden arrangiert. In solchen
Fällen können möglicherweise Analtampons helfen: Sie fangen den unbemerkt
abgehenden Stuhl auf. Es gibt sie in unterschiedlichen Formen, passend für die
individuelle Anatomie des Betroffenen. Die Tampons bestehen aus einem
speziellen Schaumstoff, werden wie ein Zäpfchen eingeführt und können
sowohl von Kindern als auch Erwachsenen verwendet werden. Im
Rektum entfaltet sich der Tampon und bildet am Ende des Darmkanals eine
Barriere.
"In meiner Selbsthilfegruppe gibt es einige Frauen, die kein Analtampon
verwenden wollen. Aber ich komme sehr gut damit zurecht. Seitdem ich es
benutze, kann ich wieder am normalen Leben teilnehmen und verreise
sogar." Annemarie Groß von der die Kontinenz-Selbsthilfe-Gruppe in Tulling bei
München
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