IQE- Projekt 2011 bis 2013

Werbung
IQE- Projekt 2011 bis 2013
Bericht der Einrichtung Kindertageszentrum KiTZ Stösserstraße
1. Bericht über die Erreichung der Ziele
Ziel 1:
Bis September 2013 wurde der Prozess der interkulturellen Sensibilisierung im
jeweiligen KITZ angeregt. Hierfür wurden unterschiedliche Methoden wie
Übungen, Fallbeispiele, Filme und Bücher ins Team gebracht. Es setzt sich das
gesamte Team jeder Einrichtung jeweils min. 20 Minuten im Monat (In Teamsitzungen oder Kleinteams) damit auseinander.
Das Kindertageszentrum KiTZ Stösserstraße und das Kindertageszentrum KITZ Gubestraße
bildeten ein gemeinsames Steuerungsteam.
Ausgangslange in beiden Einrichtungen war, dass in der Arbeit mit den Kindern und mit den
Erwachsenen es einen sehr hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Unterschiedlich beobachtetes Verhalten, Äußerungen, Erlebnisse in den Einrichtungen mit den
Menschen aus den verschieden Kulturen und daraus oft resultierende Missverständnisse
oder Unwissen der Teammitglieder über interkulturelles Verhalten in der Einrichtung veranlasste uns, Methoden zu finden, die unsere Sensibilität für die interkulturelle Arbeit fördern
sollte.
Dieses Ziel wurde nicht erreicht bzw. nicht weiter erarbeitet. Entscheidende Gründe lagen
zur Mitte der Projektzeit zum einen in der Zusammensetzung der Steuerungsmitarbeiter und
zum anderen in der Zusammenarbeit mit der Steuerungsgruppe Kindertageszentrum
Gubestraße.
Im Steuerungsteam KiTZ Stösserstraße, das nur aus zwei Personen vertreten war, schied
eine Kollegin aus und das Steuerungsteam der anderen Einrichtung entschied sich, ganz
aus dem Projekt auszusteigen.
Das Projekt IQE in der Stösserstraße wurde weitergeführt, unterstützt von der Leitung. Zuerst musste ein neues Steuerungsmitglied gefunden werden, das in die IQE-Grundlagen eingearbeitet werden musste. Hilfreich war hier ein gemeinsamer IQE-Workshop. Alle bisher
festgelegten Ziele wurden überarbeitet und aus zeitlichen Gründen, da schon Halbzeit im
Projekt war, kamen wir zu dem Ergebnis, das ursprüngliche Ziel 1 fallen zu lassen. Auch das
ursprüngliche Ziel 2 wurde im IQE-Workshop überarbeitet und ein neues Ziel 1 mit neuer
Steuerungsgruppe wurde erarbeitet.
Ziel 2 ursprünglich:
Bis September 2013 haben die beiden Steuerungsgruppen sich über ihre Interkulturellen Materialien (Bücher, Spiele, Puppen Geschichten) und Erfahrungen
ausgetauscht. Materialhinweise werden in einem speziellen Ordner in der jeweiligen Einrichtung gesammelt.
1
Wie oben erwähnt, wurden die ursprünglichen Ziele der von beiden erarbeiteten Steuerungsgruppen überarbeitet. Da es nur noch eine Steuerungsgruppe gab, fiel das Ziel, der
gegenseitige Austausch der Erfahrungen und Materialien weg.
Zielformulierung: Neue Steuerungsgruppe der Stösserstraße:
Ziel 1.
Bis September 2013 sind mindestens 3 Kriterien für die Beurteilung von Materialien unter interkulturellem Aspekt entwickelt. Die Ergebnisse aus diesem
Prozess werden einmal pro Monat im Team besprochen. Die Materialhinweise
werden in einem speziellen Ordner für alle Mitarbeiter-innen zugänglich gemacht.
Ausgangslage war, dass durch die schriftliche Beurteilung von den pädagogischen Materialien unter dem interkulturellen Aspekt auch über den Projektzeitpunkt hinaus ein interkultureller Baustein vorhanden sein soll, unabhängig von den Mitarbeitern. Scheidet ein IQEMitarbeiter aus der Einrichtung aus, so bleibt trotzdem IQE-Wissen in der Einrichtung.
Wichtiger Aspekt für die interkulturelle Überprüfung der pädagogischen Materialien ist der
pädagogische Auftrag in unserer Einrichtung. Im Vergleich zu früher hat sich die Lebenswelt
der Kinder verändert. Gerade in einer Einrichtung, in der Kinder unterschiedlichster Kulturen
betreut werden, sind wir dafür verantwortlich, dass sich diese Vielfalt auch im pädagogischen
Material widerspiegelt. In unserer Arbeit geht es um vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, Zugehörigkeit durch Identifikationsangebote im Raum, in den Materialien. Wohlergehen erfordert Zughörigkeit und Beteiligung.
Ziel unserer Arbeit ist jedes Kind in seiner „Ich-Identität und in seiner BezugsgruppenIdentität zu stärken. Jedes Kind braucht für die Entwicklung seines positiven Selbstbewusstsein auch ein entsprechendes Umfeld, d.h. auch Ausstattung und der Alltag soll bzw. muss
so gestaltet sein, dass sich jedes Kind wiederfindet. Das Kind bildet sein Ich im Spiegel seiner Umgebung. Die Vielfalt und die Verschiedenartigkeit sind eine Bereicherung und bieten
somit vielfältigste Erfahrungen und Lernmöglichkeiten.
Da gerade Bücher diese wichtige Vielfalt widerspiegeln müssen, haben wir uns zur Aufgabe
gestellt, diese unter interkulturellem Aspekt zu überprüfen. Lieder und Spiele folgten. Der
Aspekt der Ausgrenzung, der Diskriminierung spielt eine ganz wichtige Rolle.
Die beurteilten Materialien werden folgendermaßen eingeteilt:
Unter interkulturellen Gesichtspunkten/Aspekt ist es



Empfehlenswert
Eingeschränkt empfehlenswert
Nicht empfehlenswert
Mindestens drei Kriterien zur Beurteilung der Materialien wurden von eingeteilten Kleingruppen in Teamsitzungen gemeinsam erarbeitet und auf den vorbereiteten Unterlagen (Kopie
des Buchkuverts) dokumentiert:
2
Mögliche Kriterien, die unter interkulturellen Gesichtspunkten auf klassischen Kolonialrassismus hinweisen oder aber Rassismus sensibel sind, hatten die Kleinteams als Arbeitsunterlage:
-
Schwarze haben oft keine Schuhe, keine Kleidung, nur Gewänder an
Schwarze werden oft klein, Weiße groß dargestellt
Schwarzes Kind steht in der zweiten Reihe, ist das Opfer, der Tolpatsch
für den Kontinent Afrika stehen Tiere, in Europa stehen Häuser
Weiße werden als intelligent, Schwarze als kindlich, dumm dargestellt
Bücher enthalten keine stereotypen und rassistischen Abbildungen oder Inhalte
z.B. Klischee Männer-/Frauen-Berufe, Klischee Mädchen/Bubenspielzeug
Materialien bieten Identifikationen für Kinder unterschiedlicher Vorerfahrungen
und Familienkulturen z.B. Patchworkfamilien,
Vielfalt in Hautfarbe, Größen, Handicaps, Aussehen, usw. gegeben
Vorurteile und Diskriminierung ist sichtbar, erkennbar
Hilfreich, nicht nur für die Erstellung der Kriterienliste, waren die Unterlagen aus den verschiedenen Fortbildungen, besonders „Fair in der Kita“ und den IQE-Seminaren. (Quellen:
Bundesverband Ev. Fr. in D. e.V. Das Gift der frühen Jahre; Prinzipien interkultureller Erziehung.; Phönixfortbildung; Buch: Fair in der Kita)
Materialien, für die keine eindeutigen oder widersprüchlichen Kriterien zu finden waren, wurden im ganzen Team diskutiert. Die beurteilten Materialien werden im IQE-Ordner abgeheftet. Der Ordner steht im Teamzimmer und ist für alle KITZ-Mitarbeiter zugänglich.
Ergebnis:
Einige Materialien, Bücher oder auch Kassetten, die aus interkulturellen Gesichtspunkten als
nicht empfehlenswert gesehen wurden, wurden und werden aus der Einrichtung entfernt
(Ergebnis gemeinsamer IQE-Teamsitzungen).
Für Materialien, die unter interkulturellen Gesichtspunkten „eingeschränkt empfehlenswert“
sind, wurde noch keine eindeutige Lösung gefunden. Beschlossen ist, dass auch diese Materialien, besonders in der hausinternen Bibliothek nicht mehr stehen dürfen, da die Bücherei
Öffentlichkeitsarbeit ist. Einige „eingeschränkt empfehlenswerte“ Materialien eignen sich für
z.B. für gezielte Projekte wie das generationsübergreifende Angebot der „Alt-Jung-Gruppe“
in unserer Einrichtung. Diese Materialien werden gezielt eingesetzt und sind gezielt ausgewählt.
In einer Teamsitzung mit IQE-Schwerunkt wurde beschlossen, das Ziel der Überprüfung unserer Materialien auch nach Beendigung der IQE-Projektzeit selbständig weiterzuführen.
3
Hilfreich und förderlich:
Hilfreich
und
unterstützend
war
und
ist
für
uns
unsere
Kollegin
von
die für „Sprache und Integration“ zuständig ist. Sie hat uns bei den
Teamsitzungen und im Steuerungsteam durch pädagogische Beiträge z.B. zum Thema „Ichund Bezugsgruppen-Identität“ mit einem Input (Projekt „Kinderwelten“) und organisatorisch
beim Vorbereiten der Materialien unterstützt.
Die monatlichen IQE-Teamsitzungen wurden rechtzeitig in die Besprechungsvorlage
für alle Teammitglieder eingetragen. Dadurch konnte das Ziel „1 mal pro Monat IQE
im Team „ eingehalten werden. Jedes Teammitglied war informiert und konnte sich
auf das Thema einstellen.
Schwierigkeiten
Die größte Schwierigkeit war die Zeit (Austausch und Vorbereitung vom den Steuerungsmitgliedern) und die Krankheitsausfälle sowohl im Steuerungsteam als auch im IQEBetreuungsteam. Neue Termine mussten immer wieder gefunden werden.
Auch die für unser Thema relevanten Fortbildungen z. B. „Fair in der Kita“ fanden erst im
März 2013 statt.
Auswirkungen des Projekts
Wie oben beschrieben, wird das Projektziel „Überprüfung der Materialien“ weiterverfolgt.
Auch bei einer Neuanschaffung ist festzustellen, dass die Materialien mit einem sogenannten
„IQE-Blick“ eingekauft werden; z.B. Duplo-Lego Figuren mit verschiedenen Hautfarben; für
den Eingangsbereich ausgeschnitten „Zaunkinder“ aus Holz aus verschiedenen Kontinenten.
Die Vielfalt ist mehr und mehr erkennbar und die Lebenswelt unserer zu betreuenden Kinder
wird widergespiegelt.
Viele Teammitglieder gehen sensibler mit dem Thema „Diskriminierung“ um. Beiträge aus
den verschiedensten IQE-Fortbildungen über die Projektzeit regen zu unterschiedlichsten
Diskussionen an z. B:
♦
Ist das schon Diskriminierung?
♦
Wie fühle ich mich dabei.
♦
Viele sagen, ich hinterfrage jetzt viel mehr meine eigene Haltung.
♦
Bei vielen ist die Wertschätzung anderer Kulturen noch stärker geworden
♦
Und viele geben im Alltag mehr darauf acht, wie etwas zu sagen ist.
Wir achten auch darauf, dass wir Fragen oder Unwissenheit der Eltern über unsere Kultur
aufnehmen und informieren. Z.B. der Sinn und Inhalt einer Schultüte ist einigen Eltern, die in
einem arabischen Land aufgewachsen sind, nicht bekannt. Daraus ergeben sich spannende
Gespräche über die Bräuche bei der Schuleinschreibung. Analog dazu können sich zu ande4
ren Themen Anlässe zum gegenseitigen Austausch ergeben; durch das IQE-Projekt wurden
die Mitarbeiter hierfür sensibilisiert.
Vernetzung
Eine Vernetzung mit einer anderen Einrichtung fand aus zeitlichen Gründen nicht statt.
Großes Interesse an dem IQE-Projekt und dem Projektbericht zeigen nach Mitteilung unserer Kollegin die Mitglieder vom Arbeitskreis „Schwerpunkt-Kita, Sprache und Integration“, die
in den verschiedensten Einrichtungen arbeiten.
Kontaktadresse:
Monika Osiander
AWO- KITZ Stösserstraße
Stösserstraße 14
80933 München
Tel. 089 / 314000 – 22
Fax: 089 / 314000 – 28
[email protected]
5
Zugehörige Unterlagen
Herunterladen