Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter Herz

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Herz-Kreislaufkrankheiten
im Alter
Westfälische
Wilhelms-Universität
Münster
Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Günter Breithardt
Universitätsklinikum Münster
Medizinische Klinik und Poliklinik C
Kardiologie und Angiologie
Münster
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Themen
• Altersbedingte Veränderungen
• Medikamentöse Therapie (siehe auch Pharmakotherapie)
• Koronarinterventionen: PCI und ACB-OP
• Herzklappenfehler
• Vorhofflimmern: Antikoagulation
• Herzinsuffizienz: häufig diastolische Störung
• Hypertonie
• KHK im Alter
• Synkopen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Wichtig
• Altersbedingte Veränderungen: Im Alter kommt es zu
¾ einer Abnahme der Herzfrequenzvariabilität,
¾ einer Zunahme des interstitiellen Bindegewebes
¾ einer Zunahme der Impedanz der Aorta
• Vorhofflimmern: die klinisch bedeutsamste Rhythmusstörung des
alternden Menschen, Gefahr von Schlaganfällen (1/3 der Ursachen)
• Koronarinterventionen: PCI und ACB-OP auch im höheren Alter
möglich
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
• Herzklappenfehler: typisch die hochgradige (kalzifizierende)
Aortenklappenstenose
¾ sollte selbst bei schlechter LV-Funktion operiert werden
¾ Alternative: perkutaner (interventioneller) Klappenersatz
• Herzinsuffizienz:
¾ zunehmende Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten;
¾ oft begleitet von Nieren- und Leberinsuffizienz;
¾ je schwerer die Herzinsuffizienz, desto weniger akute Todesfälle,
dafür um so mehr Pumpversagen;
¾ Digitalis durch ACE-Hemmer und Beta-Blocker verdrängt
Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter
Probleme … mit Blick auf den Patienten
Ältere zeigen häufig...
• ...generalisierte Atherosklerose, oft weit
fortgeschritten
• ...andere/alle Organe bereits (stark) geschädigt
= Multimorbidität
• Medikamentenstoffwechsel ist verändert (Niere,
Verteilungsvolumen, Abbauprozesse...)
• Medikamenten-Interaktionen beachten!
(Polymedikation)
• Einstellung wg. Nebenwirkungen (?) schwierig
• Compliance eingeschränkt
Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter
Probleme … mit Blick auf Studien
• Wie wird „der alte Patient definiert“? - 75 Jahre
• Bei vielen Studien ist bereits Alter >70 Jahre
Ausschlusskriterium
• Wenn ältere Pat. eingeschlossen, dann Anteil gering
• Hohe Abbruchquote
• Register/nicht-randomisierte Studien in Aussage
beeinträchtigt (Co-Morbidität, Patientenselektion)
• Gesamt-Mortalität und -Morbidität hoch
¾ Schlussfolgerungen aus Studien schwierig
¾ Keine Leitlinen/Empfehlungen für ältere Patienten
Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter
Medizinische Massnahmen im Alter
¾ Komplexes Problem
- Ältere haben erhöhte
Komplikationsraten, wobei das Alter ein Indikator
ist, nicht aber eigenständiger Risikofaktor
- älteren Patienten werden häufiger
(mutmasslich) effektive Massnahmen vorenthalten
- was „effektiv“ bei Älteren ist, wissen wir nur
eingeschränkt
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Altersbedingte Veränderungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
im Alter
Altersabhängige
Veränderungen
(mod. nach G. Gerstenblith und E.G. Lakatta)
Wandsteifheit ⇑
Barorezeptoraktivität ⇓
Plasmakatecholamine⇑
postsynaptische
Betarezeptorenaktivität ⇓
Aorta, Impedanz ⇑
Pulswellengeschwindigkeit ⇑
Wanddicke des LV ⇑
Herzmuskelzellen, Breite ⇑
Interstielles Bindegewebe ⇑
Isovolumische Relaxationszeit ⇑
frühdiastolische Füllungsrate ⇓
Vorhofkontraktion, LV Füllung ⇑
max. aerobe Belastbarkeit ⇓
Skelettmuskelmasse ⇓
Herzfrequenz bei Belastung ⇓
LV Schlagvolumen bei Belastung ⇓
maximaler Cardiac Index (⇓)
Häufigkeit/ Komplexität Arrhythmien ⇑
hämodynam. Auswirkungen von Arrh.⇑
Herzfrequenzvariabilität ⇓
PQ-Dauer⇑
QRS-Hauptvektor: Abweichung nach links
Amplitude von QRS und T ⇓
Vorhofflimmern ⇑
ventrikuläre Extrasystolen ⇑
Herzinsuffizienz⇑
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Therapie:
• medikamentös
• interventionell (PCI; Valvulotomie)
• operativ (Bypass; Klappenersatz)
• mit Geräten (Schrittmacher; ICD)
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
•
Daten als Behandlungsgrundlage für ältere Patienten
(>75 Jahre) deutlich limitiert (Quantität/Qualität)
•
•
Nicht Alter, sondern Co-Morbidität entscheidend
•
Werden Ältere behandelt, ist Therapie schwieriger
(Interaktionen, Compliance, Komplikationen)
•
Prognostischer Stellenwert der Revaskularisation
ausserhalb ST-Hebungsinfarkt fraglich
•
Bei Intervention: Sorgfältige Patientenselektion (!)
Es besteht die Tendenz, alte Patienten seltener und
weniger konsequent zu behandeln
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Medikamentöse Therapie
EmpfehlungenHerz-Kreislauf-Erkrankungen
für die Dosierung von Medikamenten
alten Patienten
im bei
Alter
• Im allgemeinen sollte die Dosierung reduziert werden
– bezogen auf Gewicht oder Körperoberfläche
• Die Dosierung bei Frauen sollte niedriger als bei
Männern seinTab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
• Renal ausgeschiedene Medikamente sollte an die
GFR angepasst werden
• Die Dosierung hepatisch metabolisierter
Medikamente sollte angepasst werden
• Dosisanpassungen sollten bei älteren Patienten
langsamer erfolgen als bei jüngeren
• Denke an Wechselwirkungen
• Fördere die Compliance des Patienten
VerhHerz-Kreislauf-Erkrankungen
ältnis von Zahl der Medikamente
und
im Alter
Interaktionen
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter
Statine: Heart Protection Study (
)
T A T N
I w o rs e
SIMVASTATIN: VASCULAR EVENT by AGE & SEX
Baseline
feature
STATIN
(10269)
PLACEBO
(10267)
Risk ratio and 95% CI
STATIN better STATIN worse
Age group (years)
< 65
838
1093
65 - 69
516
677
70-74
550
628
≥ 75
138
208
1676
2148
366
458
Het χ3 = 4.4
2
Sex
Male
Female
ALL PATIENTS
2042
(19.9%)
Het χ1 = 0.4
2
2606
(25.4%)
24%SE 2.6
reduction
(2P<0.00001)
0.4
0.6
0.8
1.0
1.2
1.4
Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter
β-Blocker
• SENIORS: 2.000 Pat. mit Herzinsuffizienz, Alter >70 J,
Therapie mit Nebivolol; Endpunkt: Mortalität/Einweisungen
Gesamtsterblichkeit
Flather MD, et al.
Eur Heart J.
2005;26:215-25.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Koronarinterventionen:
perkutane Koronarinterventionen
(PCI) und aorto-koronare BypassOperation (ACB-OP)
Percutaneous coronary intervention
Aorto-coronary bypass surgery
In-Hospital
-Sterblichkeit von Revaskularisationen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
im Alter–
PCI und ACB-Operationen - im Alter
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
(Data from the National Cardiovascular Revascularization Network as reported by Alexander K, Anstrom
K, Muhlbaier L, et al: Outcomes of cardiac surgery in patients ≥80 years: Results from the National
Cardiovascular Network. JACC 35:731, 2000 and available at www.sgcard.org.)
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
Herzklappenfehler
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
AS
Genese
rheumatisch
degenerativ
infektiös
ischämisch
traumatisch
funktionell
AI
MS
MI
TS
TI
++
+
++
++
+
++
++
(+)
+
+
++
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
+
+++
(+)
++
+
++
++
+
+++
+
(+)
Vorgehen
bei älteren Patienten
mit
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
im Alter
Verdacht auf Klappenfehler
•
Die klinische Untersuchung kann den Schweregrad eines
Klappenfehlers nicht zuverlässig abschätzen
•
Die Doppler-Echokardiographie stellt die Standarduntersuchung für
Diagnose und Schweregradbeurteilung dar
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
•
•
Unterscheidung zwischen Sklerose und Stenose
•
Indikationsstellung zur Operation: Berücksichtigung von
kalendarischem und biologischem Alter, begleitender KHK,
zusätzlichen Erkrankungen, Lebenserwartung ohne und mit
Operation und Lebensqualität
Alter als prognostisch wichtiger Faktor für natürlichen Verlauf und
operative Eingriffe
Aortenklappen-Stenose
Prognose
Braunwald et al.
WWU Münster
Aortenklappen-Stenose
Operativer Klappenersatz
WWU Münster
Aortenklappenfehler
Perkutaner Aortenklappenersatz
WWU Münster
Mitralklappen - Operation
Mitralklappen - Operation
Zusammenfassung
Herzklappenfehler im Alter
• MKR, MKE, AKE sind auch im hohen Alter mit
vertretbarem Risiko durchführbar.
• Bei Patienten mit allenfalls leichtgradiger MI stellt die
Mitralvalvulotomie eine Alternative zum MK-Ersatz dar.
• Aufgrund der zahlreichen Therapieoptionen mit
vertretbarem Risiko sollten Patienten mit
Herzklappenfehlern im hohen Alter in jedem Fall eine
umfangreiche Diagnostik erhalten.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
Herzinsuffizienz
Epidemiologie der Herzinsuffizienz
WWU Münster
Erkrankung des Alters
90% der Patienten sind älter als 65 Jahre1
Männer häufiger betroffen als Frauen
Männer
Frauen
Jünger als 64
3
3
65 - 74
12
4
101
69
älter als 75
Framingham-Studie: Inzidenz der Herzinsuffizienz, /1000 Personen
1 American
Heart Association. 2001 Heart and Stroke Statistical Update 2001
Epidemiologie der Herzinsuffizienz
WWU Münster
Krankenhausfälle (pro 100.000 Bevölkerung, NRW)
Männer nach Altersgruppe über 4 Jahre
5000
4500
4000
3500
3000
2500
2000
1500
1000
500
Quelle: GBE-Stat, Hospidat, LGÖD
>=
85
80
-84
75
-79
70
-74
65
-69
60
-64
55
-59
0
Therapie der Herzinsuffizienz
WWU Münster
LVAD, HTX
Stufen-Therapie,
auch beim alten
Patienten
CRT +/- ICD;
CCM
Aldosteron-Blocker
Digitalis
Diuretika
Beta-Blocker
post-MI
ACE-Hemmer oder/und AT1-Blocker
Basistherapie
0
I
II
III
IV NYHA
Herzinsuffizienz
WWU Münster
Probleme bei älteren und alten Patienten
Multimorbidität:
KHK, Hypertonie, Niereninsuffizienz, Diabetes, COPD
Arthrose, Inkontinenz, kognitive Dysfunktion,it…
ät
l
a
n
t
e
r
o
m
Polypharmazie:
h
M
nd aufna Interaktionen
Compliance, Nebenwirkungen,uDosierungen,
t
r .)
ä
e
t
i
d
d
e
i
n
Stoffwechsel, Metaboliten:
i
b
o
r
M
o at. W(first-pass),
Nierenfunktion, M
Leberfunktion
6
t
nResorption, Ausscheidung
e Darmmotilität,
i
s
Eiweissbindung,
h
Ho Rate -50%
5
e
3
h
Diätprobleme:
(
o
H
Aufklärung, Zugang zu kochsalzarmer Diät
Psychosoziale und ökonomische Probleme:
Depression, Isolierung, Abhängigkeiten
Versicherungsstatus, Kosten für Medikamente + Arztbesuche
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Alter
Herz
-Kreislaufkrankheiten imimAlter
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
Vorhofflimmern
Prevalence of Diagnosed Afib in Adults
National Implications for Rhythm Management and Stroke
Prevention: the AnTicoagulation and Risk Factors In Atrial
Fibrillation (ATRIA) Study
Alan S. Go, et al., JAMA.
2001;285:2370-2375
Projected Number of Adults With Atrial Fibrillation in the
United States Between 1995 and 2050
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
im
Behandlung
von Vorhofflimmern im Alter
Alter
• Vorhofflimmern ist bei alten Patienten besonders häufig
• Erhöhtes Risiko eines Schlaganfalles
• Patienten merken
Vorhofflimmern oft nicht
Tab. TW-3: Ätiologie erworbener Herzklappenfehler
• Antikoagulation ist in der Regel erforderlich
• Sorgfältiges Monitoring der Antikoagulationswirkung
• Acetylsalicylsäure schützt nicht ausreichend
• Einstellung der Kammerfrequenz („Frequenzkontrolle“) ist oft
ausreichend
• Medikamentöse Behandlung mit Digitalis, Betablockern,
Verapamil/ Diltiazem, Amiodaron
Antikoagulation bei AF
Ursachen des Schlaganfalls
WWU Münster
Antikoagulation bei AF
WWU Münster
AF, Stroke, und Alter
AF als häufigste Ursache des Schlaganfalls im Alter
Prävalenz von AF (%)
Strokes durch AF (%)
40
50
40
30
30
20
20
10
10
0
0
50-59
60-69
70-79
80-89
Alter
Wolf PA et al. Framingham Study, Stroke 1991
50-59
60-69
70-79
Alter
80-89
Antikoagulation bei AF
WWU Münster
Therapeutisches Fenster der INR
Adjustierte Odds Ratios
Odds Ratio
20
Ischämischer Insult
15
Intrakranielle Blutung
10
5
1
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
INR (International normalised ratio)
8,0
nach Hylek et al. Ann Intern Med 1994;120:897–902 ; N Engl J Med 1996;335:540–6
Antikoagulation bei AF
WWU Münster
Risiko intrakranieller Blutungen
Zunahme im hohen Alter (≥85 J.) und bei INR ≥3.5,
keine Abnahme bei INR <2.0
Alter und Blutungsrisiko
INR und Blutungsrisiko
n= 145 Fälle
n= 870 Kontrollen
Referenzen: Alter 70-74 J.
INR 2.0 – 3.0
Fang MC et al. Ann Intern Med. 2004;141:745-752
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