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Bachelorarbeit
Christina Reibnegger (geb. Mayer)
Geb. 15.11.1988
Gesundheitsförderung und -verhalten in der
Schwangerschaft / Übergang zur Elternschaft
Medizinische Universität Graz
Gesundheits- und Pflegewissenschaft
betreut von
a
Mag. Beatrix Wimmer
Adresse: Fluchtgasse 7/12
A-1090 Wien
Titel der Lehrveranstaltung:
Gesundheitspsychologie, Geschlechtsspezifisches Gesundheitshandeln
Eingereicht: Graz, am 12.08.2013
Ehrenwörtlich Erklärung
II
Ehrenwörtliche Erklärung
Ich erkläre ehrenwörtlich, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit selbstständig und ohne
fremde Hilfe verfasst habe, andere als die angegebenen Quellen nicht verwendet habe
und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche
kenntlich gemacht habe. Weiters erkläre ich, dass ich diese Arbeit in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt habe.
Graz, am 12.08.2013................................................................................
Unterschrift
Kurzreferat
III
Kurzreferat
Eine Schwangerschaft verändert das Leben einer Frau bzw. eines Paares erheblich. Ein
neues Leben wächst heran und es gilt, viele Dinge zu bedenken. Grundsätzlich werden
Routineuntersuchungen in Form des Mutter-Kind-Passes und vorgeburtlicher Untersuchungen angeboten, um Fehlbildungen, Anomalien und genetisch bedingte Erkrankungen
des ungeborenen Kindes frühzeitig festzustellen. Viele schwangere Frauen nehmen heute
das vielfältige Angebot der vorgeburtlichen Untersuchungen in Anspruch, um die gesunde
Entwicklung ihres Kindes bestmöglich abzusichern. Die Pränataldiagnostik arbeitet mit invasiven (eindringenden) und nicht-invasiven (äußerlichen) Methoden. Ein Beispiel der invasiven Methodik stellt die Amniozentese dar, die umgangssprachlich als Fruchtwasseruntersuchung bekannt ist. Die Sonografie, Ultraschalluntersuchung, ist eine Art der nichtinvasiven Methodik. Allerdings sollten die Methoden der Pränataldiagnostik und deren Ergebnisse kritisch hinterfragt werden, denn diese Untersuchungen können auch negative
Resultate hervorbringen. Die Schwangere bzw. die werdenden Eltern sind dann gezwungen, mit der Situation umzugehen. Weitere Aspekte, denen in der Schwangerschaft eine
große Bedeutung zukommt, sind die Ernährung und Bewegung. Dabei liegt der Fokus auf
einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und auf moderaten, sportlichen Aktivitäten, die
sich an den speziellen Bedürfnissen der werdenden Mutter und des ungeborenen Kindes
orientieren sollen. Der Verzehr von einigen Nahrungsmitteln sollte in der Schwangerschaft
unterlassen werden, um dadurch herbeigeführte Infektionen zu vermeiden. Diese können
die gesunde kindliche Entwicklung stören und es kann zu Folgeschäden kommen. Außerdem ist auf Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten und andere Drogen in der Schwangerschaft zu verzichten, da diese fatale Auswirkungen auf die Gesundheit des ungeborenen
Kindes haben können. Die werdenden Eltern müssen sich auf ihre neue Rolle als Mutter
und Vater einstellen, was oft zu Ängsten und Selbstzweifeln führen kann. Diese leichten,
depressiven Verstimmungen können auch nach der Geburt noch bestehen oder sich in
Form eines Babyblues oder einer postnatalen Depression verstärken. Während der
Schwangerschaft können Frauen Beratungsstellen aufsuchen, die ihnen mit umfangreichen Informationen und persönlichen Gesprächen zur Seite stehen. Auch TeenagerMütter finden genügend Beratungseinrichtungen, die sich ausschließlich um ihre Sorgen,
Wünsche und Belange kümmern. Außerdem können sich schwangere Frauen auch genau
über die verschiedenen Entbindungstechniken beraten lassen, somit können mögliche
Kurzreferat
IV
Geburtsängste genommen werden. Ein sehr bedeutender Punkt dieser Arbeit behandelt
die verschiedenen nationalen und auch internationalen Gesundheitsförderungsprojekte.
Speziell geht es um die Umsetzung von Gesundheitsförderungsprojekten zum Thema
Schwangerschaft und Geburt in Österreich. Des Weiteren wird auch ein Vergleich der unterschiedlichen Gesundheitsförderungsprojekte mit anderen europäischen Ländern angestellt.
Inhalt
V
Inhalt
Seite
Ehrenwörtliche Erklärung ............................................................................................... II
Kurzreferat....................................................................................................................... III
Inhaltsverzeichnis ........................................................................................................... V
1
Einleitung......................................................................................................... 1
1.1
Problemstellung ................................................................................................ 1
1.2
Zielsetzung........................................................................................................ 1
1.3
Material und Methode ....................................................................................... 2
2
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge ............................... 3
2.1
Nicht-invasive Methoden ................................................................................... 4
2.1.1
Sonographie...................................................................................................... 4
2.1.2
Nackentransparenz-Messung ........................................................................... 5
2.1.3
Triple- bzw. Bart´s-Serum-Test ......................................................................... 6
2.1.4
Integrierter Test................................................................................................. 6
2.2
Invasive Methoden ............................................................................................ 7
2.2.1
Amniozentese ................................................................................................... 7
2.2.2
Chorionzottenbiopsie ........................................................................................ 8
2.2.3
Chordozentese.................................................................................................. 8
2.3
Risiken und kritische Betrachtung der Pränataldiagnostik ................................ 9
3
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft ......................................... 11
3.1
Ernährung in der Schwangerschaft ................................................................. 11
3.1.1
Ausgangssituation – Gewicht .......................................................................... 12
3.1.2
Ausgewogene Schwangerschaftsernährung ................................................... 13
3.1.3
Nahrungsergänzung, Vitamine und Präparate ................................................ 15
3.1.4
Erkrankungen.................................................................................................. 16
3.2
Bewegung und Sport in der Schwangerschaft ................................................ 18
3.3
Schadstoffe in der Schwangerschaft ............................................................... 18
3.3.1
Rauchen, Alkohol, Drogen .............................................................................. 18
Inhalt
VI
3.3.2
Medikamente .................................................................................................. 20
3.4
Reisen in der Schwangerschaft ...................................................................... 20
4
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft .............................. 22
4.1
Die Rolle des Mutterwerdens .......................................................................... 22
4.2
Die Rolle des Vaterwerdens............................................................................ 23
4.3
Risikoschwangerschaften ............................................................................... 24
4.4
Teenager-Schwangerschaften ........................................................................ 25
4.5
Hilfestellung für werdende Mütter ................................................................... 26
5
Vorbereitung auf die Geburt ........................................................................ 28
5.1
Spezielle Geburten ......................................................................................... 28
5.2
Geburtsvorbereitungskurse ............................................................................. 29
5.3
Hebammenberatung und –betreuung ............................................................. 30
6.
Eltern werden, Eltern sein ............................................................................ 32
6.1
Emotionale Umstellung ................................................................................... 32
6.1.1
Der Bindungsprozess ...................................................................................... 32
6.1.2
Babyblues ....................................................................................................... 33
6.1.3
Wochenbettdepression ................................................................................... 33
6.1.4
Wochenbettpsychose ...................................................................................... 34
6.1.5
Bewältigungsstrategien ................................................................................... 34
6.2
Das neue Familienleben ................................................................................. 35
6.2.1
Beruf und Familie ............................................................................................ 35
6.2.2
Partnerschaftliche Veränderungen.................................................................. 35
6.3
Beratungsstellen ............................................................................................. 37
7.
Gesundheitsförderung in der Praxis ........................................................... 38
7.1
Begriffsdefinition "Gesundheitsförderung"....................................................... 38
7.2
Gesundheitsförderungsprojekte in Österreich ................................................. 39
7.2.1
Der Mutter-Kind-Pass ..................................................................................... 39
7.2.2
Richtig essen von Anfang an .......................................................................... 40
7.2.3
Gesundheitsförderungsprojekte der Stadt Wien ............................................. 41
7.2.4
MIA – Mütter in Aktion ..................................................................................... 43
Inhalt
VII
7.3
Gesundheitsförderungsprojekte in anderen Ländern ...................................... 44
7.3.1
Deutschland .................................................................................................... 44
7.3.2
Schweden ....................................................................................................... 45
8.
Schlussfolgerung, Diskussion und Ausblick ............................................. 46
Literaturverzeichnis ....................................................................................................... 49
Anhang
........................................................................................................................ 53
A.1
Mutter-Kind-Pass ............................................................................................ 53
A.1-1
Untersuchungsprogramm für die Schwangere ................................................ 53
A.1-2
Untersuchungsprogramm für das Kind ........................................................... 54
Inhalt
1
1
Einleitung
1.1
Problemstellung
Es geht in dieser Arbeit um ein Themengebiet, das sehr viele Menschen betrifft. Was mich
besonders bewogen hat eine Arbeit zu dieser Thematik zu verfassen, war meine eigene
Schwangerschaft und die Geburt meines Sohnes. Eine Schwangerschaft stellt von heute
auf morgen das alltägliche Leben eines Paares auf den Kopf. Auf der einen Seite ist es
das schönste Erlebnis, das ein Paar haben kann, auf der anderen Seite treten auch viele
Ängste und Selbstzweifel auf und es ist wichtig, sich mit der neuen Situation grundlegend
auseinanderzusetzen. Die Wichtigkeit und auch die Inanspruchnahme der Gesundheitsförderung und das Gesundheitsverhalten der betroffenen Personen sind sehr entscheidend für das ungeborene Kind.
1.2
Zielsetzung
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Thema Gesundheitsförderung in der Schwangerschaft
und Geburt detailliert darzustellen, unter Einbezug des persönlichen Gesundheitsverhaltens.
Gesundheitsförderung in der Schwangerschaft zielt darauf ab, dass sich werdende Mütter
und auch Väter bewusst werden, dass sie neues Leben erschaffen haben und nun Änderungen ihren Alltag begleiten werden, sei es auf der partnerschaftlichen Ebene, als auch
als Einzelpersonen. Gesundheitsförderung ist nicht nur die Änderung verschiedener Gewohnheiten, wie zum Beispiel auf eine gesündere und ausgewogenere Ernährung zu achten, auf Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten zu verzichten oder sich regelmäßig den
empfohlenen Mutter-Kind-Pass Untersuchungen zu unterziehen, sondern vielmehr die eigene Einstellung und emotionale Basis, die die werdenden Eltern haben. Teenager-Mütter
haben vielfach eine andere Ausgangssituation, was diese emotionale Basis angeht. In Österreich wurden verschiedene Gesundheitsförderungsprojekte zu dieser Thematik bereits
realisiert, doch besteht noch der Bedarf der Erweiterung, sodass alle Bevölkerungsschichten davon profitieren können.
Inhalt
1.3
2
Material und Methode
Zur Bearbeitung des Themenkomplexes der Gesundheitsförderung in der Schwangerschaft und der damit verbundenen Forschungsfrage wurde die Methode der Hermeneutik
herangezogen, d.h. es wurde eine umfassende Literaturrecherche zum genannten Themenkomplex durchgeführt. Um die Forschungsfrage zu beantworten werden aktuelle Bücher, Artikel und Internetquellen herangezogen, miteinander in Beziehung gesetzt oder
voneinander abgegrenzt. Um die aktuelle Situation in Österreich darzustellen, werden zusätzlich aktuelle Statistiken in die Arbeit eingegliedert.
Ich wurde auch auf diversen Internetseiten von Gesundheitseinrichtungen, wie zum Beispiel dem Frauengesundheitszentrum Graz oder dem Wiener Programm für Frauengesundheit, fündig. Zahlreiche interessante und nützliche Informationen für meine Bachelorarbeit konnte ich ärztlichen Informationsbroschüren und Foldern entnehmen.
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
2
3
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
Die Pränataldiagnostik (abgekürzt PND) beschäftigt sich mit Untersuchungsmethoden, bei
welchen die Gesundheit der schwangeren Frau und des ungeborenen Kindes aufgezeigt
werden sollen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Möglichkeit, das Risiko für seltene
Krankheiten und Fehlbildungen des ungeborenen Kindes einschätzen zu können. Von Beginn der Schwangerschaft an bieten sich viele Untersuchungsmöglichkeiten an. Ein vollkommener Ausschluss von seltenen Krankheiten oder Fehlbildungen ist allerdings nicht
möglich, obwohl die Methoden und die damit verbundenen Möglichkeiten eine sehr hohe
Qualität aufweisen (vgl. Gebauer-Sesterhenn/Villinger 2008, S. 81ff.).
Die Untersuchungen während der Schwangerschaft finden in einem vorgegebenen zeitlichen Abstand statt, wobei es in der Regel gegen Ende der Schwangerschaft zu kürzeren
Abständen zwischen den Untersuchungen kommt. Grundsätzlich kann zwischen Routineuntersuchungen und Risikotests unterschieden werden. Diese können wiederum in invasive und nicht-invasive Methoden unterteilt werden. Zu den Routineuntersuchungen zählen:

die Blutdruckmessung,

die Urinanalyse,

die Gewichtskontrolle,

die Blutanalyse,

das Abtasten und

die Ultraschalldiagnostik (Sonographie) (vgl. Gebauer-Sesterhenn/Villinger 2008, S.
81ff.).
In diesem Kapitel wird zunächst auf die nicht-invasiven und invasiven Methoden eingegangen. Die Risiken der Pränataldiagnostik und in wie weit diese kritisch betrachtet werden sollen, werden im Kapitel 2.3 erläutert.
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
2.1
4
Nicht-invasive Methoden
Im folgenden Kapitel werden die nicht-invasiven Methoden beschrieben. Bei diesen Methoden wird auf Basis von Blutwerten, Alter der Mutter, Schwangerschaftsdauer und dem
Befund des Embryos ein individuelles Risiko berechnet. Das Ergebnis nicht-invasiver Methoden ist eine statistische Zahl ohne Garantie auf ein gesundes Kind. Die Risikozahl stellt
dabei lediglich eine Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine invasive Methode dar.
2.1.1 Sonographie
Die Sonographie, auch Ultraschalluntersuchung genannt, zählt zu den Routineuntersuchungen. In der Regel sind dies drei Untersuchungen während der Schwangerschaft (im
Zuge der Mutter-Kind-Pass Untersuchungen). Bei dieser Methode werden – im Vergleich
zum Röntgenverfahren – unschädliche Schallwellen für die Untersuchung eingesetzt. Je
nach medizinischer Anforderung können Geräte für unterschiedliche Darstellungsmethoden eingesetzt werden. Die häufigste und für die Pränataldiagnostik bedeutendste Methode stellt der zweidimensionale Echtzeitmodus dar. Dabei werden zweidimensionale
Schnittbilder erzeugt und rechnerunterstützt zusammengefügt. Zusätzlich können unterschiedliche Ultraschallköpfe verwendet werden (vgl. Gebauer-Sesterhenn/Villinger 2008,
S. 82).
Organscreening (21. Bis 24. SSW)
Das Organscreening kann als Ultraschalluntersuchung zusätzlich zu den Routineuntersuchungen durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung werden spezielle Ultraschallgeräte für eine detaillierte Darstellung des Fötus eingesetzt. Dadurch können Informationen
über die Entwicklung der Herzstrukturen und anderer Organe des ungeborenen Kindes,
Wachstumsstörungen und Fehlbildungen gewonnen werden. (vgl. Privatklinik Graz Ragnitz, o.J.)
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
5
Dopplerultraschall
Unter Dopplerultraschall bzw. Dopplersonographie versteht man die Darstellung und Messung der Blutströmungsgeschwindigkeit in einem bestimmten Blutgefäßabschnitt (Blutflussmessungen) der werdenden Mutter oder des Fötus. Dadurch kann die Versorgung
des ungeborenen Kindes beurteilt werden und Fehlbildungen, Gefäßverengungen bzw. verschlüsse werden frühzeitig erkannt (vgl. Privatklinik Graz Ragnitz, o.J.).
3D/4D Ultraschall
Durch den Einsatz ständig weiterentwickelter Technologien und einem speziellen Ultraschallkopf kann eine dreidimensionale Darstellung des Babys visualisiert werden. Dabei
werden mehrere Schnittbilder des Babys aufgenommen und mit Hilfe von leistungsstarken
Computern in dreidimensionale Bilder umgerechnet. Werden diese aufgezeichneten dreidimensionalen Standbilder in Echtzeit kombiniert, spricht man von einer 4D-Visualisierung
(vgl. Privatklinik Graz Ragnitz, o.J.).
2.1.2 Nackentransparenz-Messung
Die Nackenfaltenmessung (auch Nackentransparenz-Messung, Nackendichte-Messung
oder NT-Screening genannt) wird zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche
durchgeführt. Bei dieser nicht-invasiven Methode wird die Nackenfalte, welche sich als
Flüssigkeitsansammlung zwischen der Haut und den Weichteilen im Nackenbereich des
Fötus ausbildet, gemessen und mit Referenzwerten (NT-Wert) verglichen. Diese Flüssigkeitsansammlung tritt auf Grund des noch fehlenden Lymphsystems und der noch unreifen
Nierenfunktion des ungeborenen Kindes auf. Ab der 14. SSW bildet sich diese Flüssigkeitsansammlung wieder zurück. Bei einem erhöhter Wert der Nackenfalte (NT-Wert über
2,5 mm) kann somit auf Fehlbildungen, unter anderem Chromosomendefekte, geschlossen werden und weitere pränatale Untersuchungen vom Arzt angeordnet bzw. angeboten
werden.
Ebenfalls um die 14. SSW wird die Nasenbeinmessung – meist zugleich mit der Nackentransparenz-Messung – durchgeführt. Diese Methode wird hauptsächlich zur Diagnostik
des Chromosomendefekts Trisomie 21 (auch bekannt als Down-Syndrom) verwendet (vgl.
Regan 2011, S. 136f).
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
6
2.1.3 Triple- bzw. Bart´s-Serum-Test
Bei dieser nicht-invasiven Methode handelt es sich um eine Blutuntersuchung, welche
während der 16. und 18. SSW durchgeführt wird. Dabei wird die Konzentration von drei
unterschiedlichen Hormonen im Blut der werdenden Mutter ermittelt, aus der eine mögliche Wahrscheinlichkeit für Fehlbildungen oder Chromosomendefekten beim ungeborenen
Kind errechnet wird. Dabei handelt es sich um die folgenden drei Hormone:

Alpha-Fetoprotein (AFP)

Freies Estriol (E3)

Beta-Choriongonadotropin (beta-HCG)
Auf Grund der unterschiedlichen Hormonkonzentrationen kann somit auf Fehlbildungen
des Kindes geschlossen werden.
Ein wesentlicher Nachteil des Triple-Tests stellt dessen Ungenauigkeit dar, da bei diesem
Test nur die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung oder eines Chromosomendefekts auf
Basis der Hormonkonzentration errechnet wird. Trotz auffällig hoher Werte in der Hormonkonzentration kann es trotzdem zur Geburt eines vollkommen gesunden Kindes kommen
(vgl. Regan 2011, S. 136f.).
2.1.4 Integrierter Test
Der integrierte Test bzw. integriertes Screening stellt den neuesten Fortschritt der vorgeburtlichen Untersuchungen dar. Der Test gliedert sich in zwei Stufen. Die erste Stufe wird
zwischen der 11. und 14. SSW und 15. bis 22. SSW durchgeführt und beinhaltet eine genaue Ultraschalluntersuchung mit Nackenfalten-Messung und einem Bluttest (Messung
des PAPP-A Protein). Die zweite Stufe wird zwischen der 15. und 22. SSW durchgeführt.
Dabei wird erneut eine Blutprobe entnommen. Beim zweiten Test werden vier Werte gemessen: AFP (Alpha-Fetoprotein), freies Beta-HCG, unkonjugiertes Östriol und Inhibine-A.
Das Risiko wird anschließend auf Basis der Blutwerte, dem Alter der Mutter und dem Ergebnis der Nackentransparenz-Messung berechnet (vgl. Regan 2011, S. 138f.).
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
7
Eine neue Methode der Risikoermittlung wird in Großbritannien durchgeführt. Diese ist der
ersten Stufe des integrierten Tests sehr ähnlich und wird „One Stop Clinics for Assessment of Risk“ (OSCAR) genannt und gilt als Basis für weitere Untersuchungen (z. Bsp.
Chorionzottenbiopsie) (vgl. Regan 2011, S. 138f.).
2.2
Invasive Methoden
In diesem Kapitel werden die drei gängigsten Praktiken der invasiven Methoden beschrieben. Zu diesen zählen:

Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung)

Chorionzottenbiopsie (Plazentaprobe)

Chordozentese (Nabelschnurpunktion)
2.2.1 Amniozentese
Die Amniozentese, auch Fruchtwasseruntersuchung genannt, ist heutzutage die am häufigsten angewendete invasive Methode. Bei dieser Methode wird durch die Bauchdecke
mit Hilfe einer Punktionsnadel eine Probe des Fruchtwassers entnommen (ca. 10-20 ml).
Der Fötus und die Plazenta bleiben dabei unberührt. Um dies zu garantieren, wird der
Eingriff stets mittels Ultraschall überwacht. Im Labor wird die Probe anschließend untersucht. Dabei werden gelöste Hautschuppen des ungeborenen Kindes vom Fruchtwasser
isoliert und genauer untersucht (vgl. Regan 2011, S. 140f.).
Die Amniozentese sollte erst ab der 14 bis 16. SSW durchgeführt werden, da zuvor möglicherweise zu wenige Hautschuppen im Fruchtwasser vorhanden sind. Die Durchführung
einer Amniozentese empfiehlt sich auf Grund folgender Tatsachen:

Das Alter der Schwangeren ist über 35 Jahre.

In der Familie gibt es bekannte Fälle von Down-Syndrom oder anderer Chromosomendeffekte.

Auffällige Voruntersuchung (z.B. erhöhte Nackenfaltenmessung)
(vgl. Regan 2011, S. 140f.).
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
8
2.2.2 Chorionzottenbiopsie
Bei dieser invasiven, vorgeburtlichen Untersuchung wird der Plazenta eine Gewebeprobe
entnommen. Dies erfolgt, ähnlich der Amniozentese, mit Hilfe einer Punktionsnadel durch
die Bauchdecke unter stetiger Ultraschallbeobachtung. Da sich die Plazenta und das Baby
aus denselben Zellen entwickeln, können die Chromosomen der Plazenta für die Untersuchung herangezogen werden. Diese Methode wird hauptsächlich angewendet, um ein
später auftretendes Down-Syndrom auszuschließen (vgl. Regan 2011, S. 140).
Eine Chorionzottenbiopsie wird in der Regel zwischen der 11. und 13. SSW durchgeführt.
Im Gegensatz zur Amniozentese (Untersuchung der Hautzellen im Fruchtwasser) werden
bei dieser Methode lebende Zellen untersucht, somit kommt es zu einem schnelleren Ergebnis (vgl. Regan 2011, S. 140).
2.2.3 Chordozentese
Bei der Chordozentese, auch Nabelschnurpunktion genannt, wird durch die Bauchdecke
mit Hilfe einer Punktionsnadel eine Blutprobe der Nabelschnur entnommen. Ähnlich wie
bei den Methoden der Amniozentese und der Chorionzottenbiopsie muss auch dieser Eingriff mittels Ultraschall überwacht werden, um dem Fötus nicht zu schaden.
Diese Methode wird frühestens ab der 18.SSW durchgeführt. Ab diesem Zeitpunkt sind die
Blutgefäße in der Nabelschnur klar erkennbar. Des Weiteren kann es zu einem späteren
Zeitpunkt der Schwangerschaft notwendig sein, weitere Blutproben zu entnehmen oder eine fetale Bluttransfusion durchzuführen (vgl. Regan 2011, S. 143).
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
2.3
9
Risiken und kritische Betrachtung der Pränataldiagnostik
Durch die fortschreitende Entwicklung der Pränataldiagnostik, beginnend im 18. Jahrhundert, wurde der Einfluss der Hebammen mehr und mehr aus der Geburtshilfe zurückgedrängt. Einhergehend mit der Entwicklung der Professionalisierung der Geburtshilfe wurde
auch die Schwangerschaftsbegleitung-und vorsorge von der Ärzteschaft als zukunftsträchtiges Geschäftsfeld erkannt. Dies öffnete bereits im 19. Jahrhundert weitgehende Möglichkeiten für die Pränataldiagnostik (vgl. Kolip 2000, S. 12ff.). Im Wesentlichen gab es durch
die Möglichkeiten der modernen Pränataldiagnostik eine Verschiebung in der Wahrnehmung der Schwangerschaft durch die Schwangere. Im Gegensatz zu früher, wo es galt die
Gesundheit und das Wohlbefinden der Mutter sicherzustellen, steht heute die Geburt eines gesunden Kindes im Vordergrund. Die Pränataldiagnostik ist heute ein wesentlicher
und mittlerweile selbstverständlicher Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen während
der Schwangerschaft geworden. Allerdings ist eine durchgeführte und unauffällige Pränataldiagnostik keine Garantie für ein gesundes Kind (vgl. Brockman/Reichard 2000, S.
59ff.).
Die durchaus positiven Möglichkeiten der modernen Untersuchungsmethoden ziehen allerdings auch Nachteile mit sich. Sofern es bei einer Voruntersuchung zu einer Auffälligkeit
gekommen ist, kann das Warten auf den Befund Ängste und schlaflose Nächte bereiten.
Dabei kommt es zu einer starken psychischen Belastung für die werdende Mutter und in
weiterer Folge zu einer Belastung für das ungeborene Kind. Traumatisierungen und
Schwangerschaftskonflikte stellen bei auffälligen Befunden keine Seltenheit dar. Durch
unzureichende Aufklärung und Beratung können sich Unklarheiten und Verunsicherungen
negativ auf die Psyche und das Wohlbefinden auswirken. Vor allem die Methoden der invasiven Pränataldiagnostik stehen bei Experten immer wieder in Diskussion, da diese Eingriffe ein erhöhtes Fehlgeburtenrisiko mit sich bringen können (vgl. Brockman/Reichard
2000, S. 67ff.).
Keinesfalls jedoch handelt es sich bei den Methoden der Pränataldiagnostik um eine individuelle Aussage – vielmehr stellen diese Methoden Routinemaßnahmen dar. Durch gezielte Normierung der Untersuchungsmethoden wird ein Vergleich mit der Allgemeinheit
ermöglicht. Des Weiteren werden starke Eigeninteressen der AnwenderInnen und Forschungsinteresse oftmals negativ mit der Pränataldiagnostik in Verbindung gebracht.
Pränataldiagnostik in der Schwangerschaftsvorsorge
10
Schlussendlich stellen finanzielle Interessen von Einrichtungen und Anwendern einen
ebenfalls erheblichen Einfluss dar. Durch das Einbringen der Pränataldiagnostik und den
flächendeckenden Einsatz im Alltag der Schwangerschaftsvorsorge wurde das Selbstbestimmungsrecht der Frauen stark minimiert und die Methoden standardisiert. Denn ohne
statistisch hinterlegte Erkenntnisse über die Anwendung der Methoden wären diese für die
moderne Medizin nutzlos. Dennoch zahlen viele Schwangere einen hohen Preis für das
Wohl der Allgemeinheit. Im Endeffekt muss jedoch jede Schwangere bzw. jedes Paar für
sich selbst entscheiden, ob und wie es die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik in Anspruch nehmen will (vgl. Kurmann 2001, S. 5ff.).
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
3
Gesundheitsverhalten
11
in
der
Schwanger-
schaft
In diesem Kapitel werden die Ernährung in der Schwangerschaft im Allgemeinen und im
nachfolgenden Kapitel speziell die ausgewogene Schwangerschaftsernährung mit dem
Fokus auf die verschiedenen Nährstoffe einschließlich der Gewichtszunahme behandelt.
Des Weiteren werden die Themen Nahrungsergänzungsmittel und die wichtigsten Erkrankungen, die durch bestimmte Nahrungsmittel in der Schwangerschaft verursacht werden,
erläutert.
3.1
Ernährung in der Schwangerschaft
Viele Frauen, die eine Schwangerschaft planen, ändern bereits in dieser Planungsphase
ihre Ernährungsgewohnheiten, um die Fruchtbarkeit
zu erhöhen. Beim Eintreten der
Schwangerschaft ist es dann wirklich bedeutsam, was die schwangere Frau zu sich
nimmt, denn sie isst für das Ungeborene mit. Das Baby holt sich aus dem mütterlichen
Blutkreislauf alle wichtigen Nährstoffe, die es dann über die Plazenta in den eigenen Kreislauf aufnimmt (vgl. Regan 2011, S. 39f.).
Eine Schwangerschaft bedeutet nicht, dass die Frauen jetzt für „zwei“ essen sollen und
stellt keineswegs einen Freibrief für übermäßiges Essen dar. Der Fokus sollte auf der
Qualität der Nahrungsmittel liegen, sodass diese lebenswichtige und wertvolle Vitamine,
Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten. Im ersten Trimester ist der Energiebedarf
kaum erhöht und 2000 Kalorien täglich sind ausreichend. Zusätzliche Kalorien werden lediglich in Fettpolster umgewandelt und diese verursachen Gewichtsprobleme nach der
Geburt. Im dritten Trimester ist der Energiebedarf nur um 200-300 Kalorien erhöht, was
dem Verzehr von einem Glas Milch und einer Banane entspricht. Während der Schwangerschaft ist auf Diäten und einer peniblen Kontrolle des Gewichts zu verzichten. Entscheidend für die gesunde Entwicklung des Kindes und auch für die Gesundheit der Mutter sind eine ausgewogene und vielseitige Ernährung, wie auch angemessene Portionen.
Für viele der werdenden Mütter ist es kaum vorstellbar, dass sie in den 40 Schwanger-
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
12
schaftswochen bis zu 14 Kilogramm Gewicht zunehmen, obwohl das völlig im Normalbereich liegt. Laut Studien, die in Afrika durchgeführt worden sind, weisen Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft und in der Stillzeit an Mangelernährung gelitten haben, einen
wesentlich niedrigeren IQ auf (vgl. Regan 2011, S. 39f.). Manche Frauen haben auch sogenannte Heißhungerattacken, dabei haben sie Gelüste nach gewissen Nahrungsmitteln
oder Getränken, die sich in ihrem üblichen Ernährungsplan nicht finden. Diese Heißhungerattacken treten vorwiegend in den ersten Wochen der Schwangerschaft auf (vgl. Höfer/Szasz 2008, S. 64f.).
Einige Lebensmittel sollten aber in der Schwangerschaft nicht verzehrt werden, um Infektionen des ungeborenen Kindes zu vermeiden. Auf rohes Fleisch, Pasteten, rohe Wurst
und auch rohe Eier sollten schwangere Frauen verzichten. Außerdem sollten schwangere
Frauen rohe Meeresfrüchte, Sushi, Austern und auch geräucherte Fische gänzlich von ihrem Ernährungsplan streichen. Außerdem ist es wichtig vor dem Verzehr von Obst und
Gemüse die Produkte gut zu waschen und nur pasteurisierte Milchprodukte zu konsumieren (vgl. Höfer/Szasz 2008, S. 64f.).
3.1.1 Ausgangssituation – Gewicht
Die Gewichtszunahme beginnt bereits ab den ersten Schwangerschaftswochen, wobei die
Zunahme im ersten Drittel sehr gering ausfällt. Ebenso stellt sich kaum eine Gewichtszunahme in den letzten 2 Schwangerschaftswochen ein. In den dazwischenliegenden Wochen nehmen die meisten Frauen durchschnittlich 0,7 bis 1 kg pro Schwangerschaftswoche an Gewicht zu (vgl. Regan 2011, S. 40ff).
Die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft setzt sich einerseits durch das Gewicht des Kindes, der Plazenta und dem Fruchtwasser und andererseits durch die Gewichtszunahme der Schwangeren zusammen. Letzteres ergibt sich hauptsächlich aus der
Zunahme an Blutvolumen, Einlagerungen von Flüssigkeiten und der Vergrößerung der
Gebärmutter und den Brüsten. Ein ideales Ausgangsgewicht bei der Planung einer
Schwangerschaft stellt das Normalgewicht dar. Als Maß für den Gewichtszustand wird der
Body Mass Index herangezogen, wobei Werte zwischen 20 und 25 als normal gelten.
Werte außerhalb des angegebenen Bereiches werden als unter- bzw. übergewichtig ge-
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
13
wertet. Bei zuletzt genannten kann es bereits bei der Familienplanung bzw. ab Beginn einer vorliegenden Schwangerschaft zu Komplikationen kommen. Ein erhöhtes Fehlgeburtenrisiko, Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, Thrombose und weitere Schwangerschaftskomplikationen stellen dabei keine Seltenheit dar (vgl. Regan 2011, S. 41).
3.1.2 Ausgewogene Schwangerschaftsernährung
Unter einer gesunden Ernährung in der Schwangerschaft versteht man ein ausgewogenes
Verhältnis von verschieden Nährstoffen. Diese Nährstoffe sind Fette, Eiweiß, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Vitamine (vgl. Regan 2011, S. 43).
Eiweiß:
Der Bedarf an Eiweiß steigt mit jedem Tag der Schwangerschaft an und ist bereits ab dem
ersten Tag um 15-20 % erhöht. Eiweiße sind essentiell für den Aufbau von Knochen, Muskeln, Bindegewebe
und der inneren Organe. Eiweißhaltige Lebensmittel sind rotes
Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte und auch Milchprodukte (vgl. Regan 2011, S.
43 ff.).
Fette:
Generell ist der Konsum von Fetten in der Schwangerschaft zu reduzieren. Gänzlich sollte
die schwangere Frau aber auch nicht auf Fette verzichten, da diese wichtig für die Versorgung des Kindes sind. Es kommt dabei auf die Art und Qualität der Fette an. Grundsätzlich
wird zwischen zwei Arten von Fetten unterschieden – tierischen und pflanzlichen. Tierische Fette beinhalten meist ungesunde, gesättigte Fettsäuren. Beispiele für Nahrungsmittel, die tierische Fette enthalten, sind Fleisch, Würstchen und gebratene Speisen. Pflanzliche Fette wiederum beinhalten hauptsächlich gesunde, ungesättigte Fettsäuren, die wertvoll für die Entwicklung des Nervensystems des Kindes sind (vgl. Regan 2011, S. 44 ff.).
Kohlenhydrate:
Bei Kohlenhydraten wird zwischen einfachen und komplexen Kohlenhydraten unterschieden. Einfache Kohlenhydrate befinden sich in Schokolade, Kuchen und auch Süßgetränken. Diese beinhalten sehr viel Zucker und nur wenige Nährstoffe. Komplexe Kohlenhydrate sind vorwiegend in stärkehaltigen Nahrungsmitteln wie Kartoffeln, Vollkornbrot und
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
14
Nudeln enthalten. Komplexe Kohlenhydrate sind ausschlaggebend für eine ausgewogene
und gesunde Ernährung (vgl. Regan 2011, S. 44).
Milchprodukte:
Milchprodukte sollten besonders in der Schwangerschaft ein fixer Bestandteil des Ernährungsplans sein. Sie enthalten ein ausgewogenes Verhältnis von Eiweißen, Kalzium, Fetten und auch der Vitamine A, B und D (vgl. Regan 2011, S. 45).
Vitamine:
In der Schwangerschaft sind die Vitamine A, B, C, D und E von besonderer Bedeutung für
das Wohlergehen von Mutter und ungeborenen Kind. Fast alle der genannten Vitamine
werden mit der Nahrung aufgenommen. Die Ausnahme stellt das Vitamin D dar, welches
für seine Bildung Lichteinwirkung benötigt. Der Körper kann bestimmte Vitamine, wie die
Vitamine B und C nicht speichern. Gerade schwangere Frauen müssen deshalb darauf
achten, diese Vitamine ausreichend zu sich zu nehmen. Rohes Obst und Gemüse ist der
gekochten Variante vorzuziehen, da beim Kochvorgang unter Hitzeeinwirkung wertvolle
Vitamine verloren gehen (vgl. Regan 2011, S. 48).
Mineralstoffe:
Von besonderer Bedeutung für die Ernährungsweise in der Schwangerschaft sind Nahrungsmittel, die größere Mengen an Spurenelementen und Mineralstoffen aufweisen. Diese können aber nicht vom Körper selbst produziert werden und müssen über die Nahrungsmittel eingenommen werden. Zu den bedeutendsten Mineralstoffen und Spurenelementen gehören Eisen, Zink und Kalzium. Das ungeborene Kind nimmt sich vom mütterlichen Kreislauf alle wichtigen Mineralstoffe und auch Spurenelemente. Für das Wohlbefinden der werdenden Mutter ist es aus diesem Grund wichtig, dass sie Lebensmittel mit hohem Mineralstoff- und Spurenelemente-Gehalt zu sich nimmt. Speziell Kalzium und Eisen
sind für das gesunde Wachstum des Kindes von großer Bedeutung. Die Frau hat in der
Schwangerschaft ein doppelt so hohes Blutvolumen, als vor der Schwangerschaft und
deswegen ist zusätzliches Eisen erforderlich, um einer Anämie entgegenzuwirken. Außerdem ist die Versorgung des mütterlichen Körpers mit genügend Kalzium sehr wichtig, da
das Kind dieses für die Bildung der Knochen benötigt. Falls zu wenig Kalzium mit der Ernährung aufgenommen wird, nimmt sich das Kind diesen Mineralstoff aus den Zähnen und
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
15
Knochen der Mutter. Sehr Kalziumreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Michprodukte,
Blattgemüse und auch Nüsse (vgl. Regan 2011, S. 48 ff.).
Vor allem in der Schwangerschaft sollte der Salzkonsum reduziert werden, da es zu Wassereinlagerungen und auch zu Bluthochdruck führen kann. Außerdem ist die Aufnahme
von Vitamin A in der Schwangerschaft gering zu halten, da dadurch die Möglichkeit von
Geburtsschäden erhöht wird (vgl. Regan 2011, S. 49).
3.1.3 Nahrungsergänzung, Vitamine und Präparate
Das wesentlichste Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft ist die Folsäure. Die
Folsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine und sollte während der gesamten Schwangerschaft regelmäßig eingenommen werden, da es verschiedene wichtige Aufgaben hat. Es
ist bedeutend für Entwicklung des Gehirns, es bewirkt eine gesunde Zellteilung und es ist
an der Blutbildung beteiligt. Das Risiko für die Entstehung von Neuralrohrdefekten des
Kindes wird durch die Einnahme von Folsäure deutlich herabgesetzt. Zu den Neuralrohrdefekten zählt zum Beispiel der „offene Rücken“.
Die Einnahme sollte wenn möglich
schon vor der geplanten Schwangerschaft begonnen werden, da sich das Neuralrohr in
den ersten 20 Tagen der Schwangerschaft ausbildet und sich nach ca. vier Wochen wieder schließt (vgl. Höfer/Szasz 2008, S. 11). Vitaminpräparate sollten in der Schwangerschaft ausschließlich von einem/einer Arzt/Ärztin verordnet werden. Da sich in der
Schwangerschaft der Stoffwechsel einer Frau verändert, sind nicht alle Präparate gut verträglich. Von FrauenärztInnen werden hauptsächlich Präparate mit hohem Folsäuregehalt
wie auch diversen Zusatzstoffen wie Magnesium, Jod und Eisen empfohlen (vgl. Höfer/Szasz 2008, S. 67).
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
16
3.1.4 Erkrankungen
Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel sollte besonders auf Hygiene beim Kochen
und im Umgang mit Lebensmitteln geachtet werden. In diesem frühen Stadium der
Schwangerschaft kann eine Lebensmittelvergiftung schwere Folgen haben und bis zu einer Fehlgeburt führen. Besondere Vorsicht gilt dabei bei rohen Meeresfrüchte und rohem
Fleisch, sofern man darauf nicht ganz verzichten kann. Im Folgenden werden die häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen bzw. Vergiftungen kurz erläutert:
Salmonellenvergiftung:
Bei einer Salmonellenvergiftung der Mutter kommt es zu keiner direkten Erkrankung des
Babys, da dieses durch die Plazenta geschützt ist. Die Bakterien können durch die Plazenta nicht durchdringen. Am häufigsten kommen Salmonellen in Hähnchenfleisch und in
Eiern vor. Die Bakterien sind nicht hitzebeständig - deshalb sollte Hähnchenfleisch immer
bestens gekocht werden. Auf rohe Eier oder Speisen, die diese enthalten (Speiseeis, Majonäse, Tiramisu), sollte daher in der Schwangerschaft gänzlich verzichtet werden (vgl.
Regan 2011, S. 50).
Listeriose:
Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die durch kälteunempfindliche Bakterien ausgelöst
wird. Die Infektion kann schwere Auswirkungen auf den Embryo haben und ist in den
meisten Fällen tödlich. Die Übertragung der Bakterien erfolgt direkt über die Plazenta. Das
Vorkommen dieser Bakterien beschränkt sich hauptsächlich auf nicht pasteurisierten
Weichkäse, Rohmilchprodukte und falsch gelagerte Tiefkühlnahrung (vgl. Regan 2011, S.
50).
Toxoplasmose:
Toxoplasmose ist eine für Nicht-Schwangere harmlose Infektionskrankheit, die in den
meisten Fällen völlig beschwerdefrei verläuft. Diese Krankheit verursacht leichte grippeähnliche Symptome, wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und leichtes Fieber. Sie wird
durch einen Parasiten ausgelöst, der meistens über den Kontakt mit rohem Fleisch oder
infizierten Tierkot, vor allem Katzenkot, auf den Menschen übertragen wird. Hat man eine
Toxoplasmoseinfektion hinter sich, bildet der Körper Abwehrstoffe, die vor einer neuerlichen Erkrankung schützen. Schwangere werden normalerweise im Rahmen eines Blut-
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
17
tests auf Toxoplasmose getestet. Ist der Befund negativ, sollte man eine Ansteckung in
der Schwangerschaft unbedingt vermeiden. Steckt sich das Baby mit Toxoplasmose an,
kann es zu Fehlgeburten, Behinderungen und schweren Missbildungen des Kindes kommen. Toxoplasmose kann man vorbeugen, indem man auf den Verzehr von rohem oder
nicht ausreichend durchgegartem Fleisch verzichtet und den Kontakt, vor allem mit Katzenkot, vermeidet. Außerdem sollte man sich nach der Gartenarbeit, nach dem Katzenstreicheln und nach dem Kochen immer gründlich die Hände waschen. Auch Obst und
Gemüse sollten vor dem Verzehr immer sorgfältig gewaschen werden (vgl. GebauerSesterhenn/Villinger 2008,S.116f).
Gestose:
Im Allgemeinen wird Gestose als „Schwangerschaftsvergiftung“ bezeichnet. Diese Erkrankung kann sowohl für die werdende Mutter, als auch für das Baby sehr gefährlich werden.
Grundsätzlich wird in Frühgestose im ersten Schwangerschaftsdrittel und Spätgestose im
dritten Schwangerschaftsdrittel (Eklampsie und Präeklampsie) unterschieden. Dabei zählen Wassereinlagerungen, erhöhter Blutdruck oder auch das Ausscheiden von Eiweiß im
Urin zu den häufigsten Anzeichen einer vorliegenden Gestose. Weitere Anzeichen für eine
vorliegende Gestose können Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen
und Nervosität sein. Wodurch eine Gestose bzw. eine Schwangerschaftsvergiftung ausgelöst wird, kann bis heute nicht eindeutig nachgewiesen werden (vgl.GebauerSesterhenn/Villinger 2008,S.114f).
Streptokokken B-Infektion
Ungefähr 30% der Frauen haben B-Streptokokken im Bereich der Geschlechtsorgane.
Diese Bakterien sind für Frauen ungefährlich und verursachen keine Beschwerden. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass sich das Kind während dem Geburtsvorgang dadurch
eine schwerwiegende Infektion zuzieht. Deshalb muss die werdende Mutter frühzeitig medikamentös behandelt werden (vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2010, S. 22)
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
3.2
18
Bewegung und Sport in der Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft verlangt dem Körper in den 9 Monaten einiges ab – gerade deswegen ist eine allgemeine Fitness in der Ausgangssituation von großem Vorteil. Lange wurde
Sport in der Schwangerschaft als Risiko angesehen, weil dadurch die Gebärmutter
schlechter durchblutet wird. In vielen Studien wurde dabei aber kein Risiko für das ungeborene Baby nachgewiesen. Die schwächere Durchblutung wird durch die Plazentafunktion ausgeglichen. Frühere Behauptungen, dass intensiver Sport in der Frühschwangerschaft die embryonale Einnistung gefährdet, konnten bis heute nicht wiederlegt werden,
allerdings gilt, dass eine Risikoschwangerschaft hinsichtlich Fehlgeburt durch vermehrtes
Liegen nicht „sicherer“ wird. Ein gesundes Maß an Bewegung hingegen gefährdet eine
normal verlaufende Schwangerschaft nicht (vgl. Regan 2011, S. 53ff).
Besonders Bewegung an der frischen Luft (Radfahren, Schwimmen, Walking) sind sehr
gesundheitsfördernd und erhöhen die Vitalität. Zum Entspannen und fördern der Beweglichkeit empfehlen sich anaerobe Sportarten wie Yoga oder Pilates. Der Einsatz von 70 %
der Leistungsfähigkeit können dem Körper bedenkenlos abverlangt werden. In den letzten
Monaten der Schwangerschaft sollte das Trainingsprogramm jedoch reduziert werden (vgl.
Regan 2011, S. 53ff).
3.3
Schadstoffe in der Schwangerschaft
In diesem Kapitel werden die unterschiedlichen Schadstoffe, die in der Schwangerschaft
die gesunde kindliche Entwicklung negativ beeinflussen, detailliert dargestellt.
3.3.1 Rauchen, Alkohol, Drogen
Rauchen
Im ersten Trimester kann die Einnahme von Nikotin die Einnistung der Plazenta in der Gebärmutter gefährden. Dadurch wird das Wachstum der Plazenta vermindert. In weiterer
Folge kommt es zu Versorgungsengpässen von Sauerstoff und Nährstoffen zum Baby.
Dadurch erhöhen sich das Risiko einer Fehlgeburt, einer Plazentaablösung oder einer
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
19
Wachstumsretardierung (Wachstumsstörungen) des Fötus. Auch passives Rauchen kann
bereits zu den genannten Störungen führen (vgl. Regan 2011, S.29).
Außerdem ist es wichtig dem Kind ein rauchfreies Umfeld zu bieten, indem beide Elternteile auf das Rauchen verzichten. Falls sich Kinder und insbesondere Säuglinge dennoch in
einem „verrauchten“ Umfeld aufhalten müssen, können schwere Erkrankungen die Folge
sein. Erkrankungen der Atemwege, wie beispielsweise asthmatische Erkrankungen, Bronchitis und Lungenentzündungen stellen keine Seltenheit dar. Des Weiteren können auch
Mittelohrentzündungen und allergische Reaktionen hervorgerufen werden. Im schlimmsten
Falle kann es zum plötzlichen Kindstod führen (vgl. Grünebaum 2003, S. 62 ff.).
Alkohol
Die regelmäßige Einnahme von Alkohol während der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen mit sich bringen. Vor allem übermäßiger Alkoholkonsum in den ersten Monaten der Schwangerschaft führt zum Fetalen Alkoholsyndrom (FAS). Dabei sind besonders das Nervensystem und die Ausbildung der Organe des Fötus betroffen. Weitere
Auswirkungen sind ein verringertes Wachstum nach der Geburt bis ins Kindesalter und
Nervenschädigungen. Grundsätzlich sollte während der Schwangerschaft ganz auf den
Konsum von Alkohol verzichtet werden (vgl. Regan 2011, S.29).
Drogen
Die Einnahme von Drogen (hauptsächlich Kokain, Heroin, Ecstasy) während der Schwangerschaft kann ebenso wie bei der Einnahme von Alkohol schwerwiegende Auswirkungen
auf die Entwicklung des Fötus mit sich ziehen. Neben der zurückbleibenden Entwicklung
des Fötus erhöht sich auch das Risiko einer Fehlgeburt oder einer Plazentaablösung. Entzugserscheinungen und Hirnschädigungen beim Kind nach der Geburt sind dabei keine
Seltenheit. Aus diesen Gründen sollte auf jegliche Art von Drogen verzichtet werden (vgl.
Regan 2011, S.29).
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
20
3.3.2 Medikamente
Ein wesentliches Thema während der Schwangerschaft stellt die Einnahme von Medikamenten dar. Es liegt nicht in der Hand der werdenden Mutter während der gesamten
Schwangerschaft vollkommen gesund zu bleiben. Oftmals ist die Einnahme von Medikamenten zur Behandlung nicht umgänglich. Liegt eine chronische Erkrankung vor, bzw. ist
eine dauerhafte medikamentöse Behandlung notwendig, so sollte bereits vor der geplanten Schwangerschaft abgeklärt werden, ob die Einnahme bedenkenlos ist und keine Auswirkungen auf den Fötus mit sich zieht. Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Medikamenten ist dabei im ersten Schwangerschaftsdrittel geboten. Die Liste an verbotenen
Medikamenten ist lang, ein Beratungsgespräch mit dem behandelnden Arzt sollte auf jeden Fall durchgeführt werden. Sofern nicht anders möglich, sollten die Medikamente in geringen Mengen eingenommen und der Beipackzettel sorgfältig gelesen werden. Zudem
gibt es ein großes Angebot an alternativen Medikamenten bzw. Behandlungsmöglichkeiten gegen die üblichen Schwangerschaftsprobleme, wie zum Beispiel Durchfall, Verstopfung, Kopfweh, Erbrechen (vgl. Regan 2011, S.35).
3.4
Reisen in der Schwangerschaft
Das Thema Reisen ist für viele Schwangere von großer Bedeutung. Gerade zu Beginn der
Schwangerschaft können werdende Mütter noch einmal richtig gut entspannen – was nach
der Geburt nicht mehr so leicht sein wird. Aus medizinischer Sicht stellen Reisen kein erhöhtes Risiko für das ungeborene Kind oder die werdende Mutter dar. Einhergehende
Komplikationen treten in keiner Weise öfter auf als bei nicht reisenden werdenden Müttern.
Auch Flugreisen stellen aus wissenschaftlicher Sicht kein erhöhtes Risiko dar, sofern die
Schwangerschaft normal verläuft. Lediglich bei einer vorangegangenen Fehlgeburt ist
Vorsicht geboten. Des Weiteren sollte bedacht werden, dass die meisten Fluggesellschaften auf Langstreckenflügen Frauen nur bis zur 34. SSW befördern (vgl. Regan 2011,
S.36f.).
Gesundheitsverhalten in der Schwangerschaft
21
Bei Auslandsreisen sollte man auf jeden Fall Informationen über das Ansteckungsrisiko für
bestimmte Krankheiten im jeweiligen Reisegebiet einholen. Malaria-Gebiete sollten auf jeden Fall gemieden werden (hohes Infektionsrisiko und Gefahr einer Fehlgeburt). Schutzimpfungen und andere medikamentöse Vorbeugemaßnahmen sollten auf jedem Fall mit
dem behandelnden Arzt/Ärztin abgeklärt werden. Oftmaliges Händewaschen reduziert die
Gefahr von bakteriellen Infektionen. Besondere Vorsicht sollte bei der Einnahme von Essen (vor allem an Marktständen, Obst, Gemüse, Speiseeis) geboten sein (vgl. Regan
2011, S.36f.).
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft
4
22
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft
Im folgenden Kapitel werden die Entwicklung der Mutter- und Vaterrolle, Schwangerschaften von sehr jungen Müttern und nicht normal verlaufende Schwangerschaften, die sogenannten Risikoschwangerschaften, behandelt. Der Fokus liegt hier speziell auf der psychischen Befindlichkeit.
4.1
Die Rolle des Mutterwerdens
In der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt der Frau wesentlich. Emotionale Probleme von Frauen in der Schwangerschaft treten sehr häufig auf. Zusammenfassend werden die psychischen Symptome, die schwangere Frauen während der Schwangerschaft, dem Wochenbett und der Geburt erfahren, als Generationspsychose bezeichnet. Es gibt heute zahlreiche wissenschaftliche Studien, die sich mit den physischen und
psychischen Veränderungen der Frau während der Schwangerschaft und auch nach der
Entbindung beschäftigen (vgl. Kohl 2013, S. 130 ff.).
Eine Schwangerschaft und auch die Geburt sind einschneidende Erlebnisse für die werdende Mutter, einerseits schön, andererseits auch behaftet mit Angst und Selbstzweifeln.
Wenn sich Ängste und Selbstzweifel immer weiter verstärken, kommt es nicht selten zu
depressiven Verstimmungen während oder nach der Schwangerschaft. In den schlimmsten Fällen können schwere Wochenbettdepressionen und Wochenbettpsychosen auftreten. Die verschiedenen depressiven Erkrankungen, die prä- und postnatal auftreten können, werden im Kapitel „Emotionale Umstellung“ genauer behandelt (vgl. Kohl 2013, S.
130 ff.).
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft
4.2
23
Die Rolle des Vaterwerdens
In den meisten wissenschaftlichen Studien geht es hauptsächlich um die werdenden Mütter, aber die Väter werden nur selten bzw. oft überhaupt nicht erwähnt. Früher waren Väter
weitestgehend von der Schwangerschaft und der Geburt ausgeschlossen. Während der
Entbindung durften sie nicht anwesend sein. Heute hat sich dieses Bild stark verändert.
Väter erleben Schwangerschaft und Geburt in vielen Fällen hautnah mit und versuchen
sich bestmöglich auf den neuen Lebensabschnitt als Vater vorzubereiten. Begleitung der
Schwangeren zu vorgeburtlichen Untersuchungen, zu Geburtsvorbereitungskursen und
schlussendlich das gemeinsame Erleben der Geburt, sind nicht mehr selten. Durch diese
vermehrte Einbindung in Schwangerschaft und Geburt, kann es auch bei jungen Vätern zu
psychischen Auffälligkeiten und Veränderungen kommen. Dies wird aber erst seit kurzem
von wissenschaftlicher Seite beachtet. Der väterliche Part ist sehr entscheidend für die
psychosoziale Entwicklung eines Kindes (vgl. Kohl 2013, S. 130 ff.).
Einen Symptomenkomplex, der bei werdenden Vätern während der Schwangerschaft ihrer
Partnerin auftreten kann, bezeichnet man als „Couvade-Syndrom“. Dieses Syndrom entwickelt bei den werdenden Vätern somatische Symptome, die in etwa den geläufigen
Schwangerschaftsbeschwerden, wie Gewichtszunahme, (morgendliche) Übelkeit, Heißhunger, Rückenschmerzen usw., der schwangeren Partnerin entsprechen. Die genannten
Symptome beginnen erfahrungsgemäß ab dem dritten Schwangerschaftsmonat und stellen sich mit der Geburt des Kindes wieder ein. Es gibt bisher nicht viel Wissen über die
Ursachen und Auslöser vom Couvade-Syndrom. Es wird beschrieben, dass es in Soziokulturen mit stärker ausgeprägter väterlicher Fürsorge häufiger auftritt. Es ist lediglich
nachzuweisen, dass es sich um physiologische Veränderungen bei den betroffenen Vätern handelt. Nicht nur die werdende Mutter wird während der Schwangerschaft und auch
nach der Geburt in der Stillperiode von Hormonschwankungen beeinflusst, sondern auch
der werdende Vater. Es ist zu beobachten, dass die Testosteronkonzentration von vor allem jungen Vätern vor der Geburt wesentlich höher ist (ca. ein Drittel) als nach der Geburt.
Die Konzentration steigt bei vermehrtem Körperkontakt zum Neugeborenen jedoch wieder
an. Es handelt sich dabei um einen natürlichen physiologischen Vorgang, eine Art Beschützerinstinkt. Auch der Prolaktinspiegel ist vor der Geburt höher als danach und bei
Männern mit Couvade-Syndrom ist dieser erhöht (vgl. Kohl 2013, S. 130 ff.). Völlig unabhängig von den hormonellen Veränderungen müssen sich die werdenden Väter auch mit
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft
24
veränderten Lebensbedingungen, die ein Baby mit sich bringt, auseinandersetzen. Es beginnt ein neuer Lebensrhythmus, der sich ganz an den Bedürfnissen des Neugeborenen
orientiert. Zu den Veränderungen zählen in erster Linie weniger Schlaf, dadurch mehr
Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit am Tag, weniger Freiheit, Fokus und Aufmerksamkeit der Partnerin auf das Neugeborene, Verantwortung für ein hilfloses Wesen,
etc. (vgl. Kohl 2013, S. 130 ff.).
Anfänglich stellt die neue Familiensituation das alltägliche Leben der „frischgebackenen“
Eltern auf den Kopf, denn der Rhythmus orientiert sich automatisch an den Bedürfnissen
des Kindes. Sollte diese Anpassung an die veränderte Situation allerdings nicht gelingen,
kann es zu Belastungsreaktionen kommen. Frauen haben dabei ein größeres Risiko an
einer Depression zu erkranken als Männer. Männer haben aber ein erhöhtes Risiko für
depressive Verstimmungen, wenn ihre Partnerinnen während der Schwangerschaft oder
nach der Geburt depressiv sind. Eine erhöhte Belastung und Stress fördern dabei die
Entwicklung von depressiven Symptomen, wobei sich beide Elternteile auch gegenseitig
beeinflussen. Psychische Probleme der Eltern haben wiederum Auswirkungen auf die
psychosoziale Entwicklung des Kindes (vgl. Kohl 2013, S. 130 ff.).
4.3
Risikoschwangerschaften
Für eine werdende Mutter ist es sehr belastend, wenn ihre Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wird. Die Ängste und Sorgen um das ungeborene Kind steigen
enorm an. Die werdende Mutter macht sich Vorwürfe, dass sie nicht in der Lage ist, ihr
Kind zu versorgen und wird von Versagensängsten bedrückt. Bei Frauen, deren Kind im
Mutterleib gestorben ist, wird in den meisten Fällen trotzdem eine spontane Geburt eingeleitet. Der Geburtsvorgang wird als Abschied vom Kind angesehen und gibt der Mutter das
Gefühl, dass ihr Körper trotz dieses schmerzlichen Erlebnisses normal funktioniert. Alle
schwangeren Frauen wünschen sich eine normal verlaufende Schwangerschaft ohne
Komplikationen. Wenn dies allerdings nicht der Fall sein sollte, stellt dies eine unfassbare,
emotionale Belastungs-und Stresssituation für die Schwangere dar. Risikoschwangere
müssen teilweise stationär aufgenommen werden. Sie haben dadurch nicht die Möglichkeit, alle gesundheitsförderlichen Maßnahmen, wie beispielsweise einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, um sich bestmöglich auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft
25
zu können. Außerdem wird die Mutter-Kind-Beziehung bei einer Risikoschwangerschaft
durch die Angstgefühle der Mutter erheblich beeinträchtigt. Gerade in so schwierigen Situationen ist ein intaktes Vertrauensverhältnis zur Hebamme von großer Bedeutung (vgl.
Schäfers 2011, S. 64f.).
4.4
Teenager-Schwangerschaften
In Österreich kommt es trotz vermehrter und intensiver Aufklärung von jungen Mädchen
und Buben immer noch häufig zu Teenager-schwangerschaften. In den meisten Fällen
handelt es sich dabei um ungeplante und ungewollte Schwangerschaften. Im Durchschnitt
erwarten 3000 Mädchen vor ihrem 20. Lebensjahr ihr erstes Kind. Im Jahr 2007 waren
sechs der werdenden Mütter sogar unter 15 Jahren.
Laut einer Studie der Statistik Austria ist jedoch weder ein eindeutiger Rückgang, noch ein
Zuwachs bei den Schwangerschaften der unter 15-jährigen beobachtbar (vgl. Gesundheit.gv.at 2012a, o. S.). Dies veranschaulicht auch die nachfolgende Tabelle:
Lebendgeborene seit 2001 nach Altersgruppe der Mutter in Österreich:
Alter der Mutter
Jahr
Insgesamt
unter 15 Jahren
15 bis unter
20 Jahren
2001
75.458
9
3.245
2002
78.399
12
3.244
2003
76.944
16
3.090
2004
78.968
17
3.234
2005
78.190
3
3.059
2006
77.914
18
2.874
2007
76.250
6
2.717
2008
77.752
7
2.747
2009
76.344
14
2.537
2010
78.742
17
2.470
2011
78.109
11
2.178
Quelle: Statistik Austria 2012, o.S.
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft
26
Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland liegen
die Hauptgründe für ungewollte Teenagerschwangerschaften in der fehlenden bzw. fehlerhaften Anwendung von Verhütungsmitteln (vgl. Gesundheit.gv.at 2012a, o. S.).
Auf der Homepage Frauengesundheit Wien werden folgende weitere Ursachen genannt:

„Ungeplanter Geschlechtsverkehr

Hoffnung, dass nicht gleich beim ersten Mal etwas passiert

Hoffnung, dass der Partner aufpasst oder für die Verhütung sorgt

Schwangerschaftsrisiko wird in Kauf genommen

Mädchen können mit ihrem Partner nicht über Verhütung sprechen

Verheimlichung der sexuellen Aktivität vor den Eltern

Verhütung wird als Störfaktor empfunden

Angst vor Nebenwirkungen des Verhütungsmittels

Angst vor dem Frauenarztbesuch“ (Frauengesundheit Wien 2010a, o.S.).
Entscheidend ist die Gestaltung des Zuganges zu Betreuungs-und Beratungseinrichtungen. Diese müssen sich an den speziellen Bedürfnissen der sehr jungen, schwangeren
Mädchen orientieren. Die Angebote werden noch nicht ausreichend in Anspruch genommen. „Die Fachliteratur zeigt, dass Teenagermütter öfters aus zerrütteten Familienverhältnissen kommen, oft alleinstehend sind, Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen hinter sich
haben, keinen oder niedrigen Schulabschluss und weniger berufliche Perspektiven haben“
(Frauengesundheit Wien 2010a, o.S.).
Umfragen zufolge äußerten junge schwangere Mädchen folgende Wünsche in Bezug auf
Betreuungs-und Beratungsmöglichkeiten: Die Mädchen wünschen sich mehr Kontakt mit
Schwangeren bzw. jungen Müttern im gleichen Alter. Außerdem hätten sie gerne mehr
Auskünfte über ihre finanziellen Möglichkeiten und zudem Beratungsgespräche, die in
Schulen angeboten werden. Unter anderem wird auch eine Telefonberatung erbeten. Weiters liegt ihnen genauere medizinische Aufklärung für besseres Verstehen im ArztPatienten-Gespräch am Herzen (vgl. Frauengesundheit Wien 2010a, o.S.).
Junge Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind, stehen oft vor sehr schwierigen
Entscheidungen, was die Zukunft ihres ungeborenen Kindes betrifft. Es gilt abzuwägen
und ausreichend Beratung in Anspruch zu nehmen, was mit dem noch ungeborenen Kind
Psychische Einflussfaktoren in der Schwangerschaft
27
geschehen soll. Junge Mütter müssen eine Entscheidung treffen, ob sie das Kind austragen oder einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen. Außerdem ist abzuklären, ob sie in der Lage sind, ihr Kind selbst versorgen und erziehen zu können. Es ist
wichtig, dass die jungen, schwangeren Mütter selbstständig ihre Entscheidung treffen,
denn ein Kind verändert das Leben vollständig. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, gibt es
noch verschiedene andere Möglichkeiten im Falle einer ungewollten Schwangerschaft. Eine Alternative wäre es, das Kind zu bekommen und einer Pflegefamilie zu übergeben.
Dies wäre für eine bestimmte oder auch unbestimmte Zeit möglich, in der die leibliche
Mutter auch den Kontakt zu ihrem Kind bewahren könnte, falls erwünscht. Weitere Optionen stellen die Adoption und der Schwangerschaftsabbruch dar (vgl. Gesundheit.gv.at
2012a, o.S.).
4.5
Hilfestellung für werdende Mütter
In der Zeit der Schwangerschaft und vor allem in der Zeit nach der Geburt bis hin zu den
ersten Lebensjahren des Kindes stellen Beratungsstellen eine wichtige Hilfestellung für
Mütter dar, egal ob es sich um Teenagermütter oder erwachsene Mütter handelt (vgl. Gesundheit.gv.at 2012a, o.S.). Beratungsstellen in Österreich sind:

„Schwangerenberatungsstellen

Familienberatungsstellen

Jugendberatungsstellen

Frauengesundheitszentren

Eltern-Kind-Zentren

Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen

Krankenhaus göttlicher Heiland „YoungMum“ (Gesundheit.gv.at 2012a, o.S.)
.
Vorbereitung auf die Geburt
5
Vorbereitung auf die Geburt
5.1
Spezielle Geburten
28
Frühgeburten
Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Kind zwischen der 24. SSW und der 37.SSW
geboren wird. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Ein erhöhtes Risiko konnte vor allem bei Frauen unter 18 Jahren und Frauen über 38 Jahren festgestellt werden. Des Weiteren waren Frauen mit einer geringen Körpergröße vermehrt betroffen. Neben den physischen Gegebenheiten sind vor allem psychische Einflüsse ein wichtiger Faktor für ein erhöhtes Frühgeburtenrisiko. So zählen gestresste werdende Mütter – sei es privat als auch
beruflicher Natur - zu den Risikogruppen. Weitere Risikofaktoren stellen Alkoholkonsum,
Rauchen und schwere körperliche Arbeit dar (vgl. Gebauer-Sesterhenn/Villinger 2008, S.
107f.).
Mehrlingsgeburten
In Deutschland ist ungefähr jede 70. Schwangerschaft eine Mehrlingsgeburt. Rund ein
Drittel davon sind eineiige Zwillinge. Dabei wird ein Ei befruchtet und teilt sich in zwei
Keimanlagen, woraus sich dann die Embryos entwickeln. Eine Mehrlingsschwangerschaft
ist jedoch nicht nur geprägt von einem mehrfachen Mutterglück. Vielmehr können unterschiedliche Komplikationen auftreten, da der Körper der werdenden Mutter mehr belastet
wird, als bei einer Schwangerschaft mit nur einem Kind. Die Entbindung kann sowohl
spontan als auch mittels Kaiserschnitt erfolgen (vgl. Gebauer-Sesterhenn/Villinger 2008,
S. 109f).
Kaiserschnittgeburt
Die Meinungen über die Geburt per Kaiserschnitt gehen heute sehr weit auseinander. Bei
Vorbereitungskursen wird meist nur über den idealen Geburtsverlauf gesprochen. In der
Realität liegt die Kaiserschnittrate in Deutschland bei ca. 20% (Not- und Wunschkaiserschnitt). Vor allem die Zahl an Wunschkaiserschnitten ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Das hängt unter anderem mit dem Fortschritt der Geburtshilfe, als auch mit sozialen Hintergründen zusammen. Des Weiteren führen ÄrzteInnen heute bei kritischen
Schwangerschaftsverläufen und komplizierten Entbindungen eher einen Kaiserschnitt
Vorbereitung auf die Geburt
29
durch. Auf diese Weise können sie mögliche Hirnschädigungen und Beeinträchtigungen
des Kindes und damit verbundene rechtliche Konsequenzen vermeiden. Ein Kaiserschnitt
wird als harmlose Operation angesehen, wobei natürlich immer ein Restrisiko bestehen
bleibt. Zusätzlich sind die meisten Vorurteile gegenüber Kaiserschnitten mittlerweile wiederlegt worden (vgl. Regan 2011, S. 361ff.).
Assistierte Geburt
Neben den bereits genannten Geburten gibt es noch weitere Arten der Geburtshilfe. Bei
der assistierten Geburt besteht die Möglichkeit, geburtshilfliche Instrumente einzusetzen
und somit den Geburtsvorgang positiv zu beeinflussen bzw. die Geburt zu beschleunigen.
Dies wird meist bei lang andauernden Wehenphasen angewendet. Dabei unterscheidet
man zwischen den folgenden Möglichkeiten:

Saugglockengeburt

Zangengeburt

Steissgeburt
Da die assistierte Geburt zunehmend seltener angewandt wird, wird sie in diesem Abschnitt nicht näher thematisiert (vgl. Regan 2011, S. 351ff.).
5.2
Geburtsvorbereitungskurse
Je besser man auf die Geburt vorbereitet ist, desto leichter können Stresssituationen bewältigt werden. Natürlich reagiert jede Schwangere unterschiedlich, aber grundsätzlich
empfiehlt sich eine Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs. Geburtsvorbereitungskurse werden von den unterschiedlichsten Institutionen angeboten und durchgeführt –
Krankenhäusern, private Einrichtungen, Hebammenvereinigungen und viele weitere. Die
Kurse werden meist als Block an einem Wochenende oder wochenweise, jeweils am
Abend, abgehalten (vgl. Regan 2011, S. 221).
Am wichtigsten ist die Auswahl des Kurses und der behandelten Themen hinsichtlich der
persönlichen Bedürfnisse. Bei unterschiedlichen Anbietern von Geburtsvorbereitungskursen werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Ein vortragender Arzt wird wahrschein-
Vorbereitung auf die Geburt
30
lich vermehrt auf die Entbindung eingehen, wohingegen eine praktizierende Hebamme ihr
Augenmerk vermehrt auf Schmerzlinderung während der Geburt und die Behandlung nach
der Geburt legen wird. Zudem werden mittlerweile vermehrt Partnerkurse angeboten, um
auch den Lebensgefährten und zukünftigen Vater mit einzubinden (vgl. Regan 2011, S.
221).
5.3
Hebammenberatung und -betreuung
Die Beratung und Betreuung der Schwangeren durch eine Hebamme spielt in der
Schwangerschaftsvorsorge eine wesentliche Rolle. Angefangen bei ersten Beratungsgesprächen, über die Abhaltung von Geburtsvorbereitungskursen, bis hin zur Begleitung der
Geburt soll die Hebamme neben vielen anderen Tätigkeiten vor allem die Schwangere unterstützen. Dabei stellt sich ein besonderes Verhältnis zwischen der Schwangeren und der
Hebamme ein. Im Gegensatz zu dem eher distanzierten und vordergründig fachlichem
Verhältnis zu den ÄrztenInnen ist das Vertrauen zwischen Hebamme und der Schwangeren sehr wichtig. Auf Grund dieser Vertrauensbasis sehen viele Ärzte, Hebammen als
Konkurrenz an (vgl. Gebauer-Sesterhenn/Villinger 2008, S. 174ff.).
Die wesentlichsten Inhalte der Hebammenberatung und –betreuung sind:

Beratung hinsichtlich einer gesunden Lebensweise

Beratung zu rechtlichen und sozialen Unterstützungsmöglichkeiten

Beratung über die verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen inklusive der Möglichkeiten
der Pränataldiagnostik

Beratung zu den verschiedenen Entwicklungsstufen der Schwangerschaft, Geburt,
Wochenbett und Elternschaft einschließlich der dadurch entstehenden Ängste und
Sorgen

Beratung und Hilfestellung bei traumatischen Geburtserlebnissen (vgl. Schäfers 2011,
S.45).
Vorbereitung auf die Geburt
31
Zu den weiteren Aufgabenbereichen der Hebamme zählen:

Die Gestaltung von Geburtsvorbereitungskursen

Die Anwendung von Akupunktur zur Geburtsvorbereitung

Die Begleitung der Geburt und anschließende Wochenbettbetreuung (vgl. GebauerSesterhenn/Villinger 2008, S. 174ff.).
Vor allem die zuletzt erwähnte Wochenbettbetreuung ist für die Mutter und ihr neugeborenes Kind bedeutend. Im Rahmen von Hausbesuchen kann die Hebamme beim Start in
das neue gemeinsame Leben eine unterstützende Rolle einnehmen. Sie stellt der Mutter
wichtige Ratschläge und Informationen rund um das Thema Wochenbett und Babypflege
zur Verfügung. Durch Tipps und einfache Handgriffe im Umgang mit dem Neugeborenen
soll der Mutter der Alltag erleichtert werden (vgl. Gebauer-Sesterhenn/Villinger 2008, S.
174ff.).
Eltern werden, Eltern sein
6
Eltern werden, Eltern sein
6.1
Emotionale Umstellung
32
Nach der Geburt kommt es häufig zu emotionalen Verstimmungen, die auf den veränderten Hormonspiegel zurückzuführen sind. Dies führt zu verstärkter Weinerlichkeit und Empfindlichkeit, wobei Frauen öfters grundlos in Tränen ausbrechen. Die Schwangerschaft und
die darauf folgende Geburt verlangt einer Frau sehr viel körperliche und psychische Kraft
ab. Gerade in dieser Zeit der Umstellung und Anpassung an die neuen Verhältnisse und
das veränderte Familienleben können sich sowohl freudige als auch problematische Gefühle entwickeln. Diese Gefühle lassen nach, sobald sich der Hormonspiegel wieder stabilisiert und normalisiert hat (vgl. Regan 2011, S. 390).
6.1.1 Der Bindungsprozess
Der Bindungsprozess kann auf unterschiedliche Art erfolgen - von Frau zu Frau individuell.
Es gibt Frauen, die sich sofort nach der Entbindung in ihr Kind verlieben, andere wiederum
benötigen mehr Zeit, um sich an die neue Situation und die damit verbundene Verantwortung zu gewöhnen. Der Bindungsprozess setzt hier zwar langsamer ein, das bedeutet allerdings nicht, dass diese Frauen schlechtere Mütter sind oder die Kinder dadurch Nachteile erleiden. Manche Frauen, die für den Bindungsprozess zu ihrem Kind mehr Zeit brauchen, neigen dazu Schuldgefühle und Versagensängste zu entwickeln. Ein häufiges Problem nach der Entbindung kann dann erst zu Hause auftreten. Viele der „frischgebackenen“
Mütter erwarten einen geregelten und idealen Tagesablauf, der es ihnen ermöglicht, den
Haushalt perfekt zu führen. Allerdings hat das Neugeborene seinen eigenen Rhythmus
und es benötigt viel Geduld und Zeit, um eine geeignete und zufriedenstellende Lösung für
beide Seiten zu finden (vgl. Regan 2011, S. 390).
Eltern werden, Eltern sein
33
6.1.2 Babyblues
Viele Frauen fühlen sich nach der Geburt auf sich allein gestellt und sind überfordert mit
der neuen Situation. In früheren Zeiten war es für die Mütter bedeutend einfacher, da sie
fast immer von anderen weiblichen Familienmitgliedern unterstützt wurden und alle zusammen halfen. Dieses starke Familiennetzwerk gibt es heute nur noch selten. Der Babyblues setzt meistens am vierten oder fünften Tag nach der Geburt ein. Zu diesem Zeitpunkt kommt es auch zum Milcheinschuss und das körperliche Wohlbefinden der Frauen
ist erheblich herabgesetzt. Der Babyblues trifft die frischgebackene Mutter trotz Vorbereitung ganz plötzlich. Die Frauen sind in dieser postnatalen Phase ihren Gefühlsregungen
bedingungslos ausgesetzt. In einem Moment strahlen sie vor Glück und einen kurzen Augenblick später brechen sie in Tränen aus. Im Normalfall klingt der Babyblues nach etwa
zwei Wochen von selbst wieder ab. Die Frau erlangt wieder ihr körperliches Wohlbefinden,
der Hormonspiegel normalisiert sich und es stellt sich eine alltägliche Routine ein. Wenn
sich diese leichte Form der Depression nicht wieder einstellt, handelt es sich um eine Wochenbettdepression (vgl. Regan 2011, S. 391).
6.1.3 Wochenbettdepression
Ein Babyblues kann sich zu einer Wochenbettdepression entwickeln. Diese Entwicklung
bleibt sehr häufig über längere Zeit von Freunden, Ärzten, Hebammen und oft auch vom
Partner unentdeckt. Die betroffenen Frauen schämen sich oftmals und suchen nur selten
Hilfe auf. Die Wochenbettdepression ist eine Krankheit und ihre Symptome können während des ersten Jahres nach der Entbindung auftreten. Die Dauer der Wochenbettdepression kann sehr unterschiedlich sein. Diese kann von kurzer Dauer sein und nur wenige
Wochen bestehen oder auch sehr lang anhaltend sein, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt
und behandelt wird. In schweren Fällen muss die Wochenbettdepression professionell
behandelt werden, in Form von Antidepressiva. Entscheidend für den Behandlungserfolg
sind auch Beratung und Psychotherapie. In weniger kritischen Fällen genügt oft die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten. Es sind vermehrt Mütter von dieser
Krankheit betroffen, die eine komplizierte Entbindung oder eine Mehrlingsgeburt hatten.
Die Ursache der Wochenbettdepression ist bis heute noch nicht vollständig erforscht (vgl.
Regan 2011, S. 391 ff.).
Eltern werden, Eltern sein
34
Symptome, die auf eine mögliche Wochenbettdepression hindeuten:

Müdigkeit, Schlafstörungen, Schlaflosigkeit

Angstgefühle, mangelndes Selbstvertrauen

Konzentrationsschwierigkeiten, Weinerlichkeit

Libidoverlust, Lustlosigkeit, Ablehnung des Partners

Trockener Mund, Obstipation, Appetitlosigkeit (vgl. Regan 2011, S. 391).
6.1.4 Wochenbettpsychose
Die Wochenbettpsychose ist eine akute psychotische Erkrankung, die binnen zwei Wochen nach der Geburt auftritt. Diese Erkrankung geht mit schizophrenen oder manischdepressiven Symptomen einher. In einigen Fällen kommt es dadurch zu Misshandlungen
des Kindes, aber es besteht auch eine Suizidgefahr der Mutter. Eine Behandlung der betroffenen Frauen in einer speziellen Mutter-Kind-Einrichtung ist bei dieser Erkrankung erforderlich (vgl. Regan 2011, S. 392).
6.1.5 Bewältigungsstrategien
Bewältigungsstrategien können ganz unterschiedlich sein und sollen sich individuell an
den Bedürfnissen der Frauen nach der Entbindung orientieren. Es gibt diverse Arten und
Möglichkeiten von Bewältigungsstrategien. Es gibt den Weg der Selbsthilfe und/oder auch
der professionellen Hilfe. Einige entscheidende Punkte, die bei der Selbsthilfe beachtet
werden sollten:

Sich nicht abschotten und aktiv sein

Kontakt mit anderen frisch gebackenen Müttern herstellen

Ausreichend Hilfe im Haushalt sichern

Ärztliche Hilfe rechtzeitig in Anspruch nehmen

Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen besonders bei bestehender Wochenbettdepression

Ausgewogene Ernährung und regelmäßige leichte, sportliche Aktivitäten

Zeit für sich selbst nehmen und sich etwas gönnen (vgl. Regan 2011, S. 393).
Eltern werden, Eltern sein
6.2
35
Das neue Familienleben
Ein Baby verändert das Leben einer Paarbeziehung grundlegend. Gerade durch das erste
Kind findet eine Umstellung in vielen Bereichen des täglichen Lebens statt (vgl. Regan
2011, S. 400).
6.2.1 Beruf und Familie
Frauen sind mit Kind und Beruf einer enormen Doppelbelastung ausgesetzt. Einerseits
sind sie für die Versorgung des/der Kindes/Kinder zuständig inklusive Haushaltstätigkeiten
anderseits haben sie ihren Beruf, in dem sie ihr Arbeitspensum zu erfüllen haben. In früheren Zeiten gab es stärkere Familienverbände, wo sich mehrere Verwandte die Kinderbetreuung aufteilen konnten, was heute nur noch selten machbar ist. Kinderbetreuungsplätze
sind heute teilweise schwer zu bekommen bzw. sind sehr kostspielig. Außerdem gibt es
noch Schwierigkeiten mit den Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen, die sich
noch nicht ausreichend an den Bedarf der arbeitenden Eltern orientieren. Des Weiteren
sind Frauen im Arbeitsleben benachteiligt, da sie nach der Karenzzeit meist nur noch Teilzeit arbeiten können, um die Kinderbetreuung zu sichern. Aus diesem Grund ist es Frauen
meist nicht möglich einer hochqualifizierten Tätigkeit nachzugehen, da diese häufig nicht
an Teilzeitbeschäftigte vergeben werden. Um diese Problemlage zu bearbeiten und zu
verbessern wird seit längerem über die Umsetzung eines „Papamonats“ d.h. einer Väterfrühkarenz, diskutiert. Bisher wird diese nur im öffentlichen Dienst eingesetzt. Diese soll
einerseits die Mütter entlasten und andererseits den Vätern ermöglichen, eine intensivere,
emotionale Bindung zum Neugeboren aufzubauen. Obgleich die Umsetzung dieses Modells flächendeckend und in allen Berufssparten wünschenswert wäre, konnte es bislang
erst im öffentlichen Dienst etabliert werden (vgl. ÖGB Frauen 2012, o.S.).
6.2.2 Partnerschaftliche Veränderungen
Vierzig Schwangerschaftswochen hat ein Paar normalerweise Zeit, wenn es das erste
Kind erwartet, um sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen. Mütter sind in den
ersten Wochen nach der Geburt fast ausschließlich auf ihr Neugeborenes fixiert. Dem Va-
Eltern werden, Eltern sein
36
ter wird in dieser ersten Phase der Angewöhnung häufig zu wenig Beachtung entgegengebracht. Seine erwartete Rolle in den ersten Wochen und Monaten liegt vorwiegend darin, sehr verständnisvoll zu sein und möglichst viel Unterstützung in allen Bereichen zu
leisten. Folglich kommt es oft dazu, dass sich Väter ausgeschlossen fühlen. Besonders
der Stillvorgang fördert einen intensiven und emotionalen Beziehungsaufbau zwischen
Mutter und Kind. Dieses einmalige Erlebnis bleibt dem Vater vorenthalten. Darum ist es
sehr wichtig, den Vater in die Pflege und Versorgung des Kindes miteinzubeziehen und
ihm somit auch die Möglichkeit zu geben, manche Probleme, die die Mutter belasten, besser verstehen zu können (vgl. Regan 2011, S. 400).
Das Sexualverhalten verändert sich nach der Geburt sehr stark. Ein Jahr nach der Entbindung des ersten Kindes haben mehr als die Hälfte aller Paare noch Schwierigkeiten zu ihrem gewohnten Liebesleben zurückzufinden. Die Problematik liegt vorwiegend in einem
verringerten sexuellen Verlangen, welches wiederum zu seltenerem sexuellen Kontakt
führt. Dabei können individuell ganz unterschiedliche Gründe dafür verantwortlich sein.
Hauptsächlich sind Mütter nach einer Geburt einfach enorm erschöpft und leiden unter
chronischem Schlafentzug, was sich negativ auf das Sexualleben auswirkt. Außerdem fühlen sich viele Frauen gerade in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt nicht besonders attraktiv. Ursachen dafür können sein, dass sie in der Schwangerschaft viel zugenommen haben oder sie sich gehemmt fühlen aufgrund der großen Narbe nach einer Kaiserschnittgeburt. Für viele stillende Mütter ist es außerdem sehr unangenehm, wenn nach
Berührungen des Partners Milch aus den Brüsten austritt (vgl. Regan 2011, S. 401).
Häufig fühlen sich Frauen auch im Stich gelassen und haben das Gefühl, dass sie nicht
mehr so beachtet werden wie vor der Geburt. Dies kann sich in vielen Fällen zu einer Wochenbettdepression entwickeln. Das Problem des mangelnden sexuellen Verlangens betrifft aber nicht nur Mütter, sondern auch Väter. Auch manche Männer bekommen in den
ersten Wochen nach der Geburt weniger Schlaf als gewohnt und müssen sich in ihre neue
Rolle als Vater erst einleben. Problematisch kann jedoch auch das veränderte Rollenbild
sein, d.h. wenn Männer ihre Frauen nach der Geburt hauptsächlich nur mehr als Mutter
und nicht mehr als Geliebte wahrnehmen. In den meisten Fällen wo dieses Problem auftritt, waren Männer bei der vaginalen Geburt anwesend und haben das Leiden der Partnerin und den Geburtsvorgang noch nicht gänzlich verarbeiten können. Um diese Situation
verarbeiten zu können, ist es entscheidend sich gegenseitiges Verständnis entgegenzu-
Eltern werden, Eltern sein
37
bringen und Probleme anzusprechen. Auch kleine Gesten wie Umarmungen können Zuneigung ausdrücken und das Sexualverhalten wird sich im Laufe der Zeit wieder normalisieren (vgl. Regan 2011, S. 401).
6.3
Beratungsstellen
Beratungsstellen haben die Aufgabe Menschen in verschiedenen und teilweise schwierigen Lebensphasen bestmöglich zu unterstützen. Wenn eine Schwangerschaft von einem
Paar vorab geplant wird, dann erhöht eine Ernährungsumstellung die Fruchtbarkeit. Es
werden verschiedene Beratungen, Workshops und Informationsmaterialien bezüglich einer
gesunden und ausgewogenen Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit angeboten.
Auf der Webseite des Gesundheitsministeriums werden zahlreiche Ernährungstipps rund
um Mutter und Kind übersichtlich dargestellt (vgl. Gesundheit.gv.at. 2013, o.S.). Es gibt
auch Beratungsstellen, die Frauen bei sehr schwierigen Entscheidungen, wie einem
Schwangerschaftsabbruch, beratend zur Seite stehen. Gerade bei diesem Thema ist eine
ausführliche und persönliche Beratung und Information ganz entscheidend. Dabei müssen
der schwangeren Frau
alle zur Verfügung stehenden Informationen zum Schwanger-
schaftsabbruch und zu möglichen Alternativen, wie z.B. Babyklappe, Adoptionsfreigabe,
erläutert werden. Frauen können sich in Österreich in Beratungsstellen, wie zum Beispiel
Familien- und Frauenberatungsstellen oder Frauengesundheitszentren, vor einem
Schwangerschaftsabbruch beraten lassen (vgl. Gesundheit.gv.at 2012b, o.S.).
Werdende Mütter haben die Möglichkeit, sich bei diversen Geburtsvorbereitungskursen
bestens auf die bevorstehende Entbindung vorzubereiten (vgl. Kapitel 5.2). In diesen Kursen werden die Eltern mit der Pflege des Neugeborenen vertraut gemacht und ihnen wird
versucht die Angst, vor den neuen, unbekannten Aufgaben, zu nehmen. Außerdem werden sie auch mit allen Geburtsphasen und dem Geburtsvorgang vertraut gemacht. Grundsätzlich können Geburtsvorbereitungskurse ab der 26. Schwangerschaftswoche besucht
werden, allerdings sollten sie bis zur 36. Schwangerschaftswoche abgeschlossen sein.
Diese Kurse können kostenlos oder auch kostenbehaftet sein. Neben den nützlichen Informationen zu Geburt und der Zeit danach, sind Geburtsvorbereitungskurse auch sinnvoll, um Kontakt zu anderen werdenden Eltern zu bekommen und sich austauschen zu
können (vgl. Regan 2011, S. 133).
Gesundheitsförderung in der Praxis
7
Gesundheitsförderung in der Praxis
7.1
Begriffsdefinition "Gesundheitsförderung"
38
Gesundheitsförderung zielt im Allgemeinen darauf ab, die Ressourcen jedes einzelnen
Menschen einschließlich dessen Umfeldes zu ermitteln, zu fördern und zu stärken. Die
Gesundheitsförderung ist dem Konzept der Prävention sehr ähnlich. Ihre Definitionen unterscheiden sich kaum voneinander, denn beide verfolgen das Ziel, die Gesundheit der
Menschen zu erhalten. Die Prävention befasst sich zudem mit der Vermeidung und Vorbeugung von Krankheitsrisiken (vgl. Schäfers 2011, S.1ff.).
Bereits im Jahr 1948 definierte die WHO (Weltgesundheitsorganisation) das Konzept der
Gesundheitsförderung folgendermaßen: (vgl. Schäfers 2011, S.1)

„Gesundheit ist demnach der Prozess, der es Menschen ermöglicht ihre Gesundheit
aus eigener Kraft zu verbessern.

Gesundheitsförderung ist ein positives Konzept, das soziale und persönliche Kompetenzen und physische Möglichkeiten berücksichtigt“ (Schäfers 2011, S.1).
Laut der WHO kann das Konzept der Gesundheitsförderung nicht ausschließlich auf den
Gesundheitsbereich beschränkt werden, sondern es müssen auch andere Faktoren, wie
die wirtschaftliche Lage eines Landes, soziale Dienste und die Situation der Umwelt berücksichtigt werden. Als grundlegende Ziele der Gesundheitsförderung werden ein besserer Zugang zu den Gesundheitsleistungen, eine gesündere Lebensweise und die Unterstützung einer gesunden physischen und sozialen Umwelt angestrebt (vgl. Schäfers 2011,
S.1).
Gesundheitsförderung in der Praxis
7.2
39
Gesundheitsförderungsprojekte in Österreich
7.2.1 Der Mutter-Kind-Pass
Der Mutter-Kind-Pass (MKP) ist in Österreich die bekannteste Gesundheitsförderungsmaßnahme in der Schwangerschaftsvorsorge und in weiterer Folge Begleiter durch die
ersten Jahre des Kindes und der Mutter, beginnend ab den ersten Schwangerschaftswochen bis zum vollendeten 62. Lebensmonates des Kindes (vgl. Help.gv.at 2013, o.S.).
Eingeführt wurde der MKP im Jahre 1974 unter der Gesundheitsministerin Ingrid Leodolter. Seitdem wurde der Inhalt der Vorsorgeuntersuchungen ständig weiterentwickelt und
erweitert. Der Hintergrund des MKP stellt die mögliche Früherkennung von Komplikationen
während des Schwangerschaftsverlaufes bzw. nach der Geburt dar. In weiterer Folge
dient der MKP der Dokumentation der Entwicklung des Kindes. Dadurch kann in Notfällen
sehr rasch auf Informationen, welche im MKP enthalten sind, zugegriffen werden. Alle beinhalteten Vorsorgeuntersuchungen sind sowohl für versicherte, als auch für nicht versicherte Personen kostenlos. Die Einhaltung und Durchführung der Untersuchungen ist
nicht gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings ist die Vorlage der durchgeführten Untersuchungen für den Erhalt des Kinderbetreuungsgeldes notwendig (vgl. Help.gv.at 2013,
o.S.).
Im Folgenden soll das Untersuchungsprogramm für die schwangere Frau als auch für das
neugeborene Kind kurz erläutert werden. Nähere Information zu den Untersuchungen und
deren Inhalten sind dem Anhang A1 zu entnehmen:

Während der Schwangerschaft sind fünf ärztliche Untersuchungen der schwangeren
Frau vorgesehen.

Zusätzlich werden drei Ultraschalluntersuchungen, welche meist im Zuge der MKPUntersuchung durchgeführt werden, empfohlen.

In den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes sieht der MKP fünf Untersuchungen vor.

Zusätzlich werden zwei Hüftultraschalluntersuchung empfohlen.

Zwischen dem 22. Und dem 62. Lebensmonat sind weitere vier ärztliche Untersuchungen durchzuführen (vgl. Help.gv.at 2013, o.S.).
Gesundheitsförderung in der Praxis
40
Die letzte Änderung im MKP wurde im Juni 2013 beschlossen. Diese sieht eine kostenlose
einstündige Beratung durch eine Hebamme vor. Die Beratung ist freiwillig und kann zwischen der 18. Und 22. SSW in Anspruch genommen werden. Dadurch sollen schwangere
Frauen besser auf die neue Lebenssituation nach der Geburt ihres Kindes vorbereitet
werden (vgl. Bmg.gv.at 2013, o.S.).
7.2.2 Richtig essen von Anfang an
Bereits während der Schwangerschaft werden die Grundbausteine für ein gesundes Leben des Kindes gelegt. Die richtige Ernährung spielt hier eine entscheidende Rolle (vgl.
Kapitel 3.1). Das Gesundheitsförderungsprogramm „Richtig essen von Anfang an“ bildet
hierzu einen Leitfaden für eine ausgewogene gesunde Ernährung von Beginn der
Schwangerschaft an bis in das frühe Kindesalter. In Workshops, welche von den Krankenkassen, aber auch von anderen Einrichtungen angeboten werden, können schwangere
Frauen sich umfassend über die Ernährung während und nach der Schwangerschaft informieren. Dabei werden vorrangig folgende Themengebiete behandelt:

Einfluss der Ernährung auf das ungeborene Kind

Essverhalten in der Schwangerschaft

Bedarf an Nährstoffen und Vitaminen

Schwangerschaftsbeschwerden und Beeinflussung durch die Ernährung

Gewicht während und nach der Geburt

Einschränkungen, Hygiene und Beachtung gefährlicher Lebensmitteln

Rezeptideen und Tipps

Bewegung und Sport während der Schwangerschaft (vgl. Steiermärkische Gebietskrankenkasse 2013, o.S.).
Neben der angeführten Förderungsmaßnahme und den Workshops ist vom Bundesministerium für Gesundheit eine Broschüre zum Thema „Richtig essen von Anfang an – Babys
erstes Löffelchen“ erhältlich (vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2013, o.S.). In dieser
Broschüre wird auf die Ernährung vom Neugeborenen bis zum Kind eingegangen. Im Mittelpunkt der Broschüre steht der Übergang von der Stillzeit zur Beikosteinführung.
Gesundheitsförderung in der Praxis
41
Dabei werden folgende Themen behandelt:

Bedarf an Nährstoffen und Vitaminen

Geeignete und nicht geeignete Lebensmittel

Richtige Zubereitung

Sicher und Sauber – Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln

Erste Getränke (vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2013, o.S.).
Durch den richtigen Umgang mit Lebensmitteln und gesunder Ernährung von Anfang an
soll bereits in der frühen Kindheit die Basis für ein gesundes Leben gelegt werden. Denn
nur wer bereits früh eine gesunde Ernährung vorgelebt bekommt, kann auch sein Leben
danach ausrichten und später davon profitieren (vgl. Bundesministerium für Gesundheit
2013, o.S.).
7.2.3 Gesundheitsförderungsprojekte der Stadt Wien
Die Stadt Wien hat ein eigens für Schwangere entwickeltes Programm ins Leben gerufen
– das Wiener Programm für Frauengesundheit. Dieses Programm bietet schwangeren
Frauen und Müttern unterschiedlichste Beratungsstellen und Unterstützungen. Das
Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Vorbeugung und Behandlung der postpartalen Depression (vgl. Kapitel 6). Dazu werden mehrere Programme angeboten (vgl. Frauengesundheit Wien 2010b, o.S.):
Netzwerk Postpartale Depression
Wie bereits in Kapitel 6.1 behandelt, verändert sich das Leben einer Frau mit einer
Schwangerschaft enorm. Obgleich diese Veränderungen überwiegend positiv sind, kann
es auch zu negativen Auswirkungen, speziell für die Psyche, kommen. Die wesentlichen
Ziele des Netzwerkes Postpartale Depression sind

eine abgestimmte Vorgehensweise der einzelnen Institutionen,

die Vereinheitlichung an Informationen für die betroffenen Gruppen,

die Errichtung eines Frühwarnsystems (Early-Warning),

eine gezielte Überweisung zu beratenden Einrichtungen und

die Erstellung eines Informationsfolders (vgl. Frauengesundheit Wien 2010c, o.S.).
Gesundheitsförderung in der Praxis
42
Durch Vernetzungs-Workshops, welche sechs Mal im Jahr stattfinden, sollen die Mitarbeiter der Einrichtungen, bei welchen schwangere Frauen und junge Mütter behandelt werden, geschult werden. Dabei wird hauptsächlich auf die Früherkennung und die Prävention
einer möglichen postpartalen Depression (Depression nach der Entbindung) Wert gelegt.
Das Programm Netzwerk Postpartale Depression wird seit 2004 angeboten, laufend erweitert und verbessert. Durch den gezielten Einsatz von Beratungen in Kombination mit dem
Frühwarnsystem konnten viele Betroffene eine frühzeitige Behandlung bekommen (vgl.
Frauengesundheit Wien 2010c, o.S.).
Zum Thema postpartale Depression werden von der Stadt Wien weitere Gesundheitsförderungsprojekte durchgeführt:

FEM – Elternambulanz im Wiener Wilhelminenspital

Interventionsprojekt zur Senkung des PPD-Risikos bei Schwangeren" (vgl. Frauengesundheit Wien 2010b, o.S.).
Zusätzlich bietet die Stadt Wien mit dem Wiener Programm für Frauengesundheit mehrere
verschiedene Beratungsstellen und Informationsbroschüren an:
Leitfaden zur psychosozialen Schwangerenbetreuung
Der Leitfaden soll die MitarbeiterInnen der Einrichtungen bei der Früherkennung und den
Möglichkeiten der Prävention von postpartaler Depression unterstützen. Unterteilt in vier
Abschnitte dient der Leitfaden im Wesentlichen als Handlungsanweisung und soll eine Erleichterung im Umgang mit Schwangeren ermöglichen. Der Leifaden zur psychosozialen
Schwangerenbetreuung wurde im Jahr 2006 erstellt und in allen geburtshilflichen Abteilungen des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) implementiert (vgl. Frauengesundheit Wien 2010d, o.S.).
Schwanger – Das Infotelefon
Bei diesem Service der Stadt Wien handelt es sich um die Möglichkeit, anonyme und kostenlose Beratungsgespräche in Anspruch nehmen zu können. Zusätzlich wird der Service
mehrsprachig angeboten. Grundsätzlich richtet sich das Infotelefon an Schwangere aus
sozial benachteiligten Schichten, Frauen mit Migrationshintergrund, junge Frauen und
Frauen mit Schwangerschaftskonflikten. Das Infotelefon wurde im Zeitraum Oktober 2005
Gesundheitsförderung in der Praxis
43
bis Dezember 2007 angeboten, alleine im Jahre 2006 wurden 510 Beratungsgespräche
durchgeführt (vgl. Frauengesundheit Wien 2010d, o.S.).
7.2.4 MIA – Mütter in Aktion
Das Projekt MIA – Mütter in Aktion wurde im Zeitraum von 2007 bis 2010 in zwei steirischen Bezirken – Leibnitz und Liezen – auf Gemeindeebene durchgeführt. Das Ziel des
Projektes MIA war die Stärkung der Netzwerke zwischen Schwangeren und Müttern mit
Babys. Dadurch sollte verstärkt auf die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse aufmerksam gemacht werden, um die persönliche Lebensqualität zu verbessern. In Zusammenarbeit mit ausgewählten Institutionen und Vereinen wurde eine ideale Infrastruktur für Frauen in der Familiengründungsphase gestaltet. Dabei wurde vermehrt auf eine gute soziale
Integration in dieser neuen wichtigen Lebensphase geachtet.
Zur Erreichung der Ziele wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

Hausbesuche nach Geburt des Kindes

Müttertreffen mit Kinderbetreuung

Bildung von Frauengruppen

Aktionswochen (Kinderwandertage, Ausflüge, usw.)

„Runde Tische“ mit Müttern, Vätern, Gemeindevertretern und Vertretern

von beteiligten Institutionen.

Unterstützung bei Projektideen durch das Projektteam (vgl. Frauengesundheitszentrum
2010, o.S.).
Das Projekt MIA nimmt im Bereich der Gesundheitsförderung von Schwangeren und Müttern mit Babys eine Pionierstellung ein. Die meisten Projekte und Initiativen waren bislang
hauptsächlich Experten aus dem medizinischen oder sozialen Bereichen vorbehalten. Im
Gegensatz zu diesen Maßnahmen wurde beim Projekt MIA Augenmerk auf Bildung von
Gemeinschaft und Mitarbeit am Projekt der Gemeindebewohner gelegt. Dabei konnten einige Projekte in den zwei beteiligten Gemeinden von den Betroffenen durchgeführt und
umgesetzt werden (vgl. Frauengesundheitszentrum 2010, o.S.).
Gesundheitsförderung in der Praxis
7.3
44
Gesundheitsförderungsprojekte in anderen Ländern
Im Folgenden Abschnitt wird auf die Systeme der Gesundheitsförderung in der Schwangerschaft in Deutschland und in Schweden näher eingegangen. Gerade diese zwei Länder
weisen große Unterschiede in der Vorsorge auf. Auf der einen Seite das deutsche System,
welches sehr ähnlich dem österreichischen System ist und auf der anderen das stark gegenteilige System in Schweden.
7.3.1 Deutschland
Der Mutterpass in Deutschland ist dem österreichischen MKP sehr ähnlich. Allerdings beinhaltet der Mutterpass lediglich Untersuchungen bis zur Geburt des Kindes. Seit 1961 erhält jede schwangere Frau in Deutschland einen Mutterpass ab ärztlicher Feststellung der
Schwangerschaft. Seit der Einführung wurde der Inhalt des Mutterpasses ständig aktualisiert und weiterentwickelt. Darin werden ab Beginn der Schwangerschaft alle Routineuntersuchungen, Auffälligkeiten und Komplikationen bis zur Geburt des Kindes eingetragen.
Dadurch können Ärzte oder Hebammen in Notfällen auf die Informationen im Mutterpass
zurückgreifen. Deswegen ist es auch erforderlich, den Mutterpass als schwangere Frau
stets mit sich zu führen. Die Vorsorgeuntersuchungen finden im normalen Schwangerschaftsverlauf bis zur 32. SSW in einem Abstand von vier Wochen statt. Ab der 32. SSW
verkürzt sich der Abstand auf zwei Wochen (vgl. Bmg.bund.de 2013, o.S.).
Die Gesundheitsvorsorge von Kindern bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr wird in
Deutschland getrennt von der Schwangerschaftsvorsorge betrachtet. Das KinderUntersuchungsheft wurde im Jahre 1971 eingeführt und bietet neun kostenlose Untersuchungen bis zum vollendeten 64. Lebensmonat (Untersuchungen U1 bis U9). Seit dem
Jahre 2006 wurde das Kinder-Untersuchungsheft um vier Untersuchungen erweitert (U7a,
U10, U11, J2). Diese erweiterten Vorsorgeuntersuchungen für die Altersgruppen 7. bis 18.
Lebensjahr sollen hauptsächlich die Kindes- und Jugendgesundheitsvorsorge verbessen
(vgl. Bundesausschuss der Ärzte- und Krankenkassen 2012, S.4ff.).
Gesundheitsförderung in der Praxis
45
7.3.2 Schweden
Im Vergleich zur ähnlich aufgebauten Gesundheitsförderung und Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland und Österreich unterscheidet sich diese in Schweden wesentlich.
Die Betreuung der schwangeren Frau liegt in Schweden von Beginn an in der Hand der
Hebamme. Der Nachweis der Schwangerschaft wird mittels Apothekentest selbstständig
durchgeführt, ein Nachweis durch einen Arzt ist in Schweden nicht üblich. Die erste Vorsorgeuntersuchung nimmt eine Hebamme ab der 12. SSW vor. Bei diesem „Vorstellungstermin“ werden alle Daten der werdenden Mutter aufgenommen und elektronisch in einer
eigenen Akte geführt. Bei dieser Erstuntersuchung wird ebenso ein Nachweis der
Schwangerschaft ausgestellt. Die Führung eines Mutterpasses bzw. Mutter-Kind-Passes
wird in Schweden nicht praktiziert. Ärztliche bzw. gynäkologische Untersuchungen werden
bei normalem Schwangerschaftsverlauf erst vor der Geburt durchgeführt. Eine Ultraschalluntersuchung ist um die 20. SSW vorgesehen, welcher ebenfalls von einer speziell ausgebildeten Hebamme durchgeführt wird. Dieser dient der Bestimmung des genauen Geburtstermines und der Feststellung der Entwicklung des Kindes. Eine Feststellung des
Geschlechts ist in Schweden im Allgemeinen nicht üblich (vgl. inschweden.se 2012, o.S.).
Grundsätzlich beschränkt sich die schwedische Gesundheitsvorsorge in der Schwangerschaft auf die wesentlichsten und notwendigsten medizinischen Untersuchungen. Dies
stellt gerade bei den immer mehr werdenden Untersuchungsmöglichkeiten in Deutschland
und Österreich, vor allem bei der Pränataldiagnostik, einen großen Unterschied dar. Auch
im, in Österreich gesetzlich geltenden, Mutterschutz gibt es große Unterschiede. Da es in
Schweden keinen vergleichbaren Mutterschutz gibt, arbeiten nahezu alle schwangeren
Frauen bis knapp vor den errechneten Geburtstermin (vgl. inschweden.se 2012, o.S.).
Schlussfolgerung, Diskussion und Ausblick
8
46
Schlussfolgerung, Diskussion und Ausblick
Ich bin nun am Ende meiner Bachelorarbeit angelangt und habe sehr viel Neues und Interessantes zum Thema Gesundheitsförderung im Zusammenhang mit Schwangerschaft,
Geburt und Elternschaft in Erfahrung bringen können. Da ich selbst vor über einem Jahr
das einmalige Erlebnis der Schwangerschaft und Geburt erleben durfte, habe ich zu dieser
Thematik schon im Vorfeld sehr viel Wissen erarbeitet. Mit dieser Arbeit wollte ich die
wichtigsten Punkte zusammenfassen und einen detaillierten Überblick geben. Einen sehr
bedeutenden Punkt stellt für mich die Schwangerschaftsvorsorge bzw. Pränataldiagnostik
dar. Die Entscheidung für oder gegen die Inanspruchnahme dieser vorgeburtlichen Untersuchungen muss jede werdende Mutter bzw. die werdenden Eltern selbst treffen und die
daraus möglichen resultierenden Konsequenzen abwägen. Diese Entscheidungen sollten
gründlich bedacht werden, da vor allem invasive Methoden ein erhöhtes Risiko für eine
Fehlgeburt mit sich ziehen können.
Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Arbeit behandelt das Gesundheitsverhalten der
schwangeren Frau. Dieses bezieht sich einerseits auf die Ernährung, sportliche Aktivitäten
und anderseits auf den Verzicht von Genussmitteln. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass diese Entsagung oft nicht so einfach ist. Die täglichen Ernährungsgewohnheiten werden in Frage gestellt und sollten teilweise oder gänzlich verändert werden und auf
bestimmte Lebensmittel sollte ausnahmslos verzichtet werden. Bei der ersten Schwangerschaft sind viele Mütter voller Sorge, ob sie denn alles richtig machen und vor allem, dass
es dem Kind im Mutterleib an Nichts fehlt. Diese Sorgen verursachen bei einigen Schwangeren Angstgefühle und Selbstzweifel. Sie fragen sich, ob sie denn überhaupt in der Lage
sind, die neue Familiensituation auch zu bewältigen. In manchen Fällen verstärkten sich
diese Ängste und Zweifel und nicht selten stellt sich ein Babyblues nach der Entbindung
ein. Dieser kann sich zu einer schwerwiegenderen Wochenbettdepression entwickeln, wobei Mütter unbedingt professionelle Hilfe benötigen. Oft bemerken die betroffenen Frauen
selbst erst sehr spät, dass sie die Situation nicht mehr allein bewältigen können und auch
das eigene, engste familiäre Umfeld stellt die depressiven Veränderungen erst verspätet
fest. Aus meiner Sicht ist es wichtig für frischgebackene Mütter, dass sie Kontakt zu anderen Müttern finden, um sich austauschen und beratschlagen zu können. Auf diese Weise
fühlen sich die Mütter in der neuen Lebenssituation nicht allein gelassen und können die
Schlussfolgerung, Diskussion und Ausblick
47
Mutterfreuden mit anderen Müttern teilen. Außerdem ist es ratsam, die Hebammenberatung auch nach der Geburt in Anspruch zu nehmen. Dabei kommt eine Hebamme zur
Nachbetreuung von Mutter und Kind direkt nach Hause. Somit wird die Bindung zwischen
Mutter und Kind gefördert, da die Hebamme bei Stillproblemen, Babypflege und speziell
rund um das Thema Wochenbett eine unterstützende Rolle einnimmt. Ich selbst habe dieses Angebot in Anspruch genommen und ich war sehr froh darüber, denn gerade in den
ersten Tagen in denen man wieder zu Hause ist, treten viele Fragen und Unsicherheiten
auf.
Ich habe mich auch sehr intensiv mit dem Thema Gesundheitsförderungsprojekte in Bezug
auf Geburt und Schwangerschaft auf nationaler und internationaler Ebene befasst. In Österreich sind schon einige Gesundheitsförderungsprojekte bezüglich Schwangerschaft und
Geburt erfolgreich umgesetzt worden. Der Mutter-Kind-Pass ist in Österreich ein fixer Bestandteil der Schwangerenvorsorge und nach der Entbindung werden die Entwicklungen
des Kindes bis zum 5. Lebensjahr darin festgehalten. Dieses System ist sehr wichtig für
die Gesundheit von Mutter und Kind. Bei meiner Recherche war ich sehr erstaunt über die
teilweise großen Unterschiede bezüglich der Gesundheitsförderung in der Schwangerschaft zwischen den europäischen Ländern. Das System in Schweden unterscheidet sich
vom österreichischen maßgeblich. Der wesentliche Unterschied im Vergleich zum österreichischen System bezieht sich auf die Schwangerenvorsorge. Denn diese übernimmt in
Schweden von Anfang an eine Hebamme und nicht wie in Österreich ein/e Frauenarzt/ärztin. In Österreich bekommt die Schwangere bereits in den ersten Schwangerschaftswochen einen Mutter-Kind-Pass und die erste Ultraschalluntersuchung wird zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Im Gegensatz dazu wird die
erste Ultraschalluntersuchung in Schweden erst um die 20. Schwangerschaftswoche
durchgeführt. Meiner Meinung nach werden schwangere Frauen in Österreich wirklich von
Anfang an sehr gut betreut und es werden ihnen Informationen und Beratungen rund um
das Thema Schwangerschaft, Geburt und der Zeit danach ausreichend zur Verfügung gestellt. Das Schreiben dieser Arbeit hat mit sehr viel Freude bereitet, da mich dieses Thema
aus persönlichen Gründen ganz besonders angesprochen hat. Da mich die laufenden Gesundheitsförderungsprojekte/-programme sehr interessiert haben, werde ich deren Entwicklungen mit Freude weiterverfolgen. Ich fand es sehr interessant einen Einblick in die
verschiedenen Gesundheitsförderungsprojekte einiger anderer europäischer Länder zu
bekommen. Auf diese Weise ist es möglich über den „Tellerrand“ zu blicken und andere
Schlussfolgerung, Diskussion und Ausblick
48
Möglichkeiten kennen zu lernen, die eventuell im eigenen Land noch zu wenig Beachtung
finden. Ich hoffe, dass sich in Zukunft die Gesundheitsförderung noch besser etabliert und
es viele weitere Projekte vor allem auf diesem Gebiet geben wird.
Literaturverzeichnis
49
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Anhang
53
Anhang
A1 Mutter-Kind-Pass
A1-1 Untersuchungsprogramm für die Schwangere:
Während der Schwangerschaft sind fünf ärztliche Untersuchungen der Schwangeren vorgesehen:
Anhang
54
Ultraschalluntersuchung:
Zusätzlich zu den genannten Untersuchungen wird jeweils eine Ultraschalluntersuchung
der Schwangeren in der 8., 9., 10., 11. oder 12., in der 18., 19., 20., 21. oder 22. und in
der 30., 31., 32., 33. oder 34. Schwangerschaftswoche empfohlen.
A1-2 Untersuchungsprogramm für das Kind:
In den ersten 14 Lebensmonaten sind fünf ärztliche Untersuchungen des Kindes vorgesehen:
Anhang
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In der 1. und in der 6., 7. oder 8. Lebenswoche des Kindes wird jeweils eine Hüftultraschalluntersuchung empfohlen.
Bis zum 62. Lebensmonat sind vier weitere ärztliche Untersuchungen des Kindes vorgesehen:
Anhang
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Zugehörige Unterlagen
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