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Accouchement 14 Wörter, 143 Zeichen
Accouchement (franz., spr. ackuschmáng), s. Geburtshilfe.
Geburtshilfe (franz. Accouchement). Der Inbegriff aller bei der Behandlung der Schwangern, Gebärenden und Wöchnerinnen
anwendbaren Regeln stellt den Inhalt der Geburtshilfe als Kunde (Geburtshilfekunde), und die Anwendung dieser Regeln auf die
bestimmten Fälle den Inhalt der Geburtshilfe als Kunst oder die Geburtshilfekunst dar. Durch die Vereinigung beider kommt alsdann
die eigentliche Hilfe beim Geburtsakt selbst zu stande.
Zu einem regelmäßigen Verlauf der Geburt ist es nötig, daß mehrere Bedingungen sowohl von seiten der Mutter als von seiten
der Frucht und ihrer Umgebung vereint erfüllt werden. Diese sind von seiten der Mutter einerseits die Regelmäßigkeit der Wehen in
Bezug auf ihre Kraft und Aufeinanderfolge, anderseits der regelmäßige Bau der Geburtsteile sowie die natürliche Beschaffenheit der
in den Geburtsteilen, insbesondere in dem Becken, befindlichen Organe; von seiten der Frucht deren normale Bildung und
Gestaltung sowie deren regelmäßige Lage im mütterlichen Körper. In Bezug auf die Lage der Frucht (Kindslage) im Mutterleib kurz
vor Eintritt der Geburt kommen die meisten Abweichungen vor, und durch sie wird meistens die Regelwidrigkeit einer Geburt bedingt.
Die regelmäßige Lage der Frucht ist daher eins der Haupterfordernisse zu einer natürlichen Geburt. Die normale Lage ist die
Schädellage. Dabei steht der Kopf entweder im linken schrägen Beckendurchmesser, der Rücken des Kindes links
forlaufend nahe der Wirbelsäule oder vorn am Bauch der Mutter, oder der Kopf steht im rechten schrägen Durchmesser, der
Rücken hinten rechts oder wieder am Bauch der Mutter, wonach man diese Stellungen als 1., 2., 3., 4. Schädellage bezeichnet. Bei
Wehenschwäche, engem Becken, Nabelschnurvorfall oder andern Umständen, welche eine Beschleunigung der Geburt
wünschenswert machen, geben diese Kindslagen Veranlassung zum Anlegen der Zange. Weniger normal, aber immerhin häufig und
ohne Kunsthilfe zu beenden ist die Geburt bei Steißlage.
Der Steiß tritt zuerst ins kleine Becken, er ist dem höchsten Druck ausgesetzt und zeigt häufig wie der Kopf bei Schädellagen
eine weiche Blutbeule oder Blutgeschwulst (Kopfgeschwulst, caput succedaneum, Steißgeschwulst). Erfordert die Steißgeburt
Kunsthilfe, so wird mit dem gekrümmten Finger oder mit stumpfem Haken das Kind in den Hüftbeugen erfaßt und herausgezogen.
Ähnlich ist die Fußlage, bei welcher zuerst ein Fuß durch den Muttermund tritt, welcher dann behufs der weitern Entwickelung des
Körpers gefaßt wird und als Handhabe zum Ziehen dient; sobald die Schultern eintreten, müssen die Arme gelöst und hervorgezogen
werden, worauf dann der Kopf den Schluß macht.
Verzögert sich die Geburt, nachdem schon fast der ganze Leib geboren ist, so treten zuweilen, durch den Reiz der Kälte bedingt,
vorzeitige Atembewegungen auf, welche durch Verschlucken von Fruchtwasser gefährlich werden können. Entschieden abnorm ist
die Querlage, bei welcher zuerst ein Arm in die Scheide vorfällt. In dieser Kindslage kann die Geburt nur von statten gehen, nachdem
die Querlage durch Eingehen des Geburtshelfers mit der Hand in die Gebärmutter in eine Schädel-, Steiß- oder Fußlage
umgewandelt ist.
Dieser Akt, der, wenn irgend thunlich, in der Chloroformnarkose ausgeführt wird, heißt Wendung. Am übelsten ist die
Gesichtslage, welche sich, wenn der Geburtshelfer rechtzeitig zur Stelle ist, in eine Schädel- oder durch Wendung in eine Fußlage
verwandeln läßt. Ist dagegen der Kopf des Kindes im Becken bereits festgekeilt, so bleibt nichts übrig, als den Kopf zu durchbohren
(Perforation) oder zu zerbrechen (Kranioklasis) und dann die Geburt mit der Zange zu beenden.
Die Ausführung der Wendung steht gesetzlich der Hebamme nur dann zu, wenn ärztliche Hilfe nicht binnen notwendiger Frist zu
erreichen ist. Das Anlegen der Zange oder gar das Töten des Kindes durch Perforation ist nur dem Arzt gestattet. Der Mechanismus
der Geburt bei der Schädellage kann als typisch angesehen werden. Er beruht darauf, daß der Kopf des Kindes bei seinem
Durchgang durch das Becken eine doppelte Bewegung erleidet, nämlich eine Drehung um seinen Querdurchmesser, wodurch er eine
solche Richtung erhält, daß seine großen Durchmesser stets den großen Durchmessern des Beckeneinganges entsprechen und
seine Achse (der Durchmesser von dem Kinn zur kleinen Fontanelle) mit der Beckenachse zusammenfällt; sodann eine Drehung um
seine Höhenachse, welche ihm für die Durchmesser der Beckenmitte und des Beckenausganges die angemessene Richtung gibt,
worauf wieder eine Drehung um seinen Querdurchmesser folgt. Auf diese Weise beschreibt das Kind bei seiner Geburt gleichsam
eine Spirallinie. Die regelmäßige Geburt ist ein Akt der Naturthätigkeit allein, und die Thätigkeit des Geburtshelfers besteht daher
mehr in bloßer Unterstützung, Erleichterung und Verhütung von Regelwidrigkeiten als im Eingreifen in den Geburtsvorgang.
Die hat sich in den ältesten Zeiten auf die wenigen Hilfsleistungen beschränkt, welche man ohne besondere Kenntnis vom Bau
und von den Verrichtungen des Körpers den gebärenden Weibern angedeihen lassen konnte. Ohne Zweifel wurden aber diese
Hilfsleistungen von Frauen ausgeübt. Wir finden in den heiligen Büchern bei den Israeliten und Ägyptern nur Wehmütter genannt.
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Griechen und Römer hatten unter ihren Göttern, die dem Gebärungsakt vorstanden, nur weibliche Gottheiten.
Auch finden wir bei den alten römischen und griechischen Klassikern nur Hebammen erwähnt. Die Hippokratischen Schriften
enthalten allerdings viel auf die Geburtshilfe sich Beziehendes; wir ersehen daraus, daß Ärzte in schwierigen Fällen Rat erteilten und
auch wohl mit Händen und eignen Werkzeugen Hilfe leisteten, deren nähere Auseinandersetzung indes nur auf eine höchst
beschränkte Einsicht in das ganze Geburtsgeschäft schließen läßt. Das erste Lehrbuch für Hebammen in Fragen und Antworten
schrieb Moschion um 220 n. Chr.; es behandelt die Anatomie der Geschlechtsteile, gibt den Hebammen den nötigen Rat zur
diätetischen und ärztlichen Behandlung der Schwangern, Gebärenden und Neugebornen und lehrt, was bei der Geburt selbst zu
beobachten ist. Durch die arabischen Ärzte ist für die Geburtshilfe wenig geschehen. Im christlichen Abendland befand sich die
Geburtshilfe nur in Händen ununterrichteter Weiber oder höchstens männlicher Pfuscher. Man begnügte sich oft damit, in schwierigen
Fällen Geistliche zu Gebärenden zu rufen, welche durch abergläubische Mittel Hilfe zu leisten versuchten. Nicht viel besser sind die
Lehren des berühmten Mich. Savonarola in Padua, welche derselbe in seiner »Practica« (Vened. 1497) vorträgt.
Erst mit dem 16. Jahrh. fing die an, eine bessere Gestalt anzunehmen. Das erste geburtshilfliche Werk aus dieser Zeit ist das
Hebammenbuch des Eucharius Rößlin: »Der swangern Frawen und Hebammen Rosengarten« (1513, mit Holzschnitten). Obwohl
auch hier manches von Frühern bereits Vorgetragene benutzt ist, so finden wir doch manches Eigentümliche und Neue darin. So
gedenkt der Verfasser der in Vergessenheit geratenen Wendung auf die Füße wieder und empfiehlt diese da, wo die Wendung auf
den Kopf nicht gelingt, erkennt die Kopflagen als die natürlichsten an und räumt nach diesen der Fußgeburt die nächste Stelle ein.
Wohlthätig mußte auf die geburtshilflichen Lehren der damals wieder erwachende Eifer für die Anatomie wirken, und besonders
bemühten sich Vesal (gest. 1564), dessen Schüler Reald. Columbus (1559), Fallopia (gest. 1562) u. a., über alles, was sich auf
Anatomie und Physiologie des weiblichen Organismus wie der Leibesfrucht bezieht, Aufklärung zu geben. Da indessen immer nur die
schwersten Fälle der männlichen Hilfe anheimfielen, auch diese selbst nur durch Anwendung von mechanischen Mitteln geleistet
wurde, so finden wir die in genauer Vereinigung mit der Chirurgie. Es ist vorzugsweise die operative Seite, welche in den
geburtshilflichen Werken P. Francos, Parés, Fabr. Hildanus' u. a. hervorgehoben wird; man verbesserte die ältern Methoden, erfand
neue, welche die Anwendung so mancher das Leben des Kindes gefährdender älterer Operationen wenigstens beschränken sollten,
und empfahl die Wendung des Kindes im Mutterleib auf die Füße (s. oben), welche einen enormen Fortschritt bezeichnet und zu den
glänzendsten Resultaten führte. So verschafften die Bestrebungen dieser Männer nach und nach der männlichen Geburtshilfe mehr
Eingang und Vertrauen. Der Umstand, daß Ludwig XIV. einen Wundarzt, Namens J. Clément aus Arles, zur Entbindung der
königlichen Geliebten,
forlaufend Madame de Lavallière, berief, welcher nach glücklicher Vollziehung seines Auftrags zum ersten Geburtshelfer des Hofs
ernannt wurde, trug nicht wenig dazu bei, diese Kunst in Aufnahme zu bringen. In Deutschland entwickelte sich die Geburtshilfe nur
langsam; es blieb fast alles den Hebammen überlassen, welche nur in sehr gefährlichen Fällen Wundärzte hinzuriefen. Notdürftig
wurde durch Hebammenbücher für den Unterricht der erstern gesorgt. Zu nennen sind: Welsch' »Hebammenbuch«, aus dem
Italienischen des Scipione Mercurio (Leipz. 1653),
und Völlters »Neueröffnete Hebammenschule« (1679). Unter den Hebammen erlangte Just. Siegmundin (1690), die
brandenburgische Hofwehmutter, den bedeutendsten Ruf. Sie war die erste, welche sich der sogen. Wendungsstäbchen zur
Anlegung der Fußschlinge bediente. Einen würdigen Schlußstein dieser Periode bildet der Holländer van Deventer, der Verfasser der
»Morgenröte der Hebammen« (Leid. 1696) und des »Neuen Hebammenlichts« (das. 1701). Letzteres Werk ist das erste
wissenschaftliche Buch über Geburtshilfe Vortrefflich ist die von ihm abgehandelte Beckenlehre, worin er seinen Vorgängern durch
richtige Auffassung und praktische Bemerkungen weit vorgeschritten ist; er suchte ferner den Gebrauch der mörderischen zur
Zerstückelung des Kindes benutzten Instrumente zu vermindern und erwarb sich große Verdienste um die weitere Verbreitung der
Wendung auf die Füße. Im J. 1723 erfand Palfyn in Gent ein Instrument zur Lösung des eingekeilten Kopfes; hiermit war die Bahn
gebrochen, denn wenngleich das Palfynsche Instrument noch an großen Mängeln litt, so konnten doch Verbesserungen desselben
nicht ausbleiben. Bald trat nun auch der Engländer Chapman (1735) mit seiner Zange hervor, und somit verbreitete sich von zwei
Ländern aus dieses Instrument, welches eine große Umgestaltung der ganzen praktischen Geburtshilfe hervorbrachte. In Frankreich
suchte Levret (gest. 1780) die Geburtszange (s. d.) zu verbessern, indem er ihr eine zweckmäßigere Form gab und für ihre
Anwendung bestimmtere Regeln aufstellte, als es bisher geschehen war; auch schrieb er in einem ausführlichen Werk über die
Ursachen und Zufälle verschiedener schwerer Geburten und gab eine Menge geburtshilflicher Instrumente an. Er bildete viele
Schüler im In- und Ausland, und von ihm an datiert die rasche Entwickelung der Geburtshilfe als Wissenschaft in Frankreich. Solayrés
de Renhac stellte in seiner Abhandlung »De partu viribus maternis absoluto« (Par. 1771) dynamische und mechanische Regeln, nach
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welchen die Natur bei der Geburt verfährt, auf das treffendste und so wahrheitsgetreu dar, daß Spätere ihn hierin kaum übertrafen. In
England fing die Geburtshilfe erst in der Mitte des 18. Jahrh. an, sich auf eine ausgezeichnete Art durch Smellie (gest. 1763) zu
entwickeln, welcher durch seine Schriften für ihre Vervollkommnung in England wirkte. Er lehrte die Art und Weise, wie das Kind bei
einer natürlichen Geburt vorrücke, verbesserte die Geburtszange, erläuterte deren Anwendung und gab zu diesem Behuf außer
seinen Lehrbüchern ein großes Kupferwerk heraus.
Die künstliche Frühgeburt wurde von englischen Geburtshelfern in der Mitte des 18. Jahrh. zuerst in Vorschlag gebracht und
ausgeführt, um bei engem Becken Kaiserschnitt und Perforation zu vermeiden und so Mutter und Kind am Leben zu erhalten. In
Deutschland begann die Geburtshilfe erst nach der Mitte des 18. Jahrh. eine bessere Gestalt zu gewinnen. Wenngleich Böhmer
(1647) die Zange und ihre Anwendung in seinem Vaterland bekannt machte, so behielten doch noch Perforation und Zerstückelung
des Kindes in schwierigen Fällen die Oberhand. Erst durch Röderer bekam die in Deutschland eine gediegenere Richtung. Sein
Schüler Stein (gest. 1803) verpflanzte Levrets Grundsätze auf deutschen Boden, gab zur Ausmessung des Beckens besondere
Instrumente an, suchte über die Wendung klare und richtige Ansichten festzustellen und bemühte sich, die richtige Anwendung der
(Levretschen) Zange unter seinen Landsleuten zu verbreiten.
Einflußreich waren die Lehren des Dänen Saxtorph (gest. 1801), der in einer klassischen Schrift: »De diverso partu ob diversam
capitis ad pelvim relationem mutuam« (Hannov. 1772), den natürlichen Geburtshergang bei Kopflagen beschrieb und in spätern
Schriften sich besonders um die Operationen der Wendung und mit der Zange verdient machte. Von dem größten Einfluß auf die
Geburtshilfe sind die in diesem Jahrhundert errichteten Lehranstalten und Entbindungshäuser geworden. In Frankreich wurde das
Hôtel-Dieu auch als Lehranstalt für in Paris eingerichtet, allein nur Hebammen durften diese treffliche Gelegenheit benutzen, während
bei der 1728 in Straßburg errichteten Entbindungsanstalt auch Studierende zugelassen wurden. In Großbritannien wurden zwar
Entbindungshäuser, in Dublin 1745, in London 1739, errichtet; allein eine eigne Lehranstalt ward erst 1765 mit dem
Westminster-lying-in-Hospital unter der Direktion Leakes errichtet, wo Ärzte und Wundärzte zum Unterricht zugelassen wurden. In
Deutschland ward von Friedrich II. die erste Hebammenschule zu Berlin in der Charitee 1751 nach dem Muster der Straßburger
errichtet und der Direktion Meckels übergeben; letzterm folgten Henkel und Hagen im Amt nach. In demselben Jahr ward auch in
Göttingen eine Entbindungsanstalt errichtet, deren Leitung Röderer übernahm. Zu Anfang dieses Jahrhunderts standen sich in
Deutschland zwei Schulen gegenüber.
Osiander zeigte, wie weit die sogen. künstliche es bringen konnte, und brachte lediglich mit der Zange und der Wendung den
größten Teil der seiner Sorge anvertrauten Geburten zu Ende; Boer dagegen setzte die durch voreiliges Eingreifen der Kunst
beeinträchtigte Natur in ihre vollen Rechte ein und ward so der Gründer einer Geburtshilfe, deren wohlthätige Folgen in der neuesten
Zeit immer schöner sich zeigen. Im Lauf der ersten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts sind allmählich an allen Universitäten
geburtshilfliche Institute zum theoretischen und praktischen Unterricht in der Geburtshilfe errichtet worden. In neuester Zeit werden
dieselben mit allem erdenklichen Komfort ausgerüstet, sowohl was die Baulichkeiten, die Ventilation, die Zimmereinrichtungen betrifft,
als auch namentlich betreffs der Betten, welche bis zu Kunstwerken verfeinert sind, um den äußersten Grad von Sauberkeit zu
ermöglichen.
Reinlichkeit ist das Losungswort der modernen Chirurgie und nicht minder der Geburtshilfe, denn die geschickte Leitung des
Gebäraktes selbst ist nur die erste Aufgabe des Geburtshelfers, ihr gleich steht an Wichtigkeit die zweite Anforderung: die
Behandlung der Wöchnerin. Nur die äußerste, peinlichste Sauberkeit, die sich auf die Ärzte, Hebammen und Wärterinnen erstreckt,
und die auf Wäsche, Betten, Instrumente etc. ausgedehnt wird, vermag in völkerreicher Gegend und besonders im Spital die höchst
ansteckende Seuche des Wochenbettfiebers zu verhüten. Wenn man aus diesem Gesichtspunkt die Statistik großer Krankenhäuser
vergleicht mit den Resultaten früherer Jahre, so wird man in der Geburtshilfe den Segen der neuen Karbolära ohne Scheu mit dem
Umschwung, den einst die Einführung
forlaufend der Geburtszange hervorgebracht, in Parallele stellen können.
Vgl. Busch, Lehrbuch der Geburtskunde (5. Aufl., Berl. 1849);
A. Martin, Leitfaden der operativen Geburtshilfe (das. 1877);
Nägele, Geburtshilfe für Hebammen (13. Aufl., Heidelb. 1868);
die Lehrbücher der Geburtshilfe von v. Scanzoni (4. Aufl., Wien 1867), v. Siebold (2. Aufl., Braunschw. 1854), Schröder (9. Aufl.,
Bonn 1886), Spiegelberg (2. Aufl., Lahr 1878).
[Geburtshilfe bei den Haustieren.] Je mehr die Haustiere sich durch die Einflüsse der Züchtung und Haltung von den
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naturgemäßen Lebensbedingungen entfernen, um so häufiger ereignen sich die Regelwidrigkeiten bei der Geburt. Das wichtigste
Hindernis beim Gebären liegt in der Gestalt des knöchernen Beckens. Bei den kleinen Haustieren hat dasselbe eine längliche Form,
welche durch die Dehnbahrkeit ^[richtig: Dehnbarkeit] der Weichteile eine relativ starke Erweiterung des Raums zuläßt.
Das Becken der Pferde ist von Natur sehr weit. Dagegen hat das Becken des Rindes im Verhältnis zur Größe des Fötus nur eine
geringe Weite. Schon aus diesem Grund kommen die Schwergeburten bei Kühen am meisten vor. Eine andre Ursache liegt in der
Dicke und Kürze des Kopfes beim Kalbsfötus. Für die Geburtshilfe ist an dem jungen Tier zu unterscheiden zwischen der Lage
(Kopfendlage, Steißendlage, Geradlage und Querlage), der Stellung (Rückenstellung, Bauchstellung und Seitenstellung) und der
Haltung (dem Verhältnis der einzelnen Körperteile zu einander). Am meisten macht die abnorme Haltung einzelner Teile des Fötus
die Geburtshilfe notwendig.
Bei der Kopfendlage verschiebt sich im Beginn des Gebäraktes der Kopf nach einer Seite oder nach unten; oft liegt das Hindernis
darin, daß die Streckung einer oder beider Vordergliedmaßen nicht vollständig zu stande kommt. Die Steißendlage erfordert in der
Regel nur dann eine Hilfsleistung, wenn eine oder beide Hintergliedmaßen nicht mit den untern Fußenden in die Geburtswege
eintreten. Die Berichtigung leichter Haltungsabnormitäten am Fötus kann oft von kundigen Laien ausgeführt werden.
Gestaltet sich aber die Behandlung des Falles schwierig, so ist die rechtzeitige Zuziehung eines Tierarztes geboten. Die Gefahr
für das Muttertier steigert sich mit der Zeit, welche nach dem Abfluß des Fruchtwassers (Blasensprung) vergeht. Namentlich
entwickelt sich bei Stuten mit der Verzögerung einer Schwergeburt sehr leicht eine septische Entzündung der Gebärmutter, die
gewöhnlich einen tödlichen Ausgang nimmt. Jede rohe Behandlung der Muttertiere ist bei der Geburtshilfe zu vermeiden.
Aus Irrtum wird vielfach auf die künstliche Zerstückelung des Fötus in der Gebärmutter ein besonderes Gewicht gelegt. Die
erfahrensten Praktiker machen von diesem letzten Hilfsmittel nur sehr selten Gebrauch, weil mit der Anwendung desselben die
Gefahr für das Muttertier größer wird.
Vgl. Zürn, Handbuch der tierärztlichen Geburtshilfe (2. Aufl., Leipz. 1863);
Harms, Lehrbuch der tierärztlichen Geburtshilfe (2. Aufl., Hannov. 1884);
Baumeister-Rueff, Tierärztliche Geburtshilfe (6. Aufl., Berl. 1878);
Franck, Handbuch der tierärztlichen Geburtshilfe (das. 1876).
^[Abb.: Geburtszange nach Busch.]
Ende Geburtshilfe
Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte
Auflage, 1885-1892;6. Band, Seite 983 im Internet seit 2005; Text geprüft am 6.12.2007; publiziert von Peter Hug; Abruf am
31.10.2017 mit URL:
Weiter: http://peter-hug.ch/06_0984?Typ=PDF
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