Die koronare Bypass-Operation meines Opas

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ABSCHLUSSARBEIT 2012
Schulhaus Büelwiesen
Christina Anderegg
DIE KORONARE BYPASS-OPERATION
MEINES OPAS
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
DIE KORONARE BYPASS-OPERATION
MEINES OPAS
INHALT
Motivation ......................................................................................................................................................... 3
Die Situation von Ewald Sigrist vor der Operation ..................................................................................... 4
Anatomie des Herzens ................................................................................................................................... 5
Arterien ..................................................................................................................................................... 5
Venen ....................................................................................................................................................... 5
Venenklappen ......................................................................................................................................... 6
Kapillaren ................................................................................................................................................. 6
Herzkranzgefässe ....................................................................................................................................... 6
Erkrankung des Herzens ............................................................................................................................... 6
Angina Pectoris ........................................................................................................................................... 6
Arteriosklerose ............................................................................................................................................ 7
Herzinfarkt.................................................................................................................................................... 8
Herzkatheter-Untersuchung ...................................................................................................................... 8
Die koronare Bypass-Operation ............................................................................................................... 9
Die Bypass-Operation meines Opas ........................................................................................................... 9
Die Operationsbesprechung ..................................................................................................................... 9
Operation ................................................................................................................................................... 11
Intensivstation ........................................................................................................................................... 12
14. Januar 2012 .................................................................................................................................... 13
Abteilung Herzchirurgie............................................................................................................................ 13
16. Januar 2012 .................................................................................................................................... 14
17. Januar 2012 .................................................................................................................................... 14
18. Januar 2012 .................................................................................................................................... 15
19. Januar 2012 .................................................................................................................................... 15
2
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
20. Januar 2012 .................................................................................................................................... 15
REHA .............................................................................................................................................................. 16
23. Januar 2012 M ................................................................................................................................ 16
1. Woche ................................................................................................................................................ 16
2. Woche ................................................................................................................................................ 17
3. Woche ................................................................................................................................................ 18
4. Woche ................................................................................................................................................ 19
Wie haben die Angehörigen die Situation erlebt? .................................................................................... 19
Wieder zu Hause .......................................................................................................................................... 20
Zwei Monate nach der Operation ........................................................................................................... 20
Quellenangaben ............................................................................................................................................ 21
Printmedien ................................................................................................................................................ 21
Internetquellen........................................................................................................................................... 22
Bilder ........................................................................................................................................................... 23
MOTIVATION
Die schriftliche Arbeit „Die koronare Bypass-Operation meines Opas“ schreibe ich
als Abschlussarbeit der 3. Sekundarschule A, des Schulhauses Büelwiesen in
Winterthur Seen und für meinen Opa, den ich sehr gern habe.
Anfangs war es nicht leicht für mich, ein geeignetes Thema zu finden. Vor den
Weihnachtsferien erfuhr ich, dass mein Opa herzkrank ist und eine koronare
Bypass-Operation brauchte. Mein Interesse für dieses Thema war gross, ich wollte
mehr darüber wissen. So zögerte ich nicht lange und entschied mich, meine Arbeit
über die Herzoperation meines Opas zu schreiben.
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Die koronare Bypass-Operation meines Opas
DIE SITUATION VON EWALD SIGRIST VOR DER OPERATION
E. S. ist mein Grossvater. Mit seinen 74 Jahren ist er noch sehr aktiv. Sein Motto
ist: „Wer rastet, der rostet!“, und mein Opa hat noch nicht viel Rost angesetzt.
Unproduktives Herumsitzen liegt ihm nicht. Als ehemaliger Zimmermeister findet
er immer etwas zum Handwerken. Sein Haus mit viel Umschwung und sein Wald
halten ihn fit.
Mein Opa bekam im November 2011 häufig bei der körperlichen Arbeit einen
stechenden Schmerz in der Brust, der sich bis in beide Arme und in den Hals
ausbreitete. Sobald er sich schonte, verging der Schmerz wieder. Dies
beunruhigte ihn sehr. Daraufhin ging er zu seinem Hausarzt, welcher ihn ins
Limmattalspital zu einem Belastungs-EKG schickte. Bei der Untersuchung stellte
der Arzt ein Herzproblem fest. Zur weiteren Abklärung fand am 19. Dezember
2012 eine Herzkatheter-Untersuchung im Stadtspital Triemli in Zürich statt. Da es
einen Notfall nach dem anderen gab und diese alle vorgezogen wurden, musste
mein Opa zum Schluss ganze 24 Stunden im Spital auf die Untersuchung warten.
Immer wieder vertröstet zu werden und die Ungewissheit, war sehr beunruhigend
für ihn.
Bei
der
Herzkatheter-Untersuchung
wurde
eine
schwere
koronare
Dreigefässerkrankung festgestellt. Das bedeutete, dass mein Opa an allen drei
Herzkranzgefässen starke Verengungen aufwies. Aufgrund dieses Befundes war
klar, dass mein Opa operiert werden musste. Weitere Untersuchungen waren vor
der Operation nötig, unter anderem um herauszufinden, welche Beingefässe für
die Überbrückung am Herzen geeignet waren.
Die Schmerzen in der Brust, ausstrahlend in die Arme und in den Hals, die mein
Opa vor allem bei körperlicher Anstrengung verspürte, waren Angina Pectorisschmerzen.
Risikofaktoren, die mein Opa für diese Krankheit mitbrachte, waren, dass er sich
schnell aufregte und ein erhöhter LDL-Cholesterinwert (Blutfett).
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Die koronare Bypass-Operation meines Opas
ANATOMIE DES HERZENS
Das Herz ist eine Muskelpumpe, ein muskuläres Hohlorgan, das alle Organe mit
Blut und Sauerstoff versorgt. Es ist etwa so gross wie die eigene Faust und hat die
Form eines Kegels.
Unser Herz ist in der Mitte in zwei gleich grosse Teile geteilt, das rechte und das
linke Herz. Jede Hälfte besteht aus einem Vorhof und einer Kammer. Die beiden
Herzseiten arbeiten zwar gleichzeitig, haben jedoch nicht dieselbe Aufgabe. Die
rechte Herzhälfte versorgt den kleinen Kreislauf. Die linke Herzhälfte ist für den
grossen Kreislauf, den Körperkreislauf, zuständig. Der rechte Vorhof saugt das
Blut aus der Hohlvene. Von dort gelangt das sauerstoffarme Blut durch die rechte
Kammer in die Lungenarterie und weiter zum Gasaustausch in die Lungen. Das
nun sauerstoffreiche Blut gelangt durch die Lungenvene zum linken Vorhof und
weiter in die linke Herzkammer, wo das sauerstoffreiche Blut in die Aorta, die
Hauptschlagader, gepumpt wird.
Sobald das Herz mit Blut gefüllt ist, zieht sich die Muskelwand zusammen und das
Blut wird herausgepresst. Kurz danach erschlafft der Herzmuskel und neues Blut
kann einfliessen. Ohne Stress geschieht das beim Erwachsenen etwa 60-80 Mal
pro Minute, jedes Zusammenziehen ist ein Herzschlag. Bei Bedarf, zum Beispiel
bei körperlicher Arbeit, kann das Herz seine Pumpleistung anpassen. Taktgeber
für den Herzschlag ist eine Ansammlung von Muskelzellen in der Wand des
rechten Vorhofs. Vom Vorhof werden die elektrischen Impulse zur Kammer
weitergeleitet.
ARTERIEN
sind Blutgefässe mit einer sehr dicken, elastischen Muskelschicht, die
das Blut vom Herzen weg in alle Körperteile und in die Lunge führen. Das Blut der
Arterien ist sauerstoffreich, mit Ausnahme der Lungenarterie, in welcher
sauerstoffarmes Blut fliesst.
VENEN
sind Blutgefässe, die das verbrauchte, sauerstoffarme Blut aus dem
Körper und das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge zum Herzen führen. Im
Gegensatz zu den Arterien haben Venen sehr dünne Muskelschichten, weil sie
einen niedrigeren Blutdruck aushalten müssen.
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Die koronare Bypass-Operation meines Opas
VENENKLAPPEN
sorgen dafür, dass das Blut in den Venen nicht zurück in den
Körper fliesst.
KAPILLAREN
sind feinste Blutgefässe. Sie ermöglichen den Stoffaustausch im
Körper zwischen Blut und Zellen, bzw. in der Lunge den Gasaustausch zwischen
Blut und Lungenbläschen.
HERZKRANZGEFÄSSE
Die Herzkranzgefässe versorgen das Herz mit Blut. Sie umgeben das Herz
kranzförmig und werden deshalb in der Fachsprache Koronararterien genannt.
Der Begriff „Corona“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Krone oder
Kranz. An der Stelle, an der die Aorta das Herz verlässt, zweigen die beiden
Koronararterien für die Blutversorgung des Herzmuskels ab. Die rechte
Kranzarterie, genannt RCA, versorgt normalerweise die Herzhinterwand. Die linke
Kranzarterie, genannt LCA, teilt sich kurz nach ihrem Abgang aus der Aorta in
zwei Gefässe auf, wovon ein Gefäss, genannt RIVA, die Vorderwand versorgt und
das andere Gefäss, genannt RCX, die Seitenwand des Herzens versorgt.
ERKRANKUNG DES HERZENS
ANGINA PECTORIS
Die
Herzkranzarterien
versorgen
den
Herzmuskel
mit
Blut,
sind
die
Herzkranzgefässe jedoch verstopft oder verengt, wird der Herzmuskel bei
Belastung oder Anstrengung nicht mehr genügend mit sauerstoffreichem Blut
versorgt. Die Minderdurchblutung des Herzens führt zu Engegefühl und starken
6
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
Schmerzen in der Brust. Normalerweise verschwinden die Schmerzen wieder bei
Ruhe. In schweren Fällen kann dies auch zu einem Herzinfarkt führen.
Ursachen für eine Verengung oder Verstopfung der Herzkranzgefässe können
folgende
sein:
Stress,
Rauchen,
Bluthochdruck,
Zuckerkrankheit
und
Arteriosklerose.
ARTERIOSKLEROSE
Die Arteriosklerose ist eine chronische Erkrankung der Arterien, die zur
Verengung der Gefässlichtung, sowie zur Verdickung, Verhärtung und zum
Elastizitätsverlust der Arterienwand führt. Wörtlich übersetzt heisst Arteriosklerose
Verhärtung der Schlagadern. Das kann
in jeder Arterie des Körpers geschehen.
Arteriosklerose
unbemerkt.
entsteht
meistens
Beschwerden treten erst
auf, wenn mehr als 70 Prozent der
Gefässe verstopft sind und das Blut
nicht mehr richtig durchfliessen kann.
Im Verlauf lagern sich weiße Blutkörperchen in die Gefässwand ein. Dort nehmen
sie verändertes LDL-Cholesterin aus dem Blut auf und wandeln es zu
sogenannten Schaumzellen um. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion der
Gefässwand. Freigesetzte Entzündungs- und Wachstumsfaktoren locken weitere
Blutzellen an, die sich ebenfalls einlagern. So baut sich das Gewebe allmählich
um. In der Arterie entsteht eine sogenannte arteriosklerotische Plaque. Durch die
Ablagerungen
wird
die
Innenhaut
der
Arterie
immer
dicker
und
der
Gefässdurchmesser immer kleiner. Ausserdem verliert die Arterienwand durch die
Kalkeinlagerungen ihre Elastizität und wird steifer. Weitere Blutplättchen lagern
sich ab, die den Gefässdurchmesser noch weiter verengen und die Arterie im
schlimmsten Fall ganz verschließen. Meist wird bei diesen Menschen ein erhöhter
LDL-Cholesterinwert gemessen. LDL heisst Low Density Lipoprotein und
bedeutet: Blutfett mit einer Eiweisshülle und einer geringen Dichte. Es wird auch
schädliches Cholesterin genannt.
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Die koronare Bypass-Operation meines Opas
HERZINFARKT
Im Gegensatz zur Angina Pectoris kommt es beim Herzinfarkt fast immer zum
vollständigen Verschluss von einem oder mehreren Herzkranzgefässen. Dies führt
zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels und zum Absterben des Muskels.
Schon 30 Minuten nach dem Infarktereignis nimmt das Ausmass der
Herzmuskelschädigung zu. Die Pumpleistung des Herzens nimmt ab. Kann der
betroffene Teil des Herzmuskels seine Aufgabe nur noch eingeschränkt oder gar
nicht mehr erfüllen, wird der Körper nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem
Blut versorgt. Der Herzinfarkt ist eine lebensbedrohliche Situation. Rasches
Handeln ist in einer solchen Situation wichtig. Je früher ein Herzinfarkt erkannt und
behandelt wird, desto geringer sind die Schäden am Herzmuskelgewebe und
umso besser sind die Überlebens- und Genesungschancen.
Die Ursachen sind die Gleichen wie bei der Angina Pectoris beschrieben.
40 Prozent aller Infarkte passieren in den Morgenstunden zwischen 6 und 12 Uhr.
In den Wohlstandsländern ist der Herzinfarkt eine der Haupttodesursachen.
HERZKATHETER-UNTERSUCHUNG
Der Katheter wird meist durch die rechte Leiste in die Arterie eingeführt. Durch
eine Schleuse wird ein ca. 2 mm dünner Katheter in die Hauptschlagader
eingeführt und
bis zum
Herzen
vorgeschoben. Von dort aus wird
Kontrastmittel
in
die
Herzkranz-
Arterien gespritzt, um die Gefässe
auf dem Röntgenbild sichtbar zu
machen. Somit kann man sehen, ob
und wo Verengungen vorhanden
sind.
Verengungen
werden
als
Stenosen bezeichnet.
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Die koronare Bypass-Operation meines Opas
Teilweise kann man die verengten Stellen mit Hilfe eines Ballons aufdehnen
und/oder einen Stent einlegen. Ein Stent ist ein Implantat, das an die verengte
Stelle eingesetzt wird, um sie offen zu halten. Es handelt sich meist um ein feines
Gittergerüst aus Metall, das mit dem Herzkatheter an die richtige Stelle platziert
wird.
DIE KORONARE BYPASS-OPERATION
Die erste koronare Bypass-Operation wurde am 2. Mai 1960 am Albert Einstein
College in den USA durchgeführt. Zur Herstellung eines Bypasses wurden früher
ausschliesslich Venen eingesetzt. Heute verwendet man Brustwandarterien,
Armarterien und Beinvenen.
Es werden eine oder mehrere Gefässbrücken zwischen der Hauptschlagader und
den Herzkranzgefässen gelegt, um die verengten Stellen zu umgehen. Die
koronare Bypass-Operation ist die geeignetste Behandlung, wenn alle drei
Hauptäste der Kranzgefässe verengt sind oder wenn eine Stenteinlage mit dem
Herzkatheter nicht möglich ist. Die reine Operation dauert etwa 2-4 Stunden und
wird unter Vollnarkose durchgeführt. Diese Operation wird immer weniger häufig
mit dem Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine gemacht, das verringert die Risiken.
Die Operation am schlagenden Herzen erfordert viel Fingerspitzengefühl. Das
Operationsrisiko liegt bei < 2%.
DIE BYPASS-OPERATION MEINES OPAS
DIE OPERATIONSBESPRECHUNG
Am 4. Januar 2012 fand die Operationsbesprechung mit Prof. Dr. med. Genoni,
Chefarzt für Herzchirurgie am Stadtspital Triemli in Zürich, statt. Mit meinem Opa
und meiner Mutter durfte ich bei dem Gespräch dabei sein. Es wurde besprochen,
9
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
wie die Operation abläuft, mit welchen Komplikationen zu rechnen ist und dass die
Operation auch tödlich ausgehen kann. Wenn keine Probleme auftauchten, würde
der Aufenthalt auf der Intensivstation einen Tag dauern, auf der Abteilung wäre
mein Opa eine Woche und danach noch zwei bis vier Wochen in der
Rehabilitation. Alles wurde uns genau erklärt. Der Chefarzt war sehr nett und
forderte mich auf, Fragen zu stellen. Das Gespräch war sehr informativ, danach
war mir jedoch erst klar, wie gross die Risiken waren. Mein Opa musste sich bis
zur Operation schonen.
Von diesem Augenblick an machte ich mir Gedanken darüber, was wäre, wenn
mein Opa diese Operation nicht überlebte. Es wurde mir bewusst, dass ich unter
Umständen den Titel dieser Arbeit anpassen müsste.
Das ist eine Skizze der geplanten Herzoperation.
Eingezeichnet sind die
verengten Stellen an
den Herzkranzgefässen
und die geplanten
Bypässe.
10
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
OPERATION
Mein Opa wurde am 13. Januar 2012 am Herzen operiert. Dabei wurde das
Brustbein aufgesägt, um einen Zugang zum Herzen zu bekommen. Es wurden
vier Bypässe eingesetzt, einer davon musste dreimal neu angelegt werden, weil
der Blutfluss durch das Gefäss jedes Mal ungenügend war. Man nahm zur
Überbrückung
der
verengten
Stellen
zwei
Brustwand-arterien
und
zwei
Transplantate aus den Beinvenen. Trotz dieses Problems konnte auf den Einsatz
einer Herz-Lungen-Maschine verzichtet werden, es wurde die ganze
Zeit am schlagenden Herz operiert.
Am Schluss wurde das durchtrennte
Brustbein
wieder
mit
Draht
befestigt.
Insgesamt war mein Opa 7 Stunden
im
Operationssaal.
Mit
etwa
2
Stunden Verzögerung kam er, mit
vielen Schläuchen versehen, auf die
Intensivstation.
Bild nach Anlage der vier Bypässe am Ende der Herzoperation.
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Die koronare Bypass-Operation meines Opas
INTENSIVSTATION
Am Tag der Operation besuchte ich meinen Opa abends um 19 Uhr auf der
Intensivstation. Er wurde noch beatmet und war kurz vor dem Aufwachen. Mein
sonst so fitter und aktiver Opa lag regungslos und ganz bleich inmitten von vielen
Geräten und Schläuchen. Ich war geschockt, denn ich hatte meinen Opa noch nie
so gesehen. Eine halbe Stunde war ich bei ihm zu Besuch, und in dieser Zeit
wachte er langsam auf. Wegen dem Beatmungsschlauch konnte er nicht reden
und durch schwaches Nicken des Kopfes konnte er bestätigen, dass er
Schmerzen hatte. Seine Augen konnte er jedoch noch nicht so richtig öffnen.
Kraftlos lag er da. Man merkte, dass ihn der Beatmungsschlauch störte, denn er
versuchte, mit der Hand zum Mund zu greifen. Als er von der Intensivpflegefachfrau erfuhr, dass es gefährlich wäre, am Schlauch zu ziehen, tolerierte er
diesen und lag wieder ruhig im Bett. Gegen 22 Uhr wurde ihm dann der
Beatmungsschlauch herausgezogen.
Mein Opa auf der Intensivstation
12
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
Ein Tag nach der Operation. Mein Opa konnte noch nicht auf die
14. JANUAR 2012
Abteilung verlegt werden. Das Atmen fiel ihm schwer, denn ein Teil seiner linken
Lunge war kollabiert. Zudem brauchte er noch ein kreislaufunterstützendes
Medikament. Das Sitzen an der Bettkante ermüdete ihn sehr stark, er war jedoch
froh darüber, dass einige Schläuche entfernt werden konnten.
Am Nachmittag besuchten meine Oma und mein Cousin meinen Opa auf der
Intensivstation. Kaum waren sie am Krankenbett, wurde es meinem Opa bereits
zuviel. Da er sich noch immer sehr schlapp fühlte und keinen Besuch mehr wollte,
mussten sie schon nach zwei Minuten wieder gehen. Meine Oma war über den
Anblick ihres Mannes schockiert. Sie war jedoch auch etwas enttäuscht, weil ihr
Besuch nicht erwünscht war.
ABTEILUNG HERZCHIRURGIE
15. JANUAR 2012
Um 14 Uhr konnte mein Opa auf die normale Abteilung verlegt
werden. Mit einer Telemetrie (einem
Gerät,
das
die
aufzeichnete
Herzstromkurve
und
von
der
Intensivstation aus überwacht wurde)
und einem Herzschrittmacher wurde
er verlegt. Als ich ihn am Nachmittag
besuchte,
war
er
noch
sehr
kurzatmig und müde, jedoch zeigte
er
grosse
Freude
an
meinem
Besuch. In dieser ganzen Zeit der
Heilung
musste
mein
Opa
ein
Korsett tragen, damit beim Husten,
oder einer anderen Belastung, die
Naht auf der Brust nicht platzte.
13
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
16. JANUAR 2012
Vergangene Nacht hatte mein Opa schlecht geschlafen, weil ihn
das Klopfen des Herzschrittmachers (Pacer) wach hielt und es ihm immer wieder
übel wurde. Später wurden ihm die Herzschrittmacher Stärke und Frequenz
reduziert, und es ging ihm wieder besser. Beim Bewegen und Stehen auf dem
rechten Bein hatte er immer noch sehr starke Schmerzen. Die Schmerzen
stammten von einem Bluterguss bei der Venenentnahme-stelle am rechten Bein.
17. JANUAR 2012
Alle Schläuche bis auf den Sauerstoffschlauch wurden entfernt.
Mit der Wunde am Brustbein hatte mein Opa keine Probleme und auch kaum
Schmerzen. Sein rechtes Bein schmerzte jedoch weiterhin extrem.
Mein Opa war noch sehr kurzatmig. Es hatte sich im Brustraum ein halber Liter
Flüssigkeit angesammelt, der meinem Opa auf die linke Lunge drückte und ihm
das Atmen erschwerte. Die Oberärztin wollte eigentlich mit einer Nadel diese
Stelle punktieren und die Flüssigkeit ablassen. Mein Opa war jedoch dagegen.
Zwei Tage später zeigte sich, dass dies eine gute Entscheidung gewesen war. Die
Ansammlung im Brustraum war dank wasserausscheidenden Medikamenten,
zurückgegangen und auch das Atmen ging wieder besser. Mein Opa war sehr
glücklich darüber.
Mein Opa und ich
14
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
Zum ersten Mal nach der Operation durfte mein Grossvater
18. JANUAR 2012
wieder duschen. Da in der Dusche der Boden sehr glitschig war und er nur
schlecht auf dem rechten Bein stehen konnte, rutschte er aus und verlor dabei das
Gleichgewicht. Aua! Glücklicherweise nahmen weder der Kopf, noch die
Operationswunde Schaden.
Am Nachmittag wurde sein neues Korsett angepasst, es kostete 500 Franken.
Mein Opa fand den Preis für das bisschen Gurt und Polster extrem überteuert,
worüber er sich sehr aufregte.
19. JANUAR 2012
Als ich meinen Grossvater mit meiner Oma und seiner
Schwester besuchte, lag er im Bett und sah wieder richtig munter aus. Beim Gang
zur Toilette konnte er jedoch kaum auf dem rechten Bein auftreten, so
schmerzhaft war das Belasten. Zur Sicherheit nahm er einen Stuhl und schob ihn
langsam vor sich her. Damit das Brustbein besser zusammenwächst, war das
Anheben und Abstützen der Arme verboten. Das machte es meinem Opa mit
seinem Beinproblem nicht gerade einfach.
20. JANUAR 2012
An diesem Tag wäre er eigentlich in die Reha–Klinik in Seewis
verlegt worden. Mein Opa verlor jedoch früh morgens auf dem Weg zur Toilette
15
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
erneut das Gleichgewicht und prallte gegen die Wand. Um herauszufinden, ob
beim
Sturz
etwas
im
Kopf
verletzt
worden
war,
machte
man
eine
Schädelcomputertomographie (Schichtröntgen des Kopfes). Zum Glück fand man
nichts.
Auch die Beine wurden untersucht, und es wurde festgestellt, dass ein grosser
Bluterguss ( ein halber Liter Altblut ) auf das Schienbein drückte und meinem Opa
diese Schmerzen bereitete. Operieren wollte man nicht, es bräuchte jedoch einige
Wochen Zeit, bis der Körper das Blut wieder abgebaut hätte.
Es lagen schmerzhafte Wochen vor meinem Opa.
REHA
Reha heisst Rehabilitation und bedeutet Wiedereingliederung oder Massnahmen,
die helfen, wieder gesund zu werden. Viele Kranke gehen nach einer grossen
Operation zur Kur, dabei wird Ihnen geholfen, wieder fit für den Alltag zu werden.
23. JANUAR 2012
Mit drei Tagen Verzögerung, durfte mein Opa in die Reha-Klinik
in Seewis, im Prättigau, im Kanton Graubünden. Diese Klinik ist ein kleineres
Kurhaus, welches vor allem auf Herz-Kreislaufpatienten spezialisiert ist.
Da mein Opa halbprivat versichert ist, bekam er ein Einzelzimmer. Darüber war er
sehr froh. Geplant war der Aufenthalt für 2-4 Wochen.
1. WOCHE
Bei Eintritt in die Reha musste mein Opa zuerst einen Fragebogen ausfüllen, in
dem er auch sein Ziel für die Reha-Zeit definierte. Es lautete: „Ich will wieder die
frühere Aktivität erreichen.“ Ebenso führte ein Arzt einen Eintrittsuntersuch durch.
16
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
Es gab 6 Leistungsgruppen, mein Opa wurde in die Gruppe 5 eingeteilt, die
zweitschlechteste. Je nach Befinden und Leistung wurde die Gruppe gewechselt.
Der Tagesablauf in der Gruppe 5 bestand aus Gymnastik, Velofahren und
Wandern. Am liebsten fuhr mein Opa mit dem Hometrainer, da diese Aktivität das
rechte Bein am wenigsten belastete. Während des Aufenthalts in Seewis lag über
ein Meter Schnee, deshalb musste mein Opa beim Wandern immer Spikes an den
Schuhen tragen.
Am Abend gab es häufig einen Vortrag zu Themen wie: Herzinfarkt, gesunde
Ernährung, Burnout oder Übergewicht.
2. WOCHE
Während des Reha-Aufenthalts und auch noch danach musste mein Opa
Stützstrümpfe tragen. Die Stützstrümpfe konnte er noch nicht alleine anziehen,
auch tat ihm das Anziehen extrem weh. Für die Heilung seines Beines ging er
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Die koronare Bypass-Operation meines Opas
regelmässig zur Physiotherapie. Der Physiotherapeut praktizierte Lymphdrainage
im rechten Bein. Meinem Opa brachte dies grosse Linderung. Durch die
Fortschritte konnte mein Grossvater in die Gruppe 4 aufsteigen.
Die Ärzte erklärten meinem Opa, dass Bewegung trotz der Schmerzen im Bein die
beste Therapie sei, und dass diese Komplikation eher selten sei. Mein Opa biss
die Zähne zusammen und kämpfte sich durch die Therapie.
An diesem Sonntag besuchte ich meinen Opa. Er sah wieder ganz okay aus.
Auffällig war sein Schongang. Um sein rechtes Bein zu entlasten, ging er schief.
Er zeigte mir sein verhärtetes, blaues Bein, und ich war froh, dass ich nicht mit ihm
tauschen musste. Ich verbrachte einen wunderschönen Tag mit meinem
Grossvater.
3. WOCHE
In dieser Woche durfte mein Opa wieder aufsteigen, nämlich in die Gruppe 3.
Diese Gruppe wanderte an einem Tag bis zu10 km weit. Es war immer ein Pfleger
mit Funkgerät und einer Notfall-Ausrüstung dabei. Mein Opa konnte gut mithalten.
18
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
4. WOCHE
Zum Ende dieser Woche war der Austritt meines Opas geplant. Zuvor wurde
jedoch noch eine Schlussuntersuchung durchgeführt, bei der mein Opa 105% des
Gesundheitsdurchschnitts erreichte. Das war ein sehr gutes Ergebnis. Mein Opa
war sehr erfreut und hoffte, bald wieder so belastbar wie vor der Operation zu
sein.
WIE HABEN DIE ANGEHÖRIGEN DIE SITUATION ERLEBT?
Die ganze Aufregung um die Operation ihres Mannes nahm meine Oma sehr mit.
Am Tag vor der Operation fuhr meine Oma meinen Opa ins Spital. Auf dem
Heimweg war meine Oma beim Autofahren nicht konzentriert, ihre Gedanken
waren bei ihrem Mann. Sie überfuhr eine rote Ampel und hatte dabei riesiges
Glück. Danach war sie fix und fertig. Meine Grossmutter war überfordet. Ihr war
erst nach dem Anblick ihres Mannes auf der Intensivstation klar, dass noch viele
Komplikationen auftreten konnten. Da meine Oma gesundheitlich angeschlagen
war, vermisste sie meinen Opa sehr. Es half meiner Oma, ihren Mann so gut
versorgt zu wissen.
Während ihr Mann in Seewis war, starb ihr geliebter, altersschwacher Hund. Der
Tod des Hundes nahm sie sehr mit. Einsam, am Waldrand wohnend, ohne Mann
und Hund, war sie sehr glücklich über Besuch.
Zum Glück bekam meine Oma jede Menge Unterstützung durch Familie und gute
Freunde.
19
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
WIEDER ZU HAUSE
Als mein Opa wieder zu Hause war, fühlte er sich recht schlapp. Eine kleine Stelle
bei der Naht am Brustbein war noch immer offen, und Wundflüssigkeit floss
heraus. Deshalb ging er zum Hausarzt, denn nach 5 Wochen sollte die Wunde
eigentlich schon längst geschlossen sein. Der Hausarzt führte ein Stäbchen in die
Wunde ein und stellte fest, dass es einen Hohlraum bis auf das Brustbein gab. Als
der Arzt mit dem Stäbchen auf das Brustbein klopfte, hörte mein Opa das
metallische Geräusch des Drahtes, welcher das Brustbein zusammenhielt. Dies
bereitete meinem Opa grosse Sorgen und Angst, denn er hatte zuvor schon
Komplikationen mit dem rechten Bein, und noch mehr Komplikationen wollte er
wirklich nicht. Der Arzt reinigte die Wunde und gab meinem Opa Antibiotika. Eine
Woche später war die Wunde glücklicherweise verschlossen.
Die ganze Operation mit Rehabilitation kostete die Krankenkasse rund 35‘000
Franken.
ZWEI MONATE NACH DER OPERATION
Mein Opa arbeitete schon wieder im Garten und in seiner Werkstatt. Leichte
Schmerzen in der Brust und im rechten Bein hielten ihn davon ab, mehr zu
machen, als er sollte. Manchmal war er ungeduldig und leicht genervt, weil er
noch nicht ganz der Alte war.
Seit der Operation hatte sich sein Leben ein bisschen verändert. Schwere
körperliche Arbeit, wie Holzspalten, war noch nicht möglich. Er stellte die
Ernährung um und versuchte weniger fettig zu essen und auf Wurstwaren zu
verzichten.
20
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
Es war für mich sehr interessant, diesen speziellen Lebensabschnitt mit meinem
Opa miterleben zu dürfen. Die Beziehung zu meinem Opa hat sich durch diese
Situation vertieft. Ich bin sehr froh darüber, dass er die Operation so gut
überstanden hat.
QUELLENANGABEN
PRINTMEDIEN

Dr. Kirsten Bleich & Prof. Dr. Stefan Bleich: Was ist Was/ Der
menschliche Körper, Tessloff

Schweizerische Herzstiftung Patienteninformationen: Angina Pectoris

Schweizerische
Bypass-Operation
Herzstiftung
Patienteninformationen:
Die
koronare
21
Die koronare Bypass-Operation meines Opas

Schweizerische Herzstiftung Patienteninformationen: Herzoperationwie weiter?

Schweizerische
Herzstiftung
Patienteninformationen:
Herzgesund
geniessen

R. A. Hope & J. M. Longmore : Oxford Handbuch der klinischen Medizin,
1989, Oxford, Hans Huber
INTERNETQUELLEN
http://de.wikipedia.org/wiki/Koronare_Herzkrankheit
http://www.gesundheitsprechstunde.ch/koronare-herzkrankheit
http://www.gesundheitsprechstunde.ch/herzinfarkt
http://www.gesundheit.ch/cholesterin
http://www.avhho.ch/_avhho/documents/AVHHO-Herzkrankheit.pdf
http://www.herz.hexal.de/erkrankungen/koronare-herzkrankheit/ursachen.php
https://www.luks.ch/standorte/luzern/kliniken/herzzentrum/chirurgischesangebot/koronare-bypasschirurgie.html
http://www.dr-hierl.net/expertentips/koronare-bypass-operation/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Arteriosklerose
http://www.anatomie-online.com/
http://www.swissheart.ch/index.php?id=543
http://www.swissheart.ch/index.php?id=172
http://www.herz.hexal.de/grundwissen/herz/herzkranz.php
http://www.uniklinik-herzzentrum.de/herz-und-thoraxchirurgie/zuweisendeaerzte/herzkranzgefaesse
22
Die koronare Bypass-Operation meines Opas
http://www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html
http://www.rehaseewis.ch
BILDER
http://www.k-hoelter.de/glossar/
http://vitanet.docmed.tv/index.php?id=836
Bilder und Skizzen Seite 10 und 11: Prof. Dr. med. M. Genoni, Stadtspital Triemli
Fotos: Christina und Anita Anderegg
Mit freundlicher Genehmigung des Stadtspitals Triemli.
Namen und Personen sind im Einverständnis aller beteiligter Personen genannt und abgebildet.
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