Datum: 03.12.2012 Regio-Ausgabe Aargauer Zeitung AG 5001 Aarau 058/ 200 58 58 www.aargauerzeitung.ch Medienart: Print Medientyp: Tages- und Wochenpresse Auflage: 31'743 Erscheinungsweise: 6x wöchentlich Themen-Nr.: 375.18 Abo-Nr.: 1053061 Seite: 31 Fläche: 64'283 mm² «Hebammen haben Zukunft» Geburten Heute kommen im Kanton Zürich 35 Prozent aller Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt diese Zahl liesse sic h auch wieder senken VON ALFRED BORTEI ist, gibt es natürlich keine Diskussi- die Geburt begleiten und ein Arzt Diesen Herbst haben am Institut für on.» Diskussionswürdig seien hinge- nur im Notfall beigezogen wird. Hebammen an der Zürcher Hoch- gen andere Kaiserschnitte wie etwa Zürich im oberen Viertel Zu denken gibt, dass die Quote der schule für Angewandte Wissenschaf- eine Steisslage oder eine Zwillingsten (ZHAW) in Winterthur 60 junge schwangerschaft. Kaiserschnittgeburten in der Schweiz Frauen ihre Ausbildung begonnen. Studien belegen, dass bloss etwa von Kanton zu Kanton stark diffeWie ist ihre Zukunft, wenn sie nach 2 Prozent der Frauen aus terminli- riert. Am tiefsten ist sie im Kanton vier Jahren Ausbildung ins Berufsle- chen Gründen den planbaren opera- Jura mit unter 20 Prozent, während ben übertreten? tiven Eingriff einer vaginalen Geburt sie im Kanton Zug deutlich über 45 «Hebammen sind sehr gefragt», vorziehen. Aber es kann durchaus Prozent liegt. Zürich befindet sich weiss Claudia König, Professorin am vorkommen, dass Ärzte lieber auf mit 35 Prozent im oberen Viertel. Es Institut für Hebammen, die Leiterin der sicheren Seite sind und auch gibt noch keine wissenschaftlichen für Forschung und Entwicklung. dann zu einem Kaiserschnitt raten, Studien, die den Grund für diese Manche Spitäler suchen dringend wenn es nicht zwingend angezeigt enorme Diskrepanz eruiert hat. «HieNachwuchs. Und doch müssen sich ist. Eine Operation ist besser planbar, rüber Klarheit zu gewinnen, wäre die Hebammen für ihren Berufsstand was auch für Ärzteschaft und Klinik spannend», sagt König. wehren. Wie König an ihrer Antritts- angenehm ist, zudem sind die RisiSie ist der Meinung, dass Frauen, vorlesung erläutert hat, nimmt die ken für die Ärzte, die den Eingriff Zahl der Kaiserschnitte laufend zu, vornehmen, besser kalkulierbar. Auswas die Rolle der Hebamme bei der serdem sind operative Eingriffe für Geburtsbegleitung einschränkt. «Die ein Spital lukrativ. «Ein Drittel der Hebammen möchten aber ihre Tätig- 80000 Geburten in der Schweiz sind keit nicht auf die Geburtsvorberei- Kaiserschnittgeburten, das ist Big tung und auf die Begleitung der Business», gibt sie zu bedenken. Wöchnerinnen reduziert sehen», beAuf 20 Millionen Franken werden tont König, «sondern auch die Geburt gemäss der Weltgesundheitsorganiselber begleiten.» Sie fügt bei: «Es wä- sation die Kosten geschätzt, die dem re schade, wenn immer mehr Kinder schweizerischen Gesundheitssystem die über die Risiken eines Kaiser- schnitts genauer Bescheid wissen, es sich vielleicht noch einmal überlegen, ob sie nicht einer vaginalen Geburt den Vorzug geben wollen. Denn Risiken für Mutter und Kind gibt es auch bei einer Kaiserschnittgeburt, wie Studien belegen. Broschüre soll aufklären Die junge Professorin hofft nun, dass sich Gynäkologen, Neonatolomittels Operation zur Welt kämen wegen nicht notwendiger Kaiser- gen und Hebammen zusammensetund das Wissen der Hebammen im schnitte erwachsen. zen und gemeinsam eine Broschüre Umgang mit schwierigen Situationen «Es wäre schade, erarbeiten, die den Schwangeren und bei einer natürlichen Geburt mehr ihren Partnern abgegeben werden wenn immer mehr und mehr verloren ginge.» kann. Darin soll erklärt werden, unter welchen Umständen eine vaginaEin Kaiserschnitt ist lukrativ Kinder mittels Operation Tatsache ist, dass die Rate der Kai- serschnittgeburten in der Schweiz zur Welt kämen.» Claudia König, Professorin am Institut für Hebammen «Die steigende Rate bei der Durchführung von Kaiserschnitten ist nicht naturgegeben», erklärt die Provon sich aus einen Kaiserschnitt fessorin. Ein erfolgreicher Weg sei etwünschen, sagt König. Das habe die wa, das Hebammenwissen wieder laufend ansteigt: zwischen 1998 und 2010 von 22,2 Prozent auf nicht weniger als 32,8 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es sei allerdings ein Mythos, dass immer mehr Frauen le Geburt und wann eine Kaiser- schnittgeburt angezeigt ist und wie die werdenden Eltern die optimale Lösung für ihr Kind und sich selber finden können. «Ich bin sicher, dass sich dann mehr Frauen für eine vagi- nale Geburt entscheiden würden», sagt König. Es sei dann Aufgabe der HebamAuswertung einer ganzen Reihe in- vermehrt zu nutzen. In Deutschland me, der werdenden Mutter zu helfen, ternationaler Studien ergeben. Für etwa ist Mode geworden, Hebam- ihre allfällige Angst vor der natürlidie Professorin ist klar: «Wenn ein menkreisssäle einzurichten, in de- chen Geburt zu überwinden, so KöKaiserschnitt medizinisch indiziert nen in der Regel Hebammen allein Medienbeobachtung Medienanalyse Informationsmanagement Sprachdienstleistungen ARGUS der Presse AG Rüdigerstrasse 15, Postfach, 8027 Zürich Tel. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01 www.argus.ch Argus Ref.: 48136800 Ausschnitt Seite: 1/2 Datum: 03.12.2012 Regio-Ausgabe Aargauer Zeitung AG 5001 Aarau 058/ 200 58 58 www.aargauerzeitung.ch Medienart: Print Medientyp: Tages- und Wochenpresse Auflage: 31'743 Erscheinungsweise: 6x wöchentlich fig. Für sie steht ohne Zweifel fest: «Hebammen haben eine Zukunft. Es braucht sie. Ihre Arbeit könnte sogar noch wichtiger werden als heute.» Vier Jahre Ausbildung In der Deutschschweiz kann man ausser in Winterthur, wo 240 Studienplätze angeboten werden, nur noch in Bern eine Hebamnnenausbildung (Bachelorstudium) absolvieren, dazu kommen Lausanne Themen-Nr.: 375.18 Abo-Nr.: 1053061 Seite: 31 Fläche: 64'283 mm² und Genf. Die Ausbildung dauert einschliesslich Praktiken vier Jahre. In der Schweiz gibt es rund 3500 Hebammen, die meisten sind angestellt in Spitälern oder Geburtshäusern, gut 900 sind freiberuflich tätig. (ABR ) «Kaiserschnittgeburten sind Big Business», sagt Claudia König, Professorin am Institut für Hebammen. Medienbeobachtung Medienanalyse Informationsmanagement Sprachdienstleistungen ARGUS der Presse AG Rüdigerstrasse 15, Postfach, 8027 Zürich Tel. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01 www.argus.ch ABI Argus Ref.: 48136800 Ausschnitt Seite: 2/2