1996-Das Rittertum im Mittelalter

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Untervazer Burgenverein Untervaz
Texte zur Dorfgeschichte
von Untervaz
1996
Das Rittertum im Mittelalter
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http://www.burgenverein-untervaz.ch/dorfgeschichte erhältlich. Beilagen der Jahresberichte „Anno Domini“ unter
http://www.burgenverein-untervaz.ch/annodomini.
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1996
Hans-Henning Kortüm
Kortüm Hans-Henning: Menschen und Mentalitäten: Einführung in
Vorstellungswelten des Mittelalters. Berlin 1996. Seite 53-78.
Das Rittertum im Mittelalter
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Kapitel III. Ritter
S. 53:
1. Zur Terminologie 2. Ritterliche Mentalität 3. Ideologische Konzeption und
tatsächliches Verhalten im Spätmittelalter 4. Bibliographie
1. Zur Terminologie
Ritter und Rittertum gehören nach landläufiger Auffassung zu den
Charakteristika des Mittelalters par excellence. Kein populäres Mittelalterbild
kommt ohne sie aus. Beide Begriffe lösen zahlreiche Assoziationen aus: RitterBurg, Ritter-Rüstung, Ritter-Turnier etc. Dennoch entpuppen sich Ritter und
Rittertum bei näherem Zusehen als äusserst komplexe Begriffe, die
definitorisch schwer zu fassen und wissenschaftlich umstritten sind. Die
auftretenden Probleme sind dabei grundsätzlicher Natur.
So hat man beispielsweise von mediävistisch-literaturgeschichtlicher Seite aus
betont, "dass der Ritterbegriff im 14. Jahrhundert zur Standesbezeichnung des
niederen Adels geworden ist"1. Wir sind, folgen wir der soeben zitierten
Auffassung Burnkes, mit dem seltsamen Umstand konfrontiert, dass eine
endgültige rechtliche Fixierung des "Ritters" im Sinne eines Klein- oder
Niederadligen erst im Spätmittelalter erfolgte, mithin in einer Zeit, die nach
einer oft vertretenen Ansicht gar nicht mehr das "klassische" Zeitalter von
Ritter und Rittertum gewesen ist, sondern in der vielmehr bereits der
gesellschaftliche Abstieg des Ritters, seine Degeneration zum "Raubritter"
eingesetzt habe.
Die ältere mediävistisch-historische Forschung, aber auch noch die jüngere,
geht demgegenüber vielfach von einem erweiterten "Ritterbegriff" aus und
möchte von einem "Ritterstand" (im Sinne eines Berufsstandes) bereits
S. 54:
im 12. Jahrhundert sprechen, dieser habe sich "um 1300" endgültig "in einen
Geburtsstand verwandelt"2. Die unterschiedlichen Kriterien, die entweder
rechtlich oder berufsständisch orientiert sind, führen so zu einer gewissen
begrifflichen Unsicherheit über den "Ritterstand". Aus diesem Dilemma hilft
auch keine Betrachtung einschlägiger mittelalterlicher termini technici. So ist
zu Recht auf die begriffliche Mehrdeutigkeit des Ausdrucks ordo militaris
hingewiesen worden, der keinesfalls mit dem "Ritterstand" gleichgesetzt
werden darf, sondern der in unterschiedlichen Textzusammenhängen auch ganz
Unterschiedliches bedeuten konnte: so z. B. den "Kriegerstand" im Unterschied
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zum "Klerikerstand" in Texten geistlicher Autoren, die etwa über die im
zweiten Kapitel bereits angesprochene tripartite (dreigeteilte) Gesellschaft
handelten3, "eine konkrete Bedeutung erhielt der Begriff ordo militaris oder
ordo militum erst im 12. Jahrhundert, als er einerseits zur Bezeichnung der
neuen religiösen Ritterorden (Templer-, Johanniterorden u. a.) benutzt wurde
und andererseits gleichbedeutend wurde mit ordo ministerialis und zur
Umschreibung der Ministerialität diente"4.
Auch eine Betrachtung einschlägiger volkssprachlicher Bezeichnungen, des
deutschen Ritter bzw. rîter (erstmalig in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts
bezeugt) wie des französischen chevalier (nach 1100 in französischen
Heldenepen belegt, aus spätlateinischem caballarius), hilft nicht weiter, meinen
diese Begriffe doch meistens den einfachen Krieger oder Dienstmann (lat.
ministerialis) bzw. den Berittenen. Die ganze Vielschichtigkeit offenbart
freilich der in den lateinischen Quellen des Mittelalters weitaus am häufigsten
gebrauchte Begriff des miles, der in der Zeit ab der Jahrtausendwende im
allgemeinen in dreifacher Bedeutung verwendet wurde: 1. miles =
Reiterkrieger (im Unterschied zu den pedites, Fusssoldaten), 2. miles = Vasall
(vgl. lat. militare: d.h. militärischen (Lehns-)Dienst leisten als Vasall zu
Pferde), 3. miles = Ministeriale (Dienstmann, zumeist aus unfreiem Stand).
Der soziale Kontrast, den der Begriff des miles offenbart, könnte scheinbar
nicht grösser sein, umfasst er doch sowohl den nichtadligen, unfreien
Dienstmann wie den hochadligen Vasallen. Dennoch eint beide sozial so
unterschiedliche Gruppen eine charakteristische funktionale Gemeinsamkeit,
die es rechtfertigt, von einem ordo militaris in dem Sinn zu sprechen, dass er
den Stand derjenigen bezeichnet, die "Dienst leisten", wobei es im
S. 55:
12. Jahrhundert zu sozialgeschichtlich bedeutsamen Veränderungen kommt:
Der ursprünglich unfreie Dienstmann steigt auf, sein fachliches, zumal
militärisches Spezialistentum macht ihn wertvoll und unentbehrlich, nobilitiert
ihn. Aus dem Ministerialenstand erwächst ein im Frühmittelalter so noch nicht
existenter niederer Adel. Der Kreis militärischer Fachleute erweitert sich durch
die "Ritter", die numerische Stärke des Adels nimmt zu.
Dass insbesondere militärische Dienstleistungen eine so stark nobilitierende
Funktion ausüben konnten, hängt ganz wesentlich damit zusammen, dass
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militia durch die Kirche ideologisch überhöht wurde. Eine bereits per se
anziehende militia erfuhr eine Attraktivitätssteigerung, wenn sie als militia
Christi interpretiert und damit auch gerechtfertigt werden konnte.
Der stärkste Propagandist dieser Deutung von militia wurde der
Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux (gest. 1153) mit seiner Schrift De
laude novae militiae. In seinem Traktat unterschied er zwei Arten der militia: 1.
die militia saecularis und 2. die militia Christi. Nur die zweite militia war für
Bernhard erstrebenswert, während er die militia saecularis als malitia
schmähte. Für unseren mentalitätsgeschichtlichen Zusammenhang wichtig ist
der Umstand, dass adliges Verhalten und adlige Mentalität, wie wir sie im
vorausgegangenen Kapitel zu umschreiben versuchten, also Tapferkeit, Treue,
magnanimitas etc., eine ethisch-christliche Rechtfertigung erfuhren, sofern sie
sich in der militia Christi verwirklichten. Der Gedanke der militia Christi, der
militärischen Dienstleistung im Namen und im Auftrage Christi, ermöglichte
das Weiterleben genuin adliger Wertvorstellungen in christlichem Gewande
und förderte deren gesellschaftliche Akzeptanz. "Alter" und "neuer" Adel
konnten sich beide in dem gemeinsamen Ideal des miles christianus, des
"christlichen Ritters", wiederfinden und definieren.
2. Ritterliche Mentalität
Zahlreiche Beschreibungs- und Deutungsversuche ritterlicher Mentalität und
Verhaltensweisen kranken daran, dass vor allem die ältere Germanistik
literarische Stilisierungen und Aussagen über das Rittertum für bare Münze
genommen und dementsprechend von einem "ritterlichen Tugendsystem" (G.
Ehrismann) gesprochen hat, dessen gleichzeitig konkrete wie ideale historische
Ausformung man im staufischen Rittertum zu erkennen glaubte (H. Naumann).
Heutzutage hat man freilich besser gelernt, poetische Fiktion und historische
Realität auseinanderzuhalten und rechnet mit einer starken Kluft zwischen
ritterlicher Stilisierung und tatsächlichem ritterlichem
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Verhalten. So wird man insbesondere bei spezifisch "ritterlichen", namentlich
von den Dichtern immer wieder beschworenen Tugenden wie Demut, Treue,
staete, mâze usw. besonders kritisch sein müssen, ob Ideal und Wirklichkeit
einander entsprachen, zumal bereits mittelalterliche Autoren sich der Spannung
zwischen ritterlichem Ethos und alltäglicher Erfordernis bewusst waren und
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den daraus häufig erwachsenden Kompromiss tadelten, weil hehre Ideale einer
rauhen Lebenswirklichkeit zum Opfer fielen.
So berichtet der normannische Geschichtsschreiber Ordericus Vitalis (gest. um
1141) über die Schwierigkeiten normannischer milites, die ihrem Herzog und
Lehnsherrn Wilhelm, dem späteren englischen König, bei der Eroberung
Englands 1066 geholfen hatten und sich Ende der sechziger Jahre noch immer
auf der Insel aufhielten:
"In dieser Zeit wurden einige Ehefrauen in der Normandie von der wilden
Fackel ihrer Lust verbrannt. Sie schickten häufig Boten und forderten ihre
Männer zu schneller Rückkehr auf. Sie fügten hinzu, dass sie sich andere
Ehemänner verschaffen wollten, kämen ihre Gatten nicht schleunigst zurück.
Weil sie mit der Seefahrt noch nicht vertraut waren, wagten die Ehefrauen
nicht, den Kanal zu überqueren, um dort in England ihre Männer aufzusuchen,
wo diese ständig unter Waffen und täglich unter grossen Verlusten für beide
Seiten ausrückten. Der König (Wilhelm der Eroberer) aber wünschte wegen
der zahlreichen Feldzüge seine Ritter (milites) bei sich zu haben, und bot ihnen
in freundschaftlicher Art umfangreichen Grundbesitz an, der mit hohen
Einkünften und umfassender Machtbefugnis verbunden war. Er versprach noch
mehr, sobald das ganze Königreich von den Feinden gesäubert sei. Die
rechtlich denkenden Barone und die tüchtigen Kämpfer ängstigten sich auf
vielfache Weise, wenn sie an den König mit seinen Brüdern und Freunden und
seine getreuen Genossen dachten, wie er von allen Seiten von Kriegsgefahr
umgeben sei, sie selbst würden sich, verliessen sie ihn, dem öffentlichen
Vorwurf der Untreue und der Verschwörung aussetzen, man würde sie als
Feiglinge und Deserteure beschimpfen. Was sollten die angesehenen Helden
hingegen tun, wenn ihre lasziven Ehefrauen ihr Ehebett durch Ehebruch
befleckten und ihr Geschlecht durch die Geburt eines Kindes für alle Zeiten
öffentlich entehrten? Deshalb brachen auf Hugo de Grentemaisnil, der schon
die Herrschaft über die Bewohner des Gebietes von Kent innegehabt hatte, und
sein Schwager Unfridus de Telliolo, dem die Burg Hastings seit dem Tage
ihres Baubeginnes zur Bewachung übertragen worden war, und viele andere
und verliessen traurig und gegen ihren Willen den König, der unter Fremden
sich abmühen musste. Dann kehrten sie in die
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S. 57:
Normandie zurück, um ihren lasziven Herrinnen zu dienen, aber ihre Ämter
und ihre Besitzungen, die sie sich schon erworben hatten, mussten sie dadurch
im Stich lassen, weder sie noch ihre Erben konnten sie jemals wieder erlangen5
Vielleicht noch am ehesten von einer Übereinstimmung zwischen Ideal und
Wirklichkeit wird man in solchen Situationen ausgehen können, in denen
adlig-militärische Mentalität und erwartetes gesellschaftliches Verhalten des
Ritters besonders eng zusammentreten konnten. Ein Musterbeispiel hierfür
bildete das für das mittelalterliche Rittertum so typische Turnierwesen,
entsprach es doch in nahezu idealer Weise adliger Kriegermentalität. Dieser
Umstand dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich "Ritterturniere"
in höchst vielfältiger Ausprägung auch und gerade im Spätmittelalter grösster
Beliebtheit erfreuten.
Das aus Frankreich kommende Turnier (lat. torneamentum, exercitia militum,
hastiludium u. a.) vereinigte gleichzeitig mehrere Vorteile in sich: Zum einen
bot es, wie schon das adlige Jagdvergnügen, militärisch-technisches Training
für den Ernstfall, darüber hinaus gewährleistete es einer gesellschaftlichen Elite
einen angemessenen Zeitvertreib durch aktive oder passive Teilnahme an
einem spectaculum. Für den turnierenden Ritter damit verbunden war die
Möglichkeit, gesellschaftliche Ehre und Anerkennung zu gewinnen und sein
Bedürfnis nach Ruhm (gloria) zu befriedigen, die eigene existentielle
Gefährdung und das finanzielle Risiko waren im Vergleich zu einer realen
kriegerischen Verwicklung ungleich geringer, schliesslich ermöglichte das
Turnier die heutzutage ein wenig archaisch anmutende Demonstration
gesellschaftlichen Führungsanspruches durch den Erweis körperlicher Kraft
und Geschicklichkeit im Rahmen einer adligen Festkultur. Die hohe
gesellschaftliche Akzeptanz des Turniers bereits zu Ende des 12. Jahrhunderts
erweist das in der Literatur in diesem Zusammenhang oft angeführte Mainzer
Hoffest von 1184, auf dem die bei den Söhne des Kaisers Friedrich Barbarossa
(1152-1190) zu Rittern geschlagen wurden.
Es kann hier nicht der Ort sein, über die Entwicklung des in mannigfachen
Formen ablaufenden Turnieres zu handeln6. Nur einige allgemeine
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S. 58:
Entwicklungslinien können skizziert werden. So werden die Turniere
zunehmend teurer, da der Inszenierungsaufwand sich steigert. Das Turnier wird
umrahmt von zahlreichen Begleitveranstaltungen, es kommt zu aufwendigem
Tribünenbau, die Ausrüstung der Turnierkämpfer wird immer kostbarer, die
gefährlichen Einzelkämpfe (Tjoste) werden immer beliebter und geben
professionellen Turnierrittern ("Glücksritter") und jungen Adligen (juvenes
milites) die Möglichkeit, gleichermassen zu Ansehen und zu Vermögen zu
kommen. Freilich kam es bereits sehr früh, mithin zu einer Zeit, in der man
vielleicht noch nicht wie dann im Spätmittelalter von einem besonders starken
Gegensatz zwischen hoher Festkultur und alltäglicher Praxis ausgehen muss,
zu einer unverblümten Kritik an ritterlichem Turnierverhalten.
Einer der bekanntesten Prediger der Zeit, Jakob von Vitry (gest. 1240), Bischof
von Akkon im Heiligen Land und Patriarch von Jerusalem, erinnerte sich,
"dass ich eines Tages mit einem Ritter sprach, der sehr gerne Turniere besuchte
und andere dazu bat, indem er Boten und Sänger aussandte, die zu den
Turnieren einluden. Er glaubte nicht, wie er versicherte, dass ein solches Spiel
(ludus) oder eine solche Waffenübung (exercitium) eine Sünde sein könne.
Ansonsten war er aber sehr fromm. Ich habe damit begonnen, ihm zu erklären,
dass mit dem Turnier die sieben Todsünden verbunden seien. Es fehlt nämlich
nicht Hochmut (superbia) bei den Rittern, wenn sie, dem Lob der Zuschauer
und eitlem Ruhm zuliebe, unfromm und eitel herumstolzieren. Es fehlt auch
nicht der Neid (invidia) bei ihnen, wenn einer den anderen beneidet, weil dieser
im Waffenhandwerk für tüchtiger gehalten wird und grösseres Lob erntet. Es
fehlen nicht Hass (odium) und Zorn (ira) bei ihnen, wenn einer den anderen
durchbohrt und ihm übel zusetzt und meistens tödlich verwundet oder direkt
gleich tötet, aber darüber hinaus machen sie sich der vierten Todsünde, der
Melancholie (acedia) bzw. der Traurigkeit (tristitia) schuldig. So sehr sind sie
mit ihrer Eitelkeit beschäftigt, dass alle geistlichen Güter ihnen reizlos
erscheinen, und wenn sie mit ihrem Gegner (auf dem Turnierplatz) nicht fertig
werden, ergreifen sie häufig die Flucht, was ihnen Tadel einbringt und sie sehr
traurig macht. Sie entbehren auch nicht der fünften Todsünde, d. h. der Habgier
und einer räuberischen Gesinnung, wenn einer den anderen gefangensetzt und
nicht freilässt und ihm sein Pferd, das er begehrt, mitsamt den Waffen raubt,
aber auch bei den Turnieren plündern die Ritter auf schwere und unerträgliche
Weise, rauben die Güter von anständigen Menschen, ohne Mitleid zu haben,
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sie zertrampeln die Ernte oder rauben den Ernteertrag ohne Furcht und
schädigen und
S. 59:
bedrängen die armen Bauern sehr. Die Turniere sind auch mit der sechsten
Todsünde, der Fress- und Trunksucht (gastrimargia), verbunden, weil sich die
Ritter weltlichem Pomp zuliebe gegenseitig zu Festessen einladen und
eingeladen werden, nicht nur ihre Güter, sondern auch das Eigentum der armen
Leute verschwenden sie bei ihren Gelagen und aus fremder Haut machen sie
sich prächtige Gürtel. Sie entbehren auch nicht der siebten Todsünde, die man
die Ausschweifung (luxuria) nennt, wenn sie unzüchtigen Frauen gefallen
wollen, indem sie als waffenerprobt gelten wollen und sich daran gewöhnt
haben, Schmuckstücke ihrer Damen gleichsam als eine Art Feldzeichen mit
sich zu führen"7.
Hier überrascht weniger die grosse Härte des Urteils als vielmehr die
analytische Schärfe der Beobachtungen. Ritterliches Verhalten wird als adliges
Konkurrenzdenken geschmäht und verurteilt. Die sieben Todsünden sind an die
Stelle der traditionellen adligen Tugenden getreten, welche sich, ebenfalls
sieben an der Zahl, aus den vier bereits in der Antike nachweisbaren, primär
adligen Kardinaltugenden (Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mässigung)
und den drei "christlichen" Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe)
zusammensetzen.
Die ritterliche Mentalität wird dadurch blossgestellt, dass Jakob von Vitry die
hinter ihr stehenden psychologischen Antriebskräfte, so z. B. männliches
Imponiergehabe, Beutelust und mangelnde Selbstbeherrschung, entlarvt.
Ritterliches Verhalten wird ausserdem nach seinen Konsequenzen befragt. Die
Bilanz ist eindeutig negativ, nicht nur für den adligen Turniergegner, der von
seinem Kontrahenten getötet wird, sondern vielmehr für die Gesellschaft
insgesamt, in besondere den "dritten Stand", d.h. die Bauern, die die Kosten zu
tragen haben. Mit seiner Kritik adliger Mentalität steht Jakob von Vitry nicht
alleine. Bereits 1179 hatte das dritte Laterankonzil ein Begräbnisverbot für
Ritter ausgesprochen, die im Rahmen eines Turniers umgekommen waren.
Freilich befand sich die mittelalterliche Kirche in einem ausgesprochenen
Dilemma, denn sie benötigte die Ritter dringend für die von ihr initiierten
Kreuzzüge.
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Diese Konfliktsituation bringt das folgende, häufig erzählte Exemplum zum
Ausdruck: Ein Ritter reist zum Turnier. Unterwegs kommt er an einer Kapelle
vorbei. Fromm, wie er ist, hält er an und betet zur heiligen Maria. Freilich führt
dies
S. 60:
dazu, dass er nicht mehr rechtzeitig zum Turnier kommen kann. Betrübt reitet
er nach Hause. Dort hat man bereits von seinem grandiosen Turniersieg
erfahren. Der Ritter wird gefeiert und erkennt, dass an seiner statt die heilige
Maria für ihn den Sieg erfochten hat8.
Inwieweit das adlige Rittertum sich durch kirchliche Kritik wirklich
beeindrucken liess, wissen wir nicht, zumal Ritter der Institution Kirche
bisweilen ausgesprochen skeptisch gegenüberstanden, wie das folgende
Exemplum lehrt: "Ich habe von einem gewissen Ritter gehört, dass er niemals
die Wahrheit Gottes in der Form ihrer kirchlichen Verkündigung gehört habe
und auch im Glauben nicht gut unterrichtet sei. Als er gefragt wurde, warum er
nicht gern die heilige Messe hören wolle, die von solch grosser Würde und
Kraft geprägt sei, dass (sogar) Christus und die Engel immer dorthin kämen,
antwortete er nur: Das weiss ich nicht, aber ich war der Auffassung, dass die
Priester die Messe einzig der Abgaben halber feierten. Nachdem er aber die
Wahrheit gehört hatte, begann er darauf, gern und fromm die Messe zu
hören"9.
Viel spricht dafür, dass adlige Mentalität in ihrer ritterlichen Ausformung sich
während des gesamten Mittelalters, und, folgen wir einer in der Forschung
stark verbreiteten Meinung, auch darüber hinaus weit in die Neuzeit hinein
erhalten hat. Wesentlich dazu beigetragen hat ganz sicher der Umstand, dass
die Kirche sehr oft mit dem Adel institutionell und personell auf das engste
verflochten war. So sorgte schon der gemeinsame soziale Hintergrund dafür,
dass kirchliche Führungspersönlichkeiten, die in aller Regel aus dem Adel
stammten, zu den eloquentesten Propagandisten adligritterlicher Mentalität
gehörten.
Ein eindrucksvolles Beispiel bieten die Gesta Danorum des sog. Saxo
Grammaticus (gest. um 1216) aus dem ausgehenden zwölften Jahrhundert. Für
den aus dem dänischen Roskilde stammenden Autor, der es bis zum Erzbischof
von Lund brachte, löst sich die dänische Volks- und Königsgeschichte in eine
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Vielzahl einzelner Heldenepisoden auf. Freilich, und darin liegt der Wert dieser
Geschichtsschreibung für unser Thema, sind es keine archaischen Helden,
obwohl der Autor sein Epos überwiegend in
S. 61:
sagenumwobener Frühzeit spielen lässt. Er überträgt seine Idealvorstellungen
rechten Rittertums vielmehr in die Vergangenheit, was den Schluss nahelegt,
dass die eigene Gegenwart wenig oder keinen Platz liess für ritterliche
Mentalität und aus ihr resultierendes Verhalten. So lässt sich sein Werk auch
als ein Spiegel zeitgenössischer ritterlicher Wunschbilder verstehen, die es uns
wenigstens ansatzweise erlauben, eine histoire imaginaire rechten Rittertums
zu rekonstruieren. Die "Recken" des Saxo Grammaticus, einem permanenten
Zwang zur ritterlichen Bewährung ausgesetzt, liefern ebenso bereitwillig wie
ständig Proben ihres ritterlichen Mutes und ihrer Körperkraft. Zeiten des
Friedens werden eindeutig negativ bewertet, denn sie sind gleichzeitig Zeiten
sittlicher Gefährdung einer "hitzigen" Jungmannschaft, deren aggressives
Gewaltpotential nicht mehr auf einen äusseren Feind abgelenkt werden kann:
"Als die Söhne des Westmar und Kolo (dänische Adlige) eben erwachsen
geworden waren und voller Tatendrang steckten, hatte sich ihre Treuherzigkeit
in Übermut verwandelt. Sie missbrauchten ihre Anlagen, die durch
unverschämtes Verhalten beschmutzt waren, zu obszönen und entarteten
Gewohnheiten. So unverschämt und zügellos führten sie sich auf, dass sie
dadurch, dass sie die Ehefrauen und Töchter anderer geschändet hatten, die
Keuschheit zu ächten und ins Bordell zu verbannen schienen. Nachdem sie
auch die Betten ehrbarer Ehefrauen missbraucht hatten, scheuten sie nicht
einmal mehr vor Jungfrauen zurück. Niemandem verschaffte sein Ehebett
Sicherheit und fast kein Ort in ihrer Heimat war von den Spuren ihres
ausschweifenden Lebens frei. Die verheirateten Männer wurden von Furcht,
die Weiber durch die gewaltsame Schändung ihrer Leiber gequält. Man
gehorchte den Verbrechen, man respektierte die ehelichen Bande nicht mehr,
und der Beischlaf wurde mit Gewalt erzwungen, die Liebe wurde käuflich,
während gleichzeitig die Achtung der Ehegatten untereinander schwand, in
rasendem Tempo verlangte man nach Ausschweifungen. Der Grund hierfür
war das Nichtstun, da mit Lastern vertraute Körper, wenn sie einer Betätigung
ermangeln, im Zustand der Ruhe sich auflösen"10.
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Einen zentralen Bestandteil adliger und vor allem auch ritterlicher Mentalität
macht die Ehre (honor) aus. Wird diese verletzt, ist man als Ritter gezwungen,
seine Ehre wiederherzustellen, und dies kann am einfachsten und am
schnellsten dadurch geschehen, dass man zur Waffe greift und in der
S. 62:
festgelegten, ritualisierten, ritterlichen Form eines Zweikampfs, mit anderen
Worten: in einem Duell, seine verletzte Ehre wiederherstellt, so zumindest in
den literarisch-fiktiven Wunschbildern eines Saxo Grammaticus:
"Zur selben Zeit nahm ein gewisser Agnerus, der Sohn des Ingellus, die
Schwester des Rolvo namens Ruta zur Frau. Er richtete ein gewaltiges
Festmahl aus. Die über alle Massen ausgelassenen Kämpen warfen, betrunken
wie sie waren, einem gewissen Hialto ihre abgenagten Knochen an den Kopf.
Da passierte es, dass dessen Nebensitzer, der Biarco hiess, versehentlich kräftig
am Kopf getroffen wurde. Biarco, gleichermassen durch den erlittenen
Schmerz provoziert wie in seiner Ehre gekränkt, warf den Knochen
demjenigen, der ihn geworfen hatte, zurück, drehte daraufhin dessen Stirn nach
hinten und bog dessen Hinterkopf nach vorn dorthin, wo seine Stirn gewesen
war. So bestrafte er denjenigen, dessen Verstand verdreht war, durch ein
verdrehtes Gesicht. Dies dämpfte ihre ehrverletzenden und unverschämten
Scherze und zwang die Kämpen dazu, den Hof zu verlassen.
Der Bräutigam, aufgebracht über das Unrecht, das sich während des Festmahls
ereignet hatte, beschloss, mit Biarco zu kämpfen. Auf der Suche nach Rache
für die gestörte Heiterkeit des Festes forderte er (den Biarco) zum Duell. Nur
kurz hat man eingangs darüber verhandelt, wem von den bei den der erste
Schlag gebühren sollte. Von alters her strebte man bei Kämpfen nicht danach,
abwechselnd eine Vielzahl von Schlägen auszuteilen, sondern es folgte, jeweils
mit einer Pause dazwischen, ein Schlag auf den anderen, und die Kämpfe
wurden damals mit wenigen, dafür aber umso grässlicheren Schlägen
ausgefochten, so dass damals weniger die Zahl der Schläge, als vielmehr die
Stärke ihrer Ausführung für Ruhm sorgte. Aufgrund der Vornehmheit seines
Geschlechtes kam Agnerus das Vorrecht zu, den ersten Streich zu führen. Er
führte ihn mit solch einer Stärke aus, dass er den vorderen Teil des Helms
durchschlug und die obere Kopfhaut verletzte, aber sein Schwert, eingeklemmt
mitten zwischen den Helmteilen, musste er fahrenlassen. In der Absicht,
seinerseits den Gegner zu schlagen, stemmte Biarco, um sein Schwert besser
schwingen zu können, einen Fuss an einen Baumstumpf und durchschlug mit
- 13 -
seiner überaus scharfen Klinge den Körper des Agnerus zur Hälfte. Es gibt
welche, die behaupten, Agnerus sei mit einem Lachen auf den Lippen
gestorben, er habe seinen Geist aufgegeben, wobei er seinen Schmerz mit
grösster Anstrengung zu verbergen suchte"11.
S. 63:
Auch wenn der Kämpe unterliegt, so sichert ihm doch ein "ehrenvoller" Tod
und das ist nach ritterlicher Anschauung der Tod im Duell allemal, zumal wenn
man so heiter-gelassen zu sterben versteht wie Agnerus, das Andenken der
Nachwelt. Der bedenkenlose Einsatz der eigenen Person, die Bereitschaft,
diese nötigenfalls zu opfern, gewährleistet den Ruhm (gloria) des Ritters.
Freilich haben wir es hier mehr mit einem Wunschbild ritterlichen Verhaltens
zu tun. Dass ritterliche Realität ganz anders ausgesehen hat, dass sich eine
Diskrepanz ergab zwischen tatsächlicher Praxis und hehrem Anspruch an sich
selbst - und dies nicht erst im späten Mittelalter - ist schon solch aufmerksamen
Zeitgenossen wie dem von uns bereits zitierten Ordericus Vitalis aufgefallen.
Der normannische Historiker räumte den mit der normannischen Eroberung
Englands einsetzenden Spannungen zwischen englischem und französischem
König bekanntlich in seinem Werk einen besonders grossen Raum ein. Er kam
in diesem Zusammenhang auch auf die grösste militärische
Auseinandersetzung zwischen Heinrich I. von England (\ 100-1138) und
Ludwig VI. von Frankreich (11 08-1137) zu sprechen, die als "Schlacht von
Bremule"12 (1119) in die Geschichtsbücher eingegangen ist:
"Als König Ludwig das sah, was er sich so lange gewünscht hatte, rief er die
vierhundert Ritter zu sich, die er damals unmittelbar zur Verfügung hatte, und
befahl ihnen, zur Verteidigung ihrer Ehre und der Freiheit des Königreichs
(Frankreich) tapfer in der Schlacht zu kämpfen, damit nicht durch ihre Feigheit
der Ruhm Frankreichs untergehe..."13
Das schlechte Gefühl, das - folgen wir Ordericus Vitalis - den französischen
König bereits vor der Schlacht beschlichen haben muss, war nicht unbegründet.
Denn bereits die erste Angriffswelle der Franzosen, welche "kraftstrotzend
nach Bremule zusammengeströmt waren, um tapfer gegen die Normannen zu
kämpfen", blieb vor den englischen Linien stecken und brach in sich
zusammen:
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"Zwar begannen die Franzosen mit einem heftig vorgetragenen Angriff, Weil
sie aber ungeordnet vorwärts stürmten, konnten sie überwältigt werden. Sie
wurden schnell müde und begannen deshalb zu fliehen ... In der ersten
S. 64:
Schlachtreihe stürzten sich Wilhelm Crispinus (ein Normanne, der auf
französischer Seite kämpfte) und achtzig Ritter auf die Normannen, aber
nachdem man ihre Pferde getötet hatte, wurden die Reiter alle eingeschlossen
und gefangengenommen ..."
(Im folgenden berichtet Ordericus noch von anderen französischen Rittern, die
man von ihren Pferden herunterholen und gefangen nehmen konnte:) Als das
die Franzosen sahen, sagten sie zu ihrem König: Achtzig unserer Ritter, die als
erste angegriffen haben, sind nicht zurückgekommen. Der Feind ist uns
zahlenmässig und an Kampfkraft überlegen. Schon hat man den Burcard und
den Otmund und andere hervorragende Kämpfer gefangengenommen, unsere
Schlachtreihen sind schon beträchtlich ins Wanken geraten und reduziert. Wir
bitten dich deshalb, O Herr, zieh dich zurück, damit wir nicht einen
irreparablen Verlust erleiden. Ludwig hörte auf diese Worte und machte sich
mit Baudry von Bray schleunigst aus dem Staub. Die Sieger aber nahmen
einhundertvierzig Ritter gefangen und verfolgten die übrigen bis an die
Stadttore von Les Andelys. So sind diejenigen, die voller Pomp auf einer
Strasse dahergezogen kamen, in alle Winde zerstreut, auf vielen krummen
Wegen entflohen ...
Man hat mir (Ordericus) erzählt, dass bei diesem Treffen der bei den Könige
fast neunhundert Ritter teilgenommen haben, aber nur drei den Tod fanden.
Die Ritter waren nämlich an allen Seiten mit Eisen geschützt und wegen ihrer
Gottesfurcht und aus alter Verbundenheit gemeinsamer Waffenbruderschaft
schonten sie sich gegenseitig. Und sie waren nicht so sehr darauf bedacht, die
Flüchtenden zu töten, als vielmehr gefangenzunehmen und zu schonen.
Christliche Kämpfer dürsten nicht nach dem Blut ihres Mitbruders, sondern
freuen sich über einen rechtmässigen Sieg, den sie mit der Hilfe Gottes zum
Nutzen der Heiligen Kirche und zur Sicherheit der Gläubigen errungen haben
...
Der König (von Frankreich) irrte auf der Flucht allein im Wald umher. Aber
irgendein Bauer, der nicht wusste, wen er vor sich hatte, traf ihn
zufälligerweise.
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Diesen bat der König inständig und versprach ihm eidlich zahlreiche
Geschenke, er möge ihm doch eine Abkürzung nach Andelys zeigen oder auch
ihn gegen eine grosse Belohnung dorthin begleiten. Der Bauer, im Vertrauen
auf eine üppige Bezahlung, gab seine Einwilligung und führte den zitternden
König nach Andelys. Ludwig fürchtete sich sowohl vor einem Verrat seines
vorausgehenden Führers als auch vor der Gefangennahme durch seine
nachrückenden Feinde. Als das Bäuerlein das herrschaftliche Gefolge sah, das
in Les Andelys dem König beflissen entgegenkam, schätzte er die Belohnung,
die ihm für seine Dienste zukommen würde, als
S. 65:
"usserst gering ein. Er verfluchte seine eigene Dummheit und trug schwer
daran, dass ihm ein so grosser Gewinn entgangen war, nur weil er den König
nicht erkannt hatte"14.
Der Bericht des Ordericus Vitalis macht vor allem zwei Dinge deutlich:
Erstens kann von einer Bereitschaft der Ritter, für den eigenen Ruhm und für
König und Vaterland ihr Leben aufs Spiel zu setzen, nicht wirklich ernsthaft
die Rede sein. Statt dessen ergreift man, schon als der allererste vorgetragene
Angriff scheitert, Hals über Kopf die Flucht, der Rückzug wird nicht geordnet
angetreten. Man spürt förmlich das kaum verhüllte Erstaunen des Chronisten,
dass es in dieser Schlacht, die ihren Namen kaum verdient hat, nur drei Tote
gegeben hatte, obwohl doch fast neunhundert Ritter an ihr teilgenommen
hatten. Sein Hinweis, dies verdanke man unter anderem der christlichen
Gesinnung der Ritterschaft, ist ein leicht durchschaubarer Versuch, die
Differenz zwischen Ideal und Realität zu überspielen. Aus der angeblichen
Schlacht ist in Wahrheit längst ein Turnier geworden. Dieser Umstand bringt es
mit sich - und dies ist die zweite wesentliche Erkenntnis, die wir dem Bericht
des Ordericus Vitalis entnehmen können -, dass das Risiko für den einzelnen
Ritter viel weniger darin besteht, auf dem Feld der Ehre zu fallen, als vielmehr
in Gefangenschaft zu geraten. Die Gefangenschaft war nun, wie die Anekdote
vom "dummen Bäuerlein" andeutet, vor allem unter finanziellem Aspekt
interessant. Was für den unterlegenen Gegner möglicherweise einen grossen
finanziellen Verlust, wenn nicht gar seinen finanziellen Ruin bedeutete, wenn
er in Gefangenschaft geriet, aus der er sich oft durch hohe Summen freikaufen
musste, war andererseits für den Sieger eine willkommene Gelegenheit, sich
finanziell zu sanieren. "Ritterliches" Verhalten, die Schonung des Gegners,
- 16 -
ist also nicht etwa Ausdruck einer spezifisch ritterlichen Mentalität, sondern
vor allem auch Ausdruck einer ökonomisch-rationalen Mentalität militärischer
Spezialisten, die in der wirtschaftlich prosperierenden Gesellschaft des 12.
Jahrhunderts sich längst der Bedeutung des Geldes bewusst geworden waren.
Wie sehr finanzielle Aspekte die ritterliche Mentalität beeinflussen konnten,
legen auch andere Stellen bei Ordericus nahe. So berichtet der Historiker vom
Fall der mächtigen Burg Bridgnorth in Südengland. Sie bildete den wohl
wichtigsten Stützpunkt für den normannischen Herzog Robert Kurzhose (gest.
1137), der in England zu Anfang des 12. Jahrhunderts gegen
S. 66:
seinen jüngsten Bruder, den mittlerweile (seit 1100) zum König avancierten
Heinrich I. (1100-1135), den späteren Sieger von Bremule, opponierte. Die
Kommandanten der Burg, obschon Anhänger und Vasallen Roberts liessen sich
zur Übergabe der Festung an den englischen König überreden: Ihr Entschluss
wurde freilich dadurch erleichtert, dass man ihnen reiche Belohnung für ihren
Übertritt versprach. Noch galt es freilich, die Ritterschaft auf der Burg für den
König zu gewinnen. Diese spaltete sich in zwei Gruppen auf:
"Die ständig auf der Burg wohnenden Ritter stimmten, nachdem sie den (mit
einer Übergabe verbundenen) Vorteil für sich erkannt hatten, (dem Vorschlag
zur Übergabe) zu und gehorchten, weil sie sich nicht ihrerseits durch einen
Widerstand gegenüber dem königlichen Willen in Gefahr begeben wollten. Mit
Erlaubnis des Königs schickten sie ihrem Lehnsherrn Robert einen Boten,
durch den sie ihm mitteilen liessen, dass sie der militärischen Gewalt des
unbesiegbaren Königs (Heinrich I.) nicht länger Widerstand leisten könnten.
Die gegen Geld angeworbenen Soldritter wussten freilich nichts von dem
Frieden, den die anderen Ritter und die in der Burg sich aufhaltenden Bürger,
die keine Lust verspürten unterzugehen, bereits geschlossen hatten, ohne sie zu
fragen. Sie gerieten in Wut, als sie von dem unerwarteten Plan erfuhren, griffen
zu ihren Waffen und versuchten, die bereits begonnene Übergabe zu
verhindern. Durch die Gewalt der in der Burg ansässigen Ritter wurden sie in
eine Ecke der Burg abgedrängt. Das königliche Gefolge wurde zusammen mit
dem königlichen Banner von vielen freundlich in der Burg empfangen. Darauf
gestattete der König den angeworbenen Soldrittern, weil diese ihrem Fürsten
die Treue bewahrt hatten, wie es sich geziemte, freien Abzug. Als diese die
Burg verliessen und die Reihen der Belagerer durchquerten,
- 17 -
begannen sie sich lauthals zu beklagen: Sie seien von der Burgbesatzung und
deren Anführern ganz übel zum Narren gehalten worden. Und vor dem ganzen
(königlichen) Heer deckten sie die geheimen Pläne der Überläufer auf, damit
nicht ihr Fall Anlass geben sollte, andere Soldritter durch Vorwürfe zu
inkriminieren"15.
Die Schilderung des Chronisten ist ein Hinweis auf die Schwierigkeiten, denen
sich jede Bestimmung ritterlicher Mentalität ausgesetzt sieht. Es gibt
S. 67:
nicht "den Ritter" und "das ritterliche Ideal". Auch der Berufsstand des Ritters
ist in sich stark differenziert. Es gibt den Ritter, der als Lehensmann dient, und
der, wenigstens im England des frühen 12. Jahrhunderts, gegen entsprechende
Belohnung relativ leicht die Seite zu wechseln bereit ist. Er verspürt
offensichtlich nur eine begrenzte Neigung, sein Leben aufs Spiel zu setzen.
Entweder flieht er oder geht zur militärisch stärkeren Partei über. Daneben gibt
es die Soldritter (milites stipendiarii) mit einer Berufsehre, aber auch sie könnte
zumindestens teilweise auf finanziellen Motiven beruhen. Die Unzufriedenheit
der aus der Burg zum Abzug gezwungenen Soldritter beruht darauf, dass ihnen
durch den "Verrat" der übrigen Ritter jede Möglichkeit genommen wurde,
wenigstens ihre Bereitschaft zu demonstrieren, militärischen Widerstand zu
leisten. Die damit verbundene notwendige Rufschädigung beeinträchtigte ihre
Chancen auf Weiterverwendung oder auf eine "Neueinstellung" bei einem
anderen Herrn, der gegen gutes Geld auch "gute Arbeit" verlangen konnte.
Dass ritterliche Mentalität höchst unterschiedlich sein konnte, beweist nicht
zuletzt auch die Schilderung der Schlacht von Bourgthéroulde 1139. Ordericus
war über ihren Verlauf durch seine persönliche Bekanntschaft mit einigen an
der Schlacht beteiligten Adelsfamilien gut informiert. Die Auseinandersetzung
weist in ihrem Verlauf eine grosse Ähnlichkeit mit Bremule auf. Der
schwungvoll vorgetragene Kavallerieangriff der Ritter bleibt im Feuer der
Bogenschützen stecken, die abgesessenen Verteidiger nehmen zahlreiche Ritter
gefangen. Die grosse Masse der angreifenden Ritter flieht, wobei es zu
grotesken Szenen kommt:
"Wilhelm Lovel (ein Ritter) freilich wurde von einem Bauern
gefangengenommen. Um seine Freilassung zu erreichen, gab er ihm seine
Waffen, von ihm nach der Art eines Hausknechtes geschoren floh er, in der
- 18 -
Hand einen Stab haltend, daraufhin an die Seine. Unerkannt kam er zur Stelle,
wo man über den Fluss setzte. Um die Überfahrt zu bezahlen, gab er dem
Fährmann seine Stiefel und so kam er mit nackten Füssen nach Hause, froh,
wenigstens dem Feind nicht in die Hände gefallen zu sein"16.
Dass der angreifende Gegner nicht den Sieg davongetragen hatte, lag aber nicht
nur an der besseren Taktik der Verteidiger, die, ebenso wie bei Bremule,
S. 68:
in der Mehrzahl waren. Vielmehr lag es auch an ihrer besseren Moral, sprich
an ihrer speziellen Mentalität. Sich als militärische Elite fühlend, waren diese
angeworbenen, bezahlten Ritter (milites stipendiarii), wollten sie auch in
Zukunft vom König weiter "beschäftigt" werden, zum energischen Widerstand
verpflichtet. Es galt, gleichermassen den eigenen Ruf und den eigenen
Unterhalt zu verteidigen, wie einer ihrer Anführer, Odo Borleng, seinen
untergebenen Rittern erklärte:
"Schaut euch doch nur die Gegner des Königs (Heinrich I. von England) an,
wie sie sein Land verwüsten und sorglos sind. Einen Grossen, dem der König
die Verteidigung seines Reiches übertragen hat, haben sie schon
gefangengenommen und weggebracht. Was sollen wir tun? Sollen wir es etwa
zulassen, dass sie straflos die ganze Gegend verwüsten? Ein Teil unserer Leute
muss bei der Schlacht absitzen und sich bemühen, zu Fuss zu kämpfen, der
andere Teil soll zum Kämpfen auf den Pferden sitzen bleiben. Die Gruppe der
Bogenschützen soll sich in die vorderste Linie begeben und den Angriff der
feindlichen Reiterei dadurch verzögern, dass sie deren Pferde verwundet.
Heute wird der Mut und die Kraft jedes Ritters auf diesem Schlachtfeld
deutlich werden. Wenn wir es nämlich in feiger Tatenlosigkeit zulassen, dass
ein Baron des Königs von den Feinden gefesselt weggebracht werden kann,
ohne dass wir einen Schwertstreich führen, wie wollen wir es dann noch
wagen, vor den Augen des Königs zu erscheinen? Zu Recht werden wir
unseren Lohn zusammen mit unserem Ansehen verlieren und nach meiner
Meinung werden wir dann künftig nicht mehr vom königlichen Brot essen.
Also wurden die übrigen durch die Ermahnung eines solch hervorragenden
Helden in ihrem Mut befestigt. Und seine Waffengefährten gaben ihm ihre
Zustimmung, dass er mit seinem Gefolge absitzen könne.
- 19 -
Das lehnte er nicht ab, sondern wartete heiter mit den Seinen, von denen er
sehr geschätzt wurde, auf den Kampf.
Waleranus, ein junger Mann (er gehörte zur Partei der Angreifer, die dem
König feindlich gesonnen war), begierig auf den Kampf, begann beim Anblick
der Feinde, begeistert wie ein Junge zu tanzen, als hätte er sie bereits besiegt,
aber der ältere und reifere Amalricus riet diesem und den anderen
unvorsichtigen Rittern folgendermassen vom Kampf ab: Um alles in der Welt,
so beschwor sie Amalricus, meine ich, dass wir den Kampf vermeiden sollten.
Denn wenn wir, die wir in der Unterzahl sind, es wagen zu kämpfen, fürchte
ich, dass dieser Umstand uns Schande bringt und Schaden einträgt. Seht nur,
Odo Borleng ist mit den Seinen bereits abgestiegen, ihr sollt wissen, dass er
alles versuchen will, uns zu überwinden. Ein Ritter, der
S. 69:
kampfentschlossen von seinem Pferd steigt, um zu Fuss zu fechten, wird nicht
fliehen, sondern sterben oder siegen"17.
Amalricus wurde nicht gehört. Der zu Pferde angreifende Adel verwechselte
ganz offensichtlich, wie schon in Bremule, die Schlacht mit einem Turnier, die
Wirklichkeit mit dem Kampfspiel. Offensichtlich verbot ihm seine
konservative Mentalität eine nichtadlige Kampfesweise zu Fuss. Und so kann
auch der Sieg des königstreuen Odo Borleng nicht weiter überraschen.
Wohl zu den am schwierigsten zu beantwortenden Fragen gehört die
Zuordnung eines ganz bestimmten zivilisatorischen Verhaltens zu den Rittern.
Hat heutiges "ritterliches Verhalten" etwas mit den mittelalterlichen Rittern zu
tun? Ganz sicherlich hat es etwas mit dem bisher von uns noch nicht gestreiften
Begriff des "Hofes" zu tun. Dessen Bedeutung für Ritter und Rittertum hat die
Forschung dadurch Rechnung zu tragen versucht, dass sie bisweilen von der
"höfisch-ritterlichen Kultur" spricht. Freilich ist die Frage nach der Beziehung
von Höfischem und Ritterlichem zueinander ausgesprochen schwierig zu
beantworten. So spricht man bezeichnenderweise von "höfischer Liebe",18 bei
der der Ritter als Werber um die Liebe und Gunst seiner Herrin sehr wohl eine
wichtige Rolle spielt, aber eben nicht von "ritterlicher Liebe". Entscheidendes
Konstituens dieser Liebesbeziehung war der Umstand, dass sie unter den
gesellschaftlichen Bedingungen des "Hofes" ablief. Daher sollte man vorsichtig
sein und solche zivilisatorischen Errungenschaften wie z. B. Höflichkeit,
- 20 -
Zuvorkommenheit namentlich gegenüber dem weiblichen Geschlecht, wohl
weniger einer angeblichen "Ritterlichkeit" der Ritter als vielmehr primär der
zivilisatorischen Kraft höfischer Etikette zuschreiben. Dies gilt umso mehr, als
wir nicht wissen, wieweit dieses vor allem in der Dichtung beschriebene
Geschlechterverhältnis eine geschichtliche Realität besass.
Mit ungleich grösserer Sicherheit wird man sagen können, dass Ritter einem
besonders starken Zwang zu einem gruppen-konformen Verhalten unterlagen.
Man hatte als Ritter sich auch "ritterlich" zu verhalten, denn man unterlag stets
einer effizienten sozialen Kontrolle durch seine Standesgenossen. Dass
dadurch reines Nützlichkeitsdenken bisweilen eher in den Hintergrund treten
musste, andererseits die Neigung zur Repräsentation und
S. 70:
Selbstinszenierung notwendigerweise wuchs, zeigen militärisch sinnlose aber
dem ritterlichen Bedürfnis nach Selbstdarstellung entgegenkommende
Waffenspiele, wie sie beispielsweise im Zuge der Auseinandersetzungen um
die Grafschaft Maine Ende des 11. Jahrhunderts zwischen dem englischen
König Wilhelm Rufus und dem Grafen Fulko IV. von Anjou stattfanden. Fulko
hatte die Hauptstadt der Grafschaft, Le Mans, noch eilig durch eigene Truppen
militärisch verstärkt, um dem heranrückenden englischen König Paroli bieten
zu können:
"Als der König nahte, rückten die Ritter ihrerseits aus der Stadt, ihm entgegen.
Und den ganzen Tag hat man tapfer gegen die Normannen gekämpft. Und auf
beiden Seiten hat man militärische Taten vollbracht. Die berühmten Helden
suchten sich nämlich gegenseitig ihre Körperkräfte zur Schau zu stellen, und
sie wollten vor ihren Fürsten und ihren Kameraden für ihre Bluttaten Ruhm
einheimsen"19.
Sehr hoch dürfte die gegenseitige soziale Kontrolle und der Zwang zur
Übernahme gemeinsamer Normen naturgemäss auch in städtisch-höfischem
Milieu gewesen sein, das gleichzeitig einen idealen Ort ritterlicher
Selbstinszenierung abgab. Auch hier bietet sich der soeben erwähnte Graf
Fulko IV. von Anjou als ein gutes Beispiel an. Auch wenn ihn missgünstige
Zeitgenossen mit dem wenig ehrenvollen Beinamen der Griesgrämige (franz.:
le Réchin) bedachten, so war er Ordericus zufolge das unbestrittene modische
Vorbild seiner Ritterschaft. Diese folgte ihm begeistert, und zwar galt das vor
allem für die von ihm propagierte Schuhmode.
- 21 -
Fulko, an den Zehen körperlich verunstaltet, machte aus der Not eine Tugend.
Er verwarf den, wie es Ordericus zumindestens darstellt, bislang allein
üblichen weiten und runden Bequemschuh zugunsten spitzer, dafür aber umso
modischerer Schnabelschuhe:
"Aber jetzt nehmen die Weltleute in ihrem Hochmut, der zu ihren verdorbenen
Sitten passt, begierig die neue Mode auf, und was einst ehrenwerte Männer für
äusserst anstössig hielten und gleichsam als Kot verabscheuten, schätzen die
Modernen als süssen Honig und tragen es, als handle es sich um eine
Auszeichnung"20.
S. 71:
Das ganze Unglück hatte, folgen wir dem Bericht des zutiefst entrüsteten
Ordericus Vitalis, mit einem gewissen Robertus, einem "närrischen" Höfling
des englischen Königs Wilhelm Rufus, angefangen und hatte sich dann rasch
als dernier cri auch auf den Kontinent ausgebreitet. Die Auswirkungen seien
verhängnisvoll gewesen: Alte Heroen hätten sich in verweichlichte,
undisziplinierte Männer verkehrt:
"Einige beanspruchten die ganze Zeit für sich und verbrachten sie, entgegen
dem Gesetz Gottes und der Väter, nach ihrem eigenen Gusto. Nachts
beschäftigten sie sich mit Fressen und Saufen, eitlen Erzählungen, mit
Würfelspiel und anderen Vergnügungen, am Tag aber schliefen sie. So ist nach
dem Tode Papst Gregors (VII., gest. 1085) und Wilhelms des Bastards
(gemeint W. der Eroberer, gest. 1085) und anderer frommer Fürsten in der
westlichen Welt die ehrwürdige Sitte der Väter nahezu vollkommen
abgeschafft worden. Jene trugen bescheidene Gewänder, die eine
hervorragende Passform besassen, überaus praktisch waren beim Reiten,
Laufen und überhaupt bei jeder vernünftigen Tätigkeit. Aber in diesen Tagen
ist die Mode durch neue Erfindungen revolutioniert worden. Die leichtfertige
Jugend geniesst feminine Weichheit, und die Männer bei Hofe himmeln die
Frauen mit grösster Laszivität an. Auf ihre Fusszehen, wo eigentlich der
Körper aufhört, stecken sie sich schlangenartige Schwänze, damit sie
gleichsam Skorpione vor ihren Augen haben. Den Staub vom Erdboden
wischen sie mit ihren viel zu langen Gewändern und Mänteln auf, was auch
immer sie tun, lange und weite Ärmel bedecken ihre Hände, und durch solch
überflüssiges Zeug belastet, können sie kaum noch schnell gehen oder etwas
anderes in nützlicher Weise tun.
- 22 -
Wie die Diebe tragen sie ihre Haare vorne kurz, dafür aber hinten lang wie die
Huren. Einstmals waren Büsser, Gefangene und Pilger für gewöhnlich
ungeschoren und trugen lange Bärte und machten dadurch denjenigen, die sie
anschauten, unmissverständlich deutlich, dass sie entweder Busse taten,
gefangen waren oder sich auf Pilgerschaft befanden. Nun tragen aber fast alle
Leute verrückterweise einen kleinen Bart und geben dadurch öffentlich zu
erkennen, dass sie sich über schmutzige Vergnügungen freuen, als wären sie
stinkende Böcke. Sie lassen sich die Haare mit der Brennschere kräuseln, sie
bedecken ihren Kopf mit einem Band oder einem Hut. Kaum ein Ritter geht in
die Öffentlichkeit ohne Kopfbedeckung und geschoren, wie es die apostolische
Vorschrift zu Recht fordert"21.
S. 72:
Auch die folgende Geschichte, die der überaus gut informierte Notar und
Geschichtsschreiber Galbert von Brügge (gest. nach 1128) über das Duell
zweier Ritter erzählt, verdeutlicht den grossen Anpassungsdruck, dem sich
Ritter ausgesetzt sahen, und der sie dazu veranlasste, entsprechend den
Konventionen ihres Standes zu handeln, ohne dass sie die Möglichkeit gehabt
hätten, sich alternativ zu verhalten. Der Zweikampf fand am 11. April 1127 im
flandrischen Ypern statt. Die präzise Schilderung Galberts macht deutlich, dass
der zum Duell geforderte Ritter Wido nicht die geringste Chance hatte, sich
dieser Auseinandersetzung zu entziehen. Dieser musste die Aufforderung
schon deshalb annehmen, weil er "in aller Öffentlichkeit" - d. h. vor dem
flandrischen Fürsten Wilhelm von Ypern (gest. 1165) - des Verrats und damit
der Verletzung seiner Pflichten als Lehnsmann beschuldigt worden war, auch
wenn ihm das Vertrauen auf seine grossen Körperkräfte vielleicht die
Entscheidung etwas leichter gemacht haben sollte. Die Geschichte ist aber auch
geeignet, falsche Vorstellungen über eine angeblich spezifisch "ritterliche"
Kampfesweise zu erschüttern. Denn das Duell der bei den Ritter hält sich
keinesfalls an "ritterliche" Spielregeln und erinnert in seiner erbarmungslosen
Brutalität viel eher an römisches Gladiatorentum:
"Zur gleichen Zeit hatte Wido, ein berühmter und starker Ritter, der im
flandrischen Fürstenrat eine herausragende Position besass, an eben dieser
Verschwörung (gegen den 1127 ermordeten Karl v. Flandern) teilgenommen,
weil er die Nichte des (Brügger) Propstes (Bertulf, Hauptfeind Karls), die
Schwester des Isaac (Bertulfs Neffe), geheiratet hatte. Daher forderte ein
gewisser Hermann der "Eiserne", ein kräftiger Ritter, unmittelbar nach der
- 23 -
Ermordung Karls, in Anwesenheit des Fürsten Wilhelm Adulterinus von
Ypern, den Wido zu einem Zweikampf heraus, weil dieser schändlicherweise
seinen Lehnsherrn verraten habe. Wido aber sprang auf: Er werde immer bereit
sein, sich wegen dieses ihm zur Last gelegten Verrates zu rechtfertigen. Und
man bestimmte als Termin (des Kampfes) den Tag, an dem auch der Propst
qualvoll zu Tode kam. Als der Propst gestorben war, kehrten alle, die dabei
gewesen waren, sofort an den Hof zurück, an dem der Kampf zwischen
Hermann dem Eisernen und Wido stattfinden sollte.
Beide kämpften verbissen miteinander. Wido aber hatte seinen Gegner vom
Pferd herabgestossen, und sooft dieser versuchte, wieder hochzukommen,
wurde er von Widos Lanze zu Boden gedrückt. Als sein Widersacher sich
einmal genügend genähert hatte, durchbohrte Hermann mit seinem Schwert
Widos Pferd. Wido stürzte von seinem Pferd. zog sein Schwert und ging auf
seinen Gegner los. Es gab ein ununterbrochenes und äusserst
S. 73:
heftiges Aufeinandereinschlagen der beiden Gegner mit ihren Schwertern, bis
sie, erschöpft durch die Last und das Gewicht ihrer Rüstungen, beide ihre
Schilde wegwarfen und versuchten, durch einen Ringkampf die
Auseinandersetzung schnell zu ihren Gunsten zu entscheiden. Und jener
Hermann der Eiserne stürzte zu Boden. Wido warf sich auf ihn und
zerquetschte mit seinen eisernen Widerhaken dessen Mund und Augen. Aber
der niedergestürzte Hermann gewann, so wie man es von Antheus liest, durch
die Kälte des Bodens allmählich seine Kräfte wieder. Es gelang ihm
schlauerweise, Wido glauben zu machen, dieser habe gewonnen. Unterdessen
schob Hermann ganz vorsichtig seine Hand bis an das untere Ende von Widos
Panzer, an eine Stelle, wo dieser nicht mehr besonders geschützt war. Hermann
ergriff schnell Widos Hoden, nahm dann alle seine Kräfte zusammen und stiess
darauf ganz plötzlich seinen Gegner wieder von sich. Dieser reissende Stoss,
der von unten ausgeführt wurde, zerstörte gleichzeitig auch die ganze Natur des
(gegnerischen) Körpers, so dass Wido zu Boden stürzte, gänzlich den Mut
verlor und ausrief, er sei besiegt und werde bald sterben"22.
3. Ideologische Konzeption und tatsächliches Verhalten im Spätmittelalter
Das Spätmittelalter bedeutete für die ritterliche Mentalität eine besondere
Herausforderung insofern, als die Diskrepanz zwischen ritterlichem Ethos und
- 24 -
alltäglicher Lebenswirklichkeit eher noch wuchs. Auch wenn diese Aussage
natürlich nur ganz allgemein gilt und jeder Einzelfall historisch differenziert
betrachtet werden muss, kann doch davon ausgegangen werden, dass das
Rittertum auf zentralen Feldern in seinem Selbstverständnis durch neue
Spätmittelalterliche Entwicklungen tangiert wurde.
Nur wenig oder genauer gesagt, eigentlich gar kein Verständnis konnten
Spätmittelalterliche Landesherrn beispielsweise für ritterliche Fehden
aufbringen. Das Verlangen des Ritters nach Durchsetzung seiner Rechte in der
Form der privatrechtlichen Fehde war unvereinbar mit der Entstehung des
"staatlichen" Gewaltmonopols. Die Herausbildung stehender Heere und
S. 74:
grosser Söldnerverbände mit stark spezialisierten Waffengattungen (englische
Bogenschützen, massierter Einsatz gut ausgerüsteter Infanteristen, allmähliches
Aufkommen der Artillerie), wie sie sich bereits im hohen Mittelalter
abgezeichnet hatte, offenbarte die "selbstmörderische Antiquiertheit der Ritter"
(H. Fuhrmann) und liess nur noch wenig Raum für den ritterlichen
Einzelkämpfer zu Pferde. Die starke Betonung ritterlicher Werte ausgerechnet
im Spätmittelalter wäre dann nur als eine verständliche Reaktion auf die in
Frage gestellte gesellschaftliche Führungsposition einer äusserst verunsicherten
Ritterschaft zu interpretieren.
Wir können trotzdem immerhin soviel sagen, dass die ritterliche Ideologie sich
im späten Mittelalter nach wie vor grosser Beliebtheit erfreute. Krieg und
Kriegsführung galten in diesen Kreisen nach wie vor als ein ehrliches und
ehrenvolles Gewerbe, wie die folgende Anekdote über den englischen Kapitän
John Hawkwood zeigt, den es nach einer Tätigkeit im sog. Hundertjährigen
Krieg zwischen England und Frankreich nach Italien verschlagen hatte:
"Hawkwood begegnete am Stadttor von Montecchio (Stadt in Italien) zwei
Brüdern, die ihm mit dem Friedensgruss entgegenkamen. Möge Gott eure
Wünsche nicht beachten, antwortete er, wisst ihr denn nicht, dass ich vom
Krieg lebe und dass der Frieden mich arbeitslos machen würde? Der Erzähler
der Anekdote setzte noch hinzu: Hawkwood machte seinen Job so gut, dass es
in Italien damals wenig Frieden gab"23. Die Übernahme ritterlicher Ideologie
auch durch solche Leute, die wie der Söldnerführer John Hawkwood gegen
handfeste Bezahlung ihr militärisches Spezialistentum vermarkteten,
- 25 -
sagt freilich noch nichts darüber aus, ob eine dem Adel zugeschriebene
angebliche ritterliche Mentalität tatsächlich das konkrete Verhalten beeinflusst
hat. Der niederländische Kulturhistoriker Jan Huizinga (gest. 1945) hat in
seinem erstmals 1919 erschienenen berühmten Buch "Herbst des Mittelalters"
von einer "politischen und militärischen Bedeutung des Rittergedankens"
gesprochen und dabei die These verfochten, dass "es (das Ritterideal) die
Forderungen der Strategie denen der Lebensschönheit opferte"24. Freilich sind
die von ihm angeführten Belege problematisch. Das gilt beispielsweise von den
"Fürstenzweikämpfen" des
S. 75:
Spätmittelalters. Die Tatsache, dass sie niemals stattgefunden haben, verweist
auf ihren Sinn: Die Aufforderung zum Duell, zum ritterlichen Zweikampf, wird
propagandistisches Mittel der Aussenpolitik.
In der Literatur und Festkultur der Zeit (Turniere) kultivierte Vorstellungen
über den idealen Ritter werden politisch ausgenutzt, bestimmen aber wohl
kaum die Mentalität der spätmittelalterlichen "Ritter". Das zeigt auch ein Blick
auf die spätmittelalterliche Kriegsgeschichte. So ist die bereits erwähnte
"selbstmörderische Antiquiertheit" des Ritterstandes vor allem Ausdruck einer
konservativen adligen Kriegermentalität, die nicht rasch genug auf die
Wandlungen im Kriegswesen reagierte. Auch mit der angeblichen Tapferkeit
der Ritterheere war es nicht immer zum besten bestellt. Die Kriegsgeschichte
der Zeit bietet genügend Beispiele für Panik und Massenflucht, wie sie von uns
bereits für das Hochmittelalter festgestellt wurden.
Kontinuität von Hoch- zu Spätmittelalter ist auch für die angebliche ritterliche
Schonung des unterlegenen Gegners zu verzeichnen: Sie verliert entschieden
ihren idealistischen Glanz, denkt man an das hohe Lösegeld, das man von der
Familie des Gefangenen einfordern konnte. Dessen pflegliche Behandlung
erklärt sich ganz pragmatisch und ist Ausdruck eines Wirtschaftsrationalismus.
Das im Zusammenhang angeblicher ritterlicher Mentalität oft zitierte Beispiel
König Johanns von Böhmen, der als Lehnsmann des französischen Königs in
der Schlacht von Crecy 1346 gegen die Engländer den Tod suchte und fand, ist
kein Beispiel für ein typisch ritterliches Verhalten. Er fällt nicht in ritterlichem
Kampf, sondern es handelt es sich eher um einen Selbstmord, der durch die
Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit eines Menschen ausgelöst wurde, den
seine völlige Erblindung handlungs- und damit regierungsunfähig gemacht
- 26 -
hatte. Die Ritter, die Johann von Böhmen auf dessen ausdrücklichen Wunsch
hin in die vordersten Linien bringen mussten, wo der Kampf am heftigsten
wogte und deshalb der Tod auch am wahrscheinlichsten war, mochten
vielleicht insgeheim ähnlich harsch urteilen, wie gut einhundertfünfzig Jahre
früher angeblich die Gesandten des Königs Otto (des Grossen) von Sachsen,
der sich, folgen wir Saxo Grammaticus, mit der Aufforderung zum Zweikampf
konfrontiert sah:
"Als König Wermund (von Dänemark) durch die Last des Alters das
Augenlicht verloren hatte, glaubte der sächsische König, dass Dänemark
keinen Führer mehr habe. Er schickte zu ihm Gesandte mit der Aufforderung,
ihm, Otto, das Reich, das er noch innehabe, obwohl er bereits zu alt dafür sei,
zu übertragen, damit Wermund nicht länger das Vaterland seiner
Machtbegierde zuliebe an Recht und Einfluss mindere. Wie könne nämlich
S. 76:
einer als König gelten, dem das Alter den Mut genommen, dem die Blindheit
das Auge mit dem Schrecken der Finsternis erfüllt habe? Lehne Wermund
seinen Vorschlag ab und habe er einen Sohn, der es wage, mit seinem eigenen
Sohn auf diese Herausforderung hin zu kämpfen, dann solle er zulassen, dass
der Sieger das Reich bekomme. Wenn er keinem der bei den Vorschläge
zustimme, dann müsse mit Waffengewalt, nicht mit Ermahnungen durchgesetzt
werden, dass Wermund schliesslich auch gegen seinen Willen das herausgebe,
was freiwillig zu geben er ablehne. Darauf antwortete Wermund, innerlich
gebrochen, unter tiefen Seufzern: In unverschämter Weise verletze man ihn
durch den Vorwurf des Alters. Seine unglückliche Situation im Alter verdanke
er nicht dem Umstand, dass er in seiner Jugend als ein Feigling zuwenig
gekämpft habe. Es sei nicht angebracht, ihm seine Blindheit zur Last zu legen,
weil sehr häufig ein solches Alter eine derartige Behinderung zur Folge habe.
Man müsse mit einem solchen Unglücklichen eher Mitleid haben als über ihn
zu lachen. Man könne gerechterweise dem König von Sachsen seine Ungeduld
zur Last legen, der doch eher das Ende des alten Königs abwarten solle als
schon jetzt sein Reich zu fordern, weil es wesentlich besser sei, einem Toten
nachzufolgen als einen Lebenden zu berauben. Um aber nicht als ein
schwachsinniger Greis einer fremdländischen Macht die Rechtstitel der
altehrwürdigen (dänischen) Freiheit übertragen zu müssen, wolle er
eigenhändig der Aufforderung zum Kampfe Folge leisten.
- 27 -
Darauf antworteten die Gesandten, sie wüssten, ihrem König sei das
lächerliche Schauspiel, mit einem Blinden zu kämpfen, zutiefst zuwider, ein
solcher Kampf sei ein Gegenstand öffentlichen Spottes, er stelle ein solches
lächerliches Mittel der Entscheidung dar, welches eher geeignet sei, Schande
als Ehre einzutragen"25.
Das Beispiel des blinden Königs Johann kann also schwerlich als ein Beispiel
mittelalterlicher Ritterlichkeit angeführt werden. Man wird für das
Spätmittelalter angesichts der vielen Kriege und Raubzüge eher davon
ausgehen müssen, dass militärische Greuel und Grausamkeiten zunahmen. Die
mittelalterliche Kriegsgeschichte kennt genügend Beispiele für ein
schonungsloses brutales Verhalten der Ritter. So hatte die berühmte Schlacht
von Tagliacozzo 1268 zwischen dem jungen Staufer Konradin und dem
sizilischen König Karl I. von Anjou auf staufischer Seite "mit einem brutalen
S. 77:
Akt" begonnen und wurde von beiden Seiten erbittert geführt, wobei nach dem
Urteil des wohl besten Kenners "vom Ethos des mittelalterlichen Kampfes
nichts zu spüren (war)"26. Man sollte also vorsichtig sein mit diesbezüglichen
Etikettierungen, was die angebliche "Ritterlichkeit" in der mittelalterlichen
Kriegsführung angeht. Krieg war und Krieg ist immer grausam.
4. Bibliographie
Allgemein: W. PARAVICINI, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters,
1994 (mit umfassender Bibliographie), 1. BUMKE, Höfische Kultur. Literatur
und Gesellschaft im hohen Mittelalter, 2 Bde, 1986, hier: Bd. 2, S. 64-70 (über
Ritterbegriff und Ritterstand), CH. HARPERBILLIR. HARVEY (Hgg.), The
Ideals and Practice of Medieval Knighthood. 1986, M. H. KEEN, The
Chivalry, 1984 (dt.: Das Rittertum, 1987), A. BORST (Hg.), Das Rittertum im
Mittelalter, 1976, M. BLOCH, La societe feodale, 1939 (dt.: Die
Feudalgesellschaft, 1982), F. CARDINI, Der Krieger und der Ritter, in: 1. LE
GOFF (Hg.), Der Mensch des Mittelalters, 31994, S. 87-129, A. SCHULTZ,
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesänger, 2 Bde, 21889 (Ndr. 1965), W.
H. JACKSON (ed.), Knighthood in Medieval Literature, 1981.
- 28 -
Entstehung des Ritterstandes: 1. FLECKENSTEIN, Die Entstehung des
niederen Adels und das Rittertum, in: DERS., Ordnungen und formende Kräfte
des Mittelalters, 1989, S. 333-356, DERS., Zum Problem der Abschliessung
des Ritterstandes, in: Ordnungen und formende Kräfte, S. 357-376, F.-R.
ERKENS, Militia und Ritterschaft, in: Historische Zeitschrift 258 (1994), S.
623-659.
Hochmittelalter: A. BORST, Das Rittertum im Hochmittelalter. Idee und
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DUBY, Le dimanche de Bouvines, 27 juillet 1214, 1973 (dt.: Der Sonntag von
Bouvines 27.1uli 1214, 1988), DERS., Guillaume le Maréchal ou le meilleur
chevalier du monde, 1984 (dt.: Guillaume le Marechal oder der beste aller
Ritter, 1986), 1. FLECKENSTEIN (Hg.), Das ritterliche Turnier im Mittelalter
1985, DERS., Das Turnier als höfisches Fest im hochmittelalterlichen
Deutschland, ebd., S. 229-256.
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JÄGER, Aspekte des Krieges und der Chevalerie im XIV. Jahrhundert in
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politiques chez Froissart, 1984, R. SABLONIER, Rittertum, Adel und
Kriegswesen im Spätmittelalter, in: J. FLECKENSTEIN (Hg.), Das ritterliche
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S. 78:
im Mittelalter, 1985, S. 532-570, W. PARAVICINI. Die Preussenreisen des
europäischen Adels 1989 (insb. S. 288-333 über spätmittelalterliche adligritterliche Lebensweise), A. RANFT, Adelsgesellschaften, 1994.
Zum militärischen Aspekt: 1. F. VERBRUGGEN, The Art of Warfare in
Western Europe during the Middle Ages from the Eigth Century to 1340, 1977,
PH. CONTAMINE, La Guerre au Moyen Age, 1980, V. SCHMIDTCHEN,
Kriegswesen im späten Mittelalter, 1990.
- 29 -
Anmerkungen:
1
J. BUMKE. Höfische Kultur I. 1986. S. 71.
2
W. PARAVICINI. Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters. 1994. S. 22.
3
Vgl. dazu oben S. 39-41. 44.
4
BUMKE (wie Anm. I). S. 70.
5
Ordericus Vitalis, Historia ecclesiastica IV 2 (ed. M. CHIBNALL, The Ecclesiastical
History of Orderic Vitalis, Bd. II, 1969, S. 218-220) (aus dem Lateinischen
übersetzt).
6
Man unterscheidet beispielsweise den sog. Tjost (Einzelkämpfe), den sog. Buhurt
(Schaureiten mit Kampfspielen) und das sog. torneamentum (Reiterschlacht mit
wirklichem Kampf).
7
Jakob von Vitry, Exempla, ed. TH. F. CRANE, London 1890, Nr. 141, S. 62-64 (aus
dem Lateinischen übersetzt).
8
Zum Quellennachweis dieser und anderer vergleichbarer Exempla vgl. K.
SCHREINER, Maria, 1994, S. 321-323, vgl. auch unten Kapitel XII, S. 325.
9
Jakob von Vitry, Exempla (wie Anm. 7), Nr. 139, S. 62 (aus dem Lateinischen
übersetzt).
10
Saxo Grammaticus. Gesta Danorum V, I. 3 (ed. J. OLRIK/H. RAEDER, Bd. I,
1931, S. 104-105 (aus dem Lateinischen übersetzt).
11
Saxo Grammaticus, Gesta Danorum 11, VI, 9-10 (ed. OLRIK/RAEDER, Bd. I, S.
50-51) (aus dem Lateinischen übersetzt).
12
Bremule. Ort in der Normandie bei Noyon.
13
Ordericus Vitalis, Historia ecclesiastica XII 18 (ed. CHIBNALL, Bd. VI, S. 236)
(aus dem Lateinischen übersetzt).
14
Ordericus Vitalis. Historia ecclesiastica XII 18 (ed. CHIBNALL, Bd. VI, S. 238240) (aus dem Lateinischen übersetzt).
15
Ordericus Vitalis, Historia ecclesiastica XI 3 (ed. CHIBNALL, Bd. VI. S. 28) (aus
dem Lateinischen übersetzt).
16
Ordericus Vitalis, Historia ecclesiastica XII 39 (ed. CHIBNALL, Bd. VI, S. 352)
(aus dem Lateinischen übersetzt).
17
Ordericus Vitalis. Historia ecclesiastica XII 39 (ed. CHIBNALL, Bd. VI S. 348350) (aus dem Lateinischen übersetzt).
18
Vgl. dazu auch Kapitel XI.
19
Ordericus Vitalis, Historia ecclesiastica X 8 (ed. CHIBNALL, Bd. V, 1975, S. 242)
(aus dem Lateinischen übersetzt).
20
Ordericus Vitalis, Historia ecclesiastica VIII 10 (ed. CHIBNALL. Bd. IV, 1973, S.
186) (aus dem Lateinischen übersetzt).
- 30 21
Ordericus Vitalis, Historia ecclesiastica VIII 10 (ed. CHIBNALL, Bd. IV, S. 188190) (aus dem Lateinischen übersetzt).
22
Galbertus Notarius Brugensis. De multro, traditione et occisione gloriosi Karoli
comitis Flandriarum. 58, ed. J. RIDER (Corpus Christianorum. Continuatio
Mediaevalis Bd. CXXXI). 1994, S. 109-110 (aus dem Lateinischen übersetzt).
23
Die Anekdote wird erzählt von M. H. KEEN, Chivalry. Nobility, and the Man-atArms, in: C. T. ALLMAND (Hg.), War, Literature, and Politics in the Late Middle
Ages, 1976, S. 32. dem wir hier folgen.
24
25
26
J. HUIZINGA, Herbst des Mittelalters, 101969, S. 135.
Saxo Grammaticus, Gesta Danorum IV, IV 1-2, (ed. OLRIK/RAEDER, Bd. I, S. 97)
(aus dem Lateinischen übersetzt).
P. HERDE, Karl der Erste von Anjou, 1979, S. 60.
Internet-Bearbeitung: K. J.
Version 12/2010
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