Beispiel für 2 Kurzreferate

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Beispiel für 2 Kurzreferate
Einführung in die Literaturwissenschaft. Teil 2. WS 1999/2000. Sitzung am 15.12.1999.
Dozent: Dr. Fritz Heuer
Thema: Das antike Theater
1. Referentin: Dimitra Vafiadou: Zustandekommen einer Aufführung, nach: H.-D.
Blume: Einführung in das antike Theaterwesen. Darmstadt 1978, S. 30 - 45
Archon – Choregos – Chorodidaskalos
Die Vorbereitungen für die dramatischen Agone (Wettbewerb) dauerten mehr als ein halbes
Jahr. Die Beamten, die für die Feste verantwortlich waren – für die Städtische Dionysien der
Archon Eponymos, für die Lenäen der Archon Basileus – hatten die Aufgabe, aus der Zahl
der sich bewerbenden Dichter drei auszusuchen und ihnen einen Chor1 zuzuteilen. Weder der
Archon noch seine beiden Beisitzer hatten hierfür eine besondere Qualifikation oder
Kenntnisse. Bei der Auswahl der jeweiligen Konkurrenten wurden neben künstlerischästhetischen Kriterien auch politisch-weltanschauliche berücksichtigt. Dass ein Dichter sich
z.B. von politischen Tendenzen und Auseinandersetzungen fernhalten konnte, ist wohl zu
verneinen. Zweifellos wurden bei einem solchen Auswahlsystem, das der öffentlichen
Meinung massgeblichen Anteil zusicherte, die etablierten Dichter bevorzugt. Wurde er vom
Publikum akzeptiert, musste er auch in Zukunft zugelassen werden können. Fiel er durch,
erhielt er schwer zum zweiten Mal die Chance eines Chores.
Die nächste Aufgabe des Archon war Privatleute auszufinden, die die Kosten der
Einstudierung des Chöre übernehmen könnten. Die Leute hießen Choregen, was eigentlich
Chorführer bedeutet, und Choregie hieß dieses ehrenvolle mit hohem Kostenaufwand
verbundene Amt. Es ging normalerweise um freiwillige Bewerber, die aus dem Kreise der
Vermögenden kamen. Grundsätzlich aber war jeder freie Bürger zur Übernahme einer solchen
Choregie, als einer Dienstleistung zum Wohle der Allgemeinheit (“Leiturgie”), verpflichtet,
sogar die Metöken (die nach Athen übersiedelt waren).
Für jeden einzelnen Chor wurde ein Chorege bestellt, zum Dithyrambos ebenso wie zu den
Dramen. Man benötigte allein an den Städtischen Dionysien nicht weniger als 28 Choregen.
Dichter und Choregen wurden einander vermutlich durch Losentscheid zugeordnet. Zunächst
musste der Chorege die Mitglieder seines Chores verpflichten. Und es gab bestimmte Regeln,
gegen die sowohl die Bürger als auch die Choregen nicht verstoßen durften (z.B. für die
Dithyramben war der Personenkreis auf eine Phyle (“Volksstamm”) beschränkt, für die
dramatischen Chöre aber stand die Gesamtheit der freien Bürger zur Disposition. Während
der Probenmonate sorgten die Choregen sodann für den Unterhalt ihrer Chormitglieder,
desgleichen für den ihres Ausbilders und des Flötenspielers. Die äußere Ausstattung des
Chores spielte auch für den Erfolg beim Publikum eine gewisse Rolle. Deswegen oblag es
dem Choregen, die Masken und Kostüme seines Chores zu finanzieren.
Über die genannten obligatorischen Aufgaben hinaus konnte von einem Choregen eine
Extraleistung verlangt werden. Es würde z.B. manchmal zusätzliches Personal benötigt, das
zwei verschiede Gruppen umfasste, nämlich einerseits solche Personen2, die für den Gang der
Handlung wichtig sind, aus dramatischen Gründen jedoch (weil gerade kein sprechender
Schauspieler für ihre Rolle zur Verfügung steht) zeitweilig stumm bleiben müssen oder darum
von einem Statisten gespielt werden, anderseits Diener und Begleitpersonal, also Statisten im
eigentlichen Sinne.
Chor – Eine Gruppe von Schauspielern, die gemeinsam Kommentare zu dem sprechen, was
auf der Bühne geschieht.
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Wie Pylades, der treue Freund und Begleiter des Orest in den Tragödien, die den Muttermord behandeln.
Wenn das Stück es verlangte, musste der Chorege einen ganzen Nebenchor bereitstellen.
Dergleichen kam in der 1.Hälfte des 5.Jh.s, als der Chor noch im Mittelpunkt des
dramatischen Geschehens stand, am häufigsten vor. Doppelchöre wurden aber im Lauf der
Zeit immer seltener (wegen der großen Aufwendungen).
Auf seiten der Dramen, zumal der Komödie, spielte, wie schon erwähnt wurde, die äußere
Ausstattung eine große Rolle, das wurde aber bei den Dithyramben aufgewogen durch die
große Zahl von 50 beteiligten Sängern, gegenüber 12 - später 15 – bei der Tragödie und 24
bei der Komödie.
Um die Wende aber vom 5. Zum 4. Jh. half ein struktureller Wandel der Dramen die
beträchtlichen Inszenierungsprobleme zu bewältigen. Wir beobachten am Spätwerk des
Aristophanes, wie das chorische Element zugunsten des dialogischen verkümmert. In der
Tragödie liegen die Dingen ähnlich. Der Chor wird immer entbehrlicher.
Trotz gelegentlicher Schwierigkeiten, hat sich das Chorsystem so weit als erfolgreich
bewährt. Allmählich schrumpfte aber aufgrund der wirtschaftlichen Not die Anzahl der
Sponsoren (Mäzene), die bereit waren, die Kosten für die Einstudierung einer Aufführung zu
übernehmen. Es war unter der Regierung des Demetrios von Phaleron (vermutlich um 315),
als die Institution erlosch. Jetzt war der Staat allein verantwortlich für die Agone. Alljährlich
wurde ein Agonothetes (Wettkampfveranstalter) gewählt, der die Einstudierung der Stücke
besorgte. Chorege war jetzt das Volk.
Die Probenarbeiten war Sache eines Experten. Seit alters her haben in Athen die Dichter ihre
Stücke persönlich einstudiert, so wie diese ursprünglich auch die Funktionen des Choregen
versehen hatten (lediglich Stücke aus dem Nachlass wurden von anderen inszeniert z.B. 406
siegt der jüngere Euripides mit Stücken seines Vaters, darunter den ‘Bakchen’ und der
‘Aulischen Iphigenie’).
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Sobald ein Dichter nicht in der Lage war, das eigene Stück zu inszenieren, trat an seine Stelle
ein professioneller Chorleiter, Chorodidaskalos oder Didaskalos genannt. Mit diesem Wort
wurde seit jeher schon der seine eigenen Stücke einstudierende Dichter bezeichnet, so dass
man die Wörter Didaskalos und Poietes als Synonym empfand. Schwierigkeiten für das
Verständnis ergaben sich kaum, weil das Publikum spätestens seit dem Proagon den Autor
kannte und vom Regisseur unterschied.
Die Einstudierung
Zu den Pflichten des Choregen zählte auch die Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten für
die Proben (weil es ein Theater als feste Institution nicht gab). Möglicherweise standen einige
öffentliche Gebäude wie das Odeion oder die Basileios Stoa zur Verfügung, im allgemeinen
aber musste der Chorege auf Privaträume zurückgreifen, die er entweder selbst bereiststellte
oder auf eigene Kosten anmietete. Für die Proben zur Tragödie scheint es in Athen zeitweise
ein eigenes Übungslokal gegeben zu haben, nämlich ein Gebäude im Demos Melite. Dann
könnten natürlich die Proben des Chores anfangen. Die Schauspieler hatten es leichter. Sie
konnten in einem ruhigen Ort ihre Rollen memorieren und deklamieren. Bezeichnenderweise
lag die besondere Leistung des Regisseurs nicht in der Führung der Schauspieler, sondern in
der gesanglichen und tänzerischen Unterweisung des Chors.
Die Schiedsrichter
Der letzte Akt der Vorbereitungen war die Auswahl der Schiedsrichter. Diese Männer, die
Repräsentanten der im Theater anwesende Bürgerschaft waren, sollten über die dichterischen
und schauspielerischen Leistungen ihr Urteil fällen. Sie verfügten über keine besonderen
Sachkenntnissen, und vielmehr werden sie spontan und gefühlsmäßig geurteilt haben (uns
liegen Zeugnisse vor, wonach die Zuschauer Druck auf die Richter ausgeübt haben).
Der Wahlmodus für die Schiedsrichter war natürlich schwierig und kompliziert (sie wollten
sich vor Bestechungen sichern). Zunächst wählten die Mitglieder des Rates aus jeder Phyle
(Stadtviertel, Stadtteile) mehrere Kandidaten. Die Urnen mit den Namen der Kandidaten
wurden versiegelt und auf der Akropolis verwahrt und erst am Festtage, wenn die Bürger
bereits im Theater waren, wurde die eigentliche Wahl getroffen. Jetzt entnahm man jeder der
zehn Urnen einen Kandidaten. Dann konnten die Aufführungen beginnen. Am Ende schrieben
die Richter die Namen ihrer Favoriten der Reihe nach auf ein Täfelchen. Die Täfelchen
wurden in eine Urne gegeben, und zur Ermittlung des endgültigen Urteils wurden von den
abgegebenen zehn Stimmen noch einmal fünf ausgelöst, während die übrigen verfielen. Die
Fünfzahl der Richter wurde danach sprichwörtlich in Sachen, die einem Schiedsspruch
unterlagen.
Ehrungen und Weihgeschenke
Bei der Zeremonie des Proagon wurde dem Choregen ein prominenter Platz eingeräumt, als
Ehrung für seine finanziellen Aufwendungen. Und wenn der ihm vertraute Chor den Sieg
errang, nahm er als Repräsentant der siegreichen Phyle (Gemeinschaft) einen dionysischen
Efeukranz entgegen und einen vom Staat als Preis ausgesetzten Dreifuß (Tripodes). Dies
geschah in der Nähe der Dionysostheaters, am Osthang der Akropolis. Im Verlauf des 4.
Jahrhunderts jedoch wuchsen die Bauten ins Monumentale. Auf den im übrigen zahlreich
erhaltenen Sockeln und Inschriftensteinen lesen wir die Namen der siegreichen Phyle, dann
den des Choregen und des Didaskalos (zur Angabe des Datums folgt der Name der Archon,
und seit dem 4. Jh. wird auch der Flötenspieler genannt).
2. Referentin: Eleni Strantzou: Die Theaterbauten, aus: Horst-Dieter Blume: Einführung
in das antike Theaterwesen. Darmstadt 1978, S.45-77
Um die Theaterbauten und deren Entwicklung besser zu erklären, sollte man das
Dionysostheater in Athen erforschen, denn dort hatten alle Dramen im 5. Jh. ihre ersten
Aufführungen. Die Tatsache aber, dass für eine so lange Zeit fast alle Aufführungen in diesem
Theater stattfanden, macht es schwierig die ursprüngliche Form dieses Theaters beschreiben
zu können.
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Nur das Theater von Epidauros ist geeignet, eine Analyse der Bauelemente zu machen, weil
es seine ursprüngliche Gestalt beibehalten hat. Die Entwicklungsphasen führen aber zum
Dionysostheater zurück.
Die Keimzelle dieses Theaters war der Tempel des Dionysos Eleuthereus. Das Theater
war in drei Bereiche zu teilen, die entsprechend für die Funktionen von Chor, Schauspielern
und Zuschauern geeignet sind.
Die Darsteller und die Zuschauer waren durch keinen Vorhang getrennt.
Es gab eine kreisrunde Orchestra, die dem Tanzplatz des Chores entsprach. Und die
Zuschauer standen am Anfang und später saßen sie um die Orchestra herum.
Noch später haben sie das Theater in Form einer Höhlung (cavea) in den Hang des
Berges gegraben. Die Schauspieler standen auf der Skene. Bis zur Zeit von Aischylos, der die
Skene im eigentlichen Spiel einbezog, war sie eine “Bretterbude” am Rand der Orchester, die
auch als Umkleideraum diente. Die Skene, die früher also ein Teil der Orchestra war,
entsprach dann dem Ort der Handlung als Spielhintergrund, so dass die Orchestra ihre runde
Form verlor und die Zuschauer im Halbreis gegenüber der Skene saßen.
Der Raum zwischen der Orchestra und der Skene war der “Platz der Sprecher” und
aufgrund dessen hieß es Logeion (Logos=Rede). Das Logeion war zuerst in derselben Ebene
zur Erde und wurde dann um einige Stufen emporgehoben.
In der frühen perikleischen Zeit wurde aber dieses Theater umgebaut. Die Orchestra
wurde etwa um 12 Meter nach Nordosten verschoben und zum Zuschauerraum wurden
mehrere Terrassen angelegt, die aus hölzernen Bänken bestanden.
Nur in den ersten Reihen wurden Sessel gestellt, die für den Dionysospriester und die
führenden Staatsbeamten vorgesehen waren und die auch eine besondere Bearbeitung hatten.
Diese hießen Prohedrie. Es gab auch wegen der Steilheit der Höhlung zwei seitliche
Stirnwände (Analemmata) und längs derer befanden sich zwei Zugänge zur Orchestra
(Parodoi).
Zu dieser Zeit wurde auch das Odeion des Perikles fertiggestellt, das außerhalb des
heiligen Bezirks östlich des Theaters stand. Zur Neugestaltung des Theaters waren auch zwei
weitere Baumaßnahmen dienlich. Es wurde eine 70 m lange Säulenhalle errichtet, in der ein
kleiner Teil als Requisitenkammer verwendet wurde oder als Zufluchtsort bei plötzlichem
Regen. Das ist grob beschrieben das Gestalt des Theaters im 5. Jh., von dem aber nur ganz
wenige Spuren für uns erhalten sind, weil es zunächst aus Holz und erst später aus Stein
gebaut war.
Wir können aber aus den Dramentexten Folgerungen ziehen. Sicher ist, dass die früher
hölzerne Bude sich dann zu einem ausgeschmückten zweistöckigen Gebäude mit drei Türen
gewandelt hat. Die obere Plattform hieß Theologeion (aus den griechisch Theos=Gott,
Logos=Rede), weil es für Göttererscheinungen vorgesehen war. Es gab wahrscheinlich auch
zwei an den Seiten vorspringende Flügel (die Paraskenien). Gegen 340 haben wieder
Bauarbeiten begonnen, die aber im wesentlichen nur eine Ausschmückung als Resultat hatten.
Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Sitzraum und das Skenengebäude aus Stein neugebaut.
Lykurg, der die Kontrolle der Finanzen des Staates zwischen 338 und 326 hatte, hat es
ermöglicht, das Theater umzustellen und auch viele andere bauliche Projekte zu
fertigzustellen.
Als nächstes wurde das Zuschauerraum umgestaltet, der eine Kapazität von 14 000 bis
17 000 Menschen hat. Ein Weg wurde längs und in der Mitte des Raums gebaut (Diazoma)
und vertikal wurde dieser Raum in kleineren Blöcke unterteilt (Kerkides) durch die Anlage
von 12 schmalen Treppengängen.
Was die Kommunikation zwischen Chor und Schauspielern betrifft, ist es fast sicher,
dass im 4. Jh. wie auch in der klassischen Zeit zu ebener Erde und nicht auf einer hohen
Bühne gespielt wurde.
Das Auftreten des Chors erfolgte als ein fest bestimmtes Zeremoniell.
Die entscheidende Umgestaltung des Bühnengebäudes fand erst etwa um das Jahr 200
v.Chr. statt. Vor der Skene wurde ein Säulenunterbau für eine erhöhte Bühne (das
Proskenion) gebaut.
Die Tatsache, dass das Proskenion hinzugefügt wurde, zeigt, dass das Drama seinen
Charakter verlor und immer mehr unterhaltende Züge annahm.
Das Publikum sah dann die Handlung auf der erhöhten Bühne und der Chor sang nur
Zwischenakt-Einlagen, während die Einzelleistung des Schauspielers wichtiger war.
Was die übrigen Theater betrifft: Es gibt sehr viele und darum ist es schwer sie auch
summarisch zu betrachten. Aus der Tatsache, dass das Theater nicht nur für die Dramen,
sondern auch als Schauplatz des politischen Lebens gedacht war, lässt sich erklären, warum
eine Stadt ohne Theater kaum vorstellbar war.
Als nächstes betrachten wir die Sichtverhältnisse und vor allem die Akustik des
antiken Theaters. Alle Theater standen in der Landschaft. Vom Rund der Zuschauerränge aus
konnte man im Dionysostheater weit ins Freie schauen, während die Stadt im Rücken jenseits
des Burgberges lag.
Die Dramatiker nutzten diese Lage des Theaters aus, indem sie die reale Landschaft in
das Theater einbezogen. Darüber hinaus war es den Zuschauern bewusst, dass wenn eine
Person vom Markt oder vom Hafen kam, dann trat diese Person von dem rechten Parodos ein,
weil auch der Hafen Piräus und die Agora (Markt) an der rechten Hand der Zuschauer lagen.
Und wenn man von links eintrat dann kam man vom Lande.
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Die Lichtverhältnisse sind auch von großer Bedeutung und hingen von der Lage des Theaters
ab, von der Steilheit des Hanges, von der Jahres- und Tageszeit und schließlich von der Höhe
des Bühnenhauses. Was speziell das Dionysostheater betrifft, muss man folgendes bemerken:
Das Dionysostheater in Athen war so riesig (die oberste Sitzreihe war 80 m von der Prohedrie
und diese war noch 12 m von den Spielen entfernt), so dass man viele
Einzelheiten nicht mehr erkennen konnte. Der Grund für seine riesige Gestalt war, dass fast
alle Bürger sogar auch die Ärmsten und die Sklaven eintreten konnten. Nach der Anschauung
von Perikles bedeuteten die Dramen für die Bürger dasselbe wie eine Schule, und alle sollten
die Möglichkeit haben einzutreten. Darum billigte er die Theorika (Betrag von 2 Obolen).
Und der Staat war auch verpflichtet, Platz fast für alle Interessierten bereitzustellen.
Was die Akustik des Steintheaters betrifft, lässt sie die Besucher immer noch
erstaunen. Es beweist sich, wenn man z.B. das Epidauros Theater heutzutage betrachtet, dass
jedes Wort, das auf der Skene in normaler Lautstärke geäußert wird, auch von den obersten
Rängen sehr klar vernommen wird.
Die Faktoren die zu diesem optimalem Resultat führen, waren wahrscheinlich die
architektonische Anlage und die Tatsache, dass jede Sitzreihe eine solche Entfernung von der
vorigen hatte, dass sich die Schallwellen unbeeinträchtigt fortpflanzen konnten. Weiterhin hat
auch die Errichtung des Skenengebäudes dazu beigetragen, denn es reflektierte einen Teil der
Schallwellen.
Die Schauspieler und die Choreuten machten auch eine Sprachtraining mit Zwecke,
die Stimme richtig einzusetzen und richtig zu betonen.
Die Skenographie (Bühnenmalerei und Ausstattung) spielte auch eine wichtige Rolle.
Die Mehrheit der Tragödien fanden vor einem Palast statt, und darum gab es auch hinter der
Skene die sog. Stoa, die einen Tempel oder einen Palast abbildete. Laut Aristoteles war
Sophokles der erste, der als Hilfsmittel eine Skenographie benutzt hat. Aber der eigentliche
Erfinder der Bühnenmalerei war Agatharchos, der von Aischylos zu diesem Zweck engagiert
wurde.
Aber die Frage ist, was soll man sich unter dem Begriff Skenographie vorstellen?
Zu dieser Zeit gab es keine Bühnenbilder, sondern es handelte sich um schnell hingeworfene
Linienzeichnungen, die Gebäude darstellten. Es ging also um die Architekturmalerei. Generell
aber setzten die Dichter größeres Vertrauen auf die Wirkung der Kostüme und der Masken als
auf die szenische Ausstattung.
Die Anfänge der wirklichen Bühnenmalerei liegen noch im Dunkeln. Sie muss aber
mit der Verlegung der Spielfläche auf die erhöhte Proskeniumsbühne verbunden sein. Denn
dann wurden gemalte Holztafeln (Pinakes) zwischen den Säulen des Logeions angebracht.
Diese Bilder kennzeichneten generell den Schauplatz. Der Hintergrund der erhöhten
Spielfläche war auch mit Bildern ausgeschmückt. Da es aber obligatorisch war, drei Eingänge
im Bühnenhaus zu haben, sollten diese Bildtafeln 3 Öffnungen der Fassade (Thyromata) als
benutzbare Türen besessen haben. Diese Bilder hatten eine Anzahl typischer Elemente.
Palast-, Tempelfassaden, Säulen und Statuen, wenn es um eine Tragödie ging, und städtische
Häuserfronten, wenn eine Komödie gespielt wurde.
Im Grenzbereich zwischen Bühnenmalerei und Theatermaschinen stehen die Periakten. Diese
waren aufrecht stehende, um eine Achse drehbare Prismen, die auf ihren drei Seiten
verschiedene Bemalungen hatten. Sie standen seitlich der drei Eingänge in das
Skenengebäude hinein und zeigten Ortswechsel an.
Nur zwei von den Theatermaschinen sind von besonderer Bedeutung. Das Ekkyklema, das
eine ausrollbare Plattform war, und zweitens ein Flugapparat (Mechane).
Das Ekkyklema diente dem Zweck, die räumliche Trennung zu überwinden. Im Prinzip
wurden die Ereignisse, die im Palast oder im Inneren des Hauses stattfanden, dem Publikum
durch einen Boten mitgeteilt. Die Tragiker sollten außerdem keine Gewalt und keinen Mord
vor den Augen der Zuschauer zeigen. Auf dem Ekkyklema lagen also die Opfer und konnten
mit den Tätern vom Hintergrund bis an den Rand der Orchestra auf diese Plattform rollen.
Die Mechane war für Göttererscheinungen vorgesehen. In Situationen, wo die Menschen
selbst keine Lösung finden konnten, erschien ein Gott auf der Mechane, der mit seinem Wort
eine Lösung des Konflikts gab.
Weitere Maschinen, die nicht zum festen Inventar des Theaters gehörten, waren die
Maschinen, die Donner und Blitz nachahmen (Bronteion und Keraunoskopeion).
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