Master Thesis Titel der Master Thesis: Auswirkungen und Bedeutung der steigenden Sectioraten auf das österreichische Gesundheitswesen Verfasserin: Brigitte Theierling, Garser Steig 8, 3542 Gföhl Matrikel Nummer: 0364064 Universitätslehrgang: 9 PGGM, Management in Einrichtungen des Gesundheitswesens Abgabedatum: 11.07.2005 zur Erlangung des akademischen Grades MSc Gesundheitsmanagement am Zentrum für Management und Qualität im Gesundheitswesen an der Donau-Universität Krems Begutachter: Ass.-Prof. Dr. Albin Krczal, DU Krems Fachbegutachter: Dr. med. Franz Piribauer, MPH Krems, Juli 2005 Ich versichere: 1. dass ich die Master-Thesis selbstständig verfasst, andere als die angegebenen Hilfsmittel nicht benutzt und mich auch sonst keiner unerlaubten Hilfe bedient habe. 2. dass ich dieses Master-Thesis Thema bisher weder im In- noch im Ausland (einer Beurteilerin/einem Beurteiler zur Begutachtung) in irgendeiner Form als Prüfungsarbeit vorgelegt habe. 3. dass diese Arbeit mit der vom Begutachter beurteilten Arbeit übereinstimmt. Datum der Einreichung: 11.07.2005 Unterschrift Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis ....................................................................................................................... 1 1. Einleitung ........................................................................................................................... 3 2. Forschungsfragen ............................................................................................................... 5 3. Public Health ...................................................................................................................... 8 4. 5. 3.1 Statistik und Epidemiologie ....................................................................................... 9 3.2 Evidenced based Medicine ....................................................................................... 10 3.3 Gesundheitsökonomische Überlegungen ................................................................. 12 3.3.1 Besonderheiten von Gesundheitsgütern. .......................................................... 12 3.3.2 Angebotsinduzierte Nachfrage ......................................................................... 14 3.3.3 Ausgabenexplosion im Gesundheitswesen ....................................................... 15 3.4 Gesundheitsförderung............................................................................................... 16 3.5 Ethik ......................................................................................................................... 17 3.6 Gesellschaftspolitische Überlegungen ...................................................................... 18 Literatursuche ................................................................................................................... 21 4.1 Evidenzhierarchie ..................................................................................................... 21 4.2 Medizinische Datenbanken....................................................................................... 22 4.3 Suchstrategie ............................................................................................................. 23 Forschungsergebnisse ....................................................................................................... 25 5.1 WHO Empfehlungen ................................................................................................ 25 5.2 Medizinischer Hintergrund ....................................................................................... 25 5.2.1 Absolute Sectioindikationen ............................................................................. 26 5.2.2 Relative Sectioindikationen .............................................................................. 27 5.2.3 Wunschsectio - Weiche Indikationen ............................................................... 28 5.2.4 Geburtsrisiken ................................................................................................... 29 5.3 Juristischer Hintergrund ........................................................................................... 29 5.4 Statistische und epidemiologische Daten ................................................................. 31 5.4.1 Kaiserschnittraten international ........................................................................ 32 5.4.2 Säuglingssterblichkeit international ................................................................. 33 5.4.3 Müttersterblichkeit international ...................................................................... 35 5.4.4 Daten aus Österreich ......................................................................................... 37 5.5 Analyse der evidenzbasierten Literatur .................................................................... 41 1 5.6 Gesundheitssystemvergleich .................................................................................... 44 5.6.1 Ökonomischer Vergleich Sectio versus vaginaler Geburt ................................ 48 5.6.2 Best Practice ..................................................................................................... 49 5.6.3 Skandinavien und Niederlande ......................................................................... 52 5.7 6. 7. Weitere Ergebnisse aus Public Health Sicht............................................................. 54 5.7.1 Salutogenese ..................................................................................................... 54 5.7.2 Prävention ......................................................................................................... 56 5.7.3 Die Wunschsectio aus ethischer Sicht .............................................................. 57 5.7.4 Soziologie und Psychologie ............................................................................. 57 5.7.5 Kinder der Zukunft ........................................................................................... 59 Mögliche Interventionen................................................................................................... 61 6.1 Umfassende Information .......................................................................................... 62 6.2 Förderung einer evidenzbasierten Geburtshilfe ........................................................ 63 6.3 Hebammen betreute Geburt ...................................................................................... 64 Analyse der Ergebnisse .................................................................................................... 66 Literaturverzeichnis .................................................................................................................. 67 Abbildungsverzeichnis / Tabellenverzeichnis .......................................................................... 75 Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................................ 76 Anhang ..................................................................................................................................... 77 2 1. Einleitung Der Anstieg der Kaiserschnittentbindungen ist in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren vor allem in den wirtschaftlich entwickelten Ländern eklatant gestiegen und führt weltweit zu hitzigen Kontroversen der Fachleute. Auch die Printmedien und das Fernsehen widmen sich diesem Thema in regelmäßigen Abständen, um die Öffentlichkeit zu informieren. Gegner wie Befürworter der steigenden Sectioraten versuchen mit diversen Argumenten ihre Thesen zu untermauern. Die eingebrachten Argumente beziehen sich meist auf medizinische Fakten, gesundheitspolitische Überlegungen, soziologische Auswirkungen und forensische Aspekte. In den teilweise sehr emotionell geführten Diskussionen werden Fakten einander gegenübergestellt, die auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sind und die man daher schwer miteinander vergleichen kann. Das zeigt, wie komplex dieses Thema eigentlich ist und wie sehr die Geburt, als Grundlage unserer Existenz, viele Menschen gleichermaßen berührt. Dieses Ereignis nur auf ein rein körperliches zu reduzieren oder mit monetären Einheiten zu bewerten scheint unzureichend, da es auch die gesellschaftspolitischen Wertvorstellungen unserer Zeit widerspiegelt. Um nun die Auswirkungen und die Bedeutung der steigenden Sectioraten auf das österreichische Gesundheitswesen wirklich erfassen zu können, muss man sich zwangsläufig die Frage nach dem Warum stellen. Welche Gründe lassen sich hinter dem Ansteigen der Sectioraten vermuten? Wer oder Was ist dafür verantwortlich? Wer sich auf die Suche nach Antworten begibt, wird relativ schnell die Vermutung hegen, dass womöglich die Leistungserbringer, sprich die Geburtshelfer, selbst es sind, die diesen Geburtsmodus favorisieren und damit die Nachfrage auf dem Gesundheitsmarkt steuern. Das von den Ärzten oftmals angeführte Argument der bestmöglichen Gesundheitsversorgung impliziert, dass diese bei geringeren Sectioraten nicht mehr gewährleistet sein würde, und scheint ebenso hinterfragenswürdig wie auch das Argument, dass es Teil des Selbstbestimmungsrechtes der Frauen sei, sich eine Sectio zu wünschen. Hier drängen sich bereits die nächsten Fragen auf. Welche Art der Geburt wünschen sich Frauen? Warum wünschen sich Frauen einen Kaiserschnitt, beziehungsweise eine Spontangeburt? Weiters ist interessant, ob sich anknüpfend an die vorangegangenen Fragestellungen mögliche Strategien ableiten lassen, die es ermöglichen die gängige Praxis zu ändern. 3 Ziel dieser Arbeit ist es daher die wichtigsten theoretischen Aspekte, die hinter dem Ansteigen der Sectioraten stehen, zu identifizieren und die Hypothese, dass es sich dabei um eine angebotsinduzierten Nachfrage handelt, zu verifizieren. Im Kapitel zwei wird auf die Forschungsfragen näher eingegangen und im Kapitel drei werden die theoretische Grundlagen dieser Arbeit beschrieben, aus denen sich der Methodenteil ableiten lässt. Um das Problem der steigenden Sectioraten aus Public Health Sicht zu analysieren, können verschiedene Methoden angewendet werden. Für die vorliegende Arbeit wurden die Evidence-based Medicine und die Epidemiologie als Werkzeuge verwendet. Der Methodenteil der Arbeit, die Kapitel vier und fünf beziehen sich daher vor allem auf die Beschreibung der Literaturrecherche in den verschiedenen Datenbanken der evidenzbasierten Medizin, auf die Analyse der vorliegenden Literatur und die Erhebung epidemiologischer und statistischer Daten. In diesem Zusammenhang war es sinnvoll, auf die vorhandene wissenschaftliche Forschung zurückgreifen zu können, da bereits Übersichtsarbeiten zum Thema steigende Sectioraten existieren, die es einem erlauben, relativ schnell zu einer Analyse der harten Fakten zu kommen. Darüber hinaus soll die Literatursuche auch mögliche Strategien des Public Health aufzeigen, in die auch weiche Themen wie soziologische und ethische Aspekte miteinbezogen werden. Das Kapitel sechs zeigt bereits existierende Alternativen in der Versorgung Schwangerer und gebärender Frauen auf, die auf evidenzbasierten Daten beruhen, und gibt abschließend einen Hinweis, wie möglicherweise die Planung von Strategien zur Gegensteuerung des Phänomens der steigenden Kaiserschnittraten aussehen könnte. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse der Literaturrecherche schließlich analysiert und in einer Zusammenfassung präsentiert. 4 2. Forschungsfragen Der Kaiserschnitt galt lange Zeit als eine Art Notoperation in der Geburthilfe, wenn das Kind nicht auf normalem Wege geboren werden konnte. Er wurde zunächst nur an der toten Frau ausgeführt, um das Kind zu retten. Bis in das 19. Jahrhundert führten die Eingriffe nicht zum gewünschten Erfolg. Die Sterblichkeit der Kinder und Mütter im 18. und 19. Jahrhundert lag bei 79-100%. Erst mit der Erfindung einer neuen Operationstechnik im Jahr 1876 schien es eine Chance für Frauen zu geben, diesen Eingriff zu überleben. Durch das Aufkommen von Anti- und Aseptik, Entwicklung der Anästhesie und der Einführung von Antibiotika wurde der Kaiserschnitt erst im 20. Jahrhundert zu einem relativ gefahrlosen Eingriff.1 So konnten durch den medizinischen Fortschritt nach und nach die mütterlichen Mortalitäts- und Morbiditätsraten erheblich gesenkt werden.2 Grundsätzlich ist die Geburt keine Krankheit, wenngleich sie mit einem gewissen Risiko behaftet ist. Einige der Risikofaktoren für Schwangerschaft und Geburt wie schlechter Ernährungszustand, Armut und unzureichende medizinische Versorgung haben sich in den letzten 50 Jahren erheblich gebessert, nichts desto trotz stiegen in den letzten 20 Jahren die Sectioraten besonders in den westlichen Industrienationen kontinuierlich an. Die Sectiorate variierte im Jahr 1999 international von <10% (in den Niederlanden) zu ca. 12% (in den skandinavischen Ländern), zu 18 - 19 % (Deutschland), zu 24% (USA), bis zu 60 - 80% in der Mittel- und Oberschichtenklientel mancher Großstädte Brasiliens.3 Die Raten in Österreich lagen 1997 bei 14%, 2000 bei 17,2%, 2002 bei 20,6%, 2003 bei 22,1% und im Jahr 2004 bei 23,6%.4 Diese Steigerungsraten erlauben den Rückschluss, dass es sich hier nicht nur um rein medizinisch indizierte Sectiones handeln kann, sondern dass der Kaiserschnitt auf Wunsch immer mehr Verbreitung findet. Allerdings kann man nicht daraus ableiten, ob es eher der Wunsch der Frauen oder der Wunsch der Ärzte ist, der zum Kaiserschnitt führt. Auch weiß man nur auf Grund der Inzidenz nicht, welche Faktoren (Kultur, Struktur, und Ökonomie des Gesundheitswesens) hier eine Rolle spielen. 1 Schmidt, S. & Vackiner, A. (1999) Künstliche Hilfe: Instrumente und Operationen. Hebammenkunst gestern und heute, S 54-56 2 Husslein, P. & Langner, M (2000) Elektive Sectio versus vaginale Geburt. Der Gynäkologe, 33 (12), S 849-856 3 Schücking, B. (1999) Vortrag: Kaiserschnitt auf Wunsch, am 20.7.1999 in Bregenz 4 OECD Health Data 2004, Statistik Austria 2005 5 Deshalb ist aus der Sicht des Public Health zu erforschen, welche Faktoren hinter dem Ansteigen der Sectioraten stehen. Die erste Forschungsfrage lautet also: 1. Warum steigen die Sectioraten? und weiters: 2. Wer oder Was ist dafür verantwortlich? In der vorliegenden Arbeit wird die Hypothese aufgestellt, dass die Ärzte für das Ansteigen der Kaiserschnitte verantwortlich sind und es sich dabei um eine angebotsinduzierte Nachfrage handelt. Um evidente Ergebnisse zu erhalten, ist es jedoch vorerst notwendig herauszufinden, wie hoch die Sectioraten tatsächlich sind. Das führt bereits zu den nächsten Fragen: 3. Wie hoch sind die Kaiserschnittraten international? 4. Wie hoch sind sie im Vergleich dazu in Österreich? 5. Haben die Sectioraten Auswirkungen auf die kindliche und mütterliche Morbidität und Mortalität? 6. Wie wirken sich die steigenden Sectioraten auf die Gesundheitsökonomie aus? Weiters ist interessant, wie die verschiedenen Gesundheitssysteme im Hinblick auf die Sectioraten reagieren. Damit öffnen sich bereits neue Fragen: 7. Gibt es eine ideale Sectiorate? 8. Gibt es so etwas wie „Best Practice“ auf dem Gebiet der Geburtshilfe? 9. Was sind die medizinischen Hintergründe dafür? 10. Was sind die juristischen Hintergründe dafür? 11. Welche Determinanten bestimmen das Steigen der Kaiserschnittraten? 12. Was sagt die evidenzbasierte Literatur dazu? Aus gesellschaftspolitischer Sicht ist der Wunsch nach dem Kaiserschnitt ebenso zu beleuchten. Vor allem in den Medien wird dieses Thema häufig diskutiert und in Zeitungsartikeln wird von den Wunschsectiones prominenter Frauen berichtet. Ist es ein neuer Modetrend, der die Einstellung zur Geburt in der Gesellschaft geändert hat? Die für diese Arbeit wichtigen Fragen lauten daher: 13. Wünschen sich Frauen einen Kaiserschnitt? 14. Können sich Frauen auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes einen Kaiserschnitt wünschen? 15. Ist es ethisch vertretbar, diesem Wunsch zu entsprechen? und: 16. Wie wirken sich die hohen Sectioraten aus soziologischer Sicht auf Kinder aus? Ausgehend von der Hypothese der angebotsinduzierten Nachfrage stellten sich natürlich auch die Fragen: 17. Wie wirkt sich diese auf das österreichische Gesundheitswesen aus? 18. Ist es möglich die Sectioraten wieder zu senken? und wenn ja: 19. Welche Maßnahmen oder Interventionen werden dazu benötigt? 6 Im nächsten Kapitel werden verschiedene Teilbereiche des Public Health eingehend betrachtet, und diese stellen auch die theoretischen Grundlagen dieser Forschungsarbeit dar. Die Fragestellungen eingebettet in die Grundlagen des Public Health führen sodann zu weiteren Forschungsfragen und im Methodenteil zur Beantwortung der Fragen. 7 3. Public Health Die Gesundheitsforschung teilt sich in drei Bereiche auf: die biomedizinische Forschung (subindividuell), die klinische Forschung (individuell) und die Public-Health Forschung (Bevölkerung, Teilgruppen und Systeme). Public-Health Forschung integriert verschiedene wissenschaftliche Disziplinen und ist charakterisiert durch ihren multidisziplinären Zugang. Forschungsgebiete sind vor allem: o Epidemiologie: analysiert die Determinanten der Morbidität und misst den Einfluss medizinischer und sozialer Interventionen o Sozialwissenschaften, Demographie, Umweltmedizin, und Genetik: liefern komplementäre Einsichten in Determinanten von Gesundheit und Krankheit o Politikwissenschaften: liefern Analysen der politischen Perzeptionen und Reaktionen auf Gesundheits- und Krankheitsprozesse o Sozialmedizin und klinische Epidemiologie: führt in krankheitsbezogene Perspektiven ein o Versorgungsforschung (Pflegewissenschaften, Sozialpharmakologie): beschäftigt sich mit versorgungsbezogenen Systemen und Strukturen o Gesundheitsökonomie: analysiert Fragen der Ausgaben und Finanzierung der Gesundheitssysteme, sowie die Kosten und die Effekte der einzelnen Gesundheitsmaßnahmen o Managementwissenschaften, Qualitätsforschung liefern zu Fragen der Evaluation und Qualitätsbewertung wichtige Informationen o Gesundheitssystemforschung: versucht eine Zusammenschau aller Elemente5 Die beiden wichtigsten Fragen der Public-Health Wissenschaften beziehen sich darauf, wie weitere Verbesserungen im Gesundheitsbereich zu erreichen sind und wie sich eine verbesserte Effizienz im Gebrauch der gesundheitlichen Ressourcen einschließlich der Reduzierung der Kosten erreichen lässt. Die strategischen Konzepte der Gesundheitsförderung und der Krankheitsprävention spielen bei der Beantwortung der Fragen 5 Schwartz, F. W. (2003) Public Health- Zugang zu Gesundheit und Krankheit der Bevölkerung, Analysen für effektive und effiziente Lösungsansätze. In: Schwartz, F.W., Badura, B., Busse, R., Leidl, R., Raspe, H., Siegrist, J., & Walter, U. (Hrsg.) Public Health. Gesundheit und Gesundheitswesen. München: Urban & Fischer. S 5 8 eine wichtige Rolle. Nach den beiden großen Schwerpunkten des Public-Health, Bekämpfung von Infektionskrankheiten und Bekämpfung von Risikofaktoren durch individuelle Verhaltensänderungen, steht als strategischer Ansatz an dritter Stelle das Verständnis von Gesundheit als eine Ressource für erhöhte Lebensqualität. Gesundheitsförderung definiert sich durch die Stärkung von persönlicher und sozialer Gesundheitskompetenz verbunden mit einer systematischen Politik, um eine Verbesserung von Gesundheitsdeterminanten zu erreichen. Schlüsselpunkte liegen im „Empowerment“ über die eigene Gesundheit und in der Einbindung von Gesundheit als Ziel von Politikbereichen.6 Die Handlungsprinzipien der Gesundheitsförderung richten sich danach aus, Gesundheit in all ihren Dimensionen zu verstehen. Das beinhaltet auch die Stärkung von Ressourcen und Potentialen wie es das salutogenetische Konzept aufzeigt. 3.1 Statistik und Epidemiologie Die Epidemiologie liefert relevante Informationen die eine bevölkerungsbezogene Sichtweise erlauben, und sie ermöglicht zugleich die Interpretation der erhaltenen Daten. Ein Teil dieser Wissenschaft widmet sich der Überwachung der Morbidität und Mortalität der Bevölkerung mit Hilfe der routinemäßigen Erhebung von entsprechenden Statistiken.7 Am Ende einer Untersuchung wird in der Regel ein möglichst eindeutiger statistischer Schluss angestrebt, und um den Untersuchungsgang zu beschleunigen wird geprüft ob bereits Datensammlungen vorhanden sind, die eine Auswertung im Hinblick auf eine interessante Fragestellung erlauben.8 Geht es um Fragestellungen, die komplexere Abläufe des Gesundheitswesens betreffen, so spricht man von Gesundheitssystemforschung (Health Sevices Research). Aus ökonomischer Sicht ist es interessant Vergleiche bezüglich Bettendichte, Belagsdauer und Ärztedichte anzustellen und diese dann den Gesundheitsausgaben der betreffenden Länder gegenüberzustellen. Ein weiteres Bespiel aus dem „Health Services Research“ bilden 6 Kickbusch, I. (2003) Gesundheitsförderung. In: Schwartz, F.W., Badura, B., Busse, R., Leidl, R., Raspe, H., Siegrist, J., & Walter, U. (Hrsg.) Public Health. Gesundheit und Gesundheitswesen. München: Urban & Fischer. S 182 7 Paccaud, F. & Bisig, B. (1999) Diagnostik im Gesundheitswesen. In: Gutzwiller, F. & Jeanneret, O. (Hrsg.) Sozial- und Präventivmedizin, Public Health. Bern: Hans Huber. S 275 8 Rienhoff, O. & Kleinoeder, T. (2003) Daten sammeln und auswerten. In: Schwartz, F. W. (2003) Das Public Health Buch. Gesundheit und Gesundheitswesen. München: Urban & Fischer. S 387 9 Vergleichsstudien der medizinischen Praxis. So wurde aufgezeigt, dass zwischen sonst vergleichbaren Ländern beträchtliche Unterschiede in den berechneten Kaiserschnittraten bestehen, obwohl die Komplikationsraten vergleichbar waren.9 Um nun die Bedeutung und Auswirkungen der steigenden Sectioraten auf das österreichische Gesundheitssystem zu verstehen, zeigte sich die Notwendigkeit internationale Daten zu erheben, um einem Vergleich mit anderen Gesundheitssystemen herstellen zu können. Die Statistik und die Epidemiologie stellen somit ein Instrumentarium von Methoden zur Verfügung, die es erlauben, Verteilung und Determinanten der Kaiserschnittraten zu untersuchen. 3.2 Evidenced based Medicine In vielen Ländern ist der Begriff EbM ein Begriff für eine wissenschaftlich begründete und rationale Medizin. Evidence-based Medicin bedeutet in der Übersetzung „auf Beweisen beruhende Medizin “ und diese ist untrennbar mit Literatur, Statistik, Daten und Zusammenführung von Information verbunden. Die am häufigsten anzutreffende Definition von EbM (Greenhalgh, 2003, zitiert nach Sackett, 1996) ist: „Evidenzbasierte Medizin ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für die Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der EbM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der besten externen Evidenz aus systematischer Forschung.“10 11 Der Grund für die Entwicklung der EbM liegt darin, dass es heute für einen Arzt nicht mehr möglich ist, alle Artikel zu lesen, um auf dem neuesten Stand der Forschung und Wissenschaft zu sein, um dann seine Patienten in Übereinstimmung mit dem derzeitigen Kenntnisstand behandeln zu können. EbM ist daher ein Informations- und Wissensmanagement der medizinischen Literatur, das eine kritische Betrachtung ermöglicht und Hilfestellung bei der Anwendung in einem konkreten medizinischen Fall gibt. 9 Abelin, T., Junker, C. & Pereger, T. (1999) Epidemiologie und Gesundheitsstatistik. In: Gutzwiller, F. & Jeanneret, O. (Hrsg.) Sozial- und Präventivmedizin, Public Health. Bern: Hans Huber. S 103 10 Greenhalgh, T. (2003) Einführung in die Evidence-based Medicine. Kritische Beurteilung klinischer Studien als Basis einer rationalen Medizin (2. vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Hans Huber. S 23 11 Sackett, D., Rosenberg, W. & Gray, J. (1996) Evidence based medicine: what it is and what it isn’t. British Medical Journal, 312, S 71-72 10 Evidenzbasierte Medizin bedeutet daher mehr als lediglich Fachliteratur zu lesen sondern sie dient: o der Übersetzung des Informationsbedarfs in beantwortbare Fragen o der Identifizierung der besten Belege, um die Fragen zu beantworten, die sich aus der veröffentlichten Literatur ergeben o der kritischen Bewertung dieser Belege o der Umsetzung dieser Ergebnisse in die klinische Praxis12 In Bezug zu den Fragestellungen der vorliegenden Arbeit zeigt sich die EbM als ideale Methode, da sie einen Zugang zu primärer Forschung und systematischen Reviews ermöglicht und bereits vorhandene Forschungsergebnisse über medizinische Datenbanken abrufbar sind. Health Technology Assessment Als eine der Strömungen innerhalb der evidenzbasierten Entscheidungsunterstützung wie die der EbM und die systematische Entwicklung von klinischen Leitlinien, ist auch die medizinische Technologiebewertung (Health Technology Assessment, HTA) zu sehen. Es ist dies eine Form der Politikfeldanalyse, die die kurz- und langfristigen Konsequenzen einer medizinischen Technologie untersucht und bewertet. Das Ziel von HTA ist die Unterstützung von Entscheidungsträgern aus Politik und Praxis hinsichtlich der Entscheidungsfindung für Fragen im Gesundheitswesen und die Grundlagen dafür liegen in der Ausrichtung, sowie dem multidisziplinären und dem umfassenden Ansatz von HTA. Vor allem der finanzielle Druck auf alle Gesundheitswesen der industrialisierten Länder hat dazu geführt, den technologischen und kostentreibenden Fortschritt der Medizin mit Hilfe einer Technologiebewertung auf seine Wirksamkeit hin überprüfen und wenn möglich steuern zu können. Die Bedeutung liegt in der systematischen Darstellung der Effekte von Technologien auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung sowie seiner unerwünschten Nebeneffekte. Außerdem werden die ökonomischen Effekte dieser Technologien analysiert und bewertet, inklusive einer vergleichenden 12 Greenhalgh, T. (2003) Einführung in die Evidence-based Medicine. Kritische Beurteilung klinischer Studien als Basis einer rationalen Medizin (2. vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Hans Huber. S 25 11 Effizienz.13 In Österreich widmet sich das Institut für Technologiefolgen Abschätzung / Bereich Health Technology dieser Thematik. Dieses hat zum Bereich Geburtsmedizin eine HTA Übersichtsarbeit erstellt, deren Ergebnisse ebenfalls in diese Arbeit eingeflossen sind.14 3.3 Gesundheitsökonomische Überlegungen Wie Kritiker behaupten, sprechen neben dem fehlenden Nachweis einer wissenschaftlichen Evidenz und eines medizinischen Benefits15 auch die für das Gesundheitswesen entstehenden Mehrkosten gegen eine Befürwortung der elektiven Sectio. Die österreichische Gesundheitsreform ist in aller Munde und den Bürgern ist inzwischen hinlänglich bewusst geworden, dass auch im Gesundheitsbereich gespart werden muss. Da es sich aber bei der Gesundheit um ein zentrales Gut unseres Lebens handelt, lässt es sich nicht in Geld aufwiegen.16 Jeder möchte ein Maximum an Gesundheitsversorgung für sich sicherstellen, ohne sich aber über die ökonomischen Folgen, die diese Haltung auf unser Gesundheitssystem hat, im Klaren zu sein. Da die kontinuierlich steigenden Kaiserschnittraten auch auf das österreichische Gesundheitssystem ökonomische Auswirkungen haben, scheint es sinnvoll zu sein, in diesem Zusammenhang Überlegungen hinsichtlich der Besonderheiten von Gesundheitsgütern, deren Allokation und der angebotsinduzierten Haltung von Anbieten anzustellen. Die Ausgaben und die Kosten steigen in allen funktionierenden Gesundheitssystemen rasant an und die Frage, nach dem Kosten-Nutzenverhältnis medizinischer Interventionen wird zunehmend wichtiger. 3.3.1 Besonderheiten von Gesundheitsgütern. Der Gesundheitsmarkt ist nicht mit anderen Märkten zu vergleichen. Das marktwirtschaftliche Lenkungsprinzip von Angebot und Nachfrage weicht auf dem Gesundheitsmarkt, vor allem in Bezug auf medizinische Leistungen, erheblich davon ab und wird im Allgemeinen damit 13 Perleth, M. (2003) Health Technology Assessment. In: Schwartz, F.W., Badura, B., Busse, R., Leidl, R., Raspe, H., Siegrist, J., & Walter, U. (Hrsg.) Public Health. Gesundheit und Gesundheitswesen. München: Urban & Fischer. S 745-747 14 Jonas, S. (2002) Geburt umfassend betrachtet. Ansätze für ein Health Technology Assessment. Zeitschrift für Ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung, 96 (10), S 689-693 15 Schücking, B. (2001) Vortrag: Kaiserschnitt auf Wunsch, am 20.7.1999 in Bregenz 16 Breyer, F., Zweifel, P. & Kifmann, M. (2005) Gesundheitsökonomik. Berlin: Springer Verlag. S 173 12 begründet, dass Gesundheitsgüter mit anderen Gütern nicht zu vergleichen sind. Das Abweichen vom marktwirtschaftlichen System führt zu einem Marktversagen, weshalb das Gleichgewicht auf nicht regulierten Märkten (Märkte für Gesundheitsgüter sind meist staatlich reglementiert) keiner Pareto-optimalen17 Verteilung entspricht.18 Man spricht bei dem Gesundheitsgütermarkt auch von einem unvollständigen Markt. Ein besonderes Kennzeichen des unvollständigen Marktes ist die unvollkommene und/oder asymmetrische Information und bezeichnet die unvollkommene Qualitäts- und Preisunkenntnis der Nachfrager.19 Die Qualitätsunkenntnis der Nachfrager (Patienten) besteht aufgrund der zeitgleichen Konsum- und Produktionsaktivität und der immateriellen Natur der Dienstleistung. Der Patient hat wenig Möglichkeit, die medizinische Leistung zu überprüfen oder hinsichtlich der Qualität zu beurteilen, er muss dem Arzt vertrauen. Daher liegt der Informationsvorsprung eindeutig beim Anbieter, der dadurch ein gewisses Maß an Macht über den Nachfrager erhält.20 Gesundheit als Gut steht aber im gleichen Konflikt um knappe Ressourcen wie alle sonstigen Güter (Allokationsproblem). Ressourcenverschwendungen Durch kommen, fahrlässiges da die Marktverhalten Anbieter aufgrund kann von es zu fehlenden Marktmechanismen keine Veranlassung sehen, effizient zu handeln und die Nachfrager die Entscheidung eine medizinische Leistung nachzufragen nicht souverän entscheiden können (z.B. die Nachfrage nach einer lebensrettenden Operation) und auch nicht unmittelbar mit den daraus resultierenden finanziellen Konsequenzen konfrontiert sind. Eine unwirtschaftliche medizinische Leistungserbringung hilft allerdings weder den Patienten noch den Leistungserbringern. Im Gegenteil, wenn sich die gesundheitsökonomische Perspektive des Einzelnen und die der Gesellschaft bei der Bewertung der gleichen Leistung nicht decken, treten Konflikte auf.21 Die kostenträchtige Versorgung eines einzelnen Patienten mit wenig wahrscheinlichem Nutzen ist zugunsten einer gleich teuren Versorgung vieler mit 17 Pareto-Optimum: es gibt keine Möglichkeit eine Person besser zu stellen ohne irgendeine andere zu benachteiligen, der Nutzen aller ist maximal 18 Breyer, F., Zweifel, P. & Kifmann, M. (2005) Gesundheitsökonomik. Berlin: Springer. S 174 19 vgl. ebenda, S 181 20 vgl. ebenda, S 182 21 Lauterbach, K.W. (2001) Utilitarismus und Kant. In: Lauterbach K.W. & Schrappe, M. (Hrsg) Gesundheitsökonomie, Qualitätsmanagement und Evidenced – based Medicine. Stuttgard: Schattauer GmbH. S4 13 wahrscheinlichem Nutzen zurückzustellen,22 wenn man Konflikte vermeiden möchte. Dies gilt im Besonderen für die elektive Sectio, da hier in der Regel gesunde Frauen mittels kostspieliger Interventionen versorgt werden und die vorhandenen Ressourcen woanders besser genützt werden könnten. 3.3.2 Angebotsinduzierte Nachfrage Einerseits wird aufgrund der kollektiven Finanzierung der Nachfrager (Patient) nicht mit den Kosten seiner Behandlung konfrontiert, andererseits entsteht dadurch für den Anbieter eine verführerische Behandlungsfreiheit, da er den direkten Konsumenten nicht mit den entstandenen Kosten konfrontieren muss. Fehlende Konsumentensouveränität und fehlende oder ungenügende Information führen zu einer dominierenden Stellung der Angebotsseite. Der Arzt fungiert hier in einer Doppelrolle. Einerseits legt er als entscheidender Berater dem Patienten nahe, welche Nachfrageentscheidung getroffen werden soll, andererseits liefert er zugleich das entsprechende Angebot.23 Der Arzt als Anbieter medizinischer Leistungen steuert daher seine eigene Nachfrage.24 Vor allem im niedergelassenen Bereich zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Ärztedichte und Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen.25 Am Beispiel der so genannten Schönheitsoperationen zeigt sich die steigende Nachfrage solcher Leistungen aufgrund des ebenso steigenden Angebotes. Diese meist nicht medizinisch indizierten Operationen werden zunehmend auf dem Gesundheitsmarkt angeboten. Doch hier wird im Unterschied zur elektiven Sectio die Leistung vom Konsumenten „out of the pocket“ bezahlt und nicht dem Gesundheitswesen angelastet. Der im Krankenhaus tätige Arzt hat kaum den Anreiz, die Vergütung seiner Leistungen zu steigern, da er in einem anderen Honorierungssystem steht und nicht nach Anzahl der von ihm erbrachten Leistungen bezahlt wird. Zusätzliche Honorare kann er nur über Privatpatienten lukrieren. Es müssen daher 22 Woopen, Ch. (2001) Medizinisches Handeln als Gegenstand von Ethik. In: Lauterbach K.W. & Schrappe, M. (Hrsg) Gesundheitsökonomie, Qualitätsmanagement und Evidenced–based Medicine. Stuttgard: Schattauer GmbH. S 23 23 24 Breyer, F., Zweifel, P. & Kifmann, M. (2005) Gesundheitsökonomik. Berlin: Springer Verlag. S 331 Schröck, T. (2003) Gesundheitsökonomie. Skriptum an der Donau- Universität Krems anlässlich des 9. Postgradualen Lehrganges für Gesundheitsmanagement, S 43 25 Breyer, F., Zweifel, P. & Kifmann, M. (2005) Gesundheitsökonomik. Berlin: Springer Verlag. S 332 14 andere Gründe als angebotsinduzierend angesehen werden, da sich die Steigerung der Sectiofrequenz nicht unmittelbar auf das Einkommen des Spitalsarztes auswirkt. Interessant ist nun, ob die Nachfrage nach dem Kaiserschnitt durch das Verhalten von Geburtshelfern induziert wird, oder von den Wünschen der Frauen bestimmt ist, die diese Leistung praktisch zum Preis von Null konsumieren. In Österreich besteht der Versicherungsfall der Mutterschaft unabhängig von den erbrachten Leistungen und wird in der Regel dem Sozialversicherungssystem angelastet.26 3.3.3 Ausgabenexplosion im Gesundheitswesen Das österreichische Gesundheitsversorgungssystem ist ein Sozialversicherungssystem in dem die Gesundheitsausgaben durch einkommensabhängige Beiträge und Budgetzuschüsse finanziert werden und gilt als eines der besten der Welt. Der Anteil der Ausgaben für das Gesundheitswesen steigt in Österreich wie in den anderen industrialisierten Ländern rapide an. Gründe dafür sind die demographische Entwicklung, wie die gestiegene Lebenserwartung und die daraus resultierende erhöhte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, der technische Fortschritt in der Medizin, die Dichte des ärztlichen Versorgungsnetzes und das Anspruchsdenken der Patienten.27 Das Gesundheitsbudget kann aber auch bei einer sehr hohen Bewertung des Gutes Gesundheit nicht beliebig erhöht werden, ohne dass andere Aufgaben des Staates beeinträchtigt werden. Die Kosten im Gesundheitswesen wachsen schneller als die Gesamtwirtschaft,28 so stiegen von 1997 bis 2000 die Gesundheitsausgaben in Österreich um 13,6% an.29 Durch die Berichterstattung in den Medien gestärkt, entsteht der Glaube, für das hohe Gut der Gesundheit dürften keine Kosten gescheut werden und dass jeder darauf vertrauen kann, die bestmögliche Versorgung zu erhalten. Kostensteigernd wirken sicher auch medizinische Untersuchungen und Interventionen, die aus Gründen der forensischen Absicherung gemacht werden, da die Ärzte bestrebt sind, neben den medizinischen Risiken auch Haftungsrisiken zu minimieren. Doch fachlich kompetentes Handeln sollte nicht aus einem falsch verstandenen 26 Allmer, G. (2002) Einführung in das Sozialversicherungsrecht. Skriptum an der Donau- Universität Krems anlässlich des 9. Postgradualen Lehrganges für Gesundheitsmanagement, S 31 27 Schröck, T. (2003) Gesundheitsökonomie, S 57 28 Hofmarcher, M.M. & Riedel, M. (2001) Gesundheitsausgaben in der EU, S 2-3 29 Schröck, T. (2003) Gesundheitsökonomie, S 53 15 Sicherheitsbedürfnis zu einer grotesken Überversorgung führen. Dies gilt besonders für Maßnahmen, die in der modernen Geburtsmedizin gesetzt werden.30 Eine Evaluation dieser Maßnahmen hinsichtlich ihres Kosten-Nutzenverhältnisses und ihrer medizinischen Effektivität kann helfen, die bereitgestellten Mittel optimal aufzuteilen und unwirtschaftliche und/oder unwirksame Maßnahmen zu erkennen. Das bedeutet hinsichtlich der steigenden Sectioraten in Österreich, dass es im Sinne eines Public Health Managements angebracht scheint, die Prozesse und Ergebnisse dieser Intervention zu evaluieren. 3.4 Gesundheitsförderung Das salutogenetische Konzept wurde von dem Medizinsoziologen Aaron Antonowsky entwickelt und beschäftigt sich mit den Fragen: Was erhält uns gesund? Was fördert unsere Gesundheit? Der Fokus dieses Konzeptes liegt auf der Gesundheitsförderung und nicht auf der Pathogenese, denn nach Antonowsky´s Meinung stellt Gesundheit nicht den Zustand der Abwesenheit von Krankheit dar, sondern Gesundheit und Krankheit sind die einander gegenüberliegenden Enden eines Kontinuums.31 Somit hat jeder Mensch sowohl gesunde wie auch kranke Anteile und die Frage ist nicht, ob jemand gesund oder krank ist, sondern wie weit entfernt oder wie nahe er von den Eckpunkten Gesundheit und Krankheit jeweils ist. Antonowsky´s Forschungen zur Gesundheitsentstehung zeigten die Wichtigkeit einer Grundhaltung, die der Mensch braucht, um vorhandene Ressourcen zum Erhalt seines Wohlbefindens nutzen zu können. Diese Grundhaltung wird als Kohärenzgefühl bezeichnet und ist eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, indem jemand ein Gefühl des Vertrauens hat und zwar erstens, dass die Anforderungen der Erfahrenswelt strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind. Zweitens, dass die Ressourcen verfügbar sind, um den Anforderungen gerecht zu werden, und drittens, dass diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Investition und Engagement verdienen.32 Das Kohärenzgefühl der schwangeren Frau ist scheinbar wesentlich daran beteilt, wie die Geburt verläuft. Da Schwangerschaft und Geburt an sich keine Krankheit darstellen, sollte die Medizin und auch die Gesellschaft ihren Fokus wieder mehr auf die Gesundheitspotentiale der Schwangeren und Gebärenden, als auf 30 Jonas, S. (2002) Childbirth: a comprehensive perspective. Approaches in health technology assessment. Zeitung für ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung, 96 (10), S 689-693 31 Antonowsky, A. (1997) Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: dgvt-Verlag. S 23 32 vgl. ebenda, S 36 16 die Risiken der Geburt lenken. Die Forschungsfrage die sich hier ergibt: 20. Kann eine gezielte Gesundheitsförderung die Sectioraten senken? 3.5 Ethik Die Ethik beschäftigt sich mit der Erforschung der Verhaltensnormen, der Analyse der Werte und den Überlegungen über die Grundlagen von Werten, und darüber hinaus mit der Frage der Verwirklichung der Werte in konkreten Situationen.33 Der Bereich des Public-Health und die Prävention befassen sich in Ergänzung mit der Individualmedizin, mit der gesellschaftlichen Ebene von Gesundheit und Krankheit, weshalb die biomedizinische Ethik im Rahmen des Public-Health als Makro-Ethik bezeichnet wird. Die Makro-Ethik beschäftigt sich mit dem Gleichgewicht der Rechte und mit den zu errichtenden sozialen und rechtlichen Strukturen, im Gegensatz zur Mikro-Ethik, die sich aus der klinischen Perspektive oder Forschung mit Individualfällen befasst. Eine breitere Betrachtungsweise der Ethik des ganzen Gesundheitsbereiches schließt daher alle ethischen Fragen im Bereich der Gesundheit, des Gesundheitswesens und des Wohlbefindens mit ein. Um den ethischen Erfordernissen der medizinischen Praxis und des Umgangs mit dem Patienten zu entsprechen, wurden einige ethische Grundprinzipien formuliert.34 o Die Respektierung der Autonomie und das Recht auf Selbstbestimmung: informierte Zustimmung zu jeder Intervention Pflicht zur Vertraulichkeit und Respekt der Privatsphäre o Das doppelte Kriterium, keinen Schaden anzurichten und Gutes zu bewirken: beinhaltet auch ökonomische Kriterien wie das Kosten-Nutzen und KostenWirksamkeitsverhältnis o Das Prinzip der Gerechtigkeit oder Chancengleichheit: das Interesse der Schwächsten und Unterpriviligierten ist zu berücksichtigen. Die moralische Gewichtung dieser Prinzipien sollte in Konfliktsituationen aufgrund der konkreten Situation von Fall zu Fall entschieden werden und kann daher nicht auf eine mechanische Anwendung eines Systems von Regeln reduziert werden. 33 Abelin, T. & Jeanneret, O. (1999) Ethik. In: Gutzwiller, F. & Jeanneret, O. (Hrsg.) Sozial- und Präventivmedizin, Public Health. Bern: Hans Huber. S 31 34 vgl. ebenda, S 32-33 17 Gerade die Frage, ob eine Wunschsectio von den Ärzten angeboten werden soll, oder ob auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Frau eine solche durchzuführen ist, sollte genau hinsichtlich ihrer ethischen Aspekte überprüft werden. In der evidenzbasierten Literatur werden diese Fragen zunehmend aufgegriffen und diskutiert. Besonders betont wird, dass eine wahrheitsgemäße und ausführliche Information der Frau auch über die kurz- und langfristigen Risken der elektiven Sectio und deren Morbidität erfolgen sollte, wenn sie einen solchen Wunsch hat. Auch der verantwortungsvolle Umgang der Ärzteschaft im Anbieten einer Wunschsectio unter einem ethischen Aspekt wird verlangt.35 3.6 Gesellschaftspolitische Überlegungen In der modernen Geburtsmedizin hat sich ein Wertewandel vollzogen der bereits gesellschaftspolitische Auswirkungen zeigt. Diskussionen über das Selbstbestimmungsrecht von Frauen, im Sinne einer selbstbestimmten Lebensentscheidung die Geburt betreffend zeigen, dass der Begriff „Selbstbestimmung“ von den diversen Diskussionspartnern unterschiedlich interpretiert wird. Die einen meinen, dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt sei zu entsprechen, da er auf dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen beruhe, die anderen wollen die klare wissenschaftlich untermauerte Indikation zur Sectio nicht auf dem Altar einer falsch verstandenen Patientennähe opfern.36 Aus frauenpolitischer Sicht ist außerdem kritisch zu hinterfragen, ob die fremdbestimmte Geburt, bei der der Arzt das Kind entbindet ohne Eingriffsmöglichkeit und eigenes Zutun der Frau, etwas mit Selbstbestimmung zu tun hat. Der österreichische Frauengesundheitsbericht 2005 des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen, fordert evidenzbasierte Indikationen angesichts der extrem gestiegenen Kaiserschnittraten in Österreich und eine Hinterfragung der erforderlichen Informationen, um herausfinden zu können, unter welchen Bedingungen Frauen eine autonome Entscheidung treffen können. Im Bericht wird außerdem die öffentliche Auseinandersetzung mit Fragen der Ethik in der Medizin als erforderlich angesehen, die hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Frauen womöglich neu bewertet werden müssen.37 35 McFarlin, B.L. (2004) Elektive caesarean birth: issues and ethics of an informed decision. Journal of Midwifery and Woman’s Health, 49 (5), S 421-429 36 Krause, M. (2002) Wer wünscht sich Was? Die Wunschsectio als Ausdruck mangelnder Kompetenz. http://www.geburtskanal.de/Wissen/W/WunschSectio.php 37 Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (2005) Österreichischer Frauengesundheitsbericht 2005. 18 Frauen von heute können oft ihre Schwangerschaft auf Grund der vielen medizintechnologischen Angebote nicht mehr genießen, sondern sie werden entmächtigt, denn sie fühlen sich an die medizinische Expertenmeinung "ausgeliefert". Schwangersein in dieser Gesellschaft bedeutet, stärker aktiv Verantwortung übernehmen zu müssen, da mehr Entscheidungen, die in Richtung medizinischer Abklärung oder in Richtung Verweigerung der medizinischen Expertise, getroffen werden müssen und zwar mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Die Geburt ist im technologischen Zeitalter vielen Veränderungen unterworfen worden. Sie ist sicherer geworden, das aber hat seinen Preis. Wie können Frauen "ihre" Geburt gestalten, wie sehr sind sie in ein medizinisches System eingebunden, dem sie sich unter Umständen ausgeliefert fühlen?38 Die normale Schwangerschaft ist zur Ausnahme und die Risikoschwangerschaft zur Regel geworden. Eine Studie aus Deutschland bestätigt, dass drei von vier Schwangeren als „risikoschwanger“ definiert werden.39 Eine vorwiegend technologisch orientierte Geburtsmedizin wird praktiziert und von den Beteiligten als völlig „normal“ erlebt. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, aus diesem Hintergrund heraus zu verstehen, warum viele Frauen versuchen „ihr Geburtsrisiko“ zu minimieren, auch wenn es sich nur ein vermeintliches Risiko handelt. Jede Frau wünscht sich ein gesundes Kind und hofft unbeschadet die Geburt zu überstehen. Die Aufklärung des Arztes, der verpflichtet ist, sie über jedes Risiko zu informieren, verunsichert zusätzlich und Zweifel hinsichtlich ihrer Fähigkeit normal zu gebären werden verstärkt. Hier zeichnet sich ein Schritt in Richtung Pathologisierung der weiblichen Körperfunktionen ab und anstatt das Augenmerk auf die ureigensten Fähigkeiten und Kompetenzen der Frau zu lenken, liegt der Fokus auf den Komplikationen, die entstehen können, und die für die Frau nicht abschätzbar sind. Große, unüberwindbare Angst vor der vaginalen Geburt, vor Kontrollverlust aufgrund heftiger Schmerzen, und das Gefühl, eine Geburt nicht durchstehen zu können, können ebenfalls dazu führen, die Entbindung vollends in ärztliche Hände legen zu wollen, auch wenn dies mit Defiziten an Erleben einhergeht.40 Es ist zu befürchten, dass im Interesse der Operateure http://www.bmgf.gv.at/cms/site/attachments/6/3/4/CH0119/CMS1112780647743/presseinfo_puchinger.pdf. 38 Maier, B. (2005) Frauen und „ihre Kinder“ im biotechnologischen Zeitalter. http://www.gruebi- tirol.at/dokumentationen/frauen.html 39 40 Schwarz, C.& Schücking, B. (2004) Adieu, normale Geburt? Dr. med. Mabuse, 148, S 22-25 Maier, B. (2005) Frauen und „ihre Kinder“ im biotechnologischen Zeitalter. http://www.gruebi- tirol.at/dokumentationen/frauen.html 19 Geburtsängste und schwangerschaftstypische Ambivalenzen einseitig instrumentalisiert werden. Kaiserschnittraten von über dreißig Prozent machen Enteignungsmomente heutigen Gebärens deutlich. Kann der Arzt, der den Kaiserschnitt durchführt, das Kind besser entbinden als die so entmächtigte schwangere Frau? Aus psychosomatischer Sicht stellt die Sectio eine Verhinderung des physiologischen Geburtserlebnisses dar und das Erleben der Geburt, das Sehen und das Spüren des Kindes fehlen. Das fehlende Geburtserlebnis wird häufig von Geburtshelfern bagatellisiert, aber Frauen nach Kaiserschnitt trauern oft um ihre verlorene Geburt und sind in ihrem Selbstwertgefühl getroffen. Anstatt also zu fragen: „Warum wünschen sich Frauen einen Kaiserschnitt„ sollte man besser fragen: „Welche psychosozialen Faktoren, welche Informationen und welche Rahmenbedingungen bestimmen die Entscheidung der Frau zur Sectio?“ und daraus ableitend: „Wünschen sich Frauen überhaupt einen Kaiserschnitt? 20 4. Literatursuche In Bezug auf die Fragestellungen der vorliegenden Arbeit und der daraus abgeleiteten Hypothese zeigt sich ein bereits seit einiger Zeit vorherrschender akademischer Diskurs. Es war daher nahe liegend, wissenschaftliche Literatur zu suchen, die sich mit diesem Thema bereits auseinandergesetzt hat, um mit deren Hilfe die Hypothese der angebotsinduzierten Nachfrage als Ursache für die steigenden Sectioraten zu überprüfen. Doch die Suche nach der passenden Literatur ist von einigen Schwierigkeiten begleitet. Zum einen ist eine unübersichtliche Menge an wissenschaftlicher Literatur zum Thema Sectio veröffentlicht worden und man ist vor das Problem gestellt, eine Auswahl bezüglich der verfügbaren Arbeiten treffen zu müssen. Zum anderen stellt sich die Frage, wie diese Literatur hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und Relevanz zu bewerten ist. Das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten bietet sich für die Literatursuche geradezu an. Datenbanken der evidenzbasierten Medizin ermöglichen einen schnellen Zugriff auf aktuelle wissenschaftliche Arbeiten und statistische und epidemiologische Daten. Für das Public Health Kapitel wurden sowohl Literatur in Buchform, als auch die Suche nach relevanten Informationen im Internet verwendet. 4.1 Evidenzhierarchie Um die Nachweiskraft verschiedener epidemiologischer Studien bewerten zu können, muss eine Rangreihung vorgenommen werden, anhand der die Evidenz beurteilt werden kann. Es gibt mehrere Schemata, nach denen die Evidenz klassifiziert werden kann, die in ihren Grundzügen der Reihung jedoch identisch sind. In der Hierarchie der Skalen stehen an oberster Stelle die Studien mit der höchsten Nachweiskraft, das sind Meta-Analysen von randomisierten kontrollierten Studien. Dann wird je nach Genauigkeit der Studien eine Bepunktung vorgenommen, wobei weniger fehleranfällige Studientypen höher gereiht werden, und Expertenmeinungen und beschreibende Studien an die unterste Stelle der Evidenzhierarchie gereiht werden. 21 Die klassische Evidenzhierarchie hat folgende Rangordnung: o systematische Reviews und Meta-Analysen o randomisierte kontrollierte Studien mit definitiven Ergebnissen o randomisierte kontrollierte Studien mit nicht-definitiven Ergebnissen o Kohortenstudien o Fall-Kantrollstudien o Querschnittstudien o Fallberichte41 4.2 Medizinische Datenbanken Es gibt eine Reihe von medizinischen Datenbanken, die für die Literatursuche geeignet sind. Die bekannteste von ihnen ist die riesige Medline-Datenbank. Diese wird von der USamerikanischen „National Library of Medicine“ gepflegt und führt mehr als 4000 Zeitschriften aus über 70 Nationen. Medline Informationen sind als gedruckte Version, als Online-Version und als CD-ROM erhältlich. Die Cochrane Library umfasst mehrere hundert systematische Reviews und hunderttausende bewerteter Abstracts ramdomisiert-kontrollierter Studien. Sie ist besonders geeignet zur Suche einer systematischen, qualitätsbewerteten Zusammenfassung sämtlicher wissenschaftlicher Ergebnisse zu einem bestimmten Themengebiet.42 Des Weiteren bietet das NHS Centre for Reviews and Dissemination Hilfestellung bei der evidenzbasierten Literatursuche im Bereich Health Technlogy Assessment (HTA) und ökonomische Evaluationen.43 Für die vorliegende Arbeit wurde überwiegend die Medline Datenbank zur Literatursuche genützt, die von unterschiedlichen Firmen betrieben wird, die aber dieselben Inhalte verwenden. Je nach Software unterscheiden sich die verschiedenen Versionen nur in Ihren Zugangsbefehlen. Zu den kommerziellen Anbietern gehören Ovid Technologies (OVID), Aries Systems Inc. (Knowledge Finder) sowie PubMed. 41 Greenhalgh, T. (2003) Einführung in die Evidence-based Medicine. Kritische Beurteilung klinischer Studien als Basis einer rationalen Medizin (2. vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Hans Huber. S 81 42 vgl. ebenda, S 40 43 vgl. ebenda, S 61 22 4.3 Suchstrategie Um mit der Recherche in den medizinischen Datenbanken beginnen zu können, sollten die Fragen so präzise wie möglich formuliert werden, besonders in Hinsicht auf: o die Patienten oder das Problem o das Vorgehen (Intervention) o gegebenenfalls eine Vergleichsintervention o den klinischen Endpunkt Um die entsprechenden Fragen über wissenschaftliche Beweisgrundlagen stellen zu können, und in systematischer Weise die Antworten auf diese Fragen zu suchen, ist es erforderlich die richtigen Fragen so zu formulieren, dass auch Antworten erfolgen können, die auf Grund ihrer kritischen Bewertung die Umsetzung der Ergebnisse in der Praxis ermöglichen. Die Suche in der Medline Datenbank erfolgte mittels Knowledge Finder. Diese Software arbeitet nach einem Prinzip, mit dem auch komplette Fragen bearbeitet werden können. Man findet Artikel entweder anhand der Begriffe, die in der Datenbank aufgelistet sind oder mit Hilfe eines Schlagwortkatalogs, eines Thesaurus medizinischer Titel und Schlagwörter, der auch als „Medical Subject Headings“ (MeSH) bekannt ist. In das freie Feld der obersten Zeile wird die Frage eingegeben und die auftauchenden Begriffe werden miteinander mittels Bool´scher Operatoren (AND, OR, NOT, usw.) miteinander verknüpft.44 In den anderen Feldern können Autoren, Erscheinungsdatum, Name des Fachjournals und die Sprache, in der die Publikation erschienen ist, durch Anklicken ausgewählt werden. Zusätzlich kann man den gewünschten Studientypus aussuchen, indem man „Add Terms“ anklickt und unter „Publication Type“ den in Frage kommenden Studientyp auswählt. Die Schwierigkeit bei dieser Art der Literatursuche besteht vor allem darin, die richtigen Begriffe zu wählen, zumal der größte Teil der Übersichtsarbeiten in englischer Sprache verfasst ist. Deshalb war es wichtig, zuerst Begriffe wie Kaiserschnitt, Geburt, Schwangerschaft, ärztliche Praxis, Haltung des Gesundheitspersonals, Geburtshelfer, Ethik 44 Greenhalgh, T. (2003) Einführung in die Evidence-based Medicine. Kritische Beurteilung klinischer Studien als Basis einer rationalen Medizin (2. vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Hans Huber. S 41 23 usw. in die englische Sprache zu übersetzen und dann eine Auswahl der wichtigsten Begriffe zu treffen.45 Für diese Arbeit wurden die Datenbanken vor allem nach passenden Meta-Analysen, randomisiert kontrollierten Studien und Reviews durchsucht. Zusätzlich zur MedlineDatenbank wurde in der Cochrane Library mit Hilfe der „Update Software“ nach systematischen Reviews gesucht. Im „Cochrane Pregnancy and Childbirth group trials register” findet man durch Eingabe von Suchbegriffen Abstracts systematischer Reviews, die die Schwangerschaft und die Geburt betreffen. Statistische und Epidemiologische Daten, die nicht in einer der erwähnten Datenbanken zu finden waren, wurden mit Hilfe der Internetsuchmaschine „Google“ gesucht. Insgesamt wurden 19 Reviews, drei randomisiert kontrollierte Studien, drei Meta-Analysen, drei kontrollierte klinische Studien, eine Evaluations-Studie, eine Multi-Center-Studie und acht Forschungsberichte zum Thema steigende Sectioraten gefunden, die in Bezug zu den oben genannten Fragestellungen relevant erschienen.46 Fünf der verwendeten Arbeiten wurden im Original gelesen, zwei davon in einer deutschen Übersetzung und von den übrigen enthielten die vorhandenen Abstracts die notwendigen Informationen. Die Forschungsarbeiten wurden anhand der Forschungsfragen gesichtet und den Kapiteln „WHO Empfehlungen“, „medizinischer Hintergrund“, „juristischer Hintergrund“, statistische und epidemiologische Daten“, „Analyse der evidenzbasierten Literatur“ und „weitere Ergebnisse aus Public Health Sicht“, zugeordnet. Weitere Forschungsergebnisse bezüglich möglicher Strategien zur Senkung der Sectioraten finden sich im Kapitel sechs wieder. 45 Die für die vorliegende Arbeit verwendeten MeSH Begriffe, befinden sich im Anhang 46 Alle in den EbM Datenbanken gefundenen Forschungsarbeiten befinden sich im Anhang aufgelistet 24 5. Forschungsergebnisse 5.1 WHO Empfehlungen Im Jahr 1985 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Bericht Empfehlungen für den Umgang mit der Geburt abgegeben (siehe Forschungsfrage 7). Die Gesundheitsministerien sollten besondere Strategien bezüglich der „bedarfsgerechten Geburtstechnologie“ für die öffentlichen und privaten Gesundheitseinrichtungen festsetzen. Schon damals gab es aus Sicht der WHO und ihrer Wissenschafter keine Rechtfertigung für eine Kaiserschnittrate über 10-15%. Die Begründung dafür war, dass Länder mit der geringsten perinatalen Mortalität Sectioraten von weniger als 10% aufwiesen und dass eine Erhöhung der Kaiserschnittraten zu keiner weiteren Verringerung der kindlichen Mortalität oder Morbidität führen würde.47 Daran hat sich bis heute nichts geändert, trotzdem wird immer noch argumentiert, dass eine weitgehend technologisierte Geburtshilfe zu einer Verbesserung des perinatalen Outcomes und der Mortalitätsraten führen würde. Besonders im Bereich der Frühgeburtlichkeit (hohe Raten an Mortalität und Morbidität) zeigt sich trotz verbesserter medizinischer Technologien und enormem finanziellen Input, dass eine Verringerung der Frühgeburtenraten nicht mehr möglich ist.48 Außerdem stehen Gesundheitswissenschafter49 und WHO auf dem Standpunkt, das jede Veränderung einer wissenschaftlich begründeten Praxis in der Medizin eine ebenfalls begründete Basis braucht (Evidence-based Medicine), also erwiesenermaßen von Vorteil sein muss, bevor sie generell eingeführt werden sollte. Als Hauptursache (siehe Forschungsfrage 1) für das Ansteigen der Sectioraten, entgegen den von der WHO gegebenen Empfehlungen, wird in der wissenschaftlichen Literatur die Zunahme der elektiven Sectio angeführt (siehe Forschungsfrage 2).50 5.2 Medizinischer Hintergrund Wie für jede andere medizinische Intervention gibt es für einen Kaiserschnitt eine Reihe von Indikationsstellungen, die sich vor allem durch pathologische Schwangerschaften und/oder 47 World Health Organisation (1985) Appropriate Technology for Birth. The Lancet, 2 (8452), S 436-437 48 Statistik Austria (2005) Demographisches Jahrbuch, S 218 49 Wagner, M. (2000) Choosing caesarean section, Lancet, 356 (9242), S 1677-1680 50 Rozenberg, P. (2004) Evaluation of caesarean section rate, J Gynecol Obstet Biol Reprod, 33 (4) S 279-289 25 pathologische Geburtsverläufe ergeben (siehe Forschungsfrage 9). Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat dazu ausführlich Stellung bezogen, Leitlinien entwickelt und eine begriffliche Klarstellung der Indikationen aufgelistet. 51 Diese decken sich weitgehend mit den Indikationen, die auch in einem in Österreich verwendetem Lehrbuch für Geburtshilfe angegeben sind.52 Für Österreich wurde bisher nur eine Leitlinie, bezüglich des Entbindungsmodus bei Zustand nach Kaiserschnitt, entwickelt. 53 5.2.1 Absolute Sectioindikationen Wenn das Leben und die Gesundheit des Kindes und/oder der Mutter in Gefahr sind, ist der Geburtshelfer aus zwingenden medizinischen Gründen verpflichtet, diesen Entbindungsmodus zu wählen. Absolute Indikationen bestehen bei: o Querlage o absolutem Schädel-Becken Missverhältnis o Uterrusruptur o Placenta praevia o vorzeitige Plazentalösung o fetaler Azidose o Eklampsie o HELLP-Syndrom o Amnioninfektionssyndrom o Nabelschnurvorfall Von allen Kaiserschnitten gehören ca. 10% dieser Indikationsstellung an. 54 Es ist unbestritten, dass bei Auftreten einer dieser Pathologien unverzüglich ein Kaiserschnitt zu machen ist. 51 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004) Leitlinien, Empfehlungen, Stellungnahmen. http://www.dggg.de/leitlinien/pdf/4-5-3-2.pdf 52 Schneider,H., Husslein, P. & Schneider, K.T.M. (2004) Die Geburtshilfe, S 766-769 53 Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2002) Entbindungsmodus bei Zustand nach Sectio.http://www.oeggg.at/fileadmin/user_upload/downloads/Leitlinien/Leitlinie_Entbindungsmodus_bei_Statu s_post_Sectio.pdf 54 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004) Leitlinien, Empfehlungen, Stellungnahmen. http://www.dggg.de/leitlinien/pdf/4-5-3-2.pdf 26 5.2.2 Relative Sectioindikationen Wenn eine Abwägung der geburtshilflichen Risiken für Mutter und Kind geboten ist, spricht man von einer relativen Indikation. Dazu gehören: o Beckenendlage o die absolute fetale Makrosomie (< 4500g) o relatives Schädel-Becken Missverhältnis o Mehrlingsschwangerschaft o Status nach Sectio Caesarea oder vaginaler Operation o pathologisches CTG o protrahierte Geburt o Geburtsstillstand o Erschöpfung der Mutter Diese Indikationen liegen bei ca. 90% aller Schnittentbindungen vor.55 Relative Sectioindikationen sind wie der Name schon sagt relativ. So war für Zwillingsgeburten früher ein Kaiserschnitt nicht vorgesehen. Dieser Indikationstypus verhilft auch zur Entscheidung für einen Kaiserschnitt, wenn die Mutter bei der Geburt nicht kooperiert (Indikation: Erschöpfung der Mutter), oder bei Ungeduld, wenn die Geburt länger dauert als erwartet (Indikation: protrahierte Geburt oder Geburtsstillstand). So wurde die durchschnittliche Geburtsdauer im Jahr 1900 noch mit 18 Stunden angegeben und liegt in der Zwischenzeit bei sechs bis sieben Stunden.56 Und das obwohl sich weder die physiologischen noch die anatomischen Gegebenheiten, denen der Geburtsmechanismus unterliegt, geändert haben. Auch wenn als primäre Sectio Indikation ein relatives Schädel-Becken-Mißverhältnis angeführt wird, bei fehlenden Wehen, ohne vorhergehende Beckenvermessung und ohne den Nachweis einer fetalen Makrosomie, muss von einer „Scheinindikation“ ausgegangen werden, um den geplanten Kaiserschnitt zu rechtfertigen. Bei Beckenendlagengeburten gehen die Meinungen verschiedener Autoren bezüglich Entbindungsmodus weit auseinander. Neuere Untersuchungen zeigen keinen Vorteil des Kaiserschnittes gegenüber einer vaginalen 55 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004) Leitlinien, Empfehlungen, Stellungnahmen. http://www.dggg.de/leitlinien/pdf/4-5-3-2.pdf 56 Martius, G. (1990) Klinischer Geburtsverlauf. In: Martius, G. (Hrsg.) Hebammenlehrbuch. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S 328 27 Geburt.57 Ebenso wird die Aussagekraft eines pathologisch erscheinenden CardioTokogramms (CTG) in der Zwischenzeit hinterfragt,58 obwohl ein solches sehr häufig als Indikation zur sekundären Sectio angesehen wird und die hohe Rate an erhöhtem vermutetem Risiko auf Grund eines normabweichenden CTGs abhängig von der Auswertung der einzelnen Personen und deren unterschiedlicher Interpretation ist. 5.2.3 Wunschsectio - Weiche Indikationen Wenn Schwangere von sich aus den Wunsch nach einem Kaiserschnitt äußern (der fast immer von Angstgefühlen motiviert ist), ohne dass eine medizinische Indikationsstellung vorliegt, spricht man von einer Sectio auf Wunsch. Die Indikationsstellung ist deshalb eine weiche, weil außer psychologischen Faktoren keine medizinischen Indikationen aufzuweisen sind.59 Die Wunschsectio, die aus anderen Gründen als den oben genannten erfolgt, z.B. bei Terminwunsch, hat eigentlich keine Indikation und erfolgt auf Grund der Vereinbarung zwischen Patientin und Arzt. Als häufigste Gründe, die zur Wahl einer elektiven Sectio führen, nennen Mediziner den Wunsch, Spätschäden am Beckenboden, wie Senkung, Inkontinenz und Sexualstörungen zu vermeiden, sowie die Minimierung von kindlichen und mütterlichen Geburtsrisiken. 60 Die Raten für die elektive Sectio in Großbritannien schwanken laut britischen Forschern zwischen fünf und 48%,61 und wurden 2003 in Deutschland auf durchschnittlich 6,2% geschätzt.62 Für Österreich gibt es keine verlässlichen Daten, da die Anzahl an Wunschkaiserschnitten statistisch nicht erfasst wird. Es ist aber anzunehmen, dass die Raten etwa denen Deutschlands entsprechen und in beiden Ländern in der Zwischenzeit noch weiter gestiegen sind (siehe Forschungsfrage 2). 57 Hannah, M. E. et al (2000) Planned caesarean section versus planned vaginal birth for breech presentation at term: a randomised multicentre trial. Lancet, 356, S 1375-1383 58 Impey, L., Reynolds, M. et al (2003) Admission cardiotocography: a randomised controlled trial. Lancet 361, S 465-470 59 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004) Leitlinien, Empfehlungen, Stellungnahmen. 60 vgl. ebenda 61 Goer, H. (2001) The case against elective caesarean section. Journal of Perinatal and Neonatal Nursing, 15 (3), S 23-38 62 Knitza, R. (2003) Die Wunsch Sectio: Ergebnisse einer Umfrage. Spekulum, 21 Jahrgang (Sonderheft 1/2003), S 72 28 5.2.4 Geburtsrisiken Zu den postoperativen Risiken der Sectio caesarea (siehe Forschungsfrage 5) gehören Infektionen wie Endometritis, Wundinfektionen, die septische pelvine Thrombophlebitis und die nekrotisierende Faszitis63. Die Placenta praevia/accreta und die Uterusruptur sind die gefährlichsten Spätkomplikationen nach vorangegangenem Kaiserschnitt und gehören zu den Hauptursachen für mütterliche Verblutungstodesfälle in Europa.64 Des Weiteren gehören Narkosezwischenfälle, Thrombosen, Embolien, Verwachsungen im Bauchraum und unschöne Narbenbildung zu den Komplikationen, die nach einem Kaiserschnitt auftreten können.65 Spätfolgen der Sectio liegen in einer geringeren Fertilität und dem erhöhten Risiko einer Totgeburt bei einer weiteren Schwangerschaft.66 5.3 Juristischer Hintergrund Die mit Abstand häufigste Situation, die zu forensischen Auseinandersetzungen führt (siehe Forschungsfrage 10), ist die verspätete oder unterlassene Vornahme eines Kaiserschnittes. Die höchstrichterliche Judikatur erhebt den Geburtshelfern gegenüber immer wieder den Vorwurf, es sei ein grober Behandlungsfehler, wenn nicht sofort eine Sectio eingeleitet, sondern der Versuch einer vaginalen Geburt unternommen wurde.67 Im Streitfall spielt die Frage, ob dem Geburtshelfer ein einfacher oder ein grob fahrlässiger Behandlungsfehler vorzuwerfen ist, eine entscheidende Rolle. Für die zivilrechtliche Haftung und die strafrechtliche Verantwortlichkeit muss die Ursächlichkeit des Behandlungsfehlers nachweislich vorhanden sein, das heißt, dass im konkreten Fall der Behandlungsfehler Ursache für den Gesundheitsschaden bzw. Tod von Mutter und/oder Kind ist. Entgegen vordergründiger Annahmen entstehen jedoch in über einem Viertel der Fälle kindlicher Schädigungen die 63 Schneider, H. & Husslein, P. (2004) Die Geburtshilfe. Berlin: Springer Verlag, S 775 64 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004) Leitlinien, Empfehlungen, Stellungnahmen. http://www.dggg.de/leitlinien/pdf/4-5-3-2.pdf 65 Hillemanns, P. & Anthuber, C. & Hepp, H. (2000) Risiken bei Sectio caesarea und vaginaler Geburt. Der Gynäkologe, 33 (12), S 872-881. 66 Smith, G.C., Pell, J.P. & Dobbie, R. (2003) Caesarean section and risk of unexplained stillbirth in subsequent pregnancy. Lancet, 362 (9398), S 1779-1784 67 Schneider, H. & Husslein, P. (2004) Die Geburtshilfe. Berlin: Springer Verlag, S 1029 29 Schäden präpartal oder postpartal,68 und nicht durch die Geburt. Die Kausalitätsfrage muss daher in einem Prozess kritisch geprüft werden. Nichtsdestotrotz sehen sich viele Geburtshelfer aus defensivem Denken veranlasst, der Schnittentbindung den Vorzug zu geben, um der Haftungsfrage zu entgehen. Ebenso sind Gründe (siehe Forschungsfrage 1), die mit der Größe und der Besetzung der Organisation, oder in der eigenen mangelhaften geburtshilflichen Erfahrung liegen, ausschlaggebend für die Wahl des Geburtsmodus.69 Besonders verständlich ist dies angesichts von Schadenersatz- und Alimentationsansprüchen, die im Ernstfall den Geburtshelfer bis an den Rand seiner finanziellen Existenzgrundlage bringen können. In der Justizpraxis spielt ebenso der Vorwurf der Verletzung der Aufklärungspflicht, eine entscheidende Rolle. Dies führt in vielen Fällen zu Unsicherheiten und Unklarheiten, die sich prozessual zu Lasten des Geburtshelfers auswirken.70 Die Verpflichtung des Arztes aus dem Behandlungsvertrag umfasst die Pflicht, den Patienten über die Art und Schwere sowie die möglichen Gefahren und schädlichen Folgen einer Behandlung aufzuklären. Für die nachteiligen Folgen einer ohne Einwilligung oder ausreichenden Aufklärung vorgenommenen Behandlung des Patienten haftet der Arzt selbst dann, wenn dem Arzt bei der Behandlung kein Kunstfehler unterlaufen ist. Der Umfang der ärztlichen Aufklärung ist zwar unter dem Gesichtspunkt des Wohles des Patienten abzugrenzen, aber auch unter Rücksichtnahme auf das Selbstbestimmungsrecht des Patienten (siehe Forschungsfrage 14). Konkret bedeutet dies, dass bei unkomplizierter Schwangerschaft, ungefragt nicht über die theoretische Möglichkeit eines Kaiserschnittes aufgeklärt werden darf, gleichzeitig der Arzt aber auf Grund des Behandlungsvertrages zu einer medizinischen Aufklärung verpflichtet ist. Der Oberste Gerichtshof weist ebenso auf die verschärfte Aufklärungspflicht bei Vorliegen einer typischen Gefahr hin, wobei sich die Typizität nicht aus der Komplikationshäufigkeit ableitet. Das bedeutet, dass bei unkomplizierter Schwangerschaft auch über mögliche Komplikationen einer Geburt hingewiesen werden muss, besonders wenn sie die Lebensführung der Patientin erheblich belasten können,71 wie zum Beispiel ein Dammriss dritten Grades, der zwar relativ 68 Schneider, H. & Husslein, P. (2004) Die Geburtshilfe. Berlin: Springer Verlag, S 1031 69 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004) Leitlinien, Empfehlungen, Stellungnahmen. 70 Schneider, H. & Husslein, P. (2004) Die Geburtshilfe. Berlin: Springer Verlag, S 1032 71 Husslein, P. (2004) Sectio oder nicht Sectio – das ist hier die Frage. Diskussionen im Lichte jüngster Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes! Spekulum, 22 (2), 22-24 30 selten vorkommt, aber doch bei einer Spontangeburt nicht per se ausgeschlossen werden kann. Eine prophylaktische Aufklärung über unerwartete Katastrophen ist nicht anzuraten, da die Schwangere argumentieren könnte, sie sei zwar über die grundlegende Problematik aufgeklärt worden, nicht jedoch über das erhöhte Risiko bei dieser spezifischen Konstellation und hätte eben nur dann einem Kaiserschnitt zugestimmt, den sie vorher auf der Basis des Grundrisikos vor der Geburt abgelehnt hat.72 Für den Arzt scheint es immer schwieriger zu werden, klassische Geburtshilfe zu betreiben. In unserer Gesellschaft werden eine perfekte Schwangerschaft und eine perfekte Geburt erwartet und deshalb wird der Arzt darauf bedacht sein, jedes nur mögliche Risiko zu vermeiden. Die ausführliche Information über alle Risikofaktoren führt bei den Schwangeren aber zunehmend zu Verunsicherung, denn der Fokus wird früh auf die Unvollkommenheit gelegt. Unvollkommenheit ist allerdings eine menschliche Grunddimension, das sollte in der Vermittlung von medizinischen und gesellschaftlichen Werten bedacht werden, denn auch die größte Vorsicht wird es nicht immer möglich machen, schicksalhafte Lebensmomente zu verhindern. 5.4 Statistische und epidemiologische Daten Für die Erhebung der folgenden Daten wurden die Datenbanken von Statistik Austria, der OECD und der Weltbank nach Statistiken durchsucht. Hier erwies sich wieder die Suche im Internet, mittels Internetsuchmaschine „Google“, als wertvolle Hilfe. Von allen in den Datenbanken angeführten Ländern, wurden nur jene ausgewählt, die in etwa mit Österreich zu vergleichen sind, also die wirtschaftlich entwickelten EU-Länder, die USA und Australien. Wie vermutet schwanken die Kaiserschnittraten international (siehe Forschungsfrage 3) aber auch innerhalb der europäischen Union sehr stark, ebenso die perinatalen und mütterlichen Mortalitätsraten (siehe Forschungsfrage 5). Die perinatale Mortalität wird besonders gerne als Gradmesser der Qualität der medizinischen Versorgung herangezogen, da die Sterblichkeit in der perinatalen Periode besonders sensibel bezüglich medizinischer und präventiver Interventionen ist. Dennoch gibt es Einschränkungen bezüglich der internationalen Vergleichbarkeit von perinatalen Sterblichkeitskennzahlen, dazu gehören Unterschiede in der 72 Husslein, P. (2004) Sectio oder nicht Sectio – das ist hier die Frage. Diskussionen im Lichte jüngster Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes! Spekulum, 22 (2), 22-24 31 Definition von perinataler Mortalität, aber auch Unterschiede in der Berechnung der Mortalitätsraten selbst. Abgesehen davon sind bei der Interpretation der Todesraten das Risikoprofil der verglichenen Bevölkerungsgruppen sowie deren geburtshilfliche und medizinische Versorgungsstruktur zu berücksichtigen.73 Die mütterlichen Mortalitätsraten in Europa sind verglichen mit denen Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas zwar wesentlich geringer, aber trotzdem sterben doppelt so viele Frauen bei oder nach vorangegangenem Kaiserschnitt als bei einer normalen Geburt. Die Morbiditätsraten nach Kaiserschnitt (siehe Forschungsfrage 5) liegen auch weiterhin über denen einer vaginalen Geburt und sind besonders im Hinblick auf die Entscheidung zur Wunschsectio von Bedeutung. 5.4.1 Kaiserschnittraten international Der Trend zum Kaiserschnitt hält unvermindert seit den beginnenden neunziger Jahren an. Absoluter Spitzenreiter in Europa war 2002 Italien mit 361,9 Sectiones pro 1.000 Lebendgeburten. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang mit der Ärztedichte, da Italien auch das Land mit den meisten Ärzten bezogen auf die Einwohner ist. Obwohl noch keine Daten für 2003 und 2004 verfügbar sind, ist anzunehmen, dass die Kaiserschnittraten international betrachtet auch weiterhin gestiegen sind. In den skandinavischen Ländern, den Niederlanden und in Neuseeland war in den letzten vier Jahren nur mehr eine geringfügige Steigerung zu beobachten. Worauf dies zurückzuführen ist, wird im späteren Verlauf dieser Arbeit noch eruiert. 73 Health System Watch (2002) http://www.ihs.ac.at/departments/fin/HealthEcon/watch/hws99_1d.pdf 32 Abbildung 1: Sectioraten in Prozent aller Geburten, international Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage74 5.4.2 Säuglingssterblichkeit international Die OECD definiert die Säuglingssterblichkeit als alle Todesfälle im ersten Lebensjahr während eines Jahres bezogen auf alle Lebendgeborenen desselben Jahres.75 Als Qualitätskriterium der medizinischen Versorgung wird allerdings die perinatale Mortalität herangezogen. Diese ist laut OECD die Anzahl der innerhalb der ersten Lebenswoche Gestorbenen plus der nach der 28. Schwangerschaftswoche Totgeborenen, bezogen auf Todund Lebendgeburten. Die mittlere Säuglingssterblichkeit in der EU lag 1999 bei fünf Promille, die perinatale Sterblichkeit bei sieben Promille. Die perinatale Mortalität konnte in den letzten zwanzig Jahren in den EU Ländern halbiert werden, wobei der größte Teil der Verbesserungen bereits in den 80er Jahren erreicht werden konnte. Die niedrigsten Werte der Säuglingssterblichkeit pro 1.000 Lebendgeborenen wiesen im Jahr 2000 Island (3), Schweden (3,4), Norwegen (3,8) und Finnland (3,8) auf.76 74 OECD: http:// www.irdes.fr/ecosante/OCDE/362000.html 75 OECD Health Data (2001) www.oecd.org/document/44/0,2340,en_2649_34631_2085228_1_1_1_1,00.html 76 OECD Health Data (2002) www.oecd.org/document/22/0,2340,en_2649_34487_1935190_1_1_1_1,00.html 33 Abbildung 2: Säuglingssterblichkeit in Prozent der Lebendgeburten, international Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage77 Die Europäische Kommission hat im Jahr 2003 ein Public Health Projekt mit dem Namen Euro-Peristat 2 ins Leben gerufen. Euro-Peristat wurde initiiert, um ein Gesundheitsinformations- und Wissenschaftssystem zur Evaluierung und Überwachung der perinatalen Gesundheit in Europa zu schaffen. In einem Statement die Projektziele betreffend, wird auf die großen Unterschiede innerhalb der EU bei der Gesundheit der Neugeborenen und bei den perinatalen Mortalitätsraten hingewiesen. Ebenso wird auf die Heterogenität der Gesundheitsvorsorge in den verschiedenen Ländern hingewiesen, wie zum Beispiel stark variierende Sectioraten, die je nach Land von 15% bis 30% erreichen. Es wird festgehalten, dass Gesundheitssysteme auch erfolgreich sein können, indem medizinische Errungenschaften benutzt werden, ohne iatrogene Gesundheitsrisiken zu generieren, ohne Eltern zu ängstigen und ohne unakzeptable, hohe Kosten für die Mehrheit aller komplikationslosen Geburten zu verursachen. Das Projekt soll bis 2007 laufen mit dem Ziel perinatale Gesundheitsindikatoren 77 OECD: http://www.irdes.fr/ecosante/OCDE/113010.html 34 zu identifizieren, diese Informationen zu sammeln und aufzuzeichnen und über verschiedene Datenbanken den Mitgliedsstaaten der EU zugänglich zu machen.78 5.4.3 Müttersterblichkeit international Die Gründe für die Müttersterblichkeit sind aufgrund epidemiologischer Studien bekannt und werden von der WHO wie folgt angegeben: 25% der Todesfälle entstehen durch eine postpartale Blutung, 15% durch eine Sepsis, 13% durch eine unsichere Abtreibung, 12% durch eine Eklampsie, 8% durch ein Geburtshindernis, 8% durch direkte Gründe wie Embolie, Bauchhöhlenschwangerschaft, Anästhesie usw. und 19% der Mütter versterben durch indirekte Gründe wie Malaria, Anämie und Herzkrankheiten.79 Durch die vernachlässigbaren operationsbedingten Risiken einer Sectio sank die maternale Morbidität im Jahr 2000 in Mitteleuropa auf 10-20 Todesfälle bezogen auf 100.00 Lebendgeburten. Auch die reine operations- und anästhesiebedingte Sectioletalität hat sich in den letzten 20 Jahren deutlich vermindert. Dennoch geht die vaginale Geburt mit einem geringeren Risiko für die Mutter einher. Die Letalität bei vaginaler Geburt war 1999 um den Faktor 5-10 niedriger als nach Sectio.80 Die Hessische Perinatalerhebung aus dem Jahr 1999 verzeichnete eine neunfach erhöhte Sterblichkeit nach einem Kaiserschnitt. So sind bei über 500.00 Geburten 39 Frauen gestorben, davon 27 nach einer Sectio. 81 Laut Daten der Bayrischen Perinatalerhebung aus dem Jahr 2003 reduzierte sich die Sectioletalität (Müttersterblichkeit pro Sectio) auf 1:25.903 (1995 bis 2000) und das Sterblichkeitsrisiko bei vaginaler Geburt versus Sectio verringerte sich im gleichen Zeitraum auf 1:2,3. Es wurden sechs mütterliche Verblutungstodesfälle in Bayern, sowie vier identische in einem anderen deutschen Bundesland, drei in Großbritannien und zwei in Österreich verzeichnet, die durch eine Placenta praevia accreta verursacht wurden, die zur bei weitem gefährlichsten Spätkomplikation bei Zustand nach Sectio zählt. Diese Komplikation entsteht dadurch, dass 78 Europa- Public Health- Progamme (2003) Euro-Peristat 2. Http://europa.eu.int/comm/health/ph_projects/2003/action1/action103_en.htm. 79 World Health Organisation (2001) The causes of maternal mortality. http://w3.whosea.org/pregnancy/chap2.htm 80 Hillemanns, P., Anthuber. C. & Hepp, H. (2000) Risiken bei Sectio Caesarea und Vaginaler Geburt. Der Gynäkologe, 33 (12), S 872-881. 81 Kitschke, H. J. (2001) Die Sectio caesarea in Hessen. Was ist die optimale Sectiofrequenz? Der Gynäkologe, 34, S 99-101 35 die Placenta in die Narbe der Gebärmuttermuskulatur einwächst, die durch eine vorangegangene Sectio verursacht wurde. Die mütterliche Letalität bei einer Vaginalgeburt sank im Zeitraum von 1995 bis 2000 auf 0,017 Promille.82 In Österreich (siehe Forschungsfrage 5) verstarben im Jahr 2003 zwei Frauen an den unmittelbaren Folgen einer Geburt, das sind bezogen auf 76.944 Lebensgeburten 0,0026%. 83 Das ist im internationalen Vergleich zwar eine sehr geringe Mortalitätsrate, aber wenn nur eine dieser Frauen an der Folgen einer elektiven Sectio verstarb, die ohne medizinische Indikation erfolgte, ist das schon eine zuviel. Abbildung 3: Müttersterblichkeit pro 100.000 Lebendgeburten, international Quelle: Weltbank 2005, Reproduktive Health84 82 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004) Leitlinien, Empfehlungen, Stellungnahmen. http://www.dggg.de/leitlinien/pdf/4-5-3-2.pdf. 83 Statistik Austria (2005) Statistisches Jahrbuch 2005 84 Weltbank (2005) Reproduktive Health. http://www.worldbank.org/data/wdi2005/wditext/Section2.htm 36 5.4.4 Daten aus Österreich Seit 1995 haben sich die Kaiserschnittraten in Österreich verdoppelt. Im internationalen Vergleich (siehe Forschungsfrage 4) fällt dies kaum auf, da auch andere Länder ähnliche Steigerungsraten verzeichnen konnten. Es scheint, dass die Sectioraten auch weiterhin steigen werden, wenn man diesem Trend nicht entgegensteuert. Bis auf wenige Aussagen von Seiten der Ärzteschaft gibt es zurzeit keine Strategien, die zur Lösung dieses Problems führen könnten. Die Auswirkungen, die diese Entwicklung auf das österreichische Gesundheitssystem hat, sind im Hinblick auf Effektivität und Effizienz dieser Intervention noch unzureichend erforscht, obwohl man anhand der wissenschaftlichen Arbeiten anderer Länder durchaus auch für Österreich Schlüsse ziehen könnte. Ein geschätzter Anteil von sechs bis sieben Prozent aller Kaiserschnitte (siehe Forschungsfrage 2) entfallen auf den so genannten „Wunschkaiserschnitt“.85 Wahrscheinlich sind es aber noch mehr und es liegt der Verdacht nahe, dass die wirkliche Anzahl der ohne medizinische Indikation durchgeführten Sectiones durch „Scheinindikationen“ geschönt wird. Abbildung 4: Sectioraten in Prozent, bezogen auf Lebendgeburten, Österreich Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage; Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, Statistik Austria 85 Knitza, R. (2003) Die Wunsch Sectio: Ergebnisse einer Umfrage. Spekulum, 21 Jahrgang (Sonderheft 1/2003), S 72 37 Österreich ist bei den Kennziffern der Säuglings- und der perinatalen Mortalität heute um zehn Prozent besser als der Durchschnitt der derzeitigen EU-Länder. 1980 hinkte Österreich den beiden Kennzahlen noch hinter dem EU-Niveau her, obwohl mit der Einführung des Mutter-Kind-Passes 1973 bereits eine wesentliche Verbesserung der Mortalität erreicht werden konnte. Seit 1995 liegt die perinatale Sterblichkeit in Österreich leicht höher als die Säuglingssterblichkeit, was zumindest teilweise mit der Änderung der Definition von perinataler Sterblichkeit zu tun hat.86 Diese hat sich mit 1.1.1995 geändert, indem die Fehlgeburt bis zu einem Geburtsgewicht von 500 Gramm festgelegt wurde (die vorher bei ca. 1.000 Gramm lag). Zusammenhängend damit hat sich auch die Definition der Totgeburt geändert.87 Die hier angeführten Perinatalsterbefälle beruhen auf den jeweils gültigen Definitionen und beinhalten daher zwischen 1994 und 1995 einen Zeitreihenbruch, der in der Interpretation der Ergebnisse beachtet werden muss. Abbildung 5: Säuglingssterblichkeit 1970 – 2003, Österreich Quelle: Statistik Austria, Statistisches Jahrbuch 2005 86 Health System Watch (2002) http://www.ihs.ac.at/departments/fin/HealthEcon/watch/hws99_1d.pdf 87 Hebammengesetz (1994) Bundesgesetzblatt, §8 (1) Personenstandsrechtliche Pflichten. S 3224 38 Der Grund für die Definitionsänderung liegt darin, dass die technischen Entwicklungen der Medizin ein Überleben von extremen Frühgeburten möglich machen und das „Zeitfenster“, in dem Frühgeborene behandelt werden, immer weiter geöffnet wird. Inzwischen sind das schon Kinder ab der 24. Schwangerschaftswoche. Trotzdem konnte der Anteil an Frühgeburten nicht weiter gesenkt werden, und dieser ist auch zum Teil mitverantwortlich für das Steigen der Kaiserschnittraten, da von Geburtsmedizinern und Neonatologen die Sectio als Geburtsmodus für Frühgeburten empfohlen wird.88 Seit 1995 ist die perinatale Sterblichkeit in Österreich relativ konstant geblieben und hat sich nicht im selben Ausmaß reduziert wie sich Sectioraten erhöht haben. Das passt zu den Ergebnissen der WHO, die aufgrund von evidenzbasierter, internationaler Literatur davon ausgeht, dass durch eine Kaiserschnittrate von über zehn Prozent keine weiteren Verbesserungen zu erwarten sind. Außerdem werden in einem immer geringeren Anteil aller Kaiserschnitte Leben und Gesundheit von Kindern gerettet. Da die Operationsrisiken durch die steigenden Kaiserschnittraten nicht geringer werden, ist es nur logisch, dass schließlich eine Rate erreicht wird, bei der die Operationsrisiken überwiegen.89 Leider gibt es in Österreich keine Perinatalerhebung, wie sie in einigen Bundesländern Deutschlands gemacht wird, anhand derer man Gründe für die Morbidität von Neugeborenen statistisch festhalten könnte. Auch im Hinblick auf das „Follow Up“ für Kinder nach Spontangeburt, nach Kaiserschnitt und bei Frühgeburten gibt es keine Vergleichszahlen, die Informationen über Langzeitfolgen liefern könnten. In internationalen Forschungsarbeiten wird das Auftreten eines Pneumothorax bei Sectiokindern 1,9 mal häufiger beobachtet, das eines Atemnotsyndroms ist 2-4 mal so hoch wie bei einer vaginalen Geburt.90 In Bezug auf die Ärztedichte hat sich der Ärztestand von 1981 bis 2005 mehr als verdoppelt. Das gilt auch für Gynäkologen, von denen sich die Anzahl der niedergelassenen, als auch die 88 Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2004) Ansteigen der Kaiserschnittraten: Geburtsmedizin in anderen Umständen. http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/88076/ 89 Wagner, M. (2001) Fish cant´ see water: the need to humanize birth. International Journal of Gynaecology and Obstetrics, 75 (1), S 25-37 90 Schücking, B. (2003) Selbstbestimmt und risikolos? „Wunschkaiserschnitt“. Dr. med. Mabuse, 148, S 2 39 der ausschließlich in einem Krankenhaus angestellten Gynäkologen um mehr als 100% gesteigert hat.91 Tabelle 1: Gynäkologendichte in Österreich 1981 - 2005 Jahr Alle Alle Ärzte Niederg.Gyn*) Gynäkologen 1981 19.041 638 1982 16.639 667 1984 21.036 691 1985 21.676 700 1986 22.529 711 1987 22.888 742 1989 24.895 798 1990 25.971 825 1991 26.940 843 1992 28.193 876 1993 29.198 906 1994 30.314 964 1995 31.302 1.013 1996 32.002 1.060 1997 32.675 1.106 1998 33.793 1.173 1999 33.781 1.178 2000 34.593 1.234 2001 35.686 1.278 2002 36.531 1.303 2003 37.447 1.357 2004 38.447 1.409 2005**) 38.991 1.437 *) bis 1998 inkl. Wohnsitzärzte; **) Mai 532 558 586 601 617 635 684 704 730 747 767 812 858 892 917 973 933 978 1.015 1.050 1.081 1.126 1.135 Gyn. mit GKKVertrag 289 303 355 328 351 356 363 367 374 381 412 419 428 426 421 430 426 422 420 419 420 Nied.Gyn Ausschl. ohne angest.Gyn Kassen*) 127 106 134 109 244 105 250 99 94 107 218 114 228 121 244 113 261 129 287 139 307 152 350 155 362 168 372 189 418 200 370 208 406 222 441 228 484 211 511 235 554 239 559 256 Quelle: Österreichische Ärztekammer Die Anzahl der tatsächlich im Krankenhaus arbeitenden Gynäkologen wird noch dadurch erhöht, da ein Teil der niedergelassenen Ärzte zusätzlich in einem Krankenhaus tätig ist. Zeitgleich mit dieser Entwicklung sanken die Geburtenraten. Waren im Jahr 1981 noch 93.942 lebend geborene Kinder zu verzeichnen, so waren es 2003 nur noch 76.944 Kinder.92 91 Österreichische Ärztekammer (2005) Auszug aus den Ärzteregister. Auskunft der Ärztekammer vom 9.5.2005 92 Statistik Austria (2005) Statistisches Jahrbuch, S 69 40 Das bedeutet hinsichtlich der Sectioraten (siehe Forschungsfrage 17), dass eine höhere Anzahl an Gynäkologen zu einem höheren Ausmaß an Interventionen bei einer geringer werdenden Geburtenzahl geführt hat. Die Anzahl der durchgeführten Operationen sichert nicht nur den Arbeitsplatz der Krankenhausärzte, es rechtfertigt auch eine größere Anzahl von Fachärzten an den geburtshilflichen Abteilungen. Der finanzielle Anreiz, einen Kaiserschnitt durchzuführen, ergibt sich bei den in Privatspitälern tätigen Ärzten, die durch die Privatversicherung der Patientinnen höhere Honorare für einen Kaiserschnitt erzielen können. Die erhöhten Sectioraten sind hier seit längerem bekannt (Rudolfinerhaus: 35,1%, Sanatorium Hera: 35,7%),93 ebenso der erhöhte Anteil an den Universitätskliniken, denen man aber zugute halten kann, dass sie die größten Perinatalzentren in Österreich beherbergen. Für den Rest der österreichischen Spitäler gibt es eine breite Varianz an Kaiserschnittraten, die von ökonomischen, organisatorisch-strukturellen und persönlichen (Haltung der Abteilungsleiter) Faktoren abhängig ist. 5.5 Analyse der evidenzbasierten Literatur Nach Sichtung der evidenzbasierten medizinischen Literatur (siehe Forschungsfrage 12) konnten die Faktoren, die die Wahl des Geburtsmodus und damit auch die Sectioraten beeinflussen, in drei Kategorien unterteilt werden (siehe Forschungsfrage 11): 1. geburtshilfliche Indikationen 2. nicht-medizinische, Patienten bezogene Determinanten 3. nicht-medizinische, berufsbezogene Determinanten Die wichtigsten medizinischen Indikationen sind: vorangegangene Sectio caesarea, Beckenendlage, Dystokie und fetaler Distress.94 Die Gründe für das Ansteigen der Sectioraten in diesem Bereich liegen aber auch in den immer weiter gestellten Indikationen wie zum Beispiel ältere Erstgebärende oder Zustand nach künstlicher Befruchtung usw. Doch der Anteil der medizinisch indizierten Sectiones an den Gesamtkaiserschnittraten kann als relativ gering betrachtet werden und liegt bei ca. sieben bis fünfzehn Prozent. 93 Österreichische Hebammenzeitung (1999) Sectioraten in Österreich, 5 (5), S 21 94 Roosmalen, J. & Does, C.D. (1995) Caesarean birth rates worldwide. A search for determinants. Trop Geogr Med, 47 (1), S 19-22 41 Die wichtigsten nicht-medizinischen, Patienten bezogenen Gründe liegen hauptsächlich im Bereich des sozialökonomischen Status der Frauen, dem Einfluss von Kunstfehler Prozessen und den Erwartungen der Frauen.95 So sind in Amerika weiße, verheiratete Frauen mit privater Krankenversicherung weit mehr davon betroffen eine Sectio zu erhalten als arme Frauen, im Gegensatz dazu endet aber in Großbritannien für einen hohen Prozentsatz der farbigen Frauen die Geburt mit einem Kaiserschnitt. Viel diskutiert wird auch der forensische Aspekt in der Geburtshilfe. Es wird kritisiert, dass die Geburtshelfer dazu neigen, Richter, das Rechtssystem oder die Frauen für Prozesse verantwortlich zu halten, ohne ihre eigene Rolle zu hinterfragen. Dagegen steht, dass in den Jahren einer immer defensiver werdenden Geburtshilfe die Zahl an Prozessen nicht gesunken ist. Die Phobie vor Prozessen sollte dazu führen, eine evidenzbasierte Medizin anstelle einer „ängstlich basierten Medizin“ als Entscheidungsgrundlage zu wählen.96 Die Forschungen, die Erwartungen und Wünsche der Frauen betreffend, zeigen eine Wunschsectiorate von vier bis 18%,97 aber nur wenige Frauen wünschen einen Kaiserschnitt (siehe Forschungsfrage 13) wenn keine vorangehenden oder aktuellen Komplikationen zu erwarten sind.98 Es wird vermutet, dass die weit verbreitete Annahme, Frauen würden sich eine Sectio wünschen mit so vielen Faktoren vermischt ist, dass es beabsichtigt scheint, eher diesen Glaubenssatz zu stützen und zu halten, als eine objektive Wahrheit zu determinieren.99 Die berufsbezogenen Determinanten sind: finanzieller Anreiz, Bequemlichkeit, ärztliche Ausbildung und die Verfügbarkeit der technologischen Möglichkeiten. In den vorliegenden Reviews wird kritisiert, dass die Ärzte und Spitäler100 nach wie vor von den Kaiserschnitten 95 Wagner, M. (2000) Choosing caesarean section. Lancet, 356 (9242), S 1678 96 Searle, J. (2001) Evidence-based obstetrics in Australia: can we put away the wooden spoon? Medical Journal, 174 (11), S 588-589 97 Wax, J.R., Cartin, A., Pinette, M.G. & Blackstone, J. (2004) Patient choice caesarean: an evidence- based review. Obstet Gynnecol Surv, 59 (8), S 601-616) Gamble, J.A. & Creedy D.K. (2000) Women’s request for a caesarean section: a critique of the literature. 98 Birth, 27 (4), S256-263 99 Goer, H. (2001) The case against elective caesarean section. Journal of Perinatal and Neonatal Nursing, 15(3), S 23-38 100 Kraemer, D.F., Berlin, M. & Guise J. (2004) The relationship of health care delivery system characteristics and legal factors to mode delivery in woman with prior caesarean section: a systematic review. Woman’s Health Issues, 14 (3), S 94-103 42 profitieren und im Gegensatz zu den vaginalen Geburten mehr Geld dafür erhalten. Amerikanische und britische Studien zeigen, dass die elektive Sectio zudem sehr bequem ist, denn sie erlaubt eine „Tageslicht Geburtshilfe“, da der Großteil der durchgeführten Kaiserschnitte unter tags und während Wochentagen durchgeführt wird, und außerdem weit weniger Anwesenheitszeit der Ärzte kostet, als eine normale Geburt.101 Unglücklicherweise leidet auch die Ausbildung der jungen Geburtshelfer darunter, die kaum mehr über die geburtshilfliche Kompetenz ihrer Vorgänger verfügen, da es an entsprechender Erfahrung mangelt, um auch komplizierte Geburten zu einem guten Ende führen zu können.102 Diese geben dann häufig aus Unsicherheit der Sectio den Vorzug, um sich aus forensischen Gründen abzusichern. Der Einsatz neuer Technologien in Verbindung mit verringerten Gefahrenpotentialen führt zudem in großem Ausmaß dazu, dass diese Technologien auch angewendet werden. Das erklärt auch, warum die zunehmend interventionelle und medikalisierte Geburtshilfe in den letzten Jahren so besorgniserregende Ausmaße annahm.103 Technologische Möglichkeiten kreieren den Wunsch nach Perfektionismus, auch wenn dieser in keiner Weise angebracht scheint und zudem enorme Kosten verursacht. Aus der Sicht des HTA spricht vor allem der Kosten- Nutzen Effekt gegen den vermehrten Einsatz von Interventionen wie der, der elektiven Sectio.104 Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang die Macht des medizinischen Establishments. Ein systematisches Review beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern lokale Meinungsbildner die Praxis ihrer Berufskollegen beeinflussen können.105 In der Tat ist diese Einflussnahme gegeben, denn wie eine Untersuchung zeigt, würden nur 48% der führenden Gynäkologen eine Senkung der Sectioraten unterstützen und damit stehen sie im Gegensatz 101 102 Wagner, M. (2000) Choosing caesarean section. Lancet, 356 (9242), S 1678 Krause, M. (2002) Wer wünscht sich was? Die Wunschsectio als Ausdruck mangelnder Kompetenz. http://www.geburtskanal.de/Wissen/W/Wunschsectio 103 Wagner, M. (2001) Fish can’t see the water: a need to humanize birth. International Journal of Gynaecology and obstetrics, 75 (99), S 25-37 104 Jonas, S. (2002) Geburt umfassend betrachtet. Ansätze für ein Health Technology Assessment. Zeitschrift für Ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung, 96 (10), S 689 693 105 Thomson, OB. et al (2005) Local opinion leaders: effects on professional practice and health care outcomes. The Cochrane Library, 1. Ausgabe http://www.update-softwarw.com/Abstracts/ab000125.htm 43 zu den Forderungen der Gesundheitspolitik, die diese zu senken versucht.106 Wenn jedoch von Seiten des Krankenhauses der Arzt zwingend dazu verpflichtet wird, vor der Durchführung eines Kaiserschnittes eine zweite Meinung einzuholen, die auf der besten verfügbaren Evidenz beruht, geht damit eine signifikante Senkung der Sectioraten einher.107. Auf den geburtshilflichen Abteilungen wird im Allgemeinen mit Rücksprache der Patientin der Entbindungsmodus gewählt. Der Entscheidungsprozess der Patientin ist primär abhängig von den „gewünschten“ Faktoren, wie Alter, Morbidität, Erwartungen usw. Auch die Art der Information108 über mögliche Risken spielt dabei eine Rolle. Die Ärzteschaft möchte ebenfalls ihre eigenen Interessen erfüllt sehen und agiert zugleich als Vertreter des Unternehmens, des Krankenhauses oder der Gemeinde, also ihrer Arbeitgeber. Diese aber wünschen, dass entweder die kostengünstigste medizinisch vertretbare Methode gewählt wird, oder die, für die man die höchsten Erlöse erzielt. Wie jedes Unternehmen wird das Krankenhaus versuchen, seine Ausgaben zu senken und die Einnahmen zu erhöhen. Wenn man also die Kapazität von Ressourcen, die klinische Entscheidung und die Art und Weise mit der dann praktiziert wird, betrachtet, dann zeigt sich ein starker Angebots-Induzierter Einfluss (siehe Hypothese), der sich auch in der vorhandenen evidenzbasierten Literatur spiegelt. 5.6 Gesundheitssystemvergleich Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es sinnvoll wenige Akutbetten in den Krankenhäusern zur Verfügung zu haben, da die Grenzkosten eines leer stehenden Bettes hoch sind und damit die Bettenvorhaltung teuer wird. Da die Bettenanzahl einen Teil der Fixkosten ausmacht, können über die Reduktion von Akutbetten Spitalskosten gesenkt werden. Aus der Sicht des Krankenhauses ist aber eine Bettenauslastung günstiger, weshalb es versuchen wird, so viele Patienten als möglich aufzunehmen, um kein Bett leer stehen zu lassen. Der Arzt als Zuweiser bzw. Leistungserbringer kann die Nachfrage steuern, und man weiß, dass eine Steigerung der Ärzte pro Kopf der Einwohner auch mit einer verstärkten Inanspruchnahme von 106 Kravitz, R.L. et al (2003) Networked for change? Identifying obstetric opinion leaders and assessing their opinions for caesarean delivery. Soc Sci Med, 57 (12), S 2423-2434 107 Althabe, F., et al (2004) Mandatory second opinion to reduce rates of unnecessary caesarean sections in Latin America: a cluster randomised controlled trial. Lancet, 363 (9425), S 1934-1940 108 McFarlin, B.L. (2004) Elektive caesarean birth: issues and ethics of an informed decision. Journal of Midwifery and Women’s Health, 49 (5), S 421-9 44 medizinischen Leistungen einhergeht (siehe Hypothese). Im folgenden Kapitel wird ein Vergleich der Gesundheitsausgaben (siehe Forschungsfrage 6) mit Bettendichte, -auslastung und Ärztedichte einiger europäischer Länder hergestellt. Abbildung 6: Gesamte Gesundheitsausgaben pro Kopf in US-Dollar, Kaufkraftparitäten Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage109 Bei den Gesundheitsausgaben befindet sich Österreich im europäischen Mittelfeld. Anders sieht das im Vergleich der Akutbetten aus, wo im Jahr 2002 nur die Tschechei über mehr Akutbetten verfügte als Österreich, das damit im europäischen Spitzenfeld rangiert. 109 OECD: http://www.irdes.fr/ecosante/OCDE/411010.htm 45 Abbildung 7: Akutbetten, pro 1000 Einwohner, in ausgewählten Ländern Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage110 Abbildung 8: Durchschnittliche Belagsdauer in Tagen, in ausgewählten Ländern Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage111 Obwohl in den meisten europäischen Ländern sowohl die Bettendichte, als auch die Belagsdauer gesenkt werden konnte, steigen die Gesundheitsausgaben kontinuierlich an. 110 OECD: http://www.irdes.fr/ecosante/OCDE/220010.html 111 OECD: http://www.irdes.fr/ecosante/OCDE/341000.html 46 Gleichzeitig zeigt sich aber ein Anstieg der Ärztedichte in allen Industrienationen. Die höchste Ärztedichte in Europa hatte im Jahr 2002 Italien mit 4,4 Ärzten pro 1000 Einwohner. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass durch eine immer kostenintensiver werdende Medizin, die von einer immer größer werdenden Anzahl von Leistungserbringern angewendet wird, die Gesundheitsausgaben gesteigert werden (siehe Forschungsfrage 17). Mitverantwortlich ist zudem das Anspruchsdenken der Patienten, die eine maximale Versorgung in Anspruch nehmen möchten. Satt auf einem Optimum liegt die Ausrichtung auf einem Maximum der Gesundheitsversorgung. Abbildung 9: Ärztedichte pro 1000 Einwohner, in ausgewählten Ländern Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage112 112 OECD: http://www.irdes.fr/ecosante/OCDE/210030.html 47 5.6.1 Ökonomischer Vergleich Sectio versus vaginaler Geburt In Amerika wurden die Kosten, die dem Gesundheitswesen durch Kaiserschnitte entstehen, auf über eine Milliarde Dollar pro Jahr beziffert. Annähernd die Hälfte aller Sectiones in den USA sind aus medizinischer Sicht unnötig und bei der Entscheidung für eine Sectio spielen vor allem soziale und ökonomische Faktoren eine große Rolle.113 Ähnliche Berechnungen in Großbritannien ergaben, dass pro einprozentiger Erhöhung der Sectioraten fünf Millionen englische Pfund das Budget des „Maternity Service“ belasten würden. Diese Kosten entsprachen im Jahr 2000 dem Einsatz von 167 Hebammen. Weiters wurde errechnet, dass bei einer Sectiorate von 50% ein Drittel des englischen Gesamtbudgets verbraucht werden würde.114 Auch hier werden die steigenden Kaiserschnittraten durch die Zunahme von Wunschsectiones, die ohne medizinische Indikation erfolgen, begründet. In Österreich steigen die Spitalskosten weiter an und das obwohl die Bettenanzahl, die als der Kosten treibende Faktor angesehen wird, abgebaut werden konnte. Im Jahr 1991 beliefen sich die Kosten der landesfondfinanzierten Krankenhäuser auf 4,4 Milliarden Euro, im Jahr 2003 steigerten sie sich auf mehr als acht Milliarden Euro. Der größte Teil dieser Kosten entfällt auf den Stationären Bereich.115 Hier wird versucht, durch Verringerung der Belegstage Kosten zu sparen. Einerseits könnten die Belegstage auf einigen geburtshilflichen Abteilungen aufgrund der Möglichkeit einer ambulanten Geburt gesenkt werden, andererseits steigen sie durch die Zunahme der Sectiofrequenz. Im Durchschnitt verbringen Frauen nach Spontangeburt 4,7 Tage im Krankenhaus, nach einem Kaiserschnitt sind es allerdings 8,4 Tage. 116 Bezogen auf das Jahr 2003 mit 17.017 Kaiserschnitten (22,1%) sind das um 20.261 Belegstage mehr als durch eine Kaiserschnittrate von 15% entstehen würden. Die Kosten für eine Geburt werden über die verschiedenen Landeskrankenanstaltenfonds mit den Krankenhäusern in Form eines Punktesystems abgerechnet. Je nach Bundesland ist ein 113 Shearer, E.L. (1993) Cesarean section: medical benefits and costs. Soc Sci Med., 37 (10) S 1223 114 Debatte im englischen House of Lords, 12.01.2000 zum Thema „The Maternity Services“, aus der Midwifery Database 1/2000. http://www.rcn.org.uk/library/midirs/ 115 Österreichische Tageszeitung Kurier, vom 11.03.2005 116 Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (2004) LDF - Pauschalen und Zuordnungskriterien für MEL - Gruppen. Modell 2005 48 Punkt unterschiedlich viel wert, weshalb es schwierig ist die exakten Kosten eines Kaiserschnittes für ganz Österreich zu ermitteln (siehe Forschungsfrage 6). Pro Entbindung (vaginale Geburt) werden 2136 LKF – Punkte und pro Kaiserschnitt (ohne Zusatzleistung) 3970 Punkte vergeben. Mit einer zusätzlichen Leistung aus der Gruppe LGR16 (Sectio caesarea) können 4108 LKF – Punkte verrechnet werden,117 also fast doppelt so viel wie für eine normale Geburt. In Niederösterreich ist zum Beispiel ist ein LKF – Punkt zwischen 0,90 und 0,95 € wert. Die Krankenhäuser können also pro vergebenen Punkt mit cirka einem Euro an Erlösen rechnen. Ob damit auch die realen Kosten gedeckt werden, muss allerdings von Krankenhaus zu Krankenhaus mittels genauer Kostenrechnung ermittelt werden. Zusätzlich zu den Krankenhauskosten wirkt sich die verlängerte Wochengeldzahlung nach Kaiserschnitt negativ auf unser Gesundheitssystem aus. Nach einer Sectio erhält die Mutter zwölf anstatt acht Wochen Wochengeld. Dieses bemisst sich aus ihrem durchschnittlichen Gehalt der letzten drei Monate,118 und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen medizinisch indizierten Kaiserschnitt oder um eine Wunschsectio gehandelt hat. Der Anteil der Ausgaben der Krankenversicherung für Mutterschaftsleistungen wird mit 4,2 % beziffert.119 Berechnungen darüber, wie sich das im Zusammenhang mit steigenden Sectioraten auswirkt, stehen von Seiten der Sozialversicherungen noch aus. Professor Marsden Wagner, ehemaliger WHO Direktor, hat anlässlich eines Vortrages in Wien die Kosten, die durch unnötige Kaiserschnitte dem österreichischen Gesundheitswesen (siehe Forschungsfrage 17) pro Jahr erwachsen, auf über 19 Millionen Euro geschätzt.120 5.6.2 Best Practice Das „National Institute for Clinical Excellence“ (NICE), eine Institution des britischen Gesundheitssystems, das „ Best- Practice- Guidelines erstellt, hat Leitlinien für die Sectio caesarea entwickelt und im Jahr 2004 veröffentlicht. Hier wurden Empfehlungen (siehe Forschungsfrage 8) über den Umgang mit dem Kaiserschnitt abgegeben die auf Basis der 117 Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (2004) LDF - Pauschalen und Zuordnungskriterien für MEL - Gruppen. Modell 2005 118 Allmer, G. (2002) Einführung in das Sozialversicherungsrecht. Skriptum an der Donau- Universität Krems anlässlich des 9. Postgradualen Lehrganges für Gesundheitsmanagement, S 31 119 Schröck, T. (2003) Gesundheitsökonomie, S 60 120 Wagner, M. (2004) Vortrag in Wien, Hebammenzentrum am 18.9.2004 49 evidenzbasierten Medizin beruhen. Diese sind nach Evidenzhierarchien gereiht. So gibt es 34 Empfehlungen die dem Grad 1 entsprechen, 17 die dem Grad 2 entsprechen usw. und die speziellen Indikationen oder Situationen zugeordnet sind. Diese Richtlinien sollen für Geburtshelfer in den Kliniken eine Entscheidungshilfe bilden, um sich dann in der konkreten Situation besser und sinnvoller entweder für oder gegen eine Sectio entscheiden zu können. 121 Kritiker dieser Leitlinien bemängeln allerdings die vage Haltung der Verfasser und eine Verwässerung der wichtigsten Argumente, die gegen einen Kaiserschnitt sprechen.122123 Da in verschieden wissenschaftlichen Arbeiten immer wieder auf die vorbildliche Praxis in den skandinavischen Ländern hingewiesen wurde, schien es interessant, diesen Informationen auf die Spur zu gehen. Es zeigt sich in Bezug auf die Sectioraten, dass die Niederlande die insgesamt niedrigsten Kaiserschnittraten zu verzeichnen haben, Finnland jedoch die, die in den letzten Jahren am geringfügigsten angestiegen sind. Ebenso gehören Norwegen (2000: 15,6%) und Dänemark (2000: 16%) zu den Ländern mit den wenigsten Schnittentbindungen. Beim Niveau der perinatalen Sterblichkeit ebenso wie bei der Säuglingssterblichkeit sind die skandinavischen Länder vorbildlich. Die geringste Säuglingssterblichkeit in der EU weisen Island (2,2), Schweden (2,8) und Finnland (3) aus. In diesen Ländern liegen die Raten bis zu 30 Prozent unter dem EU-Schnitt. Finnland, welches 1990 den besten Wert auswies, verzeichnete 1998 einen leichten Anstieg und wurde von den konstant sinkenden Werten Schwedens überholt. In diesen Ländern wird traditionellerweise die Geburt als physiologischer Prozess (siehe Forschungsfrage 9) betrachtet und niedrige Interventionsraten zählen als Erfolg.124 121 National Institute for Clinical Excellence (2004) Caesarean section-Clinical Guideline 13. http://www.nice.org.uk/page.aspx?o=113190 122 Beech, B. L. (2004) NICE guidelines for caesarean section. AIMS Journal, 16 (2) 123 Feinmann, J (2002) How to limit caesareans on demand-too NICE to push? Lancet 359 (9308 ), S 774 124 Johanson, R., Newburn, M. & Macfarlane, A. (2002) Has the medicalisation of Childbirth gone too far? British Medical Journal 13 (7342) S 892-895 50 Abbildung 10: Sectioraten in Prozent der Lebendgeburten, Finnland, Schweden, Niederlande Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage Abbildung 11: Säuglingssterblichkeit pro 1.000 Lebendgeburten, Finnland, Schweden, Niederlande Quelle: OECD Health Data 2004, 3. Auflage Eine Expertengruppe hat verschiedene Gesundheitssysteme bezüglich ihrer Mutterschaftsleistungen miteinander verglichen. Bei den skandinavischen Ländern und in den Niederlanden zeigten sich einige Parallelen bezüglich der Betreuung und Versorgung von 51 schwangeren Frauen und in der interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen während Schwangerschaft und Geburt.125 5.6.3 Skandinavien und Niederlande Schweden Schwedens Bevölkerung umfasst ca. neun Millionen Menschen mit einer jährlichen Geburtenrate von durchschnittlich 90.000 Geburten. Das Nationale Gesundheitssystem ist verantwortlich für die Versorgung aller Mutterschaftsleistungen. Der Großteil der Schwangerschaftsvorsorge wird von Hebammen geleistet und die Hebamme überweist die Schwangere an einen Geburtshelfer, wenn es notwendig ist. Routinemäßig gehören zwei Besuche beim Gynäkologen zur Schwangerschaftsfürsorge. Schweden hat zwei große Perinatalzentren, aber überall sonst ist die Hebamme hauptverantwortlich für Frauen mit geringem Schwangerschaftsrisiko. Die Frauen erhalten ihre Mutterschaftsleistungen über ein hoch koordiniertes System von Kliniken (mothercare centers) und Krankenhäusern. Der Schwerpunkt dieses Systems liegt in den sozialen Auflagen und dem multidisziplinären Teamwork der verschiedenen medizinischen Berufsgruppen. Finnland Finnland hat 5,1 Millionen Einwohner und durchschnittlich 56.700 Geburten jährlich zu verzeichnen. Fünfundzwanzig Krankenhausdistrikte sind für die Versorgung und Koordinierung der Pflegeeinrichtungen verantwortlich. Die Mutterschaftsfürsorge wird von verschiedenen Gesundheitsberufen geleistet (Hebammen, Krankenschwestern, praktischen Ärzten und Gynäkologen). Gemeindeverwaltungen können Hebammen und Krankenschwestern für die Schwangerenvorsorge und Wochenbettpflege einstellen und beschäftigen, diese sind jedoch meist in den Gemeindespitälern tätig. Das vorherrschende System betreibt eine intensive Schwangerenfürsorge vor Ort, bis es notwendig ist, die Schwangere zur Geburt ins Krankenhaus einzuweisen. Hebammen tragen die Hauptverantwortung für Frauen mit geringem Schwangerschaftsrisiko, unterstehen jedoch der Aufsicht von Gynäkologen. 125 NHS Scotland (2002) Expert Group on Acute Maternity Services: Reference Report. http://www.show.scot.nhs.uk 52 Niederlande Bei einer Population von 16 Millionen Menschen werden in den Niederlanden jährlich annähernd 200.000 Babys geboren. Es gibt ein zweifaches Versicherungssystem, ein öffentliches und ein privates. Der Fokus der Mutterschaftsfürsorge liegt auf der „Normalität“ und basiert auf einer abgestuften Risiko Einschätzung. Für Schwangere mit geringem Risiko sind die Hebamme und der praktische Arzt die erste und einzige Anlaufstelle während der Schwangerschaft. Die Berufsgruppen arbeiten gut zusammen und es existieren klare Leitlinien. Die Hausgeburtenrate ist hoch (33%) und die Mehrheit der „low-risk“ Frauen entbinden in einer Hebammen Einheit. Die Hebamme muss innerhalb von zwanzig Minuten bei einer Frau sein, wenn diese eine Hausgeburt wünscht. Wenn die Geburt in einer Hebammen Einheit stattfindet, werden die Frauen nach 24 Sunden entlassen und die Wochenbettpflege wird von einer eigens dafür vorgesehenen Pflegerin übernommen. Auffallend ist in diesen Ländern die Zuständigkeit der Hebamme und des praktischen Arztes für die „normale“ Schwangerschaft und Geburt, und damit einhergehend scheinbar geringeren Interventionsraten. Die Professionalität der verschiedenen Berufsgruppen, klar abgegrenzte Kompetenzen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit machen diese Art der Mutterschaftsfürsorge erst möglich. Die zunehmende Medikalisierung der Geburtshilfe führt nicht in dem Maße zur Verbesserung der kindlichen und mütterlichen Morbiditäts- und Mortalitätsraten, wie es deren Befürworter gerne sehen würden. Die Kritik, durch eine weitergehende Einbeziehung der Hebamme in die Schwangerschaftsvorsorge und in die Geburtshilfe, würde sich der Gesundheitszustand von Mutter und Kind verschlechtern, ist in Anbetracht der erhobenen Daten zurückzuweisen. Die oben genannten Länder zeigen, dass mit wesentlich geringerem Aufwand sogar die besseren Resultate zu erzielen sind. Die Gesundheitssystemforschung kann eine Hilfe beim Vergleich verschiedener Gesundheitssysteme im Hinblick auf Effektivität und Effizienz sein und zugleich Orientierungshilfe, wenn Reformbedarf in einem System besteht. Man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn man sich an der zurzeit bestehenden „besten Praxis“ orientieren kann. 53 5.7 Weitere Ergebnisse aus Public Health Sicht Neben der Erfassung von epidemiologischen und ökonomischen Daten zeigt sich in der evidenzbasierten Literatur ein reges Interesse für wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung, Prävention, und für ethische und sozialpolitische Fragen besonders im Hinblick auf die Senkung der Kaiserschnittraten. 5.7.1 Salutogenese Das salutogenetische Konzept scheint sich besonders gut im Hinblick auf den Anwendungsbereich der Schwangerschaftsvorsorge und Geburt zu eignen (siehe Forschungsfrage 20). In Österreich werden die in der Schwangerschaft vom Arzt regelmäßig gemachten Untersuchungen im Mutter-Kind-Pass dokumentiert. Dadurch sollen mögliche Gefahren für Mutter und Kind rechtzeitig erkannt und mögliche Gesundheitsstörungen einer Behandlung zugeführt werden. Vorrangiges Ziel der ärztlichen Schwangerschaftsvorsorge ist die frühzeitige Erkennung von Risikoschwangerschaften und – Geburten. Doch die Zeit für eine Vorsorgruntersuchung beim Gynäkologen ist meist sehr begrenzt und die Frau wird oft nicht als „Ganzes“ in ihrem Umfeld wahrgenommen, sondern der Fokus ist auf den einzelnen Befund gerichtet. Die Frau wird zur Patientin und die Fahndung nach Pathologien führt dann auch zu einer zunehmenden Pathologisierung der Schwangerschaft. Wie schon weiter oben angeführt, wird bereits ein Großteil aller Schwangerschaften als Risikoschwangerschaften definiert. So ist es nicht verwunderlich, dass Frauen sich nach einer Vorsorgeuntersuchung verunsichert fühlen und sich mit Gedanken und Sorgen bezüglich ihrer Risikoschwangerschaft beschäftigen. Aus salutogenetischer Sicht würde die Schwangernvorsorge an anderer Stelle ansetzen und das soziale Modell würde vor dem medizinischen Modell stehen. Die individuelle Lebenssituation der Frau auf sozialer-, psychischer-, physischer- und familiärer Ebene könnte in Erfahrung gebracht werden und so zur Ressourcenmobilisierung genutzt werden. Da Schwangerschaft und Geburt grundsätzlich Teil der weiblichen Körperfunktionen sind und physiologisch ablaufen, sollte das Hauptaugenmerk eben auf dieser ohnehin vorhandenen Fähigkeit der Frau zu gebären liegen. Sie zu ermutigen, sich ihrer natürlichen Stärke und Kompetenz bewusst zu werden und ihren persönlichen Vorstellungen und Bedürfnissen Raum zu geben, könnte helfen, die voranschreitende Medikalisierung in der Geburtshilfe 54 einzudämmen und die Kontrolle über Schwangerschaft und Geburt wieder in die Hände der Frau zu legen. Förderliche Einflussfaktoren, die einen positiven Effekt auf die mütterliche Zufriedenheit haben, sind in Untersuchungen nachgewiesen worden. Partizipation in Entscheidungsprozessen (Kontrolle, Selbstbestimmung) und emotionale Unterstützung (kontinuierliche Begleitung) waren die am häufigsten genannten Einflussfaktoren. Aber auch die Durchführung einer alternativen Geburt, Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs, Geburt ohne Analgetikagaben, optimistische Erwartungen und ein hohes Selbstwertgefühl der Mutter hatten einen positiven Effekt auf das Geburtserleben.126 Ungestörtheit und sichere Umgebung wurden ebenfalls als sehr wichtig eingestuft. Insgesamt wurden folgende positive Einflussfaktoren genannt: o Wahlmöglichkeit in Bezug auf anwesende Personen, Gebärposition, medizinische Interventionen, Entbindungsort, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme o Bewegungsfreiheit o Ruhe (Stille und Ungestörtheit) o Anwesenheit des Partners o sichere Umgebung o kompetente und empathische Hebammenbetreuung o funktionierende Teamarbeit o realistische Vorinformationen und gute Vorbereitung o Übereinstimmung von Empfindungen und Messwerten, Empfindungen und Aussagen des geburtshilflichen Personals o Schutz der Privatsphäre o Zurückhaltung des geburtshilflichen Personals o Gebärende steht im Mittelpunkt o gute Atemtechnik127 Diese Faktoren können aus salutogenetischer Sicht von der Gebärenden und ihren Begleitpersonen für eine zufrieden stellende und gut verlaufende Geburt genützt werden. Das 126 Borrmann, B. (2001) Salutogenetische Einflussfaktoren im Geburtsverlauf aus Muttersicht. In: Neises, M., Bartsch, S. & Dohnke, H. (Hrsg.) Psychosomatische Gynäkologie und Geburtshilfe. Beiträge zur Jahrestagung 2002. Gießen: Psychosozialverlag. S 303 -311 127 vgl. ebenda 55 Kohärenzgefühl wird durch eine Geburtssituation, die durch emotionale Sicherheit, Selbstbestimmung und weitgehende Widerspruchsfreiheit gekennzeichnet ist, gestärkt oder gefestigt. Ist die Gebärende mit der erlebten Geburt zufrieden, so wirkt sich das auch auf das allgemeine Wohlgefühl der Frau aus. Sie kann weiteren Anforderungen im Leben mit einer besseren Voraussetzung begegnen und verfügt über mehr Stärke in ihren Fähigkeiten, diese Situationen zu bewältigen. In Anbetracht der gegenwärtigen Situation zeigt sich das salutogenetische Modell als anwendbare Alternative zur interventionellen Geburtshilfe, mit dessen Einsatz sich eine Senkung der Sectioraten durchaus erreichen ließe (siehe Forschungsfrage 19), und mit dem darüber hinaus eine Steigerung der Zufriedenheit und des Wohlbefindens der Mütter erzielt werden kann. 5.7.2 Prävention Die Prävention versucht, anders als die Gesundheitsförderung, eine gesundheitliche Schädigung durch gezielte Aktivitäten zu verhindern, weniger wahrscheinlich zu machen oder zu verzögern.128 Vorrangiges Ziel der Prävention sollte die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung sein. Die Einführung des Mutter-Kind-Passes war eine Präventivmaßnahme, die ausschließlich darauf abzielte, Risikofaktoren der Schwangerschaft, der Geburt und der frühen Kindheit zu erkennen, um vorbeugende Maßnahmen ergreifen zu können und um gegebenenfalls eine rechtzeitige medizinische Behandlung zu ermöglichen. Fast 100% aller Schwangeren in Österreich besitzen einen solchen Mutter-Kind-Pass. Doch dieser schützt die Frauen nicht vor dem Risiko eines womöglich unnötig gemachten Kaiserschnittes. In den Datenbanken der evidenzbasierten Medizin finden sich einige Lösungsansätze, die beschreiben, mit welchen Maßnahmen die Sectioraten gesenkt werden können. Dazu gehören umfassende Information und Aufklärung der Frau und die kontinuierliche Betreuung der Frau durch eine Person während der Schwangerschaft und Geburt. Die Ergebnisse einer MetaAnalyse129 zeigen die Bedeutung einer kontinuierlichen Unterstützung und Betreuung als 128 Walter, U. & Schwartz, F. W. (2003) Prävention. In: Schwartz, F.W., Badura, B., Busse, R., Leidl, R., Raspe, H., Siegrist, J., & Walter, U. (Hrsg.) Public Health. Gesundheit und Gesundheitswesen. München: Urban & Fischer. S 189 129 Walker, R., Turnbull, D. & Wilkinson, C. (2002) Strategies to address global caesarean section rates: a review of the evidence. Birth, 29 (1), S 28-39 56 wichtigen psychosozialen Faktor zur Senkung der Sectioraten. Fünfzehn randomisiert kontrollierte Studien, an denen 12.791 Frauen teilgenommen hatten, ergaben, dass sich durch einen kontinuierlichen Beistand für Frauen die Wahrscheinlichkeit für intrapartal verabreichte Analgetika und/oder eine operative Geburtsbeendigung verringerte (siehe Forschungsfrage 19) und die Frauen mit dem Geburtserlebnis zufriedener waren.130 5.7.3 Die Wunschsectio aus ethischer Sicht Gesundheitsorganisationen wie WHO und FIGO lehnen es als unethisch ab (siehe Forschungsfrage 15), Patientinnen die Wahl zum Kaiserschnitt auf Verlangen zu offerieren, da es keine verfügbaren evidenzbasierten Daten für einen Benefit der Wunschsectio gibt. 131 Außerdem wird bezweifelt, dass sich Frauen wirklich einen Kaiserschnitt wünschen, sondern dass der Fokus deshalb auf diese Frage gelenkt wird, um vom ärztlichen Einfluss auf die Sectioraten abzulenken.132 Es ist leicht, eine Frau zum Kaiserschnitt zu „überreden“, speziell wenn sie besonders ängstlich ist, denn die meisten Frauen wählen die Sectio aus Angst vor Schmerzen oder aus Angst vor der Geburt. In einer Finnischen Untersuchung zeigte sich, dass Ängstlichkeit, geringes Selbstwertgefühl, Partnerschaftsprobleme, Depressivität sowie traumatische Erfahrungen mit dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt verbunden waren. 133 Die zunehmend geübte Praxis, den Kaiserschnitt auf Wunsch anzubieten, muss daher in Zeiten der evidenzbasierten Medizin als seltsam anmutende psychiatrisch/psychotherapeutische Therapie in Form einer operativen Intervention angesehen werden. 5.7.4 Soziologie und Psychologie Welche Art von Geburt wünschen sich nun Frauen wirklich? Den Wunsch nach einem geplanten Kaiserschnitt (siehe Forschungsfrage 13) formulierten 1996 erstmals britische Ärztinnen. 31% der Gynäkologinnen, aber nur 8% ihrer männlichen Kollegen befürworteten 130 Hodnett, E.D., Gates S. Hofmeyer, G.J. & Sakala, C. (2003) Continuous support during childbirth. The Cochrane database of Systematic Reviews 2003 (3): CD003766. 131 Wax, J.R., Cartin, A., Pinette, M.G. & Blackstone, J. (2004) Patient choice caesarean: an evidence- based review. Obstet Gynnecol Surv, 59 (8), S 601-616 132 Gamble, J.A. & Creedy D.K. (2000) Women´s request for a caesarean section: a critique of the literature. Birth, 27 (4), S 256-263 133 Saisto, T. & Halmesmaki, E. (2003) Fear of childbirth: a neglected dilemma. Acta Obstet Gynecol Scand, 82 (3), S 201-8 57 auch bei ansonsten unkomplizierter Schwangerschaft einen Kaiserschnitt. Im Jahr 2000 hatte sich das Bild bereits gewandelt. Bei einer Umfrage in den USA plädierten nach wie vor ein Drittel aller Gynäkologinnen für einen Kaiserschnitt, aber 57% der Gynäkologen würden ihrer Frau inzwischen dazu raten. Hebammen aber haben einen solchen Sinneswandel nicht durchlaufen. Bei einer Umfrage im Jahr 2002 zeigt sich eine 100% Ablehnung des Kaiserschnittes von Hebammen bei einer unkomplizierten Schwangerschaft.134 Nur 15% der schottischen Gynäkologinnen zeigten sich in einer ähnlichen Umfrage aus dem Jahr 2002 bereit, eine elektive Sectio zu wählen, und es war keine einzige Gynäkologin darunter, die bereits selbst vaginal entbunden hatte.135 In Deutschland wurden für eine Studie 1400 Frauen vor und nach der Geburt befragt. Dabei hatten nur vier Prozent der Befragten einen Kaiserschnitt gewünscht. Auffällig dabei war, dass die Sectio eher von ängstlichen und depressiven Müttern und seltener von beruflich erfolgreichen Frauen gefordert wurde.136 Was ist nun also an der Behauptung daran, dass Frauen sich zunehmend einen Kaiserschnitt wünschen? Diese Behauptung ist sehr mit Vorsicht zu genießen, da es noch zu wenige Untersuchungen darüber gibt, und von denen die durchgeführt wurden, neigt der Großteil zu der gegenteiligen Ansicht. Aus psychologischer Sicht spricht das fehlende Geburtserlebnis gegen einen geplanten Kaiserschnitt ohne medizinischen Grund. Durch die vermehrte Ausschüttung von Endorphinen unter der Geburt wird das Erleben der Geburt oft als euphorischer, beglückender Moment beschrieben und Schmerzen werden schnell wieder vergessen, da das positive Erlebnis in der Vordergrund rückt. Das Hochgefühl, das Frauen nach einer Geburt erleben, ist schwer zu beschreiben und ist am ehesten eine Mischung aus Stolz, es geschafft zu haben, Freude über das Kind und Erleichterung darüber, dass die Geburt gut verlaufen ist. Ein positives Geburtserlebnis nach einer normalen Geburt ist der beste Garant, bei erneuter Schwangerschaft wieder vaginal entbinden zu können. Frauen nach einem Kaiserschnitt beklagen sich häufig über das fehlende Geburtserlebnis oder spüren, dass etwas fehlt und wundern sich darüber, nicht mehr Freude über die Geburt empfinden zu können. Deshalb sollen und dürfen auch die sozialen und psychologischen Aspekte der 134 Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2004) Ansteigen der Kaiserschnittraten: Geburtsmedizin in anderen Umständen. http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/88076/ 135 MacDonald, C., Pinion, S.B. & MacLeod, U.M. (2002) Scottish female obstetricians´ views on elective caesarean section and personal choice for delivery. Journal Obstet Gynaecol, 22 (6), S 586-9 136 Ärzte Zeitung (2005) Nur wenige Frauen wünschen Geburt per Sectio. http://www.aerztezeitung.de 58 Geburt nicht außer Acht gelassen werden, denn zur Definition von Gesundheit gehört auch die Erreichung eines vollständigen Stadiums physischen, mentalen und sozialen Wohlgefühls.137 Wenn den Frauen vermehrt das Gefühl gegeben wird, sie seien nicht in der Lage, ein Kind spontan zur Welt zu bringen und damit das Vertrauen in ihre ureigensten Fähigkeiten erschüttert wird, hat das für sie, für ihr Umfeld und für die ganze Gesellschaft sicher weit reichende soziale und psychologische Konsequenzen. 5.7.5 Kinder der Zukunft Verschiedene Wissenschafter haben bereits in ihren Arbeiten aufgezeigt, welche Bedeutung die Geburt für die spätere Entwicklung des Kindes hat. Vor allem auf dem Gebiet der Neurophysiologie und der Neuropsychologie wurden die Auswirkungen der physiologischen Geburt auf die Gehirnentwicklung untersucht. So wurde nachgewiesen, dass der Geburtsstress, den Wehen beim Kind auslösen, zu einem starken Anstieg des Katecholaminspiegels führt, der wiederum notwendig ist, um das Kind in der nachgeburtlichen Phase bestmöglich an das Leben anzupassen. Die Atemfunktion, die Fähigkeit, die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten und die Glucosereserven werden durch den hohen Hormonspiegel „gestresster“ Kinder positiv beeinflusst. Zusätzlich haben die Katecholamine den Effekt, dass das Kind die ersten Stunden nach der Geburt außergewöhnlich wach und aufmerksam ist. Besonders wichtig ist dies für die erste sensible Phase nach der Geburt, für das Zustandekommen der Mutter-Kind Bindung.138 Außerdem werden durch den taktilen Reiz, den die Uteruskontraktionen beim Kind auslösen, die peripheren, sensorischen Nerven angeregt. Die dadurch stimulierten nervösen Impulse laufen im zentralen Nervensystem zusammen und werden dann durch das vegetative Nervensystem den verschiedenen Organen zugeleitet. Ein Mangel an solcher Stimulation, wie es beim primären Kaiserschnitt der Fall ist, kann zu Störungen in den gastrointestinalen, urogenitalen und in den Atmungsfunktionen führen, da diese Organe nur ungenügend 137 Piribauer, F. (2004) Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung. WHO Definition Health Promotion. Skriptum im Rahmen des 9. PGGM an der Donau- Universität Krems, S 8 138 Eliot, L. (2001) Was geht da drinnen vor? Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren. Berlin: Berlin Verlag. S 142-144. 59 aktiviert werden.139 Frühkindliche Reflexe, wie zum Beispiel der „Asymmetrische Tonische Nackenreflex“ werden durch den Massageeffekt der Wehen und das Durchschrauben des Babys durch den Geburtskanal aktiviert und verstärkt. Dieser Reflex bildet die Grundlage für spätere gezielte Greif- und Streckbewegungen. Durch die mangelhafte Aktivierung einiger frühkindlicher Reflexe bei Kaiserschnittkindern scheint ein größeres Risiko für spätere Entwicklungsverzögerungen zu bestehen.140 Störungen des Verhaltens (übersteigerte Aktivität, negatives Verhalten und leichte Ablenkbarkeit) und Entwicklungsverzögerungen im sprachlichen und manuellen Bereich sowie die spätere Beherrschung von Stuhlgang und Wasserlassen sind vor allem bei Frühgeburten nach Kaiserschnitt beschrieben.141 Wenn also die physiologische Geburt derartig wichtig für die Entwicklung des Kindes ist, muss man sich fragen, wie es um Kaiserschnittkinder bestellt ist (siehe Forschungsfrage 16). Es gibt allerdings kaum jemanden der untersucht hätte, ob bei Sectiokindern durch das Fehlen des Geburtsprozesses und damit verbunden durch die mangelnden taktilen oder sensorischen Reize, ein Anlass für Entwicklungs-, Verhaltens- oder Lernstörungen gegeben ist. Wenn dem so ist, müsste dies der kindlichen Morbidität zugerechnet werden. Es gibt einige Vermutungen die dafür sprechen142, aber Langzeituntersuchungen zu diesem Thema stehen noch aus. Es bedarf einer fächerübergreifenden Forschung von Pädiatern, Neurophysiologen, Psychologen und Soziologen, um die Auswirkungen der hohen Sectioraten auf Kinder zu erfassen. Besonders wenn es um medizinisch nicht indizierte Kaiserschnitte geht, sollte die Gesellschaft ihre Kinder in Zukunft vor möglichen Schäden bewahren. 139 Montagu, A. (2000) Körperkontakt. Die Bedeutung der Haut für die Entwicklung des Menschen. Stuttgart: Ernst Klett Verlag. S 45-51. 140 Goddard, S. (2002) Greifen und Be-Greifen. Wie Lern- und Verhaltensstörungen mit frühkindlichen Reflexen zusammenhängen. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH. S 29 141 Montagu, A. (2000) Körperkontakt. Die Bedeutung der Haut für die Entwicklung des Menschen. Stuttgart: Ernst Klett Verlag. S 47. 142 Eliot, L. (2001) Was geht da drinnen vor? Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren. Berlin: Berlin Verlag. S 159 60 6. Mögliche Interventionen International wurde das besorgniserregende Ansteigen der Sectioraten inzwischen erkannt und es wird nach Lösungen gesucht, um die hohen Raten wieder zu senken (siehe Forschungsfrage 19). Vor allem die Englisch sprechenden Länder wie Kanada, USA, Großbritannien und Australien, die diese Entwicklung schon etwas länger als die Europäer beobachten können, widmen Ihre Forschungsarbeiten der Frage, welche Faktoren notwendig sind, um die Sectioraten wieder auf ein akzeptables Maß zu senken, in der Hoffnung, die erhaltenen Antworten würden helfen, das Problem zu lösen. In den EbM Datenbanken wurden dazu zwei Metaanalysen gefunden. Wie schon erwähnt bezieht sich eine 143 auf die kontinuierliche Betreuung der Schwangeren durch eine Person, die zweite bezieht sich auf klinische Interventionen wie Äußere Wendung von Beckenendlagen und vaginale Geburt nach Sectio caesarea, mir deren Hilfe sich die Kaiserschnittraten senken lassen.144 Eine randomisiert kontrollierte Studie zeigte eine signifikante Verringerung der Sectioraten (bei gleichem perinatalem Outcome), wenn in der Versorgung der Schwangeren Hebammen und Geburtshelfer gemeinsam verantwortlich sind, gegenüber der üblichen Versorgung in einem Standardkrankenhaus.145 Außerdem zeigte sich die Einholung einer zwingend vorgeschriebenen zweiten Meinung als signifikant in der Reduktion der Sectioraten146. Weiters haben Einrichtungen die eine „hausgeburtsähnliche“ Geburtshilfe ermöglichen signifikant mehr spontane Entbindungen zu verzeichnen als konventionelle Einrichtungen.147 Vier weitere wissenschaftliche Arbeiten bestätigen eine höhere Rate an vaginalen Geburten und geringere Interventionsraten in von Hebammen geführten Einheiten, und damit 143 Hodnett, E.D., Gates S. Hofmeyer, G.J. & Sakala, C. (2003) Continuous support during Childbirth. The Cochrane database of Systematic Reviews 2003 (3): CD003766. 144 Walker, R., Turnbull, D. & Wilkinson, C. (2002) Strategies to address caesarean section rates: a review of the evidence. Birth, 29 (1), S28-39 145 Homer, C.S. et al (2001) Collaboration in maternity care: a randomised controlled trial comparing community-based continuity of care with standard hospital care. BJOG 108 (1) S 16-22 146 Althabe, F. et al (2004) Mandatory second opinion to reduce rates of unnecessary caesarean sections in Latin America: a cluster randomised controlled trial. Lancet, 363 (9425), S 1934-1940 147 Hodnett, E.D., Downe, S., Edwards, N. & Walsh, D. (2005) Home-like versus conventional institutional settings for birth. The Cochrane Database of Systematic Reviews. http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD000012/abstract 61 einhergehend eine Außerklinischen größere Zufriedenheit Geburtshilfe Deutschland der Frauen.148 2002, der die Im Qualitätsbericht Ergebnisse über der den gesundheitlichen Zustand von 9.382 außerklinisch betreuten Frauen und Kinder belegt, zeigte sich eine Verlegungsrate in die Klinik von 1171 Frauen, eine Sectiorate von 4,7% und eine Perinatale Mortalitätsrate von 0,2% aller Geburten.149 Nach einer Risikoeinstufung hatten 49,8 Prozent der Frauen kein Risiko aufzuweisen, gegenüber 1,9% der klinisch entbundenen Frauen. Diese beeindruckenden Ergebnisse bestätigen die Daten aus der evidenzbasierten Medizin. In Folge haben in Schottland vier evidenzbasierte Empfehlungen dazu geführt, die Interventionsrate in der Geburtshilfe zu senken: o Versuch, auch nach einem Kaiserschnitt beim folgenden Kind vaginal zu entbinden o Versuch einer externen Wendung bei Beckenendlage o Dokumentation der Sectioraten und wiederholte Diskussion der Indikationen o Betreuung jeder Schwangeren durch eine Hebamme150 Dieses Vorgehen entspricht weitgehend den Empfehlungen der evidenzbasierten Medizin und der gängigen Praxis in den Skandinavischen Ländern und den Niederlanden und scheint ein nachahmenswertes Modell zu sein, da es scheinbar ohne größeren Aufwand umgesetzt werden kann. Es bedarf dazu allerdings einiger Voraussetzungen, ohne die eine Senkung der Sectioraten nicht möglich scheint. 6.1 Umfassende Information Der Öffentlichkeit muss komplette und ehrliche Information über die guten und schlechten Resultate der Sectio zur Verfügung gestellt werden, auch wenn das bedeutet, dass der Arzt vielleicht Macht verliert und die Existenz mancher geburtshilflicher Praktiken bedroht wird. Gesundheitspersonal, Public-Health Fachleute, Politiker und die Öffentlichkeit haben das Recht, die Durchschaubarkeit der Praktiker und Praktikerinnen im Gesundheitswesen zu 148 siehe Anhang 149 Qualitätsbericht (2002) Außerklinische Geburtshilfe in Deutschland. http://www.quag.de/downloads/qm_bericht2002.pdf 150 Johanson, R., Newburn, M. & Macfarlane, A. (2002) Has the medicalisation of childbirth gone too far? British Medical Journal, 324 (7342), S 892-895 62 fordern. Die Vertraulichkeit der Patientendaten muss natürlich gewährleistet bleiben, aber der Zugang zu Sammeldaten bezüglich Effektivität und Effizienz medizinischer Interventionen sollte der Öffentlichkeit im Zeitalter der Informationstechnologie zugänglich gemacht werden. Dabei ist die umfassende Information von Frauen von besonderer Bedeutung, vor allem im Hinblick auf einen Wunschkaiserschnitt. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Frauen für sich eine Sectio ohne medizinische Indikation wählen würden, wenn ihnen alle wissenschaftlichen Daten über die Risiken für sie und ihre Kinder zur Verfügung stünden. Denn Selbstbestimmung (siehe Forschungsfrage 14) im Sinne der Ethik bedeutet nicht das Recht einen großen chirurgischen Eingriff zu fordern, sondern das Recht, vor jeder medizinischen Intervention wie der eines Kaiserschnitts, die gesamte unbeeinflusste Information zu erhalten.151 6.2 Förderung einer evidenzbasierten Geburtshilfe Zwischen der geburtshilflichen Praxis und der wissenschaftlichen Evidenz klafft nach wie vor ein Loch und weder Gesundheitspersonal noch staatliche Institutionen haben es geschafft, diese Kluft zu überwinden. Meinungsbildner des medizinischen Establishments sind oftmals nicht bereit, ihre Haltung und ihre Praxis anhand der Ergebnisse der evidenzbasierten Ergebnisse zu revidieren. Dabei würden gerade evidenzbasierte Praxisrichtlinien die Gefahr von Fehlverhalten im geburtshilflichen Management und damit verbunden, vor juristischen Konsequenzen, minimieren. Nicht zu Unrecht fordern deshalb große Gesundheitsorganisationen wie WHO152 und Gesundheitsinstitute wie NIH153 und FIGO154 die Überprüfung von Entscheidungen, die die geburtshilfliche Praxis betreffen, anhand der aktuellen Evidenz vorzunehmen. Oftmals scheitern die Bemühungen des Gesundheitswesens in diese Richtung zu gehen aber am Willen der Beteiligten. 151 Wagner, M. (2001) Fish cant´ see water: the need to humanize birth. International Journal of Gynaecology and Obstetrics, 75 (1), S 25-37 152 WHO (1996) Care in normal birth. http://www.who.int/reproductiv-health/publications 153 National Institute of Health (1981) Caesarean childbirth. Summary of an NIH consensus Statement. British Med. J. (Clinical Research Edition), 282 (6276), S 1600-1604. 154 FIGO Committee for the Ethical Aspects of Human reproduction and Woman’s Health (1999) Ethical aspects regarding caesarean section delivery for non- medical reasons, International Journal Gynecol Obstet, 2989 (321), S 1804-11 63 Gerade im Bereich der Ursachenerforschung, wie die der ständig steigenden Sectioraten aufgrund von immer weiter gestellten Indikationen, falsch positiven CTGs und der Wunschsectio, ist in den letzten Jahren einiges an neuer Erkenntnis hinzugekommen. Eine Senkung der Sectioraten durch Wendung von Beckenendlagen und dem Versuch einer vaginalen Entbindung nach vorangegangener Sectio ist wissenschaftlich bewiesen und sollte von Medizinern nicht weiter ignoriert werden. Das bedeutet aber, dass Ärzte sich in Zukunft mehr mit der evidenzbasierten Medizin auseinandersetzen müssen, wenn sich ihre Praxis anhand von wissenschaftlich untermauerten Fakten ändern soll. 6.3 Hebammen betreute Geburt Eine Meta- Analyse von 15 Studien, in denen hebammengeleitete Geburten mit arztgeleiteten verglichen wurden, fanden keine Unterschiede im Ergebnis für die Mütter oder Neugeborenen, außer dass bei den Hebammen weniger Kinder mit einem geringen Geburtsgewicht auf die Welt kamen.155 Die größte der Studien zum Thema Hebammenbetreuung umfasste mehr als vier Millionen Geburten in den USA. Verglichen mit den von Ärzten betreuten Geburten hatten hebammengeleitete Geburten eine um 19 % niedrigere Säuglingssterblichkeit, 33% niedrigere Neugeborenensterblichkeit und 31% niedrigere Rate an geringen Geburtsgewichten.156 Für eine hebammenorientierte Geburtshilfe sprechen die geringeren Interventionsraten, damit einhergehend die Senkung der Kaiserschnittraten und eine Primärversorgung, die genauso sicher oder sicherer ist als durch Ärzte. Dieses wissenschaftlich belegte Ergebnis bringt zudem auch eine Kostensenkung der Ausgaben geburtshilflicher Abteilungen, die letztlich dem Gesundheitswesen zugute kommt. In Österreich sind Hebammen vom Gesetz her zu einer eigenständigen Betreuung, Beratung und Pflege der Schwangeren und zu der Betreuung und Leitung einer physiologischen Geburt berechtigt.157 Sie sind jedoch verpflichtet, bei Verdacht oder Auftauchen von Regelwidrigkeiten einen Arzt bei zu ziehen und unterliegen dann seinen Anordnungen. Aufgrund des bestehenden Dienstrechtes ist die im Krankenhaus tätige Hebamme gegenüber 155 Brown, S. & Grimes, D. (1995) A meta-analysis of nurse practitioners and nurse midwives in primary care. Nurs Res, 44, S 332-339 156 MacDorman, M. & Singh, G. (1998) Midwifery care, social and medical risk factors, and birth outcomes in USA. Journal Epidemiol Commun Health 52, S 310-407 157 Österreichisches Hebammengesetz (1994) Bundesgesetzblatt. § 2 (1) Tätigkeitsbereich der Hebamme, S 3222 64 dem Arzt weisungsgebunden und hat seinen Anordnungen Folge zu leisten. Das bedeutet für die Mehrzahl aller Geburten in Österreich, dass der Arzt die Geburt leitet (auch die physiologische) und die Hebamme kaum Mitspracherecht bei seinen Entscheidungen hat, besonders im Hinblick auf Interventionen, die während einer normalen Geburt getätigt werden. Die Ausbildung zur Hebamme dauert drei Jahre und findet nach Abschluss der Matura an einer Hebammenakademie statt. Das österreichische Hebammengremium ist bestrebt, den Hebammenberuf in Zukunft durch die Umwandlung der Akademien in Fachhochschulen aufzuwerten, und den gehobenen medizinisch- technischen Diensten anzugleichen. Zusätzlich zur praktischen und theoretischen Ausbildung soll der Zugang zu wissenschaftlichem Arbeiten ermöglicht werden. Einem entsprechenden Antrag auf Errichtung einer Fachhochschule wurde von Seiten des Bundesministeriums bereits zugestimmt. Der erste Fachhochschullehrgang wird voraussichtlich im Herbst 2006 beginnen. Dass Hebammen bereits jetzt eine hoch professionelle Berufsgruppe darstellen, zeigt eine Studie aus dem Wiener AKH, die die evidenzbasierten Ergebnisse anderer Studien bestätigt. 1352 Hebammengeburten wurden mit 1352 ärztlich geleiteten Geburten verglichen. Es zeigte sich eine signifikant geringere Wehenmittelgabe und eine signifikant geringere Rate an Episiotomien und Dammverletzungen aller Schweregrade bei den Hebammengeburten verglichen mit den ärztlich betreuten Geburten, bei gleichem kindlichen Outcome.158 Hebammengeführte geburtshilfliche Abteilungen in Krankenhäusern gibt es zurzeit in Österreich keine. Einige andere Länder haben die Vorteile dieses Modells im Hinblick auf die Zufriedenheit von Frauen, die niedrigeren Interventionsraten und die geringeren Kosten bereits gesehen und entsprechende Einrichtungen etabliert.159 Für Frauen mit geringem Risiko würden solche Abteilungen ebenfalls dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnittes zu senken. 158 Bodner-Adler, B., Bodner, K., Kimberger, O., Lozanov, P., Husslein, P. & Mayerhofer, K. (2004) Hebammengeburt versus ärztlich geleitete Geburt: Einfluss auf mütterliche und kindliche Faktoren. Spekulum, 21 (Sonderheft 1), S 36 http://www.kup.at/kup/pdf/4281.pdf 159 Cignacco, E., Buchi, S., & Oggier, W. (2004) Midwife-led labour in a Swiss hospital. Pflege, 17 (4), S 253- 261 65 7. Analyse der Ergebnisse Anhand aller vorliegenden Ergebnisse aus dem Bereich der evidenzbasierten Medizin und der statistischen und epidemiologischen Daten, kann davon ausgegangen werden, dass der Anteil von Kaiserschnitten über einer Rate von 15% auf das Konto der angebotsinduzierten Haltung von Medizinern geht. Die hohe Gynäkologendichte in Österreich ist sicher mitverantwortlich für das Steigen der Sectioraten in den letzten zehn Jahren und die Hypothese der Angebotsinduzierten Nachfrage kann damit als bestätigt angesehen werden. Die Ursachen dieser Entwicklung liegen im Bereich einer immer weiter gestellten Indikationenliste, der Verfügbarkeit neuer Technologien, der forensischen Absicherung und in persönlichen Vorteilen für den Arzt. Die quantitative Forschung zeigt eine damit einhergehende erhöhte mütterliche Mortalität und Morbidität und keine wesentliche Verringerung der perinatalen Mortalität und Morbidität. Die Auswirkungen der steigenden Sectioraten auf das österreichische Gesundheitswesen liegen in den hohen Kosten, ohne dass es dafür den Nachweis eines medizinischen Benefits gibt. Strittig ist zudem in Fragen der Ethik, ob Frauen die Option auf einen Wunschkaiserschnitt gegeben werden soll, besonders wenn sie unzureichend oder einseitig über die Folgen dieses Eingriffs, der ohne medizinische Indikation erfolgt, aufgeklärt werden. Aus der Sicht der qualitativen Forschung wurde kein Nachweis erbracht, dass Frauen sich wirklich in so hohem Maß einen Kaiserschnitt wünschen und systematische Patientenbefragungen über die Zufriedenheit nach Sectio fehlen. Die soziologischen und psychologischen Auswirkungen von mehr als 25% Sectiogeburten auf unsere Gesellschaft sind ungewiss und Forschungen dazu stehen noch aus. Aus der Sicht des Public-Health sind deshalb die politischen und medizinischen Entscheidungsträger unseres Landes aufgefordert, Strategien zu entwickeln, um die Sectioraten wieder zu senken. Die Gesundheitssysteme der Skandinavischen Länder können hier Vorbildcharakter haben, und auch andere Länder wie England, Kanada und Neuseeland haben vorbildliche Strategien entwickelt, um die Kaiserschnittraten zu reduzieren. Ein Umdenken in Richtung „Entpathologisierung“ von Schwangerschaft und Geburt und eine seriöse Risikoeinstufung sind allerdings die Voraussetzung dazu. Zusätzlich müssen auch organisatorische und strukturelle Reformen durchgeführt werden, um die finanziellen Anreize für Krankenhäuser und Ärzte zu minimieren. 66 Literaturverzeichnis Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2004) Ansteigen der Kaiserschnittraten: Geburtsmedizin in anderen Umständen. http://www.uniprotokolle.de/nachrichten/id/88076/ Abgefragt am 16.04.2005 Abelin, T., Junker, C. & Pereger, T. (1999) Epidemiologie und Gesundheitsstatistik. In: Gutzwiller, F. & Jeanneret, O. (Hrsg.) Sozial- und Präventivmedizin, Public Health. Bern: Hans HuberVerlag. S 103 Allmer, G. (2002) Einführung in das Sozialversicherungsrecht. Skriptum an der DonauUniversität Krems anlässlich des 9. Postgradualen Lehrganges für Gesundheitsmanagement, S 31 Althabe, F. et al (2004) Mandatory second opinion to reduce rates of unnecessary caesarean sections in Latin America: a cluster randomised controlled trial. Lancet, 363 (9425), S 19341940 Antonowsky, A. 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European Regional Office http://www.who.int/reproductive-health/publications/ Abgefragt am 12.11.2004 World Health Organisation (1996) Care in normal birth. http://www.who.int/reproductivhealth/publications Abgefragt am 12.11.2004 73 World Health Organisation (2004) Pregnancy, childbirth, postpartum and newborn care: Guide for essential practice (PCPNC Manual) Regional office for Europe. http://www.who.int/reproductive-health/publications/pcpnc/pcpnc.pdf Abgefragt am 12.11.2004 74 Abbildungsverzeichnis / Tabellenverzeichnis Abbildung 1 Sectioraten in Prozent aller Geburten, international Abbildung 2 Säuglingssterblichkeit in Prozent aller S 33 Lebendgeburten, S 34 international Abbildung 3 Müttersterblichkeit pro 100.000 Lebendgeburten, international S 36 Abbildung 4 Sectioraten in Prozent, bezogen auf Lebendgeburten, Österreich S 37 Abbildung 5 Säuglingssterblichkeit 1970 – 2003, Österreich S 38 Abbildung 6 Gesamte Gesundheitsausgaben pro Kopf in US-Dollar, S 45 Kaufkraftparitäten Abbildung 7 Akutbetten, pro 1000 Einwohner, in ausgewählten Ländern, S 46 Abbildung 8 Durchschnittliche Belagsdauer in Tagen, in ausgewählten Ländern S 46 Abbildung 9 Ärztedichte pro 1000 Einwohner in ausgewählten Ländern S 47 Abbildung 10 Sectioraten in Prozent der Lebendgeburten, Finnland, Schweden, S 51 Niederlande Abbildung 11 Säuglingssterblichkeit pro 1.000 Lebendgeburten, Finnland, S 51 Schweden, Niederlande Tabelle 1 Gynäkologendichte in Österreich 1981 - 2005 S 40 75 Abkürzungsverzeichnis CTG Cardio-Tokogramm DGGG Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe EbM Evidenz basierte Medizin EU Europäische Union FIGO Fédération internationale de gynécologie et d’obstétrique HELLP Haemolysis, elevated liver, low platelets, (schwere Spätgestose) HTA Health Technology Assessment LGR Leistungsgruppe LKF Landeskrankenanstaltenfonds NHI National Institute of Health NICE National Institute for Clinical Excellence OECD Organisation for Economic Cooperation and Development WHO World Health Organisation 76 Anhang 1. MedLine Folgende wissenschaftliche Arbeiten wurden in der MedLine Datenbank mittels Knowledge Finder-Software, anhand der MeSH-Begriffe (Medical Subjekt Headings) wie folgt gefunden: Reviews: Choosing caesarean section Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [statistics & Humans numerical data] [utilization] Internationality Surgical Procedures, Elective Patient Advocacy Pregnancy Pregnant Woman Risk Assessment The case against elective caesarean section Major Subject Heading(s) Attitude of Health Personnel Cesarean Section [adverse effects] Minor Subject Heading(s) Birth Injuries [etiology] [prevention & control] [utilization] Cesarean Section [mortality] Surgical Procedures, Elective [adverse Infant, Newborn effects] [utilization] Patient Acceptance of Health Care [psychology] [statistics & numerical data] Surgical Procedures, Elective [mortality] Vaginal Birth after Cesarean [adverse effects] [mortality] [utilization] 77 Fish can’t see water: the need to humanize birth Major Subject Heading(s) Health Knowledge Attitudes Practice Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [economics] [trends] Physician’s Practice Patterns [standards] Pregnancy Socioeconomic Factors World Health Midwifery care, social and medical risk factors, and birth outcomes in the USA Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Nurse Midwives [statistics & Birth Weight numerical data] Delivery, Obstetric [statistics & Prenatal Care [organization & numerical data] administration] Prenatal Care [standards] Socioeconomic Factors Patient choice cesarean: an evidence-bases review Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [ethics] Attitude of Health Personnel Evidence-Based Medicine Cesarean Section [adverse effects] Patient Participation [mortality] [psychology] Choice Behavior Maternal Mortality Physician’s Practice Patterns Pregnancy Outcome 78 Elective caesarean birth: issues and ethics of an informed decision Major Subject Heading(s) Decision Making [ethics] Ethics, clinical Informed Consent [ethics] Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [ethics] [psychology] Mothers [education] [psychology] Pregnancy Surgical Procedures, Elective [ethics] Should doctors perform an elective caesarean section on request? Major Subject Heading(s) Cesarean Section [standards] Ethics, Medical Patient Rights Minor Subject Heading(s) Casarean Section [statistics & numerical data] Decision Making Physician’s Practice Patterns Physician-Patient Relations Surgical Procedures, Elective Primary nonmedically indicated cesarean section (“section on request”): evidence based or modern vogue? Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Patient Acceptance of Health Care Cesarean Section [adverse effects] Surgical Procedures, Elective Ethics, Medical Evidence-Based Medicine Maternal Mortality Patient Satisfaction 79 Reducing cesarean delivery rates in managed care organizations Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [utilization] Cesarean Section [adverse effects] Evidence-Based medicine Health Services Misuse Physician’s Practice Patterns Information Services Surgical Procedures, Elective Unnecessary Procedures The relationship of health care delivery system characteristics and legal factors to mode of delivery in women with prior cesarean section: a systematic review Major Subject Heading(s) Delivery of Health Care [legislation & Minor Subject Heading(s) jurisprudence] Liability, Legal Cesarean Section, Repeat [legislation & jurisprudence] [utilization] Vaginal Birth after Cesarean [legislation & jurisprudence] [utilization] Currents problems of cesarean section Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [methods] [statistics Humans & numerical data] Pregnancy Woman’s request for a cesarean section: a critique of the literature Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section Ethics, Medical Patient Acceptance of Health Care Labor Complications Patient Satisfaction Pregnancy Surgical Produces, Elective 80 Fear of childbirth: a neglected dilemma Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Anxiety [etiology] Anxiety [psychology] Delivery, Obstetric [psychology] Pain [psychology] Fear [psychology] Pregnancy Labor, Obstetric [psychology] Self Concept Pain [psychology] Patient choice cesarean: an evidence-based review Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [ethics] Attitude of Health Personnel Evidence-Based Medicine Cesarean Section [adverse effects] Patient Participation Choice Behavior Maternal Mortality Physician’s Practice Patterns Pregnancy Outcome Cesarean section on request – a medical and psychosomatic problem Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [psychology] Cesarean Section [adverse effects] Obstetrics Pregnancy Outcome Psychosomatic Medicine Pregnancy Evidence-based obstetrics in Australia: can we put away the wooden spoon? Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Evidence – Based Medicine Databases, Factual [organization & administration] Forecasting Obstetrics [organization & Health Priorities administration] Humans Information Services 81 Cesarean section: medical benefits and costs Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean section rate Maternal mortality Costs Infant mortality Cesarean birth: how to reduce the rate Major Subject Heading(s) Cesarean Section [utilization] Minor Subject Heading(s) Cesarean Section, Repeat [statistics & numerical data] [utilization] Cesarean Section [statistics & numerical data] Europe Humans Pregnancy Evaluation of cesarean rate: a necessary progress in modern obstetrics Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [statistics & Cesarean Section [adverse effects] numerical data] Infant Mortality Obstetrics [trends] Maternal Mortality Patient Satisfaction Pregnancy Meta-Analysen: A meta-analysis of nurse practitioners and nurse midwives in primary care Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Nurse Midwives Bias (Epidemiology) Physicians [standards] Cost-Benefit Analyses Primary Health Care [standards] Outcome Assessment (Health Care) Quality of Health Care Primary Health Care Random Allocation 82 Continuous support for women during childbirth Major Subject Heading(s) Labor Obstetric Minor Subject Heading(s) Delivery, Obstetric [methods] [nursing] Humans Midwifery Pregnancy Strategies to address global cesarean section rates: a review of the evidence Major Subject Heading(s) Cesarean Section [utilization] Minor Subject Heading(s) Attitude of Health Personnel Cesarean Section [trends] Obstetrics [trends] Outcome and Process Assessment (Health Care) Patient Participation [psychology] [statistics & numerical data] Pregnancy [psychology] Randomisiert kontrollierte Studien: Collaboration in maternity care: a randomised controlled trial comparing community-based continuity of care with standard hospital care Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [utilization] Health Services Research Maternal Health Services Hospitals, Public [standards] [organization & administration] Maternal Health Services [standards] Pregnancy Outcome Pregnancy 83 Mandatory second opinion to reduce rates of unnecessary cesarean section in Latin America: a cluster randomised controlled trail Major Subject Heading(s) Cesarean Section [utilization] Organizational Policy Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [statistics & numerical data] Evidence-Based Medicine Health Services Misuse Patient Satisfaction Practice Guidelines Pregnancy Randomisiert kontrollierte Studien, Evidenzgrad III: A national estimate of elective primary cesarean delivery rate [In Process Citation] Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [utilization] Rising Trend Health Care Cost Delivery Procedures Kontollierte klinische Studien: Midwife-led labour in a Swiss hospital Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Labor, Obstetric Pilot Projects Midwifery Pregnancy Treatment Outcome A comparison of partnership caseload midwifery care with convention team midwifery care: labour and birth outcomes Major Subject Heading(s) Delivery, Obstetric [nursing] Minor Subject Heading(s) [standards] Midwifery [organisation & administration] Continuity of Patient Care [standards] [statistics & numerical data] Delivery, Obstetric [methods] [statistics & numerical data] 84 Outcome and Process Assessment (Health Care) Pregnancy Outcome [epidemiology] A comparison of partnership caseload midwifery care with convention team midwifery care: labour and birth outcomes Major Subject Heading(s) Delivery, Obstetric [nursing] Minor Subject Heading(s) [standards] Midwifery [organisation & Continuity of Patient Care [standards] [statistics & numerical data] administration] Delivery, Obstetric [methods] [statistics & numerical data] Outcome and Process Assessment (Health Care) Pregnancy Outcome [epidemiology] Evaluationsstudie: Antenatal, delivery and postnatal comparisons of maternal satisfaction with two pilot Changing Childbirth schemes compared with traditional model of care Major Subject Heading(s) Nurse Midwifes [organization & Minor Subject Heading(s) administrations] Delivery, Obstetric [nursing] [psychology] [standards] Patient Satisfaction Outcome Assessment (Health Care) Prenatal Care [organization & Postnatal Care [psychology] administration] Program Evaluation Multicenter Studie: Stratified rates of cesarean sections and spontaneous vaginal deliveries. Data from five labour wards in Denmark - 1996 Major Subject Heading(s) Cesarean Section [statistics & numerical data] Minor Subject Heading(s) Delivery, Obstetric [statistics & numerical data] 85 Quality Assurance, Health Care Denmark [epidemiology] Forschungsarbeiten: Who is responsible for the rising cesarean section rate? Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Attitude of Health Personnel Cesarean Section [trends] Cesarean Section [utilization] Obstetrics Physician’s Practice Patterns Pregnancy Malpractice losses in obstetrics. A review of claims Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Malpractice [legislation & Malpractice [economics] jurisprudence] Pregnancy, High-Risk Obstetrics [legislation & Pregnancy jurisprudence] Risk Management [methods] Networked for change? Identifying obstetric opinion leaders and assessing their opinions on cesarean delivery Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Attitude of Health Personnel Cesarean Section [utilization] Leadership Decision Making Sociology, Medical Obstetrics and Genecology Department, Hospital [manpower] Obstetrics [manpower] [statistics & numerical data] Professional Practice [statistics & numerical data] 86 Physician caesarean delivery rates and risk-adjusted perinatal outcomes Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [statistics & Cesarean Section [utilization] numerical data] Infant Mortality Physician’s Practice Patterns Infant, Newborn [statistics & numerical data] Obstetrics [statistics & numerical data] Pregnancy Uterine Rupture [epidemiology] Vaginal birth after cesarean section in a population with to low overall cesarean section rate Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [statistics & Fetal Distress [epidemiology] numerical data] Infant Mortality Vaginal Birth after Cesarean Trial of Labor Association of attending physician specialty with the cesarean delivery rate in the same patient population Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Cesarean Section [statistics & numerical data] Family Practice Obstetrics Vaginal Birth after Cesarean [statistics & numerical data] Has the medicalisation of childbirth gone too far? Major Subject Heading(s) Minor Subject Heading(s) Labor, Obstetric Cesarean Section Obstetrics [trends] Maternal Mortality [trends] Pregnancy Complications Pregnancy Unnecessary Procedures 87 Scottish female obstetricians’ views on elective cesarean section and personal choice for delivery Major Subject Heading(s) Attitude of Health Personnel Cesarean Section [psychology] Obstetrics Physicians, Woman [psychology] Minor Subject Heading(s) Pregnancy 2. Cochrane Library In der Cochrane Library (Cochrane Pregnancy and Childbirth group trials register) wurden mit Hilfe der “Update Software” folgende systematische Reviews gefunden: Local opinion leaders: effects on professional practice and health care outcomes Suchbegriffe: Cesarean Section, Vaginal Birth Labor assessment programs to delay admission to labour wards Suchbegriffe: Cesarean Section, Unnecessary Interventions, Term Pregnancy Information for pregnant women about cesarean birth Suchbegriffe: Cesarean Section, Decision Making, Information Elective cesarean section versus expectant management for delivery of the small baby Suchbegriffe: Cesarean Section, Elective Cesarean Section 88