Szene 1: Büroraum Parapol

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Szene 1: Büroraum Parapol................................................................................................. 2
Szene 2: Kutna Hora - 70km von Prag entfernt ................................................................... 5
Szene 3: Parapol Büro Prag ................................................................................................ 6
Szene 4: Im Stau ................................................................................................................. 9
Szene 5: Ankunft bei der Knochenkirche ........................................................................... 11
Szene 6: Im Beinhaus I ...................................................................................................... 12
Szene 7: Telefonat ............................................................................................................. 14
Szene 8: Hotel Varhanáre.................................................................................................. 15
Szene 9. Ankunft der Mädchen .......................................................................................... 18
Szene 10: Vor dem Beinhaus ............................................................................................ 19
Szene 11: Auf dem Zimmer ............................................................................................... 21
Szene 12: Vor dem Beinhaus II ......................................................................................... 22
Szene 13: Polizeistation..................................................................................................... 23
Szene 14: Verhörraum ....................................................................................................... 24
Szene 15: Polizeistation II.................................................................................................. 26
Szene 16: Pathologie ......................................................................................................... 27
Szene 17: Zimmer Oldie .................................................................................................... 29
Szene 18: im Auto ............................................................................................................. 30
Szene 19: vor der Mine ...................................................................................................... 32
Szene 20: In der Mine ........................................................................................................ 33
Szene 21: Versteck ............................................................................................................ 35
Szene 22: Notaufnahme .................................................................................................... 36
Szene 23: Untersuchungsraum 1.42 ................................................................................. 38
Szene 24: Untersuchungsraum 1.42 - Teil 2...................................................................... 41
Szene 25: Flur Krankenhaus ............................................................................................. 43
Szene 26: Vor Untersuchungsraum 1.42 ........................................................................... 44
Szene 27: Telefonat 2 ........................................................................................................ 46
Szene 28: Büro Prag Schluss ............................................................................................ 47
Szene 29: Schluss Labor ................................................................................................... 48
1
Szene 1: Büroraum Parapol
Sprecher: Montag 04.08.2014 - 7:02Uhr morgens. Hauptquartier Parapol Tschechien, Prag.
Eine Tür wird geöffnet, Licht wird eingeschaltet, jemand läuft durch den Raum, PCs werden
angeschaltet.
Tiefes Durchatmen, gefolgt von tiefem Husten. Erneutes Durchatmen. Anzünden einer Zigarette.
Oldie: Ahhh!
Tippen auf der Tastatur, zurücklehnen, Aufschlagen der Zeitung. Rauchen.
Tür öffnet sich.
Youngster: Guten Morgen, Valter.
Oldie: Guten Morgen, Jungspund.
Youngster: Das Fenster! Ist es zu viel verlangt?
Oldie: Anscheinend ja. (süffisant)
Öffnen des Fensters
Youngster: Ja, schon OK. Meine Güte. Wie lange noch bis zur Rente?
Drehen auf dem Stuhl. Schreiben Edding auf dem Papier.
Oldie: Noch genau 167 Tage. Und natürlich davor 4 Wochen noch anstehenden Urlaub.
Youngster: Gott sei Dank.
Oldie: Ach mach dir doch nichts vor, Kleiner. Die Luft wird hier drin nie besser. Dafür
sorgt schon dieser stinkende Job.
Youngster: Ich weiß gar nicht was du hast, du warst doch immer schon ein
Schreibtischhengst. Ist doch genauso wie früher. Akten wälzen und Informationen filtern.
Oldie: Ja, und auf kleine, grüne Männchen warten.
Youngster: Ich glaub nicht, dass man das mit diesem Job möchte.
Oldie: Nicht? Ich denk schon, Jungchen! Und obendrein jemand, der sich an die Schläfen
fasst und Köpfe zum Explodieren bringt, Jungfrauen mit Löchern in den Händen und wenn
es richtig eklig werden soll, Werwolf-Frauen extra haarig.
Youngster: Oh Mann, das werden lange 167 Tage!
2
Klopfen an der Tür. Eintreten schwerer Stiefel.
Oldie: Was können wir für Sie tun... Frau Major? (verdutzt)
Majorin: Ist das der Sitz der EOIPP- Der European Organization for the Investigation of
Paranormal Phenomena, auch Parapol genannt?
Oldie: Ja, in all seiner Pracht.
Majorin: (Angewidertes Ausatmen) Wir scheinen völlig andere Erwartungen an staatliche
Einrichtungen zu haben.
Oldie: Tja, die guten alten Zeiten sind vorbei. Aber Sie haben uns immer noch nicht gesagt,
was Sie von uns möchten.
Majorin: Mein Name ist Karina Boronowsky und ich wurde dieser Abteilung zugeteilt.
Oldie: Was?
Youngster: Dann heiße ich Sie herzlich willkommen, Mein Name ist Yanik Kolinsky und
der alte Mann hier ist Valter Cerny.
Oldie: Moment … was?
Majorin: Ihr Partner scheint ein wenig überfordert zu sein?
Youngster: Ja, sie müssen ihm verzeihen. Er ist Veränderungen nicht gewohnt.
Majorin: Nun ja, laut seiner Akte ist er ja in 167 Tagen nicht mehr hier ... (süffisant)
Oldie: Moment Schwester! Ich glaube, ich verhör mich gerade! Woher wissen Sie das und
was soll der Mist. Was will jemand vom Militär hier?
Majorin: Erstens: Ihre Akte wurde mir, wie die meisten anderen Akten hier, überstellt und
ich lege äußersten Wert darauf, informiert zu sein. Zweitens: Wenn Sie Ihren E-MailVerkehr beachten würden, wüssten Sie, dass ich bereits vor Wochen angekündigt wurde.
Youngster: Touché Paps.
Oldie: Nur nicht übermütig werden, Kleiner ... Und Sie? Was hat ein Major verbrochen, um
bei uns in der „Spezial-Abteilung“ zu landen? Ich mein ja nur, dass so hochrangige Diven
des Regimes selten einfach abgeschoben werden.
Majorin: Nun, da Sie tatsächlich in der Lage waren meine Rangabzeichen zu deuten,
scheinen Sie selbst gedient zu haben. Nehmen Sie es nicht persönlich Herr Kolinsky, aber
die Jugend genießt unsere staatlichen Ausbildungen nur noch selten.
Nun sagen wir es so, ich war mit dem Führungsstil meines Vorgesetzten nicht einverstanden
und habe daher entschlossen, in den Verwaltungsbereich zu wechseln.
Oldie: Da sind Sie dann absolut richtig bei uns. Hier herrschen noch Zucht und Ordnung
ersten Grades. (lacht hämisch)
Majorin: Dann freu ich mich schon auf die Zusammenarbeit.
3
Youngster: Na das doch Mal eine Aussage. Dann herzlich willkommen und das hier drüben
ist Ihr Sitzplatz.
Schritte
Major: Und was soll ich nun hier genau tun?
Oldie: Ha! Altern!
Youngster: Hören Sie nicht auf ihn. Es ist zwar wirklich viel Recherche, aber anscheinend
konnten unsere Schwesternabteilungen in Deutschland, Rom oder London schon Erfolge
erzielen.
Oldie: Unsinn. Es gab nie vernünftige Beweise. Nur ein Haufen wirklich kranker Spinner.
Youngster: Oh Mann. Naja, auf jeden Fall läuft es so, dass Parapol auf alle Netzwerke und
Datenbanken der Welt zugreifen kann und spezielle Filter dafür sorgen, dass verdächtige
Ereignisse sofort an die jeweiligen Abteilungen weitergeleitet werden.
Major: Interessant.
Oldie: Interessant? Wer es glaubt, wird selig. Man hat nur ein Haufen Mist zu lesen.
Irgendwelche Studenten gehen auf eine Wiese und wollen Kühe umstoßen und irgendeiner
in schwarzen Klamotten dreht völlig durch. Besoffen und zu gedröhnt erledigen sie das
arme Tier und versuchen es gleich zu Burger zu verarbeiten. Wir dürfen dann durch Berge
von Kuhfladen stiefeln, um irgendeinen Trottel davon zu überzeugen, dass keine kleinen
grünen Männchen seine Kühe für einen Gangbang benutzt haben.
Youngster: Valter!
Major: Ach lassen Sie ihn. Sexuelle Frustration äußert sich oft in dieser Form bei Herren
höheren Alters.
Oldie: Miese ... ach was, Sie sind auch nur eine gescheiterte Existenz, die hier versauern
wird und Kid, hast Recht, (Anzünden Zigarette) da hast du deinen extrahaarigen Werwolf.
(Ausatmen)
Musik:
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Szene 2: Kutna Hora - 70km von Prag entfernt
Sprecher: Samstag 02.08.2014 - Später Nachmittag. Zwei Tage vorher in der
Knochenkirche, dem Sedletz-Ossarium in der kleinen Stadt Sedletz, einem Ortsteil von
Kutná Hora zu Deutsch Kuttenberg.
Schwere Schritte hallen durch den Raum. Touristen flüstern.
Mönch: Entschuldigen Sie bitte, aber es wird langsam Zeit, dass sie uns verlassen. Wir
werden bald schließen. Und Sie wollen sicher nicht über Nacht hier bleiben. (schelmischer
Schluss)
Touristin 1: Oh nein, ganz sicher nicht!
Tourist 2: Ach komm Schatz ... sag nur, das ist dir zu gruselig?
Gelächter von zwei - drei Personen
Touristin 1: Leck mich. Du würdest selber nach deiner Mutter schreien!
Tourist 2: Tja, das werden wir wohl nie erfahren ... (hämisch)
Stimmen entfernen sich.
Mönch: Unglaublich diese Kinder. Tragen schwarze Kleidung und malen sich das Gesicht
wie Clowns an, aber wenn sie mal ein paar Totenschädel sehen, machen sie große Augen.
(kurze Pause)
Dabei gibt es nicht Seligeres als diese Kammer.
(Tiefes Einatmen - stöhnen beim Bücken)
Oohhhh --- puuh. Immer lassen sie etwas liegen oder werfen ihren Müll hin...
(Erneutes Bücken und Stöhnen)
Bonbonpapier *pff*. Ein Beinhaus ist kein Müllplatz.
Herr, gib den Besuchern ein wenig Anstand und ... und ... Was ist das? Aber? Aber ... das..
das kann nicht sein!
(Hektisch brüllend)
Radim! Radim schnell, schnell! Ruf die Polizei. Es ist unfassbar. Schnell! Radim schnell!
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Szene 3: Parapol Büro Prag
Sprecher: Montag 04.08.2014, 09.33Uhr. Parapol Büro Prag
Youngster: Hmm, das ging aber schnell, Frau Boronowsky. Kaum zwei Stunden im Büro
und schon haben wir einen Fall.
Oldie: Pff.
Majorin: Wie meinen Sie das, einen Fall?
Youngster: Ja einen Fall und ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich lohnt!
Oldie: Und wieso sollte der Unsinn interessant sein?
Youngster: Weil es sich um die Knochenkirche von Sedletz handelt?
Majorin (skeptisch): Die Knochenkirche?
Youngster: Ja, ein absolutes Highlight hier in Tschechien.
Oldie: Hab noch nie davon gehört!
Majorin: Auch wenn ich mich ungern mit meinem Kollegen auf eine gemeinsame Stufe
stelle, so muss ich gestehen, dass mir eine Knochenkirche völlig unbekannt ist.
Youngster: Wie so oft leider ein riesiges Problem in unserem schönen Land. Es gibt einfach
zu viele Besonderheiten und Schönheiten, die keiner kennt. Es ist eine Schande!
Oldie: Komm zum Punkt, Jüngling.
Youngster: Schon recht. Es ist ein Zisterzienser Kloster, das laut Legende schon 1278
gegründet wurde. Und zwar von einem Abt, der extra nach Jerusalem geschickt wurde, um
mit heiliger Erde vom Kalvarienberg den Boden zu weihen. Alle wollten sie dort begraben
werden. Egal ob polnisch, böhmisch, bayrisch oder sogar niederländisch. Von überall kamen
Sie her und ließen sich sogar in Massengräber schmeißen. Und es gab noch viel mehr
Andrang. Unzählige Opfer der Pest im 14. Jahrhundert und Tote der Hussitenkriege im 15.
Jahrhundert. Einfach alles kam hier zusammen. Als der Vatikan davon Wind bekam, ging es
sogar noch weiter. In der Nähe des Beinhauses haben die dann einen Dom der heiligen
Barbara errichten lassen. Zwar wurde immer behauptet, das wäre nur wegen der Bergleute
der Region, aber im Endeffekt wollte Rom den Finger auf der Gegend halten und hat so
auch die Schirmherrschaft über das Ossarium übernommen. Bis heute stellen sie Mönche,
die sich um die Knochen kümmern.
Oldie: Meine Güte, wie kann man nur so viel Unsinn parat haben?
Youngster: Es ist viel einfacher als du denkst, Valter. Ich habe einfach die Netzwerke von
Parapol mit Stichworten gefüttert und das Ergebnis einmal kurz überflogen. Solltest du auch
mal probieren.
Oldie: Nun, ich könnte das natürlich auch lesen, aber dir beibringen, wie man auf den Punkt
kommt, bringt uns beiden mehr.
6
Youngster: Wie du meinst. (genervt) Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Das wirklich
Besondere an der Geschichte ist allerdings, dass der Friedhof nicht endlos gewachsen ist,
sondern aus Platzgründen um 1500 wieder verkleinert wurde. So wurden die Skelette
exhumiert, gereinigt und in der Kirche aufgeschichtet. Insgesamt 40.000 Skelette wurden...
Oldie: Das klingt abartig, aber warum soll das etwas Besonderes sein? Es gab viele so
Beinhäuser in der Geschichte. Sicher auch mit mehr Toten.
Youngster: Das stimmt schon, aber hier kommt noch etwas ganz Erstaunliches hinzu. 1870
hat die Fürstenfamilie Schwarzenberg den Holzschnitzer und Tischler Frantisek Rint
beauftragt, das Innere der Kirche neu zu gestalten. Dazu verwendete er die Knochen aus
dem Beinhaus. Waren ja genug da und so wurden rund 10000 Skelette in Kronleuchter,
Wappen, Skulpturen und was weiß ich noch alles umgebaut. Es muss der Hammer sein, das
zu sehen!
Oldie: Du spinnst! Da werden wir ganz sicher keinen Ausflug hin unternehmen!
Majorin: Wieso nicht? Es klingt doch sehr spannend und sehenswert. Aber sie haben uns
noch nicht gesagt, warum die EOIPP darauf aufmerksam geworden ist. Ich meine,
irgendetwas wird doch die speziellen Filter und Suchalgorithmen der Zentralrechner
alarmiert haben.
Youngster: Sie haben völlig Recht. Die Meldung und ein Dossier über die Kirche sind bei
uns gelandet, weil sie sich widersprechen.
Oldie: Und du musstest das natürlich gleich auswendig lernen. Pff. (Nette Beleidigung)
Majorin: Widersprechen?
Youngster: Ja, denn der zurzeit dort lebende Abt hat die Polizei darüber informiert, dass ein
neues Skelett gefunden wurde. Doch die Beamten haben es in den Akten als völliges
Hirngespinst abgetan, da es keinerlei Hinweise auf ein neues Skelett gibt. Trotzdem schwört
der Abt Stein und Bein, es wären neue Knochen da.
Majorin: Das klingt interessant, wenn auch verworren.
Oldie: Oh Gott, Yannik. Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du diesen Mist nicht einfach
so glauben sollst. Den Fall hab ich sofort gelöst! Und weißt du, was das Zauberwort ist?
Alkoholismus. Ein einsamer, alter Abt sieht nach zu viel Messwein eben ein paar Skelette
mehr. Wem passiert das nicht manchmal? Also Fall gelöst, du kannst die Mail löschen und
mich in Ruhe Zeitung lesen lassen.
Youngster: Vergiss es! Wenn wir schon die Chance haben, auf Spesen ein wenig Kultur zu
genießen, dann wirst du deinen alten Hintern aus dem Büro wuchten und frische Luft
tanken.
Oldie: Vergiss es!
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Majorin: Ich finde die Idee hervorragend! Lassen Sie uns gehen und während wir
unterwegs sind, können wir wenigstens die Fenster öffnen, um auch hier mal frische Luft
rein zu bekommen.
Oldie: Wagen Sie es, das Fenster zu öffnen! Ich werde weder auf einen dussligen
Kinderausflug gehen, noch mir hier eine Lungenentzündung holen. Es bleibt alles so, wie es
ist!
Öffnen Fenster, öffnen Tür.
Hey was soll der Mist! Ihr wagt es nicht, zu gehen! Verdammt nochmal! Ach Scheiße! Ihr
verfahrt euch doch eh nur!
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Szene 4: Im Stau
Fahrgeräusche
Oldie: Das darf doch wohl nicht wahr sein!
Hupen
Der soll seinen Schrottkübel beiseiteschaffen.
Youngster: Beruhige dich!
Oldie: Nun komm du mir nicht auch noch dumm. Reicht schon, dass diese Rindviecher die
Straße blockieren. Ich dachte, das sei ein verschlafenes Nest mit einer Kirche auf dem Berg
daneben. Nicht sowas hier.
Majorin: Da sind sie an ihrer Bildungslücke aber selber schuld. Dass sie Kutná Hora oder
Kuttenberg nicht kennen ist schon verwerflich. Immerhin sind es nur 70km bis nach Prag
und hier leben über 20000 Menschen.
Oldie: Glauben Sie mir meine Liebe, ich hatte schon immer genug in Prag zu tun, da brauch
ich nicht noch so eine Kaffeefahrt.
Youngster: Aber allein was es hier an Kulturgütern gibt. Irgendwann musst du doch davon
gehört haben. Die Silberminen der Stadt, wegen der im 13. Jahrhundert dies die reichste
Stadt Böhmens war und sogar den Prager Groschen prägen durfte!? Oder dort drüben gut zu
sehen, die Kirche Mariä Himmelfahrt. Nachher kommen wir laut Navi auch noch an dem
Dom der heiligen Barbara vorbei.
Oldie: Ach hör mir auf mit dem Mist. Ich hasse es schon in Prag, wenn an jeder Ecke
irgendein Touri meine Heimatstadt begafft und so tut, als hätte man nirgendwo auf der Welt
sonst noch einen Brunnen aufgestellt. Nein, Jungchen ...
Hupen
Ach verdammtes Rindvieh. Fahr doch anständig!
Aggressives Hupen
Majorin: Nun ja, auf jeden Fall bin ich froh, dass wir bald da sind. Denn Ihr Fahrstil ist
auch nicht wirklich, naja sagen wir mal, sicher.
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Oldie: Sagen Sie es nur, wenn Sie aussteigen wollen, Frau Majorin (sarkastisch überspitzt).
Sie können sich gern schon jetzt einen Eindruck der Kultur verschaffen.
Majorin: Ich werde mich zurückhalten und dies für meine Freizeit aufheben. Viel mehr
reizt mich dann aber eher das Jesuitenkolleg hier in der Stadt.
Youngster: Achtung! Da drüben, der Motorradfahrer!
Oldie: Verdammter Hund! Na warte Bürschchen, ich hol gleich das Blaulicht raus!
Youngster: Das wirst du nicht!
Majorin: Da kann ich Ihrem Kollegen nur zustimmen. Wir sind hier zwar im Auftrag der
Parapol unterwegs, aber wollen wir nicht auch in Zukunft all unsere Aktionen doch eher
dezent durchführen und nicht gleich auffallen?
Oldie: Verbündet euch nur ihr beiden! Hackt nur auf den Dienstältesten rum. So lobe ich
mir das!
Youngster: Nun beruhige dich. (schelmisch) Wir sind ja gleich da. Hier lang. Ist auch nicht
mehr weit. Da scheint der Verkehr auch ruhiger zu sein.
Sprecher: Vor den Drei baute sich die Knochenkirche auf. Ein Allerheiligenkirche mit den
typischen kleinen Türmchen zu Seiten des Hauptportals und einem verkürzten Kirchenschiff.
Stolz und anmutig ragte der kleine Bau auf und man konnte hören, dass der Glockenturm
über dem Hauptgebäude die Mittagszeit einläutete.
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Szene 5: Ankunft bei der Knochenkirche
Sprecher: Montag 04.08.2014 - 13.03 Uhr. Vor dem Beinhaus der Knochenkirche. Kutná
Hora.
Anhalten und Aussteigen
Oldie: Endlich.
Majorin: Eigentlich ein sehr ansprechender Bau. Man kann gar nicht glauben, dass unter
diesem kleinen Gebäude 40000 Skelette liegen sollen. Ich bin gespannt.
Youngster: Da geht es Ihnen wie mir. Dort drüben scheint auch schon jemand zu kommen.
Mönch: Herzlich willkommen und Gott sei gedankt, dass sich doch noch jemand findet, der
dieses Verbrechen auflösen kann.
Oldie: Nun ja so weit sind wir noch nicht. Aber gut, mein Name ist Valter Cerny und das
sind Yanik Kolinsky…
Youngster: Guten Tag.
Oldie: … und die ehemalige Majorin Karina Boronowsky.
Majorin: Boronowsky reicht!
Mönch: Es ist mir eine Freude. Mein Name ist Jan Halik und das ist der städtisch
zugewiesene Hausmeister Radim Zada.
Radim: Hmh.
Mönch: Aber nun muss ich sie doch noch einmal fragen, von welcher Institution sie
kommen? Ich habe das bei ihrem Anruf vorhin nicht ganz verstanden.
Youngster: Wir sind von der EOIPP, der European Organization for the Investigation of
Paranormal Phenomena.
Oldie: Verschluck dich nicht. Wir sind von Parapol und für alles zuständig, wo andere
schon gar nicht mehr anfangen.
Mönch: Nun das klingt ein wenig eigen, aber vielleicht ist es genau das, was wir hier
brauchen. Bitte folgen Sie mir in das Beinhaus. Da werden wir ja sehen.
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Szene 6: Im Beinhaus I
Schritte
Youngster: Wahnsinn! Das ist wirklich ein Anblick. Siehst du das? Ein ganzer
Kronleuchter nur aus Knochen.
Oldie: Geschmacklos! Aber naja, ich denke, das stört jemanden, der eine Pyramide aus
Schädeln im Keller hat, auch nicht mehr.
Mönch: (Lacht sanft) Sie müssen das anders sehen. Dieser Ort ist von der Pest und Kriegen
einfach überfüllt gewesen und die Kirche hat ihr Versprechen gehalten, jeden Knochen im
Bereich von geweihter Erde zulassen und nicht wie es heute auf Friedhöfen üblich ist,
irgendwann wegzuwerfen.
Oldie: Das mag ja schön und richtig für meine Oma sein. Trotzdem würde ich
normalerweise jeden sofort verhaften, der auch nur daran denkt, sich so eine Sammlung
aufzubauen und damit am Ende wie mit Legosteinen spielt.
Majorin: Ich glaube, Sie übertreiben ein wenig mit Ihren Vergleichen.
Mönch: Ach, lassen Sie ihn. Es ist nicht jedermanns Sache, sich mit solch bedeutsamen
Orten auseinanderzusetzen. So sehen Sie, dieses Skelett hier mein ich.
Youngster: Mmh, ich muss nun leider gestehen, dass ich keinen Unterschied erkennen
kann.
Mönch: Ich weiß, das ist auch der Grund, warum die Polizei einfach wieder gegangen ist.
Aber ich kann Ihnen bei meinem Glauben bestätigen, dass dieses Skelett vor wenigen Tagen
noch nicht da war.
Oldie: Und das ein Tourist es irgendwo anders abgebrochen und hier platziert hat? Ein
dummer Streich sozusagen?
Mönch: Definitiv nicht. Sonst ist überall alles so, wie es sein soll.
Youngster: Sind Sie sich da wirklich sicher? Ich meine, wenn man die Knochen betrachtet,
sind sie alt und beinah schon versteinert. Knochen eines kürzlich Verstorbenen sehen doch
nicht so aus.
Mönch: Ich weiß. Aber es könnte ja auch Grabraub von einem anderen Friedhof sein? Ich
weiß nur, dass dieses Skelett nicht hier hergehört.
Majorin: Sie wollen mir doch nicht sagen, dass Sie jedes Skelett hier erkennen würden?
Mönch: Sie halten es sicher für Unsinn, aber doch so ist es. Ich bin seit beinah 40 Jahren
hier und glauben Sie mir, wenn sie jeden Tag hier sind, lernen Sie alles auch mit
geschlossenen Augen zu erkennen. Dieses Skelett gehört auf keinen Fall hier her!
Youngster: Leider neige ich dazu, zu dem gleichen Schluss zu kommen, wie die Polizei.
Nehmen Sie es nicht persönlich, aber es ist einfach unwahrscheinlich, dass dies kein Streich
ist und das Skelett von irgendwo anders genau hier platziert wurde.
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Mönch: Bitte versuchen Sie mir zu glauben. Ich kann mich nur wiederholen, dieses Skelett
gehört nicht hier her.
Oldie: (leicht geistesabwesend) Ich glaube Ihnen.
Majorin: Sie?
Oldie: Ja! Schaut euch das mal an.
Youngster: Was hast du da? Das sind zwei Löcher in einem Knochen. Sieht porös aus, wie
ausgewaschen.
Oldie: Das mag wohl sein, der Knochen sieht zwar alt und total hölzern aus, aber das sind
doch Bohrungen. Direkt und sauber nebeneinanderliegende Löcher.
Majorin: Bohrungen?
Oldie: So sieht es zumindest aus. Ich kenne sowas von Stahlplatten, die man heute zur
Knochenheilung benutzt. Vor allem es ist direkt am Oberschenkelknochen. Hier oben zwei
und zwei hier unten.
Youngster: Mmh, wenn man nun genauer hinschaut, sieht das wirklich so aus. Könnte mir
das gut vorstellen.
Majorin: Aber das ist doch unmöglich. Der Knochen sieht aus, als wäre er Hunderte von
Jahre alt. Wie lange macht man sowas, mit Stahlplatten sicherlich erst ein paar Jahrzehnte.
Oldie: Richtig. Daher, Kleiner, zück mal dein Handy und sorg dafür, dass wir diese
Knochen im Labor haben. Denn es scheint, dass wir wirklich mal ein Phänomen vor uns
haben.
Youngster: (Sich entfernend) Hallo, ja richten Sie bitte einen Abtransport ein. Wir haben
hier was fürs Labor.
Mönch: Ich danke Ihnen vielmals. Ich bin froh, dass auch diese Seele ihren Frieden finden
wird.
Oldie: Danken Sie mir lieber nicht, denn wenn ich tatsächlich Recht habe, wurde die
Totenruhe hier gewaltig gestört!
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Szene 7: Telefonat
Sprecher: Montag 04.08.2014, Uhrzeit: unbekannt. Ort: unbekannt
Klingeln, Klacken in der Leitung - stumm - Eingabe verschiedener Nummern. Ton wie bei einem
Fax - Abheben.
Unbekannt 1: (Verzerrte geschlechtsneutrale metallische Stimme) Sie hatten Recht, wir
konnten die Suche vordefinieren und sind auf der richtigen Spur.
Unbekannt 2: (Düstere Stimme trotz metallischer Verzerrung) Gut. Fahren Sie fort und
melden Sie sich in 48 Stunden wieder.
U 1: Moment noch kurz.
U 2: Was gibt es noch?
U 1: Ich werde ein wenig Chaos stiften müssen, um das Objekt unter unsere Kontrolle zu
bekommen.
U 2: Chaos?
U 1: Nennen wir es, eine Pilgerfahrt auslösen.
U 2: Wir sind gespannt, Chingu.
U 1: Jawohl Sir!
Auflegen
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Szene 8: Hotel Varhanáre
Sprecher: Dienstag 05.08.2014, 14:43Uhr. Hotel U Varhanáre Kutná Hora, 250m entfernt
vom Dom der heiligen Barbara.
Klopfen an der Tür
Majorin: Herein.
Youngster: Ich bin es.
Oldie: Ah, wunderbar. Dann ist das Rumsitzen wohl endlich vorbei. Hast du Neuigkeiten?
Wir nehmen ja schwer an, dass die im Labor etwas höchst Interessantes entdeckt haben.
(Knurriger Unterton)
Youngster: Ja haben sie, aber was ist los, dass du mich schon zu Begrüßung anknurrst?
Habe ich etwas verpasst, als ich im Labor war?
Oldie: Kann man wohl sagen!
Majorin: Was unser Kollege sagen möchte, ist: Wir haben inzwischen schon einen Teil der
Ergebnisse erfahren. Nur leider nicht auf dem Dienstweg.
Youngster: Wie meinen Sie das?
Oldie: Stell dich doch nicht dümmer als du bist, Jüngling. Ist dir das Theater in der Stadt
nicht aufgefallen? Überall Presse, Touris und verdammte religiöse Spinner. Und alle haben
sie nur das große Thema, dass ein neues Skelett im Beinhaus aufgetaucht ist. Verdammt, das
hätte nicht passieren dürfen.
Youngster: Aber ... ich versteh kein Wort!
Majorin: Die Informationen sind durchgesickert. Die Presse weiß von dem Skelett und
belagert die Kirche. Wir mussten die örtliche Polizei einschalten, um heute Morgen zu
verhindern, dass das Beinhaus überrannt wird.
Oldie: Ein verdammter Hexenkessel ist das nun. Und ich garantiere dir, das ist erst der
Anfang. Wenn hier noch ein einziges weiteres Skelett auftaucht, haben wir wahrscheinlich
auch bald den Vatikan und seine Schnüffler hier.
Youngster: Das... das wusste ich nicht. Wir haben das Skelett nur untersucht. Keine
Ahnung, wer da irgendetwas weitergegeben hat?
Oldie: Bestimmt erkennt man ihn an einem verdammten Kreuz um den Hals.
Youngster: Ich kann mir das nicht erklären. Wirklich. Für mich war alles normal, bis ihr es
mir gerade gesagt habt.
Oldie: Pah!
(Pause)
Majorin: Nun ja, nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und unser Auftrag ist dadurch
sicher nicht einfacher geworden. Wir müssen nun auch aufpassen, dass wir nicht zu sehr ins
15
Rampenlicht geraten. Frau Dr. Nadia Ialovskaia wird sicher alle Informationen genau prüfen
lassen und von der Zentrale der EOIPP aus kontrollieren, wohin das hier führt.
Oldie: Auf jeden Fall! Und ich hoffte, ich sehe die Chefin nur noch bei meiner
Verabschiedung.
Majorin: Aber gut, was haben die Wissenschaftler herausgefunden?
Youngster: Es ist unglaublich. Unser Valter hatte Recht. Das sind Bohrungen einer
sogenannten Osteosynthese und dienten in diesem Fall dazu einen Bruch des Knochens zu
fixieren. Unter dem MRT haben wir die Bruchstelle ausmachen können.
Majorin: Also definitiv ein neues Skelett.
Youngster: Ja. Die Osteosynthese ist aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei die Feinheit
dieser Arbeit auf die letzten 20 Jahre hinweist. Die Bohrungen sind sehr fein und äußerst
präzise gesetzt.
Majorin: Und wie kommt es, dass der Knochen so alt aussieht.
Youngster: Die genaue Ursache hierfür konnten wir noch nicht feststellen, aber
anscheinend
sind die Knochen ausgewaschen worden. Alle Mineralien und Fette wurden
ausgelöst, es ist
sieht es auf
wirklich nur noch der reine Knochen übrig. Unter dem Elektronenmikroskop
dem ersten Blick so aus, als hätte das Skelett über längere Zeit in einer Lauge
gelegen. Die Kanäle für Knochenmark und Fett scheinen geweitet und angegriffen zu sein.
Deshalb auch der optische Eindruck, als wären die Knochen mehrere Jahrhunderte alt.
Oldie: Ausgewaschen? Was soll das heißen?
Youngster: Eben, dass der Knochen von allen fleischlichen Überresten befreit wurde. Sei es
Haut, Muskel, Fett oder Knochenmark. Einfach alles weg. Präparatoren oder Mediziner an
Universitäten machen das, wenn sie ein Skelett konservieren möchten. Allerdings ist das ein
sehr langer Prozess, bei dem nicht so aggressiv vorgegangen wird, wie es hier
augenscheinlich geschehen ist. Meist werden dazu Substanzen wie Enzyrim, Supranol und
Mortalan verwendet und diese sorgen eigentlich eher dafür, dass die Knochen gut
aufbewahrt werden können und nicht künstlich altern.
Majorin: Vielleicht in Säure aufgelöst?
Youngster: Das schon eher, wobei auch viel dagegen spricht. Der Knochen kann mit einer
Säure nicht ausgewaschen werden. Viel mehr würde nur die Oberfläche angegriffen werden
und nicht das Innere.
Oldie: Mmh, wer auch immer da gewütet hat, das darf sich auf keinen Fall wiederholen!
Stellt euch nur mal vor, was hier los wäre, wenn wir plötzlich eine Horde sensationsgeiler
Spinner haben, die Jagd auf einen Säurekiller machen.
Majorin: Haben Sie nicht zugehört? Wir wissen nicht, ob es überhaupt ein "Säurekiller"
sein kann.
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Oldie: Völlig egal. Es wird Chaos.
Youngster: Was schlägst du vor? Was sollen wir dann tun?
Oldie: Nun ja, jeder eben das, was er am besten kann. Die Majorin wird sich an ihre
Wurzeln erinnern und die Gegend abriegeln. Passen Sie auch gleich die Geschichte
entsprechend an. Übler Scherz eines Laborassistenten, Sehnsucht von gestörten
Jugendlichen nach Aufmerksamkeit, usw. Ganz egal. Hauptsache da oben ist regelmäßig die
Polizei und die Leute werden ein wenig abgelenkt. In der Zeit wirst du, Kleiner, ein völlig
neues Team herholen. Nur Leute, die schon Kontakt zu Parapol hatten und die Schnauze
halten können. Ich will wissen, ob da jemand ein Massengrab im Massengrab versteckt hat.
Youngster: Und was machst du?
Oldie: Ich höre mich um und gönne mir eines der berühmten Bierbäder von Kuttenberg,
bevor die Touris mir das verderben können.
Majorin: Was?
Oldie: Sie haben mich schon verstanden, meine Gute. Und nun bitte ich, die Arbeit
aufzunehmen. Schönen Tag euch. (Grummelt vor sich hin)
Schließen der Tür
Majorin: Er ist ein sehr … ungewöhnlicher Mann.
Youngster: Leider ja, aber er scheint immer zu wissen, was das Richtige ist.
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Szene 9. Ankunft der Mädchen
Sprecher: Mittwoch 06.08.2014, 9:41Uhr. Hauptstraße Kourimská - Kutná Hora
Im Auto, Fahrgeräusche
Tanja Ehrenfried: Siehst du Caroline, jetzt haben wir es bald geschafft. Da vorne geht es
schon nach Sedletz.
Caroline Seiffert: Wird auch endlich Zeit. Müsste langsam mal aufs Klo und hier durch
Kuttenberg gurken, nervt langsam.
TE: (Lacht) Naja, auch das sollten wir dann hinbekommen.
CS: Haha! Naja was soll's. Sag mal, findest du das nicht seltsam? Schau mal, was hier alles
los ist?
TE: Mmh, hast Recht! So hab ich mir das nicht vorgestellt.
CS: Schau mal dort drüben Tanja, da steht so etwas wie ein Kamerawagen vom Fernsehen
und da noch einer.
TE: Und all die Leute. Ich dachte, so ein Touristenmagnet ist die Kirche nicht? Eher eine
Art Geheimtipp?
CS: Vielleicht ist das für eine Art Fest? Vielleicht feiert man ja den Tag der Toten oder
sowas?
TE: Hier? Das glaub ich nicht. Und wenn doch, warum dann so viele Kamerawagen? Ein
kleiner Sender OK, aber mehrere? Seltsam. Das sieht eher so aus, als wäre etwas passiert.
CS: Oh man, dann hoffe ich nur, dass wir ein Zimmer bekommen. Bei so vielen Leuten ist
schnell nichts mehr frei.
TE: Da drüben ist die Pension, die ich im Internet gesehen habe. Vielleicht klappt es ja.
CS: Sieht nicht gut aus. Aber lass uns mal aussteigen und nachfragen. Und ein Klo haben
die sicherlich.
Sprecher: Tanja Ehrenfried und Caroline Seiffert, beides junge Mädchen aus Deutschland,
betreten die kleine Pension. Während des hektischen Treibens in der Herberge können sie
nur erfahren, dass so ziemlich alle Zimmer in der Gegend ausgebucht sind. Die einzige
Hoffnung, die ihnen die Besitzerin in gebrochenem Englisch machen kann, ist ein kleiner
Bauernhof leicht außerhalb der Stadt.
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Szene 10: Vor dem Beinhaus
Sprecher: Mittwoch 06.08.2014, 10:56 Uhr. Vor der Knochenkirche
Stimmengewirr, Presse und Kamerateams, religiöse Pilger
Polizist 1: Achtung, kein Durchgang!
Majorin: Lassen Sie mich durch. Hier, mein Ausweis.
Polizist 1: Verzeihung.
Schritte/ Gefluche von Oldie das lauter wird
Oldie: Ich sag es Ihnen noch einmal, Grünschnabel. Ich hab es satt, dass alle zehn Minuten
irgend so ein Spinner mit Rosenkranz durch die Absperrung springt und sich Knochen als
Andenken für Zuhause grabschen will.
Polizist 2: Was stellen Sie sich vor, sollen wir dagegen unternehmen?
Oldie: Ach, ich weiß nicht, Polizeiarbeit vielleicht? Und wenn Sie das nicht schaffen, dann
rufen Sie gottverdammt nochmal Verstärkung aus dem Nachbarkaff?
Majorin: (freundlich) Vielleicht auch gleich noch ein paar Beamte, um nach mehr
Skeletten zu suchen?
Oldie: Unsinn! Dafür braucht man keinen von diesen besseren Sesselfurzern. Das Labor hat
schon genug Kittelträger geschickt. Will ja nicht, dass unser Jungspund noch mit den
Spielgefährten durcheinander kommt. Sie holen einfach mehr Männer, um dieses Areal
sauber abzusichern! Haben Sie mich verstanden?
Polizist 2: Ja, hab ich! (geht weg)
Oldie: Und vergeuden Sie nicht Ihre Zeit damit, sich Beleidigungen einfallen zu lassen, zum
Teufel.
Majorin: Sie fluchen auf einem Gottesacker?
Oldie: Ach was? Wenn es den lieben Herrgott stört, dann wird er sich schon melden! Naja,
egal. Was haben Sie Neues?
Majorin: Wir sind ausverkauft!
Oldie: Was?
Majorin: Die Katze ist sozusagen aus dem Sack, und zwar endgültig. Die ganze Stadt ist
ausgebucht. Überall wo man hinsieht tauchen Kamerateams, Gläubige, Interessenten,
Gaffer und was weiß ich noch alles für Gesindel auf, die daraus Gewinn schlagen wollen.
(Letztes sehr abfällig bis angewidert)
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Oldie: Na prima, dann kann ja gar nichts mehr passieren! Kommen Sie mit! Wir schauen
uns drinnen nochmal um. Vielleicht haben Yanik und sein Kindergarten ja wirklich noch
etwas entdeckt.
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Szene 11: Auf dem Zimmer
Sprecher: Mittwoch 06.08.2014, 11:11Uhr. Pension
TE: Oh, tut so eine Dusche gut.
Geräusche barfuß auf Holz - summen und manche Passagen falsch singend
TE: Caro? Du kannst nun ins Bad. Für einen Bauernhof ist das echt ein tolles Bad. (Pause)
Hast
du gehört Caroline?
Schritte zur Tür und klopfen - lauschen und man hört leises Stöhnen.
TE: Oh, (kichern) brauchst wohl noch ein paar Minuten für dich allein. Hab übrigens noch
ein
Satz Batterien, wenn sie dir ausgehen, Schätzchen. (kichert)
Schritte. Öffnen der Reisetasche, anziehen, stöhnen sehr leicht im Hintergrund, dann langsam
Ruhe, Tanja summt nebenher, Föhnen ersetzt Stöhnen -
TE: Was macht sie so lange? Ich wollte heute eigentlich auch noch ein wenig in die Stadt.
Aufstehen, Klopfen an der Türe
TE: Spielst du immer noch an dir rum du kleines Luder oder bist du eingepennt?
Öffnen der Tür
TE: Mir reichts ... (Absterben der Stimme, würgen - SCHREI) Nein! Das kann nicht sein!
Caro! Nein!
Poltern, etwas stürmt davon, klirren von einer Glasscheibe - sehr langer Schrei - fadet aus
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Szene 12: Vor dem Beinhaus II
Sprecher: Mittwoch 06.08.2014, 11:17 Uhr. Vor der Knochenkirche
Oldie: Ich könnt schreien. Ich hasse es, wenn er Kauderwelsch redet!
Majorin: Für mich klang das verständlich. Professionell und präzise.
Oldie: Dann freu ich mich, dass Sie wohl eine höhere Schule besucht haben.
Oldie zündet sich eine Zigarette an
Majorin: Ich kann definitiv nicht über meine Ausbildung klagen. Aber so kompliziert war
das gar nicht. Sie sagten uns nichts anderes, als dass nichts gefunden wurde und weiter
gesucht wird.
Hintergrundsgeräusche verebben, Autos fahren weg.
Oldie: Hören Sie?
Majorin: Sie meinen?
Oldie: Hören Sie doch mal hin, oder wenn Sie reden wollen, schauen Sie sich mal genau
um.
Majorin: Ich versteh nicht ganz. (entrüstet)
Oldie: Fuck! Schnell, holen Sie das Auto!
Majorin: Was haben Sie?
Oldie: Schauen Sie doch hin, verdammt! Die Pressefuzzis packen ein. Jemand muss denen
was gesteckt haben. Los holen Sie die Karre und verdammt nochmal beeilen Sie sich!
Musik
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Szene 13: Polizeistation
Sprecher: Mittwoch 06.08.2014 16:23Uhr. Polizeistation. Na Náměti 412/8
Geräusche Telefonate (jemand geht ran mit " Dopravní inspektorát" / Tippen, Fax, usw.) Schritte,
Oldie Kippe
Polizist: Hier ist Rauchverbot.
Tiefes Einziehen von Rauch
Oldie: Wo ist die Zeugin?
Polizist 2: Mmh, kommen Sie mit, wir haben sie in einen Nebenraum gesetzt. Ich glaube
nur nicht, dass sie Ihnen viel sagen kann. Sie steht noch unter Schock.
Oldie: Was sagt der Arzt?
Polizist 2: Keinerlei Verletzungen, aber wohl ein schweres Trauma. Der Chef hat schon
versucht, mit ihr zu reden. Nur mit dem Deutsch hat es nicht ganz geklappt.
Majorin: Dann sollten Sie mich das machen lassen. Ich spreche Deutsch.
Oldie: Sie sprechen Deutsch? Na gibt es auch etwas, das Sie nicht können?
Majorin: Nur wenig und nun lassen Sie mich durch.
Tür geht auf und wieder zu.
Oldie: Schnepfe!
Polizist 2: Seien Sie doch froh, dass Ihnen eine so eine kompetente Mitarbeiterin zugeteilt
wurde.
Oldie: Jaja, ist ja schon recht. Gibt es eine Möglichkeit mitzuhören?
Polizist 2: Ja, die gibt es. Folgen Sie mir.
Oldie: Wenigstens das. (Tiefen Zug nehmen)
Tür auf, Tür zu, Platznehmen, Geräte anschalten, metallene Stimme
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Szene 14: Verhörraum
Szene wie durch Lautsprecher, leicht untertönig bzw. metallisch
Majorin: Schauen Sie mich an, Fräulein Ehrenfried. Sie können mir alles sagen.
TE: Ich, ich weiß nicht. Es ging alles so furchtbar schnell.
Majorin: Denken Sie einfach darüber nach. Ich weiß, dass es schwer ist, meine Teuerste,
aber es ist wichtig.
TE: Aber ... es war ... ich weiß einfach nicht. Es ist wie weggeblasen?
Majorin: Sie müssen sich erinnern. Allein für Ihre Freundin.
TE: Wie meinen Sie das? Und es geht wirklich nicht! Ich weiß nicht ... es war so schnell.
Majorin: Das können Sie mir doch nicht weiß machen. Sie müssen etwas gesehen haben!
Sie konnten immerhin den Kollegen beschreiben, wie der Täter aus dem Fenster gesprungen
ist. Durch ein geschlossenes Fenster.
TE: Ja ... aber ich hab nichts gesehen!
Majorin: Oder wollten Sie etwa nichts sehen? Kennen Sie den Täter vielleicht sogar?
TE: Was wollen Sie damit sagen?
Majorin: Schützen Sie vielleicht jemanden?
TE: Caroline war meine Freundin! Wie können Sie nur?
Majorin: Ich habe schon vieles erlebt und gehört, meine Liebe. Da würde mich sowas auch
nicht mehr überraschen.
TE: Sie sind ein Monster.
Pause, Schluchzen
Majorin: Nun ja, ich wollte Ihnen ja helfen, aber Sie scheinen sich ja an nichts mehr
erinnern zu wollen.
TE: Sie ... Sie ... Sie
Majorin: Dann werd ich das Ganze wohl wieder meinen Kollegen übergeben.
Schließen Aktenmappe, aufstehen.
Denken Sie aber daran, die sprechen Ihre Sprache nicht wirklich und so wird aus einem
kleinen Besuch in Tschechien auch gern mal ein längerer Gefängnisaufenthalt.
Springt auf, Stuhl wird weggeschoben.
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TE: Spinnen Sie? Was soll der Mist? Ich habe gesehen, wie ein Irrer meine beste Freundin
zerfleischt hat und nun soll ich ins Gefängnis dafür ...?
Majorin: Denken Sie an diesen Moment zurück und erzählen Sie mir alles! (laut und
dominant)
Stuhl wird wieder an sie ran geschoben.
(Verschwörerisch) jedes noch so kleine Detail ist wichtig!
TE: Ich ... (Pause)
Ich dachte, sie wäre allein im Zimmer. Ich hab auf sie gewartet. Wollten die Stadt
anschauen. Einfach etwas unternehmen. Doch ... doch sie war noch nicht fertig. Ich hab
geklopft. Vielleicht war sie ja eingeschlafen? Doch dann hab ich die Tür geöffnet. Die Tür.
Es war ... ich sah es dann. (Schluchzt) Es war grausam. Einfach ... so surreal. Überall Blut.
Auf ihr saß jemand. Er ... er war krank. Nein, nicht wirklich krank. So mager? Sein Blick,
als
er mich sah? So leer. Die Augen waren tief im Schädel versunken. Schwarze Augenringe.
Blutunterlaufen. Er wirkte so ... tot. Er hat mich, glaub nicht gleich wahrgenommen. Einfach
durch mich durch gestarrt. Dabei hat ... (panisch) hat er ... ihren Darm ... gefressen. Er hat
sich Teile von ihr in den Mund geschoben. Diese abartigen Lippen und Zähne. Sie sahen
schwarz und verwest aus. Er hat einfach weiter gekaut. Dieses Schmatzen, wie ein
Schlürfen.
Majorin: Erzählen Sie weiter...
TE: Er hat mit der bloßen Hand in ihre Bauchdecke gegriffen. Darin gewühlt. Mit der Hand.
Majorin: Und Ihre Freundin hat nicht geschrien?
TE: Sie ... sie konnte nicht. (schnelles Atmen) Ihr Kiefer ... und ihr Hals. Waren weg! Nur
noch bloßes Fleisch und Blut. Es war ... wie weggefressen. Verätzt. Einfach nur noch ein
Brei aus ... Es war wie ein riesiges ausgefranstes Loch. Blut stieß immer noch daraus hervor.
Es war ... es war ... oh Caro ... (nur noch weinen)
Majorin: Sie waren tapfer, meine Liebe. Das haben Sie sehr gut gemacht. Weinen Sie
ruhig. Ich schicke Ihnen jemand, der sich um Sie kümmert. Ich verspreche Ihnen, wir werden alles
zu einem Abschluss führen.
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Szene 15: Polizeistation II
Polizist 2: Das Verhör scheint beendet.
Oldie: (Neue Zigarette) Sehr scharfsinnig.
- Rauchen, mehrere Züge, dumpfe Schritte vor der Tür, Tür öffnet sich -
Oldie: Was hat die Kleine gesagt? Dieses Kauderwelsch kann ja keiner verstehen.
Majorin: Wenn Sie meinen, Cerny. Sie hat eine etwas wirre Situation mit dem Täter
beschrieben. Was ihr wohl ganz besonders im Gedächtnis blieb, war das der Täter mit Säure
gearbeitet hat.
Oldie: Säure? Das ist merkwürdig … würde aber die Sauerei erklären. Anfangs hat er die
Knochen noch schonen wollen und nun scheint er heftiger zu Werke zu gehen. Er entwickelt
sich, wird aggressiver und unvorsichtiger. Oh, ich hasse so Spinner!
Majorin: Also ein Psychopath?
Oldie: Mmh. Ich weiß nicht? Das klingt mir nach einer zu großen Macke. Wir sollten Yanik
in der Pathologie aufsuchen, vielleicht hat er ja schon ein paar neue Informationen.
Majorin: Gerne. (zu Polizist 2) Würden Sie sich derweil bitte um Fräulein Ehrenfried
kümmern, Jiri?
Polizist 2: Jawohl, wird erledigt!
Oldie: Kommen Sie nun endlich? Sonst fahr ich alleine.
Majorin: Bin schon da.
26
Szene 16: Pathologie
Sprecher: Mittwoch 06.08.2014 18:08Uhr. Kutná Hora Hospital, Pathologie:
Schritte, Durchsagen, Krankenhausgeräusche
Oldie: Hallo meine Teuerste, können Sie mir sagen, wo die Pathologie ist?
Krankenschwester: Einfach die Treppe runter, zweiten Gang links.
Oldie: Dankeschön, und hier wäre ich auch gern Patient.
Krankenschwester: (Kichert.)
Majorin: Sie haben vergessen, ihr einen Klaps auf den Hintern zu geben.
Oldie: Damit warte ich bis zur Rente, dann ist es nicht mehr verwerflich. Und einen Klaps
auf den Hinterkopf bekommt der Jungspund, wenn der uns keine Ergebnisse hat.
Schritte/ Treppe steigen/ Schritte/ Surren von Lampen/ Tür auf.
Youngster: Ah, da seid ihr ja schon. Hattet ihr Erfolg beim Verhör?
Oldie: Wie man es nimmt, war halt deutsches Geplapper. Dank unserer großen Linguistin
hier, wissen wir nun, dass der Täter wohl auf Säure umgestiegen ist.
Majorin: Was nun doch unsere erste Vermutung bestätigt. Die Knochen sind also doch mit
Säure ausgewaschen worden.
Youngster: Das ist so nicht ganz richtig, aber kommt erst mal her und schaut euch an, was
ich entdeckt habe.
Hier, das ist der Leichnam von Caroline Seiffert.
Oldie: Argh, ekelhaft. Da fehlt das ganze Gesicht.
Majorin: Sie sagen es, aber wieso das ganze Gesicht?
Youngster: Ah, Sie haben es bemerkt. Das ganze Gesicht ist inzwischen weggeätzt und der
darunter liegende Schädel freigelegt worden. Die Substanz hat die ganze Zeit weiter
gearbeitet.
Oldie: Ja und?
Youngster: Das ist ungewöhnlich. Säuren fressen sich so lange durch Material, bis sie ihren
PH-Wert neutralisiert haben und damit zu schwach werden. Folglich, je höher der
Säuregehalt, desto länger die Wirkung. Hier hat die ganze Zeit ein kontinuierlicher
Zersetzungsprozess stattgefunden. Daher auch keine saubere Bestimmung, was das wirklich
für eine Substanz ist. Sie reagiert zersetzend auf den Körper, zerstört ihn aber nicht direkt,
so wie es eine herkömmliche Säure tun würde. Es findet vielmehr eine Umwandlung in die
Grundbestandteile des Körpers statt.
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Oldie: Wie, was, häh? Was soll das heißen?
Youngster: Es wird nichts zerstört in dem Sinne, sondern eher die Zellstruktur aufgelöst.
Einfach zu einer gallertartigen Substanz verwandelt.
Majorin: Sie meinen, wie bei einer Spinne, die ihre Opfer mit Gift auflöst und aussaugt?
Youngster: Ähnlich, aber in unserem Fall, natürlich vollkommen abwegig. Es muss sich
vielmehr um eine, mir bisher unbekannte, Chemikalie handeln. Vielleicht irgendwas
Synthetisches aus der Industrie. Auf jeden Fall aber etwas, dass man nicht so einfach im
Laden bekommt oder im Keller zusammenbraut.
Majorin: Sie meinen also, der Täter muss sich sehr gut auskennen und gute Kontakte
haben?
Youngster: Ja, da bin ich mir sicher. Und sobald es uns gelungen ist, die Substanz sauber
aufzuschlüsseln können wir sicherlich sehr zielgenau bestimmen woher sie kommt. Sowas
gerät nicht unbemerkt in den Umlauf.
Oldie: Das gefällt mir nicht. Klingt zu sehr nach Abwarten und Tee trinken. Haben wir nicht
noch mehr?
Youngster: Nun ja, viel Zeit war noch nicht. Wir haben natürlich noch alles, was am Tatort
von dem Täter zurückgelassen wurde. Seien es Spuren oder Proben. Dafür brauchen wir
aber
noch Zeit.
Oldie: Mmh. Je länger wir brauchen, desto kälter wird die Spur. Also halt dich ran.
Youngster: Hexen kann ich auch nicht. Aber das Labor hat auch Nachtschichten. Ich
vermute, morgen früh gibt es schon neue Erkenntnisse.
Majorin: (süffisant) Für Sie noch genug Zeit ein Bierbad zu nehmen...
Oldie: Mmh... (grummelt) erstmal ins Hotel. Da kann ich auch telefonisch der Zentrale
einen Bericht abliefern. Die werden sich bei all dem Medienrummel eh schon fragen, was
wir hier anstellen.
Youngster: Gut, ich melde mich dann, sobald ich was weiß.
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Szene 17: Zimmer Oldie
Sprecher: Donnerstag 07.08.2014 05:12 Uhr. Kutná Hora, Hotel Varhanáre:
Schnarchen, Telefon klingeln.
Oldie: (Erschrecktes aufwachen) Häh! (Abnehmen) Wer wagt es?
Youngster (Telefonverzerrung): Ich bin es: Yanik. Das Labor hat eine Spur gefunden.
Oldie: Und das kann nun nicht bis morgens warten.
Youngster: Nein, denn wir sind ziemlich sicher, dass wir wissen, wo er ist!
Oldie: Was? Wie das?
Youngster: Erzähl ich dir im Auto. Werd nur schnell wach und komm mich abholen.
Informier du die Majorin, ich werde Verstärkung organisieren.
Oldie: Bist du jetzt der Chef?
Youngster: Stell dich nicht so an, beeil dich lieber!
Oldie: Mmh. Bin schon dabei!
Youngster: Und Valter...
Oldie: Was noch?
Youngster: Denk dran, es handelt sich um einen Säurekiller. Der muss so schnell wie
möglich handlungsunfähig gemacht werden. Wir wissen immer noch nicht, um was es sich
für eine Substanz handelt, nur dass sie verdammt gefährlich ist. Wir sollten keine Risiken
eingehen.
Oldie: Ok, erst schießen, dann fragen.
Auflegen, Husten, Kippe anzünden, Wählen
Majorin: Ja bitte? (klingt munter)
Oldie: Yanik hat was, machen Sie sich fertig. Wir treffen uns in fünfzehn Minuten beim
Auto.
Auflegen, tiefer Zug und ausatmen
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Szene 18: im Auto
Tür geht auf
Majorin: Meine Güte, Sie sehen ja furchtbar aus.
Oldie: Auch Ihnen einen guten Morgen, Frau Majorin.
Majorin: Wollen Sie nicht langsam auf die Rangbezeichnungen verzichten? Wir sind nicht
mehr beim Militär.
Oldie: Stellen Sie sich lieber darauf ein, dass Sie sich wieder an ihre besten Zeiten dort
erinnern, denn nun geht es ans Eingemachte. Ich will den Drecksack haben!
Fahrgeräusche
Majorin: Was hat unser Kollege denn nun entdeckt?
Oldie: (grummelt) Keine Ahnung, das hat er natürlich nicht gesagt, aber Sie können ihn
gerne selber fragen. Da vorne steht er schon.
Tür auf
Youngster: Guten Morgen
Oldie: Mmh, Morgen.
Majorin: Guten Morgen. Nun erzählen Sie.
Youngster: Moment, hier Valter, die Adresse. Gib sie ins Navi ein. Wir treffen uns dort mit
der ortsansässigen Polizei.
Oldie: Bin ich denn... ach egal, gib her verdammt.
Eintippen im Navi
Youngster: So… Dann vielleicht vorweg, es geht in Richtung der alten Silbermine.
Majorin: Was wollen wir da? Und vor allem, Sie wollen doch nicht die Stollen
durchkämmen, oder? Davon gibt es sicherlich Hunderte unter der Stadt.
Youngster: Richtig, aber nur wenige kommen in Frage. Wir haben an den Schuhsohlen des
Mannes neben kleinen Mengen Silbererz auch Reste von Glyceroltrinitrat, Kieselgur und
Natriumcarbonat gefunden.
Majorin: Klassisches Dynamit. Das ist zwar ein Hinweis auf die Minen, aber sicherlich
keine Seltenheit dort.
Youngster: Stimmt, aber es war auch noch Schwarzpulver mit dabei.
Majorin: Mmh.
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Oldie: Was Mmh? Was soll das heißen? Das doch noch normal.
Majorin: Entgegen dem allgemeinen Volksglauben ist im Dynamit kein Schwarzpulver
enthalten. Um 1870 hat Alfred Nobel das deutlich stärkere Dynamit erfunden, um eben
Schwarzpulver zu ersetzen.
Youngster: Korrekt, aber genau das ist der Punkt. Schwarzpulver wird im heutigen Bergbau
nicht mehr verwendet. Wenn man aber für Touristen einen ordentlichen Knall mit viel
Rauch erzeugen will, dann schon.
Majorin: Ah, ich verstehe.
Oldie: (Grummelt.) Was?
Majorin: Es wird derartige Vorstellungen nur in bestimmten, ausgewiesenen, Bereichen
geben.
Oldie: Und für so eine Info, braucht ihr einen halben Duden? Meine Fresse, ein „Da lang!“
hätte gereicht! (Grummeln)
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Szene 19: vor der Mine
Sprecher: Donnerstag 07.08.2014 05:36 Uhr. Eingang Silbermine Kutná Hora
Anhalten Auto, Aussteigen
Polizist 2: Guten Morgen, die Herrschaften.
Oldie: (Grummeln) Morgen.
Youngster: Guten Morgen. Das ist unsere Verstärkung?
Polizist 2: Wie Sie gewünscht haben, drei meiner Männer.
Majorin: Kampferfahren?
Polizist 2: Naja, so wie das eben bei Polizisten in einer kleinen Stadt ist. Aber ich nehme
schwer an, dass jeder von uns das richtige Ende einer Pistole finden wird.
Majorin: Dann muss das eben reichen.
Youngster: Und haben Sie daran gedacht, dass wir uns schützen müssen?
Polizist 2: Da haben wir hier leider nicht so viele Möglichkeiten, nur normale Helme.
Haben Ihnen auch welche mitgebracht. Hoffentlich reicht das zusammen mit den Westen. Damit
haben wir immerhin einen kleinen Schutz für Gesicht und Körper.
Oldie: Dann geben Sie mal her!
Geräusche Klettverschluss und Einschnappen Helmgurt
Polizist 2: Und wie gehen wir jetzt vor?
Youngster: Ich habe hier eine Karte. Darauf sind die Stellen verzeichnet, an denen
Showexplosionen für Touristen durchgeführt werden. Es sind tatsächlich nur zwei. Beide
von hier aus, durch ein Tunnelsystem, erreichbar.
Majorin: Sprich, wir sollten uns aufteilen?
Youngster: Es wäre von Vorteil, ich bin überzeugt, dass wir per Funk kommunizieren
können. Die Touristenbereiche befinden sich dicht unter der Oberfläche.
Polizist 2: Und wie sollen wir uns verteilen?
Oldie: Majorin, Sie schnappen sich die drei Pfadfinder da hinten und nehmen die kürzere
Ost-Route. Ich werde mit unserem Scharfschützen vom Lande Yanik beschützen.
Youngster: Hey, ich brauche keinen Aufpasser!
Majorin: Das klingt vernünftig. Was denken Sie?
Polizist 2: Bin einverstanden. Thomek, hol die Funkgeräte und sag den Anderen, sie sollen
sich bereit machen.
Polizist 3: Jawohl!
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Szene 20: In der Mine
Sprecher: Donnerstag 07.08.2014 05:49 Uhr. Silbermine Kutná Hora
Die Beamten betreten die Silbermine, deren Eingang direkt in der Stadt in der Nähe des
Domes der heiligen Barbara liegt. Ihre Taschenlampen zucken über den behauenen Felsen
und brechen sich an unzähligen Felskanten. Überall versperren alte Geräte, aufgestellt für
die Touristen und riesige Felsformationen den Weg.
Youngster: Das Licht reicht kaum zehn Meter.
Oldie: Das kann ich selbst sehen?!
Youngster: Bei all dem Schrott, der hier steht, müssen wir extrem aufpassen. Ich hab die
ganze Zeit das Gefühl, dass diese Puppen sich gleich in einen Säurewerfer verwandeln.
Polizist 2: Die Figuren sind Teil der Ausstellung. Sie sollen zeigen, unter welchen
Bedingungen die Arbeiter damals das Silber gefördert haben.
Oldie: Ja prima, und sie sind vollkommen harmlos! Brüllt doch am besten gleich in die
Gänge, dass wir kommen. Am Ende entwischt uns der Dreckskerl dann noch!
Polizist 2: Sie haben Recht, aber dennoch sollten wir kurz der anderen Gruppe einen
Lagebericht funken. Vielleicht haben die schon Spuren des Täters entdeckt.
Oldie: Dann tun Sie das eben, um Himmels willen, aber seien Sie leise dabei.
Knacken des Funkgerätes. Zweite Gruppe metallisch aus dem Funkgerät.
Polizist 2 Majorin Boronowsky, können Sie uns hören?
Majorin: Ja, ich höre Sie.
Polizist 2: Haben Sie inzwischen etwas gefunden?
Majorin: Bisher nicht. Und bei Ihnen?
Polizist 2: Alles ruhig. Wie weit sind Sie bisher gekommen?
Majorin: Ich würde sagen ... Moment ... (Tuscheln) Wir haben etwas!
Oldie: Was? Sie hat was gefunden?
Majorin (flüstert): Gehen Sie vorsichtig dort hinüber?
Oldie: Fragen Sie sie, was es ist!
Polizist 2: Das geht nicht, sie hat die Frequenz geöffnet. Wir können im Moment nur hören.
Oldie: Verdammt!
Majorin: Sehen Sie das? ... Psst, seien Sie leise ... (noch leiser) Wir haben ein Licht
entdeckt und hören sowas, wie eine Art Schmatzen ... (wieder zu Polizisten) Da, gehen Sie
um den Felsen herum, aber ganz langsam ... Oh mein Gott! Das kann doch nicht wahr sein...
Oldie: Was geht da vor sich zum Teufel?
Majorin: Проклятье! [prakljat'je]... Er hat uns gesehen ... Passen Sie auf?
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Oldie: Schnell! Wir müssen dort hin!
Ab hier Gespräch technisch unterbrochen und zerstückelt. Überlagert von Renngeräuschen.
Majorin: Laufen Sie... Achtung! Er ist wie ein Wilder! (Brüllen aus der Ferne)... Bleiben
Sie in Deckung!
Immer wieder Schüsse. Brüllen Täter, Schrei und wegsacken des Polizisten.
Majorin: Passen Sie auf, er wirft mit Steinen.
Poltern von Steinen
Majorin: Runter!
Funkgerät fällt zu Boden.
Polizist 2: (Bleibt stehen) Melden Sie sich! Immer noch blockiert.
Majorin: Hier du Monster, nimm das!
Dumpfe Schüsse - knacken Leitung - Störgeräusche dann Ruhe.
Oldie: (Außer Atem) Laufen Sie weiter, verdammt! (Husten) Beeilen Sie sich! (Husten wird
heftiger, während Schritte und Husten ausfaden).
34
Szene 21: Versteck
Polizist 2: Thomek... Gott sei Dank! Was ist passiert? Wo sind die Anderen?
Youngster: Sie bluten! Sind Sie schwer verletzt?
Polizist 3: Der Mistkerl hat mit Steinen nach uns geworfen, dabei hat mich einer am Arm
getroffen. Geht schon wieder.
Youngster: Haben Sie ihn überwältigen können?
Polizist 3: Ja, aber fragen Sie nicht wie. Ich kann es kaum glauben. Wäre die Majorin nicht
gewesen, hätten wir das nicht überlebt. Der Kerl ist völlig durchgedreht!
Polizist 2: Beruhig dich erst mal, Thomek.
Youngster: Hier rüber!
Oldie: (Schwer atmend) Lasst mich durch. Meine Fresse ist das eine Sauerei. Majorin wie
geht es Ihnen?
Majorin (eher apathisch): Gut.
Oldie: Unglaublich! Sie haben ihn lebend gefangen? Wie haben Sie das gemacht?
Majorin: Damit.
Youngster: Das ist Taser. Ein Elektroschocker.
Oldie: Warum haben Sie den Drecksack nicht abgeknallt?
Majorin: Die andere Waffe war leer.
Polizist 2: Bei allen Heiligen, hier liegt eine übel zugerichtete Leiche.
Majorin: Er... er war gerade dabei sie zu fressen, als wir ihn entdeckt haben. Scheußlich!
Oldie: Kommen Sie, ich bring Sie mit den Verletzten nach draußen. Ihr kommt hier alleine
klar. Verschnürt das Schwein gut und packt ihm einen Sack über den Kopf. Draußen muss
niemand sehen, wie wir einen blutverschmierten Kannibalen abtransportieren.
Polizist 2: Wird gemacht.
35
Szene 22: Notaufnahme
Sprecher: Donnerstag 07.08.2014 07:30 Uhr. Krankenhaus Kutná Hora
Majorin: Ich danke Ihnen für Ihre Fürsorge, Herr Cerny.
Oldie: Geschenkt. Sie bekommen auch schon wieder Farbe ins Gesicht.
Majorin: Ich glaube, ich habe den ersten Schreck überwunden. Der Kaffee tut sehr gut.
Oldie: Naja, nicht gerade eine Wiener Mischung, aber was soll es.
Majorin: Er ist gut. (... nimmt einen Schluck ...) Wie geht es weiter?
Oldie: Yanik wird zusammen mit einem Arzt den Gefangenen versorgen und untersuchen.
Sie hätten ihn erschießen sollen! Würde uns viel Arbeit und Papierkram ersparen. Und ich
sage Ihnen ganz ehrlich, kein Gericht wird dem Drecksack das verpassen, was er verdient
hätte. Wahrscheinlich wird er einfach nur ein neuer Freak, der im Gefängnis zu abartigem
Ruhm kommt.
Majorin: Beim nächsten Kannibalen merk ich mir das.
Oldie: Besser so. Aber nun gut, jetzt ist es so. Wie gesagt, Yanik wird ihn untersuchen und
wahrscheinlich mit einer Sonde die menschlichen Reste in seinem Magen sicherstellen. Ach
was weiß ich. Sobald die damit fertig sind, wird der Kerl auf jeden Fall von mir durch die
Mangel gedreht. Da wird er schon auspacken, ob es noch mehr Opfer gibt.
Majorin: Das wird aber noch dauern. Und die Presse?
Oldie: Wie meinen Sie das?
Majorin: Naja, früher oder später wird die Presse Wind von der Festnahme bekommen.
Wäre es da nicht vernünftig, wenn Sie bei der Polizeistation eine Pressekonferenz
vorbereiten? Die stürmen Ihnen sonst das Krankenhaus.
Oldie: Wie ich dieses Pack hasse. Das ist definitiv nicht meine Aufgabe. Damit können sich
die Jungs hier vom Lande die Zeit totschlagen. Für mich ist der Fall erst einmal erledigt.
Majorin: Dann wäre doch jetzt die richtige Zeit Schlaf nachzuholen. Wollen Sie auch ins
Hotel zurück?
Oldie: Das können Sie vergessen, meine Liebe. Sie werden sich hier noch einmal genau
untersuchen lassen. Nicht, dass Sie doch irgendwas abbekommen haben.
Majorin: Aber...
Oldie: Nix aber. Sie bleiben.
Majorin: Wie Sie meinen, Cerny.
Oldie: Gut und ich such mir noch was zum Frühstück. Nach der Nacht habe ich mir das
verdient.
Majorin: Schön, dann melde ich mich, sobald ich vom Arzt entlassen wurde und wieder im
Hotel bin.
Oldie: Lassen Sie sich Zeit. Bis dann.
36
Majorin: Bis dann.
SCHREI - unterbricht Majorin.
Oldie: Der Untersuchungsraum.
Majorin: Verdammt!
37
Szene 23: Untersuchungsraum 1.42
Sprecher: Donnerstag 07.08.2014 07:20 Uhr. Zehn Minuten früher, Untersuchungsraum
1.42 Krankenhaus Kutná Hora
Arzt 1: So, der Patient ist fixiert. Soll noch einmal ein Betäubungsmittel verabreicht
werden?
Youngster: Ich denke, das ist nicht nötig. Der Kerl müsste noch eine ganze Weile
bewusstlos sein. So einen Stromschlag steckt man nicht so leicht weg.
Arzt 1: Blutdruck und Puls sind jedenfalls recht niedrig. Für so einen durchtrainierten Mann
eigentlich schon zu niedrig.
Youngster: Eh schon merkwürdig. Die Zeugin hat ihn als abgemagert und verfallen
beschrieben. Die Beschreibung passt absolut nicht zu unserem Verdächtigen. Höchstens die
eingefallenen Augen.
Arzt 1: Vielleicht der Schock? Sie wissen doch selbst, fragt man 10 Zeugen zu einem
Überfall, hat man meist elf unterschiedliche Angaben zum Täter. Da würde ich mir keinen
Kopf machen.
Youngster: Nicht, dass er einen Komplizen hatte.
Arzt 1: Glaub ich nicht. So Psychopathen wie der hier, handeln in der Regel allein. Ihre
kranken Egos würden sich sonst beharken.
Youngster: Ich hoffe, Sie haben Recht! Aber gut lassen Sie uns mit der Untersuchung
beginnen. Vor allem sollten wir eine Probe, als Beweismittel, aus dem Magen bekommen.
Können Sie mir die entnehmen?
Arzt 1: Abführmittel oder Schlauch?
Youngster: Lieber frisch. Da er betäubt ist, können wir gut den Schlauch verwenden, denke
ich. Der Schluckreflex sollte weitestgehend unterdrückt sein.
Arzt 1: Ok. Moment, ich hole das Gerät. Sie können derweil das Patientenblatt ausfüllen.
Hier bitte. (Blätter rascheln - Schritte weg, vorbereiten Instrumente)
Youngster: Mmh, dann wollen wir mal. Name: Unbekannt. Wohnort: Unbekannt.
Männlich, ca. 30 Jahre alt ... Größe: ca. 1,85m ... Statur: Sportlich. Haarfarbe: Dunkelbraun.
Augenfarbe: ebenfalls braun. Auffällige Merkmale: Vernarbung im Halsbereich, Ursache
nicht feststellbar. Augen eher eingefallen und schwarze Ringe.
Arzt 1: So, wir können loslegen. (Schieben von Geräten) Halten Sie bitte den Mund auf?
Youngster: Ja, selbstverständlich.
(Pause)
Arzt: Das ja interessant. Schauen Sie sich das an. Der Kiefer ist ungewöhnlich kräftig und
die Zähne scheinen stark angegriffen. Es sieht geradezu so aus, als wären die Zähne an
manchen Stellen abgebrochen. Dadurch haben sich regelrechte Reißzähne gebildet.
38
Youngster: Das erklärt wohl, wie er seine Opfer so zerfleischen konnte.
Arzt 1: Mmh, dennoch seltsam. Und schauen Sie hier, das Zahnfleisch ist stark verfärbt.
Youngster: Vorsicht, Ihr Handschuh! Das Material löst sich auf.
Arzt 1: Wahnsinn!
Hektisches Abziehen des Handschuhes und Spülen der Hände.
Arzt 1: Der Verrückte muss die Säure auch im Mund gehabt haben. Wie ist das möglich?
Youngster: Das glaub ich nicht ... Das ist unmöglich! Die Säure, die wir an dem Opfer
gefunden haben, war so aggressiv, dass sie sich noch lange nach dem Erstkontakt durch das
Gewebe des Mädchens gefressen hat. Er könnte das niemals im Mund lagern, ohne deutlich
mehr Schäden davonzutragen.
Arzt 1: Das müssen wir uns genauer ansehen. Geben Sie mir den Spreizer aus Metall? Ich
will mir die Mundhöhle genauer ansehen ... Sehen Sie hier an der Seite, wenn ich die Lippen
beiseiteschiebe? Dahinter scheint etwas zu liegen. Was könnte das sein?
Youngster: Es sieht wie eine riesige Drüse aus. Aber das kann nicht sein, der menschliche
Körper besitzt so etwas nicht.
Arzt 1: Geben Sie mir mal die Zungenzange. Danke. Schauen Sie, wenn ich leicht Druck
ausübe, tritt eine gallartartige Flüssigkeit hervor.
Youngster: Nehmen Sie bitte eine Probe.
Arzt 1: Also, ich will ja nicht wie ein Verrückter klingen, aber so etwas gibt es eigentlich
nur im Tierreich. Spinnen oder Schlangen können derartige Drüsen haben, mit denen sie
Gift produzieren, aber nicht der Mensch.
Youngster: Oh mein Gott, so hat er die junge Frau zum Schweigen gebracht! Er hat ihr ins
Gesicht gespuckt und den kompletten Rachenbereich weggeätzt.
Arzt 1: Was ist das für ein ... ein Ding?
Youngster: Ich weiß es nicht ... ich kann mir das nicht erklären.
Bauchgrummel
Arzt 1: Hören Sie das? Das klingt wie ein Bauchgrummeln...
Youngster: Ich hab nichts gehört.
Arzt 1: Lassen Sie mich schnell Puls und Blutdruck messen, nicht dass uns der Kerl
aufwacht. Bevor er uns anspucken kann, sollten wir ihn lieber erneut ruhigstellen.
Youngster: Das kann nicht sein! Niemand steht nach einem derart starken Schock so
schnell
wieder auf.
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Bauchgrummel, Seufzen
Youngster: Jetzt hab ich es auch gehört. Doktor holen Sie schnell die Medikamente. Lieber
Vorsicht, als Nachsicht!
Arzt 1: Moment, ich habe hier drüben im Schrank die Ampullen mit Betäubungsmitteln.
Youngster: Beeilen Sie sich! Sie müssen sich das ansehen. Sein Gesicht. Es wirkt
inzwischen regelrecht eingefallen. Der ganze Körper scheint schmaler zu werden.
Arzt 1: Was reden Sie da? Lassen Sie mich vorbei, ich spritze es ihm direkt in die Vene.
Tatsächlich, der Arm ist regelrecht weich. Die Haut abgeschlafft. Gerade wirkte er noch wie
das blühende Leben und nun eher wie ein Greis. Was ist hier nur los verdammt?
Gurgeln wird nebenher lauter.
Youngster: Vorsicht Doktor, seine Augen sind offen!
Arzt: Was?
Spuckgeräusch, Knistern der Haut, Schreie
Arzt 1: WAAAAAAH!!!
Youngster: Doktor!
Spucken und Reißen der Riemen
Youngster: Hilfe! Wir brauchen hier Hilfe! (Youngsters Stimme erstickt).
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Szene 24: Untersuchungsraum 1.42 - Teil 2
Oldie: Der Untersuchungsraum.
Majorin: Verdammt!
Zerschlagen von Einrichtungsgegenständen, zerbrechen von Glas.
Youngster: Hilfe! Wir brauchen hier Hilfe! (Youngsters Stimme erstickt)
Tür wird aufgeschlagen.
Oldie: Yanik! (...) Lassen Sie ihn los! Sie haben keine Chance hier raus zu kommen!
Ghul: Maaah, Maaah (lang gezogenes Stöhnen) Raaaaaaauuuusss (keine Forderung,
sondern fragend)
Majorin: Er hat ihn im Würgegriff, Cerny. Schauen Sie, Yanik bekommt kaum Luft, er hebt
ihn regelrecht vom Boden hoch.
Oldie: Ich warne Sie noch einmal. Lassen Sie ihn los, wenn Sie hier lebend raus wollen.
Youngster: H-h-h-hilf...
Majorin: Ich habe keine freie Schussbahn.
Oldie: Keine Sorge Yanik, gleich ist es vorbei. Lassen Sie ihn los!
Ghul: RAAAAAAAAAAAAUUUUSSSS! (Schreit es verschluckend).
Youngster brüllt erstickend.
Majorin: Oh mein Gott, Cerny. Der Speichel. Er tropft auf Yanik und frisst sich durch seine
Schulter. Wenn es ihn am Hals trifft, war es das!
Oldie: So weit kommt es nicht. Bereit machen!
Majorin: Cerny, was …?
Oldie: Du hast es nicht anders gewollt, Bastard.
Majorin: Nicht! Nicht springen!
Rumpeln und hartes zu Boden krachen. Schüsse
Ghul: Aahhhh! (beginnt zu toben)
Oldie: Verdammt, knallen Sie ihn ab!
Majorin: Ich hab ihn getroffen. Er steht noch! Hauen Sie da ab!
Oldie: Passen Sie auf, er geht auf Sie los!
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Brüllen, ein knallender Schlag, Majorin kracht in ein Regal.
Oldie: Er will flüchten. Werfen Sie mir ihre Waffe zu. Majorin! Hören Sie mich? Die
Waffe!
Ghul: RAAAAAUUUUSSSS!
Oldie: Die Waffe!!!
Toben endet, rennen, Tür wird aufschlagen.
kurze Pause
Schüsse
Ruhe
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Szene 25: Flur Krankenhaus
Rollen des Krankenbettes über den Boden, alles dumpf gesprochen
Schwester: Sein Puls ist flach aber stabil. Pupillen reagieren.
Arzt 2: Legen Sie ihm eine Kochsalzlösung und rufen Sie mir Dr. Kysely. Die Leute im OP
3 sollen sich auf eine Säureverletzung vorbereiten.
Schwester: Ja, Herr Doktor.
Tür wird aufgestoßen.
Oldie: Sie müssen ihm helfen, egal was es kostet.
Arzt 2: Was denken Sie, was ich hier mache?! Schwester, wir brauchen dringend
Blutkonserven. Machen Sie einen Kreuztest.
Tür wird aufgestoßen.
Oldie: Warum Blut Doktor? Er blutet nicht. Es frisst sich verdammte Säure durch seine
Schulter.
Arzt 2: Seien Sie still verdammt nochmal und stören Sie nicht. Sollte die Säure sich in eine
Arterie fressen, muss ich sie abtrennen und dann beten Sie lieber, dass Ihr Freund genug
Blutkonserven bekommt. Und nun hauen Sie ab. Pfleger!
Pfleger: Bleiben Sie bitte hier.
Tür wird aufgestoßen.
Oldie: Den Teufel werd ich tun. Ich will genau sehen, was da drin vorgeht.
Pfleger: Wenn Sie Ihren Freund töten wollen, dann machen Sie das!
Oldie: Was? Fangen Sie ja nicht an, mir zu sagen was ich zu tun oder zu lassen habe.
Pfleger: Da drin stehen Sie den Ärzten nur im Weg und stören. Jeder Fehler bringt ihn zu
100 Prozent um.
Oldie: Sie mies ... (hält sich zurück)
Pfleger: Sparen Sie es sich besser. Gehen Sie lieber nach Ihrer Kollegin schauen. Hier sind
Sie überflüssig.
Oldie: Ach zur Hölle mit Ihnen! (dreht sich um und geht)
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Szene 26: Vor Untersuchungsraum 1.42
Polizist 2: Ich glaube, wir hatten Glück. Wäre ich nicht zufällig um die Ecke gewesen und
hätte mir einen Kaffee geholt, wäre das Monster entkommen.
Majorin: Sie können froh sein, dass sie so schnelle Reflexe haben. Wer weiß, was passiert
wäre, hätten Sie nicht so geistesgegenwärtig die Waffe gezogen und gehandelt.
Polizist 2: Ich will es mir lieber nicht ausmalen. Ich habe gehört Ihrem Kollegen geht es
sehr schlecht?
Majorin: Ich hoffe, es ist nicht so ernst, wie es auf den ersten Blick schien, er ist ein
kompetenter und anständiger junger Mann. Genaues weiß ich leider noch nicht, hoffentlich
kann mein anderer Kollege mehr dazu sagen. Er war dabei, als er in den OP gebracht wurde.
Polizist 2: Dann wünsche ich dem jungen Mann das Beste. Er scheint sich tapfer geschlagen
zu haben. Unglaublich! Der Bericht wird die Hölle sein.
Oldie kommt hinzu.
Oldie: Vergessen Sie den Papierkram besser, Freundchen.
Polizist 2: Wie meinen Sie das?
Oldie: Es wird Ihnen keiner glauben! Schreiben Sie lieber, dass ein Verrückter mit Säure
gespielt hat. Sonst werden Sie noch als geistig beschränkt irgendwo in die Pampa versetzt.
Polizist 2: Ich glaube nicht, dass es gut ist, so zu lügen. Vor allem haben meine Kollegen ja
auch alles miterlebt.
Majorin: Ich denke, mein Kollege hat Recht. Besprechen Sie das mit Ihren Männern.
Manchmal ist es wirklich besser, wenn nur eine nachvollziehbare Erklärung zurückbleibt.
Polizist 2: Mmh, ich werde das klären.
Oldie: Gut. Wo ist das Monster?
Polizist 2: Kommen Sie, hier drüben. Wir ihn schon eingepackt.
Schritte
Oldie: Den Leichensack hast du dir wirklich verdient, Bastard.
Tritt gegen den Leichensack und spucken.
Oldie: Sie haben sich vom Arzt untersuchen lassen?
Majorin: Ja. Es ist nur eine leichte Prellung und kleine Schnittwunden. Nichts Schlimmes.
Oldie: Das ist gut. Dennoch werden Sie sich im Hotel ausruhen.
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Majorin: Das wird nicht nötig sein.
Oldie: Doch das ist es. Ich selbst werde zurück nach Prag fahren und einen Bericht
durchgeben. Ansonsten trete ich hier das Inventar zusammen. Sie ruhen sich aus und
morgen früh sehen wir uns. Dann weiß man sicher auch mehr von Yanik.
Majorin: Wie Sie meinen, Cerny. Ich werde nur noch kurz dabei bleiben, bis der Leichnam
abtransportiert wird. Dann haben wir den Morgen auch gleich im Labor.
Oldie: Ist in Ordnung, machen Sie das. Bis morgen dann, Karina.
Pause
Majorin: (überrascht) Bis morgen … Valter.
Schritte nach draußen, Anzünden einer Zigarette, ausatmen.
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Szene 27: Telefonat 2
Sprecher: Donnerstag 07.08.2014, Uhrzeit: unbekannt. Ort: unbekannt
Klingeln, Klacken in der Leitung - stumm - Eingabe verschiedener Nummern. Ton wie bei einem
Fax - Abheben.
Unbekannt 1: (Verzerrte geschlechtsneutrale metallische Stimme) Objekt sichergestellt.
Unbekannt 2: (Düstere Stimme trotz metallischer Verzerrung) Sehr gut. Wir sind sehr
zufrieden mit Ihnen.
Auflegen
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Szene 28: Büro Prag Schluss
Sprecher: Freitag 08.08.2014, 7:01Uhr morgens. Hauptquartier Parapol Tschechien, Prag.
Eine Tür wird geöffnet, Licht wird eingeschaltet, jemand läuft durch den Raum, PCs werden
angeschaltet.
Tiefes Durchatmen, dann tiefes Husten. Erneutes Durchatmen. Anzünden einer Zigarette.
Oldie: Ahhh!
Tippen auf der Tastatur, zurücklehnen, Aufschlagen der Zeitung. Rauchen.
Es bleibt still.
Räuspern.
Oldie: Mmh, hoffentlich kommt die bald. Ich will die dussligen Berichte.
Anzünden nächster Zigarette. Klopfen an der Tür?
Oldie: Warum so förmlich? Kommen Sie rein, verdammt!
Tür auf – zu
Oldie: Wer sind Sie zum Teufel?
Majorin – echt: Majorin Karina Boronowsky. Ihrer Abteilung zugeteilt von der...
Oldie: Sie sind wer?
Majorin - echt: Majorin Karina Boronowsky. Sie sollten eigentlich informiert sein, dass ich
komme???
Oldie: Wollen Sie mich verarschen? Sie waren Montag schon da?
Majorin - echt: Wie meinen Sie das? Ich hätte zwar Montag da sein sollen, wurde
allerdings in Deutschland aus dem Flugzeug geholt. Man hat mich scheinbar mit einer
Schmugglerin verwechselt. Erst gestern hat sich erst alles aufgeklärt?!
Oldie: (langsam) Sie sind Majorin Karina Boronowsky.
Majorin – echt: Wie schon gesagt...
Oldie: Scheiße, Scheiße, Scheiße. Ich glaub, ich dreh durch! Verdammter Mist, das kann
nicht wahr sein.
Steht auf, stürmt davon Majorin – echt: Wo wollen Sie hin?
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Szene 29: Schluss Labor
Laborassistent: Oh hallo, Valter, du bist aber früh da.
Oldie: Geh mir aus dem Weg, verdammt!
Scheppern von Sachen.
Laborassistent: Hey, was soll der Scheiß? Lass die Sachen stehen! Was denn los mit dir?
Oldie: Ich will die Leiche sehen!
LA: Welche Leiche? Die von eurem Fall?
Oldie: (Brüllt) Ja verdammt, ich will die scheiß Leiche sehen! Wo ist sie?
LA: Beruhige dich, Valter! Die ist noch verpackt. So früh arbeiten die Pathologen hier unten
nicht. Alles noch versiegelt.
Oldie: Zeig mir die Leiche!
LA: Was soll das?
Oldie: Zwing mich nicht meine Dienstwaffe zu holen. Ich frage noch einmal. Wo ist die
beschissene Leiche?
Blättern in Akten
LA: Schon gut, aber ich sag dir, das wird ein Nachspiel haben!
Oldie: Geschenkt! Wo?
LA: Kammer 3B.
Oldie: Aufmachen!
Öffnen des Schubfaches und des Reisverschlusses -
Oldie: Verdammt! Das ist ja die Ehrenfried! Diese verdammte Nutte hat uns gelinkt! Wir
haben nicht in den Sack geschaut, verdammte Scheiße! Diese miese Schlampe! Oh ich
Rindvieh! Dabei hat sie es uns sogar noch unter die Nase gerieben!
Toben und zerschlagen von Glas bzw. anderer Gegenstände. Dabei fluchen von Oldie und Zitate
der falschen Majorin: (Besondere Schule der NPEA, Vornamen Polizist 2, die andere Waffe war
leer, meistens ist es wirklich besser, wenn nur eine nachvollziehbare Erklärung zurückbleibt usw.)
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OPTIONALER SCHLUSSZUSATZ
Majorin – echt: Was sollte das?
LA: Ich glaube, da ist was ordentlich schief gelaufen. Laut Unterlagen sollte da ein männlicher
Körper darin liegen und keine junge Frau.
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