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P E U L A : „DIE KERZENMENSCHEN“
Alter:
ab 8 Jahren
Gruppengröße:
10 bis 20 Personen
Dauer:
ca. 45 Minuten
Material:
Liegematten oder großes Handtuch für jeden Chanich
Ziel:
Dies ist eine längere Phantasiereise für kleine und große
Kinder, die dabei hilft, sich zu entspannen und sich geistig und
körperlich auf eine sehr angenehme Art zu erfrischen.
Durchführung:
Der Madrich liest langsam und mit ruhiger Stimme folgenden Text, während die
Chanichim auf dem Boden liegen (auf Matten oder Handtüchern).
Ich möchte euch zu einer Reise in ein fremdes schönes Land einladen, in dem ihr
noch nie wart. Und wenn ihr von dieser Reise zurückkommt, dann werdet ihr etwas
sehr Schönes mitbringen. Nachher kann mir jeder von euch sagen, was er oder sie
wohl von unterwegs mitgebracht hat. Leg dich bequem hin, schließe die Augen und
lass dich von meiner Stimme in dieses fremde und schöne Land begleiten. Und wenn
du willst, kannst du nun in das Land der Kerzenmenschen reisen, wo du ganz tief
und ruhig schlafen kannst. Du schläfst ganz lange, und wenn du aufwachst, dann
wirst du bemerken, dass du an einem neuen Ort bist. Und dieser Ort ist ein
riesengroßes Tal, angefüllt mit dicken Kissen aus Gras und Blumen.
Und plötzlich kannst du ein helles Licht vor dir sehen. Und während du dieses Licht
bemerkst und dir die Augen reibst, kannst du entdecken, dass du eine Flamme
siehst. Und beim genauen Hinsehen kannst du bemerken, dass du eine brennende
Kerze siehst, die ungefähr genauso groß ist wie du selbst und dass diese Kerze lebt.
Die Kerze geht auf dich zu, und als sie in deiner Nähe angekommen ist, verbeugt sie
sich. Und ihre Flamme berührt deinen Körper und schickt einen warmen Strom durch
deinen Körper. Und im selben Augenblick fühlst du dich ganz sicher. Du weißt, dass
die Kerze dein Freund ist. Du schaust dich um, und du kannst sehen, dass eine
ganze Menge Kerzenmenschen da sind, die dir alle zunicken und dich mit ihren
freundlichen Flammen vergolden. Und sie laden dich ein, ihnen in das Tal zu folgen.
Und es ist nicht ganz einfach für dich, mit den Kerzenmenschen mitzugehen, weil
deine Füße in die Gras- und Blumenkissen einsinken oder dagegen stoßen. Und es
ist wirklich komisch, so mit den Kerzenmenschen einher zu stolpern, so dass du
anfängst zu kichern. Und mit jedem ungeschickten Schritt lachst du mehr. Nachdem
du mehrere Stunden auf diese Weise gewandert bist, merkst du, dass du unruhig
wirst. Die Kerzenmenschen bemerken das, ohne dass du etwas sagen musst. Denn
sie zeigen mit ihren Flammen auf die Bäume über dir an denen all deine Lieblingsfrüchte hängen. Du freust dich und pflückst dir so viel Früchte, wie du willst, für ein
erfrischendes Picknick. Und nachdem du Hunger und Durst gestillt hast, wanderst du
mit den Kerzenmenschen weiter, und du stolperst über die Blumenkissen und
kicherst über deine Ungeschicklichkeit.
1
Du weißt, dass du bald am Ende des Tals angekommen bist. Und die Sonne geht
hinter dir unter wie eine rote Orange, und die Luft bekommt ein anderes Aroma. Du
versuchst, sorgfältig auf die Mitte der Blumenkissen zu treten, um die müden Blumen
nicht wach zu machen und du freust dich, dass du bald am Ende des Tales
ankommst. Und inzwischen hast du gelernt, geschickter zu gehen, und du stolperst
nur noch manchmal, wenn ein Graskissen vielleicht besonders feucht und glitschig
ist.
Und am Ende des Tales sieht es so aus, als ob das Land plötzlich steil abfallen
würde, wie bei einer Klippe am Meer. Die Kerzenmenschen ermuntern dich
weiterzugehen. Sie bemerken, dass du etwas Angst bekommst, plötzlich in die Tiefe
zu fallen. Und plötzlich überraschst du dich selbst, dass du Seite an Seite mit den
Kerzenmenschen in die Tiefe springst mitten in den riesigen rosafarbenen Himmel.
Und du spürst dieses merkwürdige Gefühl des Fallens und hältst vielleicht schon ein
wenig den Atem an. Da erscheint ein riesiges Kissen unter dir, purpurfarbenen mit
weißen Flecken,... weicher als alles, was du jemals zuvor gefühlt hast,... zart wie ein
Hauch.
Du bemerkst, dass du in einer Wolke gelandet bist. Die Wolke hat die Form eines
großen Eisbären, und sie hebt dich auf und trägt dich über den dunklen
Abendhimmel. Und allmählich, allmählich, wie du so mit der großen Wolke
dahinschwebst, wirst du müde und schläfst ein. Und du wirst erst wieder wach, als
die warmen Sonnenstrahlen auf deinen Körper fallen. Und du öffnest die Augen und
siehst, dass der Himmel inzwischen tiefblau geworden ist. Und all die Wolken und
auch deine Eisbärwolke fangen an, sich schneller zu bewegen. Und ein kräftiger
Wind fährt durch deine Haare, und du kennst dieses Gefühl, das so ist, wie wenn
man den Kopf aus dem Fenster eines fahrenden Autos steckt. Und der Himmel füllt
sich mit dunklen Wolken, die die Sonne verstecken, so dass du eine frische Kühle
spürst. Und die Wolken, die vorher leicht und weiß waren, werden nun schwer und
grau. Und du schaust nach unten und siehst, dass deine Eisbärwolke sich
verwandelt hat in einen schwarzen Bären. Und die Kerzenmenschen nicken mit ihren
Flammen und sagen dir, dass du dir keine Sorgen zu machen brauchst. Du kannst
bemerken, dass deine Beine sich ganz nass anfühlen, weil dein Wolkensitz zu feucht
und schwammig geworden ist. Du weißt, dass ein Sturm heraufzieht, und im
Handumdrehen bist du in einer großen Blase. Sie ist wie Glas, aber du kannst
sehen, dass es eine große Wasserblase ist. Zusammen mit den Kerzenmenschen
bist du in einem riesigen Himmel, der hinab fällt auf die Erde.
Und immer noch schwebst du in dem riesigen Regentropfen weiter hinab. Die
Kerzenmenschen sind bei dir. Du bemerkst einen kleinen Teich genau unter dir. Da
landet dein Regentropfen auf dem großen Blatt einer Seerose und zerplatzt dabei.
Die Hülle des Regentropfens fließt in den Teich und du bleibst auf dem
Seerosenblatt sitzen. Nun kannst du dich schön von der Sonne bestrahlen lassen,
die jetzt wieder erscheint. Ganz weit oben am Himmel kannst du einen Regenbogen
sehen... ein farbiges Tor zu einer andern Welt. Auf der einen Seite von dir sitzen die
Kerzenmenschen und auf der anderen Seite... ja, da sitzt ein riesiger Frosch. Er
sieht wie ein freundlicher Frosch aus, so dass du Lust hast, in paar Fragen zu
stellen:“ Wie heißt du? Wie bin ich hierher gekommen? Warum bist du so gross?
Oder warum bin ich so klein? Was wird als nächstes passieren? Wo sind wir?
2
Der Frosch sitzt ganz ruhig da, seine Augen sind geschlossen, und er antwortet
nicht. Manchmal lässt er seine lange Zunge nach vorn schnellen, um eine Fliege zu
fangen, die vorbeifliegt. Du machst dir nicht länger Gedanken und wirst ganz ruhig.
Du hörst auf zu sprechen, und du sitzt ganz still da wie der Frosch. Du weißt nicht, ob
du eine Minute da sitzt oder hundert Minuten. Eine angenehme Ruhe überkommt
dich, wie ein zarter Nebel. Allmählich glaubst du, dass du den Frosch verstehst...
Aber plötzlich springt der Frosch auf und hüpft rückwärts ins Wasser. Er schwimmt
zum Land und verschwindet. Du lachst vor Vergnügen. Wie elegant sich dieser
wunderbare Riesenfrosch bewegen kann! Und ohne nachzudenken springst du
ebenfalls rückwärts ins Wasser, um an Land zu schwimmen. Und mit jedem Zug
staunst du über die Stärke und den Mut, den du offenbar dadurch gewonnen hast,
dass du so lange ganz ruhig dagesessen hast. Und nun kommst du am Ufer an. Ein
wenig bibberst du dabei. Das Wasser war ganz schön kalt. Und als du ans Ufer
krabbelst, sind die Kerzenmenschen wieder da. Sie umfächeln dich mit ihren
Flammen, und augenblicklich bist du wieder ganz trocken und warm. Du schaust
zurück auf den großen Teich, und da siehst du, dass der Riesenfrosch wieder auf
dem Seerosenblatt sitzt, ganz still, bewegungslos.
Dann hörst Du jemanden lachen. Dein Blick wandert über das Gebüsch am Ufer...
über die Wiese hin zu den Bergen. Du hörst ein Lachen. Du kannst niemanden
sehen, der lacht, aber das Lachen wird lauter und lauter. Es scheint so dicht bei dir
zu sein, und du hörst eine sanfte Stimme, die direkt aus dem Boden unter dir zu
kommen scheint:“ Warum blickst du auf alles um dich herum und nicht auf dich
selbst, warum schaust du nicht dahin, wo du bist?“ Jetzt bist du etwas verwirrt. Du
siehst die Kerzenmenschen an, ob sie dir vielleicht weiterhelfen können. Sie nicken
und glühen mit ihren Flammen zum Zeichen, dass du dir keine Sorgen zu machen
brauchst. Du blickst nach unten, und der grüne Boden unter dir fängt an sich zu
bewegen. Du verlierst das Gleichgewicht, und der Boden bewegt sich noch stärker.
Einen Augenblick fürchtest du, dass ein Erdbeben begonnen hat, aber du merkst,
dass der Boden sich mit dir bewegt wie ein riesiges rollendes Skateboard, und die
Fahrt geht in Richtung auf die Wiese. Und wieder hörst du das Lachen, noch viel
lauter als vorher. Und die fremde Stimme ist wieder zu hören. „Warum schaust du
dich immer um und siehst nicht, wo du bist? Warum schaust du dich nicht selber
an?“ Du stotterst: „Aber, aber... ich bewege mich doch!“ Und die Stimme sagt:“ Nur
weil du dich bewegst das muss doch nicht bedeuten, dass du dich genau kennst!“
Plötzlich wirst du in die Luft geschleudert. Du überschlägst dich und landest in einem
Haufen weicher Blätter. Das bringt dich zum Lachen, und die Stimme und du selbst,
ihr beide lacht zusammen, bis dir die Tränen über die Backen laufen. Und jetzt
endlich siehst du, was dich hochgeschleudert hat. Es ist ein riesiger langer grüner
Schwanz, und am anderen Ende siehst du ein langes grünes Maul, weit offen und
fröhlich lachend. Das ganze grüne Ding sieht ungefähr so aus wie die Eidechsen,
die du auf dem Feld gesehen hast oder in Büchern oder im Spielzeugwarengeschäft,
aber dieses Tier ist zehnmal so gross wie du selbst. Und wieder blickst du auf die
Kerzenmenschen, ob sie dir wohl ein Zeichen geben. Sie nicken mit ihren
Flammenköpfen, und auch sie scheinen zu lächeln. Die Rieseneidechse fragt:“
Hättest du gern eine Fliege? Du musst vor Hunger sterben...“ Die Eidechse
schleudert ihre Zunge heraus, um eine Fliege zu fangen, und die Fliege hat ungefähr
die Größe deines Kopfes. Und du sagst:“ Nein, vielen Dank.“ Und du hoffst, dass du
die Eidechse nicht beleidigst. Die Eichechse lispelt: „Oh, natürlich, ihr Menschen esst
keine Fliegen, ihr schlagt sie tot, wie schade, wie schade. Du wirst dich fragen,
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warum du so klein bist, während die Fliegen, der Frosch und ich so groß sind.“ Und
du nickst zustimmend. Und die Eidechse sagt.“ Das liegt einfach daran, weil du in
einem Land bist, das den Namen trägt „Warum-Nicht-Land“. Hier musst du
herausfinden, was du mit weitgeöffneten Augen nicht erkennen kannst.“ Und wieder
lacht die Eidechse darüber, dass du nicht bemerkt hast, dass du die ganze Zeit auf
ihrem Schwanz gestanden hast. Du schaust dich einen Augenblick verlegen um. Und
in dem Moment, wo du wieder mit der Eidechse sprechen möchtest, ist sie
verschwunden. Aber du hörst sie noch immer ganz klar und ganz in der Nähe. Und
du merkst, dass du selbst mitlachst.
Die Kerzenmenschen winken dir zu, und du folgst ihnen um die Büsche herum zu
einer Ansammlung riesiger Felsen. Du folgst ihnen bis zum höchsten Punkt der
Felsen, wo es ganz flach ist. Du entdeckst einige große Beeren in den Ritzen der
Felsen. Sie sehen wie Heidelbeeren aus, aber sie haben die Größe von Fußbällen.
Und du ziehst und ziehst an ihnen, weil du hungrig bist, und schließlich kannst du
eine besonders reife Riesenbeere abreißen. Und du isst diese Riesenbeeren, bis zu
vollständig zufrieden bist. Diese Beere hat dir besser geschmeckt als alle Beeren
zuvor. Du legst dich auf deinen Rücken in eine Mulde des Felsens und denkst
darüber nach, was Frosch und Eidechse dich gelehrt haben.
Die Kerzenmenschen stehen und sitzen um dich herum und winken dir mit ihren
Flammen zu. Und in der warmen Sonne schläfst du ein und träumst von deinen
Abenteuern in dem „Warum-Nicht-Land?“. Und du schläfst einen erfrischenden
Schlaf, und du weißt nicht, ob er eine Minute dauert oder eine Stunde oder einen
Tag. Und wenn du aufwachst, dann ist die Phantasiereise zu Ende, und bist wieder
hier bei uns allen in diesem Raum. Und allmählich kannst du mit deiner
Aufmerksamkeit hierher zurückkommen und dich recken und strecken und mit
geöffneten Augen nachsehen, wie die Welt hier bei uns aussieht....
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