hasselfeldts berliner notizen informationen zur aktuellen bundespolitik. 21.03.2014 Situation der freiberuflichen Hebammen Flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe muss sichergestellt werden Die Situation der freiberuflichen Hebammen liegt der CSU sehr am Herzen. Insbesondere ihre finanzielle Situation beschäftigt uns seit Langem. Die Ankündigung über den Ausstieg aus der Gruppenversicherung für Hebammen durch die Nürnberger Versicherung vor einigen Tagen und die Solidarität der Bevölkerung mit den Hebammen boten Anlass für die gestrige Debatte zu diesem Thema im Plenum des Deutschen Bundestags. Dabei steht für uns fest, dass wir unablässig weiter die im Koalitionsvertrag festgehaltenen Forderungen nach einer flächendeckenden Geburtshilfe für werdende Mütter und die einer angemessenen Vergütung für die Hebammen verfolgen. Haftpflichtversicherung für Hebammen Wie viele Freiberufler sind freiberufliche Hebammen verpflichtet, für die Ausübung ihrer Tätigkeit eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Hierbei gab es in den vergangenen Jahren einen drastischen Anstieg der Beiträge. Grund für die Steigerungen sind die höheren Schadensummen für die Versicherung im Falle von Fehlern bei der Geburt. Paradoxerweise machen nicht mehr Geburtsfehler die Versicherung teurer - die Zahl der Vorfälle ist nicht angestiegen - sondern der medizinische Fortschritt. Kinder mit Geburtsschäden haben eine höhere Lebenserwartung und werden damit auch länger behandelt. Sich für den Fall von Geburtsfehlern zu versichern, wird teurer. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der deutschlandweit tätigen freiberuflichen Hebammen gesunken ist. Sie liegt derzeit bei ca. 3500. Je kleiner eine Berufsgruppe jedoch ist, desto kostenintensiver die Versicherung. Als vor einigen Tagen die Nürnberger Versicherung ankündigte, 2015 aus der Gruppenversicherung für Hebammen auszusteigen wurde nochmals deutlich, dass wir eine nachhaltige Lösung für die Haftpflichtproblematik finden müssen. Verbesserung der finanziellen Situation Bereits unter der christlich-liberale Koalition legten wir ein besonderes Augenmerk auf die finanzielle Situation von freiberuflichen Hebammen, auch vor dem Hintergrund steigender Berufshaftpflichtprämien. Die Vergütung der Hebammen wird durch die Vertragspartner der Selbstverwaltung, d.h. der Krankenkassen und Hebammen, festgelegt. Wir konnten bisher die Ausgangssituation für diese Verhandlungen in der vergangenen Legislaturperiode verbessern, indem die steigenden Kosten u.a. für die Haftpflichtversicherung berücksichtigt wurden. Die mit der entsprechenden Gesetzesänderung einhergehende Berück- sichtigung bei der Vergütung der Hebammen konnte im Januar 2013 aufgenommen werden. Sie stieg um 15%. Einsetzung einer interministeriellen Arbeitsgruppe Über die Gesetzesänderung hinaus wurde auch im Rahmen des Bürgerdialogs der Bundeskanzlerin die steigende Belastung der Hebammen durch Haftpflichtprämien aufgegriffen. Als Ergebnis wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Hebammenverbände eingerichtet. Ziel der Arbeitsgruppe war, neben der Erörterung der Haftpflichtproblematik, auch die Probleme der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland insgesamt zu erörtern. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren daher auch die Fragen nach der Ausbildung, die Versorgung der Bevölkerung mit Hebammenhilfe sowie die Sicherung der Versorgungsqualität in der Geburtshilfe. Zum Thema Berufshaftpflichtversicherung zog man, neben dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV), auch das Bundesjustizministerium, das Bundesfinanzministerium und das Bundeswirtschaftsministerium hinzu. Für eine mögliche Lösung gab es unzählige Vorschläge, beispielsweise eine erweiterte Trägerhaftung oder einen steuerfinanzierten Haftungsfonds. Konsequenz der Einführung eines Haftungsfons wäre allerdings, dass die Allgemeinheit für das Risiko einer Berufsgruppe aufkommen müsste und auch andere Freiberufler entsprechende Ansprüche stellen könnten. Zukunft des Hebammenberufs muss gesichert werden Der Abschlussbericht der interministeriellen Arbeitsgruppe befindet sich derzeit in Abstimmung mit den Hebammenverbänden und wird im April vorgestellt werden. Sicher ist, dass wir uns, wie Gesundheitsminister Gröhe gestern im Plenum bekräftigte, des bestehenden Problems sehr bewusst und zeitnah um eine verträgliche Lösung bemüht sind. Diese erfordert allerdings gleichzeitig, soll sie nachhaltig sein, auch Zeit zur Prüfung. Den Auftrag, für eine flächendeckende Geburtshilfe und eine angemessene Bezahlung von Hebammen zu sorgen, nehmen wir sehr ernst. Wir sind uns darüber bewusst, dass die Arbeit der Hebammen anspruchsvoll ist und ihre Leistungen für die medizinische Versorgung und Beratung von Müttern vor und nach der Geburt von sehr großer Bedeutung ist. Hebammen müssen weiterhin in Deutschland die Möglichkeit haben, ihren Beruf auszuüben. Gerda Hasselfeldt, MdB, Platz der Republik 1, 11011 Berlin, [email protected], www.hasselfeldt.de