Natürliche Geburt vom Aussterben bedroht Nachdem die Hebammen in den letzten 3 Jahren auf die Straße gegangen sind, um auf die prekäre Lage ihres Berufsstandes und die Pathologisierung von Schwangerschaft und Geburt aufmerksam zu machen, geht ihnen die Kraft aus. 1015 % der Hebammen gaben die Geburtshilfe in den letzten 2 Jahren auf, weil sie die hohen Haftpflichtprämien nicht mehr bezahlen konnten. In der Politik wurde die Ernsthaftigkeit der Lage noch immer nicht erkannt. Die politischen Entscheidungen um diese Entwicklung aufzuhalten, wie Anhebung der Hebammengebühren jenseits des Beitragsstabilitätsgesetztes und eine politische Lösung der Haftpflichtproblematik, wurden nicht getroffen. Am 5. Mai wird es in München, Nürnberg und Würzburg “verwaiste“ Infostände geben. Die Hebammen liegen am Boden. Kaiserschnittrate in den letzten 20 Jahren verdoppelt Die Kaiserschnittrate hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt Die Gründe dafür sind vielfältig. Immer mehr Schwangere werden als Risikoschwangere eingestuft, das Haftungsrecht und die Personalsituation in den Kreissälen spielen eine Rolle. Auch wirtschaftliche Aspekte haben einen Einfluss: Schnittentbindungen sind für die Kliniken lukrativer und planbarer als herkömmliche Geburten. Die gesundheitlichen Folgen und deren Kosten werden dabei nicht berücksichtigt. Ohne Hebammen kein Rückgang von Kaiserschnitten Der besorgniserregende Anstieg der Kaiserschnittgeburten und der Existenzkampf der Hebammen stehen in unmittelbaren Zusammenhang. Die Normale Geburt kann nur unterstützt werden, wenn die 1:1 Betreuung (eine Hebamme betreut nur eine Frau während der Geburt) durch die Hebamme gewährleistet wird. Das gilt sowohl für die Klinik, als auch bei der Hausgeburtshilfe oder im Geburtshaus. Der Stellenschlüssel hat sich in den letzten 20 Jahren nicht geändert, obwohl es zu einer enormen Arbeitsverdichtung gekommen ist. Es ist erwiesen, dass die Geburten heute länger dauern und die Frauen mehr Begleitung benötigen, als noch vor 20 Jahren. Der Stellenschlüssel wird jedoch nicht angepasst. Die Begleitung durch die Hebamme trägt schon in der Schwangerschaft dazu bei, Ängste abzubauen und das Selbstvertrauen der Schwangeren in die Fähigkeit, ein Kind spontan zur Welt zu bringen, zu stärken. Unsere Forderungen Eine 1:1 Betreuung der Frauen unter der Geburt Wahlfreiheit des Geburtsortes Flächendeckende Versorgung mit Hebammen Angemessene Bezahlung der Hebammen Die normale Geburt wieder zur Regel zu machen Die Zahl der Schnittentbindungen zu senken Der Bayerische Hebammenverband vertritt die Interessen von ca. 2700 Mitgliedern. Darunter sind 80% freiberuflich tätige Hebammen. Die Hebammen arbeiten in der Klinik, der Hausgeburtshilfe, im Geburtshaus, in der Schwangerschaftsbegleitung, in der Wochenbettbetreuung und als Familienhebammen. Astrid Giesen. 1. Vorsitzende Bayerischer Hebammen Landesverband. E.V. [email protected]