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Die Chmelir-Akten

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Ein unglaublich dramatischer Fall: Sämtliche Gerichtsunterlagen u.v.m.
dazu bei: https://sites.google.com/site/mariemertenacker/
und https://sites.google.com/site/storychmelir/
Februar 2018 aktualisiert
Guten Tag die Damen und Herren!
Ich bin Strafgefangener und heiße Juan Carlos Chmelir, früher Bresofsky. ich schreibe
Ihnen direkt aus meiner Haftzelle, in der ich mich bereits das 40. Jahr befinde. Noch dazu
mit der Aussicht des Todes hinter Gittern im Nacken! Die Frau eines hohen
Staatsbeamten zu entführen rächt sich halt. Auch wenn es in Wirklichkeit und juristisch
gesehen gar keine Entführung war, sondern primär Nötigung.
Ich möchte Sie gleich zu Beginn um Verständnis bitten. Ich konnte nur drei Volksschulklassen
in Uruguay absolvieren. Deutsch habe ich nur in Österr. in den staatlichen Heime und
Gefängnisse gelernt, vorwiegend allein gestellt durch viel lesen und nachschreiben aus
Büchern. Erwarten Sie bitte also nicht eine grammatisch fehlerlose sowie eine
schriftstellerische Leistung von mir, wohl aber nachvollziehbare und belegte Tatsachen.
letztere liegt ja der Sinn u. Zweck meiner Dokumentation.
Insgesamt weise ich 3 Jahre Aufenthalte in staatlichen Erziehungsheime in den 1960er auf
sowie über 50 Jahre in österreichischem Gefängnisse. Sozusagen fast ein Lebenlang am
untersten Rand und in den tiefsten Sümpfen und Katakomben Österreichs.
Langweilig ist mir nichtsdestotrotz selten geworden. In den Katakomben Österreichs gibt es
ein Reges Leben aus allen Schichten der Republik. Daraus kann man viel lernen.
Freiheit bedeutet ja nicht allein, dass man frei herumlaufen kann, wann und wohin man will.
Freiheit beginnt und muss man in erster Linie im Kopf haben. Gemeint ist natürlich geistige
Freiheit. Alles andere ist nur ein dahinvegetieren zu Befriedigung alltäglicher persönlicher
Bedürfnisse, sei es kurz-, mittel- oder langfristig. Wohlgemerkt, um geistige Freiheit zu
erlangen muss man zunächst psychische Altlasten und Barrieren aufarbeiten, die fast jeder
Mensch - aus welchen Gründen auch immer - mit sich herumträgt, die wiederum die Freiheit im
Kopf teilweise blockiert. Gelingt es sich innerlich zu Befreien, dann kann jeder Mensch - auch
hinter Gittern - Geist bilden und seine eigene Freiheit erlangen.
Auf mich bezogen, hatte ich hinter Gittern mehr als genug Zeit meine Altlasten und Barrieren
aufzuarbeiten und zu beseitigen sowie Geist zu bilden und geistige Freiheit zu erlangen. Daher und Abgesehen der üblichen Querelen hinter Gittern, die man üblicherweise und täglich
ausgesetzt ist, damit ich jedoch bestens umzugehen gelernt habe, habe ich mir sowohl eine
innerliche Ruhe, geistige Freiheit und zunehmend Geist erarbeitet. Ich musste sogar, denn wie
sonst hätte ich Jahrzehntelange Haft überleben können! Nur dadurch, das ich geistig die
Fenstergitter meiner Zelle zu überwinden lernte konnte ich überleben?
Während meiner unendlichen Strafhaft war ich sozusagen weit mehr in Freiheit, als hinter
Kerkermauern und habe fast alles bei euch draussen mitbekommen. Mir ist daher das Leben
draussen kaum entgangen. Geistig war ich voll mitdabei und mischte gelegentlich auch aktiv mit.
Aktiv insoweit, als das ich mit meinen Protestaktionen gegen Missstände hinter Gittern
wiederholt in der breiten Öffentlichkeit durchdrang, ja sogar bis ins Nationalparlament, wo die
Angelegenheit "Strafvollzug" diskutiert und auch zu Novellierungen kam.
Außerdem habe ich zwischendurch die Gitterfenster meiner Zelle durchgefeilt und bin sogar zu
Euch rausgeschlüpft. Allerdings nur für ein paar Tage. Aber allein diese paar Tage hatten es in
sich, insbesondere zwischen den 7. u. 9.8.1989, nämlich die zwei Tagen auf der Flucht mit der
Ehefrau des Staatsbeamten.
Ich bin heute noch in gewisser Weise perplex, was ich da draußen bei Euch erlebte, gleichzeitig
aber auch bis zum heutigen Tag fasziniert! Allerdings etwas überschattet vom Drama und der
Tragödie. Was ich da erlebte, haben Sie sich wahrscheinlich bis heute nicht einmal in den
kühnsten Träumen vorstellen können. Nicht nur, das es gerade mir passierte, waren es ad
absurdum die dramatischten u. spektakulärsten Momente meines Lebens (ab Seite 36 Mitte,
wenn Sie es nicht mehr erwarten können).
Und das es die dramatischten u. spektakulärsten Momente meines Lebens waren heißt was, denn
ich habe seit meinen Aufenthalt in Österreich nicht gerade ein zimperliches Leben.
Und wenn Sie glauben, dass es eine Fantasiegeschichte ist, so muss ich Sie enttäuschen. Es ist
pure Wirklichkeit und ich liefere Ihnen gleich die Fakten mit in Form von Kopien aus den
Gerichtsakten und anderen Unterlagen. Ich halte ihnen auch nicht negativste Boulevard
Berichterstattung gegen meine Person vor. Sie können sich entscheiden, mich sowie die Medien sogleich Vorzuverurteilen oder meine Story durchzulesen und dann objektiv zu urteilen.
Denn der bezügliche Straffall ist sowohl von der Öffentlichkeit als auch von der Justiz auch
emotional mißbraucht worden, um die Wahrheit zuzudecken. Emotional mißbraucht
insbesondere mit den Schlagzeilen "fünffache Mutter". Und abgesehen davon, das die
geschädigte Person sehr wohl wohlbehalten zu ihrer Familie zurückgekehrt ist besagt noch lange
nicht, das ich deswegen automatisch schuldig sein muss, weil die geschädigte Person Mutter ist.
Bei allen Respekt, aber auch fünffache Mütter sind Menschen mit allen möglichen Träume,
Sorgen und Bedürfnisse und können genausogut auch schwerste Fehltritte und sonstige
Verfehlungen und Verbrechen begehen , wie z.B.:
http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Fuenffache-Mutter-wegen-Mordes-verurteilt-Lebenslange-Haft;art4,523437
Und wie Sie unten Laut Boulevard lesen, bin ich zu allem fähig. Nun, in diesem Fall war ich den
dramatischten Momente meines Lebens, wo ich genau genommen nichts mehr zu verlieren
gehabt hätte, dazu fähig eine Selbstanzeige zu erstatten, mich selbt falsch zu belasten und die
geschädigte Person zur Polizei zu schicken. Das werden Sie mir wohl nicht Negativ anlasten!
Daher wehre ich mich auch dagegen einzig aus Gründen der Staatsräson vom Gericht in
wesentlichem Punkte der Anklage vorsätzlich unschuldig verurteilt worden zu sein, damit die
Angelegenheit schön vertuscht wird, während ich deswegen hinter Gittern verrecken sollte. Da
könnt ihr mich noch so sehr als Staatsfeind Nr. 1 verleumden, wie auf der Titelseite in der Steirer
Kronen Zeitung vom 22.3.2017. Ich bin kein Staatsfeind. Ich fordere nur Gerechtigkeit, denn mein
Leben in Österreich beginnt mit brutalen Terror in staatlichen Heimen und in Gefängnisse als
jugendlicher. Die erzieherischen Methoden in staatlichen Heimen und Jugendgefängnisse in den
1960er Jahren haben das aus mir gemacht, was ich heute bin. Euer Schuld an mir ist bis heute
ungesühnt. Die mickrigen € 12.500 Entschädigung, die ihr mir bezahlt habt hebt euer Schuld bei
weitem nicht auf. Mich noch dazu hinter Gittern verrecken lassen zu wollen, um ein Prozess nach
Nazimuster zu vertuschen, die ihr mir im Zusammenhang der Politiker-Ehefrau gemacht habt, ist die
Eskalation schlechthin.
Für den Teil meiner Schuld büße ich in Österreich mit mehr als 50 Jahren Gefängnis. Es reicht und ist
in Ausgleich zu euer Schuld völlig unausgewogen und Unverhältnismäßig.
Ausgewogenheit und Gerechtigkeit hättet man auch mit einen fairen Prozess und gerechten
Urteil erreichen können, wenn man nur gewollt hätte, denn, wie ich unten ausführe und mit
Gerichtsunterlagen belege, habe ich mir selbst höchste Mühe gegeben, die geschädigte
Person nicht zu kompromittieren. Immerhin habe ich Selbstanzeige zur Sache erstattet (Seite
65-70), die geschädigte Person aus eigenem Antrieb zur Polizei geschickt und zur Sache nicht
einmal eine Aussage beim Untersuchungsrichter gemacht, um die Politikergattin zu schützen
und bzgl. ihrer Angaben freie Hand zu lassen.
Ob Sie es glauben oder nicht, die Integrität der Politikergattin war im Grunde genommen nicht
einmal der einzige Grund, warum ich künstlich abgetötet worden bin. Wegen meiner
Protestaktionen im Gefängnis war ich der Justiz schon längst ein Dorn im Auge. Der Straffall
um die Politikergattin nütze sie eben dann aus, um mich niederzumachen, zu brechen und
abzutöten. Allerdings, die Chance mich zu brechen und abzutöten war vorbei. Ich war zu
dieser Zeit schon im Kampfmodus gegen staatliche Terror. Die Misshandlungen und
Erniedrigungen in den staatlichen Heime und Jugendgefängnisse in den 1960er Jahren
brannten in mir. Ich wollte Rache und gegen das Sytem der Tyrannei und Versklavung hinter
Gittern durch Enthüllungen Bewegung machen und Veränderungen bewirken.
Und das gelang mir auch. 1983 durch ein aufsehenerregenden Sitzstreik am Kirchendach in
Garsten. 1989 im Zusammenhang des Gefängnisausbruchs aus Graz-Karlau und 1992
organisierte ich aus der Hochsicherheitsabteilung der Strafvollzugsanstalt Stein eine fünftätige
Revolte mit erheblichen Zugeständnisse der Justizwache und Vollzugsbehörden. Jedesmal
gelang mir die Angelegenheit "Strafvollzug" in höchsten Maßen in der Öffentlichkeit zu
politisieren und veränderungen zu bewirken.
Unter https://sites.google.com/site/rekordhaeftling/ können Sie einiges nachschauen, wie
ich mit der Justizwache mitten aus den Gefängnisse heraus erfolgreich Katz und Maus
spielte. Aber nicht zum Spaß, sondern und eben in erheblich ernsten Angelegenheiten, die
ich mir zunächst als Rache und dann als Überzeugung zur Lebensaufgabe gemacht habe.
Und glauben Sie mir, leicht war es nicht. Aber mit Standhaftigkeit und strategische
Überlegung sind mir Spektakel und Erfolge gelungen, die mir höchste Befriedigung
verschafften. Befriedigung vor allem für eine Überzeugung und gute Sache gekämpft zu
haben. Und ich habe es schließlich persönlich erlebt, das ein Mensch allein Berge versetzen
kann, wenn es nur will.
Aber nun zur Sache zurück. Wie der Zufall des Lebens so manchmal spielt, kam ganz einfach
alles zufällig und auf einmal zusammen. In diesem Fall ist natürlich Krass die Kollision zwischen
sogenannter untersteter und oberster Schicht der Gesellschaft. Ich breche aus lebenslanger
Haftstrafe aus einem Hochsicherheitsgefängnis aus und kapere zufällig das Auto samt
Ehegattin eines Oberregierungsrates der steirischen Landesregierung. Ein Ex-Heimkind,
Gangster und Gefängnisausbrecher stößt auf eine gutsituierte Dame mit bester Beziehung zur
Gesellschaft und Politik. Und was dann folgte hätte ich mir nie im Leben erdenken oder
erträumen können. Aber jetzt weiss ich es: Im Leben ist wirklich alles möglich,
Bevor ich aber näher dazu komme, möchte ich Ihnen zuvor in telegrammstill zu meiner Person
grundsätzliches berichten, damit Sie sich auch ein Gesamtbild der Dimension machen können.
Ich wurde als Juan Carlos Bresofsky Garcia am 8.6.1949 in Südamerika in Uruguay geboren
und wuchs dort bis zu meinem 13. Lebensjahr auf. Juni 1962 wanderten unseren Eltern mit
uns Kinder von Uruguay in Österreich ein. Dies ging der Tatsache voraus, das mein Vater seine
im Nachkriegswirrnis tot geglaubte Mutter wieder gefunden hatte, die in Wien unter anderem
ein Hotel besaß (Bild unten), das unseren Vater als Erbschaft in Aussicht gestellt
wurde, weswegen er uns in Uruguay über Nacht die Reisekoffer packen ließ.
Mein Polizeiausweis aus Uruguay https://sites.google.com/site/heimkindchmelir/
Wie es leider so kommen musste, zerstritt sich mein Vater mit seiner Mutter und er bekam viele Jahre
später nur den Pflichtteil des Hotels. Bis es aber soweit war, mussten wir das Hotel verlassen. Eine
Familie mit sieben Kinder in einen Hotel in verschiedenen Hotelzimmern und Etagen verstreut
untergebracht, war die Betriebsamkeit eines Hotels natürlich nicht sehr förderlich. Also forderte
unsere Großmutter, das wir das Hotel verlassen müssen.
Jahrzehnte alte Urkunden zum Beweis. Ausgegraben beim mittlerweile berühmt-berüchtigten
MA-11, seinerzeit Hauptverantwortlich für "Heimeinweisung u. Heimerziehung"
Foto Juni 1962 auf der Schifffahrt von Montevideo/Uruguay nach Genua/Italien.
Ganz links bin ich. Mitte mein Bruder Poldi. Rechts meine Mutter mit Schwester
Theresita im Arm. Sowie von links nach rechts Schwester Anna (mit den Rücken zur
Foto), Antonia, Martha und Isabella. Mein Vater fuhr im voraus mit dem Flugzeug.
Weder ich noch meine Geschwister oder Eltern waren unzivilisiert oder unerzogen.
Unsere Eltern haben uns durchaus gut erzogen. Das Uruguay seinerzeit nicht den
wirtschaftlichen und technischen Standard Europas entsprach heißt nicht deswegen,
das wir aus den Wildnis nach Österreich kamen, wie Nazi-Psychiater u. Psychologen
seinerzeit über ausländische Heimkinder routinemäßig behaupteten (siehe HeimkinderSchlussbericht 2012 der Iniversität Wien).
Ich und meine Geschwister hatten in Uruguay trotz materiell ärmlichen Verhältnisse
eine Traumhafte Kindheit mitten der Natur und in voller Freiheit. Begriffe, wie "Arm"
oder "Reich" waren uns fremd. Ebenso Nazismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
Mit so ein Dreck sind wir erstmals in der sogenannten "modernen Zivilisation " in
Österreich konfrontiert worden und mussten es am eigenen leib in den staatlichen
Heimen erleben.
Bedauerlicherweise, wie schon erwähnt, war unser Vater ungeduldig und wollte das
Hotel "Währingerhof" von unsere Großmutter sogleich übernehmen und deswegen
hatten sie sich gestrieten.
Wir Kinder haben damals aber nichts mitbekommen, was sich m Hintergrund zwischen meinen Vater und
meiner Großmutter abgespielt hat. Das erfuhren wir erst viel später. So schnell konnten wir aber nicht
schauen, schon waren wir von dem vertrauten Familiegefüge entfernt und fanden uns wieder in eine völlig
fremde und böse Welt, nämlich in staatlichen Heimen mit Nazilagermethoden. Kaum zwei monate nach
Ankunft in Österreich.
http://kurier.at/chronik/wien/erziehungsheime-methoden-wie-in-konzentrationslagern/2.618.332
http://wien.orf.at/news/stories/2537990/
http://kurier.at/politik/heimskandal-der-lange-schatten-der-nazis/769.308
Das kam daher, weil meines Vaters zu diesem Zeitpunkt das Geld für eine größere Wohnung für so
viele Kinder ermangelte, weswegen er beim Bezirksjugendamt um Unterstützung ersuchte. Und um
uns Kinder recht Kostengünstig in einen Heim unterzubringen, denunzierte er uns als unerzogen,
weshalb er sich viele Jahre später bei uns entschuldigte, nachdem wir ihn unser Tortur in den Heimen
schilderten. So kam ich und meine Schwester Antonia, Marta und Anna über Nacht in staatlichen
Heimen. Wir waren gerade nicht einmal zwei Monate in Österreich und beherrschten nicht einmal die
deutsche Sprache.
Ich landete zunächst in das Schlossheim für Fremdenkinder in Judenau bei Tulln, dann in
verschiedenen Durchzugsheimen und letztlich in das Erziehungsheim "Lindenhof" in Eggenburg.
Und wie Sie oben „Methoden wie in Konzentrationslagern“ lesen, kann ich Ihnen die Richtigkeit
der Berichte nur bestätigen. Durch den Schock des Zusammentreffens der abrupten
Verpflanzung aus Uruguay nach Österreich, sozusagen in eine völlig andere mir fremde
Zivilisation sowie der darauffolgende unmittelbare Trennung aus der Familie und die
Unterbringung in einen Horrorheim, wurde ich Bettnässer, was dem Pflegepersonal im Heim
natürlich nicht zu passen schien. Mir tun heute noch die Hoden weh, wenn ich nur daran denke,
wie man mir das Bettnässen abgewöhnen wollte. Eine besonders sadistische oder sexuell
frustrierte Pflegerin, mitunter sogar eine Männerhasserin quetsche mir offenbar als Strafe
öfters die Hoden und den Penis und versuchte ihr Finger in mein Anus zu stecken, sei es um mir
schmerzen zuzufügen oder aus sexueller Perversion, das weiß ich nicht.
Der Sadismus unter Pflegern und Erzieher kannte offenbar keine Grenzen, wie ich noch
erleben sollte, sei es persönlich oder bei anderen Heimkinder mitansehen zu müssen.
Das sind aber nicht die schlimmsten Erinnerungen an physischer Misshandlungen und
Erniedrigungen, die ich in den Heimen erlebte. Die Kälte und der Hunger, die geradezu
aggressive und feindselige Behandlung, die uns Kinder vom Pflegepersonal zuteilt
wurde sowie die alltägliche Einsamkeit, Trostlosigkeit und Monotonie waren nicht
minder schlimm.
Am schlimmsten sind für mich jedoch die visuellen und akustischen Erinnerungen, wie
Kinder, oft nur weil sie weinten, geschlagen oder bei den Haaren oder Kleidern in den
Brauseraum gezerrt und kalt abgeduscht wurden. Ich höre heute noch der verzweifelte
Schrei fast in Todesangst geratene Kinder. Und ich sehe heute noch die vor
fürchterlicher Angst weit aufgerissenen Augen mancher Heimkinder. Sowas vergisst
man ein lebelang nicht, sowas brennt sich im Gehirn als Video ein. Der psychische
Tortur war ebenso enorm. Emotional habe ich heute die grausamen Erinnerungen zwar
im Griff, die Videos im Kopf sind allerdings nicht zu löschen.
Man könnte meinen, dass ich gerade von Massenverbrechen des Dritten Reiches, also
von der Nazis-Ära spreche. Nein, nein, ich spreche gerade von Massen verbrechen der
Zweiten Republik. Unglaublich, nicht wahr! Aber auch die zweite Republik hat sich
Naziverbrechen schuldig gemacht, nämlich während der Nachkriegszeit tausende
Kinder in staatlichem Heime malträtiert zu haben, einige davon sogar bis zum Tode und
bis zum Selbstmord.
Sehen Sie, während Sie es Zuhause gemütlich hatten, wurden mir als auch tausende
anderen Heimkinder nicht nur der Kindheit beraubt, sondern auch unsäglichen leid
angetan, das uns Kinder und Halbwüchsigen ein Lebenlang prägte und unsere Zukunft
regelrecht zerstörte.
Nein, um Gottes willen. Ich will Ihnen persönlich keine Schuld daran geben. Ich darf
aber annehmen, dass Sie des sexuellen Missbrauchs, der systematische Misshandlung
und Erniedrigung tausender Heimkinder nicht als Kavaliersdelikt abtun wollen.
Für den Staatsterror und mein ruiniertes Leben hat sich Jahrzehnte später die Stadt
Wien und die Landesregierung NÖ lauwarm entschuldigt und ich bekam eine mickrige
Entschädigung in der Höhe von € 12.500,--. Wohlbemerkt für ein ruiniertes Leben als
Halbwüchsiger. Seien Sie mir also wegen der paar Euros nicht neidisch. Ich musste
meine ganze Jugend dafür hergeben.
Noch dazu musste ich mir von manchen Medien in geradezu spöttischerweise anhören,
das ich mich heute mehr als Opfer als Täter fühle. Nur deswegen, weil ich
mich ebenso und völlig zurecht bei der Heimkommission als Heimopfer meldete.
http://www.noen.at/krems/ex-haeftlingsfuehrer-fordert-opfer-entschaedigung/4.351.800
Den Herren der Medien wäre wahrscheinlich lieber gewesen, dass das
Entschädigungspfond an ihnen verteilt worden wäre, anstatt an den Heimopferkinder. Immerhin haben sie damals der Heimterror mitverschwiegen und glauben wohl
eine Belohnung dafür verdient zu haben. Neid muss offenbar sehr Schmerzhaft sein.
1987 heiratete ich meine Lebensgefährtin Silvia Chmelir und ich nahm ihren
Familienname an. Seither heiße ich Juan Carlos Chmelir.
Jedenfalls hat 1989 der Gefängnisausbruch und Entführung der Politikergattin in den
Österreichischen Medien hohe Wellen geschlagen. Aber, um die Emotionen wieder zu
beruhigen, verfasste ich, wie bereits oben erwähnt, brav eine Selbstanzeige und schickte die
Mutter und Frau des Staatsbeamten zwar etwas erschöpft, aber ansonsten wohlbehalten zur
Polizei. Sie können also ruhig wieder aufatmen. Das Drama ist vorbei, aber die Tragödie
dahinter wird Sie in der Folge (etwas) beunruhigen.
Sie werden gute Nerven und viel Geduld brauchen! Ich brauchte lange und viel Überwindung
dazu, um in Detail zu gehen, weil ich mir selbst einem Schwur geleistet hatte, die ich nun
breche. Denn jetzt will ich nicht mehr, dass meine Schwur in die Dunkelheit führt. Wenn ich
hinter Gittern verrecken sollte, so soll man zumindest dann wissen, warum!
Laut Medienberichte und Selbstanzeige in der Tat ein furchterregender und schockierender
Straffall. Eine fünffache Mutter und Ehegattin eines Oberregierungsrates der steirischen
Landesregierung von einen Gefängnisausbrecher und Mörder entführt und zwei Tage lang
mit aller Brutalität malträtiert und festgehalten. War es Tatsächlich so?! Haben Sie noch
Geduld! Ich werde es erstmals Schritt auf Schritt wiedergeben (nochmals: wenn
Sie es nicht mehr erwarten können, dann springen Sie auf Seite 36 Mitte).
Ich weiß, dass im Zusammenhang dieses Straffalles die Schlagzeile allein „Fünffache Mutter“
die Psyche voller Emotionen hochschaukeln lassen kann, sodass der Verstand, der objektive
Blick u. die sachliche Beurteilung erheblich darunter leidet. Also bewahren Sie in der Folge
einen kühlen Kopf. Ich rate Sie dazu, denn es kommen noch einige Emotionsschübe und
Aufregungen auf Sie zu. Was den Emotionen angeht, kann Ihnen das Gericht Graz auch ein
Liedchen davon singen, denn sie hat in diesem Fall bestens und ausreichend davon profitiert,
um mir ein Prozess alias des Nazi-Richters Roland Freisler vorzuführen und um mich mit einer
drakonischen Haftstrafe in der Höhe von 18 Jahren aus den Gerichtssaal zu verabschieden.
Aber sicher nicht allein wegen der Emotionen. Der Aspekt, dass es sich immerhin um die
Ehegattin eines hohen Grazers Regierungsbeamten gehandelt hat, hat nichtsdestoweniger
beim Grazer Gericht eine große Rolle gespielt, wie auch meine vorangegangenen Protest
aktionen.
Der Klassenjustiz in meinen Fall kam hier ebenso und in besonderer Weise zur Geltung. Alles
andere hätte mitunter und zumindest intern zu einem Konflikt zwischen der Grazer Justiz und
die steiermärkische Regierung geführt. Es hätte jedenfalls die Tratscherei in der Oberklasse
der steiermärkischen Gesellschaft zugespitzt gefördert, wenn nicht sogar zu
Beziehungsspaltungen zwischen Justizpersonen und Politiker dieser feinen und delikaten
Gesellschaft geführt.
Abgesehen davon, das mich die Justiz ohnehin gerne abgetötet hätte, musste sie es nun in
Berücksichtigung des Ansehen der Politikers sowieso tun. Ein korrekter und fairer Prozess
hätte ansonsten ein Mega-Skandal auslösen können.
Das letzte Trüppchen an Provokation drauf gab natürlich ich wieder einmal, und zwar
bewusst und gezielt, indem ich bei der Festnahme in Klagenfurt vom 14.8.1989 aussagte,
das ich in der Absicht ausgebrochen war im Ausland österreichische Botschaftsangehörigen zu entführen, um gegen die Sklaverei und Tyrannei in den österreichischen
Gefängnisse zu kämpfen. Das hätte ich besser nicht sagen sollen, aber wie es so ist,
irgendetwas musste geschehen, um den Größenwahn und Perversion des Gefängnis
personals zu bremsen.
Ich lebe schon über 50 Jahren in österreichischem Gefängnisse und verbrachte auch Jahre
in staatlichen Erziehungsheimen. Die Verbrechen, die ich da von Erziehern und
Justizwachebeamten teilweise mitansehen musste übertreffen oft nicht minder die
Verbrechen vieler Strafgefangenen, weshalb sie verurteilt wurden.
Erschlagene Menschen. Durch Terror und grausame Isolationshaft in den Wahnsinn und in
Suizid getriebene. Vergewaltigte und körperlich misshandelte. Schwer vernachlässigte
kranke, die anstaltsärtzlich aus Ersparnisgründen medizinisch unversorgt blieben, manche
bis zum Tode. Die Liste der Grausamkeiten, der Menschenverachtung, des Sadismus und
der Tyrannei und Sklaverei in den Katakomben der Republik ist endlos. Eine Brutstätte des
Nazismus, Rassismus, Rechtsextremismus und des Sadismus und der menschlichen
Ausbeutung. Die Katakomben sind bestes Beweis für ein an sich krankhaftes Volk, der nach
außenhin zivilisiert zu sein vorgibt, nach innenhin jedoch die Bestie in sich birgt.
Die Idee beim Verhör vom 14.8.1989 zu sagen, das ich im Ausland österr. Botschafts
angehörige zu entführen beabsichtgte, kam mir erstmals infolge der Berichterstattung
nach der freiwilligen Freilassung der geschädigten Person, in der in der Hauptsache von
Geiselnahme und Entführung die Rede war. Also benützte ich ebenso solche Kraftausdrücke
um die Angelegenheit Strafvollzug medial zu politisieren. Das war eigentlich das Ziel
meines Ausbruches, das mir zwar durchaus gelang, da der Strafvollzug dann wieder einmal
in aller Munde war, dafür lieferte ich mich selbst auf fatale Weise aus. Ich wusste es und
nahm es auch im Kauf.
Mein Ziel erreicht zu haben bereue ich bis heute nicht. Nur die Art und Weise natürlich, wie
es geschah, das eine unschuldige Frau und Mutter in meinen Kampf gegen die Praktiken
des österreichischen Strafvollzugssystems durch einen dramatischen Verbrechen involviert
wurde und zum Schaden kam, ist unbestritten und ebenso ein Wahnsinn und eine Tragödie.
Ganz sicher ist jedenfalls aber, dass ich sowas nie vorgeplant habe. Ebensowenig konnte
ich daher wissen, dass es sich um eine fünffache Mutter und um die Ehegattin eines hohen
Grazers Staatsbeamten gehandelt hat, als ich sie in Gratkorn nötigte.
Dieser Straffall entsprang in Wirklichkeit einer panischen und paranoiden Situation, wie ich
unten näher beschreibe. Gott sei Dank, kann ich mir nachträglich sagen, dass mein
Verstand soweit ausgereift und kräftig genug war, die panisch-paranoide Situation wieder
unter Kontrolle zu bekommen und das Leben der Frau unbedingt geschont zu haben.
Es gab natürlich Momente, in die ich durchaus daran dachte die Frau zu töten, um meine
Flucht nicht zu gefährden und um mir eine beträchtliche Zusatzhaftstrafe zu ersparen, aber
diese Grausamkeit wollte und konnte ich mir nicht zutrauen.
Es ist ein Unterschied bei einem Bank- oder Postüberfall auf eine männliche Person zu
schießen, um eine vermeintliche Gefahr von sich abzuwenden, denn da will man nur Geld
erbeuten und davonkommen und nicht primär töten, als eine Frau auf welche Art und
Weise auch immer vorsätzlich zu ermorden. So eine Kaltblütigkeit und Grausamkeit bin ich
und werde auch nie fähig sein, da kann man über mich sagen was man will.
Das ich nicht über Leichen gehe, das habe ich selbst in eine höchstdramatische Situation
bewiesen.
Jedenfalls verrückt, nicht wahr! Ich breche aus dem Gefängnis aus, entführe eine Frau
samt ihren Auto, steche sie nieder, bedrohe sie ständig, vergewaltige sie mehrmals,
beraube sie und schicke sie dann schließlich mit einer Selbstanzeige zur Polizei.
In der Kriminalgeschichte kenne ich – dabei habe ich selbst eine beträchtliche
Gangsterkarriere hinter mir - keinen vergleichbaren Fall. Denn entweder ist das Opfer
von der Polizei auf Grund Informationen oder zufällig befreit worden oder das Opfer
konnte dem Täter entkommen oder der Täter tötete das Opfer, um sich der Polizei und
einer beträchtlichen Haftstrafe zu entziehen.
Bei mir trifft weder das eine noch das andere zu. Im Gegenteil, ich verfasste schön
brav, wie gesagt, eine Selbstanzeige mit einen dramatischen und
allumfassenden Geständnis und schickte die Frau geradewegs zur Polizei.
Warum denn eigentlich? Denn als flüchtiger Mörder mit Lebenslanger Haftstrafe
hätte ich wohl erst recht nichts mehr zu verlieren gehabt, so jedenfalls die Meinung
vieler (Mithäftlingen). Ich war und bin da eine ganz andere Meinung und habe es
auch bestens unter Beweis gestellt.
Die geschädigte Person jedenfalls erfreut sich ihr wohlwollen zu Hause und ich
unerfreulicher weise sehr wahrscheinlich den Tod in der Zelle. Wenn Sie jetzt mit dem
lesen fortfahren wollen, dann warne ich Sie ihren Schreckensbilder im Kopf mit einen
brutalen Mörder in dunklen und düsteren Wälder unterwegs sein zu müssen nicht
befriedigen zu können. Denn die Wahrheit sieht ganz anders aus, es findet immer ein
Schlupfloch und dazu kann ich Ihnen gleich mit dem Abschnitt "Im Namen der
Republik Österreich (ab Seite 86)" die Umstände und Fakten mitliefern.
Und kommen Sie mir bitte nicht mit der Wirthausphilosophie daher, nämlich das Sie
ohnehin schon alles wissen. Von Stockholmer-Syndrom bis weiß Gott was alles noch!
Das Stockholmer-Syndrom können Sie aber schon jetzt abschreiben. Denken Sie mal
nach! Der Vorwurf der Vergewaltigung schließt diese automatisch aus, sei es dass das
Opfer Verständnis hatte, das ich bereits 11 Jahren im Gefängnis saß und daher
solange mit keiner Frau Sex hatte, sodass sie mich aus Verständnis und Mitleid
ranließ. Dann kann man aber nicht mehr von Vergewaltigung sprechen.
Also gehen Sie behutsamer mit Mutmaßungen und Schlussfolgerungen um, denn das
könnte die Politiker-Frau erst recht kompromittieren.
Haben Sie in den Gerichtsakten Einsicht genommen und diese aufmerksam
durchgelesen? Oder haben Sie mit dem Opfer oder mit dem Täter gesprochen?
Haben Sie zugehört, was Täter und Opfer miteinander sprachen oder waren Sie
unmittelbar mit dabei, um sagen zu können, was der Täter dem Opfer tatsächlich
antat oder nicht? Oder sind Sie zumindest den zweitätigen Weg nachgegangen, den
ich und die Politikergattin gegangen und marschiert sind, um sie sich ein Überblick
der Örtlichkeiten und öffentlichen Stellen und Lokalitäten zu verschaffen? Na also!
Unbestritten ist jedenfalls, dass ich zwei Tage lang zusammen mit der Politikergattin
unterwegs war. Eng aufeinander angewiesen und beide mitten einer dramatischen
Situation, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedliche Rollen. Sie
das Opfer und ich der Täter. Wir mussten sozusagen miteinander auskommen, ob wir
wollten oder nicht, aber wir wollten – und kamen schließlich auch gut miteinander aus.
Und zwar zeitweise in dichten, dunklen und düsteren Wälder. In gut frequentierten Orten
und Städte. In gutbesuchten Caféhäuser und Geschäfte. Zwischendurch kehrten wir
wieder in die Dunkelheit der Wälder zurück und landeten dann wieder in der Außenwelt
unter Menschen. Das werden Sie nicht bestreiten wollen! Nein, das können Sie
gar nicht:
Ausschnitte aus den Zeugenprotokoll 9.8.1989, Seite 5-6, Anhang 02 oder unten Seite 135, 136
Vernehmung des Beschuldigten 16.10.1989, Seite 4, Anhang 27 oder unten Seite 128
Sehen Sie! Ich persönlich habe die Politiker-Ehefrau freie Hand gelassen zur Sache zu sagen,
was sie will oder nicht. Nicht gerade deswegen habe ich ja die Selbstanzeige verfasst und
vieles auf mich genommen, wie Sie in der weiteren Folge lesen werden. Ich jedenfalls war nie
interessiert die Politiker-Ehefrau zu kompromittieren. Ich habe mein bestes getan, die Frau
nicht zu diskreditieren. Nicht einmal beim Untersuchungsrichter war ich bereit auszusagen.
Mehr konnte ich nicht tun. Das die Frau einfach zu viel ausplauderte und sich dabei
auch verplauderte, dafür kann ich nichts.
Das Schlimme für mich ist nur, was das Landesgericht Graz daraus gemacht hat, wie sie die
Strafsache behandelte, wie sie den Prozess durchführte und welches Strafurteil daraus
resultierte, nämlich 18 Jahren Freiheitsstrafe, AZ 6 Vr 1998/89, Hv 5/90.
Eine Strafhöhe quasi, die eines Mordes und eine versteckte Todesurteil in der Zelle
gleichzusetzen ist. Aber auch die Strafhöhe hat mich im Grunde gar nicht so umgehauen,
wenngleich ich mich bis heute nie schuldig im Sinne der Anklage bekannte bzw. bekenne. Es
war mir stets auch klar, dass das Strafurteil und Strafhöhe ausschließlich der Klassenjustiz
resultiert, weil es sich um die Gattin eines hohen Grazers Staatsbeamten gehandelt hat sowie
aus Vergeltung wegen meiner Protesaktionen gegen Missstände im Vollzug.
Das alles habe ich mittlerweile über die Jahrzehnten Dasein hinter Gittern mit Bravour
getragen. Jetzt geht es allerdings um die letzten Jahre meines Lebens. Mit nunmehr knapp 40
Jahren Strafhaft und im Alter von 69 Jahren wird mir seit nun über zehn Jahren in
Minutentakt durchgeführter gerichtlicher Anhörungen die bedingte Entlassung abgelehnt,
wobei die Strafsache der Politikergattin stets in Vordergrund geschoben wird.
Und zwar nichstdestotroz mehrfachen aktuell positiver Gutachten und trotz der Tatsache,
dass unter anderem die Politikergattin an das Gericht eine Eingabe verfasste und meine
Entlassung unterstützt (siehe nächste Seite oder Anhang 36).
Für mich ist damit klar bewiesen, das die Justiz zu keiner Zeit die Absicht hegt eine Entlassung
meiner Person zuzustimmen. Sie will einfach mein Tod in der Zelle. Dafür werde ich mich
natürlich nicht bedanken, sondern um meine Entlassung weiterkämpfen.
Es ist schon ein besonderes Privileg, das in der Kriminalgeschichte kaum vorkommt, dass ein
Vergewaltigungsopfer an das Gericht schreibt und die Entlassung des Täters unterstützt. In meinen
Fall scheint das Gericht nicht nur eifersüchtig darauf zu reagieren, sondern erst recht verängstigt und
nervös.
Keine Frage. Ich bin ganz sicher kein unbeschriebenes Blatt und auch kein Unschuldslamm. Jedenfalls
aber kein Mensch der tatsächlich über Leichen geht und auch nicht so schlimm, das eine vermeintlich
vergewaltigte Frau daran hindert, sich für seinen Peiniger (!) einzusetzen. Ich büße für meinen Taten,
aber eine Bestie oder ein Teufel, wie sich die Justiz und die Medien mich hinzustellen bemühen lehne
ich mit gutem Grund und Fakten ab.
Bei zoomen gut lesbar
Als geprägtes Heimkind, der durch Gewalteinwirkung und Gewalterfahrung in staatlichen Heime
mit Nazilager-Methoden das Vertrauen zur Gesellschaft aus dem Leib geschlagen wurde, ist man
so ein Weg im Underground der Gesellschaft sehr anfällig, teils weil man sich von der Gesellschaft
als ausgestoßener behandelt fühlt und man in dieser kaum wieder Anschluss findet, teils aber
auch als stiller oder unbewusst treibender Protesthaltung.
Damit will ich meine kriminelle Werdegang nicht entschuldigen, sondern eine
nachvollziehbare Erklärung abliefern. Denn ein Leben zwischen Underground und Häfen
wünscht sich in Wirklichkeit keiner.
Natürlich ist nicht jedes Ex-Heimkind wegen schlimmer Behandlung in den Heimen
kriminell geworden, jedenfalls aber hunderte. Diese traf ich allemal und allesamt in den
Gefängnisse wieder. Es begann zumeist mit kleineren Diebstählen auf der Flucht vor den
Horror in den Heimen um zu überleben. Manche hatten das Glück eines sozialen
Empfangsraumes noch der Heimentlassung oder nach Entlassung aus (Jugend-)
Gefängnisse. Andere wiederum, dazu ich gehörte, standen nur auf der Straße und fanden
nur Anschluss im Straßenmilieu, der Subkultur mit dem siedenden Faden zur Kriminalität.
Und kommen Sie mir nicht damit, dass ich arbeiten gehen hätte sollen. Als Heimkind oder
als entlassener Jugendtäter bekamen sie damals keine Arbeit, höchstens wenn sie mit
Glück verheimlichen konnten jemals in Heime oder im Jugendknast gewesen zu sein.
Höchstens kam man zu Arbeit über privaten Arbeitsvermittlungsbüros, wo man als
Tagelöhner nur ausgebeutet wurde. Die Gesellschaft verpönte und stieß damals solchen
Menschen am unteren Rande der Gesellschaft ab. Das war die damalige Realität, die die
Gesellschaft, wie vieles andere auch, stets und bis dato von sich verleugnet.
Wir wurden stillschweigend zu willkommene Futter der Gerichte, Vollzugsbehörden und
Justizwache, die sich mit uns Parias mittlerweile ein Imperium aufgebaut haben. Mit uns
Ex-Heimkinder hat die Justiz im Grunde ganz schön profitiert, Budget- und Personalmäßig
– und sie expandiert heute noch, denn schon bei jeder Kleinigkeit wird heute sofort mit
den Standardsatz „Wir brauchen mehr Personal und Gelder“ geschossen.
1989 saß ich schon 11 Jahre aus einer Lebenslangen Haftstrafe ab, die ich 1978 beim
Landesgericht Wien wegen Bank- und Postüberfälle sowie wegen erschießen eines
Postbeamten gefasst hatte, GZ 20 w Vr 4816/78, Hv 1/79, LG Wien.
1980 kam ich in die Strafvollzugsanstalt Garsten zur Verbüßung der Lebenslangen
Freiheitsstrafe. Die Anstalt wurde regelrecht nach Nazi-Praktiken geführt, siehe
Anhang 23-24
Die Willkür, die Menschenverachtung und Ausschreitungen der Justizwache waren
unglaublich. Bei jeder Kleinigkeit wurde man von der Justizwache angeschrien, beschimpft
und nicht selten auch geboxt, geohrfeigt und gelegentlich auch mit Fußtritten behandelt.
Selbstbeschädigungen der Strafgefangenen, um in der geschlossenen Krankenabteilung des
öffentlichen Hospital Steyr oder im Krankenrevier der Anstalt ein paar Tage besseres Leben
zu haben, standen auf der Tagesordnung. Nichts durfte man haben. Weder eigener
Leibwäsche oder Oberbekleidung, Geschirr oder besteckt. Kein Radio, von TV-Empfang schon
gar nicht die Rede. Keine sonstige Freizeit- oder Unterhaltungsmöglichkeiten. Selbst
Kartenspielen war verboten. Die einzige Freizeitbeschäftigung bestand auf täglichen
Spaziergang in der Dauer von einer Dreiviertelstunde in Gänsemarsch auf einen betonierten
Hof, wobei die Unterhaltung zu der vorderen oder hinteren Reihe strikt verboten war.
Ansonsten war man ganztätig in der Zelle, zumeist auf engsten raum eingepfercht zu viert
oder in größeren Zellen mit bis zu 16 Insassen. Hatte man das Glück eine Arbeitsstelle in
einen Anstaltsbetrieb zu bekommen, wurde man führ ein paar Schillingen Lohn versklavt.
Man kann ruhigen gewissen von Österreich behaupten, das sie nach dem Zweiten Weltkrieg
weiterfort ihre Nazigesinnung hegte und praktizierte. Eine Entnazifizierung der staatlichen
Institutionen fand praktisch nicht statt. Im Gegenteil, schwerste Naziverbrecher wurden
versteckt und nach einiger Zeit wieder aktiviert, wie an Beispiel des Euthanasiearzt Prim.
Heinrich Gross, der in den 50er Jahren von der Justiz als Gerichtssachverständiger wieder
aktiviert wurde http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Gross
Nebenher fand auch bei den Medien keine Entnazifizierung statt, sodass der Staat schalten
und walten konnte, wie sie wollte, weil jegliche Kontrollfunktion versagte oder fehlte. Die
Journalisten, die während des Zweiten Weltkriegs Adolf Hitler in den Arsch krochen, sind
ebenfalls und allemal am Ruder geblieben. Ihre Huptaufgabe nach dem Zweiten Weltkrieg
bestand offenbar nur mehr darin, die Regierungsbeamten um Subventionen in den Arsch zu
kriechen. Der Packelei der Medien mit dem Staat hat sozusagen bis heute Tradition – samt
der Ewiggestrigen Gesinnung. Dementsprechend kann man von Parasiten-Journalismus auf
Kosten der – für dumm verkauften - Steuerzahler sprechen, die nur mit primitiver
Boulevard Berichterstattung gefüttert wird.
Tausende Kinder und Häftlinge, darunter auch ich mussten an einen solchen staatlichen
Terror und medialen Istzustand leiden.
So entschloss und beschloss ich dagegen zu Protestieren und das gelang mir durchaus auf
effektive Weise. Mir gelang jedenfalls das totschweigen miserabler Missstände und
Nazipraktiken in den Gefängnisse durchzubrechen.
Nun zur Flucht 2.8.1989 und des Geschehen zwischen 7.8. u. 9.8.1989
Tage zuvor wurde ich von zwei befreundeten Mithäftlingen von der beabsichtigten Flucht
informiert und zum mitzumachen eingeladen. Ich sagte zu. Im Hinterkopf ging es mir
darum, die Öffentlichkeit wegen der Zustände im Gefängnis zu alarmieren und
aufzurütteln. Zunächst aber ein paar Zeilen zu den Gründen, warum ich nach 11 Jahren
Gefängnisaufenthalt überhaupt ausgebrochen bin. Das sollte man schon
wissen, um sich ein Gesamtbild der Ereignisse machen zu können.
Meine Teilnahme an der Flucht war im Grunde eine rein emotionale Entscheidung und keine
verstandsmäßige. Ich war Krank und die Anstaltsärzten schickten mich immer wieder weg
mit der Bemerkung, das ich nur ein Querulant sei. Wie sich dann nach der Flucht
herausstellte litt ich unter anderem an Schilddrüsenüberfunktion und an einen akuten
Zwölfingerdarmgeschwür. Infolge meiner Protestaktionen war ich beim Gefängnispersonal
unten durch und wo es nur ging, wurde ich von diesem schikaniert. Beschwerdeschreiber
und Protestierer waren erklärte Ziele für die Justizwache. Ich bekam Angst um mein Leben
und beschloss deswegen bei der Flucht mitzumachen.
Das Bundesministerium für Justiz Wien schwächt zwar in ihrer unteren Stellungnahme bei der
Präsidentschaftskanzlei ab und unterstellt mir zu Unrecht fünf Fluchtversuche aus der Justizanstalt
Garsten, insgesamt kann aber jeder Mensch aus den Dokument erkennen, dass ich durchaus in
einen ungesunden Zustand ausgebrochen war, dementsprechend auch aufgewühlt und
emotionalisiert.
Anhang 34
Der akuten Zwölfingerdarmgeschwür wurde z.B. erst kurz nach meiner Flucht diagnostiziert, Vor
der Flucht war ich öfters beim Anstaltsarzt und klagte auch über starken Schmerzen im
Bauchbereich und ich wurde nur als Querulant bezichtigt. Eine Situation, in der man leicht
paranoid werden kann. Als freier Mensch kann man sich an einen anderen Arzt wenden. Als
Strafgefangener ist man der Willkür der Anstaltsärzte ausgeliefert.
Das soll nicht aus Entschuldigung gelten, jedenfalls aber zum Verständnis, warum es
überhaupt zur Flucht kam. Nach elf Jahren Gefängnis flüchtet man nicht von so ungefähr.
Der Drang zur Freiheit ist nach elf Jahren eingeschläfert. Noch dazu, wo in Österreich bei
Lebenslanger Haftstrafe im Durchschnitt schon nach 17-19 Jahren eine Entlassung in Aussicht
steht.
Nein, ich bin nicht ausgebrochen der Freiheit wegen. Ich bin in Wirklichkeit ausgebrochen,
weil ich Mangel an ärztlicher Betreuung und Behandlung paranoid geworden bin, dass das
Gefängnispersonal meinen schlechten gesundheitlichen Zustand dazu ausnützt, um mich
zubeseitigen oder beträchtlichen körperlichen Schaden zuzufügen.
Ich kenne mehr als genug Fällen von Strafgefangenen in Österreichische Gefängnisse, die
daran krepiert sind, weil sie krank wurden und keine ärztliche Hilfe bekamen. Das gehört zur
Perversion des Gefängnispersonals, wie auch vieles andere dazu.
Der Ausbruch an sich hätte nicht perfekter sein können. Augenscheinlich unglaublich schwer
über vielen Ecken und Kanten, nichtsdestotrotz aber erfolgreich. Meine Fluchtpartner hatten
mit nachgemachten Schlüsseln beste Vorarbeit geleistet. Sie hatten auch die Routine der
Justizwache ausgespäht und die Schlupflöcher entdeckt.
Kaum war der Spaziergang ausgerufen, waren wir schon auf den Weg zur Flucht. Anstatt im
Spazierhof zu gehen, drangen wir mit den Nachschlüsseln in den Kellerräumen. Dort
versteckten wir uns in engen Kellerschächten und warteten zirka eine halbe Stunde ab, bis die
Beamten von der letzten Inspektion des Arbeitsgebäudes weggingen.
Als wir uns dann sicher waren, drangen wir mit dem Nachschlüssel in dem nun leer
stehenden Arbeitsgebäude ein. Dort wiederum spähten wir zum Hof der Außenmauer und
warteten bis der Dienstversehende Wachturmbeamte sein Dienst beendete. Das geschah
routinemäßig stets ein paar Minuten nach der letzten Inspektion des Arbeitsgebäudes.
Sozusagen nachdem sich die Justizwache vergewisserte, das sich im diesem Bereich kein
Häftling mehr aufhält.
Als es soweit war, schlugen wir mit einem großen Vorschlaghammer, der meine Fluchtpartner
Tage vorher vorsorglich in den Kellerschächten deponiert hatten, die dicken Glaskugeln eines
Fensters eines Parterrebetriebs ein und schlupften so im Hof zur Außenmauer durch. Die zirka
fünfeinhalb Meter hohe Mauer überkletterten wir dann mit langen Pfosten, die im Hof neben
dem Tischlereibetrieb aufgestapelt lagen.
Als wir dann von der Außenmauer oben stehend in die Freiheit sprangen, rannten wir gleich
los. Nach zwei-drei Gassen kam uns dann zufällig ein Taxi entgegen, denn wir anhielten und
als Ziel das allgemeine Krankenhaus Graz angaben. Die Flucht war somit perfekt gelungen.
Unmittelbar nach Ankunft im Krankenhaus Graz, trennte sich der eine Fluchtpartner von uns,
weil er Richtung Tschechoslowakei wollte, während ich und der andere unserer Flucht
Richtung Jugoslawien bzw. Italien nehmen wollten. Letztere war vorher schon besprochen und
insofern wichtig für mich, weil ich nicht Autofahren kann und ein weiterkommen auf der
Flucht ohne Partner, der Autofahren kann mir ziemlich aussichtlos erschien.
Da ich ständig in Heime und (Jugend)Gefängnisse aufhältig war, hatte ich nie die Möglichkeit
den Führerschein zu machen oder sonst wie Autofahren zu lernen. Ich war und machte mich
sozusagen von einem Partner abhängig und wie es kommen musste, stand ich am dritten Tag
der Flucht plötzlich allein da.
Was war passiert? Die ersten zwei Tage der Flucht hatten wir uns in Wälder rund um die
Stadt Graz versteckt, um die intensive Polizeifahndung der ersten Fluchttage zu überstehen.
Wasser tranken wir aus Bächen und Nahrungsmittel bot sich uns nur unreifen Maiskolben,
die wir aus Maisfelder stahlen.
Am dritten Tag dann, gegen die Abenddämmerung herum, ging mein Partner auf einen
nahegelegen Dorf in der Absicht ein Auto zu stehlen. Ich sollte unbedingt aber im Wald
bleiben, denn es wäre schade, so mein Partner, wenn wir beide gleichzeitig erwischt
würden, falls er dabei ertappt wird. Das leuchtete mir ein, so blieb ich dann allein zurück
und in der weiteren Folge auch, denn mein Partner kehrte nicht mehr zurück.
Später, nachdem wir uns wieder im Gefängnis trafen, erzählte er mir, das er sich beim
Autostehlen beobachtet gefühlt hatte, weswegen er mit dem gestohlenen Auto das Weite
suchen musste, um der Polizei zu entkommen. Ob das stimmt oder nicht, kann man
dahingestellt sein lassen.
Nach 11 Jahren ununterbrochener Haft nunmehr allein auf der Flucht gestellt, war ich
ziemlich übersichtlos und unbeholfen. Tagsüber versteckte ich mich dicht im Wald und
bewegte mich erst im Schutze der Abenddämmerung weiter fort. Sah ich irgendwelche
Personen durch Waldwege gehen, so duckte ich mich sofort hinter Baumstämme oder
Gestrüpp und hielt den Atem an. So eine Flucht löst eine regelrechte Dauerparanoia aus.
In der Nacht trieb es mich dann an Ortsränder, wo ich mich nach Einbruchsmöglichkeiten
umschaute. Ich brauchte ganz dringend was zum Essen und warme Kleidung, denn meine
Kleidung und Sportschuhe waren völlig verdreckt und vom Regen durchnässt, so dass
meine Zähne vor Kälte und Hunger klapperten.
Schon in den ersten zwei Tagen hatten wir nichts Ordentliches zu Essen gehabt, außer rohe
und unreife Maiskolben. Auch meine Zehen waren durch das ständigen gehen und der
feuchten Füße mit Blasen und Entzündungen ziemlich mitgenommen und schmerzten bei
jedem Schritt. Zudem war ich im Dunkel der Nacht wiederholt gestolpert und hingefallen,
wobei ich mir eine Fußverstauchung und einen großen Splitter auf die rechten Handballen
zuzog. Die Fußverstauchung war jedoch nicht so Schlimm, dafür entzündete sich der
Splitter an meinen Handballen und schmerzte tagelang.
Das schlimmste war aber, das ich völlig orientierungslos auf und ab marschierte. Ich
wusste nur, dass ich vom Graz noch nicht weit genug sein konnte, aber in welcher
Richtung ich da auf und ab marschierte hatte ich keine Ahnung.
Da wurde mir auch so richtig bewusst, wie Ahnungslos und unvorbereitet ich geflüchtet
war. Ich ärgerte mich total über mich selbst und machte mir Vorwürfe so Dumm gewesen
zu sein, mich auf anderen voll verlassen zu haben. Insgeheim wünschte ich mir
gelegentlich wieder in der warmen Zelle zu sein, verwarf diesen Wunsch aber gleich
wieder, wenn ich nur an den Missstände und Schikanen dachte.
In den folgenden zwei Tagen gelang mir in mehrere Gartenhäuser einzubrechen und mich
dort mit Konservendosen zu ernähren sowie mit wärmerer Bekleidung, schließlich auch
mit einem Rucksack und diverser Werkzeug, Toilettenartikeln, Küchenbehelfe wie Löffel,
Gabel und Messer zu versorgen.
Das Werkzeug war vorwiegend für weitere Einbrüche gedacht, um mich während der
Flucht weiter versorgen zu können. Denn es war mir klar, das ohne Diebstähle und
Einbrüche die Fortdauer meiner Flucht nahezu unmöglich war. Wie hätte ich in dieser
Situation einen Samariter finden können!
Bei einen der Einbrüche hinterließ ich dem Inhaber des Gartenhauses ein Entschuldigungsschreiben mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit sowie mit einer politische Forderung an
das Bundesministerium für Justiz Wien, nämlich eine justizunabhängige Kommission zur
Überprüfung der wahren Praktiken in den Gefängnisse einzusetzen, wobei ich gleichzeitig
meine Bereitschaft ankündigte, mich bei Erfüllung der Aufforderung freiwillig zu stellen.
Der Brief gebe ich zur Information und zum Verständnis des Ganzen unten wieder. Der
Brief kann wohl nicht besser dokumentieren, warum ich tatsächlich ausgebrochen bin,
welche Absichten ich tatsächlich hegte und in welchen emotionalen Zustand ich mich
befand. Aspekte meiner Flucht, die sowohl das Gericht Graz und offenbar auch die
Öffentlichkeit vertuschte, weil die Flucht und die damit verbundenen Ereignisse ansonsten
unter ein ganz anderes Licht zu sehen und zu beurteilen gewesen wären.
Nämlich der Justizpolitischen Verfolgung und Vernachlässigung eines Häftlings durch das
Gefängnispersonal, weil dieser auf spektakuläre Weise massiven Missstände in den
Gefängnisse in der breiten Öffentlichkeit angeprangert hat, wie beispielsweise durch den
Sitzstreik 1983 auf dem hohen Dach der Wallfahrtskirche in Garsten, die schlechthin die
Medienberichterstattung über den österreichischen „Strafvollzug“ so richtig popularisierte,
den bis dahin war es nahezu ein Tabuthema in den Medien. Vollständiger Polizeibericht
Anhang 29
Gegen Morgengrauen des dritten Tages, der ich allein unterwegs war, 7.8.1989, war ich
dann so hundsmüde und die Füße brannten derart , dass ich mir zwischen Gestrüpp eine
Schlafstätte einrichtete und niederlegte.
An einen Schlaf aber war, wie an die Tage zuvor kaum zu denken. Der Adrenalinschub
auf der Flucht, noch dazu unter solchen Umstände, ist so stark, das man zwar die
Augen zudrückt, aber schon das kleinste knister lässt einen wieder hochfahren. Man
konnte sich höchstens ein bisschen entspannen.
Trotzdem muss ich zuletzt doch eingeschlafen sein, denn das unmittelbare rascheln und
knacken von nahenden Schritte schreckte mich im nun auf. Plötzlich sah ich, auf zwei-drei
Meter Entfernung, direkt in das Gesicht eines mittelälteren Mannes. Der Mann war nicht
weniger erschrocken, drehte sich um und eilte schnelleren Schritte wieder weg.
Sofort schoss mir durch den Kopf, dass meine Flucht nun zu Ende wäre. Später sollte ich über
Gerichtsprotokolle erfahren, dass er beim Bundesheer tätig war, an diesen Tag frei und im
Wald nach Schwammerln suchte. Mich packte jedenfalls die volle Panik, denn ich ging
jedenfalls davon aus, dass er mich als Ausbrecher erkannt hatte oder verdächtigen und die
Polizei anrufen würde, so dass ich in Blitztempo das notwendigste zusammenraufte und
mich ebenso in eiligen Schritte entfernte.
Wenn mehrere Strafgefangenen gleichzeitig ausbrechen, noch dazu aus Lebenslanger
Haftstrafe, so war mir klar, das intensiver Fahndung und Berichterstattung stattfand. Die
kleinste Information könnte ein Heer von Polizeibeamten herbei befördern, dachte ich
panisch.
Als er außer Sicht war, beginn ich zum laufen, fiel aber immer wieder in Schritttempo zurück,
weil die wunden Füße infolge der ständigen feuchten Turnschuhe und Entzündungen nicht
mitmachen wollten. Ich geriet in einen asphaltierten Waldweg und gleich danach sah ich auf
eine stark frequentierte Landstraße hinab, die ich unbedingt vermeiden musste, denn
gerade von dort würde die Polizei oder Gendarmerie kommen, schoss mir durch den Kopf.
Ich musste quasi wieder etwas zurück von wo ich gekommen war, denn auf die eine Seite des
Waldweges war offener Ackerland und auf die andere Seite ging es ziemlich steil Hügelab. Ich
fühlte mich wie ein gehetztes Tier, der panisch vor den gefressen werden flüchtete.
Als ich plötzlich Motorgeräusche hörte, dachte ich sofort an einen Polizei oder
Gendarmerieauto und mein Herz raste wie verrückt vor Angst. Ich schaute mich um, es war
jedoch ein normaler Pkw auf schätzungsweise etwa 100 oder 150 Meter Entfernung und da
schoss es mir spontan und instinktiv durch den Kopf „Halte den Wagen an und zwinge den
Fahrer mit den Messer dich schnell aus den Gefahrenbereich wegzufahren“. Es ist eine
automatische Reaktion, in etwa ein Urinstinkt des Überlebens in Panik, wie etwa „Friss, bevor
du gefressen wirst“. Man schnappt zu, ohne zu überlegen.
Dann ging alles Blitzschnell vor sich. Ich winkte den sich nähernden Pkw, der genau neben mir
stehenblieb. 20-30 Meter zuvor hatte ich schon erkannt, dass eine Frau am Steuer saß. Ich
griff durch den Fahrersitzfenster und packte die Frau bei der Bluse und mit der anderen Hand
hielt ich ihr das Brotmesser, das ich von einer Schrebergartenhütte mitgenommen hatte vor
der Brust. Gleichzeitig schrie ich sie an „Fahren Sie mich hier weg. Ich bin aus dem Gefängnis
ausgebrochen und die Polizei ist hinter mir her“.
Ich riss die Autotür auf, drängte die Frau auf den Beifahrersitz, stieg gleichzeitig in den
Wagen und drängte die Frau über mich auf den Fahrersitz zurück. Ich fuchtelte weiter mit
dem Messer vor ihrer Brust und forderte sie auf, sofort wegzufahren.
Die Frau war natürlich total erschrocken und gehorchte mir zunächst wortlos. Es ging alles so
blitzschnell vor sich, so dass die Frau keine Zeit hatte sich zu fassen. Ich hatte in diesem
Moment keine Ahnung, dass es sich um die Ehegattin eines Oberregierungsrates der
steirischen Landesregierung handelte und dass mir und ihr eine ungeahnte Tragödie
bevorstand.
Ich forderte sie wiederholt auf, mich von der Gegend schnell Richtung jugoslawische Grenze
zu fahren und erklärte ihr, dass die Polizei jeden Moment eintreffen könnte. In völliger Angst
versetzt, fuhr sie sofort los und bat mir wiederholt, ihr nichts anzutun. Ich versprach es ihr,
soweit sie kein Blödsinn macht. Drohte ihr aber zugleich, sie mit dem Messer zu stechen,
wenn sie irgendwas versuchen würde, was die Polizei aufmerksam machen könnte.
Sie fuhr los und ich hielt ihr währenddessen das Messer an der Hüfte angesetzt, um sie durch
die Drohung einzuschüchtern. Wir fuhren quer durch die Stadt Graz bis zur Südautobahn. Die
Frau war derart verängstigt, das sie keinerlei Versuche unternahm. Sie versprach mir
wiederholt, mir zu helfen und bat mir gleichzeitig ihr nichts anzutun, was ich ihr auch
versprach, sobald sie keine Anstalten macht die Polizei oder sonst wie Personen aufmerksam
zu machen.
Durch die ständige Bedrohung hatte die Frau in dieser Situation absolut keine Chance zu
flüchten oder irgendwie Alarm zu schlagen oder sonst wie auf sich Aufmerksam zu machen.
Es ist keine Frage - und das habe ich auch immer betont, dass ich mich hierbei eindeutig
schuldig gemacht habe. Sieht man aber im Gesetzbuch nach als auch auf Seite 4 des
Strafurteils, so handelt es sich um ein Straffall der schweren Nötigung gem. §§ 105, 106 StGB,
der maximal mit 5 Jahren Haftstrafe geahndet wird. Ich wurde allerdings zu einer 18-Jährigen
Haftstrafe verurteilt.
Nach Erreichen der Südautobahn fiel der dicke Schleier der Panik und Spannung von mir ab
und unglaubliche Erleichterung machte sich in mir breit „entkommen" zu sein“. Fast
gleichzeitig wurde mir aber auch klar bewusst, was ich eigentlich getan hatte.
Ich sah die Frau am Fahrersitz an und war schockiert. Die bittere Realität kehrte ein. Um
Gottes willen, was hast du getan, schoss mir durch den Kopf. Wer ist diese Frau! Das sind
schlimme Folgen für dich, wenn sie dich wieder erwischen. Wie konntest du das nun tun! Die
Folgen und Befürchtungen drangen wie ein fließender Fluss in meinem Bewusstsein.
Nun sah und spürte ich unmittelbar die Angst der Frau. Zuvor war es mir offensichtlich durch
die Panik und Paranoia egal. Nein, wichtig im Grunde dass sie Angst hatte, um meine Flucht
nicht zu gefährden. Jetzt aber tat sie mir wirklich leid.
Als Ex-Heimkind und Häftling mit Jahrzehnte Gefängnisaufenthalte war ich mehr als zu oft in
der schrecklichen Situation der Angst und Schrecken und gelegentlich auch der Todesangst
und wenn es jetzt auch zynisch erscheint, so doch wünschte ich niemanden solchen
Momente. Aber nun hatte ich mal in Panik gehandelt und durch den erwachen daraus,
änderte ich meine Einstellung gegenüber der Frau.
Ich nahm das Brotmesser, mit der ich sie bedroht hatte, dass nun auf meinen Schoss
griffbereit vorlag und verstaute es in den Rucksack, während ich mich gleichzeitig bei ihr
entschuldigte.
„Was tun Sie da?“, fragte Sie überrascht.
„Bitte entschuldigen Sie mich. Ich war total in Panik von der Polizei festgenommen zu
werden und wieder ins Gefängnis zu müssen. Ich will Ihnen nichts antun. Ich muss
verrückt geworden sein. Mich hat ein Mann im Wald gesehen und hat sich schnell wieder
entfernt. Er hat mich offenbar als eine der Ausbrecher aus der Karlau erkannt.
Deswegen geriet ich in Panik und als ich ihr Auto sah, sah ich es als einziger Rettung von der
Gegend schnell wegzukommen!“.
Die Frau schaute mich überrascht an, atmete tief ein und antwortete mir sinngemäß: „Oh,
bin ich erleichtert. Ich glaubte schon, dass es mich persönlich betrifft, das ich sterben muss“.
„Bitte, denken Sie das nicht. Ich bin kein Kinder- oder Frauenmörder. Nein, nein“, versicherte
ich ihr, „Das würde ich nie Tun. Ich bin nur aus dem Gefängnis Karlau ausgebrochen, weil die
Schikanen und Missstände nicht mehr auszuhalten waren, Glauben Sie mir, es ist ein
Wahnsinn, was sich da abspielt“.
"Ja, davon habe ich schon gehört“, erwiderte Sie.
Ich weiß nicht warum, offenbar aber aus Gewissen oder aus schlechten Gewissen heraus,
spürte ich plötzlich eine innerliche Verpflichtung, mich bei der Frau zu erklären und mich zu
entschuldigen, gleichzeitig aber auch um sie zu beruhigen und ihr die Angst zu nehmen. Es
wurde mir deutlich bewusst, dass die Frau überhaupt nichts dafür kann, das ich einfach
verrückt gehandelt hatte. Ich war plötzlich wie schockiert über mein handeln.
Ich erklärte ihr, warum ich aus dem Gefängnis geflüchtet bin und das ich beabsichtige die
Öffentlichkeit darüber zu informieren, Dabei schilderte ihr auch vielen Missstände im
Gefängnis, wobei ich die Schilderung immer wieder mit die Worten unterstrich, „Glauben Sie
mir, bitte!“
Zeugenprotokoll 9.8.1989, Seite 7, Anhang 02 oder unten Seite 137
Umso erstaunter war ich dann, als sie mich unterbrach und zu mir sagte: „Sie brauchen sich nicht
immer zu wiederholen. Ich glaube Ihnen. Ich weiß, dassSie mir die Wahrheit sagen“.
Momentan war ich Perplex und fragte sie, wieso sie es wüsste.
„Schauen Sie, mein Mann ist hoher Regierungsbeamter und ich kann gelegentlich Gespräche
unter den Beamten beiwohnen. Von daher weiß ich, das in der Strafanstalt Karlau
unmenschliche Haftbedienungen herrschen“.
Ich fragte sie, wie sie heißen würde und ob ich sie beim Vornamen nennen dürfe, was sie
zusagte. Das bestritt sie später zwar, aber das ist nicht maßgebend. Ich blieb zunächst
trotzdem per Sie. Erst später duzte ich sie.
Wir führten in der Folge eine Konversation über die Zustände in dem Österreichischen
Gefängnisse. In vielerlei Hinsicht schloss sie sich meiner Meinung an oder ich die ihre. Dabei
wurde mir klar, dass sie tatsächlich über Kenntnisse des Strafvollzugs verfügte.
„Ich verstehe nicht, dass selbst Politiker darüber Bescheid wissen und das trotzdem keiner was
dagegen tut“, sagte ich ihr mehr als Feststellung.
„Ja, wissen Sie. Das ist die Krankheit unseres Landes. Jeder hat sein eigenes Reich aufgebaut
und keiner traut sich über den anderen. Im Gegenteil, sie unterstützen sich sogar gegenseitig.
So macht jeder kleiner Reich, was es will“.
„Ich bin verwundert, dass sie so kritisch sind. Sie haben ja einen guten Lebenstand“, stellte ich
fest.
Das schließt nicht aus, dass mich interessiert, was in unseren Land geschieht“, antwortete sie mir
unverzüglich mit leichtem Vorwurfton, so als wenn ich ihr etwas unterstellt hätte.
Mittlerweile bemerkte ich, wie richtig und wichtig es war in erster Reaktion das Messer im
Rucksack wegverstaut zu haben sowie mich bei ihr wiederholt entschuldigt zu haben. Nicht
zuletzt auch die Konversation hat unglaublich zur Entspannung aus der dramatischen Situation
verholfen, wurde mir bewusst. Die Frau wirkte nun viel entspannter und die Angstzüge in ihrem
Gesicht waren weitgehendste gemilderter Form, also nicht mehr unmittelbar in Angst und
Schrecken, wie an Anfang.
Nach kurzen zögern antwortete sie mir, „Ja, ich helfe Ihnen. Ich fahre Sie zur Grenze, aber
versprechen Sie mir, das ich zu meiner Familie zurückkehren darf und das Sie mir nichts antun“.
„Sie können sich sicher sein, dass ich ihnen nichts antue und das Sie zurückfahren können,
aber ich verlasse mich auf ihr Wort“
„Ja, ich verspreche es Ihnen“, betonte sie.
Ich hielt ihr meine gestreckte Hand entgegen und sagte „Abgemacht“.
Nach kurzem zögern gab sie mir die Hand, gleichzeitig atmete sie auf und erwiderte, „Wissen
Sie! Jetzt kann ich in etwa verstehen, was passiert ist und warum. Irgendwie verstehe ich jetzt,
warum Sie in Panik gerieten“.
„Und bitte entschuldigen Sie mich nochmals, was ich ihnen angetan habe. Ich weiß, es ist
fürchterlich. Ich bin jetzt selbst darüber schockiert“, entschuldigte ich mich erneut bei ihr.
Natürlich war mir klar, dass ihre Zusage allein schon wegen der Situation nicht ganz freiwillig
war, andererseits geschah es aber nicht mehr in eine Art und Weise der brutalen Drohungen,
deswegen sie in ständiger Angst und Schrecken gewesen wäre, sondern in eine Art Vertrag
zwischen Menschen, die in eine schweren und fast Aussichtlosen Situation einen Ausweg
suchten.
„Wenn wir die Grenze erreicht haben, dann können Sie sicher wieder nach Hause…“, versicherte
ich ihr erneut, „aber ich muss sie gefesselt zurücklassen, damit Sie nicht gleich die Polizei
alarmieren können. Ich brauche etwas Vorsprung, verstehen Sie?“
Sie schaute mich fragend an.
„Machen Sie sich aber keine sorgen. Ich denke gerade verzweifelt nach nach einer Lösung. Ich
werde Sie nicht irgendwo zurücklassen, wo Sie überhaupt nicht gefunden werden können. Ich
brauche nur einen Vorsprung von ein paar Stunden. Bis dahin bin ich sicher an einem Ort
angekommen, von wo ich dann die Polizei anrufen und verständigen kann, wo Sie zu finden
sind. Das verspreche ich Ihnen…“, versicherte ich ihr erneut, „…oder wir fahren in einen
abgelegen Ort und ich nehme das Autoschlüssel mit, während Sie im Auto zurückbleiben, so
dass Sie nicht sogleich wegfahren können und daher auch nicht die Polizei alarmieren “, schlug
ich ihr vor.
„Nein, das Autoschlüssel brauche ich schon“ sagte Sie Stirnrunzeln.
„Es geht nur darum, dass ich etwas Vorsprung brauche. Denn wenn Sie zur Polizei gehen, bricht
sofort eine starke Fahndung aus und dann habe ich kaum eine Chance. Verstehen Sie!“
„Ja, das glaube ich auch und das verstehe ich. Ich bin nur froh, dass Sie mir nichts antun“.
„Sie können sicher sein, dass das nicht passieren wird“, versicherte ich ihr erneut zu. „Ich kann
verstehen, dass Sie Momentan in dieser Situation wahrscheinlich zweifeln. Aber wenn Sie
wieder zu Hause sind, erinnern Sie sich dann an mein Versprechen. Vielleicht können Sie mir
dann verzeihen“.
Sie schaute mich abrupt an und ich sah ein leises Lächeln in ihr Gesicht „Das haben Sie schön
gesagt. Ja, ich werde mich daran erinnern, das kann ich Ihnen versprechen“.
Innerlich wusste ich, dass ich Sie anlog. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen
wirklichen Plan, wie ich aus dieser Schlammassel raus konnte. Ich war mir nur sicher, dass ich
der Frau nichts mehr antun wollte und das mein Versprechen ernst gemeint war, aber wie ich
das anstellen sollte, um meine weitere Flucht nicht zu gefährden, davon hatte ich zu diesem
Zeitpunkt keine wirkliche sichere Vorstellung oder Plan. Nur die vage Vorstellung, dass ich Sie
irgendwo zurücklassen musste, von wo sie nicht gleich die Polizei alarmiere könne.
In weiterer Konversation, eher um mich selbst von der fürchterlichen Folgen meiner strafbaren
Handlung abzulenken, die mir durch den Kopf rasselten, erzählte ich ihr dann von meinen
spektakulären Fluchtversuch und der anschließenden Protestaktion Mitte 1983 auf dem hohen
Dach der Justizanstalt Garsten angrenzenden Wallfahrtskirche.
Daraufhin schaute sie mich verdutzt an. „Ach, Sie waren es! Irgendwie sind Sie mir bekannt
vorgekommen. Das hat damals viele Schlagzeilen gemacht. Jetzt kann ich auch verstehen,
weshalb Sie beim Personal des Gefängnisses unbeliebt sind“.
Sie fragte neugierig nach, wie es damals zu der Protestaktion kam und ich schilderte es ihr.
Ebenso auch, weshalb ich im Gefängnis saß, nämlich weil ich Bank- und Postüberfälle begangen
hätte und dabei einen Postbeamten so unglücklich traf, das er Tage später verstarb. Ich
vermied bewusst die Worte „Mord“ und „Mordversuch“, um sie nicht zu erschrecken. Auch
hier zeigte sie sich neugierig und ließ sie den Ablauf der Überfälle schildern.
Wir waren mittlerweile zirka eine Stunde auf der Südautobahn unterwegs. Sie fuhr in
gemäßigtem Tempo. Zwischendurch wurden wir auch von Gendarmerieautos überholt und
sie zeigte keine Reaktion, wie ich an ihr beobachtete.
Ich nahm meine Wasserflasche aus dem Rucksack und bot ihr an zu trinken „Es ist aber
Wasser aus Bächen“, informierte ich sie vorher.
„Nein. Danke. Ich habe keine Durst“.
„Sie brauchen kein Bedenken zu haben! Ich habe keine ansteckenden
Krankheiten“.
„Nein, so habe ich es nicht gemeint. Ich habe Momentan wirklich keine Durst“.
Die Konversation zwischen mir und ihr verlief mittlerweile so, als wenn dazwischen nichts
passiert worden wäre. Sie wirkte mit zunehmender Fahrdauer immer sicherer und
selbstbewusster. Sie schaute mir während der Konversation auch öfters gerade in die Augen,
was wiederum Menschen, die wirklich verängstigt sind kaum wirklich tun. Sie vermeiden
zumeist den Blick zum Bösen hin, weil es ihnen mehr Angst und Schrecken verursacht. Nur in
Todesangst starren sie das Böse an. Ich schreibe hier aus persönlicher Erlebnisse und
Erfahrung aus meiner Zeit in den staatlichen Heime und (Jugend)Gefängnisse.
Es verdutzte mich, wie schnell sich die Frau erholt hatte und instinktiv sagte ich mir in
Gedanken. „Sei vorsichtig. Vielleicht will sie dich nur täuschen“. Ich schätzte die Frau
mittlerweile als eine Konstitutionell sehr starke und intelligente Persönlichkeit ein.
Ich fragte sie nach ihrer Familie und sie erzählte mir, dass sie fünf Kinder hätte, dass sie am
eigenen Gut arbeiten würde und dass ihr Mann Agrar-Politiker wäre, nämlich
Oberregierungsrat der steirischen Landesregierung.
„Das Sie fünf Kinder haben ist schwer zu glauben“, erwiderte ich ihr und in der Tat konnte
ich es nicht glauben.
„Warum können Sie es nicht glauben“, fragte Sie mich überrascht.
„Na ja, man sieht es Ihnen nicht an. Sie sehen zu gut aus, als das man annehmen kann, dass
Sie schon fünf Kinder haben“.
„Ich habe aber fünf Kinder“, betonte sie.
„Und! Sind die Kinder brav und sind Sie Glücklich?“, fragte ich sie.
„Ach, wissen Sie. Als Mutter von fünf Kindern und mit der ganzen Arbeit rund herum hat
man kaum Zeit für sich selbst“.
„Ja, da haben Sie wohl recht. Das weiß ich von meiner Mutter, die acht Kinder gebar. Wir
sind acht Geschwister und meine Mutter zog uns am Land fast alleine auf, weil unser Vater
stets auswärts arbeitete und kaum zu Hause war“.„Acht Kinder! Und noch dazu allein! Wo
am Land? Sind Sie aus Niederösterreich oder aus Oberösterreich?“
„Nein, nein. Meine Mutter, ich und sechs weitere Geschwister sind in Uruguay geboren und
aufgewachsen“.
„Sie kommen aus Uruguay! Das ist ja in Südamerika. Und wo haben Sie so gut Deutsch
gelernt? Mir ist zwar ihr Dialekt aufgefallen, aber das Sie aus Uruguay
kommen wäre mir nie eingefallen. Sie sprechen sehr gut deutsch“.
„Danke, danke. Mein Vater ist in Österreich geboren, musste aber wegen der Nazis flüchten
und landete in Südamerika. In Montevideo lernte er dann meine Mutter kennen und
heiratete sie 1945. Deutsch habe ich vorwiegend in der Zelle im Gefängnis durch viel lesen
und nachschreiben aus Büchern gelernt“.
„Und wie alt waren Sie, als Sie nach Österreich kamen?“
„Wir kamen Juni 1962 nach Österreich. Da war ich dreizehn Jahre alt. Jetzt bin ich 39. Und
wie alt sind Sie“.
„Ich bin 36. Und warum mussten Sie Geldinstituten überfallen!“
„Ja, das ist eine lange Geschichte. Wissen Sie, als wir nach Österreich kamen, wollte mein
Vater das Hotel meiner Großmutter sogleich übernehmen. Das Hotel war Vaters Grund,
warum wir überhaupt nach Österreich kamen. Die Großmutter wollte das Hotel aber noch
einige Jahre führen. Deswegen gerieten sie in Streit. Es kam dann soweit, dass wir das Hotel
verlassen mussten, aber das Geld meines Vaters reichte nicht aus für eine Wohnung für
sieben Kinder.
Daher sorgte unser Vater dafür, dass einige Kinder in Heime kamen. Darunter war auch
ich…“
„Da haben Sie aber ja noch nicht Deutsch gesprochen“
„Nein, nur Spanisch. Das war eine schlimme Zeit von den ich mich nicht mehr erholte. Zuerst
die abrupte Verpflanzung von Uruguay nach Österreich und unmittelbar darauf die Trennung
von der Familie. Dann in Horrorischen Heime. Ich flüchtete ständig und zu überleben beging
ich anfänglich kleinere Diebstähle. So kam ich auch ins Gefängnis und es wurde immer
schlimmer, denn in dem Gefängnisse wird man noch mehr zerstört. Als ich zwischendurch auf
der Straße stand, da war meine Familie schon in alle Winde verstreut. Mein Vater und meine
Mutter lebten zeitweise getrennt. Meine Geschwister waren teilweise schon verheiratet. Ich
fand nur mehr im Straßenmilieu Anschluss. Ja, dann kam es zu den Bank- und Postüberfälle.
Irgendwie bildete ich mir ein, das mir der Staat eine Entschädigung für das erlittenen Leid in
den Heimen und Gefängnisse schuldet “.
„Sie haben eine Wahnsinnsgeschichte. Sowas habe ich noch nie gehört. Und wo wollen Sie
jetzt hin?“
„Ich will jetzt nach Uruguay zurück. Es wird nicht leicht sein, aber ich habe in Italien ein paar
Freunde und vielleicht können sie mich in einen Schiff unterbringen“.
„Aber warum wollen Sie dann nach Jugoslawien?“
„Weil es am nähersten zur Staatsgrenze liegt, um Österreich schnell verlassen zu können.
Über Jugoslawien komme ich sicher weniger gefährdet nach Italien. Haben Sie eine
Straßenkarte mit, wo ich mich in etwa orientieren könnte?“
„Ja, warten Sie, aber ich glaube nur für Österreich“. Sie öffnete ihr Schubfach und entnahm
daraus eine Straßenkarte.
Wir fuhren einen Rastplatz an und schauten in Ruhe gemeinsam nach. Daraus erkannten wir,
dass wir bei Wolfsberg die Autobahn verlassen müssen, um so am schnellsten Weg zur
jugoslawischen Grenze zu kommen.
Wir fuhren weiter und ich legte die Straßenkarte in Schubfach zurück. Dabei fiel mir ein
Geldschein auf, der aus einem Etui raus ragte. Ich nahm das Etui und fand darin 170
Schilling. Mit den Geldscheinen verband ich in der Fantasie sogleich Lebensmitteln, da ich
schon seit Tagen nichts Ordentliches zu Essen hatte und ziemlichen Hunger verspürte.
„Ina…“, duzte ich sie erstmals „…kann ich das Geld haben, um was zum Essen einzukaufen.
Ich habe schon seit Tagen nichts gegessen?“
Sie schaute mich an, „Ja, nehmen Sie es. Haben Sie überhaupt nichts gegessen in den letzten
Tagen?“
„Nur unreifen Maiskolben und drei-vier Konservendosen, die ich in Gartenhäusern gestohlen
habe. Und Wasser trank ich nur aus Bächen. Ich hatte zwar etwas Geld mit, aber das verlor
ich auf der Marsch in der Nacht in den Wälder und fand es nicht wieder“.
Sie schüttelte den Kopf, „Ja, nehmen Sie es ruhig. Sie haben Eingebrochen!“.
„Danke, danke. Ja, in leerstehenden Gartenhäusern. Es ging nicht anders. Ich suchte was zum
Essen sowie trockene und wärmere Kleidung und diverse anderen Utensilien, die man so
alltäglich braucht. Aber ich habe mich bei dem Besitzer entschuldigt. Ich hinterließ ihn ein
Erklärungsschreiben, warum ich aus den Gefängnis ausgebrochen bin, gleichzeitig stellte ich
die Forderung an das Bundesministerium für Justiz, das eine Kommission eingesetzt werden
sollte, die die wahren Praktiken in den Gefängnisse untersuchen sollte. Stand darüber
schon irgendetwas in der Zeitung?“, fragte ich sie.
„Das weiß ich nicht. Ich lese kaum Zeitungen. Dazu habe ich kaum Zeit“
„Wahrscheinlich hat der Besitzer das Schreiben noch nicht gefunden. Wenn ich in Uruguay
bin, rufe ich meine Frau an und lasse Ihnen das Geld überweisen“, sagte ich ihr mehr als
Verlegenheit heraus, als ernst gemeint.
„Nein, das brauchen Sie nicht. Was, Sie sind verheiratet!?“
„Ja. Meine Frau wohnt in Wien und zu ihr kann ich nicht, weil mich die Polizei als erstes bei ihr
vermutet“.
„Ja, aber wie halten Sie Kontakt zu ihr. Haben Sie Kinder mit ihr?“
„Ja, ich habe drei Kinder, aber nicht mit meiner jetzigen Frau, sondern von der Hippiezeit her
in Deutschland“.
„Ja, ich habe auch die Hippiezeit miterlebt. Es waren wunderschöne Zeiten. Da haben wir
ziemlich rebelliert. Und wie geht es ihren Kindern?“.
„Ich habe wenig Kontakt zu Ihnen, aber meinen letzten Informationen nach geht es ihnen sehr
gut. Sie sind ja schon erwachsen. Mehr möchte ich aber nicht darüber sprechen, weil ich es
der Behörden verweigere, um meine Kinder nicht zu kompromittieren“.
„Ja, das verstehe ich. Und weiss ihre Frau davon und folgt sie ihre Frau nach Uruguay?“.
„Wenn ich einmal in Uruguay bin, glaube ich schon. Wir haben zwar noch nicht ernst darüber
gesprochen, aber ich kenne sie. Im Gefängnis kam sie mich regelmäßig besuchen.
Es ist für sie nicht leicht, denn wir müssen Glück haben, das wir uns überhaupt ein Bussi geben
dürfen. Körperkontakt beim Besuch ist strikt verboten“.
„Das ist aber gemein“, sagte sie auffallend spontan und heftig.
Irgendetwas fiel mir dabei auf. Rein Instinktiv, sagte ich mir, mit „gemein“ kann sie nur damit
meinen, dass wir ansonsten nichts miteinander haben dürfen, was ein Ehepaar eigentlich
ausmacht, darunter eben auch Sex. Ich schaute sie unbemerkt von der Seite an. Eigentlich das
erste Mal, dass ich sie so richtig als Frau ansah, sozusagen als das andere Geschlecht. Da
verspürte ich das erste Mal eine sexuelle Regung. Weniger körperlich, da ich mich völlig
gerädert und Müde fühlte, als vielmehr emotional. Die Frau war schön, hatte eine sehr
weibliche Ausstrahlung und eine gute Figur, schoss mir erstmals so richtig durch den Kopf.
Mehr als Neugier, wie sie reagieren würde infolge ihrer vorangegangenen Reaktion als
tatsächlich aus Verlangen, fragte ich sie, „Ina, kann ich dir was fragen“.
„Ja. Bitte!?“
„Ich habe seit über elf Jahren mit keiner Frau geschlafen. Lässt Du mich bitte. Ich verspreche
dir nicht brutal zu sein?“, worauf sie mich überrascht anschaute, genauso schnell aber auch
wieder wegschaute. Ich bemerkte, dass sie überlegte. Dann schaute sie mich an und sagte,
„Na gut, aber nicht im Auto“.
Momentan war ich innerlich perplex. Ich habe mit einen klaren „Nein“ gerechnet.
„Danke“, würgte ich hervor, „…oder sagst Du es aus Angst, das ich dir ansonsten was antue.
Ich bin kein Vergewaltiger. Wenn Du nein sagst, so respektiere ich es. Das verspreche ich dir“.
Sie schaute mich erneut an und sagte, „Aber was wird ihre Frau dazu sagen!“.
Ich fand die Frage total komisch, anstatt mir eine Antwort zu geben, wich sie diese aus und
stellte mir so eine Gegenfrage, antwortete ihr aber spontan: „Meine Frau wird es natürlich
nie erfahren“.
„Mein Mann darf es auch nicht erfahren. Ich habe jetzt schon genug Probleme mit ihm“.
Die nächsten Minuten blieb ich Stumm. Auf einmal wusste ich nicht mehr, was ich noch sagen
sollte, überhaupt was ich mit ihr noch sprechen sollte. Ich war Momentan wegen ihrer
Bejahung zum Sex total verunsichert und überlegte Fieberhaft, ob sie es ernst meinte oder ob
sie mich nur täuschen wollte. Andererseits fand ich die Frau zunehmend schön und anziehend,
merkte ich. Vielleicht, sagte ich mir insgeheim, hat sie für Ganoven was über und sie findet
mich Attraktiv. Ich wurde zunächst überhaupt nicht schlau aus der Situation.
Sie unterbrach dann die Stille, „Wir sind jetzt gleich in Wolfsberg. Im Tank ist nur mehr ganz
wenig Benzin. Ich müsste tanken, sonst kommen wir nicht zur Grenze“.
Wir verließen die Autobahn und fuhren in Wolfsberg ein. Ich schaute mich nach einer
Tankstelle um und fragte sie, „Ina, wie viel Benzin brauchst Du, um nach Hause zurückfahren
zu können?“
„Zirka zehn Liter werde ich schon brauchen“.
Kurz nach verlassen Wolfsberg Richtung Grenze entdeckten wir eine Tankstelle und fuhren
sie an.
„Ina. Alarmiere aber bitte nicht den Tankwart. Tue mir das nicht an. Bleiben wir
im Auto sitzen. Der Tankwart soll es machen.“, bat ich sie.
Sie schaute mich irgendwie Vorwurfsvoll an und erwiderte „Ich habe Ihnen versprochen, Sie
zur Grenze zu fahren und das halte ich ein“, antwortete sie mir fast forsch.
Da ich nicht wusste, ob sie weiteres Geld mithatte, gab ich ihr 100 Schilling vom Geld, das sie
mir zuvor gegeben hatte und sagte zu ihr, das sie gleich um 100 Schilling tanken sollte, damit
sie auch genug Benzin zum zurückfahren hätte, was sie auch tat.
Nach dem Tanken fuhren wir dann weiter über St. Andrä bis St. Paul. Bei St. Paul entdeckte
ich einen Tafelhinweis „Zollgrenzgebiet“, sodass wir von der Straße in einen schmalen
Bauernweg einbogen, da ich wegen der Zollgrenzbeamten nicht unmittelbar an der Grenze
fahren wollte. Unserer Schätzung nach auf ihrer Straßenkarte, waren wir nur mehr zwei-drei
Kilometern von der Grenze entfernt. Im nu glaubte ich eine Lösung gefunden zu haben.
„Ina. Ich finde es am besten, wenn Du mich bis zur Grenze begleitest. Und sobald ich die
Grenze überquert habe, kannst Du zum Auto zurückgehen und zur Polizei oder nach Hause
fahren. So brauche ich dich nicht gefesselt zurückzulassen. Sobald ich über die Grenze bin
habe ich dann, bis Du wieder beim Auto bist, mehr als genug Vorsprung. Denn bis die Polizei
erfährt, was passiert ist und die jugoslawische Polizei alarmiert ist, habe ich mehr als ein paar
Stunden Vorsprung und bin dann schon über alle Berge“.
Sie überlegte kurz: „Ja, gut. Aber über die Grenze gehe ich nicht mit“.
„Natürlich nicht“, versicherte ich ihr, „kannst mir bitte die Straßenkarte geben, damit ich
mich unterwegs orientieren kann?“.
„Ja, nehmen Sie es. Ich habe zu Hause noch welche liegen“.
Sie nahm ein paar Sachen aus dem Schubfach und versperrte das Auto, setzte sich
Sonnenbrillen auf und wir machten uns auf den Weg.
„Merke dir aber den Weg, damit du auch zum Wagen zurückfindest“, machte ich sie noch
darauf aufmerksam.
„Ja, wir sind da kurz vor St. Paul. Das ist leicht zu merken“.
Wir schauten auf der Straßenkarte schnell nochmals nach, um den kürzesten Weg zur
Grenze zu finden. Entlang der Straße zu gehen verwarf ich wegen der Zollgrenzbeamten.
Dabei fanden wir heraus, dass der kürzeste Weg über die auf der Straßenkarte
aufgezeichneten Waldwege wäre. So dachten wir, konnten wir in gerader Linie am
schnellsten und direkt zur Staatsgrenze gelangen, zumal ich die Grenze wegen der
Zollgrenzbeamten ohnehin nicht direkt über die Straße passieren durfte.
Wir machten uns wieder auf den weg. Es war erst gegen zwei Uhr Nachmittag. Wir dachten
in etwa in eine, maximal in zwei Stunden bei der Grenze zu sein.
Ich sagte noch zu ihr, „Ina, beeilen brauchen wir uns nicht. Denn bei totalem Tageslicht kann
ich die Grenze wegen der Zollbeamten kaum passieren. Die Zollgrenzbeamten beobachten
die Grenze sehr wahrscheinlich mit Ferngläser und gelegentlich auch durch Patrouillen“.
„Ja, das ist möglich“, bestätigte sie.
„Ich werde jedenfalls die Abenddämmerung abwarten müssen. Aber sobald wir in
unmittelbarer Nähe sind, brauchen wir nur das anbrechen der Abenddämmerung
abzuwarten, dann kannst Du zum Auto zurück und bis Du beim Auto angekommen bist, da
bin ich sicher schon über die Grenze“.
Wir drangen in ein lichtes Wald und marschierten nur los Richtung Grenze. Plötzlich hüpfte
sie spielerisch herum und sagte voller Begeisterung, „Stellen Sie sich vor, stellen Sie sich
vor. Als kleines Kind träumte ich von Räuber- und Gendarmspiele und jetzt bin ich selber
mittendrinnen“.
Ich traute nicht meinen Augen. Ich konnte es nicht fassen. Was ist das für eine Frau, schoss
mir durch den Kopf. Gleichzeitig spürte ich eine Riesenfreude, dass sie offenbar überhaupt
keine Angst mehr hatte und dass sie die Sache offensichtlich nur mehr als Abenteuer sah.
Sie ging kurz vor mir. Manchmal bückte sie sich und riss spielerisch ein Grashalm oder ein grüner
Zweig vom Boden auf. Dabei fiel mein Blick öfters auf ihr Gesäß. Sie hatte enganliegenden Jeans
an. Ihre schön geformten Rundungen, die sich mit ihren Schritte ästhetisch hin und her
bewegten, ließen mir Momentan die Luft anhalten. Ich spürte die Erregung in mir aufsteigen.
Plötzlich war ein verlangen in mir da, trotz aller Müdigkeit, wie ich zuvor kaum erlebte. Fast außer
Atem vor glühender Erregung, sagte ich zu ihr „Ina, machen wir eine Pause“ und setzte mich
sofort am Boden neben einen dicken Baum, mehr um meine Erregung aus Scham zu verbergen.
Sie setzte sich neben mich hin, beugte sich nach hinten und stützte sich mit den Ellenbogen
kokett auf den Boden. Aus einer Seite ihrer Bluse ragte ihre Brust halb heraus. Wie unter Zwang,
blieb mein Blick dort haften. Sie bemerkte es. Spontan griff ich nach ihrer Brust und als meine
Hand sie umfasste, spürte ich eine Hitze, als wenn ich in ein offenes Feuer gegriffen hätte.
„Mein Gott, was bist Du für eine schöne Frau“, sprudelte aus mir heraus. Sie sagte kein Wort und
ließ sich ganz auf den Rücken fallen. Ich sah, wie sich ihre Augen schlossen und wie sich ihre
Wangen röteten. Meine Hand streichelte ihre Brüste, glitt langsam und sanft über ihren Bauch
bis zum Schoß. Ihr Jean war eng, sodass ich ihre Wölbung deutlich spüren konnte.
Ich strichelte und drückte verlangend dagegen. Mein Atem wurde schwerer. Sie stöhnte.
Ungeschickt versuchte ich ihr Jean zu öffnen. Wortlos half sie mir und zog sich nackt aus.
Genauso Wortlos ließ sie sich dann wieder auf den Rücken zurückfallen. Mein Blick glitt über
ihren wunderschönen Körper, während ich mich gleichzeitig selbst nackt auszog.
Behutsam beugte ich mich über sie und wollte Sie küssen.
„Nein, bitte nicht. Sein Sie nicht böse, aber Sie haben einen schlechten Mundgeruch“.
„Oh, entschuldige. Ich habe nicht daran gedacht“, irgendwie war ich Momentan Ratlos und
verlor fast die Lust, aber es genügte nur ein Blick auf ihre nackten Brüste, um wieder heiß zu
werden.
Ich küsste und liebkoste ihre Brüste, immer tiefer entlang ihres Bauches bis zu ihren schoss. Der
Duft ihres Schoßes elektrisierte und erotisierte mich. Ich küsste ihre Wölbung. Wie aus der Ferne
hörte ich mir sagen, „Oh, Ina, bist Du schön und süß“.
Sanft und entlang ihren Körper küssend beugte ich mich dann über sie, stemmte mich auf die
Hände auf und drängte meine Erregung in ihren Schoss, begleitet von atemlosen stöhnen. Sie
Krallte ihre Finger an meine Oberarme. Ich stieß vor schmerzlicher Lust immer heftiger zu. Ein
bisher unbekannter feuriger Drang durchströmte allen fasern meines Körpers. Ich spürte ein
Verlangen und Leidenschaft, wie ich zuvor nie erlebt hatte. Ihr Schoss war heiß wie Feuer und
umfasste mich verlangend und fast Schmerzhaft. Alles war im nu vergessen. Trotz aller
körperlichen Strapazen der letzten tagen, war ich im nu voller Kraft.
Ich sah und spürte nur mehr die herrliche Frau unter mir, ihre Hingabe, ihren vor Schmerzenslust
verzerrtes, aber wunderschönes Gesicht. Unser stöhnen wurden immer lauter und mündeten mit der
Erfüllung in Schmerzenslaute. Als wir voneinander ließen, vergingen Minuten bis sich unser Atem
wieder beruhigte.
Als ich wieder halbwegs zu Atem kam, nahm ich sie bei der Hand, schaute sie an und flüsterte ihr,
„Oh, mein Gott. So schön habe ich es noch nie erlebt. Du bist eine Göttin der Liebe“. Sie lächelte mich
nur an und ließ sich wieder zurückfallen.
Ich legte meinen Kopf an ihren nackten Bauch und schwebte in Gefühle, wie ich sie nie zuvor
erlebte. Ich spürte keine Müdigkeit mehr, nur die Wärme ihres nach Atemholen zuckenden
Bauches und eine Erfüllung, als wäre ich im Paradies. Ich ruhte mich aus und spürte zunehmend
wieder Erregung in mir steigen. Ich drehte mich um und küsste ihre Brüste, ihren Bauch und ihren
Schoss. Meine Zunge drang in ihre Scheide und ich ließ es immer unruhiger und drängender in
ihr gleiten. Sie stöhnte und spreizte ihre Beine auseinander, so dass ich tiefer in ihr eindringen
konnte. Ihr Schoss war wie ein kraftvoller Magnet, der mich wehrlos einsog, immer tiefer. Ich
fasste keine Gedanken mehr. Ich war in eine andere Welt. In eine Welt einzig der Leidenschaft
und der Begierde. Sie glühte wie ein loderndes Feuer. Ihr Becken zuckte und drängte.
Es war der Himmel und die Hölle gleichzeitig. Der Duft ihres Schoßes war die Herrlichkeit. Nach
einer Ewigkeit der Liebkosung in ihren heißt und verlangenden Schoss, beugte ich mich über sie,
stemmte meine Hände auf den Boden und drang wieder in ihr ein.
Diesmal langsam, nach links und rechts stoßend, so als wenn ich sie ganz öffnen wollte, als wenn
ich jeden Augenblick und Millimeter ihrer Scheide erforschen und genießen wollte.
Ihre Wangen und ihre Brustwarzen stachen glühendrot hervor, fast bedrohlich, gleichzeitig
schön und erotisierend. Die Augen hielt sie immer geschlossen. Ihr Mund verkrampfte sich.
Unser Atem wurde schneller und unser keuchen immer lauter. Sie fasste meine Erregung fester
zu, umklammerte sie und passte sich dem auf und ab meiner Stöße an. Allmählich wurden wir
heftiger, in harmonischen Rhythmus stießen wir aufeinander zu, immer schneller, immer
ungeduldiger und fordernder und heftiger. Unser keuchendes Stöhnen wechselte erneut in
qualvollem Schmerzenslaute. Ein langgezogener Lustschrei „Aaaaaaaaaaaah“ ihrerseits ließ
mich im nu in sie ergießen, gleichzeitig öffnete sich vor meinen Augen der Himmel auf. Ich
tauchte in ein rosa-cremiges Licht der herrlichen Wärme und Befreiung. Es strahlte alles um mich,
wie ein göttliches Licht. Ich ließ mich außer Atem auf die Seite fallen, drängte mich gleichzeitig
an ihren heißen Körper und legte meinen Arm um sie. Eng gedrängt an ihr, wünschte ich mir kein
erwachen mehr aus dieser Schönheit der Leidenschaft.
„Hat es Ihnen gut gefallen“, unterbrach sie dann die Stille.
„Es war unglaublich schön, Ina. Ich finde kaum Worte, um es dir zu sagen. So schön, wie mit dir
habe ich es noch nie erlebt. Ich bin wirklich fassungslos. Und wie hat es dir gefallen?“
„So wie Sie. Unglaublich schön“.
„Danke, Ina. Das von dir zu hören macht mich sehr glücklich“.
Nach Minuten der Ewigkeit neben ihr, standen wir wieder auf und zogen uns wieder an. Ich
gab ihr ein frisches Handtuch aus dem Rucksack und drehte mich dezent um.
Wir gingen dann weiter. Heimlich beobachtete ich sie. Sie wirkte plötzlich jünger, schöner,
fröhlicher. Auf ihr Gesicht lag nun ein leises Lächeln der Zufriedenheit.
„Ina. Ich danke dir. Was Du mir geschenkt hast werde ich nie vergessen. Es war so schön, dass
ich keine Worte finde. So bezaubernd schön habe ich es noch nie erlebt. Davon habe ich nicht
einmal geträumt. Du hast mir eine Welt gezeigt und geöffnet, die unbeschreiblich schön ist“. Sie
schaute mich nur an und lächelte strahlend. Ich sah, dass sie glücklich war.
Ich dachte nach. Nein, es war nicht liebe zwischen uns. Dazu kannten wir uns viel zu wenig und
zu kurz. Es war etwas ganz anderes. Ich erinnerte mich, wie sie zuvor herumsprang und
begeistert äußerte, „Stellen Sie sich vor!, Stellen Sie sich vor! Als kleines Kind träumte ich von
Räuber und Gendarmspiele und jetzt bin ich selber mittendrinnen“.
Im nu glaubte ich es zu wissen: Faszination und Spannung, begleitet von Abenteuerlust und
Bewunderung, von schlummernden und unterdrückten Bedürfnisse und Zuneigung, die in der
geistigen und körperlichen Erotik explodierte.
Ich schaute sie noch einmal an und dachte mir, das diese frau offenbar froh war, ihr Alltag ein
wenig entkommen zu sein. Und jetzt packt sie die Gelegenheit voll beim Schopf. Mir überkam
eine unglaubliche Bewunderung für ihren Mut.
Scheinbar spielerisch und mit kokettem Gang, ging sie nunmehr neben mir her. Wir stießen
auf einen asphaltierten Waldweg und marschierten diesen entlang, vermeintlich Richtung
Grenze, wie wir glaubten.
Sie war nun völlig aufgelöst und glücklich. Es war eine Wonne sie anzusehen. Eine Pracht der
Natur, dachte ich mir, wie ich es zuvor nie erlebt habe.
„Weißt Du, Ina. Du hast mich ganz schön fertig gemacht. Ich kriege jetzt noch schwer Luft.“,
sagte ich ihr lächelnd.
Sie lachte auf. „Ja, es war so schön. Ich habe es auch noch nie so erlebt. Mit meinen Mann habe
ich schon seit beinahe eineinhalb Jahren nicht mehr geschlafen “.
„Nein! Ein Wahnsinn! Das kann ich mir nicht vorstellen. Wie ist das möglich!?“,erwiderte ich ihr
ehrlich erstaunt.
„Das weiß ich auch nicht. Er verlor plötzlich die Lust. Ich habe gleich den Verdacht gehabt, dass er
eine andere gefunden hat. Ich vermute sogar eine Sekretärin, aber ich kann ihn schlecht bei der
Regierungsarbeit kontrollieren. Wären nicht die Kinder, so hätte ich mich schon scheiden lassen“.
„Das hast Du nicht verdient. Du bist eine wunderschöne Frau voller Glut. Ein Mann kann nur
davon träumen, so eine Frau zu finden und heiraten zu können…“
„Jetzt übertreiben Sie!“
„Nein, Ina. Warum soll ich übertreiben! Ich kenne dich erst ein paar Stunden. Ich war gemein
zu dir und trotzdem hast Du mir etwas Geschenk, was ich mein Leben lang nie vergessen
werde. Du bist wunderschön und hast das Herz einer Löwin. Wenn ich dein Mann wäre, dann
würde ich dich jeden Tag von neuen erobern wollen. Keine Nacht könnte ich dich vermissen“.
„Sind Sie immer so Charmant!“
„Nein. Nicht einmal zu meiner Frau. Ich bin zwar lieb zu ihr, aber nicht Charmant. Bei dir ist es
aber ganz anders“.
„Und wie ist ihre Frau?“
„Sie ist wunderbar und ich liebe sie sehr. Aber jetzt, nach dem ich mit dir so schönes erlebt
habe, scheint sie mir nun weit weg. Sie und Du ist unvergleichlich und Welten voneinander
entfernt. Du hast mir die schönere Welt gezeigt“.
„Wo haben Sie gelernt, sich so schön auszudrücken?“
„Aufgrund meiner Protestaktionen und der Aufwiegelei von Mithäftlingen musste ich
zeitweise über Jahre in Isolationshaft sitzen. Da habe ich mich durch die Anstaltsbibliotheken
durchgelesen und offenbar viel dabei gelernt“.
„Waren Sie da immer ganz allein?“
„Ja und Nein. Es durften manchmal Häftlinge zu mir, aber nur von der Justizwache
ausgesuchte. Das heißt, zumeist nur Intriganten und Denunzianten, um mich
auszuspionieren, was ich als nächstes planen würde und so, so dass ich auf solchen Kontakte
freiwillig verzichtete oder so damit umging, das sie mir nicht schaden konnten“.
„Leicht haben Sie es nicht gehabt!“
„Da hast Du recht, aber ich bin davon überzeugt, das richtige zu tun. Ich war ein Heimkind
und war auch in Jugendgefängnisse, was ich dir schon sagte. Was da abgeht, kann sich kein
normaler Mensch vorstellen. Ich habe mir einen Lebenssinn gegeben, geprägt von meiner
eigenen Erfahrung, nunmehr aufzuzeigen und nicht immer runterzuschlucken und zu
Schweigen. Wenn man schweigt, dann wird es nur Schlimmer. Der Staat hat das recht uns
einzusperren. Das ist keine Frage. Aber es gibt Gesetze und danach muss sich auch der Staat
halten. Sie hat nicht das Recht uns Gefangene wie Tiere, besser gesagt ärger als Tiere zu
behandeln“.
„Da gebe ich Ihnen recht. Aber mit der Protestaktion auf den Kirchendach haben Sie ganz
schön aufgewirbelt! Ich kann mich erinnern, dass danach sehr viele negative Berichte über
den Strafvollzug erschienen sind. Hat Ihnen das nicht genügt?“.
„Ja, da hast Du recht. Es war schlechthin der Beginn der Berichterstattung über den
Strafvollzug in Österreich, denn bis dahin war es nur ein Tabuthema. Aber mittlerweile hat
die Justizwache das ausgeschlafen und nun wird es wieder zunehmend menschenverachtender und brutaler in dem Gefängnisse. Deswegen ist es notwendig, das man
regelmäßig darauf aufmerksam macht…“
„Ach, schauen Sie. Dort ist ein Haus“, unterbrach Sie mich“.
Wir näherten uns offenbar einen auf den asphaltierten Waldweg angrenzenden Bauernhof.
Eine Frau und ein Mann standen im Hof.
„Fragen wir sie um ein Glas kühles Wasser, Ina. Denn das Wasser, das ich noch
in der Flasche habe ist schon lauwarm und schmeckt komisch“.
„Ja, fragen wir sie. Mittlerweile habe ich auch schon Durst bekommen“.
Am Bauernhaus angekommen, grüßten wir freundlich und baten um ein Glas Wasser, was
uns freundlich gewehrt wurde. Ebenso freundlich bedankten und verabschiedeten wir uns.
„Die glauben sicher, dass wir ein Paar sind“, scherzte ich.
„Ja, das glaube ich auch“, erwiderte sie und lächelte.
„Du bist jetzt viel schöner, Ina“, machte ich ihr ein Kompliment.
„Ich fühle mich jetzt auch sehr wohl. Neben einen starken Mann und Rebell“.
„Oh, danke für das Retourkompliment. Du bist ein bewunderungswerte Frau“.
Mittlerweile war es schon gegen fünf Uhr Nachmittag geworden. Wir schauten auf der
Straßenkarte nach. Wir schätzten in zirka eine Stunde an der Grenze anzukommen und
marschierten weiter.
„Ina, aber so kann es nicht weiter gehen mit deinen Mann. Untern selben Dach
aneinander vorbeileben, muss ein Horror sein“, sprach ich sie auf ihre Familie
wieder an. Es ging mir nicht aus dem Kopf, wie Dumm ihr Mann sein muss.
„Ja, so ist es auch. Wir haben aber fünf Kinder. Schon allein wegen die Kinder kann ich mich
nicht scheiden lassen“.
„Also, das ist schon ein Wahnsinn. Und was sagen die Kinder dazu?“
„Ah, die Kinder merken nichts davon. Wir spielen ihnen eine Harmonie vor. Es wäre
fürchterlich, wenn auch die Kinder darunter leiden würden“.
„Ja, natürlich. Da hast Du recht. Andererseits bleibst aber Du über. Ich mache
dir einen Vorschlag…“
„Vorschlag! Was für ein Vorschlag?“
„Heirate mich“
Sie lachte lautstark auf.
„Wenn Du lachst, dann bist Du viel schöner. “
„Sie sind aber einer!“
„Ich mache aus dir eine Ganovenbraut und wir ziehen durchs Land, wie Bonnie und Clyde“.
Sie lachte wieder auf. „Als Kind habe ich immer gerne Märchen- und Abenteuerromane
gelesen. Manchmal träumte ich sogar mit dabei zu sein. Oft fürchtete ich mich zu Tode,
gleichzeitig war ich aber auch immer fasziniert“.
„Ja, jetzt bist Du sogar mittendrin mit einen, der gemein zu dir war“
„Ja, anfangs hatte ich wirklich fürchterliche Angst, dass Sie mich sogar töten wollen. Sie
waren dann aber sehr nett zu mir. Ich habe mitbekommen, wie Sie sich bemüht haben mir
die Angst zu nehmen und da wusste ich, das Sie Anfangs nicht anders vorgehen konnten
und das Sie im Grunde kein schlechter Mensch sind, denn ein gemeiner Bandit hätte keine
Rücksicht genommen“.
„Ich danke dir, Ina, dass Du mich so siehst. Es ist so, wie Du es siehst. Es tut mir wirklich
wahnsinnig leid, dir das angetan zu haben, Gib mir die Hand!“.
Sie schaute mich überrascht an.
Ich nahm ihre Hand, „Ich muss dich spüren. Es ist schön dich zu berühren“. Hand in Hand
gingen wir nun schweigend weiter.
Kurz darauf bog der Weg auf den wir gingen in eine der Staatsgrenze entgegengesetzte
Richtung. Momentan wussten wir nicht, was wir tun sollten. Gingen wir den Weg weiter
entlang, würden wir uns von der Grenze entfernen. So beschlossen wir den Weg zu
verlassen und uns durch die Weglosen Waldlichtungen weiter Richtung Grenze zu
bewegen.
Der lichte Wald war voller Unebenheiten und schwierig zu begehen, weil es viele Löcher
gab und gelegentlich steil auf und ab ging. Nach einer Stunde schauten wir uns um, ob die
Grenze schon zu sehen ist. Wir hatten beide aber keine Ahnung, wie die Grenze aussehen
könnte oder ob diese durch Markierungen zu erkennen sein würde.
Wir marschierten weiter los. Nach ungefähr eine halbe Stunde, kamen wir bei einen
kleinen Bach an. Ich fühlte meine Plastikflasche mit frischem Wasser.
„Schauen Sie bitte ein wenig weg. Ich möchte mich ein bisschen waschen“, bat sie mich.
„Ja, natürlich. Aber warte ein Moment. Ich habe im Rucksack auch Seife und noch ein
frisches Handtuch“.
„Ja, das ist gut“.
„Willst auch eine Unterhose und Leibchen. Die habe ich in Gartenhäuser gestohlen. Sie sind
rein“.
Sie lachte. „Gut, geben Sie mir eine Unterhose. Jetzt bin ich eine Diebin!“
Ich reichte ihr die Sachen und entfernte mich außer Sichtweite. Ich wusste es nicht, aber ich
fühlte mich sicher, dass Sie nicht wegrennen würde.
Ich streckte mich hin, schlüpfte aus meinem Sportschuhe und versuchte mich etwas
auszuruhen. Plötzlich sah ich vor meinen geistigen Aug einen Schwarzen Ritter im schnellen
Galopp über das Feld, der im Sattel eine entführte Dame mitschleppte. Ich konnte es nicht
fassen, aber das Gesicht des Ritters war die meine. Unglaublich, sagte ich mir, das ist mir
passiert! Was für ein Märchen! Jetzt verloren wir uns auch in Leidenschaft. Gott, wie ist das
möglich! Ich war Fassungslos.
Als sie fertig war, kam sie barfuß zurück. Die Turnschuhe trug sie in der Hand. Ich schaute sie
fragend an.
„Ja, mir tun die Füße ein bisschen weh“
„Setzt dich hin“, forderte ich sie auf. Als sie es tat, nahm ich ihren beiden Füßen auf meinen
Schoss und massierte sie behutsam.
„Ach, tut das gut“, stöhnte sie erleichtert auf.
Sie schaute auf meine Füße und sagte erschreckt, „Ihre Füße sind stark entzündet“.
„Ja, ich weiß. Ich bin seit einer Woche unterwegs, teils mit nassen Turnschuhen. Das brennt
und tut ganz schön weh. Ich gehe mich jetzt auch waschen. Hilfst mir und wäscht mir bitte
den Rücken?“
Ich zog mich nackt aus und während ich mir die Füße und Vorderkörper wusch, wusch sie
mir den Rücken. Dabei empfand ich ihre Berührung so erotisch, dass ich wieder eine Erektion
bekam.
Sie lachte, „Sie können nicht genug bekommen“.
„Du bist schuld, weil Du so schön bist“. Ich packte sie bei der Hand und führte sie zu meiner
Erregung. „Fass mich an. Ich liebe das“, forderte ich sie auf.
Sie fasste mich an und wurde Blutrot, während ich ihr Gesäß streichelte.
„Nein, nicht jetzt. Da kann jemand kommen. Wir müssen weiter“.
Im Rucksack hatte ich noch zwei Konservendosen, aber kein Brot. Ich bot ihr eine Dose an,
aber sie wollte nicht.
Wir rasteten noch ein paar Minuten und marschierten dann durch den Wald weiter.
Mittlerweile war es beinahe schon neunzehn Uhr. Am Himmel machte sich allmählich schon
die Abenddämmerung breit.
„Wir müssten eigentlich schon unmittelbar da sein, Ina. Wir müssen jetzt leise sein, denn es
gibt vielleicht Zollgrenz-Patrouillen und die könnten uns hören“, sagte ich zu ihr.
„Ich weiß nicht. Ich sehe aber nichts. Vielleicht sind wir schon in Jugoslawien“,
bemerkte sie.
„Nein, Ina, das kann ich mir nicht vorstellen. Da hätten wir schon was bemerken müssen
durch irgendwelchen Markierungen oder Hinweistafeln“.
Langsam, fast schleichend bewegten wir uns durch den Wald Hügelauf weiter
fort. Im glauben, dass wir schon unmittelbar an der Grenze wären.
Als wir eine größere Lichtung erreichten, merkten wir die Spitze des Waldhügels erreicht zu
haben und konnten weit um uns herum sehen. Das Panorama, die sich uns bot konnte nicht
schöner und bezaubernder sein. Man sah in der Ferne durch das rosarote Licht des
Sonnenuntergangs die Silhouetten von Hügeln und Bergmassiven, die Karawanken.
Gleichzeitig besorgte uns, das wir plötzlich gar nicht mehr wussten, wo es lang ging,
insbesondere wo die Staatsgrenze war. In der Ferne sahen wir nur eine befahrene
Landstraße sowie ein paar beleuchteten Häuser, offenbar ein Ort.
Wir schauten nochmals auf der Straßenkarte nach, wurden aber nicht schlauer. Es blieb uns
nichts anderes übrig als nun bergab zu gehen. Das taten wir auch. Bergab zu gehen taten
wir uns sichtlich leichter und schneller. Nach zirka eine halbe Stunde, mittlerweile wurde es
immer dunkler, schnitt vor uns eine Landstraße den Wald. Wir gingen geradezu drauflos
und überquerten es. Anhand der Autotafeln vorbeifahrender PKWs konnten wir, entgegen
ihrer Befürchtung erkennen noch in Österreich zu sein. Wir näherten uns einen bewohnten
Ort. Auf eine der Ortstafel lasen wir Sankt Martin, wobei es auch nur eine Hinweistafel "nach“
Sankt Martin gewesen sein konnte, da es schon dunkelte und nicht genau zu erkennen war.
Gleich eingangs des Ortes, auf ca. 50 Meter Entfernung, glaubte ich eine Telefonkabine zu
erkennen. Spontan sagte ich zu ihr, „Ina, willst Zuhause anrufen. Dein Mann und die
Kinder werden sich schon sorgen machen!“
„Nein, das sage ich ihnen persönlich, wenn ich Zuhause bin“.
„Na gut, wie Du meinst. Aber durch den Ort gehe ich nicht. Wir könnten von der Gendarmerie
kontrolliert werden. In so einem kleinen Orte und zu so einer Zeit ist es oft üblich so. Das weiß
ich von der Entweichungen aus dem Heime“.
„Ja, gut, aber was machen wir jetzt!“
„Zuvor habe ich eine Bahngleise Richtung Grenze gesehen. Schauen wir nochmals auf der
Straßenkarte nach“, antwortete ich ihr.
Mittlerweile war es fast dunkel geworden. Ich hatte ein Feuerzeug mit, sodass wir halbwegs
nachsehen konnten. Tatsächlich entdeckten wir auf der Karte eine Bahngleise, die direkt zur
Grenze führte.
„Wenn wir diese entlanggehen, können wir die Grenze nicht mehr verpassen und müssten
eigentlich dann bald da sein. Für dich ist es aber dann zu dunkel“, gab ich ihr zu verstehen.
„Ach, machen Sie sich um mich keine sorgen. Entgegen zu ihnen, kann ich dann bei jedem
Haus anklopfen oder jede Person ansprechen. Schauen Sie auf sich, dass sie über die Grenze
kommen“. Ihre Stimme klang plötzlich streng und etwas ärgerlich. Ich war überrascht.
„Es tut mir leid, Ina. Ich habe noch nie zuvor eine Staatsgrenze schwarz überschritten.
Dumm, aber da kenne ich mich leider wenig aus…“, versuchte ich mich zu entschuldigen,
„…Wenn Du willst, dann kannst Du da bleiben und geht’s dann ins Dorf, aber dann habe ich
kaum eine Chance, denn bei Dunkelheit komme ich nicht weit weg“.
„Ich habe Ihnen versprochen, dass ich Sie zur Grenze fahre und jetzt begleite ich Sie bis
dorthin. Ich denke nur, was ich dann meinen Mann sagen sollte“, sorgte sie sich.
„Du brauchst ja nur zu sagen, dass Du in dieser Situation keine Chance hattest, weil der Täter
bewaffnet war und dich ständig bedrohte“, versuchte ich sie zu beruhigen.
Wir erreichten die Bahngleise und marschierten entlang. Mir brannten die Füße wie Feuer,
jedenfalls war es aber viel Angenehmer auf den Bahngleisen zu marschieren, als durch
holprigen Felder und Wälder. Wir kamen jetzt schneller voran.
Nach zirka eine halbe Stunde marsch standen wir plötzlich vor einer Bahntunnel. Links und
rechts ging es nur Bergauf. Es blieb uns nichts anderes übrig, als durch den Tunnel zu gehen.
Wir drangen in den Stockdunkel Tunnel hinein. Ich machte Licht mit dem Feuerzeug, aber es
war nur die Gleise schemenhaft zu erkennen.
„Ich habe fürchterliche Angst“, sagte sie plötzlich mit zittriger Stimme.
„Gib mir die Hand. Ina! Brauchst keine Angst zu haben. Wenn ein Zug kommt, legen wir uns
hin und drücken uns am Boden gegen die Tunnelmauer, so kann nichts passieren“, beruhigte
und tröstete sie.
Hand in Hand gingen wir weiter. Der Tunnel schien endlos zu sein. Es war Stockdunkel und
wir tatsteten uns Schritt auf Schritt voran. Dann endlich sahen wir das Tunnelende durch das
Nachtlicht des Mondes und Sterne.
Als wir die Bahntunnel verließen, merkten wir, dass die Gleisen durch den Wald schnitten. Da
wir befürchteten, dass jeden Moment ein Zug daherkommen könnte, drangen wir in den
Wald. Im Wald wiederum war es Stockdunkel und undenkbar weiterzugehen. Wir gingen
wieder zur Bahngleis zurück und tappten uns nebenan weiter vorwärts. Dann endlich lichtete
sich der Wald etwas auf, sodass wir weiter weg von den Gleisen gehen konnten. Der Boden
war aber nass und löchrig und holprig, so dass wir öfters stolperten. Zwei-dreimal fiel sie hin,
schrie leicht auf, meinte aber sich nicht verletzt zu haben.
Dann sahen wir ein, das bei dieser Dunkelheit an weiterzugehen nicht zu denken war. Im
Wald suchten wir uns eine trockene Stelle aus, indem wir mit der Hand am Boden tasteten.
Ich legte ein paar Bekleidungsstücke auf den Boden hin und sie streckte sich hin. Zuvor hatte
ich ihr ein Pullover gegeben, da sie nur mit der Bluse unterwegs war. Ich legte über sie meine
Sportjacke, die ich in Gartenhäuser gestohlen hatte
„Und wo legen Sie sich hin?“
„Ach, nicht so wichtig. Ich lege meinen Kopf auf deinen Bauch, so ist mir auch dann warm“.
Ich legte mich hin, gleichzeitig fragte sie mir besorgt, „Was soll ich meinen Mann sagen“.
„Sag ihn die Wahrheit, dass Du von einem Verbrecher entführt worden bist und keine Chance
hattest zu fliehen. Was sollst ansonsten sagen!“, betonte ich ihr.
„Das ist aber nicht wahr. Ich hätte schon fliehen können. Allein schon wie ich mich
gewaschen habe, weil sie weit weg waren“.
„Das darfst Du nicht sagen. Ich wäre dir nachgerannt. Du hättest keine Chance gehabt.
Mach dir keine Sorgen“.
„Nein, das stimmt nicht. Ich weiß, dass Sie kaum rennen können. Am wenigsten im Wald.
Ihre Füße sind Wund und Sie hätten mich nicht lange verfolgen können. Ich bin es gewohnt
am Feld zu arbeiten und habe eine gute Kondition“.
„Ina, was machst Du dir da für Gedanken. Du konntest einfach nicht fliehen, weil Du Angst
hattest. Über anderes darfst Du dir überhaupt keine Gedanken machen“, sagte ich mit
gehobener stimme.
„Nein, ich habe keine Angst mehr vor Ihnen. Ich weiß jetzt, dass Sie mir nichts mehr antun
wollen. Ich habe nur Angst, was ich meinen Mann sagen sollte“.
Sie machte mich nervös, weil ich wusste, dass sie recht hatte. Sie hätte schon mehrmals
flüchten können, wenn sie nur gewollt hätte. Sie machte sich berechtigte Sorgen.
„Ina, bitte. Es ist ganz einfach. Du sagst deinen Mann, so wie es war. Ich habe dich entführt
und Du hattest keine Chance. So einfach ist es. Warum zerbrichst Du dir den Kopf“, sagte ich
ärgerlich.
„Ja, Sie haben recht“, sagte sie nicht ganz überzeugend.
Ich legte meine Hand zwischen ihren Schoss und streichelte sie.
„Nein, bitte nicht. Ich will nicht jetzt“.
Ich streichelte sie weiter. Ich wollte sie eigentlich von ihren sorgen ablenken, aber als ich ihre
Wölbung spürte, wurde meine Erregung immer heißer.
„Nein, bitte nicht. Ich habe fünf Kinder“.
Ich wusste, dass es nur eine Ausrede war, denn vorher hatte sie sich auch nicht darum
gekümmert fünf Kinder zu haben.
„Nimmst Du die Pille?“, fragte ich sie und wurde mir gleichzeitig bewusst, dass wir zuvor auf
das gar nicht gedacht hatten.
„Ja, ich nehme die Pille. Trotzdem“.
„Ich will dich nur Küssen. Dich nur mit meinen Lippen berühren. Ich habe so einen verrückten
verlangen danach“, öffnete dabei ihr Jean und zog es sanft herrunter.
Ich küsste ihre Schamhaare und streichelte es mit den Lippen. Ich drängte meinen Kopf
zwischen ihren Schenkeln, küsste und liebkoste ihre Schamlippen. Es war ein bezaubernder
Duft. Dann merkte ich, wie sie sich ihren Schenkeln entkrampftete und wie sie sich langsam
öffnete. Ich liebkostete sie fast gierig, so als wenn ich mich in sie verkriechen wollte. Als ihre
Schamlippen anschwollen und ich spürte, dass sie immer heißer wurde, legte ich mich auf sie
und drang in ihr ein. Ich fasste sie fast brutal bei den Brüsten, so dass sie vor Schmerzen
aufschrie, gleichzeitig legte ich meinen Kopf an ihren Hals und biss sie sanft. Plötzlich spürte
ich ihre Hände auf meinen Rücken und wie sich ihren Finger in meinen Rücken schmerzlich
gruben. Ihr Schoss zuckte auf und ab. Ihre Scheide presste sich um meine Erregung. Wir
fanden den Rhythmus und stießen aufeinander zu. Es klatschte, als wenn man schnell
hintereinander mit einem nassen Tuch gegen das Wasser schlug. Ihr keuchen und jaulen,
unmittelbar an meinem Ohr brachte mich fast, nein bis zur Raserei.
Wissend, ganz allein mitten im dunklen Wald zu sein, schrien wir ungehemmt laut auf, als
wir die Erfüllung und Erlösung spürten. Ich blieb Minutenlang auf ihr liegend. Unsere Schöße
zuckten weiter fort, so als wenn wir gleichzeitig einen epileptischen Anfall hätten.
Als wir uns langsam beruhigten, legte ich mich auf die Seite, umarmte sie und vergrub
meinen Kopf zwischen ihren heißen Brüsten. Ich spürte und hörte ihren Herzschlag, wie das
rattern einer dumpfen Maschinenpistole.
„Schauen Sie…“, unterbrach sie die Stille zwischen uns, „…Sehen Sie da oben die
Sterne, sie glitzern so schön, Heute ist ein wunderschöner freier Himmel“.
Ich schaute auf. Zwischen den Bäumen waren der Nachthimmel und das Leuchten der Sterne
klar und wunderschön zu sehen.
„Ja, es ist wunderschön. Schau hin…“, ich deutete mit der Hand nach oben, nicht denkend,
ob sie es in der Dunkelheit sehen konnte, „…Siehst Du die große, die ganz stark leuchtet und
glitzert“.
„Ja, ich sehe es“
„Dieser Stern will ich dir schenken. Es ist so wunderschön und rein wie Du“.
Ich spürte plötzlich ihre Hand auf meinen Arm.
„Ja, sie ist wunderschön. Danke“.
„Ina! Nie in meinen leben war ich so glücklich, als in diesem Momente mit dir. Du bist eine
Göttin. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich glaube, dass es Gottes Fügung war, dass wir
jetzt da sind. Es kann kein Zufall sein“.
„Ja, irgendwie haben Sie recht. Glauben Sie an Gott?“
„Ja, ich glaube an Gott. Jetzt erst recht, nachdem ich in deiner Nähe sein kann. Ich weiß
nicht, was mir Geschehen ist, aber ich bin so unendlich glücklich und zufrieden, das ich aus
diesen Momente nie mehr erwachen will“.
„Es ist schön, wie Sie das sagen“.
„Ja, aber nur Dank dir. Ich kann es nicht fassen, wie wunderbar Du bist. Was für eine starke
und mutige Frau Du bist. Ich bin wie betört von dir. Ich beginne dich zu verehren“.
Sie lachte auf, „Nein, Priesterin bin ich nicht“.
Auch ich lachte auf. „Nein, Priesterin meinte ich nicht. Ich meinte dich zu verehren wie eine
Göttin, denn Du bist es. Es ist göttlich, was Du mir schenkst. Ich fühle mich wie im Himmel“.
„Na ja, Sie hatten auch schon lange keine Frau“.
„Ja, da hast Du recht. Trotzdem, in so einer Schönheit und Leidenschaft habe ich es vorher
nie erlebt. Jetzt, mit dir, ist es ganz tief und die Gefühle sind unendlich schön“.
„Werden Sie an mich denken, wenn Sie in Uruguay sind!?“
„Wie kannst Du sowas fragen. Wie könnte ich dich vergessen! Immer werde ich an dich
denken und an unseren glücklichen Momente. Die Sterne da oben sind unseren Zeugen. Wo
immer ich auch sein werde. Ich werde zum Himmel raufschauen, an dich denken und dich
vor meinen geistigen Augen sehen. Ich werde dich mein Lebelang in die Sternen sehen und
deine Liebe schmerzlich vermissen“.
„Sie sind ein Dichter! Schreiben Sie gerne?“
„Dichter! Nein, das bin ich sicher nicht. Ich sage dir jetzt nur, was ich gerade empfinde und
bin glücklich, dass es dir gefällt, wie ich es ausdrucke. Schreiben tue ich eigentlich schon.
Teilweise habe ich schon meinen Memoiren zu schreiben begonnen, aber im Gefängnis gibt
es derart vieler Missstände, das ich mehr Beschwerde schreibe, als das ich für anderes viel
Zeit hätte“.
„Sie sind ein Kämpfer, nicht wahr!“
„Ja, so kann man es sehen. Mein krimineller Weg, aus den tiefsten Sümpfen Österreichs war
bis jetzt ein einziger Kampf ums überleben und gegen die Behörden. Ich kämpfe aber aus
Überzeugung“.
„Ja, ich habe schon bemerkt, dass Sie aus Überzeugung kämpfen. Zum Teil gebe ich Ihnen
sogar recht. In Österreich gibt es noch vieles zu verändern und zu verbessern. Da haben Sie
recht“.
„Legst dich ein bisschen auf den Rücken!“, fragte ich Sie aus spontanem Gefühl heraus ihren
Rücken und Gesäß berühren und streicheln zu wollen. Es war wie verrückt, aber sie übte auf
mich eine unglaubliche Erotik aus. Ihr Körper und Wesen zog mich magnetisch an und ich
konnte mich nicht dagegen wehren. Ihre Bereitschaft zur Hingabe war so natürlich, so
erotisch, wie nur eine Göttin der Liebe es sein kann.
„Warum?“
„Ich möchte so gerne deinen Rücken und Popo streicheln. Das habe ich noch nicht gemacht
und ich möchte auch diese Erinnerung mitnehmen. Jeden Millimeter von dir möchte ich
berühren und in den Erinnerungen mitnehmen“.
„Also, Sie sind schon erstaulich. Na gut“, und drehte sich am Bauch.
Durch das ferne Sternenlicht, das durch die Blätter durchschimmerte, sah ich ihre Konturen
nur schemenhaft. Ich berührte sie und ließ meine Hand ganz sanft über ihren Rücken und
Popo gleiten. Ich erforschte ihre Rundungen, gleichzeitig überströmte mich eine herrliche
Wärme. Sie stöhnte. Meine Hand glitt bis zu ihren Hals. Sanft massierte ich minutenlang
ihren Nacken und Schulter.
Sie stöhnte auf, „Oh, das tut gut. Was Sie nicht alles können!“.
„Du bist ja wunderschön. Wärest Du meine Frau, ich würde dich jeden Tag streicheln,
massieren und Lieben. Dich immer verwöhnen, wie Du verwöhnt werden möchtest“.
Sie lachte, „Das glaube ich Ihnen gerne“.
Meine Hand wanderte zwischen ihren Schenkeln und streichelte in der Spaltung ihres
Gesäßes. Ihre Scheidenwölbung war heiß. Meine Finger drückten und drängten, gleichzeitig
küsste ich ihr Gesäß.
„Bitte nicht, das will ich nicht“, hörte ich sie sagen, aber ich wollte nicht hinhören. Ich war wie
berauscht.
Fast außer Atem vor Erregung legte ich mich auf sie und drückte meine Erregung zwischen
ihre verkrampften Gesäßbacken und suchte ihre Öffnung.
„Bitte nicht, das will ich nicht“.
Ich küsste sanft ihre Haare und mein Mund suchte ihr Ohr. „Oh, Du schöne Frau…“, flüsterte
ich ihr zärtlich zu, „…Alles an dir ist so schön und so süß. Sei meine Göttin und lasse mich. Ich
werde ganz lieb sein und dir nicht weh tun. Es ist so heiß und schön“, während meine
Erregung ihr Öffnung fand und sanft dagegen stieß. Ganz langsam und sanft drang ich in ihr
ein. Mein Körper brannte und vibrierte vor Lust.
„Aaah, das tut weh“.
Ich hielt inne, ließ aber meine Erregung in ihr. „Verzeih... „, flüsterte ich ihr liebevoll zu, „Mir
ist so heiß. Du bist so süß. Ich komme gleich. Meine Göttin“.
Langsam und sanft, um ihr nicht mehr weh zu tun, drängte und glitt ich tiefer in ihr. Sie
entspannte sich und Ich spürte plötzlich ihre Hingabe nur mir zu liebe. Das erregte mich um
so mehr. Ihr keuchen wurde schmerzerfüllter. Mir überkam die Angst, dass sie mich abstoßen
würde. Im selben Moment spürte ich einen brennenden Schmerz in meinen Lenden und ich ergoss
mich in ihr, wie der strahl einer Feuerflamme. Beide schrien gleichzeitig laut auf. Ich vor Lust und
sie vor Lustschmerz. Ich blieb auf ihr liegen. Sie keuchte und jaulte weiter, wie vom Schmerz
gepeinigt. Meine Erregung war noch Steinhart und zuckte weiter in ihr. Ganz vorsichtig und
langsam glitt ich aus ihr, blieb aber auf sie liegen.
Noch voll außer Atem, küsste ich ihre Haare und Hals, um ihr meinen Dank und Glück zu zeigen.
„Was haben Sie mit mir gemacht!“, stieß sie dann hervor.
„Verzeih mir. Ich weiß nicht, was mir passiert ist. Alles an dir ist so süß und bezaubernd. Ich war,
wie im Rausch. Verzeih mir“.
„Ja, ich verzeih Ihnen. Sie waren trotzdem sehr Rücksichtsvoll. Ich weiß, dass Sie mir nicht wehtun
wollten. Sie haben auch schon lange nicht mehr mit einer Frau geschlafen “.
„Danke, Ina. Es ist unglaublich schön mit dir. Ich kann es nicht beschreiben. Alles an dir ist so
schön und so reizend. Du hast mich verzaubert. So eine Wärme und Begehrlichkeit für eine
Frau habe ich zuvor noch nie gefühlt und gespürt. Es ist mir, als wäre ich in einen Traum und
Rausch der Liebe, so unbeschreiblich stark, schön und heiß“.
„Auch ich empfinde es so. Ich verstehe mich auch nicht, dass ich mich so gehen lassen kann.
Ich weiß nur, dass es auch für mich wunderschön ist. So habe ich es noch nie erlebt“.
„Die Sterne am Himmel sind unseren Zeugen. So Traumhaft schön war es mit dir. Schau
manchmal rauf. Ich werde da sein für dich, wenn Du manchmal unglücklich und traurig bist.
Ich werde dich über die Sterne ewig beschützen“.
„Ja, das kann ich Ihnen versprechen. Ich werde Sie auch nicht vergessen können. Ich bin mit
meinen Mann nicht sehr glücklich, aber ich habe Kinder, sonst…“, sie hielt inne.
Ich verstand, dass sie nicht weitersprechen konnte.
„Dich als meine Frau an der Seite wäre wunderschön. Schöneres könnte ich auf dieser Welt
nicht erwarten. Aber ich hätte nichts, was ich dir anbieten könnte, kein Haus, kein Geld.
Außer dich ewig zu lieben und zu begehren“.
„Und das andere hätten wir auch geschafft“, sagte sie scherzhaft.
„Seit Du mir deine Hingabe geschenkt hast, fühle ich mich nur unendlich glücklich und
friedlich an deiner Seite. Es ist bezaubernd und wie in einem Märchenwelt. Ich fühle das Netz
der Leidenschaft voller Wärme und Glück, die Du über mich geworfen hast“.
„Oh, wie schön Sie das sagen…“, rief sie fast begeistert, „…auch Sie haben mich glücklich
gemacht. Ich konnte schon lange nicht mehr Frau sein. An Anfang hatte ich wirklich
fürchterliche Angst vor Ihnen. Sie gingen Hart und konsequent mit mir um. Aber als Sie das
Messer weglegten und Sie sich bei mir entschuldigten und mir auch erzählten, was passiert
war und warum, da spürte ich sofort, das Sie mir die Wahrheit sagten und das Sie mir nichts
mehr antun wollten“.
„Ja, ich war in einer Paniksituation und reagierte wie ein Tier. Aber als wir dann die
Autobahn erreichten und die unmittelbare Gefahr vorbei war, dann habe ich dich erstmals
so richtig angesehen und mir tat die Angst, die Du hattest unglaublich weh. Und wann hast
Du mich als Mann gesehen?“.
Sie lachte. „Na ja. Nachdem ich mich sicher fühlte, dass Sie im Grunde kein schlechter
Mensch sind, fand ich ihr Mut aus dem Gefängnis geflüchtet zu sein sowie ihre
Lebensgeschichte sehr spannend. Da fühlte ich nach langem wieder einen Mann neben mir.
Das hat mich an Ihnen, ehrlich gesagt, schon imponiert.
Und von diesem Moment an sehnte ich mich nach einer Umarmung“.
„Ich bin von deiner Offenheit unglaublich begeistert“, sagte ich voller ernst.
„Normal rede ich nicht so, selbst nicht mit meinen Mann. Bei Ihnen ist es ganz anders“.
„Ja, mir geht es auch so, Ina. Es ist schön, wie offen wir uns unterhalten können. Und was
hast Du dir gedacht, als ich dir das erste Mal fragte, ob Du mich lässt? Ich war total
verunsichert!“
„Sie sind ja ganz schön neugierig…“, sie hielt kurz inne, “…Ich weiß es nicht. Es kam einfach
so raus. Ich hatte Sehnsucht nach einer Umarmung. Ich muss verrückt geworden sein.
Danach war ich selbst überrascht, aber auch Neugierig wie Sie darauf reagieren würden. Ich
habe schon bemerkt, das Sie ziemlich verunsichert waren“.
„Ina! Warum bist Du immer per „Sie“ mit mir. Du kannst mich ruhig duzen, wenn Du willst“.
„Es ist aus Gewohnheit. Ich bin so erzogen worden“.
„Weißt Du, ich war ziemlich überrascht, als Du zusagtest. Ich dachte, das Du nur aus Angst
zugesagt hast oder weil Du mich irgendwie täuschen wolltest“.
„Ja, das habe ich bemerkt, dass Sie verlegen und nachdenklich wurden. Das hat mir sogar
gefallen. Das war eine kleine Rache von mir“, erwiderte sie und lachte auf.
und setzte fort, „Und wieso kamen Sie auf die Frage, ob ich mit Ihnen schlafen würde?“.
„Um es dir ehrlich zu sagen. Bis dahin dachte ich überhaupt nicht an Sex. Dazu fühlte ich
mich zu gerädert und Müde. Erst als wir über meine Frau sprachen. Da sah ich dich erstmals
so richtig an und fand dich sehr schön und reizend. Deine Bluse war mit einem Knoten
aufgeknüpft. Ich sah teile deiner Hüften und Bauch und mir wurde innerlich heiß…“, und
setzte wissend fort, ihr nicht ganz die Wahrheit zu sagen, „…ja, und dann habe ich dir
gefragt, ohne wirklich zu überlegen. Mehr spontan und aus ein Gefühl heraus“.
„Ja, so ging es mir auch, als ich Ihnen antwortete. Ich überlegte nicht. Es kam einfach so aus
mir raus“, wiederholte sie.
„Ich bin jedenfalls glücklich darüber. Es war wunderschön. Das werde ich nie vergessen.
Weißt Du, was ich zuvor dachte, als Du dich auf den Bächlein allein gewaschen hast! “.
„Nein, was?“
„Ich dachte mir, ich sei so etwas wie ein schwarzer Ritter, der eine gehobene Dame entführt
und sie dann im Wald verführt“, vermied aber zu erwähnen, dass ich dabei mein Gesicht sah,
weil es überheblich gewirkt hätte.
Sie lachte herzhaft auf. “Ja, so ähnlich kam man es sehen. Ich habe als Mädchen in einen
Buch einmal ähnliches gelesen. Ein Rebell und Räuber entführte eine Prinzessin und
galoppierte mit ihr in seiner versteckten Waldhütte. Ich hatte damals fürchterliche Angst, war
aber dann fasziniert, weil der Räuber sich wie ein Gentleman benahm und sie sich in ihn
verliebte“.
„Und! Hast Du dich in mich verliebt!“, rief ich ihr Scherzhaft zu.
Sie lachte. „Nein! Sind Sie verrückt!“, scherzte sie zurück.
„Und wie ist die Geschichte ausgegangen?“, fragte ich sie neugierig.
„Soweit ich mich erinnern kann, ist sie bei ihm geblieben, Er verliebte sich auch in sie. Er gab
sein rebellisches Leben auf und beide lebten bescheiden, aber glücklich auf sein versteckt im
Wald und bekamen viele Kinder„.
„Wirklich, ein wunderschönes Ende. Was meinst Du, ich baue auch eine Waldhütte. Bleibst Du
dann bei mir“, scherzte ich.
Sie lachte, „Nein. Auch wenn ich wollte würde es nicht gehen. Ich habe fünf Kinder“.
„Schade…“, scherzte ich weiter, “Ich hätte dir eine Hütte aus Gold und ein Himmelbett aus
Seide gebaut und dich jeden Tag auf Händen getragen“.
„Ja, das wäre schön“, scherzte sie mit mir weiter.
„Kannst Du dich erinnern, wie du an Anfang im Wald plötzlich herum gehüpft bist und
fröhlich kindisch so richtig frei heraus gesagt hast, “Stellen Sie sich vor, als Kind träumte ich
von…“.
„Ja, ja“, lachte sie auf.
„…In diesem Moment habe ich für dich und deinen Mut eine unglaubliche Bewunderung
gefühlt. Da sah ich dich in meinen Gedanken wirklich wie eine Prinzessin, nein wie eine
Königin, besser wie eine Göttin an Und als Du dich dann gelegentlich vor mir gebückt hast,
um Grashalmen und Zweige zu reisen, da sah ich so richtig deinen süßen hintern. Im selben
Moment spürte ich eine unglaubliche Anziehung und ein feuriges Verlangen nach dir. Vorher
habe ich mich nicht getraut dich anzufassen, obwohl du es mir erlaubt hast“.
„Aha! Deswegen wollten Sie eine Pause machen, denn da haben Sie ja zugegriffen. Ich habe
schon bemerkt, dass etwas nicht stimmt“.
„Ja“, erwiderte ich ihr, „…ich konnte nicht mehr anders. Irgendwie verlor ich mein Verstand.
Ich war nur mehr wie verzaubert und Feuer und Flamme für dich“.
„Das habe ich dann eh gespürt. Sie waren ganz schön wild“, lachte sie und Hüpfte auf.
Wir trockneten unser verschwitzten Körper, zogen uns an und kuschelten eng aneinander, um
uns gegenseitig zu wärmen und um etwas zum Schlafen. Nach der Hitze der Liebe, spürten
wir nun die Frische der Nacht.
„Haben Sie es bemerkt…“, hörte ich sie noch sagen, während mir die Augen vor
Müdigkeit zufielen.
„Was, Ina“.
„Na ja, wir haben kein Wort über ihr Flucht gesprochen und auch nicht, wie es morgen
weiter gehen sollte“.
„Ja, da hast Du recht. Du lässt mir rund herum alles vergessen. Am liebsten wäre es mir,
wenn die Zeit stehen bleiben würde und ich ewig so neben dir liegen bleiben könnte“.
Sie fasste nach meiner Hand und drückte sie fest.
Trotz der Müdigkeit konnte ich nicht gleich einschlafen. Mein Körper war noch voll von
Adrenalin der Liebe aufgeputscht. Ich spürte mein Herz noch rasen.
Ihre Hand wurde schlaff und ich spürte, dass sie eingeschlummert oder eingeschlafen
war. Ich streichelte sie ganz behutsam, um sie nicht aufzuwecken.
Von einem Moment auf den anderen kreisten plötzlich fürchterliche Gedanken in meinen
Kopf. Ich hörte, wie ich mich im Geiste selbst unterhielt: "Töte sie, sagte meine innere
Stimme. Wenn Du sie nicht tötest, dann ist dein Leben endgültig vorbei. Dann gehst Du
in die Hölle zurück und bekommst noch zwanzig Jahre dazu. Ich will sie aber nicht töten,
antwortete ich mir. Sie hat mir nichts getan. Hast Du nicht gesehen, wie gut sie zu mir ist.
Ja, trotzdem, Du musst sie töten, denn auf dich nimmt auch keiner Rücksicht. Denke an
die Isolationsjahre, die Du dann in die Hochsicherheitsabteilungen sitzen wirst müssen.
Denke an den Schmach deiner Mithäftlinge und der Beamten. Denke an deine
Geschwister und an alle, die dich kennen. Was werden sie dazu sagen! Die werden dich
verachten. Du wirst im Gefängnis verrecken. Nie mehr die Freiheit sehen. Ja, ja. Vielleicht
hast Du recht, aber ich will sie nicht töten. Sie kann nichts dafür. Ich habe sie entführt. Ich
kämpfe nicht gegen sie. Du bist ein Trottel. Wie kannst du auf dich selbst verzichten! Bist
du verrückt. Ja, vielleicht bin ich verrückt. Ich werde sie aber nicht töten. Da kannst Du
sagen, was du willst. Das ist nicht mein Ziel. Zwinge sie dann zumindest mit dir solange
mitzugehen, bis du wirklich in Sicherheit bist. Gib sie nicht vorher frei. Sie mag dich. Ich
glaube sogar, sie will noch eine weile bei dir bleiben. Du gibst ihr was. Nutze es aus. Das
ist deine Chance. Merkst du es nicht. Rede mit ihr. Ja, ja. Lass mich jetzt in Ruhe. Ich will
etwas schlafen. Ich bin Müde. Schlaf du Trottel".
Aufdringliche Vogelgeschwitzter wecke uns auf. Es war Morgengrauen. Durch den lichten
Wald konnten wir in der Ferne Silhouetten der Berge sehen. Leicht darüber ein Hauch von
Morgenröte.
„Siehst Du, Ina! Was für ein herrliches Panorama“, rief ich ihr begeistert zu und deutete
mir der Hand.
„Ja, es ist wunderschön“, erwiderte sie und ich spürte ihre Hand auf meinen Arm.
„Wie in einen Märchen schön und Du bist meine wunderschöne entführte Dame, die
mein Herz glücklich macht“.
Sie lächelte. „Sie hätten Poet werden sollen. Wie Sie sich manchmal ausdrücken ist
wirklich sehr schön“.
„Danke, aber dazu inspirierst Du mich“.
„Das ist schön, dass Sie mir das sagen“.
Ich packte die Sachen im Rucksack und wir machten uns im Morgengrauen auf den Weg.
Zuvor putzte und frottierte ich ihr fürsorglich und halbblind die Freizeitschuhe halb
trocken, da mir klar war, dass diese verschmutzt sein mussten.
Um auf die Straßenkarte nachzusehen, war es im Wald noch zu dunkel und das Gas des
Feuerzeugs war schon verbraucht. Wir ahnten nur, welche Richtung wir nehmen
mussten. Als wir eine größere Lichtung erreichten, sahen wir mehrere Bauernhäuser und
ein Ort. Wie schauten auf der Straßenkarte nach. Auf der Lichtung herrschte schon genug
Tageslicht.
Die Straßenkarte half uns aber nicht viel weiter. Wir hatten keine Ahnung, wo wir uns
Gegenwärtig befanden. Ob in Österreich oder in Jugoslawien. Wir beschlossen uns den Ort
zu nähern, um auf der Ortstafel nachzusehen.
Mir fiel ein dunkler Fleck auf ihr Jean auf. „Dein Jean ist Schmutzig geworden“, sagte ich
ihr.
„Sie schaute nach. „Ja, es ist aber Blut. Ich muss mich verletzt haben“.
„Wo! Lass mir sehen“.
„Nein, es ist nicht so wichtig. Schmerzen habe ich keinen“.
„Lass mir trotzdem nachsehen, denn Du kannst eine Entzündung bekommen“. Ich bückte
mich und zog ihr das Jean runter, während sie sich dagegen strebte.
Tatsächlich sahen wir, dass sie sich eine Schnittverletzung zugezogen hatte, die aber nicht
mehr blutete.
„Tut es dir weh?“
„Nein, überhaupt nicht“.
„Wo ist dir das passiert?“, fragte ich sie.
„Ich weiß es nicht. Ich glaube, nach dem wir die Eisenbahntunnel verlassen haben. Da bin
ich ein paar Mal gestolpert und ausgerutscht“.
„Ach ja, jetzt kann ich mich erinnern. Ich bin selber ein paar Mal auf den nassen Boden
ausgerutscht. Möglicherweise bist Du wo angestoßen. Auf einen spitzen Ast oder Zweig.
Gott sei Dank blutet nicht mehr. Tut es weh?“.
„Nein, überhaupt nicht“.
Ich nahm aus dem Rucksack ein Pflasterstück, die ich aus den Apotheken der Gartenhäuser
mitgenommen hatte und deckte ihre Wunde damit zu.
Dann zog ich meine Hose aus und tauschte es mit den ihren. Es passte uns, da wir fast
dieselbe Statur hatten. Ich hatte zwar eine Reservehose im Rucksack, diese war aber nicht
mehr ganz rein. Die Hose, die ich nun anhatte war jedenfalls sauber, da ich es täglich mit
einer Bürste putzte.
„Es ist sicherer so, Ina. Denn deine Hose ist verschmutz und hat ein Loch. Deine Wunde
könnte sich entzünden und eitrig werden. Tut es wirklich nicht weh beim gehen?“
„Nein, nein, wirklich nicht“.
Wir gingen weiter. Ich beobachtete sie, ob sie beim gehen Schmerzen zeigt, aber sie
bewegte sich unbeschwert und wie eine Gazelle vorwärts. Eine in jeder Hinsicht
unglaublich starke Frau, ging mir durch den Kopf.
Nach mittlerer Marschdauer kamen wir beim Ort St. Michael an, umgingen diese aber.
Nun sahen wir auf der Landkarte, dass wir seit gestern dem falschen Weg Richtung Grenze
gegangen waren. Ebenso, dass wir von St. Paul aus die Strecke bis zur Grenze völlig falsch
eingeschätzt hatten. Auch das es leichtsinnig war quer durch den Wald zu gehen, anstatt
am Waldesrand der Landstraße folgend, so dass wir uns danach orientieren hätte können.
„Zu so eine frühe Stunde möchte ich nicht in den Ortinneren gehen, Ina. Wir würden
auffallen und die Gendarmerie könnte uns als Fremde leicht kontrollieren“.
„Was sollen wir dann tun?“
„Gehen wir ein Stück in den Wald zurück und reden wir dort in Ruhe“.
Wir setzten uns hin und sie schaute mich fragend an.
„Die Bahnlinie, die wir gestern gegangen sind, führt tatsächlich zur Staatsgrenze, aber wie
wir gerade auf der Straßenkarte gesehen haben, zweigt es hin und her, so dass die Strecke
immer länger wird, Schätzungsweise bei sieben bis 10 Kilometer. Die Landstraße zur
Grenze ist zwar gerader, aber gefährlich, weil uns die Gendarmerie aufhalten könnte, da
sie meinen könnte, das wir Vagabundieren oder weil wir was über die Grenze Schmuggeln
wollen. Ich bin ratlos, wenn Du mich fragst“.
„Ja, aber entlang der Bahnlinie können wir es schaffen. Spätesten in drei, vier Stunden
könnten wir Dasein“, meinte sie.
„Ja, aber ich habe dir versprochen schon gestern wieder nach Hause fahren zu lassen“,
erinnerte ich sie.
„Ja, ich weiß. Und ich habe Ihnen versprochen, Ihnen bis zur Grenze zu helfen“.
„Bleibst Du also bei mir, bis ich die Grenze geschafft habe!“
„Ja. Ich helfe Ihnen“.
„Ina, Du bist ein Wahnsinn. Ich liebe dich…“
„Ach, übertreiben Sie nicht“, erwiderte sie lächelnd.
Ich schaute sie in die Augen. „Wie kann ich übertreiben! Du bist ein Engel für mich. Ich
bewundere dich und Du zollst mir ein Respekt ein, der unglaublich ist. Ich danke dir vom
Herzen“
„Machen wir uns dann schön langsam auf den Weg, denn ein paar Pausen werden wir
dazwischen auch machen müssen “.
„Ja, hast recht. Tut dir die Wunde doch nicht weh?“
„Nein, nein. Das geht schon in Ordnung“.
„Du bist unglaublich Tapfer. Ich habe so eine Frau wie dich noch nie in meinen Leben
getroffen. Hattest Du eine glückliche Kindheit?“, fragte ich sie, während wir uns auf den
Weg machten, mehr um eine Konversation mit ihr bemüht.
„Na ja, wie man es nimmt. Meine Eltern waren gut, aber was Regeln betraf, da waren sie
sehr streng“.
„Also, ich habe in Uruguay eine wunderschöne Kindheit gehabt in voller Freiheit und
inmitten der Natur“.
„Wo haben Sie gelebt und wie ist das Klima dort?“.
„Gelebt haben wir vorwiegend am Land, ähnlich einer endlosen Steppenlandschaft nahe
dem Meer. Das Klima ist dort subtropisch. Es gibt kein Schneefall in Uruguay wegen der
Nähe zum Äquator. Es regnet nur. Und es ist, bis auf die Regenzeit zwischen Juni und
September, relativ immer warm“.
„Ja, ich kann mir vorstellen, dass es schön gewesen sein muss. Und sind Sie auch in die
Schule gegangen?“.
„Ja, aber nicht immer. Der Schulbus war oft kaputt oder der Fahrer krank. Ich habe nur drei
Volksschulklassen absolviert. Es ist nicht so, wie in Österreich. Heute geht es Uruguay
besser, aber vor Jahrzehnte was es noch Arm. Zu Hause hatten wir kein elektrisches Licht,
kein Fließwasser, kein Radio, kein Fernsehen, das gab alles nicht. Trotzdem sind wir
glücklich aufgewachsen“.
„Unglaublich, wenn ich Ihnen zuhöre“.
„Und! Ist dir finanziell und materiell gut gegangen als Kind. Hattest Du alles, was Du
brauchtest, und wie hast Du die Schule absolviert“.
„Ich kann mich nicht Beschwerden. Als Kind vermisste ich nichts. Unsere Familie war und ist
gutsituiert. Die Schule habe ich auch sehr gut geschafft. Und trotzdem, so glücklich, wie die
ihre, so wie Sie sich begeistert darüber äußern, war meine Kindheit nicht, aber auch nicht
unglücklich muss ich sagen“.
Unser Weg führte zwanzig, dreißig Meter neben der Bahnlinie. Ich nahm die Wasserflasche
aus dem Rucksack und bot es ihr an. Sie machte einen Schluck, spuckte es aber gleich
wieder aus.
Das Wasser schmeckte warm und schwer. Auch ich spuckte es aus.
Ein paar hundert Meter vor uns sahen wir plötzlich ein paar Häuser. Es war ein kleiner
Bauernort beim Jauntal.
„Ina. Gehen wir hin. Die geben uns sicher Wasser. Ich habe noch siebzig Schilling, die Du
mir gegeben hast. Vielleicht verkaufen sie uns Brot und etwas zum Essen“.
„Ja, probieren wir es“.
Ich bückte mich, nahm etwas feuchte Erde in der Hand und rieb es gegen den Fleck an der
Jeanshose. Der Fleck war zwar nur mehr dunkel und kaum mehr als Blutfleck zu erkennen,
aber sicher ist sicher, dachte ich mir.
„Falls sie Fragen stellen, erzähle ich ihnen, dass wir mit dem Moped unterwegs waren, dass
wir ausgerutscht sind und dass der Moped nicht mehr geht. Was meinst Du“.
„Ja, das geht“.
Wir kamen am Bauernhaus an und wir sahen auf einen Holztisch im Vorhof eine Frau und ein
Mann sitzen. Wir gingen zu ihnen hin.
„Guten Morgen“, grüßten wir und sie grüßten freundlich zurück.
„Wir haben eine bitte. Haben sie ein Glas Wasser für uns“.
„Ja, natürlich. Nehmen sie ruhig Platz“, lud uns der Bauer ein, während sich die Bäuerin
entfernte, um uns Wasser zu holen.
„Wir danken Ihnen. Wissen Sie, wir sind mit dem Moped unterwegs und diese hat plötzlich
den Geist aufgegeben. Wir sind jetzt zu Fuß unterwegs und haben noch eine Strecke vor uns.
Aber die Landschaft ist so wunderschön, das wir es als eine Wanderung sehen. Es ist eine
wunderschöne Gegend bei Euch“.
„Ja, da haben Sie recht. Bei uns ist wirklich schön“.
Die Bäuerin brachte uns zwei Große Gläser Wasser und wir bedanken uns. Ich nahm das Geld
aus der Tasche.
„Haben Sie bitte vielleicht ein Stück Brot und Speck. Wir bezahlen dafür. Wir haben nämlich
seit gestern nachmittags nichts mehr gegessen? Meine frau hat schon Hunger“, fragte ich die
Bäuerin.
„Gerne, aber bezahlen braucht ihr nicht“.
Sie entfernte sich wieder und kam kurz darauf mit einem großen Stück Bauernspeck und ein
halben Laib Brot.
„Wir bezahlen aber gerne dafür“, wiederholte ich.
„Nein, nein“, sagten die Bäuerin und der Bauer gleichzeitig.
„Also, wir können uns für die Gastfreundschaft nur herzlichst bedanken. Ich verspreche es
nicht, aber vielleicht kommen wir eines Tages mit einer Flasche Wein vorbei“.
„Da sage ich nicht nein“, erwiderte der Bauer lächelnd, während die Bäuerin ihn vorwurfsvoll
ansah. Man sah ihr an, dass sie die Hose anhatte.
„Kann ich mir irgendwo die Hände waschen, bitte“, fragte Ina die Bäuerin.
„Ja, kommen sie mit“ und führte sie ins Haus.
Ich hatte komischerweise kein bedenken, obwohl ich überrascht war.
„Auch die Luft ist herrlich rein bei Euch“, sprach ich den Bauer an, nur um nicht unhöflich
schweigend dazusitzen.
„Ja, bei uns ist wirklich guter Boden“.
„Man kann Sie und ihre Frau nur beneiden in so eine Idylle zu leben“.
„Ja, wir sind sehr froh“.
Als Ina zurückkam, verabschiedeten wir uns Herzlichts und dankend.
Als wir dann außer Hörweite waren, zwickte sie mich Schmerzhaft auf den Oberarm, sodass
ich ein Schmerzenslaut loslies.
„Sie sind ganz schön frech, mich als ihre Frau vorzustellen. Wo haben Sie diese Kaltschnäuzig
keit gelernt. Sie haben die Leute von oben bis unten angelogen. Dabei waren sie total nett zu
uns. Und wissen Sie was, ich hätte beinahe losgebrüllt vor Lachen. Sie hätten mich zumindest
warnen können“.
Ich lachte. „Was hätte ich sagen sollen! Das ich dich entführt und in den Wald verschleppt
habe! Dass ich ein böser Wolf bin! Du hast mich auch überrascht, als Du mit der Bäuerin
gegangen bist“.
„Sie sind verrückt. Das ist was anderes. Ich musste dringend und genierte mich vor den
Bauer. Als ich drinnen war bat ich sie und sie ließ mich aufs WC“.
„Bist Du Böse! Ich liebe dich, was wäre schöner, als wenn Du meine Frau wärest“.
„Sie sind verrückt! Ich habe recht!“, und lachte.
Da wurde mir erstmals so richtig bewusst, dass wir uns auf wunderbarer weise necken
konnten.
Ich schüttelte nur den Kopf und konnte es nicht glauben, was mir mit ihr gerade geschah.
„Ina, bitte, setzen wir uns ein bisschen hin und Essen wir ein bisschen Speck und Brot. Mich
plagt ein Mordshunger. Am liebsten hätte ich schon beim Bauernhaus zugebissen, aber ich
wollte nicht auffallen“.
„Ja, wo!“, stimmte sie gleich zu.
Auf einer Lichtung, gedeckt von Bäumen setzten wir uns hin und aßen. Zuvor zogen wir uns
die Turnschuhe aus, um unsere Füße frische zu verschaffen. Gleich neben der Lichtung war
ein Bachbett, wo wir uns wuschen. Wir wuschen gleichzeitig die Schmutzwäsche, die ich im
Rucksack mitführte, durchkneteten und breiteten es zum Teil auf Ästen und auf
Grasflächen aus. Mittlerweile strahlte die Sonne heraus und es war angenehm warm, so
dass wir wussten, dass es in kürze gut trocknen sein würde.
„Weißt Du, was mir Sorgen macht, Ina“.
„Nein, was meinen Sie“.
„Wie soll ich bei totalem Tageslicht über die Grenze kommen! Die Grenzbeamten könnten
mich sehen. Ich müsste, wenn wir die Grenze erreichen, doch die Abenddämmerung
abwarten. Das würde Stunden dauern. Und wenn Du sogleich gehst, sobald wir die Grenze
erreichen, wo wartest Du dann die Stunden ab. Gehst Du aber gleich zur Polizei, dann kann
ich gleich mit dir zur Polizei gehen“.
„Ja, da haben Sie recht. Ich bleibe bei Ihnen bis Sie die Grenze überschritten haben. Das
habe ich Ihnen schon versprochen“.
„Ja, danke Ina“.
„Ich mache mir nur sorgen, was ich meinen Mann sagen sollte“.
„Warum? Das brauchst Du nicht! Was kannst Du dafür! Ich habe dich entführt
und Du konntest dich nicht wehren. Warum machst Du dir solchen Sorgen!“
„Sie wissen genau, dass das nicht stimmt. Ich hätte durchaus schon mehrmals flüchten
können, zuletzt auch am Bauernhof“.
„So darfst Du nicht denken. Das darfst Du nie sagen. Denke an deinen Mann und an deine
Kinder. Du würdest dich, deinen Mann und die Kinder in Verruf bringen, wenn Du nur ein
Wort davon sagst“.
„Ja, gut, aber das wir miteinander geschlafen haben, das sagen wir nicht“.
„Auf mich brauchst Du keine Rücksicht nehmen. Allein für die Entführung bekomme ich,
falls sie mich lebend erwischen, zwanzig Jahre Haftstrafe. Eine höhere zeitliche Strafe gibt
es nicht. Ob jetzt die eine oder andere Delikt dazukommt, ist grundsätzlich egal. Ich an
deiner Stelle würde ich unbedingt sagen, dass Du von mir vergewaltigst wurdest“.
„Nein, nein. Das kann ich nicht sagen“, unterbrach sie mich.
„Das Problem Ina ist, das dir die Polizei und das Gericht dann vielleicht nicht glaubt.
Immerhin bin ich schon 11 Jahre im Gefängnis, ohne mit einer Frau schlafen zu können.
Wenn Du sagst, das da gar nichts war, kommst Du vielleicht in Verdacht“.
„Sie haben mich aber nicht vergewaltigt. Warum soll ein Verdacht aufkommen, wenn wir
beide sagen, dass wir miteinander nichts hatten. Ich will nicht, dass mein Mann das
erfährt?!“
„Ja, natürlich nicht, das verstehe ich. Stell dir aber vor, was dann los ist, wenn sie dich
ärztlich untersuchen lassen und der Arzt feststellt, dass Du doch mit mir Sex hattest.
Soweit ich weiß, ist die Polizei und das Gericht verpflichtet ein Entführungsopfer
amtsärztlich zu untersuchen“.
„Daran habe ich nicht gedacht. Da haben Sie recht“. Sie lief rot an.
„Na siehst, Ina. Ich habe Erfahrung mit der Polizei und Gerichte. Schau, Du hilfst mir und
ich helfe dir. Ich bekomme sowieso zwanzig Jahre wegen Entführung. Mehr kann ich nicht
bekommen“.
Sie fing an zu Weinen.
„Bitte nicht, Ina! Du brauchst nicht zu Weinen. Du bist super und hilfst mir. Sollst Du und
deine Familie dafür bestraft werden! Das hast Du dir nicht verdient. Du kannst nichts
dafür. Ich bin das Arschloch, verzeih mir denAusdruck“.
„Nein, das sind Sie nicht. Im Gegenteil, Sie geben sich für mich auf“.
„Du bist meine Göttin. Du hilfst mir ja. Du hast dir nichts vorzuwerfen. Vielleicht habe ich
Glück und komme bis Uruguay. Und wenn nicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, das ich bei
der Festnahme sowieso einen Kopfschuss bekomme“, letztere hätte ich besser nicht gesagt,
denn Sie schlunzte laut weinend auf.
Ich nahm sie in die Arme, drückte sie an meine Brust, legte ihren Kopf auf meinen Schoss und
streichelte ihr über die Haare.
„Ina, ich weiß. Es ist schwer für dich, aber Du musst an dich und an deine Familie denken. Es
bleibt uns nichts anderes übrig. Ich bin schuld. Ich habe es ausgelöst. Ich bin stark Ina, ich
werde es schon schaffen. Um mich mach dir bitte keine Sorgen. Ich habe ein Ziel und eine
Aufgabe und wenn das eine Ziel weg ist, habe ich den anderen“.
„Wie meinen Sie das?“.
„Das Ziel ist Uruguay. Komme ich nicht hin, dann habe ich die Aufgabe gegen die
Justizbehörden wegen der Missstände in den Gefängnissen zu kämpfen“. Sie schlunzte
weiter, aber nun leiser. Ich streichelte sie zärtlich weiter.
Im nu hörte ich mich wieder im Geiste mit mir reden: "Siehst Du, was Du angerichtet hast!
Du Trottel. Es ist ein Drama, eine Tragödie. Und wie willst Du es jetzt lösen? Kannst Du es mir
erklären? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Lösung. Ich bin Ratlos. Na siehst Du Trottel, das
habe ich dir schon gestern gesagt. Du könntest sie töten, ohne ihr weh zu tun oder Du
zwingst sie mit dir einfach weiter mitzugehen. Alles andere führt dich in die Hölle zurück! Sie
töten, ohne ihr weh zu tun! Wie stellst Du dir das vor. Na ja, sie würde z.B. nichts davon
merken und auch keine Schmerzen haben, wenn Du ihr mit einen kräftigen Schlag den
Nacken brichst. Sie würde nicht das Geringste spüren und mitbekommen. Ja, da magst Du
recht haben, aber ich werde es trotzdem nicht tun. Mich kannst Du am Arsch lecken. Ich
scheiße auf deine Ratschläge. Weißt Du warum! Warum? Ganz einfach, ich würde mich bis
zu dem Tod mit diesem schlechten Gewissen plagen und die wäre noch schlimmer, als im
Gefängnis zurückzukehren oder mit einen Kopfschuss zu enden. Verschwinde also. Ich will
nichts mehr von dir hören. Nie wieder!. Leck mich auch am Arsch. Verrecke halt".
Sie bewegte ihren Kopf auf meinen Schoss. Sie hatte zum schlunzen aufgehört. Nun lag sie
leise da. Zärtlich streichelten meine Finger über ihren Mund, über die Nase. Entlang der
Wange bis zu ihren Augenlider. Weiter bis zu ihren Augenbraunen und Stirn, so als wenn ich
ihr Gesicht erforschen wollte und das tat ich auch.
Es war ein Akt der Zärtlichkeit, gleichzeitig wurde ich erregt. Sie merkte es und schaute zu
mir auf. Stöhnend ließ ich mich zurückfallen und spreizte losgelöst die Hände auf den Boden.
Sie fasste meine Erregung durch die Hose und öffnete quälend langsam den Hosenschlitz. Ich
stöhnte auf, als ihre Hand meine Erregung umfasste. Zärtlich streichelte sie meine Erregung,
fasste dann fester zu.
Ich stöhnte erneut auf, als ihr Mund mich berührte und ihre Lippen mich fest umfassten und
liebkosten. Ich fühlte mich wie auf eine Wolke getragen, begleitet von einem süßen Schmerz.
Ich ließ sie gewähren. Mein Schoss zuckte vor Verzückung. Ich beugte mich nach vorne,
fasste ihre Brust und drückte immer erregter an ihre Brustwarze. Sie stöhnte auf und ich
ergoss mich in ihr, wie ein explodierender Vulkan. Die Hitze und der Lustschmerz waren
nahezu unerträglich. Jede Faser meines Körpers brannte lichterloh. Es war wie in der
Hölle, gleichwohl himmlisch.
Sie ließ ihren Kopf an meinen Schoß liegen, küsste und streichelte mich weiter, so als wenn
sie wollte, dass ich jede Sekunde der Schönheit des Aktes genießen könne.
Was für eine Frau, schoss mir durch den Kopf! Was für Gefühle! Was für
Höhepunkte! Was für eine göttliche Hingabe.
„ Göttlicher und schöner kann es nicht sein, meine Göttin“, hörte ich mir sagen.
Sie setzte sich auf. „Ja, es ist wahr. Bei Ihnen bin ich sehr überrascht, wie stark sie dabei
fühlen und wie oft sie können. Ist das immer so!“
„Oft und lange kann ich schon. Aber so schön und stark erlebe ich es nur jetzt mit dir. Deine
Ausstrahlung, die Schönheit deiner Weiblichkeit, deine Bereitschaft zur Hingabe, deine Güte
und unzählig anderes haben mich fasziniert und verzaubert…„, ich machte eine Atempause,
„… Jetzt bin ich glücklich dich entführt zu haben…“
„Sagen Sie sowas nicht“, unterbrach sie mich.
„… denn wie sonst hätte ich in meinen Leben schöneres erleben können! Ich war unglücklich.
Du warst unglücklich. Jetzt haben wir Momente der Schönheit und Wildheit der Natur, die
wir beide schon lange vermissten. Zuneigung, Leidenschaft, einfach ausschalten und sich
losgelöst der Natur und Bedürfnisse hingeben können„.
„Oh, wie schön und zutreffend Sie das sagen. Ja, als Frau hat man auch Bedürfnisse und diese
habe ich schon lange vermisst. Sie sind wirklich ein erstaunlicher Mann“.
„Und Du bist eine wunderschöne Frau voller heißer Erotik. Du machst mich so heiß, wie keine
andere Frau es vermag. Du riechst so süß und sexy. Und jetzt will ich deine Hölle Küssen, die
mich so begehrlich macht“. Ich drückte sie sanft auf den Rücken.
„Nein, bitte nicht jetzt. Wir müssen weiter“.
Ich antwortete ihr nicht, stattdessen zwängte ich ihre Kleider runter, bis ihr nackter
Prachtschoss vor mir lag. Mein Blick konnte nicht genug von ihr bekommen. Dann zwängte
ich meinen Kopf zwischen ihren Schenkeln.
„Oh! Sie sind ein Tier, ein wildes Tier. Sie machen mich verrückt“, hörte ich sie noch sagen.
Der Duft ihres Schosses, schoss mir durch den Kopf, ist so herrlich, dass es mich immer wieder
heiß und verrückt macht. Wo nehme ich nur die kraft her, fragte ich mich. Meine Zunge
liebkoste ihre Scheidenwölbungen, provokant langsam und lang, bis ich spürte, dass sie
anschwollen. Dann drang ich tiefer. Ich drängte meine Zunge in ihre Scheide und spürte, wie
sich ihre Scheide um meine Zunge kräftig zusammenzog. Sie nahm Besitz von meiner Zunge
und ich ließ sie gewähren. Ich glaubte zu ersticken. Plötzlich überströmte mich eine
angenehme ruhe, als wäre ich in eine andere Welt übergeglitten. Ich hielt die Luft an. Mir
war plötzlich so, als wenn ich nicht mehr zu Atmen bräuchte. Ihre Becken zuckten immer
heftiger. Sie presste ihre scheide um meine Zunge und ließ sie dann wieder los, immer zu.
Dann hörte ich sie wie von weiter Ferne wimmern. Ihre Scheide wurde brennend heiß. Ihr
zucken wurden kräftiger, dann spürte ich ihre heißen liebessaft hinausströmen. Ich atmete
nach Luft ringend auf. Vergrub dann wieder meinen Kopf zwischen ihren Schenkeln und sog
ihre Liebessaft auf. Ich fühlte mich voller Glückseligkeit. Ich küsste ihre Scheide und ließ mich
dann atemlos auf die Seite fallen.
Nach Minuten der Atemlosigkeit und noch leise nach Luft keuchen, „Ina, es ist wie ein Rausch
der Leidenschaft, die nicht schöner und stärker sein kann“.
„Ja, ich muss verrückt geworden sein. Nie hätte ich sowas von mir gedacht. Es ist nicht
normal!“
„Oh ja. Es ist normal, Ina. Es ist Natur in voller Kraft. Die ganze Spannung, Ängste,
Bedürfnisse und noch mehr, die wir in uns trugen und tragen entladen sich jetzt in eine
Explosion der Leidenschaft – es befreit und erfüllt uns!“
„Oh, wie recht Sie haben. Sie sind so Intelligent!“
„So Intelligent kann ich doch nicht sein, wie mein Schicksal zeigt“, antwortete ich ihr.
„Vielleicht können Sie nichts dafür. Vielleicht will es Gott so bei Ihnen. Sie tun aber auch was
Gutes. Sie kämpfen, das die Menschen im Gefängnis besser geht“.
„Ja, vielleicht hast Du recht. Deswegen habe ich mir unglaublich viele Schwierigkeiten im
Gefängnis eingehandelt. Aber ich konnte nicht anders. Ich habe überlegt und beschlossen
gegen die unmenschlichen Praktiken im Gefängnis zu kämpfen und jetzt muss ich auch die
Konsequenzen tragen“.
„Wie sind Sie eigentlich zur Überlegung gekommen?“
„Ich weiß es nicht genau. Wahrscheinlich kommt der Antrieb von den schlechten
Erfahrungen in die staatlichen Heime und Jugendgefängnisse her. Der Tod meiner geliebten
Mutter war eigentlich der erste Anstoß, das ich zu kämpfen begann“.
„Warum ihre Mutter“, fragte sie überrascht und erstaunt.
„Ich habe meine Mutter abgöttisch geliebt. Und als sie 1978 verstarb machte ich mir
Vorwürfe, weil sie in wissen verstarb, das ihr Sohn ein Verbrecher geworden ist und sogar ein
Mensch erschossen hat. Das hat mir so weh getan, dass ich ihr im Geiste schwor, was Gutes
zu machen, damit sie zumindest im Himmel sieht, das ich kein Unmensch bin…“
„Ich bin sprachlos “, unterbrach sie mich, „Sie sind unglaublich!“.
„…Dann erinnerte ich mich der Torturen in den Heime und Jugendgefängnisse, die ich an mir
erleben musste und an das Leid vieler anderen Heimkinder und Häftlinge, die ich mit ansehen
musste. Ja, in diesem Moment wusste ich, welche Aufgabe mir bevorstand…“
„Also, Sie überraschen mich immer wieder von neuen. Ihre Geschichte und wie Sie es
sprachlich klar verbildlichen ist unglaublich“, unterbrach sie mich erneut.
„Na ja, so dramatisch es nicht. Es hätte viel dramatischer kommen können“.
„Wie meinen Sie das!?“, fragte sie mich mit weit offenen fragenden Augen.
„Über die RAF in Deutschland wirst Du ja Kenntnisse haben!“
„Ja, natürlich“
„Mit solchen Aktionen trug ich mich in Gedanken in der Zelle herum. Ich hatte als
Strafgefangener natürlich nicht die Möglichkeit so zu agieren, wie die RAF. Aber dafür
inspirierte mich die RAF dazu, mir den Kopf zu zerbrechen, wie ich andersherum spektakuläre
Aktionen setzen könnte, um die Öffentlichkeit in meiner Sache zu politisieren. So kam ich auf
die Idee auf den Kirchendach in Garsten zu klettern und dort zu protestieren“.
„Ja, und das ist Ihnen wirklich gelungen, denn die Zeitungen und selbst das ORF waren voll
davon“.
„Ich habe mir damals schon gedacht, dass vielleicht zwei-drei Journalisten daherkommen,
aber dass es letztendlich so spektakulär wurde, das wagte ich nicht einmal zu träumen.
Umso glücklicher war ich dann“.
„So, jetzt waschen wir uns ein bisschen und dann gehen wir weiter“, sagte sie mit fester
Stimme, so als wenn sie meine Mutter wäre. Ich musste innerlich schmunzeln.
Wir gingen über Felder entlang der Bahnlinie. Etwa zwei hundert Meter entfernt verlief eine
Landstraße. Nach zirka 1 Stunde mäßigen Marsch fanden wir uns wieder bei St. Michael. Am
Ortseingang sahen wir eine kleine Bäckerei.
„Wau, ein paar knusprige Semmeln und Butterkipferln, das wäre was. Habe schon Jahre
nicht mehr gegessen“, sagte ich spontan.
„ Gehen wir hin und kaufen wir welche“, meinte sie.
„Ja, Ok! Um die Zeit ist es nicht mehr so gefährlich wegen der Gendarmerie kontrollen“.
Wir betraten das Bäckereigeschäft. Hinter der Verkauflade war eine mittelältere Frau und
etwa ein neun, zehnjähriger Bub.
Wir grüßten freundlich und bestellten mehreren Semmeln und Butterkipferln. Dabei sahen
wir, dass auch frische warme Milch angeboten wurde. Wir bestellten für jeden ein Glas Milch
und aßen dazu die Butterkipferln.
Anschließend bezahlte ich und wir verabschiedeten uns freundlich.
„Was meinst Du…“, fragte ich sie, „…sollten wir durch den Ort gehen. So könnten wir uns die
Füße ein bisschen schonen. Um diese Zeit ist es nicht mehr gefährlich. Außerdem habe ich
eine Idee“.
Ich hatte mir nämlich zwischendurch, insbesondere nach dem sie wiederholt geweint hatte
und sie sich Sorgen darüber machte, was sie ihren Mann sagensollte, Gedanken darüber
gemacht, was ich tun könnte, um ihr die Sorgen zu nehmen.
„Was für Idee?“, fragte sie sogleich Neugierig.
„Na ja, dazu bräuchte ich eine Kugelschreiber und Papier und die müssten wir kaufen.
Vielleicht finden wir im Ort ein Geschäft“.
„Und was wollen Sie damit machen? Sie machen es spannend!“, fragte sie noch neugieriger
geworden.
„Ich denke eine Selbstanzeige zu schreiben, die Du dann nur bei der Polizei übergeben
brauchst. So ersparst Du dir viel Ärger“.
„Mmh, Glauben Sie!“, zweifelte sie.
„Natürlich. Denn dann fragt die Polizei nicht mehr viel nach, weil durch meine Selbstanzeige
sowieso alles klar ist“.
„Na gut, wie Sie meinen. Gehen wir“.
„Warte ein Moment“, sagte ich ihr und nahm das Messer aus dem Rucksack, steckte es mir
am Rücken unter der Hose und deckte es durch die Sportjacke ab, die ich in einen
Gartenhaus gestohlen hatte.
„Was soll das! Was haben Sie vor!“, fragte sie etwas verängstigt geworden.
„Mach dir keine Sorgen. Ich möchte nur Vorsichtig sein, denn, wenn die Wahrscheinlichkeit
auch nicht groß ist, kann doch sein, das mich jemand als der Gefängnisausbrecher erkennt.
In diesem Fall möchte ich nur eine Abschreckungswaffe bei der Hand haben, um die Person
vom Leib zu halten, damit mir die Flucht gelingt. Vergiss nicht, dass mein Foto wegen der
Fahndung sicher durch die Zeitungen gegangen ist. Dir kann sicher nichts passieren“.
„Dann gehen wir besser nicht durch den Ort“, meinte sie.
„Aber dann komme ich nicht zu Papier und Kugelschreiber und kann die Selbstanzeige nicht
schreiben. Gehen wir, es wird schon nichts passieren“.
Im Ortsinneren, durchschnitten durch die Landstraße, waren mittelmäßiger Passanten- und
Autoverkehr. Wir gingen durch den Ort, als wenn nie was gewesen wäre. Wegen ihr hatte
ich überhaupt kein bedenken. Wir waren sicher kein Liebespaar, aber die leidenschaftliche
Affäre hatte uns menschlich nahegebracht. Zudem hatten wir uns gegenseitig ein
Versprechen abgegeben und wir vertrauten aneinander mittlerweile, wenn auch durch die
Affäre zusätzlich gefestigt.
Nach durchgehen des Zentrums des Ortes, sahen wir einen Supermarkt und strebten diesen
gleich an. Als wir es betraten, war ich im nu wie geblendet. Wenn man elf Jahre im
Gefängnis im engsten Raum einer Zelle sitzt und allen möglichen Entbehrungen auf sich
nehmen muss, wird man von der Kolossalität eines Supermarkts geblendet und man kommt
sich vor, wie in einen Märchenland der Waren und Güter.
Zahlreichen Menschen machten darin ihr Einkaufstour. Ich schaute mich um und
beobachtete, ob mich jemand fixierte. Es schien sich keiner für uns zu interessieren. Neben
Kugelschreiber und Notizblock kauften wir gleich dazu Getränkeflaschen, Wurstsachen und
Kuchen, bis nur mehr ein paar Schillingen übrigblieben.
„Wo ist die Toilette“, fragte sie der Verkäuferin und sie wies uns den Weg.
Sie blieb relativ lange drinnen, so dass ich irgendwie nervös wurde.
„Ich habe mich gleich ein bisschen gewaschen“, sagte sie zur Rechtfertigung.
Offensichtlich merkte sie es mir an, dass ich etwas nervös geworden bin.
„Die anderen Toilette-Geher werden sich nicht freuen“, setzte sie hinzu.
„Warum nicht?“
„Ich habe fast das ganze WC Papier zum trocknen verbraucht“, sagte sie schelmisch
lächelnd.
Nach Verlassen des Ortes marschierten wir gemäßigten Schritte durch ein wildes Feld, auf
der rechten Seite verlief die Landstraße, während auf der linken die Bahnlinie in ein lichtes
Wald verschwand. Das Wetter, mittlerweile gegen die Mittagsstunden, war herrlich und
sehr warm.
Einerseits taten mir die Füße schon ziemlich weh, andererseits dachte ich schon die ganze
Zeit an die Selbstanzeige, sodass ich ihr vorschlug wieder eine Pause zu machen, wozu sie
gleich zustimmte.
Wir suchten uns ein Platz auf einer Waldlichtung aus, wo die Sonne durchdrang und
machten uns bequem, indem wir uns die Schuhe auszogen und uns auf das wilde Grasland
zwischen die Bäumen hinstreckten.
Ich steckte das Messer in den Rucksack zurück, nahm den Notizblock und Kugelschreiber und
legte meinen Kopf auf ihren Schenkel. Plötzlich wurde mir schwarz vor die Augen und ich
spürte eine unglaubliche Müdigkeit.
Ihr Rütteln mit dem Schenkel, schreckte mich auf.
Etwas durcheinander, fragte ich sie „Was ist los! Wie spät ist es?“
„Sie sind eingeschlafen. Ich habe Sie schlafen lassen, denn ich kann mir vorstellen, wie Müde
Sie sind. Ich habe auch ein bisschen geschlummert. Das Wetter ist wunderbar dazu. Aber
jetzt ist es schon fünfzehn Uhr. Wir müssen weiter“.
„Da habe ich fast drei Stunden geschlafen. Danke, Ina. Du bist mein Engel. Mir ist richtig
schwarz vor die Augen geworden, dann war ich weg, Mehr kann ich mich nicht erinnern“.
„Kein Wunder. Sie sind schon seit Tagen nicht richtig zum Schlaf gekommen“.
„Ja, wir gehen gleich weiter. Nur ein paar Minuten. Ich schreibe nur schnell die
Selbstanzeige. Die ist ganz wichtig für dich“.
„Gut. Tun Sie es. Ich mache Ihnen dabei eine Wurstsemmel oder wollen Sie zwei?“.
Ich nahm die Sachen aus dem Rucksack und gab ihr auch das Küchenmesser, damit sie die
Semmeln und Wurst durchschneiden kann.
„Sie sind ziemlich unvorsichtig. Mir könnte was einfallen“, scherzte sie.
„Was könnte mir schöneres passieren, als von einer Göttin getötet zu werden“, scherzte ich
zurück. Wir lachten beide auf.
„Was soll ich sagen, das ich Ihnen nicht davongerannt bin, als Sie schliefen“.
„Ganz einfach. Ich habe gar nicht geschlafen. Ich war immer wach und hielt ständig ein Aug
auf dich. Und das Messer hatte ich immer Griffbereit. Und gefesselt habe ich dich auch. Du
hattest ganz einfach Angst. Mehr brauchst und sollst Du auch nicht sagen. Das ist natürlich
wichtig. Ich schreibe jetzt alles auf“.
Ich setzte mich hin und begann zu schreiben.
Während ich schrieb, legte sie fast mütterlich die Wurstsemmeln sowie eine Flasche Fanta
Getränk neben mir hin. Sie aß und trank auch etwas und streckte sich wieder auf den Boden
hin und schaute mir zu.
„Was schreiben Sie da alles“, fragte sie mich neugierig und ungeduldig.
Fast unhöflich und nervös antwortete ich ihr, „Ina, Bitte. Ich muss mich jetzt konzentrieren.
Du kannst es dann lesen!“.
Mehrmals zerriss ich eine begonenne Seite und begann es vom neuen. Ich hatte zwar gute
Ideen, wie ich es am besten schreiben sollte, um ihr zu helfen, aber ich hatte große
Probleme mit der Konzentration. Es schwamm mir alles vor Augen.
Als ich dann endlich fertig war, gab ich es ihr zum lesen.
Schon nach der ersten Seite schrie sie aufgeregt auf.
"Nein, so war es nicht! Das haben Sie nicht getan. Das geht unmöglich. Das kann ich niemals
sagen und streckte mir das Schreiben entgegen.
Ich unterbrach sie. "Bitte lies zunächst das schreiben fertig durch. Bitte!, bat und forderte ich
sie fast energisch auf".
Sie las es und ich sah, wie ihr plötzlich Tränen über die Augen liefen.
"Aber nicht so, dass Sie mich gestochen und gemein vergewaltigt haben. Das stimmt gar
nicht", sagte sie geradezu protestierend.
"Pass auf, Ina! Regt dich nicht so auf. Ich wiederholen mich. Es gibt nur zwei Möglichkeiten.
Entweder habe ich dich entführt oder Du bist freiwillig mitgegangen! Willst Du letzteres dir
und deiner Familie antun! Es gibt keine andere Lösung. Ersteren muss ich gemein zu dir
gewesen sein, denn wie sonst konntest Du mir nicht weglaufen. Du sagst ja selbst, das Du
mir weglaufen hättest können.
„Was Sie da schreiben…“, sagte sie in Tränen, „…ist ein Drama. So stimmt es nicht, das
wissen Sie ganz genau. Sie liefern sich völlig aus“.
„Das ist unwichtig, ob es stimmt oder nicht. Wichtig ist jetzt nur, dass dir nichts passiert. Du
hast fünf Kinder und ein Mann in guter Position. Denke über die furchtbaren Folgen für deine
Familie nach, also nicht nur für dich…“
„Können wir es nicht anders schreiben“, fragte sie mich fast flehend.
„Wir könnten, aber dann müsste ich dir wehtun“.
„Wie bitte! Warum?“.
„Ganz einfach. Ich vergewaltige dich jetzt. Fange an dir die Kleider auszuziehen oder ich reiße
es dir vom Leib und verpasse dir gleich ein Stich…“, sagte ich ihr absichtlich drohend und mit
ernster Miene und stand dabei auf.
„Sind Sie verrückt geworden. Sie machen mir Angst“.
„Wenn ich das tue, dann bleibt dir dann sicher nichts anderes übrig, als eben die Wahrheit zu
sagen, dass ich dich vergewaltig und gestochen habe“.
„Sie wollen mich nur erpressen und zwingen!“.
Ich forderte sie auf aufzustehen. Ängstlich, fast zittrig stand sie nun vor mir.
Ich nahm sie beim Kinn und fixierte ihre Augen, während ich zu ihr sprach.
„Ina! Ich weiß, das Ganze ist schrecklich, aber es gibt keinen anderen weg. Du bist eine
unglaublich Gute, starke und intelligente Frau. Denke bitte mal nach, was Du dir und deiner
Familie antust, wenn Du mein Schreiben zurückweist. Ich bitte dich. Ich bekomme allein
schon wegen der Entführung bei Graz zwanzig Jahre. Mehr kann ich ohnehin nicht
bekommen. Deswegen ist vollkommen egal, ob der eine oder andere Delikt hinzukommt,
wenn es nur darum geht, das nicht der geringsten Verdacht gegen dich aufkommt…“
Sie hörte mir zu, wie unter Hypnose, fast Atemlos und mit weit aufgerissenen Augen ohne
Augenaufschlag.
„Bitte denke nach. Außerdem ist das, was ich jetzt auf mich nehme, um dich zu schützen, gar
nichts gegen die herrliche Liebe und Leidenschaft, die Du mir geschenkt hast…“
Plötzlich umarmte sie mich und drückte sich ganz fest an mich.
Ich flüsterte ihr. „Was Du mir geschenkt hast, Ina, ist für die Ewigkeit. Denke an unseren
Sterne. Das andere ist vergänglich“.
Ich spürte, wie sie an meiner Brust aufweinte und hielt sie fest. Dann schaute sie plötzlich zu
mir auf und drückte überraschend ihre Lippen kurz an die meinen. In Erinnerung meines
schlechten Mundgeruchs, hätte ich beinahe zurückgezuckt.
„Sie sind ein unglaublicher Mann“.
„Und Du eine unglaubliche Frau“, und gab ihr mit der Hand schnell ein paar Klatscher auf
den Hintern und drückte meine Hand fest zwischen ihr Gesäß, absichtlich um sie aufzulockern
und aufzumuntern..
„Oooh!“, quietschte Sie auf und lachte.
Im selben Moment spürten wir leichte Regentropfen. Wir beeilten uns, packten schnell die
Sachen vom Boden und verstauten es im Rucksack. Ich zog mir einen Pullover an und hängte
ihr meine Sportjacke um.
„Ina! Falte das Schreiben zusammen und stecke es bitte ein, sonst wird es durch
Regenwasser verwischt“, forderte ich sie auf. Sie tat es und steckte es in einer Plastikhülle
ihres Führerscheinetuis.
Wir hatten nicht bemerkt, dass sich zwischendurch und relativ schnell schwere Wolken
zusammenzogen. Wir folgten durch Felder der Landstraße entlang, da wir anhand der
Straßenkarte wussten, dass sowohl die Bahnlinie als auch die Landstraße beim Ort Bleiburg
wieder zusammentrafen, so dass wir uns gewiss waren nun den richtigen Weg Richtung
Grenze zu gehen.
Der Regen wurde mittlerweile stärker. Wir strebten einen kleinen Ort an, die wir kurz zuvor
entlang der Landstraße gesichtet hatten.
„Bei dem Regen fallen wir sicher nicht auf, Ina, wenn wir uns irgendwo unter einen Vordach
stellen“, sagte ich ihr.
„Ja, gehen wir hin, denn das Wetter scheint noch schlimmer zu werden“, erwiderte sie.
Im kleinen Ort angekommen, fanden wir dummerweise kein Haus mit einen Vordach noch
eine überdachte Bushaltestelle oder sonst ähnliches, wo wir Schutz finden hätte können.
Dann sah sie ein Wirtshausschild und schlug spontan vor, dort ein Kaffee zu trinken und
abzuwarten, bis sich das Wetter besserte.
Ich schaute nach, wie viel Schillinge ich noch hatte, während sie gleichzeitig sagte, „Warten
Sie einen Moment. Ich sehe in meine Führerschein nach. Vielleicht habe ich noch etwas Geld
einstecken. Oft stecke ich Geld hinein und vergesse es dann“.
Tatsächlich fand sie 150 Schillingen in ihren Führerschein, ein hunderter und ein Fünfziger
schein.
„Na, jetzt sind wir reich“, scherzte ich und betraten das Wirtshaus.
Es saß oder standen zirka sechs, sieben Gäste herum. Der Wirt kam zu uns und begrüßte uns
freundlich und fragte uns, was wir wünschten.
Wir grüßten freundlich zurück und bevor ich weiteres sagen konnte, bestellte Sie einen
großen Kaffee mit Milch für sie und fragte mich, „Und was trinkst Du?“
„Na ja, eine Coca Cola“, sagte ich und versuchte meine Verlegenheit zu verbergen.
„Bei dem Wetter wäre es besser etwas warmes zu trinken“, widersprach sie mir.
Ich schaute zum Wirt auf und er nickte ihr zustimmend zu: „Seid beim Wandern
vom Regen erwischt worden“, meinte er. Wir nickten.
„Gut, bringen Sie mir bitte auch einen großen Kaffee mit Milch“.
Als der Wirt sich wieder entfernte, schaute ich sie an.
„Du hast mich das erste Mal geduzt und auch in Verlegenheit gebracht. Normal bestellt der
Mann!“.
Sie lachte: „Sehen Sie. Ich kann auch kaltschnäuzig sein“.
Wir lachten beide auf. Ich beugte mich über den Tisch und sagte ihr: „Weißt Du! Du bist eine
unglaubliche Frau“, worauf sie wieder lachte.
Der Wirt brachte uns die Kaffees. Wir tranken gemütlich und beobachteten durch das
Fenster das Wetter. Aus dem Nachbartisch hörten wir zwei älteren Herren, wie sie sich über
den Zweiten Weltkrieg unterhielten.
Sie lächelte mich an und flüsterte mir zu: „Die sind zwei Ewiggestrige“.
Ich musste lachen und nickte ihr zustimmend zu. Das Wetter besserte sich nicht. Wir
bestellten noch zwei, diesmal kleinen Kaffees. Gleichzeitig fragte ich den Wirt, ob er
Gulaschsuppe hätte.
„Nein, heute nicht. Eine gute Bohnensuppe kann ich Ihnen anbieten“.
„Auch gut. Bringen Sie uns bitte zwei und Semmeln dazu“.
„Nein, nein. Ich habe keinen Appetit. Bringen Sie nur eine“, widersprach sie mir. Der Wirt
entfernte sich wieder.
„Ina, Du hast seit gestern, bis auf ein Glas Milch, nichts Warmes gegessen!“
„Ich mag Bohnensuppe nicht…“, Rechtfertigtete sie sich, „…Außerdem bin ich
am Abend wieder zu Hause und kann dort Essen“.
Ich schaute besorgt beim Fenster raus. Der Regen hatte sich nur wenig gebessert. Ich aß die
Suppe auf.
Dann kam der Wirt und servierte ab: „Hat Ihnen geschmeckt“.
„Ja, danke, war sehr gut“, lobte ich ihn freundlich.
Als der Regen fast zur Gänze aufhörte, bezahlte sie den Wirt, wir bedankten uns und gingen
wieder aus dem Wirtshaus raus.
„Also, mir war schon peinlich…“, sagte ich ihr während des rausgehen, „…das Du bezahlt
hast. Was sollen sich der Wirt und die Leute denken!“.
„Ich glaube, Sie sind auch ein Ewiggestriger oder Sie haben die Zeit im Gefängnis
verschlafen.Wir Frauen sind mittlerweile viel emanzipierter“.
Wie gingen nun auf einen Bauernweg neben der Straße Richtung Bleiburg.
„Ina. Sag bitte aber nicht bei der Polizei, dass wir auch im Wirtshaus waren, weil das
peinlich für dich wäre. Wenn die Polizei es ausforscht und den Wirt und die Gäste
befragt, wäre es nicht gut“.
„Nein, sage ich nicht. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Wenn es mir doch rausrutscht,
weil ich nicht gewohnt bin die Polizei anzulügen, da sage ich ganz einfach, das ich gar
nicht sagen kann, wo das war, weil wir die Orientierung verloren haben“.
„Na gut, wie Du meinst. Am besten ist jedenfalls nichts zu sagen“.
„Wenn ich aber nichts sage und der Wirt oder ein Gast sich von selbst meldet, wäre erst
recht nicht gut“, ergänzte sie.
„Oh, da hast Du wirklich recht. Daran habe ich nicht gedacht sowie Du zuvor nicht, dass
Du mitunter ärztlich untersucht werden könntest. Andererseits könntest Du in so einen
Fall, das sich jemand meldet, jedenfalls glaubhaft vorbringen, dass Du durch die
Aufregung nicht daran gedacht hast, während es wegen den Sex kaum glaubhaft wäre“.
„Machen Sie sich nicht so viele Sorgen. Wichtig ist jetzt, dass Sie über die Grenze
kommen. Außerdem habe ich ihre Selbstanzeige“, sagte sie nun selbstsicherer und
offensichtlich von der Selbstanzeige, die ich ihr übergeben hatte kaum mehr verängstigt,
was sie ihren Mann und der Polizei sagen sollte.
Instinktiv fiel mir ein, dass sie natürlich nun selbst große Interesse haben musste nachdem
wir eine Affäre hatten, dass mich der Übertritt über die Grenze sowie die weitere Flucht
erfolgreich gelingt. Zu unseren beiden Schutz, nämlich das ich in Uruguay lande und sie
mit der Selbstanzeige gerettet ist.
Nach zirka eine Stunde kamen wir in Bleiburg an. Das Wetter war uns zuvor etwas
Gnädig, aber unmittelbar vor Bleiburg fing es wieder stärker zum Regen an.
Gleich an Anfang des Ortes sahen wir ein Wirtshaus. Wir schauten uns an.
„Gehen wir rein und warten etwas ab, wie zuvor. Es bleibt uns fast keine andere Wahl“,
fragte ich sie.
„Sie haben recht, sonst sind wir gleich durchnässt“, bejahte sie.
Im Wirtshaus waren bei zehn Personen. Wir bestellten einen großen Mocca mit Milch und
schauten besorgt beim Fenster raus.
Nach zirka einer halbe Stunde, zwischendurch bestellten wir uns auch ein Tee, besserte
sich das Wetter soweit, dass es nur mehr leicht tröpfelte.
Wir bezahlten und machten uns weiter auf den Weg durch Bleiburg, Dabei erreichten wir,
nahe dem Ortsausgang, eine überdachte Bahnstation, besser Bahnwartehäuschen. Wir
setzten uns hin und schauten auf der Straßenkarte nach. Nun war es klar, dass es zur
Grenze nur mehr zwei, drei Kilometer waren.
Es war zirka halbsechs Nachmittag. Wir schätzten in eine Stunde bei der Grenze zu sein,
so dass wir uns eine kleine Pause gönnten. Eigenartigerweise, wurde mir bewusst,
innerlich zunehmend nervöser zu werden. Vielleicht wegen der nahestehenden
Trennung, hörte ich mir innerlich selber zur Erklärung sagen.
Vis-a-vis vor uns war ein Caféhaus. Plötzlich bekam ich den drang nach eine Zigarette. Ich
war Raucher und hatte schon seit Tagen nicht geraucht, ohne das es mir eigentlich
abging. Nun aber konnte ich es kaum mehr erwarten.
„Ina. Gibst mir 20 Schilling. Ich gehe ins Caféhaus vis-a-vis und kaufe mir Zigaretten“.
„Ich habe nicht gewusst, dass Sie Raucher sind. Ja, ich gebe es Ihnen gerne, aber ich gehe
mit. Warum haben Sie es nicht gleich vorher gekauft?“, sagte sie forsch und gab mir
zwanzig Schilling.
„Wenn Du mich so fragst, weiß ich es auch nicht. Ich dachte nicht daran. Es kam jetzt von
einen Moment auf den anderen“.
Wir betraten das Caféhaus. Ich war überrascht, das es bersten voll war. Laute Musik dröhnte
aus einem Nebenraum. Ich schaute durch die Zwischentür und sah Paare tanzen. Ich
bestellte auf der Schanktheke Streichhölzer und ein Päckchen Marlboro, dann verließen wir
das Caféhaus. Ich war froh, denn ich fühlte mich bei so vielen Gästen nicht wohl.
Als wir das Caféhaus verließen, sah ich auf einmal eine Telefonzelle neben das Bahnwarte
häuschen.
„Ina, willst telefonieren und deinen Mann verständigen. Aber bitte sage ihn
natürlich nicht, wo wir uns gerade befinden, sonst ruft er gleich die Polizei an“, bot ich ihr
spontan an.
Ich zündete mir eine Zigarette an und saugte den Rauch gierig ein.
„Nein, das sage ich ihn, wenn ich zu Hause bin“, antwortete sie prompt.
Ich verstand, dass man über so einen Drama über Telefonleitung nicht sprechen will,
sondern Aug im Aug gegenüber den Angehörigen und Vertrauenspersonen.
„Danke, Ina, für die Zigaretten. Kannst Du tanzen“, fragte ich sie mehr aus einer plötzlichen
mir unerklärlichen Verlegenheit heraus.
„Ja, aber ich habe schon eine Ewigkeit nicht mehr getanzt. Die Kinder und die Arbeit lassen
es kaum zu“.
„Ehrlich gesagt, Ina. Du tust mir leid, denn Du hast für dich persönlich keine Zeit. Ich finde es
traurig“.
„Ja. Sie haben recht. Ich gehe voll in der Familie auf“.
„Ich will deinen Mann nicht beurteilen, Ina,…“, sagte ich ihr Respektvoll, „…aber
es ist schon gemein, das er dich so vernachlässigt“.
„Ja, ich bin auch nicht glücklich darüber. Ich weiß auch nicht mehr, was ich machen soll und
wie es so weiter gehen soll. Ich habe alles versucht unser Ehe wieder zu normalisieren“.
„Hast Du nicht daran gedacht, dass dieser Vorfall jetzt für ihn vielleicht eine Wende sein
könnte!“
„Wie meinen Sie das!?“, fragte sie neugierig geworden.
„Na ja, wenn er dich noch liebt, so muss er jetzt schockiert sein und große Angst um dich
haben. Vielleicht gehen bei ihn jetzt die Augen wieder auf“.
„So habe ich es noch nicht gesehen. Vielleicht haben Sie recht. Das werde ich sehen, wenn
ich wieder zu Hause bin“.
Nach dem ich ausgeraucht hatte, machten wir uns wieder auf den Weg. Der Regen hatte
mittlerweile nachgelassen und es tröpfelte nur gelegentlich.
Wir mussten jetzt unmittelbar am Rande der asphaltierten Landstraße marschieren, denn
durch den Regen war der Boden so aufgeweicht und glitschig, das es zu begehen kaum
möglich war, sei es hätten wir im Kauf genommen auszurutschen und im Dreck zu landen.
Nach zirka einer halben Stunde Marsch verdunkelten sich der Himmel plötzlich innerhalb
von Minuten rapide. Von der Grenze her dröhnte der Himmel vor Blitze und man sah alle
paar Sekunden Blitzlichter aufblitzen.
„Bist Du narrisch...“, rutschte aus mir heraus, “…Wie soll ich da die Grenze überschreiten
können. Auf der Straße unmöglich und durch den Wald würde ich nur hin und her Rutschen
im Katsch und kaum ein Meter weiterkommen…“
„Ja, es schaut nicht gut aus. Das Gewitter kommt direkt von der Grenze herauf…“, erwiderte
sie, „…Was sollen wir machen. Der Regen wird jetzt auch noch stärker“, fragte sie ratlos.
Ich schaute mich um. Auf der einen Seite Felder und Ackerland in düsteren Licht des mit
dunkelgrauen Wolken belegten Himmel und auf der anderen Seite ein fast angstein
flößender dichter Wald. Weit und breit kein Schutz.
Ohne viel zu überlegen, rein Instinktiv fasste ich einen Entschluss. Ich muss diesem Drama
ein Ende setzen, sonst endet es in eine Katastrophe. Vorwiegend vom Beschützergefühl
geleitet, das ihr nichts mehr passieren dürfe, als die Strapazen, die sie ohnehin schon auf
sich genommen hat.
Als ich ein PKW kommen sah, faste ich einen Entschluss und winkte automatisch.
Sie hatte sich noch nicht gefasst, da blieb der PKW schon neben uns stehen.
Durch das offene Autofenster bat ich den mittelälteren Autofahrer, ob er uns nach Bleiburg
mitnehmen könne und erklärte ihn, dass wir vom schlechten Wetter überrascht worden sind.
Er bejahte freundlich und wir nahmen auf den hinteren Sitz Platz.
Sie schaute mich fragen an, aber ich konnte es ihr nicht im Auto erklären und deutete ihr mit
der Hand um Geduld. Im nu waren wir in Bleiburg zurück und wir stiegen vor das Bahnwarte
häuschen aus und bedankten uns beim Autofahrer.
Wir nahmen am Häuschen wieder Platz. Ich rauchte mir eine Zigarette an und erklärte ihr
nun, was ich mir überlegt hatte.
„Schau, Ina. Bei dem Wetter ist unmöglich die Grenze zu überschreiten. Gehen wir weiter,
gefährdest Du dich und mir bringt das gar nichts…“
„Wieso gefährden?“, fragte sie in Unverständnis nach.
„Ganz einfach. Wir würden bei dem Gewitter nur durch und durch Watschelnass werden und
Du könntest sogar eine ordentliche Verkühlung oder sogar eine Lungenentzündung
bekommen, denn wo sollen wir ein Schutzunterschlupft finden. Wir würden nur unnötig ein
Risiko eingehen“.
„Und was machen wir jetzt?“
„Ich kann es nicht mehr verantworten. Ina. Du musst wieder nach Hause. Ich sehe es dir an,
dass Du schon erschöpft bist. Eine weitere Gefährdung könnte dir gesundheitlich sehr
schaden. Wenn Du willst, gehe jetzt. Lasse mir bitte aber so viel Zeit bevor Du zur Polizei
gehst, damit ich den dichten Wald erreichen kann“, und deutete ihr mit der Hand Richtung
Wald.
„Nein, das kommt nicht in Frage! Es muss eine andere Lösung geben!“, antwortete sie wie
aus der Pistole geschossen.
„Schau! Der Regen wird stärker und das Gewitter kommt immer näher. Anders wäre es,
wenn wir in eine größere Stadt wären. Da könnte ich leichter Flüchten und Unterschlupft
finden. Die Hauptstadt Klagenfurt wäre natürlich ideal“.
„Und wie könnten wir hinkommen?“, fragte sie nach.
„Eigentlich nur mit dem Zug oder per Autostopp, sonst sehe ich keine Möglichkeit“,
antwortete ich ihr.
„Schauen wir nach beim Zugplan. Dies ist ja eine Bahnhaltestelle“, forderte sie mich auf.
Wir schauten nach, mussten aber feststellen, das heute kein Zug mehr nach Klagenfurt fuhr.
„Es bleibt uns also nur übrig per Autostopp hinzukommen! Wenn wir ein Auto stoppen
könnten, das direkt nach Klagenfurt fährt wäre es ideal, denn dann wären wir in eine bis
eineinhalb Stunden dort“.
„Anders geht es wohl nicht, aber bei dem Regen wird es schwer sein“, stellte sie fest.
„Wir können nur den Regenende abwarten, denn das Gewitter scheint Momentan auf der
Stelle stehengeblieben zu sein, es kommt eigentlich nicht näher. Wenn wir Glück haben hört
es bald auf und wenn wir gleich ein Auto erwischen, könnten wir es dann schaffen. So wäre
mir geholfen und in Klagenfurt bist Du dann in Sicherheit, sobald Du zur Polizei gehst“.
„Ja, in der Stadt wären auch Sie sicherer. Da gibt es sicher mehr Möglichkeiten. Aber hier
wäre es für Sie fürchterlich. Hier haben Sie gar nichts, wo Sie Schutz finden könnten“.
Vom Gefühl der Dankbarkeit und Bewunderung überwältigt, umarmte ich sie und drückte
sie fest an mich.
„Ina. Gestern bis heute Nachmittag hatten wir ein wunderschönes Wetter. Jetzt zieht aber
ein Gewitter über uns. Gott und das Glück ist nicht mehr auf unserer Seite…“
„Wie meinen Sie es?“.
„Ich weiß es auch nicht. Wir stoßen plötzlich von einem Hindernis auf die andere. Ich spüre
nur, das uns Gott böse geworden ist, wie sonst würde er uns das antun und unseren Sterne
am Himmel mit dunklen Wolken verdecken“.
„Nein! Gott ist es nicht. Es ist nur die Natur“.
„Weißt Du! Ich träumte schon davor, sobald wir die Grenze erreicht hätten, dich zum letzten
Mal in die Armen zu nehmen und dich ganz lieb zu haben…“
Ich merkte, dass sie offenbar vor kälte zitterte.
„Siehst Ina! Das meinte ich. Du frierst jetzt schon. Deine Kleider sind auch schon feucht.“.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Es ist nur Momentan. Es sind nur ihre Worte, die mich
erzittern lassen“.
„Wir könnten ins Caféhaus gehen. Dort ist warm und wir könnten etwas warmes trinken. Es
wird schon nichts passieren“, schlug ich ihr fürsorglich vor.
„Ja, gehen wir. Das ist eine gute Idee. Es ist wirklich ziemlich frisch geworden“.
Wir sprinteten fast kindisch über die Straße, um den regen zu entkommen. Das Caféhaus
war nicht minder bersten voll, wie zuvor. Mich störte es aber nicht mehr, denn wichtig war
mir nur mehr, sie irgendwo in eine warme Stube unterzubringen. Und eine andere
Möglichkeit bot sich nicht. Ich sah, wie sie erleichtert wirkte den warmen Raum des
Caféhauses betreten zu haben. Im Thekenraum war nur mehr ein Tisch frei, die wir gleich
besetzten. Den Rucksack schob ich unter der Sitzbank. Der Tisch war glücklicherweise gleich
neben einen Fenster, so dass wir das Wetter draußen beobachten konnten.
Die Serviererin kam sogleich zu uns, grüßte uns freundlich und fragte nach unseren
wünsche.
„Bei so einem Wetter würde ich gerne einen heißen Zitronentee trinken. Haben Sie sowas,
bitte?“
„Ja, das können Sie haben“.
„Und was trinkst Du, Ina?“, fragte ich sie.
„Bringen Sie mir bitte auch einen Zitronentee“, sagte sie zur Serviererin.
„Und bringen Sie uns bitte auch jeweils zwei Kuchenstücke, wie ich auf der Theke sehe“,
bestellte ich dazu.
„Ja, gerne“.
Ich wendete mich ihr zu: „Mein Gott ist es hier schön warm. Geht es dir besser, Ina?“.
„Ja. Mir war tatsächlich schon kalt. Es war eine gute Idee von Ihnen. Hoffen wir jetzt, dass
sich das Wetter schnell bessert. Ich sage Ihnen gleich jetzt, damit Sie nicht nervös werden,
dass ich dann auf die Toilette gehe“.
„Ja, selbstverständlich“, antwortete ich ihr sogleich und scherzte, „Und mach dich schön für
mich. Ich will dich dann haben“.
Sie lachte und erwiderte, „Sie werden mich nicht bekommen“.
Ich sah sie an und gab ihr kontra: „Ich werde um dich kämpfen, wie ein Löwe und dich
erbarmungslos bezwingen und dann schleppe ich dich als meine Beute mit“.
Sie grinste über das ganze Gesicht und ich erwärmte mich innerlich daran, dass wir uns
netterweise neckten und dass sie sich nun wohler fühlte. Ich ertappte meine Gefühle dabei,
dass ich für sie fast eine göttliche Verehrung empfand.
Die Serviererin näherte sich und brachte uns die gewünschte Bestellung. Der heiße Tee und
die Kuchenstücke waren eine Wonne. Wir bestellten gleich darauf zwei große Kaffees mit
Milch.
Die Betriebsamkeit rund herum im Caféhaus störte uns nicht. Ich merkte auch nicht, dass
sich jemand für uns auffällig interessiert hätte. Ich merkte nur einen dicklichen Mann, der
gelegentlich zu uns sah, fand aber nichts Auffälliges dabei.
Dann ging sie zur Toilette, fragte zuvor aber bei der Serviererin nach, die ihr den Weg zur
WC wies. Sie musste über den anderen Raum gehen, wo Paare bei lauter Musik tanzten.
Ich beobachtete währenddessen das Wetter draußen, das besser zu werden schien. Der
Regen schien fast aufgehört zu haben. Der Himmel war aber weiterhin voller dunklen
Wolken und wirkte bedrohlich. Mir war klar, das jeden Moment wieder zu strömen
beginnen könnte.
Dann kam sie von der Toilette zurück und bezahlte gleich bei der Theke die Unkosten. Wir
blieben noch ein paar Minuten sitzen, tranken den Kaffee zu Ende und verließen das
Caféhaus.
Der Regen hatte zwischendurch komplett aufgehört. Es fielen nur gelegentlich einzelnen
tropfen herab. Ich strebte die Telefonzelle an und sagte zu ihr, dass sie ihren Mann anrufen
sollte.
„Nein. Ich sagte Ihnen schon, dass ich es ihn dann zu Hause sage“.
„Ina! Du rufst jetzt an. Dein Mann und vor allem deine Kinder machen sich sicherlich schon
große Sorgen. Du brauchst Ihnen nicht alles zu erzählen. Das machst Du dann zu Hause. Sie
sollen jetzt nur wissen, dass Du lebst und bald nach Hause kommst. Nach dir rufe ich eine
Zeitung an und sage Ihnen, das Du meine Geisel bist und das ich dich in eine bis zwei
Stunden freilassen werde“.
„Warum tun Sie das?“.
„Na, warum, Ina! Wenn ich Rücksichtslos wäre, wäre es mir tatsächlich egal. Du und deine
Familie ist mir aber nicht egal. Ob Du anrufst oder nicht, ich muss das Drama beenden, um
euretwillen. Ich kann es einfach nicht mehr verantworten, sonst belaste ich mein Gewissen
noch mehr und unsere Sterne am Himmel erlöschen auch“.
„Mein Gott, was sind Sie für einen Mann!“, und umarmte mich abrupt so stark, das ich vor
Schmerzen fast aufschrie.
„Nein, Ina. Im Gegenteil. Ich muss sagen, was für eine unglaubliche Gute Frau Du bist. Eine
Göttin der Güte und der Liebe“.
Nachdem sie ihren Mann angerufen hat, rief ich die Nummer der Kärntner Kronen Zeitung
an. Es meldete sich eine Frauenstimme.
„Kann ich bitte einen Reporter sprechen“, fragte ich sie.
„Nein. Es ist schon Redaktionsschluss und daher keiner mehr im Hause“.
„Na gut. Können Sie etwas notieren?“„Ja, das kann Ich schon“.
„Schreiben Sie auf. Ich heiße Juan Carlos Bresofsky-Chmelir..“, sie unterbrach
mich und ließ mir meinen Namen buchstabieren.
„Richten Sie Reporter aus, dass ich aus der Strafanstalt Karlau ausgebrochen bin und eine
Frau als Geisel genommen habe. Haben Sie das!“.
„Ja, ja. Wer ist die Frau?“
„Das werden Sie noch erfahren. Ich lasse die Geisel etwa in eine bis zwei Stunden frei.
Haben Sie das?“
„Ja, wo sind Sie jetzt?“
Ich gab ihr darauf keine Antwort, forderte sie aber auf zu notieren: „ich bin aus der
Strafanstalt wegen untragbaren Haftbedingungen ausgebrochen. Haben Sie das?“
„Ja. Kann ich noch…“
Ich hängte den Hörer einfach auf und wählte anschließend die Nummer meines Bruders
Maximo. In schnellen Worten erklärte ich ihn, was passiert war und das ich mich nun ins
Ausland abzusetzen versuche. Aus Rücksicht ihnen gegenüber wollte ich nicht, dass meine
Geschwister das Geschehen über die Medien erfuhren.
Dann verließ ich die Telefonzelle und mein Blick fiel plötzlich auf eine aufleuchtende
Gendarmerie-Hinweistafel im ersten Stock über die Tür des Einganges des Caféhauses, die
offensichtlich wegen der zunehmenden Dunkelheit eingeschaltet wurde. Mir blieb
Momentan die Luft weg. Ohne es zu wissen, saßen wir in einen Caféhaus unter einen
Gendarmerie-Posten.
„Wir müssen schnell von da verschwinden, Ina! Siehst Du die Polizeitafel dort oben“ und
deutete ihr die Richtung.
„Ja. Das habe ich vorher auch nicht gesehen, aber es ist ja nichts passiert“.
„Stell dir aber vor, da wäre vielleicht ein Gendarm reingekommen, hätte mich als
Ausbrecher erkannt und uns da beim Kaffee erwischt“.
„Regen Sie sich nicht so auf. Es ist ja nichts passiert“, versuchte sie meine Beunruhigung zu
dämpfen.
„Ja, aber jetzt haben wir angerufen und die können vielleicht den Ort schnell lokalisieren.
Gehen wir gleich außer Ort und versuchen ein Auto zu stoppen“.
Wir marschierten außer Ort und hatten das Glück sogleich ein Auto stoppen zu können. Ein
älterer Mann fragte uns, wohin wir wollten.
„Wir wollen nach Klagenfurt, bitte…“, sagte ich ihn, „Sie können uns aber ein Stück
mitnehmen, wenn Sie Richtung Klagenfurt oder Völkermarkt fahren, bitte, sonst sind wir das
Wetter ausgeliefert“.
Ich erinnerte mich plötzlich auf der Straßenkarte gesehen zu haben, das Richtung Klagenfurt
das kleine Stadt Völkermarkt lag.
„Steigen Sie ein. Eine Strecke kann ich euch mitnehmen“.
„Oh, herzlichsten Dank. Das Wetter ist Momentan schlimm“, bedankte ich mich und
irgendwie als Entschuldigung und Rechtfertigung, „…Wir sind gerade ein bisschen
gewandert und sind überrascht geworden“,
„Im Radio ist durchgegeben worden, das noch schlimmerer Regen kommen sollte“,
informierte er uns.
Nach kurzer Fahrtdauer ließ er uns in einen kleinen Ort aussteigen.
Wir durchquerten den Ort und machten wieder Autostopp. Aber wie verflucht wollte keiner
mehr stehenbleiben. Der Regen wurde stärker und wir suchten Schutz unter einen dicken
Baum. Ich nahm eine Reserve Pullover vom Rucksack und legte es als Schutz vor den Regen
über ihren Kopf.
Es blieb uns nichts anderes übrig, als erneut zu versuchen ein Auto zu stoppen. Nach
endlosen Minuten blieb dann endlich ein Auto stehen, worin eine frau und ein Mann
mittleren Alters saßen, offenbar ein Ehepaar. Sie nahmen uns bis nach Völkermarkt
mit.
Wir nahmen am hinteren Sitz Platz und vor lauter Freude, griff ich ihr dabei frech zwischen
den Beinen. Sie stieß meine Hand weg und warnte mich mit den Fingerzeichen. Ich schaute
sie an und lachte leise.
Als wir in Völkermarkt ankamen, gegen acht Uhr abends, war es bereits Stockdunkel.
„Was erlaubten Sie sich im Auto! Sind Sie verrückt! Wenn die Personen das gesehen
hätten?“, fuhr sie mich ernst an.
„Vor lauter Freude habe ich mir einen Spaß erlaubt. Entschuldigung! Ich habe schon
aufgepasst, das sie es nicht sahen“.
„Sie sind nicht ganz normal. Das tut man nicht“.
„Ja, ich weiß, Ina. Du hast recht. Es war nicht böse gemeint“.
„Das weiß ich auch, aber das tut man nicht“.
„Oh ja! Für dich würde ich alles tun“, neckte ich sie.
„Hören Sie auf damit. Was machen wir jetzt?“, fragte sie mich.
Wir standen mittlerweile vor dem Regen Schutzsuchend auf einen Hauseingang. Die Lichter
der Häuser beleuchteten Schemenhaft die Straße. Nur wenige Passanten eilten durch die
Straßen, ebenso vereinzelten Autos.
„Bei dem Regen und Dunkelheit weiter Autostopp zu machen, wäre ein Wahnsinn. Gehen
wir einmal ums Eck der Straße und schauen wir weiter“, antwortete ich ratlos und
gedankenlos.
Ich war so Ratlos und Planlos, wie man es nur sein kann. Und das war mir schmerzlich
bewusst. Mein einziges Ziel war, dass sie unversehrt wieder zu ihrer Familie zurückkehrt und
dass ich dabei eine kleine Chance bewahre, um meine Flucht fortsetzen zu können.
Vom Hauseingang zum anderen schutzsuchend bewegten wir uns vorwärts. Dann sahen wir
eine überdachte Bushaltestelle und ich sagte ihr:
„Vielleicht haben wir Glück ein Autobus bis Klagenfurt zu bekommen“.
Wir wurden aber schnell enttäuscht. Der letzte Bus war schon abgefahren.
Wir gingen noch ein Stück weiter und sahen eine Tankstelle mit einem Caféhausschild.
„Wenn Du willst, gehen wir hinein, trinken was Warmes und warten wieder ein bisschen, bis
sich das Wetter bessert“, schlug ich ihr vor, zumal ich merkte, dass sie offenbar vor Kälte die
Hände vor der Brust verschränkte.
„Ja, gehen wir“, antwortete sie schon erwartungsvoll.
Es war ein sehr kleines Caféhaus mit nur ein paar wenigen Tischen. Fünf Leute, eine Frau und
vier Männer, unterhielten sich auf der Theke.
Die Frau kam zu uns und wir bestellten jeweils einen großen Kaffee mit Milch.
„Kein schönes Wetter“, bemerkte sie. Offenbar auf unsere fast durchnässte Kleidung
aufspielend.
„Es hat uns gerade beim etwas wandern erwischt“, antwortete ich ihr.
„Ah!“, nickte sie aufgeklärt und bejahend.
Nach zirka eine halbe Stunde, verließen wir das Caféhaus wieder. Draußen regnete es noch,
wenn auch nicht so stark wie zuvor, dafür aber blähte ein sehr frischer Wind.
Wir gingen der Straße entlang und ich schaute mich verzweifelt um nach einen
unterschlupft, wo wir uns unterstellen hätten können. Ich erblickte eine leer stehende
Baustelle mit einem Bagger.
„Komm, Ina. Steigen wir auf die Kabine des Baggers. Ich sehe sonst weit und breit keinen
besseren Schutz“.
Sie nickte. Man sah ihr deutlich an, dass sie schon ziemlich erschöpft war und Kälte litt. Ich
half ihr raufzusteigen. Oben verschlossen wir die Schiebefenstern des Baggers, sodass wir
nun auch vor den kalten Wind geschützt waren.
Ich setzte mich auf den Baggersitz, zog sie auf meinen Schoss, wobei mir die Oberschenkel
vor stechenden und brennenden Schmerzen beinahe aufschrienen ließen, drückte ihr
Oberkörper an meine Brust, umarmte sie und rieb ihr den Rücken, um ihr schnell Wärme
einzuflößen.
„Ist dir besser, Ina?“, fragte ich sie nach Minuten.
„Ja. Sie sind sehr lieb zu mir, obwohl es Ihnen auch nicht gut geht“.
„Neben dir und dich in meinen Armen geht es mir immer gut, Du schöne Frau“, flüsterte ich
ihr ins Ohr.
Sie lehnte ihren Kopf fester an meine Schulter und schien einschlafen zu wollen. Ich hielt sie
fest umarmt und atmete nur leise, um sie nicht zu stören.
Der Blick durch die Baggerscheiben in die dunkle Nacht hinaus war bedrohlich, begleitet von
fernen und dumpfen dröhnen des Gewitters. Die dunklen dicken Wolken schienen greifbar
nah.
Mir kreisten die Gedanken. Gleichzeitig fühlte ich mich in der Stille der Nacht durch die
körperlichen Schmerzen, infolge der tagelangen Schinderei auf der Flucht, wie gepeinigt. Ihr
Gewicht auf meinen Körper lastete wie Tonnen.
Wie gerufen, schaltete sich mein Geist schützend ein. Es trat von mein Körper weg. Die
schmerzen waren im nu wie verflogen. So als wenn ich vom mein Körper losgelöst worden
wäre. Eine Fähigkeit von mir, die ich auch früher in verzweifelten Situationen mehrmals
erlebte.
Mein geistiger Blick, ich erschrak Momentan, sah durch die Baggerscheiben in die Kabine
hinein. Ich sah mich selbst an, die Frau beschützend in den Armen liegend. Ich sah mich in
die Augen und erschreckte. Zutiefst verzweifelte und gepeinigte Augen schauten mich
fragend an. Ich erschauderte. Der Blick wanderte weiter über den Körper der Frau entlang
bis zu ihr Gesicht. Sie schien zu schlafen oder sie sich fallengelassen zu haben. Ihre
Gesichtszüge wirkten Müde, aber entspannt. Ihr Körper strömte plötzlich eine übergreifende
Wärme aus. Mein geistiger Blick wanderte zurück zu mir. Ein gemartertes, aber nun vor
Glück aufblitzenden Augen waren zu sehen. Nicht aus Liebe oder ähnliches, sondern aus
Bewunderung und Respekt gegenüber der Frau, die nun auf meinen Schoss saß und die seit
geraumer Zeit freiwillig die Strapazen auf sich nahm, um mir zu helfen.
Im nu verschwand der geistige Blick wieder.
Ich dachte fragend nach: „Was war das? Was habe ich da gesehen! Das war ich selbst. Ich
habe mich selbst beobachtet. Bin ich verrückt geworden! So intensiv und klar habe ich es
noch nie erlebt!“
Die Schmerzen kehrten allmählich zurück und weckten mich wieder in die Gegenwart. Ich
stöhnte vor schmerzen auf.
„Oh! Habe ich Ihnen wehgetan“, fragte sie mich erschreckt.
„Nein, nein. Du kannst nichts dafür. Nur in den Moment, in der Du dich unerwartet
aufgesessen hast, glaubte ich, das mir jemand die Oberschenkeln aufschneidet“.
„Warten Sie! Ich stehe langsam auf. Ich kann mir vorstellen, dass Sie geschunden sind. Ich
muss mir sowieso die Füße ein bisschen verdrehen. Wie lange bin ich bei Ihnen gelegen? Ich
fühle mich jetzt gut und kalt ist mir auch nicht mehr“.
„Ich weiß selber nicht, Ina. Ich habe dich einfach liegen lassen. Du hast es gebraucht. Es tat
mir auch gut. Wir haben uns gegenseitig aufgewärmt“.
„Danke jedenfalls. Das war sehr nett von Ihnen. Sie sind sehr Rücksichtsvoll“. Sie schaute auf
die Uhr.
„Jetzt ist es 23 Uhr. Heute können wir nicht mehr Autostopp machen. Da können wir nur bis
in der Früh warten!“
„Ja! In die frühen Morgenstunden können wir leichter mit Pendlern weiterkommen. Damit
sind wir dann schnell in Klagenfurt. Willst dich hersetzen?“.
„Nein, nein, bleiben Sie nur ruhig sitzen. Es tut mir gut, die Füße ein bisschen zu bewegen“.
Der Bagger bot rund um den Sitz herum bei einen Meter Bewegungsraum, so dass man sich
nicht unbedingt beengt fühlte.
„Wollen Sie ein Wurstbrot? Semmeln haben wir keine mehr. Ich habe etwas Appetit
bekommen“.
„Ja, gerne. Warte ich mache dir mit Streichhölzer Licht“.
„Nein, das brauchen Sie nicht. Das Licht reicht“.
Tatsächlich sickerte mittlerweile Mondlicht in die Kabine. Die Wolken hatten sich etwas
aufgespalten und Teile des Himmels frei gemacht. Das Wetter, ging mir durch den Kopf,
spielte schon die ganze Zeit verrückt.
Sie hob den Rucksack auf eine Ablage des Baggers und richtete uns Brötchen an. Ich führte
meine Hand zu ihr Gesäß und streichelte sie.
„Lassen Sie das. Sehen Sie nicht, was ich in der Hand halte“, und fuchtelte mit dem Messer.
„Ja, das sehe ich. Jetzt bin ich in deiner Gewalt und ich erhebe keinen Protest dagegen.
Versprochen“.
Sie lachte auf.
„Sie waren ganz schön leichtsinnig. Ich habe bemerkt, das Sie das Messer nach St. Michael
zumeist nicht mehr griffbereit im Rucksack hatten“.
„Hätte ich es im Hosenbund belassen, hätte man mitunter die Wölbung hinten bemerkt. Ich
habe dir ja die Jacke gegeben und unter den Pullover hätte man es sicher bemerkt.
Außerdem, ich brauchte kein Messer mehr. Ich weiß, dass Du mich liebst.“.
„Nein, das tue ich nicht. Aber ich bin von Ihnen zugegebenermaßen etwas fasziniert. Sie sind
ein erstaunlicher Mann mit unglaublich vielen Facetten“.
„Danke. Und Du bist eine unglaublich anziehende Frau. Wunderschön und unglaublich
begehrenswert, leidenschaftlich und zum reinbeißen. Nur schade, dass unsere Schicksale
und Wege so verschieden sind. Ich wäre ein Lebenlang Glücklich an deiner Seite“.
Sie beugte sich vor und gab mir ein Kuss auf die Wange. „Sie sind unglaublich lieb“.
„Warte ich will dir auch ein Kuss geben“, forderte ich.
Sie beugte sich vor und hielt mir die Wange hin. Stattdessen biss ich ihr schnell,
aber zärtlich am Hals.
„Und verrückt sind Sie auch“ ergänzte Sie lachend.
„Ina, ist dir was aufgefallen!“
„Was?“.
„Seit wir bei Graz die Autobahn erreicht haben, reden wir ständig miteinander und so, als
wenn zwischen uns nie was vorgefallen wäre“.
„Ja! Sie haben recht. Ich habe mich noch nie mit einen Mann, nicht einmal mit meinen
Ehemann so viel unterhalten, als wie mit Ihnen in kürzester Zeit“.
Sie rechte mir ein Brötchen und die halbvolle Fantaflasche. Ich verzerrte das Brötchen.
„Wollen Sie noch eine Brötchen. Es ist genug da!“
„Nein, danke. Ich habe keine Zeit mehr“.
„Wieso keine Zeit?“, fragte sie neugierig.
„Weil ich dich lieben möchte“.
„Das können Sie sich aus dem Kopf schlagen. Wir sind da auf einen Bagger“.
„Na und! Trotzdem will ich dich lieben“ und griff ihr nach dem Gesäß.
Sie wich mir aus. Ich stand auf und bedrängte sie. Die Begehrlichkeit, die sie in mir weckte,
ließ mir die Schmerzen vergessen.
Sie kehrte mir den Rücken zu. Ich drückte meinen Schoss gegen ihr Gesäß, gleichzeitig
drückte ich ihren Oberkörper über den Baggersitz.
„Nein, lassen Sie das“.
„Wie kann ich es lassen, Du süße Göttin. Schon die Berührung mit dir ist so heiß und stark,
das ich glaube zu verglühen“.
„Sie sind gemein. Das hätte ich nicht geglaubt“.
„Ja, ich bin gemein. Ich nehme mir die Göttin, die mich so heiß macht“.
Ich zog ihr die Hose runter und sie wehrte sich nur zaghaft. Ihr schön geformter Hintern ließ
mich auf die Knie gehen. Ich küsste jede Zentimeter ihres Gesäßes und glitt küssend bis zu
ihren Kniekehlen. Sie stöhnte. Ich beugte mich über sie, stemmte meine Füße gegen die
Baggerseite und drang langsam in ihr ein.
„Oh, Du schöne Göttin. Es ist so heiß und schön in dir…“, flüsterte ich ihr voller Leidenschaft,
während meine Stöße schneller und fester wurden.
Wie unter Zwang strömten meine zuflüsternden Worte heraus. „Ina“ Du bist die Wärme
meiner Träume…Du bist die Prinzessin, die ich immer gesucht habe… Du bist das Paradies,
woran ich mich immer sehnte… Wenn wir uns trennen, werde ich immer an dich denken…Du
wirst für alle Ewigkeit in meinen Gedanken und Herz sein…Ich begehre dich unendlich…Du
bist das Feuer, die mich immer begleiten wird“.
Ihr stöhnen wurde lauter. Ich spürte ihre Hingabe. Sie fasste mich und stieß mir entgegen.
„…Oh, Du süße Frau. Mir ist so heiß. Schenke mir deine Liebe für alle Ewigkeit. Lass alles um
mich vergessen. Ich will nur mit dir eins sein und mich nie mehr von dir trennen, so süß und
heiß bist Du…“
Sie stöhnte und keuchte und stieß plötzlich ein langgezogener Schrei aus. Im selben Moment
Schrie auch ich auf und ergoss mich in ihr. Trotz Atemlosigkeit fühlte ich eine unendliche
Erfüllung und Befreiung in mir, abgehoben als würde ich auf Wolken schweben.
Minutenlang blieben wir wie aneinander gekettet. Meine Erregung zuckte noch in ihr. Unser
stöhnen klang, wie von gepeinigten Menschen. Nur, dass wir vor Erfüllung und Lustschmerz
Stöhnten. Ich bückte mich und küsste und liebkoste ihr Gesäß und Scheidenwölbungen, wie
in voller Dankbarkeit für das himmlische Geschenk.
„Oh, Du herrliche Frau. Wie glücklich Du mich machst. Es war unendlich schön“, brach ich die Stille.
Sie beugte sich auf, umarmte mich und legte ihren Kopf auf meinen Schulter.
„Auch ich werde Sie nie vergessen. Es war wunderschön. Noch nie hat mir ein Mann so schöne
Worte gesagt. Sie haben mich sehr glücklich gemacht“.
„Und Du hast mir das Paradies gezeigt, Ina. Noch nie erlebte ich die Liebe so tief, so heiß, so schön
und so süß als mit dir. Du hast mein Leben unermesslich bereichert. Deine Hingabe ist für mich ein
göttliches Geschenk. Was auch kommen mag, unsere Momente sind die Ewigkeit. Ich hebe dich
Empor zu meiner Göttin der Güte und der Liebe und die Sterne sind unsere Zeugen“.
Leise weinend drückte sie sich in meinen Armen und ich hielt sie ganz fest, wir verharrten so
Minutenlang.
Ich rauchte mir eine Zigarette an und setzte mich erschöpft auf den Baggersitz nieder, während sie
sich mit Handtüchern etwas pflegte. Während der Liebesakte, fiel mir plötzlich ein, war ich stets
voller Kraft. Diese Frau, sagte ich mir, lässt dir alles vergessen und haucht dir eine unglaubliche
Kraft ein. Immer wieder harrte ich vor Fassungslosigkeit und Bewunderung vor ihr.
Als ich ausgeraucht hatte, forderte ich sie auf, sich auf mich zu setzen und sie sich weiter
auszurasten.
„Nein, das tun Ihnen weh“, meinte sie mütterlich.
„Weh tut mir, wenn Du es nicht tust“.
Vorsichtig setzte sie sich auf mich und lehnte sie sich auf meine Brust und Schultern.
Am frühen Morgengrauen wurden wir wach. Es war gegen 5.30 Uhr.
„Wir müssen von der Baustelle weg…“, sagte sie, „…weil jeden Moment
Bauarbeiter kommen könnten. Die fangen immer ziemlich früh an“.
„Ja, das stimmt“.
Wir Kämmten uns und ich rasierte mich schnell und trocken.
„Tut das nicht weh?“, fragte sie mich.´
„Ja, ein bisschen stechen tut es schon, aber das macht nichts. In der Stadt sollte ich etwas gepflegt
aussehen“.
„Ja, da haben Sie recht. Aber ich kann Ihnen ein Kompliment machen. Sie sehen so oder so sehr
männlich und Attraktiv aus“.
„Oh, danke. Übertreibst Du nicht ein bisschen!“, in Anspiegelung darauf, das sie mir auch
ähnliches gesagt hatte. Offenbar hat sie es auch so verstanden und lachte auf.
Wir verließen die Baustelle und waren nur in Minuten auf der Landstraße Richtung Klagenfurt
unterwegs.
Schon das erste Auto, das wir stoppten blieb stehen. Ein junger Mann saß drinnen und wir baten
ihn uns nach Klagenfurt mitzunehmen. Er fuhr allerdings nicht bis Klagenfurt und ließ uns vor einen
Geländeareal einer Fabrik aussteigen.
Von dort stoppten wir das nächste Auto. Es blieb relativ schnell wieder ein Auto stehen. Diesmal
ein Werksauto. Diese fuhr bis Klagenfurt, wir mussten aber im Laderaum hinten Platz nehmen, da
die sitze vorne von drei Arbeiter belegt waren.
Am hinteren Eingang des Klagenfurter Hauptbahnhofs stiegen wir wieder aus. Um keinen
größeren Umweg machen zu müssen, durchquerten wir die Räume des Bahnhofs. Dabei ging sie
schnell zur Toilette. Der Bahnhof war voller Leute, die hektisch hin und her gingen. An der
Bahnhofuhr sah ich, dass es 06.15 Uhr war.
Als sie von der Toilette wieder rauskam, verließen wir den Hauptbahnhof von der Vorderseite. Als
wir den Gehsteig betraten, war dieser voller Passanten. Auf der Straße fuhren Autos dicht an dicht.
„Ich bin das nicht mehr gewohnt, Ina“, sprach ich sie an.
„Was meinen Sie damit?“
„So viele Autos und Menschen auf einen Fleck. Am Land waren auch Autos und Passanten, aber
nicht so viele und nicht so dicht beieinander“.
„Ja, natürlich. Sie waren jetzt sehr lange im Gefängnis und sind es nicht mehr gewohnt. Aber so ist
es einmal in einer Stadt. Ich habe schon im Caféhaus bemerkt, dass Sie sich etwas verunsichert
fühlten“.
„Du hast recht. Im Grunde bin ich nur wegen dir reingegangen, weil ich wollte, dass Du dich
wohl fühlst, zumal dir schon kalt war“.
„Glauben Sie nicht, dass ich das nicht bemerkt hätte“.
„Wie viel Geld haben wir noch, Ina?“.
„Etwa 30 Schilling. Warum?“
„Dort vis-a-vis ist eine Cafehaus mit Stehtische. Trinken wir schnell eine Coca Cola. Fanta haben
wir nicht mehr und ich habe Durst bekommen“.
„Ja, gehen wir“.
Wir kauften jeweils eine kleine Colaflasche und unterhielten uns über den weiteren Verlauf der
Flucht.
Ich erklärte ihr nie zuvor in Klagenfurt gewesen zu sein, was auch stimmte, und das ich mich
zuerst der Richtungen zur weiteren Flucht erkundigen musste.
„Na, dann schauen wir uns in der Stadt um“, sagte sie, als wenn es das selbstverständlichste
der Welt wäre.
Nach dem sie bezahlt hatte, gab sie mir den Rest des Geldes.
„Das werden Sie brauchen. Mehr habe ich nicht“.
Wir verließen die Stehschenke und spazierten zirka eine oder eineinhalb Stunden in Klagenfurt
herum. Gänsehaut bekam ich stets, als Polizeiautos an uns vorbeifuhren oder als wir an
Polizeidienststellen vorbeigehen mussten.
An den vielen Passanten und Autos wiederum gewöhnte ich mich relativ schnell.
Als ich mich ausreichend erkundet hatte, setzten wir uns zur letzten Aussprache auf einen
Banksitz nahe einer Bushaltestelle.
„Ja, Ina! Jetzt ist es soweit. Gleich werden wir uns trennen“, wobei mir fast der klotz im Hals
steckenblieb. Mein Herz schien zu zerreißen.
Ich blickte sie an und sah Tränen in ihren Augen. Ich nahm sie bei der Hand.
„Ina, allerersten bitte ich dich nochmals um Entschuldigung für das, was ich dir angetan
habe…“
„Ich habe Ihnen schon verzeihen…“, erwiderte sie mir weinend.
Beschützend legte ich meinen Arm um ihre Schulter.
„Ich habe nur eine Bitte an dich…“
„Ja, was?“
„Es wäre mir sehr geholfen, wenn Du nicht sofort zur Polizei gehst, denn die Alarmfahndung
wird sehr massiv sein“.
„Ja, das verspreche ich Ihnen. Ich gehe vorher zur Kirche und bete auch für Sie“.
„Danke, Ina“, wobei mir selbst die Tränen aus den Augen flossen.
Ich wischte mir die Augen mit dem Ärmel des Pullovers, um nicht bei Passanten aufzufallen, die
ständig an uns vorbeigingen.
„Mein Schreiben für die Polizei hast Du. Bitte, gebe sie unbedingt der Polizei. Denke an dich
und deiner Familie. Soweit wie möglich berufe dich darauf, dass Du sehr Müde bist. So werden
die Kripobeamten darauf Rücksicht nehmen müssen und dir weniger Fragen stellen“.
„Ja, ich werde es mir merken“.
„Und noch etwas! Bitte vermeide Journalisten. Die sind hartnäckig und gefährlich. Sag ganz
einfach, das Du völlig erschöpft bist“.
„Ja, das werde ich tun. Und wohin gehen Sie jetzt?“.
„Ich nehme dort ein Bus und fahre weg. Dann verstecke ich mich bis in der Nacht. Und meinen
Weg kennst Du ja. Ich werde nun versuchen über die Grenze zu kommen, wann, wo und wie
auch immer. Und von Italien aus hoffe ich nach Uruguay zu kommen. Wenn ich dort bin, kann
ich dann nicht mehr nach Österreich überstellt werden“.
„Ich wünsche Ihnen vom Herzen, das es Ihnen gelingt. Kann ich noch etwas tun für sie?“
„Es wäre mir geholfen, wenn ich eine Uhr hätte, damit ich mich zeitlich orientieren kann“.
Sie nahm ihre Armbanduhr und gab es mir.
„Es ist nicht Wertvoll und auch kein Erinnerungsstück. Ich gebe es Ihnen gerne“.
„Danke, Ina. Zum Abschied will ich dir noch sagen, die Sterne am Himmel werden mich
immer begleiten. Du bist also immer bei mir und in meinen Herzen. Die Schönheit deiner
Liebe und Güte wird mich mein Lebelang begleiten“.
Sie schlunzte weinend auf.
„Bitte nicht, Ina“.
Ich zwang mich aufzustehen, sonst wäre ich selbst in Tränen ausgebrochen. Auch sie stand
auf und folgte mir. Langsame Schritte und Hand in Hand gingen wir zur Bushaltestelle.
„Und bevor ich es in der Aufregung vergesse, Ina. Wenn ich Glück habe und in Uruguay
ankomme, werde ich dir rekommandiert ein Brief schicken mit Grüßen des schwarzen Ritters
und der Sterne schicken“.
Sie drückte meine Hand fester, schaute auf und lächelte.
„Und abschließend wünsche dir und deine Familie alles Gute. Vor allem, das sich dein Mann
besinnt und endlich erkennt, welche wunderbare Frau er an seiner Seite hat“.
„Danke. Ich wünsche Ihnen auch alles Gute und das Sie in Uruguay ankommen. Und wenn
ein Brief ankommt, werde ich sehr glücklich sein“.
An der Bushaltestelle kam sogleich ein Autobus. Bevor ich einstieg, gab ich ihr überraschend
ein Abschiedskuss an die Wange und flüsterte ihr „Du bist meine Göttin. Ich werde immer
zu den Sternen raufschauen“.
Sie drückte meinen Arm, sagte jedoch nichts mehr.
Ich bestieg den Bus und gab den Chauffeur, der gleichzeitig den Bus lenkte, mein Zielort an
und fragte ihn, was es koste.
Der Chauffeur schaute mich komisch an und erwiderte: „Sie sind falsch dran. Um dorthin zu
kommen müssen Sie auf der anderen Seite der Straße einsteigen“.
Ich stieg wieder aus und ging zu ihr hin, worauf sie mich überrascht fragte:
„Was ist passiert?“.
„Es ist der falsche Bus und Richtung, Ina. Ich muss auf der gegenüberliegenden Seite
einsteigen“.
Wir überquerten die Straße und wenige Minuten darauf kam der richtige Bus.
Ich bestieg diese und winkte ihr noch zu und sie winkte zurück. Mich zerriss fast das Herz.
Ein dicker Glotz am Hals ließ mir schwer Atem. Das Drama war beendet, die Tragödie in
meinen Herzen für alle Ewigkeit.
Es folgten fünf Tage der massiven Verfolgung meiner Person durch sämtliche
Exekutivdienste. Hubschrauber des Innenministerium und Bundesheer ebenso mit dabei.
Offenbar habe ich unterschätzt, das die Fahndung umso intensiver sein würde, weil es sich
um die Gattin eines hohen Grazer Politikers handelte.
Nach ihrer Freilassung, wenn überhaupt von "Freilassung" in üblichen Sinne die Rede sein
kann, habe ich mich am Rande von Klagenfurt in einen Maisfeld bis zur Abenddämmerung
versteckt. Anschließend wanderte ich durch dunklen Ackerfelder entlang einer Landstrasse
Richtung Villach.
In den nächsten Tagen beging ich mehreren Einbrüche in Schrebergarten und zuletzt in eine
Wohnung und versuchte wiederholt über die Grenze zu kommen, scheiterte aber an
Orientierung und sonstigen Unvermögen. Ich war physisch und psychisch am Ende.
Wiederholte Male war ich bereits umziegelt, konnte aber mit letzter List doch entkommen.
Am 14.8.1989 kehrte ich nach Klagenfurt zurück. Bei einen Fotoautomaten wurde ich
schließlich festgenommen. Fünf Tage nachdem sie zu ihrer Familie zurückgekehrt war. Ich
hätte einen Kopfschuss bevorzugt, wollte aber leider nicht sein
Noch am selben Tag wurde ich über zehn Stunden lang bei den Gendarmerie-Oberkommande
Klagenfurt zur Sache einvernommen. Ich konnte die Vernehmung vor Müdigkeit und
Konzentrationsmangel kaum folgen. Ich war nur darauf bedacht frau Ina Premm in keinster
Weise zu kompromittieren.
Für Momente wurde ich aber dann Hellwach, als mir Kripobeamte andeuteten, das die
geschädigte Person Angaben darüber gemacht hat, das sie mit mir auch in zahlreichen
Geschäfte und auch im Cafehaus war.
Ich nickte teilweise zu, jedoch ohne näheren Angaben zu machen. Auf weiteren Kripofragen,
in welchen Geschäfte und Cafehäuser und in welchen Orten wir überall waren, gab ich unter
Hinweis darauf, das ich Hundsmüde sei und nicht mehr könne und schlafen möchte keine
Antwort mehr.
Deutlich kann ich mich auf die darauffolgende Äußerung eines Kripobeamten erinnern, der
teils schmuzelnd sagte: "So wie es aussieht, hast du dir ein paar tage Urlaub mit einer
gehobenen Dame gemacht".
In den folgenden Tagen in eine Kellerzelle des Klagenfurter Untersuchungsgefängnisses
habe ich mit weiteren Einvernahmen zur Sache gerechnet, denn laut Ermittlungsvorschriften bei Kapitalverbrechen wäre die Klagenfurter Kripo verpflichtet gewesen,
sämtliche Lokalitäten, wo ich mit Frau Ina Premm war auszuforschen sowie die dort
anwesenden Zeugen zu eruieren, sodass ich auch Gegenüberstellungen mit Zeugen
erwartete.
Aber nichts dergleichen geschah. Die Ermittlungen zur Sache sind zur Gänze unterblieben.
Auch von Seiten des Gerichtes, wie von mir unten unter "Im Namen der Republik" ausführlich
dokumentiert.
Anfänglich hatte ich auch nichts dagegen, denn es ging ja mir darum Frau Ina Premm nicht
bloßzustellen. Erst als ich durch den Pflichtverteidiger in Erfahrung brachte, wie die
Staatsanwaltschaft die Anklageschrift gestalten wollte, widerrief ich teilweise meine
bisherigen Geständnisse und stellte entsprechende Beweisanträge (...), die vom Gericht
allerdings allesamt unterdrückt wurden.
Nach mehreren Tagen in U-Haft in Klagenfurt wurde ich wieder in die Justizanstalt Graz
Karlau überstellt und in Isolationshaft in der Sicherheitsabteilung untergebracht.
Ich kehrte quasi in die Hölle zurück, stand aber nicht ohne Aufgabe dar. Juni 1992 gelang mir
in der Strafanstalt Krems-Stein eine Revolte anzuzetteln. Ansonsten gelang mir immer wieder,
selbst bis vor kurzem die Öffentlichkeit, sei es pseudonym oder über dritte Personen auf
gravierenden Missständen in österreichischen Gefängnissen aufmerksam zu machen und
trug damit ein Teil dazu bei, das Justizwachepersonal in Schach zu halten.
http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/niederoesterreich/Alle-wussten-Bescheid/144198787
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/3814240/Haeftling-warnte-schon-2013
Bis auf die ersten drei Seiten ist die 150seitige Fassung meiner Vermächtnis-Dokumentation
ausschließlich von mir persönlich in der Haftzelle verfasst worden und hierzu liegen
abgesicherten Beweise vor. Kein Mensch ist es erlaubt nur ein Wort daran zu ändern.
Auch keine Satz- oder sonstigen grammatischen Fehler auszubessern. Dies bleibt
ausschließlich meiner Person vorbehalten. Es soll völlig authentisch bleiben. Es sind zu der
Geschichte meiner Flucht aus der Justizanstalt vom 02. August 1989 Wahrheitstreue von mir
persönlich verfassten schilderungen. Zuletzt aktualisiert zwischen Jänner 2018.
Juan Carlos Chmelir
Justizanstalt Graz-Karlau
Herrgottwiesgasse 50
8020 Graz/Austria
Aktualisiert Februar 2018
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