Karl Renz Interview F: Was meinst du mit dem Wort „Realisation“? Die meisten Menschen halten es für so etwas wie ein Verstehen. K: Schau dir einfach mal nebeneinander die Wörter „real“ und „Realisation“ an. Es ist das Reale (Wirkliche) und auch die Entfaltung des Realen innerhalb von Zeit und Raum. F: Ist Realisation etwas, das sich früher oder später zu erkennen gibt, oder sind Voraussetzungen für die Realisation notwendig?* K: Gibt es je einen Moment in der Zeit, in dem das Selbst nicht realisiert ist? Das, wofür du dich hältst, wird niemals realisiert werden. Wie kann eine Vorstellung oder ein Objekt realisiert werden? Realisation bedeutet hier, dass Bewusstsein, das einmal mit einem Objekt identifiziert war, grenzenlos wird; es wird sich dessen bewusst, Bewusstsein zu sein. Doch das Selbst ist niemals erleuchtet oder unerleuchtet. Es ist immer vor allen Vorstellungen von Erleuchtung oder Nicht-Erleuchtung, egal was du darüber sagst. Alles was du darüber sagen kannst, ist ein Konzept. F: Gibt es einen Unterschied zwischen deinem Leben jetzt und vor deiner Realisation? K: Es gibt „niemanden“, der jemals etwas realisiert hat, noch nicht einmal Karl, der Teil dieser Realisation ist. Vielleicht meinst du die letztendliche Resignation, die absolute Resignation – wenn man voller Verlangen, sich verbessern oder verändern zu wollen, wirklich sieht, dass es weder jetzt noch sonst irgendwann einen Ausweg aus dem gibt, was man ist. Du kannst niemals zu dem werden, was du bereits bist! Es ist nichts, was „passieren“ kann, es ist einfach ein „Aha“ – ein Sehen, dass du das, was du bist, immer warst und immer sein wirst. Was du bist, ist außerhalb der Zeit. Zeit existiert wegen dir; sie reflektiert lediglich das, was du bist. F: Das ist wie das letzte Ausatmen, der letzte Atemzug des Ego. K: Es gab niemals ein Ego, das atmete. Es gibt keinen „letzten“ Atemzug, weil es nie einen „ersten“ Atemzug gab. Mach keinen Vorgang daraus. Es gibt keinen Vorgang. Du siehst einfach, dass was du bist, das einzig Wirkliche ist, und dass es nie von einer Wahrnehmung berührt war. Das ist nichts neues. Es ist uralt und unendlich. Nur das: „Aha, oh, Unendlichkeit“ – und alles, was es gibt, ist das Unendliche, und das ist weder eine Erfahrung noch ein Ereignis. F: Die gängige Vorstellung des Menschen ist: „Ich bin bewusst. Eine meiner Eigenschaften ist Bewusstsein.“ Aus dieser Vorstellung eines „Eigentümers“ entsteht also die Vorstellung, Bewusstsein zu besitzen? K: Das geschieht aufgrund des Gefühls der Trennung. Was daraus folgt ist das Gefühl, eine getrennte Person zu sein, was genauso falsch ist. Du willst sagen „Bewusstsein spielt die Rolle einer Person, doch es gibt keine Person, die ein Bewusstsein ‚besitzt‘“. Wenn es überhaupt irgendeinen Besitz gibt, dann höchstens das Bewusstsein, das eine Person „besitzt“, weil es die Rolle einer Person spielt. F: Also erschafft das Bewusstsein ein Bild. K: Es gibt keinen Schöpfer und keine Schöpfung. Es gibt nur das eine Selbst, und die Entfaltung des Selbst ist eine unendliche Entfaltung. Weil es nichts außerhalb des Selbst gibt, kann es keinen separaten Schöpfer und keine separate Schöpfung geben. Aus dieser Entfaltung heraus wird das „Ich“ als Gewahrsein zum Gedanken „Ich bin“; und aus dem Gedanken „Ich bin“ entsteht das Gefühl „Ich bin ein Objekt innerhalb der Zeit“. All dies ist Teil der Selbstentfaltung. F: Du sprichst anscheinend von drei Ebenen: dem „Ich“, dem „Ich bin“ und dem „Ich bin das“. K: Das ist bloß ein Konzept. Das einzige, was nicht konzeptuell ist, ist das Selbst. Mit Konzepten kannst du die Dinge aus unendlich vielen Blickwinkeln betrachten und dabei neue und andere Konzepte erfinden. Das bedarf keiner Erklärung! Es geht nur ums Sehen: darum, auf den Kern hinzuweisen, zu sehen, dass nur das Selbst die Wirklichkeit ist. Und diese Wirklichkeit ist vor allen Vorstellungen von Existenz oder Nichtexistenz. Jede Vorstellung, die auftaucht, ist Fiktion. Das, was vor der Fiktion, vor den Vorstellungen liegt, ist das, was du bist. Ein Konzept durch ein anderes Konzept zu ersetzen, um ein „klares“ Konzept zu bekommen, bringt keinerlei Vorteil. Das hat nichts mit Verstehen zu tun. Wir unterhalten uns hier über das, was du bist, und das erfordert kein Verstehen oder Wissen darüber, wie es funktioniert. Sieh einfach! Das Selbst ist alles, und was auch geschieht findet nur im Selbst und durch das Selbst statt. F: Aber die Leute kommen hierher, weil sie verstehen wollen, aus der Geschichte herausfinden wollen, etwas realisieren wollen. K: Die Leute kommen, um einen Ausweg zu finden und ich zeige ihnen, dass es keinen Ausweg gibt. Sie kommen vielleicht, um zu sehen, dass die Vorstellung von einem Ausweg bei ihnen auftaucht, weil sie glauben, dass es jemanden gibt, der einen Ausweg benötigt. Wenn ich ihnen zeige, dass das, was sie sind, überhaupt nichts braucht, und dass keinerlei Notwendigkeit besteht, das zu verlassen, was sie bereits sind, sehen sie vielleicht auf dem direkten Weg, dass alles, was sie wahrnehmen, nicht sie selbst sind. Ohne den absoluten Wahrnehmenden wäre nichts anwesend. Selbst der relative Wahrnehmende, die Person, ist Teil der Wahrnehmung. Die Vorstellungen von einem Wahrnehmenden, dem Vorgang der Wahrnehmung und dem wahrgenommenen Objekt sind nur ein Teil dieser Realisation. Obwohl die Entfaltung eine Funktion des Selbst ist, ist das Selbst stets absolute Stille und von jeglicher Entfaltung unberührt. Letztlich gibt es keine Entfaltung von irgendetwas, selbst das ist ein Konzept. Ramana Maharshi sagte, dass man ein Konzept dazu verwendet, um ein anderes Konzept zu beseitigen, und dann werden beide verworfen. All das dient nur dem Zweck, zu erkennen, dass was du bist, kein Konzept ist. Und diese absolute Erfahrung wird gesehen, wenn du in totaler Leerheit bist. Dann gibt es kein Zweites. Wenn es nichts wahrzunehmen gibt, ist das, was bleibt, immer noch das, was du bist. In dieser totalen Leerheit ist es nicht möglich zu sagen, ob du bist oder nicht. Daher existierst du sogar ohne eine Vorstellung oder Wahrnehmung. Du bleibst was du bist, selbst wenn dieses Gefühl eines „Ich“ nicht mehr existiert. F: Das zu sehen ist ein großer Schritt, ein tiefgreifender Perspektivwechsel. K: Wenn du siehst, dass niemals etwas geschehen ist, gibt es keine Schritte mehr. Du bist, was du immer gewesen bist und immer sein wirst. Der Rest ist einfach Leela – ein Theaterstück. Das Selbst hängt von nichts ab. Ob du das Selbst als Quelle von allem siehst oder nicht, hat für das Selbst keinerlei Nutzen, da es weder etwas realisiert noch ignoriert. Sich an einem bestimmten Punkt über etwas klar zu werden ist bedeutungslos, wenn du selbst Klarheit bist. In diesem Sinne bist du nichts wert. F: Das Selbst ist ziemlich gemein. Zuerst erschafft es Menschen, die nichts wert sind und dann fühlen diese Menschen, dass sie leiden. Und das Selbst hat die ganze Zeit seinen Spaß. K: Das Selbst ist nicht der Verwalter dessen, was sich entfaltet. Das Selbst ist wie es ist, und es ist in sich vollkommen. Es ist die Abwesenheit aller Vorstellungen darüber, was das Selbst ist oder nicht ist, und diese Abwesenheit ist vollkommenes Glück und Zufriedenheit. Komme immer auf den folgenden Punkt zurück: Sei vor dem, was in der Zeit existiert. Sieh, dass du von dem, was von den Sinnen wahrgenommen wird, nicht berührt werden kannst. F: Sprichst du von reinem Gewahrsein ohne Objekt? K: Gewahrsein ist die erste Entfaltung; sie ist ein Gefühl des Selbst, das sich der Existenz gewahr ist. Also gibt es ein Selbst, das sich seiner Getrenntheit gewahr ist. Auf diese Weise ist Gewahrsein bereits Teil der Trennung. F: Weil Gewahrsein bereits eine Funktion des Selbst ist? K: Genau. Es ist Teil der Funktion, doch es ist nicht das, was funktioniert. Du kannst es die Quelle des „Ich bin“ nennen, das die Quelle von „Ich bin Karl“ ist, doch du kannst nur wirklich zur Ruhe kommen, wenn du siehst, dass alles, was du definierst, nicht das sein kann, was du bist. So wie sich das Auge selbst nicht sehen kann, kann der absolute Definierer nicht definieren, was der Definierer ist. Was du bist kann gar nicht umhin, in dem zu ruhen, „Was ist“, und kann auch in nichts anderem ruhen, weil das Selbst alles ist, was ist. Und du kannst ihm nicht entkommen, weil alles das Selbst ist – wo auch immer du hingehst bewegt sich niemand und niemand steht still. Sieh einfach die Totalität dessen, was du bist, selbst in der Welt von Zeit und Raum. Die Totalität ist alles, was ist. Die Entfaltung des Absoluten ist so absolut wie das, was sich entfaltet. Selbst dieses Bild, dass sich „Ich“ nennt, das morgens auftaucht und abends wieder verschwindet, braucht keine Realisation. Solange du glaubst, dass du dieses Bild bist, solange dieser „Ich“-Gedanke deine Realität ist, ist das Selbst nur eine Vorstellung. Es ist Bewusstsein, das das Selbst sucht. F: Solange wir uns für eine Person halten, die in der Zeit gefangen ist, wird es immer Schwierigkeiten geben. K: Und es gibt keinen Ausweg. F: Meinst du, dass das identifizierte Bewusstsein immer existieren wird? K: Genau. Das wird es immer geben, weil identifiziertes Bewusstsein (Bewusstsein, das sich selbst einbildet, auf ein Objekt beschränkt zu sein) Teil des Unendlichen ist. F: Doch was in der Zeit existiert, sieht das nicht so. K: Was in der Zeit ist, sieht niemals, weil es keine Zeit und daher auch nichts innerhalb der Zeit gibt. Nur das Selbst sieht. Es spielt keine Rolle, wie das Selbst sieht: in der Zeit, aus der Zeit heraus, oder vor der Zeit. Das Selbst nimmt wahr, und was es wahrnimmt ist nur das Selbst, weil das Selbst alles ist, was es gibt. F: Doch Wahrnehmung erfordert Zeit! K: Zeit entsteht aus der Vorstellung eines „Ich“. All diese Vorstellungen sind nur Teil der Entfaltung der Totalität, des Selbst. Auch wenn du das wahrnimmst, was als begrenzte Zeit erscheint, und was scheinbar entsteht und vergeht, bedeutet das nicht, dass es in etwas Endlichem wie der Zeit existiert. F: Wie ist das mit dem Leiden? Der Buddha sagte, es gibt ein Ende des Leidens. K: Suche den Anfang des Leidens. Wenn du den Anfang finden kannst, dann bist du vielleicht in der Lage dazu, das Ende des Leidens zu finden. Hat Leiden jemals angefangen? Damit Leiden anwesend sein kann, braucht es einen Leidenden, also suche zuerst nach dem Leidenden. Solange du das „Ende“ des Leidens suchst, wird es auch weiterhin einen Leidenden geben. Das Gefühl von „Ich bin“ bringt einen Leidenden mit sich – vielleicht nicht Leiden – doch in jedem Moment ohne Aufmerksamkeit kann es zum Leiden kommen. Daher ist der einzige Weg, die Vorstellung eines Leidenden auszulöschen. Wenn der Leidende erloschen ist, wo ist das Leiden? Das völlige Erlöschen des Leidenden kann nur stattfinden, wenn du wirklich siehst, was du bist – wenn du dich selbst als das wahrnimmst, ohne Anfang und ohne Ende. Wenn diese Manifestation als nichts anderes als das Selbst gesehen wird, kommt es zum absoluten Erlöschen des Gefühls der Trennung, des Gefühls, als separates Selbst zu existieren. F: Was ist der Unterschied zwischen dem erfahrenen Sucher, der vielleicht schon seit fünfzig Jahren Gesprächen wie diesem zuhört, und dem Metzger, der nicht an diesem Thema interessiert ist, sondern viel Geld verdienen, ein nettes Haus haben und einfach glücklich sein will? K: Gute Steaks, gutes Schnitzel! Ja, beide wollen glücklich sein, absolut glücklich. Aufgrund der Unwissenheit darüber, was sie bereits sind, streben sie – als Bewusstsein – nach absolutem Glück. Die Vorstellung der Trennung geht mit einem Gefühl der Unvollkommenheit einher, das alle beide dazu treibt, nach Vollkommenheit zu suchen, nicht wissend, dass sie die absolute Vollkommenheit selbst sind. Deshalb sind sowohl der Metzger als auch der Sucher Bewusstsein, das nach Befriedigung sucht. Da gibt es keinen Unterschied. F: Doch hilft es nicht, wenn man dir über den Zeitraum von mehreren Jahren immer wieder zuhört? Welchen Rat würdest du dem aufrichtigen Sucher geben, der sein oder ihr Leben dem Streben nach Erleuchtung widmet? K: Stelle dir vor, es gäbe jemanden, dem geholfen werden könnte und jemanden, der helfen könnte. Das wäre die Hölle. Höre niemandem zu, noch nicht einmal dir selbst. Alles, was du wahrnimmst, kannst nicht du sein. Alles, was du verstanden hast, kannst du wieder vergessen. Und der Glaube an ein Wesen, das sich über etwas „klar werden“ kann, ist nicht das, was du bist. F: Aber es gibt die Ansicht, dass das Ego langsam und graduell immer weniger wird. K: Weniger Ego, mehr Ego. Was verschwinden kann, kann sicher auch wieder auftauchen. Das Ego, das verschwindet, kommt vielleicht früher oder später zurück. Schau zuerst, was wirklich erscheint und ob diese Erscheinung real ist. Dann: Wen kümmert eine Erscheinung? Das ist die wichtigste Frage, die gestellt werden sollte, und nicht die Frage danach, was kommt und geht. Wie unsinnig, sich um eine Erscheinung zu kümmern. Das ist Unwissenheit, der Glaube an ein separates Selbst, das eine Erscheinung für wirklich hält. F: Was hat es mit den Vorstellungen der Reinheit auf sich: ein reines Leben zu leben und nach Güte zu streben wie der Bodhisattva? K: Das ist die Erhaltung des Dharma. Es hält den Dharma am Leben. Es erhält Leela am Leben. F: Ist es von Vorteil, gut zu sein? K: Solange du gut sein willst, ist es ein Vorteil, gut zu sein. Und solange du glaubst, dass Gutsein dich glücklich macht, dann ist es besser für dich, gut zu sein. F: Doch es macht einige Menschen verrückt, böse zu sein. K: Ja, auf die selbe Weise. Beides stammt aus der Unwissenheit, dass man etwas anderes braucht als das, was man ist, um vollständig oder glücklich zu sein. Sieh einfach, dass was du bist vollkommen ist so wie es ist, und dass Vorstellungen von Unvollkommenheit lediglich Vorstellungen sind und Vollkommenheit als solche nicht berühren können. F: Doch wenn ich nun weiß, dass ich „kein Ding“ bin, dass ich „keine Form“ habe? K: Die Vorstellung „Ich bin ohne Form“ oder „Ich bin nicht“ erfolgt immer noch innerhalb des Bereichs der Trennung. „Wer“ ist es, der keine Form hat, jedoch eine braucht? Sieh einfach, dass das, was in der „Nicht-Form“ existiert, auch in der Form existiert. Ich bin immer noch der selbe, ob mit Form oder ohne Form. Ohne das Gefühl der Verschiedenheit, ohne das Gefühl der Trennung, ist alles vollständig. Du benötigst keine besonderen Zustände. Was du bist, existiert in jedem Zustand. Die Zustände, die wir Geburt oder Tod nennen, können dich niemals berühren. Du bist vor dem Gefühl von Geburt und Tod. Was du bist, existierte, bevor dieser Körper geboren wurde. Sieh, dass du totales Mitgefühl bist, dass dir nichts passiert, dass alles, was erscheint, deshalb ist, weil du bist. Es gibt keinen Unterschied zwischen diesem Auge, das auf etwas schaut, und dem anderen Auge; du bist das unendliche Auge, das aus verschiedenen Blickwinkeln in das hineinschaut, was du bist. Du bist die unendliche Wahrnehmung, die nur Selbst-Information wahrnimmt. Das Wichtigste, das es zu erkennen gibt, ist, dass keine Notwendigkeit für einen Ausweg besteht. Und in dieser Resignation – dass du die Essenz oder die Substanz all dessen bist, was ist – gibt es keinen Ausweg, weil du die Quelle dessen bist, was ist. Nur dann kommt es zu Frieden. *) Dieser Satz war für mich am kniffligsten. "precursor" ist üblicherweise ein "Vorbote" oder ein "Anzeichen". Kann jedoch auch "Vorbedingung" oder "Voraussetzung" heißen (allerdings nur im biologischen Sinne). Ich weiß nicht genau, worauf die Frage abzielt. Ich hab's mal so stehen lassen, und in dieser Bedeutung geht die Frage in die Richtung "Muß ich etwas für die Realisation tun?" Quelle: http://www.nonduality.com/hlg26.htm Das Buch Karl © Dietmar Bittrich 2003 Wie kriegt der Typ das hin? Nein, danke! Nie wieder Karl Renz! Das war mir nach zwanzig Minuten klar. Christian Salvesen und ich besuchten damals verschiedene Satsanglehrer für unser Buch „Die Erleuchteten kommen“. Ganz zum Schluss war uns Karl Renz empfohlen worden. Wir mussten ihn aufnehmen ins Buch. Er hatte sein Erwachenserlebnis gehabt. Er hatte irgendetwas durchschaut, das wir nicht durchschaut hatten. Und er hatte in verschiedenen Städten ein treues Publikum. Nur dass der Mann für mich persönlich nichts taugte, war deutlich. Er redete zuviel. Er war nicht still. Er nahm sich nicht die Zeit, jemandem lange in die Augen zu sehen. Er schuf keine spirituelle Atmosphäre. Er saß da wie ein Seminarleiter, ohne Blumen, ohne Kerze, Das ist das freundliche philosophische Wort für Ausweglosigkeit. Sokrates zeigte im Gespräch jedem, der etwas zu wissen glaubte, dass er in Wahrheit nichts wisse. Das läuft bei Karl Renz genauso. Jeder, der in seine Talks kommt, glaubt anfangs noch, etwas zu wissen, hofft zumindest, etwas verstanden zu haben und ein wenig vorangeschritten zu sein auf dem Pfad zur Erleuchtung. Davon bleibt nichts. Mit Witz und Unnachgiebigkeit wird jedes Wissen zermahlen. Egal, wieviele Fragen und Entgegnungen ein Zuhörer investiert, der Mann da vorne ist ein Spielautomat, der immer gewinnt. Am Schluss gibt der Zuhörer und jeder, der mitgedacht hat - erleichtert auf. Doch der Gewinn des einen und das Aufgeben des anderen sind dasselbe. Da trifft man sich. Deshalb ist die Erleichterung da. Sie besteht in der ohne Foto eines weisen Lehrers, überhaupt ohne das geringste Zeichen der Spiritualität. Da hatte ich andere Satsanglehrer erlebt! Lehrer mit einer Aura. Solche, die am Anfang lange mit geschlossenen Augen verharrten, bis sich die Stille im ganzen Raum ausbreitete. Lehrer, die den Fragenden tief in die Seele blickten. Heilige beinahe, die jedes Wort wie eine Kostbarkeit ausgaben. Sie waren umgeben von Musik, Blüten, Weihrauch und den Ikonen großer Meister. Nichts davon bei Karl Renz. Keine Andacht. Keine Atmosphäre. Nichts Meditatives. Schlimmer: Es war sogar anti-meditativ! Ich hatte zwanzig Jahre lang meditiert, jeden Morgen, jeden Abend. Dieser Karl erklärte meine Disziplin kurzerhand für völlig nutzlos! Wisch und weg! Und so ging es weiter. Jeder Weg ein Irrtum, jedes Bemühen zwecklos, jede Suche ein hoffnungsloser Fall. So redete er. Die anderen Zuhörer, offenbar eine Art Abonnementspublikum, amüsierten sich augenscheinlich. Ich war froh, als der Talk vorüber war. Aber dann war ich high. High gleich auf der Straße. Auf dem Weg nach Hause. Noch in der Wohnung. Noch am nächsten Tag. Es war, als hätte ich in dem Talk eine kleine ungesetzliche Glückspille verabreicht bekommen. Eine Injektion Sorglosigkeit. Oder ein tief wirkendes Entspannungsmittel. Das war sonderbar. Irgendetwas musste jenseits des Geredes geschehen sein. Um das zu überprüfen, bin ich wieder hingegangen. Und wieder. Und seither lasse ich möglichst keinen Talk aus, wenn der Mann in die Stadt kommt. Er redet mir immer noch ein bisschen zuviel. Zwei Stunden am Stück, unterbrochen nur von den Fragen der Zuhörer. Und am Ende der zwei Stunden wirkt er bedrohlich frisch und würde am liebsten noch weitermachen. Die Zuhörer sind dann geschafft. Sie sind geschafft, weil alles, was sie gedacht und befreienden Erkenntnis, dass es der Verstand selbst ist, der sich die Probleme schafft und sich dann abmüht sie zu lösen. Und dass die Wahrheit, die Essenz, das Selbst eines jeden „vor“ dem Verstand ist. Da darf der Verstand gern weiter im Hamsterrad rennen, das Selbst wird davon nicht berührt. Dass dieses Selbst ungetrennt ist, dass es dasselbe ist in der Person des Zuhörers und der Person des Lehrers, lässt Karl gelegentlich sagen: „Ich spreche nur zu mir selbst.“ Auf Englisch nennt er seine Auftritte doppeldeutig „Self Talks“. Also „Selbstgespräche“ und „das Selbst spricht“. Natürlich hört das Selbst auch zu. Denn die Unterschiede, die gemacht werden, sind Unterschiede in Gedanken. Das ist die Essenz der indischen Philosophie des Advaita („a-dual“, „nicht-zwei“), der Karl Renz sich verbunden fühlt: Trennung ist nur eine Illusion, die vom Verstand aufrecht erhalten wird. Sobald die Gedanken ruhen, ist auch die Trennung verschwunden. Ist auch der Wunsch verschwunden, etwas haben zu wollen. Ist die Angst verschwunden. „Die anderen sind die Hölle“, sagte Jean Paul Sartre. Karl Renz variiert: „Solange du glaubst, dass es andere gibt, lebst du in der Hölle.“ Hölle ist vielleicht übertrieben. Stress reicht schon. Aber wenn es etwas gibt, das die Hölle aufhebt, den Stress beendet, dann sind es solche Dialoge. Solche Gespräche mit einem Lehrer, der weiß, dass es die Hölle nicht gibt, dass es die Trennung nicht gibt. Natürlich ist besonders die lebendige Präsenz eines Lehrers pure Erholung. Aber die gedruckte Präsenz hat auch ihre Vorzüge. Erstens enthält sie nicht den Leerlauf, den es in jedem Talk auch gibt. Den haben wir herausgekürzt. Zweitens muss man nicht auf harten Stühlen oder unbequem auf dem Boden ausharren. Drittens kann man die Worte dieses redefreudigen Komödianten jederzeit unterbrechen und zu genehmerer Zeit vorgebracht haben, in den Wind gepustet worden ist. Jedes Argument ist ausgehebelt worden. Karl Renz lässt nichts gelten. Keine spirituelle Erkenntnis. Keinen goldenen Satz der Weltweisheit. Kein aus tiefer Erfahrung gewonnenes Wissen besteht. Nichts. Am Ende eines Talks ist nichts übrig geblieben. Nichts, was ein redlicher Mensch jemals gedacht und geglaubt hat, gilt mehr. Gar nichts. Das ist deprimierend. Aber vor allem erleichternd. Gelegentlich gibt es Leute, die in eine Art Schockstarre verfallen und am Ende schnell aufbrechen, um nie wiederzukommen. Es kommt auch vor, dass jemand mitten im Talk grimmig schweigend oder laut protestierend den Raum verlässt. Doch die meisten amüsieren sich und lachen - desto mehr, je länger der Talk dauert. Es kommt zu Lachorgien wie im Kindergarten. Anfangs ist mir das erheblich auf die Nerven gegangen. Wenn ich mich mit einer ehrlichen Frage vorwage und die anderen prusten los, reagiere ich gereizt. Und jetzt noch stören mich Albernheiten, wenn ich das Gefühl habe, ich habe den Witz nicht mitgekriegt. Doch das gibt sich. Denn der eigentliche Witz in den Talks von Karl Renz ist: Derjenige, der sich gestört fühlt, verschwindet. Derjenige, der gereizt reagieren könnte, ist nicht mehr da. Natürlich sitzt der Zuhörer am Ende noch auf demselben Platz. Aber nun unstörbar. All das, was er glaubte verteidigen zu müssen, hat sich verflüchtigt. Das, was die Person auszumachen scheint, die so genannte Identität, flattert im Laufe des Talks davon. Also das ganze Netz von Glaubenssätzen, Erfahrungen, Selbstbildern. Es schien komplex, nun löst es sich einfach auf. Die Vorstellungen, wie die Welt zu sein hat, wie ich selbst, wie die anderen sein sollten, verschwinden. Was geschehen müsste, damit ich glücklich bin, ja, dass überhaupt etwas geschehen müsste, wird wieder hervorholen. Und man muss nicht jedesmal zehn Euro Eintritt bezahlen! Karl Renz: Das Karussell Willkommen! Willkommen auf dem Jahrmarkt! Wie ich sehe, sitzt du schon auf dem Karussell! Toll, wie du fährst! Du hast einen schnittigen Wagen. Du hast ein Gaspedal. Du kannst sogar bremsen. Aber vor allem hast du ein Lenkrad. Damit kannst du mächtig kurbeln, und das tust du auch. Komischerweise geht es immer nur im Kreis. Du lenkst nach links und nach rechts und bremst und tust, aber es geht immer nur in eine Richtung. So kurbelt dein Ich. Das sogenannte Ego. Es lenkt nach links, es lenkt nach rechts, und ist nicht immer ganz zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich sehe mal nach den anderen“, denkt es. „Wie fahren denn die? Wie stellt der da drüben sich an?“ Der legt sich entschieden mehr in die Kurve. Das machst du nun auch. Aber es geht weiter im Kreis. Ab und zu hält das Karussell. Kurze Pause. Die Tibeter nennen es „Bardo“. Dann suchst du dir ein anderes Fahrzeug. „Vielleicht nehme ich auch mal das Pferd. Jetzt reite ich mal 'ne Ecke. Wahrscheinlich ist das meine Bestimmung!“ Sehr klug von dir. Oder richtig weise: Du nimmst den kleinen Roller, weil du nach all den ermüdenden Runden inzwischen voller Demut und Bescheidenheit bist. Ja, dein Ich ist bei all der Kurbelei mächtig gereift. Und wenn du mal zufällig in die gleiche Richtung lenkst, wie das Karussell fährt, kannst du endlich triumphieren: „Wow, das habe ich aber gut gemacht! Ich glaube, jetzt habe ich es raus!“ Nun hast du entdeckt, wie die ganze Sache funktioniert. „Ich habe voll die Kontrolle, seht mal her!“ Du befindest dich in Harmonie mit dem Kosmos, in Übereinstimmung mit der bedeutungslos. Am Ende bleibt, was gern „Präsenz“ genannt wird, eine heitere Klarheit, die nichts braucht. Klingt gut! Wie kriegt der Typ das hin? Er wird behaupten, dass er gar nichts macht. Und auf eine Weise stimmt das. Der Lehrer, der seine „wahre Natur“ erkannt hat, der also gemerkt hat, dass er die Leinwand ist und nicht der abrollende Film, dass er der Himmel ist und nicht die vorbei treibenden Wolken, der also weiß, dass er Stille ist - der tut nichts. Der will nichts, der hat keine Absicht, der ist einfach nur da. Doch seine Anwesenheit bewirkt offenbar etwas. Sie saugt die Unruhe ein. Da gilt das Wort von Paul Brunton über Ramana Maharshi: „Er ist eine Leere, in die die Gedanken der anderen fallen können.“ Fertig. Mehr ist nicht nötig. Doch bei Karl Renz läuft natürlich noch etwas anderes ab. Deshalb wird er in so viele Länder eingeladen. Und deshalb wird es brechend voll, wenn er Anfang Januar in Tiruvannamalai eintrifft, am Mekka des Advaita. Da strömen dann Amerikaner und Israelis herbei, Australier und Engländer, Deutsche sowieso, ein paar Inder auch. Und in unbekümmertem Englisch läuft Karl zu großer Form auf in einem Fach, das zweifellos in der Bauernkneipe seiner Eltern gefördert wurde: Er ist Komödiant. Witzbold. Entertainer. Ein Komiker vor allem mit Worten und ihrer tieferen Bedeutung. Er verdreht sie, zerpflückt sie, spielt und jongliert mit ihnen, entdeckt einen zweiten und dritten Sinn und kommt so - nicht selten zur eigenen Überraschung - auf erleuchtende Pointen. Er ist der Heinz Erhardt der Erleuchtung. Dass dazu noch ein Sokrates in ihm steckt, gibt der Jonglierkunst den magischen Hintergrund. Wie der altgriechische Weisheitslehrer führt er die fragenden und tapfer argumentierenden Zuhörer in die Aporie. Schöpfung. Ein derartig stimmiges Ich lenkt genau so, wie das Karussell fährt. „Seht doch mal, wie ich lenken kann! Das ganze Karussell bewegt sich, weil ich so lenke! Hier, ich, hierher sehen!“ Wenn du die Kunst so unvergleichlich beherrschst, kannst du sogar den anderen sagen, wie sie fahren müssen. „So müsst ihr’s machen! Wie ich!“ Jetzt bist du ein voll erwachter Fahrer. „Ihm nach“, rufen ein paar andere begeistert. Am besten, du übernimmst gleich den Bus: „Alle bei mir einsteigen und hinter mich setzen! Ich bin eins mit dem Karussell!“ Dann bist du ein Guru. Wenn du mehr im Stillen wirken willst, kannst du natürlich auch andere wichtige Aufgaben übernehmen, zum Beispiel das Feuerwehrauto fahren. Oder den Krankenwagen. Oder du fährst einfach hinter dem Krankenwagen her, sicherheitshalber. Wichtig bei alledem ist nur, dass du den Überblick behältst. Dass du im richtigen Moment Gas gibst und im richtigen Moment bremst. Und vor allem, dass du mit größtem Geschick lenkst. Das hilft allen. So hältst du nicht nur dein Fahrzeug perfekt auf dem Weg. Du trägst zur gelungenen Fahrt des gesamten Karussells bei! Wenn nur jeder so fahren würde! Du hast alles im Griff. Bis du mal versehentlich den Lenker loslässt. Nanu! Jetzt wunderst du dich. Es geht ja auch von allein! Das Ding fährt von selbst! Stimmt. Es fährt selbst. Das Selbst fährt. Du brauchst dich nicht anzustrengen. Du kannst dich zurücklehnen und genießen. Es geht immer direkt ins Glück. mehr in: featuring Renz, Karl: Das Buch Karl. Erleuchtung und andere Irrtümer. Herausgegeben von Dietmar Bittrich. Kamphausen Verlag, 148 Seiten. 3-933496-76-4, Preis 16,50 Euro Textproben der Dialoge mit Karl Renz: www.karlrenz.com Karl Renz Interview vom 13.08.01 Was ist Erleuchtung? Die spontane Erkenntnis, vor "Allem und Nichts" zu SEIN. Vollkommen unvorbereitet, trotz und nicht wegen der Suche nach Erkenntnis. Das Erscheinen des "ewigen Jetzt". Die Abwesenheit des "Ich" und damit jeglicher Konzepte von Trennung oder Verbindung, Geburt und Tod, Gott und Welt, Kommen und Gehen. Das ABSOLUTE ist sich seiner SELBST gewahr und ist damit das, was ist. Reine Selbsterkenntnis in dem Erkennen, dass alles, was erkennbar ist, falsch ist. Dazu gehört auch das, was ich gerade über Erleuchtung oder Wahrheit gesagt habe. Der absolute Tod von Zeit und allem, was scheinbar in Zeit ist. Es sind Hinweise auf das was keine Erkenntnis oder Erleuchtung braucht, um das zu sein was ist, und das ist, was "Du" bist. Absolutes SEIN in unstörbarer Harmonie. Wie hat Deine Suche nach Erleuchtung oder Wahrheit begonnen? Was war Dein persönlicher Weg oder deine Erfahrung? Schon als Kind machte ich sehr geteilte Erfahrungen. In dem einen Moment war ich vollkommen losgelöst und in uneingeschränkter Harmonie mit der Welt, im nächsten in tiefster Depression mit dem Wunsch nach Auflösung, nach Sterben; entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt. Natürlich wollte ich nur in der angenehmen Erfahrung verweilen. So fing ich an danach zu suchen. Es war also nicht die Suche nach Wahrheit oder Erleuchtung, sondern nach dem uneingeschränkten Glück, nach dem Ende des Leidens. Ich suchte nach geeigneten Mitteln oder Werkzeugen in der Welt. Zuerst war es der Sex und daraus die Erfahrung, dass der sogenannte kleine Tod (Orgasmus) nur eine sehr flüchtige Erfüllung bedeutet und vom Partner abhängig, also keine Lösung ist. Dann Erfahrungen mit Drogen, die kurzfristig einen Zustand der Leidfreiheit erzeugen können. Sobald aber die Wirkung nachlässt, ist da umso mehr Leiden. Zuwendung oder Liebe von Freunden, Familie und Partnern verloren ebenfalls ihre Bedeutung in dem Erkennen, das mein Befinden nichts mit ihrem Verhalten zu tun hatte, und das Problem sich so auch nicht lösen ließ. Dann begann ich, esoterische Bücher zu lesen: alles über Religionen, Schamanen, Magie etc. Lange war ich fasziniert von Castaneda und Don Juan und dieser Idee von Freiheit. Bis ich mir Ende der 70er Jahre im Traum spontan bewusst wurde, zu träumen. Ich erinnerte mich an diese Don Juan Technik, bei der man seine Hände betrachtet. Also hob ich meine Hände und fing an, sie zu untersuchen. Plötzlich wurde etwas wach in mir, was scheinbar geschlafen hatte, und in diesem Erwachen fingen erst meine Hände, dann der ganze Körper an, sich aufzulösen. Ich erkannte den Tod und in dem Erkennen tauchte plötzlich Angst auf. Also begann ich um mein Leben zu kämpfen, wie ich noch nie in meinem Leben um etwas gekämpft hatte. Eine unerklärliche Kraft war im Begriff, mich auszulöschen, wobei sie sich als unendliches schwarzes Nichts in der Wahrnehmung zeigte. Obwohl ich im Bett erwachte, hörte der Kampf nicht auf. Dann geschah die plötzliche Akzeptanz dieser Auflösung und aus dem vorher dunklen Nichts wurde gleißendes Licht und ich dieses Licht seiend. Ein in sich selbst leuchtendes Licht. Nach einer Ewigkeit wurde langsam aus dem Licht wieder die normale Wahrnehmung von Karl und der Welt. Alles schien wie vor diesem Erlebnis, doch die Wahrnehmung hatte sich absolut gelöst von dem, was wahrgenommen wurde. Totale Distanz und Fremde zur Welt waren da. "Dies ist nicht mein Zuhause," war der einzige Gedanke. Das MEIN verlor sich in der Ichlosigkeit. Mit diesem Erwachen des kosmischen Bewusstseins hatte der Prozess der Auflösung des Konzeptes "Karl" begonnen. In diesem Gewahrsein der Falschheit der Erfahrungen und ihrer Traumhaftigkeit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die persönliche Geschichte und damit die Geschichte des gesamten Universums in diesem Feuer des Gewahrseins verbrannten. Dieser Prozess vom "Individuellen zum Kosmischen Bewusstsein", vom Persönlichen zum Unpersönlichen Bewusstsein, der als Erleuchtung bezeichnet wird, ist immer einmalig, kann weder wiederholt noch nachgeahmt werden. So wie es nur ein absolutes Sein gibt, so ist jede Erfahrung absolut einmalig. Lange Zeit war dieses unpersönliche Bewusstsein mein Zuhause, aus einem KO (Koma) war OK (Amok) geworden. Ich war ein wandelndes NICHTS. Absolut identifiziert mit diesem NICHTS. Der Besitzer vom NICHTS. Das kleine Ich war sehr groß geworden, ein überdimensionales NICHTS. Wie der Hintergrund, der den Vordergrund als Illusion betrachtete. Eine Illusion betrachtete eine andere Illusion. Der sogenannte ZEUGE, die Weisheit, die sagt: ich bin NICHTS. Es gab scheinbar etwas, das dieses "nicht sein" als Vorteil ansah, und somit war da auch eine unterschwellige Angst, diesen Vorteil der Klarheit zu verlieren. Bis Mitte der 90er Jahre, von jetzt auf jetzt, das absolute Erkennen geschah, die einfache Erkenntnis, wie ein kleines Aha: Ich bin das, was ist. Ich bin das, was nie etwas anderes sein kann oder war als das "Selbst". Das Selbst ist und nichts als das Selbst ist. In der Selbsterkenntnis oder der Realisation des "SELBST" ist absolute "Akzeptanz". Das Absolute "IST" in der persönlichen wie in der unpersönlichen Erfahrung, es ist immer das Absolute Selbst, und es gab nie die Notwendigkeit von Erleuchtung. Das Selbst ist ewig realisiert und das was in der Realisation (Verwirklichung der Wirklichkeit) als Bewusstsein erscheint, wird sich nie realisieren. In diesem Sinne gab es nie einen Unerleuchteten und somit auch keine Notwendigkeit von Erleuchtung. Hat sich irgendetwas in deinem Leben verändert seit der Entdeckung der Wahrheit? Seit der Todeserfahrung ende der 70er, hat sich das Bewusstsein grundlegend verändert. Der gesamte Energiekörper ,jede Zelle ,war einem teilweise sehr schmerzhaftem Prozess unterworfen. Seit dem Tod des Besitzers ,ist jede Zelle in sich selbst erwacht. Doch was erwachen kann, kann auch wieder einschlafen ,nichts bleibt wie es ist. Also weder Vor- noch Nachteil. Sensationen in der Zeit. Die grundlegende Erkenntnis war, dass es kein MEIN oder DEIN Leben gibt oder je gegeben hat, dass das was wahrhaftig ist, weder lebt noch nicht lebt. Das was wir Leben nennen, verändert sich ständig. Der Traum und seine traumhaften Zustände sind scheinbar einem ständigen Wandel unterworfen, also verändert sich auch der im Traum erscheinende Körper und die ganz Welt. Doch das, was ist, war schon immer und wird immer sein, in unendlichen Variationen, einer ewigen Realisation des "Realen". Ungestörter Frieden des Seins. Und ich bin das. Hattest Du einen Lehrer? Ist es wichtig einen Lehrer /Guru zu haben? Was ist die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler? Hast Du Schüler? Nein, ich hatte nie einen persönlichen Lehrer. Damit das, was nicht in der Zeit ist, sich seiner selbst gewahr wird, ist nichts notwendig, das in der Zeit ist. Erwachen ist immer spontan, ohne Notwendigkeit. Man nennt es auch den göttlichen Unfall. Es erkennt sich nicht wegen, sondern trotz allem was kommt und gehen kann. Die Frage nach wichtig oder unwichtig erübrigt sich damit. Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne. Es realisiert sich sowohl im Verlieren als auch im Finden. Es ist gleichzeitig Lehrer und Schüler und gibt sich selbst immer absolute Lektionen. Das Selbst zeigt sich selbst dem Selbst in seiner Allgegenwärtigkeit, im ewigen Jetzt. Schüler und Lehrer bedingen sich gegenseitig, so wie auch Frage und Antwort. Aus der Wunschlosigkeit heraus erhebt sich in der Zeit ein Wunsch, und in seiner Erfüllung erlöst er sich selbst, so wie jede Frage durch eine Antwort Erlösung findet. Das ist das karmische Gesetz des Bewusstseins. Daher kein Lehrer und keine Schüler, nur Fragen und Antworten. Ist so etwas wie "innere Arbeit/Entwicklung" nötig (z.B. mit den dunklen Seiten, Programmen, Glaubenssätzen)? Manche Lehrer sagen, nein, denn wir sind schon frei, es gibt nichts zu tun. Was bedeutet das? Um das zu sein, was du wirklich bist, braucht es keine Arbeit oder Entwicklung. Alle Konzepte von Weg, Entwicklung und sogar Erkenntnis tauchen mit dem ersten Ich-Gedanken auf. Diese erste Idee kreiert die Zeit, den Raum und somit das gesamte Universum. Und solange dieser Ich-Gedanke real erscheint, was Trennung bedeutet (Zweiheit, Leiden), ist auch der Wunsch nach Einheit da und somit das Verlangen nach einem Ausweg, einem Ende des Leidens. Also bedingt diese erste ‚falsche' Idee des Ich alles Falsche, was danach folgt. Nur die Absolute Erkenntnis, vor dem Ich-Gedanken zu sein, das Falsche als falsch zu erkennen und damit die Wurzel aller Probleme zu entfernen, bedeutet das zu sein, was du bist. In dem du bist was du bist, oder besser wie du bist, absolut, vor allem und nichts, das ist die Zerstörung aller Konzepte. Kannst du etwas über die Beziehung zwischen Mann und Frau sagen? Sie scheint so vielversprechend, beinhaltet aber soviel Schmerz. Gibt es irgendeine Möglichkeit der wahrhaften Befreiung durch Beziehungen? Die eigentliche Frage ist, ob es überhaupt jemanden gibt, der eine Beziehung hat und für den Befreiung notwendig ist. Jeder Wunsch nach Vereinigung (Einheit) entsteht aus der Idee von Trennung. Kann also etwas, das aus einer Lüge entstanden ist, zur Wahrheit führen? Kann das, was abhängig ist, von Natur aus tot, der Zeit unterworfen, dich zu dem machen, was du bist? Wo die Idee von Einheit auftaucht, gibt es Zweiheit, mit dem verbinden, wird getrennt, und alles kommt und geht mit etwas falschem, dem Ich. Also zurück zur Wurzel, der Frage, wem oder in was erscheint dieses Ich? Hast du eine Lehre und wenn ja, welche? Erkenne alles als Lüge, besonders den der alles als Lüge erkennt. Warum führst du diese Gespräche? Sie sind Teil oder Aspekt des Seins. Keiner spricht und keiner hört zu. Ohne Sinn und ohne Grund. Auf die Frage nach dem Warum gibt es immer nur eine Antwort: "Warum nicht?" Wie können wir die Lehre in unser tägliches Leben integrieren? Das was ist bedarf keiner Integration, und das was nicht ist, wird nie integriert sein. Erkenne die vollkommene Verwirklichung der Wirklichkeit und sei, was du bist. Alles ist genau so wie es ist, weil das Sein sich so und nicht anders manifestiert hat. Kannst du über den Tod reden, manche sagen "stirb bevor du stirbst"? Der einzig mögliche Tod ist der Tod des Ego (die Idee der Trennung). Die Frage ist: wie kann etwas sterben, das nicht existiert? Wie kann das, was Erscheinung ist und sich nur in der Wahrnehmung, als Sensation zeigt, sterben? Durch was kann die Lüge des Getrenntseins verschwinden? Für Wen oder Was muss das gehen, was nicht ist? Nur in der absoluten Selbsterkenntnis, das zu sein was ist , untrennbar , die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, das Selbst und nichts als das Selbst. Die Wahrheit sich in der Wahrnehmung nur selbst wahrnimmt ,wo einzig das ist was du bist, der Traum und der Träumer eins sind im Absolutem. Für das Absolute muss nichts gehen, denn das Absolute ist die einzige Realität. Indem das Ego als flüchtiger Schatten im ewigen Jetzt erkannt wird, hat es keine Realität mehr Karl Renz Wie funktioniert spirituelle Erfahrung? Beschreibung einer Kette von Ereignissen, die zu einer "spirituellen Erfahrung" führten. Ende der achtziger Jahre stellten sich Kopfschmerzen ein, erst im Nacken und nur 1-2 mal die Woche. Nach etwa einem Jahr war aus den Kopfschmerzen eine tägliche Migräne geworden. Ich wachte damit auf und ging damit zu Bett. Alle Versuche sie zu bekämpfen machten sie nur noch schlimmer. Keine Medikamente, ob Natur oder Chemie, konnten sie in irgendeiner Art und Weise beeinflussen. Die einzige Möglichkeit ihr zu entkommen, war Schlaf oder eine Art Meditation, wobei ich immer gegen jegliche Art von sogenannter "spiritueller Arbeit" war, doch diese permanenten Schmerzen ließen mich jeden Morgen gleich nach dem Aufwachen in einen Zustand der Nicht-Anwesenheit versinken. In diesem Zustand waren die Schmerzen nur noch wie ein vibrierendes Licht im Gewahrsein zu erfahren. Es gab Keinen mehr, der Schmerzen hatte. Meistens tauchte ich nach 4-5 Stunden spontan aus der Meditation auf und mit "MIR" die Schmerzen. Aus dem Himmel in die Hölle. Irgendwie schaffte ich es danach, ins Atelier zu gehen und mehr oder weniger erfolgreich zu malen, und mir mehr oder minder meine Alltäglichkeit zu schaffen. So vergingen etwa 4 Jahre, bis ich eines Morgens bereits nach 2 Stunden wieder aus dieser Meditation auftauchte und den Fernseher einschaltete, um mal wieder Börsennachrichten zu sehen. Zufällig lief gerade ein Fernsehspiel der BBC, die Mahabharata. Die Mahabharata ist ein indisches Helden- und Götter-Epos in dem Lord Krishna dem Helden Arjuna in vielen Lektionen zu vermitteln versucht, dass er keinen freien Willen hat und trotz seiner total pazifistischen Lebenseinstellung in Schlachten und Kriege verwickelt wird und in diesen unzählige Gegner tötet. Eigentlich wollte ich gleich weiterschalten zur Börse, denn inzwischen lebte ich weitestgehend hiervon, meine Karriere als Künstler hatte sich dank der Migräne auf Null zu bewegt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, umzuschalten. Erst mit wenig, dann mit immer mehr Interesse, verfolgte ich den Spielverlauf. Am Ende waren alle tot, und Krishna nahm den Bruder von Arjuna, Yuddhistra, der sich inzwischen als wahrer Schüler herausgestellt hatte, in den Himmel, wo alle seine Feinde gelandet waren und in Freude die Zeit verbrachten. Er fragte Krishna, wo seine Familie und all seine Freunde wären, und Krishna antwortete, sie seien alle in der Hölle gelandet. "Ich will mit meinen Freunden sein, die relative Freude des Himmels bedeutet mir nichts mehr", erwiderte Yuddhistra. So, ab in die Hölle. Dort sah er alle seine Freunde und Familie im Höllenfeuer des Leids brennen, und sank selbst in die tiefste Traurigkeit des Seins. Nach einer Weile fragte Krishna ihn, ob er es akzeptieren könnte, für alle Zeiten in diesem Zustand zu bleiben. Inzwischen war ich so involviert, vollkommen identifiziert mit Yuddhistra, dass die Frage an mich gerichtet war. Er oder ich antwortete: "Ja, in mir ist kein Wunsch nach Veränderung oder Vermeidung von Schmerz oder Leid, und wenn dies für den Rest meiner Existenz so bleiben sollte, so sei es". Meine Kopfschmerzen hatten sich inzwischen dermaßen gesteigert, dass in diesem Moment explosionsartig durch den Hinterkopf reines Licht meine Wahrnehmung erfüllte. Dies war ein Moment absoluter Akzeptanz des Seins, die Zeit hörte auf, Karl und die Welt waren verschwunden und eine Form von Istheit in einem gleißenden Licht, eine pulsierende Stille, eine absolute Lebendigkeit, vollkommen in sich selbst, erschien, und ich war das. Nach einer "Ewigkeit" (auf der Uhr 3-4 Stunden) waren Karl und die Welt wieder da, doch die Kopfschmerzen waren verschwunden. Dafür blieb absolute Akzeptanz und das Wissen, dass Zeit in dem erscheint, was ich bin, und dass was ich bin- vor Zeit ist. Dass alles, was in Zeit ist, jede Sensation, nicht das berühren kann, was in sich selbst absolut ist, das was Leben an sich ist. Durch eine Kette von Ereignissen und Umständen, die in keinem Moment von "Karl" gewollt, beabsichtigt oder beeinflusst waren, trotz und nicht wegen allen Suchens, ist in sich die absolute Akzeptanz, die vollkommende Liebe, der Urgrund der Existenz, sich ihrer selbst gewahr geworden. Und alle Erfahrung war und ist nicht "mein" oder "dein" Erleben, sondern Leben lebt sich in allem was ist und nicht ist. Und du bist das. Das ist deine wahre Natur, ewig, vor der Erscheinung von Zeit und Raum und allem was darin auftaucht, ewig unberührt: Die absolute Wahrnehmung, die sich selbst in sich selbst wahrnimmt. Die Wahrheit an sich. Karl Renz Alles ist Selbst-Realisation Die Dreifaltigkeit des Seins Die Hingabe der Hingabe Eine einfache Erfahrung -1Tiefschlaf, plötzlich SOHEIT, reines "SEIN". "ICH" eine selbst leuchtende Zelle, Honig-goldenes Licht. Ein Licht, das sich selbst ist. Körperlosigkeit - Zeitlosigkeit - Ichlosigkeit - Wunschlosigkeit etc. absolutes "LICHT". ABSOLUTHEIT = LOSIGKEIT ABSOLUTION = ERLÖSUNG ABSOLUTES SELBST = SELBSTLOSIGKEIT. "GEWAHRSEIN" Das Selbst als solches, das sich selbst nicht kennt, weil nur ES ist. " ICH " -2Dann, wie das Erwachen eines Gedankens, einer Regung, von jetzt zu jetzt, die Schöpfung - das Universum - die Gesamtheit der Aspekte des Seins die Welt, die Absolute Realisation als Bewußtsein. " ICH BIN " Das alles ohne Anstrengung, Energieeinsatz, ohne Wille oder Wunsch. Das Erwachen von dem EINEN in die EINHEIT Keine RELATIVITÄT. --Wechsel zwischen diesen beiden Zuständen unendlich. Keine Zeit- oder Raumwahrnehmung. In der EINHEIT immer noch das EINE. -3Plötzliches Erwachen in Karl, aus dem Fenster schauend, Sonnenaufgang. "ABSOLUTE RELATIVITÄT" Erfahrung des "ICH" in der relativen Welt, und aller getrennten Aspekte. Die unendliche Vielheit der Erscheinungen. Der einzelne Aspekt Karl in der Welt. "ICH BIN KARL" "I AM THAT" Mit allem was eine Person ausmacht. Karl als eine Erfahrung des Seins "Absoluter Aspekt". --Wechsel zwischen den drei "Zuständen" für mehrere Stunden. Ohne Anstrengung oder Energieaufwand. Alle drei Zustände, natürliche Zustände des "EINEN" " ICH " Das Selbst und die Selbstrealisation. Absolut kein Unterschied oder Trennung. Da ist nur das "EINE" in allen Umständen. (Wahrheit, Liebe, Selbst etc.) Das zu "SEIN", ist absolutes Wissen. ICH BIN DAS Und Ich kann es nicht nicht-sein. ICH BIN DAS ICH BIN. Das sich realisierende "SELBST" Das "EINE" ohne "ZWEITES". Kein Werden oder Vergehen. Das nie geborene und darum unsterbliche "ABSOLUTE" Das, was nie verloren war und darum unauffindbar. Das "EINE" ist, ohne Realisation aber keine Realisation ohne das "EINE". Das Wirkliche und seine Verwirklichung. DAS EWIGE JETZT Die folgenden Dialoge sind Proben aus dem Buch von Karl Renz: .Das Buch Karl., Kamphausen Verlag, 150 S., 16,50 Euro Trau keinem toten Meister ...................................................................................................................1 Vorbereitung auf die Erleuchtung........................................................................................................3 Sehnsucht ............................................................................................................................................6 Ich möchte erleuchtet werden ..............................................................................................................8 Wie stirbt man richtig?.......................................................................................................................10 Niemand kann erleuchtet sein............................................................................................................12 Entwickele ich mich? .........................................................................................................................13 Trau keinem toten Meister Frage: Du hast doch irgendetwas, was wir nicht haben. So kommt es mir zumindest vor. Und du sitzt ja auch da vorne, und wir hier. Wie kommt dir das selbst vor? Sind wir die Dummen? Karl: Wenn ich mich als weisen Erwachten betrachten würde, gäbe es vor mir lauter dumme Unerleuchtete. Das wäre Trennung. Das wäre die alte Illusion: Dass es hier einen gibt, der etwas weiß, und dass dort einer sitzt, der es nicht weiß. Aber ich rede von dem Wissen, das absolut ist. Es ist hier absolut - und es ist da genauso absolut. Es ist nichts Neues für dich. Deshalb ist es auch nicht etwas, das du erringen kannst. Nicht etwas, das du entdecken kannst. Es ist nichts, wo du hinkommen kannst. Es ist schon vollkommen da. Ich rede von dem, was nie verdeckt war. Was keines Erreichens bedarf. Jedes Bestreben kann nur zu relativem Wissen führen. F: Man sagt doch: Jeder Lehrer hat noch etwas zu lernen. K: Ja, solange es einen Lehrer gibt, hat er noch etwas zu lernen. F: Na, also. Du bist doch ein Lehrer! K: Das ist unmöglich. Ich kann dich nicht lehren. F: Aber deshalb bin ich doch hier. K: Ich kann dich nicht lehren, was du bist. Ich kann dir nichts geben F: Na, wenn das so ist... K: Ich kann dir allerdings auch nichts nehmen. Und jeder, der sagt, er kann dir etwas geben oder etwas abnehmen oder dir eine wichtige Erleuchtungserfahrung verschaffen, der lügt. F: Dann ist Buddha ein Lügner. K: Ja, trau keinem toten Meister. F: Na, so einfach ist das aber nicht. Buddha hat ohne Zweifel eine Lehre. Die lautet kurz gesagt: Alles Leben ist Leid. Alles Leid entspringt der Begierde. Es gibt einen Weg, der Begierde zu entkommen. Und das ist der achtfache Pfad. -2K: Im Diamant-Sutra sagt er: Es hat nie einen Buddha gegeben, der die Welt betreten hat. Und es wird nie einen geben, der sie betreten wird. Er sagt: Vierzig Jahre habe ich gepredigt und nie etwas gesagt. Es hat keiner etwas gesagt, keiner hat gesprochen, und keiner hat gehört. F: Aber es gibt den achtfachen Pfad. Es gibt die Lehre. Es gibt den Dharma. K: Es gibt Leute, die etwas lehren und möglichst immer dieselben Worte wiederholen. Das sind die Dharma-Keeper. Die Erhalter der Misere. Alle Lehren, die sagen, es gibt einen Weg aus der Misere, erhalten die Misere. Die Dharma-Keeper, die Darm-Keeper, diejenigen, die die Verstopfung aufrecht erhalten. F: Nehmen wir ein anderes Beispiel: Krishna lehrt Arjuna. Die ganze Bhagavad Gita besteht nur aus diesem Lehrgespräch. K: Krishna, Buddha, Jesus oder Sokrates - das sind alles Erscheinungen. Sie erscheinen dir als Ausweg. Jeder scheint dir ein Bild mit einem schönen Ziel zu zeigen oder wenigstens ein Loch in der Wand: Da kommst du durch. Du musst dich nur bemühen, hoch genug zu springen. Dann kommst du rüber. Du musst dich zwängen. Dann kommst du durch. Am Ende musst du nur Mut genug aufbringen, den letzten Schritt in den Abgrund zu treten. F: Und stimmt das etwa nicht? K: Nein, so hoch kannst du gar nicht springen. Und den Schritt kann keiner tun. Diesen Schritt in den Abgrund des Seins, in dir selbst, kann nur das Selbst tun. Und das Selbst braucht diesen Schritt nicht zu tun, weil es der Abgrund ist! Das Selbst ist der absolute Abgrund. Das absolute Nichts. F: Soll das alles einfach nur heißen, dass du mir nicht helfen kannst? K: Genau. F: Das gibt es doch nicht. K: Im Relativen gibt es alles. In der Realität nichts. F: Na, ist auch egal. Ich sitze ja trotzdem ganz gern hier. K: Ich habe gesagt: Hier sitzt keiner, der etwas sagt, und da sitzt keiner, der etwas hört. Das, was hört, und das, was spricht, sind Eins. Da gibt es keine Trennung. Ob das Sprechen aus diesem Körper oder das Hören in jenem Körper stattfindet, das spielt keine Rolle. Das, was hier spricht und was da hört, sind Eins. F: Das merke ich nicht. Aber trotzdem empfinde ich es hier irgendwie als unterstützend. Es erinnert mich an irgendwas. K: Möglicherweise an dich selbst. F: Ja, darum geht’s vielleicht. K: Du wirst auf dich selbst zurückgeworfen. Ich gebe dir nichts. Ich werfe dir immer alles wieder zurück. Gib's mir, gib's dir, gib mich mir. F: Dich dir? -3K: Wir spielen Fangen mit uns selbst. F: Meine Güte, und dafür habe ich all die Jahre meditiert. K: Genau dafür. Alles, was vorher passiert und nicht passiert ist, hat dich vorbereitet auf dieses. Damit dieses jetzt so passieren kann. Es gibt nichts Falsches dabei. Es ist immer richtig. Es passiert immer zum richtigen Moment. Jetzt F: Deshalb: Trau keinem toten Meister. K: Trau keinem toten Meister, denn es gibt noch nicht mal lebendige. Vorbereitung auf die Erleuchtung Frage: Ein Zen-Meister namens Bankei aus dem 17. Jahrhundert preist den ungeteilten Buddhageist. Der sei jenseits aller Einheit. Was soll das sein? Karl: Das, was vor Buddha ist. Para-Buddha. Das, was vor allem ist. Das keine Zweiheit kennt. Und keine Einheit kennt. Es ist weder Eins noch Zwei. Es ist weder dies noch das. Es hat keine Definition. Es hat alle oder keinen Namen. Es kann sich selbst nie begreifen. F: Aha. Deshalb sagt Bankei wohl, es habe keinen Sinn, danach zu streben. So etwas sagt er zu seinen Schülern: Hört einfach auf! K: Die absolute Resignation, sich selbst nie begreifen zu können, sich selbst nie wissen zu können, nie kennen zu können, das ist die absolute Stille. Wo kein Wunsch mehr nach Selbsterkenntnis ist: Das ist Selbsterkenntnis. Dass ich mir selbst nie entkommen kann und mich selbst nie begreifen kann. Weil ich das bin, was ist, und das ist unendlich. Ungeboren, unsterblich. Dafür ist in der Zeit nichts notwendig. Um das zu sein, braucht man kein Bemühen. Jedes Bemühen, das zu sein, ist scheinbar kontraproduktiv. F: Bankei sagt: Ein weitaus kürzerer Weg als das Bemühen, ein Buddha zu werden, besteht darin, einfach ein Buddha zu sein. K: Ja, dann hör auf mit Bankei. F: Aber der Buddha hat sich jahrelang bemüht. Dann erst ist er zu seiner Erkenntnis gekommen. Hätte er die Erleuchtung auch ohne Bemühungen erreicht? Oder schien es ihm nur hinterher so? K: Was meinst du, woher kam das Bemühen? F: Aus seinem Entschluss, nicht mehr so weiterzuleben. K: Und woher kam der Entschluss? F: Aus dem Wunsch, das Leiden zu beenden. K: Und woher kam der Wunsch? -4F: Willst du mich jetzt immer so weiterfragen? K: Wenn es einen freien Willen gibt, sagt Wittgenstein, wer könnte ihn haben? F: Na, zum Beispiel ein Buddha. K: Welcher Buddha hat sich je bemüht, ein Buddha zu werden? F: Derjenige, der leidet, bemüht sich, ein Buddha zu werden. Derjenige, der Spaß hat, hat vermutlich nichts dagegen, noch viele Male wiedergeboren werden. K: Du meinst: Solange das Selbst an der Relativität Spaß hat, bleibt es gern relativ. Nur wenn es gestört wird, geht es raus aus der Relativität. Als wenn das Selbst jemals gestört werden könnte von sich selbst. F: Ich rede nicht von einem abstrakten Selbst, sondern von einem gewöhnlichen Menschen. K: Du redest vom Bewusstsein, das sich scheinbar in einem Zustand befindet und den als angenehm oder unangenehm empfindet. F: Nein, ich rede von einem Menschen, der sich bemüht. Mir leuchtet einfach nicht ein, dass jegliche Bemühungen völlig gleichgültig sind. Die Mystiker sind alle einen langen Weg gegangen. Selbst Ramana Maharshi, der große Star, hat Jahre gekämpft, um herauszubekommen, was er oder was das Ich bin ist. K: Soweit ich weiß, hat er es an einem einzigen Nachmittag erkannt. Auf einer Tafel im Ashram von Tiruvannamalei ist es so dargelegt. Eine Todesahnung überkam ihn. Er legte sich auf den Boden, er gab sich dieser Todeserfahrung hin und realisierte. F: Mag sein. Aber das war nur der Anfang eines langen Weges. K: Es war der Anfang und das Ende. Seitdem, sagte er, ist nichts mehr passiert. F: Außer dass er sich jahrelang in eine Höhle zurückgezogen hat, um ungestört zu meditieren. K: Von diesem Moment an, hat er gesagt, wusste er, dass das, was er war, das Selbst, durch nichts jemals gestört war oder je sein könnte. Das war die grundlegende Erfahrung von Allem. F: Es mag die grundlegende Erfahrung gewesen sein, trotzdem war noch eine Art Nacharbeit nötig. K: Du meinst, wie bei einem Seminar an der Uni. Erst bereitest du dich vor, dann erlebst du es, dann bereitest du es nach. Damit es nachhaltig wirkt. F: Ja, das ist gar nicht so abwegig, wie es jetzt klingt. Ramana hatte bei diesem einen Erlebnis erfahren, dass er nicht der Körper ist. Aber was er in Wahrheit ist, das hat er in dem Moment noch nicht direkt erfahren. K: Da hast Du Recht. F: Eben. Deswegen hat er dann... K: Er hat es nicht erfahren, weil es nicht erfahrbar ist! -5F: Wieso denn nicht? K: Für eine Erfahrung ist mindestens zweierlei nötig: Einer, der erfährt, und etwas, das erfahren wird. F: Ja, und? K: Das andere ist keine Erfahrung mehr. Das ist einfach Sein an sich. Und das ist jetzt und hier vollkommen da. Dafür wird nichts besonderes gebraucht, weder Vorbereitung noch Nachbereitung. Und es ist nichts Besonderes. Es ist die einfache Erkenntnis zu sein. Der . wie Meister Eckart sagt . Urgrund an sich. Das reine Gewahrsein zu existieren. F: Aber etwas Besonderes ist es schon. Denn was bei diesen Meistern auffällt, ist doch die Intensität ihrer Ausstrahlung. Diese unendliche Güte, die unstörbare Stille. Wer mit Ramana meditiert hat, ist in ein Samadhi gelangt, ins kosmisches Bewusstsein. K: Das kosmische Bewusstsein ist nichts Besonderes. Es ist eine Erfahrung. Worum es hier geht, ist das Selbst. Die Stille, von der du redest, hat nichts damit zu tun, ob einer still sitzen kann oder äußerlich still und innerlich still ist. Diese Stille ist unantastbar. Sie kann durch nichts berührt werden. Diese Stille kennt keine Gedanken. Diese Stille ist keine Erfahrung. Sie ist Selbst an sich. F: Die Leute, die zu Ramana gekommen sind oder zu einem anderen Mystiker, haben diese Stille erfahren. Sie haben davon geschmeckt. Und wollten diesen Geschmack immer haben. Und haben sich hingesetzt und meditiert. Ich glaube einfach nicht, dass es egal ist, ob man sich bemüht oder nicht. Du stellst es so dar, dass man weder was dafür tun kann noch dagegen. Irgendwann überfällt es einen. K: Nein, es überfällt keinen. Diese Stille, dieses grundlegende Gewahrsein, ist durch nichts bedingt. Alles, was in Zeit passiert, kann es nicht beeinflussen. Und ob, wann, und wie es geschieht, ist völlig unabhängig von dem, was in der zeitlichen Ebene vor sich geht. Darum ist jedes Tun, jede Handlung, jedes Verstehen oder Nicht-Verstehen zwecklos. Es hat keine Bedeutung für dieses eine kleine .Aha.: für das Gewahrsein des Absoluten. F: Für das persönliche Leben hat es offenbar eine große Bedeutung. K: Du erhoffst dir einen Vorteil. Da ist kein Vorteil. Du hoffst, dir zu entkommen. Das ist unmöglich. Du möchtest einen Ausweg finden. Es gibt keinen. Das, was hier ist, braucht keinen Ausweg und wird nie einen haben. Weil das, was hier ist, jetzt ist und ewig ist. Unendlich. Du kannst nicht darauf zugehen und du kannst dich nicht davon entfernen. F: Aber ein bisschen Arbeit oder Vorbereitung macht dich doch erst bereit für diese Erfahrung oder meinetwegen Nicht-Erfahrung. Zum Beispiel, das, was du sagst, überhaupt annehmen zu können. Dieses Akzeptieren zu können, ist doch nicht von vorneherein da. K: Das Akzeptieren kommt nicht aus dem, was du zu sein glaubst, sondern aus derselben Quelle wie die Nicht-Akzeptanz. Ob du akzeptieren kannst oder nicht, ist nicht in deiner Hand. Du kannst das Gefühl haben, dass du das erarbeitet hast. F: Genau. K: Und doch weiß ich mit absoluter Sicherheit, dass nicht du es warst, der das erarbeitet hat. Die -6Akzeptanz ist eine spontane Erscheinung. F: Das mag sein, aber dass diese Erscheinung sich spontan einstellt, kann man ja vielleicht fördern. K: Kein Bemühen hilft. Es gibt keine Vorbereitung und keine Nachbereitung. F: Ich habe aber bei Paul Lowe das Deep Sharing als sehr hilfreich erlebt. K: Schön. Das klingt gut. F: Das ist der tiefe Austauch der Gefühle. K: Dieses Sheep sharing? F: Nein, Deep Sharing K: Sheep Sharing heißt doch: Schafe scheren? F: Nein, nein, Deep Sharing. Deep Sharing heißt: die Tiefe teilen. K: Die Tiefe teilen? Mit einem Messer teilen? So dass es zwei Tiefen gibt? F: Nicht zer-teilen. Mit-teilen. Man teilt seine Gefühle mit, teilt sie mit anderen, alle Gefühle, auch die, die weh tun. K: Man schert sie kurz. F: Man ist offen und ehrlich. Und geht eben nicht schnell darüber hinweg. K: Statt dessen geht man langsam darüber weg. Wie mit einem stumpfen Messer. Damit es weh tut. Die Haare langsam rausreißen. Ist das Deep Sharing? Sehe ich das richtig? F: Nein. Überhaupt nicht. K: Normales Sheep Sharing macht man mit einem scharfen Messer, damit es schnell geht. F: Haha, dann gibt es doch eine sinnvolle Vorbereitung! Das Messerschleifen! K: Am Ende sind alle Haare weg. Du bist nackt. Da ist nichts mehr. F: Dank guter Vorbereitung. K: Du hast mich besiegt. Gibt es noch Fragen, die ich nicht beantworten kann? Sehnsucht Frage: Ich bin voller Sehnsucht. Ich weiß nicht, nach was. Karl: Sehnsucht taucht auf, wenn du denkst, du hättest etwas verloren. Zum Beispiel die -7Lebendigkeit deiner Kindheit. Oder wenn du woanders hin möchtest. Zum Beispiel in eine andere Umgebung. Sehnsucht taucht auf, wenn du dir Bedingungen vorstellst, unter denen es dir besser gehen müsste. Etwa eine harmonische Partnerschaft oder einen guten Job, finanziellen Sicherheit, Familie, Gesundheit. Also wenn du gerne einen Zustand hättest, den du nicht hast - oder nicht zu haben glaubst. Dann hast du Sehnsucht. Dann suchst du etwas, was scheinbar fehlt oder verloren ist. F: Ja, zum Beispiel Glück. Das ist doch die Grundsuche. Und es ist, als sei diese Suche tief in die Zellen programmiert. K: Alles was in der Zeit ist, hat die Sehnsucht nach Zeitlosigkeit. Alles was getrennt ist, will zurück zur Einheit. Zurück zur Quelle. Die Idee von Zweiheit ist immer zugleich die Sehnsucht nach Einheit. F: Nein, meine Sehnsucht ist keine Idee, das ist ein tiefes Gefühl! K: Sie entsteht aus einer Illusion. Aus der Illusion der Unvollkommenheit. Aus der Idee des Ich. Sofort mit der Idee des Ich entsteht das Verlangen nach Ichlosigkeit. Nach Wunschlosigkeit. Und prompt erscheint die Sehnsucht, keine Sehnsucht mehr zu haben. Was getrennt ist, soll zusammen kommen. Aus zwei mach eins. F: Natürlich! Wunschlosigkeit, Zeitlosigkeit, also völlig zufrieden im Augenblick leben: das ist doch Glück. Ist die Suche danach denn verkehrt? Du tust gerade so, also sei sie ein Irrtum! Oder was ist los? K: Ich komme vom Bauernhof. Wenn bei uns einer fragte: Was ist los hier?, gab es immer nur eine Antwort: Alles was nicht angebunden ist. Das ist los. Bringt keine Erklärung, ist aber eine logische Antwort. Und die Frage ist nicht, was los ist oder was angebunden ist, sondern: Gibt es überhaupt etwas, das angebunden sein kann? F: Darüber habt ihr euch auf dem Bauernhof unterhalten? K: Dafür haben wir die EG-Subventionen verbraten. Wir fragten uns: Gibt es etwas, das los sein kann von etwas anderem? Gibt es tatsächlich zwei? Etwas, das an etwas Anderes gebunden ist? Oder das sich mit dem vereinigen kann oder getrennt ist? F: Klingt nach ökologischem Landbau. Zu welchem Ergebnis seid ihr gekommen? K: Beides ist Illusion. Das Verbundensein und das Losgelöstsein. Weil es nichts gibt, was sich lösen könnte von etwas Anderem. Weil es nie etwas gegeben hat, das verbunden war mit etwas Anderem. F: Das nennt man also Agrarwirtschaft. K: Das nennt man Selbsterkenntnis. F: Ich würde sagen, man nennt es Sehnsuchtsverdrängung. K: Solange es die Idee von Verbundensein und Getrenntsein gibt, gibt es die Sehnsucht, das zu ändern. Die Sehnsucht, zur Einheit zu finden. Zurück zur Quelle, zum Selbst. Mit dieser Sehnsucht bist du ein sogenannter Suchender. Ein Süchtiger. Ein Süchtiger nach sich Selbst. Ein Selbstsüchtiger. Jeder Suchende ist ein Süchtiger nach sich Selbst. F: Gut, und ich frage ja nichts anderes als: Wie kann diese Sucht erfüllt werden oder -8verschwinden? K: Die Sehnsucht muss weder erfüllt werden noch verschwinden. F: Doch, damit ich in Frieden leben kann. K: Du bist das, was vor jeder Art von Frieden oder Unfrieden ist. Was vor jeder Empfindung, Wahrnehmung oder Vorstellung ist. Du bist das, in dem all das auftaucht und wieder verschwindet. Auch Sehnsucht und Suche sind Teil dieser Erscheinungen. Du brauchst nicht die Erfüllung irgendeiner Suche, um das zu sein, was du bist. Du bist selbst die Erfüllung. F: Den Eindruck habe ich nicht. K: Du bist vollkommen, mit Sehnsucht und ohne Sehnsucht. Mit Suche und ohne Suche bist du absolut das, was ewig vollkommen in sich selbst ist. Dafür muss nichts geändert werden. Nichts muss geschehen oder vermieden werden, um das zu sein, was du bist. Nichts muss kommen, nichts muss gehen dafür. F: Ja, aber diese Erkenntnis möchte ich ganz gern selbst haben. Oder meinetwegen wiederfinden. K: Der Wunsch, sie wiederzufinden, entsteht aus der Wahnidee, dass du sie verloren hast. Dass es jemals einen Moment gegeben hat, wo Das nicht da war. Aus diesem Irrtum entsteht die ganze Falschheit der Suche. Es gibt nichts zu erlangen oder wiederzufinden. Es ist hier. Dieses vollkommene Dasein ist der Urgrund für jede Erscheinung. Für jede Frage und jede Antwort. Man muss nichts dafür tun. F: Nur noch da sein. K: Nur noch da sein. Die absolute Stille sein. Erkennen, dass es da nie etwas gab, was irgendein Bedürfnis hatte. Dass das, was du bist, nie gestört war von etwas, das kommt und geht. Von keiner Frage, keiner Antwort. Es gibt nichts, was es berühren kann. Nichts, was es verdecken oder aufdecken könnte. Es ist immer in sich absolut rein und klar. F: Wow. K: Nichts ist angebunden, nichts ist los. F: Wie bei euch auf dem Land. K: Wie auf einem Bauernhof mit Agrarsubventionen. Ich möchte erleuchtet werden Frage: Auch wenn es altmodisch klingt, ich möchte erleuchtet werden. Karl: Da kann ich dir nur viel Glück wünschen. F: Ja, was heißt? Ist das denn Quatsch, dieser Wunsch? K: Nein, kein Quatsch, nur ein bisschen Gedankenzauber. -9F: Oh, ich glaube, es ist doch ein bisschen mehr. K: Erleuchtung und Nicht-Erleuchtung sind Ideen. Die Erleuchtung ist lediglich ein Konzept in der unendlichen Reihe von Konzepten zur persönlichen Optimierung oder Selbstfindung oder Glücksbeschaffung. F: Und ist daran etwas falsch? K: Es ist unnötig. Denn nie hat es für irgendjemanden einen Bedarf an Erleuchtung gegeben. F: Das bezweifele ich. K: Wer will denn erleuchtet werden? F: Wie gesagt: Ich. K: Also, das Ich will leuchten. F: Natürlich. Ist das verboten? K: Vom Standpunkt der elektrischen Sicherheit auf jeden Fall. F: Wie bitte? K: Es ist äußerst zweifelhaft, ob ein Ich diese Energie aushalten kann. Diese Energie, die dann zum Leuchten führt. In dieser absoluten Energie von Sein verglüht das Ich. Es platzt. Und die Reste verdampfen. Wenn man 10.000 Volt durch eine Glühbirne jagt, wie geht es der Glühbirne dann? F: Sie hat einen Orgasmus. K: Von dem sie allerdings nichts mehr merkt. F. Hmm. Was soll das heißen . dass ich eine schwache Glühbirne bin? K: Was meinst du mit Ich? F: Na, meine Persönlichkeit. Hier. Mich. Das, was vor dir sitzt. Das, was ich bin. K: Das, was du bist, braucht keine Erleuchtung. Es ist nie verdunkelt gewesen. F: Na, dann lassen wir den Begriff Erleuchtung. Nennen wir es meinetwegen Erwachen. K: Es braucht auch kein Erwachen. Weil es nie geschlafen hat. Es kennt kein Schlafen und kein Wachsein. Wachsein und Schlafen tauchen in ihm auf. Es gibt keinen Erwachten oder Schlafenden. Keinen Erleuchteten oder einen, der Erleuchtung braucht. Das sind alles nur Ideen. Sie sind bedeutungslos. Sie tauchen auf und verschwinden in dem, was du bist. F: Aber um genau das zu sehen oder zu kapieren, müsste ich doch eine Art Erwachen erfahren! K: Nicht du. Nicht das Ich. In dem Moment, wo du das bist, was du bist, hat die Glühbirne keinen Platz mehr. Sie ist verglüht, verdampft, verschwunden. Als hätte es sie nie gegeben. Und, das ist der - 10 Witz, es hat sie tatsächlich nie gegeben. Denn wo das ist, was ist, gibt es nichts anderes als das, was ist. F: Das wo... das das... das was... also, wo bleibe ich? K: Du bist verglüht, verdampft, verschwunden. Scheinbar. In Wahrheit hat es dich vorher nicht gegeben. Und es wird dich hinterher nicht geben. F: Okay, das Ich muss verschwinden? K: Nein! Wie soll etwas verschwinden, was nie da war? F: Aber, mein Gott, es gibt mich doch. Hier sitze ich. Die Frage ist höchstens: wie lange noch?! (Ein Handy klingelt) F: Entschuldigung. K: Nein, nimm ruhig ab. Es könnte dein Elektriker sein. Wie stirbt man richtig? Frage: Hat es eine Bedeutung, wie man stirbt? In Verblendung oder bewusst? Karl: Nein. F: Das lehren aber fast alle Religionen, dass es wichtig ist, wie man stirbt. K: Ah, du weißt schon Bescheid? F: Nicht ich. Viele Erleuchtete sagen, der Zeitpunkt des Todes sei relevant. K: Dazu muss es erst mal jemanden Relevantes geben, jemanden, der einen sieht, der lebt und stirbt. F: Der Zeitpunkt sei wichtig und der Zustand des Geistes auch. K: Willst du Gott oder das Sein in Frage stellen? F: Wie bitte? K: Willst du sagen, dass Bewusstsein dumm ist und nicht weiß, was es tut? F: Ich glaube nicht gerade an die Dummheit Gottes... K: Weiß Gott, was er tut? F: Das nehme ich doch an. K: Und dann, meinst du, müssen wir uns darum kümmern, ob ein Wesen so oder so stirbt? Oder - 11 weiß Gott es vielleicht besser? F: Gott mag es wissen; trotzdem ist es wichtig, dass wir etwas tun. K: Dass wir die Welt verbessern? F: Naja, Gleichgültigkeit kann jedenfalls nicht die Antwort sein. K: Einer, der die Welt verbessert - stellt der sich nicht außerhalb des Ganzen? Als separater Gott? F: Zwischen Weltverbesserer und einem Menschen, der helfen will, ist ja wohl ein Unterschied. K: Vielleicht kein großer. Wenn du einem anderen helfen willst, willst du etwas verändern an dem, was ist. Ich sage nicht, dass es falsch ist. Aber solange es einen gibt, der eine Verbesserung für nötig hält, und solange das für ihn Realität hat, ist er im Leiden. Mitleid mit einem anderen kommt aus Selbstmitleid. F: Ich rede von Mitgefühl. K: Mitgefühl kann keiner haben. Im Mitgefühl gibt es dich nicht mehr. F: Aber noch die anderen. K: Im Mitgefühl gibt es auch die anderen nicht mehr. F: Herrje, das Mitgefühl manifestiert sich in diesem Körper! Und der will vielleicht etwas tun! K: Mitgefühl ist dein Wesen. Mitgefühl unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Erfahrungen. Es fühlt nicht mit leidfreien oder leidvollen Erlebnissen. Auch Leid ist im Mitgefühl eine Erfahrung und Selbsterkenntnis. Die einzige Qualität ist die Wahrnehmung - damit das Selbst sich selbst erkennt. Und das ist immer hier in allem. Es gibt nur Mitgefühl. Mitgefühl des Selbst zum Phänomenalen. F: Hör auf! Hör auf mit diesem Geballer von logischen Zusammenhängen. Ich kann dir nur sagen: So, wie du das rüberbringst, wird es mir zuviel. K: Ich will nichts rüberbringen. Es soll einfach nur zuviel werden. F: Na, das hast du erreicht. Mit einem Donnerwetter von intellektuellen Konzepten. K: Du hast ein Konzept vom Mitgefühl. Das Konzept des persönlichen Mitleids. Ich halte etwas anderes dagegen. Das Prinzip des Selbst. F: Ja, ja, aber es kommt nicht darauf an, dass wir uns intellektuell kloppen! Es geht doch darum, dass wir berührt werden. Willst du uns denn nicht berühren? K: Nein, ich will niemanden berühren. F: Wenn ich nicht berührt werde, rauscht es an mir vorbei. K: Es soll auch an dir vorbeirauschen. Denn dann hört etwas anderes zu. Hier spricht Bewusstsein, und da hört Bewusstsein. Und das, was denkt, die Ich-Idee, die nicht mitkommt, interessiert mich - 12 nicht. Die sehe ich gar nicht. Ich spreche mit keiner Person hier. F: Na, dann viel Spaß. K: Das einzige, was passieren kann, ist die Akzeptanz, dass du ein Konzept hast und ich ein Konzept habe. Akzeptanz bringt alles hervor. Das Mitgefühl, die Akzeptanz des ganzen kosmischen Seins, kreiert die Diskussionen und die Worte, in denen das Bewusstsein von hier spricht und die es da hört. Es ist ein Energiefluss. Es kommt nicht darauf an, über was wir sprechen. Es kommt auch nicht darauf an, ob wir zu einem Ergebnis kommen oder eine Erkenntnis haben. F: Für mich kommt es darauf an, was ohne Worte im Raum passiert. Und alles, was ich merke, ist dass du den ganzen Raum mit Wörtern füllst. K: Klingt gut. F: Du redest schnell und verwendest bestimmte Begriffe und verbindest Vorstellungen damit. Ich muss erst mal ein Gefühl dafür bekommen, was du damit meinen könntest. Mein Geist muss erstmal mitkommen. Aber wichtig ist doch, was hier passiert. Das ist das einzig Wichtige. K: Wer sagt jetzt, was wichtig ist? F: Ich! K: Wer Ich? F: Himmel, ich wollte einfach nur wissen, wie man stirbt. Und ob man etwas tun kann. K: Merkst du nicht, wie man stirbt? F: Ich merke nur Kahlschlag. K: Und kannst du etwas tun? F: Ich weiß es nicht mehr. K: Gut. F: Ja, sehr gut. K: Deshalb nennt man mich Karl-Schlag. Niemand kann erleuchtet sein Frage: Wer einmal erleuchtet ist, kann der jemals wieder diesen Zustand verlieren? Karl: Immer wieder. F: Ist er nicht ein für allemal drin? K: Nein. Solange es einen Erleuchteten gibt, fällt er wieder raus. Es muss das Aha sein, dass das, - 13 was Selbst ist, was Sein ist . dass das ewig realisiert ist. Und es bedarf nicht irgendeiner Person, die das erkennt. Das Sein braucht nicht irgendein Phänomen, das realisiert, was Sein ist. F: Nein, das Sein braucht es nicht. Aber ich brauche die Realisation. Oder das Erwachen. K: Du brauchst es nicht. Es kann dich nie als Erleuchteten geben. Und es hat dich auch nie als Unerleuchteten geben. Lass das ganze gewichtige Prinzip Erleuchtung oder Erwachen wegfallen. F: Geht es nicht darum, einmal davon berührt zu werden? K: Wer oder was sollte berührt werden? Was müsste sich dafür ändern? Alles, was berührt wird, fällt auch wieder weg. Jede Erfahrung von Berührung ist flüchtig. F: Aber als Lehrer kannst du doch. K: Ich bin total hilflos. Ich bin Hilflosigkeit. Keinen kann ich zu irgendetwas machen, was er nicht schon längst ist. F: Dann hilf mir zu sein, was ich bin. K: Alles, was ich versuchen würde, würde die Idee verfestigen, dass du das noch nicht bist. F: Kannst du es trotzdem versuchen? K: Es ist ja niemand da, der verbessert werden könnte. F: Ich glaube gern, dass man dich nicht verbessern könnte. Aber ich . K: Auch du bist unverbesserlich. Entwickele ich mich? Frage: Ich habe im Fernsehen gesehen, wie Kinder durch Napalm umkamen. Früher hätte ich mir das nicht ansehen können. Ich hätte abgeschaltet. Diesmal blieb ich ruhig, und darüber war ich überrascht. K: Du meinst, du hast Fortschritte gemacht? F: Naja. K: Du hast einen Vorteil errungen gegenüber früher? F: Ich bin jetzt einfach nicht so verwickelt gewesen. K: Ein Zeugenbewusstsein mag entstanden sein, das nicht mehr involviert war in eine Folge von Ereignissen. F: Ja, eben. Und ich stelle mir vor, wenn mir selbst etwas Schlimmes passiert, und ich bleibe trotzdem ganz ruhig... - 14 K: Dann bist du gerettet? F: Naja, ich leide nicht, wenn ich sozusagen draußen bleibe. K: Wer bleibt wo? Was ist der Unterschied, ob du hier oder da bleibst? Ob du verwickelt oder draußen bist? Wer hat den Vorteil, wenn er nicht involviert ist? Was bist du? F: Ich bin die, die hier sitzt. K: Und was ist der Vorteil, solange es dich gibt? Das ist ein absoluter Nachteil. Solange es dich gibt, als Person, die aus irgendetwas einen Vorteil basteln möchte, ist der persönliche Vorteil ein absoluter Nachteil. F: Es geht mir um die Freiheit von Leiden. K: Das, was Freiheit ist, braucht keine Freiheit. Aber die Idee, dass es dich gibt und dass es einen Vorteil hätte, wenn diese oder andere Umstände sich ereignen, in denen du dich so oder anders verhalten könntest, um Leid zu vermeiden . das allein schafft einen Leidenden. F: Ist es Leiden, wenn man glücklich sein will? K: Natürlich. Auch der Glückliche muss um sein Glück kämpfen. Es ist ja immer die Möglichkeit des Unglücks da. Damit schon ist das Glück wieder unglücklich. Solange es einen Glücklichen gibt, ist auch ein Unglücklicher da. In derselben Person. Solange es einen Leidfreien gibt, gibt es ihn auch als Leidenden. Aus diesem Kreis entkommt keiner. Das einzig mögliche ist der sogenannte göttliche Unfall: Das Aha, dass es nie einen gegeben hat, der in Zeit war. Dass es keine Zeit gibt. Und dass das, was du bist, vor jeder Idee von Zeit und Raum ist. Vor jeder Idee von was auch immer. F: Und dafür kann ich nichts tun? K: Dafür musst du nichts tun! Alles, was in Zeit und Raum dafür getan wird, kann es nicht berühren. Alles, was in Zeit und Raum getan wird, kann dich nicht zu dem machen, was du bist. Es ist viel einfacher. Das, was du bist, erkennt einfach, dass alles was es erkennen kann, nicht sein kann. In dir, in der Wahrnehmung, erscheinen Raum, Zeit und Welt. Doch du selbst bist nie Teil davon. Karl Renz - Das Buch Karl 152 Seiten, Broschur ISBN: 3-933496-76-4 € 16,50 [D] J. Kamphausen