2.1.2 Einbettung der Arbeit

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Experimentelle Studie
bezüglich der Wirksamkeit
einer Irrtümer-AufdeckungsStrategie zur Verbesserung
des Recyclingverhaltens
bei Altmetall
Autoren:
Fricker Jonas
Odermatt Simon
Schmid Mischa
Betreuer:
Hansmann Ralph (UNS)
Semesterarbeit, 6./7./8. Semester 2001/2002
Zürich, 04.10.2002, UNS
Semesterarbeit Metallrecycling
Inhaltsverzeichnis
1
ZUSAMMENFASSUNG ..................................................................................... 2
2
EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG ......................................................... 3
2.1
EINLEITUNG .................................................................................................... 3
2.1.1
Metallrecycling in der Schweiz .......................................................... 3
2.1.2
Einbettung der Arbeit .......................................................................... 3
2.1.3
Der Weg des Metalls in der KVA ...................................................... 4
2.2
FRAGESTELLUNG UND PRAXISRELEVANZ ...................................................... 6
2.3
THEORIE ......................................................................................................... 7
2.3.1
Einleitung .............................................................................................. 7
2.3.2
Theorie sozialer Vergleichsprozesse ............................................... 8
2.3.3
Theorie der kognitiven Dissonanz .................................................. 10
2.3.4
Das Elaboration-Likelihood-Modell (ELM) von Petty und
Cacioppo (1986) ................................................................................................ 11
3
METHODIK ........................................................................................................ 13
3.1
MESSANORDNUNG ....................................................................................... 13
3.1.1
Forschungsdesign: Vorher-Nachher-Versuchsplan mit
Kontrollgruppe .................................................................................................... 14
3.1.2
Hypothesen ........................................................................................ 15
3.2
VORSTUDIE „IRRTÜMER ÜBER METALL IM ABFALL“ ..................................... 15
3.3
HAUPTSTUDIE „UNTERSUCHUNG DER W IRKSAMKEIT DER
INFORMATIONSSTRATEGIE“ ...................................................................................... 17
3.3.1
Produktion und Verteilung des Flugblatts ...................................... 17
3.3.2
Messmethode und Modellannahmen ............................................. 17
3.4
DURCHFÜHRUNG DER MESSUNGEN ............................................................ 18
3.5
AUSWERTUNGSMETHODEN .......................................................................... 18
3.5.1
Regressionsmodell ............................................................................ 19
3.5.2
Statistische Tests .............................................................................. 20
4 RESULTATE ...................................................................................................... 22
4.1
VORSTUDIE „IRRTÜMER ÜBER METALL IM ABFALL“ ..................................... 22
4.1.1
Ergebnisse der Vorstudie ................................................................. 22
4.2
HAUPTSTUDIE: REGRESSIONSMODELL ........................................................ 23
4.3
HAUPTSTUDIE: ABWEICHUNG VON DEN MODELLDATEN FÜR DIE ZEIT NACH
DER FLUGBLATTAKTION ............................................................................................ 27
4.4
HAUPTSTUDIE: ÜBERPRÜFUNG DER NULLHYPOTHESE ............................... 31
5 DISKUSSION UND METHODENKRITIK ...................................................... 33
5.1
WISSENSCHAFTLICHE ASPEKTE .................................................................. 36
5.1.1
Aspekte der Dissonanztheorie ........................................................ 36
5.1.2
Aspekte der Theorie sozialer Vergleichsprozesse ....................... 36
5.1.3
Aspekte des Elaboration-Likelihood-Modell (EML) ...................... 37
5.2
MARKETINGASPEKTE .................................................................................... 38
5.3
WEITERE ASPEKTE....................................................................................... 39
5.4
DER GRÖSSTE IRRTUM? .............................................................................. 40
5.5
VISION........................................................................................................... 41
6. LITERATUR ....................................................................................................... 42
ANHANG .................................................................................................................... 43
DANKSAGUNG ......................................................................................................... 60
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Semesterarbeit Metallrecycling
1 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersuchte den Einfluss einer Flugblattaktion auf die
Altmetallrecyclingmenge von Haushalten in der Stadt Zürich. Unter Berücksichtigung verschiedener (sozial-)psychologischer Theorien wie der Dissonanztheorie und der Theorie sozialer Vergleichsprozesse bei der Erstellung
des Flugblatts wurde versucht, in der Bevölkerung eine Verhaltensänderung
bezüglich des Metallrecyclings herbeizuführen. Im Zentrum des Flugblatts
stand die Aufklärung dreier Irrtümer über Metall im Abfall, deren Verbreitung in
einer Vorstudie erhoben wurde. Um die Verhaltensänderung zu testen, wurde
ein Experiment in der Stadt Zürich durchgeführt: Die eine Hälfte der Stadt
(links der Limmat) erhielt zusammen mit dem Zürcher Abfallkalender anfangs
Dezember 2001 ein Flugblatt mit einer Aufklärung der Irrtümer, während die
andere Hälfte kein Flugblatt - und damit keine Aufklärung der drei Irrtümer erhielt und als Kontrollgruppe diente. Es wurde die Vermutung aufgestellt,
dass in der Stadthälfte mit Informationsvergabe eine Steigerung der Recyclingmenge an den Metallsammelstellen im Vergleich zur anderen Hälfte beobachtet werden kann.
Als Datenbasis dienten Messungen der Metallrecyclingmenge der Stadt Zürich
von Januar 1997 bis Mai 2002. Aufgrund der vor dem Experiment (vor der
Flugblattaktion) erhobenen Daten wurde ein Regressionsmodell erstellt. Dieses Modell stellte für die Auswertung eine Prognose dar, wie sich die Recyclingmenge (ohne Einflussnahme bzw. Flugblatt) während der Testphase entwickeln würde.
Nach Abschluss der sechsmonatigen Messphase – von Dezember 2001 bis
Mai 2002 – konnte kein Effekt des Flugblatts auf die Recyclingmenge festgestellt werden. Es traten keine signifikanten Abweichungen vom Regressionsmodell auf. Dies könnte auf verschiedene Gründe zurück geführt werden, wobei einerseits die verwendeten Theorien zur Diskussion stehen und andererseits Marketingaspekte ursächlich sein könnten. Hierauf wird in der Diskussion
ausführlich eingegangen.
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Semesterarbeit Metallrecycling
2 Einleitung und Fragestellung
2.1
Einleitung
2.1.1 Metallrecycling in der Schweiz
In der Schweiz wurden im Jahre 2000 von 100 verkauften Konservendosen
und Stahlblechverpackungen 67 rezykliert. Dies ergibt eine stattliche Prozentzahl, wenn man bedenkt, dass sich die Recyclingquote in der Schweiz innerhalb von zwölf Jahren von 3.2 auf 67 Prozent erhöht hat (Neue Zürcher Zeitung, 2001). Vergleicht man jedoch Metall mit Glas, das eine Recyclingquote
von über 90 Prozent hat (BUWAL, 2001b), ist im Bereich Altmetallrecycling
noch ein ernstzunehmendes Verbesserungspotential vorhanden. Altmetall
wird in grossen Mengen gemeinsam mit dem Hauskehricht entsorgt und führt
damit über die Verbrennung in der KVA zu einer starken Belastung von Luft,
Boden und Grundwasser. Dies ist unter anderem auch eine Folge der ungenügenden Aufklärung der Bevölkerung über den Problemkreis „Metall im Abfall“.
Gemäss BUWAL (2001a) ist die separate Sammlung und Verwertung von
Altmetallen aus dem Haushalts- und Gewerbebereich aus ökologischer Sicht
sinnvoll. Ergänzend wird hier festgestellt: „Die Bestimmung der Menge des
jährlich in der Schweiz entsorgten Altmetalls ist schwierig und lässt sich nur
grob abschätzen. 1996 wurden ca. 1 Million Tonnen Eisenschrott der Verwertung zugeführt.“ „Über die Gemeindesammelstellen werden in der Schweiz
jährlich rund 60'000 Tonnen Altmetalle aus den Haushaltungen separat gesammelt. Dies entspricht rund 9 kg Altmetall pro Einwohner.“ (BUWAL,
2001c). Zürich liegt mit 5.25 kg weit unter dem Schweizerischen Durchschnitt
(siehe Kapitel 2.2).
2.1.2 Einbettung der Arbeit
Die hier vorliegende Arbeit wurde von Studenten des Studiengangs Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Professur
für Umweltnatur- und Umweltsozialwissenschaften (UNS) und Entsorgung +
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Semesterarbeit Metallrecycling
Recycling Zürich (ERZ) realisiert. Sie leistet einen Beitrag zum Projekt „Entsorgungsverhalten – Verhaltenswirksamkeit von Informationen im Bereich Abfall“. Dieses übergeordnete Projekt, welches gemeinsam von der Professur
ETH-UNS, dem Bund, dem Kanton Zürich und der Stadt Winterthur lanciert
wurde, hat zum Ziel, die Ursachen für falsches Entsorgen sowie die Wirkungen von Informationsstrategien auf das Entsorgungsverhalten zu erforschen.
Seine Träger sind das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL), Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ), die Stabstelle Entsorgung der
Stadt Winterthur sowie die Professur Umweltnatur- und Umweltsozialwissenschaften (UNS) der ETH.
Die im obengenannten Projekt durchgeführten Untersuchungen sollen aufzeigen, welche Informationsstrategien die Bürgerinnen und Bürger zu einem korrekten Verhalten im Bereich der Abfallentsorgung motivieren.
Bei Inangriffnahme dieser Arbeit liefen parallel drei Semesterarbeiten zum
Thema „Informationsstrategien im Entsorgungsverhalten“. Sie beleuchten alle
eine andere Informationsstrategie auf der Regulationsebene Individuum in Bezug zur Umwelt.
2.1.3 Der Weg des Metalls in der KVA
Betrachten wir den Weg von Altmetall, welches über den Hauskehricht in der
Kehrichtsverbrennungsanlage (KVA) verbrannt wird: Solches Altmetall kann in
unterschiedlicher Form in den Abfall gelangen, nämlich als Büchsen, Dosen,
alte Werkzeuge, Aluminium, technische Geräte, Drähte, leere Salben-Tuben,
Kochpfannen usw. Schliesslich gelangen auf diesem Weg viele (z.T. Schwer-)
Metalle in die KVA: Eisen (Fe), Quecksilber (Hg, im Wäscherschlamm und in
der Abluft), Aluminium (Al), Kadmium (Cd), Kupfer (Cu, landet fast vollständig
in der Schlacke), Blei (Pb), Zink (Zn), Zinn (Sn), Nickel (Ni), Chrom (Cr) und
Antimon (Sb) sind die häufigsten.
Das Altmetall wird im Rahmen der Kehrichtverbrennung in der Schweiz nicht
magnetisch oder anderweitig vom restlichen Abfall getrennt. Eine entsprechende Anlage wird im Kanton Zürich gemäss ERZ aus Kostengründen ge- Seite 4 -
Semesterarbeit Metallrecycling
scheut. Beim Verbrennen des Abfalls in der KVA entstehen Temperaturen bis
850 Grad Celsius. Die festen Verbrennungsrückstände (Asche, Glas, Metall,
Staub...) fallen am Ende des Verbrennungsrostes in ein Kühlbecken mit Wasser und werden über ein Förderband als Schlacke wieder ausgebracht. Die
entstehenden Rauchgase werden in der Brennkammer über dem Rost mittels
Eindüsung von Sekundärluft bei hohen Temperaturen nachverbrannt, um den
Schadstoffausstoss zu reduzieren.
In der anfallenden Schlacke hat es Rückstände verschiedenster Metallgemische. Das Metall wird nicht aus der Schlacke entfernt, da das zuviel kostet und
mit Schlacke vermischtes Altmetall einen sehr geringen Wert hat. Da die
Schlacke in offenen Deponien gelagert wird gefährdet sie das Grundwasser.
Ein noch grösseres Problem als die Lagerung der Schlacke sind jedoch die
Rauchgase. Die Reststoffdeponien der Rauchgasreinigung sind wegen der
hohen Konzentration von giftigen Stoffen (v.a. Cd) sehr heikel. Diese Abfälle
müssen als Sondermüll zum Beispiel in ehemaligen Salzminen gelagert werden, was sehr kostenintensiv ist.
„Metalle sind aber nicht nur für den Menschen und seine Mitwelt schädlich. Sie
belasten auch die Ofen mechanisch stark: Metallstücke bleiben in den Rosten
hängen oder können die Maschinen sogar verklemmen, was zu einem Ausfall
des Ofens führen kann. Ein stillgelegter Ofen kostet pro Tag rund 50’000Fr.“
(Peter Leutert, ERZ, persönliche Mitteilung, 11.04.01).
Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) unterscheidet bei den MetallstoffFlüssen zwischen einem Grob- und einem Feinmetallanteil. Es wird angenommen, dass über den Haushaltkehricht mehrheitlich Feinmetall eingeschleust wird. Metalle gelangen aber auch über die folgenden Wege in die
KVA’s: Sperrgutabfuhr, Direkteinlieferung Privater, Einlieferung der Vertragsgemeinden und Einlieferung durch Transporteure. Neben dem Haushaltskehricht bringen die Transporteure (v.a. von Baustellen) den grössten Input an
(Grob-)Metall in die KVA’s der Stadt Zürich.
Für weitere Informationen bezüglich der Metallstoff-Flüsse und der Metalle in
der Schlacke siehe Anhang A1 auf Seite 43.
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Semesterarbeit Metallrecycling
2.2
Fragestellung und Praxisrelevanz
In Zürich werden jährlich rund 900 Tonnen Feinmetall via Sammelstellen und
nochmals 1'000 Tonnen Grobmetall via Recyclinghof gesammelt, das sind also 1'900 Tonnen Altmetall pro Jahr. Bei einer Zürcher Bevölkerung von
360’980 Einwohner/Innen (Statistisches Amt der Stadt Zürich, 2000) macht
das 5.25 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. In Zürich herrscht also im Vergleich zur gesamten Schweiz (9 kg) ein nicht ausgeschöpftes Potential von
fast 4 Kilogramm pro Einwohner oder 1’350 Tonnen Altmetall pro Jahr. Natürlich hat Zürich als grösste Stadt der Schweiz einen Spezialstatus, trotzdem
dürfte noch ein beachtliches Recyclingpotential vorhanden sein.
Die vorliegende Semesterarbeit „Experimentelle Studie bezüglich der Wirksamkeit einer Irrtümer-Aufdeckungs-Strategie zur Verbesserung des Recyclingverhaltens bei Altmetall“ soll in erster Linie die Frage untersuchen, ob mit
einer Informationsstrategie der Irrtumsaufklärung eine Erhöhung des Altmetallrecyclings in den Haushalten erreicht werden kann. Die hier angewandte Irrtümer-Informationsstrategie bestand aus einem in der halben Stadt Zürich verteilten Flugblatt, welches über in der Bevölkerung verankerte Irrtümer im Bereich Metall-Recycling aufklärt. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen zeigen, dass die Nullhypothese „Die Flugblattaktion hat keinen Einfluss auf die
Menge des an den Recyclingstellen gesammelten Metalls“ verworfen werden
kann.
Das Ziel der Flugblattaktion war, die Menge an Altmetall im Haushaltskehricht
zu reduzieren, sowie die Bewohner für das Thema Abfall zu sensibilisieren.
Falls die Informationsstrategie den gewünschten Erfolg zeigt, nämlich die Bevölkerung dazu zu bringen, weniger Metall in den Hauskehricht zu werfen,
kann man davon ausgehen, dass die Menge an Altmetall an den Recyclingstellen zunimmt. Und wenn das Altmetall gezielt rezykliert wird kann die Belastung der Luft, des Bodens und des Grundwassers durch die in den KVA’s anfallenden Rauchgase, Filterrückstände und Schlacke verkleinert werden. Ausserdem belastet jeder einzelne die Abfallsäcke im Haushalt dann nicht unnötig
mit schwerem und platzraubendem Altmetall und kann somit Kosten sparen.
- Seite 6 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Grundlagen des Flugblattes:
Mit Hilfe einer Vorstudie versuchten wir herauszufinden, inwieweit die möglicherweise verhaltensrelevanten Irrtümer im Bereich Altmetall-Recycling in
der Zürcher Bevölkerung verbreitet sind. Diese Evaluation zeigte, dass die Irrtümer wirklich in einem breiten Kreis der Menschen verankert sind. Diese Erkenntnisse wurden mit Hilfe eines Flugblattes (ein Exemplar befindet sich
ganz am Ende der Arbeit) kommuniziert. Die gewählte Informationsstrategie
gründet auf den folgenden wissenschaftlich-psychologischen Theorien:
-
Theorie sozialer Vergleichsprozesse von Festinger (1954),
-
Dissonanztheorie von Festinger (1962),
-
Elaboration-Likelihood-Modell von Petty und Cacioppo (1986)
2.3
Theorie
2.3.1 Einleitung
Wo nicht anders vermerkt stammen die Informationen aus der Literatur von
Frey et al. (1993).
Das Ziel der Flugblattaktion war, bei der einen Hälfte der Zürcher Stadtbevölkerung eine langandauernde Verhaltensänderung bezüglich ihres Metallrecycling-Verhaltens hervor zu rufen. Dieses Ziel sollte auf der Basis von verschiedenen (sozial-) psychologischen Theorien und Studien erreicht werden.
Das Aufführen der Prozentzahl, der sich in Metallfragen irrenden Zürcher im
Flugblatt ermöglichte es den Adressaten, ihr eigenes Wissen mit dem von anderen zu vergleichen. Gemäss der Theorie sozialer Vergleichsprozesse von
Festinger (1954) ist der Vergleich mit anderen Personen ein ständiges Bedürfnis der Menschen. Diese Erkenntnis wurde im Flugblatt als motivierendes
Element genutzt, um eine vertiefte Auseinandersetzung der Bevölkerung mit
dem Thema Metallrecycling zu erreichen.
Die ebenfalls von Festinger (1962) stammende Dissonanztheorie besagt, dass
beim Auftreten einer Differenz zwischen dem eigenen Verhalten und dem
Wissen über werterelevante negative Konsequenzen dieses Verhaltens eine
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Semesterarbeit Metallrecycling
Dissonanz entsteht. Diese erzeugt eine Motivation, die Beziehung Wissen –
Verhalten auf eine konsistente Ebene zu stellen. Durch entsprechende Informationen und das Aufführen der korrekten Metallrecycling-Verhaltensweisen
im Flugblatt sollte beim betroffenen Teil der Adressaten eine solche Dissonanz
und damit die Motivation für eine Verhaltensänderung erzeugt werden.
Letztlich fliessen auch Ideen des Elaboration-Likelihood-Modells (ELM) von
Petty und Cacioppo (1986) in die Überlegungen zur Ausgestaltung des Flugblattes ein. Dieses Modell besagt unter anderem, dass Einstellungs- und Verhaltensänderungen beim Menschen auf zwei Wegen geschieht:
1. Auf dem zentralen Weg: Wenn die Motivation und die Fähigkeit angebotene Informationen sorgfältig zu bearbeiten genügend gross sind.
Dieser Weg kann eher eine dauerhafte Verhaltensänderung hervorrufen.
2. Auf dem peripheren Weg: Hier erfolgt die Informationsverarbeitung und
somit die Einstellungs- und Verhaltensänderung durch einfache Reize,
welche z.B. positive Gefühle auslösen. Dabei sind die erreichten Änderungen nicht so dauerhaft wie auf dem zentralen Weg.
Durch die Möglichkeit eines Vergleiches des Verhaltens mit einer Kontrollgruppe (Theorie sozialer Vergleichprozesse) und dem Hervorrufen einer Dissonanz (Dissonanztheorie) wurde versucht, die Motivation zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema so zu erhöhen, dass die Adressaten den
zentralen Verarbeitungsweg gemäss ELM einschlagen.
Die oben erwähnten Theorien werden im nächsten Teil ausführlicher erläutert.
2.3.2 Theorie sozialer Vergleichsprozesse
Gemäss der von Festinger (1954) aufgestellten Theorie sozialer Vergleichsprozesse besteht ein menschliches Bedürfnis, eigene Meinungen, Fähigkeiten, Kenntnisse, Leistungen etc. ständig zu bewerten. Gemäss der Theorie
sozialer Vergleichsprozesse sind Personen motiviert, adäquate Einstellungen
zu erwerben und zu besitzen. Die Richtigkeit bemisst sich dabei am Vergleich
mit anderen Personen oder Gruppen, welche die Gültigkeit der eigenen Meinung bestätigen. Dabei dient das individuelle Anspruchsniveau als persönli- Seite 8 -
Semesterarbeit Metallrecycling
cher Standard zur Beurteilung von Leistungen. Die Bewertung und die Höhe
dieser Standards werden ebenfalls durch Vergleiche mit anderen Personen
beeinflusst.
Festinger stellte dazu folgende Hypothesen auf:
1. Eine Person ist zufrieden, wenn ihre Leistung das eigene Anspruchsniveau
erreicht oder übertrifft, und unzufrieden, wenn ihre Leistungen darunter liegen.
2. Nach Erfolgserlebnissen steigt das Anspruchsniveau, nach einem Misserfolg sinkt es.
3. Wenn Personen im Vergleich mit einer für sie relevanten Gruppe überdurchschnittlich gut abschneiden, verringern sie häufig ihr persönliches
Leistungsniveau, liegt die Leistung innerhalb des Gruppendurchschnittes,
erhöhen sie es (Konformität mit der Gruppennorm).
4. Das Motiv des Einzelnen nach Bewertung der eigenen Meinungen und Fähigkeiten entspringt gemäss Festinger dem Bedürfnis nach richtigen Einschätzungen. Je geringer dieses Bedürfnis befriedigt ist – also je unsicherer eine Person ist – umso stärker wird die Vergleichsmotivation ausfallen.
Vergleichsinformationen werden also dann gesucht, wenn diese für die eigene Einschätzung wichtig sind.
Treten bei einem sozialen Vergleich mit relevanten Gruppenmitgliedern Meinungs- und/oder Fertigkeitsdiskrepanzen auf, versucht die Person, diese Unterschiede zu reduzieren. Dies kann durch die Änderung der eigenen Position
oder durch die Veränderung der Position der anderen Personen der Gruppe
geschehen. Dies geschieht so lange, als die Person in der Gruppe verbleiben
will. Misslingen beiden Strategien, wird die Person entweder die Gruppe verlassen oder von ihr ausgeschlossen werden. Die Bemühungen um Diskrepanzreduktion wachsen mit der Relevanz der Meinungen und Fertigkeiten und
mit der Attraktivität der Gruppe.
Beim Auftreten einer Diskrepanz kommt es meist zu einer Änderung der eigenen Person. Dabei wirken folgende Gesetzmässigkeiten: Maximaler Konformitätsdruck entsteht dann, wenn die Referenzgruppe die Macht besitzt Sanktionen zu verhängen, und wenn die betroffene Person diese als negativ bewer- Seite 9 -
Semesterarbeit Metallrecycling
tet. Die Wahrscheinlichkeit der negativen Bewertung von Sanktionen steigt mit
der Attraktivität der Gruppe. Die Attraktivität von Gruppen steigt wiederum mit
der Immobilität des sozialen Systems, also wenn keine Alternativgruppen zur
Verfügung stehen, die das Bedürfnis nach positiver Distinktheit in ähnlicher
Weise befriedigen könnten, wie die aktuelle Vergleichsgruppe.
2.3.3 Theorie der kognitiven Dissonanz
Leon Festinger beschrieb 1962, dass Personen nach einem Gleichgewicht in
ihrem kognitiven System streben. Dabei stehen inhaltlich miteinander verbundene Kognitionen in relevanter Beziehung zueinander. Dissonanz unter Kognitionen tritt dann auf, wenn das Gegenteil des einen Elements einer Kognition
aus dem anderen folgt. Also z. B. „ich rauche“ und „Rauchen erzeugt Krebs“
sind deshalb dissonant, weil aus der zweiten Kognition eigentlich folgen sollte,
dass man die erste Kognition aufgibt.
Dissonanz erzeugt so eine Motivation, konsistente Beziehungen herzustellen,
also die Dissonanz zu reduzieren. Grundsätzlich kann dies durch Addition
neuer konsistenter Kognitionen, durch Subtraktion (Verdrängen, Vergessen)
oder durch Substitution (Addition konsistenter - bei Subtraktion dissonanter Kognitionen) erfolgen.
Bei der willentlichen Erzeugung einer Dissonanz darf die Wirkung des Kommunikators nicht ausser acht gelassen werden. Eine geringe Dissonanz tritt
nämlich dann auf, wenn die Glaubwürdigkeit des Kommunikators gering ist,
wenn die Diskrepanz zwischen Sender und Empfänger gering ist und letztlich
je weniger fest die betroffene Einstellung in das kognitive System eingebettet
ist. Es ergeben sich folgende Dissonanzreduktionsmöglichkeiten: Eine Einstellungsänderung, eine Verhaltensänderung, die Abwertung des Kommunikators
/ der Kommunikation, die Verzerrung des Inhaltes der Kommunikation (passend machen) oder die Suche nach sozialer Unterstützung für die eigene Meinung.
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Semesterarbeit Metallrecycling
2.3.4 Das Elaboration-Likelihood-Modell (ELM) von Petty und Cacioppo
(1986)
Den Grundannahmen des Modells entsprechend gibt es zwei Wege der Einstellungsänderung durch Überzeugungsversuche:

Beim zentralen Weg bestehen die Motivation und die Fähigkeit, angebotene Informationen sorgfältig zu verarbeiten und zu bewerten. Einstellungsänderungen ergeben sich dabei als Funktion der Güte der dargebotenen
Argumente und der Überzeugungskraft der Information.

Beim peripheren Weg entsteht die Einstellungsänderung durch Reize/Verstärker. Sie erfolgt gekoppelt mit positiven bzw. mit negativen Gefühlen. Einstellungen werden somit auf die affektive (gefühlsmässige)
Komponente reduziert.
Das ELM besagt, dass die Intensität, Art und Weise wie Informationen verarbeitet werden, von den Fähigkeiten und der Motivationslage abhängen. Bei
genügender Motivation und hohen Fähigkeiten wird eine grosse Wahrscheinlichkeit der tiefen und intensiven Verarbeitung der Information (zentraler Weg)
erwartet. Die Verarbeitung über den zentralen Weg hat eine gute Integration
der Informationen in die Einstellungsstruktur zur Folge. Durch die intensive
Verarbeitung von Argumenten oder Informationen sind zentral hervorgerufene
Einstellungsänderungen stabiler, erlauben bessere Verhaltensvorhersagen
und weisen grössere Resistenz gegen anders lautende Argumente auf als
Einstellungsänderungen, welche als Reaktion auf periphere Reize (peripherer
Weg) hervorgerufen wurden.
Als weiterer Faktor, der das Ausmass der Informationsverarbeitung beeinflusst, sei hier die persönliche Relevanz erwähnt. Ein Thema ist dann persönlich relevant, wenn es wichtige Implikationen für das eigene Leben besitzt. Sie
führt zu einer stärkeren Motivation, themenrelevante Argumente intensiv zu
verarbeiten.
Das Fazit aus den Erkenntnissen des ELM lauten demnach: Kommunikatoren,
die daran interessiert sind, langfristig stabile, gegen Gegenargumente gefeite
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Semesterarbeit Metallrecycling
und verhaltenssteuernde Einstellungen zu einem bestimmten Thema zu erzeugen, sollten sicherstellen, dass die potentiellen Rezipienten motiviert und
fähig sind, die Botschaft intensiv zu verarbeiten.
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Semesterarbeit Metallrecycling
3 Methodik
3.1
Messanordnung
Aus Datenerhebungs- und verteilungspraktischen Gründen (siehe unten) wurde der Untersuchungsraum, die Stadt Zürich, in zwei Gebiete unterteilt: Alle
Haushalte des Gebietes „Flugblattaktion“ - links der Limmat - wurden mit einem Flugblatt beliefert, sie stellen die „Massnahmengruppe“ dar. Das Gebiet
„ohne Behandlung“ - rechts der Limmat - wurde nicht beliefert und stellte somit
die „Kontrollgruppe ohne Behandlung“ dar.
Gebiet „Flugblattaktion (FA)“:
Links der Limmat; im Süden; Kreis 1 bis 5, 8
und 9; Postleitzahlen: 8001, 8002, 8038, 8041, 8003, 8045, 8055, 8063, 8004,
8005, 8008, 8048 und 8064
Gebiet „ohne Behandlung (OB)“: Rechts der Limmat; im Norden; Kreis 6,7 und
10 bis 12; Postleitzahlen: 8006, 8057, 8032, 8044, 8053, 8037, 8049, 8046,
8050, 8052 und 8051
Da nur zwei Gebiete unterschieden wurden, war ein RandomisierungsExperiment nicht möglich. Dies wäre nur bei einer Fokussierung auf die einzelnen Metallsammelstellen realisierbar gewesen, was aber aus folgenden
Gründen nicht sinnvoll war:
Es existierten bereits Zeitreihen seit Dezember 2000, welche getrennt nach
den zwei Gebieten erhoben wurden. Die Daten wurden bis Ende 2001 automatisch so erfasst, da zwei verschiedene Firmen die Recyclingstellen bedienten und separat von ERZ nach Gewicht entlöhnt wurden. Seit Januar 2002
wurde das Altmetall nur noch von einer Firma eingesammelt. Die Daten wurden aber bis Mai 2002 weiterhin getrennt nach links „Flugblattaktion“ und
rechts „Ohne Behandlung“ der Limmat erhoben.
Mit der gewählten Messanordnung wurden somit die vorhandenen MessMöglichkeiten und Daten optimal genutzt. Dies bedeutete nur einen geringen
Mehraufwand für ERZ bei der Datenerhebung. Demgegenüber hätte eine spezifische Datenerhebung getrennt nach den einzelnen Sammelstellen einen
nicht vertretbaren Mehraufwand bedeutet und Daten aus der Vergangenheit,
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Semesterarbeit Metallrecycling
die für die Modellierung und Auswertung des Experiments unverzichtbar sind,
wären auch nicht vorhanden gewesen.
Auch wäre eine Flugblattaktion spezifisch auf einzelne Sammelstellen bezogen logistisch sehr aufwendig bzw. gar nicht realisierbar gewesen, da keine
klare Zuordnung der Haushalte zu den einzelnen Recyclingstellen möglich ist.
3.1.1 Forschungsdesign: Vorher-Nachher-Versuchsplan mit Kontrollgruppe
Vor und nach der Flugblattaktion wurden monatlich die gesammelten Mengen
Metall der Metallsammelstellen festgehalten, getrennt nach den beiden Gebieten Flugblattaktion (FA) und Ohne Behandlung (OB).
Gebiet „Flugblattaktion“:
Menge
Metall
„vorher“
Gebiet „ohne Behandlung“:
Menge
Metall
„vorher“
Massnahmengruppe mit Flugblattaktion
Flugblattaktion
Menge
Metall
„nachher“
Kontrollgruppe ohne Behandlung
Ohne Behandlung
Abb. 3.1.1: Erhebungsdesign des Flugblattaktion
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Menge
Metall
„nachher“
Semesterarbeit Metallrecycling
3.1.2 Hypothesen
Es wurden folgende Hypothesen bezüglich der Wirksamkeit des Flugblatts
aufgestellt:
Nullhypothese
Die Flugblattaktion (FA) hat keinen Einfluss auf die Menge des an den Recyclingstellen gesammelten Metalls.
Alternativhypothese
Die Flugblattaktion erhöht die Menge des an den betreffenden Recyclingstellen gesammelten Metalls.
Unabhängige Variable (2 Stufen)
1: Ohne Behandlung: Keine Flugblattaktion
2: mit FA
Abhängige Variable
Menge des an den Recyclingstellen gesammelten Metalls in Tonnen pro Monat.
3.2
Vorstudie „Irrtümer über Metall im Abfall“
Nach der Bestimmung der Messanordnung wurde der Inhalt des Flugblattes
erarbeitet. Die Aufgabenstellung sah vor, eine „Irrtümer-AufdeckungsStrategie“ auf der Basis der genannten (sozial-)psychologischen Theorien
(siehe Kapitel 2.3) zu untersuchen. Zuerst mussten dafür denkbare Irrtümer
die für eine geringe Recyclingperformance verantwortlich sein könnten auf ihre
Verbreitung hin evaluiert werden. Dies erfolgte durch eine Umfrage in der
Stadt Zürich.
Als erstes wurden im Brainstorming und im Gespräch mit Fachleuten potentielle „Irrtümer über Metall im Abfall“ gesammelt und aufgrund praktischer Überlegungen vorselektiert. Die sechs verbliebenen „potentiellen Irrtümer“ wurden
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im Bekanntenkreis getestet und auf drei „vermutete Irrtümer über Metall im
Abfall“ reduziert.
Die drei „vermuteten Irrtümer über Metall im Abfall“ lauteten wie folgt:

„Altmetall wird vor der Verbrennung des Haushaltsabfalls in der Kehrichtverbrennungsanlage aussortiert.“
Aus technischen, finanziellen und aus Platzgründen wird das in der
Stadt Zürich nicht getan.

„Altmetall wie Büchsen, Dosen und alte Werkzeuge entsorgen, bedeutet einen zusätzlichen Aufwand.“
Das Altmetall kann neben dem Altglas gelagert werden und mit diesem
entsorgt werden.

„Altmetall im Züri-Sack kostet höchstens die Sackgebühr.“
Altmetall im ‚Züri-Sack´ kostet doppelt und dreifach.
1. Direkt durch rascheres Auffüllen Ihres ‚Züri-Sacks’ (Sackgebühr).
2. Indirekt durch einen Einfluss auf die Gebühr je Sack. Das Metall
im Abfall kostet pro Jahr Y Millionen Franken** und verteuert so
die Sackgebühr.
3. Die Kosten für die Metallsammelstellen zahlen Sie bereits mit
Ihrem Mietzins.
Das Ziel der Vorstudie war es, mit einer Umfrage die Verbreitung dieser drei
„vermuteten Irrtümer“ bei der Bevölkerung der Stadt Zürich zu untersuchen
und in Prozent anzugeben.
Entsprechende Fragen wurden formuliert, die dann zwischen dem 31. Mai und
dem 6. Juni 2001 zufällig ausgewählten Passanten in der Stadt Zürich gestellt
wurden. 103 Personen haben an der Befragung teilgenommen.
Die Repräsentativität der Stichprobe wurde mit dem Statistikprogramm SPSS
durch zwei Chi-Quadrat-Anpassungstests geprüft. Bei der Altersverteilung
fungierten als Vergleichszahlen die Altersverteilung der Stadtzürcher Bevölke- Seite 16 -
Semesterarbeit Metallrecycling
rung aus dem Jahre 2000 (Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2001). Bei
der Geschlechterverteilung wurde eine Gleichverteilung als Referenzgrösse
angenommen.
Weitere Angaben zur Vorstudie und deren Resultate befinden sich im Resultatteil 4.1 und im Anhang A2 ab Seite 44.
3.3
Hauptstudie „Untersuchung der Wirksamkeit der Infor-
mationsstrategie“
3.3.1 Produktion und Verteilung des Flugblatts
Auf der Basis dieser drei Irrtümer wurden in Zusammenarbeit mit ERZ 110'000
Flugblätter produziert und zwischen dem 3. und 7. Dezember 2001 mit dem
neuen Abfallkalender per Post an das Gebiet „Flugblatt“ (an die entsprechenden Postleitzahlen siehe Kapitel 3.1) verschickt. Durch den gemeinsamen
Versand mit dem Abfallkalender wurden die finanziellen Aufwendungen minimiert.
3.3.2 Messmethode und Modellannahmen
Das zu verifizierende Ziel unserer Flugblattaktion war, das Verhalten der Zürcher Bevölkerung so zu beeinflussen, dass weniger Metall mit dem Hauskehricht und mehr Metall an den Separatsammelstellen entsorgt wird. Dies direkt
zu messen ist mit einem riesigen Aufwand verbunden, der nicht zu rechtfertigen gewesen wäre. Darum wurden folgende Annahmen getroffen:
1. Das Konsumverhalten der Haushalte im Bezug auf Metall bleibt ohne
die Massnahme Flugblattaktion im Trend eine Modellfunktion, die auf
Basis der Daten der vergangenen Jahre bestimmt werden kann (siehe
3.5.1 Regressionsmodell).
2. Das Metall verlässt die Haushalte nur über zwei Wege: Die Metallsammelstellen und den Hauskehricht. Eine Abnahme vom Metall im Haus-
- Seite 17 -
Semesterarbeit Metallrecycling
kehricht ist unter dieser Annahme zwingend mit einer Zunahme des gesammelten Metalls (gegenüber dem Regressionsmodell) verbunden.
Die Masse des gesammelten Metalls an den Sammelstellen wird von ERZ erhoben: Der beladene Transportlastwagen wird gewogen (Bruttogewicht), dann
wird das gesammelte Metall entladen und der entladene Transportlastwagen
wieder gewogen (Taragewicht). Die Differenz Brutto – Tara ergibt die Masse
des gesammelten Metalls einer Lieferung.
3.4
Durchführung der Messungen
Die Messungen werden bei jeder Lieferung durchgeführt. Sie erfolgten ohnehin aus ökonomischen Gründen und bedeuteten somit keinen Mehraufwand
für ERZ.
Seit Beginn der Einrichtung der Metallsammelstellen 1989 sind jährliche Daten
über die gesammelte Metallmenge vorhanden. Seit 1997 werden die Mengen
der ganzen Stadt Zürich monatlich erfasst. Vom Dezember 2000 bis im Mai
2002 wurden sie darüber hinaus separat nach den Gebieten nördlich der
Limmat („Flugblattaktion“) und südlich der Limmat („ohne Behandlung“) festgehalten. Von Dez. 2000 bis Dez. 2001 hatte diese Zweiteilung der Stadt rein
ökonomische Gründe, da das Altmetall dieser Gebiete von zwei verschiedenen Transportfirmen eingesammelt wurden. Seit Beginn 2002 war aber nur
noch eine Transportfirma dafür zuständig. Sie sammelte aber weiterhin separat nach den zwei Gebieten nördlich und südlich der Limmat bis die Datenerhebung im Mai 2002 abgeschlossen wurde.
3.5
Auswertungsmethoden
Die monatlichen Daten der Metallsammelstellen wurden in eine Excel-Tabelle
eingegeben und mit dem Statistikprogramm SPSS analysiert.
Die Grundlagen der statistischen SPSS-Auswertung sind im Anhang A3 ab
Seite 49 aufgeführt.
- Seite 18 -
Semesterarbeit Metallrecycling
3.5.1 Regressionsmodell
Als Referenzwert zu den gemessenen Werten wurde das Regressionsmodell
entwickelt, dessen Datenbasis die monatlich gemessenen Mengen Altmetall
und das durchschnittliche Mengenverhältnis nördlich und südlich der Limmat
(ab Dez. 2000) vor der Flugblattaktion darstellen. Die 59 Monatsdaten summiert über die ganze Stadt Zürich von Januar 1997 bis November 2001 sind in
Abb. 3.5.1.1 dargestellt.
Monatssummen 1997 - 2002
Tonnen gesammeltes Altmetall
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
Ja
n
97
Ap
r
Ju
l
O
Ja kt
n
98
Ap
r
Ju
l
O
k
Ja t
n
99
Ap
r
Ju
l
O
k
Ja t
n
00
Ap
r
Ju
l
O
Ja kt
n
01
Ap
r
Ju
l
O
Ja kt
n
02
Ap
r
0
Monate
Abb. 3.5.1.1: Monatliche Gesamtmengen des gesammelten Metalls an den Metallsammelstellen der Stadt Zürich. Die Werte bis vor der Flugblattaktion (Dezember
2001, Pfeil) sind die Datenbasis des Regressionsmodells.
Eine Multiple Regression bezüglich der recycelten Gesamtmenge des Metalls
auf Basis einer Konstanten, einer linearen zeitlichen Komponente (langfristiger
zeitlicher Trend), einer Sinuskomponente (jahreszeitliche Schwankung) und
einer Autokorrelationskomponente (viel gesammeltes bzw. abtransportiertes
Metall im Vormonat ist mit weniger Metall im laufenden Monat verbunden)
wurde durchgeführt (siehe dazu Kapitel 4.2 Regressionsmodell).
- Seite 19 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Um mit diesem Regressionsmodell die Daten getrennt nach den beiden Untersuchungsgebieten voraussagen zu können, wurden die Modellwerte mit
dem durchschnittlichen Anteil der zwei Gebiete über die zwölf Monate (Dez 00
bis Nov 01) mit getrennten Messungen vor der Flugblattaktion (0.504 für das
Gebiet „Flugblattaktion“ und 0.496 für das Gebiet „ohne Behandlung“) multipliziert. (Der Test 1 im Kapitel 4.3 legitimiert diese einfache Transformation des
Gesamtmodells auf die beiden Einzelmodelle). Man erhält so für beide Gebiete ein Modell, das die zu erwartenden Metallmengen in den Monaten nach der
Flugblattaktion voraussagt (siehe Abb. 3.5.1.2). Die Abweichungen der gemessenen Werte von diesen Modellwerten sind die Untersuchungsgrösse der
nachfolgenden statistischen Analysen.
42
41
40
39
38
37
36
35
34
33
02
Ap
r
02
Fe
b
01
1
D
ez
kt
0
O
01
Au
g
01
Ju
n
01
Ap
r
01
Modell FA
Modell OB
Fe
b
D
ez
00
Tonnen gesammeltes
Atlmetall
Regressionsmodell Dezember 2000 bis Mai 2002
Monate
Abb. 3.5.1.2: Modellvorhersagen der Gebiete „Flugblattaktion“ und „Ohne Behandlung“ von Dezember 2000 bis Mai 2002. Flugblattaktion im Dezember 2001 (Pfeil).
3.5.2 Statistische Tests
Die gemessenen Monatsdaten von Dezember 2000 bis Mai 2002 wurden in
drei Tests mit dem Statistikprogramm SPSS gegen die Modelldaten, getrennt
nach den beiden Gebieten „Flugblattaktion (FA)“ und „ohne Behandlung (OB)“,
ausgewertet. Die Untersuchungsgrösse stellt die Differenz „gemessener Wert
minus entsprechender Modellwert“ dar. Dies entspricht der Abweichung der
- Seite 20 -
Semesterarbeit Metallrecycling
gemessenen Daten vom Modell, in folgenden Abschnitt „Abweichung“ genannt.
Mit einem “One sample t-Test“ wurde auf die Abweichungen VOR der Flugblattaktion, getrennt nach den Gebieten FA und OB, getestet. Analog wurde
ein “One sample t-Test“ auf die Abweichungen NACH der Flugblattaktion, getrennt nach den Gebieten FA und OB, durchgeführt.
Im dritten Test wurde eine Varianzanalyse mit den Variablen Zeitpunkt (2 Stufen: vor vs. nach Flugblattaktion) und Bedingung (2 Stufen: mit vs. ohne Flugblattaktion) durchgeführt: Ziel dieses Tests war es, die Unterschiedlichkeit der
Gebiete „Flugblattaktion“ und „ohne Behandlung“ „vor“ und „nach“ der Flugblattaktion zu überprüfen. Dabei wurde die Wechselwirkung zwischen den
beiden Variablen untersucht.
- Seite 21 -
Semesterarbeit Metallrecycling
4 Resultate
Vorstudie „Irrtümer über Metall im Abfall“
4.1
Bei allen drei Fragen, die auf vermuteten Irrtümer beruhen, kannte mindestens
die Hälfte der befragten Personen die richtige Antwort nicht:
52% der Zürcher Bevölkerung dachten: „Altmetall wird vor der Verbrennung
des Haushaltsabfalls in der Kehrichtverbrennungsanlage aussortiert.“
53% der Zürcher Bevölkerung dachten: „Altmetall wie Büchsen, Dosen und alte Werkzeuge entsorgen, bedeutet einen zusätzlichen Aufwand.“
68% der Zürcher Bevölkerung dachten: „Altmetall im Züri-Sack kostet höchstens die Sackgebühr.“
Unsere „vermuteten Irrtümer über Metall im Abfall“ wurden somit klar bestätigt.
4.1.1 Ergebnisse der Vorstudie
Die Verteilung der Stichprobe ist punkto Alter und Geschlecht repräsentativ.
Die Altersklassenverteilung (siehe Abb. 4.1.1) wurde mit den Stadtzürcher Bevölkerungszahlen aus dem Jahre 2000 verglichen (Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2001): Der Chi-Quadrat Test ergab keinen signifikanten Unterschied, 2(4, N=103) = 4.598, p = 0.331.
Anzahl befragte Personen
Altersverteilung
50
40
30
Befragte
20
Referenzverteilung*
10
0
15 - 19
20 - 39
40 - 64
65 -79
> 80
Altersklassen
Abb. 4.1.1: Die Verteilung der Altersklassen ist repräsentativ. *Referenzzustand: Bevölkerungsverteilung der Zürcher Bevölkerung im Jahre 2000 (Statistisches Amt des
Kantons Zürich, 2001).
- Seite 22 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Die Geschlechterverteilung ist mit 51 befragten Frauen und 52 Männern ebenfalls repräsentativ (siehe Abb. 4.1.2): Der Chi-Quadrat Test ergab hier keinen
signifikanten Unterschied zur Gleichverteilung, 2(1, N=103)= 0.000, p= 1.000.
Geschlechterverteilung
Frauen
Männer
Abb. 4.1.2: Die Verteilung der Geschlechter ist repräsentativ. Referenzzustand:
Gleichverteilung.
Weitere Angaben zur Vorstudie befinden sich im Anhang A2 ab Seite 44.
4.2
Hauptstudie: Regressionsmodell
Eine Analyse der Monatsdaten von Januar 1997 bis November 2001 mittels
Multipler Regression mit Autokorrelationsfaktor, linearem Trend, Sinusfunktion
und Konstante ergab folgende Modellfunktion (siehe Abb. 4.2.1):
Monatssummex = 72.947009 + 0.065852 x + 2.772013 sin (x π/2 + π) –
0.314556 (Monatssummex-1, gemessen – Monatssummex-1,modell lin_sin)

x: Nummer des Monats seit Beginn der Aufzeichnung (xmin = 1 = Jan. 97;
xmax = 59 = Nov. 01).

Monatssummex-1, gemessen: Real gemessener Wert des letzten Monats.
- Seite 23 -
Semesterarbeit Metallrecycling

Monatssummex-1,modell
lin_sin:
Vom lin_sin-Model (ohne die Autokorrelation)
vorausgesagter Wert des Vormonats = 72.947009 + 0.065852 (x-1) +
2.772013 sin ((x-1) π/2 + π).

Monatssumme1= Monatssumme1,modell
lin_sin
= 72.947009 + 0.065852 +
2.772013 sin (3 π/2) = 70.240848
Vergleich der gemessenen Daten mit den Modelldaten
Tonnen gesammeltes Altmetall
100
95
90
85
80
75
70
65
60
64
61
58
55
52
49
46
43
40
37
34
31
28
25
22
19
16
13
10
7
4
1
55
Monate
gemessene Daten
Modeldaten
Abb. 4.2.1: Gemessene Daten und vorhergesagte Daten des Regressionsmodells
von 1 = Januar 1997 bis 65 = Mai 2002. Das Modell beruht auf den Daten bis November 2001 (59). Flugblattaktion im Dezember 2001 (Linie).
Die Regressionsfunktion besteht aus vier Termen (Prädiktoren). Diese wurden
alle durch eine Multiple Regression berechnet. Um die Signifikanz der Prädiktoren zu berechnen, wurde die Funktion gegen die entsprechende Funktion
ohne den zu testenden Prädiktor getestet (siehe Tab. 4.2.1):
- Seite 24 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Die Konstante gibt die ungefähre basale Grössenordnung der Werte an und ist
natürlich signifikant, p << 0.001.
Der lineare Faktor ist 0.065852, das heisst, dass im Modell die Menge gesammelten Metalls in der Stadt Zürich im Durchschnitt über die letzten Jahre
um 66 kg pro Monat zunimmt. Diese Zunahme ist aber nicht signifikant, p =
0.133: Ein Modell ohne eine lineare Zunahme liegt also dennoch im 95 Prozent-Bereich der Zufallsschwankungen. Wir haben die lineare Zeitabhängigkeit aber trotzdem in unserem Modell berücksichtigt, da es so besser zu den
gemessenen Daten passt als ohne Linearitätsfaktor und da diese konservativ
ist. Auch wird hierdurch eine Vermengung der Effekte des Flugblatts mit der
generellen Tendenz steigender Recyclingmengen über die Zeit kontrolliert
bzw. verhindert.
Tab. 4.2.1: Ergebnis der Multiplen Regression mit Autokorrelationsfaktor der 59 Monatsdaten:
Prädiktor-
Regressions-
variablen
koeffizineten
SEB
T-RATIO
Signifikanz
Konstante
72.947009
1.4878106
49.029768
0.000***
Linearität
0.065852
0.0432187
1.523689
0.133
Sinusamplitude 2.772013
1.2824149
2.1615557
0.035*
Autokorrelation -0.314556
0.1282073
-2.453499
0.017*
* = signifikant auf dem Niveau p = 0.05, *** = signifikant auf dem Niveau p = 0.001
Die Sinusamplitude hat mit 2.772013 einen starken Effekt auf das Modell und
ist auch auf dem 5-Prozent-Niveau signifikant, p = 0.035. Der Sinus stellt eine
Jahreszeitliche Schwankung (siehe Abb. 4.2.2) dar, mit drei Maxima im März,
Juli und November und drei Minima im Januar, Mai und September.
- Seite 25 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Sinusregression
Tonnen gesammeltes
Altmetall
90
85
80
Monatsmittelwerte
Sinusregression
75
70
65
Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Monat
Abb. 4.2.2: Sinusregression im Vergleich zu den Monatsmittelwerten vom Januar
1997 bis November 2001.
Diese Modellmaxima stimmen allerdings nicht vollständig mit den realen Maxima/Minima innerhalb des Jahres überein (siehe Abb. 4.2.2).
Die Autokorrelation ist negativ und bildet die Tatsache ab, dass auf einen hohen Monatswert häufig ein tiefer Wert folgt. Dies ist vermutlich rein (ab)transporttechnisch nachvollziehbar: Wird gerade noch Ende Monat gesammelt, dann bleibt für den nächsten Monat nicht mehr viel übrig. Die Autokorrelation ist signifikant auf dem 5-Prozent-Niveau, p = 0.017. In der Abbildung
4.2.3 sieht man, dass das Modell mit Autokorrelation meistens bessere Vorhersagen macht als das Modell ohne Autokorrelation.
- Seite 26 -
Semesterarbeit Metallrecycling
100
95
90
85
80
75
70
65
60
Monate
gemessen
Modell lin_sin & Autokorrelat.
Modell lin_sin
Abb. 4.2.3: Die Modellvorhersage mit Autokorrelation(hellblau) passt besser zu den
gemessenen Daten als das Modell ohne Autokorrelation(rosa). 1 = Januar 1997 bis
65 = Mai 2002. Zeitpunkt der Flugblattaktion: Dezember 2001 (Linie).
4.3
Hauptstudie: Abweichung von den Modelldaten für die
Zeit nach der Flugblattaktion
Um einen eventuellen Effekt der Flugblattaktion nachweisen zu können, wurden die gemessenen Daten mit den vorhergesagten Modelldaten (Annahme:
keine Flugblattwirkung) verglichen. Das Modell stellte somit die „baseline“ dar,
gegen die hin auf einen möglichen Effekt des Flugblatts getestet wurde.
Wie man in der Abb. 4.3.1 sieht, kann man in den Abweichungen der gemessenen Daten von den Modelldaten über die gesamte Dauer keinen positiven
oder negativen Trend feststellen. Das Modell scheint sich aber den Daten mit
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64
61
58
55
52
49
46
43
40
37
34
31
28
25
22
19
16
13
10
7
4
55
1
Tonnen gesammeltes Altmetall
Modell mit und ohne Autokorrelation
Semesterarbeit Metallrecycling
der Zeit besser anzupassen, denn die extremen Differenzen werden in der
zweiten Hälfte der Datenreihe seltener als in der ersten.
Differenz Gemessener Wert - Modellwert (Gesamte Stadt)
Tonne gesammeltes Metall
20
10
0
-10
64
61
58
55
52
49
46
43
40
37
34
31
28
25
22
19
16
13
10
7
4
1
-20
Monate
Abb. 4.3.1: Kein sichtbarer Trend der Residuen. 1 = Januar 1997 bis 65 = Mai 2002.
Ab dem Dezember 2000 (Linie) wurden die Monatsdaten getrennt nach den beiden
Gebieten „Flugblattaktion“ und „Ohne Behandlung“ erhoben. Flugblattaktion im Dezember 2001 (Pfeil).
Statistisch untersucht wurden die Daten vom Dezember 2000 bis im Mai 2002.
In diesem Zeitrahmen wurden die Messwerte separat nach den beiden Gebieten „Flugblattaktion (FA)“ und „ohne Behandlung (OB)“ erfasst (siehe Abb.
4.3.2 und Abb. 4.3.3).
Eine signifikante Abweichung konnte in keinem der beiden Gebiete und weder
vor noch nach der Flugblattaktion im Dezember 2001 nachgewiesen werden
(siehe Abb. 4.3.4).
- Seite 28 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Gebiet mit "Flugblattaktion"
45
40
35
30
25
Gemessen FA
20
15
Modell FA
10
5
Mai 02
Apr 02
Mrz 02
Feb 02
Jan 02
Dez 01
Nov 01
Okt 01
Sep 01
Aug 01
Jul 01
Jun 01
Mai 01
Apr 01
Mrz 01
Feb 01
Jan 01
0
Dez 00
Tonnen gesammeltes Metall
50
Monate
Abb. 4.3.2: Vergleich der gemessenen Daten mit den modellierten Daten im Versuchsgebiet mit „Flugblattaktion“ ab Zeitpunkt getrennter Messungen (Flugblattaktion
im Dezember 2001, siehe Pfeil).
Gebiet ohne Behandlung
45
40
35
30
25
20
Gemessen OB
15
Modell OB
10
5
Mai 02
Apr 02
Mrz 02
Feb 02
Jan 02
Dez 01
Nov 01
Okt 01
Sep 01
Aug 01
Jul 01
Jun 01
Mai 01
Apr 01
Mrz 01
Feb 01
Jan 01
0
Dez 00
Tonnen gesammeltes Metall
50
Monate
Abb. 4.3.3: Vergleich der gemessenen Daten mit den modellierten Daten im Referenzgebiet „Ohne Behandlung“. Als Vergleich ist der Zeitpunkt der Flugblattaktion
eingezeichnet (Pfeil).
- Seite 29 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Abweichung vom Modellwert in beiden Stadtteilen
Tonnen Altmetall
15
10
5
FA
0
OB
-5
-10
Mai 02
Apr 02
Mrz 02
Feb 02
Jan 02
Dez 01
Nov 01
Okt 01
Sep 01
Aug 01
Jul 01
Jun 01
Mai 01
Apr 01
Mrz 01
Feb 01
Jan 01
Dez 00
-15
Monate
Abb. 4.3.4: Die Abweichungen der Daten vom Modellwert sind in beiden Gebieten
nicht signifikant. Flugblattaktion im Dez. 2001 (Pfeil).
Test 1: In den zwölf Monaten vor der Flugblattblattaktion lag die durchschnittliche Abweichung (siehe Abb. 4.3.5) bei –0.4290 t für das Gebiet „Flugblattaktion“ und –0.4421 t für das Gebiet „Ohne Behandlung“. Beide lagen unter dem
Modellwert, jedoch nicht signifikant: t (11) = -0.614, p = 0.552 für FA und t(11)
= -0.375, p = 0.715 für OB.
Dieser t-Test zeigte, dass das Modell, welches aufgrund der summierten Daten erhoben wurde, ergänzt durch die beiden Gewichtungsfaktoren auch getrennt für die Gebiete FA und OB in der Zeit vor dem Experiment die Recyclingmenge zutreffend beschreibt (siehe Abb. 3.5.1.2).
Test 2: In den sechs Monaten nach der Flugblattaktion näherten sich die gemessenen Werte den Modellwerten an, die Abweichungen(siehe Abb. 4.3.5)
betrugen nur noch –0.1845 für FA und sogar +0.01522 für OB. Eine signifikante Abweichung ist somit auch hier nicht festzustellen: t (5) = -0.077, p = 0.941
für FA und t(5) = +0.007, p = 0.994 für OB.
- Seite 30 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Vergleicht man die Mittelwerte der Abweichungen vom langfristig leicht linear
ansteigenden Modell der beiden Gebiete vor und nach der Flugblattaktion
(siehe Abb. 4.3.5), so kann man bei beiden Gebieten eine Verbesserung feststellen. Man müsste die Daten aber noch weiter verfolgen, um zu sehen, ob es
sich um einen positiven Trends handelt. Das Gebiet ohne Flugblatt (OB) hat
zudem eine etwas grössere Steigerung der gesammelten Metallmenge zu
verzeichnen als das Gebiet mit Flugblatt (FA). Statistisch signifikant ist jedoch
keiner der beiden Entwicklungen. Dies belegt der Test 4 im nächsten Kapitel
4.4 Überprüfung der Nullhypothese.
Abweichungen der Mittelwerte der gesammelten
Metallmenge vom linear ansteigenden Modellwert vor
und nach der Flugblattaktion
Abweichung vom
Modellwert in Tonnen
0.1
0
-0.1
Gebiet FA
-0.2
Gebiet OB
-0.3
-0.4
-0.5
Vor der FA
Nach der FA
Zeitfenster
Abb. 4.3.5: Die gesammelte Menge Metall steigt nach der Flugblattaktion in beiden
Gebieten an.
4.4
Hauptstudie: Überprüfung der Nullhypothese
Die Nullhypothese „Die Flugblattaktion hat keinen Einfluss auf die Menge des
an den Recyclingstellen gesammelten Metalls“ wurde somit nicht signifikant
widerlegt und wird somit beibehalten.
Die Varianzanalyse mit zweistufiger Messwiederholung ergab keine einzige
Signifikanz. Es besteht also kein Unterschied zwischen den Gebieten „Flugblattaktion (FA)“ und „ohne Behandlung (OB)“ vor und nach der Flugblattakti- Seite 31 -
Semesterarbeit Metallrecycling
on. Dies war zu erwarten, nachdem im Kapitel „4.3 Abweichung von den Modelldaten“ keine signifikante Abweichung festgestellt wurde.
Die Testergebnisse seien kurz nochmals zusammengefasst:
Test 1: Über alle 18 Monate (Dezember 2000 bis Mai 2002) ist kein signifikanter Unterschied zwischen den Modellabweichungen im Gebiet FA (Mittelwert
der Abweichung = –0.307) und dem Gebiet OB (Mittelwert der Abweichung =
–0.213) festzustellen, F(1,16) = 0.010, p = 0.923.
Test 2: Die Erhöhung der Mittelwerte der Abweichungen von den Modelldaten
beider Gebiete von -0.436 VOR der Flugblattaktion auf -0.0847 t DANACH ist
nicht signifikant, F(1, 16) = 0.036, p = 0.852.
Test 3: Das Modell passt über alle 36 Werte (18 Monate mal 2 Gebiete) gut zu
den gemessenen Daten. Die mittlere systematische Abweichung beider Gebiete von -0.260 t ist nicht signifikant, F(1, 16) = 0.079, p = 0.782 (siehe Abb.
4.3.1 und 5.3.2).
Test 4: Es besteht keine statistisch signifikante Wechselwirkung zwischen der
zeitlichen Variable „VOR/NACH der Flugblattaktion“ und der räumlichen Variable „FA/OB“, F(1, 16) = 0.013, p = 0.912. Dies hat die Beibehaltung der Nullhypothese zur Folge.
- Seite 32 -
Semesterarbeit Metallrecycling
5
Diskussion und Methodenkritik
Die Nullhypothese „Die Fragebogenaktion hat keinen Einfluss auf die Menge
des an den Recyclingstellen gesammelten Metalls“ wurde anhand der Abweichung der gemessenen Mengen von einem Regressionsmodell, das auf den
Daten vor der Flugblattaktion basiert, evaluiert. Dazu wurde eine Regressionskurve erstellt, welche an die Kurve der zuvor erhobenen Sammeldaten angeglichen wurde. Die dafür notwendigen Faktoren wurden auf ihre Konsistenz
hin getestet. Alle Faktoren erfüllen die Signifikanzkriterien mit Ausnahme der
Linearität, welche nur knapp nicht signifikant war. Trotzdem wurde die Linearität im Modell belassen, da das Modell mit Linearität besser zu den gemessenen Daten passt als ohne diese Zeitabhängigkeit (der lineare Trend besagt eine Zunahme über die Zeit). Die jeweiligen Abweichungen der erhobenen Daten im Vergleich zum Regressionsmodell auf beiden Seiten der Limmat sind
weder für sich selbst betrachtet signifikant noch unterscheiden sie sich signifikant voneinander (siehe Abb. 5.1). Wie im Resultatteil bereits besprochen
wurde, konnte die Nullhypothese nicht verworfen werden.
Auswirkungen der Flugblattaktion auf die Mittelwerte
der gesammelten Metallmenge
Abweichung vom
Modellwert in Tonne
0.1
0
-0.1
Gebiet FA
-0.2
Gebiet OB
-0.3
-0.4
-0.5
Vor der FA
Nach der FA
Zeitfenster
Abb. 5.1: Die gesammelte Menge Metall steigt nach der Flugblattaktion in beiden
Gebieten an.
- Seite 33 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Im Jahresverlauf (siehe Abb. 5.2) über die Jahre 1997 bis 2001 fällt auf, dass
der März im Vergleich zum Modell jeweils weit nach oben ausschlägt. Dieser
Effekt ist möglicherweise der „Frühlingsputz“-Tätigkeit zuzuschreiben: Das
sich im Laufe des Winters angehäufte Metall wird entsorgt. Das Minimum im
August ist kann durch die vielen ferienbedingten Abwesenheiten erklärt werden. Und im Dezember hat man eventuell angenehmeres zu tun, als in der
Kälte Metall zu entsorgen.
Tonnen gesammeltes Altmetall
Sinusregression
90
85
80
Monatsmittelwerte
Sinusregression
75
70
65
Jan
Feb
Mrz
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Monat
Abb. 5.2: Sinusregression im Vergleich zu den Monatsmittelwerten vom Januar 1997
bis November 2001.
Ebenfalls sehr markant ist der zweitkleinste je gemessene Wert (siehe Pfeil in
Abb. 5.3) im Dezember 2001, exakt im Monat der Flugblattaktion. Die „Irrtümmer-Aufklärungs-Strategie“ hatte nicht zum Ziel kurzfristig die Metallsammelmenge zu beeinflussen. Sie wollte vielmehr eine langfristige, zentral hervorgerufenen Einstellungsänderung bewirken und keine kurzfristige, periphere.
Trotzdem ist ein so tiefer Wert schwer verständlich. Er lässt sich aber erklären,
wenn man die zwei folgenden Aspekte berücksichtigt: Erstens wurde der
Sammelbetrieb Ende des Jahres 2001 von zwei auf eine Transportfirma umgestellt und zweitens folgt auf das Dezember-Rekordtief einen JanuarRekordhoch. Unter diesen Umständen ist anzunehmen, das wegen den transporttechnischen Umstellungen Metall vom Dezember erst im Januar einge- Seite 34 -
Semesterarbeit Metallrecycling
sammelt wurde. Der Mittelwert dieser beiden Monate von 74 Tonnen ergeben
einen guten Schnitt.
Monatssummen 1997 - 2002
Tonnen gesammeltes Altmetall
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
Ja
n
97
Ap
r
Ju
l
O
Ja kt
n
98
Ap
r
Ju
l
O
Ja kt
n
99
Ap
r
Ju
l
O
Ja kt
n
00
Ap
r
Ju
l
O
k
Ja t
n
01
Ap
r
Ju
l
O
k
Ja t
n
02
Ap
r
0
Monate
Abb. 5.3: Monatliche Gesamtmengen des gesammelten Metalls an den Metallsammelstellen der Stadt Zürich. Der zweitkleinst Wert wurde im Monat der Flugblattaktion
(Dezember 2001, Pfeil) gemessen.
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Semesterarbeit Metallrecycling
Im folgenden Teil soll nun auf der Basis von Vermutungen erläutert werden,
warum die Nullhypothese nicht verworfen werden konnte. Da dabei auch einige Elemente der Methodenkritik eine relevante Position einnehmen, wurden
die Diskussion und die Methodenkritik in diesem Kapitel gemeinsam behandelt.
5.1
Wissenschaftliche Aspekte
Es gibt keinen Anlass, an den verwendeten (sozial-)psychologischen Theorien
zu zweifeln. Es stellt sich vielmehr die Frage, warum weder Aspekte der Dissonanztheorie noch Aspekte der Theorie sozialer Vergleichsprozesse die angesprochenen Personen zu einer Verhaltensänderung motivieren konnten.
5.1.1 Aspekte der Dissonanztheorie

Das Thema Metallrecycling löste möglicherweise zu wenig Betroffenheit
bei den Adressaten aus. Durch diese Marginalisierung der Information
konnte eventuell keine Dissonanz entstehen und somit war auch die
Motivation zur Verhaltensänderung vernachlässigbar.

Einzig das Aufdecken des dritten Irrtums („Altmetall im ‚Züri-Sack‘ zu
entsorgen, kostet mich höchstens die Sackgebühr.“) hat das Potential
bei den Adressaten eine Dissonanz auszulösen: „Ich werfe Metall in
den Haushaltsabfall“ und „Ich bezahle dafür doppelt und dreifach“. Die
anderen beiden Irrtümer hatten dieses Potential nur dann, wenn die
Personen das Altmetallrecycling à priori als einen positiven Wert sehen.
5.1.2 Aspekte der Theorie sozialer Vergleichsprozesse

Für die Anwendung der Theorie sozialer Vergleichsprozesse wurde mit
der Zürcher Bevölkerung die Referenzgruppe gewählt, welche mit der
breiten Adressatengruppe übereinstimmt. Da diese Referenzgruppe
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Semesterarbeit Metallrecycling
aber sehr heterogen und auch anonym ist, hatte sie möglicherweise
nicht die benötigte Relevanz für die Adressaten.

Bei allen drei Irrtümern lag jeweils mehr die Hälfte der Zürcher Bevölkerung mit ihrem Wissen falsch. Dadurch war der Konformitätsdruck auf
den Einzelnen nicht sehr gross. Falls auch er sich irrte, ist er ja immer
noch in der Mehrheit. Unwissen wurde somit in gewissem Masse durch
die gegebenen Informationen legitimiert und als soziale Norm dargestellt.
 Es bestehen keine Sanktionsmöglichkeiten, vor denen sich die Adressanten fürchten müssten.
 Es könnte demnach sein, dass gar keine Vergleiche mit der Referenzgruppe angestellt wurden, was dazu führte, dass auch keine Motivation
zur Informationsaufnahme generiert werden konnte.
5.1.3 Aspekte des Elaboration-Likelihood-Modell (EML)

Eine Verarbeitung auf dem zentralen Weg (gemäss ELM) hängt von der
Motivation und den Fertigkeiten der Adressaten ab. Wie das Experiment nahe legt, wurde die zentrale Verarbeitung der Information bei
den Adressaten nicht erreicht. Auch ein kurzfristiger Effekt durch eine
oberflächliche, periphere Verarbeitung fand evtl. nicht statt, diese wurde
aber von der „Irrtümer-Aufdeckungs-Strategie“ auch nicht angestrebt.

An den Fähigkeiten zur Informationsaufnahme kann insofern nicht gezweifelt werden, da in der Vorstudie die Fragen, welche später als Irrtümer verwendet wurden, von den Befragten verstanden wurden. Da
das Flugblatt jedoch nur in Deutsch abgefasst wurde, gab es sicher
auch einige fremdsprachige Einwohner, die es nicht verstanden.

Die Güte der Information war sicher in Ordnung, schliesslich wurden die
drei Irrtümer in einer in gewisser Hinsicht repräsentativen Umfrage unter rund 100 Personen in der Stadt Zürich evaluiert und als tatsächliche
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Semesterarbeit Metallrecycling
Irrtümer erkannt. Die Überzeugungskraft der Irrtümer war, wie das Experiment zeigt, aber eher marginal.
5.2
Marketingaspekte
Die moderne Gesellschaft ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass
immer grössere Mengen an Informationen um die Aufmerksamkeit der Menschen buhlen. Erfahrungsgemäss werden die Informationen beachtet, welche
am lautesten „schreien“. Dabei spielen Faktoren wie persönliche Betroffenheit,
Relevanz und Aktualität, cleveres Layout und nicht zuletzt eine gute Sprache
eine zentrale Rolle. Diesen Elementen wurde bei der Ausgestaltung des Flugblattes möglicherweise zu wenig Beachtung geschenkt. Der Versand zusammen mit dem Zürcher Abfallkalender liess die Adressaten auf eine gewisse
Wichtigkeit der dargebotenen Information schliessen, jedoch stellte der Abfallkalender auch gleichzeitig eine Konkurrenz um Aufmerksamkeit dar. Weitere
Marketingaspekte, welche wenig Beachtung fanden:

Die Informationen beziehen sich weder auf eine Aktualität noch besitzen sie eine bedeutende Relevanz für den Einzelnen. Die finanziellen
Aspekte, welche in einem der Irrtümer angesprochen wurden, sind
möglicherweise zu wenig „dramatisch“, um wirklich ernst genommen zu
werden. Unter dem Strich konnte so keine persönliche Betroffenheit erreicht werden.

Die Informationen sind sehr „kopflastig“. Eine gute Marketingkampagne
sollte die Zielgruppe aber über den „Bauchweg“ – also über die Gefühle – erreichen. Sie sollte ein positives Grundgefühl auslösen. Die von
uns gewählte - auf Vernunft basierenden - Variante war für die Zielgruppe evtl. zu wenig ansprechend. Optimal wäre wohl eine Kombination von beidem gewesen.

Die von uns präsentierten Lösungen für die bestehenden Irrtümer
machten einen etwas „schulmeisterlichen“ Eindruck. Speziell das
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Semesterarbeit Metallrecycling
„ABER“ wirkte wie ein erhobener Zeigefinger. Im schlimmsten Fall löste
das bei den Adressaten eine Trotzreaktion aus, was dem Ziel dieser
Arbeit diametral entgegengesetzt war. Falls keine Trotzreaktion hervorgerufen wurde, so löste die „oberlehrerhafte“ Form zumindest keine
positiven Gefühle aus. Positiv formulierte Antworten auf die präsentierten Irrtümer wären eventuell sinnvoller gewesen.

Die Headline „Kennen Sie die drei grössten Irrtümer ... über Metall im
Abfall“ scheint nicht gerade grosse Neugierde ausgelöst zu haben.
Auch hier wäre es vielleicht effektiver gewesen, mit einem positiven
Gefühlsteppich das Tor zum Adressaten aufzustossen.

Das Layout des Flugblattes wirkte gerade im Vergleich mit dem Zürcher Abfallkalender nicht sehr professionell. Der erste Blick auf ein Dokument entscheidet aber, ob die darin enthaltene Information beachtet
wird oder nicht. In dieser Beziehung war das Flugblatt im Nachteil gegenüber den Unmengen von Hochglanzbroschüren, welche täglich an
die Haushalte verteilt werden. Es wurde jedoch bewusst angenommen,
dass ein Layout, welches sich von professionell gestalteten Hochglanzbroschüren abgrenzt, in der Bevölkerung Neugierde wecken
kann. Dazu konnte auch noch Geld gespart werden.
5.3
Weitere Aspekte
Die Stadt Zürich hat einen Ausländeranteil von über 20%. Gerade in der
Stadthälfte wo das Flugblatt verteilt wurde, befinden sich Quartiere mit einem
noch deutlich höheren Anteil an Menschen fremder Herkunft. In Zukunft müsste diesem Aspekt mehr Beachtung geschenkt werden. Denn gerade diese
Leute haben oftmals ein anderes Verhältnis zum Abfall, als es unter Schweizern üblich ist. Eine Übersetzung des Flugblattes in die geläufigsten Fremdsprachen könnte demnach durchaus Sinn machen.
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Semesterarbeit Metallrecycling
Die Anrede „Liebe Zürcherin, lieber Zürcher“ wurde nicht sehr geschickt gewählt, gibt es doch viele Nicht-ZürcherInnen in Zürich. „"Liebe Zürcherinnen
und Zürcher" - Ich bin als Berner oder Türke also nicht gemeint“ war die
Rückmeldung eines kritischen Lesers. Manche Adressaten fühlten sich demnach nicht angesprochen und schenkten dem Flugblatt dementsprechend vielleicht geringe Beachtung.
Letztlich bestand auch die Möglichkeit, dass zwischen linkem und rechtem
Limmatufer ein Wissenstransfer statt fand. Dieser könnte vor allem die Menschen der rechten Stadthälfte dazu gebracht haben, ebenfalls vermehrt Metall
zu reziklieren. Dagegen spricht allerdings, dass das Flugblatt offensichtlich
zuwenig Relevanz besass, um von den Adressaten in genügendem Masse
beachtet zu werden. Es ist schwer vorstellbar, dass trotz dieses Umstandes
doch noch ein Wissenstransfer von einer Stadtseite auf die andere zustande
kam.
5.4
Der grösste Irrtum?
Eine pointierte Rückmeldung brachte noch folgenden Aspekt aufs Parkett:
„90% der Zürcher Regierung denkt, jeder Bürger habe zu Hause ein extra
Zimmer, um Altkarton, Büchsen, Gläser usw. aufzubewahren. Und ein Auto,
um all das Glas und die Büchsen einer sechsköpfigen Familie zur nächsten
Sammelstelle zu schleppen.“ Diese Reaktion führt vor Augen, wie wichtig es
ist, die Leute erst für das Thema Metallrecycling zu sensibilisieren und die Relevanz des Themas deutlich zu machen, bevor eine derartige Flugblattaktion
durchgeführt werden kann.
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Semesterarbeit Metallrecycling
5.5
Vision
Um dem Metallrecycling auf breiter Ebene vermehrt zum Durchbruch zu verhelfen, genügt anscheinend eine derart kleine Massnahme wie diese Flugblattaktion nicht. Vielmehr müsste eine breite Sensibilisierungskampagne - wie
dies zum Beispiel für das PET-Recycling gemacht wurde – durchgeführt werden. Damit könnte man dem Thema eine gewisse Aktualität und Relevanz verleihen. Innerhalb einer solchen Kampagne hätte es sicher auch Platz für eine
Flugblattaktion, welche dann auf fruchtbareren Boden stossen würde als diese. In Anbetracht des relativ geringen Flusses von Feinmetall (im Vergleich
zur Sammelmenge des Gewerbes beispielsweise) ist es sogar fraglich, ob eine breite Sensibilisierungs- / Informationskampagne auf der Ebene der Haushalte überhaupt Sinn machen würde.
Weitere Reaktionen aus der Bevölkerung auf die Flugblattaktion sind im Anhang A4 ab Seite 54 aufgeführt.
- Seite 41 -
Semesterarbeit Metallrecycling
6. Literatur
BUNDESAMT FÜR UMWELT, W ALD UND LANDSCHAFT (BUWAL), (2001a); Abfallmengen
und Recycling 2000 im Überblick, http://www.umweltschweiz.ch/imperia/md/content/abfall/ueberblick_d.pdf (26. Juni 2002).
BUNESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT (BUWAL), (2001b); Glasrecycling,
http://www.umweltschweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/fg_abfall/anlagen/recycling/glas/index.html
05. Juli 2002).
BUNDESAMT FÜR UMWELT, W ALD UND LANDSCHAFT (BUWAL), (2001c); Wegweiser
Abfall, www.buwal.ch/abfall/d/grobmetalle.htm (14. Juni 2002).
FESTINGER, L. (1954). A theorie of social comparison processes. Human Rela-
tions, VII, 117–140.
FESTINGER, L. (1962). A theorie of cognitive dissonance. Stanford, California:
Stanford University Press.
FREY, D. & IRLE, M. (1993). Theorien der Sozialpsychologie; Band 1; Kognitive
Theorien. Göttingen: Verlag Hans Huber.
PETTY, R. E., & CACIOPPO, J. T. (1986). Communication and persuasion: Central
and peripheral routes to attitude change. New York: Springer-Verlag.
SCHWEIZERISCHE DEPESCHEN AGENTUR (SDA), (22. Mai 2001). Blühendes Dosen-
recycling. Neue Zürcher Zeitung, 117, S. 14.
STATISTISCHES AMT DER STADT ZÜRICH, (2000); Entwicklung der Bevölkerung,
http://www.stadt-zuerich.ch/stat_amt/uebersichtstabelle/bevoelkerungsbestand
/entwicklung.htm (15. Juli 2002)
STATISTISCHES AMT DES KANTONS ZÜRICH, (2001); Gemeindetabellen,
http://www.statistik.zh.ch/statistik.info/pdf/2001_15T.pdf (02. Juli 2002).
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Semesterarbeit Metallrecycling
Anhang
A1
Metallstoff-Flüsse und Metall in der Schlacke
ERZ (2001) nimmt an, dass in den 95’000 Tonnen Haushaltkehricht welche
pro Jahr anfallen der Feinmetallanteil rund 3% beträgt. So gelangen pro Jahr
rund 3000 Tonnen Feinmetall mit dem Haushaltkehricht in die beiden KVA’s
Josefstrasse und Hagenholz. Den grössten Input an Metall bringen neben
dem Haushaltskehricht die Transporteure (v.a. von Baustellen) in die KVA’s
der Stadt Zürich: Es sind dies 7'200 Tonnen Grobmetall pro Jahr.
Im Vergleich zu den 3000 Tonnen Metall, welche pro Jahr mit dem Haushaltkehricht in die beiden KVA’s eingeliefert werden, werden über die Zürcher
Sammelstellen lediglich 900 Tonnen Büchsen und Dosen dem Metallrecycling
zugeführt. Es werden also weniger als 25% des konsumierten Metalls zu den
Recyclingsammelstellen gebracht. Glas beweist, dass es auch besser geht:
Gemäss BUWAL (2001 2) werden 91,2% des verbrauchten Glases aus Haushalt und Kleingewerbe wiederverwertet.
Die sich in den Deponien pro Jahr anhäufenden 60’000 Tonnen Schlacke setzen sich aus rund einem Viertel oder 14'500 Tonnen Metall zusammen. Dieser
Anteil ist so hoch, da Metall nicht brennbar ist: Die Masse des Metalls verkleinert sich beim Verbrennungsprozess nicht, im Gegensatz den meisten anderen Abfallstoffen. Der ursprüngliche Massenanteil im Kehricht beträgt weniger
als 6 Prozent.
Das Metall wird in Grob- und in Feinmetall eingeteilt. Der Grobmetallanteil beträgt circa 2/3 und der Feinmetallanteil rund 1/3. Der Feinanteil des Metalls ist
jedoch viel schwieriger aus der Schlacke wegzubringen. Die Entsorgungskosten für Grobmetall belaufen sich laut ERZ auf ca. Fr. 800'000.-/a. Hagenholz
weist einen signifikant höheren Metallanteil in der Schlacke auf (Grob- +
Feinmetall Hagenholz: 27.5%, Josefstrasse: 20.5%). Die Verteilung des Grobund des Feinmetalls ist in beiden KVA’s jedoch etwa gleich (je rund 66%
Grob- und 33% Feinmetall).
Die pro Jahr anfallenden 260'000 Tonnen Kehricht setzen sich zu 3.74% aus
Grobmetall und zu 1.80% aus Feinmetall zusammen (Total: 5.54%).
Die meisten Zahlen dieses Abschnitts wurden der auf der nächsten Seite folgenden Graphik „Metallstoff-Flüsse“ (ERZERZLEP, 11.04.01) entnommen.
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Semesterarbeit Metallrecycling
A2
Vorstudie „Irrtümer über Metall im Abfall“
Namen
Jonas Fricker (jf)
Simon Odermatt (so)
Mischa Schmid (ms)
Ziel
Zu evaluieren, wie verbreitet unsere „Irrtümer“, die wir zuvor
aufgrund praktischen Überlegungen und unserem Bekanntenkreis ausgewählt hatten, in der Bevölkerung der Stadt Zürich
sind. Angabe in Prozent.
Befragungsorte
BOe:
C:
HB:
P:
A:
Bahnhof Oerlikon
Central
Hauptbahnhof Zürich
Platzspitz
Andere
Standardi1)
sierte Fragen i) Bedeutet für Sie Altmetall wie zum Beispiel Büchsen, Dosen,
alte Werkzeuge, ... separat zu entsorgen einen zusätzlichen
Zeitaufwand?
ii) Bedüted för Sie Altmetall wie zom Bischpel Böchse, Dose
alti Wärchzüg, ... separat z’entsorge en zuesätzleche Ziitufwand?
Antworten: A) Ja
B) Nein
2)
i) Glauben Sie, dass das Altmetall im Hauskehricht vor der
Verbrennung in der Kehrichtverbrennungsanlage aussortiert
wird?
ii) Glaubed Sie, dass s’Metall, wo met em Huusabfall zo de
Kehrichtverbrönnigsalag chond, metverbrönnt wird, oder glaubet Sie, dass es vorhär ussortiert werd?
Antworten: A) Das Metall wird mitverbrannt
B) Das Metall wird vorher aussortiert
3)
i) Wenn Sie Ihr Altmetall mit Ihrem „Züri-Sack“ entsorgen würden, was glauben Sie, würde Sie das kosten? Ich geben Ihnen
drei Antwortmöglichkeiten:
A) Das kosten Sie gar nichts
B) Das kostet Sie die Sackgebühr
C) Es fallen für Sie noch andere Mehrkosten an.
ii) Was glaubed Sie wörd Sie das choschte, wenn Sie Ehres
Altmetall met Ehrem „Züri-Sack“ wörded entsorge? Ich gebe
Ehne drüü Anwortmöglichkeite:
A) Das choschted Sie gar nüt.
B) Das choschted Sie d’Sackgebühr.
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Semesterarbeit Metallrecycling
C) Do falled för Sie no anderi Mehrchöschte a.
Vorgehen
Im voraus wurde zu Hause mit Hilfe eines Würfels die Reihenfolge der
Fragen bestimmt:
1  1, 2, 3
2  1, 3, 2
3  2, 1, 3
4  2, 3, 1
5  3, 1, 2
6  3, 2, 1
1) Die Person wird etwa so angesprochen: „ Entscholdigung - Grüezi ...Pause, damit die Befragungsperson „Grüezi“ sagen kann.
Ich be Studänt vo de ETH ond mache do e chlini Omfrog öber Metallwederverwärtig. (Ev. Es esch för mini Semeschterarbet.) Döft ich Ehne ächt
chorz drü Froge stelle? (Ev. Es goht nome 2 Minute.)
2) Die drei Fragen werden in der entsprechenden Reihenfolge gestellt und
die Antworten festgehalten.
3) Es wird herzlich gedankt und höflich gefragt, ob man noch das Alter wissen dürfte (wir habe keine Absage bekommen): „Döft ich Sei no froge, wie
alt dass Sie send?“
Das Geschlecht und Alter wird festgehalten.
4) Man bedanken sich nochmals und wünscht einen schönen Tag.
Datencode
Befragen-Nr. : 1, ..., 103
Geschlecht:
M: männlich, W: weiblich
Frage 1:
A) Ja
B) Nein
Frage 2:
A) Das Metall wird mitverbrannt
B) Das Metall wird vorher aussortiert
Frage 3:
A) Das kosten Sie gar nichts.
B) Das kostet Sie die Sackgebühr.
C) Es fallen für Sie noch andere Mehrkosten an.
Reihenfolge:
1  1, 2, 3
2  1, 3, 2
3  2, 1, 3
4  2, 3, 1
5  3, 1, 2
6  3, 2, 1
Interviewer: jf:
so:
ms:
Jonas Fricker
Simon Odermatt
Mischa Schmid
Befragungsorte:
BOe: Bahnhof Oerlikon
C:
Central
HB: Hauptbahnhof Zürich
P:
Platzspitz
A:
Andere
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Datenprotokoll
Befragten-Nr.
Datum/Ort
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1.6.2001 / A
1.6.2001 / A
1.6.2001 / A
8.6.2001 / A
8.6.2001 / A
Ergebnisse
67
69
45
72
24
33
67
37
49
35
54
43
30
22
19
28
31
54
24
24
27
38
42
33
51
32
44
68
66
58
41
46
49
29
53
18
19
34
38
27
32
29
27
30
24
77
76
M
M
M
M
M
W
W
W
W
W
W
W
M
W
W
M
W
W
M
M
W
W
W
M
M
W
M
M
W
W
W
M
W
W
M
M
M
M
M
M
W
M
M
M
W
W
W
B
B
B
B
A
A
B
B
B
A
A
A
B
B
A
A
A
B
A
B
B
A
A
B
A
B
B
B
B
A
B
A
A
B
A
B
A
B
A
A
A
B
A
A
A
A
A
B
B
A
A
B
A
A
A
A
B
B
A
A
A
B
A
A
A
B
B
B
A
A
B
A
A
A
B
B
B
A
B
A
B
B
B
A
B
A
B
A
A
A
A
A
B
A
B
B
C
B
C
B
B
C
C
B
B
C
C
B
B
C
B
C
B
B
B
B
B
A
B
B
B
B
B
B
B
B
B
B
C
A
B
C
B
B
B
B
C
C
B
B
B
Weiblich: 51, Männlich: 52
Frage 1:
Zusätzlicher Zeitaufwand: 53%
Kein zusätzlicher Zeitaufwand: 47%
Frage 2:
Altmetall wird mitverbrannt: 48%
Altmetall wird aussortiert: 52%
Frage 3:
Kostet nichts: 4%
- Seite 47 -
5
2
4
6
3
6
3
6
4
2
4
2
3
6
1
6
4
2
3
4
6
2
6
5
6
1
4
2
2
2
2
1
4
6
4
2
6
1
3
3
4
6
5
4
1
2
2
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
so
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
ms
Semesterarbeit Metallrecycling
Kostet die Sackgebühr: 64%
Zusätzliche Mehrkosten: 32%
- Seite 48 -
Semesterarbeit Metallrecycling
A3. Resultate der statistischen SPSS-Auswertung
Im Folgenden werden für die untersuchten Gebiete die folgenden Abkürzungen verwendet:
- Flugblattaktion = FA
- Ohne Behandlung = OB
A3.1 t-Tests auf Abweichungen der Messwerte von den Modelldaten
Test auf Abweichung der Werte mit (Dif_FA) und ohne Flugblatt (Dif_OB), vor
der Flugblattaktion (aber nach Einführung der beidseitig getrennten Messung)
vom Model sin_lin_auto.
One sample t-Test, Testvalue=0)
Tab. A3.1.1: Deskriptive Statistik der beiden Gebiete FA und OB (vor der FA).
N
Mean
Std. Deviation
DIF_FA
DIF_OB
12
12
-.4290
-.4421
Std. Error Mean
2.4214
4.0889
.6990
1.1804
Tab. A3.1.2: t-Test auf Abweichungen der Messwerte von den Modelldaten (vor der FA).
Test Value = 0
t
DIF_FA
DIF_OB
-.614
-.375
df
Sig. (2-tailed)
11
11
.552
.715
Mean Difference
95% Confidence Interval of
the Difference
Lower
Upper
-.4290
-1.9676
1.1095
-.4421
-3.0401
2.1558
Test auf Abweichung der Werte mit (Dif_FA) und ohne Flugblatt (Dif_OB),
nach der Flugblattaktion vom Model sin_lin_auto_59.
One sample t-Test, Testvalue=0)
Tab. A3.1.3: Deskriptive Statistik der beiden Gebiete FA und OB (nach der FA).
N
Mean
Std. Deviation
Std. Error Mean
DIF_FA
6
-.1845
5.8586
2.3917
DIF_OB
6 1.522E-02
5.1342
2.0960
Tab. A3.1.4: t-Test auf Abweichungen der Messwerte von den Modelldaten (nach der FA).
Test Value = 0
95% Confidence Interval of
the Difference
Mean
t
df
Sig.
(2- Differ- Lower
Upper
tailed)
DIF_FA
DIF_OB
-.077
.007
5
5
ence
.941
-.1845
.994 1.522E-02
- Seite 49 -
-6.3327
-5.3728
5.9636
5.4033
Semesterarbeit Metallrecycling
A3.2 Multiple Regression mit Autokorrelationsfaktor
MODEL: MOD_2
Model Description:
Variable:
MONGEDAT
Regressors: NR_MONAT
SINMON_A
95.00 percent confidence intervals will be generated.
Split group number: 1 Series length: 59
No missing data.
Melard's algorithm will be used for estimation.
Termination criteria:
Parameter epsilon: .001
Maximum Marquardt constant: 1.00E+09
SSQ Percentage: .001
Maximum number of iterations: 10
Initial values:
Autokorrelation = AR1
Linearität = NR_MONAT
Sinusamplitude = SINMON_A
Konstante = CONSTANT
.00000
.06550
2.76983
72.91961
Marquardt constant = .001
Adjusted sum of squares = 3294.4181
Iteration History:
Iteration Adj. Sum of Squares
1
2
2967.1123
2967.0774
Marquardt Constant
.00100000
.00010000
Conclusion of estimation phase.
Estimation terminated at iteration number 3 because:
Sum of squares decreased by less than .001 percent.
FINAL PARAMETERS:
Number of residuals
59
- Seite 50 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Standard error
Log likelihood
AIC
SBC
7.3383703
-199.35987
406.71974
415.02989
Analysis of Variance:
DF
55
Residuals
Adj. Sum of Squares
2967.0774
Residual Variance
53.851679
Tab. A3.2.1: Ergebnis der Multiplen Regression mit Autokorrelationsfaktor:
B
SEB
T-RATIO
APPROX.
PROB.
Konstante
72.947009
1.4878106
49.029768
0.00000000***
Linearität
0.065852
0.0432187
1.523689
0.13331614
Sinusamplitude
2.772013
1.2824149
2.1615557
0.03502137*
Autokorrelation
-0.314556
0.1282073
-2.453499
0.01734409*
* = signifikant auf dem Niveau p = 0.05, *** = signifikant auf dem Niveau p = 0.001
Covariance Matrix:
AR1
AR1
.01643710
Correlation Matrix:
AR1
AR1
1.0000000
Regressor Covariance Matrix:
NR_MONAT
SINMON_A
CONSTANT
NR_MONAT
.0018679
-.0015520
-.0560358
SINMON_A
-.0015520
1.6445880
.0465610
CONSTANT
-.0560358
.0465610
2.2135804
SINMON_A
-.0280027
CONSTANT
-.8714563
Regressor Correlation Matrix:
NR_MONAT
NR_MONAT
1.0000000
- Seite 51 -
Semesterarbeit Metallrecycling
SINMON_A
CONSTANT
-.0280027
-.8714563
1.0000000
.0244032
.0244032
1.0000000
The following new variables are being created:
Name
Label
FIT_4
ERR_4
LCL_4
UCL_4
SEP_4
Fit for MONGEDAT from AREG, MOD_2
Error for MONGEDAT from AREG, MOD_2
95% LCL for MONGEDAT from AREG, MOD_2
95% UCL for MONGEDAT from AREG, MOD_2
SE of fit for MONGEDAT from AREG, MOD_2
A3.3 Varianzanalyse mit Messwiederholung
General Linear Model
Within-Subjects Factors
MIT_OHNE Dependent Variable
1
DIF_FA
2
DIF_OB
Between-Subjects Factors
N
VOR_NACH
1.00
2.00
12
6
Tests of Within-Subjects Effects
Tab. A3.3.1: Ergebnisse der Varianzanalyse zur Überprüfung der Unterschiedezwischen den
verschiedenen Variablen VOR_NACH und FA_OB.
Source
Type III Sum
of Squares
MIT_OHNE
Sphericity Assumed
6.969E-02
Greenhouse-Geisser 6.969E-02
Huynh-Feldt
6.969E-02
Lower-bound
6.969E-02
MIT_OHNE * VOR_NACH
Sphericity Assumed
9.060E-02
Greenhouse-Geisser 9.060E-02
Huynh-Feldt
9.060E-02
Lower-bound
9.060E-02
Error (MIT_ OHNE)
Sphericity Assumed
115.528
Greenhouse-Geisser 115.528
Huynh-Feldt
115.528
Lower-bound
115.528
df
Mean Square
F
Sig.
1
1.000
1.000
1.000
6.969E-02
6.969E-02
6.969E-02
6.969E-02
.010
.010
.010
.010
.923
.923
.923
.923
1
1.000
1.000
1.000
9.060E-02
9.060E-02
9.060E-02
9.060E-02
.013
.013
.013
.013
.912
.912
.912
.912
16
16.000
16.000
16.000
7.220
7.220
7.220
7.220
Tests of Between-Subjects Effects
Tab. A3.3.2: Ergebnisse der Varianzanalyse der Variable VOR_NACH.
Source
Type III Sum of
df
Mean Square
F
- Seite 52 -
Sig.
Semesterarbeit Metallrecycling
Squares
2.165
.985
436.294
Intercept
VOR_NACH
Error
1
1
16
2.165
.985
27.268
.079
.036
Estimated Marginal Means
1. Grand Mean
Tab. A3.3.3: Deskriptive Statistik über alle 36 Werte.
95% Confidence Interval
Mean
Std. Error
-.260
.923
Lower Bound
Upper Bound
-2.217
1.697
2. MIT_OHNE
Tab. A3.3.4: Deskriptive Statistik der Variable MIT_OHNE.
95% Confidence Interval
MIT_OHNE
1
2
Mean
Std. Error
-.307
.960
-.213
1.111
Lower Bound
-2.343
-2.568
Upper Bound
1.729
2.141
3. VOR_NACH
Tab. A3.3.5: Deskriptive Statistik der Variable VOR_NACH.
95% Confidence Interval
VOR_NACH
Mean
Std. Error
1.00
-.436
1.066
2.00 -8.466E-02
1.507
Lower Bound
-2.695
-3.280
Upper Bound
1.824
3.111
4. VOR_NACH * MIT_OHNE
Tab. A3.3.6: Deskriptive Statistik der Wechselwirkung der beiden Variablen
VOR_NACH und MIT_OHNE.
95% Confidence Interval
Std. ErVOR_NACH MIT_OHNE
Mean
ror
Lower Bound Upper Bound
1.00
1
-.429
1.109
-2.780
1.922
2
-.442
1.282
-3.161
2.276
2.00
1
-.185
1.568
-3.509
3.140
2 1.522E-02
1.813
-3.829
3.860
- Seite 53 -
.782
.852
Semesterarbeit Metallrecycling
A4
Einige Reaktionen auf die Flugblattaktion
Nachdem das Flugblatt Anfang Dezember 2001 verteilt worden war, liessen
die Reaktionen aus der Bevölkerung nicht lange auf sich warten. Es trafen einige e-Mails bei ERZ und UNS ein:
i) Privatperson
[email protected] (gesendet am 5. Dez. 2001):
„(...) zum glück sind nur die züricherinnnen und züricher unwissend! und da
vielleicht nur die hälfte der stadt, züricher oder züricherin ist, sollten diese zahlen gegen 28% liegen! schon etwas tiefer, aber nicht tief genug, das stimmt!
ich bin froh keine züricherin zu sein!“
ii) Peter Nydegger, Eidg. dipl. PR-Berater BR/SPRG“
[email protected] (gesendet am 5. Dez. 2001):
„Guten Tag und ums Himmelswillen!
Da entnehme ich dem Briefkasten ein gelbes Infoblatt, Thema "AltmetallEntsorgung". Eine Blamage für die Herausgeber (ETH-UNS und ERZ) aus folgenden Gründen:
1. "Liebe Zürcherinnen und Zürcher" - Ich bin als Berner oder Türke also nicht
gemeint,
2. Weshalb nur Deutsch? Wenn Sie alle erreichen wollen, dann schreiben Sie
doch auch in Türkisch, Serbokroatisch, Tamil, Englisch, ..... ,
3. Die Argumentation: Oberlehrer-Haltung bzw. Tonfall wie im Zivilschutz bei
der Erklärung der Funktionsweise einer Motorspritze,
4. Die Aufmachung: Wie für den Wähentag oder Bazar der Kirchgemeinde,
selbstgemacht auf dem Computer wie die Einladung des Kegelclubs zum
Herbstbummel.
Fazit: Dilettantismus pur, sei es punkto Zielpublika, in Textgestaltung, in der
Aufmachung. Ein lampigeslumpiges Blettli. Fürs Altpapier.
Wie kann man nur nach solcher Pfadi-Manier einen solchen Aufruf verfassen!
Wenn Sie Geld sparen wollen, dann nicht am falschen Ort und auf ungeeignete Weise, sondern durch die gute Wahl von Fachleuten (es muss ja nicht eine
Agentur mit Kurtaxen-Honoraransätzen sein), die solche Kommunikationsaufgaben professionell, volksnah, kulturengerecht auszuführen wissen.
Mit freundlichen Grüssen
Peter Nydegger, Eidg. dipl. PR-Berater BR/SPRG“
- Seite 54 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Unser Kommentar: (gesendet per e-mail)
„Guten Tag Herr Peter Nydegger
Merci für Ihre Rückmeldung. Ich bin einer von drei Studenten, die diese Aktion
als Semesterarbeit durchführen. Meine Antwort zu Ihren Kritikpunkten:
1. Sie haben Recht; eine Formulierung wie "Liebe Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zürich" wäre besser bzw. dem Zielpublikum angepasster.
2. Nur Deutsch ist aus Kosten- und Platzgründen sinnvoll. (Finde ich immer
noch.) Höchstens noch Englisch, aber ein 2. Flugblatt oder doppelt so lang?!
Ihr Vorschlag?
3. Die Info-Strategie ist der Untersuchungsgegenstand an sich! Ihre Rückmeldung spricht einerseits gegen diese "Irrtümer-Strategie" andererseits dafür, da
Sie immerhin die Info zur Kenntnis genommen haben.
4. Diesen Punkt unterstütze ich, wir wollten einen Grafiker, aber... wer zahlt
befiehlt! Das Papier wäre so oder so in dieser Qualität gewesen.
Mit freundlichen Grüssen
Jonas Fricker“
Antwort von Herrn Nydegger (gesendet am 12. Dez. 2001):
„Grüezi Herr Fricker
Vielen Dank für Ihre Antwort auf meine erboste Kritik.
Es gäbe punkto Kommunikation viel zu sagen über "Strategie und Taktik" bzw.
"Konzeptioneller Ansatz" resp. "Aufmerksamkeit schaffen bei fragwürdiger
Lernbereitschaft im Zeitalter der Wurstigkeit und des anything goes". Mit solchen Problemen beschäftigen sich Fachleute in Werbung und PR täglich und
finden auch immer wieder Wege und Lösungen, um Anliegen zum Erfolg zu
verhelfen.
Zu Ihren Punkten:
2. Nur Deutsch ist eben nicht sinnvoll. Wenn die "Kosten- und Platzgründe"
diese Einschränkung bewirkten, dann ist halt ...
3. ... die "Info-Strategie" keine gute. Strategien werden durch das Budget mitgeprägt. Ist es zu klein, dann lieber nichts oder anders, als eine Alibi-Uebung.
Gab es ein Budget "von oben nach unten"? (Betrag X, das muss genügen) oder von "unten nach oben"? (Dies und das muss gemacht werden, kostet so
und so viel) - und wäre bei einem für Sie und das ERZ derart wichtigen Anliegen eine Kostenteilung, und damit ein höheres Budget möglich gewesen? Das
Thema "Stutz" gehört eben auch zum Gesamtpaket einer "Info-Strategie" und
ist mit derselben Energie zu bearbeiten wie die anderen Elemente, die
- Seite 55 -
Semesterarbeit Metallrecycling
schliesslich ein gutes Resultat bewirken sollen. Denn diese Altmetallinfo ist ("Info-Strategie ist der Untersuchungsgegenstand an sich!") - für die Bevölkerung doch nichts anderes als eine, wenn Sie so wollen: amtliche Mitteilung, also eine Mitteilung aus dem Hause "Stadt Zürich" bzw. "ERZ". Und nun schauen Sie sich mal die Aufmachung der Drucksachen an, die das ERZ in jüngerer
Vergangenheit unter die Leute brachte. Passt da Ihr gelber Zettel dazu? Man
könnte meinen, die Semesterarbeit an sich sei da viel wichtiger gewesen als
die Verbreitung einer Botschaft für ein zu erreichendes Ziel in der Oeffentlichkeit. Das wäre dann aber total unprofessionell und punkto Image-Transfer eine
Unbedarftheit erster Klasse.
Und glauben Sie, die Fernsehquizfrage "Kennen Sie die drei grössten Irrtümer
... über Metall im Abfall" (Wo ist das Fragezeichen?) sei derart packend, dass
die Mehrheit der Fehlbaren sich im Moment der Headline-Kenntnisnahme und es gibt nur diesen Moment! - entscheidet, das Blatt gleich oder später zu
lesen? Und glauben Sie, das Publikum sei an Ihren Problemen interessiert, an
dem, was Sie für wichtig halten? Oder ist es nicht vielmehr so, dass es daran
interessiert, woran es selbst (das Publikum bzw. das Individuum) Interesse
hat? Das ist die Nuance zwischen "Oberlehrer" (Höret!) und "Anbieter" (Zu
deinem Vorteil!) - und eine Knacknuss, die gute Konzepter und Texter mit
Bravour zu meistern wissen (Mach mal Pause, Coca Cola). Und die "Professur" als Absender? Formal sicher korrekt, vom Kommunikationsnutzen her ein
Unsinn - denn das hilft nicht der Akzeptanz der Botschaft, sondern schafft Distanz ("Oberlehrer").
Meine Reaktion können Sie unter der Rubrik "Déformation professionelle" erfassen. Denn ich beachte aus beruflichen Gründen alles Gedruckte, was mir in
die Finger kommt. Und als notorischer Korrektaltmetallentsorger hat das Flugblatt keine inhaltlich neuen Erkenntnisse oder gar eine Verhaltensänderung
bewirkt.
4. Chabis (bzw. eben doch "Pfadi-Manier"). Siehe 3.
So, und nun könnten Sie und Ihr Chef mich zum Kafi einladen.
Mit freundlichen Grüssen
Peter Nydegger, Eidg. dipl. PR-Berater BR/SPRG“
iii) Erich Rieder, Inhaber einer PC-Firma
[email protected] (gesendet am 5. Dez. 2001):
„Grüezi
Habe eben das gelbe Blatt "Entsorgen Sie Ihr Altmetall ....." das im November
verteilt wurde in den Händen.
Ich habe eine PC Firma bei der es immer wieder Abfall gibt.
Bisher habe ich die PC (Problemabfall) säuberlich auseinandergenommen und
die "Abfälle" säuberlich (100%) getrennt.
- Seite 56 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Eisen, Buntmetall, Kunststoff, Kabel und Printplatten.
Da die Gehäuse (KEIN anderes Material als Eisen mehr dran - auch keine
kleinen Kunststoffteile noch Buntmetall) mir den grössten Platz versperrten
habe ich meinen Mitarbeiter nach Hagenholz geschickt mit einer Ladung. Es
waren deren 80 kg. Und das machte Fr 30.00 (ink.MWSt) (6.6.2001).
Dies werde ich nie mehr tun, denn ich war gestraft (für solch unproblematischen Abfall). Andere werfen auch alles in den Container und bezahlen tun sie
nichts.
Und übrigens ich bezahle jedesmal wenn ich etwas von meinen Lieferanten beziehe SWICO Gebühr. Gibt es in Zürich nirgends wo ich meine PC
Abfälle gratis (falsch, nicht gratis die Gebühr habe ich ja schon bezahlt)
abgeben kann ?
Nun sehe ich 100m von meinem Büro entfernt 3 Container vor einem Mehrfamilienhaus. Bei diesen Containern liegen IMMER noch andere Dinge. Von der
Waschmaschine über den Fernseher, Möbel etc etc etc einfach alles was in
einem Haushalt vorkommt. Dies nimmt manchmal so zu dass sogar das Trottoir versperrt wird (anfangs 2001 musste man auf die Strasse ausweichen solchen Berg hatte es).
Nun - nachdem die Müllabfuhr dort war ist alles weg.........(manchmal bleiben
einige Möbel noch einige Zeit liegen).
Soll ich dies in Zukunft auch so machen?
Ich habe zufällig in Schaffhausen meine alte Wohnung geräumt. Ich habe einen Anhänger voll (nicht einen kleinen) enthaltend auch allen Mischmasch in
die Verwertung gebracht, und dies kostete nur Fr 70.00 (ich glaube es waren
gegen 800 kg)!
Soll ich meinen Abfall nach Schaffhausen führen?
Mit freundlichen Grüssen
PC-Software
Erich Rieder“
Unser Kommentar: (gesendet per e-mail):
„Grüezi Herr Rieder
Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem vorbildlichen Vorgehen in Ihrer Firma. Ich bin
stolz, dass es solche Unternehmer gibt in der Schweiz!
Ich bin einer der drei Studenten, die diese Aktion als Semesterarbeit durchführen und ich werde Ihr Mail an ERZ weiterleiten und sie bitten Ihre Frage „PC
Abfälle gratis entsorgen?“ zu beantworten. Ich weiss es nicht.
Mir freundlichen Grüssen
Jonas Fricker
- Seite 57 -
Semesterarbeit Metallrecycling
PS: Was das Eisen anbelangt frage ich mich auch, warum Sie bezahlen müssen, wenn Sie es selbst liefern! Evtl. hat das etwas mit Ihrer gewerblichen Aktivität zu tun.“
Drei weitere Reaktionen wurden der ERZ per Post zurückgeschickt:
iv) Herr B.Fraser (gesendet am 5. Dez. 2001):
„90% der Zürcher Regierung denkt, jeder Bürger habe zu Hause ein extra
Zimmer, um Altkarton, Büchsen, Gläser usw. aufzubewahren. Und ein Auto,
um all das Glas und die Büchsen einer sechsköpfigen Familie zur nächsten
Sammelstelle zu schleppen.
PS: In Los Angeles werden Plastik, Metall und Karton wöchentlich abgeholt.
Mit freundlichen Grüssen, B. Fraser“
v) Herr Fredi Brandeis (gesendet am 5. Dez. 2001):
„Betr. Ihrer Broschüre „Kennen Sie die drei grössten Irrtümer über Metall im
Abfall“
Sehr geehrte Damen und Herren,
Mit Freude habe ich Ihre Broschüre gelesen. Ich gratuliere Ihnen zu dieser Art
von Information.
Darf ich mit einer kleinen Korrektur meine Meinung vorbringen, wie dieses
Übel an der Wurzel gepackt werden könnte:
Der grösste Irrtum über Metall im Abfall ist der Irrtum der Behörde und nicht
der Zürcher Bevölkerung. Solange die Behörde keine Gratis-Abfuhr von Metall durchführt – alle 2-3 Monate wie beim Karton – solange werden 75% oder
mehr der Bevölkerung ihr Metall auf „unkonventionelle“ Art und Weise los.
Im Übrigen müsste solch eine Broschüre in vielen Sprachen erscheinen, türkisch, serbisch, jugoslawisch, albanisch etc. und einen Hinweis über die giftigen Batterieabfälle enthalten.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und verbleibe mit freundlichen Grüssen,
Fredi Brandeis“
- Seite 58 -
Semesterarbeit Metallrecycling
vi) Herr S. Rubinfeld:
„Kennen Sie die drei grössten Irrtümer...
JA.
1. Dass die Abfuhr der Kübelsäcke nur einmal in der Woche vorgenommen
wird. Im Winter geht das noch, aber im Sommer ist der Gestank nicht auszuhalten.
2. Wir wohnen an der Manessestr. 2. Die Sammlung von Altpapier und Karton
ist in der Zeitung publiziert. Es wird aber nie an diesem Datum abgeholt, sondern immer Tage später. Die Zeitungen und Kartons liegen auf der Strasse
herum. Der Anblick ist herrlich.
Warum kann man den Häusern an der Manessestr. nicht eine Abholliste zustellen die wirklich stimmt?
Mit freundlichen Grüssen,
S. Rubinfeld“
- Seite 59 -
Semesterarbeit Metallrecycling
Danksagung
Diese Semesterarbeit entstand im Rahmen des Projektes „Verhaltenswirksamkeit von Informationen im Bereich Abfall“, dessen Träger das Bundesamt
für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), das Amt für Abfall, Wasser,
Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL), Entsorgung + Recycling Zürich
(ERZ), die Stabstelle Entsorgung der Stadt Winterthur sowie die Professur
Umweltnatur- und Umweltsozialwissenschaften (UNS) der ETH Zürich sind.
Wir bedanken uns bei diesen Stellen herzlich für die Gelegenheit, eine solch
interessante und alltagsbezogene Fragestellung bearbeiten zu dürfen.
Speziell bedanken wir uns bei Peter Leutert, René Schuppisser und Ingrid
Balzli von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), welche uns jederzeit mit
Rat und Tat zur Seite standen.
Schliesslich gebührt unser Dank Ralf Hansmann, der uns während der gesamten Zeit betreute. Vor allem bei der Zusammenstellung des theoretischen Hintergrundes des Experimentes und der statistischen Auswertung bot er unerlässliche Hilfeleistungen.
Herzlichen Dank.
Jonas Fricker, Simon Odermatt und Mischa Schmid
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