Welchen Weg gehe ich Von Ute Lentze Da war ich nun wieder, in meiner mollig warmen 2,5 Zimmer Wohnung, mit Gepäck und guten Ratschlägen. Auspacken, als Erstes, das ist einfacher. Als an meine Mutter und ihre fast schon verzweifelten Versuche, mich unter die Haube zu bringen, nachzudenken. Zwei Wochen, über Weihnachten, bei meinen Eltern. Mom wollte mich unbedingt überreden wieder nach Hause, zukommen. Dabei bin ich doch geflüchtet, ans andere Ende der Staaten. Meine Wenigkeit hier in Saint Paul, Minnesota und meine Eltern in Louisiana, weit weg. Davon gelaufen vor diesem normalen Leben, das sie für mich anstrebte. Sie verstand es einfach nicht, dass ich mich wohlfühlte, so wie es ist. Mit einem guten Job, in einer Bücherei. Denn ich liebte Bücher. Jedes Buch, das mir in die Hände fiel, musste auch gelesen werden. Dort war ich, in meinem Element. Aber meine Mutter wollte ein anderes Leben für mich. Sie war der Ansicht, ein Ehemann, ein oder zwei Kinder, vielleicht noch ein Halbtagsjob wäre das Beste, was man sich wünschen kann. Nach der Wiedersehensfreude begann es dann, zuerst vorsichtig, ob ich denn schon nette Leute – das heißt Männer - in dem Jahr kennengelernt habe. Du hast doch gesagt, dass du oft Verabredungen hast, sie spielte natürlich auf meine Kollegin und mittlerweile Freundin an - Sue, emsig, wie sie war, versuchte Sue mich ständig zu verkuppeln – war denn niemand dabei der dich interessierte? Wie gesagt, zuerst vorsichtig, aber im Lauf der zweiten Woche wurde sie immer drängender „Claire Garret du wirst 25 Jahre! Einmal musst du dich für einen Mann entscheiden, du kannst nicht dein ganzes Leben, mit deinen Büchern verbringen.“ Da war es also, die alt bekannten Worte. Ich weiß nicht, wie oft der Versuch fehlschlug, es meiner Mutter begreiflich zu machen. Für mich bestand keineswegs das Verlangen nach einer Beziehung, an erster Stelle. Das war schon immer so, weder in meiner Highschool Zeit, noch später im College. Während meine Freundinnen sich immer wieder frisch verliebten und neue Flammen sammelten, konnte ich mich mit ihren Freunden und Abgelegten stundenlang unterhalten. Es war nicht einer dabei, der mir Herzklopfen bereitete und genauso sahen es die Jungs – du bist ein echt netter Kumpel. Ich vermisste und vermisse dieses ganze Beziehungsdrama nicht, doch Mom war da nun mal anderer Ansicht. Deshalb bin ich geflohen und habe mir ein Leben aufgebaut mit meinen Büchern, meiner Arbeit. Kopfschüttelnd die Gedanken an meine Mom verbannend, nahm ich das Telefon, um Molly die stellvertretende Leiterin, anzurufen. Kaum erwartend übermorgen wieder arbeiten, zu können. „Hallo Molly ich bin´s …“ „Oh, Claire gut das Du anrufst. Bist du schon zu Hause? Denn du musst morgen schon kommen. Sue hat sich gestern krankgemeldet, tut mir leid deinen letzten Urlaubstag zu vermiesen, aber ich schaffe es allein einfach nicht.“ Entschuldigte sich Molly wortreich. „Kein Problem, was hat Sue denn?“ Wollte ich wissen. „Grippe, sie hörte sich wirklich schlimm an. Ich dank dir, bis morgen.“ Eilig beendete Molly das Gespräch. So wie Molly sich anhörte, stand sie unter Druck. Bestimmt einiges zu tun! Der kurze Blick auf die Uhr verriet mir, es lohnte sich keineswegs, Molly jetzt noch zu zur Hand gehen. Also dann morgen. Schön! Für mich hieß das einen Tag früher anfangen. Jetzt aber noch einmal raus und einkaufen. Denn den Rest der Woche würde ich bestimmt nicht mehr dazu kommen. Warm eingewickelt, denn es war draußen eisig machte ich mich auf den Weg. Zum Glück lag der Supermarkt gleich um die Ecke und nahm mir vor, diesmal nicht zu schlendern. Ein paar Schnellgerichte und einige Snacks für zwischendurch, ab in den Einkaufswagen damit. Denn ohne Sue wurden die Mittagspausen in der Bücherei verlegt. Allein ein Cafe oder Imbiss zu besuchen, kam keinesfalls infrage. Unter vielen Menschen fühlte ich mich immer allein, geradezu verlassen. Was noch? Über die Regale schauend, sollten ein paar Vitamine genau das richtige sein. Machte kehrt und Wums …, rammte in jemanden hinein. Direkt hinter mir musste jemand gestanden haben. „Entschuldigen Sie bitte, ich habe sie nicht gesehen“, stammelnd und gänzlich erschrocken, so etwas war mir noch nie passiert. Total fassungslos starrten mich die grünsten Augen, die ich je gesehen habe, an. „Das nächste Mal passen sie aber besser auf!“ Wurde ich unverschämt angefaucht. „Darauf können sie sich verlassen!“ erwiderte ich, jetzt wütend! Was bildete der sich ein! Steht direkt hinter mir und wundert sich, wenn er angerempelt wird. So ein eingebildeter Schnösel! Hochnäsig ging ich an ihm vorbei, was du kannst, kann ich schon lange. Aber anstatt sich wegen seines Benehmens zu schämen, fing der Typ an zu lachen. An der Kasse hallte das Lachen des Schnösels noch immer in meinen Ohren nach. Sauer auf mich, wegen solch einer Lappalie, die gute Laune zu verlieren. Vergiss es! Freu dich lieber, morgen gehst du wieder arbeiten munterte ich mich selbst auf und bezahlte meinen Einkauf. Da stand er ja! Direkt am Ausgang, als ob er auf mich warten würde. Mit einem hintergründigen Gesichtsausdruck verfolgte er jede meiner Bewegungen. Mit Herzklopfen verstaute ich meine Einkäufe und verließ den Markt, ohne diesem Herrn weitere Beachtung zu schenken. Abgehetzt kam ich zu meiner Wohnung, mit dem untrüglichen Gefühl verfolgt, zu werden. Als ob ein grünes Augenpaar mich ständig beobachtete. Langsam schüttelte ich diesen Eindruck ab und machte es mir bequem, nach zwei Wochen endlich daheim. Zitternd vor Kälte betrat ich am nächsten Morgen, durch einen Nebeneingang speziell für Angestellte, die Bücherei. Molly stellte mir ohne Kommentar einen heißen Kaffee auf den Tisch. Während ich mich, von meinem Schal, Handschuhen, Mütze und Jacke befreite, erzählte sie schon die Neuigkeiten der letzten vierzehn Tage. Es war ein warmes behagliches Gefühl wieder hier zu sein. Der Duft der Bücher, die ruhige Atmosphäre und auch Mollys Schilderungen. Es hatte sich nichts geändert, Molly in ihrer ruhigen distanzierten Art. Sie kam mir immer ein wenig wie eine Gouvernante vor. Ja, hier fühlte ich mich am richtigen Platz. „Claire, wenn du heute vorn im Laden bist, habe bitte auch ein Auge auf den Lesesaal. Dann kann ich mich um die Bestellungen kümmern. Du kommst ja doch besser mit den Studenten klar.“ Mir war das nur Recht, im Grunde machte ich das am liebsten. Unentschlossenen Kunden zu helfen die richtige Lektüre auszusuchen. Auch die von Molly gefürchteten Studenten zu unterstützen, die richtigen Bücher zu finden. Da wir dem College angeschlossen waren, hatten wir jederzeit Zugriff auf die Bibliothek oder das Gewölbe, wie wir es nannten. Denn Sue meinte an diesem Ort spuke es, mir erging es anders ich war gerne im Gewölbe. Das erreichten wir durch einen Gang, der unterhalb der _-soso Avenue führte. Daraus bestand meine Hauptaufgabe all diese Werke in ein digitales Netzwerk, aufzulisten. Sowie den Studenten und Professoren, außerhalb des Colleges den Zugriff der Bücher zu ermöglichen. „Molly nur keinen Stress, ich bekomm das schon hin.“ „Wenn wir nur noch jemanden hätten, der wenigstens halbtags kommen würde, dann wäre es auch keine Katastrophe, wenn mal jemand krank wird oder Urlaub hat“, murrte Molly, „so bleibt einfach zu viel liegen. Übrigens hast du schon mit Sue gesprochen?“ wechselte sie das Thema. „Nein noch nicht, ich wollte gestern Abend nicht mehr anrufen aus Angst, sie zu wecken.“ Oder wollte ihr nichts von grünen Augen erzählen, ergänzte eine leise aber durchdringende Stimme in meinen Kopf, den Satz. Molly schaute auf die Uhr, was ich richtig verstand und in den Laden ging. Tief einatmend wurde mir nochmals bewusst, wie gern ich hier arbeitete. Der Verkaufsraum war länglich, die Theke ging über fast die gesamte Breite des Raumes. Von hier aus hatte man einen Überblick über den ganzen Raum, rechts die Eingangstür links ging es in den Keller. Da die Regale längs standen, konnte man in den extra eingerichteten Lesesaal schauen. Obwohl dies ein sehr hochtrabender Begriff für unsere Ecke war, nutzten nicht nur Studenten den Raum. Die restliche Woche verging wie im Fluge, viele Kunden freuten sich, mich wiederzusehen. Wie üblich machte es mir wiederum Spaß, meiner Kundschaft behilflich zu sein. Mit Sue telefonierte ich kurz, sie hörte sich mehr wie ein Reibeisen an und wollte nichts als schlafen. Also versorgte ich meine liebe Freundin mit Obst, das sie mir am liebsten an den Kopf geworfen hätte. Obwohl die Woche so wie immer verlief, wurde ich ein unbestimmtes Gefühl beobachtet, zu werden nicht los. Im Laden schaute ich mich ständig um, sah sogar hinter den Regalen nach. Auf dem Nachhauseweg konnten meine Füße nicht schnell genug laufen. Auch zu Haus verließ mich das Gefühl nicht. In den ersten Tagen war die Empfindung jemand wäre in meiner Wohnung gewesen unbeschreiblich stark. Einmal ertappte ich mich dabei den Teppich umzuschlagen, bevor es zur Arbeit ging. Fehlte nur noch das befestigte Haar an der Wohnungstür. Was ich natürlich nicht tat! Am schlimmsten waren aber meine Träume, immer diese Augen, unergründlich tiefe grüne Augen. Nicht dass ich mich vor ihnen fürchtete. Nein sie studierten, forschten, prüften mich, aber sobald ich mich ihnen zuwandte, wichen sie überrascht zurück. Als ob sie Angst vor mir hätten. Dann der fragende Blick „Warum“ „Weshalb du“ dieser wechselte auch in einen vorwerfenden warnenden Ausdruck. Doch niemals lächelten diese unergründlich grünen Augen. Regelmäßig wachte ich mit rasend schlagendem Herzen auf. Das Verlangen, in sein Gesicht zu sehen, ein Lächeln darin zu finden beunruhigte mich mehr, als die Träume. Quatsch, du dumme Kuh, du würdest diesen Herrn gar nicht wiedererkennen, wenn er dir auf der Straße begegnet. Außerdem war dieser Kerl anmaßend und frech. Deshalb siehst du auch nie ein Lachen! So schlug ich meine Wünsche und Träume nieder. „Lass uns heute Abend irgendwohin essen gehen, mir fällt die Decke auf den Kopf.“ Bettelte Sue, „mir geht es wieder besser! Wenn ich nicht bald unter Menschen komme, werde ich noch depressiv.“ „Na gut, du Nervensäge“ lachte ich, „gehen wir zu Toni.“ „Pizza!“ jubelte Sue „hört sich gut an. Ich esse deine auch auf. Wir treffen uns dort, sagen wir um acht, dann hast du genug Zeit dich frisch zu machen.“ „Sue, wir gehen doch ohne Anhängsel?“ auch wenn sie kränkelte, vor ihren Kuppeleien war man einfach nicht sicher. „Keine Sorge Claire. Aber man weiß ja nie, wann einem das Glück begegnet.“ Vor meinem bloßem Auge glitzerten mich fragende grüne Lichter an. „Bereit sein, ist alles.“ Säuselte Sue, „Also mach dich hübsch!“ schmunzelte sie. „Du bist unmöglich! Bis heute Abend.“, gedankenverloren legte ich auf. Das wurde langsam zu einer ausgesprochenen Manie. Dieser Typ schwirrte eindeutig zu oft in meinen Kopf herum, das musste aufhören. „War das Sue?“ erkundigte Molly sich. „Ja, sie kommt Montag wieder. Wir wollen heute bei Toni essen gehen. Kommst du mit? Das haben wir schon lange nicht mehr gemacht. Sue würde sich bestimmt freuen.“ Belustigt sah Molly mich an. „Und über eine zusätzliche Portion bestimmt auch! Ich frag mich bloß, wo sie das alles lässt. Jedes Gramm muss ich mir erkämpfen, um nicht zuzunehmen und Sue kann alles in sich hineinstopfen. Das ist so ungerecht verteilt.“ Seufzend verzog Molly das Gesicht, „Danke, aber nein ich kann heute nicht. Mein Sohn kommt mit seiner neuen Flamme …“ In diesem Moment öffnete sich die Tür und zwei meiner Lieblingsstudenten kamen auf uns zu. Molly verschwand nach hinten. „Gut, dass du da bist!“ kam Max auf mich zugestürmt, „wir müssen einen Schriftsatz verfassen. Es geht um Mythologie und Glaube. Wir haben keinen blassen Schimmer, wo wir anfangen sollen. Der neue Professor verlangt einen Aufsatz. Du bist unsere einzige Hoffnung.“ Bekümmert schauten sie mich an. Nachdem ich Max und Chris einige Bücher zur Auswahl gab, setzten sie sich niedergeschlagen hin. „Dabei haben wir das Fach nur gewählt um ohne viel Aufwand eine gute Note, zubekommen ...“ maulte Chris. „Außerdem haben wir das Fach genommen, weil scharenweise die hübschesten Mädels in diesem Kurs sind. Nur um diesen neuen Prof anzuhimmeln.“ feixte Max. „So, so seid ihr in die Falle gegangen!“ schmunzelnd die beiden aufziehend. „Ja kann man sagen, aber nicht nur wir; alle! Denn der Pauker lässt sich nicht bezirzen.“ Stellte Max grinsend fest, „wie wäre es, wenn du uns hilfst?“ hoffnungsvoll sahen sie mich an. „Nein!“ wie zwei begossene Pudel saßen sie da und zogen ein Gesicht, als ob ich ihnen ihr Lieblingsspielzeug entwendet hätte. Murrend auf mich schimpfend, ohne schlechtes Gewissen steckten sie ihre Nasen, in die Bücher. Ein neuer Kunde beanspruchte meine Hilfe und so zog der restliche Samstagmorgen vorüber. Pünktlich acht Uhr betrat ich die Pizzeria, natürlich war Sue noch nicht da. Das war eine ihrer negativen Eigenarten, sie dehnte die Zeit nach ihren Maßstäben aus. Also setzte ich mich an einem der hinteren Tische und bestellte mir einen Kaffee. Während Sue sich Zeit ließ, quatschen wir, das heißt, Toni redete hauptsächlich. Er kellnerte hier schon seit einer Ewigkeit. Wie er das betonte, mit traurigem Augenaufschlag und einem Hilferuf im Blick. Ich musste immer Lachen, mit dieser Tour hat er schon so manche Dame um den Verstand gebracht. Aber lernte man Toni besser kennen, war er ein sehr sympathischer junger Mann. „Eines Tages, meine Schöne wirst du mir erliegen und dann lege ich dir die Welt zu Füßen.“ Schnurrte Toni. „Wenn ich nur wüsste, mein Held, die Einzige zu sein, die dein Herz begehrt.“ Auf Tonis Spiel eingehend, „Mein Herz, meine Seele würde dir folgen bis ans Ende der Zeit.“ Mit zuckersüßer Stimme, „ah, da naht schon die nächste Versuchung kannst du ihr widerstehen? Oder muss ich mit ansehen, wie du dich ihr zuwendest!“ Lachend ohne ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Verspätung kam Sue auf uns zu, „na, umgarnt unser Romeo dich schon wieder?“ sie setzte sich mir gegenüber und strahlte Toni mit ihren großen blauen Augen an. Übertrieben verbeugte sich Toni vor uns, mit verzweifelter Miene, „ja, wenn ihr nur wüsstet!“ feierlich wandte er sich Sue zu, „ich nehme an, du hast Appetit für zwei mitgebracht, denn Claire eine Pizza für Erwachsene zu bringen könnte man auch Betrug nennen.“ „Was glaubst du wohl, warum ich so gerne mit Claire essen gehe? Mein Magen freut sich!“ konterte mein Gegenüber. Toni nahm die Bestellung auf und ließ uns allein. Und musterte Sue; sie war immer noch blass und ihre Nase konnte mit Rudolph dem Rentier konkurrieren. Trotzdem war sie eine klassische Schönheit mit ihren blauen Augen, dem blonden hüftlangen Haar das übrigens nicht gefärbt war. Sue besaß eine natürliche Anmut mit einer ordentlichen Portion Humor, kein Mensch konnte sich dem entziehen. „Claire, Toni ist ernsthaft an dir interessiert. Warum gibst du ihm keine Chance?“ Entgeistert starrte ich Sue an, „Das glaubst aber, nur du! Toni ist ein netter Kerl aber auch ein Schürzenjäger. Streich ihn von deiner Liste als möglichen Kandidaten.“ Sue auffordernd ansehend, achselzuckend nahm sie dies zur Kenntnis. Mir schwante nichts Gutes, wenn Sue auf diese Art reagierte. Um sie auf andere Gedanken zu bringen, berichtete ich ihr von meinem Besuch bei meinen Eltern. Mit Sue verging die Zeit, als ob Stunden zu Minuten würden. Sogar die Forderungen meiner Mutter konnte ich nun mit einem Lächeln auf den Lippen erzählen. Nur die Episode im Supermarkt kam nicht zur Sprache. Sowie den nachhaltigen Eindruck dieses grünen Augenpaares. Wir hätten wahrscheinlich noch die ganze Nacht gequatscht, aber Sue gähnte nun unablässig, so beschlossen wir den Abend zu beenden. Wir wollten gerade Toni rufen, als dieser mit mürrischer Miene an unseren Tisch kam. Er hatte ein Tablett mit zwei Weingläsern in der Hand. Fragend sahen wir ihn an. „Das ist Rotwein! Von dem Herrn am Fenstertisch! Mit schönem Gruß.“ klärte Toni uns auf. „Na Sue, da hast du aber eine neue Eroberung gemacht!“ schmunzelnd den Hals reckend, um mehr von dem unbekannten Spender zu erspähen. Aber leider saß er im Schatten, so konnte ich nur einen Teil sehen. Neugierig sah Sue mich an. „Kann nicht genug erkennen …“ bedauerte ich und spähte nochmals hinüber. „Von wegen Sue! Dich hat er den ganzen Abend beobachtet, hat dich nicht einmal aus den Augen gelassen! Und gegessen hat der auch nichts. Nur dich angegafft, die ganze Zeit!“ entrüstet sah Toni mich an. Als ob ich den Mann aufgefordert hätte, mich zu beobachten. Sue horchte auf, grinsend meinte sie zu Toni, „Dann sag dem netten Herrn doch mal, dass wir uns bedanken und wenn er mag, kann er sich zu uns setzten. Damit wir gemeinsam den Wein genießen können.“ Der Spott in Sues Augen war unübersehbar. Murrend vielleicht auch fluchend, so genau konnte man das nicht verstehen, trottete Toni zum Fenstertisch. „Sue, wie kannst du nur? Einen Wildfremden an unseren Tisch einladen. Wer weiß, was das für einer ist …“ Aber mit einer Handbewegung brachte sie mich zum Schweigen. „Hör auf, wir sind im einundzwanzigsten Jahrhundert, da dürfen wir das.“ Grinste sie mich frech an. Aus den Augenwinkeln sah ich den Unbekannten aufstehen, er kam tatsächlich auf uns zu. „Außerdem bereit sein ist alles! Lächel Claire und zieh nicht so ein Gesicht! Das verscheucht ja sogar den Mutigsten.“ „Ich wollte die Damen nicht stören. Aber eine so herzliche Einladung schlägt man einfach nicht aus.“ Bedankte er sich artig bei Sue. Als ob er gehört hätte, dass Sue es war, die ihn eingeladen hat. „Darf ich mich Vorstellen mein Name, ist Raphael.“ Setzte er schmunzelnd hinzu. Süß lächelnd antwortete meine Freundin. „Das ist Claire und ich bin Sue! Setz dich doch zu uns.“ Turtelte sie. Raphael setze sich neben mir. Immer noch völlig verdattert von Sues Anspielung brachte ich kein Wort heraus, sondern starrte die Tischplatte an. Mich zusammenreißend und den Kopf hebend meinen Nachbarn neugierig musternd, der sich derweil mit Sue unterhielt. Als ob er meine Bewegung oder Blick gespürt hätte, wandte er sich mir zu. Verblüfft starrte ich in grüne Augen, die mich fixierten. Das konnte nicht wahr sein, dieser eingebildete Kerl! Saß wie selbstverständlich hier an meinen Tisch. Amüsiert betrachtete dieser … dieser; das passende Wort fiel mir einfach nicht ein, mich ungeniert. Schockiert und aufgebracht setzte ich zu einer Schimpftirade an, brachte aber kein Wort heraus. Lächelnd musterte Raphael mein Gesicht und mein Hirn war wie leer gefegt. Indessen beobachtete Sue, uns mit Argusaugen. Unbekümmert bestellte, Raphael bei dem zutiefst verstimmten Toni, ein Glas Rotwein, für sich. Sue ließ uns keinen Augenblick aus den Augen sie versuchte etwas zu ergründen, das sie nicht zu fassen bekam. Raphael warf mir einen unergründlichen Seitenblick zu, den ich ärgerlich erwiderte. Glaubte er, mein Gedächtnis hätte einen Schaden? Und vergessen, wie er mich angefaucht, sowie anschließend ausgelacht hat. „Ihr kennt euch! Anders ist Claires Reaktion nicht zu erklären.“ Platzte Sue heraus, einen triumphierenden Ausdruck im Antlitz. Verneinend schüttelte ich den Kopf. Doch mein Nachbar ergriff das Wort, „Wir sind uns schon mal näher gekommen. Aber du kennst ja Claire …“ wandte sich dieses Scheusal von Sue ab, den Blick gebannt auf mich geheftet. Er hielt mich gefangen, mit einem Blick zu keiner Reaktion mehr fähig. Toni stellte das Glas mit einem überlauten „Hier! Bitte!“ auf den Tisch. Sue schnappte nach Luft, sie fächelte sich zu, als ob es ihr auf einmal zu heiß, war. Raphael erhob sein Glas, „Auf neue und alte Bekanntschaften!“ prostete er Sue und dann mir zu. Außerstande mein Glas zu nehmen. Vor allem wollte ich keinesfalls auf so etwas absurdes Anstoßen. Das tat dann dieser Flegel, er hielt es mir mit hochgezogener Braue entgegen. Wie in Trance nahm ich es Raphael ab, abermals gekettet an dieses Grün. „Jetzt bin ich neugierig, extrem neugierig! Wo habt ihr euch kennengelernt? Wann? Ich will einfach alles wissen!“ sprudelte es aus Sue heraus. Zögernd wandte Raphael sich Sue zu. Dabei drehte er sich mir entgegen und legte ganz selbstverständlich seinen Arm auf meine Stuhllehne. Sein Oberarm berührte meine Schulter. „Nun ich will Claire nicht vorgreifen. Denn, wenn sie bisher über uns geschwiegen hat, respektiere ich das.“ Entschuldigend sah er Sue an, da sein Blick von mir gelöst war. Arbeitete mein Hirn in gewohnter Weise, so konnte ich wieder wie ein rationaler Mensch denken. Sue sollte erfahren, dass es kein Geheimnis gab. Dass es gar nichts gab, was man hätte verschweigen müssen. In diesem Moment, als ich gerade ansetzte, fuhr seine warme Hand meinen Nacken entlang. Dann zärtlich an meinen Hals entlang. Als wäre das für ihn das selbstverständlichste der Welt, mich so zu berühren. In meinen Eingeweiden brannte plötzlich ein Feuer, zuckend schlugen die Flammen in meinen Leib empor. Verwirrt über diese ungewohnte Reaktion, blieben mir die Worte im Hals stecken. Sue registrierte die Zärtlichkeiten mit einem spitzbübischen Lächeln. „Aber eines kann ich dir sagen, ich bin vor ein paar Tagen hierher gezogen und somit werden wir uns des Öfteren sehen. Denn ich habe keineswegs die Absicht Claire wieder aus den Augen zu verlieren.“ Bei den letzten Silben sah Raphael mich an, in seinen Augen brannte das gleiche intensive Feuer wie in meinen Leib. Sprachlos geradewegs verzückt sah Sue, Raphael an. „Aber Claire hat mir noch nie …“ „Ja, das dachte ich mir schon! Aber bitte lassen wir einfach die Vergangenheit ruhen und in die Zukunft schauen, was sie uns bringt.“ Strahlend erwiderte Raphael Sues entrücktem Blick. Anhand ihres Gesichtsausdrucks konnte man sich direkt ausmalen, was sie dachte. „Ich freu mich ja so für dich Claire, für euch beide – natürlich.“ Sie schauten mich an, Sue überglücklich und Raphael einen undurchschaubaren Ausdruck im Gesicht. Um nicht wieder in den Bann seiner Augen zugeraten, konzentrierte ich mich auf Sue. Fragend sah sie mich an. Auf einmal ein zwinkern in den Augen, als ob sie verstanden hätte, dass dies ein haltloser, utopischer Zustand wäre. Erleichtert sah ich sie an. Sue würde nun diesen arroganten Typen in seine Schranken weisen. „So spät ist es schon! Ich wollte doch gar nicht so lange bleiben. Schließlich muss ich meine Grippe auskurieren.“ Stotterte Sue entschuldigend, stand eilig auf und verabschiedete sich. Völlig versteinert sah ich zu, wie Sue ihren Mantel nahm. Was passierte hier? Wie geschah das Ganze? Raphael half Sue in den Mantel. Er bedankte sich noch einmal für ihr Verständnis und versicherte ihr nachträglich eingeladen zu sein. Claires Freunde sind auch die meinen oder etwas in der Art. In diesen kurzen Augenblick kam ich wieder zur Besinnung, schon wollte ich aufspringen. Hinter Sue herlaufen und ihr erklären das hier nichts, aber auch gar nichts, richtig war. Wir wurden manipuliert auf die schlimmste Manier, die sich einer nur denken konnte. Aber soweit kam ich nicht, zwei Hände hielten mich zurück, die schwer auf meinen Schultern lasteten. Befahlen mir, mich zu setzen. Raphael saß mir nun gegenüber. Wütend wollten die Worte über diese Ungeheuerlichkeit, an die Oberfläche. Er lächelte mich tatsächlich unverfroren an. Sofort verlor ich mich in diesem Blick, vergaß alles um mich herum. Es war als glitten wir im Takt, es gab nur ihn und mich, schwerelos miteinander verflochten eine Einheit, verknüpft ein Ganzes. Raphael ließ den Blick sinken, atmete tief durch und lehnte sich zurück. Soviel Abstand nehmend, wie es eben ging. Ich starrte auf meine Hände, die allein auf dem Tisch lagen und ein Schmerz durchzuckte mich, der mehr als Einsamkeit bedeutete. Seine Zurückweisung so deutete ich seine Reaktion, bestürzte und verletzte mich. Verlegen die Hände unter dem Tisch zusammenkrampfend, versuchte ich meine sonstige Ausgeglichenheit aufzuspüren. Da mir das misslang, steigerte ich mich in eine Wut, die jeden der mich kannte, erstaunt hätte. Das Entsetzen über diesen Abend, seine Lügen gegenüber Sue. All das stürmte auf mich ein. Schürte die Wut! Wie eine Flutwelle überspülte sie mich. Im gleichen Augenblick ließ ich ihr, auch schon freien Lauf. Bevor sie mich erstickte. „Wie kannst du es wagen, hier aufzukreuzen! Meiner Freundin die wildesten Geschichten zu erzählen. Wie kannst du es wagen, auch nur anzudeuten wir wären ein Paar und das auch noch brühwarm Sue zu servieren. Dann streichelst du mich mit einer Abgebrühtheit, als ob du jegliches Recht dazu hättest, das ich dir mein Einverständnis dazugegeben habe. Ja sogar den Eindruck erweckst, als ob ich dir noch viel mehr Freiheiten gewährt habe. Dann auch noch, als ob wir zukünftig ein Paar wären, dass ich damit einverstanden bin. Bist du irre? Hat man dir den Verstand geklaut? Hast du auch nur einen Moment daran gedacht, wie ich mich dabei fühle? Ich glaub das alles nicht.“ So wie meine Gedanken sich überschlugen, sprudelten die Vorwürfe aus mir heraus. Ein leises Lächeln umspielte den Mund dieses Verrückten. Dann ging mir ein Licht auf. Steif stand ich auf. „Ich nehme an, dass du die Rechnung begleichst, da du heute Abend ja so viel Spaß hattest, ist das nur gerecht.“ Ohne auf weitere Reaktionen zuwarten, sah ich zu, das Lokal so schnell wie möglich zu verlassen. An Toni gewandt „Der da zahlt! Und lass dir Zeit!“ Wie ich nach Haus kam, daran fehlte mir jede Erinnerung. In mir brannte die Scham, dass ich es hab überhaupt so weit habe kommen lassen. Warum bin ich nicht sofort eingeschritten? So oft habe ich gesehen, wie Menschen manipuliert wurden. Meine Freundinnen und auch meine Freunde haben sich bewusst und manchmal auch unbeabsichtigt von ihren Partnern beeinflussen lassen. Es war ein Albtraum, war das die Rache nur, weil ich ihn angerempelt habe? Nur so konnte ich mir das erklären. Wie sonst kam ein Mensch dazu, solch einen Schwachsinn zu erzählen. Hat er gewartet, bis er mich mit jemandem sah. Nur um mich zu erniedrigen, nun das war ihm gelungen. Mein Wohnzimmer war nicht groß genug. Ich lief schon bald im Kreis, die Scham und meine Wut auf mich selbst, ließ mich lange nicht zur Ruhe kommen. Auch nach einer unruhigen Nacht wütete ich über mich und Raphael. Dazu auch noch meine verräterischen Gedanken und Gefühle, ich wollte nicht mehr daran denken. Aber immer wieder entstand vor meinen Augen, dieses grüne Funkeln. Trotz meiner verzweifelten Bemühungen konnte ich es einfach nicht vergessen. Kurz entschlossen zog ich mich an. Ein strammer Spaziergang in der Morgenkälte; sollten meine Gedanken in die richtigen Bahnen lenken. Es musste noch sehr früh sein, denn die Straße wirkte noch verschlafen. Kaum war ich ein Stück gegangen hielt ein Auto neben mir. Unbekümmert ging ich weiter, bis ich meinen Namen hörte. „Claire, warte ich muss mit dir reden!“ Das gibt es doch nicht, jetzt hatte er auch noch die Frechheit vor meiner Tür zu lauern. Woher wusste er nur, wo ich wohne. Das Auto schoss an mir vorbei, nach einer Fluchtmöglichkeit Ausschau haltend. Drehte ich mich um und wollte schnell zurück ins Haus. Doch ich wurde von zwei Armen umfangen. „Wenn nicht in Ruhe, dann eben so!“ zischte Raphael mir ins Ohr, hob mich hoch und verfrachtete mich in sein Auto. Bevor ich auch nur den Hauch einer Chance hatte, aus den Wagen zu fliehen, saß er schon neben mir und gab Gas. Mit geradezu tödlicher Geschwindigkeit fuhren wir aus St.Paul hinaus. Schimpfend versuchte ich mich in aufrechter Position, zu setzen. Giftig wollte ich ihn anschreien. Nur wurde mir bewusst, wie schnell wir fuhren, also hielt ich lieber meinen Mund. Irgendwann musste er ja anhalten. Raphael konzentrierte sich auf die Straße, somit hatte ich heute das erste Mal die Gelegenheit ihn genau zu betrachten. Er hatte schwarze Haare, die sich scheinbar jeden Kamm wiedersetzten, sein Profil einfach nur markant, gewölbte Stirn, darunter Augenbrauen wie aufgemalt, gerade Nase ein sinnlicher Mund sowie ein eckiges Kinn. Alles passte zusammen! Als ob ein Bildhauer, seine ganze Kunstfertigkeit, für ein einziges Meisterwerk aufgewendet hat. Nur das dieses Kunstwerk gerade dabei war mich zu entführen, anstatt im Museum Staub anzusetzen. Je länger die Fahrt dauerte, desto zorniger wurde ich. Seltsamerweise fehlte mir jede Spur von Angst. Schlimmer, ich war nicht einmal besorgt. Schließlich war dieser Mann mir völlig unbekannt, wenigstens besorgt um mein Leben hätte ich sein müssen. Doch keine Spur davon, lieber wütete ich. Irgendwann in der Nähe von Afton, fuhr Raphael in einen Nebenweg, der Wald wurde hier dichter, Blätter und Äste streiften den Wagen. Nun war er, gezwungen langsamer zu fahren. Für mich eine Möglichkeit zu fliehen! Ich schätzte die Möglichkeiten die mir blieben noch ab, als Raphael an einem kleinen Platz anhielt. Er schaute stur aus dem Fenster. „Du kannst es dir aussuchen! Entweder bleibst du hier sitzen und erfrierst. Oder du versuchst zurück in die Stadt, zu kommen. Aber ich warne dich, hier fährt sonntags kein Auto vorbei. Die klügste Möglichkeit wäre einfach, mit mir hineinzukommen. Aber in deiner jetzigen Verfassung glaube ich nicht, dass du in der Lage bist, einen gut gemeinten Rat anzunehmen.“ Er stieg aus. „Wenn ich dir gesagt habe, was ich dir sagen will, fahre ich dich zurück.“ Die Tür schlug zu. So ein Blödmann! Glaubte der wirklich ich folge ihm wie ein Hündchen, dann erfriere ich eben. Soll ihm doch gleich sein. Entführt mich, als ob er das dreimal die Woche macht. Wie war er so schnell wieder ins Auto gekommen? Die Tür schlug hinter mir zu und fast im gleichen Augenblick saß er neben mir, startete den Wagen. Außerdem bin ich nicht gerade ein Leichtgewicht, dabei hat er mich aufgehoben und zusammengefaltet wie eine Puppe. Überdies was wollte dieser Unhold noch mit mir reden, sein Verhalten von gestern Abend sprach Bände. Es wurde verdammt kalt, das hat er sich ja gut ausgedacht, mich in diese Einöde zu bringen. Du hast die Wahl, von wegen Wahl. Mir blieb nichts anderes übrig als auszusteigen. Mit steifgefrorenen Gliedern krabbelte ich aus dem Wagen und sah mich um. Die Holzhütte fiel mir erst auf dem zweiten Blick auf. Das heißt, es sah so aus, als wäre eine da. Zu sehen war nur ein eine stark verwitterte Tür der Rest war von Buschwerk, Tannen und Schnee verdeckt. Na ja, vielleicht war darin wenigstens ein Ofen. Die Klinke herunterdrückend stemmte ich mich dagegen. Doch unglaublicherweise ließ sie sich sehr leicht öffnen und mir verschlug es die Sprache. Vor mir erstreckte sich ein riesiger Raum, fast schon ein Saal und nicht nur das, er wirkte als hieße er mich fröhlich willkommen. Vielleicht sollte ich mich zwicken, denn das was sich vor mir erstreckte, konnte einfach nicht wahr sein. Selten habe ich solch ein Gefühl empfunden. Jeder der eine eigene Wohnung hat macht es sich so gemütlich das Er sich darin wohlfühlt. Aber dieser Raum lud einen geradezu ein sich heimisch zu fühlen. Ob es der riesige Kamin, das Sofa; hätte nicht mal in meiner Wohnung Platz gehabt, die Essecke oder auch die Küche. Alles rief herzlich willkommen. Er strahlte eine Wärme aus, die keineswegs nur vom prasselnden Kamin herkam. Raphael stand links von mir, an einer Treppe, seine Jacke in der Hand. Liebenswürdig sagte er, „Willkommen in meiner Hütte, komm zieh dich aus.“ Ich zuckte zusammen, „Deine Jacke!“ schmunzelte er. Er nahm mir meine Jacke ab und legte sie zu seiner an der Treppe. „Nun stell dich nicht so an, geh hinein und wärme dich auf, ich hole dir etwas Heißes.“ Raphael stand ganz nah hinter mir, sein Atem strich leicht über meinen Nacken. In seiner Nähe vermochte ich nicht klar zu denken. Sofort wurde mir wieder heiß, kleine Flammen züngelten in meinen Leib. Kalt? Was ist das? Das war gar nicht gut. Vor mir entstand ein sehr realistisches Bild; in seinen Armen zu liegen, die langen kräftigen Finger die über meinen Leib streichelten. „Geh schon, du brauchst auch keine Angst haben, dass ich deine Bereitwilligkeit ausnutzen werde.“ Gab er mir sehr ernst zu verstehen. Was sollte denn das schon wieder? Konnte dieser Ganove etwa Gedanken lesen? Aber, wer so aussah, erwartete wahrscheinlich diese Reaktion – hier bin ich ein Bild von einem Mann! Reih dich in der Schlange hinten an. – Kein Wunder, so wie er da zur Küche ging. Lange Beine, knackiger Po und was für ein Kreuz! Ein Traummann mit einer Traumfigur! Fang ja nicht an zu sabbern Claire und konzentrierte mich lieber auf den Kamin. Gab mir einen Ruck und stellte mich in seine Nähe, meine Hände ausstreckend, die Wärme des Feuers genießend. Leise lachend kam Raphael mit einem Tablett zu mir. Mitfühlend schaute er von mir zum Kamin und wieder zurück. Achselzuckend setzte er sich im Schneidersitz auf den Teppich und stellte das Tablett ab. Dann klopfte er einladend neben sich. Da mir eine gewisse Distanz sicherer erschien, nahm ich lieber Raphael gegenüber Platz. Was er mit einem schiefen Grinsen quittierte. Das brachte mein Herz zu einigen unkontrollierten Sprüngen. Galant füllte er die Tassen mit Kaffee, goss mir Milch ein und ließ den Zucker langsam einrieseln. „Woher weißt du, wie ich meinen Kaffee trinke?“ ihn argwöhnisch ansehend. War mein Verfolgungswahn doch nicht nur eingebildet? „Gestern in der Pizzeria hast du Kaffee getrunken!“ Trotz seiner Versicherung zweifelte ich. Soweit meine Erinnerung reichte, saß nur ein Paar in der Pizzeria, keinerlei Spur von diesem Adonis. Nahm aber die Tasse entgegen. Vor allen Dingen achtete ich darauf Raphael nicht in die Augen zu sehen, sondern schaute auf seinen Mund. Was wiederum in mir den Gedanken erweckte, wie es wäre ihn zu küssen. Reiß dich zusammen, ansonsten wirfst du dich dem Kerl noch an den Hals, der ist sowieso schon eingebildet genug. „Was willst du also mit mir bereden?“ fragte ich deshalb besonders schroff. Das amüsierte Grinsen verschwand, „wie ich anfangen soll …“ die Worte kamen zögernd, „versuche einfach, ah nein …“ „Wir können das ganz einfach regeln.“ Mich geschäftsmäßig aufrichtend. „Du erklärst meiner Freundin deine Lügen. Sowie dein obskures Verhalten und damit sind wir dann quitt. Ich habe dich angerempelt, du hattest deine Rache!“ „Rache? Du meinst … ich hätte aus Rache …“ total begriffsstutzig starrte er mich an. Mein Gesichtsausdruck musste ihn wohl davon überzeugt haben. Mit einer Geschmeidigkeit, die ich nur bewundern konnte, sprang er auf die Füße. Eine Raubkatze in einem Käfig schön anzusehen, trotzdem extrem gefährlich. Er durchmaß den Raum, als wolle er nach draußen stürmen. Ich unterließ es, ihm anzuraten, eine Jacke mitzunehmen. Abrupt drehte er sich um und mit einer Geschwindigkeit, die ich nicht erfassen konnte, war er bei mir. Zog mich hoch, umfasste meine Hüfte und stemmte mich auf seine Augenhöhe empor. Seltsamerweise hatte ich keine Angst. Mein Selbsterhaltungstrieb schien sich verabschiedet zu haben. Wütend starrten wir uns an. Er schloss die Augen, atmete tief durch und ließ langsam die Luft entweichen. Leise, sehr leise, mit kontrollierter Stimme. „Also gut, jetzt hast du mir deinen Standpunkt klar gemacht. Zum zweiten Mal! Du musst mich wirklich für einen Irren halten, aber das bin ich nicht!“ Ja dachte ich, wer anders als ein Verrückter benahm sich so. „Claire höre mir gut zu, ich bin nicht verrückt! Jetzt hörst du mir zu und du wirst mir die Zeit zugestehen, die ich brauche, ohne deine hirnrissigen Kommentare! War das deutlich genug.“ Er schlug die Augen auf und wartete, während mir bewusst wurde, dass er mich in seinen Bann zog. Raphael erwartete eine Antwort. Nickend fügte ich mich. „Gut!“ zögernd um Fassung ringend, sagte er „Setz dich!“ „Ähm, ich kann nicht …“ und sah an uns herunter. Raphael hielt mich immer noch, ich hatte mich an seiner Schulter gekrallt meine Beine baumelten gut zwanzig Zentimeter über den Boden. „Selten hat es ein Mensch es geschafft, mich so wütend … wie du es gerade getan hast …“ bebend um Beherrschung ringend, fixierte er mich. Widersprüchliche Gefühle spiegelten sich in seiner Mimik. Fasziniert beobachtete ich sein Gesicht jede neue Regung, die blitzartig wechselte, sog ich auf. Atemlos verfolgte ich den Sturm, ohne dass es mir bewusst wurde, näherte ich mich ihm. Meine Arme lagen um seinen Hals, unsere Gesichter waren sich so nah, dass ich seinen Atem spürte. Ich spürte mein Herz im Hals schlagen. Jäh veränderte sich der Ausdruck in Raphaels Gesicht, reserviert kalt, wendete Raphael seinen Blick ab. Ließ mich herunter und wandte sich dem Kamin zu. Wie aus einer Trance erwachend, versuchte ich mich wieder zu finden. Dieser Mann brachte es tatsächlich fertig mein seelisches Gleichgewicht, zu zerstören. Für einen kurzen Augenblick wollte ich von ihm umarmt werden. Mehr gestand ich mir mit brennenden Wangen nicht ein. Vom Kamin hörte ich das Holz knistern, das Feuer war so stark das Es in den Raum leckte. Raphael schichtete unnötig Holz nach, er betrachtete die Flammen. „Wenn du dich jetzt bitte setzen würdest.“ Kam es angestrengt herüber. Froh, dass mir noch die Zeit blieb, in meine normale Gesichtsfarbe zu wechseln, nahm ich auf dem gemütlichen Sofa Platz. Ein kurzer Blick von Raphael um sich zu überzeugen, ob ich seiner Aufforderung nachgekommen war. Seufzend richtete er sich auf, „das jemand so von mir denkt, du diese Meinung von mir hast, bringt mich ganz schön in Rage. Ich weiß, dass du mich nicht kennst, aber ich hatte das Gefühl du wärest eine bessere Menschenkennerin. Darin habe ich mich geirrt. Nun zu deinen Vorwürfen. Weder jetzt noch irgendwann wirst du erleben dass ich Lüge. Wenn du dich an das Gespräch erinnerst, ich habe mit keinem Wort gelogen!“ Entrüstet wollte ich ihm ins Wort fahren, er aber hob seine Hand. „Lass mich ausreden“ nachdenklich sah er mich an, „ich fange im Supermarkt an, dein Angriff“ schmunzelnd sann Raphael vor sich hin, „auf mich! Als Erstes war ich überrascht, zum Zweiten fasziniert, und dann bevor ich reagieren konnte, rauscht du wie eine Primadonna an mir vorbei“, grinste Raphael in sich hinein, „schon warst du weg. Ich ging zum Ausgang um dich abzufangen, wollte mich für mein rüdes Benehmen entschuldigen“, jetzt lachte er, „aber du, ehrlich wie eine Furie. Ich wollte keinen Aufruhr in dem Supermarkt riskieren.“ Spöttisch sah er mich an. „Was ich dabei außer Acht ließ, dass ich dich gegen mich aufgebracht habe. Das wiederum tat mir leid. Jaa, und dann sah ich dich!“ murmelnd nahm er seine Tasse trank einen Schluck, „Du gingst in die Pizzeria. Den ganzen Abend beobachtete ich dich, je mehr ich von dir sah, dich ergründete. Wie du mit dem Kellner flirrtest, mit deiner Freundin sprachst ihr miteinander geredet, gelacht habt. Ich wollte, musste dich kennenlernen. Das Problem war unsere erste Begegnung. Ich ließ dir keine Chance, falls du dich an mich erinnern solltest. Deshalb habe ich mich Sue auf diese Art vorgestellt. Aber dieser Schuss ging nach hinten los.“ Er ging auf und ab, ungläubig hörte ich zu. „Deswegen wartete ich heute Morgen vor deiner Wohnung. Als du dann hinauskamst, nahm ich die Gelegenheit wahr.“ Gab er mit entwaffnender Ehrlichkeit zu. „Ich habe nicht geplant dich mit hierher zu nehmen, mir fiel nichts Besseres ein, um mit dir in Ruhe zu reden. Das ist ein idealer Ort, denn du kannst mich hier nicht einfach stehen bzw. sitzen lassen und mir den Kellner auf den Hals zu jagen.“ Raphael ließ sich auf das Sofa fallen, „so wenn du jetzt über mich herfallen willst, bitte. Ich stehe dir Rede und Antwort, soweit ich das kann. Eines möchte ich noch vorausschicken. Ich würde mich wirklich freuen einen Freund wie dich zu haben.“ Ergänzte er seinen Dialog. Erstaunt ließ ich mir seine Darstellung der Geschehnisse durch den Kopf gehen. Ich schaute auf meine Hände, obwohl ich seine Darlegung gehört und viele Fragen dazu hatte, eines Verstand ich genau. Er wollte einen Freund mehr nicht. Die Tragik meines Lebens ein Kumpel auf Lebenszeit. Bisher war das niemals ein Problem für mich, doch bei Raphael tat es weh. Bitter schluckte ich meine Enttäuschung nieder. Antworten, die konnte ich bekommen und legte auch schon los. „Das im Supermarkt ist verständlich, vielleicht habe ich überreagiert, das kann durchaus möglich sein.“, entschuldigend sah ich zu ihm herüber, entspannt nickte Raphael mir zu. „Aber was mich interessiert, warum hast du so nah hinter mir gestanden? Wenn ich richtig überlege, es hätte keine Zeitung zwischen uns gepasst. Das erkläre mir mal.“ Raphaels Augen verdunkelten sich. „Das kann ich dir nicht erklären, es war einfach so.“ Schulterzuckend sah er mich an. „Wenn das alles ist …“ „So leicht kommst du mir nicht davon! Ich sehe ein im Laden haben wir beide uns falsch verhalten. Aber warum hast du mich bei Toni, nicht direkt angesprochen? Schließlich habe ich eine Weile auf Sue gewartet.“ Sich vorbeugend, die Hände ineinander verschränkt. „Du warst in ein Gespräch vertieft, es erschien mir richtig dich und deinen … ähm Verehrer in Ruhe, zu lassen. Sobald er beschäftigt war, wollte ich dich ansprechen, aber da kam auch schon deine Freundin. Deshalb wartete ich, als ihr Anstalten machtet aufzubrechen ließ ich euch den Wein bringen.“ „Mein Verehrer?“ Überlegte ich zweifelnd. „Ja, der Kellner! Ihr seid doch liiert?“ „Nein, bestimmt nicht. So dumm bin ich keineswegs. Toni ist nett, aber ein netter Frauenheld.“ Amüsiert sah ich ihn an. Entspannt grinsend lehnte er sich zurück. „Aber dieser Toni …“ „Da gibt es kein aber!“ schnitt ich Raphael das Wort ab, unwirsch fragte ich, „wieso hast du Sue eine solche Lüge aufgetischt?“ „Was habe ich denn gesagt! Dass wir uns näher gekommen sind. Das stimmt doch auch, du bist in mich hineingerannt! Näher, dichter aneinander geht es kaum noch. Das überspannt zwar die Tatsache aber trotzdem wahr.“ Schmunzelte er, „dann wollte ich dich nicht in Verlegenheit bringen und deiner Freundin erklären, wie wir uns kennengelernt haben. Schließlich hast du ihr unsere Begegnung verschwiegen. Dann wollte ich diesem Toni in seine Schranken verweisen, er führte sich auf als habe er alle Rechte auf dich.“ Schloss er heiter. „Du wolltest mich keiner Verlegenheit aussetzen, Toni in seine Schranken weisen …“ japste ich nach Luft ringend, „wie kann ein Mensch allein, so unglaublich, so …“ meine Stimme überschlug sich, „unverschämt genau das bist du, du ausgewachsener …“, mir fehlten die Worte, ich sprang auf, er saß lümmelhaft da, völlig locker, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, feixend. Meine Hände zu Fäusten geballt, hätte ich ihn am liebsten eine Rechte verpasst. Dies war eine ganz neue Seite an mir. Aber dieser überhebliche Mistkerl hatte sich dies Selbst zu zuschreiben. Irgendetwas das Ich ihn an den Kopf werfen konnte. Um diesen dreisten Ausdruck aus seinem Gesicht zu tilgen. Mein Blick irrte umher, das Einzige in meiner Reichweite war, ein Kissen, ich stellte mir vor es wäre ein Holzscheit. Schon hatte ich es in der Hand und schleuderte es mit aller Kraft, die mir zur Verfügung stand. Noch bevor das Kissen ihn traf, war Raphael auf den Beinen, verringerte die zwei Meter zwischen uns, in einem Sprung. Rückwärts stürzte ich auf das Sofa, von Raphael umklammert. Nach Luft schnappend versuchte ich mich, zu befreien. Was schier unmöglich war, denn der Herr lag mich festhaltend auf mir. Mit einem sardonischen Lächeln bemerkte er ganz nebenher. „Nun du kleine Furie!“ ernster werdend, „jetzt wollen wir doch mal Klartext reden. Du regst dich gar nicht mal so darüber auf, was ich zu Sue sagte. Vielmehr was ich getan habe oder nicht getan habe!“ grüne Blitze schossen auf mich herab, „oder deiner Reaktion auf mich – wie sagtest du > streichelst du mich mit einer Abgebrühtheit, als ob du ein Recht dazu hättest, < ja, aber wie du darauf reagierst, erwähnst du nicht.“ Fragend sah er mich an. „Das spielt überhaupt keine Rolle, ich verhalte mich nicht wie eine Irre. Es geht ganz allein um dein Benehmen.“ „Auf wen bist du denn wütender? Ich glaube mehr auf dich!“ grinste er mich an. Protestierend schüttelte ich den Kopf, doch Raphael sah über meinen Einspruch hinweg. „und wie soll ich diese Blicke verstehen Claire? Mit denen du mich in deinen Bann ziehst! Du lockst, versprichst aber im nächsten Augenblick greifst du mich an.“ Empört richtete ich mich auf, soweit es ging, „Da verdrehst du aber die Tatsachen und das weißt du ganz genau …“ „Oh nein, du bist diejenige die mich ständig provoziert, wirfst mir vernichtende, dann hochnäsige Blicke zu. Nebenbei versprechen sie den Himmel auf Erden. Jedoch will ich mit dir vernünftig reden, attackierst du mich. Gerade eben bombardierst du mich mit einem Geschoss.“ Amüsiert lächelnd betrachtete er mich. Völlig sprachlos hörte ich zu, sollte es so sein? Konnte es sein, das ich die gleiche Anziehungskraft die er auf mich ausübte, auf Gegenseitigkeit beruhte. Seine nächsten Worte abwägend fügte er hinzu, „Claire was soll ich mit dir machen? Mit uns!“ berichtigte Raphael sich, „ich wollte ich könnte dich ewig so halten. Alles, um uns herum vergessen.“ Schmetterlinge tanzten durch meinen Magen, indessen zog er sich zurück, ließ mich allein dort sitzen. Gepresst stieß er zwischen den Zähnen hindurch. „Aber ich sollte, muss nun einmal realistisch denken. Alles, was ich dir anbieten kann, ist Freundschaft.“ Fassungslos konfus fragte ich. „Wieso?“ Alles in mir wollte zu Raphael! Noch nie hatte ich das Bedürfnis, wie jetzt, mich an ihn zu schmiegen. Ich verstand mich selbst nicht. Schließlich war er ein Fremder. Raphael schien das Gleiche zu empfinden, was war der Grund. Er ist verheiratet, die einzig vernünftige Erklärung! „… bist du verheiratet? Ich meine gebunden in einer festen Beziehung.“ „Gebunden?“ Nachdenkend in sich gekehrt, leise, als wenn er zu sich selbst spräche. „Ja so kann man es nennen.“ Lauter „Gebunden ja das bin ich, daran ist nichts zu ändern.“ Ruhig sah Raphael mich an, sein Gesicht betrachtend, überschlugen sich meine Gedanken. Fakt war, ich fühlte mich zu Raphael hingezogen, wie eine Mücke vom Licht. Doch war ich so dumm wie ein Insekt und wollte mich verbrennen. Indem ich alle moralischen Prinzipien außer Acht ließ, gerade die einer Ehe, konnte ich das? Die Antwort wusste ich bereits, bevor ich sie auch nur in Erwägung zog. Nein dazu war ich außerstande. Mir blieben zwei Möglichkeiten beide gefielen mir nicht im Geringsten, keinesfalls wenn ich Raphael ins Gesicht sah. Ihn nie wieder zu sehen, das wäre kein Weltuntergang, ein kleiner Schmerz, über den ich hinwegkam. Dennoch seinen Vorschlag annehmen? ´Freunde` schal schmeckte das, doch andersherum, warum nicht! Viele Freunde konnte, ich nicht mein eigen nennen, eigentlich eine Freundin. Sollte man nicht dankbar sein, für jede Freundschaft. War eine Bekanntschaft die sich, entwickelte nicht beständiger als eine Beziehung. Doch konnte ich in Raphael nur einen Freund sehen? „Claire?“ Raphael studierte mein Mienenspiel, mit forschendem Blick, „du bist so in deine Gedanken vertieft, dass einem Angsteinjagen kann. Ist es zu viel verlangt, an deinen Grübeleien teilzuhaben?“ „Nein eigentlich kein Problem“ zögernd nahm ich meine Außenwelt wahr, Raphael saß wieder vor dem Kamin, zu mir hinaufschauend, „es fällt mir schwer mich auszudrücken …“ „Darf ich dir helfen?“ bittend, nickend gab ich mein Einverständnis. „Deine Überlegungen gehen dahin die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen; erstens dein eigenes Verlangen durchzusetzen. Aber dieser Weg ist völlig undenkbar.“ Bitter kamen die Worte, hölzern fuhr Raphael fort, „der nächste Schritt wäre dann, jetzt zu gehen auf ein Nimmerwiedersehen. Was bleibt ist bei Weitem nicht unkompliziert. Trotz allem ist Freundschaft der langlebigste Teil in einem Menschenleben. War das einigermaßen korrekt?“ Erstaunt über die Aufgliederung meiner Überlegungen, empfand ich es doch merkwürdig, wie genau Raphael die Zusammenfassung darlegte. Als wenn meine Gedanken für ihn ein offenes Buch wären. „Das war eine präzise Bilanz und kannst du mir auch sagen, wie das Ergebnis daraus lautet?“ Herausfordernd musternd. „Was meinst du, deine Entscheidung triffst du allein! Dürfte ich diese fällen“, erklärte er mir bedauernd, „würden wir uns über andere Themen unterhalten.“ „Nun gut, Freunde!“ wider besseres Wissen kamen die Worte heraus. Wie um alles in der Welt konnte ich mich so entscheiden? Waren meine Instinkte völlig verloren gegangen? Raphael beobachtete mich ohne unterlass. Um die angespannte Atmosphäre aufzulockern, setzte ich mich hinunter, „Wem gehört diese bescheidene Hütte?“ ein kleiner Versuch die intensive Stimmung zu lockern. „Diese bescheidene Hütte,“ grinste Raphael und ging auf meinen Ton ein, „gehört zwei Freunden und mir, ich nutze sie zurzeit allein. Möchtest du den Rest meiner Bleibe sehen?“, dankbar, dass Raphael, auf ein leichteres Thema einging, willigte ich ein. Sofort stand Raphael und half mir auf die Beine, „Die beiden Zimmer neben dem Kamin gehören meinen Freunden, leider müssen wir diese auslassen. Da wir uns gegenseitig versprochen haben, niemals das Zimmer des anderen zu betreten.“ „Warum das, gerade bei Freunden dürfte, das kein Problem sein.“ „Nun ja, wenn man sich lang genug kennt, ist man dankbar für ein Rückzugsgebiet. Außerdem wirst du es verstehen, wenn du die beiden kennenlernst!“ „Werde ich?“ „Aber sicher, ich bin gespannt, wie du auf sie reagierst.“ Hänselte er mich, mit einer gewissen Neugier im Blick. „Oder sie auf mich!“ bemerkte ich anzüglich. „Sie werden dich mögen. Vielleicht viel zu sehr!“ murmelte er vor sich hin. Währenddessen waren wir in die obere Etage gelangt. Hier gab es eine geräumige Diele, von ihr gingen zwei Türen, ab. Raphael öffnete die Erste dahinter lag ein Bad, mit einer Badewanne so groß, dass bequem zwei Personen hineinpassten. Zur nächsten Tür deutend, „Das ist mein Reich!“ schnell nahm er meine Hand, betrat das Zimmer und zog mich hinterher. Der Raum war in dunklem Holz gehalten, und wie ich sah, in zwei Bereichen geteilt. Der Vordere war ein Arbeitszimmer mit Schreibtisch, Aktenschrank und Regalen, die als Raumteiler genutzt wurden. Gegenüber dem Schreibtisch stand ein kleines Sofa. Es wirkte beruhigend und behaglich. „Und was treibst du hier so?“ „Arbeiten korrigieren!“ fragend sah ich ihn an „Später! Ich zeig dir erst den Rest.“ Also betrat ich den hinteren Teil, darin stand ein Bett von riesigem Ausmaß. „Wow, wo bekommt man denn solch ein Ungetüm her?“ und betrachtete staunend das Bett. Lachend und sichtlich stolz, „Das habe ich selbst gebaut, darin muss ich weder Beine noch Arme einziehen.“ In Gedanken fügte ich hinzu und deine Frau hat genug Platz. „Claire du bist der einzige Mensch, den ich mit hierher genommen habe, verstehst du!“ Gefangen in seinem Blick, bekam ich kein Wort heraus. Röte schoss mir ins Gesicht, ich wendete mich ab und fragte mich wiederholt wie er es schaffte meine Gedanken, zu erkennen. Verwundert über Raphaels Bemerkung, wie er betonte, ich sei die einzige Person, die er mit hierher genommen hat. Irritiert nahm ich ein Buch schlug es wahllos auf. Ohne den Inhalt zu sehen, bemühte mich mein inneres Gleichgewicht zu finden. Seufzend ging Raphael hinüber zu seinem Schreibtisch. „Wie gesagt keineswegs einfach.“ Murmelte er. Durch das Regal spähend sondierte ich die Lage. Raphael schob einige Akten hin und her. Plötzlich aufschauend, als hätte er bemerkt, dass ich ihn beobachtete sah, er mich an. „Und was machen wir mit dem angefangenen Tag? Willst du etwas unternehmen?“ „Eigentlich würde ich gern mehr über dich erfahren.“ Hinter dem Regal hervortretend setzte ich mich auf das Sofa, „zum Beispiel womit verdienst du dein Geld, wo wohnst du? Beziehungsweise wo ist dein Heimatort, deine Interessen, Hobbys. Warum lebst du derweil hier und ein paar weitere Infos.“ „Ah, ein Verhör, na gut Frau Inspektor, womit soll ich anfangen. Warten sie, darf ich vorschlagen, dass wir die Befragung im Wohnzimmer beginnen und dabei einen Happen essen. Denn ehrlich gesagt habe ich gestern Mittag das Letzte zu mir genommen.“ Dagegen war nichts einzuwenden, somit gingen wir hinunter. Raphael steuerte die Küche an. „Mach es dir vor dem Feuer bequem, während ich schnell etwas zubereite.“ Bestätigend befolgte ich seinen Wunsch, vor dem Kamin stand der inzwischen kalt gewordene Kaffee. Ich stellte die Tassen auf das Tablett und ging damit in die Küche. Raphael belegte Sandwiches, ohne von seiner Arbeit aufzusehen, erkundigte er sich, „Ist das Okay? Ich kann auch etwas in den Ofen schieben.“ „Nein das brauchst du nicht, das reicht. Soll ich frischen Kaffee oder Tee zubereiten?“ „Jetzt hilfst du ja doch, Kaffee ist gut. Denke, den werde ich brauchen, um dein Kreuzverhör zu überstehen.“ Spöttelte der Herr. Nebeneinander bereiteten wir alles zu und setzten uns vor dem Kamin. Von allein begann Raphael, zu erzählen. „Einen festen Wohnsitz wie allgemein üblich habe ich nicht, da dies mein Beruf mit sich bringt. An verschiedenen Orten habe ich oder besser gesagt wir dergleichen wie hier. Aus demselben Grund habe ich kein festes Hobby, es kommt darauf an, wo ich mich gerade aufhalte. Das ist im Großen und Ganzen alles, was es über mich zu berichten gibt.“ „Nicht gerade viel für einen Mann!“ zog ich ihn auf. „Was soll das heißen?“ „Normalerweise können Männer gar nicht genug über sich erzählen, du bist die erste Ausnahme!“ „Ah und du hast die große Erfahrung über die männliche Selbstdarstellung!“ stellte er dreist fest. „Aber ja!“ grinste ich „Wofür interessierst du dich?“ „Madam verfolgt stur ihren Weg! Hm, Musik, Bücher ich lese gern, alte Kulturen.“ „Wieso lebst du hier? Du sagtest du seist erst vor Kurzem hierher gezogen. Doch wenn ich das Haus sehe, bezweifle ich das.“ „Ich bin vor Kurzem aus Europa gekommen, dort war für einige Jahre mein Heim. Zuvor habe ich in den Staaten gelebt ebenso in Kanada und einigen anderen Ländern. Nach Saint Paul hat man mich eingeladen und gebeten vorübergehend eine Lehrtätigkeit zu übernehmen.“ Überrascht schaute ich ihn an. „Ein Lehramt?“ Raphael an einer Highschool ich konnte es mir direkt vorstellen, wie die Mädchen reihenweise durchdrehten. „Du“ prustend vor unterdrücktem Lachen „und ein Lehrer, das hätte ich nicht gedacht.“ „Danke für dein Vertrauen, ich bin ein guter Lehrer!“ lobte er sich ungeniert. Immer noch grinsend „versteh mich nicht falsch, aber ein vertrockneter Pauker! Du! Ich sehe es direkt vor mir, wie du versuchst deinen Schülern insbesondere Schülerinnen, etwas beizubringen. Während die Mädchen ganz andere Flausen im Kopf haben.“ Raphael betrachtete pikiert seine Hände, aufschauend legte sich ein Schmunzeln um seine Mundwinkel aus dem ein herzliches Lachen wurde. „Das ist wirklich ein ernstes Problem, versuch dieser Meute mal was einzubläuen. Dann bin ich halt streng und ein vertrockneter Pauker. Ich glaube meine Schützlinge hassen mich zu weilen.“ „Zu weilen?“ „Ich gebe mich geschlagen, ständig!“ gab er mit theatralischer Miene zu. Aufgrund dieser gelösten Stimmung verging der Nachmittag. Erst als Raphael das Licht anschaltete, wurde mir bewusst, wie schnell die Zeit verging. Ich musste nach Haus, denn dort erwarteten mich noch einige Pflichten. Dies teilte ich Raphael mit. Ungern verließ ich die anheimelnde Hütte. Fröstelnd liefen wir zum Auto nach der behaglichen Wärme vor dem Kamin kam mir die Kälte extrem vor. Schweigsam fuhren wir zurück, jeder seinen Gedanken nachhängend, ohne dass es eine unangenehme Stille war. Eine halbe Stunde später standen wir schon vor meiner Wohnung. „Claire danke für diesen“ zögernd, „aufschlussreichen Tag.“ In der Dunkelheit konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, doch ich spürte sein Lächeln mehr, als ich es sah. „Nun darin kann ich dir zustimmen. Ich wünsch dir einen schönen Abend.“ Und griff zur Tür. “Claire hast du ein Problem?“ verunsichert ließ ich meine Hand sinken. „Nein, wie kommst du darauf?“ Leise aufschnaufend meinte er, „Raphael, so lautet mein Name! Claire!“ unsere Vornamen besonders betonend, zum Glück war es dunkel im Wagen. Meine Wangen glühten vor Verlegenheit. Ich war mir wohl bewusst, dass ich es bisher vermied, ihn bei seinen Namen anzusprechen. Anstatt darüber hinweg zu sehen, musste er mich darauf ansprechen. Abwartend und ich könnte schwören, dass er frech grinste, blitzten seine Augen in der Dunkelheit auf. Tief einatmend brummte ich, „Raphael, nun zufrieden?“ „Für den Anfang, ja!“ jetzt hörte ich sein Lachen heraus, wütend auf uns beide, mehr auf mich als auf Raphael, stieg ich aus. Immer noch lachend rief er hinter mir her. „Wir sehen uns, Claire!“ natürlich meinen Namen akzentuiert. Ich schlug die Autotür fester als nötig zu und stiefelte zur Haustür. Ohne mich noch einmal umzudrehen, schloss ich auf und ging hinein. In meiner Wohnung schoss ich zum Fenster, um zu sehen, ob Raphael abgefahren war. Nein natürlich, er stand an seinem Wagen gelehnt und winkte mir zu. Dann verbeugte er sich affektiert, stieg ein und fuhr ab. Zähneknirschend wandte ich mich ab. Erst sah ich zu, meine Klamotten in Ordnung zu bringen, danach ein Fertiggericht ab in den Backofen. Anschließend den wöchentlichen Rapport bei meiner Mutter, zu erledigen. Das Gespräch verlief schleppend, denn interessante Neuigkeiten gab es nach den paar Tagen nicht. Auch ihre unterschwellige Verärgerung über unseren Streit war klar heraus zuhören. Deshalb war ich froh, das Gespräch vorzeitig zu beenden. Mein Essen musste aus dem Backofen! Ein Buch schnappend kuschelte ich mich auf das Sofa. Anstatt zu lesen, ließ ich den Tag Revue passieren. Dabei hatte ich ein Gesicht vor Augen, grüne Augen, die mich wütend, überlegend, studierend und lächelnd ansahen. Eine Facette anziehender als die andere, wenn sein Lächeln sich ausbreitete, den sinnlichen Mund berührend, verschwand der bittere traurige Ausdruck aus seinem Gesicht. Wie viel Leid er schon erfahren haben musste. Doch er hatte sich einen trockenen zuweilen sarkastischen Humor erhalten. Seine Vielschichtigkeit, an alles interessiert zu sein, sein … Das Telefon riss mich aus meinen Gedanken. „Hey ich bin es, wo warst du den ganzen Tag? Egal, erzähl mir alles über diesen Traum von einem Mann!“ sprudelte Sue los, erwartungsvoll schwieg sie. Wo sollte ich anfangen oder besser was sollte sie erfahren? Sue war meine Freundin, doch meine Scheu ihr die Wahrheit, zu erzählen siegte. „Was willst du wissen?“ es war besser; lieber Fragen zu beantworten, als eventuell neue aufzuwerfen. Über die ich selbst noch nachdenken musste. „Woher … wie … seid ihr ein Paar, wie lange schon? Warum hast du es verschwiegen?“ floss es aus ihr heraus. Ich verdrehte die Augen, Sue würde keine Ruhe geben. Kurz entschlossen entschied ich mich Raphaels Täuschung, anzuwenden. „Sue wir kennen uns eine Weile.“ Das war keine Lüge! „Wir sind befreundet das ist alles.“ „Willst du mich verkohlen? Freunde sehen sich anders an! Ich bekomme immer noch ganz weiche Knie, Claire ihr habt euch auf eine Weise angesehen … da kann man neidisch werden. Du hast geglüht wie ein Reklameschild als er dir den Nacken gestreichelt hat Claire! Das war keine Scham, sondern pure Erotik! Jetzt erzähl mir keine Märchen, sondern was ist das zwischen euch?“ „Freundschaft, Sue!“ sagte ich bestimmt. „Wenn das alles ist, Claire, darf ich dann mein Glück versuchen?“ herausfordernd schlug Sue eine neue Taktik an, nun musste ich schmunzeln. Neugierig, wie sie auf meine Retourkutsche reagierte. „Bitte, aber er ist verheiratet!“ sie schnappte hörbar nach Luft. „Oh, das verschlägt mir die Sprache, nun ich verstehe. Tut mir leid, dass ich dich bedrängt habe.“ Das sagte sie in einem bemitleidenswerten Ton. „Eine unglückliche Liebe, ihr habt euch kennen und lieben gelernt. Er ist verheiratet, wie romantisch. Kein Wunder, das du das verdrängst. „Hörst du mal auf, wie du das schilderst, ist das absolut falsch. Wir haben uns kennengelernt ja! Raphael hat kein Geheimnis daraus gemacht, das er gebunden ist. Wir sind Bekannte, das war es im Großen und Ganzen.“ „Ja und trotzdem habt ihr euch ineinander verguckt!“ „Sue!“ warnte ich sie. „Und noch eines meine liebe Claire, irgendetwas verschweigst du mir. Aber ich lasse es dabei bewenden. Wann seht ihr euch?“ Ich hütete mich, irgendetwas zu ihrem Kommentar zu sagen, wir beide wussten, ein weiteres Gespräch würde folgen. „Keine Ahnung, irgendwann, wenn wir uns über den Weg laufen.“ Das ließ ich so im Raum stehen und Sue ließ von dem Thema ab. Wir unterhielten uns eine Weile und beendeten dann das Gespräch. Wann seht ihr euch? Diese Frage wirbelte in meinen Kopf wie ein Kreisel. Die nächsten Tage und Wochen ratterten an mir vorbei, Sue ließ mich mit Raphael in Ruhe. Wir verbrachten unsere Mittagspausen wie gewohnt außerhalb der Bücherei. Obwohl ich das Gefühl hatte, das sie mich beobachtete, manchmal mit fragendem Ausdruck. Doch sie hüllte sich in Schweigen, dafür war ich ihr dankbar. Denn es reichte mir, des Nachts ständig von Raphael zu träumen, wenigstens am Tage wollte ich vor ihm Ruhe haben. Ich war auch der Meinung, dass es das war. Raphael hatte sich entschuldigt, was ihm anscheinend als wichtig erschien. Wir verbrachten einen netten Tag miteinander! Akte geschlossen. Oft beschimpfte ich mich, als dumme Kuh, weil ich weiterhin an ihn dachte. Sue holte mich aus meinen Träumereien und erzählte mir von dem bevorstehenden Winterkarneval. „Wir gehen Morgen hin und schauen uns die Parade an, ich hole dich ab …“ „Das ist unnötig, wir treffen uns dort, Sue!“ ein Rieseln ging durch meinen Körper, mein Herzschlag setzte aus. Lachend setzte Raphael sich zu uns. „Guten Tag, ihr zwei! Ihr habt doch keine Einwände, wenn ich mich euch anschließe? Denn ich wollte Claire morgen früh entführen.“ Keck lachend, „Es ist doch richtig, du hast morgen deinen freien Samstag?“ Woher wusste er das nun schon wieder! „Ja schon, aber ich gehe erst in die City.“ Zurückhaltend sah ich ihn an, doch das übersah Raphael geflissentlich. „Sehr gut! Wann treffen wir uns? Du solltest morgen erst ausschlafen. Denn du siehst ein wenig übernächtigt aus. Stimmt doch, Sue?“ „Ja, woran das wohl liegen mag, Raphael!“ herausfordernd beugte Sue sich vor. Das reichte mir. Erst über meinen Kopf hinweg entscheiden, dann diese Anspielungen! „Sue wir müssen los … wir sehen uns Raphael!“ seinen Namen anzüglich betonend, herausfordernd lächelnd stand ich auf. Dabei war es mir gleich das sich unsere Blicke kreuzten. So! Du kleiner Schwerenöter, geh lieber zu deiner Frau, als meinen freien Tag zu verplanen. Es war ein Fehler, das erkannte ich sofort. Provozierend erhob sich Raphael und versperrte mir den Weg. Ein anzügliches Grinsen auf den Lippen kam er näher. So das Ich nur seine Augen sah, standen wir uns gegenüber. Grimmige Wogen stürzten auf mich ein. Gar nicht mehr mutig trat ich instinktiv zurück, stolperte über meinen Stuhl. Raphael bekam mich zu fassen, zog mich zu sich heran und ich landete hart an seiner stählernen Brust. „Alles in Ordnung, mit Dir?“ fragte Raphael besorgt, vorsichtig hob er mein Kinn an. Etwas flackerte in seinem Gesicht auf, sofort kündigten meine Beine ihren Dienst. Aber die Waren sowieso überflüssig denn Raphael hielt ja mich fest in seinen Armen. Langsam senkte er seinen Kopf, fragend, bittend, forschte er um mein Einverständnis. „Claire! Raphael!“ donnerte Sues Stimme durch mein Hirn. Keinen klaren Gedanken fähig, stand ich nur da. Spürte, wie Raphael mich losließ. Langsam nahm ich meine Umwelt wahr, hörte Sues missbilligendes Grunzen. Raphael schaute mich bestürzt an. „Das … so sollte … tut mir leid.“ Stotterte Raphael, wandte sich ab und ging. Die Tür fixierend keines Gedanken fähig. Bis ich bemerkte, dass Sue an meinen Pullover zupfte. „Komm, wir kommen sonst zu spät.“ Meine Jacke vor die Nase haltend drängte sie mich hinaus. „Los beeile dich, sonst hast du gleich noch mehr Probleme, als in einem verheirateten Mann verliebt zu sein.“ Abrupt blieb ich stehen. „Verliebt?“ „Verdammt Claire!“ Stöhnte Sue auf „Das war mein Fuß!“ humpelnd kam sie um mich herum. „Willst du das abstreiten? Ich habe Augen im Kopf! Nicht nur ich, das ganze Cafe war Zeuge! Claire das war … die beste Liebesszene, die ich bisher gesehen habe. Da war eine Art Aura um euch; die von euch ausging. Mein Gott Claire das ganze Cafe war verzaubert. So wie ihr … ihr ward völlig weg!“ Sue schwieg einen Moment dann zerrte sie mich weiter. „Aber er ist verheiratet das solltest du dir vor Augen halten und ich kenne dich! Du darfst diese Beziehung keineswegs vertiefen, ansonsten gehst du daran kaputt. Das Beste, was du – ihr tun könnt – geht euch aus dem Weg. Bevor ihr euch und andere verletzt.“ Nur im Hintergrund hörte ich Sue reden – verliebt? Stimmte das? Sympathie ja, eine gewisse Chemie ja, die wahr vorhanden! Aber verliebt? Nein, dazu gehörte wohl ein bisschen mehr! Was bedeutete das überhaupt verliebt? Undenkbar! Sue irrte sich, aber gewaltig. „Du denkst in die falsche Richtung Sue. Ich bin keineswegs verliebt, wir sind Freunde eher Bekannte.“ Erläuterte ich japsend, denn Sue schupste mich unaufhaltsam zur Bücherei, als sei der Teufel persönlich hinter uns her. „Ja, ja rede dir das nur ein Claire Garret, aber ich weiß was ich gesehen habe! Heute Abend erkläre ich dir einige Dinge, mein Fräulein! Du kommst mir zu mir!“ keuchte sie und trieb mich weiter. Im Laden verstand Sue es, mir aus dem Weg zu gehen. Sobald ein Moment Ruhe herrschte, ging sie zu Molly, oder führte ein Telefonat. Zudem war an diesem Nachmittag wirklich viel zu tun. Molly schickte mich runter in das Gewölbe, weil irgendein Professor einige Bücher zum Wochenende benötigte. Also nahm ich die Liste, die sie mir reichte, und ging hinunter in den Keller. Gleich zu Anfang meiner Anstellung kaufte ich ein altes Fahrrad und benutzte dies, um diesen unendlich lang erscheinenden Tunnel zu verkürzen. Nachdem die Bücher ordnungsgemäß in dem Regal lagen, holten die Professoren die georderten Bücher ab oder legten gelesene hin. Dann konnte ich sie einordnen und mein System kam nicht durcheinander. Die Buchreihen durchstöbernd, hoffte ich, einige Werke für Max und Konsorte zu finden. Bepackt mit neuer Lektüre verließ ich das Gewölbe. Jetzt da ich im Tunnel vor mich herradelte, bekam mich wieder das seltsame Gefühl beobachtet zu werden. Quatsch, du lässt dich von Sue beeinflussen! Kaum kam ich die Treppe herauf erspähte Max mich, er erklärte mir, alle Studenten seien anwesend. Zu dem Duo hatten sich drei weitere angeschlossen. Er nahm mir die Bücher ab die ich ihm reichte und versprach ihm gleich zu ihnen hinüber zu kommen. Derweil arbeitete ich einige Kunden ab. „Was ist heute nur los?“ Beklagte Molly den Trubel „ich habe das Gefühl sie warten draußen, bis sich eine ganze Horde gebildet hat, um dann über uns herzufallen.“ „Du weißt doch, dass manche Tage so sind. Vielleicht wollen die Leute auch nur ihre Sachen erledigen, und morgen in Ruhe den Umzug ansehen.“ Schätzte ich, die Lage ein. „Sicher hast du recht, dafür wird morgen wenig zu tun sein und meine Befürchtung unbegründet.“ „Was meinst du?“ hakte ich nach. Molly verzog das entschuldigend das Gesicht „ich wollte dich schon fragen, ob du morgen arbeiten kommst. Weil ich befürchtete, morgen beginne der Run. Claire da winkt einer der Studenten, du solltest zu ihm gehen.“ Sie machte mich auf Chris aufmerksam, der wild gestikulierte. „Was ist los?“ fragte ich genervt, das tat mir sofort leid. Mein freier Samstag ich sah ihn den Bach hinunter fließen. Alle drei Wochen ein langes Wochenende das ließ sich niemand gerne nehmen. Meine Gereiztheit hinunter schluckend, lächelte ich Chris an. „Tut mir leid, wie kann ich dir helfen?“ Mit roten Wangen erklärte Chris, „Wir müssen uns heute für ein Thema entscheiden …“ „Sonst verpassen wir den Abgabetermin!“ unterbrach Max, Chris. Wir waren inzwischen in der Leseecke. „Nur welches? Kannst du uns helfen?“ das fragte Kevin. „Nein das müsst ihr selbst entscheiden, ihr kennt die groben Ereignisse. Nehmt ein Thema, das euch entgegenkommt. Oder stimmt ab. Die Mehrheit entscheidet.“ Zustimmend befolgten sie, meinen Rat. „Sagt mir, wenn ihr eine Lösung gefunden habt.“ Und ging zu Sue „Noch 10 Minuten, dann haben wir Feierabend!“ „Ich glaube ich muss morgen auch arbeiten. Molly denkt es wird eine Menge zu tun sein.“ Sue horchte auf, „Blödsinn, es wird ein total öder Vormittag. Aber dann hast du einen Grund ihm aus dem Weg zu gehen.“ Erklärte sie spitz. „Sue solltest du es wagen Molly zu unterstützen, dann …“ „Was dann?“ grinste sie „keine Sorge du bekommst deinen freien Samstag. Ich glaube das mit Raphael hat sich sowieso erledigt.“ Auffordernd wippte sie auf den Zehenspitzen. Molly unterbrach das Gespräch „ich denke das war es für heute, wir sollten Ordnung schaffen.“ Sue und Molly räumten die Verkaufstheke auf, ich ordnete die Zeitungen das waren abends die letzten Handgriffe, bevor es nach Hause ging. „Engel!“ flüsterte mir jemand ins Ohr. Umdrehend gewahrte ich die Fünf, grinsend mit sich zufrieden. „So, kein leichtes Thema, aber faszinierend.“ „Du hast uns darauf gebracht, wir waren uns sofort einig.“ Platzte Chris heraus. „Jeep, die ganze Zeit hast du uns geholfen, wie ein Engel …“ errötend sah sich Ken oder Kevin nach Hilfe um. Wie hieß er noch mal, dachte ich. Max half ihm aus der Klemme. „Tja, die ganze Zeit hatten wir unser Thema vor der Nase, nun ja …“ Ließ er den Satz unvollendet. „Wenn das ein Kompliment für meine Arbeit ist, dann danke ich euch herzlich.“ Verlegen trotteten die Fünf davon. Gut gelaunt beobachtete ich ihren Abgang. „Na, wieder Herzen gebrochen?“ schmunzelnd schaute Sue zum Ausgang. „Sollen wir, ehe Molly noch etwas einfällt?“ „Dann los, nur ich gehe nach Haus.“ Beschwichtigend hob ich meine Hand, denn Sue versuchte zu widersprechen. „Versteh mich bitte ich muss nachdenken.“ Ergeben nahm sie meine Entscheidung hin. „Wenn du reden willst, ruf an, ich bin für dich da.“ Versprach Sue. „Ich weiß, Süße! Molly wie sieht es aus?“ mit bangen Herzen wartete ich auf die Antwort. „Genieße den Tag, Claire.“ Zu Haus vermied ich es an Raphael, zu denken. Erst aß ich eine Kleinigkeit und ging dann duschen. So bereitete ich mich innerlich vor – ehrliche Antworten zu finden. Meine Schlumperklamotten an dann ins kuschelige Sofa. Doch wo fing ich an? Keinerlei Erfahrung in diesen Dingen. Meine Freundinnen versuchten es oft mir zu erklären, welches Gefühl es sei, verliebt zu sein. Es fing mit Schmetterlingen im Bauch an, ständig an ihn zu denken. Träumereien von und mit dem Auserkorenen, seine Nähe suchen, ihn spüren und so weiter. Keine vernünftigen Anhaltspunkte, die mir halfen. Es klopfte! Bestimmt mein Nachbar, der sich etwas borgen wollte, ruppig öffnete ich die Tür. Da stand er! Ungewöhnlich vorsichtig musternd sah er auf mich herab. Wortlos schlug ich ihm die Tür vor der Nase zu. Das sollte er verstehen. Was nur war es? Eines war mir gewiss, das von heute Nachmittag, durfte niemals mehr geschehen. Ich musste Sue recht geben. Eines fragte ich mich immer noch? Warum ist er einfach gegangen. War es Feigheit? „Bestimmt keine Feigheit!“ Mein Herz setzte aus, zutiefst erschreckt, erstarrte ich. „Claire? Meine Güte! Komm zu dir!“ Raphael schüttelte mich wie ein Milchshake hin und her. „Es reicht, um Gotteswillen, hör auf, ich brauche meinen Kopf noch!“ „Du bist total weggetreten!“ besorgt kniete Raphael vor mir, „bist du okay? Soll ich dir was zu trinken holen?“ „Wie bist du reingekommen?“ „Oh, du hast die Tür nur zuschnappen lassen, kein Problem bei diesem Schloss!“ „Und was hast du daran nicht verstanden? Ich sollte meinen, dass jeder diesen Hinweis begreift.“ „Nun ja, ich bin da ein bisschen schwerfällig.“ Grinste er mich an. „So? Ich will, dass du auf der Stelle gehst. Ich will dich nie wieder sehen!“ befehlend wies ich ihn zur Tür. Raphael jedoch zog einen Stuhl heran und lies sich darauf nieder. „Nein, zuerst hörst du mich an.“ „Reiz mich nicht!“ „Was du drohst mir? Ein Kissen? Vielleicht!“ anzüglich lachte er mir ins Gesicht. „Was bist du nur für ein Mensch?“ „Kein netter! Auf jeden Fall im Moment und wenn es um dich geht! Nun ja! Das ist alles ein bisschen wirr. Aber nun bin ich Herr meiner Sinne! Claire höre mir zu und sieh mich an, bitte.“ „Was für eine Wahl habe ich denn?“ „Keine befürchte ich! Nun zu heute Mittag. Ich war einfach überrumpelt dich so unversehens in den Armen zu halten, dazu der Schreck. Da habe ich die Kontrolle verloren. Deshalb bin ich auch gegangen, ansonsten“ er zog die Brauen düster zusammen. „Hätte ich mir das genommen, wonach mir der Sinn stand. Seitdem ich dich das erste Mal sah.“ Eindringlich schaute Raphael mich an, „Claire es ist mir ernst, ich will ein Freund für dich sein. Mehr noch ein Vertrauter, Gefährte, Kamerad! Sollen wir das für einen Augenblick der Unbesonnenheit aufgeben?“ Für einen Moment der Unbesonnenheit, innerlich krampfte alles in mir zusammen. Seine Worte trafen wie gut platzierte Pfeile immer tiefer in die offene Wunde. Verschmäht und abgelehnt als Frau, was bleibt, ist ein netter Versuch ein wenig Würde zu bewahren. Mit Tränen in den Augen bat ich Raphael zu gehen und vermied es ihn anzusehen. Das schlimmste war das Er versuchte tröstende Worte zu finden, ich floh in mein Schlafzimmer und schleuderte die Tür zu. Schluchzend warf ich mich auf mein Bett. „Dass ich dir das antue!“ auf das Bett setzend umarmte er mich tröstend. An seiner Brust flennend bekam ich unter Heulkrämpfen doch eine Frage zustande „Siehst du in mir nur einen Freund?“ Er hielt die Luft an, verspannt tief ausatmend, blieb Raphael mir die Antwort schuldig. Ich drehte mich so, dass ich ihn ansehen konnte. Er blickte aus dem Fenster mit düster zusammengezogenen Brauen, die Lippen aufeinander gepresst, schien er weit weg zu sein. Ich wollte mich aus seiner Umarmung befreien. Aber Raphael zuckte zusammen, drehte mich auf den Rücken betrachtete mein Gesicht mit einem unglücklichen Ausdruck. Zärtlich streichelnd fuhr seine Hand über mein Gesicht. „Claire vor ein paar Stunden hätte ich mich beinahe vergessen und wäre mit dir an einem Ort gegangen …“ schweigend betrachtend, strich Raphael meine gerunzelte Stirn glatt. „Ich traue mir selbst nicht, wenn es eine bestimmte Person betrifft.“ Wehmütig lächelnd. „Wieso …“ mit einem Finger verschloss er mir den Mund zeichnete sacht über meine Lippen. „Sieh uns an Claire, ich liege auf deinem Bett. Halte dich fest.“ jetzt klang seine Stimme kalt, „verhalten Freunde sich so, schöner Freund bin ich, weißt du, woran ich denke? Nein! Woher auch! Und das ist gut so.“ Vor sich blickend, studierte ich seine Züge, die nun hart und reserviert waren. Was bedeutete dieser Ausbruch. Im Grunde verstand ich Raphael. Nur warum wollte er unbedingt mit mir befreundet sein, wenn es ihm schwerfiel, seine gesteckten Grenzen aufrechtzuerhalten. Mir fielen Sues Worte wieder ein – verliebt - waren wir das? Kaum möglich daran zweifelte ich. Die Liebe auf den ersten Blick eignet sich sehr gut in Filmen und Büchern, aber die Realität sah anders aus. Oder irrte ich mich!“ „Du bist ganz abwesend, woran denkst du?“ „Die Wahrheit?“ „So unangenehm sie auch ist.“ Nickte Raphael. „An dich! An uns!“ hastig redete ich weiter, „gibt es die Liebe auf den ersten Blick? Was ist das zwischen uns, reine Chemie? Ich habe keine Erfahrung darin, kannst du es mir erklären, sodass ich es auch verstehe! Würdest du mich einmal Küssen?“ unüberlegt sprudelten die Worte, bis ich begriff, was ich redete, war es zu spät. Errötend zog ich mich zurück doch Raphael hielt mich auf. Ungläubig musternd, „Das fragst gerade du mich?“ mit beiden Händen mein Gesicht umfassend, „Das fragst du mich?“ hauchte Raphael, „Einmal, nur ein einziges Mal!“ mehr zu sich selbst murmelnd. Langsam behutsam legte er seine Lippen auf die meinen. Zärtlich strich er darüber. Ich jubilierte innerlich, mein erster Kuss von einem Mann. Kein geschmatzte eines frühreifen Teenagers und riss meinen Mund auf. „Langsam Claire langsam!“ sacht verschloss er meine Lippen. Liebkoste weiterhin meinen Mund, langsam legte sich meine Ungeduld etwas anderes erfasste mich, kleine Funken zuckten in meinen Leib. Behutsam tastete seine Zunge an meinen Zähnen ich öffnete mich Raphael ließ mich führen. Leidenschaftlich nahm Raphael meinen Mund in Besitz, war er anfangs fast zögerlich, so wurde er nun fordernder. Ich presste mich an ihm nach mehr verlangend und ich bekam mehr. Ich versenkte meine Hände in seinem Haar. Aufstöhnend vergrub Raphael sein Gesicht an meinen Hals, ich spürte seinen heftigen Atem, der mit meinen ein Echo formte. Und ich begriff, all die versuchten Erklärungen meiner Freundinnen. Ich war dabei mein Herz zu verlieren, doch Raphael war gebunden das musste ich respektieren. Auch verstand ich sein Verhalten, als er einfach ging. Was für mich blieb, war Freundschaft auf keinen Fall durfte daraus mehr entstehen. „Claire?“ Raphael sah mich fragend an, seine Augen glühten vor Leidenschaft. Ich schüttelte nur meinen Kopf. Prüfend musterte Raphael mich, in seine Augen vertieft versank ich darin. Beinahe knurrend nahm er meine Lippen gierig in Besitz. Seiner Leidenschaft entgegenkommend ließ ich mich von ihm entführen. Bebend vor Verlangen zog ich Raphael zu mir. Seine Hände glitten über meinen Rücken, stöhnend bedeckte er meinen Hals, mein Gesicht mit Küssen, eine brennende Spur hinterlassend. Jede Zurückhaltung fahrend lassend schob ich meine Hände unter seinen Pullover. Ich wollte ihn spüren seine nackte Haut fühlen, wollte das Er brannte sowie auch ich. „Nein Claire, das geht zu weit, für mich jedenfalls!“ bestimmt zog er meine Hand hervor, verschränkte seine Finger mit meinen, ein Lächeln in seinen Mundwinkeln. Einträchtig lagen wir aneinander geschmiegt, studierte sein Gesicht jede Regung seiner Mimik, das Aufblitzen seiner Augen. Wie er die Braue skeptisch anhob, die harte Linie um seinen Mund, die verschwand, sobald ein Lächeln die Mundwinkel umspielte. Überwältigt wollte ich ihn spüren. Seine Lippen, Hände auf meiner nackten Haut mit jeder Faser meines Körpers, wollte ich ihn. Den Impuls unterdrückend, fragte ich mich. War ich stark genug dem ständig zu widerstehen? Neue starke Gefühle zogen mich zu einem verheirateten Mann. Dem durfte ich auf keinen Fall nachgeben. War eine Freundschaft nicht eine ständige Versuchung. Und wie würde seine Frau reagieren, wenn sie von mir erfuhr. Doch all das schlug ich in den Wind, ich wollte wenigstens ein Teil seines Lebens werden. Wenn auch nur als Freund! Die ganze Zeit beobachtete mich Raphael angespannt, als wüsste er, dass ich das Für und Wider abwägte. Dann huschte kurz ein zufriedener Ausdruck über sein Gesicht so schnell das Ich zweifelte, es gesehen zu haben. Von mir abrückend, küsste er mich auf die Stirn. „Versprich mir!“ eindringlich sah er mich an, „das Du mich nie wieder darum bittest!“ Was gab es dazu zu sagen, ich nickte nur. „Freunde?“ „Ja!“ stimmte ich zu, „ich habe das Gefühl, ich meine. Wusstest du, wie ich mich entscheide?“ „Du kannst Fragen stellen. Claire. Die einen echt aus der Fassung bringen.“ Meinen Blick ausweichend stand er auf. „Aber jetzt stelle ich dir eine! Darf ich das Wochenende planen? Bitte!“ abwartend sah Raphael mich an. „Na schön, aber ich muss morgen einkaufen, außerdem wollte ich shoppen.“ Ergeben verzog er seinen Mund, „Auch das nehme ich in Kauf. Also erst shoppen, dann zum Umzug und den Rest erfährst du dann. Das heißt sollen wir uns vorher die Eisskulpturen ansehen?“ „Das hört sich gut an.“ Jedoch nagte etwas in mir ich musste dem einfach nachgehen. „Deine Frau, was sagt sie dazu, oder kommt sie mit?“ „Meine Frau?“ entgeistert, „ich habe dir doch gesagt das, ich lebe allein!“ „Nein, hast du keineswegs, sondern ich habe noch niemanden mit …“ „Ich weiß was ich gesagt habe. Okay das war sehr subtil ich dachte; das erklärt sich von selbst. Also keine Menschenseele wird verletzt oder Ähnliches, wenn wir Zeit miteinander verbringen.“ Schloss Raphael das Thema ab. Für mich war das Kapitel keineswegs beendet. „Kinder? Habt ihr welche?“ „Nein, Claire ich habe keine Kinder!“ diesmal kam die Antwort direkt ohne eventuelle Hintertüren, ich konnte es mir nicht im Geringsten erklären. Etwas Wesentliches entging mir. „Bitte Claire ich möchte das Wochenende mit dir verbringen. Dich besser kennenlernen. Gib dir einen Ruck und mir eine Chance als Freund.“ „Dann plane, was auch immer. Aber denk daran, dass ich Sonntag früh zu Haus sein will.“ „Wie früh?“ „Spätestens 18 Uhr, meine Mutter dreht sonst durch, wenn ich mich später melde.“ Grinsend meinte Raphael „Ein Telefon in Reichweite genügt doch, oder?“ meinen warnenden Blick ignorierend sprach er munter weiter, „gegen zehn Uhr hole ich dich ab, ist dir das Recht? Besser elf Uhr du brauchst noch deinen Schlaf.“ Nachdem er kurz auf seine Uhr sah. „Bis später.“ und ging hinüber ins Wohnzimmer, um darauf gleich wieder umzukehren. Streckte die Hand nach mir aus und zog mich hoch. „Schlaf jetzt und ich freue mich.“ Versicherte er mir, damit verschwand Raphael. Kurz darauf hörte ich wie die Tür zuschlug. Jetzt da Raphael gegangen war, überließ ich mich meinem Dilemma. Ruhelos ging ich auf und ab. Verzweifelt versuchte ich eine Lösung, zu finden. Wie sollte ich meine Gefühle vor ihm verbergen. Das war ein ernst zu nehmendes Problem. Niemals hatte ich Schwierigkeiten, mit dem männlichen Geschlecht umzugehen. Es war ganz einfach. Sie sahen in mir keine mögliche Beute und ich keinen künftigen Bewerber. Keine Koketterie oder falsche Scham. Nur freundschaftliche Intimität und brüderliche Liebkosung. Nun musste ich Raphael genauso gegenübertreten. Na dann viel Spaß Claire! Missgelaunt ging ich zu Bett. Mein letzter Gedanke galt Raphael gemurmelte Worte `schlaf schön´ im Sinn. Natürlich rein freundschaftlich! Das summen hörte nicht auf, irgendjemand musste das doch abstellen! Langsam wach werdend begriff ich, was mich störte. Halb schlafend meinen Bademantel anziehend, ging ich zur Tür nahm den Hörer der Gegensprechanlage und meldete mich. Keine Antwort. Mist! Schlurfend ging ich in Richtung meines warmen Bettes. Es klopfte, konnte man mich nicht in Ruhe lassen! Erst neun Uhr, noch viel Zeit bis Raphael kam. Gähnend die Tür öffnend hatte ich schon einen Fluch auf den Lippen. Fassungslos starrte ich Raphael an. Der schlüpfte durch die Tür, während er meine Sprachlosigkeit ausnutzte und in die Küche ging. „Guten Morgen habe ich dich geweckt?“ Was für eine Frage! Unterdessen stellte er irgendetwas dort ab, kam wieder zurück schloss die Tür und musterte mich von Kopf bis Fuß. Einstweilen stand ich nur da, vergeblich versuchte ich, meinen Denkapparat anzuschmeißen. „So habe ich mir dich vorgestellt zerzauste Haare, verknittertes Gesicht …“ grinsend legte er den Kopf schief. „Ja genauso, oder nicht, etwas fehlt!“ nachdenklich legte er die Stirn in Falten einen Finger an den Mund, der zu einem sardonischen Lachen verzogen war. „Ah, ich weiß … ein warmes Lächeln.“ Das konnte er haben, wenn er so weitermachte! Von einem Mund mit ungeputzten Zähnen und schlechtem Atem. Ob er dann immer noch so frohlockte? Ohne Worte ging ich ins Bad und erledigte die Notdürfte eines jeden Menschen. Indessen hörte ich wie Raphael mit Geschirr klapperte. Was machte er denn? Möbel rücken? Ich beeilte mich! „Die Brötchen sind warm, der Kaffee heiß und der Frühstückstisch gedeckt.“ Empfing Raphael mich. „Tisch?“, soviel ich wusste, besaß ich zwar ein Tischchen, auf dem gerade mal eine Tasse und ein Teller passte, wie wollte er darauf ein Frühstück servieren. Ungläubig sah ich ihn an und ging in die Küche. „Auch in der kleinsten Ecke findet sich ein gemütliches Plätzchen!“ grinste Raphael. „Nicht schlecht!“ lobte ich ihn. Zwei Tassen, einen Teller mit belegten Brötchen. Raphael schob mir meinen wackligen Stuhl zu. Er selbst begnügte sich mit einem umgedrehten Kasten. Ich verzieh ihm seinen Überfall und schlürfte den heißen Kaffee. Sogar ein Brötchen mit etwas Süßem war vorhanden. Einfach perfekt! Woher wusste er nur, was ich am liebsten aß? Die inzwischen bekannte Skepsis brandete erneut auf. Auf meine Frage hin meinte er nur alle Frauen mögen etwas Süßes am Morgen. War das so? Raphael lenkte mich ab, indem wir Pläne für den Vormittag machten. Nachdem wir meine Wohnung verließen, gingen wir einkaufen und anschließend shoppen. Dort erstand ich einen Pullover, Raphael war zwar der Meinung ich solle mir etwas Schöneres zulegen, aber ich fand ihn für mich passend. Darauf sagte er keinen Ton mehr zu meiner Garderobe. Viel Spaß hatten wir an einem Hutstand. Der arme Verkäufer war einem Nervenzusammenbruch nahe und Raphael kaufte aus Mitleid eine unmögliche Kopfbedeckung. Schnell brachten wir die Einkäufe in seinen Wagen. Danach gingen wir eine Kleinigkeit essen, obwohl ich noch keinen Appetit verspürte, bestand Raphael darauf. Gut gelaunt schlenderten wir zum Treffpunkt mit Sue und ihren Bekannten. Sues besorgte Blicke missachtend, genoss ich den Umzug, vor allen Dingen, weil Raphael hinter mir stehend, mich in die Arme nahm. So gewärmt und geschützt vor der Kälte erzählte mir Raphael die Legende vom Winter – Karneval in Saint Paul. Von Astraios, der Gott des Sternlichts und Eos, die Göttin der zarten Morgenröte. Deren fünf Söhnen: Boreas, Titan, Euros, Zephyr und Notos. Der älteste Boreas wurde zum Gott der Winde erhoben, seinen Brüdern gewährte er große Stärke und Macht auf alle Zeiten. Dem Titan überließ er den stürmischen Nordwind. Dem Euros gab er die Herrschaft über den leichtsinnigen Ostwind. Zephyr erhielt die Macht über den großzügigen Westwind. Und Notos schenkte er den warmen Südwind. Fröhlich tanzten die Brüder über Land und Meer. Auf einer, seiner Reisen entdeckte Boreas, Minnesota, ein Winterparadies, von dieser Schönheit rief Boreas begeistert aus. „Das ist das historische St.Paul und seine sieben Hügel! Ein idealer Ort! St.Paul soll die Hauptstadt aller meiner Ländereien werden. Von nun an solle er in der ganzen Welt heißen: St.Paul ist der Winterspielplatz im Reich des Boreas!“ So erzählte Raphael mit seiner melodiösen Stimme die Geschichte, während der Zug an uns vorbeimarschierte, sogar Sue vergaß ihre schlechte Laune und hörte gespannt zu, wie auch alle Umstehenden, waren sie gefangene seiner Erzählung. Vulcanus Rex, Gott des Feuers und Feind des Boreas trotzte: „Mit dem großen Schwert von Mars werde ich dem Getöse des Boreas mit der Hitze und dem Toben meiner Kräfte Einhalt gebieten.“ So leistete er bitteren Widerstand gegen alle Festlichkeiten des Boreas. Dieser aber rief zu einer großen Feier im Geiste eines fröhlichen Karnevals auf. „So sei es! Es soll ein Karneval im alten St.Paul stattfinden.“ Einen Premierminister einsetzend der die Vorbereitungen im gesamten Fürstentum traf. So wurde zehn Tage lang in St.Paul mit viel Freude Karneval gefeiert, mit Schmausen, Tanzen, Vergnügen und Lustbarkeiten, unter der Hoheit des Boreas und der Schneekönigin, der schönsten Maid des Reiches, und den vier Winden, jeder begleitet von einer wunderschönen Prinzessin aus dem Reich des Boreas. Entsprechend jeden Wagens wusste Raphael die Zugehörigkeit, der Winde sowie der Prinzessinnen, bescheid. Nah an meinem Ohr raunte er. „Die meine halte ich in den Armen!“ Mein Erschauern unterdrückend, indem ich auf ein Kind aufmerksam machte. Warm eingepackt saß es, in einer Holzkarre, ein weißer Hund war davor angespannt. Unsere Begleiter ließen sich davon ablenken. Indessen warf ich Raphael einen bösen Blick zu, ich wollte das Er begriff solche Kommentare in Zukunft zu unterlassen. Höchst interessiert beobachtete Raphael das Kind und ignorierte meine Versuche seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Der nächste Wagen fuhr auf uns zu. Raphael fuhr mit seiner Erklärung fort, anfangs mit einem unterdrückten Lachen. Die fröhliche und temperamentvolle, Klondike Kate trug zu den Festlichkeiten mit ihrer frechen, bezaubernden Stimme mit Liedern voller Sehnsucht und Gefühl bei. Weiter steuerten der König Winter, die Königin des Nordlands und ihr Hof, ihren guten Willen und ihre Weisheit bei. Während der jüngere König Frost und seine Königin der Schneeflocken mit ihrem Hofstaat die Feiern mit ihrer jugendlichen Ausgelassenheit die Stimmung der Festivitäten anhoben. Am 10. Tag des Feierns stürmten Vulcanus Rex und seine Bande das prächtige Eisschloss, auf Raten der Königin, im Interesse des Friedens, nahm Boreas Abschied vom Volk seiner Winterhauptstadt und kehrte auf den Olymp zu den Göttern zurück. Doch wenn die Sommerwärme ihren Einfluss auf das Winterreich wieder aufgibt, und frostige Winterstimmung herrscht kehren sie zurück. In jedem Jahr auf ein Neues! Schloss Raphael die Geschichte. Den letzten Wagen hinter her schauend trennten die Passanten die Reihen auf. Sue schlug mir vor zu einer der Feiern zu gehen, die in St.Paul stattfanden. Mich an mein Versprechen erinnernd, schaute ich Raphael fragend an, dieser verneinte, so sagte ich Sue ab. Bald darauf trennten wir uns von ihrer Gruppe, zuvor warnte sie mich eindringlich ich könne mir die Finger verbrennen. „Sue ist besorgt, sie denkt wahrscheinlich ich verführe dich!“ „Das glaube ich nicht!“ „Was? Dass Sue besorgt ist oder ich dich verführe.“ Ich ließ mir mit meiner Antwort Zeit. „Beides!“ „Danke für dein Vertrauen.“ Schweigend gingen wir zu Raphaels Wagen. „Wohin geht es nun?“ „Du hast dich in meine Hände begeben. Freiwillig!“ er schloss das Auto auf und grinste mich darüber hinweg an. „Lass dich überraschen!“ Kurz darauf schlug er den gleichen Weg wie letzten Sonntag ein, „Zu deinem Haus, also. Sehr einfallsreich.“ zog ich Raphael auf. „Gibt es etwas Besseres? Es ist abgelegen, den Weg dorthin findet man nur mit einer genauen Beschreibung, ergo keine unangemeldeten Besucher. Zuweilen sehr angenehm.“ Irgendetwas beschäftigte Raphael! Er raste die Straße viel zu schnell entlang. Ich überließ ihn seinen Grübeleien und schaute die vorbei ziehende Landschaft an. Nachdem wir die Hütte betraten, bewunderte ich den gedeckten Tisch, vorbereitet für ein Diner. „Wann hast du das denn hergerichtet, schläfst du nie?“ „Ach das! Nur halb so viel Arbeit, wie du denkst. Das Essen braucht eine Weile!“ indessen hantierte er in der Küche. Währenddessen stand ich etwas verloren herum. Fröstelnd überlegte ich gerade, meinen Mantel wiederanzuziehen. „Gleich wird es warm! Auf dem Sofa liegt eine Decke, wenn du die solange nehmen möchtest.“ Er ging zum vorbereiteten Kamin und zündete ihn an. Die Spannung zwischen uns wuchs. Ich kam mir wie ein ungebetener Gast vor. „Weißt du was, du kannst mich auch nach Haus bringen, oder ein Taxi rufen …“ „Was soll der Unsinn denn? Bin ich solch ein schlechter Gastgeber?“ „Nein, nein!“ wehrte ich ab. „Warum dann?“ „Ehrlich gesagt, du bist ein miserabler Gastgeber! Erst erzählst du mir, wie schön abgelegen dein Haus liegt, und erwähnst nebenbei, dass du dir keine Gäste wünschst. Außerdem versinkst du trübsinnig in Gedanken. Was soll ich also hier?“ verdutzt hörte Raphael zu. „So schlimm? Wie kann ich Abbitte leisten? Aber weißt du allzu oft habe ich so etwas, “ er wies auf den Tisch, „… darin fehlt mir eine gewisse Erfahrung.“ Rechtfertigte Raphael sich. „Und dann hat mich Gab auch noch total verunsichert!“ platzte er heraus. „Gab?“ „Ja, dieser Kerl lacht sich unter Garantie im Moment kugelig. Er ist mein Freund, aber manchmal könnte ich ihn …, lassen wir das.“ Er fuhr sich durch die Haare, „Fangen wir noch mal an!“ ein verschmitztes schmunzeln in den Mundwinkeln. „Einverstanden!“ „Soll ich uns einen Kaffee machen?“ „Wie wäre es, wenn ich den Kaffee aufsetzte und du endlich den Kamin anheizt.“ Mit drei Schritten war Raphael bei mir drückte einen flüchtigen Kuss auf meine Lippen, „Gute Idee!“ Damit war der Knoten geplatzt. Bald darauf zog ein herrlicher Duft durch den Raum. Wie kleine Kinder standen wir vor dem Backofen und warteten, dass der Auflauf garte. Raphael gestand, sein Freund habe diesen zubereitet, da er eine Niete im Kochen sei. Wir sprachen von Gott und der Welt, vor allen Dingen erzählte ich von mir, meiner Kindheit und Jugend. Sogar von meiner Mutter, der Flucht und ihrem Bestreben mich unter die Haube zu bringen. Raphael schien an allem interessiert zu sein, deshalb viel es mir leicht über mich zu sprechen. Durch gezielte Fragen erfuhr er mehr von mir als irgendein Mensch zuvor. Vom Reden, den langen Tag müde gähnte ich mehrmals. „Wir sollten schlafen gehen.“ „Eine gute Idee!“ und stand auf, holte meinen Mantel zog ihn an. Raphael saß noch immer auf dem Sofa ich sah ihn auffordernd an. „Kommst du?“ „Eigentlich dachte ich, du schläfst heute hier.“ „Das hättest du sagen sollen, ich habe keine frische Wäsche dabei.“ Gott sei Dank, dachte ich, auch wenn ich in Raphael nur einen Freund sehen durfte, eine Nacht in seiner Nähe wollte ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt unter keinen Umständen. Die Ausrede passte, somit konnte ich großspurig erklären, ein andermal gerne. „Wenn du das so siehst!“ kam Raphael gelassen auf mich zu. „Aber ja, für mich kein Problem …“ „Und ich dachte nach gestern Abend …“ das ließ er so im Raum stehen. „Wir sind doch keine kleinen Kinder mehr, sondern erwachsene Menschen. Wenn man bei einem Freund übernachtet, was ist daran so schlimm.“ Erklärte ich ihm cool. „Schließlich ist das als wärest du mein Bruder oder ein Eunuch. Jedenfalls kannst du jederzeit bei mir schlafen genau wie ich hier.“ Raphael hörte ohne Regung zu, das wiederum verunsicherte mich, deshalb stammelte ich die letzten Worte. „Für den Fall, dass du hier nächtigst, habe ich Gab gefragt ob du in seinem Zimmer schlafen kannst. Er war darüber zwar nicht angetan, hatte aber im Grunde keine Einwände.“ „Das war ganz unnötig, ich habe keine Bedenken mit dir ein Bett zuteilen.“ erwiderte ich lässig. „Umso besser, Claire! Gab wird begeistert sein!“ versicherte Raphael „übrigens habe ich dir schon gestanden, dass ich eine Tasche für dich gepackt habe?“ „Eine Tasche für mich gepackt?“ ratlos sah ich zu ihm hinauf. „Ja, du warst im Bad und ich habe gepackt. Ein Bruder darf doch seiner Schwester diesen Dienst erweisen? Außerdem wollte ich dich überraschen, was sonst konnte ich tun?“ diese Unschuldsmiene spielte er, da war ich mir sicher. Dieser verdammte Mistkerl hatte seine Falle gut aufgestellt. Matt gesetzt durch meine eigene große Klappe. Aber was versprach Raphael sich davon, wollte er mich verführen? Nein, diese Gelegenheit hat er gestern Abend nicht wahrgenommen. Warum also, legte er Wert darauf, dass ich hier blieb, sogar bei ihm schlief. War er ein versteckter Masochist. Da ich mir keine Blöße geben wollte, zuckte ich die Schultern, „Und wo ist meine Tasche?“ „Ich hole sie aus dem Kofferraum, wollen wir jetzt schon schlafen gehen.“ „Ja, ich bin Müde, doch wenn du noch aufbleiben willst, kannst du das ruhig.“ Hoffnungsvoll sah ich auf. „Nein, es war ein anstrengender Tag, ich leg mich auch hin. Wenn du willst, kannst du schon ins Bad, Zahnputzzeug und frische Handtücher liegen oben. Ich stell dir die Tasche vor der Tür.“ „Danke!“ mit steifen Beinen ging ich hoch, gratuliere Claire, supergemacht du blöde Kuh! So gründlich hatte ich mir meine Zähne noch nie geputzt und ein drittes Mal zur Toilette wollte ich nicht. Ich zog mein Shirt so weit runter, wie es nur ging. Atmete tief durch, nahm meine Tasche und ging in den angrenzenden Raum. Raphael war nirgends zu sehen, das nutzte ich aus! Warf die Tasche in die Ecke und jumpte ins Bett. „He machst du das immer so?“ Raphael stand hinter dem Schrank und zog sich gerade sein Hemd aus. Dass da ein Schrank und ein Stuhl standen! Und ich krabbelte auf allen vieren auf seinem Bett herum. Toll! Lachend ging er aus dem Schlafzimmer, „Tue dir keinen Zwang an.“ „Auf welcher Seite schläfst du?“ rief ich hinter ihm her, „Auf der Fensterseite!“ und ich machte mich auf den Weg zur anderen Seite. „Wenn dir das Recht ist? Übrigens kann ich das Fenster über Nacht öffnen?“ jetzt stand er wieder vor dem Bett. „Ja, ist mir auch lieber!“ Knallrot drehte ich mich um, aber er war schon weg. Nur eine Decke, wo bekam man für dieses riesige Bett ein passendes Oberbett und deckte mich bis zum Kinn zu. Indessen wartete ich auf Raphael und schreckliche Gedanken gingen mir durch den Kopf. Normalerweise schlief ich nackt. Als ich einmal ins Krankenhaus musste, gab es in der ersten Nacht einen Aufruhr. Meine Bettnachbarin schrie wie am Spieß. Die Nachtschwester kam hereingestürzt und ich saß total erschrocken aufrecht im Bett. Vorwurfsvoll hielt mir meine Mitbewohnerin mein Nachtgewand entgegen! Es war alles halb so schlimm, sie hat sich nur erschrocken, weil mein Nachthemd in ihrem Gesicht landete. Wir haben uns noch köstlich amüsiert, aber wenn mir das heute Nacht passieren sollte, welch eine Pein. Gott was für eine Figur, das sollte verboten sein! Ungeniert ging er um das Bett herum und legte sich hin. „Fühl dich ganz wie zu Haus, Claire!“ ich konnte gerade noch ein nervöses Auflachen verhindern. „Danke, schlaf gut!“ „Du auch! Hast du etwas dagegen, wenn ich noch eine Weile lese?“ „Nein was liest du?“ und drehte mich zur Seite, „Tolkien, ein …“ „Welches?“ „Der Herr der Ringe, den ersten Teil, mal wieder.“ „Ja, man kann sie immer wieder lesen.“ „Du kennst die Bücher?“ fragte er erstaunt, „seit wann?“ „Du redest hier mit einem Bücherwurm, Raphael und bevor die Filme herauskamen.“ Er antwortete nicht, sondern lächelte mich nur an. „Ist was?“ fragte ich unsicher. „Ja und nein! Es ist das dritte Mal, dass du meinen Namen aussprichst. Ich warte darauf das Du ihn in einem bestimmten Ton sagst!“ „Du bist unmöglich!“ und drehte ihm den Rücken zu. „Manchmal!“ er musste einfach das letzte Wort haben. An schlaf war nicht zu denken ich hatte Angst mich meines Shirts zu entledigen. Trotzdem tat ich so. Irgendwann machte Raphael das Licht aus und so wie es sich anhörte, zog er sich sein Short aus. Beunruhigt hielt ich mich wach, doch Raphaels ruhiger Atem schläferte mich ein. Aus einem unruhigen Schlaf erwachend, fühlte ich mich eingeengt, woran drückte ich mir die Nase platt? Desorientiert langsam einen klaren Gedanken fassend meine Lage begreifend. Ich lag an Raphaels Brust! Seine Arme hielten mich festumschlungen die Beine ebenso. In Sekunden überflog ich die Situation, ich lag nackt neben einen nackten Mann, nicht irgendein Mann, Raphael. Nach seiner Atmung schien er zu schlafen, ganz ruhig Claire! Vorsichtig drehend, so konnte ich versuchen mich aus der Umarmung, zu befreien. Langsam immer Weiter, doch Raphael passte sich meiner Bewegung an. Ich war kein Stück weiter gekommen. Im Gegenteil jetzt spürte ich genau, dass er nackt war. Nach einer weiteren versuchten Flucht gab ich es auf, sondern kuschelte mich an ihm. Schließlich war man im Schlaf nicht für seine Taten verantwortlich. „Claire … Claire“ „Ich steh ja schon auf“ „Eigentlich würde es reichen erst mal die Augen zu öffnen!“ „Raphael?“ „Derselbe!“ „Wie spät ist es denn?“ „Gleich sieben“ „So früh, es ist ja nicht mal hell!“ beschwerte ich mich. „Nun komm stell dich nicht so an, außerdem wird das Tablett langsam schwer.“ Stellte er süffisant fest. Rekelnd drehte ich mich um, am Aufflackern seiner Augen … schnell zog ich die Decke hoch. Kirschrot murmelte ich eine Entschuldigung, doch Raphael schien gleichmütig die Situation zu überspielen. Das dankte ich ihm mit einem zaghaften Lächeln. „Nun nimmst du mir das Tablett ab?“ „Ich möchte gern erst ins Bad.“ Verständnisvoll grinsend setzte er sich im Schneidersitz ans Bettende und nahm sich eine Tasse. Suchend blickte ich mich um, weder Shirt noch Slip waren zu sehen, an seinem amüsierten Ausdruck erkannte ich, dass er wusste, was ich suchte. „Wo sind sie!“ angriff ist die beste Verteidigung. „Willst du mir den Spaß verderben! Erst bekomme ich fast einen Herzinfarkt, weil mir etwas ins Gesicht klatscht. Dann verdirbst du mir alles.“ „Raphael!“ warnte ich. Seinen Namen horchend, schüttelte er den Kopf, „Nun komm schon das geht auch netter!“ forderte er mich heraus. „Dazu bin ich nicht in der Stimmung.“ „Ich habe Zeit!“ und schlürfte an seinem Kaffee. „Na gut, Raphael.“ „Schon besser, aber dieser Unterton. Wie wäre es mit mehr Wärme in der Stimme vielleicht ein freundliches Lächeln?“ legte er mir trocken dar. Na warte, davon wirst du dich keineswegs so schnell erholen. Ich raffte die Decke um mich setzte mich auf meinen Knien und rutschte näher. Raphael beobachtete das Ganze mit einem vergnügten Grinsen auf den Lippen. Provozierend, süß lächelnd, mich vorbeugend, dann meine Lippen nah an seinem Ohr seinen Namen hauchend, blickte ich ihm dann tief in die Augen. Und schon passierte es, ich konnte den Augenkontakt nicht lösen, versank darin. Raphael durchtrennte ihn, ein schmerzvoller Zug ging durch seine Mimik, aufatmend gab er mir meine Sachen. „Das war mehr als ich erwartet habe.“ Ohne weiteren Kommentar zog ich mich an und schlüpfte ins Bad. Mein Spiegelbild sah mir fremd entgegen, war ich das? Sah Raphael diese verlockende Nymphe. Anders konnte ich mich nicht beschreiben. Raphael saß da, wo ich ihn verlassen hatte, als hätte er sich keinen Zentimeter gerührt. Wortlos übergab er mir den Kaffee. „In meinen Schrank hängt ein Ski-Anzug, der ist für dich. Ziehst du ihn Bitte an, wenn wir gefrühstückt haben.“ „Ich nehme an, die Frage wohin, kann ich mir sparen.“ „Ja! Claire …„ „Es ist das Beste du bringst mich nach Haus. Wir sollten das Ganze vergessen!“ „Eben da kann und will ich dir unter keinen Umständen zustimmen.“ Raphael zog mich zu sich, hielt mich fest umarmt. „Ich habe das vorhin verdient, manchmal treibe ich es zu weit. Aber wenn du mich ab zu bremst, bekommen wir das schon hin. Ich meine, was ich sage.“ „Raphael, eine Freundschaft, gerade eine die sich erst entwickeln muss, kann man um keinen Preis erzwingen. Ich glaube du hast dich da in etwas verbohrt.“ „Du irrst dich! Und das werde ich dir beweisen! So jetzt erhebe deinen Körper und zieh dich an.“ Kurz darauf saßen wir im Auto, fuhren zurück nach St.Paul. Doch anstatt in meiner Straße anzuhalten, fuhr Raphael weiter. Am Theodore Wirth Park suchte er einen Parkplatz, mir schwante Übles. „Du willst doch keine Ski fahren?“ „Nein besser!“ „Snowboarden?“ Doch er grinste mich nur an. „Warte hier!“ er ging in den Verleih, das konnte er vergessen ich werde mich auf keinen Fall auf ein Brett stellen. Zu meiner Überraschung kam er mit einem Reifen heraus „Rodeln?“ fragte er anzüglich. Das war die längste Bahn, die ich je gesehen habe. Und wie viele Menschen die Bahn nutzten. Wir stapften nach oben. „Schade, dass wir nur einen Reifen haben, wer als Erstes?“ „Erzähl keinen Quatsch.“ Raphael warf sich auf den Reifen und zog mich hinterher, sofort rutschten wir los. Wie Raphael es schaffte mich auf seinen Schoß zu ziehen weiß ich nicht. Doch es machte riesigen Spaß. Sobald wir unten waren, ging es wieder hinauf ohne Unterlass. Zuletzt hielt ich mich am Reifen fest und ließ mich von Raphael mit hochziehen total erschöpft aber wie ein kleines Kind bat ich nur noch einmal. Bis ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte und abseits der Bahn in eine Schneewehe fiel. Lachend kam ich allein nicht mehr heraus so musste Raphael mich hochziehen. Und ich ließ mich wieder fallen doch diesmal auf Raphael der verlor das Gleichgewicht und wir segelten auf der aalglatten Bahn nach unten. „Du verrücktes Huhn, wir hätten uns alle Knochen brechen können.“ Lachte Raphael, ich strahlte ihn an und gab ihm einen Kuss auf den Mund. „Noch einmal?“ Alle Heiterkeit war aus seinem Gesicht gewischt. „Ja!“ knurrte er und umschloss mein Gesicht mit seinen Händen. Knutschend lagen wir mitten auf der Rodelbahn. Als einige Leute sich laut über uns beschwerten, standen wir auf. Raphael nahm mich an die Hand und steuerte das Auto an. Im Nu waren wir bei mir vor dem Haus, eilten die Treppe hoch. Kaum war die Tür hinter uns geschlossen lagen wir uns in den Armen. Küssend hob Raphael mich hoch und trug mich ins Schlafzimmer. Bis Raphael aufseufzte „Was tue ich hier bloß!“ er schaute mich an, strich mir einige Haare aus dem Gesicht und ging. Perplex stand ich da. Langsam begreifend, dass es vorbei war. Ehe es begonnen hatte. Tat es weh ja, würde ich daran zugrunde gehen nein. Ehrlich gestand ich mir ein in Raphael verliebt zu sein, aber er war ein verheirateter Mann. Im Grunde konnte ich froh sein, dass er die Situation beendete. Ich konzentrierte mich auf meine Aufgaben, die Leere in mir ignorierte ich, das Leben geht weiter. Sue fragte, wie das Wochenende mit Raphael verlaufen sei. Ich erzählte ihr ausführlich, wie viel Spaß wir beim Rodeln hatten. Sie nahm dies zur Kenntnis behielt wie zuvor jeden weiteren Kommentar für sich. So wie ich sie kannte, konnte sie sich den Rest in groben Zügen selbst ausmalen. Sie nahm mich einfach nur in den Arm und fand tröstende Worte. Doch Sue schien von einer neuen Aufgabe beseelt zu sein. Finde einen Mann für Claire. Erst nörgelte sie an meinem Outfit herum, dann schleppte sie mich zum Friseur und zur Kosmetikerin. Ich muss sagen das mir die Reaktionen auf mein verändertes Aussehen gefielen. Sogar meine Studenten schlugen mit Komplimenten um sich. Doch ich brachte sie, schnell wieder dazu, ihre Aufmerksamkeit auf ihr Referat, zu bringen. Nach zwei Wochen gab ich Sues bitten nach und ging mit ihr zu einer Feier. Daraufhin schleppte sie mich überall mit hin. Immer darauf bedacht einen Mann für mich, zu finden. Mit einem kam sie schon am ersten Samstag an. Niklas gut aussehend, intelligent. So stellte sie ihn mir vor. Sie kannten sich schon eine Weile. Doch schon bald wusste ich, wo ihn der Schuh drückte. Er war bis über beide Ohren in Sue vernarrt. Darauf sprach in ihn direkt an. Dies stritt er erst ab, jedoch nach einer Weile gab er zu, in Sue verliebt zu sein. Nachdem ich ihn näher kennenlernte, fand ich er sei genau der Richtige für Sue. Schwieriger erschien es mir Sue davon zu überzeugen, jedoch verlief dies einfacher als ich dachte. Und die beiden passten wirklich gut zusammen. Aber leider bekam ich die Schattenseite dieser Verbindung mit, denn auch Niklas stellte sich auf Sues Seite, unbedingt jemanden für mich zu finden. Also ließ ich dies über mich ergehen. Nur die Sonntage behielt ich mir vor. Ich unternahm kurze Ausflüge ging spazieren lernte die nähere Umgebung besser kennen. Mit der Zeit erweiterte ich meinen Umkreis und lernte ein älteres Paar kennen, sie brachten mich darauf, es einmal mit wandern, zu versuchen. Erzählten mir das jeder der die Natur liebte darin einen guten Ausgleich findet. Also versuchte ich es, leistete mir teure Schuhe und ging los. Zuerst wahllos doch dann immer gezielter. Es stimmte ich konnte abschalten. Und hatte das Gefühl niemals allein zu sein, als wäre ständig jemand an meiner Seite. Deshalb nahm ich das Angebot meines Nachbarn gerne an, mir sonntags seinen Wagen ausleihen zu dürfen. Somit war ich ungebunden und plante schon in der Woche, wohin es ging, nur die Gegend um Afton mied ich. So gehörten die Sonntage mir, indessen verbrachte ich die Freitage und Samstagabende in Discos auf Feiern oder sonstigen Festivitäten. Als Sue das Wochenende plante, sah ich Niklas an das Er keineswegs mehr so begeistert war. In einem ruhigen Moment das heißt als Sue gerade im Bad war, kamen wir überein den Freitag wie geplant zu verbringen. Den Samstag aber wollte ich dann absagen, weil ich mich mit Paul verabredete. Er war einer von Niklas Bekannten, den ich vor einiger Zeit kennenlernte. „Dann werde ich Sue Freitag die Verabredung mit Paul unterjubeln und ihr habt dann Zeit genug, neu zu planen.“ Wiederholte ich den Schlachtplan. „Du bist ein echter Freund, Claire, danke!“ Der Freitag lief wie geplant, Sue und ich wollten einen ruhigen Frauenabend verbringen und Niklas traf sich mit Freunden. Wir wollten uns bei Toni treffen, aber wie üblich kam Sue zu spät. Indessen unterhielt ich mich mit Toni, er erzählte mir eine neue Leidenschaft gefunden zu haben, das Theater. „Du musst mich unbedingt einmal begleiten, es ist wundervoll.“ So schwärmte er von seinen Besuchen. „Na ihr beiden turtelt ihr wieder?“ typisch Sue, ohne ihre Verspätung zu entschuldigen, setzte sie sich. Niklas dagegen entschuldigte sich, „Tut mir leid, diesmal lag es an mir. Wir haben noch einen meiner Bekannten abgeholt, deshalb sind wir spät dran.“ Grinsend sah ich ihn an „Deshalb kommst du extra rein, ich habe eigentlich mit Sues Verspätung gerechnet.“ „Jetzt hört aber auf so schlimm bin ich gar nicht!“ beschwerte sie sich. „Aber ich wollte, dass Niklas die Sache gerade stellt!“ Rechtfertigung in der Stimme, „Wo ist denn der Übeltäter, weswegen dieses ganze Aufregung entstanden ist?“ Sue sah sich um. „Hier!“ antwortete eine angenehme sonore Stimme. „Ah, Claire darf ich dir vorstellen, Ben!“, daher wehte also der Wind, meine liebe Freundin war wieder in Kuppellaune. Ben begrüßte mich artig. Er war wirklich ein Bild von einem Mann. Groß sehr groß sogar, gut aussehend. Nur schlug er die Lider unangenehm mehrmals hintereinander zu, um dann damit aufzuhören. Das machte mich ganz wirsch. „Sue hat mir eine Menge über dich erzählt.“ Platzte er drauf los. Das konnte ich mir nur zu gut vorstellen und warf meiner Freundin einen bösen Blick zu. Niklas drängte zum Aufbruch, verabschiedete sich und riss Ben von meiner Seite los. „Na was sagst du? Ein Adonis, Himmel sieht der gut aus.“ Schwärmte sie. „Ja, sieht ganz gut aus, aber hast du gesehen was er mir den Lidern macht?“ und zeigte es ihr. „Na und ein kleiner Tick, vielleicht hat er das ja nur ab und zu.“ Entgegnete sie. „Außerdem braucht man eine Leiter, wenn man deinen Ben küsst.“ Merkte ich an, Sue verdrehte die Augen. „Lerne ihn erst mal kennen!“ meinte sie nur. „Aber interessant das du ihn schon küssen willst!“ Es war zum Verzweifeln, ich konnte mich auf ein Wiedersehen mit diesem Adonis freuen. Gott sei Dank kam Toni mit der Karte und Sue hörte auf. Etwas verstimmt nahm sie die Karte entgegen, aber das hielt nicht lange an. Wir genossen wir den Abend. Etwas heikel wurde es, als ich ihr mitteilte, morgen mit Paul auszugehen. Das nahm sie ohne Kommentar hin. Niklas kam zur verabredeten Zeit, angeheitert bestellte er sich einen Schlummertrunk. Sue erwähnte meine geänderten Pläne und Niklas tat entsprechend bedauernd. „Wo wolltet ihr noch mal hin?“ fragte sie mich, „Das habe ich nicht erwähnt mal schauen.“ fieberhaft überlegte ich eine Antwort mir viel nichts Besseres, als ein Pub ein von dem Paul schwärmte. „Oh da wollte ich auch gerne mal hin, was hältst du davon Niklas?“ dieser war zu überrascht als etwas zu sagen, „dann treffen wir uns morgen dort.“ Entschied Sue. „Niklas möchtest du Ben dazu einladen?“ Niklas überrumpelt und angetrunken besaß keine Chance. „Sue ich habe mich mit Paul verabredet!“ „Aber das ist ein öffentliches Lokal, Claire, wenn wir und Ben nun einmal dazu stoßen …“ „Vergiss es!“ Sue wusste, wo meine Grenze lag. Zuckersüß gab sie nach, eines wusste ich genau, morgen Abend waren die Beiden in dem Pub. So musste ich Paul anrufen und ihn bitten mit mir in den Pub zu gehen. Sauer wie ich war machte ich mich für den Abend fertig. Zog einige von Sues ausgesuchtem, für mich eher gewagtem Outfit an. Damit wollte ich sie täuschen, grinsend besah ich mich im Spiegel, das wird eine kurze Verabredung. Paul tat mir zwar leid, aber er war sowieso nur mäßig an mir interessiert. In dem Pub war es überraschend angenehm, sogar eine kleine Ecke zum Tanzen gab es. Wie vorherzusehen kamen Sue und Niklas auch. Schon bald war der Pub gut besucht und ich verstand Paul, so früh hierherzukommen. Nach einer Stunde teilte ich Niklas mit gleich mit Paul zu verschwinden, die Gelegenheit war günstig. Sue unterhielt sich am anderen Ende der Theke und Paul schlenderte herum. Niklas überglücklich drückte mich herzhaft, küsste dankend meine Wange, als ihm plötzlich alle Gesichtszüge entglitten. „Nun, Claire kannst du mir verraten, was du mit dem Freund deiner Freundin anstellst? Ich würde behaupten er ist dir nicht gewachsen! Wie wäre es mit jemandem, der deinen Verführungskünsten entgegenhalten kann?“ Die Stimme kannte ich, nur zu gut! Nur war sie diesmal. Kalt. Abschätzend. Langsam drehte ich mich um und schaute in Raphaels drohend funkelndem Angesicht. Seine ganze Ausstrahlung war angst einflößend. Wie ein Racheengel stand er vor mir, jeden Augenblick auf uns herabstoßend. Schützend stellte ich mich vor Niklas, was den Sturm in seinen Augen weiter entfachte. „Raphael! Was ich mit wem auch anstelle, ist ganz allein meine Angelegenheit! Wenn ich einen Rat benötige, mein Lieber! Bist du der Letzte den ich Frage! Wenn du uns nun entschuldigen würdest! Wir haben uns gerade unterhalten, als du uns so rüde unterbrochen hast.“ Abwertend, wie er mich ansah, entgegnete ich seinen Blick gelassen, schulterzuckend drehte ich mich um und ließ ihn stehen. Doch seine Worte ließen mich innehalten, „Dann eine vergnügliche Nacht!“, spie er zwischen den Zähnen knurrend hervor, „ich warne dich junger Mann, lauf so schnell, wie du kannst wenn sie ihre Fänge nach dir ausst …“, Die nächsten Worte blieben ungesagt, ich hatte mit aller Kraft zugeschlagen, ungerührt sah er mich an. „Lass die Finger von unschuldigen jungen Männern!“ warnte er mich. „Diesen hier wirst du nicht in deine Fänge bekommen. Solange ich es verhindern kann, auch keinen anderen.“ Und stürmte hinaus. Das durfte doch nicht wahr sein, ich träumte, die erstaunten Gesichter und meine brennende Hand sagten etwas anderes. Bestürzt, völlig fassungslos rang ich nach Fassung. Das Einzige, was ich aufbrachte, war ein kurzes trockenes Auflachen. Niklas wirkte ebenfalls verwirrt, er starrte immer noch den Fleck an, an dem Raphael zuvor gestanden hatte. „Das war“ er bemühte sich Worte zu bilden, „unglaublich, wie du dich diesem Kerl entgegengestellt hast, Claire. Wirklich ich bin kein Feigling, aber bei dem, gerade …“ er beendete den Satz nicht, sondern fixierte mich mit, verwunderten Ausdruck. „Tja, milde ausgedrückt ein abscheulicher Auftritt.“ Wusste ich nichts anderes zu sagen. „Der Typ scheint ja ganz schön sauer auf dich zu sein! Oder er fährt auf dich ab.“ Grinste eine Bekannte mich falsch an. Die Röte stieg mir ins Gesicht, verlegen schaute ich auf den Boden. Paul kam zu mir und drängelte mich zur Tanzfläche, irgendwelche Nichtigkeiten erzählend. Am liebsten wäre ich weggelaufen, die Blicke spürend die man mir zuwarf. Die Szene machte die Runde. Ich sah Sue, wie sie mit Niklas redete, ich nahm an er informierte Sue über den Vorfall. Nach ihrem Gesicht zu schließen, wirkte sie sauer. Den Blick suchend über die Menge gerichtet, als ob sie nach Raphael fahndete, verschränkte sie die Arme. So wie ich Sue kannte, würde sie mich heute keinen Augenblick mehr aus den Augen lassen. Darum bat ich Paul mich von hier wegzubringen, sich in die Brust werfend, versicherte Paul mir, dass er mich verstehe. Zügig Verabschiedenden wir uns von Niklas und Sue. Letztere wollte unbedingt mit, ich versicherte ihr das sei unnötig, beruhigend sprach ich auf Sue ein, bis sie schließlich nachgab. Paul schien versessen darauf zu sein meinen Beschützer zu spielen. So gingen wir, unterwegs erklärte ich ihm das Ich keine Lust habe irgendwo einzukehren. Ich wolle einfach nur nach Haus. Galant bot er mir an mich nach Haus zu bringen, was ich dankend annahm. Angekommen bestand er darauf mich zur Tür zu begleiten, ergeben gab ich nach. An der Haustür reichte ich ihm meine Hand nochmals dankend. Völlig überrumpelt stürzte er sich auf mich. An sich pressend versuchte er, mich zu küssen. Abwehrend wand ich mein Gesicht zur Seite, meine Arme waren in seiner Umklammerung gefangen. Nasse Lippen bedeckten hektisch mein Gesicht und Hals. Ich warf meinen Kopf hin und her, aber Paul schien dies noch anzufeuern. Stöhnend flüsterte er mir ins Ohr, wie sehr er mich wolle. „Wusste ich es doch, einer scheint dir an einem Abend nicht zu reichen! Mann sieh zu das Du Land gewinnst.“ Dröhnend packte Raphael den Heißsporn an den Kragen und schleuderte ihn von mir weg. An die Tür gelehnt nach Atem ringend, konnte ich nicht umhin ein Auflachen zu unterdrücken, als ich sah, wie Paul mit eingezogenem Schwanz das Weite suchte. Dann wurde mein Blick auf Paul versperrt. Die Hände an die Tür gestützt presste nun Raphael seinen ganzen Körper gegen mich. Gefangen hörte ich, „ jetzt wollen wir doch mal sehen, wie du mit mir fertig wirst! Mit dem Jungen hattest du ja keine Schwierigkeiten.“ Langsam zischend kamen die Worte, ebenso langsam senkte er den Kopf, mit beiden Händen umschloss er mein Gesicht; flüsternd flehte ich, „Nicht!“ „Zu spät! Claire! Zu spät“; sein ganzes Gewicht spürend nahm er meine Lippen hart in Besitz. Erbarmungslos küsste Raphael mich, eisig war der Mund, der sich an mich presste. Versteinert ließ ich es geschehen. Endlich gab er meine Lippen frei. „Mir scheint, du hast an Feuer verloren!“ zynisch starrte er mich an. „Es kommt darauf an, wen ich küsse. Jeder andere ist mir lieber. Du lässt mich kalt!“Und wischte mir fest über den Mund. „So! Wenn ich mich recht erinnere, hattest du vor gar nicht langer Zeit keine Ahnung, von einem Mann geküsst zu werden. Oder sollte ich mich getäuscht haben.“ Grinste er mich frech an. „Bist du fertig? Oder muss ich das noch einmal ertragen?“ in meiner Wut sah ich ihm fest in die Augen, er trat zurück deutete auf die Tür. „Bitte!“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, so schnell es meine zittrigen Finger zuließen schloss ich auf und betrat den Hausflur. Rannte die Treppe hinauf, ich wollte nur noch eines mich verstecken den heutigen Abend vergessen. Doch darauf würde ich warten müssen, denn bevor ich meine Wohnungstür entriegelte, wusste ich, wer hinter mir stand. „Was willst du noch? Deinen Hohn hast du an mir ausgelassen. Du hast mich beleidigt, erniedrigt, was also noch?“ nun gaben meine Hände ihren Dienst ganz auf. Raphael nahm meinen Schlüssel sperrte die Tür auf und schob mich hinein. Sorgfältig schloss er sie wieder. Keinen Schritt weiter in meine Wohnung gehend blieb ich stehen, wo ich war. „Deine Gastfreundschaft lässt zu wünschen übrig! Danke ich trinke sehr gern einen Kaffee!“ „Für dich habe ich nur eines. Rattengift!“ Über meinen Einwand ging er hinweg, „ich sagte dir schon, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um dich daran zu hindern junge Bengel zu verführen.“ „Das sagtest du bereits!“ „Du scheinst es wirklich auf jeden Mann abgesehen zu haben. Hast du dich deshalb so aufgetakelt?“ „Aber ja, junge Bengel stehen darauf!“ inzwischen saß er auf meinem Sofa. „Sonst noch was?“ „Ja! Ein zwei, Worte will ich dir mit auf dem Weg geben. Such, dir Männer in deiner Gewichtsklasse und lasse meine Studenten in Ruhe.“ „Deine Studenten, was habe ich mit denen zu tun!“ und zog meinen Mantel aus. Mein Kopf hämmerte als sei ein Presslufthammer darin aktiv. „Nun tu nicht so, ich weiß genau Bescheid …!“ Warum nur hörte ich mir diesen Blödsinn an? Unterbrach Raphael in seiner Rede, „Weißt du was, ich gebe dir recht in allen Punkten, zufrieden? Gut! Auf Nimmerwiedersehen!“ und deutete zur Tür. Drohend kam er auf mich zu, setzte seinen Redefluss fort, meine Worte ignorierend, „… oder willst du behaupten, dass du sie hier nicht regelmäßig empfängst. Ich habe selbst gehört wie Max und Chris sich über dich ausgelassen haben, wie toll du bist! Willst du noch mehr hören oder gibst du es endlich zu.“ Die Erkenntnis, dass meine fünf, seine Studenten waren, war überraschend aber im Grunde unerheblich. Die Schlüsse, die er daraus zog, passten zu seiner zweifelhaften Moral. Er spielte Ankläger und Richter zugleich, dabei stand er über dem Gesetz. Das machte mich richtig wütend. „Ich will dir mal was sagen!“ und ging einen Schritt auf ihm zu, „ Du bist ein Heuchler, ein verheirateter Heuchler! Du hältst mir alle möglichen Sachen vor, bitte es liegt nicht an mir, dich von dem Gegenteil, zu überzeugen. Aber du mit deiner Doppelmoral, bist der Schlimmste!“ jedes Wort unterstrich ich, indem mein Finger auf seine Brust landete. „Einen Heuchler nennst du mich! Muss ich dich daran erinnern, wer verzückt in meinen Armen gelegen hat. Was glaubst du denn, wäre passiert, wenn ich geblieben wäre.“ „Rein gar nichts!“ behauptete ich und verschränkte meine Arme vor der Brust. „Willst du mich oder dich belügen?“ er fand das amüsant, „soll ich deine Erinnerung auffrischen?“ dieses Aufblitzen in seinen Augen verhieß nur eines, Unheil. „Das ist Schnee von gestern, darüber bin ich längst hinweg.“ Ging aber um Raphael herum in die Küche. „Eines musst du noch lernen, Claire, das Lügen!“ er kam hinter mir her, in der kleinen Küche war ich nun gefangen, Raphael füllte den Türrahmen aus. „Dazu besteht kein Anlass, ich kann sehr gut ohne damit leben. Würdest du meine Wohnung nun verlassen, dieses Gespräch ist für mich beendet.“ Ich trat auf Raphael zu in der Hoffnung er ginge endlich. „Nur noch eines!“ stellte er ruhig fest. „Und das wäre!“ forderte ich ihn heraus. „Dass du mich und dich belügst!“ langsam kam Raphael auf mich zu, ich ging zurück, bis die Wand dem ein Ende setzte. „Und jetzt werde ich, dich die Wahrheit lehren!“ Ich stellte mich auf einen Kampf ein, aber die Zärtlichkeit mit der er über mein Gesicht strich darauf war ich nicht eingestellt. Sacht fuhr er mit dem Finger meine Linien nach. Ich hielt die Luft an. Als er meine Reaktion bemerkte, registrierte er dies lächelnd. Während Raphael innig meine zusammengepressten Lippen küsste, stellte ich mir einen wütenden, drohenden Raphael vor. Verheiratet und zynisch. Das half mir, diesen Ansturm abzuwehren. Für eine Weile, denn die Bilder verblassten immer mehr und zum Vorschein kam ein ganz anderes Bild. Er fuhr mit seinen Lippen über meinen Hals, hielt inne in der Beuge. Das war nicht auszuhalten! Mein verräterischer Körper reagierte auf seine Zärtlichkeit. Ein kurzes triumphierendes Auflachen seitens Raphaels. „Nun sind wir auf den richtigen Weg!“ hauchte er mir ins Ohr. Ich entzog mich ihm, indem ich die Wand entlang rutschte, wenigstens ein kleines Stück. „Was glaubst du, damit zu beweisen? Du kannst mich hier mit Gewalt festhalten, bitte! Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es nur widerlich ist.“ „Von Niklas hast du dich küssen lassen!“ erwiderte er bitter, „regelrecht abgeschleckt hat er dich.“ Er hob mein Kinn an, sah mir vorwurfsvoll in die Augen, „obwohl Sue deine Freundin ist.“ Und fuhr wieder meinen Hals entlang. „Ich werde mich keinesfalls rechtfertigen! Du kannst glauben, was du willst.“ Mit der Zunge fuhr er weiter abwärts, „und der gerade vor deiner Tür?“ „Der ist nicht besser als du, ihr solltet euch gut verstehen!“ „Das glaube ich kaum!“ an mein Schlüsselbein verharrend. „Wann endlich gibt’s du es zu, du bist für jeden rechtschaffenen Mann eine Gefahr.“ „Ja, für die Ehrlichen genau! Aber dazu zählst du ja nicht. Was deine Frau wohl zu dieser Situation sagen würde? Lass sie uns anrufen.“ Das sollte dem Herrn wie eine kalte Dusche treffen, aber er fuhr unbeirrt weiter hinab. „Das reicht!“ Panik überkam mich, das hatte zuvor noch niemand gewagt. Ich schob ihn von mir, doch er nutzte die Gelegenheit. Blitzschnell umfasste er mein Gesicht. „Noch lange nicht!“ das hörte sich wie ein Versprechen an! Bisher standen wir zwar eng voreinander doch nun lehnte sich Raphael gegen mich. „So für die ehrlichen bist du eine Gefahr, nur für mich nicht?“ sanft fuhren seine Lippen über mein Gesicht. Dieses entflammende Streicheln war zu viel, mein Herz klopfte in unregelmäßiger Schnelligkeit, ich hoffte Raphael würde meine aufkeimende Erregung entgehen. Natürlich vergebens das leise Lachen, bestätigte meine Befürchtung. „Und wenn ich dir nun auch sage“ er hielt inne als überlege er, „Ah ja, wie sehr ich dich will! Es dir ins Ohr flüstere! Gibst du mir das Einverständnis dazu, mir zu nehmen, was ich begehre?“ „Du solltest erst deine Ehefrau um ihr Einverständnis bitten. Ich bin gespannt, wie sie darauf reagiert.“ „Um das ein für alle Mal klarzustellen, Claire“, nun schaute er mich direkt an, prüfend abwägend, sein Körpergewicht auf mich lehnend, hielt er mein Gesicht fest in seinen warmen Händen, „ich habe keine Frau, war weder verheiratet, noch habe ich es vor!“ Sprachlos sah ich ihn an, mit allem habe ich gerechnet. Konfus wirbelten meine Gedanken durch mein Hirn. Keinen klaren Gedanken fähig, starrte ich Raphael nur an. „Du hast angenommen ich bin verheiratet, dies habe ich nie behauptet! Ich sagte ich bin gebunden! Das ist ein Unterschied.“ Ich versuchte mich zu befreien, aber aus einem Schraubstock vergebens. „Du hast mich wissentlich hintergangen!“ „Nein, dich nur in deinem Glauben gelassen! Du Claire …“ er hielt inne, überlegte seine Worte nochmals. „… also ich habe mir selbst geschworen niemals absolut niemals mit einer Frau; einer bestimmten Art von Frau; nahe zu kommen. Körperlich, du Claire bist so eine Frau. Deshalb ist es belanglos für dich, in welchen Familienstand ich lebe. Denn ich werde dir unter keinen Umständen zu nahe kommen.“ Verwirrt sah ich ihn an, „So, das hier nennst du also, wie!“ und fing an zu lachen. Ich konnte nicht anders das Ganze war absurd. „Lässt du mich ausreden!“ „Das ist noch nicht alles? Da bin ich aber gespannt!“ Ruhig sah Raphael mich an, „ich will, dass du mich verstehst, wenigstens zum Teil. Als ich dich das erste Mal sah …“ „Im Supermarkt!“ stellte ich fest. „Nein! Ja! Was ich meine, du warst auf den Weg dorthin. Deshalb folgte ich dir, schon lange hat mich keine Frau derart angesprochen.“ „Nun bring die Sache auf den Punkt! Du warst auf eine schnelle Nummer aus. Deshalb hast du auch so nah hinter mir gestanden. Wie wolltest du denn die Sache angehen?“ fuhr ich dazwischen. Er schüttelte den Kopf. „Erst ja, das gebe ich zu. Aber dann. Du Fasziniertes mich. Ich bin dir nachgegangen also wusste ich, wo du wohnst.“ Raphael verzog das Gesicht, „doch dann erfuhr ich, wer du bist, was du bist. Als Mann durfte ich mich dir auf keinen Fall nähern, wie erfolgreich ich war, weißt du ja.“ „Warum bist du mir dann nicht einfach aus dem Weg gegangen? Dann wäre der Fall erledigt gewesen.“ „Vielleicht hast du recht. Doch ich musste, mit dir Kontakt aufnehmen, deshalb kam ich auf die Idee, dir diese idiotische Freundschaft, anzubieten.“ „Du musstest mit mir Kontakt aufnehmen?“ sein Zögern bei der Wortauswahl ließen mich aufhorchen, denn dann umschrieb Raphael etwas, das eine völlig andere Bedeutung hatte. Soviel verstand ich bereits. Er sah mir lächelnd in die Augen, weil er genau wusste, dass ich ihn durchschaute. „Ich wollte in deiner Nähe sein, dich beschützen vor all … den geifernden Kerlen, die etwas von dir wollten. Und wenn ich dann sehe wie dich Niklas oder dieser Typ dich antatschen dich berühren es wagen dich zu küssen. Bringt mich das in Rage.“ „War das alles?“ er nickte zögernd, „Gut, und nun verschwinde ich will dich nie wieder sehen, lass meine Freunde in Ruhe.“ Raphael hielt mich immer noch gefangen, ich konnte nur warten. „Claire, ich …“ „Nein! Keine Chance, ich habe dir nichts mehr zu sagen!“ „In Ordnung, aber wenn du es dir anders überlegst, du Hilfe brauchst irgendetwas. Dann weißt du, wo du mich findest. Habe keine Scheu mich zu fragen ich werde immer für dich da sein.“ Er sah mich ernst an, „ich meine es so, wie ich sage, Claire! Egal was du gerade über mich denkst, ich werde dir immer zu Hilfe kommen!“ dann senkte er erneut den Kopf „Einmal nur …“ und küsste mich. Ich konnte nicht anders erwiderte seine Zärtlichkeiten. Verlangend hielt er mich, gab jede Zurückhaltung auf. Wenn ich bisher dachte, er war leidenschaftlich, was war das dann. Wie naiv ich war. Jeder Kuss, jede Berührung zielte auf meine Begierde hin. Kühner werdend eroberte er Stück für Stück meines Körpers hinterließen brennende Spuren, die noch nie ein Mann zuvor berührte. Dann plötzlich war ich frei, keuchend standen wir uns gegenüber. Raphaels leidenschaftliches Gesicht drückte seine Entschlossenheit aus. Er hatte eine Entscheidung gefasst. Lächelte wehmütig auf, gab mir einen Kuss auf die Nasenspitze und ging. Bevor er hinaus war, sagte er noch „Denk daran, wenn du Hilfe brauchst, ich werde da sein.“ Dieses Kapitel war abgeschlossen, ich war ehrlich genug zu mir selbst! Die Gefühle, die ich für ihn hegte, waren tief. War es Liebe? Ich wusste es nicht, doch es tat weh. An diesem Sonntag beschäftigten sich meine Gedanken fast nur mit Raphael. Ich wusste es war keineswegs gut für mich, doch ich empfand es als richtig. Sue erreichte mich am Sonntagabend, als ich gerade duschen gehen wollte. „Mach es kurz!“, begrüßte ich sie froh gelaunt, „Ein Stinktier ist nichts gegen mich.“ Einen Moment war es still am anderen Ende, „Claire, ist alles in Ordnung mit dir?“ „Ja, sicher warum fragst du?“ „Na, hör mal, nachdem was Niklas mir erzählte!“ „Ach das, und deswegen warst du besorgt, ich habe dir doch schon im Pub gesagt, das es mir gut geht. Hör zu Sue, wir reden morgen ich will duschen und dann essen, o.k.“ „Wie du willst, Claire, was ist mit Raphael?“ ich holte kurz Atem, „Nichts!“ „Wir sehen uns!“ Sue legte auf. Die nächsten Tage misstraute Sue mir, doch dann legte sie ihren Argwohn ab. Sie verwendete ihre Tatkraft, für mich einen Mann zu finden. Ich ließ ihr, bis zu einem gewissen Grad ihren Willen. An einem unserer Freitagabende erzählte sie mir von Ben, ich erinnerte mich kaum an ihn. Außer an diesen seltsamen Augenaufschlag. Toni bekam die Unterhaltung mit und setzte sich zu uns dann wandte Toni sich an Sue, „Da du die Verabredungen deiner Freundin triffst“, er lachte mir kurz zu, „trage bitte nächsten Samstag ein. Sie geht mit mir ins Theater!“ schaute aber mich fragend an, ich nickte. Sue verdrehte die Augen, „Toni, wenn du versuchst, sie zu verführen, oder ihr sonst wie zu nahe kommst. Entmanne ich dich!“ drohte Sue. „Oje, ich werde Claire wohlbehalten in deine liebenden Arme zurückgeben, Schwiegermama!“ lachte er. Das Wochenende sahen wir uns nicht, Sue hatte ihren freien Samstag. Aber am Montag erzählte sie mir in der Mittagspause wieder von Ben. „Er will die Woche im Laden vorbeikommen, ich glaube er ist an dir interessiert.“ Sie erzählte in den höchsten Tönen von Ben, wie sehr er es bedauerte, dass ich nicht gemeinsam mit ihnen aus war. „Wenn du nur aufhören würdest!“ „Womit?“ „Deine Versuche mir einen Freund zu verschaffen! Hast du eigentlich bemerkt, dass der Frühling kommt!“ „Spinnst du jetzt total?“ entsetzt schaute sie mich an. Ich dagegen grinste, „Kann, schon sein!“ Gut gelaunt, dabei warf sie mir vor, dass ich ihr manchmal Angst einjagte, machten wir uns auf den Weg zurück zur Bücherei. Bis Sue erschrocken stehen blieb, „Schau nicht hin, Raphael kommt uns entgegen. Sieh auf deine Schuhe!“ befahl sie mir, das tat ich natürlich nicht. Ich sah ihm entgegen! Raphael begrüßte uns wir wechselten ein paar nichtssagende Worte dann trennten sich unsere Wege. „Er hat nur dich angesehen Claire und es scheint als ginge es ihm wirklich unter die Haut!“ „Hast du jetzt Mitleid mit ihm?“ fragte ich hart, sie sah mich schuldbewusst an. Einige Schritte weiter blieb ich stehen drehte mich zu Sue, fragend eine Unschuldsmiene im Gesicht fragte ich „Sieh auf deine Schuhe?“ „Na ja, das war eine extreme Situation.“ Schlug Sue grinsend vor. „Das darf nicht wahr sein - Schuhe!“ lachend tänzelte ich vor ihr immer wieder Schuhe vor mich hinmurmelnd. Kurz vor Feierabend, es war ein Moment Ruhe, ging ich zu den Fünfen. Und fragte nach, wie die Arbeit lief. Murrend gaben sie zu, dass es schleppend voranging. „Wenn ich morgen früh im Gewölbe bin, schau ich nach vielleicht finde ich ja noch ein paar Bücher, die euch weiterhelfen.“ Versprach ich ihnen. Das tat ich dann auch, am nächsten Tag, es würde nicht auffallen, wenn ich heute nur einen Teil meiner Arbeit ausführte. Genau genommen gehörte dieser Teil die Studenten mit den passenden Büchern zu versorgen auch dazu. Im Laden war gerade nichts los und Molly saß in ihrem Büro da kam Sue zu mir „Hör mal ich habe vorhin mit Niklas telefoniert, er sagte, dass Ben sich schon wieder bei ihm gemeldet hat.“ „Ja und?“ „Claire er will sich unbedingt mit dir verabreden, er schlägt Samstag vor. Ein Vierer Treffen.“ „Keine Chance sage das, Niklas, unmissverständlich!“ Schuldbewusst sah Sue mich an, leise gestand sie, „ich habe für Samstag zugesagt.“ „Dann sag ab!“ forderte ich sie auf. „Aber …“ „Kein aber, Sue ich habe Samstag etwas vor, wie du weißt.“ „Das habe ich abgesagt!“ kleinlaut duckend, floh sie vor mir. „Was hast du gemacht, das glaube ich nicht, komm her du Feigling!“ und marschierte hinter Sue her. Gott sei Dank waren keine Kunden im Laden. Max und Konsorte zählten nicht dazu, sie gehörten mittlerweile zum Inventar. Sue stand am Ende des Regals. „Claire nicht sauer sein, Toni hatte vollstes Verständnis, gib Ben eine Gelegenheit lerne ihn erst mal kennen. Bitte, bitte!“ flehentlich schaute sie mich mit ihren blauen Augen an. Ergeben beruhigte ich mich. „Versteh es, ich habe kein Interesse an diesem Typen!“ „Also wenn ich mich einmischen darf, Sue hat recht Claire, wenn du keinem Mann die Möglichkeit gibst, lernst du auch niemanden kennen, mit dem du zusammen sein möchtest.“ erläuterte Kevin strahlend. „Was geht dich das an!“ fauchte ich. „Uns allen, du bist ein super Kumpel und dazu siehst du auch noch gut aus, aber mit deiner kühlen Art, verscheuchst du jeden Mann.“ Die Arme vor der Brust verschränkt, lehnte Max sich grinsend zurück. Triumphierend kam Sue näher. „Siehst du, was habe ich gesagt.“ Genervt sah ich sie der Reihe nach an. „Dränge ich euch einen Partner zu finden, begreift bitte, ich suche keinen, und wenn ein Mann kommt, der mir auf Anhieb gefällt, werde ich sehen. Aber so einen“ und zeigte ihnen das Zuschlagen der Lider, „kommt für mich nicht infrage. Da werde ich nur irre von!“ Sue hielt dagegen, „Du übertreibst maßlos! Es ist nur ein kleiner Tick. Seit wann regst du dich über so etwas auf?“ „Weil das meine einzige Erinnerung an Ben ist.“ Dabei schlugen meine Lider unbarmherzig mehrmals hintereinander zu. Sue sah mich verwirrt an. „Siehst du!“ war mein einziger Kommentar dazu. Noch einmal alle warnend musternd. „So seid lieb, die Pause ist vorbei“. An meine Freundin gewandt. „Sue du sagst Niklas Bescheid und ruf Toni an!“ klein beigebend nickte Sue, die Fünf räusperten sich geräuschvoll, „und wie weit seid ihr? Haben euch die Bücher geholfen, mehr über den Erzengel Michael herauszufinden?“ Begeistert schilderten sie ihre Fortschritte, als Nächstes kam Gabriel an die Reihe und dann der letzte Erzengel. Es gab verschiedene Glaubensrichtungen mehr Engel, die sie auch erwähnen wollten, sowie die ersten Engeldarstellungen um 2250 v.Chr. in Mesopotamien, bis zur heutigen Zeit. „Es ist eine Schinderei, schade, dass wir keinen Computer nutzen dürfen. Doch wir verstehen den Sinn der Übung, über Engel in Büchern zu lesen ist etwas anderes als im Internet.“ Bemerkten sie. „Aber ich habe trotzdem nachgeschaut, und wisst ihr was die drei Erzengel werden am 29. September besonders …“ „Das ist dein Geburtstag, Claire!“ unterbrach Sue, Max. Lachend einander ansehend, grinsten die Fünf mich feixend an, endlich hatten sie es herausgefunden. „Ups, das ist mir so rausgerutscht.“ Entschuldigte sich Sue. „Das nennt man Freundin!“ seufzend sah ich sie an, vor mich hin murmelnd einige spezielle Studenten beschimpfend, insbesondere eine abtrünnige Busenfreundin und ging. Lautes Gelächter den Rücken kehrend. Molly kam aus ihrem Büro, angelockt vom Gegröle aus den hinteren Reihen, beruhigend bemerkte ich, dass keine Kunden im Geschäft waren. Da die Gelegenheit günstig war, fragte ich Molly, welche Kleidung bei einem Theaterbesuch, angebracht sei. Den Rest der Woche ging Molly gedanklich meine Garderobe durch, wissend, was ich auf keinen Fall tragen sollte. Am Samstag gab es ungewöhnlich wenig zu tun, wir standen verloren im Laden herum noch eine Stunde, alles war für den Feierabend bereit. Gott sei Dank da kam ein Kunde, eintretend sah er sich um. Mir verschlug es die Sprache, dieser Ben. Darum konnte sich Sue kümmern, ich warf ihr einen auffordernden Blick zu. Freundlich begrüßten sie sich, dann trat Ben selbstbewusst auf mich zu, indem er meinen Fluchtweg abschnitt. „Guten Tag, Claire.“ Grüßte Ben, „ein nettes Geschäft, wenn man Bücher mag.“ Zögernd nickte ich ihm zu. „Danke, du scheinst keine Vorliebe für Bücher zu haben?“ „Gewiss nicht!“ „Und was verschafft uns dann die Ehre deines Besuchs?“ ich konnte ihm nicht in die Augen sehen, das Zuschnappen seiner Lider irritierte mich. „Ich will gleich mit dir essen gehen!“ forderte Ben. Sue verzog sich, „Es tut mir leid, heute habe ich keine Zeit.“ Seine Forderung war ganz schön dreist. Er gestattete sich ein selbstgefälliges Grinsen. „Sicher der Theaterbesuch, nun das ist heute Abend zu Mittag musst du essen, richtig. Schließlich auch nach der Aufführung, was mir persönlich lieber wäre.“ Seine Augenlider zuckten ständig kurz zusammen. Fragt sich nur, was du gern verspeisen willst, dachte ich. „Nach der Aufführung werde ich nach Hause gehen, da ich Sonntag früh aufstehe.“ „Warum stehst du denn sonntags früh auf?“ das ging ihm nun wirklich nichts an, und bevor ich meinen Verstand einsetzte, war es auch schon heraus. Wieder dieses Zucken. Die Ladentür ging erneut auf und ein abgehetzt wirkender Mann stürmte hinein. Sue ging zu ihm aber er winkte ab. Sondern, er fixierte Ben auf eine bedenklich beunruhigende Art. Bedächtig schlenderte er auf uns zu. Die Haltung des Mannes war warnend, eher drohend, die Spannung in der Luft knisterte spürbar. Keinen Meter entfernt von Ben blieb er stehen. Die Arme vor der Brust verschränkt, starrte er Ben an, ohne einmal die Lider zu senken. Ben dagegen ignorierte den Neuankömmling völlig. Nur schlugen die Lider noch schneller zu. „Ich werde mich bei dir melden, spätestens bis Mitte der Woche, wenn die Luft …“, abschätzend zu seinem Gegenüber, „sauberer ist.“ Nickte mir, dann Sue kurz zu und verließ das Geschäft. Aufatmend wurde mir bewusst, wie verkrampft ich dastand. An den Unbekannten wendend, kam dieser auf mich zu. Fast so groß wie Ben, aber kompakter mit blonder Mähne, um die ihn viele Frauen, bestimmt beneideten. Sue starte den Mann begeistert an, und dieser hob mich hoch, bevor ich überhaupt reagieren konnte. Schwang er mich schon durch die Luft und musterte mich eingehend. Als ob ihm gefiel, was er sah, leuchteten seine blauen Augen auf, verglichen mit Sues waren ihre ein blasser Schein. Seine erinnerten an einem Sternenhimmel, ein funkelndes blaues Firmament dieses ganze Antlitz strahlte mich an. Ich konnte nur eines, dieses Strahlen erwidern. „Gut ich bin nicht zu spät gekommen …“ er nahm mich wie ein kleines Kind in die Arme und wiegte mich. „Claire?“ fragte Sue neugierig besorgt herantretend. Der Fremde ließ mich hinunter, drückte mich kurz tröstend an sich, ehe er sich an Sue wandte. „Meine Güte!“ platzte sie heraus „Was für Männer du kennst, einer hübscher als der andere! Sind das Kontaktlinsen oder ist das deine Augenfarbe und deine Haare sind die echt?“ Nicht im mindestens schockiert grinste der junge Mann Sue an, „Die Frage könnte ich andersherum auch stellen. Nein das ist alles echt!“ strahlte er sie an, „darf ich mich vorstellen, Gab!“ und vollführte einen Diener als seien wir Prinzessinnen. „Warum verschweigst du mir eigentlich alles?“ hielt Sue mir vor. „Aber ich kenne den Mann gar nicht!“ erwiderte ich. „Ja sicher deshalb begrüßt ihr euch wie alte Freunde!“ schnippte sie mich an. „Darf ich Claire in Schutz nehmen? Sue, richtig?“ sie nickte gnädig, „wir sind uns noch nie begegnet, nur habe ich schon eine Menge von ihr gehört.“ Informierte er Sue, dann wandte er sich an mich, „ich bin nur wegen Ben hier, um dich vor ihm zu warnen. Raphael hätte mich um den ganzen Erdball und weiter gejagt, wenn dir etwas zugestoßen wäre!“ „Raphael?“ fragten Sue und ich gleichzeitig. „Ah, ich sehe mein Freund hat seinen Charme sprühen lassen.“ Erwiderte er gelassen. „Bist du hier, um bei Claire kleine Brötchen zu backen, für diesen Typen!“ wollte Sue barsch wissen. „Nicht im geringsten! Wie gesagt das Problem ist Ben.“ Das reichte ihr, mir aber auf keinen Fall! „Gab ich habe keinen Kontakt zu Raphael, deshalb kann ich mir auch …“ „Ich weiß“, er hob entschuldigend die Hände, „Gleich, unterhalten wir uns, in Ruhe. Ich warte!“ wie immer kam Molly kurz vor Ladenschluss ins Geschäft, obwohl sie ihren freien Tag hatte. Beeindruckt von meinen Bekannten, mit dem sie ein paar Worte wechselte, meinte sie dann, „Du kannst gehen, die zwei, drei Minuten machen nichts aus, viel Spaß heute Abend.“ So etwas war noch niemals zuvor geschehen, Gab durfte sogar mit ins Büro und den Nebeneingang benutzen. Sue und ich wechselten ungläubige Blicke miteinander. Als wir die Straße betraten, fragte ich Gab direkt warum er gekommen war. „Wie gesagt, dich zu warnen, aber lass uns das Bitte, woanders besprechen.“ „Gut, ein Stück weiter unten, ist ein Cafe dort können wir uns unterhalten.“ „Hm, ich möchte unter vier Augen mir dir reden, das heißt entweder bei dir zu Haus oder in der Hütte.“ Dahin wollte ich auf gar keinen Fall. „Raphael wird sofort verschwinden, wenn du ihm aus dem Weg gehen willst. Das hat er mir extra aufgetragen, dir zu sagen. Es ist wirklich wichtig, Claire!“ „Dann eben zu mir!“ im Grunde wollte ich die Sache so schnell wie möglich hinter mich bringen. Kaum bei mir angelangt, „Nun, heraus mit der Sprache!“ wandte ich mich entschlossen an Gab. Mich angrinsend „Nun, dieser Mann vorhin“, ich unterbrach Gab, „du meinst Ben?“ „Ja, also Ben. Seid ihr näher bekannt?“ Ich wusste zwar nicht was es Gab anging und einen kurzen Moment dachte ich, das Raphael dahintersteckte. Aber ich konnte mir nicht vorstellen das Gab sich für so etwas hergab. Solch einen Eindruck machte er einfach nicht. Er wirkte eher, wie ein Mensch der wusste, was er sagte. Also antwortete ich wahrheitsgemäß. „Nein, ich habe ihn heute das zweite Mal gesehen, er ist ein Bekannter meiner Freundin, vielmehr ihres Freundes. Warum fragst du?“ „Dieser Ben ist nicht gerade ein Freund von Raphael …“ „Dann sind wir ja schon zu zweit!“ lachte ich bitter auf. „Du scheinst das falsch zu verstehen. Er ist gefährlich, äußerst gefährlich sogar! Und wir denken, dass er dich benutzen will, um Raphael zu schaden.“ „Nun dann kann ich ihm ja immerhin sagen, dass ich keinen Kontakt zu Raphael habe. Dann wird er sich einen anderen Weg suchen und mich in Ruhe lassen.“ Meinte ich überzeugt. „Ja, das könnte funktionieren, wenn es ein anderer wäre, als Ben.“ Er spuckte den Namen beinahe heraus. „Es geht nicht um Raphael allein! Er könnte uns allen Böses zufügen, sollte er bei dir Erfolg haben.“ „Euch allen?“ wieso drückte er sich so aus. Genau wie Raphael! „Meinen Freunden und mir!“ Eindringlich sprach Gab weiter, „Ich weiß so ziemlich genau, was zwischen dir und Raphael vorgefallen ist“, gegen die röte die mir in die Wangen schoss war ich machtlos, „es ist nur so, kann es sein, das du dich mit Ben verbündest, um dich an Raphael zu Rächen?“ „Das ist … Nein so tief kann ich gar nicht sinken, das kannst du deinem Freund ausrichten!“ entrüstet sah ich Gab an, „ … sage deinem Kumpel, er ist ein …“ weiter kam ich nicht, denn Gab legte mir beruhigend einen Finger auf den Mund. „Nein, nein Raphael hat mir im Grunde das Gleiche gesagt, mich diesbezüglich sogar gewarnt, dich darauf anzusprechen. Also erwähne bitte gegenüber Raphael diese Frage nicht.“ Bat Gab mich. „Dies wird wohl kaum möglich sein! Da ich nicht die Absicht hege, mich jemals mit Raphael zu treffen.“ „Ich musste die Frage stellen, schließlich kennen wir uns nicht und Raphael vertraue ich in dieser Angelegenheit ebenso wenig.“ Meinte er entschuldigend. „War das alles? Die Warnung vor Ben! Wenn ja, dann …“ Seufzend unterbrach er mich, „Auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole, Ben ist eine Gefahr für dich! Auch wenn du ihm erklärst, keinerlei Beziehung zu Raphael zu haben. Wird er dies Ausnutzen, denn ich bin überzeugt Ben hat eure … äh Bekanntschaft beobachtet. Zumindest weiß er, eure Freundschaft war mehr als Raphael jemals eingeräumt hat. Daher wird er dich, gegen Raphael benutzen. Ben wird dich auf keinen Fall in Ruhe lassen.“ Erklärte er mir ehrlich besorgt. „Wie meinst du das? Benutzen?“ nun war ich doch ein wenig beunruhigt. „Ich will dir keine Angst einjagen, aber sei einfach vorsichtig, ja!“ Na, das hatte er gerade getan. „Moment, du erklärst mir, wie gefährlich Ben sei und dann soll ich nur aufpassen?“ Gab presste die Lippen aufeinander, „Vielleicht hält Ben sich ja auch von dir fern, da wir nun zu zweit sind! Und du gewarnt bist.“ „Okay, ich werde mich vorsehen. Genügt dir das!“ wie sollte ich das Verstehen, da sie nun zu zweit sind. Wollten Gab und Raphael auf mich aufpassen? Ich hatte absolut kein Interesse daran Gab noch Raphael wiederzusehen. „Damit muss ich mich zufriedengeben, doch darf ich mich ab und an bei dir melden?“ Aha, da war es! „Nur um zu hören, wie es dir geht!“ versicherte er mir. „Ehrlich gesagt, nein.“ „Verstehe, du hast das Gefühl, wieder mit Raphael in Verbindung zu stehen. Gut! Trotzdem werde ich dich im Auge behalten. Ich habe gehört, dass es in der Nähe eine gute Bücherei gibt. Ist das in Ordnung?“ er strahlte mich mit seinem ganzen Charme an, sodass ich nickend gegen meines besseres Gewissen, einwilligte. Damit war Gab zufrieden und verabschiedete sich. Der Abend mit Toni war eine schöne Abwechslung, das Stück brachte mich auf andere Gedanken und Toni gab einen perfekten Begleiter ab. Ohne auf meine Grübeleien zu achten, brachte er mich nach der Aufführung in ein entzückendes Lokal. In einer Nische nahmen wir Platz, forschend sah Toni mich an. „Claire, wenn du reden möchtest! Ich frage nicht aus Neugier, aber irgendetwas liegt dir schon lange auf der Seele, vielleicht hilft es dir, darüber zu sprechen.“ Höflich wollte ich den Vorschlag ablehnen, aber Toni schaute ehrlich besorgt aus. Andererseits konnte ich jemanden gebrauchen der einfach nur zuhörte. Nachdem wir unsere Getränke serviert bekamen. Begann ich langsam nach Worten suchend die Affäre, ehe eine kurze Begebenheit, mit Raphael zu erzählen. Ich ließ nicht das Geringste aus, auch die für mich peinlichen Momente. Mit keinem Wort unterbrach Toni meine Erzählung, als ich dann mit Gab und Ben endete, fühlte ich mich vollkommen leer. Toni sah eine Weile auf seine Hände, er ließ sich das eben Gesagte durch den Kopf gehen. Als ich auf Ben zu sprechen kam, hörte er entrüstet zu. „Dieser Ben war am Freitag in der Pizzeria mit Niklas, nicht wahr.“ Nickend bestätigte ich. „Ja dem würde ich auch nicht trauen, er wirkte düster.“ Vor sich hinbrütend saß Toni in sich gekehrt da. „Und der Freund von Raphael, erzählt dir das alles, warnt dich und überlässt dich dann deinem Schicksal?“ Ich kenne Toni seit fast einem Jahr. Doch noch nie habe ich erlebt, dass er so ärgerlich wurde. Egal wie unverschämt ein Gast auch war, behielt Toni seine Freundlichkeit gegenüber dem Kunden. Aber jetzt schien er unbeschreiblich wütend zu sein. „Hör zu, wenn du Hilfe brauchst, ruf mich an, egal wann Tag oder Nacht!“ „Quatsch, ich habe doch nichts mehr mit Raphael zu tun. Wenn Ben das weiß, hat er auch kein Interesse mehr an mir. Genau das werde ich ihm auch sagen, sobald ich ihm wieder begegne.“ Nebenan wurde laut ein Stuhl gerückt. „Für alle Fälle schreibst du meine Handynummer auf, deine will ich auch haben.“ Meinte Toni besorgt. Aus der Nische erklangen empörte Laute. „So was besitze ich nicht!“ ich musste lauter reden, da es wirklich laut wurde. „Du hast kein Handy?“ etwas dümmlich sah er mich an. Verteidigend nahm ich die Hände hoch. Ein lautes Klirren aus der Nachbarnische ließ Toni nun herumfahren, als er mich wieder ansah, meinte er grinsend ein Trottel von Gast habe ein Glas fallen lassen. „Montag besorgst du dir ein Handy!“ forderte Toni mit strenger Miene. „Vergiss es! Ich habe ein Telefon, das reicht. Mit einem Handy fühle ich mich ständig kontrolliert. Darauf verzichte ich gerne.“ Am Nebentisch ging wieder etwas zu Bruch. Meinen Hals reckend, versuchte ich einen Blick auf die Leute zu werfen, konnte aber niemanden sehen. „Randalieren die da?“ „So kann man es nennen, manche Leute müssen einfach alles zerstören. Sie können nicht das halten, was sie haben! Versteh sie einer.“ etwas seltsam Tonis Rede, nur weil einige Gäste sich daneben benahmen. Doch ich hielt meinen Mund. Am Tisch nebenan wurde es noch einmal kurz etwas lauter, doch dann herrschte Ruhe. „Wir sollten fahren, wer weiß, was denen noch alles einfällt.“ Meinte Toni besorgt, ich konnte mir das auch nur eingebildet haben. Aber ich war mir sicher, dass Toni sich ein Lachen verkneifen musste. Als wir hinausgingen, versuchte ich einen Blick auf den Tisch zu erhaschen, aber dort saß niemand mehr. Sinnend ich mich gekehrt ließ ich mich von Toni heimbringen. „Weißt du mein Ruf als Frauenheld, ist gefährdet. Normalerweise sind die Damen besserer Laune, wenn ich sie begleite.“ Mich aus meinen Gedanken holend, schmunzelte Toni. Auf seine Tonart eingehend scherzten wir über sein zerstörtes Ansehen. Lachend hielten wir vor meiner Wohnung, ich stieg aus. „Madam darf ich sie zu Bette tragen, mein Herz hämmert gegen die Brust, wenn ich mir vorstelle, wie allein ihr dort oben daliegt.“ Verbeugend meine Hand haltend schmachtete Toni mich an. „Werter Herr wie ungeziemend, mein Gemahl wird wie ein Racheengel auf mich niederfahren und den Stab über mich brechen. Wollet ihr mir, dies antun?“ klagend fuhr Toni fort, indessen ging ich ins Haus, winkte zum Abschied. Wie die letzten Sonntage stand ich früh auf, als Erstes schaute ich vor meiner Tür, dort lag wie abgemacht der Autoschlüssel, diesmal mit einem Päckchen. Verwundert machte ich es auf. Darin lag ein Handy mit einem Zettel, Die Eins drücken dann die grüne Taste, denk daran. Jederzeit ob am Tage oder in der Nacht! Bitte trag es immer bei dir und ich würde niemals den Stab über dich brechen. Über Nacht aufladen, die Nummer habe nur ich. Toni! Verrückter Kerl, aber wenn ihn daran lag, und steckte das Handy in die Tasche. Da mein Nachbar sein Auto heute an mich abtrat, beeilte ich mich. Und verbrachte den Tag in der Natur. In den letzten und nächsten Wochen waren die Sonntage mein Highlight, unter der Woche verbrachte ich viel Zeit mit meinen Freunden. Sue, Niklas und nun auch Max und Chris später auch die anderen drei, die zwar einige Jahre jünger als ich waren. Doch mit denen ich oder besser gesagt wir alle; verstanden uns gut. Dann Toni, der ein Freund wurde, obwohl ich manchmal den Eindruck hatte, er wolle mehr als Kameradschaft. Besonders viel es mir auf als Mike vor einiger Zeit meinen beziehungsweise unseren Bekanntenkreis erweiterte. Er war ein stiller in sich gekehrter Mensch. Eines Tages kam er in die Bücherei. Er bemerkte die Leseecke und von da an, gehörte Mike mit zu der Gruppe. Er war ungemein belesen, gab den Studenten hier und da einen Tipp. Sue gab ihre Versuche schnell auf, mich mit ihm zu verkuppeln. Sie rastete fast aus, als sie erfuhr, dass Mike keinerlei Interesse an mir bekundete. „Was ist mit euch Männern los? Seid ihr mit Blindheit geschlagen?“ fauchte sie Mike an. „Ach Sue, wie recht du hast. Das männliche Geschlecht ist wahrlich blind.“ Nickte er ihr bestätigend zu, „Da schließe ich mich keineswegs aus.“ Mikes ironisches Lächeln ließ Sue beinahe explodieren. Doch von nun an bedrängte sie ihn nicht mehr. Mit Mike verband mich eine Art Seelenverwandtschaft, als kenne ich ihn schon mein ganzes Leben. Seine Klugheit die Ausstrahlung das ganze Wesen zog einen in den Bann. Toni sah ihn erst als eine Bedrohung an. Die legte sich aber, denn Mike verhielt sich mir gegenüber wie ein großer Bruder. Die Bücherei bekam einen Aufschwung, viele neue Kunden, weibliche Kunden, kauften nun bei uns ein. Molly geschäftstüchtig, bestellte Frauenzeitschriften mit denen sie die Damen belieferte. Sie setzten sich natürlich in die Ecke, verbrachten aber nur dort Zeit, wenn Mike dort saß. Er war auch ein Bild von einem Mann große athletische Figur, rotbraunes Haar, seine Züge waren weich, ohne feminin zu wirken und dann die Augen. Das war der Anziehungspunkt in seinem Gesicht, grau und je nach Stimmungslage schimmerten sie silbern. Er bestach durch seine ruhige Intelligenz, jede Frau, die ihn ansah, himmelte ihn dann schmachtend an. Oft dachte ich, innerhalb von drei Monaten sind mir drei Männer begegnet. Die verschiedener und zugleich ähnlicher nicht hätten sein können. Ich stellte sie mir als Trio vor, Mike in den Vordergrund, er war der kleinere mit seiner Weisheit, die schon abgeklärt wirkte. Daneben ein Stück hinter Mike, Raphael mit seiner Aggressivität, die lauernde Wildheit, und dahinter in der Mitte, Gab mit seiner Herzlichkeit der jeden schützend in die Arme nahm. Alle drei auf ihre Art schön, keine Frau würde ihnen widerstehen können. Sollten sie jemals, im Trio auftauchen, würden sie jeden Raum sprengen. Ganz zu schweigen von den Damen, die reihenweise zu ihren Füßen liegen. „Wovon träumt die junge Frau? Oder sollte ich fragen von wem? Interessiert musterten mich die silbernen Augen. Erwischt! „Von dir!“ entgegnete ich ihn anschmachtend, einen Schmollmund ziehend. „Oh, ich hoffe …“ Mike setzte sich zurück, der Ausdruck in seinem Gesicht wurde wachsam wie immer, wenn ich zweideutige Anspielungen machte. Sue und Niklas entging Mikes Reaktion keineswegs und witzelten auf seine Kosten. Mike hinterfragte noch einmal. „Ich habe wirklich an dich gedacht und an zwei andere Männer …“ „Jetzt bin ich neugierig meine Freundin fantasiert von drei … ich hoffe es sind Junggesellen! Lass uns an deine Schwärmereien teilhaben.“ forderte Sue mich strahlend auf. Sie beugte sich neugierig über den Tisch. „Was du wieder hast. Ich habe an Mike, Gab und Raphael gedacht.“ Beantwortete ich Sues Frage. Sofort wurde Sues Blick abweisend, weil ich Raphael erwähnte. „Raphael und Gab?“ Mike sah mich fragend an, doch auch ein vorsichtiger Ausdruck erschien in seiner Mimik. Sue antwortete für mich. „Das ist ein weniger schöner Akt aus Claires abwechslungsreichem Liebesleben, Mike. Kaum der Rede wert. Ich hoffe nur, dass sie mit diesem Kerl, endgültig abgeschlossen hat. Seitdem ist sie noch unnahbarer! Keinen anderen Mann lässt sie in ihrer Nähe. Nein sie geht, lieber wandern! Wo lernt sie in der freien Wildbahn einen Mann kennen? Höchstens einen der über die Jahre hinaus ist oder vielleicht einen Elf, der sich im Wald versteckt hält!“ Sie wandte sich mir zu, „wann endlich gibst du einen Mann, eine echte Chance?“ Oho, Sue war in streitsüchtiger Laune, doch heute Abend war es mir egal, schmunzelnd wandte ich mich an Niklas. „Es wird Zeit, dass du diese Frau bändigst, damit sie mich endlich in Ruhe lässt.“ Mit grimmiger Miene sah er Sue an, die Niklas einen Kuss auf die Lippen drückte. Verzweifelt zuckte er die Schultern. „Ich bin machtlos gegen diese Frau, sie hat mich in ihrer Gewalt.“ „Wer tut hier wem was an?“ gut gelaunt gesellten sich, Max und Chris, an den Tisch der seit einer Weile für acht Personen umfunktioniert wurde. „Puh, wir haben es geschafft, das Referat ist fertig. Pünktlich abgegeben!“ strahlten die Beiden. „Ist keiner der anderen da? Wir wollten feiern, denn das war eine der schwersten Arbeiten, die ich je abgegeben habe.“ Diese Meinung bestätigte Chris und fügte hinzu. „Ja und der Prof wurde ungeduldig! Ständig fragte er nach, gerade uns hatte er in Verdacht, - lasst ihr euch helfen, geht ihr ins Internet, woher holt ihr eure Informationen. - Als Kevin kürzlich der Geduldsfaden riss sagte er wir haben unseren ganz persönlichen Engel, der uns den Weg weißt. Dem Prof sind alle Gesichtszüge entglitten, dann wollte er noch mehr wissen.“ Nickend ergänzte Max weiter, „Hat jeden von uns einzeln verhört, als ob wir betrügen würden. Das Beste an der Geschichte ist, das er Kevin und Brian am liebsten ermordet hätte.“ Gluckste Max. Chris lachte. „Nun ja, nicht gerade ermordet aber fuchsteufelswild war er.“ Unbeteiligt hörte ich mir die Erzählung der Beiden an. Dachte an den Professor nicht an Raphael, zwei verschiedene Personen. Der Prof war ein Unbekannter. So hielt ich es bisher, wenn die Studenten, von ihrem Prof redeten, beteiligte mich nie an dem Gespräch. Deshalb erkundigte ich mich nie. Oder ging woanders hin, wenn vom Prof die Rede war. So auch diesmal wieder und spielte unbeteiligt mit meinem Glas. Aber Sue fragte nach, da sie keine Ahnung hatte, wer sich dahinter verbarg, konnte ich ihr auch keinen Vorwurf machen. „Warum war er denn so wütend auf die Beiden?“ Verlegen blickte Max auf den Tisch, „Ihr wisst doch, wir schwärmen von Claire, weil sie uns geholfen hat und so …“ Empört wies ich das zurück! „Die richtigen Bücher“, verbesserte Max, „auszusuchen und das alles. Bei den Zweien; nun ja der Prof hat uns doch einzeln zum Gespräch gebeten. Ich kann nur sagen, dass er einem das Gefühl gibt, bis in den letzten Winkel einer Seele zu schauen. Also Brian und Kevin haben ihm gebeichtet, dass sie sich in Claire verliebt hätten. Sie schwärmten von ihr, von ihrem Aussehen bis hin zu ihrem liebevollen Lächeln. Na ja, sie breiteten dem Prof ihr Herz aus.“ Max sah uns der Reihe nach an, „und der Prof rastete total aus.“ Mike der neben mir saß räusperte sich, „Und keiner hat es gewagt dem Prof die Meinung, zu sagen? Er solle sich um seine Angelegenheiten kümmern! Schließlich geht es ihm nichts an, in wen ihr euch verliebt.“ „Nee hat niemand, Mann, wenn der so vor einem steht, so wütend! Wird einen angst und bange.“ „Das kenne ich auch!“ bestätigte Niklas, „Claire weißt du noch …“ „Ja, ich kann mich daran erinnern, der Typ der ausgeflippt ist.“ Und winkte ab, ich hoffte Niklas und Sue verstanden den Wink. „Genau der Kerl, also Claire hat ihm die Stirn geboten. Sie hat sich sogar schützend vor mich gestellt. Wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Aber ich kam mir wie ein kleiner Junge vor.“ Nickend bestätigten die Zwei, Niklas Empfinden. „Dann schickt Claire, zu eurem Professor. Damit sie ihm die Leviten lesen kann, wenn es sonst keiner schafft, ihm Vernunft beizubringen, dann Claire.“ Forderte Mike aufrührerisch, diese Idee wurde sofort begeistert aufgegriffen. „Ihr spinnt!“ strafend sah ich Mike an, der aber „Feuer wird mit Feuer bekämpft!“ und hetzte die Meute weiter auf. Maulend beschwerten sie sich bei Toni, der als Einziger in der Runde wusste, wer dieser Prof war. Hilfe suchend sah ich Toni an, um dann wie vom Donner gerührt zu erstarren. „Ich bin der gleichen Meinung, klär die Sache ein für alle Mal. Damit … die Jungs weiter in Frieden leben können.“ Den Doppelsinn verstand ich ebenso wie Mike, dessen war ich mir sicher. Denn so, wie er mich beobachtete, wusste er mehr als er zugab. Auch Sue fiel die Pause auf, die Anspielung entging ihr natürlich nicht. Sie musste nachfragen. „Wie heißt euer Professor noch?“ „Raphael so und so, wir …“ „Claire du wusstest es?“ anklagend kam diese Frage aus Sues Mund geschossen. Was sollte ich sagen, ich zuckte nur die Schultern. Und Toni, ich könnte ihm den Hals umdrehen. „Nun beginnt die Zeit der Aufklärung!“ murmelte Mike philosophisch. Er wäre der Nächste auf meiner Liste! Hatten sie sich gegen mich verschworen? Nur weil ich versuchte so viel Abstand wie möglich von Raphael zu halten. Versuchte mein Leben in den Griff zu bekommen! Was konnte ich dafür das ich mich in den Falschen verliebte! Und meine Freunde wollten entweder das ich Raphael in seine Schranken verwies. Oder endlich mit ihm abschloss. Kein einfacher Weg. „Irgendetwas entgeht uns, meinst du nicht auch Max, will uns keiner aufklären.“ In die Runde blickend erwartete Chris eine Antwort und sah mich fragend an. Doch Niklas fasste begreifend zusammen, an den Fingern abzählend. „Erstens, der Typ, den Claire sich entgegenstellte, zweitens euer Prof und drittens ihr Ex sind ein und dieselbe Person! Claire ich nehme an, dass ich richtig zusammengefasst habe. Es gibt keine andere Möglichkeit.“ Mit sich zufrieden lehnte er sich stolz zurück. Max und Chris starrten mich mit offenen Mündern sprachlos an. Doch leider hielt diese Atempause nur Sekunden! „Das ist ein Hammer, du und der Prof, wenn ich mir das vorstelle! Der hört sich die Schwärmerei von zwei Studenten an, die von seiner Ex - Frau träumen. Vor sich hingreinend, sah Chris mich an. „Erzähl mal!“ „Sei nicht so neugierig das, ist Schnee von gestern! Erledigt und vorbei, klar!“ giftete ich Chris an. „Na, wenn das so einfach ist, dann …“ Mike in unglaublich kriegerischer Stimmung sah mich herausfordernd an. „Es reicht! Habt ihr kein anderes Thema!“ unterbrach ich Mike, Sue räusperte sich sagte aber kein weiteres Wort dazu. Ich wusste sie würde ihre Meinung zu gegebener Zeit kundtun. „Willst du morgen wirklich fahren, Claire?“ erkundigte sie sich, über mein geplantes Wochenende. Dankbar, dass sie ein anderes Thema anschnitt, sprudelte ich los. „Sicher das Auto ist gepackt, ich könnte gleich losfahren der Vermieter sagte der Schlüssel liegt seit heute Nachmittag unter der Fußmatte.“ „Warum nimmst du niemanden mit, allein in einer einsamen Hütte! Was da alles passieren kann. Du bist unvernünftig!“ klagte Sue, die ganze Woche versuchte sie mir jemanden aufzudrängen nun wirklich genervt, entgegnete ich, „Bin ich etwa ein Kleinkind?“ „Wie lange fährst du bis Brainerd?“ Chris erkundigte sich interessiert. Argwöhnisch gab ich Auskunft, „Ich plane drei Stunden ein, vielleicht halte ich unterwegs an. Abhetzen brauche ich mich ja nicht.“ „Dann fährst du bestimmt sehr früh los?“ ergänzte er überlegend, „… und gehst zeitig ins Bett?“ bestätigend nickte ich. Mir gefiel das gar nicht, sie hatten irgendetwas geplant. Wollte etwa einer mitfahren? Dazu hatte ich absolut keine Lust! Das war mein Wochenende, meine Zeit. Max und Chris sahen sich bedeutungsvoll an. Mike warf den beiden einen beruhigenden Blick zu. „Was habt ihr vor? Ich kenne euch gut genug, raus mit der Sprache!“ beäugte ich sie argwöhnisch, unschuldig schauten sie mich an und wechselten den Gesprächsstoff. Worauf die anderen sofort eingingen. Circa eine Stunde später waren wir komplett, das heißt, die drei fehlenden Studenten trudelten nach und nach ein. Die Zeit verlief fiel zu schnell, trotz meiner argwöhnischen Grübeleien. Wie immer wenn wir zusammensaßen! Gegen 22Uhr verabschiedete ich mich, wurde aber von Max aufgehalten. „Bevor du gehst Claire, haben wir etwas für dich es ist nicht viel … hoffentlich gefällt es dir!“ und übergab mir verschämt ein Päckchen, vor Verlegenheit ganz rot öffnete ich es. Darin waren drei Figuren, die auf einer Wiese standen. Die vorderste trug ein Schwert, die schräg dahinter Stehende einen Stab über die Schulter und die letzte Figur im Hintergrund, die Arme ausstreckend, als wolle sie die Welt umarmen. „Das sind die Erzengel!“ informierte Kevin mich, sprachlos sah ich die Engel an, so etwas Schönes hatte ich bisher nicht gesehen. Überwältigt umarmte ich die Fünf küssend, dankend, bis nun sie verlegen ausschauten. „Sie sind wunderbar, ich danke euch. Das wäre aber nicht nötig gewesen …“ „Wir wollten das du etwas bekommst das dich an uns erinnert. Denn ohne deine Geduld und Hilfe hätten wir dieses Referat niemals so gut hinbekommen. Und hier ist eine Kopie davon, die kannst du ja mitnehmen als Bettlektüre.“ Ich nahm die Mappe von Max entgegen auf dem Cover war von jedem ein Bild geklebt, Tränen stiegen mir hoch. Das war also der Grund, warum sie sich vorhin so seltsam benommen haben. Ich bedankte mich nochmals, vor allen Dingen um mein schlechtes Gewissen, zu beruhigen. „Diese Rührseligkeit ist kaum auszuhalten darf ich auch mal sehen, denn schließlich bin ich der Einzige, der die Engel noch nicht gesehen hat.“ Beklagte Niklas den Umstand und nahm vorsichtig die Figuren in die Hand. „Die haben gar keine Flügel, so wie man sich Engel vorstellt. Die sehen richtig gut aus, ich dachte schon, sie sind kitschig. Wo habt ihr die her?“ Max als Wortführer antwortete, „Mike hat uns geholfen und sie besorgt, denn keiner von euch konnte uns sagen, worüber Claire sich freuen würde. Er fand dieses Geschenk passend einmal zum Thema zum anderen nicht zu persönlich, wenn ich an Brians und Kevins Vorschläge denke … naja ich schweife ab, nun jedenfalls war Mike der Einzige mit einem vernünftigen Ratschlag.“ Die Engel gingen nochmals von Hand zu Hand und jeder bewunderte ein neues Detail, mich verwunderte jedoch etwas ganz anderes. Genau so, wie die Engel standen, so stellte ich mir die drei Männer vor. Zwar nicht in diese Gewänder oder mit Schwert und Stab bewaffnet, aber die Aufstellung, wie sie dort standen, etwas seltsam zumute sah ich zu Mike. Dieser beobachtete mich schon wieder. Ich hatte den Eindruck als warte er auf etwas. Vorsichtig lauernd war vielleicht der bessere Ausdruck, damit er schnell eingreifen konnte. Sprungbereit! Ja das war er. Heute wurde ich einfach nicht schlau aus ihm. Eine Andeutung eines Lächelns auf den Lippen prostete er mir zu. Ich legte meine Engel vorsichtig zurück ins Paket und verabschiedete mich. Vorn wartete ich einen Moment auf Toni, der mich nochmals überzeugen wollte, mitzukommen. Was ich verneinte. Den Wagen vor der Haustür parkend, saß ich da und überlegte. Wieso nicht, dann hätte ich einen ganzen Tag, es war früh am Abend. Kurz entschlossen fuhr ich an, das Radio aufgedreht mit einem Lied auf den Lippen. Meinen Kurztrip entgegen, endlich ein ruhiges Wochenende. Mit der Uhrzeit hatte ich mich verschätzt, es war bereits zwei in der Früh, doch das machte nichts. Unter der Fußmatte lag wie versprochen der Schlüssel. Aufgeregt trat ich durch die Tür. Ein gepflegter nett eingerichteter Wohnraum empfing mich. Eine kleine aber funktionale Küche mit einem Tisch und vier Stühlen. Das Wohnzimmer besaß ein Panoramafenster, dahinter lag die Terrasse von dort sollte man den Noth Long Lake sehen. Doch das musste warten, bis es hell wurde. Angrenzend vom Wohnraum, lagen auf der linken Seite ein Bad und ein Schlafzimmer mit zwei Betten. Auf der anderen Seite ein größeres Schlafzimmer mit einem Doppelbett. Ich nahm das große Zimmer in Beschlag. Zweimal zum Auto dann hatte ich alles. Schnell verstaute ich die Sachen. Zu aufgekratzt; an Schlaf war nicht zu denken, schaute ich mich in Ruhe um. Da entdeckte ich einen an mich adressierten Brief, der an einer Flasche gelehnt war. Einen schönen Aufenthalt wünschen wir ihnen, genießen sie die Umgebung und den Likör. Viel Spaß Clara und Benjamin Newton Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und schnupperte daran. Ein Glas sollte mir verhelfen abzuschalten. Mit dem Glas in der Hand setzte ich mich auf das Sofa, da fiel mein Blick auf die Geschenke meiner fünf Studenten. Lächelnd nahm ich die Engel aus der Verpackung sah sie mir nochmals an und nahm dann das Referat zur Hand. Es war wie eine Geschichte aufgebaut kein trockener Bericht. Die ersten Engelabbildungen um 2250v.C. bis hin zur heutigen Zeit. Immer wieder eingehend auf verschiedene Glaubensrichtungen. Dann die drei Erzengel, die alle drei in fast jeder Religion vorkamen. Fasziniert las ich die Arbeit, mein Glas nachschenkend, vertiefte ich mich in das geschriebene Wort, jeder der Erzengel hatte eine eigene Farbe. Michael wurde rot zugeschrieben, Gabriel Blau und Raphael grün. Es wurde von Gabriel gesagt er regiere die Welt der Gefühle, der Emotionen und das Unterbewusstsein. Michael der Mächtigste, war der Herr des Feuers, er hat die gesamten Naturgewalten in der Hand, somit sei er der Herr über Wind, Wasser, Feuer und Erde. Raphael der Pilger mit Stab, ihm unterstehen die vier Winde, durch die er heilende Kräfte beherrschen soll. Außerdem wird gesagt er wird in sein Horn blasen, um Sterben und Wiedergeburt einzuläuten. Dass Engel menschenähnliche Geschöpfe seien, Kinder zeugen können, diesen Mischwesen wurde Boshaftigkeit nachgesagt. Sinnend überlegte ich das Glauben und Mythologie dicht beieinanderstanden. Ich nahm die drei Engel in die Hand und betrachtete sie, nachdem ich mein Glas nachgeschenkt hatte. Was nun, wenn es sie wirklich geben sollte! Mir fiel meine Träumerei wieder ein, sie waren genauso dargestellt. Bei genauerer Begutachtung konnte ich seine grünen Augen vor mir sehen. Seufzend verbann ich Raphael aus meinen Gedanken. Doch führte ich den Gedanken weiter Gab alias Gabriel und Mike – Michael. Die drei Erzengel! Den Kopf schüttelnd lachte ich in mich hinein, wenn du das jemanden erzählst, kommst du in eine Gummizelle, doch nur mal angenommen … „Du brauchst nichts weiter annehmen, denn es ist wahr! Die drei sind die Erzengel! Was können sie, dich belügen, hintergehen und was ihnen sonst noch so alles einfällt.“ Zusammenfahrend sah ich auf. Ben! Wie kam er denn hierher? Er erschien mir, nicht gerade ein Naturfreund zu sein. Seitdem Gab mich vor Ben gewarnt hat, war er nicht noch mal in Kontakt mit mir getreten. Auch Sue und Niklas hatten nichts mehr von ihm gehört. Doch nun beschlich mich ein unangenehmes Gefühl. Wie kam er hierher und wie kam er in das Blockhaus? Dass ich, die Tür abgeschlossen habe, wusste ich mit Bestimmtheit! Dieses beklemmende Gefühl in seiner Gegenwart steigerte sich in nackte Angst. Wieso lauerte er mir in dieser Einöde auf. „Du brauchst keine Furcht vor mir zu haben. Ich will dir nur ein paar Wahrheiten über deine Freunde erzählen.“ Ich versuchte mich aufzusetzen, aber irgendwie schaffte ich das nicht. Mir wurde übel, verdammt wie viele Gläser hast du getrunken, Claire. „Was ist los mit dir? Du bist kreidebleich.“ Ben ging mit langen Schritten zum Fenster und öffnete es. Die frische Luft tat gut, half mir aber nicht aufzustehen. Währenddessen beobachtete Ben mich, mit Argusaugen, etwas wie Abscheu und auch Triumph sah ich in seiner Miene aufblitzen. Ich dachte nur an eines, gefährlich, extrem sogar, Gabs Worte. Dann Toni wie besorgt er war. Das Handy! „T ´Schuldigung ich muss mal“, irgendetwas faselte Ben die ganze Zeit. Ich konnte mich nicht darauf konzentrieren. Nur auf eines, meine Tasche! Darin lag das Handy. Mein Blick irrte umher, wo war sie nur. „Was suchst du, geh lieber! Sonst spuckst du hier alles voll. Du bist total betrunken!“ Angewidert sah er auf mich herunter. Du kannst mich mal dachte ich. „Meine Tasche!“ seufzend mit herablassender Miene gab Ben sie mir, „lass dir ruhig Zeit, wir haben genug davon.“ Mit geradezu selbstsicheren höhnischem Spott in der Stimme, die mich bis zur Toilette verfolgte. In die Ecke plumpsend kramte ich das Ding raus, befolgte die Anweisung und das Teil machte komische Geräusche. Aber dann hörte ich Toni. „Tut mir leid das ich dich wecke. Wirklich leid, wirklich“ ungeduldige Stimme am anderen Ende, meinen Namen rufend, „Ja, ja ich bin´s Claire“, ein Kichern bildete sich in meiner Kehle, es kam ganz von selbst. „Also ich … Toni? Du hast doch …“ man warum unterbrach er mich ständig und hörte einfach nur zu. „Ben …“ weiter kam ich nicht, ich hörte einen wütenden Ton, hörte sich an wie Zähneknirschen, oder so, „Ist er bei dir?“ Toni klang wirklich komisch, „Jeep!“ gluckste ich, die Fliesen im Bad nahmen bizarre Formen an, „Bist du verletzt, hat er dir was getan?“ „Nö …“ wieder dieses kichern, und dann auch noch ein hicksen, „Wir sind unterwegs, bleib, wo du bist“, „Wirklich leid“ ich verstand das Ganze nicht, alles drehte sich, mir wurde schwindelig, irgendwie fühlten sich meine Lippen aufgeschwemmt an. Meine Finger konnten sie richtig fest kneten doch es tat nicht mal weh. „Du bist doch dort sicher?“ „Mein Mund ist aufgeblasen, Toni!“ ich fühlte mich wie auf einem Karussell, Wieder dieses knirschen, „Claire was hat er dir angetan?“ nun hörte Toni sich ein bisschen kurzatmig an. Was meinte er, den Likör? „Mein Hirn schwimmt, jawohl das tut es!“, „Wir sind gleich da!“ Wir? Was wollen die denn alle hier? Claire betrunken was für ein Witz! „Claire, hör mir zu!“ ungeduldig kamen die Worte durch das Handy. Warum nur musste ich anrufen. Schon bereute ich es. „Nee, ist schon gut bleib, wo du bist“ „Keine zwei Minuten und wir sind da!“ wer hat hier gesoffen? Stunden, es dauerte Stunden! „Toni, du brauchst nicht kommen, werde mit Ben schon fertig“ hauche ihn an und der fällt um. Kicherte ich, schon wieder. „Claire, bleib von Ben weg!“ eindringlich fast ein Befehl, „Wo bist du?“ blöde Frage. „Hier!“ die Toilette fuhr mit auf dem Karussell, „Wo ist Ben?“ „Da!“ zeigte auf die Tür, „Wir kommen jetzt rein, hörst du!“ „Ja klar, kommt nur!“ kicherte ich, keine Antwort, „Toni?“ nichts „Tooni?“ an der Tür klopfte es. „Toni, Ben klopft!“ „Mach die Tür auf!“ das kam von der Tür und aus dem Telefon. „Nein!“ das war doch der Sinn der Sache, weg von Ben. Das Handy verkohlte mich! Ich warf es ins Klo und die Tür flog krachend auf. „Oh du!“ das konnte nicht sein! Der Likör war gut, ausgezeichnet sogar. Kichernd sah ich meiner Fatamorgana entgegen. „Ich weiß nicht, was er ihr angetan hat, sie ist völlig von der Rolle! Claire erkennst du mich?“ Panik in der Stimme, aus dem Zimmer nebenan hörte ich Gelächter, das gefiel mir und lachte mit. Betrunken hörte ich. Und wurde aufgehoben in die Arme eines Engels, meines Engels. Man wird mich einweisen. Aber später! Jetzt genoss ich seine Wärme seinen Geruch, sogar die verkniffene Miene. Mit dem Zeigefinger fuhr ich den harten Zug um seinen Mund nach. Das Schönste daran er wehrte sich nicht dagegen. Viel zu schnell wurde ich aufs Bett gelegt. Wenn ich schon in eine Anstalt kam, wollte ich auch was davon haben. Ich protestierte! Wow, er zog mich sogar aus! Ich zog an seinen Pullover und er kam mir nah, sehr nah. Ich wollte seine Lippen spüren, doch mein Engel entzog sich mir. „Claire, du bist nicht du selbst!“ meine Finger lösend, entfernte sich der Engel. „Schlaf jetzt!“ Aber irgendwie musste … etwas … „Toni ist auf dem Weg, habe ihn in die Toilette geworfen.“ „Schlaf Claire!“ wie zu einem Kind. Enttäuscht und wütend schlug ich auf das Kissen ein, noch nicht mal in meiner Wahnvorstellung tat er, was ich wollte! Schließlich war das meine! Ich drehte ihm schmollend den Rücken zu. Mit ausgedörrtem Mund und schalen Geschmack auf der Zunge, wachte ich auf. Meine Sinne sammelnd, soweit das möglich war. Dieser verdammte Likör! Stöhnend richtete ich mich auf, kroch aus dem Bett und schlurfte ins Badezimmer. Dort spülte ich mir als erstes den Mund aus und erledigte die morgendlichen Bedürfnisse. Da fiel mir mein Traum wieder ein, ganz schön verrückt! Nur keine hektischen Bewegungen ermahnte ich mich. Stellte die Dusche an und latschte zurück. Kramte all meine Klamotten zusammen; unterm Arm geklemmt wieder ins Bad. „Guten Morgen! Von den Toten auferstanden?“ dröhnend hämmerten die Worte durch meine Gehirnwindungen, meine Schädeldecke protestierte. Vorsichtig wandte ich mich um. Feixend, mich von Kopf bis Fuß musternd, ragte Gab im Wohnzimmer auf. Gott was machte Raphaels Freund hier? Ehe ich auch nur richtig begriff. „Mike, Raphael, schaut mal, wer da unter uns weilt.“ Prustend vor Lachen trat er einen Schritt zur Seite. Da kamen die genannten in meinen Blickwinkel. Sie starrten mich an, als wäre ich das achte Weltwunder. Über Mikes Zügen lief ein amüsiertes Schmunzeln. Raphael dagegen kam zornig mit langen Schritten auf mich zu. Mike und Gab beschimpfend. „Du?“ ich trat einen Schritt zurück, „Mike? Kennst du ihn?“ sah an Raphael vorbei, Mike nickte. „Gestern Nacht hast du Raphael angerufen! Wir sind sofort los!“ erklärte Mike mir, langsam fiel mir alles wieder ein. Das Referat, der Likör, Ben. Mein Gespräch mit Toni. Aber Toni! Raphael? „Das Handy kam von Raphael?“ wiederum fragte ich Mike. „Ja!“ antwortete mir Mike. Raphael versperrte mir immer noch den Blick auf Mike und Gab. „Nein das ist unmöglich! Toni hat es mir vor die Tür gelegt mit einem Zettel. Der konnte nur von Toni kommen. Es stand etwas darauf, was nur er wissen konnte. Wie konntest du das wissen?“ Doch Raphael achtete überhaupt nicht auf mich, sondern beschimpfte die Beiden weiter. „Ihr, lüsterne, geifernde Exemplare, eure Schamlosigkeit kennt keine Grenzen.“ Er griff nach meinem Handtuch und wickelte mich darin ein. Die Zwei zeigten keinerlei Reue, sondern gaben auch noch blödsinnige Kommentare, ab. „Wie konntest du da wieder stehen? Wirst langsam alt, was!“ „Kein Wunder, das er die Studenten am liebsten meucheln würde!“ „Da kommt sogar ein Heiliger in Versuchung und wir wissen doch beide. Raphael ist das keineswegs.“ „Hört auf!“ befahl ich den Beiden barsch, die sofort ihre Klappe hielten. Was für meinen Kopf eine Wohltat war. „bekomme ich jetzt eine Antwort auf meine Frage!“ ich sah Raphael an. „Du meinst mich? Welche Frage? Du hast mir keine Frage gestellt.“ Fuhr er mich gereizt an. „Raphael!“ „Hört! Hört! Sie hat ihn auch schon durchschaut!“ „Ja ich habe das Handy vor deiner Tür gelegt, zufrieden!“ indessen bugsierte Raphael mich ins Bad. „Lässt du mich mal in Ruhe …“ und wehrte mich. Er fummelte schon die ganze Zeit an mir herum. „Claire, sieh dich bitte einmal an.“ Forderte Raphael mich bedeutungsvoll auf. Schamröte stieg in mir hoch. Wissend schauten mich die grünen Lichter an. Ich ließ mich stöhnend auf die Toilette plumpsen. „Oh, nein!“ „Oh doch! Es macht mich fuchsteufelswild, das die Beiden dich so gesehen haben. Jetzt haben sie die nächsten Jahrhunderte was, womit sie mich hochziehen können.“ Als wenn dies seine einzige Sorge war. Aber ich konnte ihnen niemals wieder unter die Augen treten, nur daran zu denken. Dass sie mich nackt gesehen haben. „Zieht einfach die Tür hinter euch zu, wenn ihr geht. Ich warte hier so lange!“ „Mach dich nicht lächerlich! Glaubst du, wir gehen einfach so!“ „Aber was macht ihr überhaupt hier? Wieso hast du mir das Handy gegeben? Woher wusstest du überhaupt von dem Gespräch?“ „Glaubst du tatsächlich, ich würde dich ohne Schutz herumlaufen lassen! Ben in der Stadt! Und dann dein Don Juan! Meinst du, ich lasse dich auch nur eine Minute aus den Augen.“ Hielt er mir eisig vor. „He, ihr beiden was macht ihr da drinnen? Raphael reiße dich von ihrem Körper los. Wir wollen frühstücken.“ polterte Gab von der anderen Seite. Mit grimmiger Miene zuckte Raphael zusammen, „Es geht schon los! Das kann ja heiter werden. Achte nicht darauf. Dusch dich, wir werden warten, bis du fertig bist.“ „Warte Raphael, ich habe da noch …“ „Später! Du wirst jede Frage beantwortet bekommen.“ Damit schloss er die Tür. Mein Kopf klarte unter dem Wasserstrahl langsam auf. Damit kamen auch die Fragen, die mir kein bisschen halfen. Sondern nur Neue aufwarfen. Was war in dieser Nacht wirklich geschehen? Hastig zog ich mich an, schnell mit der Bürste durchs Haar. Einmal tief durchatmen und dann raus. Verlegen setzte ich mich an den gedeckten Tisch. Neben mir saß Raphael, gegenüber saßen Mike und Gab. Die mir freundlich zuzwinkerten. Da saß ich nun, mit diesen imposanten Männern. Die ich je kennengelernt habe. Raphaels Worte fielen mir wieder ein – wenn du sie kennenlernst, wirst du es verstehen – und Mike war der Dritte im Bunde, daran bestand kein Zweifel. Einer allein war schon ein Erlebnis. Die schiere Kraft, die Ausstrahlung die ihnen anhaftete. Diese drei Männer strahlten eine Aura aus, die jeden Saal sprengte. Verunsichert wandte ich mich an Mike, ihn kannte ich am Besten. Er war mein Seelenverwandter. „Wieso seid ihr hier, warum hast du …“ Mike unterbrach mich, „Später! Wir haben das ganze Wochenende! Wir werden dir alle Fragen beantworten!“ Raphael protestierte brummend, „Ich sagte alle!“ erklärte Mike unnachgiebig, ohne weiter auf Raphael Protest zu achten. „Doch nun lasst uns in Ruhe frühstücken!“ das klang eher wie ein Befehl, als eine Bitte. Mike sah dabei Gab besonders scharf an. Der zuckte unbekümmert die Schultern, grinste mich dann Raphael an, „Gut gesprochen Mike, ich verhungere langsam! Manche können von Luft und Liebe leben, ich gehöre nicht dazu!“ „Gabriel!“ zügelte Mike ihn. „Ach lass, mir doch ein bisschen Spaß.“ Schwieg dann aber, grinsend beobachtete er Raphael. Dieser warf ihm drohende Blicke zu. Fast erschien es, das Raphael die Zähne fletschte. Mike beachtete die Beiden nicht weiter, „Claire, du bist schon gestern Abend losgefahren? Woher kam der Sinneswandel?“ ganz so wie in den Wochen zuvor wandte Mike sich an mich, darüber verlor ich meine Verlegenheit. „Das war eine spontane Idee!“ nur zu bewusst spürte ich Raphaels Anwesenheit. Gerade ihn ignorierte ich. Ebenso seinen Groll, der gerade übermächtig zu mir herüber schwappte. „Also bin ich losgefahren.“ Seufzend holte mein Nachbar hörbar Luft. Mike hörte mir nickend zu, „So kann man sich täuschen. Ich bin davon ausgegangen, dass du bei deinem Plan bleibst.“ Resümierte er. „Siehst du, ich habe dir gesagt! Wir müssen auf jegliche Eventualitäten eingerichtet sein!“ warf Raphael Mike vor. „Vorwürfe helfen uns auch nicht weiter, Raphael!“ beruhigte Mike Raphael, an mich gerichtet fragte er, „Hat Ben dich hier erwartet?“ Mich auf die Nacht besinnend, „Nein ich glaube nicht. Wie aus dem Nichts kam er plötzlich auf mich zu. Ich weiß die Tür war verschlossen! Wie er hier hereinkam, keine Ahnung!“, nachdenklich sah ich Mike an. Dieser gab sich damit zufrieden, „Und dann nötigte er dich, den Alkohol zu trinken?“ Raphael rief empört dazwischen, „Was sonst! Dachte so könne er Claire besser manipulieren!“ wütete Raphael. Dagegen sahen Mike und Gab mich amüsiert fragend an. Sie bemerkten, wie ich mich vor Verlegenheit wand, was Raphael offensichtlich entging. „Nun also, dem war nicht so!“ gab ich zögernd zu. „Wie?“ fragte Raphael begriffstutzig. „Der Likör ist ein Gastgeschenk. Ich war aufgedreht also dachte ich mir ein Glas kann nicht schaden. Nur um besser einschlafen zu können. Dabei habe ich das Referat gelesen. Das ist sehr gut geschrieben“ sagte ich an Raphael gewandt, „ sie haben nur aus Büchern recherchiert und merke dir eines meine Hilfe bestand allein darin einige Bücher zu empfehlen. Damit das klar ist!“ „Es geht nicht um das verdammte Referat, Claire!“ fauchte Raphael mich an, „sondern was ist passiert!“ „Nichts! Ben stand hier, faselte irgendetwas. Was ihr für miese Freunde seid und Ähnliches. Meine Gedanken kreisten nur um das Handy, das in meiner Tasche lag. Ben gab mir meine Tasche und ich bin ins Bad und habe Toni angerufen. Das ist alles!“ Raphael starrte mich ungläubig an, „Er hat dich hinausgehen lassen?“ „Ja! Warum auch sollte er mich daran hindern?“ die drohenden Worte, die Ben sagte, verschwieg ich. Raphael sah mich angespannt an, „Dass Ben ihr gedroht hat, verheimlicht dieses sture Weib. Auch das sie Angst hatte!“ „Wie kannst du das Wissen? Oder warst du schon hier? Und hast alles beobachtet, das kannst du ja so gut!“ warf ich ihm wütend vor. „Nein, leider nicht!“ erwiderte er grimmig. Auf diese Reaktion war ich keineswegs gefasst, der Vorwurf blieb aus. Erstaunt begegnete ich seinem Blick. Und schon wurde ich wieder von diesen Mann gefesselt. Gab unterbrach mit einem lauten undefinierbaren Geräusch die Stille. Lachend hielt er sich die Seite. Sah von mir zu Raphael und wieder zurück. Tränen aus den Augen wischend und hieb auf den Tisch ein. Mike begnügte sich mit einem Grinsen. Während ich überlegte, welche Pointe mir entgangen war. Raphael nörgelte über Freunde und ihren seltsamen Humor. „Dass ich das erlebe!“ gluckste, Gab, „der alles verstehende! Der Vertraute der Weiblichkeit! Der Liebling aller Damen! Ha! Jetzt endlich, mal eine die ihm die Zähne zeigt! Zu schön!“ schnaufte Gab lachend. Mit Gabs Ausbruch konnte ich nichts anfangen, doch Raphael schon. Sowie auch Mike der sich um eine unbeteiligte Miene bemühte. „Was wollt ihr! Ich habe es euch gesagt! Wenn ihr mir keinen Glauben schenkt, seid nicht überrascht.“ Brüskiert sah Raphael seine Freunde an, „ihr habt ja nun selbst gehört, wie sie mich provoziert!“ Ich ihn? Was bildete er sich ein? Seit unserer ersten Begegnung war er, derjenige. Der mich, auf jede nur erdenkliche Art und Weise, bis aufs Blut reizte. Und das sagte ich dem eingebildeten Kerl auch! Sehr zum Vergnügen Gabs, der mit Beifall meine Rede unterstrich. Während Raphael Wortgewand konterte. Mike setzte dem ein Ende, indem er strafend in die Runde blickte. Trotzdem stichelte Gab weiter. So manche Spöttelei musste ich mir anhören. Was nicht gerade schlimm war, denn untereinander foppten sie sich genauso. Ich lernte Gab besser einzuschätzen. Der zu gern herausforderte andersherum auch liebenswürdig einsteckte. Besonders Raphaels ironische zum Teil sarkastische Art, die er mit Humor milderte, faszinierte mich. Mike dagegen hielt sich zurück, gab ab und an einen passenden Kommentar dazu. Er hob auch die vergnügliche Runde auf und bat mich mit ihm spazieren zu gehen. Raphael machte Anstalten mitzugehen. Doch auf einem Blick von Mike setzte er sich wieder, mich nicht aus den Augen lassend. Mike reichte mir meine Jacke, schweigend traten wir auf die Veranda hinaus. Und ich genoss den Ausblick. Eine Wiese zog sich bis zum See zu beiden Seiten vom Wald begleitet. Über dem See flogen Vögel emsig hin und her, sie schienen die warme Luft genauso zu genießen wie ich auch. Wir schlenderten die Wiese zum See entlang. Mike machte an einem Baumstamm halt und lud mich ein, mich neben ihn zu setzen. „Claire ich habe dir einiges zu sagen!“ stellte Mike ernsthaft fest. Irgendwie wollte ich davon laufen, denn ich fühlte mich auf einmal sehr unwohl. „Claire, die Figuren die du geschenkt bekommen hast! Sagen sie dir etwas?“ „Nein, eigentlich nicht! Außer das sie die drei Erzengel darstellen.“ „Bitte Claire!“ wissend sah mich Mike an. „in der Pizzeria hattest du dir einiges vorgestellt.“ Ich unterbrach ihn, „Ja vorgestellt Mike! Meiner Fantasie freien Lauf gelassen, doch woher weißt du das? Warum kann Raphael meine Gedanken … lesen? Anders kann ich das nicht beschreiben und nun du!“ „Hören! Zum Teil Wort für Wort. Aber auch Gefühle, Bilder und Stimmungen. Deshalb kannst du mir ruhig sagen, womit du uns verglichen hast.“ Antwortete er mir, als sei es das Natürlichste auf der Welt! „Das kann kein Mensch!“ „Eben! Und da sind wir schon beim Thema!“ folgerte Gab. Gerade noch habe ich zum Haus hinaufgeschaut und niemand kam zum See hinunter. Doch nun standen sie direkt vor mir und setzten sich vor uns auf die Wiese. „Wie …?“ „Das alles hat damit zu tun.“ Meinte Mike zögernd. „Wie lange, willst du noch um den heißen Brei herumreden?“ mischte sich Gab ein, „Raphael was denkst du? Ach, dich frage ich erst gar nicht! Wir sind Engel! Genaugenommen die Erzengel! Darf ich vorstellen Michael, Raphael und meine Wenigkeit Gabriel!“ Das war lächerlich, ich lachte ihn aus. „Ja Gabriel! Darf ich mich vorstellen? Die Kaiserin von China.“ Und verbeugte mich theatralisch vor ihm. „Tut mir Leid Claire, die kannte ich. Sie war eine Machtliebende selbstverliebte Frau, genau das Gegenteil von dir.“ Erklärte Gab kopfschüttelnd stand auf und kam auf mich zu, „Sieh mich an!“ forderte er mich auf. Gabriel nahm meine Hände umschloss sie mit seinen warmen Fingern, „Sieh mich an!“ abermals bat er darum. In seinen blauen Augen tanzten Sterne, wieder tauchte ich darin ein. Das Firmament schien unendlich. Mit einer Klarheit, die absolut war, bestätigte Gab meine Gedanken. In stummer Zwiesprache hielt ich ihm die abwegige Tatsache vor. Daraus lösend stammelte ich „Nein, das ist … das kann … ihr seid verrückt!“ Einem nach dem anderen sah ich an. „Tut mir leid, aber ihr treibt schon seltsame Scherze mit mir!“ und sprang auf, nur weg von hier! Das war ein bisschen zu viel für mich. Okay es war schon seltsam, wie sie meine Gedanken erraten konnte. Auch das sie plötzlich vor einem auftauchten oder wie schnell sie gestern hier waren. Aber es waren Taschenspielertricks, das war es immer. Raphael hielt mich auf, „Warum kann ich deine Gedanken lesen, was glaubst du? Warum weiß ich, dass du uns mit der Figur verglichen hast. Warum hast du mich nie gesehen, bei dir zu Haus, im Gewölbe und bei deinen Wanderungen? Warum hast du dich wider besseres Wissen immer wieder gegen deinen gesunden Menschverstand entschieden.“ Ruhig sah Raphael mich an. In seinem Ausdruck lag etwas, was ich auf keinen Fall sehen wollte. „Es ist wahr Claire, sei ehrlich zu dir selbst.“ Ich trat an Raphael vorbei und ging los. Ohne auf den Weg zu achten auf den Wald zu. „Lasst sie gehen!“ hörte ich Raphaels Stimme befehlend sagen. Einfach am See entlang immer weiter. Schnaufend blieb ich irgendwann stehen. Konnte es wahr sein? Bilder schoben sich vor meinem inneren Auge. Raphael mühelos setzte er mich ins Auto, wie er dann plötzlich neben mir saß. In der Hütte wie lange hielt er mich hoch? Die unerschütterliche Kraft ständig den Berg hinauf zu klettern, mich sogar mitzog! Gab mit ausgestreckten Armen und dann gerade unser Zwiegespräch. An viele Kleinigkeiten erinnerte ich mich. Sollte es möglich sein? Ich musste Gewissheit haben. Auf den Absatz wendend, prallte ich gegen Raphael. Schon wieder, „Kannst du dir das Abgewöhnen?“ an seine Brust gedrückt, so fest hielt er mich. Eine Braue hochgezogen, sah Raphael mich grinsend an, „Das bedeutet, ich darf mich wieder an deiner Gesellschaft erfreuen?“ dabei fixierte er spöttisch meinen Mund. „Raphael! Ich habe genug Probleme, als deine Anzüglichkeiten. Komm mir nur nicht ständig zu nah! Wieso stehst du schon wieder direkt hinter mir? Das macht man einfach nicht!“ „Richtig! Normalerweise lasse ich den Menschen auch ihren Freiraum, circa ein Meter, sagt man ist die Grenze. Alles was darunter liegt gehört zum Intimbereich.“, anzüglich lächelnd, „Deinen scheine ich falsch einzuschätzen!“ Er trat einen Schritt zurück. „Zufrieden?“ „Kannst du mir sagen, warum du mir folgst? Aber Mike und Gab untersagst du es!“ Achselzuckend antwortete er, „Aus reiner Gewohnheit, schätze ich. Nein natürlich nicht, es ist wegen Ben!“ „Du sagtest ich sei nie ohne Schutz …“ „Ja, es ist zu gefährlich, deshalb bat ich Gab und Mike zu kommen. Gab kam gerade noch rechtzeitig, als Ben in der Bücherei auftauchte. Nur aus der Ferne konnten wir über dich wachen. Mike stellte sich besser an. Dadurch wurde es einfacher. Besonders Sue machte mir die Aufgabe schwer. Sie nahm an, ich wolle zu dir Kontakt aufnehmen, darin hatte sie nicht Mal unrecht. Eine gute Freundin hast du in ihr. Dann Toni, er wusste, dass ich im Theater war und anschließend in dem Lokal! Nachdem er dich zu Haus abgesetzt hat, knöpfte ich ihn mir vor. Doch er war gegen mich aufgebracht und im Grunde musste ich ihm recht geben. Aber die Idee mit dem Handy griff ich auf. Nur durftest du keinen Verdacht schöpfen, von wem es kam.“ „Das heißt, während der letzten zwei Monate stand ich unter ständiger Bewachung?“ er nickte bestätigend, „Du warst in meiner Wohnung …, ohne dich zubemerken! Wie kommst du in meine Wohnung? Vorher habe ich mich schon gewundert, wie du ins Haus gekommen bist. Woher weißt du vom Gewölbe, okay wahrscheinlich von Mike. Aber …“ Raphael ergriff meine Schultern „Claire ich bin ein Engel!“ „Hör auf mit dem Quatsch! Und erklär mir lieber …“ Zwang mich ihn anzusehen. „Es stimmt und das weißt du ganz genau!“ „Engel sind Mythen, religiöse Geschichte! Es ist unmöglich …“ und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien, vergebens. „Lass mich los, das ist verrückt! Was soll das, irgendein Spielchen?“ schrie ich ihn an. Raphael wurde nun auch wütend, „Wenn du stures Weibsbild die Wahrheit nicht erkennst, treibe ich Spiele mit dir? Ich habe noch nie mit dir gespielt!“ „So hast du nicht? Ah warte ich bin verheiratet, ja dann kam ein Schwur oder Eid, oh ja der Spruch mit der Frau meiner Art! Wie nennst du das? Verrat es mir!“ ich wartete. „Vielleicht mag es so aussehen aber Tatsache ist, niemals habe ich etwas vorgemacht.“ Ich lachte höhnisch auf, „Tatsachen! Nennst du das! Ich nenne das die reine verarsche, oder dachtest du, du könntest mich, so schneller ins Bettchen bekommen?“ Mit einem Mal wurde Raphael ruhig, „Das wäre nicht allzu schwierig gewesen Claire, du wärest ein williges Opfer gewesen!“ antwortete er beißend. „Sicher das glaubst aber nur du!“ verteidigte ich mich. „So?“ und zog mich unhaltbar näher an sich heran. „Nein!“ ich sträubte mich mit aller Kraft, doch gegen die seine kam ich nicht an. Sanft, umarmte Raphael mich. Ich hielt meine Lippen fest verschlossen, während Raphael fast neckisch über meinen Mund küsste. Seine Hand wanderte meinen Rücken entlang. Während die andere über meine Wange und Hals streichelte. Er wusste nur zu gut, wie er seinen Willen bekam, ohne dass ich es wollte, reagierte mein Körper auf seine Liebkosungen. „Claire“ er hielt inne sah mich leidenschaftlich an, um mich dann ungestüm zu küssen, diesmal konnte ich ihm nicht widerstehen. Nur ihn spürend alles andere vergessend, meine Vorbehalte, all die Entschlüsse mich niemals mehr mit ihm einzulassen, dahin. Abermals war es Raphael, der sich zurückzog. „Das durfte nicht geschehen!“, bestürzt trat er, einen Schritt zurück. „Du hast Recht mir nicht zu trauen! Vergiss das niemals!“ Er ließ mich frei, wandte sich dem See zu. Schweigend vergingen die Minuten. Als Raphael mich ansprach, war seine Stimme monoton. „Über eines musst du dir klar werden Claire. Wir sind, was wir sind. Engel! Daran gibt es keinen Zweifel. Ich habe keine Schwierigkeiten in irgendwelche Gebäude hineinzukommen. Wenn ich ungesehen bleiben will, kann ich das! Sieh her!“ Raphael stand am See, doch dann war er verschwunden! Ich traute meinen Augen nicht. „Deine Augen sind vollkommen in Ordnung, ich kann in dir Lesen wie in einem Buch. Deine Gedanken, deine Vorbehalte! Ich kann dich beeinflussen daran zu glauben, dass ich ein Engel bin. Doch das solltest du dir selbst eingestehen!“ langsam nahm seine Gestalt Formen an. „Du bist weder verrückt noch ich, es ist nun einmal so!“ ich sah, glaubte aber nicht, Raphael trat auf mich zu sah mir fest in die Augen „Ich bin Raphael, der Erzengel!“ Stumm regungslos sah ich ihn an und ich wusste es ist wahr. Das musste ich erst einmal verdauen! Die Drei immer wieder ungläubig ansehend. Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren doch vor dem Ergebnis sträubte es sich. „Ihr seid wirklich?“ die Frage stellte ich nun bestimmt schon zum dritten Mal. Jedes Mal bekam ich die gleiche Antwort. Die Drei bewegten sich vorsichtig als könnte ich ihnen davon laufen, was absolut lachhaft war. Denn Raphael hatte mich am See kurzerhand auf dem Arm genommen und mich zum Blockhaus zurückgebracht. In Sekundenschnelle! Engel schwirrten durch meine Gedanken. Es sind Engel! „Genau Claire!“ Gab sah mich beruhigend an, reichte mir eine Tasse Tee. Grinsend fügte er hinzu, „Aber lass die Flügel weg!“ daran hatte ich überhaupt nicht gedacht und wollte gerade protestieren, als mir der Schalk in seiner Mimik auffiel. Gabs kleine Sticheleien halfen mir, wieder klar zu denken. „Na gut ihr seid Engel! Aber eines frage ich mich. Warum erzählt ihr gerade mir das? Wenn ihr zum Präsidenten oder irgendein höher gestelltes Tier gegangen wäret, das würde einen Sinn machen. Doch ihr! Erzählt es mir! Einen niemand! Warum?“ „Kleines, du gefällst mir immer besser, du stellst die richtigen Fragen.“ Meinte Gab, „Mike das ist deine Aufgabe! Wir verziehen uns, denn irgendjemand muss für unser leibliches Wohl sorgen. Raphael kommst du?“ Die beiden gingen hinaus, und Mike setzte sich mir gegenüber, „Mit dir alles in Ordnung?“ mitfühlend studierte er mich. „Soweit ja! Indessen habe ich ein paar Fragen.“ „Ja das kann ich mir denken. Schieß los“ „Warum gerade ich?“ „Gab hat recht! Also warum gerade du. Selten, sehr selten werden Frauen geboren, die etwas Besonderes sind, du gehörst zu ihnen. Mit diesen Frauen können wir eine …“, Mike zögerte einen Moment, „… Ehe eingehen.“ „Das bedeutet, es gibt verheiratete Engel? Wer von euch ist, verheiratet?“ warum bloß war meine Zunge schneller als mein Verstand, Mike erkannte sofort mein Interesse, warum ich nachforschte. „Wir drei sind, hm, die ewigen Junggesellen! Jedoch gibt es einige die sich eine Partnerin wünschen.“ Ich verstand die darin versteckte Warnung, mir keine falschen Hoffnungen, zu machen. Und wenn ich es mir recht überlegte, verstand ich nun auch Raphaels seltsame Ausdrucksweise. Er wird niemals eine Frau meiner Art zu nahe treten. „Gut das verstehe ich soweit, doch warum …“ mir fehlten die richtigen Worte, Mike fand sie, „… gehen wir diesen umständlichen Weg? Anstatt den natürlichen Verlauf abzuwarten? Dafür gibt es mehrere Gründe einmal sollen alle heiratswilligen Kandidaten die gleiche Chance erhalten. Weißt du, es gibt nicht allzu viele Frauen, zur Auswahl. Dann muss die Frau vorbereitet werden auf ein Leben mit einem Engel. Es ist nicht ganz einfach, wie du an dir selbst festgestellt hast. Obwohl du, auch in diesem Fall eine Ausnahme bist. Das erkläre ich dir später.“ Als Mike meine Frage bemerkte, die ich gerade stellen wollte, „Zunächst müssen wir den wichtigsten Teil besprechen. Deinen Schutz!“ „Ben!“ „Ja genau, solche wie Ben.“ Bestätigte Mike sorgenvoll. „Was hat es mit Ben auf sich?“ „Wir können mit menschlichen Frauen Kinder haben, Ben ist aus einer dieser Verbindungen. Damals gab es kein Reglement, das heißt, wir lernten eine Partnerin kennen und lieben, bekamen Kinder. Nur dass unsere Söhne zwar die angenehme äußere Erscheinung von uns Engeln aufwiesen. Auch spüren sie Gedanken vor allem schlechte, böse Gedanken. Sie haben ihren Spaß daran, die Menschen leiden zu sehen. Die Nephilim so nennen wir sie, sind das Gegenteil von uns. Verlogen, erbärmlich und widerwärtig. Ben ist ein Nephilim und er, sie können überzeugend sein. Das heißt, sie können einen Menschen bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Deshalb suchen sie sich auch Menschen aus die von jeher einen schlechten Charakter haben. „Aber warum tritt er mit mir in Kontakt?“ Mike fuhr sich durch die Haare, „Weil die Nephilim genauso eine Partnerin suchen wie wir Engel! Auch sie sind gebunden, an die Regeln die wir aufstellten. Einige Frauen gebaren Kinder, die sich ganz normal entwickelten. Andere bekamen Kinder, aus denen Nephilim wurden. Da kommst du mit ins Spiel, solltest du Kinder von einem Engel bekommen werden sie wie jeder andere Mensch sein. Deshalb sind Frauen wie du so selten. Nun versucht Ben, dich an sich zu binden. Noch mehr als üblich, denke ich.“ „Also ich bin eine Frau, die keine Nephilim gebärt, deshalb seid ihr an mir interessiert! Da ich eventuell eine mögliche Kandidatin bin, in euren Augen.“ Mike erhob die Hände, „Langsam, du hast gerade an einem Crash-Kurs teilgenommen, wozu die anderen Frauen Jahrzehnte hatten.“ Warnte er mich schuldbewusst. „Und warum bekomme ich einen Schnelldurchlauf? Ward ihr in meinem Fall unsicher?“ „Leider nein, es lag an mir!“ das interessierte mich, „Also gut ich erzähle es dir! Vor langer Zeit, als es die ganzen Reglungen noch nicht gab. Lernte ich eine Frau kennen. Wir lebten zusammen bekamen Kinder, ein glückliches Leben. Sie wusste, was auf sie zukam, Emilie wollte ewig bei mir bleiben. Doch eines unserer Kinder war ein Nephilim. Gabriel und Raphael kümmerten sich darum. Der Verlust ihres, unseres Kindes veränderte sie, aber wir hatten auch eine Tochter. Sie war unser Sonnenschein. Doch als sie im hohen Alter starb, zerbrach Emilie, sie verlor ihren Lebenswillen. Ein Kind verlieren das kann man überleben, jedoch die eigene Tochter … zu erleben, wie sie mit den Jahren altert, zerfällt in eine gebrechliche alte Frau und dann entkräftet stirbt.“ Mit leerem Blick starrte Mike hinaus auf den See. „Emilie ging! Sie wählte den Tod.“ In sich gekehrt monoton kamen die nächsten Worte, „unsere Tochter verstorben, Emilie … doch unsere Tochter, sie hatte Kinder und die wiederum Kinder. Das war meine Erinnerung meine Familie, meine Zuflucht. Aus der Ferne! Niemals wieder ließ ich ein menschliches Wesen an mich heran. Bis vor fünfundzwanzig Jahren! Ein Paar, beide aus meiner Linie, bekamen ein Kind! Über Hunderte von Jahren wurde ein Kind geboren. Das auf vielfältige Weise Emilies und meine Gene in sich trug. Ich beobachtete das Paar, ohne mich zu nähern. Doch das Kind im Mutterleib war etwas Besonderes. Es spürte mich, sowie ich es wahrnahm. Ich entzog mich ihm nicht. Über all die Jahre war ich verbunden mit ihr. In ihren Träumen, in ihrer Fantasie, in ihren Gedanken, ihr Leben. Ich liebe sie wie eine Tochter.“ Ich wusste es, vielleicht schon die ganze Zeit. Er war mein Seelenverwandter mein imaginärer Freund namens Miki, über den meine Eltern sich ernsthaft Sorgen machten. Ohne ein weiteres Wort nahm Mike mich in die Arme. „Mein kleines Mädchen, glaub mir ich würde alles daran Setzen es zu verhindern, wenn ich mir gewiss wäre, dass ein solches Leben dich unglücklich macht. Aber du hast alle Eigenschaften, den Willen, die innere Stärke, die eine Frau eines Engels braucht.“ Er sah mich stolz an, „Doch durch meine Liebe zu dir, machte ich auch einen fatalen Fehler. Ich klärte dich nicht auf über uns. Sagte mir lass ihr noch etwas Zeit! Gab warnte mich, doch ich! Ich vertröstete ihn und mich auf später. Bis Gabriel mich vor die Wahl stellte, entweder ich lasse dich als Mensch weiterleben oder gebe dir die Chance einen Engel als Partner zu wählen.“ Laut polternd kam Gab auf die Veranda sah uns an und grinste, „Hast du es ihr endlich gesagt?“ auf Mikes nicken hin, stürmte er auf uns zu nahm mich in den Arm und presste mich fest gegen seine Brust, „Willkommen in der Familie, Kleines! Du darfst mich Onkel Gab nennen!“grinste er mich frech an. Dann hielt er mich auf Armeslänge, musterte mich kurz, „Vergiss den Onkel, bei dir könnte ich eine Ausnahme machen und mich in der Reihe der Kandidaten anstellen!“ grinste er mir zwinkernd zu. „Das fehlte mir noch!“ brummte Raphael im Hintergrund. „Was? Ich werde einen guten Mann abgeben! Ich habe Erfahrung mit den Damen und weiß genau was sie sich wünschen!“ und zog mich wieder an die Brust. „Eine solche Entscheidung treffe ich keinesfalls leichtfertig, Raphael!“ Raphael betrat die Veranda, bepackt mit Einkaufstüten, „Und dich mein Freund, würde ich Claire niemals vorschlagen!“ „Nun das brauchst du auch nicht, Claire weiß es ja jetzt!“ „Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, die Entscheidung steht keineswegs fest.“ Er schaute mich kurz an, „Und bevor du dich für eine Partnerin bewirbst, solltest du deinen Lebenswandel ändern.“ Mit diesen Worten ging Raphael hinein. „Was der Herr wieder hat! Erst stellt er sich wie ein Jüngling an. Stellt euch vor, zwei hübsche Damen durchaus willig ihr wisst schon was ich meine und Raphael vermasselt mir die Tour. Hält ihnen einen moralischen Vortrag!“ „Das war kein Vortrag, ich habe …“ „Ach halt den Mund, du denkst auch nur an dich! Wo soll ich die Nacht schlafen? Das Bett ist zu klein für mich und Mike hat mir unmissverständlich erklärt er schlafe nie mehr mit mir in einem Raum. Wo soll ich nächtigen? Das verrate mir!“ „Du kannst mit in meinem Bett schlafen!“ bot ich Gab an. „Das kommt absolut, in keiner Weise, niemals infrage!“ wie ein Donnerwetter hallten die Worte durch das Haus. Gab in keiner Weise eingeschüchtert bedankte sich artig. „Nein Gab, das geht zu weit!“, meinte Mike, „du wirst Claire das Bett …“ „Ist schon in Ordnung mir reicht das Sofa, Mike, wirklich!“ Er sah mich skeptisch. Gab drückte mir einen Kuss auf den Lippen, „Danke du bist ein Schatz, Kleines! Und ich werde das wieder gut machen!“ versprach er. „Wie du es immer wieder schaffst deinen Kopf durchzusetzen ist mir ein Rätsel! Habt ihr alles bekommen?“ schmunzelte Mike. „Ja du wirst begeistert sein, ich habe die Sachen auf dem Stuhl gelegt.“ „Gab!“ warnend sah Mike Gabriel an. „Alles ladylike, Mike.“ Versprach Gab, lachte mir zu, „Sieben Uhr gibt es Essen! Du hast noch gut zwei Stunden, dann muss Claire, du weißt schon!“ „Alles klar, ich danke dir.“ „Nicht nur mir sogar Raphael hat geholfen!“ betonte Gab. Mike sah erstaunt aus. „Sollen wir ein Stück laufen, oder willst du lieber etwas anderes unternehmen.“ „Gehen wir spazieren.“ Erleichtert nickte Mike. Ich wusste, das Wandern ihm ein Gräuel war. „Was hast du noch für Fragen.“ Forderte Mike mich auf. Ich überlegte kurz. „Da ich eventuell eine mögliche Kandidatin in euren Augen bin. Welche Wahl habe ich und welche Wege bleiben mir?“ „Fakt ist, dass du ein solcher Mensch bist, deine Entscheidung. Niemand wird dich zwingen den einen oder anderen Weg zu gehen. Nur bitte ich dich, alle Richtungen abzuwägen und neue Bekanntschaften, zu schließen.“ Er nahm einen Stein auf und ließ ihn über das Wasser hüpfen. „Mike, das heißt also, ich soll einige Engel begutachten, die heiratswillig sind und ihnen die Gelegenheit geben, mich kennenzulernen.“ „Ja grob ausgedrückt aber durchaus richtig. Ich weiß das hört sich sehr nach Fleischschau an. Wir stehen dir jedoch mit Rat beiseite.“ Beruhigte mich Mike, er nahm einen Stein auf und hielt ihn mir hin ich schüttelte den Kopf, „Das konnte ich noch nie! Mike, ich dachte ihr Engel habt Flügel und seid vollkommen. Stattdessen scheint ihr ganz menschliche Bedürfnisse und Empfindungen zu haben!“ Anstatt mich auszulachen, beschrieb Mike die Unterschiede zwischen Glauben und Wirklichkeit. „Das biblische Engelbild, die Kunst und Volksfrömmigkeit hat wenig gemein mit der Realität. Wir sind dem Menschen sehr ähnlich. Unsere Neigungen und Begierden unterscheiden sich keineswegs allzu sehr von dem der Menschen..“ Mike machte eine Pause, zeigte mir, wie ich den Stein den halten musste, „Das Schwierige ist wie bei dem Menschen, die eigene Gefühlswelt. Wir empfinden Lust, Liebe, Leid, Begierde, Neid all die Mannigfaltigkeit. Das müssen wir auch. Wie sonst könnten wir helfen. Damit umzugehen mussten wir genauso erlernen.“ Über seine Offenheit dankbar kam mein nächster Gedanke. „Lügen, könnt ihr das?“ Er lachte herzhaft auf, gab mir einen Stein in die Hand und forderte mich still auf ihn zu werfen. „Nein, eine direkt gestellte Frage beantworten wir wahrheitsgemäß. Jedoch kann ich dir mit unausgesprochenen und Andeutungen die Wahrheit umschreiben. Im Grunde eine Lüge, ohne zu Lügen! Auch darin wird man perfekt.“ Gestand er zwinkernd, „So!“ er zeigte es mir noch einmal und gab mir einen zweiten Stein. „Sterben Engel?“ ich versuchte es erneut und der Stein sprang ein, zweimal. „Auch das, irgendwann! Werden auch wir die Erde verlassen, es ist kein direkter tot eine neue, andere Form des bisherigen Daseins.“ Einen weiteren Versuch, er sprang viermal. „Du lernst schnell!“ was er damit meinte, ließ er offen. Sorgenvoll studierte er mein Gesicht. „Du hast heute viel erfahren, Claire.“ Mike reichte mir noch einen Stein. Schweigend gingen wir am See entlang ab und zu einen Stein werfend, ich musste zugeben mit Mike lernte ich es. Plötzlich lachte Mike auf, „Eine Frage hast du bisher ausgelassen!“ fragend sah ich auf, „Wie sieht eine Ehe beziehungsweise das Zusammenleben mit einem Engel aus?“ Darauf hatte ich eine Antwort, „Sowie jede andere auch!“ „Ja, aber auch wieder anders. Als Erstes, ist das Gelöbnis einfacher, dein Begleiter wird die, sagen wir Ehe als Zeuge beiwohnen und beschließen. Zeuge ist eigentlich jeder der anwesend ist. Das werden viele sein. Aber weiter, ich sagte es ist einfacher im Grunde ist es nur ein Satz beziehungsweise zwei; ich nehme dich zur oder zum Frau/Mann; der Begleiter nickt oder sagt ein paar Worte alles erledigt. Zweitens du und dein Mann ihr werdet mit deinem Umkreis weiterleben, wie, du es bis dato getan hast. Aber in den Augen deiner Familie und Freunden alterst du wie sie; nur in ihren Augen! Denn du alterst nicht mehr. Kinder! Ein besonderes Problem du verzichtest darauf, denn eure Kinder sind Menschen sie sind sterblich. Deshalb zeugen wir keine Nachkommen. Es ist schwer, seine eigenen Kinder altern zu sehen. Während man selbst jung bleibt. Außerdem wirst du eine neue sehr große Familie dazubekommen.“ „Keine Kinder?“ „Wieso wolltest du welche?“ „Ehrlich gesagt habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht. Dazu braucht man den richtigen Partner, nicht wahr. Dann wie lange werde ich Leben, so lange wie die Engel?“ Mike bestätigte dies. „Das ist viel Zeit, wie sieht es aus, wenn man sich auseinander gelebt hat, kein Verständnis mehr füreinander aufbringt. Irgendwann vergeht die Liebe was dann? Mike!“ „Für die Ewigkeit, die Liebe die du für deinen Partner empfindest, sowie er für dich wird niemals vergehen, Claire. Seid ihr gebunden, in Liebe hält sie, in Liebe wird sie jedes Jahr bestätigt oder erneuert. So wie dieser Stein auf den Grund des Sees sinken wird.“ Raphael kam extrem langsam zum See hinunter, „Der Sklaventreiber schickt mich, Claire du sollst jetzt duschen gehen. Mike du musst den Zeitplan einhalten! Schaut mich nicht so vorwurfsvoll an, ich richte nur die Befehle aus.“ „Nun denn, wir haben ihn losgelassen, schlucken wir die bittere Pille!“ gewappnet stieg Mike den Weg hinauf. Er drehte sich um „Kommt ihr?“ Raphael hatte mich aufgehalten, als wolle er mir etwas sagen. Doch nun unterließ er es. „Ja, schon unterwegs.“ Und wir gingen zum wartenden Mike, der sah Raphael an, dieser verschloss seine Miene. „Habt ihr mir irgendetwas vergessen zu sagen?“ ich blieb stehen. „Du bist ein guter Beobachter! Raphael und ich müssen nun unter Gabs Fuchtel arbeiten.“ „Mike!“ warnte ich ihn. Mike grinste, „Du hast recht!“ an wen, von uns er das sagte, konnte ich nicht deuten. Zum Nachfragen blieb mir keine Zeit, da Gab auf der Veranda erschien und uns antrieb. Im Haus überreichte mir Gab einige Päckchen und Tüten, „Zum gegebenen Anlass, schließlich erfährt man nicht aller Tage, dass man einen Engel zu seinem Urahnen zählen kann.“ Die ich erstaunt annahm und neugierig auspacken wollte. Aber Raphael raunte mir zu, ich solle sie lieber im Zimmer öffnen. In Gedenken an heute Morgen sowie Gabriels erwartungsvolles Gesicht. Pflichtete ich Raphael im Stillen bei und begab mich ins Schlafzimmer. Dort die Pakete öffnend, erwartete mich eine perfekt abgestimmte Abendgarderobe. Angefangen bei den Dessous; wie gut das Raphael mich warnte. Bis hin zum Schultertuch, sogar die Schuhe waren in meiner Größe vorhanden. Es klopfte, Mike kam ins Zimmer. „Gefallen dir die Sachen?“ „So etwas Schönes habe ich noch nie besessen. Schau dir das Kleid an. Ein Traum, das ist viel zu kostbar für mich. Das kann ich nicht annehmen …“ Zweifelnd sah ich Mike an, dieser meinte nur, dass ich mir keine Gedanken darüber machen solle. Er freue sich nur, weil er mir alles erzählt habe. Und nach Gabs Auffassung musste man dies entsprechend festlich begehen. Aus Erfahrung wussten sie Gab seinen Willen zu lassen. Außerdem richtete Gab mir aus ich solle in einer Stunde mit meiner Toilette fertig sein. „Was soll ich denn machen, hier herumsitzen?“ Mike sah mich erstaunt an, „Eine Stunde ist nicht gerade viel Zeit, Claire!“ „Um was, sich zu duschen und dann anzuziehen? Dafür reichen zwanzig Minuten.“ „Ich will ja nicht mäkeln, aber …!“ „Du meinst ich soll mich ausstaffieren, mit allem Drum und Dran?“ er stimmte meiner Annahme zu. „Dafür fehlen mir die nötigen Utensilien!“ „Du bist mit Engeln unterwegs, Claire!“ und lugte auf mein Bett, „schau nach, dort findest du alles, was ein Mädchen braucht!“ versicherte mir Mike lächelnd. Zwischen all den Päckchen, Wickelpapier und Tüten, lag tatsächlich alles, was man brauchte. Vom Make-up bis zur Haarnadel! „Na siehst du!“ Eine Grimasse ziehend. „Also gut, dann schmier ich mir das ganze Zeug ins Gesicht.“ „Jaah und bitte recht dick aufgetragen. Brauchst du Hilfe?“ schmunzelnd krempelte Mike die Hemdsärmel hoch. „Ach, geh …“ und schob ihn aus dem Zimmer. „Mike!“ Laut drang Gabs Stimme aus der Küche. „Halte Claire nicht auf, die Uhr tickt.“ „Beeile dich und sei bitte pünktlich fertig. Claire? Alles in Ordnung mit dir?“ prüfend sah er mich an. „Sicher, mach dir keine Sorgen.“ Ich ging zu ihm und gab ihm beruhigend einen Kuss auf die Wange. „Noch etwas, um das ich dich bitten möchte.“ „Und das wäre?“ „Keine anzügliche oder zweideutige Anspielung in meiner Richtung, du bist wirklich wie eine Tochter für mich.“ Das versprach ich Mike. Gab rief abermals nach ihm, diesmal fordernder. Mit größter Sorgfalt bereitete ich mich für den Abend vor. Pünktlich war ich fertig, nun war ich doch aufgeregt. So ausstaffiert kam ich mir selbst fremd vor, wie eine Heuchlerin. Im Zimmer auf und ab gehend, unsicher, wie ich mich verhalten sollte. Warten, bis jemand kam oder selbst hinaus gehen. Engel schwirrte es ständig in meinen Kopf herum. Noch konnte ich die Situation nicht voll begreifen. Es war unglaublich. Engel! Mit drei Engeln sollte ich also den heutigen Tag beenden. Zum Glück klopfte es, diesmal erschien Raphael, ebenso in Abendgarderobe, in seiner Bewegung stockend, gaffte er mich an. Unsicher, was dieser Gesichtsausdruck bedeutete. „So schlimm! Warte einen Augenblick, ich ziehe mich schnell um.“ „Du siehst umwerfend aus! Das entschädigt Gabs Sklaventreiberei.“ „Danke, du siehst aber auch sehr gut aus.“ Gab ich das Kompliment zurück. Lächelnd dankend sah er mich an, und schon waren wir in dem Anblick des anderen vertieft. Wieder einmal vergaß ich alles um mich herum, der einzig feste Bezug war Raphael. Er stand nah vor mir, gab mir einen seichten liebevollen Kuss, um mir dann formvollendet seinen Arm zu reichen. Irritiert nahm ich sein Angebot an. „Du siehst aus, als ob du gerade geliebt worden bist. Atme ein paar Mal tief durch. Das hilft!“ im Gegenteil ich hielt die Luft an und zog wütend meinen Arm zurück. Vergebens! „Schon besser!“ kommentierte Raphael amüsiert, der meinen Versuch missachtete, sondern mich kontrolliert prüfte. „Ich will ja nicht das Mike auf falsche Gedanken kommt, schließlich ist er so etwas wie dein Großvater.“ Das Wohnzimmer war nicht wiederzuerkennen, festlich geschmückt erstrahlte es in einer Szenerie, die aus einem Film stammen konnte. Der Tisch eingedeckt mit wertvollem Geschirr, Kerzenleuchtern, die die Tafel glanzvoll unterstrich. Mike, wie auch Gab, trugen Abendgadrobe. Etwas steif in dieser ungewohnten Situation stand ich da. Raphael, der meine Unsicherheit bemerkte, nutzte sie sofort aus. Indem er anzüglich bemerkte, dass der Leckerbissen nun bereit sei. Mike und Gab drehten sich gemeinsam um, beide begutachteten mich. Mike, stolz mit väterlicher Miene, daran musste ich mich erst gewöhnen. Da er vom Aussehen kaum älter war als ich und ich ihn Mike einen Freund sah. Gab steuerte mit bewunderndem Ausdruck auf mich zu. Umfasste meine Erscheinung mit Kenneraugen und hielt mir wie Raphael zuvor, galant seinen Arm entgegen. Da ich meine Hand nicht von Raphael lösen konnte. Denn dieser hielt seinen Flügel fest an seine Rippen gepresst, sodass ich Gewalt hätte aufwenden müssen, um meine Hand zu befreien. Gab bemerkte dies, mit zusammengezogenen Brauen, forderte er Raphael wortlos auf, mich freizugeben. Raphael antwortete mit einem zynischen Grinsen. „Raphael! Gabriel! Ich werde Claire zu Tisch geleiten!“ Mike trat heran, schmunzelte, „Die Herren werden verstehen. Denn wann darf der Großvater seine liebreizende Enkelin am Arme führen und nicht umgekehrt.“ Zögernd ließ Raphael meine Hand frei, Gab trat einen Schritt zurück. „Danke Mike, die beiden scheinen wirklich ausgehungert zu sein!“ sendete ich in Raphaels Richtung, nickte Gab koket zu und begab mich in die sichere Obhut Mikes. „Von wegen Großvater! Als wenn er besser wäre!“ grummelte Gab vor sich hin. Kichernd ließ ich mich von Mike zum Tisch führen. Da er mit gebrechlicher Stimme, einige Warnungen in punkto Männern und speziell Engeln, unersättliche Engel, zum Besten gab. Mit aufgesetzten Unschuldsmienen nahmen sie Platz. Das Essen war wundervoll, genauso wie meine drei Kavaliere. Mike hielt die beiden Heißsporne in Schach. Wieder fiel mir auf, wie sie sich teilweise ansahen, als ob sie sich telepathisch verständigten. Doch diesmal behielt ich meine Zunge im Zaun. Als wir zum Dessert kamen, wurden die verschiedenen Schlafmöglichkeiten erörtert. Mein Vorschlag wurde erst von Raphael abgelehnt. Doch als Gab anmerkte er würde auch gern ein Bett mit mir teilen. Endete der Disput kurzerhand. Mike und Raphael schliefen im Schlafzimmer, Gabriel in meinen und ich auf dem Sofa. Mit überirdischer Geschwindigkeit erledigten die Engel den Abwasch, ich sah die Gläser, Teller und sonstige Utensilien in rasender Geschwindigkeit verschwinden. Damit ich aus der Schusslinie kam, setzte ich mich ins Wohnzimmer, bald darauf gesellte sich Mike dazu. Wir unterhielten uns gerade über die Aufgaben meines Begleiters. Als Gab und Raphael sich uns anschlossen. Das riesen Sofa aus der Hütte fiel mir ein, dort hätten die drei genügend Platz gehabt, dieses hier war mit drei Personen überfüllt. Gab setze sich kurzerhand auf dem Boden, anscheinend war es ihm egal den Anzug zu beschmutzen. Raphael dagegen forderte mich auf ein Stück näher an Mike zu rücken, ehe er Platz nahm. Mike fuhr unbeirrt fort, da mein Begleiter keinen Wunsch habe, sich an eine Frau zu binden. War er, als unbeteiligter, der ideale Ansprechpartner, für beide Parteien. Dieser musste die Treffen, mit den Engeln koordinieren. Außerdem die Zusammenkünfte begleiten. Ich sollte ihm vertrauen, da er in dieser Tätigkeit die größte Erfahrung besaß. In den letzten Jahrhunderten habe er bei jeder Frau als Vertrauter erfolgreich fungiert. Zudem keine Frau an einem Nephilim verlor, versicherte mir Mike. Zusätzlich würde Gab meinen Mentor unterstützen. Da ich Ben aufgefallen war, durfte ich bis auf Weiteres keinesfalls ohne Schutz sein. Gab meinte er freue sich darauf mit mir Zeit zu verbringen, weil er im Nachteil gegenüber Raphael und Mike sei. Ich bestätigte Gab, das es mir genauso erging. Mike fragte die beiden Engel, ob dem noch etwas hinzuzufügen sei. Daraufhin meinte Gab, „Hast du Claire gesagt, das sie einige Paare kennenlernen wird?“ Mike verneinte, und Gab fuhr erklärend fort, „Du wirst wie gesagt netten Paaren vorgestellt. Die Damen können dir aus ihrer Sicht schildern, wie es ist, an einem Engel gebunden zu sein.“ Das fand ich sehr beruhigend. Denn trotz Mikes Versicherung, dass eine solche Verbindung ewig halten sollte, zweifelte ich daran. „Wie laufen diese Treffen ab? Ich meine man kann ja kaum erwarten, dass ich einen Engel sehe und dann sage den oder keinen.“ Fragte ich, Mike an gewandt. „Dafür hast du als erstes deinen Begleiter, er wird dir beratend zur Seite stehen. Doch im Allgemeinen sucht er dir passende Kandidaten aus. Engel, die zu dir passen. Und da ist noch eines aber das wird dir dein Begleiter selbst erklären.“ „Wann werde ich ihn kennenlernen?“ „Claire dein Begleiter ist Raphael!“ „Nein!“ entfuhr es mir. „Dir bleibt keine andere Wahl!“ bestimmte Raphael grimmig. „Du … wie hast du denn die anderen verkuppelt, deine Freundschaft kenne ich ja schon zur Genüge. Wie sieht deine beratende Tätigkeit denn aus?“ erbost über die Order von ihm. Wie zwei Kampfhähne saßen wir uns gegenüber. In Raphaels Augen zog Sturm auf, doch ich wich seinem drohenden Blick nicht aus. Herausfordernd richtete ich mich auf. „Raphael! Claire! Seid vernünftig!“ Wir rührten uns keinen Zentimeter, keiner gab nach. „Verdammt noch mal! Hört auf!“ Mike fluchen zu hören, brachte mich zur Vernunft. „Hör zu Mike, …“ setzte ich an. „Nein du und Raphael werdet mir zu hören und zwar sehr genau. Denn ich werde es nur einmal sagen. Benehmt euch wie Erwachsene. Du Raphael wirst deinen Pflichten nachkommen und du Claire wirst Raphael als Begleiter akzeptieren!“ erbost sah Mike uns an, ruhiger fuhr er fort, „Claire, Raphael ist der beste Begleiter! Er hat die Erfahrung, er wird dir den richtigen Weg weisen, und dir beratend zur Seite stehen.“ Der einzige der sich köstlich amüsierte war Gab, „Eine Frau die Raphael die Stirn bietet, so was ist noch nie geschehen! Ich freue mich darauf, die nächsten Wochen mit euch zu verbringen! Langweilig wird das bestimmt nicht!“ teilte Gab uns freudig mit. Mike fixierte uns noch immer, „Der Tag war lang! Für uns alle, das Beste wir gehen schlafen!“ das war ein Befehl und so fasste das jeder auf, ohne weiteren Kommentar. An Schlaf war nicht zu denken, ein Gedanke jagte den Nächsten, ich fand keine Ruhe. Kurzerhand stand ich auf, schlüpfte in meine Sachen und trat hinaus auf die Veranda. Schlendernd ging ich am Waldrand entlang, die Erkenntnisse dieses Tages zu verstehen, einzuordnen. Da war so viel Unglaubliches, wo anfangen! In Gedanken versunken wanderte ich von einem Ende zum anderen, bis ich schließlich am See stand. Versunken nahm ich einen Stein, ließ ihn übers Wasser hüpfen. Ich verglich mich mit diesem, in sich drehenden Stück Fels. Einer unter vielen fristete er sein Dasein. Bis er aufgenommen, und in eine andere Welt hinein katapultiert wurde. Es wurde zeit Antworten zu finden! Ehrlich zu mir selbst zu sein. Konnte oder wollte ich dieser Welt der Engel angehören. Was empfand ich für Raphael? Wie stand ich zu Michael? Würde ich den Ansprüchen der Engel genügen? Wenn ich bedachte wie alt und erfahren sie waren. Klein, unbedeutend kam ich mir ihnen gegenüber vor. Aber eines nach dem anderen die schwierigste Frage zuerst. Raphael, was war es das mich zu ihm hinzog. Warum konnte ich alles vergessen, wenn er mich ansah. War ich in Raphael verliebt? Nein, sei ehrlich es ging tiefer, und doch war er unerreichbar. Ich hatte keineswegs Mikes Worte vergessen; dein Begleiter habe keinen Wunsch sich zu binden; dieses Empfinden musste ich verschließen dennoch war dies fair? Den Engeln; Bewerbern gegenüber, die Interesse an eine Bindung hatten. Darauf wusste ich keine Antwort! Nur eines war gewiss, in Raphael durfte ich nur den Begleiter sehen. Seufzend ließ ich mich auf dem Baumstamm nieder. Michael, ja er war und ist mein Seelenverwandter. An ihn zu denken war tröstlich und traurig zu gleich. Er glaubte fest daran, dass ich dem gewachsen war. Sollte ich mich auf seine Meinung verlassen? Darauf stützten und aufbauen? Den Engeln und auch mir eine Chance geben. Vielleicht war einer darunter den ich Lieben lernen konnte. „Hast du eine Entscheidung getroffen?“ Gab stand wie aus dem nichts neben mir, daran würde ich mich nie gewöhnen. „Kannst du das nächste Mal, singen, Husten oder dich irgendwie bemerkbar machen. Sonst falle ich eines Tages tot um.“ „Versprochen, einen besonderen Wunsch?“ grinste Gab mich an. „Du bist unmöglich, wenn alle Engel sind wie du, fahre ich gleich nach Haus!“ „So bist du noch zu keinem Entschluss gekommen! Vielleicht kann ich dir helfen?“ so ernsthaft habe ich Gab nicht eingeschätzt. „Danke, aber nein!“ „Darf ich dir trotzdem einige Worte mit auf dem Weg geben?“ „Du lässt dich wahrscheinlich nicht aufhalten!“ „Wir verstehen uns, Kleines! Nun ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass zwei sehr einflussreiche Engel, dich geeignet halten. Zudem kann ich dir in bestimmten Herzensangelegenheiten helfen, diese zu mildern oder wenn du es wünschst, zu verschließen.“ „Kannst du so genau in meine Gedanken lesen?“ „Ja, sie hielten mich wach und schwirrten in meinen Kopf herum, nun da bin ich!“ „Wie funktioniert das?“ „Bei jedem unterschiedlich ich kann bei manchen die Gedanken hören manchmal nur fühlen oder wie bei dir sind sie lauter als meine eigenen. Du scheinst eine Ausnahme zu sein, so intensiv habe ich noch nie jemanden gehört und gefühlt. Raphael und Mike haben die gleiche Erfahrung gemacht.“ „Können die beiden meine Gedanken genau so lesen wie du?“ „Nein, nicht so klar! Mike sieht eher Bilder, bei Raphael habe ich keine Ahnung, er schweigt darüber. Was ist das zwischen Raphael und dir? Ich habe noch niemals erlebt, dass er sich einer Frau gegenüber so verhält. Er hat sonst keine Schwierigkeiten, er ist derjenige zu dem Sie Vertrauen haben. Nur bei dir ist es anders!“ Abweisend sah ich Gab an, „Frage Raphael!“ „Oh, das habe ich! Ein Nordsturm ist nichts dagegen.“ Mit seinen großen blauen Augen sah er unschuldig an. „Aber etwas anderes hast du dir schon Gedanken gemacht, wo du mich in deiner Puppenstube unterbringen willst?“ Fragend sah ich ihn an, „Wie meinst du das?“ Ich verstand keineswegs, worauf er hinauswollte. Nachgiebig lächelte Gab mich an, „Du darfst keinen Augenblick ohne Schutz verbringen, das heißt ich werde ständig in deiner Nähe sein. Ergo wo soll ich hin!“ „Aber ich habe doch noch keinen Entschluss gefasst!“ „Das spielt keine Rolle, die Nephilim fragen dich nicht! Und das wollen wir dir auf keinen Fall antun!“ „Für wie lange passt ihr dann auf mich auf?“ „Solange du lebst! Ich dachte dir ist das klar geworden!“ „Nein eigentlich habe ich darüber gar nicht nachgedacht. Ich meine Ben und die Nephilim habe ich ganz außer Acht gelassen. In eurer Nähe kommt mir die Gefahr eher gering vor.“ „Egal wie du dich entscheidest, wir bleiben und halten die Stellung.“ „Dann habe ich im Grunde keine Wahl, stimmt’s!“ „Wenn du das so sehen willst, hast du recht aber du solltest Mike vertrauen, er kennt dich! Und ist überzeugt, dass du die Eigenschaft hast, einen Engel als Partner zu nehmen.“ „Danke! Für deine Offenheit!“ und drückte Gab einen Kuss auf die Wange. „Na, der Engel, der dich heimführt, ist mir eine Menge schuldig!“ „Ich habe dir doch gar …“ mit hochgezogenen Brauen, tippte Gab wissend an seine Schläfe. Die Würfel waren gefallen, ich hatte meine Entscheidung getroffen. Gab stand auf, sich reckend meinte er, „Wenn nötig schlafe ich auch auf dein Sofa. Nur falls ich eine andere Lösung finde. Bist du bereit deine Wohnung eine Weile zu verlassen und in eine größere zu wechseln?“ bittend schaute Gab auf mich herab. Wie konnte ich da Nein sagen, und wenn ich mir vorstellte, wie Gab auf mein Sofa lag und es quälte! Mein armes altersschwaches Sofa! „Eben!“ führte Gab an. „Für eine Weile, ist das kein Problem …“ bevor ich den Satz aussprach, schnappte er mich und wirbelte meinen arg geschundenen Körper durch die Luft. „Du bist ein klasse Mädchen wirklich, ich weiß schon, wie ich es anstelle, danke!“ Ließ mich herunter, drückte mir einen Kuss auf die Lippen und verschwand. Meine Rippen reibend sah ich ihm kopfschüttelnd nach. Er erinnerte mich an einem kleinen Jungen, mit enormen Kräften. Der sich über jede Kleinigkeit in seinem Leben freudestrahlend bedankte. Tragisch nur das meine Rippen morgen blaue Flecken davontragen würden. Um eines würde ich ihn noch bitten, er sollte mich meine Sätze beenden lassen. „Das werde ich!“ wie eine Windbö hörte ich sein Versprechen. Langsam spazierte ich hinter ihm her, in der Hoffnung, Gabriel habe inzwischen sein Zimmer aufgesucht. Doch ich irrte mich, er saß auf der Veranda und wartete auf mich. Als ich näher kam, wünschte ich, es wäre Gab. Der dort saß war Raphael. Da ich keinen Wert auf eine Fortsetzung der Konfrontation legte, nickte ich Raphael kurz zu und ging an ihm vorbei. Provozierend stellte er sich mir in den Weg. „Was hattet ihr denn Wichtiges, unten am See zu besprechen?“ „Ich muss mich vor niemanden rechtfertigen, schon gar nicht dir!“ ärgerlich über die unverhohlene Anspielung. „Lässt du mich nun vorbei, ich möchte ins Bett.“ Funkelnde Augen waren die Antwort, ich hielt ihnen wiederum stand. „Ich will mit dir reden!“ teilte mir Raphael mit. „Bitte, ich höre!“ und verschränkte die Arme vor der Brust. „Nicht hier! Was ich dir zu sagen habe, braucht niemand anderes zu hören! Gehen wir ein Stück hinunter, du kennst ja den Weg!“ brachte Raphael mühsam die Worte heraus, den unterschwelligen Zorn konnte ich nicht überhören. Resigniert ging ich zurück zum Stamm, dort angekommen blieb ich stehen und wartete darauf, was Raphael mir mitzuteilen hatte. „Ich bin dein Begleiter, alles, was du tust und sagst, geht mich etwas an! Du wirst mir vertrauen! In jeglicher Beziehung. Ich werde deinen Tagesablauf regeln, jeden deiner Schritte ist mit mir abzusprechen. Falls Gabriel für mich einspringt, werdet ihr den jeweiligen Plan, den ich für dich ausarbeite, befolgen.“ Was bildete er sich ein, glaubte er wirklich ich würde mich wie ein Kleinkind behandeln lassen. „Das kannst du vergessen, ich brauche keinen Gefängniswärter. Solltest du ein Treffen mit einem Engel arrangieren, teile mir den Treffpunkt mit und ich werde dort sein. Darüber hinaus werde ich mein Leben führen, wie es mir gefällt!“ „Du wirst ständig Schutz …“ ich unterbrach Raphael, „Ich habe bereits mit Gabriel gesprochen er wird so lange, wie es nötig ist, bei mir bleiben.“ Das war zwar übertrieben ging ihm aber nichts an. Raphael stemmte die Arme in die Seiten. „Hör gut zu, ich werde bestimmen, wie die ganze Sache abläuft, niemand sonst. Denn ich trage die Verantwortung, und wenn du denkst, ein kleines Abenteuer mit Gab anzufangen. Irrst du dich gewaltig.“ Diese Anschuldigungen war ich ein für alle Mal leid, sollte er denken, was er wollte. „Und nun hörst du gut zu! Ich werde zu den Treffen gehen, aber wie ich mich auch entscheide, mit wem auch immer ich kleine Abenteuer erlebe. Das geht dich einen Dreck an!“ Ruhig, zu ruhig reagierte Raphael auf meinen Widerspruch, er trat einen Schritt näher. Drohend funkelte er mich an, atemlos sah ich ihn an. Erwartete das er mich küsste, sehnte mich danach ihn zu spüren. „Du solltest deine Energie auf andere Dinge richten! Zum Beispiel an deinem Äußeren arbeiten. Denn durch deine kühle distanzierte Art ist es für mich, schwer genug dich an den Mann, zu bringen. Außerdem wird erwartet, dass du ein gutes Allgemeinwissen hast. Denn wir Engel benötigen Frauen, mit denen wir uns auch unterhalten können!“ Ehe ich auch nur ein Wort der Erwiderung äußern konnte, war Raphael verschwunden. Was bildete sich der Mistkerl ein. Ich ging für mein Geld hart arbeiten und gab es nicht für irgendwelche Fummel aus. Außerdem hatte ich eine sehr gute Bildung! Aber du blöde Kuh erhoffst auch noch in seinen Armen, zu liegen. Wie blöd bist du eigentlich, wie ein blauäugiger Teenager, verliebst du dich in diesen Typen. Dabei warst du nur eine kleine Abwechslung für ihn, die nun langweilig geworden war. Nein es ist mehr. Doch nun war endgültig Schluss damit, du darfst Raphael nur als deinen Begleiter ansehen. Oder als geschlechtslosen Vertrauten. Ein Eunuch, ja das gefiel mir. Am Morgen teilte ich Mike meine Entscheidung mit. Freudestrahlend erzählte er Gab und Raphael die Neuigkeit. Gabriel zwinkerte mir zuversichtlich zu, während Raphael dies ohne weiteren Kommentar registrierte. „Raphael wird dir ein guter Begleiter sein, Claire!“ Versicherte mir Mike nochmals, dieser Meinung konnte ich mich keinesfalls anschließen, doch diese erwähnte ich Mike gegenüber nicht. Dabei war ich mir gar nicht sicher, was sie alles über meine Gedanken und Bedenken wussten. Wie sollte ich jemals wieder frei darüber verfügen? Gab nahm mich zur Seite, „Das werden wir schon hinbekommen!“ Mike befragte Raphael, „ich nehme an du triffst die nötigen Vorbereitungen, so schnell wie möglich?“ Raphael nickte, „ich habe schon einige Anfragen bezüglich Claire bekommen. Da muss jemand kräftig die Werbetrommel geschlagen haben.“ Gabriel grinste Raphael dreist zu. Mike überging das kleine Gefecht der beiden, sondern erkundigte sich bei Raphael, nach den Kandidaten. Namen wurden genannt, die mir nichts sagten, ich hörte den Engeln eine Weile zu. „Kann ich eine Runde laufen, denn ich habe bisher von der Umgebung nichts gesehen?“ ich richtete die Frage an Mike, der sich sofort dafür aussprach, Gab sollte mich begleiten. Stöhnend und beklagenswert bat er mich, Mitleid mit ihm zu haben. „Hör zu, das nächste Mal darfst du dir auswählen, wohin es geht!“ „Das meinst du ernst?“ „Sicher, aber stimme das vorher mit Raphael ab, denn du weißt ja. Er hat das Sagen!“ bemerkte ich schmunzelnd. Optimistisch reichte Gab mir die Hand, „Abgemacht!“ „Ich hoffe du bist dir im Klaren, was du Gab gerade versprochen hast! Ich werde dir keineswegs helfen, dich von dem Versprechen zu entbinden!“ erläuterte Raphael pessimistisch, das hatte ich nun davon. Er schlug sofort zurück. „Da brauchst du keine Angst zu haben, ich halte mich an meine Eide!“ Bevor Raphael etwas erwidern konnte, huschte ich auf die Veranda und schlug die Tür schnell zu. Kurz darauf kam Gab, „Ich soll dir ausrichten, er hat Zeit!“ Die Schultern zuckend, machte ich mir darüber keine weiteren Gedanken. Wenn Raphael meinte, eine Schlacht schlagen zu müssen. Ich war dazu bereit und marschierte kampfeslustig los. Darüber vergaß ich meine Kräfte einzuteilen, schnurstracks lief ich immer weiter, bis ich kurzatmig, stehen blieb und mich fallen ließ. Dieser verdammte Kerl, hatte es wieder geschafft, mich in Rage, zu versetzen. Belustigt hockte Gab neben mir, „Sagte ich schon das das eine interessante Zeit für mich wird!“ ärgerlich warf ich Gab einen verdrießlichen Blick zu. „Wenn du Raphael wirklich aus der Ruhe bringen willst, Kleines. Dann solltest du dir eine andere Strategie zulegen, er scheut vor keinen Kampf. Sondern genießt die Herausforderung!“ „Ah ja, und wie bekomme ich ihn an seine Achillesferse zu packen.“ Erkundigte ich mich ironisch. „Du brauchst Geduld, das vor allen Dingen! Hör auf Raphael herauszufordern. Sondern sei Lieb, zeige deine Bereitschaft mitzuarbeiten. Das wird ihn erst verwirren, doch dann wird er versuchen, dich aus der Reserve zu locken. Bleib hübsch unbeteiligt! Bewahre deine Geduld sei freundlich, gebe ihm recht, auch wenn es dir schwerfällt. Glaub mir, das wird ihn so richtig fertigmachen!“ Interessiert hörte ich zu, „Du meinst das reicht?“ fragte ich skeptisch nach. „Im Großen und Ganzen ja, aber du könntest auch noch einen Schritt weitergehen.“ Gab machte eine kunstvolle Pause, „behandle Raphael wie einen Onkel, einen Uralten natürlich! Der das ganze Vertrauen seiner lieben Nichte innehat. Das setzt jeden Mann zu!“ „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Raphael solch ein Verhalten missfällt.“ Gab ich zu bedenken und versuchte auf die Füße zu kommen. Gabriel half mir, „Doch er wird fuchsteufelswild, nur wie gesagt die Geduld musst du aufbringen. Früher oder später flippt er aus!“ grinste Gab. „So etwas nennt sich Freund!“ hielt ich ihm vor, ohne merkliches Anzeichen eines schlechten Gewissens, strahlte Gab mich an, „Wenn man jemanden so lange kennt wie ich Raphael oder Mike, weiß man wie weit man gehen kann! Raphael nimmt dabei keinen Schaden! Ich helfe schließlich nur einer Schutzbefohlenen. Die Zeit mit Raphael so gut wie möglich zu überstehen.“ „Und ihr nennt euch Engel!“ lachend erwiderte er meinen Vorwurf, „Wir sind auch nur Geschöpfe, mit Makeln und Fehlern! Sollen wir weiter oder heimwärts?“ „Ehrlich gesagt ich brauche noch ein paar Minuten!“ „Wenn ich dich trage, sind wir in Sekunden zurück!“ „Nein die Blöße gebe ich mir keinesfalls.“ „Das bleibt natürlich unter uns!“ kaum das ich mich versah, war ich in seinen Armen und schon setzte er mich wieder ab. Mich umsehend stellte ich fest; wir waren am See. Die Wiese konnte ich in einigen Meter erkennen. „Wie macht ihr das? Das ist unglaublich!“ „Zerbrich dir darüber nicht deinen schönen Kopf!“ er ging an mir vorbei und stupste mich an, „bewege dich lieber, du siehst so ausgeruht aus. Hast wahrscheinlich die ganze Zeit im Gras gelegen.“ Ärgerte er mich schmunzelnd. Ich rannte hinter ihm her, natürlich ohne jegliche Chance. Doch er wartete vor der Veranda auf mich. So stürmten wir in das Haus, ich hing an Gab wie eine Klette. „Da sind wir wieder! Ich habe euch etwas mitgebracht!“ drehte sich um und schüttelte sich. Sodass ich mich nicht mehr halten konnte. Bevor ich auf den Boden fiel, hielt Gab mich fest und ich landete sicher auf beiden Beinen. „Danke“ flüsterte ich ihm zu. „Gern geschehen!“ und drückte mich verständnisvoll an sich. „Gut, ihr seid zurück!“ begrüßte uns Mike, „wir haben einen vorläufigen Plan aufgestellt. Gab kannst du drei Tage in der Woche bei Claire bleiben?“ Gabriel nickte, nun ernst werdend. „Das geht! Ich möchte dich diesbezüglich um etwas bitten.“ Mehr bekam ich von dem Gespräch nicht mit, da Raphael mich ansprach. „Claire! Dir stehen einige harte Wochen bevor. Ich möchte diese Angelegenheit schnellstens hinter mich bringen.“ Ich unterbrach Raphael, „Diese Angelegenheit?“ fragte ich erstaunt. „Entschuldige, das war verkehrt ausgedrückt.“ Unbeirrt fuhr er fort, „Mike ist der gleichen Meinung! Die Nephilim sind keineswegs zu unterschätzen, du musst dir bewusst sein, niemals ohne Schutz zu sein. Einer von uns muss ständig in deiner Nähe bleiben! Bis du einen Partner gefunden und an ihm gebunden bist.“ „Das habe ich bereits begriffen!“ funkelte ich sauer Raphael an. Sofort trat ein amüsierter Ausdruck in sein Gesicht. Ich beschloss kurzerhand Gabs Rat anzuwenden, „Aber danke, Raphael! Ich werde mich entsprechend verhalten.“ äußerte ich friedfertig. Er traute mir nicht und wartete auf einen weiteren Einwand, als dieser ausblieb, fuhr Raphael fort. „Dein Verständnis erleichtert mir meine Aufgabe. Ich werde gleich aufbrechen. Gab wird dich zurückbegleiten. Und die nächsten Tage bei dir bleiben.“ „Alles klar!“ und wandte mich Mike zu, der gerade zu uns trat. „Kommst du wie gewöhnlich am Nachmittag?“ fragte ich hoffend, denn Mike wurde bisher außer Acht gelassen. „Leider nein, ich muss für eine Weile nach Europa. Doch wenn ich es einrichten kann, besuche ich dich.“ Enttäuscht sah ich ihn an, „Nun zieh nicht solch ein Gesicht! Schließlich haben wir noch ein paar Stunden.“ Munterte Mike mich auf. Bald darauf brach Raphael auf, er meinte zu Gab das er sich morgen im Laufe des Tages bei ihm melden würde. An Mike gewandt, „Du kommst nachher noch zur Hütte?“ Dies bestätigte Mike. „Bis dann!“ und Raphael war fort. Den Rest des Tages verbrachten wir einträchtig miteinander. Die Engel erzählten mir von Kayle und Myriel, die ich bald kennenlernen würde. Einigen Anekdoten besonders über Gab, der sich der weiblichen Bevölkerung sehr zugetan fühlte. Am späten Nachmittag brachen wir auf. Gab fuhr mit mir los, während Mike, wie auch immer verschwand. „Wann erfahre ich denn nun, wie ihr euch fortbewegt?“ löcherte ich Gab auf der Rückfahrt. Eine Antwort bekam ich darauf nicht. Doch teilte er mir mit, dass Mike, keine Probleme damit habe, dass ich während seiner Abwesenheit in sein Zimmer in der Hütte ziehen würde. „Aber ich dachte du suchst etwas in der Stadt. Ich muss Arbeiten wie soll ich denn jeden Morgen dahin kommen? Und Mike wo soll er unterkommen?“ „Alles kein Problem, Mike ist sowieso in den nächsten Wochen unterwegs. Ein Auto wird bis morgen Abend gefunden sein, das erledige ich. Welchen Flitzer darf ich denn besorgen? Spielt die Farbe eine Rolle?“ Gab schien geradezu begeistert zu sein, mir ein Auto anzudrehen. Leider war das keinesfalls so einfach bei meinem schmalen Budget. „Ich kann mir kein Auto leisten! Es muss einen anderen Weg geben, wie sind die Verkehrsverbindungen darüber solltest du dich informieren.“ „Erzähl keinen Blödsinn, wenn ich sage du bekommst einen fahrbaren Untersatz, dann halte ich bestimmt nicht die Hand auf. Schließlich bin ich ein Engel, was für ein Auto wünschst du dir?“ verschmitzt grienend. „Gabriel, du hast mir schon das Kleid gekauft. Jetzt willst du mir ein Auto bezahlen. So geht das keinesfalls.“ Versuchte ich ihm Vernunft beizubringen und redete auf ihn ein. Er unterbrach mich, „Das Kleid und das ganze Drumherum hat Mike gelöhnt! Sowie er auch alles andere bezahlt, was noch nötig ist. Darauf besteht er und ich werde unter keinen Umständen, Mike davon abhalten. Er hat zu viel Freude daran, dich auszustaffieren. Was den Wagen betrifft den bekommst du von mir, weil ich es so möchte und damit basta!“ „Was soll das heißen? Alles andere?“ misstrauisch äugte ich zu ihm hinüber. „Du wirst neu eingekleidet! Von Kopf bis Fuß!“ stellte Gab nüchtern fest. „Ich weiß auch schon, wo wir einkaufen. Claire glaub mir das wird ein riesen Spaß!“ „Aber …“, „Oder willst du, das Raphael alles begleicht?“ „Nein! Ich will das überhaupt alles …“ „Weißt du Claire, dann rufe Mike ganz einfach an und breche ihm das Herz!“ Das konnte ich niemals und Gab wusste dies sehr genau. Zähneknirschend gab ich nach, „Nur das Nötigste, Gab!“ grinsend sah er mich an, „Ich entscheide! Schließlich hat Michael mir den Auftrag und Vollmacht überantwortet.“ Wenn Gab mit dieser Bestimmtheit sprach konnte ich mir weitere Einwände sparen. Soviel wusste ich bereits. Wir beschlossen, diese Nacht in meiner Wohnung zu verbringen. Obwohl Gab mit zerknirschter Miene mein Sofa betrachtete. Ich bot ihm mehrmals mein Bett an, dies lehnte er mit beleidigter Miene ab. Kaum angekommen rief meine Mutter an, sie anzulügen fiel mir unglaublich schwer. Wieder schimpfte sie mit mir, weil ich allein gefahren bin. Gab war mir keine Hilfe, da er während des Gesprächs albern den schrulligen Lehrmeister spielte. Es klingelte an der Wohnungstür. Ich bat meine Mom einen Moment zu warten, da ich annahm mein Nachbar hole seinen Autoschlüssel. Vor der Tür stand Raphael. „Guten Abend, Claire.“ Seine ausdruckslose Miene wechselte zu einer höflichen Maske. Reserviert trat er ein, nickte Gab zu und blieb mitten im Raum stehen! „Mike informierte mich, du wirst in Zukunft …“ ich deutete auf das Telefon, wortlos bat ich ihn, zu schweigen. Den Hörer nehmend suchte ich nach einer Ausrede, doch meine Mutter empfing mich mit einer Frage. „Du hast Besuch? Wer ist denn gekommen, das war eine Männerstimme! Hast du vergessen mir etwas zu erzählen, Claire?“ sie erwartete eine Antwort. „Nein Mom, habe ich nicht! Ein Bekannter ist vorbei gekommen.“ „Was will er denn von dir?“ „Mom!“ entrüstend warnend. Ohne jegliche Reue versuchte sie mir ein schlechtes Gewissen einzureden. „Wenn ich als deine Mutter, um dein Wohlergehen besorgt bin und Nachfrage kannst du mir keine Vorwürfe machen! Nun wer ist dein später Besuch? Wie heißt er und wie lange kennst du ihn? Warst du am Wochenende mit ihm zusammen?“ „Mom! Das reicht!“ nach Raphaels und Gabs Mienen zu schließen, hatten sie jedes Wort mit angehört. Während Gab Mitgefühl ausdrückte war Raphaels Ausdruck undurchschaubar. Wieder schellte es. „Bei dir geht es heute zu wie auf einem Taubenschlag!“ „Warte einen Augenblick, das ist bestimmt mein Nachbar.“ Und hetzte zur Tür, froh darüber einen Aufschub erlangt zu haben. Da ich aus Erfahrung wusste, dass sie jede ihrer Fragen beantwortet haben wollte. Mein Nachbar stand diesmal wirklich vor der Tür, ich wollte ihm schnell den Schlüssel überreichen, aber er schien keine Eile zu haben. Sondern erkundigte sich nach dem Wochenende und hielt mich eine Weile auf. Als ich endlich zurück ins Wohnzimmer kam, stockte mir der Atem. Raphael unterhielt sich mit meiner Mutter! Die Hand ausstreckend verlangte ich nach dem Telefonhörer. Doch Raphael drehte mir den Rücken zu. Kurz überlegte ich, ihm den Hörer aus der Hand zu entwenden, verwarf aber den Gedanken sofort. Da ich sowieso keine Chance gegen ihn hatte. Gespannt hörte ich zu. Raphael jedoch gab keine aussagekräftigen Antworten. Woraus ich erschließen konnte, was meine Mutter sagte. Fassungslos vernahm ich wie Raphael seine Handy und Festnetznummer, meiner Mutter, preisgab. Mit verschränkten Armen stand ich vor Raphael, bis er mir endlich das Telefon reichte. „Was für ein netter junger Mann, Claire! Warum erzählst du mir ihr seid nur Bekannte. Ihr verbringt das Wochenende miteinander und jetzt ziehst du mit ihm zusammen. Glaubst du ich, hätte dagegen etwas einzuwenden? Dein Paps und ich leben nicht hinter dem Mond.“ Raspelte sie mit beinahe überschlagender Stimme herunter. Sprachlos hörte ich zu, wieder einmal hatte Raphael mit seiner Art, die Wahrheit verdreht. „Mom beruhige dich, wir werden sehen, wie sich die Sache entwickelt!“ beschwichtigend redete ich auf sie ein. Dabei durchbohrte ich Raphael mit meinen Blicken, der aber schien nicht besonders beeindruckt zu sein. „Ach Claire, werde glücklich. Ich bin gespannt, wie er ist. Wir sehen uns in zwei Wochen. Ich liebe dich.“ Die Verbindung war unterbrochen. Versteinert sah ich auf das Telefon, dann zu Raphael, „Was hast du ihr gesagt? Habe ich das richtig verstanden, sie kommt hierher?“ „Unter den gegebenen Umständen das einzig Richtige. Du vergisst, dass wir keine Anverwandten ausschließen! Deine Eltern und Freunde haben ein Recht darauf an deinem Leben teilzunehmen. Wir gehören nun dazu!“ erläuterte Raphael zurückhaltend, seine Vorgehensweise. „Wie konntest du behaupten, ich ziehe mit dir zusammen! Wenn meine Mutter uns zusammen sieht, braucht sie keine fünf Minuten um diese Lüge zu durchschauen.“ „Wir werden sehen, eins nach dem anderen.“ „Da bin ich aber gespannt! Wie du dich daraus windest.“ „Deshalb bin ich eigentlich nicht gekommen. Mike unterrichtete mich, du wirst bis auf Weiteres in seinem Zimmer wohnen. Ich wollte euch abholen, hast du deine Sachen gepackt? Wenn ja, können wir alles in den meinen Wagen einräumen, ansonsten helfen wir dir.“ „Das wird nicht nötig sein! Du kannst wieder fahren, wir bleiben hier, ich muss schließlich morgen zur Arbeit!“ wand ich ein. „Da ich hier bin, werden wir die Nacht entweder hier verbringen oder bei uns zu Haus. Du hast die Wahl. Übrigens kannst du morgen mit mir fahren. Ich habe sowieso in der Stadt zu tun.“ Weiterhin in kühler distanzierter Stimme, erwartete er meine Entscheidung. Die ich keineswegs hatte. Wo sollten die Engel schlafen? „Bitte Claire, lass uns zur Hütte fahren.“ Bat Gab, als ich seine zerknirschte Miene sah, willigte ich ein. Dankbar sprang er auf, wuselte mir durch das Haar. „Wo fangen wir an, viel brauchst du ja nicht. Nur das Nötigste für die nächsten Tage.“ Hände reibend, freute er sich anscheinend, mit mir shoppen zu gehen. Da mir keine anderen Ausreden einfielen, saßen wir ein paar Minuten später im Auto. Mit gemischten Gefühlen fuhr ich in eine unbekannte Zukunft. In Michaels Zimmer fühlte ich mich heimisch. Es war geräumig, zwar nicht so groß wie Raphaels Reich. Aber trotzdem größer als mein Wohnzimmer. Außerdem nannte ich ein eigenes Bad mein Eigen. Mike hinterließ mir einen Willkommensgruß und meinen Stammbaum. Der letzte Eintrag war meine Geburt. Von vielen Vorfahren waren Bilder vorhanden, kleine Miniaturgemälde, Skizzen und zuletzt Fotos. Ich glaube kein Mensch außer meiner Familie konnte einen so detaillierten Nachweis seiner Ahnen erbringen. Viele Stunden studierte ich die Bücher, denn Michael erschien es wichtig, auch persönliche Anmerkungen von meinen Ahnen, festzuhalten. Dies war meine Lieblingsbeschäftigung, wenn die beiden mir eine Ruhepause gönnten. Denn Gab war der Meinung das ich in meinen bisherigen Leben zu wenig erlebt habe. Gerade jetzt, da ich im Augenblick auf mehrere Pulverfässer zu sitzen, schien. Am Montag fuhr Raphael mich zur Bücherei, wie anders konnte es kommen Sue stand vor der Tür. Mit unbewegter Miene schaute sie zu, wie ich aus Raphaels Auto steigen wollte. Raphael rief mich zurück, und als ich nachfragte, küsste er mich. „Denk daran, wir leben zusammen, das erspart dir neue Ausflüchte.“ Gab mir, noch einen Kuss und ließ mich dann frei. Dem keineswegs genug ließ Raphael das Fenster herunter, „Guten Morgen, Sue ein wunderschöner Tag heute, nicht wahr!“ ich war inzwischen bei Sue angelangt, „Bis später, mein Schatz!“ grinste uns an und startete durch. Das Gewitter brach sofort über mich herein. Ich ließ Sue wettern, bis sie sich beruhigte. Doch das tat sie nicht. Erst Molly unterbrach ihren Ausbruch. Mit zusammengekniffenen Lippen ging Sue, in den Laden und ich ins Gewölbe. Froh ihr nun einige Stunden entkommen zu sein. Bald darauf kam der Vikar. Ich nahm an, er wolle ein bestimmtes Buch, aber er wiegelte meine Frage ab. „Nein Miss, Professor Wayne spricht in den höchsten Tönen von ihnen.“ „Ist der Professor wieder gesund?“ vor einigen Monaten erkrankte der Professor, er war ein steter Gast im Gewölbe. Ab und zu half ich ihm oder kopierte Seiten, nichts Besonderes. „Leider kann er immer noch keine Vorlesungen halten, aber an seiner Arbeit soll weitergeschrieben werden. Deshalb bin ich zu ihnen gekommen, der Professor bittet um ihre Mithilfe.“ „Natürlich werde ich dem Professor helfen.“ Milde lächelnd sah er mich an, „Warten sie Miss, was ich zu sagen habe. Also der Professor möchte, dass sie 2,5 - 3 Tage in der Woche für ihn arbeiten. Er hat zuerst mit mir gesprochen und wir sind überein gekommen das Sie Dienstag bis Donnerstagmittag in der Bücherei arbeiten die restliche Zeit für ihn. Natürlich nur, wenn sie einverstanden sind.“ Das konnte er haben, auch wenn Raphael damit Probleme haben wird. Gerade deshalb war ich sofort dafür. Der Vikar gab mir einen Vertrag und wie ich sah bezahlte der Professor einiges mehr. Worauf ich den Vikar hinwies. „Das habe ich so ausgehandelt Miss. Denn eine private Kraft verdient in diesem Rahmen.“ Ich unterschrieb den Vertrag schnell und freute mich schon auf Raphaels Gesicht. Mal sehen, ob ich später immer noch sein Schatz war. „Gut, der Professor wird sich bei ihnen melden, Miss.“ Ich unterdrückte erneut den Wunsch ihm meinen Namen zu sagen, denn der Vikar hatte ein schlechtes Namensgedächtnis, deshalb nannte er jeden, Miss oder Mister. Sobald die Mittagspause begann, setzte Sue ihre Kanonade fort. Nachdem sie mich zum x-Male fragte, wo und wann ich meinen Verstand verloren habe, verdrehte ich die Augen. Sie sah mich fest an, „Liebst du ihn so sehr?“ darauf konnte ich keine Antwort geben mir blieben die Worte im Hals stecken. „Danke, dein Gesicht sagt alles! Ich hoffe nur für dich, dass er der Richtige ist.“ Daraufhin erzählte ich Sue, dass ich zu Raphael in die Hütte gezogen sei. „So schnell? Vorher konnte Raphael doch nicht schnell genug vor dir weglaufen. Was für ein Sinneswandel!“ meinte Sue skeptisch. „Nein keineswegs, wenn man sich im Klaren ist, was man will!“ antwortete Raphael, selbstverständlich küsste er mich. Sue und auch ich wunderten uns, woher er kam, denn heute war das Cafe verhältnismäßig leer. „Nun, leg los!“ forderte er Sue auf. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. „Wenn du Claire wehtust, Raphael! Dann sollen dich alle Verdammten dieser Erde jagen. Weißt, du eigentlich, was Claire für ein Schatz ist, sie …“ Raphael beugte sich vor, „Sue ich weiß sehr genau, was ich will! Auch weiß ich, dass Claire einmalig ist. Glaubst du tatsächlich, du sagst mir damit etwas Neues!“ „Wir verstehen uns Raphael!“ warnte Sue ihn nochmals. Nickend nahm Raphael dies zur Kenntnis. Wie konnte ein Mensch die Worte nur so verdrehen? Innerlich schrie ich auf wollte dieser ganzen Scharade ein Ende bereiten. Aber ich schwieg betroffen. „Claire ich habe noch in der Stadt zu tun und kann dich dann mit zurücknehmen. Ich habe Gab schon benachrichtigt.“ Teilte Raphael mir mit, Sue sah interessiert auf, „Oh, dein blonder Freund ist auch in der Stadt? Richte, ihm bitte schöne Grüße von mir aus.“ Ich hörte den beiden nicht weiter zu, mich beschäftigte ein anderes Problem. Wann sollte ich Raphael von dem Angebot erzählen. Und das ich zugestimmt habe. Ich entschied mich für die Rückfahrt, denn auch Sue hatte noch keine Ahnung. Ihr würde ich nachher davon erzählen. Sue reagierte im Grunde wie erwartet, einerseits freute sie sich für mich, anderseits war sie traurig. Molly hingegen tobte wie ein Buschfeuer und hängte sich ans Telefon, damit sie Ersatz für mich bekam. Wir hörten sie schimpfen, bis sie die Tür zu ihrem Büro zuwarf. Raphael wartete bereits, als wir die Bücherei verließen. Ich stieg ins Auto und bereitete mich seelisch auf eine Auseinandersetzung vor. „Du solltest mich wie eine liebende Frau begrüßen! Wir werden beobachtet.“ „Wie eine Was? Du spielst dieses Theater ich halte mich daraus.“ „Nun ich denke, an Sue können wir üben! Schließlich müssen wir auch deine Mutter überzeugen. So und jetzt begrüße mich, mein liebend Weib!“ „Eines Tages Raphael! Werde ich dir deine Nägel herausreißen.“ So hingebungsvoll wie ich nur konnte sah ich ihn dabei an. „Und lasse gefälligst deine Zunge aus meinem Hals, sonst beiße ich zu.“ Lächelte ich süß und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Heute Morgen hast du meinen Kuss erwidert!“ lachte dieser Schuft mich an. „Fahr lieber los, damit ich dir die Augen auskratzen kann.“ „Für was? Diesen Schmatz! Nein meine Liebe meine Augen sind einiges mehr wert.“ Stichelte er, trotzdem fuhr Raphael an und ordnete sich in den Verkehr ein. „Ach, übrigens ich habe heute ein einmaliges Angebot bekommen. Ich werde demnächst für Professor Wayne arbeiten. Wie genau das ablaufen soll, kann ich noch nicht sagen. Von Dienstag bis Donnerstagvormittag arbeite ich wie gewöhnlich in der Bücherei. Die restlichen Tage für den Prof.“ instinktiv hielt ich die Luft an. Gespannt, wie Raphael darauf reagiert. Zu meiner Überraschung nickte er nur bestätigend. Anscheinend spielte das für seine Pläne keine Rolle. Den Rest der Fahrt verlief schweigend. Im stillen ärgerte ich mich darüber, wenigstens einen Einwand hätte er anbringen können. Als wir ankamen erwartete Gab uns bereits. „Ihr habt euch aber Zeit gelassen! Wie war dein Tag, Kleines?“ Gab hielt mich an den Schultern, und betrachtete mich genau, „Siehst abgespannt aus, aber ich habe etwas für dich das dich wieder aufbaut. Komm sieh es dir an!“ Er führte mich zu einem Auto. „Den idealen Begleiter für eine Frau. Flott, wendig und sportlich, dazu verfügt er über genug Raumangebot! Na was sagst du?“ „Sieht gut aus. Aber Gab …“ „Ich will kein, aber hören! Wenn er dir gefällt, freue ich mich.“ Ich warf mich an seine Brust und zog ihn zu mir herunter, „Danke Gab, der Wagen sieht Klasse aus, machen wir eine Probefahrt?“ und drückte ihm ein Küsschen auf die Wange. „Ich dachte schon du fragst nie!“ und zog den Schlüssel heraus. Das Auto, das ich nun mein Eigen nannte, war alles was Gab versprochen hatte. Über eine Stunde kurvten wir durch die Gegend. Ab diesem Abend, war Gab nicht mehr zu halten. Ich musste mir eine neue Garderobe zulegen, denn in seinen Augen sollte ich bestens ausgestattet meine eventuellen Bewerber kennenlernen. Am nächsten Tag nach Feierabend stand Gab mit meinen Auto vor der Bücherei. Verwundert fragte ich mich, wie er das wieder angestellt hatte. „Zweitschlüssel!“ klärte er mich frech auf. Noch erstaunter sah ich zu, wie Sue in den Wagen kletterte. „Wir gehen schoppen!“ erklärte er weiter, „und ich habe Sue gebeten, mir bei der Auswahl zu helfen!“ Na sicher, dachte ich viel mehr brauchst du jemanden der aufpasst, dass ich nicht abhauen kann. „Genau!“ grinste Gab. Zielstrebig fuhr er zur Hall. Dort ließen sie mich ein Outfit nach dem anderen anprobieren. Ich kam aus der Umkleide nicht mehr heraus. Sie brachten mir ganze Berge von Kleidungsstücken. Sobald ich etwas trug, wurde ich begutachtet, sie beurteilten und verwarfen, bis sie zu einem Entschluss kamen. Ich verlor die Übersicht und befürchtete auch meinen Verstand zu verlieren. Es war ihnen egal, ob ich protestierte, wurde einfach übergangen. Bis ich streikte! Die beiden Tyrannen versuchten mich zu überreden, weiter als Modepuppe zu fungieren. Aus unerwarteter Richtung bekam ich Hilfe, „Das reicht für heute, meine Lieben!“ die beiden drehten sich protestierend um. Das nutzte Raphael aus, elegant huschte er an die beiden vorbei und stellte sich schützend zwischen uns. „Wo kommst du denn her?“ fragte Sue erstaunt. „Von zu Haus! Ich hatte das eigentümliche Gefühl das meine … Claire, Hilfe benötigt!“ stellte Raphael nüchtern fest. „Den Rest könnt ihr ohne Claire erledigen!“ und reichte Gab etwas, ich konnte nicht ausmachen, was. Grinsend bugsierte Gab, Sue zu einer Verkäuferin. Erleichtert atmete ich auf, „Du hast mir das Leben gerettet! Danke!“ Raphael blickte interessiert zur Verkäuferin. „Du brauchst dich nicht zu bedanken. Zieh dich an! Ich nehme dich mit zurück!“ So sehr ich Raphael auch dankbar war, diese befehlende Art, brachte mich in Rage. Außerdem stand ich halb nackt da, wortlos deutete ich Raphael an, die Kabine zu verlassen. Gerade fertig angezogen kam Sue zu mir, in die Kabine, „Claire, ich habe eine Frage! Gab kauft dir ein Auto. Mike, der wie ich ganz nebenbei erfahre, ein Freund von Gab und Raphael.“ Raphaels Namen betonte sie absichtlich negativ, „Mike will deine Garderobe aufbessern, was ich im Grunde befürworte. Aber er zahlt auch für alles. Jetzt sag mir, warum bezahlen die Freunde deines Liebhabers die Zeche? Irgendetwas ist da faul! Vor allen Dingen steht dein Raphael da und bezirzt, die Verkäuferin.“ „Wo?“ ich spähte durch den Vorhang. „Ach, das!“ bemüht, Sue ein unbeteiligtes Gesicht zu zeigen. „Du weißt doch, wie Männer sind! Ständig müssen sie sich beweisen.“ „Na ich weiß nicht. Ich würde durchdrehen, wenn Niklas so mit einer Frau flirtet.“ „Das siehst du zu eng!“ beruhigte ich Sue, „Habt ihr alles?“ erkundigte ich mich, Sue sollte auf andere Gedanken kommen, „oder muss ich diesen Wahnsinn, noch einmal ertragen?“ „Noch lange nicht, Kleines!“ Gab steckte gut gelaunt seinen Kopf in die Kabine. „Fertig? Sollen wir los?“ „Ja, aber zuerst muss ich etwas essen, sonst falle ich um!“ wand ich ein. „Gute Idee, Kleines. Gehen wir essen, ich lade euch ein.“ Und, zog die Vorhänge auf. Schmunzelnd bemerkte ich zu Sue, „Er kennt deinen Appetit, noch nicht!“ Sue grinste zurück, „Er wird es überleben!“ Ich sah hinüber zu Raphael, er war vollkommen auf die Frau fixiert. „Das solltest du unterbinden, Claire!“ Von Sues Standpunkt aus hatte sie recht, aber die Tatsachen waren eben vollkommen anders. Gab löste das Problem, indem er Raphael zurief, „Wir gehen essen!“ sich dann bei uns unterhakte und zum Restaurant marschierte. Sue warf erst Raphael, dann mir einen fragenden Blick zu. „Lass ihn!“ beantworte ich ihre Frage. Kopfschüttelnd signalisierte sie, dass sie mich keineswegs verstand. Leider waren wir nicht die Einzigen die Essen wollten, das Restaurant war bis auf den letzten Stuhl besetzt. Die Kellner liefen in Hektik hin und her. Und es warteten noch Gäste auf einen Tisch. „Wie lange wir wohl warten müssen!“ sinnierte Sue. „Auf jeden Fall zu lange, für mich! Wenn ich nicht bald etwas esse, klaue ich mir einen vollen Teller.“ Und schaute mich nach einem appetitlichen Happen um. „Wenn das Toni hört, wird er mich nie wieder beschuldigen …“ „Sue, du bist die Beste!“ fuhr ich dazwischen, „Wir fahren zu Toni, das liegt sowieso auf den Weg. Gab was hältst du davon?“ Gab sah zum Eingang, „Ich weiß nicht, Raphael will bestimmt mit uns essen.“ „Das ist mir im Moment egal! Bitte Gab, bis Raphael kommt haben wir schon eine leckere Pizza vertilgt.“ Sue unterstützte mich und wir überredeten ihn. „Wir sollten Raphael wenigstens sagen, wohin wir fahren.“ „Nein!“ entschied ich. Gab und Sue sahen, mich überrascht an. Worauf ich mit einem Lächeln antwortete. „Fahren wir nun!“ „Wie du willst, Claire, ich wasche meine Hände in Unschuld!“ weissagte Gabriel. Mein Entschluss stand fest! Mehr als das! Denn eines stand mir klar vor Augen, eine Bindung zu einem Engel kam für mich nicht mehr infrage. Wenn alle Engel so waren wie Gabriel und Raphael, wie sollte ich dann jemals einem Engel vertrauen. Heute Nacht würde ich wieder in meinem Bett schlafen. Gab warf mir ständig besorgte Blicke zu, doch in Sues Anwesenheit konnte er kein Wort sagen. Und ich würde dafür sorgen, dass er dazu keine Chance erhielt. Bei Toni bekamen wir sofort unseren Tisch und hatten unsere Pizza im Handumdrehen. Gab sah immer wieder zur Tür, als hoffe er, dort Raphael, zu sehen. Da es schon spät war, hielten wir uns nicht allzu lange auf. Obwohl Toni uns aufforderte, zu bleiben. Als wir vor die Tür traten, atmete ich tief ein, „Gab du kannst Sue nach Haus bringen, ich schlafe bei mir!“ „Aber Kleine du weißt ich darf …“ „Schon gut! Ich weiß, was ich tue.“ Und verabschiedete mich. Gab rief zwar etwas hinter mir her doch darum kümmerte ich mich nicht. Endlich wieder frei, ich konnte meine Gedanken schweifen lassen. Ohne Angst haben zu müssen das ein Engel mithörte. In meiner Wohnung riss ich als erstes die Fenster auf. Dann machte ich mich bettfertig es war wirklich schon spät. Um diese Uhrzeit lag ich meistens schon und schlief. Doch obwohl ich müde war, konnte ich nicht einschlafen. Ich wusste, dass Morgen noch eine Auseinandersetzung, mit Raphael bevorstand. Ich nahm mir ein Buch zur Hand, das würde mich ablenken. „Hast du ein schlechtes Gewissen?“ knurrte Raphael mich an. Hoch aufragend stand er vor mir. „Kannst du mir verraten, wie ich dein Verhalten deuten soll!“ er schleuderte seinen Mantel in die Ecke meines Schlafzimmers. „Was für ein Spielchen treibst du?“, seine Schuhe flogen hinterher, „Einfach verschwinden, ohne jegliche Erklärung“, Pullover und Hemd folgten, „aus heiterem Himmel einfach so“, die Hose nahm den gleichen Weg, „wir waren übereingekommen, dass du in Zukunft in der Hütte lebst!“ ungeniert ließ er auch die letzte Hülle fallen, bevor Raphael zu mir ins Bett stieg. Regungslos hatte ich diesen Auftritt mit angesehen, verblüfft kam ich seiner Aufforderung nach, ein Stück zu rücken. Sah zu wie Raphael ein Kissen zurecht rückte und mir dann den Rücken zudrehte. „Kannst du mir erklären, was du hier machst?“ fragte ich, nachdem ich meine Sprache wiedergefunden hatte. „Schlafen, das versuche ich zumindest!“ „In meinem Bett?“ zu fassungslos um mehr herauszuwürgen. In meinen Kopf herrschte eine obskure Leere. „Wo sonst! Dein Sofa ist mir zu unbequem!“ Das Vakuum hielt an, „Wieso?“ Raphael schwer ein und ausatmend als würde er ein riesiges Gewicht stemmen, hatte die Freundlichkeit mich anzusehen. „Weil ich dich nicht allein lasse!“ Jedes Wort betonte er, als sei ich schwachsinnig oder meiner Muttersprache nicht mehr mächtig. „Warum?“ langsam kam mir diese Situation albern vor, was besagte da oben kamen einige Hirnmuskeln in Schwung. „Du hast ein eigenes Bett, geh dahin!“ Seufzend sah er mich an „Du hast wirklich gute Ideen, das muss ich Gab notgedrungener Weise zugestehen!“ „Mach die Tür hinter dir zu!“ und missachtete ihn. „Aber sicher!“ Raphael stand auf, dann schlug er die Bettdecke zurück, sodass ich nackt vor ihm lag. Blitzschnell hob er mich hoch und trug mich aus der Wohnung. Mit einer Hand hielt er meinen Mund zu. Mein strampeln, ignorierte er völlig. Sondern setzte seinen Weg fort, den Hausflur hinunter zum Auto. Dort warf er mich auf den Fahrersitz und schob mich dann hinüber. Rasant fuhr er los. Ich schrie ihn an, bettelte und attackierte Raphael. Mit dem Resultat, das er mich mit einer Hand in den Sitz drückte. Vor der Hütte schnappte er mich wie zuvor, doch hielt er mir diesmal wenigstens nicht den Mund zu. Klar wer sollte mir auch in dieser Einöde zu Hilfe kommen. Bevor Raphael zwei Schritte tat, öffnete Gab die Tür. Sekundenschnell begriff er die Situation, „Zwei Nackedeis so spät noch unterwegs!“ „Kein Wort mehr, Gabriel!“ warnte Raphael. Stieg die Treppe hinauf, warf mich auf sein Bett. Und ich sprang sofort auf, nur um wieder niedergerissen zu werden. Ein Bein und ein Arm hielten mich fest. „Gute Nacht, Claire!“ Tobend um mich schlagend, soweit das möglich war, versuchte ich mich zu befreien. „An deiner Stelle würde ich mich ruhig verhalten, Claire! Denn ich bin zwar ein Engel. Aber auch meiner Selbstbeherrschung sind Grenzen gesetzt. Es sei denn, du willst dies!“ versteinert blieb ich liegen. „Schade!“ hauchte Raphael, „Es wäre mir ein Vergnügen gewesen!“ gurrte er in mein Ohr. Ich schlug ihn mit meiner freien Hand, mit einem Effekt, er zog mich noch näher an sich heran. „Hm, bist du sicher, dass du schlafen willst? Dieses jungfräuliche Bett wartet auf eine jungfräuliche Braut.“ „Niemals!“ Nun stützte Raphael seinen Kopf auf seine Hand ab. „Das will ich nun aber genau wissen. Ich werde niemals eine Frau mit hierher nehmen? Wie kommst du darauf?“ „Du verdrehst mal wieder, die Worte nach deinem Gutdünken.“ „Ja, kann sein! Dann erkläre es mir!“ „Ich wüsste nicht was!“ Leise auflachend, meinte Raphael, „das ich niemals eine jungfräuliche Braut mit hernehme, oder das niemals hier schläfst?“ Darauf gab ich keine Antwort. „Da du mir die Antwort schuldig bleibst, nehme ich die, die mir am genehmsten ist.“ „Das tust du doch sowieso.“ „Auch das gebe ich zu.“ Erwiderte er grinsend. „Und nun gelüstet es mich nach dir.“ „Du solltest lieber an deinen Eid denken.“ „Der ist nicht relevant, du hast beschlossen dich an keinen Engel zu binden. Somit meine Liebe, bist du wie jede andere Frau für mich. Ein weibliches Wesen, das ich begehre.“ Ich zuckte zusammen, woher wusste Raphael davon. „Ich will das aber nicht! Ich werde euch aus meinen Leben ausschließen. Als ob es euch nie gegeben hätte.“ „So einfach funktioniert das keinesfalls. Du vergisst die Nephilim und mein persönliches Interesse an dir.“ „Beides wird schneller verschwinden, als du denkst!“ „Du unterschätzt dich Claire, ich glaube einige Jahre könnte ich es mit dir aushalten. Die Nephilim hingegen werden dich mit Gewalt festhalten.“ „Sowie du gerade!“ „Oh, dagegen bin ich harmlos. Doch genug geredet, mich gelüstet jetzt nach anderem.“ Er verlagerte sein Gewicht schob sein Bein zwischen meine Schenkel und fuhr sacht über meinen Hals, Schulter weiter hinunter. Die Decke zurückschlagend betrachtete er mich. „Weißt du eigentlich, wie schön du bist?“ fragte Raphael erregt, „wie oft habe ich davon geträumt dich so zu halten“, er bemerkte die Reaktion meines Körpers, ich hielt die Luft an. „Claire, du kannst mir nicht widerstehen, genau, wie ich mich dir, nicht entziehen kann.“ Streichelnd glitt seine Hand über meinen Bauch. „Hör auf, hör sofort auf damit!“ schrie ich Raphael an. „Nein, Claire heute Nacht wirst du mein. Zu lange habe ich darauf gewartet, nichts und niemand, wird mich davon abhalten. Ich bin an nichts gebunden, es gibt nur noch uns.“ liebkosend fuhr sein Mund über meinen Leib. Verzweifelt versuchte ich einen Ausweg, zu finden. Es gab einen! Seinen Eid, der würde ihn wieder zur Vernunft bringen. „Ich werde mich an einen Engel binden, Raphael und du als mein Begleiter, wirst dafür sorgen.“ „Abgemacht das ist bindend! Es gibt keinen Rückzieher mehr, Claire Garret! Und nun schlaf süß!“ lachte er mich triumphierend an, „Nur eines noch.“ Und küsste mich leidenschaftlich, ich biss ihm auf die Zunge und zwar kräftig, bis ich Blut schmeckte. „Schade, dass du es dir überlegt hast. Ich hätte dich gern vernascht. Du wirst einen Engel bekommen, der dich im Griff hat.“ Und wischte grinsend das Blut aus dem Mundwinkel. Er hatte mich hereingelegt. Die ganze Zeit verfolgte er nur ein Ziel und ich bin in seine Falle getappt wie ein blindes Huhn. Wütend drehte ich mich von ihm weg. Doch allzu weit kam ich nicht, Raphael hielt mich auf, „Du wirst in meiner Nähe bleiben, damit ich spüre, dass du da bist. Ich traue dir alle möglichen Dummheiten zu.“ Und legte den Arm um mich. Eng an meinen Rücken geschmiegt, schlief Raphael bald darauf ein. Ich spürte seinen regelmäßigen Atem in meinen Nacken. In dieser Nacht schlief ich kaum, sobald ich einnickte, schmiegte ich mich unwillkürlich an Raphael. Sofort umarmte er mich dann fester. Ich wartete, nickte ein, wachte auf und wartete, bis es endlich heller wurde. „Raphael, wach auf! Ich muss mich fertigmachen!“ „Ich weiß! Aber bevor du gehst, will ich dein Wort haben. Du wirst dich vernünftig verhalten!“ antwortete Raphael sofort, als habe er ebenfalls nicht geschlafen. „Wenn ich dann wieder in Mikes Zimmer kann!“ „Gewiss, jedoch beim kleinsten Anzeichen“, grinste er mich an und klopfte auf sein Bett. Mit hochgezogener Braue fügte er hinzu, „Es sei denn, du teilst freiwillig mit mir mein Ruhelager!“ „Die Nacht hat mir gereicht. Ich verzichte auf eine Wiederholung!“ gerade wollte ich aufstehen, als mir einfiel, dass ich nichts anzuziehen hatte. „Kann ich ein Hemd oder Shirt von dir bekommen?“ mit hinter dem Kopf verschränkten Armen lag er entspannt da. „Warum hast du gestern nicht genug eingekauft?“ Ich biss mir auf die Lippe, betteln würde ich auf keinen Fall, „Dann eben nicht!“ und sprang aus dem Bett. Ehe ich den Raum verließ, meinte er lachend das Gab bereits in der Küche sei. Ich schloss die Augen, auch das noch. Atmete tief durch und ging ohne weiteren Kommentar weiter. „So wirst du dieses Zimmer kaum verlassen!“ warnte Raphael mich. Doch ich schlüpfte bereits heraus und stürmte die Treppe hinunter. „Du verdammtes stures Frauenzimmer“ hörte ich hinter mir, sehr nah hinter mir! Ich legte einen Zahn zu. Gab gaffte mich verblüfft an, wie ich durchs Wohnzimmer hetzte, verfolgt vom einem nackten, fluchenden Erzengel. Immerhin war ich schneller, bevor ich die Tür zuknallte, streckte ich dem wütenden Erzengel die Zunge heraus. Gabs schallendes Gelächter war eine ganze Weile zu hören. Innerlich wappnete ich mich vor seinem Spott und verließ den sicheren Hafen. Aber die Stichelei blieb aus. Wortlos reichte er mir einen Kaffee. Bald darauf kam Raphael die Treppe hinunter, auch ihm schenkte er einen Kaffee ein. Raphael funkelte mich drohend an, sagte jedoch kein Wort. Schweigend tranken wir, bis Gab der uns abwechselnd beobachtete tief in seine Tasse gluckste. Mit tränenden Augen hielt er sich am Tisch fest. „Gabriel!“ knurrte Raphael warnend. „Ich sage kein Wort, Raphael! Du bist heute Morgen zu … erregt, Raphael!“ Dieser sprang auf, „Ich bin heute unterwegs, sobald Claire Feierabend hat fahrt ihr ohne Umwege nach Haus.“ Befahl er Gab, ohne weiteren Gruß verließ er die Hütte. Wie Raphael befohlen wartete Gab auf mich und wir fuhren zurück. Gähnend überließ ich Gab freiwillig das Steuer. Der Tag hatte sich heute wie Kaugummi gezogen. Dann Sues Versuche mich gegen Raphael aufzulehnen. Ich wusste sie machte sich Sorgen, doch was sollte ich sagen. Zu allem Überfluss war Professor Wayne nirgendwo erreichbar. Die einzige Möglichkeit blieb morgen Vormittag. „Hast du eine Idee, was ich machen kann?“ Auch Gab meinte ich solle abwarten. Früh am Abend ging ich total gerädert ins Bett. Das erste, als ich Mollys Büro betrat sah ich ihr Kopfschütteln. Was nur sollte ich tun, „Dann bleibe ich eben! Irgendwann wird der Prof sich ja melden. Sue, wenn du einen der Studenten siehst, erkundigst du dich noch mal.“ „Sicher, obwohl ich bisher jeden befragt habe. Hat der Vikar sich gemeldet?“ fragte sie Molly, die aufgebracht antwortete, „Hat er, sagt mir doch tatsächlich er habe noch keinen Ersatz für Claire. Und als ich dann sagte Claire habe noch keinerlei Instruktionen vom Prof, und könne sie ja wie gewohnt arbeiten. Stellt euch vor, was der gesagt hat. Wir haben einen Vertrag mit der Miss, darüber hinaus dürfe sie keinesfalls arbeiten. Das verstößt gegen das Gesetz.“ Fauchte Molly, sauer. „Das heißt, für dich du hast ein langes ruhiges Wochenende vor dir. Ein Bezahltes sogar!“ sah Sue in ihrer optimistischen Weise. Was ich bezweifelte, ich sah mein Konto schon in den roten Zahlen. „Es hilft alles nichts, wir müssen an die Arbeit gehen.“ Mollys Blick wanderte wie üblich zur Uhr. „Sobald du etwas hörst Molly, sagst du mir bitte Bescheid.“ Bat ich, sie nickte mir zu. Im Gewölbe verrichtete ich wie gewohnt meine Arbeit. Als mich plötzlich wieder das Gefühl beschlich, nicht allein zu sein. Leise ging ich in die nächste Regalreihe, keiner da. Raphael kam es mir in den Sinn, verwarf aber den Gedanken sofort. Dann fiel mir auf, die Pforte zur Uni war ein Spalt geöffnet. „Hallo?“ rief ich. „Normalerweise bemerkt niemand meine Anwesenheit.“ Raphael stand direkt hinter mir, „Wann endlich lässt du mir Platz zum Atmen?“ ich spürte seinen Rückzug, ohne mich umzudrehen, fragte ich, was er wolle. „Wie ich hörte, verlangst du sehnlichst nach mir! Hier bin ich, darf ich auf einen Kuss hoffen. Vielleicht sogar ein Lächeln, das du jedem so großzügig schenkst, außer deinem Geliebten.“ Jetzt drehte ich mich um, wenn Raphael diese Tonart anschlug. Wurde ich mittlerweile vorsichtig, so sah ich ihn auch an. „Deine Skepsis ist völlig unbegründet! Also warum machst du alle Welt verrückt und willst mich sprechen?“ „Das muss ein Irrtum sein, ich wollte keineswegs etwas von dir!“ klärte ich Raphael auf, er kam auf mich zu. „Dann hat dein Herz mich gerufen! Du hattest Sehnsucht nach mir, gib es ruhig zu.“ Ich trat einen Schritt zurück, „Hast du getrunken?“ „Getrunken? Nein, nur gekostet!“ sein Blick wich keinen Augenblick von meinen Lippen. „Ich verstehe, du willst dein Spielchen fortsetzen. Tut mir leid für dich, einmal bin ich darauf hereingefallen und das war einmal zu viel! Sonst noch was, ich muss arbeiten.“ Noch nicht einmal ein Wimpernschlag und Raphael hielt mich in seinen Arm, „Kein Spiel, Claire! Ich will einen Kuss, auch wenn du mir die Zunge abbeißt.“ Lächelte er zynisch, seine Hand wanderte indessen, frech abwärts mein Rückgrat hinunter. Du wirst dich wundern, mein Lieber! Einmal hast du mich genarrt, wenn du denkst, ich weiche wieder wie ein verschrecktes Huhn zurück. Irrst du dich gewaltig! Und lehnte mich an Raphael, fuhr über seinen Nacken und sah ihn sehnsuchtsvoll an. „Ein Kuss! Raphael.“ Schon verschloss er hungrig meine Lippen, mit der gleichen Intensität, mit der er mich küsste, zahlte ich zurück. Doch was ich vergaß, war meine Reaktion, ich wollte ihn spüren. Drängte mich an ihn und Raphael wich nicht zurück. Kein Spiel, die nackte Begierde schlug über uns zusammen. „Claire! Wo steckst du? Hast du die Zeit vergessen? Wir haben seit fünf Minuten Mittagspause!“ Wir fuhren auseinander, Raphael fluchte und verdammte Sue und ihre Störungen. Während ich, mit zittrigen Händen versuchte, meine Bluse zuzuknöpfen. Raphael schob meine Hände weg und zog mich in Zehntel einer Sekunde an. „Geh!“ flüsterte er mir ins Ohr und schob mich vorwärts. „Ich bin hier, Sue.“ Krächzte ich. „Was ist los? Ist dir etwas passiert?“ ich hörte, wie sie schnell näher kam. „Nein, ich habe mich erschrocken, war in einem Buch vertieft.“ Und ging auf Sue zu. Die mich verblüfft anstarrte. „Das Buch musst du mir geben, du siehst aus als hättest du gerade ein wildes Liebesabenteuer hinter dir!“ sie betrachtete mich genauer, „Mensch sogar deine Lippen sind geschwollen … Claire wer ist noch hier unten, das kommt nicht von einem Buch. Das war eindeutig ein Mann!“ sie ging an mir vorbei und suchte die Regalreihen ab. „Mach dich nicht lächerlich, wer sollte noch hier im Gewölbe sein!“ ich befürchtete, dass sie jeden Moment auf Raphael stieß. Sue gab ihre Suche auf und kam zu mir zurück. „Du brauchst einen Mann Claire! Was treibst du eigentlich mit deinem Raphael? Spielt ihr nur Karten oder was.“ Sue warf mir ständig seltsame Blicke zu, mir erschien der Rückweg diesmal ellenlang. Immer wieder setzte Sue zu sprechen an, ließ es dann aber bleiben. Bevor wir die Treppe hochstiegen, seufzte sie verzweifelt auf. „Warte, ich ordne dein Haar und knöpf dir die Bluse richtig zu, die Knöpfe sind versetzt. Ehrlich Claire, wenn du da unten ein Verhältnis hast, solltest du Raphael reinen Wein einschenken. Das hat niemand verdient, auch er nicht.“ Ich wurde Knallrot, Sue sah mich an, dann ging ihr ein Licht auf. „Verstehe und das während der Arbeitszeit, hatte er keine Vorlesung oder musste er keine Arbeiten kontrollieren. O.k. so gehst“ sie zupfte noch ein bisschen an mir herum, dann gingen wir hoch. „Da seid ihr ja!“ begrüßte uns Molly, „Der Prof hat angerufen, du möchtest zur Kathedrale kommen, wenn es dir nichts ausmacht, sofort. Er wartet dort auf dich.“ Erleichtert, dass der Prof sich gemeldet hatte, machte ich mich auf den Weg. Draußen sah ich mich nach Gab um, aber er war nirgendwo zu sehen. Also fuhr ich allein los. Keine hundert Meter weiter stand Raphael am Straßenrand, auch das noch! Erst wollte ich an ihm vorbeifahren, doch ich hielt. Er stieg ein und ich reihte mich wieder in den Verkehr ein. „Du wolltest mich stehen lassen!“ warf er mir vor. „Ja, denn ich muss mich mit Professor Wayne treffen, er wartet auf mich!“ „Ich bin ein Prof!“ grinste er mich an. „Raphael, du weißt genau, wen ich meine! Was willst du!“ „Das sage ich dir gleich, wenn wir angekommen sind.“ Zum Glück fand ich schnell einen Parkplatz. „Also, sag schon!“ forderte ich ihn auf. „Ich bin ein Professor! Und du hast einen Vertrag mit mir geschlossen. Das heißt, ich bin dein Arbeitgeber, bis Dienstag.“ „Wie!“ „Ich meine wir werden die Arbeit von Wayne beenden. Das benötigt kaum Zeit, und ich habe einen größeren Zeitrahmen. Es sind mehr Kandidaten, als ich dachte. Irgendjemand muss kräftig die Werbetrommel rühren. Ich nehme an, Mike! Die meisten wollen dich wahrscheinlich nur deshalb kennenlernen. Aber einige sind darunter, die eine Bindung eingehen wollen. Nichtsdestotrotz muss ich dich mit allen bekannt machen.“ klärte Raphael mich ruhig auf. „Raphael verstehe ich das richtig, du willst mich weiterhin verschachern. Obwohl das vorhin passiert ist.“ Ungläubig sah ich ihn fest an. Das wurde mir alles ein bisschen zu viel! Ich arbeitete für Raphael nicht für Wayne! Vor nicht einmal Zehn Minuten hat er mich noch geküsst und wer weiß was sonst noch passiert wäre, wenn Sue nicht gestört hätte. Jetzt erzählte er mir, wie viel Bewerber auf mich warteten. Er erwiderte meinen Blick kalt. „Was ist gewesen? Wir haben ein wenig geknutscht. Du weißt ich finde dich sexuell anregend, und da du nicht abgeneigt warst. Habe ich eben die Gelegenheit genutzt!“ ich ohrfeigte ihn. Zum zweiten Schlag kam ich nicht. Raphael hielt meine Hände fest. „Du solltest deine Kleinmädchenträume aufgeben Claire, die Realität akzeptieren. Sexuelles Verlangen und Liebe sind zwei verschiedene Dinge. Du bist ein nettes Mädchen und ich mag dich. Aber deinen Körper begehre ich und wenn ich mir mal, ab und zu einen Kuss von deinen süßen Lippen hole. Oder deine Haut unter meinen Finger spüren will. Bedeutet das keineswegs, das ein tieferes Gefühl dabei mitspielt. So wie gerade jetzt, wenn du so wütend bist. Möchte ich zwischen deinen Schenkeln liegen und … nun das werde ich niemals! Aber zur Entschädigung nehme ich mir, was ich bekommen kann. So sieht es aus! Damit wäre das ein für alle Mal geklärt.“ Er sah mich abwartend an. Als ich keine Antwort gab, fuhr Raphael fort. „So, wir haben noch einiges zu erledigen! Heute Abend wirst du Al kennenlernen. Ich möchte, dass du dich darauf sorgfältig vorbereitest. Wir treffen ihn um sieben Uhr. Du wirst Anderthalbstunden vorher fertig sein. Denn wir müssen circa eine Stunde Fahrzeit anrechnen.“ Wieder betrachtete er mich, tief aufseufzend, „Es tut mir Leid, aber diese Dinge mussten einmal ausgesprochen werden. Du bist schließlich alt genug, um zu wissen, wie es in der Welt zugeht. Soll ich fahren?“ „Nein! Das kann ich, schließlich bin ich ja ein großes Mädchen!“ „Verdammt Claire, ich wollte dich nicht verletzen.“ Er nahm mein Gesicht in beide Hände, „Sieh mich an, du wirst einen Partner finden, den du lieben kannst und der sie erwidert. Aber zwischen uns besteht keine Liebe. Es ist nur ein gegenseitiges sexuelles Verlangen! Sieh das doch ein!“ „Ich verstehe schon Raphael! Du bist geil auf mich beziehungsweise auf meinen Körper. Was du aber außer Acht gelassen hast, sind meine Gefühle. Ach, das sind ja keine Gefühle, sondern nur Verlangen und Begierde. Danke für deine Berichtigung, nun sehe ich die Dinge verständlicher. Noch eines Raphael, wenn dich mal wieder nach meinen süßen Lippen gelüstet, geh kalt duschen oder such dir ein williges Opfer. Ich will sofort dein Versprechen, das du mich nie wieder, in dieser Weise berührst.“ „Wenn du das möchtest, bitte! Kein Problem. So groß ist mein Verlangen auch wieder nicht!“ zischte er mich an. „Können wir nun fahren?“ „Sobald du deine Finger da hast, wo sie hingehören!“ denn er hielt mein Gesicht noch immer umfasst. Sofort ließ er mich los. In der Hütte marschierte Raphael umgehend in sein Zimmer. Gab sah ihm erstaunt nach, als er mich fragend ansah, brach ich in Tränen aus. „Kleines, schon gut. Ist ja schon gut!“ Ich saß, wie ein kleines Kind auf seinem Schoß heulte und erzählte und heulte. Gab hörte schweigend zu, wiegte mich und putzte mir die Nase. Bis ich mich beruhigte. Er legte mich in sein Bett deckte mich zu und streichelte über mein Haar, „Versuch eine Stunde zu schlafen, das hilft dir bestimmt. Habe keine Sorge, ich wecke dich rechtzeitig.“ Leise summend, legte Gab sich zu mir und umarmte mich tröstend. Pünktlich zur vorgegebenen Zeit war ich fertig und wartete auf Raphael. Dank Gab, fühlte ich mich nach dem Schlaf wirklich besser. Gab steckte mich in die Badewanne, wusch mir das Haar und holte mir ein Kleid und alles, was dazugehörte. Er erzählte die Sachen seien am Vormittag geliefert worden. Erst protestierte ich, das Kleid anzuziehen. Doch Gab blieb beharrlich und meinte er wisse was er tue. Als ich fertig vor ihm stand, blitzte er mich forsch an, „Perfekt! Al werden die Augen überquellen!“ ich aber machte mir keine Sorgen wegen Al. „Kleines du schaffst das, sieh dich an! Du bist eine wunderbare Frau und wirst deinen Weg gehen.“ Munterte er mich auf. „Gab wie soll ich dir danken, du bist …“ er nahm mich vorsichtig in den Arm. „Ich liebe dich auch, Kleines!“ schmunzelnd sah er mich an. So schob er mich aus seinem Zimmer. Nun wartete ich. Kurz darauf gesellte sich Gabriel dazu, „Du siehst wirklich reizend aus!“ bestätigte er noch einmal. Indessen kam Raphael aus seinem Reich hinunter. „Fertig?“ fragte er knapp und würdigte mich keines Blickes. „Fertig!“ bestätigte ich und folgte Raphael. Gab begleitete uns, bis zur Tür, „Raphael ich werde erst morgen im Laufe des Tages wieder hier sein.“ „Ist in Ordnung, ich nehme an das es ein langer Abend wird. Ich fahre auf jeden Fall noch zurück. Claire kann sich dann morgen ausschlafen.“ sagte Raphael. „Bitte!“ forderte Raphael mich auf hinauszugehen, zittrig lehnte ich mich noch mal an Gab, „Wir sehen uns!“ flüsterte er mir ins Ohr, „sei tapfer, ich lieb dich!“ Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange, „Und ich liebe dich, mein Freund!“ Raphael gab unwirsche Geräusche von sich. Ich warf Gabriel einen letzten Blick zu und ging an Raphael vorbei. „Pass gut auf sie auf, Raphael!“ ermahnte Gab ihn. Vor sich hin murrend folgte er mir. Irgendwann unterwegs hielt Raphael an, und nun sah er mich das erste Mal an. Aus seinen Zügen sprach eine gleichgültige Miene. „Ich muss dir noch einiges erklären vor dem Treffen mit Al. Ich habe die Aufgabe für dich den richtigen Partner zu finden. Normalerweise habe ich ein gutes Gespür, welcher der richtige Kandidat ist. Doch auch ich kann mich irren. Deshalb ist es üblich, dass ich mit der Frau, in diesem Fall mit dir und dem Kandidaten geistigen Kontakt aufnehme. Du hast ja bemerkt, dass wir uns so verständigen können. Was bedeutet, mit Al ist dies keine Schwierigkeit. Für die Frauen ist diese Art der Verständigung erst fremdartig. Ich möchte das nun mit dir ausprobieren und die Verbindung halten, damit du dich daran gewöhnst.“ So in etwa hatte mir Mike es auch gesagt, ich willigte ein. „Gut, du musst mich ansehen, Claire konzentriere dich, auf meine Stimme. Erwarte nicht, dass du mich vernimmst, dies können die wenigsten Frauen erst nach Jahrzehnten und meist nur flüchtige Gedanken. Einzig wichtig ist, dass ich verstehe, wie du empfindest.“ „Aber ich dachte das kannst du bereits! Sagtest du nicht, du kannst in mir lesen wie in einem offenen Buch!“ „Sicher! Aber nun brauche ich nicht nur deine Gedanken, sondern einiges mehr! Vertrau mir! Und wenn schon nicht mir, dann Michael!“ Nickend sah ich ihn an sofort verlor ich mich in seinen Blick. Das grün seiner Augen empfing mich, hüllte mich ein und verband sich mit mir. Ähnlich wie damals bei Tony im Restaurant fühlte ich mich einfach nur glücklich, es war ein perfekter Augenblick. „Ausgezeichnet! Das hast du sehr gut gemacht. Nun ich spüre deinen Unwillen, aber denk gar nicht darüber nach. Ich löse die Verbindung, sobald wir uns von Al verabschiedet haben.“ Versprach Raphael und fuhr weiter. Erst starrte ich geradeaus, zählte die Bäume am Wegrand. Indem ich versuchte meine Gedanken auf Nebensächlichkeiten zu lenken. Ich betrachtete meine Schuhe, mit den fiel zu hohen Absätzen. Wie ich vor Gab damit übte, um einen sicheren Gang zu bekommen. Wie Gab mir einen natürlichen doch schwungvollen Schritt zeigte. Raphael lachte auf, „Das hat er dir gezeigt?“ sofort zählte ich wieder Bäume. Das Treffen mit Al verlief weniger spektakulär, als ich zuerst befürchtete. Al ein netter gut aussehender junger Mann war symphytisch. Ein wenig eingeschüchtert vor wem konnte ich nicht deuten. Nahm aber an das er, Raphael herben Respekt zollte. Augenfälliger war seine Weichheit, die schon feminin wirkte. Bestimmt war er ein sensibler in sich gekehrter Engel. Ich konnte mich gut mit ihm unterhalten, er hatte auch einen feinen Sinn für Humor, den er verstand. Selbst wendete er keine Ironie an. Mit einem Male, fiel mir auf, dass Raphael und ich in einem Gespräch vertieft, Al vollkommen außer Acht ließen. Er saß ein wenig verloren da und schwieg vor sich hin. Bald darauf verabschiedete er sich schon fast fluchtartig. Na das war Kandidat Nummer eins. Al fehlte in meinen Augen etwas, sei es die Abgeklärtheit wie Mike sie hatte, gespickt mit einer inneren Stärke. Oder Gab mit seinem Humor, auch er, wirkte auf dem ersten Blick feminin aber er vermittelte auch Verlässlichkeit und Stärke. Genau wie mein Gegenüber, aber über Raphael wollte ich nicht näher nachdenken. „Sollen wir fahren?“ fragte ich ihn, er nickte. Raphael schien mit seinen Gedanken weit weg zu sein. Wie die Hinfahrt verlief die Rückfahrt schweigend. Sofort nach der Ankunft ging ich in mein Zimmer und wünschte Raphael eine gute Nacht. Mitten in der Nacht wachte ich von einem sehr anregenden Traum auf. Ich lag zusammengekauert da, bis ich mich beruhigte. Mein Verlangen zu Raphael zu gehen und ihn zu bitten mich in die Arme zu schließen unterdrückte ich. Schließlich stand ich auf, ging in die Küche und setzte Teewasser auf, in der Hoffnung der würde mich in die richtigen Bahnen lenken. Ich ließ ihn ziehen und schaute derweil aus dem Fenster. „Du kannst nicht schlafen?“ ich drehte mich herum, doch nirgends war Raphael zu sehen. Ich knipste das Licht an, niemand da. Waren das Wahnvorstellungen oder Wünsche! Und nahm meine Tasse, kopfschüttelnd ging ich ins Bett zurück. Von Hunger getrieben verließ ich Mikes Zimmer und hoffte etwas Schnelles, für die Mikiwelle zu finden. Den Vormittag verbrachte ich mit einem kurzen Spaziergang immer in der Reichweite der Hütte. Ansonsten studierte ich den Stammbaum. Wieder einmal schaute ich die Treppe hoch doch von Raphael keine Spur. Ich sehnte mir Gab herbei mit ihm verging die Zeit wenigstens. Was sollte ich das ganze Wochenende tun. Und heute war erst Freitag. In der Bücherei wäre ich jetzt mit Sue zur Pause. Aus reiner Langeweile ging ich in die Küche, das wäre mir sonst nie passiert. Aber nun fing ich an, den Kühlschrank zu studieren. Dank Gab war er gut gefüllt. Kurzerhand bereitete ich das einzige Gericht zu das ich einigermaßen beherrschte. Spaghetti Carbonara! Dazu einen Salat. Als ich fertig war überlegte ich kurz Raphael zu rufen, doch verwarf ich den Gedanken sofort. Bisher ließ er sich nicht blicken und ich wollte seine Abgeschiedenheit keinesfalls stören. Also setzte ich mich allein an den großen Tisch, wenn ich nur ein Buch zur Hand hätte. „Guten Appetit! Darf ich mir auch etwas nehmen? Oder hast du nur für dich gekocht?“ fragte Raphael nach. „Es ist genug da! Bedien dich ruhig!“ Er klapperte mit Besteck und füllte seinen Teller auf. „Wieso hast du mich nicht gerufen?“ „Ich wollte dich nicht stören!“ antwortete ich wahrheitsgemäß. „Auch ein Glas Roten, dazu?“ „Gern!“ Er stellte zwei Gläser auf den Tisch und holte den Wein, ergeben ging ich in die Küche und nahm seinen Teller. „Das ist nett, danke!“ und füllte die Gläser. „Na denn!“ etwas vorsichtig nahm er eine Gabel voll in den Mund. „Oh, lecker! Ich muss dir ein Kompliment machen, die sind wirklich gut.“ „Nun tu nicht so! Du hast bestimmt angenommen ich hätte dein Essen vergiftet.“ Er lachte auf, „Was für eine witzige Vorstellung! Aber ernsthaft ich habe gesehen, wie du dich ernährst.“ „Ja, sagst du mir wie oft warst du eigentlich in meiner Wohnung!“ ich lehnte mich zurück gespannt auf die Antwort. Sollte er mich wieder mit einer flüchtigen Ausrede abspeisen. „Wie oft? Das kann ich so genau nicht sagen. Sehr oft, fast jeden Abend.“ „Und wann bist du dann gegangen?“ „Mit dir! Warum fragst du? Ich dachte das sei dir bewusst! Du warst keine Sekunde allein, das sagte ich doch!“ jetzt sah er mich ehrlich erstaunt an. Doch mir wurde auf einmal klar das er die ganze Zeit in meiner Nähe war zu jedem Zeitpunkt. Die Röte schoss mir ins Gesicht, wenn ich daran dachte, was er alles gesehen und gehört hatte. „Kein Grund, verlegen zu werden, Claire. Ich habe auf deine Intimsphäre geachtet. So etwas würde ich nie ausnutzen.“ Trotz seiner Beteuerung blickte ich beschämt auf meinen Teller. All die Male, als ich ihn laut verfluchte, mich nach ihm sehnte oder einfach nur dasaß und in Erinnerungen schwelgte. „Claire glaube mir ich wollte dich nicht verletzen. Das war niemals meine Absicht! Ich habe deine Unerfahrenheit in diesen Dingen einfach außer Acht gelassen. Das hilft dir zwar nicht aber ich kann mich nur entschuldigen.“ „Schon gut Raphael, ich habe inzwischen gelernt. Nun was fandest du denn am langweilsten in meinen so abwechslungsreichen Leben?“ bemüht mich locker zu geben, sah ich ihn offen ins Gesicht. Doch Raphael antwortete mir nicht, sondern sah mich vertieft an. Das hielt einige Minuten an. „Raphael?“ fragte ich besorgt nach, mir wurde doch ein wenig mulmig. „Langweilig? Nichts! Ich konnte dich stundenlang einfach nur ansehen. Ich habe dich gesehen, wie du bist.“ „Na, wenn das, nicht trist ist.“ „Du irrst dich! Wenn du ein Buch liest, sei es auch so eine Schundlektüre, die du dir angetan hast. Dein Gesicht lebt im gelesenen Wort. Du lachst laut auf oder du weinst. Die ganze Facette eines Buches spiegelt sich in dein Gesicht.“ Raphael nahm sein Glas und prostete mir zu. „Wie du dich in dein Bett kuschelst, nachdem du endlich die richtige Schlafstellung gefunden hast. Weißt du das es jeden Abend die gleichen Bewegungsabläufe sind.“ Lächelnd sann er darüber nach, „zuerst legst du dich auf die rechte Seite, dann auf die linke. Daraufhin drehst du dich auf den Bauch. Dann wieder die rechte und nun legst du deine linke Hand unter deiner Wange den rechten Arm streckst du aus. So bleibst du eine Weile liegen doch bevor du richtig einschläfst drehst du dich wieder auf den Bauch. Nun langweile ich dich?“ „Nein ich frage mich nur, wer von uns ermüdender ist!“ Geistlos starrte Raphael mich an, „Ehrlich Raphael ich habe noch niemals gehört das sich jemand für so etwas begeistert.“ Ich schüttelte grinsend den Kopf, „Du solltest dir dringend ein Hobby zulegen.“ „Ja! Sobald ich dich unter der Haube habe!“ erwiderte er mein Grinsen. „Wenn wir schon bei dem Thema sind. Wann lerne ich den nächsten Engel kennen?“ „Sonntag. Wir fahren rüber nach Kanada. Ich denke heute Abend, wenn es dir nichts ausmacht, ich fahre lieber in der Nacht.“ er sah mich kurz an dann fuhr er fort, „Montag wollte ich wieder zurück sein. Und nächste Woche kommen zwei Engel her. Dann das Wochenende kommt deine Mutter. Also genieße jede freie Minute. Gab ist auch noch nicht mit dir fertig.“ Warnte er mich vor. Trotz seiner Warnung waren es anstrengende zwei Wochen, seitdem ich in der Hütte lebte. Die Treffen der Engel fielen meiner Meinung nicht gut aus. Alle Engel waren nett, sie sahen gut aus waren sympathisch. Doch das war es auch schon. Das Reisen mal dahin mal dorthin war das schlimmste an der Sache. Ebenso wie Gabriels Kaufgelüste. Er war sich mit Sue einig das ich keinerlei Mitspracherecht mehr habe. Ich musste nur dastehen und mich an und auskleiden. Ein Kommentar wurde mir verboten. Raphael hielt sich erstaunlich ich konnte es zunächst kaum glauben an sein Wort. Er spielte den Begleiter als sei niemals etwas zwischen uns gewesen. Aus seiner Sicht war es das ja auch. Doch ich sehnte mich noch immer nach ihm. Außerdem lernte ich ihn besser kennen, was nicht gerade gut war für meine Gefühlswelt. Auch hörte ich ihn oft in meinen Gedanken, das sprach ich natürlich nicht an. Das waren meine Fantasien und unter keinen Umständen wollte ich das jemand davon erfuhr. Auch die erregenden Träume, die ich hatte, behielt ich für mich. Was nicht ganz einfach war, wenn man bedenkt, dass ich mit zwei Engeln zusammenlebte. Für heute war meines Wissens kein Treffen geplant, also rekelte ich mich in Mikes Bett. Gab war gestern Abend weggefahren er wollte heute im Laufe des Tages zurückkommen. Wie ich Raphael kannte, war er in seinem Zimmer und würde sich den Tag über nicht sehen lassen. So zog ich meine Schlumperklamotten an, machte mir mein Frühstück. Das, aus einer Tasse Kaffee bestand. Und setzte mich nach draußen. Nun Anfang Mai war das Wetter sehr mild. Ich ging ein wenig Auf und Ab, vermisste meine Wanderungen. Schließlich ging ich wieder hinein, wenig mit mir anzufangen. Seufzend nahm ich mir einen Apfel. Und siehe da der Herr beehrte mich mit seiner Gesellschaft. Wie aus dem Modekatalog entsprungen, kam er die Treppe herunter. Mir wurde schmerzlich bewusst, wie ich aussah. Haare zum Pferdeschwanz zusammengebunden und einen alten Jogginganzug an. Genauso wie ich mich fühlte, sah Raphael mich abschätzend an. „So willst du deine Mutter vom Flughafen abholen?“ Mit weit geöffnetem Mund, Raphael anstarrend fragte ich, „Meine Mutter?“ „Sie kommt heute, hast du das vergessen?“ Das hatte ich in der Tat, verdrängt um es wörtlich zu sagen. „Wann, wie viel Uhr!“ lief in Mikes Zimmer wieder zurück. „Ich muss nach Haus, die Wohnung aufräumen, putzen. Verdammt warum hast du mir das nicht eher gesagt. Ich langweile mich den ganzen verdammten Tag und dann teilst du mir mal so ganz nebenher mit, dass meine Mutter kommt.“ Hin und wieder zurück in echter Panik ausbrechend. „Deine Wohnung ist sauber, die hat Gab die Woche auf den Kopf gestellt. Du brauchst dich nur salonfähig oder soll ich sagen Mama gerecht zu stylen.“ Grinste er mir mit verschränkten Armen zu. „Das hast du in voller Absicht getan! Bist du sicher das du ein Engel bist. Oder ein Dämon, der mir meine letzten Nerven raubt.“ Und er, er lachte mir ins Gesicht. Frech und dreist! „Oh du, du …“ „In einer halben Stunde fahre ich, ob du nun fertig bist oder nicht.“ Ich stürmte hinaus und verfluchte dieses Ekel. „Ich kann dich hören, Claire!“ er stand an der Tür. „Das solltest du auch!“ und schlug ihm die Tür vor der Nase zu. In der Zwischenzeit war Gab heimgekommen, flüchtig begrüßte ich ihn. „Raphael? Wo …“ fragte ich gehetzt. „Gerade raus, beeile dich.“ „Ja, ja ich mach ja schon.“ Einen Schuh an, den anderen in der Hand, die Jacke unter den Arm geklemmt, rannte ich los. „Geschafft!“ triumphierte ich atemlos auf. „Gerade mal eben so!“ greinte Raphael, „Ist das die neue Mode? Einen Schuh in der Hand zu halten, anstatt anzuziehen?“ darauf gab ich ihm keine Antwort, sondern zog schweigend die Nase gereckt meinen fehlenden Schuh an. Grinsend, verfolgte Raphael mein tun, enthielt sich aber einen weiteren Kommentar. Am Flughafen hatten wir eine gute halbe Stunde, bis das Flugzeug meiner Mom landete. Nervös lief ich herum sagte mir immer wieder, dass es in ein Debakel endete. „Du musst das Positiv sehen, die schönen Tage mit deiner Mom genießen wollen.“ „Ach, würde ich ja gerne, aber seitdem ich im heiratsfähigen Alter bin. So ab sechszehn! Will sie einen Schwiegersohn. Das ist ziemlich störend in einer Mutter, Tochter Beziehung. Gott da kommt sie!“ „Lächel, freu dich! Übrigens du musst mich von meinen Versprechen entbinden! Was für ein Lebenspartner bin ich, der dich nicht berühren darf.“ „Ja, ja, schon gut!“ Meine Mutter war noch drei Schritte entfernt und begutachtete Raphael schon. „Mom!“ warf ich ihr vor. „Was Claire, ich darf ja wohl deinen Freund ansehen! Oder darf ich zukünftigen Schwiegersohn sagen?“ Sie drückte mich kurz an sich und hielt dann Raphael die Hand entgegen. „Ich freue mich sie kennenzulernen, Raphael!“ „So wie ich auch, Mrs Garret.“ Lächelte er sie an, dieses Lächeln hätte ganze Eisberge dahin schmelzen lassen, meine Mutter eingeschlossen. Entzückt erwiderte sie das Lächeln. Raphael fuhr Richtung Afton überrascht sah ich auf. Er bemerkte mein Erstaunen und sagte zu meiner Mutter. „Wir fahren zuerst zu unserer Hütte, mein Freund, unser Freund“ verbesserte sich Raphael, „kocht für uns, wir dachten, dass es sich bei einem gemütlichen Mahl besser kennenlernen lässt.“ „Die Idee stammt aber nicht von Claire!“ mutmaßte meine Mutter folgerichtig. „Nun im Grunde hatte sie die …“ „Ist schon gut, Raphael, ich kenne meine Tochter.“ Raphael blickte mich aufmunternd durch den Rückspiegel an. „Nun erzählt mal, wie läuft euer Zusammenleben? Vertragt ihr euch oder gibt es Probleme?“ Ich ließ mich in den Sitz fallen, wie konnte sie nur. „Probleme nein, wir harmonieren sehr gut miteinander!“ das ich mir hier hinten nicht die Haare raufte war alles. „Ihr wohnt mit eurem Freund zusammen, wie kommt das? Können sie sich kein eigenes Heim leisten?“ „Mom, das reicht!“ Raphael jedoch lachte auf, „Claire, lass deine Mutter ruhig. Ich verstehe sie, schließlich bekommt sie einen Mann vorgesetzt, den sie nicht kennt. Es ist ganz einfach zu erklären. Durch meinen Beruf reise ich sehr viel, so wie meine Freunde auch. Wir haben im Laufe der Jahre einige Häuser gekauft. So haben wir ein Heim in fast jedem Land, indem wir uns zurückziehen können.“ Damit war meine Mutter noch lange nicht zufrieden, „Sie sind viel unterwegs? Wie passt eine feste Beziehung da hinein?“ „Daran arbeite ich gerade, denn ich habe einen Vertrag mit der Bücherei geschlossen. Claire ist durch ihren beruflichen Werdegang geradezu ideal für meine Arbeit. Im Moment arbeitet Claire für die Bücherei und für mich.“ „Sie können sich eine Angestellte leisten? Ich nehme doch an sie Bezahlen meine Tochter für ihre Arbeit.“ „Alles vertraglich geregelt!“ bekräftigte Raphael. „Sie scheinen ein Mann zu sein der weiß, was er will!“ Raphael warf einen kurzen leidenschaftlichen Blick in den Rückspiegel, „Ganz recht!“ Die Gänsehaut ignorierend, die Raphaels heißer Blick auslöste, fragte ich meine Mutter, wie es Dad ging. Sie erzählte mir die üblichen Geschehnisse von zu Haus. Einmal damit angefangen hörte sie erst auf, als wir in bewaldete Straße einfuhren. „Hier wohnt ihr?“ ich konnte mir ihr Entsetzen vorstellen und wenn sie erst die heruntergekommene Vorderfront der Hütte sah. „Ja, Mom unsere Hütte!“ Im Moment behielt sie jeglichen Kommentar für sich. Wir stiegen aus und meine Mutter sah sich um, „Recht einsam hier, gerade für eine Frau!“ „Da mache dir mal keine Sorgen Mom, ich bin nie allein. Ständig habe ich einen Beschützer in meiner Nähe.“ Sie nahm die Front der Hütte in Augenschein. Ich wusste sie stellte sich auf das Schlimmste ein. „Komm Mom ich zeige dir unser Reich! Es ist zwar abgelegen, aber du wirst es bestimmt mögen.“ Absichtlich stemmte ich mich gegen die Tür, Raphael schüttelte verhalten den Kopf. „Claire ist das nötig?“ stirnrunzelnd sah ich Raphael an, musste er meine kleine Neckerei aufdecken. Doch Mom schien zu sehr mit der anscheinend klemmenden Tür beschäftigt zu sein. Sie reagierte nicht auf Raphaels Einwand. Verdattert trat meine Mutter hinein. Ich überholte sie, weil ich unbedingt ihr Gesicht sehen wollte. „Na was sagst du?“ „Dass du ein ganz schönes Biest bist, mein Fräulein! Es ist grandios, wirklich bezaubernd.“ Meine Mutter sah sich um, ich wusste noch, wie die Hütte mich das erste Mal willkommen hieß. Genauso musste meine Mutter sich im Moment fühlen. „Meint ihr mich damit? Dann danke ich herzlichst!“ ließ Gab aus der Küche, von sich hören. „Mom das ist Gab!“ Er kam hervor und begrüßte sie charmant. „Gab!“ ich hakte mich bei ihm ein, „Das ist meine Mom!“ sie streckte ihm die Hand entgegen, doch die übersah er und drückte meine Mutter gegen seine breite Brust. Außer sich befreite sie sich, aber sie lachte ihn herzlich an. „Claire wo hast du solche Männer gefunden?“ und betrachtete Gab und dann Raphael aufmerksam. „Den einen beim Einkaufen, die anderen gesellten sich dazu.“ „So ich glaube, wenn ich mich recht erinnere, habe ich dich zuerst entdeckt.“ Raphael stellte sich wie zufällig zwischen Gab und mir. „Spielt das eine Rolle?“ und zuckte die Schultern, dabei trat ich einen Schritt zur Seite. „Für mich ja!“ grinste er mich an, und zog mich an seine Seite. Dann wandte sich Raphael an meine Mutter, „Möchten sie sich die Hütte ansehen?“ „Es gibt noch mehr?“ fragte sie überraschend. Gab verzog sich in die Küche, „Das Essen braucht noch einige Minuten, deshalb solltet ihr den Rundgang auf später verschieben. Claire kannst du mir einen Moment helfen?“ Raphael führte meine Mutter zum Sofa, während ich Gab, half. Die beiden im Wohnzimmer unterhielten sich angeregt. „Ich finde deine Mutter sehr nett, Claire.“ Befand Gabriel. „Ja, das Sagen alle, aber die sind auch nicht ihre Tochter!“ ich verzog die Miene und naschte ein Stück Fleisch. Gab schlug mir auf die Hand. „Aber Claire!“ „Du hast mich geschlagen!“ und boxte ihm auf den Oberarm. „Deine Mom hat recht, du bist ein Biest!“ und hielt sich effektvoll den Arm. Wir hatten die Aufmerksamkeit der beiden im Wohnzimmer errungen. Raphael schaute wie immer, leicht gefrustet, wenn wir uns gegenseitig foppten. Meine Mutter dagegen lächelte, doch ihr Verstand arbeitete auf Hochtouren. „Hau ab aus meiner Küche, du Biest! Trage lieber die Platten zum Tisch! Und lass deine Finger vom Essen!“ Bald darauf aßen wir die Köstlichkeiten die Gab zubereitet hatte. Ich wunderte mich über meine Mom, mit welcher Leichtigkeit, sie mit diesen zwei imposanten Männern, umging. Sie sparte nicht an Lob über Gabs kulinarische Künste. Raphael schenkte Wein nach, hielt sich selbst aber zurück. „Raphael ich kann auch fahren!“ er verneinte meinen Vorschlag, sondern füllte mein Glas aufs Neue. Beschwingt durch den Wein, zeigte ich meiner Mutter die Räumlichkeiten. „Es ist ein sehr schönes Haus!“ „Hütte!“ kam es aus drei Mündern gleichzeitig. „Und der Raum gehört Mike?“ „Ja, Mom er ist in Europa!“ „Ob er etwas dagegen hat, wenn ich den Raum zwei Tage in Anspruch nehme?“ „Ja“ „Nein“ ertönte es im Chor. Meine Mutter sah uns verwirrt an, „Nun was denn nun?“ Gab und Raphael hatten mit nein, geantwortet ich mit ja. Raphael kam mir zuvor, antwortete meiner Mutter. „Nein er hat sicher nichts einzuwenden!“ „Gut dann sparen wir uns die ganze Fahrerei und sie … du kannst auch etwas trinken.“ Lächelnd sah sie Raphael an, er nickte ihr zu, „Wie du möchtest!“ Jetzt duzten sie sich sogar schon, das konnte ja heiter werden. Gab holte eine weitere Flasche Wein und ich bedeutete Raphael, dass ich mit ihm sprechen musste. „Claire kannst du mir helfen, ich glaube frische Bettwäsche ist oben im Schrank.“ „Ja, sicher.“ Ich sprang auf und ging die Treppe hinauf, allein, „Raphael?“ „Schon unterwegs!“ sobald er die Tür hinter sich schloss, fauchte ich ihn an, „Genial, einfach super! Wie hast du dir das vorgestellt? Wo bitte soll ich schlafen? Etwa unten auf dem Sofa?“ „Beruhigst du dich bitte! Hast du eigentlich nicht bemerkt, dass sie dir, uns nicht traut. Vor allen Dingen, weil du mit Gabriel flirtest. Er nennt dich sein Kleines, ihr benehmt euch wie zwei Turteltäubchen. Indessen flüchtest du vor mir, als sei ich der Teufel persönlich. Aus diesem Grunde will deine Mutter uns im Auge behalten.“ „Ich wusste es ja, es geht in die Hose!“ warf ich ihm vor. „So schnell gebe ich nicht auf, du wirst hier bei mir schlafen! Dann zeigst du, dass du meine Nähe durchaus ertragen kannst! Ein wenig Freundlichkeit in meiner Richtung ist auch angebracht.“ Ich verdrehte die Augen. „Claire!“ ermahnte Raphael mich, mit düsteren Blick. „Gut du hast recht, aber wie erkläre ich ihr das meine Sachen in Mikes Zimmer sind.“ „Wenn ich die Tasche aus dem Auto hole, gehst du in Mikes Zimmer um das Bett zu beziehen. Dann kramst du alles von dir zusammen und gibst sie mir durch das Fenster. Derweil wird Gab deine Mutter beschäftigen.“ „Wenn das man gut geht!“ „Hör auf zu unken!“ Raphael öffnete das Fenster, „So nun auf in die Schlacht, hast du das Bettzeug? Gut!“ „Wie willst du denn hier rauf kommen?“ ich sah misstrauisch hinunter und Raphael bedenklich an. „Du solltest wirklich anfangen, mir zu vertrauen, Claire!“ „Ich wollte schon Gab hinauf schicken, was habt ihr denn so lange gebraucht?“ unter ihrem forschenden Blick lief ich rot an. Ertappt auf frischer Tat. Raphael dagegen blieb ruhig, „Claire hatte ein kleines Problem, mehr nicht!“ Mom nun neugierig nahm mich ins Schussfeld, danke Raphael herzlichen Dank. „Was ist denn, mein Kind?“ Ich warf Raphael einen bösen Blick zu. „Darf ich?“ bat er mich unschuldig anlächelnd, um Erlaubnis. Na wie du dich aus diesem Schlamassel herauswindest will ich sehen, und nickte ihm zweifelnd zu. „Dir ist bestimmt nicht aufgefallen, dass Claire nun sagen wir - mich auf Abstand hält!“ und sah meine Mutter mit seinem Dackelblick fragend an. Sie verneinte natürlich genauso falsch. „Nun mir schon und Claire meint, es gehöre sich nicht vor ihrer Mutter, Zuneigung und Zärtlichkeit zu zeigen.“ „Was für ein Blödsinn! So habe ich dich niemals erzogen, Claire.“ Hielt sie mir vor. Er schob mir den Schwarzen Peter zu! Na warte Bursche. „Mom, Raphael kennt da keine Hemmungen, deshalb habe ich das getan.“ Wies ich die Anschuldigung entrüstet zurück. Gab räusperte sich, und Raphael grinste wie ein Honigkuchenpferd, „Das liegt nur an dir, dass ich meine Finger nicht bei mir lassen kann!“ „Streitet euch nicht wegen einer solchen Lappalie, gebt euch einen Kuss und der Bann ist gebrochen.“ „Du gefällst mir immer besser, Schwiegermama!“ Raphael zog mich an sich, diabolisch grinsend sah er mich an. „Du hast deine Mutter gehört, jetzt sei ein gehorsames Mädchen und küss mich.“ Seine Augen funkelten mich besitzergreifend an, bevor er mich küsste. „Nun verstehe ich Claires Bedenken!“ hüstelte meine Mutter. „Ja!“ setzte Gab noch einen drauf, „sie denken an nichts anderes! He, ihr zwei, wir haben Besuch, benehmt euch.“ Raphael ließ zögernd meine Lippen frei, hielt mich jedoch fest an sich gepresst. Das war auch gut so denn meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an. „Hör auf zu lamentieren, gieß uns lieber einen Schluck Wein ein“, richtete Raphael sich an Gab. „oder soll ich erst die Tasche holen?“ fragte er mich. Ich war noch ganz benommen von dem Kuss und die Gefühle den dieser in mir wachrief. Raphael sah inzwischen zu meiner Mutter hinüber. Konnte er so einfach umschalten? War da rein kein Gefühl in ihm? Zustimmend nickte ich, „Ich beziehe inzwischen das Bett, dann ist alles fertig.“ „Warte Claire ich helfe dir!“ meinte meine Mutter. „Nein, Mom das brauchst du nicht, leiste Gab solange Gesellschaft.“ Das fehlte mir gerade noch. In aller Eile sammelte ich meine Sachen ein. In Gedanken rätselte ich weiter, mich hatte der Kuss innerlich aufgewühlt, doch Raphael schien dies kalt zu lassen. „Nein, du irrst du dich da gewaltig!“ erschrocken sah ich auf. Aber niemand war mit mir im Raum. Ich habe doch gerade, laut und deutlich, Raphaels Stimme vernommen. Da war ich mir ganz sicher. „Raphael?“ fragte ich leise nach. Doch keine Antwort. Irritiert schaute ich mich um. Raphael klopfte ans Fenster. Spitzbübisch sah er sich um. „Hast du alles?“ „Ja! Warst du gerade hier?“ „Nein ich habe meinen Schrank ungeräumt! Warum fragst du?“ „Ach, nichts!“ Er sah mich nachdenklich an, schaute auf meine Taschen. „Ist das alles?“ „Ja, aber ich dachte Gab hätte gesagt das die Klamotten gestern geliefert worden seien, ich finde sie nicht!“ „Kannst du auch nicht, die sind oben, in meinem Zimmer!“ „Warum bei dir?“ „Nur so!“ antwortete Raphael ausweichend. „Beeil dich!“ Habe ich den Ausdruck in seinem Gesicht gerade richtig gedeutet, für einen Moment lag darin reine Sturheit. Oder konnte ich mich getäuscht haben? Was passierte mit mir? Ich hörte Stimmen, nein eine bestimmte Stimme! Verlor ich langsam meinen Verstand? Dann der seltsame Ausdruck in Raphaels Gesicht, was hatte nun das wieder zu bedeuten? Glaubte er etwa, ich gehe nicht sorgfältig damit um? Oder was hatte dieser Ausdruck zu bedeuten! Fröstelnd ergriff ich das Laken und machte mich über das Bett her. Dann nahm ich die Tasche entgegen, die Raphael mir durch die Tür reichte. Wie schnell war er eigentlich? Meine Mom trat an Raphael vorbei und inspizierte das Zimmer. Wir räumten schnell die Tasche aus, Mom sprach mit keinem Wort die Beziehung zu Raphael an. Doch sie lobte die geräumige Hütte und das ausgezeichnete Essen. Dann gingen wir wieder hinüber ins Wohnzimmer. Raphael und ich zeigten meiner Mutter das Haus. In Raphaels Zimmer sah sie sich besonders aufmerksam um. Raphael hatte, wie ich sah, mein Shirt und meine Jogginghose wie zufällig auf dem Sofa liegen gelassen. „Du ziehst diese Garderobe immer noch vor? Und das vor deinem Freund, Claire! Du solltest es besser wissen.“ Maßregelte mich meine Mutter, in ihrer Welt musste ich immer adrett und vorteilhaft angezogen sein. Raphael hingegen meinte, „Ich mag es, wenn Claire mit ihren Schlumperklamotten herumläuft. Am liebsten habe ich es, wenn sie sich einen dazu einen Zopf bindet.“ Erstaunt sah ich ihn an, meine Mutter ließ nur ein verächtliches Schnauben hören. Erst verlief das Gespräch schleppend, ich hatte das Gefühl, das die Engel sich absichtlich zurückhielten. Damit Mutter und Tochter ihre Diskrepanzen beilegen konnten. Verzweifelt suchte ich ein unverfängliches Thema, trank mein Glas leer. Raphael erhob sich vom anderen Ende des Sofas und füllte es auf. Während er dies tat, begann er ein unverfängliches Gespräch. Mit einer Leichtigkeit, die ich nur bewundern konnte. Dankbar sah ich zu ihm auf, liebevoll erwiderte er meinen Blick. Innerlich zuckte ich zusammen, ich wünschte er würde wirklich mir gelten und kein ausgezeichnetes Schauspiel sein. Raphael setzte sich auf die Lehne des Sofas, schwer legte er seine Hand auf meine Schulter. Jede Bewegung, die er ausführte, hatte nur ein Ziel, mich näher an ihn zu ziehen. Indessen sprach er galant mit meiner Mom und beteiligte Gab wie auch mich in das Gespräch. Der Wein, die seelische Belastung zu einem, meine Mutter hier zu haben sowie das Theater, das ich ihr vorspielte, forderten ihren Tribut. Die wohlige Wärme Raphaels in meinen Rücken genießend und das entspannende Streicheln über Hals, Nacken und Arm ließen mich entspannt an ihn kuscheln. Ich folgte dem Gespräch schon lange nicht mehr, sondern schlief tief und fest in Raphaels Armen ein. Ich wurde erst in Raphaels Bett wach, wie er über mich gebeugt meine Hose auszog. „Was machst du da?“ fragte ich ihn verwirrt. „Nach was sieht es denn aus, ich mache es dir bequem oder willst du in deinen Klamotten schlafen?“ fragte er amüsiert. „Nein aber jetzt bin ich wach!“ erwiderte ich brüsk. Sofort zog er sich mit erhobenen Händen zurück. Eigentlich wollte ich ihn nicht so grimmig anfahren. „Raphael! Es tut mir Leid, entschuldige!“ „Schon gut!“ „Ist es nicht“, ich setzte mich auf, „Im Grunde wollte ich dir danken, du hast mir mit meiner Mutter geholfen, du weißt schon.“ Hilflos sah ich ihn an, er ließ mich einen Moment zappeln, zog sich aus. „Entschuldigung und Dank angenommen!“ grinsend stieg er ins Bett und ich raus. „Ich soll hier neben dir schlafen?“ fragte ich ihn entsetzt. Unschuldig bleckte er die Zähne, „Wo sonst? Ich teile sehr gern mein Bett mit dir!“ „Dann schlafe ich lieber auf den Boden!“ „Du kannst auch das Sofa nehmen!“ fauchte er mich wütend an und drehte mir den Rücken zu. „Eine angenehme Nacht wünsche ich dir!“ und machte das Licht aus. Ich tastete mich durch das Dunkel, bis ich das Sofa fand. Zusammengekauert die Beine bis ans Kinn gezogen lag ich frierend und fluchend auf dem Sofa. Ich hatte mich mit meinem Pullover und Hose zugedeckt, so gut es ging. Ich hörte, wie Raphael aufseufzend aufstand und in seinen Schrank kramte, dann stand er plötzlich vor mir und breitete sorgsam eine Decke über mich aus. „Bei deinem Zähneklappern kann ich nicht einschlafen!“ „Danke Raphael.“ „Zum Teufel mit deinem ewigen Dank“, explodierte er, „was glaubst du, was ich empfinde, wenn du dich in meinen Schoß einkuschelst. Denkst du, ich bin ein Eunuch! Oder du siehst mich an, das meine Knie weich werden. Wenn du doch nur endlich erwachsen werden würdest“, er kniete sich hin, schmeichelnd fuhr er ruhiger fort, „Claire nur ein Wort von dir und ich zeige dir die schönsten Wonnen, die ein Mann und eine Frau sich schenken können.“ „Nur dass ich das richtig verstehe. Du willst mit mir Sex haben?“ Er nickte zustimmend, „und dann?“ „Wir werden eine vergnügliche Zeit miteinander verbringen. Manch einer kommt niemals in diesen Genuss. Wir wissen beide, worum es geht. Gefühle spielen darin keine Rolle! Eine ehrlichere Beziehung gibt es nicht. Kein Engel erwartet eine Jungfrau als Partnerin.“ „Wenn dein Interesse an mir gestillt ist, vercharterst du mich an den Nächsten. Du denkst wie ein Zuhälter.“ „Und du bist kalt wie ein Stein, immun für jegliches Gefühl, unvermögend es zu empfinden. Außerdem denkst du wie ein Teenager! Lass dir eines gesagt sein, den Traummann fürs Leben gibt es nur in Büchern!“ Das tat weh, „Vielen dank, für deine präzise Einschätzung!“ und schloss die Augen, ich verkroch mich tief. Blendete alles aus. Trotzdem konnte ich meinen Tränen keinen Halt befehlen. Mir war es egal, was Raphael tat. Ich wünschte, in Gabs tröstendes Gesicht, zu schauen. Das Schlimme daran war, dass Raphael die Wahrheit aussprach. Wie ich befürchtete, konnte ich wahrscheinlich wirklich keine Liebe für einen Mann empfinden. Es war etwas anderes sich dies Selbst einzugestehen, als es verletzend vorgeworfen zu bekommen. Der nächste Tag gestaltete sich ähnlich schwierig. Zudem war ich noch sauer auf Raphael und er nutzte jede Gelegenheit mich, zu betatschen. Am liebsten hätte ich ihn in seine Schranken verwiesen. Doch jedes Mal raunte er mir küssend ins Ohr zu, ich solle an meine Mutter denken, die uns weiterhin mit Argusaugen beobachtete. Wie erwartet wollte meine Mutter meine Wohnung, die Bücherei und mein Umfeld kennenlernen. Meine Wohnung inspizierte sie mit einem Naserümpfen. Kein Verständnis für meine gebrauchten Möbel aufbringend. Im Stillen dankte ich Gab, meine vier Wänden blinkten und blitzten wie nie jemals zuvor. In der Bücherei begrüßte sie Molly und Sue herzlich, als ich ihr das Gewölbe und mein Aufgabengebiet erklärte, hatte sie nur ein Schulterzucken dafür übrig. Damit konnte ich zufrieden sein. Denn meine Eltern hatten für mich einen anderen beruflichen Werdegang ins Auge gefasst. Als ich ihnen damals erklärte, dass ich eine Ausbildung anstrebte und das Collage verlassen wollte waren sie gelinde gesagt bestürzt. Anschließend gingen wir essen, dort bombardierte sie wieder Raphael mit Fragen, die er geduldig beantwortete. Vor allem wollte sie wissen, womit Raphael sein Geld verdiente. Außerdem erkundigte sie sich genauestens, wie ich in sein Konzept passte. Raphael beantwortete all ihre Fragen geduldig. Schließlich schien meine Mutter zufrieden zu sein. Ich hielt mich soweit es ging zurück. Antwortete und sprach nur, wenn ich direkt angesprochen wurde. Meine einzige Beschäftigung bestand darin, mich soweit wie möglich vor Raphael fernzuhalten. Natürlich weckte das den Argwohn meiner Mutter, sie beobachtete uns, hielt aber zu meinem Erstaunen ihre Meinung zurück. Am Nachmittag gingen wir zu den üblichen Sehenswürdigkeiten und kehrten spät zurück. Alle erschöpft von diesem anstrengenden Tag, gingen wir entsprechend früh zu Bett und ich auf das zu kurze Sofa. Noch morgen Vormittag hinter dich bringen, dann war diese stressige Stippvisite vorbei. Tröstete ich mich selbst. Wäre meine Mom nur ein klein wenig einsichtiger. Aber nein sie wollte, dass ich ein Leben nach ihren Vorstellungen führte. Alles andere kam keinesfalls infrage. Selbst bei Raphael suchte sie das Haar in der Suppe, obwohl er sich vorbildlich benahm. Nur Gab fand in ihren Augen Gnade. Mit diesen Gedanken schlief ich endlich ein. „Claire deine Mutter kommt hoch!“ schon wurde die Decke weggerissen und ich hochgehoben. Raphael warf mich in sein Bett, wo ich rücklings landete. Dann flog meine Decke in die Ecke und Raphael sprang hinterher, genau auf mich drauf. Lag er zwischen meinen Beinen. Ich hielt die Luft an, denn ich spürte im gleichen Augenblick sein Glied gegen meinen Schoß pochen. Über die Heftigkeit seiner Reaktion sahen wir uns an. Leidenschaft brannte in seinem Blick, sein Körper wie ein Bogen gespannt, ich fühlte ein leichtes drängen gegen meine Scham. Empfand das Pulsieren, das ein intensives Echo in mir hervorrief. So platzte meine Mutter in das Schlafzimmer hinein, „O Gott, oh gottegott“, stammelnd, verschwand sie. Wir beachteten sie nicht, ringen miteinander. Raphaels Blick beschwor mich leidenschaftlich ihn gewähren zu lassen, während in mir ein Feuer brannte, das er stillen konnte. Doch ich! Ich verneinte seine Bitte. Fast schmerzlich atmete Raphael ein, diese kleine Bewegung jagten Schauer durch mich hindurch, unbewusst keuchend kam ich ihm entgegen. Durch Raphael flutete ein Zittern, „Keinen Millimeter weiter, beweg dich noch einen … Claire dann …“ stöhnend schloss er die Augen, „Das ist die Hölle, Claire“ hauchte Raphael, unter größter Willensanstrengung rollte er sich auf die Seite. Enttäuscht, lag ich da, das Feuer in mir wollte genährt werden, ich wusste ich brauchte nur die Hand auszustrecken, tat es jedoch nicht. Raphael lag mir den Rücken zugedreht auf der Seite. Von unten hörte ich Gabriels Lachen, meine Mutter musste es ihm erzählt haben. „Ob sie wohl meine Decke gesehen hat?“ fragte ich besorgt. Bebend zog Raphael sich das Kissen über den Kopf und schlug darauf ein. „Raphael?“ Er lüpfte das Kissen, Tränen rannen ihm aus den Augen, „Nein Claire!“ vor unterdrücktem Lachen, „Ich glaube nicht! Sie wird von meinem unbedeckten Hinterteil abgelenkt worden sein.“ „Oh!“ kicherte ich und setzte mich auf. Mir kam die unmögliche Situation vor Augen, wie meine Mutter dies gesehen haben musste. Meinen Bauch haltend unterdrückte ich mein herzhaftes Lachen. „Weißt du!“ Raphael drehte sich zu mir um, „du bist ein seltsames Wesen, die einzige Sorge ist deine Mutter. Aber der wirklich echten Gefahr lachst du ins Gesicht. Glaubst du, es ist vorbei?“ verlangend sah er mich an. Jede Heiterkeit war mit einem Mal verschwunden, der brennende Blick den Raphael zu mir sandte löschte diese vollkommen aus. „Claire ich stehe in Flammen! Ich sehne mich nach dir und du sitzt vor mir! Bietest mir all das an, was ich begehre. Ich brauche nur meine Hand auszustrecken, eine Bewegung, Claire, und ich stille meine Lust. Viel zu lange verzichte ich nun schon darauf.“ „Dann such dir eine, die deine Anschauung teilt!“ Kurz sah er mich unergründlich an. „Genau das werde ich tun! Und jetzt ziehe dich an, bevor ich mich vergesse und deinen prüden Geist zeige, was dein Körper begehrt. Denn ein zweites Mal bringe ich die Kraft nicht dazu auf. Dann werde ich jede deiner Barrieren einzeln niedermetzeln, bis du mich anflehst, dich zu lieben. Und das ist ein Versprechen, das ich dir freiwillig gebe.“ Versicherte er mir düster und stand auf. „Ich gehe duschen!“ „Kalt?“ fragte ich schnippisch nach, meine verflixte Zunge, schneller als mein Verstand. „Hast du deine Meinung geändert?“ fragte Raphael liebenswürdig, „auch unter der Dusche kann ich dir einiges beibringen!“ er sah mich lodernd an. „Nein?“ fragte er, trat einen Schritt näher, „Hier und jetzt? Dachte ich es mir doch! Überlege dir das nächste Mal genau, ob du mich wieder herausforderst, denn dann könnte der Schuss nach hinten losgehen!“ er ging hinaus, „Deine Sachen liegen in meinen Schrank!“ fuhr er mich nochmals an. Ich zog mir etwas über und wartete, dass ich ins Bad gehen konnte, Raphael war schnell fertig. Ich beeilte mich, und als ich die Treppe herunterkam, frühstückten sie schon. Verlegen setzte ich mich dazu, sondierte vorsichtig die Lage. Doch niemand sprach den peinlichen Vorfall an. Ich half dann meiner Mutter, viel mehr ich sah zu, wie sie ihre Tasche packte. „Claire bist du dir mit Raphael wirklich sicher?“ „Ja, Mom!“ nuschelte ich, um mein schlechtes Gewissen nicht zu zeigen. „Er hat sich vorbildlich verhalten. Auch scheint er dich zu vergöttern, er passt auf dich auf; Claire du läufst blind durch die Welt! Du siehst in jedem Menschen nur das Gute. Gerade das, mochte ich schon immer an dir. Aber dein Raphael, der sieht darüber hinaus. Wie soll ich dir das erklären. Es ist eher ein Gefühl, er strahlt etwas aus, eine Macht, die greifbar ist. Eine Warnung, er wird jeden, der dir zu nahe kommt, wie einen Panther anspringen. Eiskalt und gefährlich.“ Sie sah mich besorgt an. „Und das er so sein kann Claire. Ich habe Angst, dass er sich dir gegenüber so verhalten könnte.“ „Ah, Mom ich kann mich meiner Haut schon erwehren, da mache dir mal keine Sorgen.“ Beschwichtigte ich ihre Besorgnis. „Ja Claire, ihr habt etwas ganz besonderes“ sie wurde rot, meine Mutter wurde tatsächlich verlegen, „nun ja, ich habe mit Sue kurz über Raphael und dich gesprochen. Sie sagte ihr seid einander verfallen und schilderte eine Episode, in einem Cafe. Ich verstand es nicht, dachte mir, sie übertreibt. Aber als ich euch heute Morgen … ja, hm ihr ward …, ineinander versunken, wenn sich die Erde neben euch geöffnet hätte. Ich glaube auch das hätte euch nicht gestört.“ Mit einem Ruck zog sie den Reißverschluss zu. „So mein Schatz, genug geredet. Das nächste Mal bist du ruhiger, da du nun gesehen hast, dass ich dir nicht den Kopf abreiße.“ Sie sah mich liebevoll an, „Ich will und wollte immer nur eines für dich. Dein Glück! Auch wenn es mir nicht gefällt, wenn du mit zwei Männern in einem Haus lebst!“ ich nahm sie in die Arme, „übrigens Gab würde mir als Schwiegersohn besser gefallen!“ „Mom!“ „Alte Angewohnheit!“ grinste sie mich schelmisch an. Schon lange war es her, dass wir so offen miteinander sprachen. Nur tat es mir leid, das diese Offenheit auf eine Lüge aufgebaut war. Doch ermahnte ich mich selbst, ihr auf keinen Fall die Wahrheit über Raphael und mich zu sagen. Am Flughafen versprach ich ihr, sie und Dad baldmöglichst zu besuchen. Sie lud Raphael dazu herzlichst ein. Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf, wie sollte ich ihr erklären, dass ich bei ihm ausgezogen war. Denn den nächsten Besuch, bei meinen Eltern würde ich ohne Raphael antreten, dies stand für mich fest. Ich wollte meinen Eltern in die Augen schauen können. Auf dem Rückweg fragte ich Raphael, wann die Nächsten Treffen stattfanden. „Am Freitag und dann Samstag.“ Teilte er mir kurz angebunden mit. „Ich habe für dich einiges an Arbeit.“ Meinte er. „Und was?“ „Wayne hat gut vorgearbeitet, aber ich möchte auf einigen Passagen ausführlicher eingehen. Auf meinem Schreitisch wirst du alles Notwendige vorfinden.“ Gleichgültig informierte er mich, dann setzte er zögernd hinzu, „Solltest du Schwierigkeiten haben, kannst du mich über mein Handy erreichen. Aber bitte nur, wenn es unbedingt erforderlich ist.“ Im Stillen nahm ich mir vor, unter keinen Umständen nachzufragen, egal wie! Er setzte mich vor der Hütte ab und fuhr direkt weiter. Ich quatschte ein paar Minuten mit Gab. Dann ich ging in Raphaels Zimmer, um zu sehen, was mich erwartete. Auf jeden Fall ein Berg von Arbeit. Ich stürzte mich darauf. Irgendwann klopfte Gab an. „Claire es ist bereits zehn Uhr, du musst mal eine Pause einlegen.“ „Gab, weißt du eigentlich, wie viel ich hier noch zu tun habe?“ Er lachte verhalten, „Ja, Claire das weiß ich zur Genüge. Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr. Doch trotz allem wirst du jetzt etwas essen und mir eine halbe Stunde Gesellschaft leisten.“ Es war selten Gab, in diesem befehlenden Ton zu hören, aber ich musste ihm zustimmen. So wie mein Magen, auch! Während ich aß, musterte Gab mich verhalten. „Gabriel diesen Ausdruck kenne ich noch gar nicht an dir!“ „Nein! Kleines, ich habe ein Problem!“ verwundert sah ich an, ansonsten drückte Gab sich verständlich aus, doch nun druckste er herum. „Claire!“ es wurde ernst, wenn er mich beim Vornamen nannte. „Wenn du dich konzentrierst, hämmern mir deine Gedanken durch den Kopf. Sie auszublenden, ist schier unmöglich. Sie übertönen alles! Und es wird immer schlimmer.“ „Und das heißt?“ erkundigte ich mich besorgt, wollte er gehen? Versuchte Gab mir schonend beizubringen, diesen Job mich zu schützen, zu beenden. „Nein, nein ich bleibe dir erhalten. Doch ich möchte eine Verbindung zu dir aufbauen.“ Sowie Raphael dachte ich, „Ja, genau! Nur das, es den umgekehrten Effekt hat, das hoffe ich zumindest. Sollte es funktionieren empfange ich deine Gedanken nicht mehr zumindest übertönen sie meine dann hoffentlich nicht mehr. Du hast keine Einwände?“ „Warum sollte ich!“ erleichtert das mir Gabriel erhalten blieb. „Danke, Kleines!“ wofür er sich bedankte ließ er ungesagt, „Können wir sofort anfangen, denn es könnte eine Weile dauern.“ „Raphael hat das schnell hinbekommen.“ „Wirklich! Dann lass es uns versuchen, ja?“ ich nickte ihm zu und sah Gab in die Augen. Ähnlich wie bei Raphael versank ich in Gabs Blick doch diesmal waren es blaue Töne. Ich wanderte darin, sie umspielten mich, aber wir bildeten keine Einheit. Blieben zwei Wesen. Die, wie miteinander tanzten. „Das war es schon! Denk bitte an irgendetwas, richte all deine Konzentration darauf.“ Ich tat wie geheißen. Gab grinste „Wunderbar ich höre nur mich!“ erleichtert stand er auf. „Du hast viel Potenzial, weiß du das.“ „Raphael erwähnte das, aber was kann ich damit anfangen? Ich weiß ja noch nicht einmal, was ihr da treibt.“ Und tippte mir an die Schläfe. „Es ist eine mentale Fähigkeit, du verbindest dich mit deinem Partner. Ihr werdet eins.“ „Moment mal, Gab du sagst ich verbinde mich?“ ein schrecklicher Verdacht kam mir in den Sinn. „Ja, es ist so. Nehmen wir als Beispiel mich, du hast einen Nebel gesehen? Vielleicht hatte er eine Färbung?“ Ich nickte zustimmend, „Blaue, alle mögliche Schattierungen, ich ging durch ein blaues Meer. Aber das war nicht alles, es war eher wie ein Tanz. Umwoben! Trotzdem miteinander, ein jeder für sich.“ „So ausgeprägt! Ich spürte zwar deine durchdringende Präsenz. Aber ich wollte dich ja nur blocken, deine wie soll ich sagen Ausstrahlung. Wir Engel können uns so verständigen, die Entfernung spielt dabei keine Rolle.“ Ratlos sah ich ihn an, „Es ist schwierig in Worte, zu fassen. Stell dir einen Raum vor, darin sind Hunderte von Menschen und jeder kann die Gedanken des anderen hören. Alles klar, soweit?“ ich nickte. „Gut! So, jetzt fängt einer an, eine blaue Mauer zu ziehen. Eine Geistige, nun empfängt er keine Gedanken mehr. Die anderen tun das Gleiche, haben eine andere Farbe oder eine gewisse Signatur. Je nach Mentalität; einzigartig, wie jedes Individuum nun einmal ist. Aber will der eine mit einem anderen reden, wählt er dessen Signatur.“ „Wie eine Telefonnummer!“ vermutete ich. „Ja du hast es verstanden, nun zu dir. Ich habe eine Mauer gezogen, damit ich deine Gedanken blockieren kann. Das ist alles.“ „Und die andere Version mit einem Partner?“ „Die ist verwoben, sie durchdringt dich und deinen Partner. Wir haben mehrere Mauern, aufgebaut wie Ringe in verschiedenen Größen. Dein Partner wird dich in den inneren Ring aufnehmen. Praktisch eure ganz persönliche Nummer, wenn du sie anrufst, erreichst du ihn und nur ihn. Da kommt die persönliche Begabung der einzelnen Frau ins Spiel. Wie viel sie empfängt, manche können bis heute nicht das Geringste spüren. Höchstens einen Nebel erahnen, einige wenige Gefühle. Keine klaren Gedanken.“ „Aber wieso dann diese Verbindung?“ „Aus verschiedenen Gründen zu einem die Sicherheit, denn die Nephilim spüren sie, ebenso wie wir. Wir spüren das die und die Frau zu dem und dem Engel gehört. Die Nephilim halten sich von diesen Frauen fern. Denn die Frauen sind geprägt mit ihnen können sie keine Verbindung aufbauen. Der Partner spürt seine Frau, egal wo sie sich gerade befindet. Er empfängt ihre Gefühle, teilweise ihre Gedanken. Hier spielt auch wieder die jeweilige Begabung eine Rolle, vom Engel wie auch von der Frau. So habe ich es mir sagen lassen.“ „Also kann ich damit gar nichts anfangen, es ist im Grunde nur ein persönlicher Code.“ „Im Grunde ja!“ bestätigte Gabriel lächelnd. „Deshalb macht ihr, so viel Aufheben?“ „Es ist eine Verantwortung Kleines, du kannst damit nichts anfangen, aber ich könnte dich beeinflussen. Sagen wir ich will, dass du auf dem Tisch tanzt. Du würdest es tun, ohne Einwände zu erheben.“ „Das heißt, du kannst mich nun jederzeit beeinflussen?“ „Nein, ich habe nur eine Mauer gezogen. Doch wenn ich mit dir nochmals Kontakt aufnehme, könnte ich dies vertiefen. Deine Gedanken zu eigen machen, ach es gibt Tausende von Möglichkeiten. Aber wie gesagt es ist eine große Verantwortung, dies nicht auszunutzen.“ Ich knabberte an meiner Lippe, wägte ab was Gab mir … „Kleines etwas bedrückt dich!“ ich beichtete ihm meine Bedenken, doch Gab wiegelte ab. „Raphael weiß, wie weit er gehen darf! Du musst auch den Unterschied bedenken, ich habe dich praktisch nur sacht berührt, wie eine Feder. Raphael dagegen muss intensiver vorgehen.“ „Kannst du das herausfinden?“ fragte ich. „Kleines, du musst Raphael vertrauen!“ das war mein Problem. „Meinst du, wirklich?“ „Und das kannst du!“ fuhr Gab fort, „Sieh jeder Engel hinterlässt eine Spur. Mike, der dich schon im Mutterleib umhegte. Raphael und ich, seitdem wir dich das erste Mal sahen. Außerdem hast du schon andere Engel getroffen, zumindest gesehen. Und nicht zu vergessen, Ben auch er hat eine Spur hinterlassen.“ „Das heißt, ihr seid alle mit mir verbunden?“ langsam wurde es mir zu viel. Gab verneinte kopfschüttelnd. „Es ist wie dein Gedächtnis, darin sind wir. Nur eine andere Abteilung! Mach dir keinen Kopf, niemand läuft darin herum und lässt dich auf einen Tisch tanzen!“ „Na gut.“ trotzdem zweifelte ich daran, denn Gab war genauso geschult wie Mike und Raphael, einem nur die Hälfte zu erzählen. Und irgendetwas verschwieg Gab, das spürte ich genau. „Ich gehe noch eine Stunde hoch, dann werde ich morgen fertig.“ Inzwischen wusste ich das ich keine weitere Informationen erhielt. Die Engel waren diesbezüglich alle gleich. „Wie du willst, ich haue mich hin.“ Zuerst konnte ich mich auf meine Arbeit keineswegs konzentrieren, immer wieder schweiften meine Gedanken ab. Es war ziemlich irritierend, zu erfahren, dass Engel in der Lage waren jemanden zu manipulieren. An meinen Stift nagend überlegte ich, was Gab für sich behielt. Nur reine Spekulationen! Und stürzte mich auf meine Arbeit, irgendwann sah ich auf die Uhr, schon kurz nach drei. Ich streckte mich und ließ alles so liegen. Da fiel mir ein, meine Sachen sie waren noch hier oben. Verflixt, jetzt noch alles umräumen? Zu müde, ich wollte nur noch eines, ins Bett. Und holte meine Zahnbürste aus dem Bad, der Rest musste warten. Frisch geduscht und einigermaßen ausgeschlafen fühlte ich mich schon besser. Ich hatte länger geschlafen, als ich wollte. Jetzt verfluchte ich meine gestrige Faulheit schlang mir mein feuchtes Handtuch um. Dann marschierte ich hinauf. „Morgen Claire!“ Gab stand verblüfft in der Tür, er kam gerade herein. „Morgen Gab, ich hole nur meine Klamotten.“ Und stiefelte weiter. „Von mir aus, kannst du jederzeit so herumlaufen!“ rief er mir lachend hinterher. Raphaels Tür war geschlossen, also war er zu Haus. Leise ging ich hinein, doch völlig unnötig. Er saß im Bett, Papiere und Blätter um sich ausgebreitet. Wie ich sah, meine Notizen. „Claire, ich sehe mir gerade deine Arbeit an. Ganz gut, doch einiges ist mir zu dünn.“ Er sah nicht auf, nahm einige Blätter und hielt sie mir hin. Automatisch fasste ich zu. „Kannst du meine Schrift lesen?“ er suchte weiter, „hier das auch“, wieder suchte er, „ja hier. Ich möchte, dass du das einfügst!“ er suchte weiter, nach Papieren und ich bibberte inzwischen. Das Fenster stand sperrangelweit auf, es war hier drinnen eisigkalt. Raphael reichte mir weitere Papiere, die ich zitternd entgegen nahm. „Was ist? Warum zitterst du so?“ er sah auf, „meine Güte …“ erschrocken sprang er auf, die restlichen Blätter stoben durch den Raum. Raphael schloss schnell das Fenster. „Du bist ja schon ein Eiszapfen. Gabriel, heißen Tee!“ und kramte in seinem Schrank, „hier ziehe das an, nun mach schon! Zier dich nicht so.“ er zog mir das feuchte Handtuch vom Körper und gleichzeitig flogen die Papiere, die ich in der Hand hielt, daher. Er half mir, mich anzuziehen. „Gab hat einen Tee für dich.“ Meinen Rücken schrubbelnd schob er mich hinaus. Wo Gab mich bereits erwartete, „Hier! Geht’s?“ fragte er besorgt „Mein Gott seid ihr verrückt? Ich friere, mehr nicht! Kein Grund so zu übertreiben.“ „So sind wir eben!“ griente Gabriel mich an. Ich ging hinunter und machte mir zwei Toast, dazu trank ich den Tee. Obwohl mir ein Kaffee lieber gewesen wäre. Gut gelaunt schenkte Raphael sich Kaffee ein, klaute mir ein Toast und biss herzhaft hinein. „Bist du wieder aufgetaut?“ sehnsüchtig beobachtete ich den Kaffee, „hier du Koffeinjunkie!“ und reichte mir die Tasse. Raphael war heute wirklich gut drauf. Ich hinterfragte das nicht, sondern zog mich an und teilte ihm dann mit, das ich meine Sachen nun holen wolle. „Claire lasse uns erst die Arbeit beenden. Ich habe nachher noch etwas vor, dann kannst du das erledigen.“ Die Papiere lagen immer noch überall zerstreut herum, ich fing an, sie aufzuheben. „Warte ich mache das schon, ich möchte deine Meinung dazu.“ Er gab mir, einige handbeschriebene Blätter, „und dazu hören!“ Lesend startete ich den Computer, auf dem Stuhl lagen noch Raphaels Kleidungsstücke. „Lege sie einfach auf das Sofa, ich räume später auf.“ Ich nahm sie auf und ein intensiver Parfumduft stieg mir entgegen. Am Hemdkragen spuren von Lippenstift. Aha, daher wehte also der Wind. Deshalb hatte er so gute Laune, meine schlug ins Gegenteil um. Und ich möchte dir die Augen auskratzen. Morgens erzählst du mir, wie sehr du mich begehrst und abends … Ich konnte nicht weiter darüber nachdenken. Raphael wie er, eine andere Frau, nein! Alles nur das nicht! Dieser verdammte Hundesohn! Ich atmete tief durch, du hast kein Anrecht auf ihn, reiße dich zusammen, ermahnte ich mich. „Kommst du klar, ich weiß meine Handschrift.“ So ruhig ich konnte. „Nein ich kann sie entziffern.“ Er kann tun und lassen, was er will. Finde dich damit ab. Es schmerzte trotzdem. „Nun was hältst du davon?“ und sah mir über die Schulter. „Inhaltlich gut. Aber Raphael, dies ist für Studenten. Doch du drückst dich …“, ich suchte nach dem richtigen Wort, “ … pompös aus, so redet heute niemand mehr. Die Studenten werden zuerst übersetzen müssen, um dann den Text zu verstehen.“ „Dafür habe ich ja, dich! Du sollst es übersetzen, sieh zu, dass es in diese Hohlköpfe hineinpasst. Ich vertraue dir da ganz, schließlich hast du es bei Max und den anderen auch geschafft.“ „Wie oft noch, ich habe ihnen lediglich einige Bücher gegeben.“ „Und was noch?“ fragte er eindringlich. Ich erinnerte mich an die Vorhaltungen, die Raphael den Studenten gehalten hatte. „Wie meinst du das?“ entgegnete ich spitz. Angespannt sah er mich an. „Nichts, schon gut!“ Raphael wandte sich ab und hob weitere Papiere auf. Seufzend setzt ich mich, „Ich soll also alles umschreiben?“ „Ja, aber erledige das später, ich möchte mit dir deine Recherchen durchsprechen.“ Nach drei Stunden verstand ich die Studenten, nichts war ihm gut genug. Er mäkelte an allem herum. Dann endlich hatte ich die Nase voll. „Ich kündige! Fristlos!“ ließ ihn stehen und ging hinunter zu Gab. Raphael folgte mir auf den Fuß. „Was soll das heißen, du kündigst!“ fuhr er mich an. Gelassen sah ich ihn an, „Da du sowieso und überhaupt, immer und allezeit recht hast! Mein Lieber! Kannst du den Mist auch allein erledigen. Das soll heißen! MACH DEINEN KRAM ALLEIN!“ und strebte flüchtend mein Zimmer an. Ich rechnete jeden Augenblick mit einem Wutausbruch. „Entschuldige! Du hast recht, ich verspreche dir, mich zu bessern.“ Langsam drehte ich mich um, kaum zu glauben. Hatte ich richtig gehört? „Wie bitte!“ „Was! Soll ich es dir auch noch schriftlich geben?“ erbost fuchtelte Raphael mit seinen Händen. „Ja!“ verlangte ich grinsend. Raphael drehte sich auf den Absatz um, verschwand die Treppe hoch, „Siehst du, Gabriel! So schnell wird man arbeitslos!“ „Meinst du! Warte es ab, manchmal überrascht Raphael selbst mich noch!“ meinte er. Raphael kam wütend die Treppe hinunter gesprungen und wedelte mit einem Blatt Papier, das er mir dann unter die Nase hielt, „Hier reicht dir das?“ fauchte er mich an. Unglaublich aber wahr. Ich hatte es schwarz auf weiß. Damit ging ich hinauf und klebte es an die Wand direkt hinter dem Schreibtisch. Und begutachtete stolz mein Werk. „Du bist unmöglich!“, kommentierte, Raphael lachend mein Handeln. Nun ließ es sich besser mit ihm arbeiten. Obwohl er hundertprozentigen Einsatz erwartete. Doch damit konnte ich umgehen. Es fing sogar an Spaß zu machen. Gegen 17Uhr entließ er mich, um kurz darauf abzufahren. Eigentlich wollte ich noch weiterarbeiten, doch nachdem ich alle persönlichen Spuren aus Raphaels Zimmer getilgt hatte, ließ ich mich erschöpft auf das Sofa im Wohnzimmer fallen. „Und was machen wir zwei mit dem angefangenen Abend?“ erkundigte Gab sich. „Gab, ich bin total fertig!“ und rieb mir den Nacken, er setzte sich hinter mich und massierte mir die Schultern. „Du bist ganz verspannt, Kleines! Heute darfst du früh ins Bett. Aber ab Morgen plane ich unsere Freizeitgestaltung. Einverstanden?“ ich versprach es ihm, eingelullt von seinen sanften Händen, die meinen Nacken massierten. Und das tat er auch! Es fing in der Mittagspause an, kurz bevor wir schlossen stand er im Laden. Vollgepackt mit chinesischem Essen, „Ich habe einmal quer durch die Karte bestellt!“ verkündete er lachend. Während Sue auf Gab zustürmte, ihn ein liebes riesiges Baby betitelte. Um ihm sodann die Tüten aus der Hand entwendete. Am Abend gingen wir ins Kino, und anschließend bummelten wir durch die Geschäfte. Die folgenden Tage ließ er sich ständig etwas Neues einfallen. Nur am Freitagabend wollte ich unbedingt mit Sue zu Toni. Nachdem Gab mir berichtete die Treffen seien für diese Woche verschoben worden. Gab willigte ein, aber erst musste ich mit ihm nochmals shoppen gehen. Dies gestaltete sich diesmal ruhiger. Der Abend bei Toni zog sich länger hin, als es üblich war. Sue hatte ihren freien Samstag, wie immer erschien Niklas, um Sue abzuholen. Gab war bereits da und wir verquatschten uns. Toni schloss irgendwann die Pizzeria und gesellte sich zu uns. Erst behandelte er, Gab zurückhaltend, doch Gabs Charme und Freundlichkeit konnten auch Männer nicht widerstehen. Niklas und Sue erzählten von ihren Tanzstunden, kurzerhand führten sie ihre neu erlernten Fähigkeiten vor. Niklas beschwerte sich über Sue, da sie ständig versuchte das Zepter in die Hand zu nehmen. Gabriel und Toni gaben Niklas scherzhafte Tipps, wie er Sue führen sollte. „Dann ihr, Oberschlauen versucht es selbst!“ ließ er sich missmutig auf den nächsten Stuhl nieder. Dies ließen sie sich nicht zweimal sagen. Gab war ein ausgezeichneter Tänzer, auch Toni machte eine gute Figur. Sie wirbelten Sue abwechselnd wie eine Puppe durch das Restaurant. Während sie Niklas ärgerten. Auch mich verschonten sie keineswegs. „Lass dich einfach führen.“ Meinte Gab voller Vertrauen, er kannte meine Schwierigkeiten noch nicht. „Es sind deine Füße!“ Warnte ich ihn vor. Doch erstaunlicherweise konnte ich mit Gab einigermaßen gut tanzen. Es war sogar ein Vergnügen. Obwohl ich mir wie vorkam, als hätte ich gerade einen Stock verschluckt. „Das musst du mir beibringen, Gab!“ So bekam ich meine erste Tanzlektion. Erhitzt und angeheitert vollführten meine Füße, noch auf der Heimfahrt die neu erlernten Schritte. In der Hütte legte ich direkt eine CD ein und bat ihn um einen Tanz. Ergeben erfüllte Gab, mein betteln. „Diese Drehung, zeig mir noch mal, wie das geht!“ forderte ich ihn auf. „In Ordnung aber dann ist Feierabend!“ „Das eine Lied noch, Bitte!“ Gab verdrehte die Augen, „Ich, habe ein Ungeheuer erweckt!“ nahm aber lachend die Tanzhaltung ein. Wieder und wieder übten wir diese Drehung, bis Gab sich weigerte. „Nur einen Tanz! Bitte Gab! Von mir aus ohne die Drehung. Man soll doch, mit einem Erfolg aufhören, zu üben!“ überredete ich ihn. „Na gut, du Quälgeist! Doch diesmal werde ich dir keine Hilfestellung geben. Wir tanzen in einem durch.“ Ich trat ihn auf dem Fuß, „Weiter!“ befahl er mir, und es klappte ganz gut. „Danke, du bist ein Schatz!“ Gab verbeugte sich galant. „Für dich immer, Kleines!“ ich nahm die Gläser und die Flasche Wein, um sie wegzuräumen und Gab ging zum CD-Regal. Erschrocken blieb mir die Luft weg. In der dunklen Ecke der Treppe stand Raphael mit vor der Brust verschränkten Armen. Ich erkannte nur das Funkeln in seinen Augen. „Hallo!“ begrüßte ich ihn, mühsam Atem holend. Schweigend ging er in sein Zimmer hinauf. „Was war das?“ und sah Gab ratlos an. Gab zuckte die Achseln, „Keine Ahnung. Vielleicht hatte er einen schlechten Abend.“ Am nächsten Tag schlief ich gründlich aus. Mittags drängte Gab zum Aufbruch, außerdem sollte ich eines der Neuen Kleider mitsamt den dazugehörenden Kram mitnehmen. Er schleppte mich zu einem Schönheitssalon, dort feilten, schnitten und zupften sie stundenlang an mir herum. Zu allem Überfluss musste ich das Kleid anziehen. Als ich dort endlich herauskam, giftete ich Gab an das ich kein Modepüppchen sei. Ich erkannte mich selbst kaum wieder. Während ich ihn ausschimpfte, ging eine Veränderung durch Gab. Angespannt sah er auf die gegenüberliegende Straßenseite. Ich folgte seinem Blick, dort stand unverkennbar Ben. „An ihn habe ich gar nicht mehr gedacht!“ ich nahm Gabs Hand. Schutzsuchend schmiegte ich mich an ihn. „Er hat dich nicht vergessen! Im Moment zeigt er sich des Öfteren, irgendetwas führt er im Schilde.“ Er drückte mich an sich, „Aber von einem Nephilim lassen wir uns die gute Laune nicht verderben! Solange du in meiner Nähe bist, kann er nichts unternehmen.“ Beruhigend grinste er mich an. „So, jetzt lass dich anschauen, du siehst wunderschön aus, Claire.“ Ich verzog das Gesicht, „Aber Gab ein Kleid!“ und sah an mich herunter. Die Bemerkung überhörte er absichtlich und begutachtete meine Beine, „Jede andere Frau wäre zu frieden, wenn sie so aussehen würde! Ich muss es dir noch einmal sagen du siehst umwerfend aus. Erlaubst du mir, dich auszuführen?“ schmeichelte er, nahm galant meinen Arm und setzte wie gewohnt seinen Willen durch. Wir fuhren aus St.Paul heraus. In dem Restaurant, das er zielstrebig ansteuerte, war ich noch nie. Flüsternd meinte ich zu Gab, es wäre zu fein für mich. „Du spinnst für jedes Lokal bist du eine Bereicherung, schau dich doch um. Alle Männer beneiden mich. Die Damen suchen einen Makel an dir und finden keinen, wie du an ihren Gesichtern ablesen kannst. Sei ein liebes Mädchen und zeig mir dein Lächeln.“ Nach so vielen Komplimenten konnte ich gar nicht anders. Verstohlen schaute ich mich um, „Die haben ja eine Tanzfläche!“ einige Paare bewegten sich nach der Musik, die gedämpft zu uns herüber schwappte. Gabriel spielte den perfekten Herzensbrecher, kein einziges Mal ließ er den Blick nach anderen Frauen schweifen. Obwohl so manche versuchten seine Aufmerksamkeit zu erringen. Belustigt darüber lästerten wir über die Damen, aber auch die Herren ließen wir nicht außer Acht. Eine schien es besonders auf Gab abgesehen zu haben, zum dritten Mal flanierte sie jetzt schon an unseren Tisch vorbei. Jedes Mal warf sie Gab einladende Blicke zu. „Pass auf, wenn sie gleich zurückkommt, springt sie dich an. Soll ich dich retten oder diskret verschwinden?“ „Retten natürlich! Ihr Begleiter scheint nicht aller Beste Laune zu sein!“ grinste er. „Bei einer solchen Schönheit!“ musste ich ehrlich zugeben, „dann ist er wahrscheinlich ein Sauertopf, und nun sucht sie einen aufregenden Mann, der ihr die restliche Nacht versüßt.“ Prophezeite ich kichernd. Gab versuchte den Tisch der Dame auszumachen, aber vergebens. Da die Tische in Nischen standen, die halbrunden Bänke getrennt durch Blumenregale, war kein Einblick auf den Tisch der Dame möglich. „Der Kerl schräg links zieht dich gerade mit seinen Blicken aus. Wirklich unanständig!“ einen Moment trat auf Gab der konzentrierte Ausdruck ins Gesicht, den ich inzwischen gut kannte, höhnisch auflachend feixte er. „Ha, damit hat er für die nächsten Abende genug zu tun. Der wird so schnell nicht mehr seine Blicke schweifen lassen!“ „Was hast du getan?“ „Ich habe ihm ein paar Bilder gezeigt, mehr nicht.“ Und zeigte mir seine Unschuldsmiene. In dem Moment sah ich die erwähnte Dame. „Pass auf, da kommt sie. Es scheint sie hat einen Entschluss gefasst, ich glaube sie wird vor unseren Tisch in Ohnmacht fallen. Dann solltest du sie nach ihrer Erwartung, nach Hause begleiten. Flugs schnappt die Falle zu.“ Entsetzt nahm Gab meine Hand und zog sie an sein Herz, mit der anderen umarmte er mich fest. „Schau mir in die Augen, Kleines. Aber flott und vergiss nicht mich zu betören.“ Gluckste er mir ins Ohr. Ich tat wie befohlen, da ich nur blaue Augen sah, konnte ich nicht sagen, was passierte. Denn in diesem Moment wurde es schlagartig still im Restaurant. Wir wendeten unsere Köpfe gleichzeitig, ich erwartete tatsächlich eine vorgetäuschte Ohnmacht. Allem Möglichen habe ich entgegengesehen, nur das nicht! Ein völlig verdatterter Raphael stand vor uns, er stierte uns mit kalkweißem Gesicht, äußerst Zornig an. Der Mann von schräg links verließ flüchtend das Lokal. Sich immer wieder ängstlich nach Raphael umsehend. Dabei versicherte er Raphael ängstlich, „Ich habe nichts getan, absolut nichts!“ Fassungslos beobachtete ich den Mann, der mit angstverzerrtem Gesicht, das Weite suchte. Seine Begleitung saß stocksteif da und sah dem Mann baff hinterher. Raphael hatte keinen Blick für ihn übrig, sondern starrte uns immer noch drohend an. Während die Dame immer noch vor unseren Tisch weilte und Raphael mürrisch ansah. „Was treibt ihr hier?“ verlangte Raphael grob zu wissen, uns wütend durchbohrend. Bevor wir antworten konnten, fragte die Dame, „Raphael du kennst die Herrschaften?“ und sah aufreizend zu Gab hinüber. „Aber ja!“ antwortete Gab zuvorkommend Raphael ignorierend, „darf ich vorstellen, meine Gefährtin Claire und mein Name ist Gab, sie sind?“ forderte er sie auf Platz zu nehmen. Das tat sie eilig an Gabriels Seite. „Ich bin Kate!“ stellte sie sich Gab vor, anscheinend war ich für sie unsichtbar. „Raphael willst du dich zu setzen oder weiter im Wege stehen bleiben.“ Fragte Gab amüsiert nach, ohne ein Wort nahm er neben mir Platz. „Ich brauche einen Drink!“ und griff nach meinem alkoholfreien Flip, kippte ihn in einem Zug hinunter. Angeekelt stellte er das Glas ab. „Mit was vergiftest du dich?“ und gab dem Kellner ein Zeichen, bestellte nach einem kurzen Blick auf Gab zwei doppelte Whisky und für mich noch einmal dasselbe. Kate räusperte sich, dann erkundigte er sich was sie trinken wolle, Raphael nickte dem Ober zu. Gab erkundigte sich bei Raphael, was für eine Laus ihm über die Leber gelaufen sei. Nach dem Blickwechsel, der beiden zu schließen tauschten sie sich in Gedanken aus. Gab belustigt nahm mich fester in den Arm. Während Raphael erstaunt Gab ansah, schließlich aber schmunzelnd den Kopf schüttelte. Was Kate mit einem missbilligenden Blick notierte, wandte sie sich an Raphael. „Denk daran du, musst fahren und zwei Gläser Wein hast du schon getrunken.“ Ermahnte sie ihn. Ein kalter grüner Blick schoss über den Tisch, als Raphael ihr antwortete. „Ich gebe dir Geld für ein Taxi, Claire du nimmst mich mit nach Haus? Oder?“ „Sicher, aber wir haben noch nicht gegessen …“ „Außerdem Raphael,“ unterbrach mich Gab, „wollen wir das Tanzbein schwingen.“ „Ich tanze für mein Leben gern!“ säuselte Kate Gabriel zu. „Ein Abend zu viert?“ schlug Raphael vermittelnd vor. Fragend sah Gab mich an, mir war es gleich. Hauptsache ich konnte mit ihm üben. „Na denn!“ prostete er Raphael zu, bevor er trank. „Du fährst?“ zustimmend nickte ich. „Wie schön! Gab dann lass uns das Tanzbein schwingen!“ forderte Kate. „Da musst du noch warten, Kate. Denn der erste Tanz gehört, meiner Kleinen, und wie ich sie kenne, geschieht das, nachdem wir gegessen haben.“ Sah Gab mich durchdringend an, ich spielte mit und bestätigte seine Aussage. Danach versuchte Kate, Raphael zu einem Tanz zubewegen. „Ich habe dir vorhin schon deutlich zu verstehen gegeben. Ich habe keine Lust zu tanzen.“ Erwiderte er barsch. „Raphael!“ entfuhr es mir, auch wenn er schlecht gelaunt war und mir diese Kate auf die Nerven ging. Dieses Verhalten fand ich unkorrekt. Seufzend murmelte er eine Entschuldigung und sah mich anklagend an. Dem Kellner gab er einen Wink sein Glas zu füllen. Ich ließ mir nicht die gute Laune verderben, nach dem Essen gingen wir tanzen. Gab wartete, bis sie langsamere Musik spielten. „Denk daran, lass mich führen!“ flüsterte er mir ins Ohr. Ich war mir bewusst, Kate und Raphael beobachteten uns. Ich wollte mir unter keinen Umständen die Blöße geben, und Gabriels Füße malträtieren. Nach dem ersten Tanz lobte er mich. Und mit jedem Weiteren fühlte ich mich sicherer. Atemlos kehrten wir zu unserem Tisch zurück, Kate und Raphael schwiegen sich an, erst als wir saßen, gab Raphael seine gelangweilte Miene auf. Gab tanzte mit Kate indessen erklärte Raphael mir gönnerhaft wie stolz er auf Gab sei. Das er mich gesellschaftlich so gut formte. Schade das das Besteck inzwischen abgeräumt wurde, ein Messer oder eine Gabel in Raphaels Handrücken musste ihm doch äußerst gut stehen. Während ich noch weitere blutige Bilder heraufbeschwor, kehrten Kate und Gab zurück. Die Anspannung zwischen Raphael und Kate ließ nach und auch ich ließ von meinen Mordgelüsten ab. So wurde es ein recht amüsanter Abend. Wenn man bedenkt das Kate mich wie Luft behandelte. „Einen Letzten? Bevor wir fahren, Kleines?“ fragte Gab mich, was für eine Frage! Als die Musik noch langsamer wurde, kehrten wir zum Tisch zurück, ich wartete wie zuvor, dass Raphael aufstand damit ich mich setzen konnte. Aber er sah mich nur seltsam an, bis er sich endlich erhob. Er nahm meine Hand und führte mich bestimmend zur Tanzfläche, das wütende Aufschnaufen Kates ignorierend. Extrem langsam zog er mich an sich, fuhr sacht meine über meine Wange und hob mein Kinn an. Lächelnd funkelte Raphael mich an. „Der letzte Tanz gehört mir!“ stellte er sachlich fest und nahm mich eng umschlungen in die Arme. Gott das hatte er drauf! Mein Herz schlug rasend, Schmetterlinge tanzten in meinen Eingeweiden. Wie konnte man diesem Engel nur widerstehen? Ich war ihm hilflos ausgeliefert. Er ließ mich auch nicht los, als der Tanz endete, und geleitete mich zum Tisch zurück. Kate sah mich rachsüchtig an. Und wandte sich dann Gab „Und was machen wir zwei Verlassenen?“ verführerisch strahlte sie ihn an. Gab erwiderte, „Wir? Ich bin mit Claire hergekommen und fahre auch wieder mit ihr.“ „Bist du blind“, keifte sie, „deine angebliche Gefährtin hat sich gerade einen neuen Betthasen zugelegt …“, weiter kam sie nicht. Denn Gabriel, wie auch Raphael bedeuteten ihr zu schweigen. „Vorsicht Kate, du kannst mich beleidigen oder beschimpfen. Aber an Claire vergreifst du dich nicht!“ leise fast spielerisch sprach Raphael die Worte aus. Doch die Drohung die dahinter steckte war unüberhörbar. Beschwichtigend legte ich meine Hände auf den Schultern der Engel. Freundlich wandte ich mich an Kate, „Du irrst dich, wenn du denkst, Raphael sei mein neuer, wie drücktest du dich gerade aus?“ ich legte meinen Finger überlegend auf meinen Mund, „ah ja, Betthase! Raphael war und ist mein Betthase sowie auch Gab! Also wenn hier einer, eine Szene machen darf, dann wohl ich! Denn du vergreifst dich an meine Betthasen!“ lächelte ich sie an. Ah, es tat gut, diesem Miststück einen kleinen Seitenhieb zu verpassen. Schnippisch stand sie auf, wagte aber nicht, mir noch etwas zu sagen. An Raphael gewandt, „Das war es dann! Mir ist einiges klar geworden! Ich habe es nicht nötig die zweite Geige zu spielen.“ Und rauschte davon. „Ein gelungener Abgang, muss ich ehrlich zugeben!“ kommentierte Gab. „Dürfen deine Hasen noch einen trinken oder gelüstet dich unser Bett.“ Grinste er mich schelmisch an. „Bitte tut euch keinen Zwang an!“ das gab den Ausschlag. Ich bereute es nach zwei Stunden, so großzügig mein Einverständnis gegeben, zu haben. Inzwischen waren wir die einzigen Gäste und ich bemühte mich, die Engel zum Aufbruch, zu bewegen. Der Kellner warf mir einen mitleidigen Blick zu, bevor er Raphael diskret eine Flasche reichte. „Halte deine schamlosen Gedanken im Zaun oder ich steige dir aufs Haupt!“ zornentflammt ließ er seine ganze Macht den armen Kellner spüren. Entsetzt zog der Mann sich zurück. „Raphael bist du verrückt! Komm, Gab ist schon draußen!“ ich schob und drückte ihn in Richtung Ausgang. Bockig blieb er immer wieder stehen. So hatte das keinen Zweck, vor allen Dingen da ich Gab draußen grölen hörte. Verzweifelt versuchte ich es mit Vernunft, „Raphael, sieh mich an!“ und nahm sein Gesicht zwischen meine Hände. „Das tue ich Claire! Ich sehe dich immer nur an.“ So betrunken konnte er gar nicht sein, wenn er immer noch Akzente setzen konnte. „Gut Raphael sehr gut, und nun lass uns nach Hause fahren, ja!“ „Und dann, Claire?“ „Bringe ich dich ins Bett!“ „Und du bleibst die Nacht bei mir, in meinen Armen?“ er torkelte und ich hielt ihn nur mit Mühe fest. „Ja, sicher, nur komm jetzt endlich.“ Gab grölte immer lauter, wenn er so weiter machte, würden die Beiden die Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbringen. Wer weiß, was sie dort anstellten. Ich sah schon die Schlagzeilen, zwei volltrunkene Engel auf der Flucht. Raphael sträubte sich nicht länger, ich konnte ihn schnell ins Auto verfrachten. Erst als Gab begriff, das Raphael Nachschub bei sich hatte, stieg er zu Raphael in den Wagen. Wir waren erst eine halbe Stunde unterwegs. Da wollten sie, das ich an einem Store anhielt, um eine weitere Flasche zu besorgen. Beruhigend redete ich auf sie ein, dass wir gleich zu Hause wären. Während ich mir ausmalte, dass sie an einer Alkoholvergiftung starben. Ging das überhaupt! Nervös lachte ich auf. Was sollte ich nur mit den beiden anfangen. Überrascht sah ich nach hinten, weil sie so still waren, und befürchtete das Schlimmste. Doch sie schliefen, die Köpfe nach hinten geneigt mit offenen Mündern. Schliefen sie ihren Rausch aus. Erst wollte ich sie einfach im Wagen schlafen lassen, doch wusste ich nicht, was sie anstellen würden, sobald sie aufwachten. Das stellte mich vor einer unangenehmen Aufgabe. Zuerst weckte ich Gab, lächelnd ließ er sich erstaunlich schnell von mir ins Bett stecken. Ich zog ihm die Schuhe aus, bevor ich ihn zudeckte. Die gleiche Prozedur gedachte ich, bei Raphael durchzuführen. Auch er ließ sich aus dem Wagen helfen. Die Treppe, vor der ich die größte Angst hatte, brachten wir ohne Weiteres hinter uns. Raphael konnte wenigstens soweit denken und sich am Geländer festhalten. Doch da er nun die Hände freihatte, fing er an mich an sich zu ziehen. Endlich schaffte ich es, ihn auf das Bett zu legen. Dann begab ich mich zum Fußende und zog ihm ebenfalls die Schuhe aus. Doch leider lag er auf seine Bettdecke. Ich stiefelte zur anderen Seite des Bettes und warf die Decke zu ihm hinüber, dann wieder herum. Während ich mich über Raphael beugte und die Decke ergriff, schnellten zwei Arme hoch und zogen mich ins Bett. „Raphael!“ schalt ich ihn. Zwei überraschend klare grüne Augen sahen mich an. „So betrunken bin ich auch wieder nicht, als das ich nicht bemerke das ein hübsches Weibsbild mich, zur Ruhe bettet.“ Er sah mich glühend an, und drehte sich mit mir. So das ich halb unter ihm lag. „Jetzt löst du dein Versprechen ein!“ Zappelnd versuchte ich mich, zu befreien. Doch Raphael scherte sich keinen Deut darum. Im Gegenteil es amüsierte ihn königlich. „Wie lange willst du strampeln? Bis dir klar wird, dass es dir nichts nützt? Oder ich dich aus einem anderen Grund zum Pulsieren bringe?“ und liebkoste neckisch meinen Mund. „Du wirst mich sofort loslassen, Raphael!“ forderte ich ihn auf. „Du wirst dich an dein Versprechen halten!“ meinte er stur. „Welches Versprechen?“ „Das du die Nacht in meinen Bett verbringst! Genauer gesagt in meinen Armen.“ „Aber, das war … das kannst du doch nicht für dich ausnutzten.“ „Sicher werde ich das! Und nun mein Schatz werden wir es uns gemütlich machen.“ Bevor ich mich auch nur rühren konnte, lag Raphael nackt neben mir. „Nun zu dir, du hast für meinen Geschmack etwas zu viel an. Wo wird das Kleid geöffnet? Hm, vorne wie aufregend!“ Langsam öffnete Raphael den ersten Knopf, einen nach dem anderen folgte. Glühend sah er mich dabei an, mein Herz raste wie verrückt. Ein inzwischen bekanntes Ziehen in meinen Leib meldete sich zu Wort. Als ob Raphael meine Erregung spürte, lachte er siegesgewiss auf. „Nur einen Kuss Claire. Dann kannst du gehen!“ „Wirklich?“ „Wenn du dann noch willst, ja!“ „Na gut!“ und gab ihn einen Kuss auf die Wange. „Jetzt lass mich gehen.“ Verhalten grinste er mich an. „Netter Versuch, aber ich habe von einem Kuss geredet!“ langsam neigte er sein Gesicht ich sah in mit großen Augen bittend an, es nicht zu tun, „Nein Claire ich möchte einen Kuss. Nur einen!“ warb Raphael, bevor er meinen Mund verschloss. Noch lange lag ich wach, in meinem Bett, auf der Seite liegend die Knie an den Bauch gezogen. Die Hände zwischen die Schenkel gepresst meine Gefühle unterdrückend. Ich hatte noch nicht einmal bemerkt, dass Raphael mich die Treppe herunter trug. Erst als er mich vor Mikes Zimmer abstellte und seine Lippen von mir löste. Bemerkte ich, wo ich war. Anstatt sofort in mein Zimmer zu flüchten, lehnte ich mich gegen Raphael. Hielt meine Hände fest in seinem Nacken umklammert. Aufseufzend drückte Raphael mich mit seinem Körper gegen die Tür. „Geh, bevor ich mich vergesse!“ und drückte die Klinke hinunter dann löste er meine Hände. Schob mich sacht aber unwiederbringlich in die Sicherheit von Mikes Zimmer. Bevor er die Tür schloss, sah er mich fest an, ich versank in seinen funkelnden Blick. „Claire es war nur ein Traum, ein schöner intensiver Traum.“ Nun lag ich wach, bestürmt von ungestillten Begehren und überlegte, was in drei Teufelsnamen ich geträumt hatte. Gab stellte mir einen Kaffee vor die Nase. Auch er grinste mich an, wie zuvor Raphael als ich total verkatert aus Mikes Zimmer kam. Ich wollte mir eigentlich nur etwas Wasser holen aber die beiden saßen am Frühstückstisch und grinsten mich blöde an. „Seid ihr noch betrunken oder wie soll ich euer Grinsen deuten?“ ignorierte den Kaffee und ging erst mal zurück ins Bad. Typisch, anstatt sie mir sagten, das ich aussah wie wer weiß wie, amüsierten sie sich darüber, und wusch mir die Reste des Make-up ab. Sie sollten sich lieber in Grund und Boden schämen. Ungeduldig entfernte ich die Haarklammern und bürstete das Haarspray aus. Das ging einigermaßen und band mein Haar zusammen. „Ah, Kleines jetzt kannst du auch Besuch empfangen!“ „Sicher, welches hohe Tier kommt denn!“ fragte ich scherzhaft, da ich annahm er verkohlte mich. „Eine besondere Freundin von Raphael!“ klärte mich Gabriel auf. „Kate?“ entfuhr es mir entsetzt. Ich sah mich nach Raphael um, doch der Herr glänzte durch abwesenheit. Da wurde auch schon die Tür aufgerissen. „Da sind wir! Wie könnt ihr nur in dieser Kälte leben?“ eine drahtige junge Frau brandete herein. Sah mich an, sondierte mich kurz und lachte mich an. „Gabriel, du Schwerenöter, ich schulde dir was! Hallo ich bin Myriel! Die langsamen alten Herren hinter mir sind Uriel und Kayle, der Letztere ist mein Mann. Wo steckt Raphael?“ Wie ein Wirbelwind, nahm sie die Hütte in Besitz. „Bekomme ich auch einen Kaffee? In dieser Kälte das einzig Vernünftige!“ Gab füllte eine Tasse, „Für dich habe ich nur Baldrian!“ sofort war sie bei ihm. „Myriel, was soll Claire von dir denken?“ erkundigte sich ein sanft aussehender Mann, ich nahm an, dass auch er ein Engel war. Der andere war auf jeden Fall einer. Der Erstere stellte sich nochmals vor, es war Kayle der Mann vom Wirbelwind. Uriel nickte mir zu, hielt sich jedoch zurück und beobachtete das Geschehen. „Claire ist schon in Ordnung! Sie versteht das, und du, stelle dich nicht so an.“ „Ich muss mich für mein Weib …“ Myriel ließ Kayle nicht aussprechen, „wenn du dich jetzt für mich entschuldigst, trete ich dir vors Schienbein. Es ist so, Claire! Ich konnte mir das Gesülze, von dem da …“, deutete, auf Gab. „…Und Mike nicht mehr anhören. Wie sie dich über den Klee hinaus lobten. Al erwies sich als ebenso hormongesteuert. Nur aus Raphael bekam ich keine konkrete Antwort. Das machte mich stutzig. Und dieser Bastard hat mit mir gewettet“, wiederum war Gab gemeint. „Jetzt schulde ich ihm einen Gefallen.“ „Worum habt ihr gewettet?“ und bedachte Gab mit einem strengen Blick. „Gabriel behauptete ich, würde dich sofort mögen! Nur das konnte ich mir nach allem was ich von dir gehört habe einfach nicht vorstellen. Er aber beharrte darauf und verflixt noch mal, er hat Recht.“ „Aber du kennst mich doch gar nicht!“ entgegnete ich. „Das ist einfach zu erklären, ich sehe einen Menschen und entweder ich mag ihn oder nicht.“ Sie zuckte mit den Achseln, „so und wo ist nun Raphael?“ sie sah die Treppe hinauf. Und dort stand der Gesuchte. „Kannst du mir erklären was du hier, zu suchen hast?“ streng sah er auf Myriel hinab, diese vorher sehr forsch, suchte nun Deckung bei ihrem Partner. Sie duckte sich förmlich unter Raphaels Blick. Er kam langsam die Treppe herunter und ließ sie keine Sekunde aus seinen drohenden Augen. Weder Kayle noch ein anderer der anwesenden Engel nahm Myriel in Schutz. Entschuldigend murmelte sie einzelne Worte. „Habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt, Myriel?“ das reichte, was glaubte er eigentlich, wer er war. Gerade wollte ich Myriel in Schutz nehmen, da ließ mich irgendetwas in seiner Miene innehalten. Ein Zucken um seine Mundwinkel, er sah Myriel zwar mahnend an, aber gleichzeitig lag auch der Schalk in seinen Augen. Ich sah kurz zu Gab hinüber, ihn konnte ich besser einschätzen, Gab lehnte völlig entspannt und amüsiert, am Küchenschrank. Inzwischen hatte Raphael sich vor Myriel aufgebaut, sie lächelte Raphael nun an und umarmte ihn herzlich. Raphael erwiderte die Umarmung und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Kannst du dein Weib nicht unter Kontrolle halten, Kayle?“ begrüßte er ihn freundlich und nickte dem anderen verhalten zu. Myriel knuffte Raphael in die Seite, „Du bist selbst Schuld daran! Warum hast du mir auch keine Auskunft gegeben. Immer höre ich nur Claire hier, Claire da. Nun kann ich mir selbst ein Urteil bilden. Und wenn du mich jetzt, nach Hause schickst. Werde ich dir sämtliche Frauen auf den Hals schicken! Ich bin nur die Vorhut!“ Verzweifelt seufzte Raphael auf, „Womit habe ich das nur verdient? Bisher hattet ihr keine Schwierigkeiten, zu warten. Ihr alle wisst, wie es ist. Ich denke Claire hat die gleichen Rechte, die ihr auch hattet. Lasst sie doch erst einmal einen Partner finden und dann werdet ihr die Gelegenheit, haben sie kennenzulernen.“ „Sicher Raphael, aber sie wird ja, von euch auch bevorzugt behandelt. Also können wir ebenfalls eine andere Vorgehensweise beanspruchen.“ Meinte sie und schaute Raphael unschuldig an. „Das hast du dir gut ausgedacht, Myriel.“ Grinste er sie an, jedoch war er damit keineswegs einverstanden, dies sagte er ihr auch in aller Deutlichkeit. „Und was hast du für eine Ausrede?“, wandte er sich Uriel zu. „Keine, ich bin nur hergekommen, weil ich überlege, mich in den Reigen der Bewerber, anzuschließen.“ Uriel sah zu mir herüber, nickte mir zu, „und ich habe meinen Entschluss gefasst, du kannst mich als ernst zu nehmenden Kandidaten vermerken.“ Gabriel trat vor und sah Uriel überrascht an, „Du willst tatsächlich eine Bindung eingehen?“ „Ja Gabriel!“ dieser starrte immer noch Uriel an, als hätte er, einen rosa Elefanten auf der Schulter sitzen. „Aber Uriel, noch nie hast du ein Wort darüber verloren. Nicht einmal ansatzweise. Woher kommt dieser Sinneswandel?“ wollte Gabriel wissen. Uriel zuckte die Schultern. „Nenn es eine Eingebung. Es ist ein Gefühl, wie Myriel schon sagte. Wird diese Kandidatin besonders behandelt, dann muss sie auch etwas Außergewöhnliches sein. Wenn Mike und du von Ihr redet, es ist da etwas, das eure Augen leuchten lassen.“ sein Blick huschte zu Raphael, „ja, und unser Freund, Gab! Verhielt sich ungewöhnlich still, wenn es sich um diese Dame handelt.“ Er betrachtete mich intensiv, mein Mageninneres zog sich zusammen. Dieser Engel hatte eindeutig etwas. Verlegen wandte ich den Blick ab, doch zuvor sah ich wie ein Lächeln in seinen Augen aufleuchtete. Er verneigte sich leicht, „und nun da ich sie mit eigenen Augen gesehen habe. Weiß ich, Claire ist etwas Besonderes! Warum also fragst du mich?“ „O.k., wenn du es aus dieser Sicht siehst. Doch du weißt, dass wir kaum eine Chance haben, denn die Engel haben das Vorrecht.“ Das kam mir nun aber seltsam vor, waren sie nicht alle Engel? Das hinterfragte ich auch. Und wie üblich bekam ich keine klare Auskunft. Uriel verabschiedete sich bald darauf, „Wir sehen uns Claire! Und bitte treffe deine Entscheidung nicht allzu schnell!“ Die Worte, sowie der Blick, den er mir zuwarf halten in meinen Eingeweiden nach. Worauf Raphael schnaubend ihn mehr oder weniger hinauskomplimentierte, da er als Bewerber bitte, zu warten habe, bis er an die Reihe war. Genauso schnell verabschiedete er Kayle und Myriel. Doch zuvor nutzte Myriel die Gelegenheit, mich für ein Wochenende einzuladen. „In vierzehn Tagen! Dann kommt auch Mike zu Besuch. Ich werde ihm sagen, das ihr kommt!“ womit sie Raphael die Gelegenheit nahm, abzusagen. Nachgebend bestätigte er die Einladung. Grinsend lachte Gab und sang ein Liedchen dazu, „ Pack die Badehose …“ während Raphael, die Augen verdrehte und mich aufklärte. „Myriel und Kayle wohnen in Florida direkt am Strand.“ Gab, der sich weiterhin freute, „ja und dort gibt es genug Beute für einen armen einsamen Engel! Eines sage ich dir gleich Raphael, du wirst dich um Claire kümmern.“ Herausfordernd wippte er auf seinen Füßen. Raphael schmunzelte, „Mike ist auch da! Und wir haben ein freies Wochenende.“ Ich ging in die Küche, nebenbei bemerkte ich, „Engel! Von wegen Engel! Wüstlinge, Frauenhelden; passt besser zu euch! Ihr habt nur das eine im Kopf! Engel, pah, dass ich nicht lache“ ich wandte mich ihnen zu. „Warum sagt ihr nicht gleich das ihr es satthabt, auf mich aufzupassen! Es gibt doch auch eine andere Möglichkeit, wie habt ihr denn die anderen Frauen geschützt?“ Ich war wirklich sauer, sie sprachen über ihre aufgezwungene Enthaltsamkeit! Dabei kam ich mir wie ein ungebetener Gast vor. Ich redete mich weiter in Rage. „Aber betrunken kann ich euch durch die Gegend kutschieren.“ Wütend sah ich sie an, betreten erwiderten sie meinen Blick. „Habe ich darum gebeten? Wollte ich hierher ziehen und besonders behandelt werden? Habe ich von euch verlangt, wie eine Modepuppe ausstaffiert zu werden? Was soll das eigentlich alles. Uriel und seine Rede! Myriel mit ihren Andeutungen. Aber wenn ich! Eine Auskunft erbitte, übergeht ihr meine Fragen oder sagt mir nur die Hälfte. Haltet ihr mich für blöd? Meint ihr, ich bemerke eure verdrehten Halbwahrheiten nicht, die ihr mir auftischt. Ach, ich habe die Nase voll von euch!“ und lief stinksauer hinaus. Draußen atmete ich ein paar Mal tief durch. Waren die Beiden wirklich so unsensible Trottel. Verstanden sie nicht, dass sie mich verletzten, wenn sie über ihre zukünftigen Eroberungen prahlten. Ich ging weit ausgreifend zum anderen Ende der Lichtung, denn ich hatte das Gefühl zu platzten. Da entdeckte ich einen Weg, ohne weiter darüber nachzudenken, ging ich darauf weiter. Die Erde unter meinen Füßen war feucht, modrige Luft schlug mir entgegen. Doch das machte nichts, es tat gut zu laufen. Warum war ich eigentlich so wütend, es machte mir doch eigentlich nichts aus, wenn Gab von seinen Eskapaden erzählte. Ja Gab, aber er wollte daran teilnehmen. Das machte mich, so wütend. Ich konnte, wollte es mir unter keinen Umständen vorstellen. Nicht nach diesem erotischen Traum von letzter Nacht, wenn es denn ein Traum war. Und sowieso konnte ich es mir unter keinen Umständen vorstellen. Und etwas anderes machte mir Angst, was sahen die Engel in mir. Uriel hatte es mir verdeutlicht. Doch das, warum gab mir Rätsel auf. Ich war und bin schließlich ein ganz normaler Mensch. Und wie Myriel schon sagte die Vorzugsbehandlung, die ich genoss. Darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Warum auch! Ich bin davon ausgegangen, dass alle Frauen so geschützt wurden. Was also war mit mir los? Was stimmte nicht mit mir? Ich kam zu einer kleinen Lichtung, das Gras noch grau vom Winter. Die Sonne ließ einen Teil der Schneise erstrahlen. Im Schatten fiel mir eine Bewegung auf, als ich näher hinsah, gewahrte ich Raphael, wie er an einem Baum gelehnt stand. Doch da war noch mehr! Ein Reh oder Rotwild ließ sich von ihm streicheln. Mehr noch es hielt Raphael vertrauensvoll den Kopf entgegen. Ich hielt die Luft an, und bewegte mich keinen Zentimeter. „Was machst du hier? Ausgerechnet jetzt!“ warf Raphael mir vor. Ich hielt in der Bewegung inne. Verblüfft über den hartherzigen Ton seiner Worte und erschrocken das ich Raphael hörte als stünde er neben mir. „Ich gehe schon!“ wisperte ich entschuldigend. Raphael gab dem Tier einen leichten Klaps auf die Flanke und es trottete gemütlich in den Wald. Ich hingegen drehte mich auf den Absatz um. „Wo willst du hin?“ schon stand er neben mir. „Deine Worte waren klar genug! Ich werde dich nicht länger belästigen!“ antwortete ich einsilbig. „Meine Worte?“ fragend sah er mich an, dann wechselte sein Ausdruck. Verdutzt zog er die Brauen hoch, doch nur kurz. Schon sah er mich mit unergründlichem Blick an. „Tut mir leid, das war nicht so gemeint.“ So schnell entschuldigte er sich? Irgendetwas entging mir mal wieder. Skeptisch betrachtete ich Raphael er wiederum erwiderte meinen Blick mit gewohnter Pokermiene. „Nun hast du eine Gabe von uns selbst herausgefunden.“ „War das ein zahmes Tier?“ und ging auf das Gespräch ein. „Für mich sind sie alle zahm.“ Sagte er abwesend, irgendetwas schien ihn zu beschäftigen. „Du meinst, jedes Tier lässt sich von euch berühren?“ „Mehr oder weniger! Ja!“ er schaute immer noch in den Wald, wohin das Reh verschwunden war. Da er sich so einsilbig gab, ging ich wieder zurück auf den Weg. Ich hatte das Gefühl, er wolle mit seinen Gedanken allein sein. Außerdem hatte ich nach meinem Traum eine gewisse Scheu mit Raphael allein zu bleiben. Dieser Traum, der so realistisch war. Wenn ich nur daran dachte, wie ich auf Raphaels Zärtlichkeiten reagierte; am liebsten hätte ich mich in ein Mauseloch verkrochen. Zudem kam mein wütender Ausbruch dazu, Myriel und Uriels Anspielungen. Dann Uriel, er hatte etwas an sich, das eine Seite in mir zum Klingen brachte, die ich bisher nicht kannte. Viel mehr konnte bisher nur Raphael diese Gefühle in mir erwecken. Es war einfach alles zu viel, das auf mich einstürzte. „Claire!“ ich drehte mich langsam zu Raphael um. Er sah mich mit unergründlichem Blick an. „Was hältst du von Uriel?“ Ich zuckte die Schultern, „Kann ich nicht sagen, dazu müsste ich ihn kennenlernen.“ „Aber du hast ihn doch gesehen, eine Meinung wirst du doch über ihn haben.“ „Er wirkte ganz nett. Er scheint jemand zu sein der weiß, was er will.“ Ich sah Raphael an, doch er stierte wieder vertieft in den Wald, ich wartete einen Moment. Anscheinend hatte er mich vergessen, ich ging. „Und Gabriel?“ Was sollte das werden, ein Quiz? „Gab, vertraue ich mein Leben an, sagt dir das genug!“ er studierte mich kurz. „Ja, ich glaube schon. Und was hältst du von Raphael?“ er tat es mit Absicht, warum das wusste, wahrscheinlich nur er. „Raphael! Ist undurchschaubar.“ wieder dieser Blick. „Und vertraust du ihm?“ ich überlegte einen Augenblick. „Eine schwierige Frage. Aber ich vertraue Gab und er dir. Deshalb ja!“ Raphael nickte, „Verstehe, das habe ich wohl verdient.“ Er stieß sich vom Baum ab, „Vertraust du mir genug, ich möchte dir etwas zeigen.“ Er blieb erst direkt vor mir stehen, instinktiv trat ich einen Schritt zurück. Raphael lachte kurz trocken auf. „Nein, wahrscheinlich nicht! Wenn Gab, dir so nahe kommt, wendest du dich ihm zu. Wusstest du das. Doch vor mir flüchtest du.“ Er trat zurück. „Du hast eine seltsame Stimmung, Raphael. Ich werde dich keine Sekunde länger stören.“ Denn ich wollte ihm bestimmt nicht erklären, warum ich vor ihm zurückwich. Deshalb sah ich zu, dass ich heimging. Ich hatte gerade die Hälfte des Weges hinter mich gebracht, als Raphael erneut vor mir auftauchte. „Du wolltest wissen, warum du einen besonderen Status besitzt. Zu einem, weil Mike etwas in dir sieht, was er verloren glaubte. Und weil du niemals, auf dieses Leben vorbereitet wurdest. Du musst noch, soviel verstehen lernen.“ Es sah so aus als ob Raphael, dem noch etwas hinzufügen wollte, was er aber unterließ. „Siehst du, das ist es, was ich meine. Du sagst mir nur einen Teil, den anderen enthältst du mir vor. Findest du das in Ordnung?“ zog ich ihn zur Rechenschaft. Er sah mich ernst an, „Glaub mir, das ist letztendlich die Aufgabe deines Partners dich in die Welt der Engel einzuführen.“ Herzklopfend wandte ich mich ab, um mich seiner Macht zu entziehen. Doch egal wohin ich mich wendete, stand Raphael vor mir. „Claire!“ bittend, leidenschaftlich sah er mich an. Ich schloss die Augen, atmete tief durch. Dann sah ich ihn ruhig an, „Nein Raphael, ich habe kein Interesse, mit dir im Bett, zu landen.“ Auf jeden Fall wollte ich keine seiner Eroberungen werden. „Nun gut, ich werde mich dir keineswegs aufdrängen. Ich habe verstanden. Doch solltest du deine Meinung ändern. Du weißt, wo du mich findest.“ Lächelte er feurig, ich verdrehte die Augen. Würde er denn niemals aufgeben? Warum fragte ich mich, nur weil ich keine leichte Beute war und er mich nicht zu seinen Eroberungen zählen konnte. „Nein nicht nur deshalb!“ lächelte er nun verhalten. Mein Gott, warum nur musste er gerade jetzt dieses Lächeln aufsetzen. Fasziniert schaute ich ihn an, doch dann rief ich mich selbst zur Ordnung. „Sollen wir zurück? Dann könnten wir noch arbeiten.“ Wechselte er das Thema. Bemühte Raphael sich, einen ruhigen Ton beizuhalten. Ich ging darauf ein, und ehe wir die Hütte erreichten, waren wir in eine Diskussion vertieft. Gab rief uns nach, dass heute Sonntag, und Raphael ein Sklaventreiber, sei. Den Rest des Tages und auch die folgenden verbrachten wir in seinem Zimmer. Raphael holte mich von der Arbeit ab und unterwegs berichtete er mir von seinen Fortschritten. Zwei Treffen brachten wir hinter uns, es war geradezu eine Sucht wieder an die Arbeit zu gehen. Im Stillen gestand ich mir ein, dass ich das Beisammensein mit Raphael auskostete. Am Morgen verscheuchte ich meine erotischen Fantasien. Einmal habe ich Sue darauf angesprochen doch sie meinte nur das sie keine solche Träume hätte. Sie fragte auch nicht nach, ich glaube ihr war es peinlich darüber zu sprechen. Bis Gab an einem Mittwochabend erfragte wie wir den Reiseweg zurücklegen wollten. Irritiert sah ich Gab an, „Aber das hat doch noch Zeit, wir sind erst nächstes Wochenende eingeladen.“ „Nein Kleines, dieses! Myriel erwartet Mike morgen Abend, spätestens am nächsten Morgen. Wir sollen morgen im Laufe des Tages kommen. Sie freut sich, ehrlich darauf dich näher, kennenzulernen.“ „Oh, wo ist die Zeit geblieben? Hoffentlich bekommen wir einen Flug, soll ich mich erkundigen?“ „Es gibt auch eine andere Möglichkeit!“ schlug Gab, Raphael vor. „Dazu ist sie noch nicht in der Lage!“ behauptete Raphael widerwillig. „Was denn?“ jetzt war ich neugierig, „Gab sag schon.“ Dieser grinste mich an, „Ich meine, dass Claire durchaus dazu fähig ist, schon lange, Raphael.“ „Dann weißt du mehr, als ich!“ antwortete er mürrisch, die Beiden unterhielten sich über mich, als sei ich nicht anwesend. „He, was soll das! Wovon sprecht ihr?“ an Raphaels abwehrende Reaktion, erkannte ich, dass ich von ihm keine Antwort, erwarten durfte. Also wandte ich mich an Gab. „Es dir, zu erklären ist schwer, vertrau mir einfach!“ meinte Gab zuversichtlich. „Klar! Wenn du dich auf eines verlassen kannst, dann das Claire, dir ihr Leben anvertrauen würde.“ Raphael verschränkte die Arme, keine Regung im Gesicht. Aber ein Sturm tobte in seinen Augen. Gabriel und ich sahen Raphael perplex an. Dieser Ausbruch kam völlig unerwartet, denn seit dem Gespräch im Wald benahm er sich sehr zurückhaltend. Gab fand als erstes seine Sprache wieder. „Das weiß ich Raphael! Deshalb möchte ich es auch versuchen.“ „Na gut! Bitte!“, brummte Raphael zustimmend, Gabriel zu. „Wohin?“ fragte Gab nach, ich verstand nur Bahnhof. Die Engel sahen sich an, Gab grinste, doch Raphael verneinte, „Zu weit!“ „Quatsch!“, meinte Gab und wandte sich, mir zu, „Zieh dir was schickes an, wir gehen essen.“ Raphael murrte mürrisch vor sich hin. Schnell tauschte ich meine Hose und Pullover mit frischen Klamotten. Doch als ich ins Wohnzimmer eintrat, schüttelten die beiden mit den Köpfen. Einmütig sagten sie, „Schicker!“ Gab rief mir noch hinterher, „Das Schwarzgraue!“ also zog ich mich noch einmal um und steckte mir das Haar schnell hoch, etwas Rouge und Lippenstift fertig. „Besser?“ fragte ich Gab. „Du weißt, was mir gefällt, Kleines!“ erklärte er schmeichelnd. „Können wir?“ fragte Raphael ärgerlich. Doch als er sah wie aufgeregt ich war, lächelte er mir aufmunternd zu. Gabriel trat zu mir, „Du kennst das schon, schau mir in die Augen, Kleines.“ Ich kicherte nervös auf, Gab sah viel besser als Bogart aus, da ich keine Ingrid Bergmann war brachte das den Ausgleich. „Claire“ mahnte Gabriel. Ich sah ihn an, mein kichern unterdrückend. Wieder ging ich durch ein blaues Meer, bis die Farben langsam schneller um mich herumwirbelten, dann langsam beruhigte sich der Sturm zurück blieb ein ruhiges verlässliches Meer. Das Erste, was ich wahrnahm, war der Geruch er war salzig. Ich hörte das Meer rauschen. Warm war es, als hätte die Sonne den ganzen Tag den Sand, unter meinen Füßen gewärmt. Flirrende Hitze ging davon aus. Wo waren wir, ich sah mich um. Ich sah das Meer und in der Ferne beleuchtete Gebäude. „Gab wo sind wir? Wie sind wir hergekommen?“ freudig lachte er mich an, „Ich wusste es! Raphael! Siehst du, sie kann es.“ Raphael stand einige Schritte entfernt, „Ja Gab, ich bin ja nicht blind!“ finster sah er mich an, vor schreck zuckte ich zusammen. Was hatte ich verbrochen? „Außerdem habe ich Hunger.“ Fügte er ruhiger hinzu. Sie gingen auf die Gebäude zu, „Wo sind wir!“ ging ich schimpfend hinter ihnen her, wieso erfuhr ich nie, was ich wissen wollte. Vor allen Dingen, wie kamen wir hierher, das war rein wissenschaftlich unmöglich. Ich zog meine Schuhe aus, denn mit diesen Dingern konnte man zwar Augen ausstechen, aber keineswegs durch Sand laufen. Endlich blieben sie stehen, „Du magst doch italienisch!“ Italien? Nein das konnte nicht sein, wenn ich richtig rechnete, war es dort Nacht. „Hör auf, mich zu verkohlen! Gab! Und sage mir endlich, wo wir sind und als erstes, wie sind wir hergekommen.“ „Warte die Zeit ab, du erfährst es früh genug! Du kannst deine Schuhe wieder anziehen, wir werden in zwei, nein einer Minute abgeholt.“ Jetzt fiel mir auf, dass wir an einer Straße standen. Gab trat vor und stellte sich mitten auf die Straße, so hielt ich mich an Raphael fest. „Ich fühle mich geehrt, dass du mir soviel Vertrauen schenkst! Hast du keine Angst, dass ich dich einfach fallen lasse!“ über diese Schroffheit, erschrocken ließ ich ihn sofort los. Was er mit einem grimmigen Lachen kommentierte. Tatsächlich hielt ein Taxi, kurz danach an. Wir fuhren zu einem imposanten alten Gebäude hell angestrahlt als wäre es helllichter Tag. Das Restaurant, in dem sie mich führten, war allein schon ein Augenschmaus. Warmes Licht von Kronleuchtern, die von der hohen Decke hingen. Fenster, die in den Himmel zu ragen schienen und hinaus zu einem Pool führten. Ein Ober, der Raphael und Gab erkannte kam auf uns zu und geleitete uns zu einem Fenstertisch. Der Raum war in abgestimmten zartrosa und cremeTönen gehalten. Die bequemen Sessel luden geradezu zum verweilen ein. Doch trotz alledem wusste ich immer noch nicht, wo ich mich eigentlich befand. Die Sprache sagte mir nicht das Geringste. „Und weißt du nun, wo wir sind?“ fragte Gab mich belustigt. „Ja in einem piekfeinen Restaurant! Und wenn du mir nicht sofort sagst, wo es liegt, springe ich den Pool und zettle eine Revolte an.“ „Du willst das schöne Kleid ruinieren?“ Raphael lehnte sich vor zu Gab, „Nun sage es ihr endlich, das ist ja kaum noch, auszuhalten.“ „Spielverderber, das habe ich von meiner Gutmütigkeit. Wie vielen Frauen hast du schon mitgenommen? Für dich mag das ja alltäglich sein, doch Claire ist meine Erste. Das ist etwas Besonderes …!“ Doch Raphaels schroffe Erwiderung ließ ihn schweigen. „Auch für Claire ist das Neuland! Und ich hätte …!“Er hielt inne, fasste sich an die Nasenwurzel und seufzte tief auf. „Gab ich… tut mir leid mein Freund.“ „Ist schon in Ordnung!“ auf Gabs Gesicht lag ein hintergründiges Schmunzeln, während er Raphael beobachtete, der verdrießlich die Karte studierte. Er reichte sie mir, das alles sagte mir so viel wie ein Besen, der in einer Ecke steht. Ich schlug sie wieder zu, und gab sie wortlos weiter. Doch Gabriel winkte ab, „ich weiß, was ich nehme und du Claire?“ befragte er mich amüsiert. „Dann hungere ich eben! Ich werde dich nicht noch einmal fragen.“ „Na gut, ich sage es dir!“ Gab machte eine Pause, ich sah demonstrativ hinaus. „Wir sind in Rio!“ „Nein!“ „Aber ja!“ „Wie?“ sah ich die beiden abwechselnd an. „Das ist kein Thema für die Öffentlichkeit.“ Beantwortete mir Raphael, meine Frage. „Brasilien? Wirklich wahr.“ Ich versuchte in ihren Gesichtern, zu lesen. Trieben sie einen schlechten Scherz mit mir. „Du kannst Gab glauben! Nun was möchtest du essen oder darf ich für dich bestellen?“ fragte er anzüglich. Erst wollte ich widersprechen, doch ich erinnerte mich an seine anzügliche Bemerkung vorhin am Strand. Also willigte ich widerstrebend ein. „Du bist dir sicher?“ und sah mich herausfordernd an, trotzig erwiderte ich seinen Blick. Dabei wurde ich sofort von seinem Blick gefangen genommen. Schon wirbelte ich vereint mit Raphael in einem grünen Universum. „Raphael! Claire! Das ist nicht der richtige Ort.“ Wie aus der Ferne drang Gabriels Stimme durch mein Hirn. Widerstrebend löste Raphael die Verbindung, ich spürte seinen Unwillen und seine Enttäuschung als wäre es meine. „Ja, sicher! Du hast Recht Gabriel, entschuldige.“ Raphael bestellte für mich mit und ich muss sagen, das er sehr gut auswählte. Das Essen war köstlich. Anschließend gingen wir in den Pianoroom. Der ebenso geschmackvoll eingerichtet war. Dort saßen wir auf einer Bank und ich muss ehrlich gestehen, das ich mir wie eine Prinzessin vorkam. Die bestaussehenden Männer, in diesem Raum saßen links und rechts neben mir. Sie waren die aufmerksamsten Gentlemen, die sich eine Frau nur wünschen konnte. Viele Damen warfen ihnen bewundernde Blicke zu. Doch sie achteten nicht darauf, ich war der Mittelpunkt des heutigen Abends und ich genoss die ungeteilte Aufmerksamkeit in vollen Zügen. Ein Taxi fuhr uns wieder in die Nähe des Strandes. Der Fahrer schaute uns zwar seltsam an, nachdem Gab zweimal bestätigte hier ausszusteigen. Nachdem die Zwei sich überzeugt hatten das wir hier die einzigen Personen waren trat Gab wieder zu mir. „Du kennst das Prozedere!“ ich nickte, und sah ihn an. „Nein Kleines, jetzt mit Raphael!“ Gab wandte sich zu Raphael, der Abseits stand. „Danke!“ „Dafür habe ich etwas gut!“ grinste Gab, Raphael erwiderte lächelnd, „Alles was du willst, nur eines nicht.“ „Ja, das habe ich mir gedacht!“ neugierig verfolgte ich das Gespräch, doch verstand ich den gesamten Inhalt nicht. Es war zum Verzweifeln, wann hörten sie damit endlich auf. Oder musste ich mich darauf gefasst machen, dass es so mein Leben lang weiter gehen würde. In meinen Überlegungen trat Raphael auf mich zu. Wartend sah er mich an. Tief aufatmend bereitete ich mich darauf vor und schloss für eine Sekunde die Augen. Als ich wieder aufblickte, erwarteten mich bereits grüne Augen, die ihre ganze Macht entfalteten. Wir wurden eins, wer war ich, wer war Raphael, wir waren eins. Als ich mich vom Grün trennte, standen wir im Wohnzimmer der Hütte. Ich hielt mich an Raphael fest, sah ihn an verlor mich erneut darin. Doch diesmal war es anders. Intensiver, trotzdem wusste ich, wo wir waren. Sein Gesicht kam näher verharrte einen Augenblick, fragend sah er mich an. Bevor er meinen Mund zurückhaltend berührte, sanft fuhr er fort. Er Schloss mich fester in seine Arme und ich schmiegte mich hinein, als sei es das natürlichste der Welt. Keinen Moment entließ er mich aus seinem brennenden Blick. „Ah, da seid ihr ja! Ich habe einen kleinen Umweg genommen. Hier ein Eis für euch.“ Gab kam herein und kümmerte sich keinen Deut darum, dass wir eng umschlungen dastanden. „Sollen mir die Finger abfrieren? Nehmt gefälligst euer Eis!“ seufzend hob Raphael den Kopf, „Weißt du eigentlich, dass du ein fürchterliches Timing hast.“ Und ließ mich frei, doch zuvor meinte er zu mir, „Diese Episode müssen wir unbedingt vertiefen. Aber erst, wenn weniger Zuschauer zugegen sind.“ Was hat dich geritten Claire Garret kannst du nicht einmal, nur einmal seinem Charme widerstehen. Er schaut dir einmal tief in die Augen und schon bist du Wachs in seinen Händen. Ich sah zu, dass ich schnell in Mikes Zimmer kam, und erwähnte mehr als einmal, dass ich fürchterlich müde sei. Gab dagegen, hielt Raphael noch lange wach, im Stillen dankte ich, meinen Freund. Weniger gut gelaunt, nahm Raphael mich morgens mit in die Stadt. Er sah mich immer wieder von der Seite an, doch er enthielt sich jeglichen Kommentars. Sue war enttäuscht das ich, Freitag absagte, aber als ich ihr sagte wohin wir reisten, hatte sie vollstes Verständnis. Ich kam nur ins Schleudern, als sie bemerkte, dass es ein kurzer Trip werden würde. Sie wünschte mir viel Spaß. Ich hätte heulen können, weil ich mich immer tiefer, in dieses Lügengestrüpp verlor. Raphael wartete bereits, ungeduldig klopfte er mit seinem Fingern auf das Lenkrad. Sue wünschte uns, nochmals schöne Tage. Indessen zeigte Raphael gereizt auf seine Uhr. Ich verabschiedete mich von Sue und stieg in den Wagen. Ohne Gruß fuhr Raphael los. „Warum bist du so hektisch, ich dachte wir hätten bis heute Abend Zeit.“ Er sah mich gespannt an, bevor er antwortete, „Gab ist schon bei Kayle, ich will sofort los, sobald wir zu Hause sind.“ Da er so schlecht gelaunt war, schwieg ich. In der Hütte, ging ich in mein Zimmer und suchte eine Reisetasche, doch ich fand keine. Nun gut, ab in die Höhle des Löwen! Aber soweit, kam ich gar nicht. Raphael war gerade im Begriff, an meine Tür zu klopfen. „Können wir los?“ „Nein, ich brauche eine Tasche! Am besten eine Reisetasche!“ erklärte ich Raphael. „Wozu brauchst du eine Tasche?“ missverstand er mich absichtlich, ich legte ihm es nochmals dar. „Du brauchst nichts mitnehmen! Es ist alles bei Kayle vorhanden. Zieh dir nur etwas Sommerliches an.“ „Aber ich brauche doch …“ Raphael hob die Hand und schnürte mir somit das Wort ab. „Claire, wie sieht es wohl aus, wenn wir am Strand mit Sack und Pack erscheinen, meinst du nicht, dass es seltsam erscheint. Glaub mir, du wirst alles, was du brauchst, vorfinden.“ Es passte mir zwar keineswegs, wenn ich daran dachte, fremde Klamotten anzuziehen, aber daran ließ sich nun einmal nichts ändern. Ich bedeutete Raphael einen Moment zu warten, und nahm mir wenigstens abgezählte Slips und steckte sie in meinen Short. Dann ging ich zu Raphael ins Wohnzimmer. „Bereit?“ ich nickte ihm zu, und schon erfasste mich sein Blick, das vertraute grün, hüllte mich ein. Wir schlenderten am Strand entlang, wie ein ganz normales Paar. Ich schaute mich ständig um und erwartete das einer rief – he, die sind aus dem nichts aufgetaucht – aber anscheinend ist niemanden etwas aufgefallen. „Warum bemerken uns die Leute nicht? Auch so ein Engeltrick?“ „Nein! Es ist ganz einfach, viele Menschen da fallen zwei mehr nicht auf.“ „Warum dann nicht in Kayles und Myriel Haus?“ „Die Nachbarn, glaube mir denen fällt es auf. Sie sehen, wer kommt und geht.“ „Habt ihr deshalb die Hütte? Weil sie außerhalb einer Ortschaft liegt?“ „Das ist einer der Gründe, aber wir haben die Hütte schon einige Jahre. St.Paul gab es zu der Zeit noch nicht, eher war es eine lose Ansiedlung.“ Ich wunderte mich das Raphael so mitteilsam war, das sagte ich ihm auch. Er lachte grimmig vor sich hin. „Was gibt es da zu lachen, so zu lachen?“ fragte ich beleidigt. „Es ist einfacher mit dir ein unverfängliches Thema zu bestreiten, als das was mir im Kopf herumgeistert.“ Antwortete er ehrlich. Darauf wusste ich keine Erwiderung, wollte auch keine geben. Schweigsam ging ich weiter. Bis ich bemerkte, dass Raphael nicht mehr an meiner Seite ging. Umdrehend suchte ich ihn. Er stand mitten zwischen den Menschen nie zuvor ist es mir aufgefallen. Er sah aus wie sie, jedoch hob er sich hervor. Wie ein Riese der auf jeden herabsah. Instinktiv gingen die Menschen um ihn herum, als wüssten sie, das er über ihnen stand. Langsam kam er näher, ich konnte meinen Blick nicht von seiner Gestalt abwenden. „Wenn du mich noch länger so ansiehst, meine Liebe. Vergesse ich jegliche Vernunft!“ warnte er mich verschmilzt. Verlegen senkte ich den Blick. „Verdammt …“ stürmisch riss er mich in seine Arme, „Vergiss was ich gesagt habe, lass uns von hier verschwinden!“ drängend suchte Raphael meinen Blick, in mir entspann sich ein Widerstreit, den Raphael von sich aus auflöste. „Du hast leider Recht, ich denke nur, an meine eigene Begierden.“ Er ließ mich abrupt los. „Es ist verdammt schwer doch ich bestehe die Prüfung, dort geht es entlang.“ Er wies auf den vor uns liegenden Strand. Raphael führte mich weiter, bis die Menschenmenge und das Gedränge nachließen. Der Strand wurde schmaler. Es sah aus als würde er nach der Biegung verschwinden, doch dem war keineswegs so. Ein kleines Schild machte einem darauf aufmerksam das man nun Privatgelände betrat. Hier standen die Häuser geschützt vor neugierigen Blicken. Vom Weitem sah ich Gab, wie er in die Fluten tauchte. „Gab scheint sich schon eingelebt zu haben!“ meinte ich amüsiert, denn er war mit einer Frau im Wasser. „Sieht so aus!“ erwiderte Raphael einsilbig. Myriel und Kayle begrüßten uns herzlich, wir setzten uns auf die Terrasse. Eine Weile unterhielten sich die beiden Engel miteinander. Dann schlug Myriel mir vor, das Haus zu zeigen. Stolz führte sie mich herum und wies mir mein Zimmer zu. „Ich hoffe es gefällt dir. Du findest alles, was du brauchst in der Kommode, das Bad liegt am Ende des Korridors!“ „Danke, es ist sehr schön, Myriel!“ sagte ich artig und sah mich um. Das nun folgende Schweigen lastete erdrückend im Raum. Es fiel mir wie immer schwer, ein Gespräch, mit einer fremden Person zu führen. Myriel kicherte plötzlich los. „Wir sind schon ein Paar, duselige Stuten. Fällt es dir auch schwer, mit jemandem zu reden den du nicht kennst?“ ich grinste sie, zustimmend an. „Was hältst du davon, wenn wir eine Runde schwimmen gehen. Dann haben wir Zeit, uns zu beschnuppern.“ Das taten wir dann auch, Kayle und Raphael blieben auf der Terrasse sitzen. „Übrigens, wir sollen Gab auf keinen Fall ansprechen, ein strikter Befehl.“ Erzählte mir Myriel, als wir zum Wasser hinunter gingen. Ich sah den Grund nun genauer, eine hübsche Blondine, die ihn schmachtend ansah. Das Wasser war herrlich ich bekam gar nicht genug davon. Abwechselnd schwammen oder lagen wir am Strand. Myriel erzählte, von sich. Sie kam aus Frankreich, ihre Eltern waren einfache Leute, die ein Wirtshaus betrieben. Mit sechszehn Jahren ging sie die Verbindung mit Kayle ein. Ich wunderte mich über das junge Alter, doch sie lachte und meinte sie sei schon alt gewesen. Denn im siebzehnten Jahrhundert wurde man früh verheiratet. Ihre Eltern befürchteten schon, sie würde niemals einen Mann abbekommen. Deshalb waren sie froh, als Kayle um sie warb. Myriel wurde schon, seit sie zehn Jahre alt war, darauf vorbereitet eine spätere Verbindung mit einem Engel einzugehen. Sie erzählte, dass Raphael eines Tages auftauchte, sechs Jahre lang war er stets für sie da. All ihre Sorgen und Nöte konnte sie ihm anvertrauen. Er lehrte sie schreiben, lesen und rechnen, gab ihr Bücher, zu lesen. „Er war und ist bis heute mein Begleiter und Freund. Doch du weißt ja selbst, wie er ist!“ schloss sie ihre Geschichte. Das wusste ich leider keinesfalls, denn diesen verständnisvollen Raphael, den sie beschrieb, kannte ich nicht. „So ich glaube ich werde mich nun in meine Küche begeben. Schließlich habe ich einige hungrige Mäuler, zu stopfen.“ Sie stand auf und rieb sich den Sand ab. Ich tat es ihr nach, „Du kannst dich ruhig noch mal ins Wasser werfen, ich werde dir früh genug bescheid geben.“ „Nein, ich helfe dir!“ Myriel schüttelte entschieden den Kopf. „Heute, auf gar keinen Fall!“ wehrte sie ab. „Bleib nur hier, die Sonne geht bald unter! Das solltest du dir ansehen.“ Schlug sie bestimmt vor. Also blieb ich, wo ich war, und ging wieder ins Wasser. Doch allein machte es nur halb soviel Spaß. Ich setzte mich in den Sand und wartete auf den Sonnenuntergang. Langsam verfärbte sich der Himmel. Der Horizont schien in Flammen zu stehen, Himmel und Wasser verschmolzen miteinander. Purpurrot herrschte vor, tauchte alles in dieser Farbe ein. Der Wandel zur Nacht war spürbar um mich herum wurde es ruhig. Die Natur wartete geduldig auf die Nacht. „Ich finde das ist die friedlichste Zeit, alles steht still. Die Urkraft ist spürbar.“ Ich hatte nicht bemerkt, dass ich Gesellschaft hatte, und sah mich nach der Stimme um. Dort stand ein mir unbekannter Mann. Dieser sah mich ebenfalls an. „Du!“ entgeistert starrte er mich an. „Aber das gibt es doch nicht.“ Verwunderung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ich überlegte, woher er mich kannte, doch konnte ich mich an keine Begebenheit erinnern. Oder war das nur eine besonders blöde Anmache? Bereits im Begriff aufzustehen und dem jungen Mann einige Worte an den Kopf zu knallen, hörte ich ... „Colin, du hast Claire gefunden?“ das war eindeutig Mikes Stimme. „Mike!“ rief ich, schnell stand ich auf und lief ihm strahlend entgegen. Er empfing mich lachend mit offenen Armen. „Schön dich, zu sehen Claire!“ er betrachtete mich zärtlich und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Der junge Mann, von dem ich annahm, dass er Colin war, trat auf uns zu. „Du wusstest es, Mike nicht wahr. Deshalb hast du mich gebeten später nach Louisiana zu gehen.“ Mike nickte ihm zu, „Claire darf ich dir Colin vorstellen!“ ich reichte ihm die Hand und meinte. „Es tut mir leid, aber ich kann mich nicht daran erinnern. Dass wir uns schon mal begegnet sind.“ „Alle paar Jahre sind wir uns schon über den Weg gelaufen!“ ich sah Colin forschend an. Schalkhaft begegnete er meinen nachdenklichen Blick. „Mike darf ich?“ bat Colin fragend. „Sicher, Claire wird dir sowieso keine Ruhe lassen, bis sie alles haargenau erfährt.“ Schmunzelte Mike. „Myriel benötigt noch eine halbe Stunde, lasst uns doch auf die Terrasse setzen, dort lässt es sich besser reden.“ Zu meiner Überraschung saß Al bei Kayle. Wir rückten die Stühle zusammen so das alle Platz hatten. Ich forderte Colin auf mir zu erzählen, woher wir uns kannten. „Nun!“ begann er, „vor ungefähr zweiundzwanzig Jahren war ich in Louisiana, dort machte ich an einem Spielplatz halt. Ich hörte einer Mutter zu, die sich über ihre Tochter beklagte. Sie befürchtete, dass aus ihrer Tochter ein echter Wildfang wird. Neugierig sah ich mich nach dem Kind um. Es konnte nur ein Mädchen sein! Sie war in einem Kleid gesteckt worden, die Haare zu Zöpfen geflochten.“ Er lächelte mich wissend an. Uriel stand ebenfalls da! Lässig an der Hauswand gelehnt, „So Colin! Du hast Claire schon als Kind entdeckt!“ Die Worte sprach er ruhig aus, doch in seinem Gesicht loderte kurz Zorn auf. Colin störte sich nicht daran, sondern sprach ruhig weiter. „Ja Uriel! Ein kleiner süßer Fratz, der wild mit den Jungen herumtollte.“ Er wandte sich wieder mir zu. „Der Puppenwagen und die Puppe lagen verwaist herum. Sie spielte lieber mit dem Ball. Es ging soviel Lebensfreude von ihr aus, sie strahlte förmlich.“ Gab gesellte sich wortlos zu uns und setze sich zu mir auf die Stuhllehne. Ich lehnte mich an ihn und er umarmte mich. Colin einen Moment aus dem Konzept gebracht beobachtete uns aufmerksam. Er warf Raphael und Mike einen flüchtigen Blick zu, erzählte dann aber weiter. Wann genau Raphael, sich zu uns gesellte konnte ich nicht mit Bestimmtheit sagen. „Ich war fasziniert von dem kleinen Geschöpf. Besonders als der Ball auf mich zurollte und sie ihn holte, sah sie mich an. Ernsthaft studierte sie mein Gesicht, dann lachte sie mich vertrauensvoll an. Ihre Mutter kam und meinte sie solle sich vor Fremden Männern fernhalten. Doch der kleine Fratz sagte, der ist lieb. Die Mutter schimpfte mit ihr, aber sie ließ sich davon nicht abbringen.“ Er sah mich an, „Das war unsere erste Begegnung, Claire.“ Colin fuhr fort, erzählte, dass er in den Jahren immer wieder nach mir sah, bis ich ungefähr siebzehn Jahre alt war. „Und heute wollte ich wieder nach dem kleinen Fratz sehen. Jahre war ich nicht mehr in den Staaten.“ Sein Blick weilte kurz mutwillig auf Raphael. „Aber als Mike mir von einer Claire erzählte, berichtete ich ihm von einer anderen Claire und er bat mich, ihn zu begleiten. Jetzt weiß ich auch warum.“ Lachte er Mike vorwurfsvoll an. „Mir war sofort klar das du Claire meintest. Denn Gab und ich hatten über all die Jahre genug zu tun, um die Spuren zu verwischen, die ihr hinterließet.“ Myriel trat zu uns, „Wir können jetzt essen und eines sage ich euch, ich will alles wissen. Wie könnt ihr Geschichten erzählen, während ich in der Küche stehe.“ Schimpfte sie uns aus. Kayle, drückte seine Frau liebevoll an sich, „Colin wird dir alles ausführlich mitteilen!“ Damit gab sich Myriel zufrieden, und Colin wiederholte seine Geschichte nochmals. Indessen überlegte ich, was Mike erwähnt hatte. Ich sah Mike und Gab forschend an, sie würden mir einiges zu erklären haben. Gab feixte, während er Mike etwas zuflüsterte. Mike sah mit verzweifelter Miene zu mir herüber. Ich ließ mich keineswegs täuschen, die Beiden waren später reif! Das Essen bestand hauptsächlich aus Meeresfrüchten, Myriel hatte sie geschmackvoll angerichtet. Das Lob darüber nahm sie verlegen an. Das brachte sie auf ein Thema, das sie beschäftigte. „Wir müssen die Betten anders aufteilen, sonst haben wir nicht genug Platz für alle. Mike, Colin würdet ihr in einem Zimmer schlafen?“ die angesprochenen willigten sofort ein, Gab meinte er würde die Nächte wahrscheinlich woanders verbringen. „Dann ist ja alles ganz einfach, Al, Uriel ihr teilt euch ein Zimmer. Raphael du schläfst mit bei Claire im Zimmer.“ Ich verschluckte mich an einer Garnele, Raphael reichte mir spöttisch ein Glas und meinte er würde sein Zimmer gleich räumen. Es sei ihm eine Freude ein Zimmer mit mir zu teilen. Das letzte sagte er so, das nur ich ihn verstehen konnte. Jeder Einzelne sah in diesem Arrangement die beste Lösung, keiner der Anwesenden hegte Zweifel an Raphaels Absichten. Nur mir wurde bange ums Herz. „Prima!“ freute sich Myriel, „dann ist das erledigt, ich werde jetzt Ordnung schaffen, was haltet ihr davon, wenn ihr euch auf die Terrasse setzt. Doch die Engel übernahmen die Aufgabe, Myriel und ich sollten derweil die Nachtluft genießen. Wir gingen zum Strand hinunter. „Macht es dir etwas aus, mit Raphael in einem Bett zu schlafen?“ fragte sie mich direkt. „Es wird schon gehen.“ Erwiderte ich ausweichend. „Du musst dir keine Gedanken machen, schließlich ist er dein Begleiter. Weißt du, wie oft ich schon, mit Raphael in einem Bett geschlafen habe.“ Myriel lachte auf. „Besonders nachdem ich Kayle kennenlernte, wir nutzten jede Gelegenheit, um uns nahe zu sein. Raphael hatte alle Hände voll zu tun, uns nachzujagen. Er bestand darauf, dass ich alle Kandidaten kennenlernte.“ „Sprichst du aus dem Nähkästchen, mein Schatz?“ erkundigte sich Kayle, der uns nachgekommen war. „Ich habe Claire lediglich gesagt, dass sie bei Raphael in Sicherheit ist. Schließlich weiß ich, wovon ich rede.“ Bekräftigte Myriel ihre Aussage. Kayle zuckte die Schultern, „Wir sind fertig und verlangen nach weiblicher Gesellschaft, die uns den Abend verschönert.“ Neckte er sie. Er nahm seine Frau in den Arm und bot mir seinen Arm an, ich hakte mich bei ihm unter. „So meine Damen wie wäre es, wenn ich euch entführe?“ scherzte er, Myriel sah mich an, dann ihren Gatten. „Siehst du Claire, so ist das! Sobald eine hübsche junge Frau im Spiel ist, vergessen die alten Männer ihre alten Weiber.“ Ging sie auf seinen Tonfall ein. Kayle spielte den Beleidigten und setzte sich zu Gab. Der stand auf, „Ich habe noch eine Verabredung!“ grinste er in die Runde, „Raphael wie sieht es aus, kommst du mit?“ innerlich zuckte ich zusammen und nahm auf den von Colin angebotenen Stuhl Platz. Dankend lächelte ich ihm zu, und ließ mir nicht anmerken, wie sehr mich Gabs Frage bedrückte. „Nein Gab, heute nicht!“ ein flüchtiger Blick in meine Richtung, dann einen warnenden zu Colin und besonders zu Uriel. Gab sah auffordernd in die Runde doch auch Mike und Al lehnten ab. „Colin, Uriel wie ist es mit euch?“ „Keine Chance Gab, mir gefällt es, wo ich bin!“ erwiderte Colin grinsend. Uriel schüttelte den Kopf. „Nein Gabriel! So wie ich das sehe, bin ich eindeutig im Nachteil. Deshalb werde ich jede Minute nutzen.“ Gab sah mich an und zwinkerte mir zu, „Neue Anwärter, Kleines! Wenn du weiter so machst, brichst du alle Rekorde.“ Ich spürte, wie die Röte meinen Hals hinauf kroch. Die anderen dagegen amüsierten sich prächtig. Erst spät oder Früh je nachdem, wie man es sehen will, ging ich ins Bett. Myriel verabschiedete sich gleichzeitig mit mir und wir gingen gemeinsam hinauf. Leider war kein Sofa in dem Zimmer. Ich zog mir ein Shirt über und legte mich an die äußerste Kante des Bettes. Unruhig warf ich mich hin und her, dieses Bett war erheblich kleiner als Raphaels. Wie konnte Myriel nur so viel Vertrauen zu ihm haben, auch die anderen Engel zeigten keinerlei Bedenken. Nur Gabriel schien die Maske die Raphael trug zu durchschauen. Vorsichtig wurde die Tür geöffnet, mit rasendem Herzen legte ich mich auf die Seite, „Claire?“ rief Myriel leise. Beruhigt setzte ich mich auf. „Ich wollte dir nur sagen, du kannst morgen unser Bad benutzen. Das Gästebad wird wahrscheinlich rund um die Uhr in Beschlag sein.“ „Danke Myriel!“ „Nicht der Rede Wert. Schlaf gut! Die Engel sitzen noch beisammen, das wird noch eine Weile dauern. Falls sie überhaupt ins Bett gehen.“ Das beruhigte mich ein wenig. Ich hoffte sie würden wirklich die ganze Nacht unten bleiben. Doch leider blieb das nur Wunschdenken, bald darauf kam Raphael ins Zimmer. Ungeniert legte er sich ins Bett. Er wünschte mir noch eine gute Nacht, dann vernahm ich nach einer Weile seinen tiefen regelmäßigen Atem. Irgendwie war ich enttäuscht, wenigstens einen Versuch hätte er machen können. Ich schalt mich selbst aus, wusste ich doch, wie dünn das Eis war. Ich forschte nach meinen Gefühlen, kam aber in dem Durcheinander nicht weiter. Wie anders hätte es sein sollen! Als ich aufwachte, lag ich bei Raphael. Vielmehr wir bildeten ein Knäuel aus Armen und Beinen. Vorsichtig versuchte ich, mich daraus zu entwinden. „Hast du es so eilig von mir wegzukommen?“ Ich hielt in meiner Flucht inne, „Raphael!“ „Derselbe! Oder wen hast du erwartet?“ bemerkte er spöttisch. „Was du wieder hast!“ erwiderte ich schnippisch und unterließ jedwede Bewegung, nur damit er mich nicht aufziehen konnte. „Ich? Du bist diejenige, die sofort die Flucht ergreift. Sage mir eines, wenn du schläfst, hast du keinerlei Probleme … ah, sagen wir“ er spannte jeden Muskel an, „den engsten Körperkontakt mit mir zu pflegen. Du solltest darüber nachdenken.“ Er wartete grinsend auf eine Antwort, auf die ich ihm keine geben konnte und wollte. „Vielleicht“ fuhr er fort, „weiß dein Körper, ganz genau, was er will. Nur dein Verstand leugnet die Wahrheit. Ich habe darüber nachgedacht, während du geschlafen hast. Es hat keine Stunde gedauert, bis du zu mir gekommen bist …“ „Sicher!“ meinte ich überzeugt, „Du hast geschlafen kaum das du gelegen hast …“ „Nein, ich war die ganze Nacht wach! Ich war wirklich nahe dran, dich zu wecken.“ Er rutschte etwas. So konnte er mir ins Gesicht sehen, „besonders als du meinen Namen erwähntest.“ Lächelnd streichelte er über meinen Rücken abwärts. „Das glaubst aber auch nur du! Ich kann dir nur eines sagen ich lasse mich nicht in den Reigen deiner Eroberungen eingliedern.“ „Wir werden sehen! Ich will mich mit dir nicht streiten. Myriel wird schon mit dem Frühstück auf uns warten. Also stehen wir auf? Oder genießen wir noch unsere Zweisamkeit?“ Ich versuchte mein Bein freizubekommen, ohne großen Erfolg. Vorwerfend sah ich ihn an. Raphael grinste vor sich hin, „Du bist unmöglich!“ warf ich ihn vor. „Ja da gebe ich dir vollkommen recht. Doch ich möchte dich noch eines Fragen“ plötzlich ernst werdend. Gespannt wartete ich. „Al, Uriel und Colin sie wollen dich näher kennenlernen. Die drei sind ernst zu nehmende Kandidaten! Ziehst du einen vor?“ „Dazu kenne ich sie nicht gut genug.“ Gab ich einsilbig von mir. „Hm, na gut! Ich möchte mich über das Wochenende mit dir verbinden. Ich weiß das ist eine lange Zeit, aber dann kann ich gezielter arbeiten.“ „Weißt du eigentlich, was du tust?“ fuhr ich ihn wütend an, „einerseits willst du mich zu deiner Buhle machen zum anderen suchst du nach deinem Nachfolger. Das ist einfach nur krank!“ Raphael zog mich noch näher an sich, „Krank nennst du es! Ich nenne es Pflichterfüllung! Ich habe oft genug betont, das ich an einer Bindung kein Interesse habe. Das eine hat mit dem anderen nicht das geringste zu tun.“ „Das ist deine Meinung, ich sehe das aus meiner Sicht.“ „Ja schon klar! Doch ich habe dir eine ehrliche offene Beziehung angeboten, die du ablehnst. Aus was für Gründen auch immer.“ Wütend schob ich ihn weg, mit wenig Erfolg. Ebenso aufgebracht hielt Raphael mich fest. In diesem kleinen Machtkampf verlor ich rasch an Boden. Fest eingezwängt konnte ich mich keinen Millimeter mehr rühren. Überlegen musterte Raphael mich, der Ausdruck in seinen verhieß nichts Gutes. „Raphael! Nein!“ versuchte ich ihn zur Vernunft zu bringen. „Nein? Was erwartest du von mir? Liegst nackt neben mir. Beschimpfst mich ständig als wäre ich ein Schuft und dann soll ich wie ein Heiliger handeln. Nein wahrlich das geht zu weit, denn ich bin keines von beidem.“ Und verschloss mir den Mund, ich hielt meine Lippen fest zusammengepresst. „Ich kenne einige Stellen an deinen Körper, die ich gern küssen würde. Wie wäre es damit?“ keuchend verfolgte ich den Weg, den sein Mund nahm. „Raphael bitte sei vernünftig!“ „Das bin ich!“ murmelte er. „Ich will dir ja nur begreiflich machen, was du verpasst!“ „Du verdammter Idiot! Du willst nur eines.“ „Das habe ich nie bestritten!“ lachte er verhalten. „Doch du hast dich, zu meinem Vorschlag noch nicht geäußert.“ „Welchen?“ Geduldig antwortete er mir, „Das ich eine Verbindung herstellen möchte. Drei Bewerber, die du auf den Zahn fühlen kannst!“ „Meinetwegen, wenn du das als mein Begleiter für nötig erachtest.“ „Das tue ich, du kennst das Prozedere.“ Er schaute auf, sofort war ich in seinem Strudel gefangen. Als ich wieder klar sehen konnte, sah Raphael mich nachdenklich an. „Du warst enttäuscht das ich gestern Nacht keinen Versuch unternahm dich zu verführen! Claire was für Abgründe tun sich da auf!“ Rot vor Verlegenheit, das er mich darauf ansprach. Fauchte ich ihn an, er solle sich nur auf seine Aufgabe beschränken. Lachend rollte er sich aus dem Bett, „Gut, das ich nun weiß, was ich zu tun habe. Keine Sorge ich werde dich keineswegs ein weiteres Mal enttäuschen.“ Bevor Raphael aus dem Zimmer verschwand, warf ich ein Kissen hinter ihm her. In der Kommode fand ich alles, was ich brauchte. Die Auswahl der Garderobe trug Gabriels Handschrift. Zu elegant, viel zu viel Kleider. Aber ich fand auch einige Shorts ein Top dazu, fertig. Damit machte ich mich auf, Myriel kam mir ungeduldig entgegen. Während sie mir das Bad zeigte, redete sie ohne Unterlass. Ich erfuhr, dass die Engel unten am Strand seien, für den Abend ein Lagerfeuer geplant war. Am nächsten Abend in der Stadt ein Kostümball gegeben wurde. Am nächsten Morgen sollten die Kostüme besorgt werden. Uriel, Al und Colin erwiesen sich als ernste Kandidaten das teilte sie mir unter Vorbehalt mit. Diese Information hatte sie aus Kayle herausgepresst, gestand sie grinsend. Frühstück stehe bereit, aber sie warte auf mich, damit wir gemeinsam zum Meer hintergehen konnten. Raphael saß bereits am Tisch und unterhielt sich dann mit Myriel. Es war interessant Raphael zu beobachten, er verhielt sich Myriel gegenüber wie ein großer Bruder. In etwa so wie Gab mit mir umging. Ich stellte fest das die Engel insgesamt sich wie Brüder verhielten, auch untereinander. Jedoch zeigten Al, Colin und Uriel dieses Verhalten nur den anderen. Untereinander bestand eine feine Feindseligkeit. Die jedoch mit Humor und verbalen Attacken ausgetragen wurde. Sie warben um meine Aufmerksamkeit, spielten sich gegenseitig aus und nahmen jede Chance wahr, um in meiner Nähe zu sein. Ich wünschte Gab wäre hier, denn von Mike, Kayle oder Raphael bekam ich keine Hilfe. Mike beobachtete die drei mit versöhnlichem gutmütigen Gesicht, in der Hoffnung ich würde einen von ihnen wählen. Kayle hielt sich aus dem ganzen Trubel heraus. Raphael dagegen überwachte uns mit einem zynischen Lächeln auf den Lippen. Kam mir irgendwer zu nah hob er nur die Braue, schon zog sich derjenige zurück. Mit einem entschuldigenden Seitenblick zum Bull Terrier. Von unerwarteter Seite bekam ich endlich ein bisschen Luft, Myriel schlug mir vor, eine Runde zu schwimmen. Die Engel sprangen gleichzeitig auf, aber Myriel pfiff die Engel zurück und bestand darauf mit mir allein ins Wasser zu gehen. „Danke, Myriel!“ ich war ehrlich erleichtert und merkte wie die Anspannung, von mir abfiel. „Sie können einem ganz schön zusetzen! Und es tut mir leid das ich dir das Antue!“ gestand sie mir, „ich habe Uriel und Al eingeladen, von Colin wusste ich allerdings nichts. Da ich weiß, wie schüchtern Al ist, wollte ich ihm einfach eine zweite Chance geben. Das hat Uriel ja keinesfalls nötig, doch er ist auch im Nachteil.“ Das wollte ich nun genauer wissen, sie klärte mich auf. Da Uriel zu den Erzengeln gehört, ist er der letzte dem Raphael ein Treffen zugesteht, weil die Engel als erstes die Kandidatin kennenlernen sollen. „Warum Myriel, weißt du überhaupt, nach welchen Kriterien Raphael die Auswahl trifft?“ „Du musst eines Bedenken, Raphael kennt die Engel. Die Kandidatinnen begleitet er mehrere Jahre lang. Sie mich an, seitdem ich zehn Jahre alt bin, kennt Raphael mich. Glaub mir er wusste, welchen Engel er mir vorstellen musste. Der Erste war der richtige, aber Raphael bestand darauf das ich sie alle kennenlernte. Dabei hatte ich nur noch den einen im Kopf und er mich auch.“ Sie lächelte verschämt, „Kayle und ich, versuchten alles, um wenigstens ein paar Minuten allein zu sein. Wenn ich daran zurückdenke, tut mir Raphael leid. Doch er hat uns verziehen sowie allen anderen Paaren auch.“ „Ich verstehe aber wieso ist es bei mir so. Kein Engel hat sich bei mir sehen lassen. Wenn ich Colin richtig verstanden habe, sah er mich als normalen Menschen, nicht als Kandidatin. Dann dieser Ausspruch von Gab, das sie alle Hände voll zu tun hatten. Myriel könnte es sein das ich gar keine passende Kandidatin bin?“ „Nein ich denke, das du das bist. Nur …“ sie sah mich überlegend an, als wäge sie ab. „Myriel bitte! Diesen Ausdruck kenne ich schon zur Genüge, ich will einfach nur Antworten!“ „Na gut! Ich denke, das du für keinen Engel in Frage kommst, sondern für einen Erzengel!“ „Uriel?“ fragte ich fassungslos. „Wer weiß!“ fügte sie hintergründig lächelnd hinzu. „Wie kommst du darauf? Außerdem bleibt nur Uriel übrig, denn die drei wollen keine Bindung.“ „Es spielt nicht immer eine Rolle, was man will. Auch bei den Erzengeln! Und wie ich darauf komme, dass du für einen Erzengel bestimmt bist. Du strahlst etwas aus, es ist nicht greifbar. Doch Al hat es ganz gut beschrieben. Er sagte du gehst neben Raphael nicht verloren sondern hebst dich hervor. Ich habe dich gestern mit vier Erzengeln gesehen, es ist so, wie Al sagte.“ „Aber …“, wand ich ein. Doch Myriel schüttelte entschieden den Kopf, „Kein aber, es ist sowieso mühsam, darüber zu reden. Warte einfach ab, was geschehen wird. Zudem gebe Raphael ein wenig Zeit, er wird dir helfen und dich richtig beraten.“ Versicherte sie völlig überzeugt. Nervös lachte ich auf, gerade Raphael! „Hast du Streit oder so was mit ihm, ich weiß er kann sehr streng sein. Mit seinen, Regel und dem Ganzen. Doch du kannst dich auf ihn verlassen, sieh in Raphael einfach einen Berater, der nur einen Zweck verfolgt. Dich sicher in den Hafen der Ehe zu begleiten.“ Doch vorher, wenn es nach seinem Willen ging, den Umweg durch sein Bett nehmen sollte. Wie sollte ich ihm nur als Berater sehen, wenn jedes zweite Wort beziehungsweise jedes Zusammensein nur auf ein Ziel ausgerichtet war. „Doch nun genieße einfach das Wochenende, auch die drei Heißsporne werden ruhiger. Ach, du meine Güte …“ ich schaute in die Richtung in der Myriel blickte. Sah eine Fontäne aufsteigen, dann kam eine Bugwelle auf uns zu, nein es sah aus wie fünf kleinere. „Was ist das?“ fragte ich Myriel. „Engel! Engel außer Rand und Band! Wir können uns auf einiges gefasst machen.“ bekümmert schätzte sie die Entfernung ab. „Claire sieh zu so schnell wie möglich ans Ufer zu schwimmen. Ich werde, das gleiche tun, und bitte noch eines flehe niemals um Gnade. Denn umso schlimmer verfahren sie mit dir.“ Die letzten Worte sprach sie gehetzt aus. Schon versuchte sie, einen Bogen um die Welle zu schwimmen. Aber sie teilte sich, nun waren es zwei die eine kam direkt auf mich zu. Etwas mulmig wurde es mir nun doch. Deshalb versuchte ich auszuweichen, aber sie kam weiterhin auf mich zu und in einem Tempo, das sich noch steigerte. Kurz bevor sie mich erreichte erkannte ich Mike. Die anderen waren Colin und Uriel. Mike war als Erster bei mir, „Ich wollte dich nur warnen, wir wollen eine kleine Wasserschlacht veranstalten.“ Langsam kam er näher, irgendetwas in seinen Augen ließ mich warnend von ihm abstand nehmen. „Was habt ihr vor?“ ich hatte die Worte noch nicht ganz ausgesprochen da sah ich Myriel schreiend durch die Luft fliegen. „Michael das wagst du nicht!“ „Nein? Aber wir brauchen noch einen weiteren Wasserball!“ und ich flog so wie Myriel gerade. Auf das Wasser klatschend bemühte ich mich an die Oberfläche zu kommen, mir wurde geholfen. Ich sah in Colins übermütige Augen, „Alles klar?“ nach Luft schnappend nickte ich ihm dankend zu, „Gut!“ hörte ich nur noch, bevor ich das nächste mal geworfen wurde. Diesmal zu Uriel, er ließ mich wenigstens zweimal durchatmen. So ging es unermüdlich weiter. Wund und geschunden, mir tat jeder Knochen im Körper weh. Hatte Uriel endlich Mitleid mit mir. „Soll ich dich zum Strand bringen?“ Skeptisch sah ich ihn an, „Wirklich ich meine es ernst!“ „Das wäre nett!“ „Dann los!“ er nahm mich an den Händen, „Du brauchst nur deinen Kopf über Wasser zu halten.“ „Das versuche ich schon die ganze Zeit.“ Erwiderte ich biestig. „Bist du ernstlich böse auf uns?“ er hielt inne, sah mich bestürzt an. „Gab meinte du würdest das locker wegstecken, auch Mike und Raphael waren der Meinung.“ Betroffen schaute er mich an, ein silbriges Leuchten umhüllte mich. „Nun! Ich denke Claire wollte zurück zum Strand!“ verwirrt sah ich in Raphaels blitzende Augen. „Uriel ich werde Claire begleiten!“ Raphael nahm meine Hände und zog mich zu sich heran. Wutschnaubend warf er Uriel nochmals einen strafenden Blick zu. Ohne ein Wort brachte er mich zurück, Myriel kam uns entgegen. „Na wie hast du es überstanden?“ ihre Augen leuchteten vor Begeisterung. „Später Myriel ich muss mit Claire kurz reden!“ anstatt mich loszulassen, ging Raphael mit langen Schritten zum Haus. Ich hatte keine andere Wahl als hinter ihm herzulaufen. „Raphael warte! Ich bekomme kaum noch Luft!“ kurzerhand hob er mich auf und trug mich ins Haus. Erst in meinem Zimmer, unseren, ließ er mich hinunter. „Kannst du mir verraten, was das sollte?“ „Was meinst du?“ „Fragst du mich ernsthaft?“ donnerte mich Raphael an. „Ja, das tue ich!“ gab ich ihm im gleichen Ton zurück. „Uriel und du! Ihr habt, er hat eine Verbindung mit dir aufgebaut.“ „Ja und das haben, du, Gab und Mike auch!“ „Aber er ist ein Kandidat!“ jetzt wurde er ruhig, gefährlich still. „Raphael wenn ich mich falsch verhalten habe entschuldige ich mich. Aber erklär mir doch bitte auch, welchen Fehltritt ich mir geleistet habe.“ „Du weißt es wirklich nicht?“ ich schüttelte meinen Kopf. Tief einatmend fuhr er erklärend fort, „Nur dein Begleiter hat ein Recht eine Verbindung zu dir aufzubauen!“ „Mike und Gab, was ist mit ihnen? Da hast du kein solches Theater angestellt.“ „Die zwei hatten schon Jahre zuvor Kontakt zu dir! Bevor ich überhaupt wusste, dass du eine Kandidatin bist.“ „Was weißt du eigentlich darüber und warum ist das mit Uriel so schlimm. Es ist einfach passiert, ich habe ihn nur angesehen und schon …“ „Wie hast du es empfunden?“ „Ein silberner Glanz umhüllte mich.“ „Mehr war da nicht?“ erkundigte er sich nochmals. „Nein! Denn das kann ich beurteilen. Außerdem warst du ja sofort zur Stelle!“ warf ich ihm vor, Raphael dagegen war nun ruhig er wartete auf eine vernünftige Antwort. Ich riss mich zusammen. „Mit Gab laufe ich durch ein Meer aus blauen Farben, mit dir verbinde ich mich dann weiß ich nicht wo ich anfange oder wo du endest.“ „Ja ich weiß, wie es ist! Das brauchst du mir nicht zu erklären. Ich rede von gerade mit Uriel.“ „Das habe ich dir gesagt! Aber wenn ich nun Myriel frage, wie es war mit dir, verbunden zu sein. Was glaubst du, was sie mir antwortet. Hat sie auch jegliche Identität verloren? Raphael?“ „Du kannst dich und Myriel nicht vergleichen. Sie hat nicht mal ein Zehntel deines Talents. Außerdem hast du mit Mike ein Leben lang in Verbindung gestanden. Doch darum geht es auch nicht, sondern um dich und Uriel. Was empfindest du für ihn?“ vor dieser Frage zuckte ich zurück. Nicht weil er mich fragte, sondern den Blick den er mir zuwarf. „Ich kann dir nur die gleiche Antwort wie gestern geben, ich kenne ihn nicht, um irgendetwas für ihn zu empfinden.“ Raphael sah mich an, seine Augen suchten die meinen. Ich wusste, was er vorhatte, er wollte sich selbst überzeugen. „Nein!“ hauchte ich, doch schon hob er mein Kinn an, „Ich muss es wissen, Claire!“ ich hatte keine Möglichkeit mich ihm zu entziehen, versank in seinen Blick. Als er mich schließlich freiließ, nickte er nur. „Zufrieden? Du hast doch eine Verbindung zu mir, warum das jetzt noch? Was wolltest du sonst noch wissen?“ „Setz dich Claire, ich versuche es dir, so gut wie möglich zu erklären.“ Sprachlos kam ich seiner Aufforderung nach, er wollte mir meine Fragen beantworten. Ganz etwas Neues. „Also ich fange mit der üblichen Vorgehensweise an. Wie du weißt, wissen wir, wenn ein Kind geboren wird das die Veranlagung hat mit einem von uns eine Bindung einzugehen. In einem Alter von ungefähr zehn Jahren nehmen wir Kontakt zu dem Kind auf, Mädchen auf. Ab diesem Zeitpunkt werden sie darauf vorbereitet.“ All das wusste ich schon, Raphael setzte sich zu mir, „Aber du, Claire!“ er strich mir sanft über die Wange, „du wurdest schon im Mutterleib mit einem Engel verbunden. Mike hat in deinem Fall falsch gehandelt. Doch was ich meine du hattest schon vor deiner Geburt mental Kontakt mit einem Engel. Ich weiß nicht, ob das für dein Talent verantwortlich ist oder ob es wie Mike sagt ein angeborenes ist. Doch Fakt bleibt, dass es vorhanden ist.“ Nachdenkend schritt er im Zimmer auf und ab. „Also gut, du wolltest die ganze Wahrheit! Mike hat eine Blockade errichtet, so das wir nicht erkennen konnten das du eine für uns interessante Kandidatin bist. Doch trotz Mikes Bemühungen hast du uns angelockt. Schon als du noch ein Kind warst, siehe Colin. Er hat seine Geschichte nicht ganz erzählt, wie und warum er zu diesem Spielplatz gegangen ist. Er selbst konnte sich dies auch nicht erklären, aber du hast ihn angezogen. Entsprechend musste Mike …“ „Raphael, lass mich das erzählen.“ Mike war ins Zimmer getreten, „ ich musste immer wieder diese Blockade verstärken. Du warst die Blume und die Engel die Schmetterlinge. Immer mehr Engel wurden auf dich aufmerksam. Einige wunderten sich über deine Anziehungskraft auf sie. Doch sie interessierten sich nicht weiter. Andere kamen immer wieder zu dir. Sie verfolgten deine Entwicklung. Nun und ich errichtete weitere Mauern. Bis ich eines Tages merkte, dass ich Hilfe benötigte. Also bat ich Gabriel darum. Seit diesem Tag verlangte er von mir das ich Raphael von deiner Existenz berichten musste.“ Mike sah Raphael entschuldigend an, „Aber ich vertröstete Gab, bis dieser schlussendlich Raphael zu dir schickte.“ Nun sah Mike Raphael auffordernd an, still verließ Mike den Raum. Wir sahen noch eine Weile auf die geschlossene Tür. „Nun den Rest kennst du! Gab schickte mich nach St. Paul.“Aber etwas flackerte in Raphaels Augen auf, da war noch mehr. „Raphael die ganze Wahrheit du hast es gesagt.“ „Das ist im Grunde alles, nur das ich ebenso wie Colin einer dieser Engel war, der dich schon eher entdeckte. Wie Mike schon sagte es waren einige.“ „Seit wann?“ „Das spielt keine Rolle Claire. Nur eines ist wichtig. Deine Zweifel sind unbegründet du bist für einen Engel bestimmt! Für welchen werde ich herausfinden. Deshalb bitte ich dich nun inständig, vorsichtig zu sein. Du verfügst über eine starke Gabe, die uns bisher noch unbekannt ist. Oder willst du dich einfach mit dem erstbesten Engel verbinden, der dir über den Weg läuft?“ „Ich dachte dazu gehört mehr! Schließlich hast du dich auch mit mir verbunden! Ebenso wie Mike und Gab.“ „Aber das ist doch völlig etwas anderes! Mike hat dich geschützt, so wie auch Gab. Denn genau, wie du die Engel angezogen hast, so hast du auch die Nephilim angelockt. Dann hat Gab einen zusätzlichen Ring aufgebaut, diesmal um sich vor deinen Gedanken zu schützen. Und ich habe lediglich eine Verbindung hergestellt. Damit ich feststellen kann, wie du auf den jeweiligen Engel reagierst, mit dem ich dich bekannt mache. Du siehst also es sind keine festen Verbindungen.“ „Also damit ich auch alles richtig verstanden habe. Mike, Gab und du ihr könnt eine Verbindung zu mir aufbauen. Aber die Kandidaten dürfen dies nicht.“ „Genau!“ „Dann bitte beantworte mir noch eine Frage. Warum erfahre ich davon erst jetzt!“ nun war ich es die sauer war. Dieses Gespräch wäre vollkommen überflüssig, wenn er mir von Anfang an den Sachverhalt mitgeteilt hätten. Ich sah es Raphael an seine Mimik, „Du verstehst jeden meiner Gedanken! Habe ich Recht? Wie ist das möglich?“ Raphael brauste auf, „Sicher wie soll ich sonst wissen, wie du für die Kandidaten empfindest!“ verteidigte er sich, gelassener fuhr er fort, „Claire ich weiß, wie weit ich gehen kann!“ „Wenn du meinst!“ meinte ich spitz, doch ich zweifelte an seinen Worten, wohl bewusst das er auch dies vernahm. Sein verkniffenes Gesicht war Antwort genug. „Wenn das dann alles ist, möchte ich wieder zu den anderen.“ „Ja! Das war es!“ Uriel kam uns entgegen, er entschuldigte sich und Raphael versicherte ihm das er keine Dauerhafte Verbindung hergestellt habe. Erleichtert nahm Uriel dies zu Kenntnis. Als wir später allein waren, gestand Uriel mir ein, das er es insgeheim bedauerte. Dann ließ er mich dastehen. Was bedauerte er? Sollte doch mal einer diese Engel verstehen, sie sprachen nur in Rätsel. Raphael, der natürlich meine Gedanken erfasste, war sofort alarmiert. Von nun war er ständig an meiner Seite. Nur als, die ausgelassenen Herren, gemeinsam im Wasser waren und hinaus auf das Meer schwammen gesellte er sich zu ihnen. Ich erzählte Myriel von dem Gespräch und was Mike und Raphael mir berichteten. Darauf erwiderte sie nur wiederholt, dass ich Raphael vollkommen vertrauen konnte. Woher nahm Myriel nur den unerschütterlichen Glauben an Raphael. Ich konnte diesen keineswegs aufbringen. „Wer ist das?“ Myriel schaute neugierig hinauf zum Haus, „Was meint der wohl, wer er ist! Spaziert einfach so durch meinen Garten! Wie ist er denn da hingelangt!“ jetzt war sie richtig empört. Sie stand auf und wollte gerade, los gehen, als ich sie erschrocken festhielt. „Warte!“ die Gestalt kam mir bekannt vor. Tatsächlich es konnte Ben sein. Er kam direkt auf uns zu. „Ben!“ Myriel sah mich entgeistert an. „Du kennst den Typen?“ Nickend bestätigte ich, „Ben ist ein Nephilim! In St.Paul war er auch!“ sie holte laut Luft, die sie dann gepresst zischend ausstieß. „Er verstößt gegen die Abmachung! Kein Nephilim darf auf ein Grundstück, das von einem Engel und seiner Frau bewohnt wird.“ „Ich glaube das interessiert ihn nicht, so wie er auf uns zukommt.“ Lässig schlenderte Ben zu uns, siegesgewiss grinsend. „Na der kann sich was anhören, wenn Kayle ihn in die Finger bekommt!“ „Ja, nur das sie gerade nicht da sind, Myriel.“ Entgegnete ich und schaute aufs Meer. Erschrocken schaute sie mich an, „Lauf Claire oder schwimm hinaus ich halte ihn auf!“ bedrängte sie mich, doch ich schüttelte den Kopf. Ben war fast bei uns. Aussichtslos bevor ich mich rühren konnte hätte er mich schon in seiner Gewalt. „Guten Tag die Damen!“ begrüßte er uns. Ganz Herr der Lage. Er wusste, so gut wie ich. Dass die Engel außer Reichweite waren. Verdammt du elender Mistkerl, warum bist du nicht hier? Ausgerechnet, wenn ich dich mal wirklich brauche, glänzt du durch Abwesenheit. Fieberhaft überlegte ich, wie wir Ben hinhalten könnten. Vielleicht kam Gabriel vorbei, er wollte im Laufe des Tages kommen und gemeinsam mit uns Kostüme besorgen. Myriel trat mutig vor, „Du brichst den Vertrag! Kein Nephilim darf dieses Grundstück betreten!“ „Ich weiß, Frau! Doch ich habe eine wichtige Angelegenheit zu erledigen!“ heimtückisch sah er mich an, das Zuklappen seiner Lider jagte mir Angstschauer über den Rücken. Seine Absicht war klar, aber wollte er nur mit mir reden oder … „Nephilim!“ hörte ich hinter mir, das Wort warnend ausstoßend. Raphael trat drohend vor, mich hinter sich ziehend. Ben überrascht, trat den Rückzug an. „Wo kommst du her?“ Ben schaute mich kurz an, dann wieder Raphael und grinste gemein. „Die Jagd wird vielversprechender als ich bisher annahm, Raphael! Den Besten die Beute!“ verbeugte sich zynisch und verschwand. „Raphael! Gut, das du zurückgekommen bist! Ein Nephilim hier!“ erleichtert setzte sich Myriel in den Sand, „Meine Beine schlottern immer noch. Stell dir vor er hätte Claire mitgenommen. Ich wage, gar nicht darüber nachzudenken.“ Während Myriel ihre Angst in Worte fasste, fragte ich mich, ob es wirklich Zufall war. „Woher wusstest du …“ weiter kam ich nicht, denn in diesem Moment kamen die restlichen Engel aus dem Wasser gelaufen. Durcheinander fragten sie, warum Raphael einfach verschwunden sei. Myriel lief Kayle entgegen und rief „Ein Nephilim, er war hinter Claire her!“ die darauf folgende Stille wurde von Fragen gebrochen. Jeder der Engel wollte wissen, was geschehen sei, kreuz und quer jagte eine Frage die andere. Nur Mike und Raphael blieben ruhig, sie waren der Ruhepol in diesem Chaos. Ich verzog mich an Mikes Seite, der Raphael bedenklich musterte. Raphael hielt diesen Blick kühl stand. „Es ist ein Glück, das du zurückgekehrt bist!“ meinte Uriel auch er sah Raphael skeptisch an. „Ja noch mehr, weil ich heute die Verbindung zu Claire verstärkt habe. Ich habe gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist.“ Damit gaben sich die Engel zufrieden, aber ich zweifelte an der Aussage. Wieder einmal behielt er einen wesentlichen Teil zurück. Inzwischen konnte ich das sehr gut von seiner Mimik ableiten. Schon wollte ich den Mund aufmachen, doch Raphael warf mir einen warnenden Blick zu, der mir den Mund verschloss. In Gedanken fügte ich aber hinzu das er mir einige Antworten schuldig war, er nickte mir bejahend zu. Mike seufzte auf, ich war mir nicht sicher, ob er den Blickwechsel zwischen mir und Raphael beobachtet hat. Doch er raunte Raphael zu, „Ich hoffe du weißt, was du tust, mein Freund!“ Raphael salutierte kurz vor Mike, grinste herausfordernd, „Bisher habe ich meinen Job doch immer erledigt!“ Kayle unterbrach das seltsame Gespräch. Indem er sich erkundigte, ob ich nun abreisen wolle. „Aber, warum?“ verblüfft sah ich Kayle an, wie kam er auf solch einen Gedanken. „Es ist wegen des Nephilim! Er hat dich hier gefunden!“ erwiderte er, immer noch betroffen. „Ja und ich denke er wird mich auch anderswo aufspüren. Egal, wo ich bin! Oder sehe ich das falsch?“ fragte ich, mich an Raphael wendend. Doch Mike antwortete, „Davon müssen wir ausgehen! Ben ist ein überaus hartnäckiger Bursche …“ „Ja und er hat im Grunde Raphael den Krieg erklärt!“ warf Myriel ein, „Das habe ich doch richtig verstanden! Oder was sollte das bedeuten?“ Nun sahen sie alle Raphael an. Er kniff kurz die Lippen zusammen, als ob er die Antwort schuldig bleiben wollte. Besann sich jedoch, „Ben nimmt das persönlich. Wie Mike schon befürchtete, Ben wird alles versuchen, damit ich scheiter. Doch das ist nicht das erste Mal, das er mich herausfordert und ich werde von nun an Claire keinen Augenblick mehr allein lassen.“ Versprach er düster. Damit schien für die Engel und Myriel alles gesagt zu sein. „Na dann ist ja alles geklärt!“ meinte Myriel zuversichtlich, „Was haltet ihr davon, wenn wir uns einen kühlen Trunk genehmigen, nach der ganzen Aufregung.“ Über das Vertrauen, das sie Raphael entgegenbrachten, verblüfft, sah ich zu wie sie hinauf zum Haus gingen. Nur Mike, Raphael und ich blieben zurück. Mike richtete seinen Blick nochmals auf Raphael. Sie sahen sich auf die konzentrierte Art an, das hieß sie tauschten sich in Gedanken aus. Mike schien zu frieden zu sein und tat es den anderen nach. Als er außer Hörweite war, fragte ich Raphael nochmals, „Woher wusstest du es? Du warst nicht im mindestens überrascht.“ Er nahm mich an die Hand, sah nochmals hinauf. Zog mich dann weiter, bis das Meer unsere Füße umspielte. „Wenn mich einer, einen elenden Mistkerl nennt, dann nur du! Hinzu kam deine aufsteigende Panik. Das konnte nur eines bedeuten, du warst in Gefahr. Das nächste Mal, kannst du dich ruhig auf meinen Namen besinnen. Doch wie gesagt ich lasse dich keinen Augenblick mehr aus den Augen. Deshalb bezweifle ich das du mich noch mal rufen musst.“ Er wandte sich dem Haus zu und wollte gehen. Da er mich immer noch fest an der Hand hielt, zog er mich einfach mit. Ich stemmte mich mit den Füßen in den Sand, „Warte du hast immer noch nicht meine Frage beantwortet!“ „Nein?“ lauernd drehte er sich um. „Nein! Hast du nicht!“ ich ließ mich nicht von Raphael einschüchtern. „Sage mir doch mal ist es normal das du jeden meiner Gedanken lesen kannst?“ „Du irrst dich, ich kann deine Geistesgüter keineswegs lesen! Ist das dann alles!“ „Dann hörst du sie eben!“ Er grinste mich schief an, „Ist das eine Frage oder Feststellung?“ „Raphael!“ warnte ich ihn, mich daran erinnert ihm eine direkte Frage zu stellen, „Hörst du jeden meiner Gedanken?“ „Jaa, jeden! Auch jedes Gefühl, auch wenn dein Magen sich zusammenzieht, wenn Uriel dich ansieht. Auch deine Freude wenn du Gab oder Mike siehst, auch deine Zweifel die du mir gegenüber hegst. Sonst noch Fragen?“ beherrscht wartete er auf eine Antwort. „Ja, eine noch! Wann gehören mir meine Gedanken wieder nur mir?“ „Sobald ich dich deinen Partner übergebe!“ „Wie bitte?“, entsetzt, zuckte ich zurück. „Du hast ganz richtig gehört! Solange du dich in meiner Obhut befindest! Ist Ben, eine nicht, zu unterschätzende Gefahr. Er will Rache und dazu will er dich benutzen. Sind dir seine Worte etwa entgangen?“ „Wieso gerade ich?“ „Weil er weiß, dass ich meinen Job ernst nehme!“ Darauf wusste ich keine Erwiderung. Raphael betonte immer wieder, wie wichtig es ihm war, die ihm übertragenen Aufgaben zu aller Zufriedenheit zu erledigen. Dazu gehörte ich nun einmal auch. „Na siehst du!“ bestätigte er meine Überlegungen. Einige Stunden später wanderten wir nun durch die Geschäfte, auf der Suche nach einigen vernünftigen Kostümen. Doch überall hörten wir nur das seien die Reste, darunter befanden sich die üblichen Teufelverkleidungen sowie noch einige Perrücken. Enttäuscht ließen wir uns in einem Cafe nieder. Bis einer den Einfall hatte, in einer anderen Stadt nach passenden Kostümen zu schauen. Dies wurde einträchtig angenommen. Nur Raphael sträubte sich dagegen. Er erteilte Gab den Auftrag für uns etwas mitzubringen. Mike bat Gab ebenfalls darum. Myriel versprach mir auf Gabriel ein Auge zu halten, damit er nicht etwas völlig unpassendes aussuchte. Gespielt empört beschwerte er sich, bevor sie sich auf den Weg machten. Wir blieben noch eine Weile im Cafe sitzen, bis wir uns zum Haus unserer Gastgeber aufmachten. Ich hatte das Gefühl, Mike wolle mit Raphael reden, deshalb zog ich mich auf mein Zimmer zurück und legte mich hin. Bald darauf schaute Mike nach mir, da ich mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt war, gab ich vor, zu schlafen. Mike war genau wie ich nicht völlig frei von Zweifeln. Was verbarg Raphael? Wieso wollte Ben Raphael schaden und wie weit konnte er dies? Raphael, selbst unterschätzte Ben keineswegs, das konnte man deutlich sehen. Was war zwischen den beiden vorgefallen, das Ben Raphael so hasste. Denn es war reiner Hass, der aus seinen Augen gesprochen hatte. Wieder ging die Tür auf, „Du brauchst dich nicht zu verstellen!“ sagte Raphael, nachdem er die Tür verschloss. Er setzte sich neben mir auf die Bettkante, „Claire all dein Nachgrübeln bringt dir nichts ein. Du wirst den Sinn dahinter niemals verstehen. Deshalb tue mir und dir den Gefallen und höre auf damit.“ „Das kann ich nicht, Raphael! Erkläre es mir einfach!“ bat ich ihn, doch Raphael zuckte mit den Schultern. „Genau, das Claire! Kommt mir nicht zu! Es gibt gewisse Begebenheiten, die besser nicht mehr ausgesprochen werden sollten. Falls doch, so muss jemand anderes dir davon berichten.“ Er sah ehrlich bekümmert aus, also gab es einen Grund, warum Ben solch einen Hass hatte. Raphael war zwar darin verwickelt, doch noch jemand! Mike! War Ben sein Sohn, der zu einem Nephilim wurde. Aber wie sagte Mike damals Raphael habe sich darum gekümmert. „Claire! Egal was du dir ausmalst, das bringt nichts!“ Also hatte ich Recht. Raphael zog meine Decke weg, „Nun steh auf, dann kannst du uns helfen! Wir wollen unten am Strand alles vorbereiten. Außerdem kommst du dann auf andere Gedanken, Frau Inspektor!“ Langsam kletterte ich aus dem Bett, immer noch gefangen von meinen Vermutungen, „Wenn du nicht sofort aufhörst, sorge ich dafür …“ kam er drohend auf mich zu. „So wie willst du das anstellen!“ denn schließlich waren das meine, wollte er mir etwa vorschreiben was ich zu Denken habe. „Nein, ich werde dir etwas zum Nachdenken geben!“ seine Augen blickten anzüglich über meinen Körper. Ich konnte mir vorstellen, was ihm durch den Kopf ging. „Genau, Süße!“ er trat mir in den Weg, „ich zum Beispiel habe auch so einige Gedanken, die ich dir gern mitteilen würde!“ schon überfluteten mich Bilder, die mich verlegen die Augen schließen ließen. „Hör auf damit!“ forderte ich. „Nein ich fange erst gerade an, Mike ist unten am Strand. Wir sind allein im Haus! Man sollte die Gunst der Stunde nutzen.“ Ich trat den Rückzug an, ruhig lächelnd folgte Raphael mir. „Wann begreifst du endlich, du kannst mir nicht entkommen.“ Ich warf einen Blick auf die Tür, rechnete aus, welche Chance ich hatte an ihm vorbei zukommen. „Keine!“ prophezeite er mir siegesgewiss lächelnd. Schon schlang er seine Arme um mich, „und nun, erwarte ich eine Entschuldigung von dir!“ Abwehrend hob ich die Hände so gut ich konnte, „Warum sollte ich? Du bist derjenige, der mich mit Gewalt festhält.“ „Und du hast mich einen Mistkerl genannt!“ langsam senkte er den Kopf und ich drehte meinen zur Seite, doch das störte Raphael nicht im Mindesten. Denn nun fuhren seine Lippen meinen Hals entlang. Erregend langsam fuhr er ungehemmt fort. Er musste damit aufhören, sofort! „Ich spüre deine Reaktion! Oh, das hast du gern?“ Er hielt inne, kurz unterhalb meiner Kehle. Ich unterdrückte das wohlige Gefühl, das durch mich hindurchrauschte. Nun streichelte er auch noch mein Rückgrat hinab. Kleine kurze Blitze zuckten auf, wo seine Finger entlang strichen. An meinen Po hielt er inne drückte mich an sich, ich spürte seine Erregung. Jede Bewegung, jeder sachte Kuss züngelte in mir eine Flamme ein Begehren auf. Der Gedanke an Flucht war schon längst untergegangen, ich wollte nur noch ihn spüren. Schon längst kam ich ihm entgegen, spürte seine nackte Haut unter meinen Fingern. Losgelöst antwortete ich auf seine Zärtlichkeiten, ließ alle Bedenken und Hemmungen hinter mir. Nur eines zählte er und ich. „Himmel noch mal!“ abrupt ließ Raphael mich los. Bevor ich auch nur blinzeln konnte, stand er schon im Flur. „Wären wir nur, jetzt zu Haus, aber das ist Kayles Haus. Deshalb meine Liebe werden wir warten, bis wir daheim sind. Ich warte unten auf dich!“ Frustriert und lustlos zog ich mich an, warum nur konnte er einfach nicht weitermachen. Ich sehnte mich nach seinen Händen, die erregend meinen Körper streichelten, seinen Lippen. Er ließ mich einfach stehen! Doch erst nachdem er diesen Wahn in mir auslöste. Warte ab, mein Lieber auch ich habe so einiges gelernt. Mir war es gleich, das Raphael meine Gedanken hörte, nein ich nutzte das aus. Immer wieder beschwor ich jede einzelne Szene herauf. Versetzte mich in diese Gefühle, die mir noch so fremd waren. Das ich Erfolg mit dieser Taktik hatte, daran bestand kein Zweifel. Zuerst gab Raphael sich der Lage gewachsen. Ironisch lächelte er mich an, dann in einem geeigneten Moment, als Mike kurz im Haus verschwand. „Da musst du schon schärferes Geschütz auffahren, um mich aus der Ruhe zu bringen!“ doch der anschließende wilde Kuss, besagte das ich auf den richtigen Weg war. Dann bemerkte Mike, wie abwesend Raphael war. „Wie oft willst du die Decken denn noch hinlegen? Was ist los mit dir? Erst breitest du die Decken aus dann faltest du sie wieder zusammen?“ Von nun an, beobachtete Mike ihn mit Argusaugen, kopfschüttelnd nahm Mike Raphael ins Visier, „Raphael! Hast du irgendwelche ernsthaften Probleme?“ Ja die hat er! Jubilierte ich innerlich und dachte daran, wie er begehrend meine Nippel verwöhnte. Raphael zuckte zusammen. Für Mike ein Zeichen, das er mit seiner Vermutung gar nicht so falsch lag. Verständnisvoll fragte er Raphael, wie er ihm helfen könne. Was ich wiederum nutzte und mir vorstellte, wie ich seinen Leib hinunter streichelte. „Nein Michael es ist alles in Ordnung. Ich habe nur ein kleines Problem mit einer …“ mehr verstand ich nicht, denn den Rest teilte Raphael Mike gedanklich mit. Mike grinste und meinte dann, „Du solltest dich der Dame annehmen, Raphael. Wenn du nur wegen Claire hierbleibst, dann denke daran ich kann auch auf sie aufpassen.“ Doch Raphael wiegelte ab, „Ich komme damit schon zurecht, Mike. Denn ich lasse mich von keiner Frau beeinflussen, auch wenn sie einen noch so verführerischen Körper hat.“ Die Worte galten mir. Mike zuckte die Schultern, „Wie du meinst!“ Indessen warf mir Raphael einen triumphierenden Blick zu, ich indem streichelte langsam meinen Hals hinunter und sah ihn dabei fest in die Augen. Zähneknirschend wandte sich der Herr ab. Dann sandte ich ihm noch ein Bild hinterher. Schließlich waren alle Vorbereitungen abgeschlossen, wir mussten nur noch auf die Kostümjäger warten. In der Zwischenzeit ging ich schwimmen, natürlich begleitet von Mike und Raphael. Oder wir sonnten uns am Strand, träge zog sich der Nachmittag mit Nichtstun hin. Am frühen Abend trudelten die Ersten ein. Von ihnen erfuhren wir das sie sich in verschiedenen Städten umgesehen hätten. Keiner wollte verraten, welches Kostüm er tragen würde. Alsbald kam auch der Rest an, mit ihnen Gabriel. Neugierig wie ich war wollte ich natürlich wissen, welches Kostüm er für mich ausgesucht hatte. Weder von ihm noch von Myriel bekam ich eine befriedigende Antwort. Nur in diesen Minuten ließ ich von Raphael ab. Auch im Laufe des Abends. Erwies es sich als schwierig. Ständig meine Gedanken aufrecht zuerhalten. Denn während eines Gesprächs konnte ich nur das eine oder andere. Dementsprechend entspannte Raphael sich auch wieder, „Es ist gar nicht so leicht, nicht wahr!“ zog er mich auf, „Doch warte die Zeit ab, spätestens Sonntagabend darfst du mich von deinen neu erworbenen Kenntnissen überzeugen!“ gurrte Raphael mir ins Ohr. „Das ist noch lange hin! Was hältst du von gleich?“ gab ich flüsternd zurück und streifte dabei absichtlich sein Ohrläppchen. Ich kam mir ungeheuer sicher vor. Heute Nachmittag war etwas mit mir geschehen, was wusste ich selbst nicht zu sagen. Nur eines ich wollte Raphael spüren. Wie unter Zwang folgte ich den eingeschlagenen Pfad. „Was habt ihr denn neuerdings für Geheimnisse?“ erkundigte sich Gab, aufmerksam betrachtete er uns. „Es scheint das mir etwas entgangen ist!“ murmelte er mehr zu sich selbst. Unter seinen prüfenden Blick wurde es mir unbehaglich. „Du siehst Gespenster!“ griff ich ihn deshalb an, „Verrate mir lieber, welches Kostüm ich tragen werde!“ „Du bist ganz schön raffiniert! Das ist mir bisher nie aufgefallen!“ konterte Gab, „aber behaltet euer Techtelmechtel lieber für euch! So mancher Engel ist keinesfalls so großzügig wie ich.“ leiser an Raphael gewandt, „Es ist allgemein bekannt das Claire …, du weißt schon! Denk gut darüber nach, Raphael!“ Raphael blickte starr vor sich hin, dann lächelte er Gab beruhigend zu, „Ich weiß, was ich tue!“ „Das mein Freund! Sagst du mir persönlich im Moment zu oft.“ Mit diesen Worten entfernte Gab sich. Nachdenklich sah Raphael hinter ihm her. Myriel fasste in diesem Moment nach meiner Hand. „Claire sie wollen mich wieder als Wasserball benutzen, sie sagen das ich so schön fliege. Bitte hilf mir!“ Etwas ratlos wurde ich ins Meer gezogen, irgendwer warf mich dann hinaus ins Wasser. Von Colin wurde ich lachend begrüßt, dann schnappte er mich und schon flog ich zum nächsten. Wieder und wieder, bis ich es endlich zum Strand schaffte, total atemlos half ich gerade Myriel aus dem Wasser. Als ich erneut gepackt und ins Wasser befördert wurde. Neben mir klatschte Myriel auf. Schon wurden mir die Beine weggezogen, als ich japsend nach Luft schnappte, rief ich Mike um Hilfe an. Der sich die ganze Zeit das Treiben ansah. Doch, anstatt uns zu helfen, feuerte er auch noch Colin und Al an. Myriel hatte es fast geschafft. Jubelnd lief sie die letzten Meter durch die Gischt. Als sie wie von unsichtbarer Hand emporgehoben wurde und durch die Luft flog. In den Fluten stand Kayle, der sich bisher heraushielt. „Könnt ihr noch nicht einmal zwei schwache Frauen bändigen!“ er lachte sie aus. Und schon rollten sich fünf graue Gestalten auf Kayle zu. Der lachte und forderte sie auch noch heraus. Myriel und ich nutzten diese Ablenkung, sahen zu an Land zu kommen. Die letzten Meter krabbelten wir durch den Sand. Gegen das, was nun folgte, war die vorherige Schlacht, nur ein harmloses Geplänkel. Sogar Mike sprang auf und beteiligte sich daran. Teilweise konnten wir nur erraten, wessen Körper gerade durch die Luft sauste. Sie waren so schnell, dass sie wie ein Flummi mal hier und dann wieder dort auftauchten. Nun feuerten wir gerade den einen oder anderen an. Bis Kayle und Uriel auf uns zukamen, erschreckt wollten wir davonlaufen. Aber sie hatten uns schon ergriffen, bevor wir auch nur den Versuch unternahmen. Myriel schrie auf als Kayle sie einfach über die Schulter warf und mit ihr in den Fluten verschwand. Ich verlegte mich aufs Betteln, doch Uriel ging langsam aber unaufhaltsam ins Wasser. Mit aller Kraft stemmte ich mich in den Sand. Jedoch hob er mich mit einer Bewegung auf, ich schlang meine Arme fest um seinen Hals. Er würde mich nicht noch mal werfen. „Bitte Uriel!“ und sah ihn einschmeichelnd an. Langsam ließ er mich an seinen Körper herunterrutschen. Kaum hatte ich erleichtert Boden unter den Füßen, wurde ich auch schon wieder wie eine Puppe aufgehoben. „Das hast du dir so gedacht!“ blitzte er mich lachend an. „Ich könnte es mir überlegen, Claire! Was gibst du mir, wenn ich dich ziehen lasse?“ fragte er herausfordernd. „Was willst du?“ Er tat als überlege er angestrengt, „Ein offizielles Treffen!“ antwortete er ernst. „Da fragst du die Falsche, das ist Raphaels Aufgabe.“ „Ich weiß, jedoch frage ich dich! Habe ich nach allen Engeln überhaupt den Hauch einer Chance?“ „Uriel das kann ich dir nicht beantworten. Vielleicht kommt überhaupt kein Engel, infrage! Weiß ich, was in Zukunft geschieht! Oder weißt du es?“ „Nein auch ich stehe da im Dunkeln. Aber ich kann mir einen Vorteil verschaffen! Die Gelegenheit ist günstig.“ Grinste er verwegen und ich spürte seine Lippen fragend auf meinen Mund. Zuerst wollte ich ihn wegstoßen, aber irgendetwas ließ mich innehalten. Wie bei unserer ersten Begegnung flatterten in meinen Magen Hunderte von Schmetterlingen. Unwillkürlich erwiderte ich seinen Kuss. Doch noch während, ich Uriel küsste wusste ich, es war nicht das Gleiche wie wenn ich Raphael küsste. Langsam löste ich mich aus seiner Umarmung. Uriel sah mich verlangend an, „Das war mehr als ich zu hoffen wagte!“ er ließ mich widerwillig los, „Du kannst gehen! Noch eines Claire ich werde nicht so schnell aufgeben! Und noch eines ich strebe eine Verbindung an!“ Damit schwang er sich ins Wasser und tauchte davon. Ich machte mich auf den Weg zum Strand, als ich abermals von den Füßen gerissen wurde. Diesmal blickte ich in zornesfunkelnde grüne Augen. „Du hast Uriel geküsst!“ „Ja!“ mehr gab es dazu nicht zu sagen. „Und hat es dir gefallen? Küsst er, so gut, wie ich oder besser?“ Er war außer sich vor Wut, dunkle fast schwarze Blitze schossen auf mich herab. In diesem Sturm hüllte er mich ein, wie ein tosendes Unwetter wirbelten wir umher. Bis ich am Strand kniete, mich immer noch an Raphael festhaltend. Dieser fragte mich barsch, „Wieso? Was bedeutet er dir?“ er schrie die Worte fast heraus. Ich schaute mich nach den Engeln und Myriel um. Aber sie waren nirgends, vielleicht waren sie draußen im Meer. Doch dieser Ozean sah völlig anders aus. Auch die Umgebung. „Wo sind wir?“ Raphael keines vernünftigen Gedanken fähig, starrte mich nur an. Wütend schloss er mich in seine Arme, sein Mund presste sich brutal auf meinen zwang meine Lippen auseinander. Wehrlos musste ich den Ansturm über mich ergehen lassen, dass schlimmste daran war. Mein Körper antwortete auf seinen heftigen Vorstoß. „Merke dir eines! Du gehörst mir! Mir allein!“ grollte Raphael. Das brachte mich zur Vernunft. Erbittert stieß ich Raphael von mir, „Was sagtest du eben? Weißt du eigentlich, was du tust?“ verächtlich fuhr ich fort, „Du solltest mein Begleiter sein, nicht mein Verführer! In gewisser Weise handelst du, wie du mir die Nephilim beschrieben hast.“ In Raphaels Miene spiegelten sich die unterschiedlichsten Gefühle; Zorn, Wut, Erbitterung mit einer Wildheit, die mich faszinierte. Langsam bekam er sich in den Griff. Er stand auf, entfernte sich von mir. Mit geballten Händen atmete er tief ein und aus. Plötzlich fasste er mich ins Auge. „Du hast Recht. Ich habe mich vergessen.“ Er reckte sich empor, „Ich bin dein Begleiter! Nichts weiter!“ wem sagte er das mir oder sich? Noch einmal fuhr er mit dem Finger über meine Lippen, „Sieh mich an, ich bringe uns zurück!“ Niemanden schien es aufgefallen zu sein, das wir eine Weile verschwunden waren. Die Wasserschlacht tobte noch immer. Myriel kämpfte sich gerade erfolgreich ans Ufer. Sie winkte mich zu sich. Raphael nickte mir zu, „Ich bleibe in der Nähe, falls Ben einen zweiten Versuch unternimmt!“ „Das glaube ich eher nicht!“ meinte ich zweifelnd. „Er wird! Sobald er eine Gelegenheit bekommt. Das kann ich dir versichern!“ er wandte sich dem Meer zu und steuerte den nächsten Engel an. Das war Gab, wie ich an der langen blonden Mähne erkannte, als er davon segelte. Beklommen schlenderte ich langsam hinüber zu Myriel. Zeit schindend. Was sollte ich davon halten? Raphaels Verlangen, seine Raserei dann die schlichte Distanz, die er aufbaute. Welche entsprach seiner wahren Natur. Wie würde er mir künftig gegenübertreten? Wie sollte ich mich verhalten? Konnte, wollte ich einfach vergessen, was ich in seinen Armen empfand? Nein das würde mir niemand nehmen können. Ich war ehrlich genug das ich für Raphael weit mehr empfand als er jemals für mich. Damit stand ich wieder vor einem neuen wie auch alten Problem, warum also noch weitere Treffen. Warum Hoffnungen wecken, die nie erfüllt werden können. „Nun, was ziehst du für Kummerfalten?“ begrüßte mich Myriel. Ich winkte ab, wie sollte ich ihr erklären, dass ich einen ganz anderen Raphael kannte, als sie. „Ist es wegen Uriel? Ich habe gesehen, wie ihr euch geküsst habt!“ Darauf gab ich ihr keine Antwort, was sollte ich dazu auch sagen. „Wenn du meinst, es geht mich nichts an, dann sage es mir! Sauer bin ich deswegen bestimmt nicht.“ „Nein, schon gut Myriel. Es ist nur so, wie erkenne ich das es der richtige ist? Mir fehlt einfach die Erfahrung. Mein Leben lang war ich nur der Kumpel und nun …“ wie sollte ich das ausdrücken. „… und nun hast du zu viele Bewerber!“ beendete Myriel den Satz, „Ist es das? Aber damit nicht genug, sie betören uns. Sie strahlen eine Macht aus, der wir kaum gewachsen sind. Eines kann ich dir sagen, wenn der Richtige kommt, dann weißt du es.“ „Wie war das bei dir und Kayle?“ „Oh!“ lachte sie, „wir sahen uns an und wir wussten es. Es passierte nichts Dramatisches, wenn du das meinst.“ „Raphael?“ fragte ich, doch schon bereute ich die Frage, aber Myriel lächelte mich wissend an. „Raphael! Ja, er ist ein besonderer Fall. Wir waren alle; ich meine uns Kandidatinnen, in ihn verliebt, die einen mehr die anderen weniger. Antonia, du wirst sie noch kennenlernen. Hat es, als einzige gewagt Raphael zu verführen. Zumindest versucht!“ Ich hörte gespannt zu, Myriel grinste vor sich hin, „Also Antonia stammt aus irgendeinem Adelsgeschlecht. Sie war und ist ein verwöhntes kleines Aas. Schau mich nicht so an! Meinst du, nur weil ein Engel dein Partner ist, verlierst du deinen Charakter oder der Engel sucht sich eine Heilige als Frau.“ Klärte sie mich grinsend auf, „Also Antonia wollte sich Raphael angeln. Was genau sie versuchte weiß ich nicht. Nur eines, sie versuchte, Raphael zu umgarnen. Recht verbissen sogar!“ „Was ist dann geschehen?“ warum musste sie so drum herum reden. Sie kicherte, „Im Pferdestall ist sie wohl handgreiflich geworden …“ „Ihr sprecht von Antonia?“ Gab setzte sich zu uns, über das ganze Gesicht grinsend, „Sie nackt im Stall! Hat auf Raphael gewartet. Kaum war er vom Pferd gestiegen sprang Antonia ihn an. Sie hing wie eine Klette an Raphael, dabei bestürmte sie Raphael. Er hat Antonia dann in den Wassertrog gesteckt und nicht nur das sie immer wieder untergetaucht, bis sie zur Vernunft kam. Wer Antonia kennt, weiß, dass dies eine Weile braucht.“ Lachte Gab uns an. „Ah, das hat uns die liebe Antonia natürlich nicht erzählt! Sondern wie sehr Raphael es bedauerte. Er könne ihre Liebe niemals erwidern, da er einen Eid abgelegt habe. Sollte jedoch eine Frau ihn jemals in Versuchung gebracht haben, dann sie. Antonia erzählte, wie sehr sie gemeinsam weinten, aber die Vernunft habe schließlich gesiegt.“ „Diese Version kannte ich noch nicht!“ Gab schüttelte sich angewidert, „Das Sel sie so vergöttert! Verstehe das einer. Eigentlich wollte ich euch überreden, mit ins Wasser zu kommen.“ Wir sagten Gab, das wir uns noch ausruhen mussten und sahen zu wie er ins Wasser schnellte. Myriel meinte dann, „Antonia ist ein extremer Fall. Doch wie gesagt haben wir uns alle in Raphael verliebt. Er nimmt heute immer noch einen besonderen Platz ein, zumindest bei mir und den meisten Frauen.“ Sie sah mich gespannt an, „Was ist mit Uriel? Ist er dein Engel?“ Ich zuckte die Schultern, „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wenn er mich ansieht, habe ich zwar Schmetterlinge im Bauch. Er hat auch etwas das mich anzieht. Aber …“ „Warte ab! Nicht immer klickt es gleich beim ersten Blick. Für mich ist Uriel übrigens der Favorit.“ Sie sah hinaus, „Er ist, der einzige Erzengel, der infrage käme. Michael und Gabriel schließe ich aus. Bleiben nur noch zwei! Raphael? Ich weiß es nicht!“ sie beobachtete mich genau, ich versuchte so gleichmüßig es ging auszusehen, sie seufzte, „also bleibt nur Uriel!“ „Oder keiner!“ ließ ich meine Gedanken freien Lauf. „Nein! Denn du bist für einen, geradezu wie geschaffen.“ Davon war Myriel überzeugt. Plötzlich fing sie an zu Lachen, „t´schuldige, aber ich habe gerade ein Bild vor mir. Antonia erfährt gerade das Raphael sich mit dir verbindet. Göttlich einfach nur göttlich!“ und hielt sich den Bauch. Wirklich, zu lachen war mir nicht zumute, eher zum Heulen. Entschieden schüttelte ich meine trüben Gedanken ab, es brachte mir nichts ein. Raphael würde sich niemals mit mir verbinden. Er erwünschte zwar meinen Körper doch das war auch schon alles. Damit war alles gesagt. Mit diesem Kapitel sollte ich endgültig abschließen. „Das ist der einzig richtige Weg!“ ich sah auf, aber nur Myriel und ich saßen hier, von Raphael keine Spur. Er war immer noch im Wasser. Wie war das möglich? Ich wusste das er meine Gedanken hörte doch ich seine? Nein dazu war keine Frau in der Lage! Es wurde wirklich Zeit, dass ich mich innerlich von ihm löste. Sonst würde ich noch verrückt. Oder mich so wie Antonia, in einem Wassertrog wiederfinden. Entschlossen blickte ich auf. Mein Entschluss war gefasst. Denn ich habe Mike mein Wort gegeben. Daran hielt ich fest. Wohlwollende bestätigende Anerkennung, durchfluteten mich. Aber ein Hauch von Kummer lag unterschwellig darin. Müde kamen die Engel aus dem Wasser, still ruhten sie eine Weile doch dann entwickelten sich Gespräche. Schon bald regten sie sich wieder. Ich konnte nur staunen, was für eine Energie sie innehatten. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwand, wurde das Lagerfeuer entzündet. Gab hockte neben mir, „Das war ein schönes Spektakel!“ Ich nickte ihm zu, „ja ich mag die Dämmerung. Tag und Nacht liegen im Einklang.“ bestätigend sah er mich an, nahm mich in den Arm. „Bald wirst du an unser Fest teilnehmen. Dann begreifst du deine Worte noch besser, den tieferen Sinn darin.“ „Euer Fest?“ „Bald, mein Kleines! Doch vorher wirst du noch eine Menge Arbeit vor dir haben. Raphael hat endlich einen Plan parat. Wurde auch Zeit. Du wirst einiges Erleben, auch wird es anstrengend. Aber er hat das richtige Konzept für dich. So wirst du lernen und zudem die nicht wenigen Kandidaten kennenlernen.“ „Gabriel du sprichst in Rätseln! Entweder …“ „… du klärst Claire auf oder sie reißt dir den Kopf ab.“ Unterbrach Raphael mich. „Ich wollte dir zwar erst am Sonntag mitteilen, was auf dich zukommt. Doch durch dieses Tratschweib werde ich dich nicht länger auf die Folter spannen.“ Er sah zu Mike hinüber, der sich dann zu uns gesellte. In kurzen Worten teilte er uns seinen Vorhaben mit. Ich sollte mit Gab und ihm den Erdball bereisen. Zum einen sollte ich meine Kenntnisse erweitern, zum anderen lernte ich die Kandidaten in ihrem Umfeld kennen. Das ersparte das zweite Treffen. Raphael wollte keine strengen ersten Treffen, sondern so, wie dieses Wochenende. In gelöster Atmosphäre, das Kennenlernen gestalten. „Wie im Einzelnen wir verfahren, entscheiden wir vor Ort. Wir legen eine Reiseroute fest, daran können die Engel sich halten.“ Schloss er schließlich, der Reihe nach schaute er uns fragend an. Mike schien sehr zufrieden mit Raphaels Reiseplan. Gab rieb sich vergnügt die Hände. „Was ist mit dir? Irgendwelche Bedenken?“ „Ja mehrere! Ich weiß, dass ihr mich wieder bestürmt, doch das alles ist eine Kostenfrage.“ Die drei machten den Versuch mir zu widersprechen, doch ich ließ mich nicht unterbrechen. „Wie ihr wisst, ist das für mich …“ nun schnitt mir Raphael doch das Wort ab, „Claire, du brauchst dir um die finanzielle Seite keine Sorgen zu machen.“ „Aber …“ „Kein aber, wenn oder sonst was!“ entschied er bestimmt, „Sonst noch Fragen? Oder Bedenken.“ „Wohin und wie willst du reisen?“ gab ich mich geschlagen. Mit zufriedener Miene erklärte er mir das wir in der gleichen Art reisen würden wie wir hierher gekommen sind. Das erspare uns eine Menge Zeit. Gabriel sollte sich schon vorher, zu den jeweiligen Ort aufmachen. Damit wenn wir ankamen, alles Nötige veranlasst sei. Die eigentlichen Städte und Orte wollten sie noch zusammenstellen. Auf jeden Fall sollte ich mich auf einige Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtige Orte freuen. Auch würden wir in verschiedenen Heimen einiger Engel einkehren. Wie zum Beispiel zu Colin der uns schon eingeladen habe. Er bewohnte im Moment ein einträgliches Weingut. Oder Uriel, der sich darauf freue, mich in sein Heim willkommen zu heißen. „So genug geredet ich rieche das Myriel inzwischen fleißig war.“ seinen Leib reibend, stand er flink auf und hielt mir seine Hand hin, „komm, Kleines! Sehen wir zu etwas auf die Gabel zu bekommen. Bevor, dieses Vielfraß, von Uriel alles vertilgt. Was ist mit euch?“ erkundigte er sich bei Mike und Raphael. Sie winkten jedoch ab. „Bitte das ist euer Problem!“ Gabriel schaufelte mir meinen Teller so voll das ich die nächsten drei Tage davon essen könnte. „Wenn du Hilfe brauchst, ich stelle mich gern zur Verfügung!“ stellte Uriel sachlich fest, in seinen Augen lag der Schalk und noch etwas anderes. „Hilfe! Ja, was denkt Gab sich denn nur.“ Hoffnungslos sah ich auf meinen überfüllten Teller und nutzte den Augenblick um meine Verlegenheit in den Griff zu bekommen. „Warte einen Augenblick!“ raunte Uriel mir zu. Kurz darauf kam er mit einem weiteren Teller zurück. „Tauschen wir?“ verschwörerisch blinzelte er mir zu. „Gern.“ „Von wegen ich muss auf meine Taille achten!“ beschwerte Colin sich lauthals, an Al gewandt, „Wie du siehst, dürfen wir diesen Schwerenöter nicht aus den Augen lassen!“ Demonstrativ setze er sich neben mir auf die Bank, damit blieb für Al nicht genügend Platz. Gab löste das Problem, indem er einfach einen Tisch und eine Bank heranholte. „Wer ist denn auf die Idee gekommen, die Tische auseinander zu stellen? Blödsinn!“ „Das war meine!“ gestand ich ein, „Ich fand das hübscher!“ Er schüttelte den Kopf, verkniff sich aber eine weitere bissige Bemerkung. „Nun kann der gemütliche Teil beginnen!“ meinte er dann nur. Und so war es auch, die Nacht schritt schnell voran. Die Sonne weckte mich, erstaunt das sie in den Raum schien. Einen Blick auf die Uhr und ich sah zu das ich aus den Federn kam. Ein leeres Haus begrüßte mich, eilig schlang ich einen Kaffee hinunter, ein Toast hinterher. „Du kannst in Ruhe frühstücken, sie sind mit dem Boot herausgefahren!“ teilte mir Raphael mit und setzte sich an den Tisch. Verlegen knabberte ich an meinen Toast, seit seinem Ausbruch wurde mir bewusst waren wir nun das erste Mal allein. „Du bist hiergeblieben? Warum?“ Er lächelte verkniffen, „Ben! Außerdem arbeite ich an der Reiseroute. Du hast doch noch Urlaub?“ Verhalten nicke ich, mein Urlaub war für den Besuch meiner Eltern bestimmt. „Das werde ich berücksichtigen.“ Also spuckte er immer noch in meinen Kopf herum. Sein Grinsen besagte alles. Na gut ich würde meine Gedanken kontrollieren müssen. „Also zurück zu den Orten, die du meiner Meinung nach kennenlernen müsstest. Wenn dir etwas einfällt, wohin du unbedingt möchtest, dann heraus damit.“ Auf Anhieb viel mir das Taj Mahal ein. Verwarf es jedoch sofort wieder zu weit entfernt. „Warum? Du musst lernen, dass die Entfernung keine Rolle spielt. Unpassend finde ich das Taj Mahl ja, aber das ist auch schon alles.“ „Unpassend? Und noch eines, sei so höflich mich meine Gedanken aussprechen zu lassen!“ „Zeitverschwendung! Doch wie du möchtest! Das Taj Mahal ist eine Grabstätte …“ „Ich weiß das! Aber trotzdem möchte ich eines Tages dorthin.“ „Ja für eine Hochzeitsreise anstrebsam, es soll ja Glück bringen für Frischvermählte jedenfalls wird das behauptet. Andere Vorschläge?“ „Ah, der Louvre!“ wieder war es kaum ein Gedanke, den ich bildete, den aber Raphael aussprach. „Oh, ich bitte um Verzeihung!“ bat er nebensächlich, während er seinen Block aufschlug und etwas niederschrieb. „Ist das dein Plan?“ nachdenklich nickte Raphael, „Darf ich ihn sehen?“ Sein Kopf ruckte hoch, entgeistert schaute er mich an, „Eigentlich, nein! Verstehe bitte,“ lenkte er ein, nachdem er meine Enttäuschung spürte, „das sind hauptsächlich Gabriels und Michaels Ideen. Sie haben die halbe Nacht darüber gebrütet.“ Dann senkte er wieder sein Haupt und kritzelte weiter. Das wurmte mich schon, ich sollte also auf Geratewohl durch die Weltgeschichte reisen. Bedachten sie meine Arbeit? Meine Eltern? Meine Freunde? „Dafür bin ich, ja schließlich da! Ich werde deine Interessen wahren! Du kannst mir vertrauen.“ Meine Skepsis bahnte sich ihren Weg, Raphael lächelte säuerlich auf. „Nun daran werden wir arbeiten! Du wirst sehen, am Ende wirst du keineswegs mehr an mir zweifeln. Da wir gerade schon bei dem Thema sind. Möchte ich dir eines sagen, ich habe mich zu keinem Zeitpunkt dir gegenüber richtig verhalten. Das wird nicht mehr vorkommen. Ich weiß du schenkst mir keinen Glauben. Doch vielleicht änderst du deine Meinung über mich. Nein ich weiß, dass du sie revidierst.“ Vor meinem inneren Auge zogen Bilder und Gefühle auf, die ich nicht unterdrücken konnte. Betroffen betrachtete mich Raphael, doch dann blickte er mich mit gleichgültiger Miene an, „Auch das, wirst du zwar nicht vergessen, aber es wird in den Hintergrund rücken. Sieh, es war bisher immer so. Irgendwann meinte eine Frau, in mich verliebt zu sein. Ich glaube das ist ganz natürlich. Denn ich war ihr Vertrauter und ohne gegenseitige Zuneigung geht das einfach nicht. Aber sobald sie ihren Engel fanden, rückte alles wieder in seine richtigen Bahnen.“ Ungläubig hörte ich mir seine gut einstudierte Rede an. Wollte er mir tatsächlich erzählen, was ich zu fühlen hatte? „Ich sehe du bist nicht davon überzeugt, doch ich habe die Erfahrung mehr als einmal gemacht!“ erwiderte er schroff, bevor er auf die Veranda trat. Ich saß in der Küche immer noch konnte ich es nicht fassen. Dieser verdammte sture Engel wollte mir vormachen, alles sei ein Irrtum! Wütend wollte ich schon zu ihm, doch eine innere Stimme sagte mir ich solle es bleiben lassen. Hin und her gerissen, was ich tun sollte, saß ich da. Schließlich raffte ich mich hoch, streckte mich und beschloss noch ein letztes Mal den Strand und das Meer zu genießen. Meinen Zwiespalt verdrängte ich, in den hintersten Winkel den ich nur finden konnte. Darin war ich schon immer gut. Egal welches Problem mich beschäftigte erst einmal verstauen. Irgendwann holte ich es dann heraus und versuchte die Angelegenheit zu lösen. Inzwischen schwamm ich hinaus, ließ all meinen Kummer hinter mir. Doch der Grund meines betrübten Seelenlebens schwamm in sicheren Abstand neben mir. „Wie lange willst du mich noch ignorieren? Claire man kann nicht alles in eine Schublade verstauen. Rede mit mir!“ genau das wollte ich auf keinen Fall, „Hast du Angst, ich Recht habe? Willst du nur deinen Sturkopf durchsetzen? Warum weigerst du dich, die Wahrheit zu akzeptieren?“ Das ich nicht lache wer von uns war denn jenseits der Realität. Wer wollte mir erzählen es sei nichts als eine vorübergehende Liebelei. Ich musste damit zurechtkommen, denn von seiner Seite war es wirklich nichts anderes. Das hast du oft genug betont! Wie ich damit umgehe, ist ganz allein meine Sache, du hältst dich gefälligst daraus! Unbewusst richtete ich meine Gedanken an Raphael, sah ihn dabei wütend an. Absichtlich ließ ich auch meinen Gefühlen freien Lauf. Ich sah wie tief betroffen er war, zwar nur einen kurzen Augenblick. Denn dann setzte er seine unnahbare Miene auf. Nur in seinen Augen sah ich es. Gut! Dachte ich, sollte auch er leiden. Erbittert, schwamm ich weiter hinaus. „Willst du dich ertränken? Verdammt Claire sei doch vernünftig!“ Raphael schwamm vor mir her, ich musste innehalten. Ungefähr schätzte ich die Entfernung ab. „So weit ist es noch lange nicht, also lass mich!“ Raphael sah mich verbissen an, doch widerwillig machte er mir den Weg frei, „Warte! Ich habe eine Idee!“ Misstrauisch beäugte ich ihn, „Vertrau mir wenigstens das eine Mal. Wie soll ich dir beweisen das du es kannst. Du musst mir schon eine Möglichkeit bieten.“ Das musste ich zugeben, also willigte ich ein. „Halte dich an meinen Schultern fest. Aber richtig!“ Mit langen Armen ergriff ich sie, bemüht ihn auf keinen Fall zu nahe zu kommen. „So geht das nicht.“ Er griff hinter sich und drückte mich unmissverständlich an seinen Rücken. „Besser, ich sagte dir schon das ich dir niemals wieder zu Nahe trete! Ich meine auf die intime Art. Jetzt halt dich fest und behalte deinen Kopf genau hinter meinen.“ Nun verstand ich seine Vorsichtsmaßnahme, wir schnellten wie ein Motorboot durch das Wasser. Er schlug einen Zickzackkurs ein, als ob er etwas suchte. Das Ufer sah ich schon lange nicht mehr. Hier mitten im Atlantik kam ich mir unendlich klein vor. Wie ein Sandkorn in einer Wüste. Was wenn ein Sturm aufkäme. Endlich, verlangsamte Raphael, seine Geschwindigkeit. „Sei ganz still und beweg dich nicht. Sie sind ungeheuer scheu.“ Sprach er so leise das ich ihn kaum verstand. „Da sind sie!“ ich sah in die Richtung, in die er deutete, fasste es kaum. Ein Wal kam direkt auf uns zu. Ein riesiger Buckelwal! „Halte dich an meiner Seite.“ Das brauchte er mir nicht erst zu sagen. Fest umschlang ich seinen Nacken, ich malte mir gerade aus; ein Hieb von diesem gewaltigen Kopf eine ungewollte Bewegung und um uns, zumindest um mich wäre es geschehen. „So ein Blödsinn! Schau dir lieber diese sanften Augen an.“ Er streckte die Hand nach dem Tier aus und vorsichtig kam es näher. Es vertraute ihm! Nicht nur das, ein Jungtier näherte sich nun. Übermütig schwamm es um uns herum. Stupste Raphael an, der Stoß war so gewaltig das wir gegen das Muttertier rammten. Raphael geistesgegenwärtig drehte sich und fing den Drall ab. Doch ich hatte nur Augen für die Wale, wie sie ruhig majestätisch im Wasser davon schwammen. Wie zum Gruß ließen die Tiere eine Fontäne aufsteigen. Noch ganz benommen von diesem Erlebnis, dankte ich Raphael und gab ihm impulsiv einen Kuss. Schnell drehte er den Kopf und meine Lippen küssten seine Wange. Raphael ließ mich los und entfernte sich ein Stück von mir, er sah auf das Meer hinaus. „Ich glaube es ist besser, wenn wir zurückkehren.“ „Wieso kommt ein Sturm auf?“ ängstlich schaute ich mich um. „Nein! Den dürften wir nur von Myriel und Gab erwarten! Falls wir nicht pünktlich zurückkehren.“ Myriel erwartete uns ungeduldig, erst schalt sie Raphael aus, dann mich. „Schnell zuerst isst du etwas, dann duschst du! Wir haben nicht unendlich viel Zeit.“ Scheuchte sie mich davon, an Raphael gewandt, „Du solltest dich auch sputen! Ich will nicht als letzte dort eintreffen!“ „Aber Myriel es ist doch egal, schließlich haben wir einen Tisch reserviert.“ „Ja, euch ist das einerlei! Doch ich will pünktlich sein! Und jetzt sieh zu!“ „Jawohl Madam! Ich eile! Claire willst du …“ den Rest des Satzes blieb ungesagt. Indessen kam Gab die Treppe hinunter, „Raphael das Bad ist frei! Beeile dich Myriel ist in Fahrt. Du weißt was das … ups. Hallo Myriel! Ich bin soweit fertig! Willst du meine Hände und Nägel kontrollieren.“ Grinste er sie frech an. Gab erwartete mich vor meiner Tür. „Bist du soweit?“ „Warte ich habe gegessen, geduscht und auf Myriels Anweisung meine Haare geflochten. Ich denke ich habe nun lange genug gewartet.“ Gab hielt mir die Augen zu, „jetzt vorsichtig, ich führe dich.“ Ich tastete mich langsam vorwärts, „halte die Augen geschlossen, bis ich dir sage das du sie öffnen darfst.“ Ich hörte Papier rascheln, dann ein knistern von Stoff. „Gab nun mach schon!“ forderte ich ihn ungeduldig auf. „Dada! Du darfst!“ Sprachlos sah ich mein Kostüm an, es war …, ich schaute Gabriel erstaunt an. „Wie gefällt es dir nicht?“ „Ungewöhnlich, es ist wirklich außergewöhnlich! Was hast du dir dabei gedacht?“ „Ich? Du wirst die einzige sein die solch ein Kostüm trägt! Das ist doch was!“ Ich konnte nicht anders, ich musste lachen, „Ja das kann ich mir vorstellen! Die einzige Nonne! Inmitten strahlend hergerichteter Frauen. Willst du mir damit etwas bestimmtes sagen?“ Gabriel lachte hintergründig, „Als Nonne, Kleines habe ich dich immer im Blickfeld, dieses Grau sticht unter den farbigen Kostümen heraus. Wie du siehst, ist es nur zu deiner Sicherheit.“ Das erörterte ich nicht weiter, ändern konnte ich es sowieso keineswegs mehr. „Welches Kostüm trägst du, ein Mönch vielleicht?“ grinsend verzog Gab sein Gesicht, „Aber nein, wie fantasielos, du sein kannst. Ich gehe als William Wallace!“ „William Wallace?“ diesen Namen hatte ich schon mal gehört oder gelesen. Dann fiel es mir ein, „Der schottische Freiheitskämpfer!“ ich musste einfach nachfragen, „Dein Kostüm Gab!“ er sah mich strahlend an, „Ist es historisch korrekt?“ „Du kannst ja nachsehen, Kleines! Aber dann garantiere ich dir, das ich mir deine Kutte ebenfalls näher betrachte.“ Versicherte er mir blinzelnd. „Denn die Schotten heben das Röckchen und machen sich kein Köpfchen.“ „Was tun die Schotten?“ Al und Colin kamen grinsend herein. Gab legte dramatisch seine Hand an die Schläfe, „Der Kilt lockt die Frauen an, zur Liebe muss der Mann dann ran!“ vom Gejohle angelockt, erschienen dann Uriel und Raphael, das wurde mir dann doch zu viel und verließ flüchtend den Raum. Indessen hörte ich, wie sie weitere Sprüche klopften. Kayle kam mir entgegen, „Was ist denn da oben los?“ das Gegröle war im ganzen Haus zu hören. „Die Engel, beweisen gerade, das sie auch nur Männer sind!“ informierte ich ihn grinsend. „Ah ja, das muss ich mir näher anschauen!“ und eilte die Treppe hoch. Kopfschüttelnd sah ich ihn ins Zimmer verschwinden, ebenso wie Mike. Kurz erzählte ich Myriel, was dort oben vor sich ging. „Das kann eine Weile dauern!“ meinte sie lachend, „manchmal benehmen sie sich wie kleine Jungen.“ Wir gingen zum Strand hinunter und Myriel erzählte, das sie sich als Peter Pan verkleide. Kayle ging als Captain Hook, Al als Benjamin Franklin, Colin hatte sich Robin Hood ausgewählt. Uriel wagte sich als Engel mit allem Drum und Dran. Raphael musste sich als Henker verkleiden, was bei Gab einen Lachanfall auslöste, während sie das Kostüm bezahlten. Mike würde als Edelmann auftreten, schlicht und unauffällig, wie es ihm gefiel. Schließlich kam Kayle der uns an die fortgeschrittene Stunde erinnerte. Wir folgten ihn. Ich brauchte nicht lange und half Myriel anschließend die Spitzen Ohren anzukleben. „Meine Nase ist spitz genug!“ erklärte sie und streckte ihrem Spiegelbild die Zunge heraus. Wir waren eine bunt gemischte Gesellschaft, während Benjamin Franklin die Tür aufhielt, stürmte Wallace ins Freie. Gefolgt von einem dröhnenden Hook. Indessen versuchte Robin Hood sich im Bogenschießen, sein bevorzugtes Ziel; die Flügel eines bestimmten Engels. Dazwischen hüpfte und sprang Peter Pan, der den Henker bis aufs Blut reizte. Beobachtet wurde dieses Treiben, von einem versnobten näselnden Aristokraten und einer gutmütig dreinblickenden Nonne. Der reservierte Tisch befand sich auf einer Balustrade, so hatten wir einen guten Ausblick auf die Tanzfläche. Ein Getümmel verschiedener Kostüme, darunter Nymphen, Ritter, Fantasiegestalten, sogar ein weiblicher Engel und viele mehr. Pan und Hook stürzten sich sogleich hinein. Ich tanzte abwechselnd mit meinen männlichen Begleitern. Mister William Wallace pirschte sich an den weiblichen Engel heran. Ich stand gerade in dessen Nähe und beobachtete belustigt seine Vorgehensweise. Dann sah ich mich nach den Engeln um, sie waren beliebte Tanzpartner. Da ich im Augenblick auf mich selbst angewiesen war. Ging ich in den Garten hinaus. Eine riesige Terrasse mit einem Springbrunnen in der Mitte führte in den Garten. Es waren kleine Pavillons aufgestellt worden, die zum Verweilen einluden. Überall standen Laternen, die die Anlage diskret beleuchtete. Die Musik drang leise aus dem Saal, das nutzten einige Paare. Sie wiegten sich im Takt der Musik. Ich hielt mich von ihnen fern und schaute mir den Springbrunnen genauer an. Bis ich bemerkte, dass ich beobachtet wurde. Am Ende der Terrasse stand ein Ritter, er nickte mir zu. Ich dachte an die Warnungen der Engel, das auf dem Ball mit einem Nephilim gerechnet werde müsse. Eingedenk dieser Ermahnung lenkte ich meine Schritte wieder dem Saal zu. „Darf ich fragen, wohin die schüchterne Nonne flüchtet?“ diese Stimme, ließ eine Seite in mir klingen. Die bisher nur Raphael hervorbrachte. Erstaunt und zugleich überrascht wandte ich mich dem Ritter zu. „Wie bitte?“ Er verbeugte sich, soweit dies seine Rüstung zuließ. „Es erschien mir, das sie vor mir flüchten!“ „Ja. Nein. Ich …“ verlegen wandte ich mich um, „Meine Begleiter suchen bestimmt schon nach mir!“ „Dieser düstere Henker vielleicht!“ und deutete auf Raphael, der seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen; unnahbar mit vor der Brust verschränkten Armen; uns beobachtete. „Ja genau! Ich wollte gerade wieder zu ihm!“ „Bitte? Zu diesem übellaunigen Kerl?“ Das war ein wenig zu gewagt. „Dieser übellaunige Kerl ist zufällig ein guter Freund!“ damit rauschte ich auf Raphael zu. Mochte ich denken, was ich wollte. Aber es kam, keinen Fremden zu, sich so über Raphael auszulassen. Robin Hood ergriff meine Hand, „Meine liebliche Nonne! Wo warst du nur?“ und schwang mich aufs Parkett. Als ob die Engel sich abgesprochen hätten, tanzte einer nach dem anderen mit mir. Als Raphael an die Reihe kam, fragte er nur, wer der Ritter gewesen sei. „Keine Ahnung.“ Antwortete ich mit klopfenden Herzen. „Wieso meinst du es war Ben?“ „Nein es ist bisher kein Nephilim aufgetaucht!“ der Tanz endete und Gab trat auf mich zu. „Gab, bitte ich brauche frische Luft, ein Glas Wasser und ein wenig Ruhe. Lass dich nicht aufhalten. Wie ich sehe, wartet dort ein Engel!“ „Du bist ein Schatz, Kleines!“ Bevor mich ein Engel zum Tanz holen konnte, verzog ich mich heimlich hinaus. In einer Pagode flegelte ich mich auf eine Bank und streckte gelassen meine Beine aus. Das tat unwahrscheinlich gut. Nur die verdammte Kapuze, oder wie das Ding, auch immer hieß, störte mich gewaltig. Am liebsten hätte ich das Teil vom Kopf gerissen. Ein leises Lachen ließ mich aufhorchen. „Tut mir Leid, ich wollte sie nicht erschrecken.“ Diese Stimme erkannte ich sofort. Aus der dunklen Ecke kam ein leises Scharen, vermutlich von der Rüstung. „Ich wollte eigentlich nur einen Moment ausruhen. Diese Rüstung war kein guter Einfall, wie ich gestehen muss.“ „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, schließlich habe ich sie gestört.“ Und stand auf. „Nein bleiben sie ruhig. Solange sie keinen Tanz fordern und ich meine müden Füße ausruhen kann!“ begleitet von einem leisen amüsierten Lachen. „Keine Sorge, das ganz bestimmt nicht, ich verstecke mich ja selbst!“ „So! Wie kommt das! Sie haben ihren Freund vehement verteidigt. Aber verbergen sich vor ihm.“ „Das verstehen sie falsch, ich bin mit mehreren Freunden hier und jeder tanzt halt gern.“ „Sie nicht?“ „Ich ja schon, aber ich habe nicht die Ausdauer eines … meiner Freunde.“ „Ja irgendwann reicht es!“ ich fühlte mich diesem Unbekannten unterlegen, er hatte eine Art an sich; ich konnte sie nicht erfassen. „Leben sie im sonnigen Florida?“ „Nein ich bin nur zu Besuch.“ „Wo leben sie, wenn ich das Fragen darf.“ „Minnesota, St.Paul.“ „Also das genaue Gegenteil, dort ist es noch kalt.“ „Ja, sie sagen es.“ Schweigend zerrannen die nächsten Minuten, „Also ich gehe dann wieder und überlass ihnen den Pavillon.“ „Eine Frage noch!“ „Ja.“ „Ihr Name.“ „Mein Name?“ irritiert schaue ich ins dunkel, „oh, Claire ich heiße Claire.“ „Claire! Also dann Claire, die Nacht ist noch jung. Vielleicht sehen wir uns noch.“ Stolpernd verließ ich die Pagode, eine wollige Gänsehaut jagte die Nächste. Ohne auf den Weg zu achten, ging ich immer weiter. Bis mir auffiel, dass ich mich vom Gebäude entfernte, ich lief in die falsche Richtung. Dieser Fremde hatte eindeutig etwas an sich das mich verwirrte. Enttäuscht stellte ich fest das ich nicht seinen Namen kannte. Oder eine Telefonnummer, zumindest eine Internetadresse. Aber nein an so etwas Banalen denkst du natürlich nicht. Du solltest ihn fragen. Was tust du eigentlich Claire. Was bist du für ein treuloses Weib. Kannst du dich nicht für einen Mann entscheiden. Noch vor Stunden warst du ein jämmerliches Wrack, das sich am liebsten Raphael an den Hals geworfen hätte. Dann erwiderst du den Kuss eines anderen Engels. Und nun willst du von einem Fremden den Namen und mit ihm in Kontakt treten. Bist du wirklich so unbeständig? Hat Raphael am Ende recht? Nein das bestritt ich, doch dieser Ritter …! Hör auf zu träumen, du hast genug Probleme. Also gebe den Engeln eine Chance, drei sind hier lerne sie kennen! Hoch erhobenen Hauptes ging ich zurück. Mike kam mir besorgt entgegen. „Da bist du ja!“ „Ich habe mich davongestohlen!“ gestand ich ihm ein, hakte mich bei Mike ein, „Pfeifst du sie zurück?“ Leise vor sich hin lachend versprach er es mir, das war das Schöne bei Mike. Er verstand mich, ohne große Worte. Von nun an war der Abend weniger anstrengend. Uriel und Colin erwiesen sich als besonders ausdauernd. Während Al sich zurückhielt. „Tanzt du nicht gern?“ fragte ich, als wir allein am Tisch saßen. „Doch schon, aber ich gehe …“ er sah sich verstohlen um, „… lieber in Discos. Die Musik hier entspricht nicht meinen Geschmack. Bitte behalte es für dich, sollten Gab oder Uriel davon erfahren!“ „Versprochen!“ ich konnte mir denken, dass sie ihn keine Minute mehr in Ruhen ließen. „Was machst du sonst noch gern?“ „Nun ich arbeite gern mit Zahlen. Das mache ich übrigens auch; nun ja beruflich.“ „Beruflich? Das heißt, du arbeitest in einem Büro?“ „Ja, zwar kein Übliches. Es ist eine Hilfsorganisation, die von Raphael, ins Leben gerufen wurde. Dort beschaffe ich Gelder, aus unseren verschiedenen Anlagen. Übrigens Colin arbeitet mit mir zusammen, er ist unser Computerspezialist und Uriel ist auch mit von der Partie. Er ist für die Auswahl der Hilfsbedürftigen zuständig.“ „Ihr arbeitet täglich miteinander und dann verbringt ihr auch eure Freizeit zusammen?“ Nun ich verstand mich mit Sue und Molly sehr gut. Aber ein ganzes Wochenende mit ihnen verbringen! Das wäre denn doch zu viel. Al verneinte und zog eine abwehrende Miene. „Oft sehen wir uns über Wochen nicht, jeder hat zu Haus ein Büro und dann haben wir ein gemeinsames in Raphaels Haus. Das kennst du bestimmt.“ „Nein oder meinst du die Hütte?“ „Die Hütte? Nein Raphael hat noch ein Haus, vielmehr haben wir überall irgendwo ein Heim. Wir müssen diese Domizile manchmal wechseln, dann tauschen wir eben einfach. Sieh dir Kayles und Myriels Haus an, vorher hat dort Barachiel ich meine Bela gewohnt.“ „Ja ich verstehe, es sähe schon seltsam aus, wenn die Nachbarn nicht altern.“ „Richtig, außerdem ist es eine Abwechslung.“ „Abwechslung? Claire ist dir langweilig das du welche suchst?“ erkundigte sich Colin und setzte sich zu uns. Uriel kam dazu, sie erzählten mir von ihren verschiedenen Aufgaben. Die Organisationen waren klein, damit sie keine Aufmerksamkeit erweckten. Das wollten sie unbedingt vermeiden. Colin sammelte Fakten über Bedürftige jeder Art. Al setzte die Gelder in Bewegung und Uriel, verwischte die Spuren. Wer wie viel Hilfe bekam, entschieden dann Raphael oder Al. Die drei waren so verschieden wie es nur ging. Al war die Ruhe selbst, ein Ausgleich zwischen Colin und Uriel. Die beiden sprühten eine Energie aus, die Al absorbierte. An Colin mochte ich die direkte Art. Er sagte ohne Umschweife, was er dachte. Uriel konnte ich nicht genau einordnen er schien oberflächlich zu sein, aber in seinen Augen spiegelte sich eine tiefe Empfindsamkeit. Die er wahrscheinlich kaum jemanden zeigte. Was mich am meisten faszinierte. Was mich wirklich verwunderte; sobald Mike, Raphael oder Gab dazukamen. Zogen sie die Aufmerksamkeit automatisch auf sich. Gab zum Beispiel setzte sich wortlos an den Tisch. Allein seine Anwesenheit stellte ihn in den Mittelpunkt. Das geschah auch mit den zwei übrigen. Als ich Myriel half ein Ohr anzukleben das sich löste sprach ich sie darauf an. „Ich weiß! Kannst du dir vorstellen, wie ich erschrak, als ich die drei das erste Mal zusammen sah. Bis dahin kannte ich nur Raphael. Er stellte mir dann die Kandidaten vor. Du weißt ja ich fand meinen Engel schnell. Mein erstes Fest, das wirst du noch kennenlernen, sobald du einen Partner hast.“ Grinste sie mich an, „Wie läuft es mit Uriel?“ „Myriel! Du wolltest mir eine Antwort geben!“ „Ich komm ja schon dahin, also Raphael allein ist schon ein Erlebnis. Dann erschienen sie gemeinsam zum Fest. Claire es haute mich vom Hocker. Sie haben eine Aura an sich, mehr als sie jetzt zeigen. Hier unterdrücken sie sie. Aber wenn wir unter uns sind. Wow immer wieder. So wie am Donnerstagabend, es haut mich jedes Mal um.“ „Am Donnerstag? Sie waren doch wie immer!“ „Claire, das ist es ja, was ich meine! Du bist für einen bestimmt. Du gehst auch nicht unter, so wie wir alle. Nein du gehörst dazu! Wie kann ich es dir erklären. Wir stehen im Schatten, du stehst im Rampenlicht. Verstehst du!“ „Das ist doch Quatsch Myriel. Ich bin nicht anders als du.“ „Glaub, mir das bist du! So mein Ohr ist fest, hoffentlich hält es jetzt.“ „Dann lasse es doch langsamer angehen!“ schlug ich vor. „Bist du verrückt! Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!“ schon sprang sie von dannen. Bald darauf verabschiedete sich Mike. Traurig sah ich ihm nach, wann ich ihn wiedersehen würde stand im Moment in den Sternen. Zuvor befragte er mich nach meiner Meinung zu den Kandidaten, insbesondere nach Colin erkundigte er sich. Als ich Gab allein erwischte, teilte ich ihm meinen Verdacht mit. Das Mike es gerne sehen würde, wenn ich Colin als Partner wähle. „Gut erkannt, Kleines! Wir haben insgeheim einen Favoriten, doch das heißt nichts. Wen immer du erwählst, ist der Richtige.“ „Aha und welcher Kandidat ist deiner?“ Er schmunzelte, „Das ist mein Geheimnis!“ „Gabriel! Nun sag schon! Stell dich nicht so an!“ und stemmte die Hände in die Hüften. Doch er sah über mich hinweg, „Du solltest ihr einige Manieren beibringen, Raphael! Gehört das nicht zu deiner Aufgabe?“ „Schon! Doch ich habe auf diesem Gebiet aufgegeben. Du kannst es gerne versuchen! Ich wünsche dir viel Glück dabei.“ Und lachte kurz auf. Ich stand mit dem Rücken zu Raphael wusste aber genau das er gerade seinen Kopf geneigt hielt. Mit Gewalt hielt ich mich selbst zurück, denn ich wollte ihn nicht ansehen. Nicht wenn es in dieser Art auflachte. Deshalb antwortete ich betont unwirsch, „Ach ihr! Ich weiß, wie ich mich zu benehmen habe!“ „Wirklich?“ zwei gegen einen war unfair, ich streckte den beiden frech meine Zunge entgegen und ging zu Colin. „Haben sie dich geärgert?“ „Nicht mehr als sonst auch!“ kicherte ich, sein besorgter Ausdruck war Balsam. „Sie sind nur so zu dir, weil sie dich gernhaben.“ „Ich weiß! Trotzdem könnte ich sie manchmal irgendwohin schießen!“ grollte ich und warf den beiden einen bösen Blick zu. Den sie mit einer ironischen Verbeugung notierten. Der Saal heizte sich immer mehr auf und viele suchten die frische Luft auf der Veranda. Auch ich schlenderte mir Luft zuwedelnd darauf, aber abseits der tanzenden Paare. „Claire?“ verwundert schaute ich mich um, soviel ich wusste, saßen die Engel am Tisch oder tanzten. Der Ritter! Er verneigte sich leicht vor mir, „Ich habe gehofft dich noch einmal zu sehen!“ Jetzt duzten wir uns schon! Ein leises Lachen, ertönte sanft unter dem Helm hervor. Er trat auf mich zu nahm meine Hand, „Darf ich um diesen Tanz bitten?“ das war keine Frage denn schon hielt er mich und setze die ersten Schritte. Dieser Unbekannte versetzte mich wirklich in Erstaunen und was er in mir auslöste. Was soll´s Claire sagte ich mir. Du wirst diesen Fremden niemals mehr wiedersehen und schmiegte mich an seine stählerne Brust. Eng umschlungen wiegten wir uns langsam im Kreis, ganz entgegen, des Taktes der Musik. Doch das war einerlei. Sobald die Musik verklang, raunte er nur ein Danke und verschwand in der Dunkelheit. Enttäuscht sah ich ihm nach, zumindest seinen Namen hätte ich zu gern erfahren. Doch während wir tanzten, brachte ich kein Wort heraus, ich war mir zu deutlich seines Körpers bewusst, trotz der Rüstung die er trug. Niedergeschlagen machte ich mich auf zu unserem Tisch, die Engel amüsierten sich königlich, deshalb fiel ihnen meine Wortkargheit gar nicht auf. Ab und an tanzte ich mit einem -und wenn ich gefragt wurde, weshalb ich so still war. Antwortete ich, das ich ziemlich müde sei. Insgeheim hoffte ich, den Ritter zu erblicken. Doch nirgends war er zu sehen. Bis er wie aus dem nichts neben mir stand. Wieder nahm er nur meine Hand und zog mich diesmal zu den tanzenden Paaren. Auch hielt er sich an den schnelleren Klängen der Musik. Irgendetwas war anders! Ich konnte mir das Gefühl nicht erklären, aber es stimmte etwas nicht. Es war die gleiche Rüstung aber der Inhalt darin ließ mich frösteln. Sobald der Tanz endete, wollte ich zum sicheren Gestade, auf die Balustrade. Doch der Ritter hielt mich fest. Ich versuchte ihm meine Hand zu entziehen, zwecklos. Mit eisernem Griff zog er mich wieder zu sich. „Claire, wohin so eilig?“, auch die Stimme passte nicht, zu meinem Ritter. Diese klang eher drohend. Wer dies war, der mich fest in seinen Armen hielt wusste ich nicht. Panik überkam mich. Da rauschte Gab mit dem Engel an uns vorbei, „Gabriel!“ hauchte ich mehr als ich rief. Wie ein Schatten tauchte er an meine Seite auf. „So! Du! Ich denke du solltest Claire nun loslassen!“ Ich wurde von hinten vom Ritter weggezogen, erleichtert spürte ich tröstende Arme, die mich eng an sich drückten. „Mit dir alles in Ordnung?“ ich lehnte mich nur erleichtert an Raphael, ich wusste mich in Sicherheit. „Claire?“ die Besorgnis in seiner Stimme war eine Wohltat. Ich riss mich zusammen, „Es geht mir gut! Wer ist dieser Ritter?“ Nur ein grimmiges Wort knurrte Raphael leise hervor, „Ben!“ „Aber …“ Raphael versteifte sich, jeden Muskel angespannt. Ich spürte die Drohung die von Raphael ausging körperlich und sah ihn an. Seine Aufmerksamkeit war auf Gab und Ben gerichtet. Ich folgte seinem Blick, Ben hatte das Visier seines Helmes hochgeklappt, gerade sagte er, „… sie führt euch an die Nase herum! Erst Raphael, dann Uriel und dann den Ritter heute Abend. Von wegen Nonne in einem Bordell ist sie besser aufgehoben.“ Er spuckte die Worte mit solch einem hasserfüllten Hohn aus. Dass ich vor diesem Hass zusammenzuckte. „Das reicht!“ Raphael schob mich zur Seite, in ein anderes Paar Arme und stürmte auf Ben los. Mit einer Geschwindigkeit, die ich mit den Augen nicht erfassen konnte. Sein Gesicht spiegelte reine Wut, er strahlte eine gefährliche Aura aus. Im Saal wurde es ruhig, sogar die Musik verklang mit leisen Tönen. Eine gespannte Erwartung knisterte im gesamten Tanzsaal. Die Menschen sahen sich beunruhigt an, ihre Gesichter zeigten eine Bangigkeit als würde ihr letztes Stündlein schlagen. Ich sah in ihnen Bestürzung, Bedauern, Verzweiflung, Mutlosigkeit so stark war die Ausstrahlung, die Raphael entfachte. Ben trat erschrocken einen Schritt zurück, doch dann fing er sich grinste Raphael forsch ins Antlitz, „Ja, sie ist eine Hure, die es mit jedem treibt! Lass sie fallen! Ich werde mich persönlich mit ihr beschäftigen. Denn anscheinend bist du nicht Manns genug!“ feixte er herablassend. Gab hielt Raphael zurück, ebenso Mike. Der wie aus dem nichts auftauchte. Er redete beruhigend auf Raphael ein. Doch Raphael hatte keinen Blick für seine Freunde. Er bannte Ben in seinen schier unheilvollen Blick. Ben jedoch, verlachte Raphael, reizte und verschmähte ihn weiterhin. „Raphael darf seine Beherrschung nicht verlieren! Ansonsten wird es einen nicht wieder gutzumachenden Schaden geben. Zu viele Menschen!“ Wer das sagte, konnte ich nicht bestimmen. Im stillen betete ich das Gab und besonders Michael auf Raphael Einfluss nehmen konnten, trotz der Schmähreden Bens. Mike redete weiterhin auf Raphael ein. Gabriel hielt Raphael mit all seiner Kraft zurück, seine Muskeln und Sehnen traten weiß hervor. Dann senkte er den Kopf an Raphaels Ohr flüsterte ihm etwas zu. Raphael erstarrte einen Augenblick, sah sich um. Kurz versenkte er seinen Blick in Meinen. Ein tobendes Unwetter empfing mich. Der Sturm riss mich mit, dann war es schon wieder vorbei. Zum Glück hielten mich starke Arme fest, ansonsten wäre ich gefallen. Gab löste die Umklammerung, mit der er Raphael festhielt. „Danke! Mein Freund!“ nickte er Gab zu. Die Drei, traten nun gemeinsam drohend auf Ben zu, dem entglitt das höhnische Grinsen und er trat schnell die Flucht an. Um mich herum spürte ich Erleichterung, nicht nur die Engel auch die Menschen sahen sich befreit an. Die Musik spielte auf und als wäre nicht das geringste geschehen schwatzten und tanzten sie weiter. Ich hatte nur Augen für Raphael, der mühsam beherrscht um Fassung rang. Endlich löste sich der Griff, der mich die ganze Zeit über festhielt. Ich stürmte auf Raphael zu, mir war es gleich das er nichts für mich empfand. Ich wollte nur eines, mich selbst davon überzeugen, dass es ihm gut ging. Das er diese ungeheure Wut, die tiefe Verzweiflung; die ich bei den kurzen Kontakt erlebte, überwunden hatte. Ich flog geradezu in seine geöffneten Armen, er hielt mich fest an sich gedrückt. Dann sah ich ihn fragend an, das er mit einem beruhigenden Lächeln erwiderte. „Kleines alles in Ordnung mit dir?“ Raphael löste sich aus meiner Umklammerung, und ich bejahte Gabs Frage. Er schlang seinen Arm um mich und führte mich von Raphael fort. „Gib ihm ein paar Minuten!“ „Gab, was war das? Die Menschen haben es gespürt all seine Wut, sie hatten entsetzliche Angst.“ „Wie nur die Menschen?“ versuchte er mich abzulenken. „Gab!“ warnte ich ihn. „Claire!“ er sah mich stur an, das kannte ich bereits zur Genüge. Auch diese Frage blieb unbeantwortet. Mildernd drückte er mich an sich, „Du wirst es noch früh genug erfahren.“ Fragt sich nur wann, ich schaute zu Raphael hinüber. Er stand mit Mike am Rand der Tanzfläche. Mike sah Raphael verunsichert an, während er Mike einiges sagte. „Ist Mike sauer auf Raphael?“ und nickte zu den beiden hinüber. „Nicht direkt sauer, Kleines. Aber Raphael wird ihm einiges zu erklären haben.“ „Was denn?“ „Das mein Schatz muss ich dir doch wohl nicht sagen. Oder meinst du, es ist normal, wenn dein Begleiter sich so aus der Fassung bringen lässt.“ Wissend sah er mich an. „Und nur ein Mensch ihn beruhigen konnte.“ Ich konnte nichts dagegen tun die Röte schoss mir unaufhaltsam ins Gesicht. „Siehst du!“ frönte er lachend. „Und Raphael darf sich nun im Grunde das Gleiche anhören! Deshalb Kleines wirst du ihn nur noch als deinen Begleiter ansehen.“ „Das Gabriel! Hat mir Raphael auch schon mitgeteilt!“ meinte ich schnippisch, als könne man Gefühle einfach wie einen Lichtschalter aus oder anknipsen. Was dachten sie sich denn eigentlich. Glaubten sie wie Raphael, dass ich mich nur aus einer Laune heraus in ihn verliebte! Wütend ließ ich Gabriel zurück, sein Lachen klang mir in den Ohren. Myriel kam besorgt auf mich zugestürzt, „Claire bist du in Ordnung? Hat er dir etwas angetan? Wieso hat Raphael in dir den Halt gesucht?“ „Er hat was?“ „Claire er …“ Kayle trat zu uns, warnend sah er seine Frau an, die sofort verstummte. Sie murmelte sich etwas in den Bart, sah dabei ihren Mann mit einem giftigen Blick an. „Ich denke wir sollten an unseren Tisch zurückkehren und den Vorfall vorläufig nicht mehr ansprechen.“ Er übersah Myriels verkniffenen Ausdruck und führte uns bestimmt die Treppe hoch. Die Sonne ging schon auf, als wir den Heimweg antraten. Schnell hatte sich die Anspannung unter den Engeln gelegt. Wie die Menschen suchten sie erneut die Zerstreuung. Myriels anfängliche Misslaune änderte sich, sobald Kayle ihr gut zuredete. Nur mir gab niemand eine Erklärung. Auch bei Mike stieß ich auf Granit. Raphael hielt sich von mir fern, wann immer ich versuchte mit ihm zu reden kam ein Engel dazu. Nur einmal waren wir für einige Sekunden allein, „Ich erkläre es dir!“ versprach er, zu mehr kam er nicht. Denn schon stand Gab neben uns. Als ich Gab fragte was das solle meinte er nur es sei zu meinen Besten. Myriel aufgedreht, mit einem spitzen Ohr, wollte noch unbedingt an den Strand. Die unverwüstlichen Engel stimmten Myriel zu. Doch ich stahl mich leise davon. Meine Füße brannten vom vielen tanzen. Ich wollte nur noch eines, mir darüber klar werden wie ich das Verhalten der Engel, insbesondere Raphaels bewerten solle. Ich lag schon zusammengekuschelt im Bett, als Raphael eintrat. Sofort richtete ich mich auf, doch hinter Raphael stand Gab. Gut gelaunt warf er eine Tasche in die Ecke des Zimmers. Während Raphael schnell; wie üblich konnte ich die Bewegung nur erahnen, seine Sachen packte. „Ich werde heute bei dir schlafen, Kleines!“ verkündete Gab mir mit sichtlichem Amüsement. Wütend schlug ich auf mein Kissen ein, „Falls du schnarchst, erwürge ich dich.“ „Falls ich schlafe! Neben einer so süßen kleinen Frau!“ Raphael hielt in der Bewegung inne, er starrte ihn düster an. „Gabriel!“ Doch Gab packte pfeifend seine Tasche aus. Als er sah, wo ich lag, „Kleines würdest du dich bitte auf die andere Seite des Bettes bewegen? Ich kann nur auf dieser Seite schlafen und ich will dir ja nicht zu nahe kommen in der Nacht.“ Ein verhaltenes Seufzen entrang sich Raphaels Brust. Ich rutschte umständlich auf Raphaels Seite des Bettes, damit sie meine Nacktheit nicht sahen. Gab schien richtiggehend aufzublühen. „Du brauchst deine Blöße nicht zu bedecken, Kleines! Schließlich habe ich dir schon bei einem Bad geholfen.“ Die Tür krachte mit einem lauten Knall zu. „Warum tust du das? Tust es ihm an?“ „Weil ich es kann!“ „Eine Antwort unter deiner Würde, Gabriel!“ „Tja Claire auch das muss manchmal sein!“ er nannte mich Claire, ein sicheres Zeichen für mich meinen Mund zu halten. „Morgen sieht schon alles anders aus! Raphael wird seinen Verstand wiedergefunden haben und du ebenfalls.“ „Kannst du mir das erklären?“ „Aber gewiss doch.“ Ich starrte ihn überrascht an. Ich sollte eine Erklärung bekommen. Einfach so! „Nun schau mich nicht so erstaunt an! Raphael hat vorhin eine Verbindung zu dir aufgebaut, die nun sagen wir nicht ganz den Richtlinien entspricht, deshalb ist es besser euch heute Nacht zu trennen. Wir wollen doch keine ungewollte Eskapaden oder Verbindung. Raphael nicht, wie er Mike überzeugend dargestellt hat und wir nehmen an du auch nicht.“ Nein natürlich nicht, das Einzige was ich wollte nahmen sie mir. Ich fragte mich, was das bedeutete. Gab erteilte mir bereitwillig Antwort, „Eure Hemmschwellen und deine besonders, sind im Augenblick praktisch gar nicht mehr vorhanden. Ihr würdet nur nach euren niederen Instinkten handeln. Ich habe mir sagen lassen, dass dies bei verbundenen Paaren einen gewissen Reiz im erotischen Sinne ausmacht. Ein übermächtiger Reiz, wohl bemerkt! Und diese Vorsichtsmaßnahme ist nur im eurem Sinne. Auch wenn ihr dies zurzeit keineswegs einseht.“ Gabriel sah mich prüfend an, „Sage mir doch mal, warum du so sauer auf mich bist. Nur weil ich heute Nacht neben dir liegen werde!“ darauf wusste ich keine Antwort, nur eines ich wollte, dass Raphael hier bei mir wäre. „Siehst du! Genau das ist es!“ „Gab hörst du meine Gedanken?“ entrüstet warf ich mein Kissen, er schnappte es lachend, auf. „Kleines seitdem sich Raphael heute Abend mit dir verband höre ich dich. Wenn ich dich nur hören würde aber du hämmerst in meinen Kopf herum.“ Ich konnte ihn nur verwundert anstarren. Gabriel selbst baute die Mauer auf, damit er meine Gedanken nicht mehr hören musste. Weshalb also konnte er dies nun wieder. „Weil Raphael alles niedergerissen hat, er ist zu tief – nein sagen wir vertieft. Es ist ein schmaler Grad, diese letzte Verbindung war einfach zu stark! Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. Und ein Nebeneffekt einer intensiven Verbindung ist nun einmal die körperliche Seite.“ Ich knuffte mein Kissen das war mir einfach zu viel. Ich wollte nur eines eine Erklärung und zwar von Raphael. Das hatte nichts mit Sexualität zu tun. Doch diese Engel glaubten tatsächlich wir würden wie Tiere übereinander herfallen. „Du siehst das richtig! Wenn wir euch ließen, würdet ihr genau so reagieren. Außerdem kannst du dir jeden Gedanken auf ein heimliches Treffen aus dem Kopf schlagen.“ Gab kniete vor meiner Seite des Bettes, betrachtete mich aufmerksam. „Vor der Tür wacht Kayle und Raphael teilt sich ein Zimmer mit Mike. Davor steht Uriel; und Colin und Al sind draußen und behalten die Fenster im Auge. Du siehst also wir haben alle Vorkehrungen getroffen. Du siehst es zwar im Moment nicht ein, aber morgen denkst anders darüber, sowie auch Raphael. Heute seid ihr nicht zurechnungsfähig.“ Er fuhr sanft über mein Haar, „Schlaf meine Kleine!“ Unwirsch drehte ich mich weg. Von wegen schlafen! Er sollte noch sehen; sie würden es noch sehen. Ich würde zu Raphael gelangen, um mir die Antworten zu holen, die mir zustanden. Neben mir kicherte Gab vor sich hin. „Du wirst es nicht schaffen, es macht mir nichts aus eine Nacht zu wachen.“ Ich wartete geduldig, zählte Schafe in der Hoffnung das Gab davon ermüdete. Sang in Gedanken Schlaflieder, sagte Gedichte auf. Doch nichts nutzte, er blieb wach. Dann überlegte ich, wie ich ihn austricksen könnte. Doch bei jedem Einfall, der in die Tat umsetzbar wäre, lachte Gab vergnügt auf. „Auf was du alles kommst, deine Fantasie ist fast schon beängstigend.“ Gab der angezogen auf dem Bett lag, drehte sich zu mir. „Sag mir eines, Kleines was hast du empfunden?“ Ich wusste ganz genau, worauf er anspielte, „Was? Das ich hier eingesperrt bin, das kann ich dir sagen …“ fauchte ich ihn an, aber Gab blieb ruhig. Seine Zähne blitzten auf. Mir viel auf das die Sonne immer höher stieg. Es war zwar noch früh aber der Tag hatte begonnen. „Solange du nicht ruhiger wirst, bleibt ihr getrennt!“ stellte er sachlich fest. „Aber du sagtest …“ „Ich weiß, was ich sagte! So wie ich das sehe, wirst du noch eine Weile brauchen. Mal sehen, wie Mike darüber denkt.“ Ein konzentrierter Ausdruck legte sich über sein Gesicht, also sprach er mit Mike. Dann zog sich ein Lächeln darüber. „Also Raphael ist verhältnismäßig normal. Wir zwei werden nach St.Paul zurückkehren. Raphael kommt später nach.“ Teilte er mir mit gerunzelter Stirn mit. Etwas in seiner Stimme gefiel mir überhaupt nicht, ich war sicher mal wieder nur die Hälfte zu erfahren. Er gluckste vor sich hin, ging aber nicht auf meine Skepsis ein. Myriel, versuchte mit mir zu reden. Sie wollte mir etwas mitteilen, unter vier Augen. Aber immer war ein Engel anwesend, aufbrausend beschwerte sie sich. Doch Kayle der gerade den Wachhund spielte, ließ sich durch ihre Beschwerde nicht aus der Ruhe bringen. „Es ist zum Verzweifeln!“ knurrte sie ihren Mann an. „Myriel sag es mir doch einfach!“ forderte ich sie auf. „Wenn ich das nur könnte, sie haben mir einen Maulkorb verpasst. Solange einer dieser Schwachköpfe anwesend ist, kann ich nicht reden! Ein charmanter Einfall deines Begleiters!“ sie lief wild fuchtelnd durch den Raum, „Aber eines sage ich dir, ich bin dagegen!“ Alarmiert sah ich auf, was hatte das nun wieder zu bedeuten. „Wo gegen bist du?“ fragte ich sie drängend. Sie setzte zu einer Erwiderung an, doch es kamen keine verständlichen Worte aus ihrem Mund. Ein Kauderwelsch von Worten und Tönen, genervt fluchte sie. Also hatten, unter Garantie; Michael, Gabriel und Raphael eine neue Strategie einfallen lassen, die sie mir vorenthielten. Bald darauf kam Gab hereinspaziert, er grinste Myriel keck an, „Wie ich hörte, hast du Probleme dich vernünftig auszudrücken. Das tut mir Leid!“ Wütend stampfte sie mit dem Fuß auf, doch Gab störte sich nicht weiter an Myriel. „Kleines es geht los! Ab nach Hause!“ In der Hütte verbrachten wir den restlichen Tag in eine Art des Kriegszustands. Gab blieb ruhig und amüsierte sich kräftig, während ich gegen ihn Mike und Raphael wütete. Doch das half alles nicht das Geringste. Schließlich setzte ich mich an die Arbeit von Prof Wayne. Das lenkte mich wenigstens ab. Am nächsten Morgen war meine Stimmung auch nicht besser. Wieder und wieder befragte ich Gab, was sie beschlossen hatten. Doch ich biss auf Granit. Den Rest des Tages verschloss ich mich in mein Zimmer und freute mich morgen in der Bibliothek arbeiten zu können. Der Anruf meiner Mom an Abend brachte mich noch mehr auf. Sie erkundigte sich, wie weit wir denn nun seien. Im ersten Augenblick wusste ich nicht, was sie meinte. Bis sie dann deutlicher wurde. Mom fragte tatsächlich nach unseren Hochzeitsplänen! Ungeduldig erwiderte ich das läge noch in weiter Ferne. Das brachte mich wieder auf Raphael, obwohl ich mir strikt verbot an ihn zu denken. Warum war er nicht mitgekommen. Was hatte er Dringendes zu erledigen. Diese Ungewissheit brachte mich um den Verstand. Sue war auch nicht gerade eine Hilfe. Sie wollte natürlich wissen, wie das Wochenende war. Löcherte mich nach Raphael. Mit schlechtem Gewissen erzählte ich ihr, wie toll es war. Doch ich durfte Sue nur von den wirklich wichtigen Ereignissen nichts erzählen. Deshalb war ich froh, das Molly ihren berühmten Blick auf die Uhr warf. Ich verschwand erleichtert im Gewölbe. In der Mittagspause gingen wir in ein Cafe, sie schilderte ihr Wochenende. Sie waren bei Toni und der ganze Clan war dort. Ich hätte in der Runde gefehlt meinte sie bedauernd. Dann nahm sie mir das Versprechen ab, am Freitag einen Frauenabend abzuhalten. Dass ich ihr gerne gab, denn ich war immer noch sauer auf die Engel. Sollten sie gefälligst mal Rücksicht auf mich und meine Gefühle nehmen. Wie üblich holte Gab mich am Abend ab, er wechselte mit Sue und Molly ein paar Worte und ging dann vor und holte den Wagen. „Sag mal wo ist eigentlich Raphael?“ Sue alter Argwohn stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Er ist verreist!“ nuschelte ich und hielt ihr die Tür auf. Sie warf mir einen bedenklichen Blick zu, bevor sie auf die Straße trat. Gab wartete schon in der zweiten Reihe und ich winkte ihr zum Abschied zu. Froh das sie nicht weiter in mich dringen konnte. Der nächste Tag war hektisch, wir bekamen eine Lieferung und es war ungewöhnlich fiel los. Wir arbeiteten die Mittagspause durch und Gab brachte uns eine Stärkung. Kurz vor Feierabend bedankte sich Molly nochmals. Sue und ich völlig erledigt, lehnten an der Ladentheke, als die Tür aufschwang. In der Annahme, dass es Gab war, drehte ich mich um. Doch Raphael kam zögernd hinein. Artig begrüßte er Sue und Molly und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich war verlegen, seit dem Kostümball hatte ich ihn nicht gesehen. Gabs Worte schossen mir durch den Kopf, was hatte er empfunden, als er bei Mike eingesperrt war. Sue beäugte ihn misstrauisch wie immer. Molly wuselte in ihr Büro. Wieder einmal bemerkte ich den Unterschied. Gabriel wurde mit offenen Armen empfangen, doch vor Raphael hatten sie einen höllischen Respekt. Dabei gab er sich heute völlig zahm. Weder blitzten seine Augen ironisch auf, noch hatte er eine bissige Bemerkung auf den Lippen. Freundlich befragte er uns nach den Tag. Sue anfänglich argwöhnend, taute langsam auf. Sie konnte sich seinem Charme nicht entziehen, als er sie offen anlächelte, bekam sie tatsächlich einen roten Kopf. Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Sollte das eine neue Masche werden? Zweifelnd, wie lange dieser Zustand anhalten sollte. Denn das war nicht der Raphael, den ich kannte. Höflich begleitete er uns hinaus. Sue warf mir einen nervösen Blick zu und auch Molly hing an seinen Lippen und hoffte auf ein Lächeln von ihm. In der Hütte erklärte ich ihm das ich am Freitag zu Toni wollte. Ich rechnete mit einem Ausbruch doch er nickte nur zustimmend. Als ich dann sagte, dass es ein reiner Frauenabend wird, war ich völlig perplex. „Gab oder ich, werden uns im Hintergrund halten!“ Es war zum Haare herausreißen er bot mir keine Angriffsfläche. Gab bat mich den Tisch zu decken, was ich dann tat. Und ich konnte es kaum glauben, Raphael stand drei Schritte hinter mir und wartete darauf das ich Platz machte. Er grinste mich nett an, „Ich helfe dir, schließlich hattest du einen harten Arbeitstag!“ Sprachlos starrte ich ihn an. Das waren ja ganz neue Töne! Verwundert schaute ich nach Gab, doch der hatte seinen Kopf fast im Topf versteckt. Achselzuckend nahm ich die Teller aus dem Schrank. Indessen huschte Raphael hin und her und holte Besteck und Gläser. Verwirrt sah ich ihm dabei zu. Keine sarkastischen Kommentare, keine kleinen Seitenhiebe. Er ließ mir Freiraum zum Atmen. Sogar die ständigen kurzen Berührungen unterließ er vollständig, im Gegenteil er sah zu, einen respektvollen Abstand zu halten. Das Abendessen verlief ungewöhnlich ruhig. Gab fehlte genau wie mir die sarkastische Ader Raphaels. Egal was wir auch sagten oder taten, Raphael schmunzelte zwar und zuweilen wirkte er sogar erschrocken. Ich konnte nicht anders und piesackte ihn, während des Essens und danach. Doch keinerlei Gegenschlag, alles perlte an ihm ab. Nein er blieb höflich und freundlich. Genervt ging ich in Mikes Zimmer und nahm mir den Stammbaum zur Hand. Gab brachte mich wie gewohnt zur Bücherei. Am Morgen meinte er ich solle ein Kostüm oder Hosenanzug anziehen, da wir ohne Aufenthalt verreisten. „Wohin Gab?“ fragte ich neugierig. Er jedoch meinte nur ich solle abwarten. Auf dem Weg löcherte ich ihn, doch bekam nur ein Grinsen zur Antwort. „Welchen Kandidaten hat Raphael vorgesehen?“ vielleicht würde ich wenigstens etwas erfahren. Gab sah mich mit hochgezogener Braue an, „Hat Raphael es dir nicht gesagt?“ „Nein ich habe ihn heute Morgen noch nicht gesehen. Sag mal, was war denn gestern Abend mit ihm los? So habe ich Raphael noch nie erlebt!“ Gab zuckte ahnungslos die Schultern und konzentrierte sich auffällig auf den nicht vorhandenen Verkehr. „Keine Ahnung, jeder ist mal ruhiger! Auch Raphael! Wahrscheinlich kennst du nur seine ausgeglichene Seite nicht.“ „Das ist ja mal ganz was Neues! Gab sehe ich so beschränkt aus? Oder, glaubst du tatsächlich ich sei es?“ wütend wandte ich mich um und schaute aus dem Fenster. „Claire, es gibt auch ruhigere Tage! Muss Raphael denn immer sofort dagegen halten?“ Ich schnaufte empört auf, „Gabriel das wäre so, als ob du dich plötzlich in einen miesepetrigen Muffel verwandelst. Nein! Das liegt in eurer Natur! Du bist derjenige der alles und jeden liebevoll umarmt. Raphael dagegen ist der bestimmende! Der der die Fäden in der Hand hält, sie mit Sarkasmus und ironischen Bemerkungen verteidigt. Zuwiderhandlungen werden sofort geahndet. Gestern Abend, das war nicht Raphael! Nicht der, den ich kenne! Hast du ihm etwas in den Kaffee getan?“ Gab lachte laut auf, er schüttelte den Kopf. „Du hast Raphael bisher nur nicht von dieser Seite kennengelernt.“ Er lachte noch immer, als er mich vor der Bibliothek absetzte. „Bis später!“ und wischte sich die Lachtränen von der Wange. Grimmig betrat ich das Büro. Sue war schon da und Molly saß wie gewohnt an ihrem Schreibtisch. Sue reichte mir eine Tasse mit Kaffee, dabei sah sie mich entschuldigend an. „Was!“ fragte ich unwirsch, dann sah ich ihren erschrockenen Blick. Ich riss mich zusammen schließlich hatte ich keinen Anlass auf Sue sauer zu sein. „Entschuldige Sue, ich habe mich gerade über Gabriel geärgert.“ Sie nahm meine Entschuldigung kommentarlos hin. „Ich muss dich um Verzeihung bitten!“ erstaunt blickte ich sie an und nippte an meinen heißen Kaffee. Das nutzte sie aus und fuhr schnell fort, „Ja, denn jetzt verstehe ich, was du an Raphael magst. Er kann ja so …, also ich meine.“ Hilfe suchend schaute sie Molly an, sie fand die richtigen Worte. „Raphael! Er ist charmant und sehr charismatisch. Erst gestern ist uns das bewusst geworden. Sonst wirkte er so düster?“ „Düster? Raphael?“ mehr brachte ich nicht heraus. Wo hatten sie ihre Augen? Raphael war alles andere, doch niemals düster. „Ja deshalb verzeih mir! Ich habe ihn einfach nie so gesehen.“ Nickend bestätigte Molly, Sues Worte und ihr Blick ging hoch zur Uhr. Die Unterhaltung war beendet. Ich war froh in die Katakomben hinunter zu gehen. Mir wurde so einiges klar. Raphael, seine angebliche ruhige Heiterkeit! Von wegen er wollte allen Sand in die Augen streuen. Doch zu welchem Zweck? Und warum benahm er sich mir gegenüber so artig? Den Vormittag verbrachte ich mehr mit meinen Grübeleien, als das ich arbeitete. Es half nichts ich kam nicht dahinter. Na warte, ich werde mich genauso verhalten wie du. Es wäre ja gelacht, wenn ihn das nicht aus der Reserve lockte. Meine Entscheidung stimmte mich friedlicher. Im Stillen freute ich mich schon auf Raphaels erstauntes Gesicht. Ich fragte mich, wie lange er diese Scharade aufrecht erhalten wollte und konnte. Gab holte mich zur gewohnten Zeit ab. Er war ungewöhnlich elegant gekleidet. Daneben kam ich mir wie ein Mauerröschen vor. Doch Sue schien anderer Meinung zu sein, „Wo wollt ihr denn hin? So exquisit gekleidet!“ „Ich habe keine Ahnung, Sue! Das war auch ein Grund, warum ich so sauer war. Meinst du ich kann so gehen wenn ich Gab so ansehe …“ vertraute ich Sue meine Befürchtung an. „Quatsch nicht! Du siehst gut aus! Richtig vornehm, das wollte ich dir am Morgen schon sagen, aber du warst; ein wenig gereizt.“ Sie trat einen Schritt zurück und wartete auf meine heftige Erwiderung. Jedoch nickte ich nur zustimmend. „Ist etwas nicht in Ordnung, Claire? Hast du Probleme?“ besorgt kam Sue näher zog mich hinter einem Regal. „Was ist los? Du bist nicht die Alte! Heraus mit der Sprache.“ Forderte sie fürsorglich. „Es ist nichts. Es macht mich nervös das ich nicht weiß wohin Gab mit mir will. Das ist alles.“ Beruhigte ich sie. Sue schien damit nicht ganz zufrieden zu sein, ließ es jedoch dabei bewenden. „Kleines? Bist du soweit?“ rief Gab und schaute um die Ecke, ich nickte ihm zu und winkte Sue zum Abschied zu. „Bis nächste Woche! Und denk an Freitag! Da kann sich dein Raphael auf die Hinterbeine stellen, wie er will, ich bestehe darauf.“ Sie warf Gab einen warnenden Blick zu. Dieser grinste nur. Wir gingen hinaus auf die Straße und Gab führte mich in eine stille Gasse. Dann überzeugte er sich das wir allein waren. Zufrieden nickte er und sah mich an, „Dann wollen wir mal!“ hob mein Kinn an und ich wanderte durch den mir vertrauten blauen Himmel. In einer ebenso kleinen Gasse wie zuvor sah ich mich um, der einzige Unterschied bestand in der Lautstärke. Hier hörten man den Verkehr er schien nah zu sein und viel lauter als ich es gewohnt war. „Jedenfalls sind wir nicht auf dem Land!“ meinte ich spöttisch und ging auf die Geräusche zu. Gab nahm meinen Arm und führte mich aus der Gasse. „Wo …“, die restlichen Worte, blieben mir im Hals stecken. Denn Gab gebot mir still zu sein. Tief ein und ausatmend, mit geschlossenen Augen sog er kräftig die Luft ein. „New York, Kleines! Spürst du es? Das Leben das Pulsieren, nur in wenigen Städten spürt man diese Spannung.“ Freudig erregt schaute Gab mich an, „das ist meine Welt, mein Metier! Am Tage wie in der Nacht bebt diese Stadt vor Leben. Komm!“ Aber was mir auffiel, war die hektische Betriebsamkeit. Gab nannte es Pulsieren, ich dagegen Abhetzen. Denn so sahen die Menschen für mich aus. Es schien als würden sie dem Leben hinterher laufen. Auch Gab schlug eine schnellere Gangart an. Mischte sich mit ihnen tauchte darin ein. Lauter Menschen, die ein Ziel vor Augen hatten und dieses so schnell wie irgendmöglich zu erreichen versuchten. Sie sahen weder nach links noch nach rechts. „Siehst du, was ich meine? Ist das nicht herrlich!“ „Nein! Das ist Stress pur, Gabriel. Wann besinnen sie sich mal?“ ich sah in Gesichter, die an mir vorbeihuschten. Manche warfen mir sogar empörte Blicke zu. Nur weil ich mich langsamer als der Strom bewegte. „Gab was würde passieren, wenn ich einfach stehen bleibe? Oder noch besser mich in die entgegengesetzte Richtung bewege.“ Er blieb stehen, abrupt! So stand er in einem Fluss aus Menschen. Ein Fels! „Nun?“ fragend blickte er auf mich herab. Doch ich hatte nur Augen für diesen Strom, wie Wasser umspülten sie den Fels. Sie ließen in ihrer Gangart nicht nach. Umschifften das Riff und dann weiter. „Sollen wir dagegen halten?“ Gabs Augen funkelten rebellisch, ich musste nur nicken und er würde diese Masse aus Leibern durchpflügen. Da war ich mir sicher. „Lass es gut sein. Wahrscheinlich würden sie uns lynchen!“ Herzlich drückte er mich an sich, „Vielleicht! Man weiß nie! Doch nun zeige ich dir meine Wohnung!“ er zog mich mit sich, „Wir werden uns umziehen, dann treffen wir Azael und Raphael im Museum. Übrigens nenne mich Maxim! Unter diesem Namen lebe ich zurzeit in New York.“ Er führte mich in die Untergrundbahn. Nach einigen Stationen stiegen wir um. Dann weiter mit der Nächsten. Nun klammerte ich mich an Gab. In diesem Netz aus Haltepunkten und Röhren fühlte ich mich total verloren. Endlich kehrten wir wieder ans Tageslicht zurück. Ganz Herr der Lage strebte er auf einen Wolkenkratzer zu. Wohin auch sonst, hier wuchsen sie überall empor. Eindeutig für ein Landei wie mich war dies einfach zu viel. Die Tür vor uns summte und schwang dann automatisch auf. Wir betraten eine geräumige elegante Lobby. Quer dadurch zog sich ein Tresen, dahinter standen Monitore und ein Mann in Uniform der uns huldvoll gegrüßte. Ich kam mir wie in einem Film vor. Nun war ich froh den Hosenanzug zu tragen. Der Portier sah aus als wollte er mich jeden Augenblick hinauswerfen, so taxierte er mich. Unsicher wandte ich mich an Gab, aber der war schon auf den Weg zu dem Portier. Ich hoffte nur, er wusste, was er tat. Vorsichtshalber hielt ich mich in der Nähe der Tür auf. Doch Gab unterhielt sich mit dem Mann. Dieser wirkte nun ein wenig freundlicher, er lächelte sogar. Langsam trat ich näher. Der Portier wünschte mir einen schönen Tag, dann führte mich Gab zu einen der Fahrstühle. Als wir hinauf fuhren gestand ich Gab meine Bedenken, „Wirklich ich fühle mich wie eine Hochstaplerin! Hast du gesehen, wie er mich gemustert hat? Ich dachte er wirft mich jeden Moment raus.“ Doch Gab wiegelte ab, „Das ist sein Job!“ grinste dann; setzte zum sprechen an, verschloss aber sofort seine Lippen. Nur das belustigende Funkeln seiner Augen verriet ihn. „Spuck es schon aus! Maxim!“ und zog seinen falschen Namen extrem in die Länge. „Vielleicht hat er ja auch nur gedacht – das ich zu einer ungewöhnlich frühen Stunde mir ein Haserl mit bringe.“ „So ich sehe also wie eine deiner Bekanntschaften aus?“ dabei knuffte ich Gab fest in die Seite. Schnell flüchtete er aus dem Fahrstuhl. Sein Glück, das sich gerade die Tür öffnete. „Feigling!“ zischte ich ärgerlich hinter ihm her. „Das habe ich nur als Kompliment gemeint. Schließlich nehme ich nicht jede Frau mit in mein Domizil.“ Na, nun konnte ich mir den Gesichtsausdruck des Portiers erklären. Da ich ohne jeden Zweifel aus dem Rahmen fiel. Wahrscheinlich hat er gedacht das Gab ein Augenleiden hat. Zögernd betrat ich den Flur, Gab lehnte lässig an der gegenüberliegenden Wand. Er schüttelte grinsend den Kopf, „Claire du bist bei Weitem das Hübschesste, was je meine Wohnung betreten hat.“ Verlegen über dieses Kompliment, das Gab niemals ernst meinen konnte inspizierte ich meine Schuhspitzen. „Ich bin gespannt, wie du mein Heim findest!“ Ich saß immer noch in dem Sessel und sah mich verwundert um. Alles andere hätte ich erwartet. Ein Haremsreich, eine Verführungsoase! Ja! Aber diese stilvolle ruhige Eleganz, niemals! Ich wagte mich kaum zu rühren, aus Angst etwas zu zerstören. Sei es der helle Teppich, in dem man versank. Oder die gläsernen Vasen und Skulpturen, die überall standen. Und Gab passte hier herein! Nie waren mir seine geschmeidigen Bewegungen so bewusst geworden. Seine Lebhaftigkeit, die Unbekümmertheit, ja. Doch dieser Mann – Engel erschien in seinem Heim, ein völlig anderer zu sein. Und dann diese Wohnung. Wohnung! Eine herabwürdigende Bezeichnung für dieses Etablissement. Sie bestand aus einem riesigen Raum, unterteilt in Küche, Bar, Bibliothek mit Arbeitsplatz und einem Wohnraum. Klar abgegrenzt und doch ein Ganzes. Auch die Treppe, die ins obere Geschoss führte, passte sich der Symmetrie des Umfeldes an. Die durchgehende Glaswand, sie erstreckte sich auf der ganzen Länge des Raumes. Die dahinterliegende Terrasse, die Skyline Manhattans, alles gehörte dazu. „Jetzt kann ich mir vorstellen wie eingeschränkt du dich in der Hütte fühlst.“ „Die Hütte, Kleines ist eine andere Welt. Das kannst du in keiner Weise vergleichen. Dort ist die Natur vorherrschend das Ursprüngliche. Hier sind wir unter kultivierten Menschen, naja fast immer!“ schränkte er grinsend ein, „ich fühle mich in beiden wohl. Doch richtig Heim komme ich erst auf der Insel!“ er starrte tief in Gedanken versunken hinaus. Deshalb unterdrückte ich meine Frage nach der Insel. Seufzend wie aus einem Traum erwachend, wandte er sich zu mir, „So jetzt werde ich dir das Gästezimmer zeigen. Denn wir sind spät dran, du wirst dich beeilen müssen.“ Das lag im oberen Bereich auch von hier konnte ich auf die Stadt sehen. Außerdem nannte ich ein Bad mein eigen. Die Terrasse erstreckte sich ungebrochen weiter. Ich nahm mir vor, wenn ich später noch Zeit hätte, sie mir genauer anzuschauen. Sowie den Ausblick auf die Stadt. Natürlich hing eine Auswahl im Schrank die Gab zuvor besorgte. Infolge, keine einzige Hose! Was hatte er nur davon, mich ständig in ein Kleid oder Rock zu stecken. Kapierte er es einfach nicht, dass ich mich in einer Hose wohler fühlte. Ganz zu schweigen von meinen Beinen, die eher an Porreepiepen erinnerten, als an wohlgeformte endlos lange Beine. Was zog man in New York in einem Museum an. „Gab, was …“ schon stand er neben mir. „Ich dachte du fragst überhaupt nicht mehr! Das hier! Wir wollen anschließend einen Happen essen gehen.“ Also zog ich das Kleid an das Gab mir vorschlug. Darin fühlte ich mich erstaunlich wohl. „Was brauchst du so lange? Raphael reißt mir den Kopf ab, wenn wir unpünktlich erscheinen.“ Ja Raphael, welche Laune er wohl heute an den Tag legte. Sollte er wirklich diese Scharade fortführen, würde ich mich an mein Vorhaben halten. Mal sehen, wie lange er den Braven spielte. Vorsichtig ging ich die Treppe hinunter, „Gab ich hoffe nur, dass wir ein kurzes Stück laufen müssen, denn mit diesen Absätzen kann ich mich nicht lange auf den Beinen halten! Glaubst du wirklich das es das richtige Outfit für ein Museumsbesuch ist.“ Endlich war ich heil unten angekommen. Erleichtert atmete ich auf. Gab drängte mich zur Tür, „So lange bleiben wir nicht im Museum. Das wird schon gehen.“ „Das hoffe ich für dich! Denn wenn ich nicht mehr gehen kann, schwöre ich dir trägst du mich!“ Grinsend betätigte er den Fahrstuhlknopf, wie ich sah fuhren wir ins Untergeschoss. Dort führte er mich zu einem Wagen, eher ein Flitzer. „Wie soll ich da hineinkommen? Hätte ich nur eine Hose!“ murrte ich böswillig in Gabs Richtung. „Du musst dich zuerst auf den Sitz setzen und dann kannst du deine Beine nachziehen!“ klärte Gab mich väterlich auf. „Wenn ich eine Hose …“ „Schnall dich an! Und höre auf zu jammern. Du ziehst ein Gesicht wie deine Mutter!“ Sofort saß ich still da. Entspannte, meine Gesichtszüge. Alles nur das nicht, diese Miene wollte ich nie an mir sehen. Glucksend fuhr Gab aus der Tiefgarage und fädelte sich in den Verkehr ein. Auf der Schnellstraße fuhren wir eine Weile am Hudson entlang. Was mich verwunderte, waren die Segelschiffe, die dort zu sehen waren. Bisher dachte ich das der Fluss nur von großen Schiffen befahren wurde. Auch das die Stadt soviel Grün aufwies erstaunte mich. Wenn ich, sonst an New York dachte, bestand es nur aus Wolkenkratzern und verstopften Straßen. Wie ich auf den Hinweisschildern las fuhr Gab uns zum Cloisters; soviel ich wusste war das Museum nach verschiedenen europäischen Klöstern erbaut worden. Auch die Gartenanlage war nach diesen Plänen angelegt. Ich war gespannt, denn das interessierte mich denn doch. Vor allen, warum gerade dieses Museum? Wollte Raphael ein weiteres Detail über die Engel preisgeben. Raphael und der Kandidat warteten bereits. Azael war von angenehmen Äußeren, wie alle Engel die ich bisher kennenlernen durfte. Um seinen Mund lag eine eigenwillige Falte. Seine Augen blitzten schelmisch auf, als er mich begrüßte. Dieser Engel war nicht wie Al eher wie Uriel und Raphael. Sie waren es gewohnt, ihren Kopf durchzusetzen. Raphael begrüßte uns kurz, dann ließ er mich mit Azael allein vorgehen. Gab und er, schlossen sich in einigen Abstand an. Azael erzählte mir von sich; er liebte Bücher, Museen, Spaziergänge und die Natur überhaupt. Er sprach und redete und ich musste nur nicken. Das war nun weit einfacher, als nach einem passenden Thema zu suchen. Es stellte sich heraus das er keine Partnerin suchte sondern mich kennenlernen wollte. Er gestand ein das er und die Engel insgesamt neugierig auf mich waren. Meine Anspannung ließ entsprechend nach, als ich das hörte. „Erleichtert?“ Azael blieb stehen und musterte mich ungeniert. „Ehrlich gesagt ja. Ich finde diese Brautschau einfach nur entsetzlich.“ Gestand ich offen. „Da stimme ich dir zu. Doch nur selten findet ein ernsthafter Kandidat seine Partnerin. Soviel ich weiß ist das bisher nur einmal vorgekommen. Vielmehr ist es so, das ein Engel der nur aus Neugierde die Frau kennenlernen wollte. Oder aus bloßen Zufall die Bekanntschaft machte. Nur Raphael hat ein besonders Händchen die richtigen Engel auszusuchen.“ „So! Ihr wisst davon! Da frage ich mich, wer nun die ernsthaften Kandidaten sind.“ Auflachend bestätigte Azael meine Vermutung. Doch er meinte nicht alle wollten eine Verbindung eingehen. „Es kommt, wie es kommen muss. Gefühle kann man nicht erzwingen.“ Azael sprach als erster offen über dieses Thema mit mir. Egal ob Mike, Gab, Uriel oder Raphael sie wichen meinen direkten Fragen aus. Deshalb wagte ich einen Vorstoß. „Azael wurde jemals eine Frau nicht verbunden? Und wenn ja was geschah mit ihr?“ Azael warf einen nervösen Blick in die Runde, „Es gab schon solche Vorfälle, doch sie liegen lange zurück. Seitdem Raphael euch Frauen begleitet, nicht wieder.“ Erklärte er mir schnell, „Die Frauen, die keinen Partner fanden. Waren an die Nephilim verloren. Ich sollte dir das eigentlich nicht sagen. Denn die Order kommt direkt von Mike. Wir wissen, was du für ihn bedeutest …“ während er sprach, glitten die Augen immer wieder entlang der Beete und Gänge. Unbewusst sah ich mich ebenfalls um. „… sieh mal ist das nicht Al?“ Azael zuckte mit keiner Wimper, als er sich langsam Al zuwandte, er sah eher stur aus. Gab, der Al auch sah, ging ihm zögernd entgegen. Irgendetwas an Al ließ mich ihn weiterhin beobachten. Sein ganzes Auftreten wirkte als wäre er besorgt. Nein eher wütend. Er sprach rasch auf Gab ein, mit einer Autorität die ich zuvor nicht an Al bemerkte. Gab nickte nur, warf mir und Azael einen verkniffenen Blick zu. Dann sah Al zu uns herüber. Kurz verweilte sein Blick auf mich dann verschwand er. Raphael hatte sich nicht einmal gerührt. Gab kam auf uns zu er hatte Azael im Visier. Dieser zuckte nur die Schultern seine Mimik drückte jedoch Entschlossenheit aus. „Was wollte Al denn?“ ich war wieder einmal Zeuge einer Unterhaltung. Und war es so leid. Konnte sie denn nicht normal reden? Zumindest wenn ich anwesend war. „Al? Er wollte nur sagen das weder Ben oder Nephilim in der Nähe sind.“ Antwortete Gab ausweichend. „Dafür kommt er extra her?“ hinterfragte ich ungläubig. Diesmal zuckte Gab die Schultern, bevor er zu Raphael hinüber ging. Das war mir doch alles zu vage und folge Gab. Doch Raphael blieb bei dieser Aussage. „Er mag dich eben! Deshalb ist er in Sorge!“ bekam ich noch aus ihm heraus. Diese verdammten Heimlichtuer. Sie konnten mir viel erzählen! Doch ich war mir sicher das Al aus einem anderen Grunde erschienen war. Es entsprach einfach nicht seiner Art. Einfach so zu erscheinen und dann wieder zu verschwinden. Noch etwas störte mich. Aber was! Schweigend ging ich neben Azael her, der auch vor sich hingrübelte. Am Rande nahm ich die Vielfalt der Gärten war. Bis wir wieder zum Ausgangspunkt kamen. Gab schlug vor, ein Lokal aufzusuchen. Das einstimmig angenommen wurde. Mit Grausen dachte ich daran, nun wieder in den kleinen Sportwagen klettern zu müssen. Azael schlug mir vor, bei ihm mitzufahren. Worauf Raphael sich zu Gab, gesellte. Raphael war mir ein Rätsel, er verhielt sich ungemein zurückhaltend. Er überließ es Gab mit Al zu sprechen. Er ließ Azael einen ungewöhnlichen Freiraum. Außer der Begrüßung und der Beantwortung; wenn man es so nennen konnte. Sprach er kein Wort mit mir. Auch vermied er jeden Blickkontakt. Was mich noch mehr verunsicherte war das er keine Verbindung, zu Azael und mir herstellte. Im Restaurant wollte ich ihm gründlich auf den Zahn fühlen. Raphael aber ließ sich durch Gab entschuldigen. Nach dem Essen gingen wir in eine Bar. Ich stellte fest das Azael ein netter Geselle war. er war jemand mit dem man Pferde stehlen konnte. Leider sprach er mit keinem Wort mehr unsere Unterhaltung an. Dafür gab ich Gabriel die Schuld, ich war mir sicher das er Azael dementsprechende Order gegeben hatte. Den nächsten Tag verbrachten wir weiterhin in New York. Sie zeigten mir die Freiheitsstatue, dort trafen wir Azael. Von nun an zu dritt bekam ich einen Intensivkurs, über New Yorks Geschichte, serviert mit einigen ihrer Sehenswürdigkeiten. Ich unterbrach den Schnelldurchlauf nur einmal und betrachtete den Engel der Wasser, der im Central Park stand. Auch konnte ich es mir nicht verkneifen, einen Vergleich anzustellen. „Wen soll der Engel denn darstellen? Seid ihr es nicht leid? Diese Flügel …“ aufmerksam betrachtete ich das Standbild. Ein kleiner Junge, der neben mir stand, sah auf und mich entsetzt an. „Engel haben Flügel! Wie sonst könnten sie uns in den Himmel tragen!“ Betroffen senkte ich den Blick, „Das habe ich ganz vergessen. Tut mir Leid, mein Kleiner!“ ich kniete mich vor dem Jungen. „Manchmal reden wir Erwachsene dummes Zeug!“ Der Junge betrachtete mich ernsthaft, „Das sagt meine Mami auch!“ er sah von mir zu Gabriel hoch. Diesen lächelte er vertrauensvoll zu, „Mein Opa ist im Himmel! Ein Engel hat ihn geholt und jetzt ist er wieder gesund.“ Gab nickte dem Jungen bestätigend zu. „Ja und er passt auf dich und deiner Mutter auf, so wie er es versprochen hat.“ Erleichtert seufzte der Junge auf. Er schien Gab zu glauben. „David! Du sollst nicht mit fremden Leuten reden. Wie oft soll ich dir das noch sagen.“ „Aber Mom! Ich rede doch mit einem Engel! Er sagt, Opa passt auf uns auf.“ „David!“ die Frau sah ihren Sohn zweifelnd an. „Engel zeigen sich nicht einfach so!“ sie wandte sich uns zu. „Entschuldigen sie, mein Sohn hat eine lebhafte Fantasie. Er hat den Tot meines Vaters noch nicht verwunden.“ „Mom das ist ein Engel!“ beharrte der Kleine. Seine Mutter warf ihm einen strengen Blick zu. „Sie sehen ja selbst! Jeden Tag will er her …“ „Ja ich, verstehe was sie meinen.“ Antwortete Gab, „und ich weiß was der kleine Mann durchmacht. Darf ich mit David reden?“ bat er der verblüfften Mutter. Wie unter Hypnose nickte sie nur. Gab nahm Davids Hand, die beiden gingen hinunter zum See, Azael folgte ihnen. „Ich weiß mir keinen Rat mehr. David ist ein aufgeweckter Junge, aber seitdem mein Vater verstarb, redet er nur noch von Engeln und vom Himmel. Auch in der Schule gibt es Probleme, seine Mitschüler und seine Leistungen leiden darunter.“ Ich hörte der Frau verständnisvoll zu, „Vielleicht hilft ihm ja das Gespräch mit Ga … meinen Freund.“ „Inzwischen nehme ich jede Hilfe an. Ich kann David doch nicht sagen es gibt keine Engel. Sein Lehrer hat mir diesen Rat vorgeschlagen. Doch ich finde man sollte den Kindern nicht jeden Glauben nehmen.“ „Wer weiß! Kinder sehen mehr als wir Erwachsene! Man sollte nicht immer nur rational denken.“ Die Frau trat beunruhigt einen Schritt zurück und beäugte mich misstrauisch. Ihr Blick flog beunruhigt hinunter zum See. Wo Gab und Azael mit David sprachen. Sie saßen einträchtig nebeneinander, den Jungen in ihrer Mitte. Ich bemerkte das sie im Begriff stand ihren Sohn zu holen. „David … wie alt ist er?“ lenkte ich die Frau ab. „Wie? Er ist sieben.“ „Sie haben nur ein Kind?“ „Ja, mein Mann und ich trennten uns, als David drei war.“ Sie ließ ihren Sohn nicht aus den Augen, „ich denke ich, wir haben sie und ihre Freunde lange genug aufgehalten.“ „Nein, nein.“ Versicherte ich ihr, „mein Freund kann sehr gut mit Kindern umgehen!“ versuchte ich ihre Besorgnis zu mildern. Das schien sie tatsächlich zu beruhigen, sei entspannte sich ein wenig. „Mir kam er auch vertrauensvoll vor. Normalerweise hätte ich David nicht mit einem Fremden gehen lassen. Was er ihm wohl sagt? Ich hoffe er …“ „Sie können meinen Freund vertrauen! Er …“ „Ah! Sie kommen!“ unterbrach mich die Frau. Erleichtert sah ich wie Gab mit David an der Hand zurückkommen. Azael verblieb noch am See. Die Frau ging schnell ihrem Sohn entgegen, der nun lachend auf sie zulief. Ich folgte ihr und der Hoffnung das Gab dem Jungen helfen konnte. Die Mutter umarmte ihren Sohn und fragte nach. David sah hinauf zu Gabriel und erklärte seiner Mutter, dass dies ein Gespräch unter Männern gewesen sei. „Ich weiß, dass es Opa im Himmel gut geht, Mom. Und nun werde ich tüchtig lernen, damit Grandpa stolz auf mich ist. Ich will doch Arzt werden! Dann kann ich kranken Menschen helfen!“ „Ja mein Schatz! Wenn du Arzt werden möchtest!“ sie sah Gab dankbar an und forderte David auf sich zu verabschieden. Was er auch tat. Wir schauten ihnen nach, keine fünf Schritte entfernt, riss David sich los und rannte auf uns zu. „Claire!“ unbewusst hockte ich mich hin. „Wenn ich groß und alt bin, dann kommst du mit deinem Engelmann! Ja?“ fragte er mich flüsternd. Ich konnte nur nicken. „Gut dann brauche ich keine Angst zu haben!“ teilte David mir ernsthaft mit, dann rannte er zu seiner Mutter zurück. Und nun begriff ich erst seine Frage und was dahinter steckte. Fröstelnd stand ich auf, lehnte mich Trost suchend an Gabriel. „Ist es das? Begleitet ihr Sterbende?“ „Wenn sie uns darum bitten. Ja!“ „Was habt ihr, David erzählt?“ Der Engel, der mich tröstend im Arm hielt, winkte David zu. Anstatt mir eine Antwort zu geben. „Er ist ein prächtiger kleiner Kerl!“ „Gabriel!“ „David brauchte nur Trost!“ murmelte er. „Trost? Nun ich denke du hast ihm einiges mehr als das gegeben.“ „Aber Kleines! Das ist unsere Aufgabe!“ „Und wie verhält sich das mit eurer Zurückgezogenheit? Ihr sagtet ihr hättet Gründe …“ „David ist ein Kind! Er brachte Hilfe, wir halfen ihm! Mehr ist dazu nicht zu sagen.“ Er sah mich mit seinen unendlichen blauen Augen an. „Ist das Verhör nun beendet, Frau Inspektor?“ keine weitere Information würde ich erfahren, ergeben löste ich mich aus seiner Umarmung. „Also so wie immer! Lasst Claire im Ungewissen!“ murrte ich düster. Gab lachte herzlich auf. Weiter ging die Rundreise durch New York. Sie zeigten mir nicht nur die schönen Aspekte dieser Stadt. Auch die sozialen Brennpunkte bekam ich zu sehen. Ich erfuhr das Azael hier wirkte. „Für jedes Kind, das den Absprung schafft, bin ich dankbar. Es ist schwierig, denn sobald sie ein gewisses Alter erreichen, sind sie für Gangs, Dealer und Zuhälter eine willkommene Beute.“ Meinte Azael traurig. Man merkte ihm an das es ihm Nahe ging. „Aber wieso schreitet ihr nicht mit aller Macht ein?“ ich dachte an ihre mentalen Fähigkeiten, die Kraft die sie besaßen, die Gelder die ihnen zur Verfügung standen. Azael antwortete mir leidenschaftlich darauf. „Was sollen wir tun? Die Menschen unseren Willen aufzwängen. Sie kontrollieren? Was machen wir mit denen die sich gegen uns wehren? Mit Gewalt bändigen? Nein, wir können nur denen helfen die Hilfe suchen.“ Bitter hallten die Worte in mir nach. „Eines musst du noch bedenken, Kleines!“ Gab fasste mich ungewöhnlich ernst ins Auge, „Wir Engel sind keineswegs vollkommen. Wir haben genauso unsere Schwächen. Was passiert, wenn wir machthungrig werden. Wir müssen uns ständig daran erinnern, was wir sind.“ Ja ich verstand sie und auch wieder nicht. Gab, der meine Gedanken erkannte, meinte, „Ein gesundes Mittelmaß! Claire! Wir helfen, wo wir können. So meine Kleine es wird Zeit! Deine Freundin erwartet dich pünktlich in der Pizzeria.“ „So spät ist es schon?“ Gab nickte bestätigend. „Tja dann sage ich mal bis morgen!“ verabschiedete sich Azael. Auf meinen fragenden Blick hin erklärte er mir, „New York ist groß. Ich stehe dir weiterhin als Fremdenführer zur Verfügung.“ Gab brachte mich zu seiner Wohnung, von dort ging es in die kleine Gasse von gestern Mittag und dann landeten wir in St.Paul. Mein Wagen stand gleich um die Ecke. Ich wunderte mich nicht und fragte auch nicht nach. Eines hatte ich gelernt, die Engel, planten und organisierten jeden ihrer Schritte. Sue kam wie gewöhnlich zu spät. Derweil unterhielt ich mich mit Toni. Er schien besorgt zu sein. „Toni heraus mit der Sprache! Was ist los? Hast du Probleme?“ Er sah mich betrübt an. Also hatte sich mein Gefühl nicht genarrt. „Toni, wir sind Freunde wenn du …“ „Hör auf Claire!“ fuhr er mich scharf an. Erschrocken wich ich zurück. „Verzeih!“ bat er um Verständnis. „Es ist nur so, ich möchte gerade nicht mit dir über mein Problem reden.“ „Verstehe es geht mich nichts an. Aber vielleicht kannst du mit Gab reden, er ist ein sehr verständnisvoller Mann.“ „Nein!“ lachte Toni auf, „Ich glaube kaum das dein Wachhund dafür geeignet ist. Denn es geht ja um dich. Claire bist du glücklich?“ „Ich? Aber ja!“ „Diesen Eindruck habe ich aber keineswegs. Wenn es anders wäre, würde ich meinen Mund halten. Doch du wirkst nicht wie eine glücklich verliebte Frau.“ „Toni! Ich …“ er hob die Hand, „Du bist ein miserabler Lügner. Ich sehe von dir bekomme ich keine ehrliche Antwort. Wenn du je mit mir reden willst oder dieser Typ dir wehtut. Ich meine du kannst jederzeit auf mich zählen.“ „Danke Toni. Aber du schätzt Raphael falsch ein. Er ist ein … Engel niemals würde er mir wehtun!“ „Ah ja! Was ist mit der Verkäuferin? Seine Freunde zahlen dir die neuen teuren Kleider! Das Auto! Sie eskortieren dich überall hin. Was tut er für dich? Was verlangen seine Freunde? Was macht ihr gemeinsam ich meine du und Raphael. Er glänzt doch ständig durch Abwesenheit.“ Toni hielt mich fest an den Händen, eindringlich sprach er weiter, „ich weiß nicht was du in ihn siehst Claire, doch ich glaube er ist nicht gut für dich …“ „Hallo! Darf ich mich zu euch setzen? Oder soll ich die Gäste bewirten?“ Sue stand vor dem Tisch, wütend betrachtete sie Toni. „Sue! Ich habe Claire darauf angesprochen. Wie du weißt, halte ich von deiner - warten wir ab Taktik überhaupt nichts.“ Aha, so war das! Meine lieben Freunde redeten über mich, während ich abwesend war. „Schau mich nicht so an Claire!“ Ergriff Sue sofort das Wort. Ich, wir machen uns Sorgen! Was für ein Paar seid ihr? Ständig ist Gab in deiner Nähe. Im Moment sitzt er draußen im Wagen. Was soll das? Vertraut Raphael dir so wenig? Denkt er, du brennst gleich mit dem ersten Pizzaboy durch. Gerade er hat es nötig, wenn ich an die Verkäuferin denke.“ „Sue es reicht! Akzeptiere es, ein für alle Mal, Raphael ist mein Freund.“ Ich sah sie durchdringend an. „Ich mache mir Sorgen. Du bist meine Freundin! Ich muss zusehen, wie dieser Casanova vor deinen Augen eine Frau anmacht. Auch wenn er letztens so charmant war, dass habe ich keinesfalls vergessen!“ Sue beugte sich vor betrachtete mich aufmerksam, „Claire ich will dich doch nur warnen! Vor allem will dich dir eine riesen Enttäuschung ersparen.“ „Ich weiß Sue! Aber du schätzt Raphael völlig falsch ein! Er ist …“ „… Engel!“ unterbrach mich Toni, im verächtlichen Ton, dabei verdrehte er die Augen. „Genau!“ bestätigte ich, trotz Sues zweifelnder Miene und Tonis Aufschnaufen. „Er hat alles, was ich mir wünsche. Er gibt mir das Gefühl eins mit ihm zu sein. Sue, versteh doch …“ Sie hob ihre Hand, „… es sind nicht nur seine Augen? Oder sein knackiger Hintern?“ hinterfragte sie mit einem Schmunzeln. Ich war ihr dankbar! Sie ließ also das Thema fallen. Wie sollte ich ihr auch erklären, warum ich an Raphael festhielt, gerade nach dem Vorfall im Geschäft. „Nein nicht nur!“ ging ich auf ihren Ton ein. „Obwohl sein Hinterteil gewisse Reize aufweist.“ Grinste ich sie schelmisch an. „Das wird mir zu viel! Hier eure Karte!“ brummte Toni. „Claire, wenn du unglücklich bist. Du würdest es mir doch sagen?“ „Ja Sue!“ versprach ich ihr, „Aber ich bin es nicht.“ Sie ließ es dabei bewenden. Doch ich bemerkte, vollständig überzeugt war sie keinesfalls. Wir wussten beide, das ich ihr wesentliches Vorenthielt. Sue kannte mich gut genug und schnitt an diesem Abend meine Beziehung zu Raphael nicht mehr an. Gab kam mit Niklas hinein. Sie tranken noch ein Bier, bevor sich unsere Wege trennten. Wehmütig sah ich Sue hinter her. „Ich glaube ich verliere meine Freundin, Gab.“ „Nein Claire Sue ist besorgt, ja! Aber sie steht zu dir!“ „Warum nur ist es so schwierig? Haben das alle Frauen durchgemacht?“ „Davon weiß ich nichts Kleines. Bisher habe ich mich von den Kandidatinnen ferngehalten. Frage Raphael!“ „Nie und nimmer!“ „Dafür ist er aber da!“ „So! ich glaube ich habe diese Woche noch keine zehn Worte mit ihm gewechselt. Er verhält sich im Moment seltsam genug. Danke aber ich verzichte.“ Gab enthielt sich jeden weiteren Kommentars, er steuerte den Wagen sicher durch ST. Paul. „Wohin geht es?“ „Zur Hütte! Dort stellen wir den Wagen ab, dann New York! Azael ist wohl nicht der Richtige, hm?“ „Nein Gab, ist er nicht!“ „Dachte ich mir schon, doch es sind ja noch genug Engel da. „Was ist mit Colin? Oder Uriel?“ „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.“ „Na ja wir haben Zeit, Kleines!“ Als wir zur Hütte kamen, sprang ich aus dem Auto und rief Gab zu wohin ich wollte. Sein Lachen und sein Spott über Frauen und ihre Blase ließ ich hinter mir. Mein Bedürfnis hinderte mich daran. Ich lief durch das Wohnzimmer, begrüßte kurz Al mit einem Nicken. Er saß auf dem Sofa ein Buch in der Hand. Was mache er hier? Zuerst war in New York und nun hier. Egal ich wollte ihn gleich fragen. Als ich ins Wohnzimmer trat saß Gab allein dort. „Wo ist Al?“ „Schon wieder weg. Er hat sich nur etwas abgeholt!“ „Raphael?“ „Oben!“ er mimte also mal wieder den Einsiedler. Kurz kam mir der Gedanke, einfach hinaufzugehen. Unterließ es jedoch. In New York erwies sich Azael als kundiger Führer. Er kannte jede Ecke, die Geschichte der Stadt, er hätte er sie selbst miterlebt. „Das hat er tatsächlich!“ erzählte mir Gab, „Bis auf ein paar Jahre lebt er ständig in New York.“ „Aber ich dachte ich zieht regelmäßig um!“ „Das macht Azael auch von einem Ende, zum anderen! Die Stadt ist so groß; es funktioniert.“ Am Montag kehrten wir zur Hütte zurück. Ich mochte die Stadt aber hier in der Nähe des Waldes fühlte ich mich einfach wohler. Alles war ruhiger gemächlicher. Das hektische Treiben abschüttelnd ging ich auf den Wald zu. Es wurde schon dunkel, als ich schließlich zurückkehrte. Wie ich erstaunt bemerkte, brannte in Raphaels Zimmer Licht. Also war er da. Die Frage war nur wem ich gleich gegenüberstehen würde, Raphael oder den seichten neuen Typen. Wie es sich herausstellte, bekam ich Raphael in den nächsten Wochen so gut wie nie zu Gesicht. Entweder glänzte er durch Abwesenheit oder er zog die Abgeschiedenheit seines Zimmers vor. Nicht das ich oft zu Hause; in der Hütte war. Gab verplante meine gesamte Zeit. Ab Donnerstag füllte der Heiratsmarkt das Wochenende aus. Wie Raphael zuvor erwähnte, lernte ich die Engel in ihrem Umfeld kennen. Das hieß ich reiste mit Gab in die verschiedenen Länder und Städte nach Paris, London und Rom dort blieben wir bis Montags. An einigen kleineren Orten, ein bis zwei Tage. Ich verlor langsam den Überblick, wenn ich des Nachts aufwachte, musste ich inzwischen genau überlegen. Wo ich mich gerade befand. Gabriel war ständig an meiner Seite. Er stellte mir die Kandidaten vor. Er war derjenige, der die Aufgabe des Begleiters übernahm. Außerdem befolgte er die Reiseroute penibel, die Raphael aufgestellte. Nie wusste ich, wohin es ging. Die Nase gestrichen voll. Meine Garderobe nahm Ausmaße an, die ich nicht mehr bewältigen konnte. Ich sehnte mich nach meinem Schrank zurück. Übersichtlich und zweckmäßig! Inzwischen war Mikes Zimmer die reinste Boutique. Vielleicht lag es auch an Sues Bemerkung, heute Mittag, als sie meinte, dass ich mich verändert habe. „Wie meinst du das?“ fragte ich nach. „Nun Claire, sieh dich an. Du läufst mit einer Selbstverständlichkeit in diesen Designerkleidern herum. Deine Schuhe haben Absätze, in denen du bis vor Kurzem einen Bogen gemacht hast. Geschweige das du darin laufen konntest, nun trägst du sie den ganzen Tag.“ Sie nahm meine ganze Erscheinung ins Visier. „Nicht das ich deine frühere Garderobe befürworte. Du weißt, wie ich darüber dachte.“ Grinste sie, „aber du selbst, hast dich verändert. Dein Auftreten, dein … ach ich weiß auch nicht, du bist halt irgendwie verändert.“ „Sue! Hallo! Ich bin noch immer die Gleiche!“ versuchte ich sie zu überzeugen. „Nein Claire! Du passt nicht mehr in die Bücherei. Du solltest dir einen anspruchsvolleren Job suchen.“ „Du hörst dich an wie meine Mutter!“ warf ich ihr vor. Sue lachte auf und gab mir ausnahmsweise Recht. „Es ist aber wahr! Wann hast du zuletzt ein Buch gelesen? Wann deine Schlumperklamotten getragen?“ ich wusste es nicht! „Siehst du, was ich meine! Du hast dich verändert zu deinem Vorteil verändert, wie ich hinzufüge, möchte. Und du solltest das auch nicht aufgeben. Ich denke nur du solltest dich weiterentwickeln.“ Sue sah mich beschwörend an, „Die Bücherei hemmt dich, du bist unterfordert.“ „Quatsch nicht. Ich arbeite gern dort. Willst du mich loswerden?“ „Nein Claire!“ rief sie erschrocken aus, „glaub mir du bist meine Freundin. Gerade deshalb rate ich dir ja, diesen Hemmschuh abzulegen und dich weiterzuentwickeln.“ „Sue ein paar Kleider verändern keinen Menschen! Und mich schon mal überhaupt nicht.“ Fuhr ich sie resolut an. „Wie du meinst.“ Für mich war damit das Gespräch beendet. Trotzdem grübelte ich nach. Nun stand ich in Mikes Zimmer. Überall Kleidung! „Kleines ich denke wir gehen heute …“ „… nirgends hin, sondern bleiben daheim!“ Gab trat an die Tür, lehnte sich an den Rahmen. Fragend blickte er mich an. „Gab? Habe ich mich verändert?“ Er sah mich ein wenig ratlos an. „Verändert?“ „Ja!“ und stemmte die Hände in die Hüften. „Also … wie meinst du das?“ fragte er mich irritiert. Geduldig antwortete ich ihm, „Sue meint ich passe nicht mehr in die Bücherei, ich solle mich weiterentwickeln.“ „Ach so! Sicher! Du bist erfahrener und sicherer in deinem Auftreten. Das ist nichts Verkehrtes. Aber Kleines du bist immer noch du selbst.“ „Und was ist damit?“ ich deutete auf Mikes Zimmer, auf diesen Laden. Gab nahm mit einem Blick das Zimmer in Augenschein. „Na das, sieh als Beilage an! Was ist ein Steak ohne Salat? Grinste er, „Das bringt mich auf meine Frage zurück.“ Er rieb sich den Bauch, „gehen wir essen?“ „Nein ich will heute Abend lesen.“ „Und wem willst du damit etwas beweisen?“ ertappt stellte ich unzufrieden fest, „Wie du willst, dann koche ich eben. Übrigens werden die folgenden Tage ruhiger. Wir verbringen das Wochenende bei Colin auf dem Weingut. Dort kannst du dich ein wenig erholen und deinen Kopf gerade rücken.“ Gab ging hinüber zur Küche. „Du meinst ich übertreibe.“ „Genau das denke ich. Was machen schon ein paar Kleider aus. Verlangst du sie? Nein im Gegenteil. Du schimpfst mit mir. Oh ja du hast dich verändert, hängst nicht mehr wie ein verschrecktes Kaninchen an meinen Rocksaum. Nur weil du fremden Menschen begegnest. Was ist verkehrt daran? Spaghetti?“ er sah mich fragend an, ich nickte, „London hat dir keine Angst eingejagt du bist gewachsen. Kleines du hast vieles erfahren, vieles gelernt. Das geht an einem nicht einfach so vorbei. In diesem Sinne hat Sue die richtigen Schlüsse gezogen. Aber auf das Wesentliche, deinen Charakter kommt es an. In dieser Hinsicht kann ich dir garantieren, bist du ganz die Alte.“ „Und die Bücherei? Passe ich noch dorthin?“ Gab legte die Nudeln zu Seite. „Eines will ich dir sagen. Wohin hast du jemals gepasst? High Shool? Collage? Bücherei? Freunde? Nein! Du warst immer schon ein Außenseiter. Denn du gehörst zu uns. Hier sind deine Freunde, hier wirst du einen Beruf ausüben, der dich fordert und zugleich befriedigt. Hier wirst du deinen Mann finden. In unsere Welt gehörst du.“ „Glaubst du! Ich finde, ihn?“ meine Zweifel nagten ungebrochen weiter, denn bisher waren alle Kandidaten; in Gabs Ausdrucksweise, durchgefallen. „Aber ja!“ der richtige hat sich halt noch nicht als Kandidat vorgestellt.“ „Gab, wer ist deiner Meinung nach …“ „Oh nein Kleines! Netter Versuch!“ grinste er kopfschüttelnd vor sich hin. Am nächsten Mittag führte Colin mich auf mein Zimmer. Das Weingut entpuppte sich als, eine angenehme Überraschung. Colin erwartete uns an einem Waldstück. „Ich freue mich dich wiederzusehen, Claire. Noch mehr allerdings, da die Karten noch nicht verteilt sind.“ Begrüßte er mich herzlich, genauso umarmte er mich. „Na, na, Colin immer mit der Ruhe! Behalte deine Finger schön bei dir.“ Warnte Gab, Colin und knuffte ihn in die Seite. „Ah ja!“ rieb Colin seine Rippen, „Ich hörte schon das du deine Aufgabe sehr ernst nimmst.“ „Ist er da?“ „Ja, seit gestern Abend!“ Ich verfolgte das Gespräch und verstand nur eines jemand war da. Doch sagten sie mir natürlich nicht, wen sie meinten. „Sehr gut!“ meinte Gab, „Kleine ich werde ein paar Tage verschwinden.“ Er küsste mir noch die Stirn, dann sah ich zu, wie er vor meinen Augen verschwand. „Claire kommst du?“ Colin hielt bereits meine Tasche in der Hand. „Wir müssen noch ein Stück fahren.“ Er wandte sich zum Waldrand und ging vor. Als ich aus dem Wald heraustrat, empfing mich eine ungemein sanfte Landschaft. Wir standen auf einem Hügel unter uns erstreckte sich ein Tal. Mit Hügeln, sattem Grün, das sich bis zum Fluss erstreckte. Auf der linken Seite befanden sich Weinfelder, wie Colin mir erklärte. „Wo ist denn dein Haus?“ und schaute mich um. „Wir müssen ein Stück fahren! Ich habe einige Angestellte, deshalb musste ich so tun, als ob ich dich abhole. Von daher bitte ich dich auch mit keinem Wort Engel zuerwähnen.“ „Ist schon klar. Sag mal ist das nicht anstrengend für dich? Ich meine; dich wie ein Mensch zu bewegen.“ „Nein, schließlich leben wir schon eine Weile mit Menschen zusammen. Nur auf der Insel können wir uns ohne Zwang frei fühlen.“ „Die Insel?“ „Das erfährst du noch, sobald du eine Verbindung eingegangen bist. Von deinem Partner!“ er lächelte mir zu. „Also ich lebe seit einem Jahr auf dem Gut. In den letzten Jahren war ein Verwalter für den Weinanbau zuständig. Ich habe mein Erbe angetreten. Du bist eine Freundin aus der Heimat, die mich besucht. Sowie auch die anderen. Das ist die offizielle Version.“ „Und die Inoffizielle? Wenn ich danach fragen darf.“ „Darfst du. Es ist eine unserer Einnahmequellen, schon seit sehr langer Zeit. Nur das schon lange kein Engel hier gewohnt hat. Ich habe mich nach einer neuen Bleibe umgesehen, zufällig bekam ich die Monatsabrechnung in die Hände.“ Er zuckte die Schultern, „Da habe ich mir gedacht warum nicht, ist mal was Neues.“ „Auf einem Weingut zu leben?“ „Ja!“ mit dem Gesichtsausdruck konnte ich mehr anfangen, ich stellte mich also auf eine Überraschung ein. Und die ist ihm wirklich geglückt. Als Erstes sah ich einen Turm in der Ferne. Je näher wir kamen desto mehr sah ich. „Oh eine Burg! Darf man sie Besuchen oder ist sie im Privatbesitz?“ ich reckte mich, um mehr von dem Schloss zu sehen. „Leider ist sie für Touristen nicht zugänglich.“ „Schade, aber fahr langsam daran vorbei ich möchte sie mir ansehen.“ Bat ich Colin. Er nickte nur. Doch anstatt vorbeizufahren, hielt er an. „Willst du aussteigen?“ „Dürfen wir denn? Ich meine die Besitzer haben doch sicher was dagegen.“ Colin grinste mutwillig, „Lassen wir es darauf ankommen!“ „Dann lass uns.“ Erwiderte ich sein Grinsen. Wir gingen den Weg entlang. „Colin das ist ja ein Wasserschloss! Schau der Fluss. Dann haben die bestimmt auch eine Brücke. Ich meine eine die man hochziehen kann, wenn Feinde im Anmarsch sind.“ Aufgeregt ging ich schneller am Fluss entlang. Eine Burgmauer zog sich auf der anderen Seite entlang so wie der Lauf des Flusses. Wie ich nach der Biegung feststellte. Hinter der Mauer sah ich insgesamt drei Türme aufragen. Der Mittlere war der höchste. „Der hohe Turm war bestimmt ein Ausguck, von dort hat man bestimmt einen Überblick, von der gesamten Umgebung. Weißt du, wann die Burg erbaut worden ist? Wer wohl schon alles hier ein und ausgegangen ist?“ ich war vollkommen in meiner Fantasie gefangen, erwartete keine Antworten. Sondern stellte mir vor, wie die Menschen auf der Burg gelebt hatten. Indessen sah ich die Zugbrücke und hielt darauf zu, ich wollte unbedingt einen Blick auf das Innere der Burg werfen. Doch leider war das Tor zu. „Schade“ murmelte ich vor mich hin, „Können wir noch mal hier vorbei? Zu gern würde ich die Burg sehen.“ „Warum klopfen wir nicht einfach an?“ Colin schien heute besonders forsch zu sein, schon betätigte er den riesigen Türklopfer. „Colin! Lass das!“ „Warum?“ Das Tor schwang auf, ich trat einige Schritte zurück. Und erblickte, Raphael. „Da seid ihr ja!“ „Warum hast du aufgemacht? Ich habe extra Rene darum gebeten.“ „Weil ich wusste, dass du dein Spielchen zu weit treibst! Hallo Claire, komm nur herein.“ Ich fasste es nicht, obwohl ich mich doch langsam daran gewöhnt haben sollte. Doch Colin hatte mich wirklich an der Nase herumgeführt. „Ich wollte dich nur überraschen, Claire.“ Zeigte sich Colin reumütig. Im Grunde war ich gar nicht böse auf ihn. „Das ist dir gelungen und zur Strafe darfst du mich in der ganzen Burg herumführen! Ich will jeden Gang, jedes einzelne Zimmer sehen.“ Er strahlte über das ganze Gesicht, „Nichts lieber als das. Zuerst zeige ich dir, dein Zimmer. Sobald du dich eingerichtet hast, können wir sofort los.“ Versprach er mir enthusiastisch. Und nun stand ich in einem Saal von Zimmer. Nachdem Colin mich über Treppen und Flure hierher geleitete. Das konnte ja heiter werden, nie würde ich den Weg zurückfinden. Doch erstmal sah ich mich um. Der Raum den Colin mir zuteilte war gigantisch. Ein Bett mit Alkoven, eine zierliche Sitzecke. Ein Sekretär den untersuchte ich als Erstes. Er war alt, genau wie die gesamte Einrichtung, sie war in weiß gehalten und mit Gold abgesetzt. Überall Verzierungen mit Ornamenten. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Ich war in einem Schloss! Ich durfte ein ganzes Wochenende herumstöbern. Das war ein Traum. Der Sekretär wies keinerlei Geheimfächer auf. Doch ich ließ mich keinesfalls entmutigen. Schließlich hatte ich keine Erfahrung mit diesen Dingen. Ich wünschte Sue könnte bei mir sein auch sie schwärmte für alte Gemäuer. Oft hatten wir uns ausgemalt, ein solches Schloss zu erkunden. Natürlich mit einem, nein zwei heldenhafte Ritter an unserer Seite. Da sah ich eine Tür, sie war wie die Wand bemalt. Sofort machte ich mich auf. Dahinter lag ein Bad. Kein Modernes, nein es passte in die Umgebung. Ich drehte den Hahn auf und fließend Wasser ergoss daraus. Klar die Engel hatten ihre Ansprüche, mochte das Gebäude auch noch so alt sein. Schnell räumte ich meine paar Sachen in den riesigen Schrank. Dann lugte ich hinaus auf den Flur. Überall standen Rüstungen, Bilder hingen an der Wand. Sie waren antik das konnte sogar ich erkennen. Meistens Landschaftsbilder oder Abbildungen vom Schloss. Keine Porträts das fand ich schade. Der dicke Teppich schluckte meine Schritte. An einer Gabelung blieb ich unsicher stehen. Welchen Weg musste ich einschlagen ich entschied mich für den rechten. Er führte mich zu einer weiteren Treppe die ich hinauf stieg, sie endete in einen weiteren Gang. Ich sah aus einem der Fenster ich musste an einem der Türme sein. Neugierig öffnete ich eine Tür und spähte hinein. Ja ein Turmzimmer! Und was für eines. Die Wände waren teils mit dunklem Stoff bespannt, die Möbel waren massiver. Das war deutlich ein Herrenzimmer. Ich wagte mich weiter hinein. Colin hatte mir schließlich gesagt ich solle meiner Neugierde keine Schranken auferlegen. Auch eine kleinere Tür war in diesem Raum, sie stand auf. Dorthin ging ich zuerst. Ebenfalls ein Bad. Dann wandte ich mich den Fenstern zu. Ich wollte wissen, in welchem Turm ich war. Denn als wir den Weg zur Burg zurücklegten, war mir aufgefallen, dass die drei Türme in einem Gebäude verbunden waren. Doch ich wurde nicht schlau daraus. Auf beiden Seiten des Turmes verliefen Bauwerke. Also kehrte ich erstmal zu der Gabelung zurück und nahm den anderen Gang. Nicht lange danach stand ich wieder vor der Wahl. Doch da kam auch schon Colin. „Ich dachte ich hole dich lieber ab, bevor du dich verirrst und jämmerlich verhungerst.“ „Oh das habe ich schon und ein Turmzimmer entdeckt. Colin ich habe mich dort umgesehen.“ Gestand ich ihm ein. „Ja und ist dir ein Geist oder ein Gespenst begegnet.“ Fragte er schaurig. „Das wäre ja mal was! Nein ich meine ich bin doch einfach dort hineingegangen. Die Tür zum Bad stand auf und ich habe aus den Fenstern geschaut.“ „Welches Zimmer meist du genau?“ erkundigte er sich ein wenig beunruhigt. „Es war eindeutig für einen Mann, massive Möbel und zum Teil mit dunklen Wandbehängen.“ „Ah ja! Das Zimmer! Tu mir einen Gefallen geh dort nicht wieder hin, ja.“ „Sicher, wie du möchtest.“ Das fand ich nun aber komisch, erst sagte er ich könne überall hinein und nun sollte ich mich von dort fernhalten. Deshalb fragte ich auch nicht nach welcher Turm, es war und warum von beiden Seiten Gebäude abgingen. Inzwischen waren wir in der Halle angelangt. Das war der Mittelpunkt, der Burg. Von hier aus konnte man in alle Nebengebäude. „Auch in die Kellergewölbe, Claire. Dorthin wurden Verbrecher und Feinde gebracht.“ „Kamen sie wieder heraus?“ „In einigen seltenen Fällen, ja.“ Das konnte ich mir direkt vorstellen. Arme wehrlose Gefangene, die ihr Dasein in einem Kerker fristeten. Oder noch schlimmer sie wurden gefoltert. „Aber nun wollen wir eine Kleinigkeit essen. Raphael wartet bereits im Speisezimmer. Danach stelle ich dir die Haushälterin und Hausangestellten vor.“ „So was hast du?“ fragte ich verwundert. „Ja, die Dörfler wären noch erstaunter, wenn ich keine hätte, glaub mir.“ Raphael wartete wirklich. Wie vorher, als wir ankamen, sah er mich nicht direkt an. Er setzte seine sanfte Tour fort und ich tat es ihm nach. Colin erklärte mir das eigentliche Abendessen gab es erst um 18 Uhr. Dies sei eine Zwischenmahlzeit. Ich ließ es mir schmecken. Versuchte ein paar Mal Raphael aus der Reserve zu locken. Irgendein Anschein seiner sonstigen Art hervorzurufen. Wenigstens ein Aufblitzen seiner Augen. Doch nichts. Ich war ehrlich genug mir einzugestehen das er mir fehlte. Auch wenn ich ihn oftmals irgendwohin schießen könnte. Raphael ließ jeden Versuch meinerseits an sich abgleiten. Colin stellte mich seinem Personal vor. Sie verstanden kein Englisch, nur der Sohn der Haushälterin sprach es fließend. „Wenn sie Hilfe benötigen, wenden sie sich vertrauensvoll an mich.“ Meinte der Junge zuvorkommend. Ich bedankte mich artig. Seine Mutter erschien nicht gerade freundlich, über die Worte ihres Sohnes zu sein. „Versteht sie doch englisch?“ fragte ich Colin. „Nein kein Wort. Aber sie kennt ihren Sohn. Und sie ist nicht blind, so wie er dich angesehen hat.“ äußerte Colin. „Der Junge ist doch höchstens vierzehn oder fünfzehn.“ „Ja ein frühreifer kleiner Draufgänger. Er muss direkt nach der Schule zu seiner Mutter. Anscheinend hat ein kleines Techtelmechtel, mit einem der Mädchen im Dorf.“ „In dem Alter doch ganz normal!“ „Nicht wenn das Mädel bereits zwanzig ist.“ „Wie du sagtest ein frühreifes Bürschchen, ja.“ „Ja und ich gebe ihm Arbeit damit kann er sein Taschengeld aufstocken und er ist zugleich unter der Fuchtel seiner Mutter.“ Schließlich forderte ich Colin auf, mir das Schloss zu zeigen. Was er bereitwillig übernahm. Raphael schloss sich uns an. Zu dritt gingen wir zum Hauptturm und stiegen ihn hinauf. Ich hatte richtig vermutet von hier aus konnte man das ganze Umland überblicken. Meine Frage erübrigte sich ebenso, die Türme hatten einen zweiten Anbau. Vielmehr bildeten die Türme die Front und das Gebäude erstreckte sich nach hinten weiter aus. „Meine Güte wie viel Zimmer gibt es denn?“ „Keine Ahnung, ich habe erst die Hälfte des Schlosses erkundet. Es gibt nur einen der sich vermutlich genauestens auskennt ...“ Raphael stupste Colin an, „Du bekommst Besuch! Wir sollten hinuntergehen.“ Ich sah niemanden, denn unter uns erstreckte sich der Weg vom Tor bis zum Eingang. Nun sah ich auch die Mauer umschloss die ganze Burg. Am hinteren Ende der Burgmauer schmiegten sich noch weitere Gebäude. Und was ich noch sah, waren die Wehrgänge auf der Mauer, „Wozu sind die Nischen dort.“ Colin, der schon den Turm hinuntergehen wollte, kam zurück. „Soviel ich weiß wurden sie als Wetterschutz benutzt.“ „Kann ich dorthin?“ „Du steigst die Treppe ganz hinunter, dann kommst du in einen breiten Flur. Den einfach geradeaus, dort ist eine Tür.“ Ich nickte ihm zu. „Bis gleich, ich finde dich dann schon.“ Und rannte flugs die Treppe hinunter. Ich blieb noch eine Weile auf dem Turm und versuchte mein Zimmer auszumachen. Ohne jegliche Chance. Wie von Colin beschrieben, fand ich den Weg hinaus. Ich war überrascht, wie groß der Platz war. Von oben sah es erheblich kleiner aus. Kleine Grünstreifen ließen den Hof freundlicher aussehen. Doch was mich gerade interessierte, war der Wehrgang. Ich stieg eine Steintreppe hinauf und erkannte das es zwei Gänge gab. Einer lag unterhalb des Wehrgangs, wozu dieser diente, blieb mir ein Rätsel. Den Oberen erreichte ich endlich atemlos. Jetzt erst wurde mir klar sie hatten mir den Weg in den Turm herauf geholfen. Das dazu, wie sie sich unter Menschen bewegen. Den Wehrgang konnte ich ohne Hindernisse weitergehen. Ich ging zum vorderen Teil, weil ich die Zugbrücke von oben sehen wollte. Der Fluss zu meiner linken floss rasch dahin. Ich stellte mir die Menschen vor, die versuchten herüber zu kommen, um dann von Pfeilen oder Steinen erschlagen zu werden. Falls der Fluss sie nicht mitriss. Langsam schlenderte ich weiter, da entdeckte ich eine Tür. Mehr durch Zufall als das ich sie sah. Ich hatte einen Stein in meinen Schuh, also zog ich ihn aus und schüttelte den Stein heraus. Damit ich halt hatte, lehnte ich mich in einer der Nischen an die Wand und zu meinen erstaunen war dort ein schmaler Gang. Ich blickte mich um, ich stand dem von meiner Sicht linken Turm direkt gegenüber. Dort im Turm stand ein Fenster auf. Es musste das Herrenzimmer sein. Ich sah den Baum den gelben Busch diese hatte ich gesehen, als ich aus dem Fenster sah. Langsam bekam ich eine Vorstellung über die Ausmaße dieses gewaltigen Baus. Doch warum war das Fenster geöffnet? Jemand musste dort sein. Denn die Fenster waren vorhin geschlossen. Na ja vielleicht bekam Colin noch mehr Besuch. Doch nun zu dem Gang. Ich musste seitwärts hinein und sah so gut wie nichts. Ein schmaler Lichtstreifen erhellte den Gang oder Raum. Vorsichtig tastete ich mich weiter doch es hatte keinen Zweck. Ohne Taschenlampe zu gefährlich, was wenn eine Stufe oder Treppe auftauchte. Unverrichteter Dinge ging ich zurück und stieß an einen Tisch es schepperte laut. Vorsichtig tastete ich den Tisch ab. Wie es sich anfühlte, war da eine Lampe, ich roch daran tatsächlich eine Öllampe. Jetzt musste ich nur noch ein Feuerzeug oder Streichhölzer finden. Ich hatte Glück. Streichhölzer. Es dauerte zwar einen Moment aber schließlich schaffte ich es die Lampe brannte. Sie warf ein unheimliches Licht in den Raum. Es war ein Schutzraum, in der Ecke stand ein wackliges Bettgestell. Der Tisch und zwei Hocker rundeten die karge Einrichtung ab. Ich drang weiter vor und entdeckte eine weitere Öffnung die Lampe vor mich haltend schob ich mich hindurch. Ein kleiner Absatz dann ging es hinunter. Ah Sue du hättest deine Freude daran. Beruhigend kämpfte ich meine Aufregung nieder und stieg vorsichtig die Treppe herunter. Je tiefer ich kam desto feuchter wurde es. Ich musste inzwischen auf gleicher Höhe mit dem Fluss sein. Vielleicht war, dass ein Fluchttunnel der unter dem Fluss hinausführte. Oder um den Gegner in den Hinterhalt zu fallen. Immer weiter ging es hinab, bis ich auf einen Gang stieß. Er war nicht sehr hoch. Sollte ich weiter? Konnte der Tunnel einstürzen? Aber mein Forschungseifer siegte. Ich folgte den Stollen bis zum Ende, dort war wiederum eine Treppe, die ich hinaufkletterte. Ich war gespannt, wo ich herauskam. Endlich eine schwere Holztür, aber kein Griff keine Klinke. Nichts! Ich überlegte natürlich es musste einen Hebel geben, der die Tür öffnete. Was machte eine Tür mit Griff sinn, in der jeder hineinkam. Mit der Lampe suchte ich die Mauer ab und fand ihn. Er ließ sich ohne Probleme bewegen, der Mechanismus musste ständig gepflegt worden sein. Die Tür schwang auf und ich trat in den Raum, um sofort vor Schreck zu erstarren. „Claire! Was zum Teufel machst du hier?“ donnerte mich Al an. Seine Augen sprühten Blitze, die mir durch Mark und Bein gingen. Grollend kam er auf mich zu. „Weib! Kann man dich …“ ich starrte ihn verwundert an, nur ein Engel hatte mich bisher so genannt. Al beruhigte sich zusehends, „Du hast mich erschreckt!“ war sein einziger Kommentar. „Du mich auch! Ich habe einen Tunnel gefunden und dachte er führt mich außerhalb des Schlosses. Stattdessen bin ich hier gelandet. Ich sah mich um und erkannte den Raum. Es war das Herrenzimmer! Hinter mir stand die Tür noch immer auf. Sie war hinter einem der Wandbehänge versteckt. „Wusstest du davon? Das es einen Geheimgang gibt.“ „Das ist eine alte Burg, davon gibt es viele.“ Antwortete mir Al ausweichend, er sah mich durchdringend an und ich bekam Herzklopfen. Wie gebannt konnte ich den Blick nicht von ihm abwenden. Angespannt meinte er, „Colin wird dich gewiss schon suchen, ich werde dich nach unten bringen.“ „Seit wann bist du hier?“ statt einer Antwort schloss er die Tür und ging auf die zum Flur führende zu. „Al? Bekomme ich eine Auskunft?“ „Wie? Nein noch nicht lange!“ Ich suchte nach einer Klappe, damit ich die Lampe auspusten konnte, und verbrannte mir die Finger. „Claire, verdammt machst du das mit Absicht?“ er nahm mir die Lampe ab, drehte den Docht herunter und stellte sie auf den Tisch, „zeig mir deine Hand du hast dich verbrannt.“ „Halb so schlimm waren nur die Finger.“ Wiegelte ich ab. „Claire! Nun zeig schon.“ forderte er mich nachhaltig auf. Das waren ganz neue Töne von Al. Sie passten einfach nicht zu ihm. „Seit wann bist du so hartnäckig?“ „Du hast dich verletzt! Ich will nur nachsehen, wie schlimm es ist. Darf ich?“ ich hielt ihm meine Hand entgegen er sah nur kurz darauf, „Okay mehr wollte ich nicht. Colin sucht dich! Er und Raphael sind auf den Weg.“ Al ging zur Tür und öffnete sie, sich umdrehend forderte, er mich wortlos auf den Raum zu verlassen. „Kommst du nicht mit?“ „Nein, du brauchst nur die Treppe hinunter gehen, dann solltest du dich rechts halten. Colin wird auch gleich da sein. Er ist sehr besorgt. Was … ach schon gut. Vergiss es.“ Wieder sah er mich auf diese Weise an. In meinen Magen flatterten ganze Scharen von Schmetterlingen. Ich wollte ich nicht verlassen, im Gegenteil am liebsten hätte ich mich in seine Arme geworfen. Verwirrt stolperte ich vorwärts. „Claire?“ als wolle er mich genauso ungern gehen lassen. Doch ich ging weiter bekämpfte den Drang mich in seine Arme zu werfen. Was war nur los mit mir? Wollte ich mich jeden Engel an den Hals werfen? Noch in meinen Grübeleien vertieft kamen Raphael und Colin auf mich zu. Sie machten beide, eine besorgte Miene. Ich beschränkte mich auf Raphaels Blick hoffte er würde mich mit seinem umfangen. Doch nein! Außer gutherzige Freundlichkeit, stand nichts in seinem Blick. „Du hast uns einen schönen Schrecken eingejagt! Wir haben dich draußen überall gesucht. Du hast einen Geheimgang entdeckt?“ fragte Colin nach, während Raphael sich wie immer in letzter Zeit bedeckt hielt. Am liebsten hätte ich ihn angeschrien oder ihn geschüttelt, damit er sich wieder normal verhielt. Ich berichtete von meiner Entdeckung. Indessen waren wir an meinem Zimmer angelangt. „in einer halben Stunde wollen wir essen, schaffst du das?“ „Sicher!“ „Ich hole dich dann ab.“ Versprach Colin. Wieso konnte ich nur nicht wie Myriel sein? Einen Engel und damit ist alles andere unwichtig. Aber nein, ich musste ein flatterhafter Mensch sein. Vor ein paar Wochen dachte ich Raphael sei die Liebe meines Lebens. Doch Uriels Küsse erwiderte ich und von einem unbekannten Mann ließ ich mich allein von seiner Stimme betören. Jetzt Al! Sollte das so weitergehen? Wenn ich doch nur mit Mike reden könnte, ich würde ihn bitten mich von meinen Versprechen zu entbinden. Das war die einzige Möglichkeit, die ich im Augenblick sah. Er hatte sich geirrt ich war nicht in der Lage mich auf einen Engel zu beschränken. Oder überhaupt in einen Mann oder Engel zu verlieben. Colin holte mich ab, verwundert stellte ich fest das wir nur zu zweit aßen. „Al und Raphael wollten noch weg.“ Informierte mich Colin. Wir unterhielten uns hauptsächlich über die Burg. Doch ein wirklich aufmerksamer Zuhörer war ich heute Abend nicht. Unruhig wanderte ich in meinem Zimmer. Colin fand meine Zerstreutheit zwar schade doch er drang nicht weiter in mich ein. Wieder ein Grund meinem schlechten Gewissen Nahrung zu geben. Ich wünschte Mike wäre hier. Oder ich musste notgedrungen mit Raphael reden. Ja das war eine Alternative. Die ich zwar ungern in Angriff nahm. Lieber jetzt als nie mehr und machte mich auf. Al musste wissen, in welchem Zimmer Raphael untergebracht war. Hoffentlich waren sie inzwischen zurück. Ob ich noch mal den Mut fand, konnte ich nicht sagen. Ohne Probleme fand ich Als Zimmer. Auf mein Anklopfen wurde fast augenblicklich geöffnet. „Claire, wie kann ich dir helfen?“ Al schien nicht gerade überrascht zu sein, mich mitten in der Nacht vor seiner Tür zu finden. „Raphael! Kannst du mir sagen, wo sein Zimmer liegt?“ fragte ein wenig konfus. Der Blick, mit dem er mich bedachte, warf mich aus der Bahn. „Du willst mit Raphael sprechen? Jetzt?“ „Ja, es ist dringend!“ „Was kann denn so unaufschiebbar sein?“ „Al ich muss … ich …“ verhaspelte ich mich, mein Kopf war leer. Nur eines nahm ich deutlich wahr, wie Al mich ansah. Widerstrebend löste ich meinen Blick von Al und fixierte mein Augenmerk auf die Dunkelheit seines Zimmers. „Also Al ich muss mit Raphael reden sagst du mir nun, wo ich ihn finde.“ Nun gelang es mir sogar Überzeugend zu klingen. Al sah mich nachdenklich an, „Er ist im Bad!“ „Wie?“ Schmunzelnd fragte er mich, „Was macht man denn da? Warte ich sag ihn das du mit ihm sprechen willst!“ und schlug mir die Tür vor der Nase zu. Keine Minute später öffnete Raphael die Tür, „Du willst mit mir reden?“ „Ja, äh können wir unter vier Augen …“ „Ach so! Al ich gehe ein Stück mit Claire!“ rief er ins Zimmer und trat zu mir in den Flur. „Nun was ist denn so dringend.“ Und sah mich durchdringend an, da war er der alte Raphael. Ich glaubte schon, ihn nicht mehr zu sehen. Doch das machte es für mich schwieriger. Magisch wurde ich in seinen Bann gezogen. „Claire?“ Er wartete auf eine Antwort, „Ja ich. Ich kann nicht mehr so weitermachen.“ „Gehen wir hier entlang, ich denke dort sind wir sicher vor unerwünschten Lauschern.“ Raphael öffnete einen Schrank und ich wollte schon protestieren. Doch dann schob er die Rückwand zur Seite und reichte mir spitzbübisch grinsend die Hand. „Psst kein Wort, wir wollen doch das es ein Geheimnis bleibt.“ Flüsterte er mir zu. Ich stieg in den Schrank und weiter. Und stand in einem Zimmer. Das erste was mir durch den Kopf schoss wer machte hier sauber. Wenn niemand von diesem Raum wusste. Leise schloss Raphael die Tür. „So lass uns nach nebenan gehen. Dort ist es gemütlicher.“ „Was ist das? Ein kleiner privater …“ mir fiel kein passendes Wort ein. Harem? Verführungsraum? Liebesnest? Der Raum war rund er bestand so wie ich das sah nur aus Kissen. „Hier bleibe ich nicht!“ Raphael lachte auf, „Bitte, wie du willst! Dann geh.“ Ich machte auf den Absatz kehrt und blieb wie angewurzelt stehen. Keine Tür! Nichts! Ich klopfte die Wand ab, suchte nach einem Hebel. „Du kannst suchen, wie du willst. Also warum kannst du nicht mehr weitermachen? Und womit?“ Raphael lag auf einen Berg Kissen. „Du willst doch wohl nicht hier bleiben?“ „Aber sicher doch! Was gibt es Besseres? Du kannst dich entspannen und mir dein Herz ausschütten.“ Er klopfte einladend auf die Kissen. Ich schüttelte widerspenstig den Kopf. „Nun! Soll ich noch mal fragen oder hast du es dir anders überlegt. Claire.“ Eines war sicher, Raphael würde mich nicht eher rauslassen, bis ich es ihm sagte. „Nun gut! Ich will mit dieser ganzen Komödie aufhören. Ich bin völlig ungeeignet. Das war es!“ gab ich ihm Auskunft. „Wie kommst du zu diesem Schluss?“ fragte Raphael völlig ruhig. Ich wanderte in diesem kleinen Raum hin und her, drei Schritte vor und dann zurück. „Es ist doch ganz klar. Wie viel Engel habe ich nun schon kennengelernt. Ihr habt euch geirrt.“ „Nehmen wir mal an wir haben uns geirrt. Doch wie bist du darauf gekommen?“ Ich sah ihn groß an, „Ach das weißt du doch!“ und tippte mir an die Stirn. „Nein! Ich muss mich schon auf deine Worte beschränken. Im Moment fehlt mir dieser Draht zu dir. Also erkläre es mir.“ Abgelenkt von dieser Neuigkeit platzten meine Worte nur so heraus. „Erst denke ich sei in dich verliebt, dann küsse ich Uriel. Später flirte ich mit einem unbekannten Ritter. Und heute Nachmittag wollte ich Al an den Hals springen. So wie ich das sehe, bin ich unfähig eine Beziehung einzugehen. Ich … ich …“ „Ja?“ „Bin einfach zu …“ „… flatterhaft?“ „Wenn du es so ausdrücken willst, bitte! So und nun setzte dich mit Mike in Verbindung. Erkläre ihm die Sachlage! Und lass mich jetzt heraus!“ „So du sagst mir das du dein Versprechen brichst. Ich soll Mike benachrichtigen und du gehst wieder in deinen langweiligen Buchladen. Alles ist beim Alten!“ er stand auf einmal vor mir. „Du vergisst eine Menge, als erstes die Nephilim. Doch ich will dich gar nicht beunruhigen. Mal sehen was noch, du brichst Mike und einigen anderen Engeln das Herz. Myriel wird sich die Haare raufen. Doch das wichtigste hast du nicht bedacht!“ grinste er mich an. „Und das wäre!“ „Na ja Zweitwichtige! Gabriel was willst du ihm sagen? Und noch eines, du flatterhaftes Geschöpf, was ist mit dir! Hast du vergessen, was Sue dir sagte und Gab. Ob du es wahrhaben willst oder nicht du bist nicht mehr das Mädchen von vor ein paar Monaten.“ „Nein habe ich nicht. Doch woher weißt du das alles? Und außerdem ist es egal. Ich will keinen Engel enttäuschen oder wehtun. Uriel und beinahe Al! Nein wer ist er nächste, Raphael versteh doch.“ „Nun Uriel hat dich geküsst! Al, ja wieso wolltest du denn? Ich meine warum findest du ihn anziehend?“ „Es ist einfach ein Gefühl, er strahlte etwas aus, ich kann es nicht erklären.“ Und wandte mich ab. „Einfach so? Du platzt in sein Zimmer und dann fühlst du dich von ihm angezogen?“ „Ja, einfach so!“ gereizt sah ich ihn an. Raphael zog eine unbeteiligte Miene, ich konnte mich irren aber ich dachte er hätte zuvor gegrinst. „Und wie war das mit dem Ritter?“ „Du kannst mir auch nichts ersparen?“ er zuckte nur die Achseln. „Na gut, der Ritter war auf dem Maskenball. Ich fühlte mich von ihm angezogen, mehr war da nicht.“ „Hm, deshalb denkst du, als Kandidatin ungeeignet zu sein. Und wenn ich dir darlege, das du dich irrst.“ „Das kannst du nicht.“ „Da wäre ich mir an deiner Stelle nicht so sicher. Aber da ist noch etwas das wir nicht erörtert haben, du weißt was ich meine.“ „Nein!“ „Dann werde ich deine Erinnerung ein wenig auffrischen.“ Mit dem letzten Wort hob er mich in seine Arme. „Sobald du dich als Kandidatin zurückziehst, haben wir eine Verabredung. Die ich dann einfordere.“ „Nein Raphael du hattest recht, ich habe mir nur eingebildet, etwas für dich zu empfinden. Die letzten Wochen ist mir das klar geworden. Nun sei lieb und lass mich runter.“ „Eingebildet?“ grinsend musterte er mich, seine Überheblichkeit sprach aus jeder Pore. Konnte oder wollte dieser Engel nicht verstehen. Ich war über ihn hinweg! „Ja Raphael! Du bist nicht mehr - ich denke da inzwischen wie Myriel eine Liebelei, mehr nicht. Sieh ich kann dir in die Augen schauen und es passiert nicht das Geringste.“ „Wenn das so ist, dann lasse uns das doch mal testen. Nur damit wir jede Eventualität ausgeschlossen haben. Schließlich muss ich Mike einen ausführlichen Bericht erstatten. Er bestand ja darauf, uns eine Weile zu trennen. Weil er der Ansicht war, wir hätten eine Grenze überschritten.“ „So, du sagtest doch es geschah wegen der Nephilim! Was stimmt denn nun!“ Wiederum grinste er, „Beides! Aber wir kommen vom Thema ab, Claire. Wir wollten herausfinden ob du deine, sagen wir Schwäche für mich überwunden hast.“ Stellte er nüchtern fest. „Ich weiß zwar nicht wozu. Aber gut, wenn du meinst. Was willst du wissen?“ In seinen Augen blitzte etwas auf, „Wissen? Es gibt eine schnelle und sichere Methode das zu prüfen.“ Argwöhnisch beäugte ich Raphael, ich konnte mir denken, worauf er hinaus wollte. „Nun komm, Claire! Du wirst zugeben das ist die schnellste Alternative! Wenn du wirklich nichts mehr für mich empfindest, dürfte dich ein kleiner Kuss gleichgültig lassen.“ „Du hast keine andere Hintergedanken?“ „Nein. Für mich selbst wird dies auch hilfreich sein. Mike hatte kein Unrecht; ich habe eine zu tiefe Verbindung hergestellt. Nun können wir herausfinden was seine und Gabs Maßnahmen gebracht haben.“ Versicherte er mir ernsthaft. „Erkläre es mir!“ forderte ich ihn auf. Seufzend setze sich Raphael, „Claire, wie schon gesagt war die Verbindung recht stark. Ich habe es nicht bewusst getan und ich habe es auch nicht eingesehen. Erst nach dem Vorfall mit Ben, erkannte ich die Miesere. Mike und Gab trennten uns. Unterbrachen die Verbindung. Das ist alles.“ „Wir haben also keinerlei Verbindung?“ Raphael verneinte wortlos, „Das heißt ich, wir können nicht eins werden, es wird nichts geschehen?“ „Richtig! Ein ganz normaler Kuss, wie unter sterblichen.“ Beruhigend lächelte er mich an. „Es ist auch für mich wichtig Claire. Ich habe in meinen Augen versagt. Deshalb ich will mich überzeugen. Kannst du das verstehen?“ Ich konnte, gut sogar! Er wollte es sich und seinen Freunden beweisen, er Raphael war wieder ganz der Alte. Das war er seinem Ehrgefühl schuldig, auch eine Menge Stolz schwang darin mit. „Also gut! Ein Kuss!“ „Ehrlich? Das habe ich nicht erwartet, wie ich gestehen muss.“ Er stand auf, „Nun denn, ein Kuss in Ehren kann niemand verwehren!“ „Raphael!“ warnte ich ihn, „Lass es, hinter uns bringen.“ „Weißt du, das ist eine Premiere für mich. Sonst fühle ich, wie meine Partnerin auf meinen Kuss reagiert.“ „Willst du reden? Oder mich küssen? Colin will mich früh wecken und mir die Weinberge zeigen. Wenn du nicht bereit dafür bist, sollten wir es verschieben oder ganz lassen.“ „Oh ich bin bereit, mehr als du annimmst. Bist du es auch?“ er nahm mich liebevoll in die Arme und senkte langsam sein Haupt. Spielerisch strichen seine Lippen über meinen Mund. Zärtlich fuhr er fort. Ich redete mir ein das es ganz normal war darauf zu reagieren. Ignorierte, die kleinen Flammen in meinen Leib. Und erwiderte seinen Kuss. Abrupt löste sich Raphael, trat zurück. „Siehst du! Nichts ist passiert! Es ist vorbei, die Verbindung ist erloschen.“ Versuchte er mich zu überzeugen. Ich war anderer Meinung, denn das Verlangen nach seiner Nähe sprach Bände. Ich schwieg, aber fragte. „Du hast keinerlei Gefühl empfunden?“ „Du bist eine attraktive Frau und ich bin keinesfalls impotent!“ antwortete er mir, meinem fragenden Blick wich er aus. Sondern öffnete die Tür, „Claire du kannst frei einen Engel wählen, gib ihnen und dir eine Chance. Noch einen Rat verwechsle Verlangen nicht mit Liebe. So jetzt bringe ich dich zurück zu deinem Zimmer.“ So einfach war es für Raphael also. Mir kam das bekannt vor, immer wieder versuchte er mir einzureden ich verlange nur nach ihm. Aber das war nicht alles. Ich war gern mit ihm zusammen, ich fühlte mich sicher in seiner Gegenwart. Lebendig, im Einklang mit mir, er war nach wie vor der fehlende Teil von mir. Wie sollte ich Raphael davon überzeugen? Mir wurde klar, das es außerhalb meiner Möglichkeit war. Solange er selbst überzeugt war, konnte ich erzählen, was ich wollte. Vor meiner Tür verabschiedete Raphael sich schnell, als habe er Angst noch eine Sekunde länger mit mir zusammen zu sein. Leise fragte ich nach, „Kommst du morgen mit zu den Weinbergen?“ „Natürlich sind wir mit dabei!“ Das ließ mich wenigstens hoffen, vielleicht gab es doch einen Weg. Das ließ mich hoffen. Jedoch stand mir am Nächsten Morgen eine Überraschung ins Haus. Raphael war wieder in den höflichen ruhigen Gesellen verwandelt. Nichts erinnerte an den Raphael von gestern Nacht. Colin freute sich über mein reges Interesse. Den ganzen Vormittag bekam ich eine Lektion über Trauben, das Keltern und Lagern und noch vieles mehr. Mir schwirrte der Kopf, gegen Mittag, bat ich Colin mich zu schonen. Wir kehrten zurück, die Haushälterin bereitete uns einen Imbiss zu. Colin entschuldigte sich er müsse ein paar Stunden arbeiten und Raphael folgte ihm. Al war den ganzen Tag nicht aufgetaucht, auf meine Frage, wo er denn sei. Bekam ich eine unzureichende Antwort von Colin und Raphael. Da ich auf mich selbst angewiesen war, erkundete ich die Burg. Ich fand heraus das man vom Hauptturm in die dahinterliegenden Gebäude kam. Die seitlichen Türme waren für die seitlichen Anbauten zugänglich. Schloss man einen Turm waren die anderen hermetisch abgeriegelt. Durch Zufall kam ich in die Küche, ein Heer aus Angestellten aß gerade. Lächelnd entschuldigte ich mich. Ich hoffte sie verstanden mich und ich sah nicht wie eine Idiotin aus. Von der Küche ging ein langer Gang aus, auf jeder Seite waren sieben Türen. Die ich aber ohne zu öffnen passierte. Dann ging ich vom mittleren Turm ein Stockwerk höher und entdeckte einen Saal. Das musste ein Ballsaal sein. Zwar blätterte der Putz ab, der Boden war staubig und die Fenster blind. Doch die einstige Schönheit war noch zu erkennen. Ich stellte mir den Raum festlich geschmückt vor. Die Wände und der Boden erstrahlten im Kerzenschein. Überall standen Blumen, kleine Tischgruppen luden zum Verweilen ein. Ein Orchester spielte Musik, die Paare tanzten in festlichen Kleidern danach. Vollkommen in meiner Fantasie gefangen, wiegte ich mich mit meinem imaginären Partner, über die Tanzfläche. „Du würdest ins Mittelalter passen!“ Al stand an der Wand gelehnt. Ich verzog mein Gesicht. „Findest du nicht?“ fragte er mich. „Lieber nicht, dafür dusche ich zu gern und diverse Untermieter mag ich auch nicht. Aber die Vorstellung wie es war in dieser Zeit zuleben finde ich interessant.“ „Dazu kann ich dir einiges erzählen.“ „Lieber nicht ich habe heute genug gehört, meine Ohren klingen immer noch.“ „Wenn Colin das hört, wird er bestimmt enttäuscht sein. Er nimmt das mit dem Weinanbau sehr ernst.“ „Das verstehst du falsch, ich meinte ich habe nur eine beschränkte Aufnahmefähigkeit.“ Er schmunzelte vor sich hin. Irgendetwas irritierte mich an Al, wieder sah ich ihn fasziniert an. „Ich habe auch weniger an eine trockene Erzählung gedacht.“ „An was dann?“ Al sah sich um, „Später, wir haben Zuhörer!“ Der Sohn der Haushälterin kam herein, er sah Al überrascht an. Al redete ihn französisch an. Der Junge antwortete und ging dann. Zuvor bedachte er mich mit einem kurzen Blick, der in seinen Augen wohl verführerisch sein sollte. Al schnaubte auf und der Junge verzog sich schleunigst. „Du solltest heute Nacht deine Tür verschließen. Der Kleine hat ein Auge auf dich geworfen.“ Ich musste lachen, „Er scheint wirklich frühreif zu sein. Aber ich werde deinen Ratschlag befolgen.“ „Willst du dich noch umsehen?“ „Ja wann hat man schon die Gelegenheit ein Schloss auszukundschaften. Ich will so viel wie möglich sehen.“ „Darf ich dich begleiten?“ ich nickte ihm zu, „Zu zweit macht es noch mehr Spaß. Wie gut kennst du die Burg?“ „Sehr gut! Ich kenne alle Gänge, wenn du das wissen wolltest.“ „Auch die Geheimen?“ „Davon gibt es nicht allzu viele. Die meisten sind Dienstbotengänge. Sie führen direkter durch die Burg, damit sie schneller ihre Herrschaften bedienen konnten. Durch einen solchen bist du gestern in mein Zimmer gelangt.“ „Das war ein Dienstbotengang? Aber er führte nach innen …“ „Damals gab es Kriege, gerade dieses Gebiet war während, des dreihundert jährigen Krieges besonders in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb dieser Gang der Burgherr wollte so schnell wie möglich die Burgmauer erreichen.“ „Dein Zimmer ist das des Burgherrn?“ „Damals schon! Es gibt noch andere im neueren Teil des Schlosses. Soll ich sie dir zeigen? Oder was hältst du von den Gemächern der Damen?“ „Lass uns einfach ein Raum nach den anderen inspizieren, ja!“ „Wie du willst.“ Die nächsten zwei Stunden betraten wir einen Raum nach den anderen. Al hielt sich mit Informationen zurück. Nur wenn ich ihn fragte, gab er bereitwillig Antwort. „Warum gibt es eigentlich keine Familienporträts? Die gibt es doch normalerweise.“ „Die sind in sicherer Verwahrung. Nicht bestimmt für die Öffentlichkeit.“ „Ah, sie sind zu wertvoll.“ „Eher zu brisant.“ Klärte er mich auf. „Verstehe, es ist also schon lange in eurem Besitz. Deshalb kennst du dich auch so gut aus.“ Er nickte mir bestätigend zu, ich musste mich immer wieder zusammenreißen, ihn nicht anzustarren. Sein auftreten, er war anders. Bei unserem ersten Treffen und auch bei Myriel war er schüchtern, eher in sich gekehrt. Heute wie auch gestern schlug er mich in seinen Bann. Gegensätzlicher ging es schon nicht mehr. Mir kam der Gedanke das die Engel befähigt waren ihre grundsächlichen Charakterzüge zu verändern. War das möglich? Kaum zu Ende gedacht platzte ich mit der Frage heraus. „Nein Claire!“ schmunzelte er, dabei neigte er seinen Kopf zur Seite und lächelte verhalten. Diese Geste! Mein Magen zog sich zusammen. Das war eindeutig eine Gebärde Raphaels! Gebannt beobachtete ich Al, trat unbewusst auf ihn zu. Al alarmiert schritt weiter in den Raum. „Dieser Trakt war den vielen Gästen vorbehalten. Eher Flüchtlinge, darunter Kinder, die ausgemergelt von ihren Müttern getragen wurden.“ Er drehte sich zu mir, der Ausdruck in seinem Gesicht hatte sich verändert. Wachsam streifte mich sein Blick. Unvermittelt meinte er, „Colin ist zurück.“ Es war, als wollte er noch mehr sagen, doch sein Blick verdüsterte sich. „Wir sollen in die Halle kommen.“ „Ist etwas passiert?“ „Nein nur … doch das siehst du ja gleich selbst!“ Ich steuerte die Tür an, doch Al hielt mich auf, „Wir gehen dort entlang, das ist kürzer.“ Er wandte sich dem Ende des Raumes zu und marschierte auf die Wand zu. Öffnete eine Tür, die ich bisher nicht wahrgenommen hatte. „Einer der Gänge! Du solltest sie keinesfalls allein erkunden. Dieser führt durch den ganzen Mitteltrakt, er hat viele Nebengänge. Man verliert schnell die Orientierung. Zieh die Tür hinter dir zu!“ Ich folgte seiner Aufforderung und stand dann im Dunkeln. „Ich sehe die Hand vor Augen nicht.“ Vorsichtig tastete ich mich an der Wand entlang. „Nimm meine Hand!“ fest umklammerte ich Als Arm. Er führte mich sicher durch den Gang, doch wir kamen nur langsam vorwärts, weil ich jeden Schritt ertastete. „Du solltest mir wirklich mal vertrauen! Ich führe dich schon nicht in den Abgrund.“ „Du hast gut reden! Geh du doch mal blind durch die Gegend. Und ich ziehe dich durch unbekanntes Terrain.“ Amüsiert, spottete Al, ging aber langsamer vorwärts. Erschreckt hielt ich inne, irgendetwas hatte mich berührt. „Da war etwas …“ Ein leises unterdrücktes Lachen ließ mich verstummen. „Spinnweben! Mehr nicht! Vielleicht laufen hier auch einige Mäuse herum. Doch keine Gefährlichen!“ Ich kam mir ziemlich blöd vor. Natürlich gab es hier Spinnen. Mit einer Hand an der Wand die andere fest an Als Arm geklammert kamen wir langsam vorwärts. „Eines musst du mir erklären Claire. Den äußeren Gang hast du ohne Angst betreten, aber nun wirkst du furchtsam.“ „Da hatte ich wenigstens eine Lampe! Weißt du, ich gehe normalerweise nicht blind durch die Welt.“ Fügte ich noch ironisch hinzu. „Das bedeutet also, für die nächste Expedition brauchen wir eine Lampe!“ das war mehr eine Feststellung als eine Frage. Wollte er tatsächlich mit mir die Burg erkunden? Was sollte ich davon halten? Schließlich war Al ein Kandidat wie Colin auch. Würde Raphael dies Erlauben? Bisher war er in dieser Hinsicht, absolut unbeugsam. „Wir sollten Raphael fragen, Al. Bevor du Ärger mit ihm bekommst.“ Erheitert meinte er ich solle ihm dem Erzengel überlassen. Kurz darauf blieb Al stehen, er löste meine Hand. Ein leichtes Scharren dann durchflutete Licht den Gang. Jetzt war ich wirklich blind. Tastend ging ich vorwärts. „Vorsicht eine Stufe.“ Leider zu spät schon stolperte ich wurde doch von starken Armen aufgefangen. „Hallo wen hab ich denn da? Lag es in deiner Absicht mir in die Arme zu laufen?“ „Nein! Natürlich nicht! Was du von mir denkst!“ meinte ich pikiert, jedoch so ganz daneben lag er nicht. Ich fühlte mich sehr wohl an seiner Brust. „Wenn uns jetzt einer so sieht, wird man uns keine zwei Sekunden mehr, aus den Augen lassen.“ Munter stellte er mich auf die Füße, „Das Riskieren wir lieber nicht! Ich habe dir noch einiges zu zeigen. Ich hole dich heute Nacht ab! Natürlich nur, wenn du möchtest.“ Und ob ich wollte! In diesen zwei Stunden mit ihm fühlte ich mich lebendiger als in den vorangegangenen Wochen. Am liebsten wäre ich sofort mit ihm zur nächsten Erkundung aufgebrochen. Er lächelte mich rätselhaft an, „Heute Nacht! Nun sollten wir Colin aufsuchen.“ Colin sah uns bedrückt entgegen, nach seiner Miene zu schließen, gefiel es ihm gar nicht mich in Begleitung von Al zu sehen. Auch Raphael runzelte die Stirn, sagte aber kein Wort. „Schaut, wen ich im Ballsaal gefunden habe!“ stellte Al einfach so hin, als habe er mich gerade eben dort angetroffen. Mein Blick ging zu Raphael, da ich mir sicher war, dass er diesen Kommentar keinesfalls so schluckte. Raphael hingegen nickte nur bestätigend. Das konnte ich kaum erfassen, er der sonst diese Umschreibungen perfekt beherrschte, ließ nun keinen Zweifel erkennen. „Dann sollten wir in den Salon gehen!“ auch Colin akzeptierte Als Darstellung. Im Salon erzählte ich den Beiden, welche Räume ich mir angesehen habe. Innerlich jedoch wartete ich darauf das es endlich Nacht wurde. Aber es sollte noch eine Weile dauern, denn Colin wartete noch auf etwas. Bald darauf entspannte er sich und grinste mir zu. „Ah da sind sie!“ sagte er nur. Meine Frage blieb ungesagt, Colin verließ den Salon. Kurze darauf kam er mit einem Paar zurück. Der Mann war ein Engel, das war mir auf Anhieb klar. Sein Äußeres war einfach zu perfekt, dazu diese träumerischen Augen. Er war mir auf Anhieb sympathisch, seine Begleiterin dagegen brachten genau die gegenteiligen Gefühle hervor. Nach meinem Geschmack war sie zu aufgetakelt. Ihr ganzes Gebaren zielte nur auf eines ab. – seht her, ich bin der Mittelpunkt der Welt! – später revidierte ich meine Meinung, sie war eingebildet, egoistisch und kaum ertragbar. Doch ich begrüßte die Neuankömmlinge herzlich, besonders Sel. Seine Frau Antonia bekam ein ebenso falsches Lächeln wie sie mir zollte. Was mich an meisten gegen sie aufbrachte, war ihr Geschleime; sie warf sich nach einem kurzen Rundblick, Al an die Brust. Das war also Antonia! Ich würde sagen Myriel hat sie noch viel zu nett beschrieben. Als ich zur Toilette ging, folgte sie mir auf dem Fuße. Sie redete ununterbrochen, auch die Geschichte mit Raphael breitete sie in allen Farben aus. Natürlich ihre Version! Ich konnte mich einfach nicht beherrschen und sagte ihr auf den Kopf zu, dass ich das Geschehene anders gehört habe. Dabei grinste ich sie wissend an und drehte den Wasserhahn voll auf. Auf den Rückweg zum Salon hielt sie endlich ihre Klappe. Diese Frau war aber unbekehrbar, weiterhin umgarnte sie Al. Ich fragte mich am Rande, warum sie Raphael links liegen ließ. Schließlich war er doch derjenige, nach Myriels Aussage, dem sie ständig nachstellte. Das Abendessen erwies sich als genauso unangenehm wie erwartet. Nur das Essen, das serviert wurde, war mehr als genießbar. Sowie auch der Wein, was mich irritierte, Raphael trank Weißwein normalerweise zog er Rotwein vor. Auf meinen Blick hin, meinte Colin, dass der Wein heute Abend ein prämierter sei. Er beschrieb ausführlich die Note und das ganze Drumherum, wovon ich nur die Hälfte verstand, wenn überhaupt. Als endlich die Tafel aufgehoben wurde, seufzte ich erleichtert auf. „Tut mir Leid!“ raunte Colin mir ins Ohr. Ich drückte ihm die Hand, „Du hast es nur gut gemeint!“ munterte ich ihn auf. Er strahlte mich an, „Du bist mir nicht böse?“ „Nein wahrhaftig nicht! Jetzt habe ich das Beste und das Schlimmste kennengelernt. Was soll mich da noch aus der Fassung bringen?“ flüsterte ich ihm ins Ohr. „Was habt ihr denn zu tuscheln?“ fragte Al mit eiskalter Stimme und ebensolchen Blick. Die Spannung, die darauf folgte, war greifbar. Colin hob beschwichtigend die Hände, warf einen unsicheren Blick zu mir, „Wir haben uns nur unterhalten!“ Al schien damit keineswegs, zufrieden zu sein. Sein Augenmerk richtete sich noch immer düster auf Colin. Raphael ergriff schlichtend das Wort. Was er sagte, konnte ich nicht sagen. Meine Gedanken arbeiteten fieberhaft. Al und Raphael; Raphael und Al! Sie kreisten um die Beiden! Wieder und wieder. Dann endlich hatte ich es. Konnte es sein? War das überhaupt möglich? Skeptisch verglich ich sie. Es musste so sein! Auf irgendeine Weise hatten sie ihre Körper ausgetauscht. Gerade setzte ich an, meine Vermutung auszusprechen. Als mich ein warnender Blick Als traf. Oder eher Raphael, wenn ich Recht behielt. Und das hatte ich, da war ich mir sicher. Na gut! Ich lehnte mich zurück. Al, das hieß Raphael, senkte dankend die Augen. Er würde mir einiges erklären müssen und diesmal kam er mir nicht mit ein paar Ausflüchten davon. Nun wurde mir auch bewusst das ich mich nicht zu Al hingezogen fühlte, auch die Gefühle zu Raphael hatten sich nicht geändert. Nein, Raphael zog mich an, egal in welcher Verkleidung. Auch als Ritter! Welches Spiel trieb er nur? Nun konnte ich es kaum noch erwarten, mich zurückzuziehen. Ich brannte nahezu darauf. Die Gelegenheit bot mir Antonia, als sie unterdrückt gähnte. Das nahm ich auf und benutzte den Vorwand um mich zu entschuldigen. In meinem Zimmer wanderte ich unruhig hin und her. Zum wiederholten Male sah ich auf die Uhr. Inzwischen wartete ich über eine Stunde auf Raphael. Sollte er innerhalb, einer halben Stunde, immer noch nicht auftauchen, würde ich zu ihm gehen. Kurz vor Ablauf meiner festgesetzten Frist saß Raphael auf meinem Bett. Bequem im Schneidersitz lächelte er mir entspannt entgegen. Nun wechselte sein Ausdruck aus unergründlichen Augen beobachtete er meine unterbrochene Wanderung. Wie lange saß er schon da? „Du bist wirklich gekommen!“ stellte ich noch ruhig fest, doch ich spürte, wie mein Ärger anwuchs. „Wie ich sehe ohne Verkleidung!“ begrüßte ich ihn spitz. Raphael schaute mich nur ruhig an. Während ich meinen Frust und meine Wut an ihm ausließ. Er änderte weder seinen Gesichtsausdruck noch seine Haltung. Stumm ertrug er meinen Ausbruch. Nur seine Augen blitzten ab und zu auf. Erleichtert ließ ich mich in den Sessel fallen. Mir ging es wesentlich besser. Jetzt nachdem ich endlich alles von der Seele geredet; naja geschrien mehr gewütet habe. Ich schloss erschöpft für einen Moment die Augen. Als ich sie wieder öffnete, hielt Raphael mir ein Glas Wein entgegen. Rotwein! Dankend lehnte ich ab, ich wunderte mich erst gar nicht, woher er den Wein hatte. „Nun komm schon, Claire. Nach dieser Tirade musst du völlig ausgedörrt sein.“ Meinte er amüsiert. Das war ich wirklich, also nahm ich das Glas und leerte es in einem Zug. „Langsam, sonst hältst du mir noch vor. Ich wolle dich betrunken machen.“ Wie es Raphaels Gewohnheit war, setzte er sich einfach vor mir auf den Fußboden. „Darf ich dir erklären?“ wartete aber mein Einverständnis nicht erst ab, sondern begann. „Wir haben kein Spielchen mit dir Getrieben!“ erklärte er mir als Erstes, „In erster Linie haben wir uns wegen Ben zu diesem Weg entschlossen. Woher wusste er, wo du dich aufhältst? Dann hat er weitere Nephilim an seiner Seite. Was sehr ungewöhnlich ist. Sie sind Einzelgänger! Das liegt in ihrer Natur! Untereinander bekriegen sie sich genauso wie gegen uns, wenn nicht noch schlimmer.“ Angespannt hörte ich zu, als ich eine Frage stellen wollte, winkte Raphael ab. Er gebot mir, zuzuhören. „Wir mussten und müssen herausfinden, warum sie gemeinsam agieren. Des Weiteren, wer Informationen weitergibt.“ Nun unterbrach ich ihn doch. „Du meinst meine Freunde?“ Nickend bestätigte er. „Freunde, Familie und Engel, ja. Deshalb überprüften wir zuerst die Engel in deinem Umfeld, dann alle anderen. Schließlich deine Familie und Freunde. Wie sich gestern herausstellte, hat Ben einen weiteren Nephilim in Niklas Umfeld. Daher bekamen sie ihre Information.“ Erschrocken horchte ich auf. „Sue und Niklas geht es gut, der Nephilim wird beobachtet.“ Versicherte mir Raphael beruhigend. „Doch warum habt ihr mir diese Komödie vorgespielt?“ Raphael sah mich bedrückt an, ich verstand und beantwortete meine Frage selbst. „Ihr habt auch mir misstraut! Warum? Du hättest doch einfach in meinen Kopf herumschnüffeln können. Das hast du doch schon oft genug getan!“ warf ich ihm vor. „Ja das hätte ich tun können!“ gestand er ohne Anzeichen eines schlechten Gewissens. „Aber nach dem Vorfall mit Ben hat Mike darauf bestanden, dass ich jegliche Verbindung zu dir unterbreche. Nur Gab konnte deine Gedanken hören. Zudem warst du unserer Ansicht nach sowieso nicht der Informant.“ Sollte ich mich geehrt fühlen? Das sie mir so vertrauten, nein gewiss nicht. Denn gerade Raphael ging logisch vor, er schloss nüchtern alle Eventualitäten aus. Außerdem war und bin ich ein miserabler Lügner. Doch wenn sie mir vertrauten, warum dieser Rollentausch? „Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“ Er grinste, „Ganz einfach. Al hat sich als Kandidat zurückgezogen. Mike bestand auf eine geistige und räumliche Trennung. Und ich bin der Beste Jäger. Ergo nahm Al meinen Platz ein. Mike war zufrieden und ich ging auf Kundschaft. Das war die beste Alternative denn Ben glaubte mich in deiner Nähe.“ Das waren viele Informationen, die er freiwillig preisgab. Ein unbehagliches Gefühl beschlich mich, was behielt er für sich. Bisher bekam ich nur das zu hören, was unbedingt notwendig war. Misstrauisch musterte ich ihn, was verbarg er? „Du brauchst mich gar nicht so argwöhnisch betrachten, Claire. Das war im Großen und Ganzen alles!“ Ich lachte auf, „Wie du sagtest! Im Großen und Ganzem! Doch du verschweigst mir einiges!“ Er zuckte lässig die Schultern, „willst du noch immer die Burg erkunden?“ lenkte er ab. „Ja das möchte ich. Noch viel mehr möchte ich wissen, was du mir verschweigst.“ „Das meine Liebe ist nebensächlich! Du hast ja auch deine Geheimnisse.“ „Ich? Wie sollte ich? Da Gab jeden meiner Gedanken verfolgt und du dich wahrscheinlich besser in meinen Hirn besser auskennst als ich selbst.“ „Dann sage mir doch einfach was hattest du und Colin am Tisch zu flüstern.“ „Das mein Lieber.“ Betonte ich grinsend, „ist nebensächlich!“ Kurz verdunkelten sich seine Augen, dann zog er sie schmerzhaft zusammen. „Raphael? Was ist?“ „Gleich vorbei!“ hob er abwehrend seine Hand, „Eine nette kleine Idee deines Busenfreundes. Sobald ich versuche in deinen Geist zu sehen, bekomme ich einen Schlag, es fühlt sich wie ein Stromschlag an. Ich wette Gab reibt sich gerade vor Vergnügen die Hände.“ Schmunzelnd hörte ich mir diese Neuigkeit an. Das musste für Raphael die Höhle bedeuten, zu erraten, was jemand dachte. „Musst du deine Schadenfreude so offen zeigen?“ beschwerte er sich beleidigt. „Ah Raphael!“ und wuselte durch sein Haar, „welch eine Pein!“ kicherte ich vor Vergnügen. „Dann frage ich eben Colin!“ drohte er, „er wird es mir schon sagen! Bisher habe ich jede Auskunft erhalten, die ich wissen wollte.“ Behauptete er düster. Ich sprang gut gelaunt auf. „So zeigst du mir nun die Burg? Oder obsiegt deine schlechte Stimmung?“ „Sicher zeige ich dir die Burg. Ich fange mit der Folterkammer an und werde dir, mit dem größtem Vergnügen, die Vorrichtungen aus erster Hand erklären.“ Drohte er mir grinsend an. „Aber Raphael! Solch, niedren Gefühle? Ich dachte du seiest darüber erhaben.“ Zog ich ihn scherzend auf. „Das liegt nur an dir Weib!“ verkündete, Raphael theatralisch auf meinen Ton eingehend. Inzwischen suchte ich eine Hose und Pullover heraus und ging ins Bad. Im leichten Plauderton verspottete ich sein Alter und seine fehlende Weisheit. Sowie seine Neugier und seine geringe Selbstbeherrschung. „Geringe Selbstbeherrschung!“ donnerte Raphael, die Tür schlug krachend auf, „wenn sie so gering wäre, Weib“ bebend vor Wut stand er vor mir, „hätte ich dir schon längst deine Unschuld geraubt!“ anzüglich sah er mich von oben bis unten an. Ich stand nur mit BH und Slip bekleidet im Bad, „War es deine Selbstbeherrschung oder dein Pflichtgefühl?“ und trat gelassen einen Schritt auf ihm zu. Wenn er meinte, ich würde meine Blöße wie sonst auch bedecken, irrte er sich gewaltig. „Nun was ist?“ fragte ich herausfordernd. „Du hast dich wirklich verändert! Ich muss Sue und Gab zustimmen.“ Stellte Raphael sachlich fest. „Du bist kein verschrecktes Häschen mehr. Nein, eher erinnerst du mich im Moment an eine angreifende Raubkatze!“ sinnend schaute er mich an. „Was soll das nur wieder? Hast du Kontakt zu Sue?“ „Gab hat es mir erzählt! Ich wollte über alles, was dich betrifft, aufgeklärt werden.“ Sanft strich er eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. „Nun beeil dich!“ meinte Raphael auffordernd. Als ich aus dem Bad kam, stand Raphael an einer geöffneten Geheimtür. „Sind denn in jedem Raum solche Türen?“ „Nein nicht in jedem, nur zu den herrschaftlichen Gemächern. Es war schwierig während der Umbaumaßnahmen diese Gänge geheim zu halten. Wir wollten sie beibehalten, dabei durften die Angestellten nichts von ihnen erfahren. Obwohl ich denke, dass die Haushälterin sie kennt. Denn ihre Großmutter hat schon im Schloss gearbeitet. Ihr Sohn erinnert mich an dessen Vater, er war genauso ein Früchtchen.“ Wir betraten den Gang und Raphael knipste eine Taschenlampe an. „Von welchem Vater sprichst du? Den der Haushälterin oder …“ „… von der Großmutter, er war ein gut aussehender Bursche. Kein Rock war vor ihm sicher, er schwängerte sie und einige Töchter dieser Umgebung.“ Er leuchtete auf einen Abzweig, „Wir nehmen den linken, er führt in den ältesten Teil.“ Nach einer Weile schlug mir Feuchtigkeit entgegen die Luft roch modrig, überall hingen Spinnweben teils in langen Fäden von Staub bedeckt. Einige waren von Wand zu Wand gespannt. Im Stillen verfluchte ich mich warum hatte ich keine Handschuhe oder irgendetwas Nützliches zur Hand hatte. Wir gingen eine steile Treppe herunter, die Stufen waren rutschig und uneben. Dazu ausgetreten wie viele Jahre und Menschen brauchte man um einen Stein dermaßen umzuformen. „Das war ein häufig genutzter Weg, früher der einzige Zugang zum Keller. Gefangene, Küchenmägde, Soldaten, Knechte und ungezählte Dienstboten gingen treppauf und wieder zurück. Im Keller wurde alles gespeichert, was nur irgend ging.“ Gab Raphael erläuternd Auskunft; konnte er meine Gedanken wirklich nicht hören, fragte ich mich skeptisch. Endlich erreichten wir sicheren Boden. Raphael legte eine Hand auf meine Schulter, „warte ich muss mich orientieren ich war schon lange nicht mehr hier unten. Schließlich wollen wir uns nicht verlaufen!“ „Ha, ha! Willst du mir Angst einjagen? Dazu ist es ein bisschen spät aus meinen Kinderschuhen bin ich längst herausgewachsen.“ „Das brauchst du mir nicht zu sagen! Das ist mir schon seit Langem bewusst!“ kam brüsk die Retourkutsche. Er schaute sich um und deutete dann in eine Richtung. „Ich hoffe nur, du hast das mit der Folterkammer scherzhaft gemeint!“ ich konnte es einfach nicht lassen und musste ihn provozieren. „Wer weiß vielleicht werde ich mich dazu hinreißen lassen. Deinem frechen Mundwerk könnte eine solche Behandlung nur gut tun. Ah hier entlang! Ab nun folgst du mir, nimm meine Hand!“ plötzlich standen wir im Dunkeln. „Raphael! Mach die Lampe wieder an!“ doch statt meiner Forderung nachzukommen ergriff er meine Hand und zog mich hinter sich her. „Raphael!“ ich sträubte mich so gut es ging. „Vertrau mir einfach! Es ist nicht weit.“ Flüsterte er in mein Ohr, die Gefühle die mich blitzartig erfassten als ich seinen Mund an meiner Seite spürte ließen mich einfach vorwärtsgehen. „Nun schließe die Augen!“ hörte ich schon fast befehlend. „Wozu? Ich sehe ja sowieso nichts!“ Seufzend ließ er mich los und trat nah hinter mich. Raphael bedeckte meine Augen mit seinen Händen. „Du bist ein schwieriges Weibsbild!“ stellte er lakonisch in den Raum. „Nun vorwärts, einfach geradeaus.“ Meine Sinne arbeiteten auf Höchstleistung. Zum einem versuchte ich einen Fuß vor dem anderen zu setzen. Weit schlimmer empfand ich Raphaels Körper in meinem Rücken, sein Atem strich über meinen Nacken. Mich einfach an ihn lehnen seine Wärme spüren, seinen ihm eigenen Duft einatmen. Doch ich setzte steif einen Schritt nach dem anderen. Es wurde merklich kühler. „Bleib stehen, ich nehme jetzt meine Hände weg. Lass deine Augen geschlossen, bitte.“ Ich nickte nur da ich mir sicher war meine Stimme würde versagen. „Nur eines noch!“ flüchtig drückte er mir einen Kuss in den Nacken, ich beugte mich vor, um ihm zu entgehen. „Ich konnte der Versuchung leider nicht widerstehen, deine Gänsehaut zog mich magisch an.“ Er trat zurück und ich ließ meine Augen geschlossen. „Bilde dir nur nichts ein, es ist kalt!“ „Aber ja doch!“ klang er amüsiert. „Entsetzlich kalt!“ „Kann ich jetzt, meine …“ „Sicher!“ Zuerst sah ich nur Schwärze, sonst nichts. Dann helle und dunkle Lichtpunkte. Keine genauen Umrisse nur eine unerklärliche Schwärze. „Raphael? Ich verstehe nicht ganz.“ „Sieh einfach nur!“ er stand direkt hinter mir, erst jetzt fiel mir auf das unsere Stimmen widerhallten. Es war kein Echo sondern als wären wir in einem riesigen Raum. Seitlich rechts von mir sah ich einen Lichtschein zunächst ein kleiner Streifen. Ganz langsam wurde er größer, er kroch an der Wand entlang. Mein Gott das war eine Höhle, mindestens fünf Meter hoch. Erstaunt wollte ich einen Schritt vortreten, doch Raphaels Hände auf meinen Schultern hielten mich zurück. „Von hier aus hast du den perfekten Platz.“ Seine Arme umschlossen leicht meinen Leib. Ich lehnte mich entspannt an ihn, wärmte meine Hände in den seinen. Gemeinsam sahen wir zu, wie der Schein langsam seinen Weg vollzog. Ich wünschte dieser Lichtstrahl würde ewig wandern. Jeglichen Vorbehalt gegen Raphael ließ ich fahren. Nur das hier und jetzt zählte. Schützend lagen seine Arme um mich, kein Unbill würde mich jemals hier treffen. Ich war sicher und geborgen. Unwillkürlich sah ich Raphael an, seine Augen glitzerten in dem wenigen Licht. Langsam unwiderstehlich senkte er sein Haupt. Sinnlich legte sich sein Mund auf meine Lippen. In diesem Kuss lagen einfach nur Vertrauen, Liebe und Hingabe. Seufzend lösten wir uns voneinander, verzaubert sah ich dem Lichtschein weiter in seiner Wanderung zu. Nur unterbrochen von den wenigen Küssen. Fast war er auf den Boden angelangt. Millimeter für Millimeter wanderte er weiter. Unverhofft blinkte etwas in der Dunkelheit auf. Klein schwach aber es verschwand nicht, nein es wurde größer. Wo der nun größer werdende Schein auftraf, wurde er reflektiert. Schon bald leuchtete die Höhle im Mondschein. Gedämpft erstrahlte das gesamte Gewölbe. Wortlos zog Raphael mich hinunter und tauchte meine Hand in eiskaltes Wasser. Die seichten Wogen trafen den Mondschein. Hundert Lichter erstrahlten die Decke. Wie Sterne am Firmament leuchteten sie. Wie ein kleines Kind entzückt, tauchte ich nochmals meine Hand ins Wasser bewegte sie ein wenig. Fast augenblicklich tanzten erneut die Lichter und ich beobachtete sie, bis sie ruhiger wurden. Raphael verfolgte mein Spiel lächelnd. In der Höhle war es nun so hell das ich jeden seiner Züge erkannte. Sein Antlitz wirkte gelöst, heiter. Unwiderstehlich berührte ich den sonst so harten Zug um seinen Mund. Er schloss die lächelnden Augen. Tastend folgte ich der Linie hinunter zum Kinn. Weiter den Hals entlang bis in den Nacken. Vergrub meine Finger in sein Haar. Er ergriff meine Hand und legte sie in meinen Schoß. Ernst sah er mich an. „Ich bringe dich besser in dein Zimmer.“ Ich war ihm so nah, nur Zentimeter trennten uns. Wie unter Zwang näherte ich mich ihm und küsste seinen geschlossenen Mund. Zärtlich umfasste er mein Gesicht, schob mich so von sich. „Es ist spät! Du solltest noch ein paar Stunden schlafen.“ Wie aus einer Trance erwachend, stand ich auf. Mit leerem Blick sah ich noch einmal auf den See. „Danke das du mir das gezeigt hast.“ Bemühte ich mich meine Beherrschung zu erlangen. Zurückgewiesen schrie innerlich ich auf. Tränenblind wandte ich mich zum Ausgang den Kopf gesenkt. Mach, das er das nicht sieht, betete ich inbrünstig. Natürlich wurde mein Gebet nicht erhört. Er verstellte mir den Weg hob mein Kinn an. „Du bist verwirrt, glaube mir doch. Ich bin nicht derjenige, den du letztendlich erwählst.“ Tröstend wollte er mich in die Arme schließen. „Nein ich will dein Mitleid nicht!“ schrie ich ihm ins Gesicht. „Claire sei doch vernünftig!“ Mit einer Handbewegung brachte ich ihn zum Schweigen. „Bringe mich auf mein Zimmer!“ forderte ich kalt. Ich schwor mir nie wieder wollte ich in einer solchen Situation kommen. Schweigend erklommen wir die Stufen. Die Gänge entlang dann öffnete Raphael die Tür zu meinem Zimmer. Ohne ein Wort des Abschieds ging ich hinein und schlug die Tür hinter mir zu. Laut klang die zuschlagende Tür in meinen Ohren. Was hatte ich mir nur dabei gedacht. Wahrscheinlich solltest du einmal anfangen zu denken, beschimpfte ich mich selbst. Niemals würde Raphael seine Haltung mir gegenüber ändern. Es wurde Zeit für mich dies endlich zu erkennen und zu akzeptieren. Nach einer durchwachten Nacht kam mir das Wetter sehr gelegen. Trüb und neblig, so wie ich mich fühlte, lustlos schlurfte ich hinunter. Colin, Al und Raphael standen in der Halle. Wie ich mit einem Blick feststellte, hatten sie ihre Scharade aufgegeben. Noch etwas anderes lag in der Luft. Colin und Al wirkten besorgt, während Raphael versuchte, beruhigend auf sie einzuwirken. Er wandte sich mir zu, „Claire du bleibst heute bei Al, keine Exkursionen im Schloss!“ befahl Raphael. Al stellte sich sofort zu mir, Raphael ging mit Colin hinaus. „Al was hat das zu bedeuten?“ „Es sind Nephilim in der Nähe. Einer war auf dem Weg ins Schloss. Zum Glück hat Raphael die Nacht die Geheimgänge kontrolliert. Nachdem er uns warnte, nahm er die Verfolgung auf, doch natürlich war der Nephilim schon weg.“ erklärte mir Al, „wir haben alle Gänge gesichert. Obwohl, man kann nie sicher sein, einige Nephilim haben enorme Kräfte.“ „Wohin sind Colin und Raphael?“ ich bemühte mich Raphaels Namen ruhig auszusprechen, ganz gelang es mir nicht. Al schien zu glauben ich sei wegen der Nephilim beunruhigt, denn er drückte mir tröstend die Hand, „Keine Angst, Claire! Raphael wird niemals zulassen das dir etwas passiert.“ Seine Zuversicht war ohne jeden Zweifel, er hatte zu Raphael größtes Vertrauen. Das brachte mich auf die Frage, warum Al sich als Kandidat zurückgezogen hatte. Schließlich war er der erste Engel den Raphael mir vorstellte. Nach Myriels Aussage wusste Raphael, welcher Engel zu einer Frau passte. Entsprechend nahm ich an das Al dieser Engel war. Ich fragte Al einfach. „Claire ich war derjenige, der dich festhielt, auf dem Kostümball!“ als wäre das die Antwort. Fragend sah ich ihn an, Al wich meinen Blick aus. Er drückte sich vor der Antwort. „Al bitte! Ich möchte es einfach verstehen.“ „Als Raphael in deinen Geist eintauchte, ihr euch miteinander verbunden habt. Da geschah etwas, ich spürte … Claire ich hielt dich! Es griff auf mich über eure Gefühle füreinander! Warum sollte ich weiter werben? Deine Entscheidung steht schon lange fest.“ „Nun da irrst du dich! Laut Raphael sind meine Gefühle fehlgeleitet.“ Gab ich Al bitter zu verstehen. Er lachte laut auf, schüttelte den Kopf, „Nein Claire ich sagte ich fühlte euch! Eine starke Bindung, keines der gebundenen Paare kommt da heran. Egal was sie dir sagen Claire, weder Mike noch Gab haben das erfahren. Tja und Raphael wird es auch noch kapieren. Sieh doch mal, wie er reagiert, wenn du mit einem von uns redest. Oder auch nur einem von uns, ein Lächeln zuwirfst er dreht bald durch vor Eifersucht.“ Wissend sah er zu mir, ich stand ihm sprachlos gegenüber. Sollte ich Al glauben? Die Hoffnung Raphael würde; aber nein ich durfte mich nicht von meinen Wünschen leiten lassen. Erst gestern Nacht hatte Raphael mir deutlich zu verstehen gegeben, was er empfand. Das war nicht ganz richtig er hat meine Gefühle angezweifelt! Es war zum verrückt werden! Ganz in meinen wirschen Gedanken verstrickt vergaß ich Al völlig. Bis er meinte, „Claire es gibt einen Weg, der ihm und dir helfen könnte.“ Jeden Strohhalm wollte ich ergreifen, nur um dieses Chaos zu beenden. „Welchen?“ „Reize Raphael! Mach ihn eifersüchtig! Das ist ein mächtiges Gefühl. Weder Mensch noch Engel ist davor geschützt.“ Schlug Al grimmig grinsend vor. „Ich denke, ich weiß, warum Raphael sich dir gegenüber, so verhält. Seit Hunderten von Jahren, begleitet er junge Frauen. Sie alle haben sich kurzweilig in ihn verguckt. Nun dieser Ansicht ist er auch bei dir. Dann ist da noch etwas, aber ich weiß nicht, ob ich es dir erzählen soll.“ „Al!“ stampfte ich mit dem Fuß auf. „Mach keine Andeutungen, wenn du sie nicht ausspucken willst. Also los erzähl es mir!“ „Nun es gab eine Frau, lange bevor die Reglungen aufgestellt wurden. Raphael lernte sie kennen; glaubte sie zu lieben. Stellte sie seinen Freunden vor, sie aber entschied sich für einen anderen Engel …“ „Michael!“ unterbrach ich Al, er nickte nur. „Aber das Wesentliche weißt du nicht. Raphael war sichtlich erleichtert! Wie er später einmal gestand, hat er sich von seinen Begierden leiten lassen. Bisher hat er noch niemals eine Frau an sich herangelassen. Wir haben alle unsere einschlägigen Erfahrungen gemacht. Waren in Menschenfrauen verliebt haben ein Lebensalter mit ihnen gelebt. Raphael hingegen hat dies niemals getan.“ „Du meinst also Raphael ist in mich verliebt, weiß es jedoch nicht!“ „Nicht ganz! Denn ich kann mit Bestimmtheit sagen. Ihr liebt euch!“ Sollte es wirklich so einfach sein? Die Hoffnung drang an die Oberfläche. Doch welche Wahl hatte ich? Weiterhin Engel kennenlernen, für die ich nichts empfand. Oder zu kämpfen und diesem Hohlkopf klarmachen, wie sehr ich ihn liebte. Die Entscheidung war längst gefallen, ich wollte diesen Sturen, Angst einflößenden Engel. Al rieb sich vergnügt die Hände, „Na also! Ein guter Schlachtplan ist nun vonnöten. Denn Raphael ist äußerst misstrauisch, außerdem ist er nicht dumm. Wir müssen uns genau überlegen wie wir vorgehen. Einen simplen aber effektiven Plan.“ Er ging überlegend auf und ab. Mein Magen knurrte vernehmbar. Al schlug sich mit der Hand vor die Stirn. „Entschuldige, das habe ich ganz vergessen. Dein Frühstück steht in der Küche. Colin hat allen Hausangestellten freigegeben. Sollte einer unter dem Einfluss eines Nephilim stehen, könnte dieser jemand gefährlich für dich werden.“ Während ich frühstückte, erläuterte Al seinen Plan. Er wollte Uriel einbeziehen. Nach Als Meinung der einzige Engel der für genug Eifersucht sorgen konnte. „Aber Al! Uriel ist selbst ein Kandidat, meinst du er …“ „Ja aber warum ist er ein Kandidat! Er hat nur im Auftrag von Gab gehandelt! So wie einige Engel auch. Uriel muss nun aggressiver vorgehen.“ Verblüfft sah ich Al an, „Du meinst all die Kandidaten hatten nur einen Zweck! Sie haben auf Gabs Geheiß gehandelt.“ Al nickte mir zu, „Ja, denn Gab hat eure Verbindung schon seit Jahren gespürt.“ „Seit Jahren? Aber ich habe Raphael doch erst dieses Jahr kennengelernt!“ Al verdrehte die Augen, „Ich habe Gab schon viel zu weit vorgegriffen. Doch er ist leider beschäftigt. Raphael und du ihr habt eine Verbindung, nicht erst seit diesem Jahr. In den letzten Monaten hat sie sich nur vertieft. Doch wir kommen vom Thema ab, wir brauchen Uriel. Sobald ich kann, werde ich ihn aufsuchen. Dann kann es losgehen.“ Zuversichtlich ergriff Al meine Hand, „Es wird schon klappen! Auch ein solcher Sturkopf wie Raphael hat seine Lichtpunkte.“ Ich nagte an meiner Unterlippe, „Was ist mit Colin?“ fragte ich mit schlechtem Gewissen. „Er weiß bescheid! Claire du bist für Raphael bestimmt. Das sieht jeder, nun fast jeder!“ „Wie meinst du das?“ Seufzend antwortete mir Al, „Du bist ein aufmerksamer Zuhörer! Raphael aus den bekannten Gründen und Michael. Er weigert sich, das Offensichtliche zu akzeptieren.“ Colin betrat die Küche, „Kein Nephilim in der Nähe! Wir überprüfen nun die Angestellten.“ Abrupt blieb er stehen und lauschte. An ihren Gesichtern erkannte ich das Al Colin ins Bild setzte. Colin grinste über das ganze Gesicht, „Wenn er das herausfindet, können wir uns in die tiefsten Erdlöcher verstecken, die es gibt!“ er klatschte begeistert in die Hände, „Aber ich bin dabei!“ Sie grinsten sich zuversichtlich an. Dabei war ich mir keineswegs so sicher. Einfach nur auf Eifersucht zu vertrauen, dieser Schuss konnte auch nach hinten losgehen. Mein Einwand wurde als närrisch verworfen. Colin erklärte mir, Raphael sei beinahe ausgerastet, als er sich weigerte, Auskunft über unser Gespräch zu geben. „So ich schließe mich nun Raphael an, doch zuvor besuche ich Uriel! Ich werde Raphael berichten, dass du bei Al gut aufgehoben bist!“ mit einem Zwinkern in meiner Richtung verschwand er. „Nun dann sollten wir uns angenehm unterhalten! Nur nicht übertreiben, Claire!“ wir gingen in den Salon, „Was hältst du von einem Spielchen? Schach? Dame? Oder ein Kartenspiel? Irgendetwas um deine Anspannung zu lösen.“ Er durchsuchte den Schrank, „Ja genau das Richtige! Wir spielen mit vier Farben, werfen ist Pflicht!“ er kam mit einem Mensch ärgere dich nicht Spiel an den Tisch. „Das meinst du doch nicht ernst?“ „Aber na klar doch!“ er begann, das Spiel auszupacken. Al behielt recht, ich beruhigte mich zusehends. Im Laufe des Spieles bekam ich sogar Spaß daran. Gerade warf Al eine meiner Puppen aus dem Spiel, die kurz vor dem Pott stand. Ich schalt ihn und er zog mich auf. In diesem Moment kamen Colin und Raphael herein. Raphael rümpfte abwertend die Nase, aber Colin übernahm eine meiner Farben. Inzwischen berichtete er das alle Angestellten morgen zurück kamen. Sie wollten dennoch die Nacht aufpassen. Wie zufällig legte Colin seine Hand beruhigend auf meine Schulter und drückte mich tröstend. „Wenn ihr, dieses kindische Spiel spielen wollt, dann los!“ knurrte Raphael missgelaunt. So kindisch Raphael es auch fand, begann er uns mit Freude rauszuschmeißen. Gegen Mittag waren wir noch nicht zum Ende gekommen. Wir unterbrachen und bereiteten gemeinsam ein Essen zu. „Wäre doch Gab hier!“ platzte ich heraus, nachdem ich die ungenießbare Soße kostete die Al zubereitete. „Hey dein Gemüse ist auch nicht besser!“ und schubste mich von seinem Topf fort. Ich hielt dagegen und wir waren in einer Kalberei, die schnell ausartete. Ich fand mich auf Als Schulter wieder, strampelnd versuchte ich meine Beine zu befreien. Die er aber fest im Griff hielt. Darum kniff ich ihn in die Seite, „Du kleines Aas!“ schimpfte er, „warte ab!“ und klatschte mir auf den Po. „Langsam reicht es! Al lass Claire runter!“ brummte Raphael. Colin mischte sich ein, „Raphael es ist besser, wenn die beiden die Finger von den Kochtöpfen lassen. Das kann man wirklich nicht essen.“ Er schüttete die Soße und mein Gemüse in den Abfall, was ich kopfüber beobachtete. „Al er hat unser Essen weggeworfen!“ ich stemmte mich gegen seinen Rücken. „Sehr vernünftig, deinen Matsch hätte ich sowieso nicht gegessen.“ Entgegnete er. „So was mache ich mit dir?“ fragte er sich laut, „in den Fluss werfen? Oder vielleicht …“ „Hallo! Darf ich eintreten? Oder komme ich ungelegen? Also an Folterungen nehme ich keineswegs teil. Schon gar nicht, wenn es sich,“ er beugte, sich zu mir herunter schmunzelte, „um ein solch erlesenes Geschöpf handelt. Du solltest dich schämen Al, so behandelt man keine Kandidatin.“ Ermahnte, Uriel den Engel. Al verteidigte sich wortreich, während Uriel von Colin und Raphael mit einem „Was machst du hier!“ begrüßt wurde. „Ich habe gehört ihr habt Probleme, nun da bin ich! Schließlich wollen wir doch alle Claire schützen!“ Er warf mir einen Blick zu und ich muss zugeben, dass Uriel nach wie vor Schmetterlinge in meinen Magen zu tanzen brachte. Zufrieden wandte er sich an Al, „Ich nehme an das du Claire keinen ernstlichen Schaden zufügen willst, Al.“ Und trat auf ihn, uns zu. Der Ton in Uriels Stimme war unmissverständlich drohend. Al stellte mich schnell auf die Füße und trat einen Schritt zurück, „Wo denkst du hin, Uriel! Es war nur ein Spaß!“ Mein Blut schoss zurück. Schwankend griff ich ins Leere. Doch schon wurde ich gehalten. Schwarze Punkte flimmerten vor meinen Augen. „Das reicht!“ dröhnte Raphael neben mir, „Wenn du schon mal da bist, Uriel dann sieh zu das wir etwas essbares auf den Tisch bekommen. Al du deckst den Tisch!“ erteilte Raphael barsch Befehle. „Und du wirst dich ruhig verhalten und dich nicht vom Fleck rühren.“ Er setzte mich auf einen Stuhl, „Danke, Raphael!“ flüsterte ich ihm zu. Aufschnaubend verschwand er aus meinem beschränkten Blickfeld. Inzwischen verschwanden die Punkte vollkommen. Hinter mir hörte ich Raphael grummeln von Einfaltspinseln und Kindsköpfen, ich schaute mich um. Drohend beobachtete Raphael Al, wie er den Tisch deckte. Al grinste mir keineswegs eingeschüchtert zu. Lächelnd erwiderte ich. „Du scheinst genauso ein Kindskopf zu sein!“ murrte Raphael. „Warum auch nicht! Es reicht doch, wenn einer ständig miese Laune verbreitet.“ Entgegnete ich spitz. „Na sicher! Jetzt bin ich schuld!“ „Woran?“ „Dass du beinahe umgekippt wärest.“ Fuhr er mich gereizt an. „Aber Raphael, mir war schwarz vor Augen, mehr nicht. Du solltest aus einer Mücke keinen Elefanten machen.“ Er regte sich tatsächlich für solch eine Lappalie auf, belustigt sah ich zu ihm empor. „Was?“ knurrte Raphael. „Ach nichts! Oder doch ich finde deine Anteilnahme übertrieben. Ich kann sehr wohl auf mich selbst aufpassen.“ „Und wie! Das habe ich gesehen. Egal was Al auch im Schilde führt, ich werde dahinter kommen. Sag mal, als er mich vertrat. Habt ihr viel gemeinsam unternommen?“ durchdringend entfaltete er seine ganze Macht. Ich dankte Gab im Stillen das Raphael nicht in meinen Gedanken lesen konnte. „Nein, eigentlich habe ich ihn kaum gesehen. Warum fragst du?“ Doch er beantwortete meine Frage nicht, sondern suchte Als Blick. Mir war das zu blöd, ich stand auf. Sofort hielt mich Raphael fest. „Wie gesagt, Raphael du übertreibst!“ „Wo willst du hin?“ „Zur Toilette! Willst du mitkommen? Oder darf ich das schon allein? Schließlich könnte ich in die Toilette fallen. Oder ein harter Wasserstrahl trifft mich. Allein bei den Gedanken an den Weg dorthin, was mir da alles passieren kann. Ja du musst mich unbedingt begleiten.“ Gurrte ich hilflos. „Was ist los mit dir?“ „Mit mir? Das fragst du mich? Ich glaube egal was ich sage zweifelst du an, denn ich bin so dumm und kenne mich in rein gar nichts aus.“ „Claire in diesem einen Fall habe ich die Erfahrung …“ „Ja ja ich kenne deine Argumente.“ Winkte ich ab und ging hinaus. Wo war nur die Toilette? Von diesem Trakt aus war ich noch nie … „Die zweite Tür rechts!“ raunte Raphael in mein Ohr, erschrocken hüpfte ich gegen ihn. Er fing mich auf. „ich sollte dich wirklich zur Toilette begleiten! Wie bist du nur ohne meine Hilfe durch das Leben geschildert?“ „Sehr gut! Bevor du auftauchtest, war es angenehm ruhig!“ „Langweilig! Du Bücherwurm, was hast du von der Welt gesehen? Wie viel Freude hattest du? Dein Leben war ein Lauf von seichten dahin fließendem Nichts. Die einzige Aufregung bestand in einem neuen Buch.“ „Du hast absolut keine Ahnung!“ „Habe ich nicht?“ erwiderte er. In seinen Augen lag eine Sicherheit, die mich raten ließ, „Du warst einer jener Engel, die mich schon zuvor gesehen haben.“ Er sah mich stur an, das war mir Antwort genug. „Und daraus schließt du wie mein Leben verlief. Alle paar Jahre, einen Blick auf Claire. Und ich kenne, ihren gesamten Lebenslauf. Du bist ein … ein … ach, es lohnt sich nicht. Glaub, was du willst.“ Ich schüttelte seine Hände ab und marschierte auf die Toilette zu. Wütend stieß ich sie auf und stand in einer Besenkammer. Auch das noch! Auf dem Absatz drehend betrat ich den Flur. Raphael an der Wand gelehnt, lachte mich unverschämt an. Ich streckte ihm die Zunge heraus der nächste Versuch war richtig. Ich ließ mir Zeit in der Hoffnung Raphael wäre verschwunden. Er wartete, immer noch Tränen in den Augen. „Übrigens ich habe mit Colin geredet, über euer Gespräch am Tisch.“ Jetzt war ich gespannt, „Ja und?“ „Er ist dir wirklich …“ „Ja?“ heuchelte ich Desinteresse vor. „Nun ich wollte nur sagen, dass ich mit ihm darüber gesprochen habe!“ „Und nun weißt du, worum es ging!“ „Was glaubst du! Colin verheimlicht mir die paar Worte!“ beleidigt schüttelte er den Kopf. „Ja das glaube ich! Netter Versuch Raphael! Doch deine Neugier bleibt unbefriedigt!“ mein Lachen unterdrückend. Mit einem Mal stand ich an der Wand, Raphael hielt mich dort fest. „Sag es mir! Was hattet ihr zu tuscheln? Denk daran, ich bin noch immer dein Begleiter.“ „Wie immer wenn es dir gerade in den Kram passt.“ Giftete ich ihn an, versuchte seine Hand zur Seite zu schieben. Was sich als zwecklos herausstellte. Also sah ich ihn gelangweilt an. „Wie lange gedenkst du, mich hier so festzuhalten?“ „Ich denke darüber nach. Inzwischen solltest du mir eine Antwort geben.“ Aber ich rutschte an der Wand entlang auf den Boden, auf allen vieren wollte ich mich davonmachen. Raphael lachte kurz auf, doch bevor er mich packen konnte erschienen Colins Schuhe vor meinen Augen. „Was?“ fauchte Raphael Colin an. Schnell stand ich auf, „Colin! Wie nett nach uns zu sehen!“ und rauschte an ihm vorbei in die Sicherheit der Küche. Dank Uriel bekamen wir ein essbares Mahl. Danach gingen Al, Colin und Raphael nochmals die Umgebung absuchen. Während Uriel und ich die Unordnung in der Küche beseitigten. Ich setzte mich auf den Schrank und sah ihm bei den letzten Handgriffen zu. „Uriel? Hat dich Gab wirklich gebeten …“ „… mich als Kandidat zu melden? Ja das hat er, zunächst weigerte ich mich. Doch dann hörte ich wie Mike über dich sprach und aus Raphael war kein Wort herauszubekommen. Ich weilte gerade bei Kayle, als Myriel beschloss, euch einen Besuch abzustatten. Den Rest kennst du.“ „Aber bei Myriel, ich meine am Strand.“ Diesmal half er mir nicht, ich sah ihm an. Er wusste genau, worauf ich hinauswollte. „Als du mich geküsst hast.“ „Ah das meinst du. Unterschätze deine Anziehungskraft nicht, du bist eine attraktive Frau. Weißt du eigentlich das du ungewöhnlich schöne Augen hast. Ich könnte darin ertrinken, deine Lippen küssen denn sie fordern einem unentwegt auf, geküsst zu werden.“ Uriel nahm mein Gesicht in seine Hände, „Wahrlich du bist eine Versuchung für jeden Engel!“ und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Uriel!“ kaum hörbar flog der Name durch den Raum. Aber die Drohung, die Wut, die dahinter steckte, schnellte einen wie eine mächtige Welle an. Raphael durchmaß den Raum mit langen Schritten. „Kann ich denn niemanden vertrauen? Müsst ihr euch gleich über Claire hermachen?“ Uriel ließ mich weder los, noch trat er beiseite er blieb einfach stehen. Sah mich weiterhin an, ein mutwilliges Funkeln tanzte in seinen Augen. „Raphael ich habe Claire, geradegestanden, wie anziehend ich sie finde! Ich glaube kaum das dies gegen irgendwelche Regeln verstößt.“ „Du hast sie geküsst! Schon wieder!“ Raphael beherrschte sich mühsam, sein Anblick war der eines wütenden Stiers. Nein ein Stier wirkte dagegen noch harmlos. Jedenfalls ließ Uriel sich keineswegs davon beeindrucken. Gelassen drückte er mir noch einen Kuss auf die Stirn, bevor er extrem langsam zur Seite wich. Raphael stellte sich sofort an Uriels Platz. „Kontrolliere noch einmal das Dorf, irgendetwas stimmt dort nicht, es ist zu ruhig. Sieh zu das du keinem auffällst. Weder Mensch noch Nephilim.“ Uriel plötzlich wachsam, „Du meinst es braut sich was zusammen?“ Raphael nickte Uriel zu, „Es ist nur ein Gefühl, ich konnte nichts Bestimmtes feststellen.“ Mit den letzten Worten Raphaels verschwand Uriel. Beunruhigt fragte ich nach. Raphael hingegen blickte stur auf den Boden. Wie eine Standsäule ragte er in der Küche. Da ich auf dem Schrank gefangen war, lehnte ich mich seufzend an die Wand. Ob meine Bewegung oder mein Seufzen auf jeden Fall brachte eines Raphaels aus seiner Erstarrung. „Claire?“ musterte er mich eindringlich, „Uriel ist ein erfahrener Verführer! Ich will seine Absichten ja nicht infrage stellen. Aber lasse dich nicht von ein paar Schmeicheleien beeinflussen.“ „Seid ihr das nicht alle? Erfahrene Frauenhelden? Jeder auf seine Weise. Gabriel mit seinem jugendlichen herzlichen Charme. Colin mit seiner ernsthaften verlässlichen Art, sogar Al auf seine schüchterne liebevolle Weise. Du musst nicht denken, dass ich gleich auf jedes Wort hereinfalle. Nur weil man mir tief in die Augen blickt und mir ein Kompliment macht.“ „Bei normal sterblichen Männern, doch bei Engeln …“ Mein Schmunzeln breitete sich zu einem Lachen aus, ich unterbrach Raphael, „… ich wohne mit dem schlimmsten Schwerenöter zusammen! Glaub mir, ich weiß, wie ich damit umzugehen habe.“ Er glaubte mir nicht, sein Gesicht sprach Bände. Ich rutschte nach vorn, sah Raphael an, „Du sagtest doch selbst, ich solle mir und den Engeln eine Chance einräumen. Wenn ich jedoch nie mit einem reden darf. Ohne das du gleich dazwischen fährst, sage mir wie wir dann weiterkommen sollen.“ Hilflos hob er die Hände, „Ach jetzt bin ich derjenige, der dich daran hindert!“ „Sei ehrlich musstest du Uriel gerade so angehen? Nein! Wie du sehr genau weißt! Du hast dich wie ein besonders einnehmender Vater verhalten, der jeden Bewerber seiner Tochter in die Flucht schlägt.“ Bei dem Vergleich zuckte Raphael kurz zusammen, wie ich mit Genugtuung feststellte. „Bei Colin und Al mag das ja gelingen, aber Uriel hat ein gewisses …, ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll. Jedenfalls gefällt es mir das er sich nicht von dir einschüchtern lässt, sondern dir Paroli bietet.“ Das entsprach der Wahrheit, nun verstand ich auch Al. Als er Uriel auf den Plan rief. „So darf ich jetzt aufstehen? Oder willst du mich noch länger hier festhalten?“ „Sofort! Eines möchte ich dir noch sagen. Uriel ist nicht der Richtige für dich, ihr passt einfach nicht zusammen.“ Verwundert sah ich hoch, „Wie kommst du darauf? Erst gestern habe ich ein Paar kennengelernt das verschiedener nicht sein kann. Was Sel in Antonia sieht, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“ „Antonia hat ihre guten Seiten! Die zu Sel passen! Doch was für Gemeinsamkeiten haben du und Uriel?“ fragte er mich selbstsicher da er überzeugt war ich finde keine. Entsprechend trumpfte ich auf, „Eine zumindest. Wir lassen uns von deinem Gebaren keinesfalls einschüchtern! Das ist doch schon mal ein Anfang! Wer weiß? Als du mir gestern Nacht meine fehlgeleiteten Empfindungen aufzeigtest, passierte das genau zum richtigen Zeitpunkt.“ Lächelte ich ihn unschuldig an, „Ich sollte dir wirklich danken!“ Ihm fiel alles aus dem Gesicht, entweder er gab seine Deckung auf oder er machte gute Miene zum Spiel. Es war ein gewagtes Spiel zu verlieren hatte ich nichts. So oder so aber dieser Zustand konnte unmöglich so bleiben. Ich verlor das erkannte ich, bevor Raphael auch nur die nächsten Worte aussprach. „Das ist ein Argument! Na gut ich gebe dir den Freiraum, den du brauchst.“ Er reichte mir die Hand und half mir hinunter. Da ich nichts Weiteres zu sagen wusste, ging ich in den Salon. Beklommen wurde mir bewusst, es war vorbei! Bald darauf kamen Al und Colin zurück. Mit Al erkundete ich weitere Zimmer der Burg. Ich erzählte ihm von dem Gespräch. Al winkte meine Befürchtungen ab. „Claire das war ein kleines Scharmützel! Wir aber wollen den Krieg gewinnen! Es wird keinesfalls leicht werden, wir haben es mit Raphael zu tun! Er ist eine verdammt harte Nuss.“ Nach diesen Worten fühlte ich mich besser, doch meine Zweifel blieben. „So jetzt zieh kein solch trauriges Gesicht. Ich zeige dir etwas das wird dich bestimmt aufheitern.“ Al führte mich zielsicher durch Flure und enge Treppen immer höher. „In welchem Turm sind wir?“ Ich hatte jegliche Orientierung verloren! „Im Mittleren! Der Turm ist geteilt, diesen Weg kennen nur wir! Er führt zu einem Raum in dem wir einen Teil unserer Vergangenheit aufbewahren.“ „Al du überschreitest Grenzen, die dir nicht zustehen! Das ist das Vorrecht eines gebundenen Partners!“ ich hörte Raphaels Stimme sah ihn jedoch nicht. „Raphael, bei Claire sind so viele Ausnahmen gemacht worden! Meinst du diese, fällt noch ins Gewicht?“ Al sah nach oben, es war zu dunkel um irgendwas zu erkennen. „Geht wieder hinunter! Diesen Raum betritt nur eine gebundene Frau!“ „Wirklich Raphael, du solltest dich mal hören!“ meckerte Al. Raphael erwiderte ruhig aber bestimmt. Derweil ging ich hinunter, die beiden redeten noch immer aufeinander ein. Ich ging gerade um die Ecke und stieß mit Uriel zusammen, er hielt mich fest, „Raphael? Wo ist er?“ fragte er drängend ich deutete nach oben, „Warte hier!“ schon war er an mir vorbei. Keine fünf Sekunden später kamen sie herunter. Al als Erstes, dann Uriel Raphael als Letzter. Er blieb auch stehen, die beiden waren so an mir vorbeigestürmt. „Es ist etwas Unvorhergesehenes passiert! Wir treffen uns im Salon. Al und Uriel suchen Colin. Raphael hob mich einfach über seine Schulter, „Wir müssen uns beeilen!“ war sein einziger Kommentar. Wir trafen alle gleichzeitig im Salon ein. Uriel erzählte, dass er nochmals im Dorf war. Dort habe er mindestens zehn Nephilim gezählt. Darunter auch Ben. Das Überraschende aber war, auch Mike sei dort. „Mike?“ fragten Colin und ich gemeinsam. Uriel nickte, aber Raphael antwortete. „Ich glaube das Ben Mike beeinflusst. Ben wird Mike benutzen. Ob als Kundschafter, um in die Burg einzudringen, oder als Geisel zum Austausch. Vermag ich nicht zu sagen.“ Sein besorgter Blick traf mich. „Wir müssen …“ weiter kam Raphael nicht, denn in diesem Augenblick erschien Gabriel. Sofort trat er auf mich zu, „Claire alles in Ordnung mit dir? Hast du Michael gespürt oder gehört? In irgendeiner Form?“ Gabriel ungewöhnlich ernst forschte in meinen Gesicht und wie konnte es anders sein in meinem Geist. Schließlich trat er erleichtert zurück. „Es scheint das meine Blockade hält. Noch! Raphael du hast mehr Erfahrung, bitte.“ Sofort trat Raphael vor, „Claire!“ kaum das ich zu ihm aufschaute versank ich in ein grünes tosendes Meer. Anders als bei Gab, er berührte mich sacht eher fragend, doch Raphael verlangte ungehinderten Zugang. Bis in der tiefsten Seele spürte ich ihn. Kein Geheimnis, keine schüchterne Verlegenheit hielt ihn auf. Alles sah er, inspizierte er. Ich wurde beleuchtet, ausgeweidet, ausgewrungen und schließlich nackt mit entblößter Seele endlich wieder freigelassen. Unwahrscheinlich verletzlich zog ich mich zurück; von den Engeln, sowie auch seelisch hinein in ein kleines Schneckenhaus. Indessen bestätigte Raphael, dass Michael bisher keinen Schaden angerichtet habe. „Gut, ich halte die Barriere, doch wie lange sie noch hält, kann ich nicht sagen. Raphael er ist enorm stark! Ich befürchte Mike wird sie bald durchbrechen. Du weißt, er hat von Anfang an eine Verbindung zu Claire, dies wird er ausnutzen. Wir müssen schnellstmöglich eine Lösung finden.“ Still stand ich da und hörte die Anklage. Es war doch verrückt, Gab glaubte tatsächlich Mike würde mich an Ben ausliefern. Nein das konnte ich niemals glauben. „Glaub es! Denn Michael steht unter Bens Einfluss.“ Erklärte mir Gabriel, „Claire es ist eine ernst zu nehmende Situation. Deshalb werde ich mich auch nicht länger an mein Versprechen Michael gegenüber halten.“ Gabriel straffte sich sein ungewöhnlich ernster Ton, seine angespannte Mimik, jagten mir Angst ein. Ich wollte nicht hören, was er zu sagen hatte. Eine unbestimmte Furcht davor ergriff mich. Die Engel sahen Gabriel erstaunt, geradezu entgeistert an. Die Blicke, die sie mir zuwarfen waren verblüfft, verwirrt und auch neugierig. Der Einzige der mich nicht ansah war Raphael, er tigerte im Raum umher auch sprach er laut. „Das Gabriel, ist ein ganz neuer Aspekt. Auch erklärt das einiges. Wir müssen sofort handeln. Denn wenn …“ „Was? Verdammt noch mal! Was?“ schrie ich, nein mein Hals war so zugeschnürt vor Angst, dass ich nur wispern konnte. Raphael hielt sofort inne, er warf Gab einen fragenden Blick zu. Sie tauschten sich aus! Sollte ich wieder einmal übergangen werden. „Nein Kleines, ich – wir werden dir alles erklären. Doch zuerst ist deine Sicherheit vorrangig.“ „Nein Gab als erstes will ich wissen was du ihnen gesagt hast.“ Stellte ich mich ihm trotzig entgegen. Und konnte es kaum glauben, obgleich die Angst mich fest umklammert hielt, wollte; musste ich wissen, worum es ging. War es wegen Ben? War Ben Michaels Sohn? Den Verdacht hegte ich schon seit Längerem. Raphael unterbrach meine gehetzten Gedankengänge. „Sie hat ein Anrecht es zu erfahren. Auch wird Claire sich dann der direkten Gefahr bewusst. Schließlich müssen wir auch für die einzige Möglichkeit die wir noch haben ihre freiwillige Einwilligung.“ Nun war ich aber baff! Raphael der Geheimniskrämer schlechthin befürwortete; mir die ganze Wahrheit zu offenbaren. Gabriels Ausdruck verriet seine Ablehnung, jedoch beugte er sich Raphael. Raphael deutete ohne weiteres Zögern auf das Wohnzimmer. „Wir sollten hinübergehen. Colin kochst du uns einen Kaffee?“ Als wir endlich saßen, warteten wir noch auf Al und Colin. Die drei redeten kein Wort mit mir, aber untereinander mussten die Worte nur so hin und her fliegen wie ich aus ihren Gesichtern erkennen konnte. Endlich kamen Al und Colin und nun wünschte ich mir sie mögen sofort wieder verschwinden. Sei kein Angsthase Claire, sprach ihr mir selbst Mut zu. Umständlich setzte sich Gab zu mir, genauso umständlich fuhr er mit Worten fort. „Kleines du weißt ich habe Michael ein Versprechen gegeben, das ich nun bewusst breche. Dafür habe ich meine Gründe …“ „Verflucht Gab!“ unterbrach Raphael, „Die Zeit drängt! Komm zur Sache!“ „Du kannst ihr das doch nicht so direkt vor die Füße werfen.“ „Gab!“ warnte Raphael, „soll ich es ihr sagen? Das meiste hat Claire sich doch schon selbst zusammengereimt.“ „Also nur los, sag es ganz unverblümt!“ meinte Gab beleidigt. Raphael stierte ihn zweifelnd an, schüttelte den Kopf und hob ergeben die Hände. „Gabriel rede endlich mit ihr.“ „Ja, ja! Also wo war ich … nun es geht um den Nephilim und Mike. Nun ja, der Nephilim Ben ist Michaels Sohn.“ Das war nicht sehr überraschend, vor allen weil Gab wie auch Raphael gesehen, gelesen oder gehört wie auch immer sie das nannten; haben mussten das ich mir darüber auch schon meine Gedanken gemacht habe. „Du bist nicht sonderlich überrascht. Ben ist Mikes Schwachpunkt und dieser nutzt das nun aus. Irgendwie hat er Mike nun in seiner Gewalt und beeinflusst ihn. Wir sind der Meinung und ich spüre es deutlich das Ben Mike nun benutzt, um an dich heranzukommen. Bestimmt weiß Ben, dass du eine tiefe und vertrauensvolle Bindung zu Mike hast.“ „Verstehe ich das richtig, Ben will diese Verbindung ausnutzen?“ „Ja! Denn Mike versucht schon über Stunden, dich zu erreichen. Da ich aber jeglichen Kontakt zu dir unterbinde, hat er es noch nicht geschafft.“ „Verstehe aber warum dann die ganze Aufregung? Du hast es doch schon gesagt, Mike kann sich nicht mit mir in Verbindung setzen.“ „Normalerweise nicht doch unter besonderen Umständen schon.“ Drückte sich Gab vorsichtig aus. Das war mir zu hoch. „Wie meinst du das?“ „Kleines, Michael hat noch einen anderen Bezugspunkt auf dem habe ich keinen Zugriff.“ „Wie?“ nun verstand ich rein gar nichts mehr. Räuspernd wand sich Gab unter meinem fragenden Blick. „Nur dein Partner kann diesen Bezugspunkt kontrollieren.“ Empört richtete ich mich auf, „Du denkst Mike und ich, haben eine Partnerschaft eine Verbindung? Nein Gabriel da irrst du dich! Ihr alle! Wie könnt ihr das nur von Mike denken?“ „Claire bitte!“ beruhigend sprachen die Fünf auf mich ein. Nur Gabriel hörte ich zu, da er mir am nächsten saß trotz seiner ungeheuerlichen Behauptung. Er musste seinen Irrtum einsehen. „Kleines es gibt noch eine starke Verbindung die des Blutes.“ Das war ja lachhaft, wie viele Generationen lagen dazwischen von Verwandtschaft konnte da wohl keine Rede mehr sein. Das sagte ich auch deutlich. Verzweifelt versuchte Gab zu Wort zu kommen. „Nein nein Claire du verstehst nicht! Michael ist dein Vater!“ erschrocken über seinen Ausbruch zuckte er zusammen. „Na das nenn ich einfühlsam.“ Bemerkte, Raphael ironisch. „Das ist nicht wahr! Wie kannst du so etwas behaupten!“ anklagend sah ich Gab an, wie kam er nur auf solch einen absurden Gedanken. „Es ist wahr! Kleines ich würde dich doch niemals belügen. Mike ist dein biologischer Vater, daran gibt es nicht den geringsten Zweifel. Denn schon vor Jahren hat mir Mike dies anvertraut.“ „Nein!“ fuhr ich ihn an, „Weißt du überhaupt, was du da sagst! Meine Mutter soll mit einem anderen Mann ein Verhältnis gehabt haben. Meinen Dad betrogen haben? Nein unmöglich! Wenn ich eines weiß meine Eltern lieben sich. Meine Mom würde so etwas meinen Vater niemals antun, dazu ist sie nicht in der Lage.“ abrupt stand ich auf. „Warum nur tut ihr mir so etwas an? Was habe ich euch getan das ihr…“ meine Stimme brach, bestürzt wollte ich nur noch eines. Weg! Raus! Keinen dieser Engel mehr sehen. Doch Raphael hielt mich unbeugsam davon ab. „Claire beruhige dich! Höre Gabriel an, er sagt die Wahrheit.“ Hatte ich denn eine Wahl? Raphael hielt mich wie ein Schraubstock gefangen. Ich war diesen Engeln oder sollte ich besser Monstern sagen hilflos ausgeliefert. „Kleines bitte!“ bat Gabriel inständig, „Du musst mir glauben. Nicht immer haben deine Eltern eine harmonische Ehe geführt. Sie haben sich damals getrennt. Dein Dad ist beruflich ins Ausland gegangen. Deine Eltern haben sich eine Auszeit genommen es war schwierig für sie beide. Die finanzielle Notlage, die vielen künstlichen Befruchtungen. Claire sie wollten ein Kind, deine Eltern haben alle medizinischen Möglichkeiten ergriffen, nur um ein Kind zu bekommen. Irgendwann ging nichts mehr in ihrer Ehe. Dein Dad nahm die lukrative Arbeit an, deine Mom blieb zu Haus. Dann lernte sie Mike kennen es war eine kurze Beziehung. Das Wichtigste aber, dein Dad holte deine Mutter, obwohl sie ihm alles schrieb auch ihre Schwangerschaft. Dein Dad nahm dich als sein eigenes Kind an. Claire, Michael hat aus verschiedenen Gründen gehandelt, er hat es mir so erklärt. Deine Eltern sind die letzten aus seiner Blutlinie, er wollte nur helfen. Ein Kind ein Mädchen sollte die Linie fortsetzen. Du musst mir glauben die Beziehung deiner Eltern hat sich nach deiner Geburt gefestigt.“ Gabriel sprach so eindringlich so wahr konnte ich daran zweifeln? Nein. Doch ich wollte es einfach nicht wahrhaben. „Sie glaubt dir nicht, Gab. Einfach weil dieses sture Weibsbild es nicht will. So wie ich es dir zuvor schon sagte. Du erreichst nichts mit guten Worten.“ Knurrte Raphael in meinem Rücken. „Claire, ob du es nun wahrhaben willst oder nicht. Fakt ist Michael ist dein biologischer Vater. Deine Eltern haben dich liebevoll aufgezogen. Du bist eine erwachsene Frau, die die Wahrheit verkraften und akzeptieren muss. Nun geht es um dein zukünftiges Leben und das ist wörtlich gemeint. Du hast zwei Möglichkeiten entweder du verdammst uns und begibst dich in die Hände deines Halbbruders. Der dich vernichten wird wie wucherndes Unkraut. Oder du bleibst und kämpfst, damit wir Mike aus den Fängen der Nephilim befreien können.“ „Lass mich los! Ich will mit meinen Eltern reden, sofort!“ „Aber sicher. Hallo Mom ich hab da mal ne Frage, ist mein Dad nun mein Dad oder nicht? Ich armes verzweifeltes Mädchen kann die Wahrheit nicht akzeptieren. Du musst mich weiterhin belügen, damit ich beruhigt meinen Dornröschenschlaf frönen kann. Komm Claire hier geht es nicht um deine heile Welttaktik das hier ist eine reale Gefahr, die unaufhaltsam auf dich und Mike zusteuert.“ Weder seine Worte noch seine Argumente wollte ich hören. „Bist du fertig?“ fragte ich kalt. Er ließ mich los und reichte mir sein Handy. Das ich stumm entgegennahm dann stürzte ich wild aus den Raum, hetzte die Treppe und Gänge entlang bis ich endlich mein Zimmer erreichte. Kaum das ich die Tür hinter mir verschloss wählte ich schon die Nummer meiner Eltern. Zu meinem Entsetzen ging mein Dad ans Telefon. „Hallo? Wer ist da?“ fragte er nach, als ich mich nicht meldete. „Dad ich bin`s!“ „Claire, wie schön von dir zu hören, auch innerhalb der Woche. Oder ist etwas passiert?“ fragte er besorgt nach. „Nein Dad, alles im grünen Bereich. Ich wollte mich einfach nur mal kurz melden. Ist Mom da?“ Er lachte herzlich auf, „Nein du weißt doch sie ist heute bei ihrem Damenklub. Ich hoffe nur das Maggie nicht kommt, ansonsten muss ich mir wieder anhören, wie perfekt ihr Ehemann ist. Und deine Mutter versucht wieder, mich umzuerziehen. Also alles wie gehabt. Was gibt es bei dir Neues?“ So viel Dad, doch ich kann nicht mit dir darüber sprechen oder mit Mom. Raphael dieser mieser Engel hat mal wieder Recht. „Nichts Dad. Deine Pokerfreunde kommen sicher gleich.“ „Claire hast du mal auf die Uhr geschaut? Wir sind mitten drin!“ „Oh, entschuldige! Ich rufe Sonntag wieder an, grüß Mom und viel Spaß noch.“ „Dir auch, bis Sonntag.“ Entmutigt ließ ich mich aufs Bett fallen. Was nun? Raphaels Worte hallten ständig durch mein Hirn. An Gabriels Worte zweifelte ich nicht mehr. Gerade Gab versuchte ständig mich so nah an die Wahrheit zu bringen wie es ihm möglich oder erlaubt war. Fassungslos, völlig ausgepumpt versuchte ich, die Neuigkeiten zu verdauen. Mike mein Vater! Richtiger mein biologischer Vater, denn mehr war er nicht. Na ja mein Seelenverwandter auch das ließ sich nicht abstreiten. Was änderte sich? Im Grunde nichts. Denn mein Dad blieb mein Dad. Nur vor der nächsten Begegnung mit Mike fürchtete ich mich. Wie würde er reagieren? Wurde aus einem Freund ein herrschsüchtiger Vater. Quatsch so war Mike einfach nicht. Erst einmal musste er aus den Händen des Nephilim befreit werden. Genau Claire! Das ist die richtige Einstellung, wenn du soweit bist, wir müssen unsere nächsten Schritte planen. Dazu brauchen wir dich, also komm aus deinem Schneckenhaus und stelle dich den Anforderungen. „Wieso belauscht du ständig meine Gedanken? Habe ich denn niemals Ruhe vor dir?“ wütete ich auf mein Kissen einschlagend. Die einzige Antwort war ein Gefühl des Spotts. Verdammter Engel. Irgendwann zahle ich dir das Heim Raphael. Das schwöre ich dir. Wir werden sehen. Zähneknirschend begab ich mich hinunter. Die Engel warteten im Wohnzimmer. Colin reichte mir eine Tasse mit Kaffee, er meinte er hätte auch etwas Stärkeres und deutete auf seine Bar. Jedoch lehnte ich ab irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los das noch etwas auf mich einstürmen sollte. Deshalb wollte ich all meine Sinne voll intakt halten, anstatt mich mit Alkohol zu betäuben. Wie recht ich behielt, sollte ich bald erfahren. Zunächst besprachen die Engel, Mike gewaltsam zu befreien. Doch da Ben ein Haus mitten im naheliegenden Dorf belagerte kam dieser Weg nicht infrage. Zu viele Menschen konnten Zeuge der Auseinandersetzung werden oder noch schlimmer zu schaden kommen. Zudem wussten sie nicht, wie viele Nephilim sich im Haus aufhielten. Wie weit würden die Nephilim Ben folgen? All dies war unklar. „Wir müssen eine Gefahr nach der anderen eliminieren.“ Forderte Raphael. Die Engel pflichteten ihm bei und sahen ihn groß an. Keiner der Herren sah mich an, plötzlich war ich Luft ein tiefer Abgrund tat sich vor mir auf. Unwohl zog ich die Schultern ein. Jetzt sollte ich bestimmt die Gefahr kennenlernen, der ich mich stellen musste. Was war für mich zu tun, nur eines in die Höhle des Löwen vordringen. Denkst du tatsächlich, ich lasse dich in die Nähe dieses Abschaums? Du musst noch eine Menge lernen, Claire. Doch was dann? Während ich noch rätselte, richtete Raphael seinen stahlharten Blick auf mich. „Du bist dir der Gefahr bewusst in der du schwebst?“ Sicher schließlich war ich ja nicht vollkommen blöd. Claire! Warnend! „Ja ich bin mir dessen bewusst!“ Herr General setzte ich im Stillen hinzu. Wieder durchfuhr mich ein warnender Schauer, diesmal jedoch ungeduldiger. Also hütete ich meine Gedanken. „Du hast auch verstanden das Mike sich anderer Wege bedienen kann auf denen wir keinen Einfluss haben?“ bohrend sah Raphael mich an. Was sollten die Fragen? Gab hat sich diesbezüglich sehr gut verständlich gemacht, nur ein Gebundener … oh nein! Alles nur das nicht. „Das könnt ihr vergessen! Ich werde mich an keinen Engel binden. Wie kommt ihr auf solch eine absurde Idee?“ ich wandte mich an Gabriel. „Kleines das ist die einzige Möglichkeit!“ „Nein! Es muss doch noch einen anderen Weg geben? Ich verstecke mich, bis ihr, Mike befreit habt.“ „Wie willst du deine Seele deinen Geist verbergen? Egal, an welchen Ort du bist, Mike wird dich erreichen.“ „Aber das ist eine hirnrissige Idee! Kein Engel verbindet sich mit einer Frau, wenn keine Gefühle vorhanden sind. Das habt ihr doch selbst gesagt. Stimmt doch?“ fragte ich in den Raum hinein. Auf Zustimmung hoffend. Meinen Blick auf Gab heftend. „Das hast du richtig erkannt, Kleines. Deshalb ist es ja so einfach, wir können die Verbindung sofort vollziehen. Sollen wir?“ Irritiert starrte ich Gab an, war er betrunken? Langsam sah ich die Engel der Reihe nach an, sie waren völlig einer Meinung. Wie konnte ich mich schnellstens aus dem Staub machen? „Kleines, ihr habt die gleichen Gefühle füreinander, deshalb ist es völlig in Ordnung.“ „Ich Gefühle? Für wen?“ vorsichtig näherte ich mich der Tür. Rede Claire, rede! Später werden sie ihren Irrtum einsehen. „Aber ja!“ grinste mich Gab an. Er schien meinen Rückzug nicht zu bemerken sowie auch die anderen nicht. Die Tür war in Reichweite, schnell drehte ich mich um und wollte fliehen doch diese verdammte Tür bewegte sich keinen Millimeter. Wie? Das ist eine unserer Fähigkeiten ihr Menschen nennt es Telekinese. Ich wirbelte herum, „Sprich mit mir und bleib aus meinem Kopf!“ Doch Raphael grinste mich nur an. Gewöhne dich lieber daran, ich habe vor mich dort ständig aufzuhalten. Irgendwie amüsieren mich deine abwegigen Gedanken. „Ha, das wird dir aber schwerfallen, wenn Gab seinen Willen durchsetzt.“ Fauchte ich ihn an. Das glaube ich kaum. Langsam dämmerte es mir, wie langsam fallende Tropfen setzte sich das Puzzel zusammen. „Nein! Ganz und gar unmöglich. Dazu gebe ich niemals mein Einverständnis. Ha, und du hast darüber keine Gewalt. Du sagtest es ja meine freiwillige Entscheidung.“ Trumpfte ich auf. Die wirst du mir geben Claire. Oder soll Mike den Wahnsinn verfallen? Sollen unschuldige Kinder, Frauen und Männer zwischen den Fronten leiden, zu schaden kommen? Willst du einen Krieg heraufbeschwören? Das würde das Ende der Zivilisation sein, denn wir werden mit aller Härte gegen die Nephilim vorgehen ohne Rücksicht auf etwaige Lebewesen. Darüber solltest du dir im Klaren sein. Wie gesagt deine Entscheidung. „Dann schlagt einen Austausch vor. Mike gegen mich.“ „Kleines du hast nicht begriffen, er will dich, ja. Doch du bist nur ein Instrument durch dich will er Mike zerstören und nicht nur ihn. Was glaubst du welcher Engel könnte sich noch im Spiegel ansehen, wenn dir etwas passiert. Du Claire bist einzigartig, eine Kandidatin, die lebendige Frucht eines Engels, des Erzengels Michael.“ Entsprechend wird der Krieg wüten, ohne Gnade. Wir werden unsere geballte Kraft auf diesen Erdball ausüben. Geschlagen. Genau das konnte, durfte ich nicht zulassen. Also musste ich die Verbindung eingehen. Ich konnte mir vage vorstellen, was diese geballte Kraft bedeutete. „Also gut! Wann soll diese Scharade stattfinden?“ Etwas mehr Begeisterung schließlich gehst du mit einem der mächtigsten Engel eine Verbindung ein. „Darauf könnte ich auch gern verzichten …“ „Nun denn wenn Claire auf ein Fest verzichtet können wir auch gleich die Verbindung vollziehen. Gab, du bist der Begleiter, entsprechend wirst du Claire überreichen. Uriel, Al, Colin die Zeugen. Der kleine Ritus ist für diese Situation ideal. Wo werden wir ihn begehen?“ die Frage richtete Raphael an Gab. Dieser unsicher meinte, „Raphael denkst du nicht du übereilst den Vorgang? Innerhalb einer Stunde können wir eine kleine Feier organisieren außerdem kann ich mir vorstellen, dass Claire eine Freundin an ihrer Seite haben möchte. Myriel wird sicher enttäuscht sein. Du weißt, wie sehr sie Claire ins Herz geschlossen hat. Und Raphael, du verbindest dich, ein weiterer Grund einige Engel einzuladen.“ Raphael hörte aufmerksam zu, „Ich weiß Gab, aber meine vordringliche Aufgabe lautet die Sicherheit von Claire und Michael. Wir werden eine Feier nachholen, sobald alles wieder in geregelten Bahnen läuft. Dann sind alle zufrieden und Mike wird dabei sein.“ „Wenn du das so siehst, in Ordnung. Der Raum hier ist so gut wie jeder andere.“ Gab stand auf, rückte einen Sessel zur Seite und forderte mich auf zu ihm zu kommen. Wie in einem Traum einen Albtraum stellte ich mich neben Gab. Auf der anderen Seite stand Raphael die drei Zeugen hinter uns. Gab fragte mich etwas, die Worte verstand ich nicht genau, denn alles lief hinter einer nebligen Mauer ab. Ich wusste wo ich war, wusste was hier geschah doch war es nicht greifbar. Irreal als würde ich zusehen und dabei sein. Das war ich doch auch wieder nicht. Dann fand ich mich an Raphaels Seite wieder nahm die Glückwünsche der Engel entgegen doch warum, weshalb ergab für mich keinen Sinn. Gabriel nahm mich zur Seite und meinte ich habe den richtigen Schritt getan. Nickend bestätigte ich seine gut gemeinte Äußerung. Die einzig reale Stimme, die vollkommen zu mir durchdrang, war die Raphaels. „So, nun werden wir einen Happen essen, dabei können wir besprechen, wie unser weiteres Vorgehen aussieht. Ich habe nicht vor Mike noch länger in Bens Händen zu lassen. Gab kannst du uns eine Kleinigkeit zubereiten?“ „Ich dachte du fragst nie!“ meinte er, „Und ihr werdet mir helfen, wollen wir doch mal sehen ein schnelles Hochzeitsmahl zuzubereiten. Na los ihr Faulpelze ab in die Küche.“ Auch ich fühlte mich angesprochen, denn wenn Gab diesen Ton anschlug war man nur Küchenmagd die Befehle entgegennahm. „Wo willst du denn hin?“ fragte er mich. „Helfen! Was sonst!“ „Nein Kleines, du wirst dich mit Raphael zurückziehen. Ihr habt einiges zu äh … Besprechen.“ Dabei warf er Raphael einen seltsamen Blick zu. „Richtig, da du mich darauf aufmerksam machst. Claire würdest du mir bitte folgen.“ Meine Beine setzten sich in Bewegung mein ganzer Körper jeder einzelne Muskel mussten der Bitte nachkommen. Doch irgendwo in meinem Inneren weigerte ich mich. Erstaunt hob Raphael eine Braue, schon verflüchtigte sich der aufrührerische Gedanke. Wir gingen in seinen Raum, den des Burgherrn und so kam er mir vor. Jetzt wo ich wieder klar denken konnte. Ja denken konnte ich, die Ungeheuerlichkeit war mir nur zu bewusst. Jedes einzelne Wort fiel mir wieder ein. Nein sie waren einfach da nicht mehr unterdrückt durch Raphaels Willen. Nur regen konnte ich mich nicht, keinen Finger konnte ich rühren. Egal wie ich mich auch anstrengte, ich war bewegungsunfähig bei klarem Bewusstsein. „Wehre dich nicht dagegen, Claire, du wirst sonst einen schlimmen Muskelkater bekommen. Ich werde dich aus diesem Zustand befreien sobald ich gesagt habe was ich dir mitzuteilen habe.“ Wie immer, wenn er Worte suchte, ging er im Raum auf und ab. Noch nicht einmal mit den Augen konnte ich ihm folgen. Er kam in mein Blickfeld und dann war er wieder weg. Bis er wieder, „Verzeih!“ nun konnte ich tatsächlich meine Augen bewegen. „Damit habe ich noch keine Erfahrung, das nächste Mal werde ich daran denken.“ Automatisch bewegten sich meine Beine zu einem Stuhl und ich setzte mich. Das nächste Mal! Schrie ich innerlich auf. Wollte er mir das wieder antun? „Nur wenn ich es als nötig erachte! So nun werde ich dir einige Regeln für unser zukünftiges Zusammenleben unterbreiten. Du hast mir gehorsam gelobt, ich bin dein Herr. Dafür beschütze ich dich. Das ist im Grunde auch schon alles, was ich von dir erwarte, du wirst mir in allen Dingen widerstandslos folgen. Ich werde keinen Widerspruch dulden.“ Hörte ich etwa richtig? Was war ich ein Sklave? Eine Hündin, die demütig zu seinen Füßen saß? „Genau deshalb habe ich dich gelähmt. Du hörst mir nicht zu. Du kannst dein Leben gestalten wie es dir beliebt, nur wenn ich eine Anordnung gebe erwarte ich deinen Gehorsam. Ist das klar soweit?“ Ja sicher, ich bin dein ergebener Diener! Doch darauf kannst du lange warten sobald ich eine Möglichkeit habe werde ich verschwinden, du Lump. Du hast mich hintergangen und nicht nur mich dieses Versprechen, die Verbindung wie ihr sie nennt ist nichts weiter als eine Farce. Die ich niemals anerkenne. Ist das klar soweit? Ich wusste er hörte jeden meiner Gedanken. Unerbittlich werde ich dagegen kämpfen. Nie, niemals wirst du aus mir deine Marionette machen. „Also die harte Tour! Ist mir auch recht. Claire ich wünschte du würdest nicht so verstockt sein. Aber ganz wie willst, entsprechend werde ich dich kontrollieren.“ Du bist ein gemeiner, herrschsüchtiger, selbstherrlicher … Genug! Nun konnte ich noch nicht mal meine Gedanken beenden! Verfluchter Mistkerl! „Du bist meine Frau! Entsprechend wirst du dich verhalten!“ Von wegen! Seine Frau, da konnte man ja nur lachen! „Oh doch, meine Süße das bist du! Du gehörst mir! Deine Gedanken, dein Körper, dein Sein alles mein!“ Er kniete vor mir nieder, sah mich ernsthaft an. „Damit du auch begreifst was das bedeutet Claire, werde ich die Verbindung vervollständigen. Nicht das ich mich dafür überwinden muss. Du weißt ja, wie sehr ich deinen Körper begehre.“ Nein alles nur das nicht! Das konnte nicht sein. Das würde er nicht wagen! „Aber natürlich! Was sollte mich jetzt noch aufhalten? Im Gegenteil es ist sogar meine Pflicht! Auch zu deinem Schutz, ich muss in dein Innerstes vordringen, Claire. Hast du Mike vergessen? Er ist in dir deinem Blut. Nur in der höchsten Lust gehörst du mir ganz und gar, wenn ich dich unterwerfe und du nach Erlösung bettelst.“ Kurz betrachtete er mich, wägte ab. „In Anbetracht der kurzen Mußestunde, die wir zur Verfügung haben, sollten wir die Zeit nutzen.“ Nein er wollte mir Angst einjagen. Nur damit ich mich, seinem Willen beugte. Bisher hat er immer mein Nein akzeptiert. „Nun liegt der Sachverhalt aber anders, Claire!“ ohne mein Dazutun stand ich auf. „Es wird sogar von uns erwartet, die Verbindung zu vervollkommnen.“ In Sekundenschnelle war ich nackt, oje wir nackt und seine Erregung war deutlich zu spüren. „Aber ja! Schließlich bist du eine attraktive Frau, auf die ich schon lange warte.“ Bedächtig fuhren seine Hände über meinen Körper, „Wirklich Claire du hast eine sanfte Haut.“ Was war ich eine Kuh, die begutachtet wird, ob sie gutes Leder abwirft? „Wie immer köstlich deine Gedanken und Vergleiche zu lauschen, doch nun solltest auf deine Instinkte hören.“ Ganz nach seinem Belieben spürte ich eine Sehnsucht, ihm näher zu sein. Die inzwischen vertrauten Flammen zuckten in meinem Leib empor. „Schon besser! Viel besser!“ murmelte Raphael, während er leicht meinen Hals hinunter küsste. Jeder Kuss jede Berührung zielte darauf ab, mein Verlangen zu steigern. Er wurde es nicht müde mich zu streicheln zu necken, meine empfindlichen Stellen aufzuspüren. Bald wollte ich nur noch eines mich an ihn zu pressen ihn berühren. Zu meiner Überraschung konnte ich das sogar. Schon lange wollte ich nicht mehr weglaufen ich war gefangen in einem Taumel aus Leidenschaft die Erlösung suchte. „Sieh mich an, Claire, sieh mich an!“ umwoben in seinem Grün seinem Begehren gab ich mich hinein in den Strudel der uns auflöste zu einem Wesen bildete. Ich spürte Raphaels erstaunen auch sein Zurückweichen doch auch er war gefangen. Hier waren wir ebenbürtig eins wir waren verschmolzen im Geiste, wie es auch unsere Körper verlangten. Nun wirst für immer mein. Einen Moment spürte ich einen Schmerz doch Raphael nahm ihn auf, sowie ich sein Begehren, und wölbte mich ihm lustvoll entgegen nach Erlösung bettelnd. Die lustvollen Wogen hallten noch immer durch meinen Leib. So war es also! Träumerisch spielte ich mit Raphaels Haar, so war es also dieses immer nach mehr Gierende. Diese Lust, die über einen zusammenschlug. „Es war mehr als das! Auch überraschend für mich, solch ein übermächtiges Begehren habe ich noch nie erfahren. Das verspricht manch nette Balgerei.“ Der spöttische Ton nahm mit jedem Wort überhand. „Ja, besonders da du dich davor fürchtest! Wenn man das bedenkt! Raphael der Furchtlose! Der alle, mit einem bösem Blick, zum Schweigen bringt, weicht vor … was war das überhaupt?“ fragend sah ich ihn an, „Ehrlich ich weiß es nicht! Und es gefiel mir auch nicht besonders!“ „Nein? Nun da habe ich aber einen anderen Eindruck erhalten, Raphael. Oder wer hat diese brünstigen Töne herausgegrölt?“ erschrocken über mich selbst hielt ich den Mund. Raphael, der mich ebenfalls stutzig anstarrte, um dann grinsend meinte, „Claire das aus deinem Munde? Mein Gott was wird deine Mom dazu sagen.“ Frotzelte er. „Ach du! Was werden die Engel denken, wenn sie hören wie du …“ „Oh, sie werden genauso überrascht sein, wie ich es war, dass eine Jungfrau so viel Spaß im Bett hat.“ Witzelte der Herr überheblich. „Du Lump! Das sieht dir wieder ähnlich! Los runter von mir und komm mir ja nicht mehr zu nahe!“ fauchte ich ihn an. „Wirklich? Und ich dachte …“ er vollführte eine eindeutige Bewegung und in seinen Augen stand ein mir nicht unbekannter Glanz. „Ha, damit du vor deinen Freunden prahlen kannst. Vergiss es!“ erklärte ich ihm keuchend, da Raphael schon sein vollerwachtes Glied zu nutzen verstand. Das laute Klopfen an der Tür ignorierte er. Auch, das Gabriel mit wütender Stimme Einlass verlangte. „Verschwinde, Gab!“ war Raphaels einziger Kommentar. Doch die Tür barst aus den Angeln und Gab stürmte herein. „Hört auf! Sofort! Das ist nicht zum Aushalten!“ „Was ist dein Problem? Erst spielst du den Kuppler heuerst Engel an. Und wenn du dein Ziel endlich erreicht hast, willst du mir die Vergnügungen verbieten.“ „Ja! Zum Teufel noch mal! Wisst ihr eigentlich das jeder Engel nun genau weiß das ihr verbunden seid…“ Raphael gluckste, „Was hast du getan? Jeden Engel eine Nachricht geschickt?“ Raphael störte es nicht im Mindesten das wir in eindeutiger Pose lagen nein er fuhr auch noch ungeniert fort meine Brust zu streicheln. „Okay und nun hau ab, ich hab noch was vor.“ Er wandte sich mir zu. „Raphael versteh doch, ich- wir haben euren Akt in jeder Beziehung miterlebt ...“ mit angewidertem Gesicht, „… gefühlt!“ „Ihr habt was?“ ungläubig starrten wir Gab an, der fast schon verzweifelt nickte, „Jedes Detail! Eurer Zusammenkunft. Das Schloss ist voll mit Engeln. Sie haben mich geschickt euch mit aller Kraft daran zu hindern, einen weiteren Akt zu vollziehen. Glaubt mir das ist etwas was niemand erleben will. Ich mag mich noch nicht mal selbst ansehen. Die haben mich unter der Dusche weggeholt!“ er fuchtelte wild mit den Armen, atmete tief durch. „Also in Ruhe, Mann das war so was von peinlich! Da steht man in der Küche und plötzlich ist man aufgegeilt. Das Schlimmste die Drei die dir zur Hand gehen sollten, spüren das Gleiche! Igitt! Vier brünstige Engel, die sich auch noch ansehen. Gott, Raphael das ist nicht gut! Und du kannst dich nicht rühren, weil man gefangen ist. Al stand direkt neben mir unsere Körper haben sich berührt, ihr wollt nicht wissen, wie das war.“ der Ekel stand Gab noch immer im Gesicht geschrieben. „Bis zum Letzten erlösenden … nun danach sind wir, wie geprügelte Hunde … duschen!“ Raphael bebte vor unterdrücktem Lachen, was mir wiederum wohlige Schauer bereitete, die auf Raphael übersprangen. Gabriel stöhnte auf, „Nein nicht noch mal!“ er sprang auf uns zu, packte Raphael und warf ihn vom Bett. „Was seid ihr? Hormongesteuerte Freaks? Ich steh hier und ihr geilt euch gegenseitig auf? Das ist das Letzte!“ empört geradezu wild stierte er uns abwechselnd an. „Ja deck dich ruhig zu! Doch die Bilder und Gefühle die du und der uns aufgebürdet habt vergessen wir nicht so schnell!“ wütete Gabriel. Beschämt zog ich mich weiter unter die Decke zurück, „Na wenigstens hast du noch einen Funken Anstand, aber bei dem da ist alles verloren.“ Raphael lag nackt auf den Boden und kringelte sich. „Zieht euch an! Dann kommt ihr herunter und stellt euch der Meute.“ Brummend und schimpfend stapfte er hinaus. „Raphael?“ ich rollte mich quer über das Bett, bis ich ihn sah. Japsend nach Luft schnappend wischte er sich die Augen. „Claire kannst du dir das vorstellen? Gab und Al …“ weiter kam er nicht. „Reiß dich mal zusammen! So lustig ist das auch wieder nicht, wenn ich mir vorstelle wie sie unsere … ich meine … du weißt schon miterlebt haben. Das ist wirklich peinlich. Was sollen sie denn denken?“ Raphael plötzlich ruhig, „Genau das, was geschehen ist! Du bist meine Frau! Unmissverständlich! Das sollte jeder Engel begriffen haben.“ Dann fiel mir etwas ein, „Mike!“ „Ja daran dachte ich auch gerade. Nun wird er wissen du bist gebunden. Für ihn bedeutet dies du Claire bist keiner Gefahr mehr ausgesetzt. Das wird ihm helfen, gegen Ben zu arbeiten. Ben hat kein Druckmittel mehr.“ er sprang auf und rieb sich die Hände, „Gut, gut wollen doch mal sehen, wie der Nephilim darauf reagiert, es bleiben ihm kaum noch Optionen.“ Er lief ins Bad kam zurück, „Ich gehe als Erstes duschen! Zwar wollte ich mit dir, aber unter den gegebenen Umständen keine gute Idee.“ grinste er mich an. Himmel wie sollte ich wir den Engeln gegenübertreten. Nach Gab`s Schilderung war das Ganze mehr als peinlich. „Nun mach dir mal keine Gedanken, das bekommen wir schon wieder hin. Schließlich wussten wir nichts davon. Ich frage mich nur, wie so etwas passieren kann. Na ja darüber müsste Kayle mehr wissen.“ „Das kann er dir auch nicht beantworten! Er ist selbst noch völlig fertig! Also wusstet ihr nicht, was ihr da anrichtet oder hast du mich gehört, als ich reinkam?“ misstrauisch sah sie mich an. „Myriel! Ich schwöre dir wir waren ahnungslos bis Gab uns davon erzählte.“ Skeptisch musterte sie Raphael der nass frisch geduscht, sich ein Handtuch umband, dann mich, „Ich glaube euch, aber nur weil ihr selbst rätselt, wisst ihr eigentlich wie das ist, wenn der eigene Mann anfängt vor Vergnügen die Augen zu verdrehen obwohl du drei Meter weiter sitzt. So etwas will ich nie mehr erleben. Und das ist auch nicht lustig, Engel!“ fuhr sie den lachenden Raphael an. Er war bereits angezogen. „Wahrscheinlich nicht.“ Schmunzelte er, „Aber ein gutes hat die ganze Sache doch. Die Engel können mich unterstützen. Claire beeile dich, du wirst in einer halben Stunde fertig sein.“ Und eilte hinaus. „Was war denn das? Hat der Herr, ich hab die Hosen an schlechten Shitt geraucht? Seit wann lässt du dich so herumkommandieren?“ „Das ist eine lange Geschichte! Kannst du mir aus meinem Zimmer frische Wäsche holen, während ich dusche?“ „Klar! Doch du darfst dich ihm nicht unterwerfen, das ist ja wie im Mittelalter.“ Sie war noch nicht ganz raus, als ich sie aufhielt, „Myriel kennst du den kleinen Ritus?“ „Jah!“ antwortete sie vorsichtig, „Sag nicht danach ist eure Verbindung geschlossen worden.“ ich nickte nur, „meine Güte und Gab und die andern waren damit einverstanden?“ „Es hat keiner dagegen einen Einwand erhoben.“ „Das glaube ich nur zur gern. Geh dich duschen du hast es ja gehört, dreißig Minuten sind keine Ewigkeit.“ „Aber Myriel …“ „Claire nun beeile dich schon. Bist du nicht fertig, wirst du so wie du bist neben ihm erscheinen. Das ist ein Band, es kann nicht durchbrochen werden. Deshalb leg einen dran.“ Drängelte sie mich ins Bad, diese Informationen fand ich höchst interessant. „Soll das heißen, wenn ich zum Beispiel …“ Myriel erhob die Hand, „So wie du gerade bist!“ „Na denn, bleib nur hier Myriel!“ und schob das Kinn vor. Dann wollen wir doch mal sehen wie das dem Herrn ich gebe die Befehle schmeckte. Ein amüsiertes sehr grünes Flirren tauchte vor meinen Augen auf. Jetzt gebe ich nach! Doch bitte beeil dich wir haben Wichtiges zu besprechen. Musste er schon wieder in meinem Kopf herumschnüffeln. Ich schnüffel nicht du bist nur immer gegenwärtig, das ist übrigens bei allen verbundenen Paaren so. Habe ich mir gerade sagen lassen. Mist, das fehlte mir auch noch. Nun konnte ich mich von jeglicher Privatsphäre verabschieden, wirklich super Aussichten. Ich höre dich! Dem Lauscher an der Wand usw. das kennst du ja. Myriel war begeistert, weil Raphael so viel Rücksicht nahm, von wegen nur aus einem Grund gab er anscheinend nach. Mein Entschluss nackt vor den Engeln zu erscheinen. Wie gut du mich kennst, du weißt ich hüte und pflege mein Eigentum. Das schelmische Lächeln mit dem Raphael mich begrüßte ließ die Engel gutmütig schmunzeln. Nicht die Spur einer wütenden Meute. Im Gegenteil sie begrüßten mich außerordentlich höflich. Nur eines bedeutete dies, Raphael hat ein Machtwort gesprochen. Das! Außerdem sind sie daran interessiert die kleine Episode unter einem Schleier das ist nie passiert zu vergessen. Sprich entsprechend niemanden darauf an. Er nahm mich besitzergreifend in den Arm und hörte sich die Vorschläge zur Befreiung Michaels an. „Wir sind uns also einig und gehen mit aller Macht gegen die Nephilim vor. Das entspricht genau meinen Vorstellungen. Sie haben sich zusammengerottet einen von uns in ihrer Gewalt gebracht und eine Kandidatin bedroht. Wir haben schon allzu lange ihre Unverschämtheiten hingenommen nun kommt der Tag der Abrechnung. Unsere Frauen bringen wir auf die Insel in Sicherheit, dort bleiben einige Engel zusätzlich zu ihrem Schutz. Gibt es sonst noch etwas zu bereden?“ Raphael sah sich um, keiner sagte ein Wort. „Gut, wir sehen uns in zwei Stunden hier wieder, genug Zeit um sich zu verabschieden.“ Er nickte der Gruppe zu und zog mich fort in sein Zimmer. Bisher konnte ich kein Wort herausbringen, nicht weil ich mich an Raphaels Weisung hielt. Nein ich konnte es nicht, weil er mir sprichwörtlich die Sprache nahm. Erst, als wir seinen Raum betraten konnte ich mich wieder artikulieren. „Du verdammter Lügner! Du hast gesagt, wenn ich einwillige, geht ihr nicht mit aller Macht vor. Wie sagtest du, es sei meine Entscheidung? Es spielte keine Rolle wie ich mich entschied, denn dein Plan stand schon fest. Seit wann?“ „Sie haben es gewagt, Mike in ihre Gewalt zu bringen! Soll ich Bitte, Bitte sagen, lasst meinen Freund wieder frei? Sie würden mir ins Gesicht lachen. Nein Claire es ging einzig darum dich in Sicherheit zu bringen du musstest einer Verbindung zu stimmen. Damit ist die Diskussion beendet, wir holen deine Klamotten dann bringe ich dich zur Insel.“ „Danke aber nein danke! Du kannst mich nach Haus bringen, für mich ist dieses Lügengebilde beendet.“ Gefährlich funkelten seine Augen auf, doch davon nahm ich keine Notiz sondern machte mich auf in mein Zimmer. „Du scheinst schnell zu vergessen, Claire! Ich kann dir nicht nur einen Maulkorb verpassen ich kann dich nach meinem Gutdünken steuern.“ Hämisch drehte ich mich um, „Ah ja das vergaß ich ja! Also bitte tue dir nur keinen Zwang an. Erniedrige mich und mache mich zu deiner Sklavin!“ ich wartete, „Nicht? Dann war es das!“ So schnell wie möglich packte ich meine Tasche, wütend wanderte ich auf und ab. Wie sollte ich nach Haus kommen? Gab er würde mich bringen und wenn er nicht dann ein anderer. „Niemand wird dich mitnehmen! Du bist meine Frau nur mit meiner ausdrücklichen Erlaubnis wird dies ein Engel tun. Nun möchtest du mich nicht Bitten nach Haus gebracht zu werden?“ „Eher lauf ich!“ und packte meine Tasche. Belustigt lachte Raphael auf, „Wahrlich das würdest du in deinem Dickkopf fertigbringen. Komm ich bring dich nach Haus.“ „Einfach so? Ohne irgendwelche Hintergedanken? Schwöre es mir!“ Beleidigt riss er die Augen auf doch dann, „Ich Raphael, schwöre dir mein Weib dich nach Haus zu bringen! Zufrieden?“ blickte er mich spöttisch an. „Ja!“ „Dann mal los!“ in gewohnter Art sah wir uns an, dann passierte es. Im Grunde nichts Schlimmes, doch ich war nicht mehr. Wie selbstverständlich wurde ich in diesem Grün aufgenommen ich war ein Teil davon. Konnte spüren, welche Sorgen Raphael plagten. Mike, der geplante Angriff, die Menschen die im Dorf lebten auch darüber hinaus. Dies konnte zu einem ausgewachsenen Krieg führen, der die gesamte Menschheit betraf. Doch schon trennte ich mich von Raphael. Das war definitiv nicht mein Heim! Dieser Ort war mir völlig unbekannt. „Bevor du mir die Augen auskratzt, dies sehe ich als mein zu Hause an, ergo ist es auch deines. Du bleibst hier, bis ich dich abhole. Du musst dich um nichts kümmern außer Ordnung hier zuhalten. Gegessen wird im Gemeinschaftshaus. Ich wünsche dir einen angenehmen Aufenthalt.“ Mir verschlug es die Sprache, nicht weil Raphael mir sie nahm. Nein, weil ich ihn das erste Mal so sah. Unwirklich, überirdisch schön, er erschien mir größer mächtiger mein Gott man musste ihn einfach anbeten. „Mir würde es genügen, wenn du die Insel nicht rebellisch machst. Das anbeten kannst du später nachholen!“ grinste er mich frech an. „Warum sollte ich!“ flüsterte ich eingeschüchtert denn auch seine Stimme war verändert. Lauter und verführerischer. Er lachte amüsiert auf, sein Lachen brachten alle Seiten in mir zum Schwingen, es war unbegreiflich, wie man so aussehen konnte. „Wenn ich gewusst hätte, welche Wirkung ich hier auf dich habe dann wären wir viel früher hier gelandet.“ Hauchte er heiser an mein Ohr, meine Knie wurden weich. Ich hatte das unbändige Bedürfnis ihn jetzt sofort an meine Brust zu drücken. Seine starken Hände auf meiner Haut spüren, seinen heißen Atem … „Claire, Claire was tust du nur?“ er riss mich in seine Arme, „ich darf dich nur als Mann nehmen Claire, ansonsten werden wir gelyncht. Er trug mich hinaus die Sonne schlug mir entgegen, „Raphael!“ japste ich, „wenn uns jemand sieht. „Egal, ich will dich im Sand vom Wasser umspielt im hellen Tageslicht.“ Im Laufschritt hielt er auf das Rauschen der Wellen zu. „Raphael langsam sonst liegen wir gleich im Sand.“ „Keine Zeit und wenn schon dann reiße ich dir eben die Kleider sofort vom Leib. Ich will in dich eindringen, Claire. Dich unter mir fühlen, wie du dich vor Lust windest.“ Langsam kniete er sich in den Sand, „Ich habe keine Zeit den höflichen verführerischen Liebhaber zu spielen, Claire ich …“ diesmal zog ich, ihn zu mir hinunter, „und warum quasselst du dann so lange?“ und verschloss ihn den Mund. Es war ein kurzer leidenschaftlicher Akt gepackt von nackter Gier. „Claire du bist ein liederliches Frauenzimmer!“ und schlug mir auf den nackten Po. Auflachend zog er mich mit ins Meer, „Irgendwann werde ich dich im Meer vernaschen und dann in einem Heuschober mir werden noch einige Orte einfallen.“ „Aber Raphael,“ schmollte ich, „waren deine Worte nicht eindeutig? Einmal und dann hast du mich über, so ungefähr war doch der Wortlaut.“ „Ja“ brummte er, „doch vorläufig bekomme ich nicht genug. Ich werde schnell zu dir zurückkehren und mich zwischen deinen Schenkel erleichtern, du kleine Zicke.“ Er hielt mich einen Moment ruhig an sich gepresst. „Die letzten Frauen sind angekommen, sie warten im Schloss auf mich. Wenn es Probleme oder du Fragen hast wende dich an Luz, er wird dir helfen. Sei gewarnt er ist ein schlimmerer Frauenheld als dein Busenfreund Gab. Bis bald, Claire.“ Nun ging ich allein zum Haus, ich musste lächeln Raphael hat definitiv eine Vorliebe für Holzhäuser. Nur war dies kleiner viel kleiner. Unten ein Wohnraum mit einer kleinen Kochnische oben befand sich ein Schlafzimmer und ein Bad. Für eine oder zwei Personen reichte es allemal. Nur die überdachte Terrasse war riesig mit Blick auf das Meer. Die Palmen spendeten zusätzlich Schatten. Heute Abend wollte ich mir den Sonnenuntergang ansehen. Die Kommode war fast leer, nur ein paar Shirts und Shorts. Was sollte man auch anderes tragen auf dieser Insel. In der Küche fand ich nicht einen essbaren Krümel. Dafür aber Kaffee und Wein und einige Spirituosen. Im Wohnzimmer fand ich ein paar alte Cracker das reichte vorerst einmal. Schade das ich keinen Badeanzug dabei hatte, das Meer lachte mich verführerisch an, auch daran konnte ich nichts ändern. Zum Glück las Raphael gern so fand ich genug Auswahl und setzte mich auf die Terrasse. Was sie wohl gerade taten, war Mike schon befreit? Oder bekämpfen sie sich? Konnten die Engel verletzt oder gar getötet werden. Bisher waren sie mir so unbesiegbar vorgekommen doch waren sie das auch. Die Ungewissheit nagte an mir. „Hier steckst du also! Hätte ich mir gleich denken können, dass er dich hier unterbringt.“ „Myriel!“ rief ich erleichtert. „Rieche ich da Kaffee?“ „Setz dich, ich hole dir eine Tasse, wie schön das du gekommen bist. Ich habe so viele Fragen und weiß überhaupt nicht, wohin ich muss.“ „Kamst dir einsam und verlassen vor!“ fragte Myriel mitfühlend. „Ja!“ erleichtert rannte ich los und war flugs wieder zurück. „Warst du überhaupt schon essen? Ich habe nachgefragt, aber im Haus ist das reinste Tollhaus ausgebrochen und Luz thront darüber und macht alles noch chaotischer.“ „Aber Myriel spricht man so über seinen Patron?“ eine sonore melodische Stimme, gefolgt von einem Mann, der himmlisch war. Dieser Engel war ein Naturwunder schön, schöner, noch schöner. Ich starrte dieses Wesen mit offenem Munde an. Er war sich seines Aussehens nur zu bewusst. Sein Lächeln wirkte offen und unbekümmert und wie groß er war schon riesig. Ich rührte mich nicht vom Fleck, nur um dieses Wesen nicht zu verschrecken. „Darf ich mich vorstellen mein Name ist Luzifer.“ Nun klappte meine Kinnlade endgültig herunter, sollte ich schreiend weglaufen, der Teufel höchstpersönlich stellte sich vor. Doch nein ermahnte ich mich es muss Luz sein vor dem Raphael mich warnte außerdem sollte ich mich an ihn wenden. Meinen Namen stammelnd stellte ich mich ebenfalls vor. Wie froh war ich in Gab solch einen ausdauernden Lehrer gehabt zu haben. „Sensationell! Ich bemerke Raphael hat eine ebenbürtige Frau.“ Er lächelte mich wohlwollend an, mein Herz machte Schwierigkeiten aber was macht das schon? Hör auf zu schlagen das Paradies hat dir gerade zugelächelt. „Ich wollte dich nur willkommen heißen und dich über die Insel führen. Raphael bat mich darum, die Zeit war wohl zu kurz, um dir mehr als das Meer zu zeigen.“ Er wusste es, er wusste genau bescheid, ich fragte mich, was er mit diesen tiefgründigen Augen noch alles sah. Wieder warf er mir sein umwerfendes Lächeln zu. Hoppla da kennt noch jeder deine Gedanken. „Wir werden uns sehr gut verstehen, Claire. Ich freue mich auf eine Unterhaltung mit dir. Glaube mir, ich werde meine Messer, Zähne und Krallen schärfen, damit ich dir Paroli bieten kann. Myriel du kümmerst dich derweil um Claire?“ „Worauf du dich verlassen kannst! Ich werde sie auch vor dir warnen.“ Grinste sie ihn an. „Mein kleiner Wirbelwind du machst dir unnötig Sorgen. Claire ist mir keineswegs verfallen.“ Und küsste ihre Stirn. „Claire ich freue mich deine nähere Bekanntschaft zu machen und hoffe bald zu deinen Freunden zählen zu dürfen.“ „Was war das?“ noch immer gefangen von diesem Bild. „Das meine Liebe war Luzifer, der schönste, atemberaubenste, herrlichste Engel. Doch sieh dich vor mit seiner Stimme umschmeichelt er dich, mit seinen Augen blendet er dich, um dich ins Chaos zu stürzen. Er hat vergnügen daran zu manipulieren, alles und jeden in Verwirrung und Unordnung zurückzulassen.“ „Das wird ein sehr interessanter Aufenthalt hier.“ Meinte ich nur. „Claire das ist noch untertrieben.“ Lachte Myriel auf, „sämtliche Frauen befinden sich auf diesem Eiland. Die tonangebende Antonia wetzt bereits ihre Messer. Einige Fraktionen halten sich noch zurück, andere sind schon gegen dich eingestellt. Du sagtest es langweilig wird es uns nicht.“ „Sollen sie ihre Ränke schmieden, ich bin nicht mehr im Kindergarten. Myriel können Engel verletzt werden oder gar getötet. Ich meine sie kämpfen gegen Nephilim du hast Ben gesehen auch er hat eine gewisse Macht. Ich habe Raphael nicht gefragt als ich noch konnte da kam mir das überhaupt nicht in den Sinn. Doch nun ich meine sie sind im Grunde doch auch nur Lebewesen.“ „Sie können verletzt und getötet werden Claire. Und du hast recht die Nephilim nicht zu unterschätzen. Auch ich mache mir Sorgen, wenn ich nur an Al denke oder Sel habe ich Angst. An Kayle, wage ich gar nicht zu denken.“ Eine Weile hingen wir ein jeder seinen eigenen Gedanken nach, bis Myriel mir vorschlug, die Insel zu zeigen. „Du musst dich von allen dir bekannter Geografie verabschieden die Insel hat ihre eigene. Sie ist in fünf große Bereiche aufgeteilt, einmal das hier“ sie umfasste den Strand das Meer mit einem Blick, „das geht in einen Dschungel über, der Nächste ist die Wüste mit einer Oase, dann das Gebirge mit herrlichen Skigebiet, Schutzhütten und ach du wirst das noch selbst herausfinden. Zuletzt die Stadt, mit allen was dazugehört, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten nun eine brummende stinkende Stadt.“ Sie nahm sich einen Schluck aus der Tasse, „Tja und in der Mitte im Zentrum liegt das Domizil Luzifers mit dem Gemeinschafshaus umgeben von einem Park, ein englischer Garten mit Labyrinth, Brunnen, Gehwegen mit Rosendächern, ach du wirst es erleben.“ Lächelte sie. „Das scheint mir ziemlich groß zu sein?“ „Ist sie auch! Obwohl, die Insel verändert sich, hat keine festen Grenzen.“ Sie zuckte die Schultern, „Du kannst dich zum Beispiel auf eine Drei Tagestour machen sagen wir zur Oase, du durchquerst die Wüste, je nachdem drei Tage, vier Wochen. Oder du gehst einfach ein paar Minuten. Ganz wie es dir passt, was du willst.“ Ungläubig sah ich sie an, da ich nicht ganz verstand, was sie meinte. „Pass auf du kannst zum Gemeinschafshaus gehen und bist dann gleich da, oder du hast Zeit und brauchst ein paar Stunden. Verstehst du, es geht nach deinen Wünschen. Der einzige feste Bestandteil ist Tag und Nacht, nicht die Zeit selbst. Das funktioniert auch noch anders. Doch nun genug ich höre deinen Magen rumoren und ich habe auch Appetit gehen wir zum Haus.“ „Und wie funktioniert das? Ich meine du sagst du hast Appetit und ich habe einen Mordskohldampf kommen wir gleichzeitig an?“ „Aber ja, die Insel richtet sich dann nach dir, glaub ich. Jedenfalls gehen wir gemeinsam.“ Sie stand auf und wir ließen das Meer zurück. Um gleich darauf vor einem riesigen hässlichen Kasten zu stehen. Keine Fenster einfach nur Mauer. „Schlimm nicht wahr?“ meinte sie, „aber das ist typisch für Luz er liebt es, zu schockieren.“ Sie strebte auf einen weit ausladenden Torbogen zu, als wir hindurchgingen, breitete sich ein enorm großer Innenhof vor uns auf, dieser wirkte freundlich mit Blumen kleinen Bäumen in Kübeln und einem Wasserlauf. Das erinnerte mich an Beschreibungen von moslemischen Gärten. Das sagte ich auch Myriel, „Ja kann sein! Dort ist der Essraum, was möchtest du essen?“ „Mir egal, Hauptsache ich bekomme …“ Myriel blieb stehen, „Nein so geht das nicht! Überlege dir genau was und wie viel du essen möchtest. Denn wenn du deinen Teller nicht leerst, musst du eine Strafarbeit erledigen.“ „Wie bitte?“ „Wir sind in Luzifers Reich, er stellt die Regeln auf. Gewöhne dich daran, obwohl ich es ziemlich lustig fand, als Antonia die Toiletten putzen musste. Ich habe gehört, dass ein Bahnhofsklo dagegen sauber war und es waren Hunderte.“ Grinste Myriel schadenfroh. „Ich selbst musste drei Tage meinen Mund halten. Irgendwie habe ich noch heute den Verdacht, der Vorschlag kam von meinem geliebten Mann. Er hat sich tierisch darüber gefreut.“ Entsprechend dachte ich an ein kleines Frühstück. „Ah, wie gemein von dir Myriel! Da habe ich mich doch so gefreut auf Claire`s … Aufgabe. Du bist ein Spielverderber.“ Wie aus dem nichts stand Luz vor uns. „Nun hast du dich entschieden oder darf ich dir einen oder zwei Vorschläge unterbreiten? Wie wäre es mit einem Fruchtteller, ich kann dir sagen meine Pizza ist unübertrefflich oder …“ ich hörte einfach nicht mehr zu und konzentrierte mich auf meinen Wunsch. Froh dann endlich den Raum betreten zu können. „Du wirst mir verzeihen, ja? Aber ich musste es einfach versuchen und werde es wieder tun.“ Versprach er mir, „Du versprichst eine Menge Abwechslung in meinem täglichen Einerlei.“ Er verbeugte sich, wie ein Edelmann und verschwand. „Gut gemacht, Claire!“ „Er sollte sich was schämen, er amüsiert sich während Mike gefangen ist und die Engel um ihr Leben kämpfen. Ich bekomme das einfach nicht aus dem Kopf Myriel. Wie schaffst du das nur, ich meine was passiert da in Frankreich, sind die Menschen in Gefahr, wie geht es ihnen. Gott ich werde noch verrückt.“ Inzwischen saßen wir an einem Tisch und vor uns standen wie von Zauberhand die gefüllten Teller. „Claire du irrst dich!“ neben mir saß Luzifer bekümmert betrachtete er mich, „du hast den falschen Eindruck von mir erhalten. Sicher ich habe meinen Spaß doch trotzdem weiß ich genau, was passiert. Allen Engeln geht es gut, sie haben mit dem Angriff noch nicht begonnen. Dein Raphael ist ein guter Kämpfer und Stratege. Er wird sein Mögliches unternehmen, den Schaden so gering wie möglich zu halten und Michael heil und gesund heimzubringen. Habe Vertrauen zu deinem Engel!“ „Entschuldige aber ich mache mir nun einmal Sorgen.“ „Schon gut, ich verstehe das. Was hältst du davon, wenn ich dich auf den Laufenden halte? Natürlich nur mit Raphaels Einverständnis, das ich mir holen werde.“ Erläuterte er, da ich genau diesen Gedanken hatte. Warum wollte ich seine Billigung einholen das war ja absurd. „Das liegt an eurem Gelöbnis!“ klärte Luz mich auf, er konnte meine Gedanken hören. „Das liegt an meinen Regeln, im Grunde möchte ich nur Frieden und Ordnung um mich herumhaben. Aber bei so vielen Frauen ist das schwer zu bewerkstelligen, deshalb kann ich Gedanken, Gefühle und Stimmungen jeder einzelnen Frau erkennen. So wie ein Partner es ist oft interessant meistens jedoch schlichte ich nur, bevor es zu Ernsthafen Auseinandersetzungen kommt. Das ist schon alles und wie Myriel dir schon sagte liebe ich das Chaos aber eingeordnetes; naja mein Chaos!“ gestand er lächelnd. „Lass es dir schmecken und genieß deinen Aufenthalt, wenn du mich brauchst oder reden möchtest ich höre dich.“ Wiederum löste er sich in nichts auf. „Wow, er scheint dich zu mögen oder er ist besorgter als er zugeben will. Nun wir können nichts daran ändern und uns nur an seinem Ratschlag halten. Denn unsere Männer haben so viel ich bisher herausgefunden habe eine Nachrichtensperre angeordnet, keine Frau weiß etwas.“ „Was bilden sie sich nur ein? Wollen uns dumm halten! Warum tun sie das?“ „Das liegt an ihrer übertriebenen Fürsorge uns gegenüber. Sie wollen halt das uns kein Leid geschieht.“ „Aber so einfach ist das nicht! Auf der ganzen Erde herrscht Ungerechtigkeit und nur wir sollen unter einer Glasglocke leben auf das uns nichts geschieht? Diese Engel sollten sich mal umsehen und kapieren das ihre Frauen nicht aus Zucker sind.“ Beendete ich sauer meinen Frust, der hauptsächlich Raphael galt. Myriel durchschaute mich, „Da hast ganz schön daran zuknabbern?“ Laut aufschnaufend, „Ja, er hat mich unter Druck gesetzt, erpresst und dann noch gelinkt. Den kleinen Ritus! Ha das ich nicht lache, den Knebelritus ja so sollte er heißen. Weißt du das ich seine Erlaubnis einholen wollte! Der Gedanke sprang mich regelrecht an! Und nicht nur das ich bekam ein richtig schlechtes Gewissen. Was hat er da mit mir angestellt? Oh ich könnte ihm den Kopf abreißen durch den Fleischwolf drehen und noch so einiges.“ „Psst, Claire du bist unter Damen, die Raphael vergöttern. Kein böses Wort über ihren Liebling!“ sie drehte sich vorsichtig um, „Damit du es weißt du hast eine Verbindung mit Ihm das bedeutet du bist die meistgehasste Frau auf der Insel. Sei also vorsichtig mit deinen Äußerungen.“ „Und du? Wie sieht es bei dir aus?“ fragte ich Myriel neckend. „Du bist gut für Raphael. Darin bin ich mit Gab einer Meinung. Oje die erste Abordnung! Halt dich zurück!“ warnte sie mich noch vor. Und das war gut so! Wie ich schnell herausfand, unterhielten die Frauen Gruppen je nach Neigung und Interesse. In den nächsten Tagen wurde ich im Gemeinschafshaus beinahe belagert. Ich verschanzte mich hinter Raphael und seiner mir noch unbekannten zukünftigen Lebensweise. Das wurde allgemein so hingenommen. Zwar warf mir Myriel vor das ich die ganze Verantwortung auf Raphael schob und das die Frauen ihn beknien würden. Doch komischerweise stellte sich kein schlechtes Gewissen ein. Soweit bekam ich nach einigen Tagen die Ruhe, die ich suchte. Ab und an traf ich mich mit Myriel, ansonsten hielt ich mich nur während der Mahlzeiten im Gemeinschaftshaus auf. Luz besuchte mich einige Male wie ich gestehen muss war mein erstes Urteil über ihn falsch. Er war eine Mischung aus Gab und Mike einerseits Leichtsinnig, frohgestimmt auf der anderen tiefgründig in sich verschlossen. Nur das ich keine Nachrichten erhielt, da kannte er keinen Spaß. Er teilte mir mit Raphael habe in dieser Beziehung strikte Anweisungen hinterlassen. Für mich würde keine Ausnahme gemacht werden. Auch meine Anfrage nach St.Paul zu gehen um dort meine Arbeit wieder aufzunehmen wurde mir verboten. Sowie den Kontakt zu meinen Eltern. Daran konnte und wollte ich mich nicht halten. Fand aber keine Möglichkeit, es war als wäre diese Insel von dem Rest der Erde abgeschnitten. Mit Myriel besuchte ich einmal die Stadt. Etwas Seltsameres habe ich noch nicht erlebt. Zunächst einmal die Menschen. Sie gingen ihrem täglichen Leben nach, gaben mir antworten nur auf die Frage in welcher Stadt wir uns befanden dazu erhielt ich keine konkrete Aussage. Dann die Bezahlung, Luz überreichte mir vor dem Aufbruch eine Karte, sie sah aus wie eine gewöhnliche Scheckkarte doch darauf stand nur Raphaels Name. Es fuhren Autos, Busse, Untergrundbahnen wie in jeder Stadt, doch sie fuhren einfach durch einen Nebel man konnte nur einige hundert Meter weit sehen dann tauchte alles in dem Nebel ein. Auch mit der Sprache verhielt es sich komisch solch ein reines Englisch habe ich noch nie gehört. Ebenso erschien mir die Synchronisation zwischen Lippenbewegung und Gehörtem, niemals ganz übereinzustimmen. Desgleichen führten die Geschäfte genau das, was ich suchte. Egal in welcher Form, Farbe oder Schnitt es war einfach nur perfekt. Ferner wusste ich genau, wie Raphaels Buchbestand aussah. Doch als ich das nächste Mal nachsah, standen dort Bücher, die mir besser gefielen. Genauso wie die Dusche das Regal war für Raphaels Größe angebracht ich musste mich recken, danach nicht wieder. Die ganze Insel schien nur einen Zweck zu haben dem Besucher jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ein Tag folgte dem anderen, Langeweile kam niemals auf. Wollte ich schwimmen, zeigte sich das Meer still und einladend. Brannte die Sonne zu sehr kam eine Wolke ließ einen leichten kühlenden Regen niederfallen. Wusste ich mal, nichts mit mir anzufangen ging ich ins Haus, dort fand man jederzeit Abwechslung. Inzwischen war ich in der Wüste oder ging im Park spazieren nur fehlte mir etwas. Manchmal wachte ich des Nachts auf und hatte das Gefühl Raphaels warmen Atem im Nacken zu spüren. Seine Hände, die meinen Körper streichelten, schlussendlich gestand ich mir ein, wie sehr er mir fehlte. Und auch die neu entdeckte Leidenschaft. Sowie auch heute Nacht, was hatte man von einem Liebhaber, der dich in die höchsten Gefilde emporhebt, wenn er durch Abwesenheit glänzte. Missmutig stand ich auf und begab mich zu Myriels Haus. Eher gesagt war es eine Hazienda mit Pferden, Kühen und Kleinvieh. Oft war auch Myriel noch spät in der Nacht auf so auch diesmal, es brannte Licht. „Oh Claire wie schön! Konntest du auch nicht schlafen? So friedvoll die Insel auch ist, aber mit der Zeit fehlt einfach etwas.“ „Mir fehlt Raphael und seine Art mich in Rage zu versetzen, mich anzusehen, sein Lächeln, seine schlechte Laune einfach alles!“ Myriel lachte glockenhell auf. „War er noch nicht einmal da?“ „Nein! Du kennst ihn doch immer der Pflichtbewusste!“ nörgelte ich. „Was meinst du, damit?“ fragte ich scharf nach als mir ihre Frage klar bewusst wurde. „Ach nichts!“ wich mir Myriel aus. „Lüge mich nicht an, Myriel. Willst du mir damit sagen das Kayle schon hier war?“ „Vielleicht!“ antwortete sie ausweichend aber knallrot im Gesicht. „Also gut! Zweimal war er hier!“ „Was hat er gesagt? Ich meine geht es allen gut? Was geschieht, Mike …“ „Claire beruhige dich! Ich weiß auch nicht mehr. Kayle hat mir kein Wort gesagt. Er war nur erschöpft, völlig verausgabt und im Schlaf hat er immer wieder gemurmelt –zu viele für einen Arzt einfach Zuviel, was glaubst du also, was vor sich geht. Sie kämpfen!“ weinend schlug sie sich Hände vor die Augen, „Claire, er war abgemagert, dunkle Ringe unter den Augen am Ende seiner Kräfte. Was passiert nur? Es ist zum verzweifeln.“ Nichts anderes, als sie still in die Arme zu nehme, blieb übrig. Ich mochte gar nicht weiterdenken. Wie lange waren Myriel und Kayle schon ein Paar? Zweidreihundert Jahre? Was wenn? Was blieb diesen Frauen? Fröstelnd zog ich Myriel noch enger an mich. Es musste etwas passieren! Am nächsten Morgen machte ich mich auf. Luzifer er war meine einzige Anlaufstation und Hoffnung. Der Gedanke reifte über die Nacht, es wäre ideal. Der Ort und die Frauen konnten endlich ihre Männer tatkräftig unterstützen. Trotzdem blieben sie in Schutze der Insel. Kaum das ich den Innenhof betrat, erwartete mich Luz schon. „Du brauchst mir nichts weiter zu erklären. Ich habe mir schon die richtige Unterstützung geholt. Er müsste gleich hier sein.“ Luzifer führte mich zu einem Trakt, den man nur nach Aufforderung betreten durfte. Dies waren seine privaten Räume. Eigentlich habe ich angenommen sie seien prächtig ausgestattet, doch ich irrte mich zweckmäßig war der richtige Ausdruck. Eine Frauenhand hätte gewiss einiges zu tun, um diesen Raum gemütlich zu gestalten. „Ein Grund mich niemals zu binden! So du hast dir also Gedanken gemacht? Nach meiner Ansicht die richtigen. Der Platz ist da, die Engel sind bei ihren Frauen und können sich je nach schwere der Verletzung auch zu Haus genesen. Kayle, Sealtiel und Jehudiel können euch einweisen. Außerdem lebt auch eine Kräuterfrau unter euch, sie ist bestimmt eine große Hilfe. Auch sie ist eingeladen.“ „Danke Luzifer ich befürchtete schon …“ „Kleines, wie gut dich zu sehen.“ „Gab!“ flüsternd trat ich auf den verschmutzten, stinkenden herrlichen Engel zu. Ständig seinen Namen wiederholend. Dann klopfte und überprüfte ich ihn auf eventuelle Verletzungen, bevor ich diesen Riesen zu mir herab zog, „Willst du dich wohl von mir umarmen lassen. Gab du bist heil. Gab wie habe ich dich vermisst.“ Fest in meinen Armen murmelte ich tausend dinge die mir durch den Kopf gingen. Nur glücklich das er ganz war. „Du hast mir auch gefehlt, Kleines. Doch nun lass uns zur Sache kommen. Was hat dein kleines Köpfchen wieder ausgeheckt?“ schnell schilderte ich ihm, die Idee auf der Insel ein Hospital für die verletzten Engel einzurichten. „Woher weißt du überhaupt das es Verletzte gibt, Claire!“ oh ich musste aufpassen, er nannte mich mit Vornamen. „Gabriel ihr geht gegen die Nephilim vor …“ Gab sah Luz an. „Schon klar und da hast du eins und eins zusammengezählt. Gut ich werde die Idee vortragen für die Pfleger wird es eine ungeheure Erleichterung bedeuten. Luz wird dir das Ergebnis mitteilen. Kleines es tat gut, dich zu sehen. Luz!“ Gab löste sich aus meinen Klammergriff. Drückte mir noch kurz den obligatorischen Kuss auf die Stirn und ging. „Sieht es so schlimm aus? Gabriel er sah …“ meine Stimme brach. „Aber Claire! Du kannst doch nicht anfangen zu weinen!“ entsetzt die Hände hebend trat Luz auf mich zu. „Nicht Kindchen schon gut, schon gut! Alles wird wieder gut!“ umständlich klopfte er mir auf die Schulter. „Entschuldigung! Luz ich sollte mich bei dir melden, wenn es um den Bottich geht, sage ich dir gleich eines. Den hast du ausrangiert und ich habe nur Kräuter eingepflanzt. Falls du deshalb …“ „Ach halt den Mund! Siehst du nicht! Da weint ein Mädchen, mach das sie aufhört! Das gibt’s doch nicht, Claire schon gut. Alexa tu was!“ er rannte zwischen der Frau und mir hin und her. „Tut mir leid!“ schniefte ich, „es geht schon wieder!“ „Was hast du angestellt du verruchter Teufel! Eines sage ich dir diesmal kommst du nicht so glimpflich davon. Wessen Partnerin bist du?“ „Ra- Raph-ael“ schluchzend nach Luft holend. „Na da hast du dir aber ein Ei gelegt! Ha das geschieht dir recht! Raphaels Frau; er wird dich in Stücke reißen.“ „Hör doch mal auf, Alexa! Ich habe nichts damit zu tun. Wann habe ich jemals eine Frau zum weinen gebracht. Niemals sage ich dir. Das war Gabriel!“ wies er alle schuld von sich. „Claire, nun sag doch was!“ Meinen Ausbruch unter Kontrolle haltend bestätigte ich Luzifers Aussage. „Es tut mir leid, das wollte ich auch nicht. Nur sah Gab so fertig aus, er war so trostlos so niedergeschlagen. Das kann ich nicht ertragen ihn so zu sehen und ich kann nichts für ihn tun, wo er doch immer für mich da war.“ und fing wieder an. Alexa nahm mich mütterlich in die Arme, „Ja das ist der Krieg, das nimmt sogar die hartgesottenen mit.“ „Und ich sitze hier herum! Warum lassen sie mich nicht mitkämpfen?“ fluchte Luzifer so laut das die Mauern anfingen, zu beben. „Das weißt du doch! Also hör auf zu lamentieren und bring uns einen Schnaps! Der beruhigt die Nerven.“ „Nein nicht nötig, ich komm schon klar. Das ist überhaupt nicht meine Art einfach so loszuheulen. Entschuldige Luzifer, Alexa ich denke ich gehe jetzt erst einmal nach Haus. Das ist mir so peinlich.“ Verstohlen wollte ich mich davonmachen, doch Luz hielt mich auf. „Sobald ich etwas Genaueres weiß benachrichtige ich dich.“ Wie konnte ich mich nur so benehmen? Schnell verzog ich mich nach Haus. Gott sei dank sprach mich niemand an. Endlich zu Haus wusch ich mir gründlich das Gesicht. Das war einfach nur peinlich. Gab erschien nicht in seiner strahlender Laune und Claire heulte sich die Seele aus dem Leib. Gab sein Firmament, es war erloschen, tiefe Traurigkeit war darin nur reine Trauer. Was war nur los? Über meine Grübeleien musste ich eingeschlafen sein, denn jemand tippte mir auf die Schulter. „Geht es dir gut?“ vor mir kniete Raphael, auch er sah erbärmlich aus. Ohne ein Wort klammerte ich mich an seinen Hals fest. Ruhig zog mich er mich auf seinen Schoß, die Tränen liefen mir unaufhaltsam. Sie liefen einfach. Wie lange Raphael mich hielt, weiß ich nicht doch ich spürte, wie unruhig er wurde, „Du willst wieder los?“ jammerte ich in seinen durchnässten Pullover. „Ich muss! Claire du hast Gabriels Verzweiflung seine Trauer in dich aufgenommen. Es wurde ihm erst bewusst, als er einige Stunden geschlafen hat. Du kannst es nur herauslassen das wird einige Zeit dauern, denn er nimmt all diese Gefühle in sich auf, ich meine von allen Engeln. Das ist seine Gabe die Verzweiflung und Trauer aufzunehmen. Nun hast du ihm diese Last abgenommen, schäme dich also nicht. Jede einzelne Träne ist die Träne eines Engels.“ Ich konnte nur nicken. „Du hast sehr viel für Gabriel getan für uns alle! Deshalb habe ich auch deiner Idee mit dem Hospital zugestimmt. Die ersten Patienten sind schon da, es ist alles geregelt. Weine dich aus! Kayle wird später nach dir sehen, zuerst muss er noch die Freiwilligen unterweisen.“ Wiederum nickte ich nur. „Claire du musst mich schon loslassen!“ ich nickte wieder nur. „Raphael ich nehme sie dir ab! Keine Sorge ich kümmere mich um sie!“ nur widerwillig übergab Raphael, mich an Sel. „Raphael!“ rief ich. „Ich bin noch da.“ „Sei vorsichtig! Seid alle vorsichtig!“ „Aber ja!“ er sah noch mal in mein verheultes Gesicht. Kann ein Mensch so viel weinen? Mir kam es vor als hätte ich monatelang nichts anders mehr getan. Heulen, in Weinkrämpfen verfallen, um dann erschöpft einzuschlafen. Wieder und wieder. Myriel meinte es sei nur eine Woche so gegangen doch ich empfand das nicht so. Eine tiefe Traurigkeit hielt mich noch immer gefangen. Ich hatte zu nichts Lust, keinen Appetit und blickte am liebsten allein auf das Meer. Noch nicht einmal im Hospital war ich, mir fehlte einfach die Kraft. So dämmerte ich tagein tagaus vor mich hin. Jeder Besuch war mir zuwider. Konnte man mich nicht einfach in Ruhe lassen. Doch sie kamen und brachten mir kleine Leckereien, wie sie es nannten. Versuchten mich aufzuheitern ließen mich aber nicht in Ruhe. Bis Myriel aus der Haut fuhr, „So kann das nicht weitergehen! Kayle du musst etwas unternehmen!“ „Aber was? Ich kann Claire Medikamente geben, doch die erbricht sie sofort wieder. Spritzen verweigert sie. Ehrlich ich weiß nicht mehr weiter.“ „Dann jag ihr einfach die verdammte Spritze rein! Ich halte sie fest!“ „Bist du verrückt! Willst du dich mit Raphael anlegen? Er wird sofort spüren, wenn ihr wehgetan wird und dann? Stellst du dich ihm in den Weg und erklärst ihm es sei nur zu Claires Besten? Bitte! Dann los!“ „Na ja er wird ja wohl erst nachfragen, oder?“ meinte sie unsicher. „Genau das ist die Frage, mein Schatz! Ich zweifle daran!“ „Hallo! Ich bin auch noch da! Wenn ihr schon über mich redet, dann bitte außer meiner Hörweite.“ Beklagte ich mich. „Na so was! Du kannst doch noch reden!“ fuhr mich Myriel an. „Und gut hören!“ blaffte ich sie nun an. „Gut zu wissen! Denn das, was du hier treibst ist schon grenzwertig. Was bist du ein verwöhntes kleines Frauenzimmer? Die sich gleich bei dem ersten Nieser hinlegt, oder bist du ein Kämpfer? Wenn Raphael dich so sehen würde, würde er gleich Fersengeld geben. Ungepflegt und abgemagert, wie du bist. Aber unsere Claire muss ja weiter bedauern und will bedauert werden.“ „Quatsch, ich brauche einfach nur Ruhe und keine gut gemeinten Ratschläge!“ „So! Dann hat Antonia wohl recht!“ „Antonia! Was weiß die denn schon?“ „Eine Menge, seitdem sie das Hospital an sich gerissen hat. Sie sagt sie stehe täglich mit Raphael in Kontakt. Er sei ihr ja so dankbar, weil sie statt deiner das Hospital leitet. Und lobe sie ständig, weil sie so gute Arbeit verrichtet. Und Raphael hat gesagt …“ „Das reicht! Ich hab`s begriffen. Dieses Biest verdient eine tüchtige Abreibung.“ „Sag ich doch!“ grinste sie mich kämpferisch an. „Ich glaube das ist meine Aufgabe, schließlich ist Raphael mein Partner. Mich hat er täglich zu fragen.“ „Genau, nur wenn du hier Trübsal bläst, kann er das nicht!“ „Gib mir eine halbe Stunde!“ „Besser eine, da du vorher essen wirst!“ verlangte Myriel. „Kayle deine Frau ist ein unmögliches Weib!“ „Ich weiß!“ grinste er, „doch ich will keine andere!“ Nach einer Dreiviertelstunde war ich endlich soweit. Das heißt, Myriel befand mein Äußeres als akzeptabel. Auf den Weg dorthin informierten mich die Beiden. Wie es aussah, herrschte Antonia geradezu über das Spital. Sie teilte die Frauen ein, wer nicht nach ihrer Nase tanzte, wurde kurzerhand gebeten, die Räumlichkeiten zu verlassen. Da sie sich immer wieder auf Raphael berief, konnte oder wollte ihr keiner widersprechen. Alexa, die als Einzige die Erfahrung in Behandlung von Verletzten und Kranken hatte, wurde schon kurz nach Eröffnung verwiesen. Eine Sache die Kayle zutiefst bedauerte. „warum setzt du dich nicht durch Kayle? Schließlich bist du der Arzt.“ „Dann hätte ich Raphael aufsuchen müssen und der hat genug Probleme. Er wollte, dass du das bewerkstelligst, damit waren alle einverstanden. Nur warst du am Anfang nicht in der Lage dazu …“ „… und dann habe ich mich hängen lassen. Verstehe ich nehme an nur Antonias engster Kreis arbeitet dort?“ „Aber nein, für die Schmutzarbeit halten sie sich noch einige Frauen.“ Erklärte mir Myriel ergrimmt. „Was ist mit Luzifer?“ „Er tut, was er kann, um die Wogen zu schlichten, aber auch er scheut sich Raphael zu bitten ein Machtwort zu sprechen.“ Also lag es nun an mir. Wie sollte ich dieser überheblichen eingebildeten Frau gegenübertreten. Auf ihr Niveau hinterbegeben keinesfalls. Doch musste ich ihr begreiflich machen; ihre Zeit war nun vorbei. Viel schneller als mir lieb war erreichten wir das Haus. Kayle führte mich direkt in den Verwaltungstrakt. Doch ich wollte mir erst einen Überblick über das Spital verschaffen. Auch wollte ich sehen wer und wie viel Engel hier untergebracht waren. Von den Engeln kannte ich einige auch Azael war darunter. Wir unterhielten uns eine Weile, dann bat ich Kayle mich zu Antonia zu begleiten. Unterwegs erklärte mir Kayle, dass einige Engel in Einzelzimmern untergebracht seien oder privat behandelt wurden. Sofern dies ihr Gesundheitszustand zuließ. Ich wunderte mich, wo der Verwaltungstrakt lag, hier war es kühler und viel geräumiger. Antonia gefror das Lächeln, als sie mich erblickte. „Claire wie nett einmal vorbeizuschauen. Was kann ich für dich tun?“ „Antonia! Du hast schon so viel für mich getan, ich möchte deine Zeit nicht länger als nötig in Anspruch nehmen. Wie ich sehe, hast du während meiner Unpässlichkeit ganze Arbeit geleistet.“ „Das war ja selbstverständlich. Wer auch sollte solch eine vertrauensvolle Aufgabe übernehmen. Da ich dank meiner Herkunft, genau weiß, wie man solch ein Amt bewältigt.“ „Ich wusste gar nicht das deine Eltern ein Spital leiteten!“ Entsetzt sah sie mich an ich behielt meine Freundlichen Miene bei. „Meine Eltern sind von adligen Blut, sowie ich.“ „Oh und das befähigt ein Spital, zu leiten?“ „Claire natürlich, man muss doch die Domestiken beaufsichtigen und einteilen. Meine Güte dir ist dies sicher völlig fremd. Doch ich habe dies nun einmal im Blute und werde meine Aufgabe weiterhin pflichtgetreu erfüllen.“ Sie grinste mir so frech ins Gesicht am liebsten hätte ich ihr eine kräftige Ohrfeige verpasst. „Das freut mich zu hören, da ich vorhabe, einige Änderungen vorzunehmen. Du wolltest doch sicher Raphael deinen Rapport mitteilen?“ sie nickte bedächtig, „Gut! Dann warte ich und teile meinem Mann gleich mit, wie wohl ich mich fühle.“ „Äh es kann sein, das jemand anderes sich meldet.“ „Aber sicher, schließlich ist mein Mann sehr beschäftigt. Wer vertritt Raphael denn?“ „Das kommt ganz darauf an. Gabriel, Uriel oder auch Colin.“ „Wie schön! Gab wird sich freuen. Und Uriel und Colin habe ich seit meiner Verbindung mit Raphael nicht mehr gesehen. Doch solange wir warten, kannst du mich schon einmal über deine Arbeiten informieren. Schließlich hast du mich lange genug vertreten und ich kann keineswegs erwarten, dass du länger als nötig meine Aufgaben erledigst.“ Auffordernd sah ich sie an. Entweder, überließ sie mir den Stuhl auf dem sie thronte oder sie musste mit ihrer Heuchelei aufhören. „Nun Claire ich glaube kaum das du dem gewachsen bist!“ nun fing der Kampf also an. Der Ton wurde schon giftiger. „So und wie kommst du darauf?“ „Allein schon unsere verschiedene Herkunft. Ich bin aus adliger Familie und du von Arbeitern. Also das spricht doch für sich selbst.“ „Nur weiter ich möchte deine Argumente im Ganzen hören.“ Geziert sprach sie weiter, „Natürlich möchte ich dir nicht zu nahe treten, aber Raphael und ich haben eine besondere Beziehung. Es ist nur natürlich schließlich bin ich schon lange verbunden und Raphael hat mich oft besucht. Auch um Rat gebeten. Dieses Vertrauensvotum ist unerlässlich bei dieser immensen Aufgabe. Ich kenne die Frauen und wo ich sie am Besten einsetzen kann. Du verstehst sicher im Grunde bin ich die richtige Führungskraft für diese Funktion.“ Kayle schnaufte des Öfteren empört auf, doch hielt er sich zurück. Er wusste genau das ich mich durchsetzen musste. Denn so human und freizügig die Engel auch waren, es herrschte eine strenge Hierarchie. Was für mich bedeutete die Damen mussten mich als erste Frau akzeptierten, auch wenn ich persönlich nichts davon hielt, war ich es Raphael schuldig. So erklärte es mir Myriel, die fest davon überzeugt war. Ebenso deutete Luzifer dieses Thema immer wieder an. Nun musste ich mich durchsetzen „Antonia du hast mir deine Meinung ausführlich erklärt! Doch frage ich mich, wieso mein Mann mich mit dieser Aufgabe betreut hat? Da er als Begleiter, uns Frauen am besten kennt, werde ich mich seinem Urteil beugen. Solltest du, an Raphaels Anweisung zweifel haben, kannst du dich zu gegebener Zeit bei ihm beschweren. Solange wir noch warten, kannst du mir inzwischen eine Übersicht des Spitals geben.“ Auffordernd ging ich zu ihr hinter dem Schreibtisch. Was, sie mir sagen wollte, blieb ungesagt, denn ich diesem Augenblick klingelte ein Telefon. Schnell zog Antonia die oberste Schublade auf und nahm den Hörer ab. Das Telefon schien aus uralten Beständen zu kommen mit Wählscheibe schwarz, groß mit riesigem Hörer. Antonia meldete sich, hörte einen Moment zu und begann ihre; in meinen Augen unwichtigen Auskünfte mitzuteilen. Sie raspelte so schnell das sie sich beinahe überschlug. „Antonia du wirst es nicht wagen, mich zu übergehen.“ Weil ich das unbestimmte Gefühl nicht loswurde, dass sie genau das beabsichtigte. „Wie? Ja!“ sprach sie zögernd, „Hast du denn noch die Zeit mit ihr zu reden?“ mit zusammengepressten Lippen überreichte sie mir das Ungetüm von Hörer. „Hallo Kleines! Bist du wieder auf dem Damm?“ „Gab! Schön deine Stimme zu hören. Wie geht es dir? Euch allen?“ „Gut, du bist mir nicht böse? Ich habe das keineswegs gewollt! Wie …“ „Gabriel das weiß ich doch! Erzähle mir lieber wie …“ „Darauf gebe ich dir keine Antworten du kleiner Naseweis. Du übernimmst also nun deinen Posten?“ „Ja werde ich, wenn ihr keine Einwände habt.“ „Bewahre nein! Raphael wird sich … ah da kommt er schon. Bis dann Kleines, ich lieb dich!“ „Gab, ich dich auch!“ „Ich weiß! Au dein Gemahl erschlägt mich! Bring dem Kerl mal Manieren bei!“ „Claire?“ „Hallo Raphael!“ es war schon seltsam seine Stimme nach so langer Zeit zu hören. Besonders nach dem intimen Zwischenspiel, verlegen suchte ich nach Worten. Raphael räusperte sich, „Du wirst also nun alles in die Hände nehmen?“ „Ja“ hauchte ich, vor mir entstand plötzlich ein Bild, wie wir im Sand lagen. Eine Sehnsucht ergriff mich ein unbändiges Verlangen. „Claire könntest du bitte diese Gedanken verbannen. Es ist nicht gerade einfach für mich“ wieder räusperte er sich, „es sind einige Engel anwesend, du verstehst?“ Ich verstand nur zu gut! Heiße Röte schoss mir in die Wangen. „Also was ich sagen wollte, ich freue mich das es dir besser geht. Lass dich nicht zu sehr ärgern, ich weiß du schafft`s das. Nun ich muss wieder los. Also bis dann, Claire. Und das mit dem Strand werde ich ganz bestimmt nicht vergessen.“ „Oh, Raphael! Warte! Antonia will dich noch sprechen.“ „Antonia? Sag ihr das ich keine Zeit habe mir ihre Litanei anzuhören, wortwörtlich. Wir sehen uns!“ „Hoffentlich bald! Grüß alle und seid vorsichtig ihr alle!“ Die Verbindung war unterbrochen. In mir jubilierte alles! Es ging ihm gut! Zumindest so gut es die Zustände erlaubten. Auch Gab hörte sich relativ normal an. Selig noch immer den Hörer haltend hatte ich alles um mich herumvergessen. „Du hast mich nicht mit Raphael reden lassen!“ krass wurde ich in die Wirklichkeit zurückgeholt. „Wie? Ach so! Raphael sagte er habe keine Zeit deine Litanei anzuhören.“ „Wie bitte?“ Erbost stand sie auf und riss mir den Hörer aus der Hand, „Das glaube ich dir nicht! Du bist eine Lügnerin und wolltest nur das ich nicht mit Raphael spreche.“ Mich brachte im Moment nichts aus der Ruhe, „Glaube, was du willst! Es ist mir einerlei, wenn du nun bitte deinen privaten Kram entsorgen würdest! Diese Räume eigen sich hervorragend als Krankenzimmer. Kayle triffst du die nötigen Vorkehrungen. Wenn ich eines gelernt habe, die Engel lieben ihre Privatsphäre. Wir könnten doch Paravents zwischen die Betten stellen und diese geräumiger aufstellen.“ „Du bist genial, Claire! Doch wo willst du deinen Kram erledigen?“ „Für das, was Antonia durchgegeben hat? Ein Klemmbrett! Oder ich frage Luzifer vielleicht hat er eine Ecke, die ich benutzen kann.“ „Luzifer hat mir schon ausdrücklich klargemacht, keinen Quadratmeter mehr erübrigen zu können.“ meinte Antonia sie stand noch immer hinter dem Schreibtisch. „Außerdem werde ich die Räume noch brauchen schließlich wurden sie mir zugewiesen.“ „Dir? Oder für die verletzten Engel?“ fragte ich erstaunt nach. „Luzifer ist sich durchaus im Klaren, wie viel Verantwortung die Leitung eines Hospitals mit sich bringt. Entsprechend weiß er …“ „Gut!“ unterbrach ich sie rüde, „Ich werde mit Luzifer reden und du Antonia kommst mit, sofort!“ sie stand noch immer hinter dem Schreibtisch, „na los!“ und marschierte schnurstracks zu Luzifer´s Gemächer. Unterwegs rief ich ihn ständig. Hoffentlich hörte er mich. Da ich, wie jeder andere, vor seiner Tür warten musste, bis er erschien. „Claire das hat um diese Uhrzeit keinen Zweck, er will nicht gestört werden. Sicher bekommen wir eine Strafarbeit.“ „Das ist mir ziemlich egal! Die Engel sind in diesem heißen stickigen Zimmer eingeschlossen und du beanspruchst den größten und kühlsten Raum! Diese Männer haben es verdient, das Beste zu bekommen. Weißt du eigentlich, was sie durchmachen? Sie kämpfen! Werden verletzt und du feilschst wie eine alte Vettel.“ Schnell drehte ich mich zu ihr um, die Hände zu Fäusten geballt. „Ach du bist es nicht wert!“ nahm ich mich zusammen und rief laut. „Luzifer ich weiß, dass du mich hörst, komm verdammt noch mal raus!“ Einige Frauen streckten neugierig ihre Nasen aus den Fenstern und Türen. Sowie aus dem Esssaal, sie tuschelten aufgeregt und ließen sich rings auf die Bänke nieder. Hoheitsvoll erschien Luzifer, mit einem Blick nahm er den gesamten Hof in Augenschein. Verzückt grinsend verbeugte es sich vor die Damen auf den Bänken, „Wie ich sehe, seid ihr schon alle gesättigt! Meine Damen wir sprechen uns später, wenn ich mit diesen hier fertig bin. Wenn ihr eintreten wollt?“ Sofort ging ich festen Schrittes an Luz vorbei, während Antonia dem Engel versicherte sie sei nur auf meinem Befehl hin mit gekommen. Außerdem verstehe sie meine Aufregung überhaupt nicht. Denn er Luzifer habe ihr doch die Räume überlassen. Wieder spürte ich die Wut in mir hochkrabbeln, beherrschte mich jedoch. „Worum geht es eigentlich? Antonia erkläre mir doch einmal in ruhigen Worten!“ wohlwollend betrachtete er sie. Oh, konnte er nicht einmal sein Gebaren hinten anstellen. Nein er genoss die Situation in vollen Zügen, dabei war ich mir sicher er wusste bestens Bescheid. Geduldig hörte ich Antonia zu, ihre endlose Aufzählung der Geschehnisse bis ins kleinste Detail. Sie konnte sich durchaus gut verkaufen, denn nach ihrer Ansicht war ich schuld an diesem ganzen Aufruhr. Sie armes edles kleines Ding war die Unschuld in Person. Wieder einmal fragte ich mich, wie Sel der so liebenswert war, mit diesem Weib auskam. Endlich war Antonia mit ihren Ausführungen fertig. Luzifer sah mich kurz streng an, dann wieder Antonia. „Meine liebe Antonia. Die Räume, die ich zur Verfügung stellte, sind einzig und allein für das Spital. Wie ihr diese einsetzt, ist mir gleich.“ Triumphierend sah Antonia mich an, „Da ich vernahm, das Claire ihre Aufgabe endlich übernimmt obliegt es ihr die Räume einzuteilen. Warum also wurde ich nun gestört?“ „Darum geht es doch! Ich habe die Leitung!“ „So? Das ist mir neu! Soweit ich weiß, hat Raphael anders entschieden! Sollte ich mich irren?“ „Aber Raphael weiß doch gar nicht …“ „Raphael weiß alles! Auch das seine Frau mich bewusst in meiner Ruhezeit gestört hat, worüber ich sehr glücklich bin. Die Strafe, die sie erwartet, wird alle Dimensionen sprengen. Ah ich schweife ab! Warum also wurde ich gestört? Du zweifelst an Raphael?“ „Ich! Nein niemals!“ „Gut! Nun deine Strafe du wirst dich in die Hütte unten am Fluss begeben. Dort verbringst du drei Tage. Du wirst in dieser Zeit keinen Besuch empfangen. Du darfst dir Kleidung mitnehmen, die ich vorher kontrolliere. Jeglicher Luxus ist verboten. Du darfst gehen.“ Ohne ein weiteres Wort verließ sie den Raum, doch zuvor warf sie mir einen gehässigen schadenfrohen Blick zu. Nun war ich an der Reihe, ehrlich mir wurde es ganz schön mulmig unter diesen forschenden Augen. „Was glaubst du hat Raphael zu deiner Bestrafung gesagt?“ „Ich denke er akzeptiert sie ohne Einwände.“ Davon war ich überzeugt, denn Raphael liebte Regeln und man musste danach leben ansonsten herrschte Chaos. „Ja, du weißt, wie er darüber denkt. Doch du brichst sie.“ „Bewusst! Ich weiß! Und du weißt, dass ich meine Strafe hinnehme. Warum also dieses Spielchen?“ „Würdest du mich nochmals stören?“ „Gewiss!“ „Du wirst auf die Leitung des Spitals verzichten! Doch du wirst die Anordnungen der neuen Leitung befolgen, ich werde dafür plädieren, dich für die niedrigsten Aufgaben einzuteilen.“ „Wer wird es leiten?“ ich hoffte eine Person, die dafür geeignet war. „Alexa!“ erleichtert grinste ich ihn an, „Danke!“ „Jetzt bin ich erstaunt! Setz dich! Ging es dir wirklich nur darum die Engel besser unterzubringen?“ „In der Hauptsache ja. Aber ehrlich gesagt wollte ich Antonia auch in ihre Schranken verweisen. Ich bin es leid mir ständig anzuhören, wie gut ihr Verhältnis zu Raphael sei. Es wurmt mich!“ Luzifer lachte herzhaft auf. „Gabriel kennt dich besser! Oder sollen wir sagen, Raphael weigert sich, dich besser kennenzulernen.“ „Dir entgeht aber auch nichts! Wie du genau weißt, brauchtest du kein oder.“ „Melde dich bei Alexa, sie wird inzwischen eingetroffen sein.“ Schnell stand ich auf, in seiner Nähe musste man höllisch aufpassen. Wie konnte ich nur so freizügig über Raphael reden. „Das ist eines meiner Talente, Claire!“ Fast war ich schon im Hof, als er mich noch mal zurückrief. „Claire ich gebe dir die Erlaubnis, jederzeit in meine Räume einzutreten und mich zu stören.“ Fassungslos starrte ich ihn an, „Nun schau nicht wie ein Fisch! Ich habe einfach keine Lust dich ständig zu bestrafen. Denn laut Gabriel überschreitest du nur zu gern Regeln. Er sagte es sei eine Art Hobby.“ Dies ließ ich kommentarlos so gelten. Alexa war Gott sei Dank die richtige Person am richtigen Platz. Innerhalb eines Tages krempelte sie alles um. Stellte sich Luz entgegen, der ihr nach hartem Kampf weitere Zimmer für Schwerverletzte zugestand. Außerdem erhielt Kayle einen OP - Saal. Den ganzen Tag schleppte und wienerte ich. Kurz vor Mitternacht leerte ich die letzten Bettpfannen. Erschöpft kroch ich nach Haus und plumpste völlig fertig in mein Bett. Die nächsten Tage verbrachte ich mehr kniend als in aufrechter Position. Irgendwie wurde meine Strafe bekannt und die Frauen überließen mir im wahrsten Sinne die schlimmsten Arbeiten. Doch sollten sie hoffen ich würde mich beschweren irrten sie sich gründlich. Stur verrichtete ich all die Arbeiten. Inzwischen kannte ich die meisten Engel mit Namen, doch waren sie teilweise so schwer auszusprechen das ich einfach Abkürzungen wählte. Scherzend kroch ich über die Böden oder leerte Bettpfannen. Sie erzählten mir ihre Verletzungen und ich meine. Da ich keine Fingernägel mehr besaß, mehr Beulen am Kopf und blaue Flecken, als sie aufweisen konnte. Eines Abends es war ruhig, denn die meisten Frauen waren schon zu Haus. Die Engel schliefen trocknete ich noch Geschirr ab. Unverkennbar hörte ich eine Stimme zuerst dachte ich Raphael sei es. Doch seitdem er mich herbrachte, hat er keinen Kontakt zu mir aufgenommen. Du spinnst Claire, dachte ich noch, als ich wieder die Stimme vernahm. Es war eher ein Fluchen, weil jemand nicht an sein Trinkglas kam, das außer seiner Reichweite stand. Leise schlich ich mich durch die Räume, bis ich Bela fand, der versuchte an sein Glas, zu kommen. Schnell half ich ihm, „Danke du kommst gerade im richtigen Augenblick.“ Bedankte er sich, nachdem es seinen Durst gelöscht hatte. Beklommen dachte ich darüber nach, wie konnte ich einen Engel hören. Dazu war eine Verbindung nötig. War ich eine mit ihm eingegangen? Nein, zwar unterhielten wir uns doch eine Verbindung herrschte nicht. Vielleicht lag es einfach nur daran, dass er sich so darauf konzentrierte. In diesem Haus war alles möglich. Doch es war kein einmaliges Vorkommnis. Immer öfter hörte, sah oder fühlte ich Gedanken der Engel. Manchmal dachte ich jemand stehe neben mir und sprach mit mir. Aber das kam nie vor, höchstens Claire mach mal, tu dies erledige das. Nein ich empfing, was die Verletzten dachten. Wurde ich verrückt warum passierte das gerade mir? Wenn ich doch nur jemanden zum Reden gehabt hätte. Kayle war weit weg und Myriel wurde von Alexa ständig irgendwo hingeschickt. Tagelang war sie verschwunden. Ansonsten blieb nur Luzifer übrig aber ihm ging ich aus dem Weg. Kein Aufsehen erregen hieß die Divise. Denn nachdem Antonia, von ihrer unfreiwilligen Einsamkeit zurückkehrte, wurde ich noch miserabler behandelt als vorher. Gut dachte ich, wenn die Frauen so gegen mich eingenommen sind, dann lass sie auch. Da ich mittlerweile, die Eigenheiten der Insel verstand, wünschte ich mir Bücher über Engel, Verbindungen und ihren Frauen. Die halfen mir aber auch nicht weiter, denn nirgendwo war etwas wie ich es erlebte niedergeschrieben. Also half ich den Engeln diskret mit ihren Problemen. Außerdem erfuhr ich wie die Engel verletzt wurden. Wie ich es verstand, wirkten die Nephilim aus dem Hinterhalt. Während die Engel versuchten, die Menschen zu schützen und gleichzeitig die Nephilim auszuschalten. Im Stillen bat ich Raphael um Verzeihung. Immer öfter verlangten die Engel meine Hilfe, manche hatten ganz einfach Mitleid mit mir. Andere mochten mich, oder wollten die allgemeinen Erniedrigungen die ich erduldete mildern. Alexa wurde auf mich aufmerksam, denn eines Morgens sollte ich in ihr Büro erscheinen. Erst fragte ich mich, wer sich über mich beklagt hatte. Deshalb war ich erstaunt, als sie mir mitteilte, dass ich ab sofort von ihr lernen sollte. „Ich habe dich beobachtet du hast eine natürliche Art die Kranken aufzuheitern und sie zu beruhigen. Das kann man nicht erlernen und ich verschwende keine Ressourcen. Ab sofort wirst du mit mir zusammenarbeiten.“ So wurde ich der Schatten von Alexa, sie brachte mir bei, was man bei der Versorgung der Verletzten beachten musste. Erstaunt erfuhr ich, dass die Engel erstaunliche Heilkräfte ihr eigen nannten. Ein Bruch war innerhalb von Stunden wieder geheilt. Leichte Schnitte Abschürfungen brauchten dagegen nur Minuten. Weshalb fragte ich sie dann, blieben sie so lange im Hospiz. „Die Nephilim tränken ihre Waffen und Munition mit Säure, Giften oder sonstigen Erregern. Das Zeug verhindert die Heilung es muss vom Körper abgebaut werden.“ Meinte sie grimmig. Mein Umfeld nahm meine neue Stellung mit gemischten Gefühlen entgegen. Zu einem die Engel die sich für mich freuten dann die Frauen diese untereilten sich tatsächlich. Die meisten verzogen ihre Miene verächtlich, einige grinsten mir aufmunternd zu. Doch noch immer spuckte Antonias üble Nachrede durch die Ecken. Wie ich bei einem Gespräch, zwischen zwei Frauen hörte, verleumdete sie mich aufs Schlimmste. Nun es lag nicht an mir, diese Schwätzereien aufzuhalten. Entweder machten sie sich die Mühe mich kennenzulernen oder nicht. So wie Alexa, sie prüfte mich auf Herz und Nieren. Manchmal spürte ich direkt ihre bohrenden Blicke in meinen Rücken. Doch anscheinend revidierte sie ihr Urteil über mich. „Was hast du Antonia angetan?“ fragte sie mich direkt, nach einigen Tagen unserer Zusammenarbeit. Schulterzuckend meinte ich „als Erstes bin ich Raphaels Partnerin, zum Zweiten liegt wohl eine gegenseitige Abneigung vor.“ Alexa sagte nichts dazu achtete nun aber darauf das die Damen nicht nur mir die unschönen Arbeiten hinterließen. Nun da ich mit der Kräuterfrau arbeitete, schickte sie mich oft nach getaner Arbeit nach Haus. Doch da dort niemand auf mich wartete, blieb ich bei einem Engel. Seine Augen waren verätzt. Den ganzen Tag hörte er dem Treiben zu. Gelangweilt brummte er vor sich. Klar, wenn ich den ganzen Tag, wieder und wieder nur daliegen durfte, würde ich auch durchdrehen. So setzte ich mich eines Abends zu ihm ans Bett und fing ohne Weiteres an ihm vorzulesen. Erst verschloss er grimmig seinen Mund, ich spürte seinen Unwillen genau er wollte kein Mitleid. Daran störte ich mich nicht ich las einige Kapitel vor und ging dann ohne ihn anzureden. Das machte ich mehrere Abende hintereinander, ich freute mich das er gespannt wartete bis ich kam. Diese Gabe die Engel zu hören, machte es mir viel leichter mit ihnen umzugehen. Meine Vorlesestunde wurde immer größer nach und nach setzten sich immer mehr Engel dazu. Was gut für den noch erblindeten war, denn anschließend blieben die anderen noch sitzen und unterhielten sich. Mein Aufgabenbereich vergrößerte sich, als Kayle mit einem Verletzten kam, schickte mich Alexa in den OP, dort ging in dann Kayle zur Hand. Ich bewunderte den Arzt, wie er geschickt und sicher die Verwundungen behandelte. „Hast du Myriel gesehen?“ fragte er mich, als ich verneinte, sah er mich verwundert an, „Sie ist viel für Alexa unterwegs!“ er grinste mich an, „Dann weiß ich, wo sie zu finden ist. Neuerdings gibt es Urlaub und ich habe genau 24 Stunden!“ grinste er nun noch breiter. Tatsächlich als ich mittags zum Essen ging saßen viel mehr Engel als sonst an den Tischen. Die ganze Insel erwachte zu neuem Leben, so als spüre sie ihre Söhne waren zurückgekehrt. Die Stimmung hob sich, Vögel zwitscherten ununterbrochen all dies war ansteckend man musste einfach gut gelaunt sein. Nach und nach verbrachten die Engel ihren Urlaub, nur Raphael kam nicht. Dann eines Tages meinte Alexa, „Du hast heute frei!“ „Ich wieso denn?“ „Na, weil ein Engel darum bat!“ aufgeregt machte ich mich auf den Heimweg. Raphael! Er kam wirklich nach Haus. Doch unterwegs machte ich halt. Wie von selbst zog sich nun der Weg ins Endlose, langsam in Gedanken schlenderte ich am Strand entlang. Raphael! Mir war nur zu deutlich bewusst das wir im Grunde keine Beziehung miteinander hatten. Er liebte mich nicht und die Verbindung wurde nur der Umstände halber geschlossen. Sicher hat er nur wegen der Etikette meine Beurlaubung erbeten. So setzte ich mich an den Strand, bestimmt wollte er seine Ruhe haben, sich endlich ausschlafen und abschalten. Nur wo sollte ich hin? Ein Stück weiter oben war eine versteckte Bucht, dort kam selten jemand vorbei. Entschlossen ging ich dorthin, zumindest konnte ich meinen Durst dort löschen, denn eine Quelle speiste einen kleinen See. Im Schatten liegend beobachtete ich den Zug der Wolken, einem Kinderspiel nachgehend Figuren und Tiere herausfindend. „Claire! Hier versteckst du dich!“ Uriel grinsend warf sich neben mir. Zu verblüfft um ein Wort zu sagen setzte ich mich auf und starrte ihn entgeistert an. Dann warf ich mich freudestrahlend an seine Brust. „Uriel, wie schön! Lass mich dich anschauen, du hast abgenommen“ stellte ich sachlich fest. Ich konnte gar nicht die Augen von ihm lassen. Nahm seine Hand hielt und hielt sie fest in meiner. Ihn noch immer betrachtend meinte er spöttisch, „Wenn du mich weiterhin mit deinen Augen verschlingst, ist später nichts mehr von mir übrig.“ „Das kommt nur, weil ich dich vermisst habe.“ er hob frech grinsend seine Brauen, „Nur mich? Das wird einigen Engeln überhaupt nicht gefallen.“ „Du unverbesserlicher Flegel natürlich nicht nur dich ich meine alle. Geht es den anderen gut? Al, Colin?“ er nickte bestätigend, „Sie bekommen auch bald frei, sicher werden sie dir einen Besuch abstatten. Wie gut sich so rekeln zu können, sollen wir schwimmen gehen? Ich habe das alles viel zu lange vermisst.“ Ein trauriger Zug lag auf seinem Gesicht, ich nahm mir vor, ihm den kurzen Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten. „Dann lass uns zu mir gehen, dort kann man wundervoll schwimmen hier ist die Strömung ziemlich stark.“ Später gingen wir spazieren, besuchten die Oase redeten, lachten und vergnügten uns einfach. Als mein Bauch unüberhörbar knurrte, schlug er vor, ins Haus zugehen. Widerwillig stimmte ich zu. Denn ich befürchtete, ihn teilen zu müssen. Bestimmt waren dort Freunde, die ihn ebenfalls vermissten. Sei nicht so egoistisch rief ich mich zur Ordnung, doch es war nun einmal so. Seit Langem konnte ich mich wieder frei und natürlich bewegen, musste nicht auf jedes Wort achten das ich Aussprach. Hörte meinen Namen einfach nur so und keineswegs damit ich irgendeine Drecksarbeit erledigen sollte. Es war so wie erwartet, von allen Seiten wurde er begrüßt. Still verzog ich mich in eine Ecke und beobachtete ihn mit seinen Freunden. Was ich aß, wusste ich kaum doch meine Traurigkeit wuchs. Endlich gestand ich mir ein, wie unglücklich ich war. Wie in meiner Kindheit und Jugend sowie später war ich im Grunde der Einzelgänger, derjenige, der nirgendwo hingehörte. Unauffällig verließ ich den Speisesaal, sah kurz im Spital vorbei aber auch der erblindete Engel hatte Besuch. So ging ich einsam zurück in Raphaels Haus. Ja, Raphaels Haus; mein Heim war in St.Paul oder bei meinen Eltern. Die Sehnsucht nach ihnen wurde mit einem Mal unerträglich. Bisher schob ich diese Gedanken weit weg doch nun war ich ihnen hilflos ausgeliefert. Wenn ich sie doch wenigstens einmal sprechen könnte, wieder fiel mir das Telefon ein. Doch in Alexas Büro kam man nur mit Alexa. Leise vor mich hinweinend ergab ich mich in Selbstmitleid, das leise klopfen an der Tür ließ mich zusammenfahren. Wer wollte denn jetzt noch was von mir. Sollten die doch die Bettpfannen selbst sauber machen ich hatte frei. Uriel stand vor der Tür, „Claire warum bist du einfach gegangen?“ „Ich wollte nicht stören, deine Freunde sie wollten doch mit dir reden, also bin ich gegangen.“ „Blödsinn! Gerade du solltest sie kennenlernen. Es sind sehr nette Paare darunter.“Also wurden ihm schon meine Schlechtigkeiten zugetragen. Daran war nichts zu ändern, sollte er sich ebenfalls von mir abwenden wollte ich das mit Fassung tragen. „Was meinst du? Gehen wir in die Stadt? Ich muss einfach ein wenig Normalität tanken. Ein paar Stunden habe ich noch.“ „Du willst doch sicher noch schlafen?“ „Nein Claire! Ein paar Stunden mit dir bringen meine Lebensgeister wieder voll in Schwung. In deiner Gesellschaft kann ich abschalten; alles andere vergessen, bitte Claire. Lass uns bummeln gehen, als wäre alles in schönster Ordnung.“ Das konnte ich ihm nicht abschlagen. Umso einsamer kamen mir die nächsten Tage vor. Doch ich baute meine Fertigkeiten aus. Konzentrierte mich speziell auf einen Engel, versuchte die anderen, abzuschalten. Sowie Gab es mir einmal erklärte. Zu meinen Leidwesen war das ganz schön schwierig. Doch ich lernte, je mehr ich übte desto besser klappte es. Die Engel sahen mich zwar verwundert an, wenn ich ihnen ihre Wünsche erfüllte ohne das sie sie äußerten. So vergingen die Wochen Engel kamen und gingen. Nach einer besonders anstrengenden Woche, die unheimlich viele Verletzte brachte, benutzten wir die Ruhepause um Ordnung zu schaffen. Ein weiterer Engel wurde gerade in ein Bett gelegt, doch darum kümmerten sich andere. Ich durfte mal wieder den Boden schrubben. „Lasst ihr mich mal in Ruhe! Das hält ja kein Schwein aus! Mein Fuß ist verletzt meine Hände kann ich sehr wohl gebrauchen. Himmel Herr Gott noch mal, Weib was treibst du da?“ Diese Stimme erkannte ich sofort! Ich ließ Boden, Boden sein und stellte mich an das Bettende. „Wie ich sehe, hat man dich erwischt! Doch das scheint deinem großen Mundwerk keinen Schaden genommen zu haben.“ „Endlich! Die einzige barmherzige Seele in diesem Schuppen! Rührt mich nicht an, Weiber. Ich verbiete es euch! Nur diese da darf mich pflegen! Na los wieselt von dannen!“ Azael kümmerte sich keinen Deut um ihre verkniffenen Mienen. „Komm her und lass dich drücken, mein Schatz!“ frotzelte er überlaut. Daher wehte also der Wind! Ich sah es überdeutlich, einige Engel haben darüber geredet, wie abfällig mich die Frauen behandelten. Azael sah es als seine Pflicht an, mich hervorzuheben. „Azael du bist unmöglich! Deine Absichten stehen dir auf die Stirn geschrieben nur tu mir einen Gefallen und lass es.“ Trotzdem trat ich zu ihm und ließ mich in seine Arme schließen. „Ich freue mich auch, dich wiederzusehen. Habe wohl zu dick aufgetragen? Naja egal!“ „Was hast du gemacht?“ und sah auf seinen Fuß herunter. „Claire was soll ich sagen. Ein Stadtmensch hat in der wilden Natur nichts verloren, das war eine Bärenfalle gespickt mit ein bisschen Gift.“ „Oje dann hast du Zeit, je nachdem um welches Gift es sich handelt.“ „Kayle meint zwei Wochen, vielleicht auch schon früher.“ „Hast du es wieder so eilig fortzukommen?“ Er sah sich um, „Es geht dem Ende zu!“ flüsterte er mir ins Ohr, nachdem er mich ganz nah an sich heranzog. Einige misslingende Unmutsäußerungen gingen durch den Raum. „He ihr da nun habt ihr wieder was zu klatschen!“ und zog mich wieder zu sich herunter, um mir dann einen Kuss auf die Lippen zu drücken. „Waschweiber! Ich kann sie nicht ausstehen! Die einzige Möglichkeit ihnen das Maul zu stopfen immer neue Nahrung irgendwann ersticken sie daran.“ „Aber Azael die überaus reizenden Damen sollte man doch nicht schockieren.“ Luzifer trat vor. „Nein? Was tust du? Du weißt genau, wie die über Claire herziehen. Die Engel, die aus dem Spital kommen, loben Claire. Die von zu Haus aus dem Urlaub kommen, vernichten sie mit ihren Worten. Sogar Uriel wurde mit in den Dreck gezogen. Und was hat er getan nur gelacht. So geht das nicht weiter.“ „Claire hat mich bisher nicht um Hilfe gebeten. Im Gegenteil sie geht mir aus dem Weg.“ „Dann sprich ein Machtwort!“ forderte Azael, jedes Mal wenn ich etwas sagen wollte fuhren die beiden dazwischen. „Das ist nicht meine Aufgabe!“ „Das ist ganz allein meine Sache! Meint ihr mit einem Donnerwetter, schweigen die Lästerzungen oder mit neuem Getratsche? Männer, wie dumm ihr doch seid!“ Die Beiden sahen mich blöd grinsend an, ich schnaufte und überließ sie sich selbst. Bevor Luzifer ging, suchte er mich noch mal auf. „Komm mich Besuchen Claire, dann kannst du dir wenigstens deinen Frust von der Seele reden. Ich bin nicht dein Feind!“ „Ich weiß, doch das bringt noch mehr Gerede, bald ist alles vorbei und ich kann wieder nach Haus. Wen interessiert es dann noch? Sie werden neue Tratschereien finden.“ Luzifer sagte nichts dazu, sondern schüttelte nur sein Haupt und ging. Azael war einer der schwierigen Patienten, er war teilweise unausstehlich und sein Umfeld badete in seinen Launen. Da kam mir eine Idee ich sprach mit Alexa und sie stimmte mir zu. Ein Versuch war es wert. Also setzte ich meine Idee in die Tat um. „Hallo Azael, heute wirst du verlegt!“ meinte ich vergnügt, packte seine Habe auf sein Bett und schob ihn hinaus. „Claire was soll das? Ich will nicht woanders hin! Weib, bring mich zurück, sonst …“ „Was sonst? Willst du hinter mir herhumpeln? Deine bösen Blicke kannst du ebenfalls sparen, da hat dir Raphael einiges voraus.“ Kicherte ich. „So hier hast du eine bessere Aussicht auf den Park. Mehr Ruhe und du kannst Elias täglich vorlesen, im Gegenteil zu dir ist er ein vorbildlicher Patient, Azael.“ Damit verschwand ich aus dem Raum, zwar hörte ich Azael noch schimpfen doch hoffte ich nicht mehr lange. Gegenüber wurde die Tür geöffnet, Kayle trat aus dem OP. „Wieder ein neuer?“ erkundigte ich mich, „Nein ich habe nur einen Moment Ruhe gebraucht. Gehen wir ein paar Minuten?“ „Sonst gern aber ich habe noch zu tun. Tut mir leid, Kayle. Myriel wieder für Alexa unterwegs?“ er grinste grimmig. „Sie meint bald wachsen ihr Kräuter aus den Ohren.“ Bevor sich unsere Wege trennten, meinte Kayle er käme vielleicht später noch vorbei. „Dann bring Myriel mit!“ zog ich ihn lachend auf, „Dann meine Liebe, werde ich der Liebe frönen!“ grinste er frech zurück. Ich war gerade in der Küche, als es klopfte, „Kayle? Ich bin hier hinten willst du auch einen Wein?“ „Klar!“ bewaffnet mit Flasche und Gläsern ging ich ins Wohnzimmer, doch da war niemand. Auf der Terrasse wunderte ich mich noch. Denn Kayle saß gerne im Wohnzimmer. Doch draußen saß ein völlig anderer. Es war Niko, eigentlich hieß er anders aber wie gesagt diese unaussprechbaren Namen. „Hallo Claire! Äh die sind für dich!“ „Pralinen? Wow, das du dir das gemerkt hast, danke.“ Freute ich mich. „Ist das wenigste! Du erwartest Besuch, ich werd dann mal wieder.“ „Aber nein, bleib doch. Kayle wollte nur vorbeikommen.“ „Ich will nicht stören.“ „Blödsinn setze dich! Du magst Wein? Ansonsten …“ „Wein ist in Ordnung, wenn es dir wirklich nichts ausmacht, bleibe ich gern. Ehrlich gesagt war ich heute ein bisschen einsam und im Haus ist mir zu viel Trubel.“ „Verstehe!“ Als er im Spital lag, mochte ich mich gern mit Niko unterhalten. Der folgende Abend war im Grunde eine Fortsetzung unserer Gespräche. Zwar war ich morgens gerädert, doch für die angenehme Abwechslung nahm ich das gerne in Kauf. Natürlich bemerkte Azael meine Müdigkeit und zog mich entsprechend auf. „Weißt du eigentlich, mein Lieber, wie sehr ich dir wehtun kann?“ Konterte ich frech, „zum Beispiel könnte ich …“ Der Krawall im Flur ließ mich innehalten, „Es kommt wieder einer!“ Bemerkte Elias, „Hast du Dienst im OP?“ „Nein heute nicht.“ Und wendete mich wieder Azael`s Fuß zu. Lautes Fluchen, Kayle der schimpfte, die OP-Tür flog auf, eine der Frauen schoss hinaus. „Muss ja ganz schön herbe zugehen.“ Interessiert spähten wir in den Flur. „Bringt mich sofort zurück! Ihr Blödiane. Verdammt das ist nur ein Kratzer!“ diese Stimme hätte ich unter hunderte erkannt. Starr war ich zu keiner Bewegung fähig. Er verletzt! Wie schlimm? Er beschimpfte Kayle und noch jemanden. „Das ist Raphael!“ bemerkte ich überflüssig, denn auch Azael und Elias erkannten die Stimme. „Wie er leibt und lebt!“ bestätigte Azael, „Geh schon!“ meinte er nur. „Ich?“ blieb jedoch stehen. „Wer sonst? Es ist dein Mann! Er wird dich sehen wollen, ich würde dich an meiner Seite haben wollen, oder Elias?“ „Ja auf jeden Fall!“ bekräftigte dieser. „Aber! Ich kann nicht. Keinen Dienst!“ obwohl ich schon auf den Weg war, ging jedoch völlig aufgelöst zurück zu Azael. „Nein! Ich halte mich an die Anordnungen!“ „Claire du brauchst neues Verbandszeug!“ indem warf er alles auf dem Tablett aus dem Fenster. „Nun hol dir Neues!“ grinste er diebisch, „Ja!“ und war schon auf den Weg, „Claire“ rief er mich zurück, „dein Tablett!“ geschwind riss ich es ihm aus der Hand. Vor der geöffneten Tür blieb ich noch mal stehen. Mein Herz raste als wäre ich durch halb Amerika gelaufen. Atmete tief durch, beruhigte mich, er sollte mich auf keinen Fall so aufgelöst sehen. „Kannst du mir verraten, was du da vorhast du Quacksalber?“ „Deine Hose aufschneiden was sonst!“ „Vergiss es die brauche ich …“ „Los reiße sie dem verlausten Kerl vom Leibe. Alles! Und du hältst dein Maul!“ so böse hatte ich Kayle noch nie erlebt, immer war er freundlich, auch wenn die Engel schimpften. „Von wegen, das hättest du wohl gerne! He …“ ich hörte Stoff reißen, „soll ich etwa mit nacktem Arsch hier herumliegen?“ „Mund halten!“ „Mach ein Pflaster drauf, dann muss ich wieder weg! Und du besorgst mir augenblicklich eine neue Hose! Verdammt, du Schlachter das tut verdammt weh.“ „Halt den Bastard fest! Da am Oberschenkel und drück nie nieder. Und du hältst still!“ Leise war ich eingetreten und sah zwei völlig verdreckte Engel auf den Boden. Darüber Kayle gebeugt. Schlamm und unendlich viel Blut. Raphael lag mittendrin. Kayle und Gab über ihn. „Du hast Glück gehabt, ein paar Zentimeter tiefer und weg wäre der Glücklichmacher.“ Kayle grinste Gabriel fett an, dann beugten sie sich wieder über die Wunde und wichen entsetzt zurück. „Hör mal Raphael, kannst dich ja freuen, dass dein Piepmatz noch da ist. Aber das geht zu weit! Mach das wieder Weg! Gott ich muss mich übergeben!“ angeekelt sah Gabriel auf Raphael hinab, sein Blick streifte immer wieder den Anstoß seiner Empörung. Raphael reagierte überhaupt nicht auf Gabriels Ausbruch, langsam wanderte mein Blick aufwärts. Er hatte sich einen Vollbart wachsen lassen, der auch vor Schlamm triefte. Doch hinter diesem Urwald konnte ich ein Grinsen erkennen. Als ich höher blickte, erkannte ich das er mich genau betrachtete. Sofort war ich gebannt, alles um uns schien nicht mehr zu existieren. Dies währte nur Sekunden denn Kayle schob sich dazwischen. „Claire was machst du hier?“ fauchte er mich richtig böse an. „Verbandsmaterial“ stammelte ich und zeigte ihm das Tablett. „Raus!“ schrie er nun regelrecht, doch ich konnte mich noch immer nicht rühren, kein Muskel gehorchte. Kayle, schien nahe eines Herzkollaps zu stehen, weil ich mich noch immer nicht bewegte. „Er hält sie fest!“ meinte Gabriel, „Raphael! Lass Claire gehen!“ „Was?“ völlig überrascht, „Gib Claire frei, du hältst sie fest!“ „Ich?“ in dem Moment, gehorchten mir meine Muskeln wieder ich wurde sanft aus dem OP geschoben, es war Alexa. „So wen haben wir denn da? Gab du sorgst …“ die Tür wurde geschlossen. Ungeduldig lief ich im Flur auf und ab, „Claire du machst uns wahnsinnig!“ rief Azael, darauf schloss ich die Tür. Doch er schien mich unbedingt nerven zu wollen. Denn er schickte tatsächlich Elias an die Tür. „Azael, du hirnloser Trottel, du kannst Elias doch nicht zur Tür schicken.“ Und führte ihn zu seinem Bett. „Wird Zeit das du Elias nicht immer wie ein Baby behandelst!“ murrte er auf, außerdem ist mein Fuß noch nicht frisch verbunden. Wie ich vermute auch manch andere nicht. Du solltest dich an deine Pflichten erinnern.“ Grollend ging ich auf ihn zu, doch irgendetwas in seinen Augen ließ mich innehalten. Wie ungern ich es auch zugab er erinnerte mich zurecht. So nahm ich mich zusammen und erledigte meine Aufgaben. Natürlich hatte es sich bereits herumgesprochen, das Raphael im OP lag. Leider konnte ich keine der Fragen beantworten. Nach geraumer Zeit sah ich Alexa, wie sie in ihr Büro verschwand. Weder von Kayle noch Gabriel eine Spur. Sie gingen mir doch nicht absichtlich aus dem Weg? Wie anders konnte ich es erklären. „Claire kommst du bitte einen Augenblick ins Büro?“ endlich, sofort lief ich hinüber. „Schließ die Tür, bitte.“ Erwartungsvoll sah ich Alexa an. „Dein Fehlverhalten in einer so brisanten Situation ist unentschuldbar.“ Sprachlos sah ich sie nur an, „Du wirst, bis auf Weiteres im Lager arbeiten. Du kannst sofort damit anfangen.“ Sie nahm sich Papiere in die Hand, für mich normalerweise ein Zeichen zu gehen. „Raphael?“ fragte ich nach. Erzürnt sah sie mich an. „Der Patient wünscht keinerlei Sonderbehandlung, das schließt auch keine umsorgende Ehefrau ein. In dieser Beziehung hat er sich ganz klar ausgedrückt, ich gebe nur seine Wünsche weiter. “ Starr stand ich einfach nur da. „Verstehe!“ steif wandte ich mich um, „Er wird wieder!“ fügte Alexa leise hinzu. Räusperte sich und sah wieder auf ihre Papiere. Ohne mich irgendwo aufzuhalten, ging ich ins Lager. Es lag quer über den Innenhof in einem der hinteren Räume. Mechanisch verrichtete ich meine Arbeit bis meine Zeit um war. Ging zurück ins Hospital holte dort meine Sache und ging in Raphaels Haus. Er wird es also überstehen, wie ich ihn kannte innerhalb einiger Tage. Nun gut ich war ohne Bedeutung. Bevor die Sonne aufging, machte ich mich auf den Weg, dem Lager war es egal, wann ich anfing. Zuerst setzte ich mich in den leeren Essraum verschlang schnell mein Frühstück und arbeitete meine Zeit ab. Es war später Morgen, meine täglichen Arbeitsstunden erledigt. Um diese Zeit war selten jemand im Essraum, zu spät für ein Frühstück zu früh für ein Mittagsmahl. Wieder kam ich ungesehen davon. So dachte ich jedenfalls. Die nächsten Tage teilte ich mir genauso ein. Unsichtbar werden, keinem auffallen. Dann ging ich schwimmen oder spazieren, anschließend früh ins Bett. Eines Mittags als ich zu Raphaels Haus kam erwartete mich Luzifer. „Gehen wir spazieren oder schwimmen?“ „Was willst du?“ fragte ich ihn misstrauisch. „Wie lange willst du so weitermachen?“ „Ich weiß nicht, was du meinst?“ „Ach hör auf! Ab morgen arbeitest du wieder im Spital!“ er stand auf und reckte sich, „dies ist ein wirklich schönes Fleckchen. Ach, bevor ich es vergesse, die Oase ist im Moment für jedermann gesperrt.“ „Dafür kommst du extra her?“ „Nun du gehst gerne spazieren, ich wundere mich, welche Strecken du zurücklegst. Also wir sehen uns morgen, ich erwarte dich nach deinem Dienst in meinen Räumen.“ Am nächsten Morgen meldete ich mich bei Alexa, „Ich habe dein Aufgabengebiet erweitert! Du wirst einen Teil meiner Arbeit übernehmen. Da ich des Öfteren außer Haus sein werde. Hier dein Plan!“ Kurz studierte ich meine Aufgaben, „Aber Alexa, das sind …“ „Ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann, Claire.“ „Ja bis ich wieder ins Lager geschickt werde!“ entfuhr es mir, Alexa zuckte die Schultern, „Das war notwendig! Übrigens liegt der Patient fast genesen im großen Saal.“ „Welchen meist du?“ hinterfragte ich stur. Alexa ging keineswegs darauf ein sie verdrehte nur die Augen und erklärte weiter, „Er verhält sich vorbildlich nur den ständigen Besuch muss man regelmäßig entfernen. Wir haben die Besuchszeiten gekürzt und jeder Patient darf nur drei insgesamt an seinem Bett empfangen. Achte darauf!“ „Meinst du nicht, ich sollte einen anderen Bereich übernehmen? Das wird dem Patienten sicher eher zusagen.“ „Noch teile ich die Schichten ein, wir haben dort einige Schwerverletzte liegen. Sie benötigen die beste Pflege Claire,“ sie senkte ihre Stimme, „lass deine Wut nicht an Unschuldige aus, reiß dich zusammen. Behandle ihn wie jeden anderen auch. Das wird ihm eine Lehre sein!“ laut meinte sie, „einige Fälle weisen schwere Vergiftungen auf, wir werden jeden einzeln besprechen, wenn wir durchgehen.“ Was meinte sie? Warum warnte sie mich? Ich konnte diese Frau einfach nicht einschätzen. Sicher sie war streng zu jeden. Auch gerecht, wie ich schon mehrmals feststellte. Warum sie mir gegenüber so handelte, verstand ich einfach nicht und nun diese gut gemeinte Warnung. Sie war mir ein Rätsel. Mein neues Aufgabengebiet erstreckte sich nicht nur in der Pflege. Ich sollte die Frauen einteilen sowie die Arbeiten unter ihnen verteilen. Während wir von einem Bett zum nächsten gingen, erklärte sie mir genau, was ich zu tun hatte. Als wir an Raphaels Bett traten, sah er kaum auf. Er lag in einem Berg von Papieren, um sein Bett herum lagen auch noch welche herum. „Raphael ich habe dir bereits mehrmals mitgeteilt, dieses Durcheinander zu unterlassen.“ Er war völlig vertieft in seiner Arbeit, diesen Gesichtsausdruck kannte ich. Eine Bombe hätte neben ihn einschlagen können und er würde nur ein müdes Achselzucken dafür übrig haben. Alexa schien der gleichen Meinung zu sein, zog einfach an Raphaels Bettdecke. „He, was soll das?“ fuhr er sie an, „in einer Stu …,“ er entdeckte mich, „hallo Claire!“ „Raphael“ „Bei diesem Patienten müssen die Bandagen zweimal täglich gewechselt werden. Es kann sein das du sie erst aufweichen musst. Zum Teil ist die Naht entzündet!“ „Entzündet?“ fragte ich nach, das war mir neu. Bisher verheilte jede Wunde ohne Probleme. Manchmal innerhalb von Stunden. „Ja seltsam nicht wahr! Deshalb halte die Wunde extrem sauber, außerdem bleib neben dem Patienten stehen, damit er seine Medikamente nimmt. Besonders die für nachts. Ich schaute kurz nach, Raphael bekam Schlafmittel. Er grinste überheblich, „Ach, was ich noch sagen wollte. Claire das ist besonders für dich interessant, Raphael kann dir in diesem Hospital keine Befehle erteilen, die den kleinen Ritus beinhalten. Die sind aufgehoben!“ Er schnaufte sauer auf, „So gehen wir zum nächsten, sie nickte ihm zu wie bei jedem anderen und ging weiter. Raphael hielt mich auf, „Claire ich habe gleich noch mit dir zu reden!“ „Sicher, wenn du etwas brauchst, sage es nur!“ fragte ich ruhig nach, dabei lächelte ich ihn so an wie jeden anderen auch. „Ich will dich privat …“ „Für private Unterhaltung bin ich nicht zuständig.“ „Verdammtes Weib, komm sofort zurück!“ brüllte er hinter mir her. Doch er konnte befehlen und schreien, soviel er wollte, das machte mir nicht das Geringste. Im Gegenteil, „Wenn du weiterhin die anderen Engel störst stelle ich dich ruhig!“ „Du tust was?“ „Beatrice, würdest du bitte Raphael eine Beruhigungsspritze geben, er ist sehr unruhig.“ Beatrice sah von mir zum grimmigen Raphael, „Soll ich das wirklich?“ auffordernd sah ich Raphael an, „Soll sie?“ „Schon gut! Ich bin ja ruhig!“ bleckte jedoch die Zähne und wem er sie ins Fleische schlagen wollte, war mir klar. Alexa wartete und grinste mir aufmunternd zu. Ohne weitere Zwischenfälle beendeten wir die Runde. Ein paar Engel waren mir bekannt, sie begrüßten mich herzlich. Auch Niko war mit dabei. „Niko was ist los?“ fragte ich besorgt nach. „Claire! Leider bin ich nicht schnell genug dem Schussfeld entkommen.“ Wie ich anhand seiner Krankenakte sah ein Rippenschuss. „Wir reden später!“ versprach ich ihn. Viele Engel waren ernsthaft verletzt entweder nahe des Herzens oder Kopfschuss. „Ist das eine neue Strategie?“ fragte ich Alexa, „Ja sieht so aus, die verdammten Nephilim schießen sich ein.“ Die vier Frauen, die ich dir eingeteilt habe, hat Myriel ausgewählt. Mit ihnen wirst du keine Schwierigkeiten haben, doch ich möchte, dass du auch ein Auge auf die anderen Räume hast. Dort sieht die Sachlage anders aus, ich werde dich gleich als meine Stellvertreterin vorstellen. Was passiert kann ich noch nicht sagen, wir werden sehen. Claire ich werde woanders gebraucht das ist wichtig, deshalb setze ich mein ganzes Vertrauen in dich. Myriel wird dich ab übermorgen unterstützen.“ Träumte ich? Stellvertreter? Was für ein Aufstieg vom Bodenschrubber und Pfannenleerer zum Stellvertreter. Wie kam ich dazu? Die Fragen mussten wohl auf meiner Stirn gestanden haben „Luzifer!“ klärte mich Alexa auf, „Er hat deine Strafe aufgehoben!“ „Wie bitte? Ich dachte die wäre schon längst …“ Alexa lachte auf, „Nein, du hast eine Totsünde begangen.“ „Nur weil ich in gestört habe?“ ich konnte es kaum glauben. „Du hast es gewagt offen über ein Problem zu reden und ihn mit hineingezogen. Luzifer agiert im Verborgenen, er verbreitet Chaos!“ „Und dann wagt er es, mir noch gegenüberzutreten?“ „So leicht ist das nicht zu erklären, Claire. Ich weiß, dass er dich mag und schätzt, doch du hast ihm sein liebstes Spielzeug genommen. Deine Auseinandersetzung mit Antonia, darauf hat er sich gefreut. Du verstehst!“ Das kapierte ich nicht. „Die Engel setzten tagtäglich ihr Leben ein und er spielt wie ein kleines Kind!“ „Das liegt in seiner Natur! Er kann nicht anders, sowie Raphael mit seinem Pflichtgefühl und Gabriel mit seiner gefühlsbetonten Seite, er muss einfach.“ Langsam verstand ich sie, nun wenn, das in Luzifers Charakter lag, ich war nicht nachtragend. Immer noch in Gedanken bei Luzifer, teilte Alexa ihre Absichten mit. Wie sie erwartete waren einige Frauen dagegen, sie stellten Alexa vor die Wahl entweder sie oder ich. Sie zuckte nicht mit der Wimper und verabschiedete die Frauen kurz und bündig. Das bedeutete für uns übrigen Frauen die doppelte Arbeit, doch sie versicherten mir morgen sähe die Sache ganz anders aus. Es stimmte, die Frauen brachten zusätzliche Hilfe mit. Was ich mit Erleichterung feststellte. Beatrice meinte nur, „Es gibt nicht nur eine Antonia Clique!“ „Ich werde es mir merken!“ die Arbeit machte nun doppelt so viel Spaß. Kein heimliches Getuschel mehr. Keine Erniedrigungen, die nur auf mich abzielten. Sondern wir waren eine gut funktionierende Gruppe. Ein jeder musste die Drecksarbeit mal machen. Daraus schloss ich mich nicht aus. Ein rotierendes System sorgte dafür. Keiner erledigte nur eine Aufgabe, ein paar Tage war es zwar schwierig, doch es lief. An erster Stelle traten die Engel, die auf uns gut gelaunten Schwestern mit schnellerer Genesung reagierten. Und wir wurden in den Wochen zu Schwestern eine trat für die andere ein. Auch wenn ich mal einen Tag fehlen sollte, eine von ihnen konnte mich immer vertreten. Auch setzte ich wieder meine speziellen Fähigkeiten ein, inzwischen beherrschte ich sie recht gut. Nur bei Raphael scheute ich mich. Ein, zweimal habe ich mich auf diese Art genähert, doch ich scheute seine enorme Präsenz, sie war gewaltig. Beim letzten Mal als ich es versuchte sah ich in seine Richtung er sah von seinen Papieren auf und musterte skeptisch die Umgebung. Er hatte mich wahrgenommen, ich zog mich sofort zurück. Er versuchte mich zu finden, zum Glück wusste er nicht, wo er suchen sollte. Doch ich musste seitdem höllisch aufpassen, denn er stellte seinen Radar auf. Jeder noch so kurze Kontakt entging ihm nicht. Raphael befragte vorsichtig die Engel, konnte er nicht einmal etwas auf sich beruhen lassen. Es wurde, ein wahres Katz und Mausspiel, daraus. Denn ich wollte auf die zusätzlichen Informationen keineswegs verzichten. Denn bevor die Engel mal sagten, dass sie sich schlecht fühlten oder der Verband zu fest war, litten sie lieber darunter. Jedenfalls erhielt ich auf diese Art wichtige Hinweise, die zu ihrer Genesung beitrugen. Außerdem genoss ich seine unbefriedigte Neugier, denn als Gefahr sah er mich oder die unbekannte Präsenz nicht an. Und der Herr forschte weiter, nur nicht in die richtige Richtung, wir Frauen waren ja dazu unfähig! So dachte er augenscheinlich. Auf eine andere Weise machte er mir noch das Leben schwer. Während ich seinen Verband wechselte, wurde er zunehmend dreister. Nicht mit Worten, nein seine Hände gingen frech auf Wanderschaft. Wenn ich eine andere Schwester schickte, weigerte er sich schlichtweg. Dahin gehend musste ich unbedingt etwas unternehmen, vor allem wurde er mit jedem Tag kräftiger. Wie ich dies in Angriff nehmen sollte, darüber war ich mir keineswegs im Klaren. Ihn vor aller Augen bloßstellen, wollte ich nicht. So setzten wir den lautlosen Kampf fort, er betatschte mich und ich wehrte mich. Zum Glück war er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Zudem konnte ich nicht vergessen, wie er mich behandelt hatte. Keine umsorgende Ehefrau! Diese Worte standen eingebrannt in meinem Hirn. Indessen leerte und füllte sich das Hospital, im großen Raum lagen inzwischen die Genesenden und im Kleinen die akuten Fälle. Niko war soweit geheilt, dass er in den nächsten Tagen wieder in den Kampf gehen konnte. Ich fand es schlimm, sie zusammenzuflicken, um sie dann wieder um ihr Leben kämpfen zu lassen. Bevor Niko wieder abzog, wollten wir noch einen gemeinsamen Abend verbringen. Er versprach mir, diesmal den Abend kürzer zu halten. Da er noch immer ein schlechtes Gewissen habe. Doch ich versicherte ihm das ich den Abend genossen habe. So verabredeten wir uns für den Abend, er erwähnte noch einen Freund, den er gern mitbringen wolle. Dagegen war nichts einzuwenden. Der Freund entpuppte sich als einer der früheren Kandidaten, den ich mit Gab kennenlernte. Es wurde spät oder früh je nachdem, wie man es sah und ich war beschwipst. Der Morgen war die reinste Hölle. Doch zu meinem Glück musste ich nicht viel tun, denn ich wurde nett aber bestimmt ins Büro geschoben. „Wir kommen schon klar!“ versicherten sie mir. Später bekam ich sogar einen Kaffee gereicht. „Ihr seid wahre Engel! Ich könnte euch knutschen!“ „Niko will sich noch verabschieden!“ teilten sie mir mit, „Ich komme sofort!“ Ich bat ihn vorsichtig zu sein, doch er grinste nur und meinte man würde sehen. „Du vergisst nicht Al, Colin, Gab und Uriel von mir zu grüßen falls du sie siehst.“ Er versprach es. Mir tat es leid, ihn ziehen zu sehen. In Gedanken versunken begann ich mit meiner üblichen Runde, forschte und half, wo es nottat. Wieder einmal war Raphael bockig, aufseufzend löste ich die genervte Frau ab. „Du bist ein richtiger Miesmacher!“ warf ich Raphael an den Kopf. Heute fehlte mir jegliche Geduld mit ihm. Und Raphael war richtig miserabler Laune. Außerdem hielt er mir vor, eine schlechte Krankenschwester zu sein. „Sicher wie du meinst!“ auf einen Streit verzichtend. „Du triffst dich mit anderen! Während ich hilflos hier liege!“ fuhr er mich leise an. „Es liegen viele Verletzte hier, keiner hat sich beschwert. Dass ich ein paar Stunden Spaß hatte! Warum also du?“ er schnaufte gefährlich auf, „Warum? Du scheinst zu vergessen wer und was ich bin!“ ich lächelte ihn zuckersüß an. „Ein Patient! Ein schwieriger noch dazu!“ Er hielt meinen Arm fest. „In erster Linie bin ich dein Mann!“ „Als erstes du tust mir weh! Zum Zweiten dein eigener Befehl, keine Sonderbehandlung von einer umsorgenden Ehefrau! Für mich bist du nur ein Patient!“ Als ich den Verband abwickelte, fiel mir auf wie verschwitzt er war. „Was ist los? Hast du Schmerzen?“ die musste er haben denn ein Teil der Naht war schlimm entzündet. „Ich verstehe es einfach nicht, erst heilt es und dann entzündet es sich wieder. Das muss ich auswaschen!“ Raphael verdrehte die Augen. „Nicht schon wieder!“ stöhnte er. „Warum sagst du auch nicht bescheid, wenn du schmerzen hast!“ tadelte ich ihn. „Warum? Bei jedem anderen Engel weißt du doch auch Bescheid. Nur bei mir nicht, ich frage mich …“ er sah mich seltsam an, „Was fragst du dich? Das wird jetzt schlimm!“ warnte ich ihn vor. Als er verarztet und bleich im Kissen lag entschied ich mich ihn in ein Einzelzimmer zulegen. „Das will ich nicht!“ nörgelte er herum. Daran störte ich mich nicht weiter, „Das entscheide noch immer ich! Denk nicht, dass das eine Vorzugsbehandlung wird. Du wirst die Nacht über nicht viel Ruhe bekommen.“ Kurz erklärte ich Beatrice mein Vorhaben, denn ich wollte die entzündete Stelle immer wieder mit Alexas Kräutern auswaschen. Sie war meiner Meinung und bereitete die Kräuter zu. Während ich ständig die Wunde behandelte und Raphael in den Pausen abwusch es ihm so bequem wie möglich machte. In den Morgenstunden zeigte sich der erste Erfolg, die Rötung ging zurück. Die Wunde verschloss sich. Ich schickte Beatrice nach Hause, blieb aber selbst noch wenigstens für eine Stunde. Schlief aber auf den Stuhl ein. Myriel weckte mich leise, ein Blick auf Raphael genügte es ging ihm besser, er schlief tief und fest. „Geh nach Haus, du hast es mehr als verdient. Schlaf dich aus und vor morgen will ich dich nicht hier sehen.“ Viel zu müde, um zu protestieren, ging ich heim und schlief mich gründlich aus. Nach Stand der Sonne im Schlafzimmer war es Nachmittag. Nach einer ausgiebigen Dusche ging ich ins Haus. Leider saßen dort Antonia und ihre Sklaven. Prompt verging mir der Appetit. Trotz Myriels Mahnung musste ich nachsehen, wie es Raphael ging. Leise betrat ich sein Zimmer, er schlief! Seine Haut sah gesund aus, die Ringe unter den Augen waren nicht mehr dunkel. Um seinen Mund lag ein entspannter Zug. Mein Gott er war rasiert, das Gestrüpp war weg. „Gefällt dir, was du siehst?“ „Ja! Es scheint dir besser zu gehen.“ „Das meinte ich nicht!“ „Dann verstehe ich deine Frage nicht!“ er strich sich über das rasierte Kinn, „Antonia war hier, sie war sehr aufmerksam und hat mir geholfen.“ „Schön für dich!“ meinte ich hölzern, „nun ich freue mich, dich auf den Weg der Besserung zu sehen.“ Und sah zu aus dem Zimmer zu kommen, bevor ich einen Schreikrampf bekam. Er rief mich zwar doch ich drehte mich nicht noch einmal um. Sollte er doch nach Antonia rufen, der verblödete Engel. Die nächsten Tage ließ ich mich ständig verleugnen, war er stur ließ ich ihn ausrichten er sei nicht der einzig Kranke im Spital und das andere meine Hilfe nötiger hatten als er. Daraufhin beruhigte er sich. Mir wurde dann mitgeteilt, dass Raphael wieder im großen Raum lag. Nun daran konnte ich nichts ändern. Sobald ich den Raum betrat, ließ er mich nicht aus den Augen, soweit ihm das möglich war. Neuerdings stand er sogar auf. Seine Genesung ging in Riesenschritten voran. Bald konnte er wieder los, gegen die Nephilim kämpfen. Da er nun mobiler wurde, stellte er mir regelrecht nach. Überall, dort wo ich hinging, folgte er mir oder war schon dort. Über meinen Dienstplan war er Genausten informiert. Es war zum verrückt werden der Kerl machte mich wahnsinnig. Die Engel, zu denen ich sonst einen guten Draht pflegte, zogen sich einsilbig zurück. Ich musste mich nur umdrehen, um auf die gerunzelte Stirn zu schauen. Was bildete er sich ein, so ging es keineswegs mehr weiter. Er konnte doch nicht die Verletzten einschüchtern, nur weil es ihm gerade in den Kram passte. Zudem verhinderte er, durch seine ständige Anwesenheit meine Fähigkeiten zu nutzen. Das brachte mich noch mehr gegen ihn auf. Als ich am nächsten Tag Vorräte aus dem Lager holte, folgte er mir doch tatsächlich! Während ich die benötigten Sachen zusammenstellte, stand er mit einem Male vor mir. Erschrocken fuhr ich ihn an, doch Raphael sah sich nur interessiert um. „Dieser Raum hier war einmal meiner! Zu der Zeit habe ich nur für meine Studien gelebt, das ist schon lange her.“ „Bitte dann häng deinen Erinnerungen nach ich habe zu arbeiten.“ Und widmete mich wieder meiner Liste. Ein paar Minuten ließ er mich in Ruhe. „Dort drüben stand mein Bett!“ genervt sah ich auf. „Raphael was wann mal irgendwo in diesem Raum stand ist mir gleich! Du störst mich!“ dann dachte ich die Gelegenheit sei günstig in einmal zurechtzuweisen. Wir waren allein und ich konnte ihm endlich die Meinung sagen. „Hör zu Raphael, ich arbeite hier! Nicht nur jetzt gerade auch im Hospital und du nervst mich ständig. Es geht einfach nicht, dass du wie ein Hund hinter mir herläufst. Dann deine Frechheiten, die Tatschereien unterlässt du in Zukunft.“ „Warum?“ erkundigte er sich höflich. Draußen gingen ein paar Frauen vorbei, fröhlich winkten sie Raphael zu. So ging das nicht. Entschlossen ging ich zur Tür und verriegelte sie, so jetzt waren wir ungestört. „Du fragst mich tatsächlich warum!“ „Aber ja! Schließlich bist du meine Partnerin!“ Ich lachte kurz auf, „Ich bin alles andere, Raphael! Für die Gesundheit der Engel, bin ich zuständig, deine eingeschlossen. Du hast auf deine Partnerin verzichtet, als du die entsprechenden Anweisungen gabst. Komm mir also nicht so. Ich bin nicht mehr als eine Pflegerin für dich. So und jetzt verschwinde!“ „Du bist nur beleidigt, weil ich diese Entscheidung traf, mehr nicht.“ „Beleidigt? Nein Raphael! Du hast mich nur an den Platz gestellt, den ich in dieser Verbindung habe. Sei`s drum, ich komme damit klar, nur belästige mich nicht. Sieh lieber zu das du deinen Krieg beendest.“ Damit ich endlich wieder nach Hause kam, fügte ich in aller Stille hinzu. „Ich habe dich an den Platz gestellt? Wo meine Liebe, wohnst du? In meinem Haus! Dir kommt die Ehrerbietung zu, die eine Frau eines Erzengels zusteht und nun beschwerst du dich?“ Vor nicht allzu langer Zeit wäre ich explodiert und hätte ihm meinen Frust an den Kopf geworfen, doch heute nicht mehr. „Wie du meinst Raphael!“ meinte ich nur, inzwischen hatte ich alles und nahm den Korb auf, „Wäre es Zuviel verlangt, wenn du mir die Tür öffnest?“ „Was soll das nun wieder heißen? Ich bin noch lange nicht fertig mit dir! Meinst du, du kannst mir alles Mögliche an den Kopf werfen und ich habe dazu nicht das geringste Zusagen. Außerdem bin ich dir nicht nur wie ein Hund gefolgt. Ich wollte dir etwas mitteilen!“ „Nicht daran interessiert!“ inzwischen schaffte ich es, die Tür selbst zu öffnen. So, sein Haus! Ehrerbietung! All das bekam ich also! Soll er doch glauben, was er wollte, wenn ich nur endlich von hier weg kam. Doch einige Dinge musste ich nun wohl aufgeben. Am Nachmittag packte ich meine Tasche und bezog einen Raum im Haus. Luzifer hatte mir ohne zu fragen ein hübsches Zimmer übergeben. Nur musste ich nun das Bad mit anderen teilen. Daran war nichts zu ändern, doch als ich mitbekam mit welchen Frauen ich es zu tun hatte wurde mir doch ganz anders. Es waren Antonias Busenfreundinnen. Vielleicht sollte ich Myriel fragen? Doch den Gedanken verschob sofort wieder. Kayle und Myriel besaßen ebenso wie Raphael ein kleines Häuschen für einen Dauergast keinen Platz. Augen zu und durch munterte ich mich auf. Bis zum Spital waren es nur wenige Schritte dort konnte ich ebenso gut meine Notdürftigkeiten erledigen. Zwar fehlte mir die Abgeschiedenheit von Raphaels Haus, denn das Fenster ging in den Innenhof und dort herrschte immer Betrieb. Auch das Rauschen des Meeres und der sanfte Wind fehlten mir. Deshalb schnappte ich mir ein Buch und ging zur versteckten Bucht. Zu meiner Überraschung war Raphael am Nächsten morgen nicht mehr da, Beatrice meinte er sei gestern mit Kayle fortgegangen. Nun genau das wollte er mir wohl sagen mutmaßte ich. Raphael aus meinen Gedanken verdrängend widmete ich mich meinen Aufgaben. „Claire wir haben neuen Zugang wohin soll ich ihn legen?“ kurz überlegte ich, „Schlimm verletzt?“ „Nein nicht allzu arg!“ „Dann lege ihn im großen Raum, dort haben wir doch wieder ein Bett frei.“ Das es Raphaels Bett war, erwähnte ich absichtlich nicht. Die Frau runzelte die Stirn, „Welches denn!“ „Na, Raphaels!“ „Der ist doch wieder da! Kayle hat ihn vorhin zurückgebracht, es geht ihm nicht besonders gut. Muss sich überanstrengt haben anders kann ich mir das nicht vorstellen. Erst gestern hat sich Kayle die Wunde angesehen und gesagt das sie sehr gut aussehe. Doch als ich vorhin den Verband wechselte, war sie wieder zum Teil geöffnet, sie eiterte leicht.“ „Das gibt es doch nicht!“ sofort stand ich auf, „Leg den Neuen dahin wo Platz ist ich schau mir Raphaels Wunde an. Wenn sie so aussieht, wie du sagst, haben Kayle und Raphael eine böse Stunde vor sich.“ Weiterhin vor mich herschimpfend ging ich zu Raphael, „Wie es aussieht, wirst du mich doch so schnell nicht los!“ begrüßte er mich krampfhaft anlächelnd. Ohne mich in eine Diskussion zu verstricken, wickelte ich die Verbände ab. Zischend zog ich die Luft ein. Wie konnte innerhalb eines Tages eine Wunde so aussehen. „Du weißt was das bedeutet!“ meinte ich ohne jegliches Mitleid, wer so unvernünftig mit seiner Gesundheit umging, sollte erschlagen werden. „Das dachte ich mir bereits!“ grinste Raphael verkniffen. „Dann also auf in die vertraute Zweisamkeit der Folterkammer, Weib. Eigentlich nahm ich an du würdest dich darüber freuen mich wieder in der Mangel zu haben.“ „Wie immer irrst du dich! Denn diesmal werde ich mir nicht die Nacht mit dir herumschlagen. Die Nachtwache wird dich versorgen.“ Und ging, ließ jedoch die Wunde auf, denn ich wollte mit dem Auswaschen unverzüglich beginnen. Natürlich schlug ich mir die Nacht um die Ohren. Raphael ging es so schlecht das er Fieber bekam, apathisch ließ er alles wortlos mit sich geschehen. Manchmal fühlte ich seinen Puls, weil er kaum noch atmete. Ich bekam es entsetzlich mit der Angst zu tun. Setzte mein bescheidenes Können so gut wie möglich ein. Schickte nach Kayle doch dieser war nirgendwo erreichbar. Ebenso wie Gabriel und Uriel. Sogar Luzifer war vom Erdboden verschluckt. Wo waren diese verdammten Engel, wenn man sie brauchte. Immer wieder die gleichen Handlungen, den Schweiß von seinem Körper abwaschen, die Entzündung behandeln. Die Temperatur senken mit kalten Wickeln oder sie schnell entfernen, wen er schlotterte wie Espenlaub. Irgendwann in der Nacht wurde es mir bewusst ich kämpfte um sein Leben. Erst am nächsten Mittag atmete er erstmals ruhiger, die Temperatur viel zusehends. Nun setzten die so typischen schnellen heilenden Fähigkeiten ein. Innerhalb einer Stunde veränderte sich das ganze Krankheitsbild. Er viel in einen gesunden festen Schlaf. Müde überließ ich den Schwestern die Wache. Nur noch einen Wunsch vor Augen, schlafen. Und das tat ich dann auch, bis ich unsanft aus dem Bett geholt wurde. „Was machst du um diese Tageszeit im Bett, Kleines. Erst machst du alle Welt verrückt und dann finde ich dich schlafend im Bett. In diesem Bett!“ „Gab?“ murmelte ich schlaftrunken, „Wer sonst?“ er warf sich neben mir, „Gott was siehst du aus! Einfach schrecklich!“ „Raphael …“ „Ja, war gerade schon bei ihm! Fühlt sich noch schwach, Antonia ist bei ihm, sie kümmert sich rührend um Raphael.“ Wie ein rotes Tuch flammte der Name in meinem Hirn auf. Was soll`s ich habe meine Pflicht erfüllt und nur das zählte. „Nun was wolltest du, Kleines?“ „Tut mir Leid Gab, das du dich herbemüht hast. Doch es hat sich alles erledigt, sagst du das auch Uriel, Kayle und Luzifer.“ Müde schloss ich wieder die Augen. „Nun bin ich aber da!“ beharrte Gab und rüttelte mich. „Lass mich schlafen, Gabriel nur schlafen!“ und driftete schon wieder dahin. Doch ein Hieb auf meinem Allerwertesten hinderte mich. „Na los du Faulpelz, steh auf! Ich habe mir extra freigenommen!“ er zog mich vom Bett und als das nichts half trug er mich in die Dusche und stellte das kalte Wasser an. „Gab!“ schrie ich, doch er hielt mich fest, bis ich total ausgekühlt war. „Endlich wach?“ Triefend und zitternd vor Kälte blitzte ich ihn nur böse an. Es bekümmerte Gab überhaupt nicht, sondern trug mich quer durchs Haus. Grinsend nach allen Seiten grüßend, sobald ihn jemand ansprach, meinte er nur er habe keine Zeit und wanderte einfach weiter. Er schlug den Pfad zur Stadt ein, bald darauf lag ich in heißem Wasser. Vor mir ein kräftiger Kaffee und ein Engel, der mir den Nacken massierte. „Lass dir das nicht zu Kopfe steigen!“ warnte er mich, „Ich wollte mich nur bedanken, wie sehr du dich um diesen störrischen Engel gekümmert hast.“ „Das ist meine Aufgabe und die der dort arbeitenden Frauen!“ er sah mich lange an, sagte aber dazu nichts mehr. Langsam kehrten meine Lebensgeister zurück. „Ich habe einen Tisch bestellt, bist du in einer Stunde fertig?“ „Gab ich habe …“ er grinste nur. „… wieder ein Kleid?“ fragte ich mürrisch, sein Grinsen vertiefte sich nur. „Warum bin ich nur mit solch einem Freund geplagt!“ trotz meiner Jammerei, saßen wir pünktlich im Restaurant. Ausgehungert fiel ich über das Essen her. „Nun Kleines, geht es dir besser?“ „Viel besser! Danke Gabriel.“ Entspannt, lehnte ich mich zurück. „Mir fällt gerade auf das ich so etwas vermisst habe. Einfach irgendwo essen zu gehen, wo dich niemand kennt. Es ist schön hier.“ „Dann wird dir auch mein restliches Programm gefallen.“ Meinte er meinen Einwand ich müsse ins Spital wischte er mit einer Handbewegung weg. Wir gingen durch die Stadt er kaufte für mich einige Dinge ein. Einfach weil es ihm gefiel. Anschließend besuchten wir ein Kino der Film war zwar alt doch das machte uns nichts aus. Für den Abend überraschte Gab mich mit einem Dinner im Mondschein. Es war total romantisch ein gedeckter Tisch im Kerzenschein mitten an einem Strand. Es stimmte einfach alles, die blutrote Sonne, der laue sanfte Wind. Der stille Frieden, der zwischen uns herrschte. Gab war unglaublich galant und lieb. „Verführst du auf diese Weise die Damenwelt?“ Lachend verneinte er, „Wie dann?“ hakte ich nach. „Manchmal reicht nur schon ein Blick, Kleines. Die Frauen, mit denen ich mich vergnüge, wissen im Allgemeinen, worauf es hinausläuft.“ „Gab, wie passe ich in dieses Bild? Ich meine …“ „Du meinst in mein Leben?“ „Daran dachte ich nicht direkt, eher zu deinen …“ „Aber Kleines, du gehörst in mein Leben. Dich wegzudenken kann ich mir nicht vorstellen. Seit Jahren kenne ich dich, als Kind, Jugendliche und nun als Frau. Du gehörst dazu, du bist wie soll ich es ausdrücken …“ „Eine Schwester?“ „Ja und nein! Von der Verbundenheit wie eine Schwester, aber nicht vom Standpunkt eines Mannes. Niemals würde ich dir zu nahe treten, das ist für mich unvorstellbar, mit dir eine sexuelle Beziehung zu unterhalten. Jedoch besteht eine gewisse Spannung, sagen wir du bist die unerreichbare geliebte Schwester, natürlich ohne Blutsbande. Kompliziert nicht wahr! Eines versichere ich dir du bist ein Teil meines Lebens und auf eine Art liebe ich dich. Reicht dir das?“ „Das ist mehr als ich erwartet habe.“ „So bin ich nun einmal ich gebe und gebe …“ spöttelte er. Nie blieb er lange ernst, schon witzelte Gab schon wieder über alle Unmöglichen Sachen. Nicht zu spät brachte er mich ins Haus, konnte sich jedoch den Kommentar nicht verkneifen und befragte mich, warum ich meine Zelte hier aufgeschlagen habe. Beantwortete seine Fragen gleich selbst und meinte nur, Raphael sei ein Volltrottel und ich sei ein stures Weibsstück. Wie immer erkundigte ich mich nach neuen Patienten und den Heilungsverlauf der Anwesenden. Mir wurde als Erstes berichtet, wie gut es Raphael ging, er war schon wieder so kräftig das er aufstehen konnte. „Wir sollten ihn ein paar Tage ruhigstellen, damit diese verflixte Wunde endlich ausheilen kann.“ Nervös trat die Frau von einem Fuß auf den anderen. „Raphael möchte heute Nachmittag bis Morgen das Spital verlassen. Er hat mich gefragt und ich habe keine Bedenken geäußert.“ Gestand sie mir mit geröteten Wangen. Ich konnte mir schon denken, wie er die arme Frau überfahren hat. „Ist gut ich rede, gleich mit Raphael, vielleicht kann ich ihn überreden zu bleiben.“ Doch ich stieß auf Granit. Bockig beharrte er auf seinen Freigang. „Wie du willst! Doch lasse es dir nicht einfallen wieder so krank wiederzukommen.“ Warnte ich ihn. „Das habe ich nicht vor, eigentlich wollte ich mich heute so richtig verwöhnen lassen.“ Antonia! Natürlich sie steckte dahinter, wahrscheinlich wollte sie ihm beweisen, welch eine gute Krankenschwester sie abgab. Ich musste mich zusammenreißen den Engeln meine schlechte Laune nicht spüren zu lassen. Zu allem Überfluss nahm Raphael wieder meine Witterung auf und folgte mir wie ein getreuer Hund. Jedes mal, wenn ich aufschaute war er in meinen Blickfeld. Noch in meiner Pause wurde ich ihn los. Frech setzte er sich zu mir an den Tisch. „Was willst du? Ich habe Mittag und dann will ich in Ruhe essen. Also verschwinde!“ forderte ich ihn barsch auf. „Welch ein seltener Anblick!“ innerlich fluchte ich laut, Luzifer setzte sich zu uns. „Das freut mich! Noch nie habt ihr gemeinsam an einem meiner Tische gesessen. Das musste ich mir einfach ansehen.“ Frohlockte er zynisch. „Das ging auch schlecht oder sollte ich Raphael aus dem Bett zerren, Luzifer?“ schnell aß ich meinen Teller leer und stürzte mich auf die Arbeit. Es war ein besonders heißer Tag, die Luft stand in allen Räumen. Die Engel, die aufstehen konnten, flüchteten in den Park. Insgesamt blieben wir Frauen allein zurück. Ich schickte einige nach Haus, was sollten sie herumsitzen, wir vier Übrigen bereiteten für den Abend alles vor. Als die Ablöse eintraf standen sie vor fast leeren Betten. Froh aus dem heißen Gebäude flüchten zu können, holte ich mir meine Badesachen. Irgendwo sollte schon noch ein freier Platz vorhanden sein. Erstaunlich es war am Strand absolut nichts los! Ich kehrte Raphaels Haus den Rücken zu und schlenderte durch die kühle Gischt. Zuerst bemerkte ich es nicht. Doch dann fiel es mir auf, ich müsste die versteckte Bucht schon längst erreicht haben. Ich drehte mich um Raphaels Haus als Fixpunkt nutzend. Merkwürdig, dachte ich noch, da sah ich Raphaels Haus vor mir. Ich drehte mich wieder um und es war hinter mir. Nun jedoch näher! Das mussten Spiegelungen sein, hervorgerufen durch das Wetter. Ich hielt mich an das Haus im Rücken, denn von dort bin ich gestartet. Das Gebäude vor mir, vergrößerte sich stetig, und wenn ich mich umblickte; kaum zu glauben aber es sah so aus als käme es auch näher. Nur keine Panik, das wäre ja auch lachhaft und ging weiter. Beobachtete das Haus vor und hinter mir. Das wurde mir denn doch zu unheimlich. Es war definitiv Raphaels Haus. Beide! Von dem einem entfernte ich mich und es erschien jedes Mal größer sowie das andere auch. Das war unmöglich entweder oder aber nicht so. Ging ich nun zurück oder weiter. Ich entschied mich, den Weg zurück zum Haus zu gehen. Das erschien mir sicherer. Nach ein paar Metern blieb ich unentschlossen stehen, ein Schritt vorwärts und das Haus kam in einem Riesenschritt näher. Fast stand ich nun davor, was eigentlich unmöglich war. Nun stand ich zwischen zwei Häusern! Ein und dasselbe vor und hinter mir. Und wenn ich nun zwischen den Häusern ging? Gesagt getan ohne Erfolg das gleiche Spiel eines vor, das andere hinter mir. Im Kreis gehen! Egal wie ich mich drehte und wendete es blieb dabei. Überleg Claire, beruhigte ich mich. Die Insel führte mich zu Raphaels Haus, anders konnte ich es mir nicht mehr erklären. Das Eiland wollte mich dort haben, es klang verrückt doch die einzig vernünftige Erklärung. Vielleicht war im Haus etwas nicht in Ordnung und ich sollte nachsehen. „Na gut du komische Insel du hast gewonnen, ich gehe ins Haus!“ Sofort wandelte sich das Bild, vor mir Raphaels Haus hinter mir das Meer. Wo war es vorher? Denk gar nicht darüber nach Claire, nimm es hin! Sonst erklärt man dich für irre. Auf der Terrasse war alles in Ordnung, ich legte meine Tasche auf den Liegestuhl und ging hinein. Nichts Auffälliges weder oben noch unten. Alle Fenster verschlossen, kein Hahn tropfte, alles aus. „Was also Insel? Was willst du von mir?“ Meine Tasche! Weg! Na toll! Ich sah mich um und mir stockte der Atem. Raphael! Zuerst war ich erleichtert doch irgendetwas in seinem Gesicht zuckte vergnügt. Mistkerl! Legere kam er auf mich zu nur den Verband und ein Short tragend. „Du hast lange gebraucht! Ich warte schon eine Weile.“ „Mir war keineswegs bekannt, dass wir eine Verabredung haben.“ „Eine Verabredung? Nein! Doch die Ehefrau geht gewöhnlich nach der Arbeit nach Haus.“ „Bin ich doch!“ und streckte kämpferisch mein Kinn vor. „Du meinst die Kaschemme im Haus? Es ist mir neu, dort eine Unterkunft zu haben.“ „Das ist meine!“ Er hob eine Braue, „Soll ich dir nochmals erklären, wie das mit einer Verbindung läuft?“ „Keineswegs, Raphael! Ich habe einige Bücher gelesen über all das. Und bin bestens im Bilde.“ „Trotzdem behauptest du, ein eigenes Zimmer zu haben! Dass ich nicht mein eigen nennen darf?“ „Du kannst darauf herumreiten, wie du willst! Das Ganze bringt nichts ein.“ Meinte ich ungeduldig, ich wusste er konnte diese Art bis ins Unendliche hinausziehen. „Da ich annehme, dass du für dieses seltsame Spiel verantwortlich bist, kannst du es nun beenden. Wo ist meine Tasche?“ meine Hand auffordernd ausstreckend kam ich die Treppe herunter. Doch Raphael drehte mir nur den Rücken zu. „Du bleibst!“ „Worin du dich gewaltig irrst! Ich gehe wann und wo ich hin will!“ grollend wandte er sich um, „Claire ich habe keine Geduld, mich mit deinem verletzten Stolz auseinanderzusetzen. Du bleibst! Ende der Diskussion!“ Wütend stampfte ich auf, „Ich brauche …“ Es ist alles in unserem Schlafzimmer!“ grinste er mich anzüglich an. Von Kopf bis Fuß musternd. „Das hast du ja gut vorbereitet. Doch morgen werde ich im Spital erwartet, willst du mich daran hindern, meine Pflicht zu erfüllen?“ „Deine Pflicht? Oder verschiedenen Engeln gewisse Vorrechte zugestehen?“ Ah, die Schrift Antonias! Doch ich hatte es keineswegs nötig mich zu verteidigen, sollte er doch dieser Natter glauben. Als Raphael bemerkte, dass ich dazu schwieg, wurde er richtig wütend. „Du streitest es nicht ab? Niko wird enttäuscht sein, dich nicht anzutreffen, er hat Urlaub.“ Er sah mir an das mir dies neu war. „Was werden all die anderen betrübt sein!“ steigerte er sich in seine Wut hinein. Sollte er, mir war es einerlei. Ich ließ ihn einfach stehen und ging ins Haus, dort suchte ich mir ein Buch. Nun standen verschiedene Lektüren zur Auswahl für Raphael sowie auch für mich. Schade Insel, dass du Antonias Lügenmaul nicht stopfen kannst. „Was soll das?“ starrte Raphael mich dämonisch an, „Ich habe mir ein Buch genommen! Oder sollte ich erst um Erlaubnis fragen? Mein Lehnsherr?“ „Treib es nicht zu weit, Weib! Was hast du mir zu sagen?“ Er war in diesem Moment geradezu gefährlich. Doch wie immer in solchen Situationen musste ich mein Grinsen verkneifen. „Ich habe dir nicht das Geringste zu sagen! Du weißt doch alles!“ Er war wirklich außer sich und packte mich an den Schultern, „Sag`s mir! Mit wem hast du dich vergnügt.“ Schüttelte mich wie einen reifen Apfelbaum. Als er mich endlich losließ, sank ich einfach zu Boden. Ich wusste kaum noch, wo oben und unten ist. Alles drehte sich vor meinen Augen. Raphaels Blick noch immer irr, studierte mein Gesicht genau. Ich saß im Sessel. Er hielt mir ein Glas hin. „Trink und dann will ich alles wissen!“ kopfschüttelnd meinte ich nur, „Wieso? Du hast mich doch längst verurteilt! Nachdem kannst du mich jetzt verstoßen, das ist dein Recht. Wie du siehst, habe ich die Bücher genau studiert. Nun tu dir keinen Zwang an, verbanne mich!“ „War das der Grund? Wolltest du das ich dich verstoße?“ „Lass es gut sein Raphael! Du wolltest diese Verbindung nie. Jetzt kommst du ungeschoren daraus!“ „Warum hast du mir dann das Leben gerettet? Du hättest doch nur die Hände in den Schoss legen müssen. Kayle hat mir keine große Chancen eingeräumt, nicht nach dem letzten Mal. Dann wärest du frei gewesen.“ „Tja Raphael! Das wirst du niemals erfahren. Daran kannst du ewig knacken, sagen wir meine Art der Genugtuung.“ Ich stand auf, zwar war mir noch schwindelig doch es ging. „Falls es nicht zu viel verlangt ist, möchte ich zu meinen Eltern.“ Irgendetwas flackerte in seinen Augen auf, in mir zog sich alles zusammen. Etwas Schreckliches, instinktiv griff ich nach meiner Fähigkeit. Seine Dominanz fegte ich einfach dahin, das war der Überraschungsangriff. Viel schneller als ich es für möglich hielt, verstand er. Sofort baute er Barrieren auf, die ich niederriss. Irgendetwas war mit meinen Eltern, und er wusste es. Raphael schlug massiv zurück, er schloss eine undurchdringliche Mauer um mich herum. Begann nun meinen Geist zu durchforschen, wie schon einmal. Ohne Rücksicht, jede einzelne Erniedrigung, seine Zurückweisung, Uriel, Azael, Elias, Niko, Gab und die vielen Gesichter deren Namen mir nicht einfielen. Dann endlich ließ er mich frei. Er sagte nicht ein Wort dazu, „Du also! Ich hätte es mir denken können! Es kam mir bekannt vor, doch woher konnte ich nicht sagen.“ „Meine Eltern!“ diesmal packte ich ihn an die Schultern und schüttelte ihn, soweit man das mit einem größeren Mann konnte. Mich interessierten seine Schlussfolgerungen nicht. „Meine Eltern!“ schrie ich ihn wieder und wieder an. Er schüttelte mich wie ein nichts ab. „Sie sind umgekommen! Es war meine Schuld! Ich hätte es mir denken können, das der Nephilim sich rächt, nachdem wir Mike befreiten. Doch ich habe ihn falsch eingeschätzt, er hat sich an deinen Eltern gehalten. Es tut mir leid.“ „Wann? Wann ist es geschehen! Du elender Engel, seit wann?“ und trommelte auf ihn ein. „Kurz, nachdem ich eingeliefert wurde.“ Das waren Wochen her, Wochen! Mein Kopf war leer gefegt, ich fühlte mich einfach nur taub. Das geschah mir nicht, das war nur ein dummer Albtraum. Gleich ja gleich würde ich aufwachen. Doch ich wachte nicht auf. Kayle war da! Er ermunterte mich eine Pille zu schlucken, die ich verweigerte. Tot! Meine Eltern waren unwiederbringlich tot. Weg! Und ihm tat es leid! Was für ein Wahnsinn! Während ich im Lager dahinvegetierte, starben meine Eltern. Und er wusste es! Die ganze Zeit! „Du darfst Raphael nicht die Schuld geben, Claire!“ Kayle nahm meine Hand und drückte sie tröstend. „Schuld?“ wie aus weiter ferne hörte ich Kayles Stimme, Raphael habe Engel hinterlassen, um meine Eltern zu schützen. Hat alles getan. „Aber nein Kayle ich gebe keinem die Schuld, nur dem Nephilim, Ben.“ Ein Hass erfüllte mich auf diesem, der mein Halbbruder sein sollte. Ich wollte seinen Kopf, ihm die klappernden Lider herausreißen. „Raphael werfe ich nur eines vor, er hat es mir verheimlicht. Er hat es mir nicht gesagt, Kayle. Sondern hat auf diese Natter gehört, die ihm zuflüsterte, dass ich es mit jedem Engel treibe. Aber gesagt hat er es mir nicht! Nein, seine Ehre war ihm wichtiger. Genau das werfe ich ihm vor.“ „Claire … ich wusste, was für Gerüchte im Umlauf waren, auch mir kannst du …“ „Kayle hast du ihnen geglaubt? Sei ehrlich ich weiß, ob du mich belügst.“ Er schüttelte nur den Kopf, „siehst du. Gab sagte es durch die Blume, heute verstehe ich es. Uriel auch auf seine Weise. Aber derjenige, der mich besser kennen sollte, als ihr alle, der … und dann, verschweigt er mir … nein ich will nicht weiter darüber nachdenken. Mir geht es soweit gut, Kayle danke, dass du gekommen bist. Aber nun will ich allein sein.“ Allein saß ich da, der Hass verdrängte jedes andere Gefühl. Ich schürte das Feuer, das in mir brannte. So sollte er brennen, lichterloh. „Claire, Hass ist kein guter Begleiter!“ mahnte mich Raphael, wie lange stand er schon in der Tür? „Dann ist das ja nichts Neues für mich! Wahrscheinlich gehört es zu den Dingen, die mich mein Leben lang begleiten.“ „Claire ich …“ er wollte tatsächlich Abbitte leisten. „Nein Raphael, keine Entschuldigung. Du hast das geglaubt, weil du es wolltest. Hättest du nur einmal überlegt, dann wäre dir die Absurdität aufgefallen. Darüber solltest du dir Gedanken machen. So leicht viel es dir mich zu verdammen. Und du solltest es tun, denn ich werde es niemals vergessen. Auch werde ich niemals Ruhen, bis dieser Nephilim unter meinen Füßen zu Staub verfällt.“ „Du weißt nicht, was du sprichst! Du hast einen Schock.“ „Meinst du Raphael? Glaube mir, ich werde alles tun, damit ich von dieser Insel komme. Wenn das bedeutet meinen Körper dafür herzugeben, dann tue ich es. Denn auf eines kann ich mich verlassen, dein Pflichtgefühl, dein Ego.“ „Das werde ich verhindern, Claire, das verspreche ich dir.“ Grollte er, doch ich lachte ihn aus. „Wie? Du kannst mich nicht einsperren! Welchen Kerkermeister willst du vertrauen? Es gibt keinen! Denn ich kann sie beeinflussen und werde es tun.“ „Das wirst du nicht, Claire. Sollte ich erfahren, dass du auch nur einen Versuch wagst, werde ich demjenigen das Leben zu Hölle machen. Und du mein Weib wirst dabei zusehen.“ Das war nicht nur so dahergesagt, dafür kannte ich ihn gut genug. „Und über deine Fähigkeiten werden wir morgen reden. Wechselst du mir den Verband? Oder soll ich ins Hospital gehen?“ „Dann geh ins Spital hier habe ich nichts …“ „Im Schlafzimmer liegt alles!“ seufzend stand ich auf, auch wenn er mir drohte, einen Weg musste ich finden. Ben sollte dafür büßen. „Claire, hör auf! Es wird dich innerlich zerfressen.“ Warnte Raphael. „Seit wann, schnüffelst du wieder in meinen Gedanken!“ fragte ich prompt. „Seitdem du mich angegriffen hast, Luzifers Blockade ist noch vorhanden. Ich kann dich über einen anderen Weg erreichen nur du hörst mich nicht.“ „Wenn ich wollte schon! Aber ich will nicht!“ „Du sperrst mich aus? Wie lange au … das tat verdammt weh, wie lange übst du schon? Wann hast du es entdeckt? Claire ich kann mich auch bei einer der Schwestern verarzten lassen. Sonst bist du doch nicht so grob.“ „Ich wusste gar nicht, wie zimperlich du bist!“ „Was habe ich jetzt schon wieder getan? Verdammt soll ich denn ständig nur raten? Was wann ich gesagt oder getan habe.“ „Nichts! Es hat nichts mit dir zu tun!“ „Aber ich leide darunter.“ „Moment ich bin sofort fertig.“ Eilig verschwand ich ins Bad. Wie dumm ich war, die Verletzungen, nicht alle, aber viele. Entzündungen vom Gift herrührend ab wann häuften sie sich. Dann Raphaels ständige Rückfälle, am Abend sah alles bestens aus dann wie aus heiterem Himmel eine erneute Infektion. Wieder ein Geheimnis, das er für sich behielt! „Mach die Tür auf!“ „Darf ich nicht mal zur Toilette? Ohne das du mich störst!“ „Wenn du darauf wärest! Ja!“ „Lass mich in Ruhe du Geheimnisträger, das ist es, was du am Besten kannst!“ „Mach die Tür auf! Claire, sonst ich trete sie ein …“ „Ha, dazu bist du nicht in der Lage, dann platzt deine Wunde auf. Versuch es ruhig, vielleicht werde ich dann einfach warten, bis du verblutest. Oder sollte ich zur Oase gehen und mir Michaels Krankheit holen, die du und andere sie ihm abnehmen. Ja ich sollte mir auch ein paar Gifte abholen. Denn ich bin es ja nicht Wert die Wahrheit zu erfahren. Warum sollte man auch Claire erzählen, dass ihre Eltern ermordet worden sind, warum sollte sie erfahren das ihr Freund und Vater mit dem Tode ringt. Sie ist ja nur ein Mensch, kann ja gleich auch ein paar Gifte aufnehmen. Vielleicht tut es ja dann jemanden nur leid das sie tot ist, sowie meine Eltern. Ja ich sollte …“ die Tür sprang aus den Angeln. „Das reicht! Bist du nun völlig durchgeknallt? Was soll das Gerede.“ Raphael trat ein, „man sollte dir ganz gehörig den Kopf waschen!“ „Das ist das Einzige, was du kannst, drohen!“ und schubste ihn zur Seite, damit ich aus dem Bad kam. Aber da ich kein Bulldozer war, rührte er sich nicht von der Stelle. „Ach, und was ist mit dir? Du kannst nur wegrennen! Wann entscheidest du dich, mich zu verlassen? Mir nie wieder nahe zu sein? In mir nur einen Freund zu sehen?“ wütend starrten wir uns an, „Was ist, willst du nicht zu Gab laufen? Soll er dich in seine starken beruhigenden Armen wiegen und dir ein Liedchen vorträllern.“ Raphael war total außer sich, wütend funkelten seine Augen. „Oder wollt ihr euch wieder heimlich am Strand treffen? Dann könnt ihr ja den gestrigen Abend wiederholen.“ Drohend trat er auf mich zu. „Du sagst nichts? Oder ziehst du dich nun beleidigt in dein Schneckenhaus zurück?“ er lachte verächtlich auf, das war zu viel des Guten. Ich sah rot und stürzte mich mit gekrallten Fingern auf ihn. Mühelos hielt er mich fest. Raphael beschimpfend, ihn so gut es ging attackierend wehrte ich mich mit Händen und Füßen. „Du kleines durchgedrehtes Weibsstück! Das wird dir leidtun! Von wegen nur drohen!“ er steckte mich in die Dusche, „Das kennst du ja schon!“ und kaltes Wasser ergoss sich über mich. Nach Luft schnappend krallte ich mich in sein Haar. „Auch du lässt Federn, du gemeiner Despot.“ Und riss ihm ein ganzes Knäuel heraus, das ich ihm triumphierend vor die Nase hielt. „Miststück dir werde ich es zeigen.“ „Dann versuch`s!“ forderte ich ihn heraus und sprang auf ihn zu. Darauf schien er nur gewartet zu haben. Denn er fing mich ab und drückte mich gegen die Wand, mit seinem Körper festhaltend, meinte er, „Und jetzt werde ich dir den Kopf waschen, wie es schon lange überfällig ist.“ So schnell bekam er mich nicht klein, wie eine Irre kämpfte ich gegen ihn an. Doch er lachte mir nur ins Gesicht, „Nett, deine Versuche! Doch gegen mich kommst du … wolltest du mich entmannen, Weib? Wer sollte denn deiner Meinung nach deine Sehnsüchte befriedigen? Deine Begierde, die du ständig unterdrückst!“ Aufreizend fuhr seine Hand über meine Brust. „wer sollte dich so streicheln, wie waren noch deine Gefühle? Sehntest du mich nicht herbei, Claire? Wünschtest du nicht …“ „Hör auf!“ schrie ich ihn an. „Nein ich fange gerade erst an! Und diesmal Claire werde ich deine Bereitwilligkeit gern erfüllen.“ „Du eingebildeter Mistkerl, du bist der Letzte, den ich …“, ungerührt fuhr er einfach weiter meine Brust zu streicheln, in seinen Zügen war keine Wut, begehren loderte auf. „Red nur weiter, ich vergnüge mich gerade mit deinem Körper, der weiß, was er will. Unterdrücke ruhig dein Verlangen umso süßer wird mein Sieg.“ „Träum weiter, ich bin kein verschrecktes Kind mehr, Raphael! Ich bin … bi…“ „… meine Frau, ich weiß!“ murmelte er an meinen Hals entlang küssend. Dagegen war ich machtlos, fiebrig kam ich ihm entgegen mir war es gleich das er triumphierend auflachte. Hauptsache er stillte den wilden Drang, der in mir tobte. „Und nun Madame Ehefrau, werde ich mich dir ganz und gar widmen.“ Was er auch gründlich tat. Ungeduldig zerriss er meine Kleidung. Noch immer an der Wand wie festgenagelt kniete er vor mir nieder. Aufkeuchend hielt ich mich an seinen Schopf fest. Erst als ich zuckend um Gnade bat, beendete er sein Zungenspiel. „Willst du mich, Claire?“ ich nickte nur, „Sag es!“ forderte er mich aufreizend auf, spielte genussvoll mit mir. „Sag`s mir, Claire!“ keuchte er heiser in mein Ohr, „Ich will!“ „Das reicht mir nicht!“ meinte er leise lachend, „Was willst du? Das?“ aufreizend drang er in mich ein. Nur ein atemloses ja konnte ich hauchen, schlang ein Bein um seine Hüfte nur um ihn spüren. Doch er war mit seiner Folterung noch nicht fertig. „Willst du das ich dich stoße, Claire? Langsam und vorsichtig? So?“ jedes Wort folgte eine Bewegung. Nein ich wollte das nicht ich wollte ihn wild, unbeherrscht gewaltig. „Dann sag es, Claire ich will es aus deinem Mund hören.“ „Raphael, bitte!“ „Sag es! Sag wie ich dich ficken soll! Komm Claire, keine Scheu!“ „Ich kann nicht!“ die Scham war stärker als mein Verlangen. „Das nächste Mal, ja!“ quälend langsam, begann Raphael sich in mir zu bewegen. Bis ich meine Beine um seine Hüfte schlang und nach mehr forderte. Ihn noch immer umklammert haltend, die Wellen in mir langsam ruhiger werdend, wollte ich mich von ihm lösen. „Oh nein! Ich sagte ich werde mich dir voll und ganz widmen. Wir sind noch lange nicht fertig.“ Er drehte das Wasser ab, hielt mich fest und ging ins Schlafzimmer. „Raphael deine Wunde.“ „Der geht’s gut! Keine Ausflüchte heute Nacht werde ich dich wahrhaft zu meiner Frau machen. Ich werde dir einen Stempel aufdrücken. Ich will dich vor Lust schreien hören. Du bist ganz in meiner Gewalt, Weib. Keine Gnade für dich.“ Wann ich vor Erschöpfung einschlief, konnte ich nicht sagen. Als ich aufwachte, lag er neben mir hielt mich fest in seinen Armen. Ich kuschelte mich seufzend an ihn. „Hast du noch immer nicht genug? Weib!“ fragte er mich auf sich ziehend. „Wer weiß? Vielleicht hast du ein Monster erweckt!“ kicherte ich, an sein Ohr knabbernd. „Eine gierige unersättliche Bestie meinst du wohl! Das mir das letzte Quäntchen Rückenmark nimmt.“ „So und du? Du veränderst jegliche normale Geografie, nur damit ich in dein Bett gelange!“ Überrascht sah er mich an, „Das war ich nicht, Claire. Ich dachte du hättest es verstanden, Ale … die Insel hat dich zu mir geführt. Eigentlich bin ich dir aus dem Weg gegangen, aus Angst dir in meiner Wut etwas zuleide zu tun.“ „Die Insel, aber du sagtest, meine Sachen …“ Raphael nickte, „Ich wusste es von dem Moment, als ich deine Tasche auf dem Stuhl sah. Auch das ist eine Eigenart von ihr. Sie lässt uns bestimmte Sachen wissen, sie verändert, hilft, wo es notwendig ist und bestraft.“ „Raphael, bitte keine Märchenstunde! Wer sollte euch zum Beispiel bestrafen und warum.“ „Wir sind keine Heiligen, Claire. Weißt du noch, als ich für einige Tage verschwand, nachdem ich dich damals heimbrachte?“ „Ja ich dachte du wolltest dich nur entschuldigen und das wäre es dann.“ „Genau, in Wirklichkeit wollte ich nur ein wenig Abstand von dir.“ Er grinste mich anzüglich an, „du verstehst schon! Also Alexa hat mich hier festgehalten, kein Dach über den Kopf, ein Sturm folgte dem Nächsten. Nur durch Michaels Fürsprache ließ sie mich frei. Denn Michael kann sie …“ er hörte einfach auf, fixierte mich interessiert, dann grinste er vor sich hin als wäre ihm etwas eingefallen. „Was für ein Dummkopf ich doch bin! Wann hast du deine Fähigkeit erstmals bemerkt?“ „Einige Wochen, nachdem du mich hergebracht hast. Als ich anfing, im Spital zu arbeiten.“ „Und zuvor konntest du Gabriel seine Trauer nehmen. Ja, das passt! Es war Alexa, die ganze Zeit, sie hat dir all das verliehen.“ Verwundert dachte ich darüber nach, „Alexa ist keine normale menschliche Frau! Claire du denkst in die falsche Richtung.“ „Dann erklär es mir!“ forderte ich ihn auf. „Da muss ich weit ausholen. Na gut die Geschichte lautet so! Du weißt das ist Luzifers Insel! Vielmehr sollte ich sagen innerhalb seiner Mauern. Denn größer war die Insel ursprünglich nicht, na ja schon, doch nur wenige Meter, eher ein Zipfel. Dorthin ging Mike, als seine Frau starb. Er zimmerte sich eine Hütte zusammen und war lange Zeit nur für sich. Wollte niemanden sehen, er lebte in der Vergangenheit in Gedenken an seine Frau. Jedenfalls passierte etwas mit seinem kleinen Rückzugsgebiet, eines Tages stand sie, Alexa vor ihm. Wir wissen nicht warum. Oder wie es geschah. Jedenfalls ist Alexa seitdem da. Sie ist die Seele der Insel. Kein Mensch in herkömmlichem Sinne. Mike und Alexa haben eine besondere Beziehung, sie liebt ihn auf eine Art, die sich schwer beschreiben lässt. Für uns ist Alexa eine Art von Mutter geworden, sie achtet auf uns. Erleichtert, uns das Leben bietet einen Rückzug. Ein Heim, indem wir uns nicht verstellen müssen. Doch lässt sie uns auch ihren Unmut spüren, manchmal sogar körperlich.“ Fasziniert hörte ich zu, Alexa war gerecht aber auch sehr unpersönlich. Zuerst nahm ich an, sie möge mich nicht und gehörte zu Antonias Clan. Doch warum ließ sie sich von Antonia befehlen? Schließlich musste sie das Spital verlassen, das sagte ich auch Raphael. Er zuckte nur die Schultern, „Wer weiß, Alexa handelt nach ihren Maßstäben, ich habe nie behauptet, sie zu verstehen. Genauso unbegreiflich, warum sie dich mit den Fähigkeiten ausrüstet.“ „Oder mich hier herführt?“ „Das könnte ich dir erklären, einerseits wollte ich erst ruhiger werden, bevor ich mit dir rede. Andererseits wünschte ich dich her. Diesen Entschluss hat Alexa getroffen.“ „Was denkst du warum sie mir …“ „Es ist bestimmt Michael zu liebe. Seine größte Sorge gilt dir! Nun er wird nicht begeistert sein, das wir ein Paar sind. Diese Auseinandersetzung besteht mir noch vor.“ „Du meinst wohl uns!“ „Nein Claire! Mir! Er wollte einen liebenden, fürsorglichen Partner für dich. Keine Verbindung wie die unsere, die auf Begehren geschlossen wurde.“ War das alles nur Leidenschaft, fragte ich mich. Diese ruhige Gelassenheit? Mit der wir uns unterhielten, die Zärtlichkeiten die wir unbewusst miteinander tauschten. Sei es ein kleiner Kuss am Haaransatz, auf der Nasenspitze. Das liebevolle Streicheln über den Rücken. Alles nur Begehren? Doch diese Überlegungen behielt ich für mich. Raphael bemerkte sofort das ich ihn ausschloss, was ihn keineswegs passte. Natürlich wollte er wissen, was ich ihm verheimlichte. „Ich weiß, warum mir Alexa diese Gabe überließ! Sie ist sauer auf dich und kennt deine grenzenlose Neugier!“ überging ich seine bohrenden Fragen. „Du bist mein Weib, also sperre mich nicht aus!“ verlangte er nun bedrohlich, von einer Sekunde zur nächsten wandelte er sich zum Gegner. „Darauf kannst du lange warten, Erzengel!“ sauer rollte ich mich neben ihn. Jetzt war mir jegliche Romantik abhanden, gekommen. Doch Raphael begrub mich unter sich. „Claire du sagst es mir!“ forderte Raphael. „Nein! Gewöhne dich daran, oder geh!“ fauchte ich ihn böse an, er stierte ebenso zurück. „Ich werde sowieso gehen, doch zuvor nehme ich mir nochmals deinen verführerischen kleinen Körper vor, der hat wenigstens keine Geheimnisse vor mir!“ meinte er absichtlich brutal, und so nahm er mich auch. Das schlimmste ich reagierte auf seine Rücksichtslosigkeit, ein kurzer heftiger Akt. Der mich erniedrigt und unbefriedigt zurückließ. Dann stand Raphael auf, duschte, schnappte sich eine Tasche, die ich zuvor übersehen hatte und ging ohne ein weiteres Wort. Du wirst hier wohnen! Alexa wird darüber wachen! Wütend, noch mehr frustriert schlug ich auf die Kissen ein. Beschimpfte den Engel, verfluchte seine Dickköpfigkeit und ihn gleich auch. Drei Wochen wütete ich bereits und dieser räudige Hund ließ nichts von sich hören. Wahrscheinlich lachte er sich eins ins Fäustchen. Gar zu leicht hatte ich es ihm ja gemacht. Eine willige Geliebte, die die Beine spreizte, obwohl ihr gerade erst gesagt wurde, dass ihre Eltern ermordet wurden. Noch erfuhr ich, was mit Michael war, meine Annahme er sei in der Oase blieb ein Rätsel. Keiner der Engel sprach darüber ein Wort und ihre Gedanken hielten sie zurück. Was ich bestimmt Raphael zu verdanken hatte. Nur auf eines verließ ich mich, meine unerfüllte Rache, den Hass, den ich gegen Ben schürte. Manchmal brannte ich in meinen Inneren lichterloh. Dann musste ich mich abkühlen, flüchtete aus dem Hospital dem kalten Meer entgegen. Die Frauen und auch die Engel bemühten sich erst meine Übellaunigkeit zu besänftigen, doch blockte ich jeden Versuch ab. Meine Arbeit erledigte ich gewissenhaft, aber danach kehrte ich in Raphael verwüstetes Haus zurück. Hier lieferte ich ganze Arbeit. Das Schlafzimmer war ein Trümmerfeld, ebenso das Bad. Inzwischen lief das Wasser im Wohnzimmer an den Wänden herunter. All das erfüllte mich mit Genugtuung. Sein Reich vernichten, sein Heim zerstören. Aber mein Hauptaugenmerk haftete sich auf Rache und wie ich sie bewerkstelligen konnte. Meine Gedanken kreisten unaufhörlich um ein Thema. Wie kam ich von der Insel? Forschend suchte ich nach einer Möglichkeit. Setzte sogar die mentale Fähigkeit ein und eines Tages bekam ich einen Kontakt zu einem Nephilim. Zuerst dachte ich es sei ein Engel, aber die Gedanken waren bösartig, geradezu gemein. Dieser Nephilim hetzte einen Menschen auf. Ich nahm an, ein Mann denn dieser sollte seine Frau auf das Übelste bestrafen. Erst wollte ich mich entsetzt über die schrecklichen Dinge die ich fühlte, abwenden. Doch bevor ich es tat; was, wenn ich erfuhr, wo Ben sich aufhielt. Oder gelang es mir Ben selbst aufzufinden? Stundenlang bis zur Erschöpfung meiner Kräfte hörte diesem Nephilim zu. Die nächsten Tage suchte ich nach weiteren Nephilim oder hoffte auf Ben zu stoßen. Doch es blieb bei diesem einen. Bis ich dachte, auf einen weiteren zu stoßen. Stellte aber bald fest das es sich um einen Engel handelte. Doch ein Gutes hatte dieser kurze Kontakt, nun kannte ich die Unterschiede zwischen einen Engel und einem Nephilim. Dabei kam mir die Idee die Engel außerhalb der Insel zu belauschen, es könnte ja sein, etwas von Ben zu erfahren. So richtete ich mein Augenmerk nicht nur auf einen Nephilim. Mit der Zeit viel es mir immer leichter, schnell fand ich einen oder mehrere Engel manchmal konnte ich sogar sagen, um wen es sich handelte. Mit den Nephilim verhielt es sich schwieriger, es lag wahrscheinlich an ihren geringeren mentalen Fähigkeiten, doch ich arbeitete weiter hart daran, meine zu vermehren. Bald schon musste ich aufpassen, dass die Engel mich nicht bemerkten. Sie waren sehr sensibel und manchmal war es so als schauten sie mich erstaunt an. Was völlig unmöglich war, aber ich empfand es so. Ein, zweimal streifte ich Gabriels Geist, doch davor wich ich sofort zurück. Aus Angst er könne mich wahrnehmen und erkennen, bei seinen Fähigkeiten, die ich nur zu gut spürte, war dies möglich. Seine Farbe blendete mich, zog mich an wie ein Magnet. Deshalb hütete ich mich vor seinem blau, sowie vor grün, silber und rot. Diese waren am ausgeprägtesten. Ferner suchte ich weiterhin einen Weg, diese Insel zu verlassen. Kein Buch, oder auch Luzifer noch sonst jemand konnte mir eine Auskunft geben. Luzifer, den ich nebenbei befragte, hob sofort misstrauisch die Brauen. Deshalb versuchte ich es weiterhin mit den Engeln. War es Übermut oder nur Selbstüberschätzung, mit einem Male spürte ich eine mächtige Präsenz. Ich musste erst gar nicht herausfinden, wer dieser Jäger war. Diesen kannte ich nur zu gut! Wie konnte ich ihm entkommen? Da kam mir ein Nephilim zu Hilfe, zwar unfreiwillig doch ich nutzte diese Chance und drang in dessen Geist ein nur an Ben denkend. Ich hoffte, dies würde Raphael ablenken, damit ich mich von ihm ungesehen davonschleichen konnte. Er viel auf meinen kleinen Trick herein. Das war knapp, zu knapp! Als ich am nächsten Tag von meiner Schicht zu Raphaels Haus kam, erwartete er mich bereits auf der Terrasse. Seine Laune war alles andere als sanft zu nennen. Er wusste es! Fieberhaft überlegte ich mir eine passende Ausrede. Doch zu meiner Erleichterung war er wie vom Donner gerührt entsetzt über den Zustand seines Hauses. Er fand meine Gelassenheit überhaupt nicht witzig. Was mich wiederum erheiterte. „In diesem Drecksloch kann man doch nicht wohnen! Was in Gottes Namen hast du angestellt?“ wild, wie ein Besessener rannte er auf und ab. Ich zuckte nur die Schultern, „Die Terrasse ist noch heil!“ „Ja das sehe ich“ grübelnd beobachtete er mich, „Ich frage mich eines. Hast du von hier aus deine Spionagetätigkeit betrieben?“ „Meine was?“ unschuldig fragend entgegnete ich seinem Blick. „Du kannst einfach nicht lügen! Warum machst du mir solche Schwierigkeiten, ich musste extra herkommen. Und dann finde ich das!“ Wiederum zuckte ich mit den Schultern, „Ich habe es dir gesagt, das Beste wäre du verbannst mich. Aber wie immer willst du nicht auf mich hören! Also beschwer dich nicht.“ Lässig zumindest äußerlich setzte ich mich auf die Treppe. Raphael sprachlos, sah aus als wolle er mich erschlagen. „Du … du, ich muss hier weg! Bei Gott noch nie war ich so nah dran ...“ Er flog geradezu an mir vorbei und schlug den Weg zum Haus ein. So dieser Sturm war vorbei, weitere würden noch folgen! Die Verbannung war meiner Ansicht der einzige Weg, damit ich von der Insel kam. Viel fehlte nicht mehr und er würde mich vor die Tür setzen. Dessen war ich mir sicher. Wo konnte ich noch einen obendrauf setzen? Raphael weiter reizen. Das Haus bereits ruiniert! Was würde ihn noch mehr auf die Palme bringen? Dann fiel es mir ein! Die Stadt, Gabriels Wohnung, vielleicht sollte ich mich heute mal so richtig auftakeln. Irgendein Kerl sollte sich doch finden lassen. Ja genau das Richtige! Schon machte ich mich auf den Weg. Wie sehr ich Gabriel liebte, auf ihn war Verlass. Ich stürmte in den Raum, wo er einen Teil meiner Kleidung aufbewahrte. Natürlich alles Kleider! Ich brauchte nicht lange und fand genau das Richtige. Auch passende Schuhe waren vorhanden, Gabriel ich musste mit ihm unbedingt mal reden. Schließlich bewahrte er die Kleider einer Frau auf, die mit einem anderen Engel verbunden war. Doch dann viel mir ein das ich nach dem heutigen Abend nie mehr mit ihm reden könnte. Sowie mit Myriel und Kayle, Uriel, Al, Colin, Claire reiße dich zusammen. Das ist doch genau das, was du willst. Kurz entschlossen setzte ich mich an Gab`s Schreibtisch und schrieb ihnen einen Brief. Erklärte, warum ich nicht mit Raphael zusammenleben konnte. Meine Gefühle für ihn, die er nicht erwiderte. Schließlich konnte man keine Gefühle erzwingen. Meinen Hass auf Ben, der in mir brannte. Ich schrieb mir alles von der Seele, bat sie mich zu verstehen. Dann ging ich akribisch an die Arbeit, duschen, schminken, Haare und zum Schluss das gewagte Kleid. Unsicher stand ich vor dem Spiegel, sollte ich wirklich so ausgehen. Du musst! Du musst die Aufmerksamkeit auf dich lenken. Geh in eine Bar und bagger jemanden an. Das schaffst du schon, Claire. Um mir Mut zu machen, ging ich an die Bar und goss mir großzügig was von Gabriels Zeug ein. Das brannte höllisch, mit tränenden Augen überprüfte ich nochmals mein make up. Das war in Ordnung. Also los. Ich suchte mir eine Bar und setzte mich an die Theke. Sehen und gesehen werden lautet die Divise. Es war schwerer als ich dachte. Die Männer warfen mir zwar Blicke zu, doch keiner sprach mich an. Dann musst du in die Offensive! Ich musste über mich selbst lachen. Ich sprach wie ein General vor der Schlacht. Dann mal los, Claire! Such dir einen aus und greif frontal an. He, wo waren die verdammten gut aussehenden Kerle, wenn man sie brauchte? Ich bestellte mir noch einen Flip und dankte dem Kellner mit einem schmachtenden Blick. Übung macht den Meister! War der schwul? Oder ich so wenig anziehend? Stunde um Stunde, Flip um Flip. Kein Freier in Sicht. Na das ging voll in die Hose! Und zum allem Überfluss war mir jetzt auch noch schlecht. Verdrossen machte ich mich auf, na ja wenigstens warst du mal unter Leuten. Man sollte immer das Positive sehen. Ein Liedchen auf den Lippen, zog ich die Schuhe aus, denn im Sand war es angenehmer barfuß zu laufen. Ehrlich Claire du bist beschwipst. Laut trällerte ich wie betrunken ich sei. Es hörte mich sowieso niemand, also konnte ich mich auch mal daneben benehmen. Kindisch geradezu albern lief ich durch die Gischt. Schrie vor Vergnügen auf und lief wieder ins Wasser. Wie ein Kind sprang ich durch den Sand. Bis ich in Heulkrämpfen im Sand sitzen blieb. Was war ich doch für ein Versager! Nicht ein einziger Mann fand mich interessant. Sogar der olle Thekenknabe konnte sich nicht ein müdes Lächeln abringen. Echt toller Plan! Was nun? Zurück in diese Ruine? Nein! Ich musste mit jemandem reden! Myriel? Nein! Sie war eine gute Freundin, doch sie glaubte an Raphael und seiner Liebe zu mir. Wie könnte ich ihr begreiflich machen, wie es wirklich aussah. Wer kam noch infrage? Luzifer, nein auch er nicht. Er würde Raphael nur kränken. Michael! Doch auch das wäre falsch. Er war von Anfang an gegen die Verbindung, ich wollte die Freundschaft zwischen den beiden nicht belasten. Wer dann? Mir fiel niemand mehr ein, ich war auf mich allein gestellt. Doch egal wie ich es auch drehte und wendete zu einem vernünftigen Ergebnis kam ich nicht. Einen Entschluss fasste ich jedoch. Zu dem Haus wollte ich keineswegs. Eher schlief ich unter freien Himmel. In die Wohnung von Gab konnte ich auch, doch auch da zögerte ich. Vor allem war Gab, Raphaels Freund. Denn zu einer Trennung kam es. Nein dachte ich eine Trennung war der falsche Ausdruck, dazu gehörte eine gemeinsame Vergangenheit. Ich kam zu der Bucht, es war windstill und die Nacht war warm. Also ließ ich mich im Sand nieder und versuchte meine Sinne zu beruhigen. Schlaf ein paar Stunden, dann sehen wir weiter, so tröstete ich mich. Morgen fällt dir was ein! Als ich jedoch aufwachte, saß mir genau der Engel gegenüber, den ich keineswegs sehen wollte. Er hielt mir eine Flasche Wasser hin, die ich dankend annahm. „Du siehst grässlich aus!“ war sein einziger Kommentar. Dann, „Ich war bei Alexa, sie sagt sie habe keine Ahnung, wie du zu deinen Fähigkeiten kommst. Doch sie sagte auch du seiest anders als die Frauen. Sie hat es gespürt, gleich als sie dir, das erste Mal gegenüberstand. Michael sei stark in dir. Was auch immer das heißen mag. Alexa spricht gern in Rätseln.“ Was sollte ich dazu sagen, so schwieg ich. „Du wirst deine geistigen Ausflüge unterlassen! Das ist ein Befehl! Ferner wirst du dafür sorgen, das mein Haus in Ordnung kommt. Wie du das bewerkstelligst, ist mir gleich. Mit einem Hammer kannst du ja umgehen!“ setzte er spitz hinzu. „Ohne meine Erlaubnis gehst du nicht mehr in Gabriels Wohnung. Ich werde Gab entsprechend informieren. Noch wirst du dich nochmals so auftakeln! Geschweige dir einen Freier angeln. Du darfst deine Arbeit im Spital behalten.“ Schnaufend blitzte ich ihn an, „Merke dir eines Raphael ich nehme keine Befehle entgegen! Dein Haus fackel ich gerne ab! Ich frag mich nur, warum ich das nicht schon längst getan habe! Und noch eines, ich gehe, zu wem ich will. Physisch oder psychisch!“ aufs Äußerste gereizt stand ich auf. Klopfte den Sand vom Kleid und ließ ihn dort schmollend zurück. Keine fünf Meter kam ich weit, als ich vom Boden gerissen und fortgetragen wurde. Erst vor seinem Haus setzte er mich ab. „Sieh dir an was du angerichtet hast! Das war einmal mein Heim du hast es zerstört.“ „Genau wie du mich!“ warf ich ihn vor, „meine Seele gegen dein Haus! Du hast das bessere Geschäft gemacht!“ und lief davon, direkt in Alexas Arme. „Du kommst mit mir!“ bestimmte sie ruhig, auf Raphaels bittere Vorwürfe reagierte sie nur kopfschüttelnd. „Du darfst uns gerne besuchen, bald!“ Darauf konnte ich gern verzichten. „Männer!“ Hörte ich Alexa sagen, „sie wollen befehlen und beschützen, doch wie sie das anstellen, ist meistens falsch.“ Diese und ähnliche Weisheiten bekam ich täglich zu hören. Alexa fragte niemals sie wusste es einfach. Ich fragte mich, was dieser Frau eigentlich nicht entging. Auch klärte sie mein Scheitern in der Bar auf. „Du bist die Frau eines Engels kein Mann wird dich belästigen.“ Sie erteilte mir weiterhin Unterricht in der Krankenpflege, Heilkräutern und ermutigte mich weiterhin meine Fähigkeit auszubauen. Zudem musste ich regelmäßig zu Luzifer. Darauf behaarte sie, auch an anderen Treffen der Frauen schleppte sie mich mit. Von Zeit zu Zeit verschwand sie, ich nahm an zu Mike. Von ihm sprach sie nie. Wenn ich das Gespräch auf Michael lenkte, wurde sie still wie eine Auster. Raphael dagegen erwähnte sie ständig. „Claire du bist dumm! Du musst nachgeben, denn er ist stark!“ „Damit er mich auseinander pflücken kann? Mich erniedrigen? Mir Befehle erteilen kann? Eine Partnerschaft ist mehr!“ Dann fing sie an zu lachen, „doch im Liebesspiel überlässt du ihm die Führung! Ich sagte ja du bist dumm! Sieh dir Antonia an sie ist klug! Sie weiß, wie sie ihren Engel behandeln muss.“ „Das habe ich gesehen!“ meinte ich naserümpfend, „diese Schleimerei, das süße Getue; das kann ich nicht.“ Sel war ein paar Tage auf Urlaub zu Haus und ich musste mir mit ansehen, wie Antonia ihren Mann umschmeichelte. Jeden verdammten Tag musste ich stundenlang im Esssaal sitzen, es war widerlich. „Dumm, Claire! Denke nach was sieht Raphael in dir?“ „In mir? Du meinst wohl an mir! Auf irgendeine verdrehte Art, findet er an meinen Körper gefallen. Alexa du versuchst einen gemeinsamen Punkt zu finden, aber da ist keiner!“ Ihre Augen blitzten vergnüglich auf, „Raphael kommt morgen, ich habe ihn eingeladen. Er darf uns eine Stunde besuchen. Du wirst dich in keiner Weise von ihm provozieren lassen. Wenn dir die Galle überkocht, schluck es runter. Erzähle vom Spital, deiner Arbeit doch kein Wort über deine wachsenden Fähigkeiten oder dem Nephilim, noch von deinen Rachegelüsten.“ „Aber ich will ihn überhaupt nicht sehen! Ich lege keinerlei Wert auf seine Gesellschaft!“ entgegnete ich stur. „So und warum bekommst du jedes Mal Herzklopfen, sobald du seinen Namen hörst. Oder horchst insgeheim nach ihm, Claire mir kannst du nichts vormachen.“ „Warum, Alexa! Warum bemühst du dich?“ „Du bist die Tochter, die er liebt! Dein Glück hängt von seinem ab!“ tränen standen Alexa in den Augen. Verletzlich, sobald Michael im Spiel war. „Wie geht es ihm, Alexa?“ Keine Antwort wie immer. So mussten sich die Kavaliere und ihre Fräuleins früher gefühlt haben. Wie ich schnell bemerkte, musste Raphael ähnliche Instruktionen erhalten haben. Die Gouvernante führte das Gespräch und die Zöglinge gehorchten. Im Grunde amüsierte mich die Situation. Raphael trank artig seinen Kaffee und aß den Kuchen. Wie sehr er sich zusammenriss, war unübersehbar. Die Augen drückten seinen Ärger aus, die Wangenknochen mahlten vor sich hin. Er übersah mich geflissentlich. Luft ich war einfach nur Luft. Indessen lenkte Alexa die Unterhaltung, bis er gehen durfte. Er nickte Alexa zu, doch mich beachtete Raphael mit keinem Blick. Und dafür musste ich mir die Prozedur des Herrichtens über mich ergehen lassen. In diesem Punkt ähnelte sie Gabriel. Zuerst jeden zweiten Tag, eine Stunde. Dann erweiterte Alexa die Besuche auf tägliche Zusammenkünfte. Die Abfolge blieb immer gleich, wir saßen an einem Tisch und Alexa, bestimmte die Themen. So ging es über Wochen und Alexa beharrte darauf. Außerhalb der Treffen musste ich weiterhin regelmäßig im Esssaal oder im Hof Bekanntschaften knüpfen. „Rede mit den Frauen! Die Engel sind nicht dein Problem, die Frauen sollst du kennenlernen und sie dich.“ Wenn ich dann mal wieder unverrichteter Dinge zurückkam, durfte ich wieder dorthin. Bis ich mich mit wenigstens einer Frau unterhielt. Zwischen Arbeit, den täglichen Treffen mit Raphael, die nun inzwischen über eine Stunde gingen und er mich noch immer nicht beachtete. Dies empfand ich als verschenkte Zeit. Der Pflicht mich mit Frauen zu unterhalten, sowie Alexa zur Hand zu gehen. Denn sie schickte mich, inzwischen fast täglich in den Wald um Kräuter zu sammeln. Das tat ich gern, vor allem dort traf ich keine Menschenseele an. Doch fand ich, kaum noch die Zeit meine Übungen fortzusetzen. Alexa meinte ich solle sie jederzeit einsetzen, in die Gefühle meiner Umwelt eindringen. Es gäbe nicht nur Menschen und Engel, daran sollte ich denken. Es fiel mir zunächst schwer entweder ich konzentrierte mich auf meine Fähigkeit oder ich unterhielt mich. Beides zusammen schlug fehl. Außer im Wald, die Pflanzen und Tiere waren weniger komplex. So dachte ich zunächst, doch dann wurde mir bewusst, wie groß, überwältigend das Leben dort war. Mit einem Tritt konnte ich Leben zerstören, nun ging ich behutsamer durch den Wald. Auch wenn ich stunden unterwegs war und kaum die benötigten Kräuter mitbrachte schien Alexa zufrieden zu sein. Als ich sie darauf ansprach, lächelte sie mich nur an und meinte die Antwort kenne ich doch. Ja sie formte mich, lehrte mich mit den Frauen umzugehen. Denn ich musste mein Verhalten ändern, damit sie mich so sahen, wie ich bin. Sowie ich diesen Frauen die gleiche Chance geben musste, um sie kennenzulernen. Ich konnte mich mit einigen leichter unterhalten, mit anderen brauchte ich mehr Anlaufzeit und andere sah ich lieber gehen als kommen. Luzifer forderte meinen Verstand heraus, er lieh mir ein Buch. Danach wetzte er seine Zähne an mir, forderte eine Diskussion und nie war er einer Meinung mit mir. Auch hier lernte ich, nicht gleich aufbrausend auf meinen Standpunkt zu behaaren. Wenn ich so darüber nachdenke, war und bin ich ein ziemlich eingebildetes, halsstarriges und auch verwöhntes Geschöpf. Dass sich schnell eine Meinung bildete und damit basta. Nun ich war lernfähig. Als Gabriel mich besuchte, meinte er, bevor er ging, dass ich mich wandle und zu der Frau wurde, die er in mir sah. Das war das größte Kompliment, das man mir je machte. Denn ich muss zugeben ich fühlte mich besser, sicherer. Sah nicht gleich in jeder Frau einen Feind. Machte mir Gedanken, warum sie gerade so reagierten und lernte man ist einfach nur ein Mensch der Fehler beging. Es fiel mir leichter, unter vielen Menschen zu sein. Die Einsamkeit, die ich sonst verspürte, war weniger vordringlich. Ich wurde ein Teil der Gemeinschaft, zumindest für einen kleinen Teil. Mit den gesellschaftlichen Fähigkeiten lernte ich besser meine; Alexa nannte es Gabe, einzusetzen. Die Engel fühlten meine sachten Vorstöße und ermutigten mich. Bald konnte ich sie unterscheiden ohne das ich sie sah. Auch außerhalb der Insel, fand ich bald Gabriel, der mich in sein blaues Meer umfing und mich freudig begrüßte. Uriel fand es lustig, mich aufzusuchen und in der Nacht zu wecken. Dann hielten wir oft Zwiesprache, es war ein Austausch von Gefühlen. Meistens irgendein Blödsinn. Al und Colin hielten sich unerklärlich wie ich fand zurück, zwar drückten sie mir ihre Zuversicht aus blieben jedoch auf Distanz. Natürlich spürte ich auch Raphael, er war überall! In den Gedanken der Engel, auf den Weg dorthin. Es schien er sei übermächtig, alles in seinem weiten Umkreis war gefärbt von seiner Gegenwart. Seine Laune, die sich weiter verschlechterte, wie ich unschwer erkennen konnte, all dies nahm ich am Rande wahr. Denn sobald seine Präsenz spürbarer wurde, zog ich mich aus diesem Gefilde zurück. Einem direkten Treffen ging ich aus dem Weg, mir reichten die Zusammenkünfte in Alexas Gegenwart vollkommen, mehr Raphael ertrug ich nicht. Das Hospital leerte sich zusehends, ein paar leicht verletzte Engel lagen zwar noch dort, doch neue kamen keine hinzu. Dafür kamen nach und nach die Krieger und erfüllten den Hof und Esssaal mit leben. Das Hospital wurde mangels an Patienten geschlossen. „Ist es vorbei?“ War die häufigste gestellte Frage. Die Engel gaben hierzu keine Antwort, die bekamen wir einige Tage später. Luzifer, Gabriel, Uriel und Raphael traten gemeinsam vor die versammelten Engel und Frauen und teilten uns mit das die Nephilim bis auf einige wenige unter Kontrolle seien. Die vier die sich noch Frei bewegten seien untergetaucht nach ihnen wurde weiter geforscht. Es habe jedoch keinen Zweck ein allzu großes Aufgebot auf die Suche zu schicken. Da die Menschen die Geschehnisse die in den letzten Monaten geschehen seien, vergessen sollten. Luzifer lud zu einem Fest ein das am Abend gegeben wurde. Meine brennendste Frage nach Ben wurde nicht angesprochen. Sobald ich Gab allein erwischte, was ziemlich schwierig war bestätigte er meinen Verdacht. Ben lief noch frei herum. Der Mörder meiner Eltern genoss die Freiheit, für mich ein Grund nicht zum Fest zu gehen. Alexa war anderer Ansicht, „Du musst bedenken, dass es ein Teilerfolg ist. Die Nephilim sind geschlagen es ist nur eine Frage der Zeit, wann alle vernichtet geschlagen sind. Sie sind auf der Flucht, allein auf sich gestellt. Die Engel haben allen Grund zum Feiern, ihre Anführer hochleben zu lassen, sich selbst, denn wir haben keinen Toten zu beklagen. Das ist es Wert ein Fest zu begehen.“ Nachgebend begleitete ich Alexa. Die Feier war bereits in vollem Gange. Übermütig feierten die Engel und ihre Frauen den Erfolg. Schon wurde davon gesprochen, bald das alte Leben wieder aufzunehmen. Die Frauen sprachen davon, die Engel enthielten sich jeglichen Kommentars. Noch sprach einer das Fehlen Michaels an. Alexa und ich saßen an einem der aufgestellten Tische. Die mitfühlenden Blicke der Engel, die sie Alexa zuwarfen, entgingen mir nicht. Ja es war eine ausgelassene Party, doch auch gedachten sie an Mike. Es war noch früh am Abend, als Alexa aufbrach. „Du solltest hierbleiben!“ doch ich verneinte, „Wie du willst! Doch du bist den restlichen Abend allein ich habe noch zu tun.“ „Das macht nichts Alexa, dann hole ich die Kräuter, die ich gestern vergaß.“ Sie nickte nur, ich wusste diese Kräuter nahm sie mit zu Michael. Deshalb ärgerte ich mich, weil Alexa sie heute Abend bestimmt benötigte. Dem Treiben den Rücken kehrend gingen wir heim. „Morgen wirst du ausziehen, Claire! Dein Platz ist an Raphaels Seite.“ Das warf sie mir nebenbei an den Kopf. Konfus die Worte verstehend aber nicht wahrhabend wollend, starrte ich sie an. „Was hast du gedacht? Ewig bei mir zu bleiben? Claire ich habe versucht die kluge, reife Frau in dir zu wecken. Gebrauche deinen Verstand. Deine Geduld und deine Liebe, zu ihm. Mehr kann ich nicht mehr für euch tun.“ Sie suchte ihren Korb, „Gegen Mittag bin ich wieder da, bis dahin solltest du weg sein. Ich mag keine Abschiede, wir sehen uns, Claire.“ Völlig verdattert saß ich nur da! Die halbe Nacht, versuchte ich einen klaren Gedanken zu fassen. Ich konnte doch nicht einfach vor Raphaels Tür auftauchen und sagen, hallo da bin ich wieder. Unmöglich! Ich kannte ihn gut genug, aus Pflichtgefühl würde er mich aufnehmen. Ihm das antun? Nein! Das ist keineswegs fair. So machte ich mich nochmals auf den Weg zum Haus, sie feierten noch immer. Luzifer fand ich mitten im Geschehen. Bis ich ihn von dort weglockte, verging eine geraume Zeit. Schnell erzählte ich ihm die Situation, doch er meinte nur, „Dein Partner ist zurückgekehrt dort musst du hin!“ so war es bei allen die ich bat mir einen Unterschlupf zu gewähren. Auch Kayle war in diesem Bezug unerbittlich. Während Myriel mich wenigstens verstand. Aber sie hielt sich an Kayles Worte. Zermürbt packte ich meine Habe ein, wenig genug war es ja. Mit jedem Umzug wurde es geringer, so fühlte ich mich auch dünn, ausgemergelt, leer. Der Morgen dämmerte langsam hinauf. Gleichgültig verließ ich Alexas Heim, wohin nur fragte ich mich ständig. Wohin nur? „Ich habe auf dich gewartet!“ Raphael stand am Ende des Vorgartens. Wortlos nahm er meine Tasche und schulterte sie. Zögernd folgte ich ihm, er ging zügig voraus. Wenn der Abstand zwischen uns zu groß wurde, wartete er. Ohne sich umzudrehen, ging er dann weiter, sobald ich nah genug heran war. Vor der Terrasse blieb Raphael stehen und überließ mir den Vortritt. Ich sah das Haus war noch in dem gleichen heruntergekommenen Zustand, wie ich es verließ. Raphael ließ meine Tasche einfach auf den Boden fallen und ging hinaus. Ich hatte verstanden, er hielt an seine letzten Worte fest. Also fing ich, an wenigstens das Bad einigermaßen in Ordnung zu bringen. Die fehlende Duschabtrennung ersetzte ich durch Folie, das sah schlimm aus. So lief das Wasser wenigstens nicht mehr in die unteren Räume. Das Schlafzimmer war noch übler zugerichtet. Das Bett war hin! Das Holz warf ich aus dem Fenster und die Matratze lag auf dem Boden, damit musste Raphael sich nun einmal begnügen. Irgendwann kam er herein, „Ich gehe essen!“ war sein einziger Satz und ich nickte nur bestätigend. Bis zum Abend war das Schlafzimmer wieder begehbar. Erschöpft ließ ich mich auf den Boden fallen. Raphael ließ sich den restlichen Tag nicht mehr sehen. Ich ging Duschen und machte mir im Wohnzimmer einen Schlafplatz fertig. Dann setzte ich mich an den Strand und schaute den Wellen zu. Ich bemerkte, dass Raphael ins Haus ging, irgendwann legte ich mich schlafen. Am nächsten Morgen wachte ich früh auf, jeden Muskel spürend. Leise schlich in mich ins Bad. Die Tür zum Schlafzimmer war geschlossen. Schnell ging ich ins Gemeindehaus zum Glück war noch niemand dort. Dann begab ich mich erneut an die Arbeit. Die Wasserflecken übertünchte ich mit Farbe, aus dem Schuppen. Bald würden sie wieder durchkommen, aber ich wusste nicht, wie sie zu beseitigen waren. Genauso wie der aufgequollene Holzboden, ich zuckte mit den Schultern sollte es ihm nicht passen daran konnte ich nichts ändern. Wieder ging Raphael ohne ein Wort. Wie am Abend zuvor legte ich mich müde auf mein Lager. In der Nacht kam Raphael, er inspizierte das Wohnzimmer und ging nach oben. Die Küche war schnell sauber. Endlich fertig! Die Tage zogen sich trostlos dahin, zu meiner Verwunderung konnte ich kein Buch vorfinden. Obwohl ich Raphael mit einem Buch aus dem Haus gehen sah. In das Schlafzimmer setzte ich keinen Fuß. Nur das Bad benutzte ich. So saß ich meistens am Strand, übte an meiner Gabe. Versuchte Ben zu finden, irgendwie musste er doch aufzuspüren sein. Der Hass, den ich ihn gegenüber schürte, nahm mit jedem Tag zu. Ich wollte ihn vernichtet sehen. Er hatte kein Anrecht mehr in Freiheit zu leben. Auch wenn Alexa meinte, er sei auf der Flucht, doch er atmete. An diesem Mittag ging ich ins Haus, nur aus einem Grund meine Stimme zu gebrauchen. Dort erfuhr ich das keine Frau in nächster Zukunft die Insel verlassen durfte. Die Engel gingen noch immer auf Patrouille. Ich freute mich, die Frauen aus dem Spital wiederzusehen. „Claire!“ riefen sie mir zu, wo hast du solange gesteckt? Wir haben Raphael gesagt, dass wir uns regelmäßig treffen. Hat er es dir nicht ausgerichtet?“ „Es war viel zu tun!“ antwortete ich ausweichend. Die Partner der Frauen setzten sich dazu. Einige Anekdoten wurden erzählt. Auch die schwierigen Fälle, die Vergiftungen und wir Frauen vermissten es schon, eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Doch durch was, wir diese ersetzen sollten, wusste niemand. Viel besserer Laune kehrte ich in Raphaels Haus zurück und bekam einen Schock! Das Haus war von oben bis unten verwüstet. Noch schlimmer als ich es verließ. Noch stand ich in den Trümmern als Raphael nass gerade dem Meer entstiegen herein kam. „Deine sinnvolle Aufgabe!“ mehr sagte er nicht. Wieder arbeitete ich mir die Hände und Rücken wund. Als ich endlich fertig war, konnte ich kaum noch laufen. Ich ließ die Frauen durch einen Engel ausrichten, dass ich viel zu tun hätte. Beinahe eine Woche schuftete ich mich ab. Dann ging ich wieder zu den Frauen, das war es mir wert. Sollte er doch das Haus verwüsten, dann mache ich es eben wieder sauber. Genauso war es! Langsam bekam ich sogar eine Art Routine. Es fiel mir weniger schwer die Arbeit zu verrichten und freute mich auf ein Wiedersehen mit den Frauen. Die es mir keineswegs übel nahmen, dass ich oft nicht kam. Myriel drängte inzwischen schon das ich nie vorbei kam. Oder ich sie abwimmelte. Doch ich konnte keinem zumuten, in diesem Durcheinander auszuharren. „Du siehst schlecht aus Claire, hast du abgenommen?“ „Die Arbeit fehlt ihr!“ meinte Beatrice grinsend. „Aber da du heute hier bist, ich gebe morgen eine Party und würde mich freuen, wenn ihr kommt.“ „Wir?“ fragte ich nach, ich verstand nicht ganz. „Na du und Raphael!“ meinte sie verblüfft, die anderen sahen mich aufmerksam an. „Ja natürlich, ich rede mit Raphael!“ „Dann sind wir ja alle da!“ freute sich Beatrice. Nun ich würde mir eine gute Ausrede überlegen müssen. Denn morgen das wusste ich im Voraus würde ich das Haus Raphaels in Ordnung bringen. So geschah es auch, ich bat einen Engel, den ich während des Frühstücks traf, einen Brief an Beatrice zu übergeben. Den ganzen Tag ging ich die schon gewohnten Tätigkeiten nach. Erschöpft und müde saß ich auf der Treppe, ein paar Minuten verschnaufen. Dann wollte ich unter die Dusche. „So du bist fertig?“ erstaunt sah ich mich um, Raphael geschniegelt sah auf mich hinunter. „Dann sollten wir gehen!“ „Und wohin?“ „Zu der Party, von der du mir nichts erzählt hast. Na los wir kommen sowieso schon zu spät!“ war er blind? Ich war dreckig, kaputt und stank! „So gehe ich nirgends hin, vorher muss ich duschen.“ „Dann bleib eben daheim, übrigens im Schlafzimmer hast du einiges vergessen. Das kannst du ja dann erledigen.“ Was noch? Wie viel Erniedrigung konnte ich noch ertragen? Meine Zähne zusammenbeißend, die Tränen herunterschluckend, stieg ich die Treppen empor und sah mir an, was Raphael mir hinterlassen hat. Denn das Schlafzimmer war zuvor hundertprozentig in Ordnung. Dann ging ich eben später duschen. Das nächste Martyrium war vorprogrammiert, denn wieder saß ich mit den Damen zusammen. Doch hörte ich nicht besonders gut zu. Denn Raphael saß mit Antonia und ihrer Clique am anderen Ende des Saales. „findest du nicht auch, Claire“ „… ja sicher!“ antwortete ich automatisch, fragte mich, was diese Natter wieder ausheckte. Wie gewöhnlich fand ich das Haus in einem desolaten Zustand. Der Run begann auf ein Neues! Gerade war ich ein paar Stunden beschäftigt da hörte ich die ganze Frauenmeute. Was wollten sie denn hier? Schnell stürmte ich die Treppe herunter, zu spät! Sie drangen entsetzt ins Wohnzimmer ein. Sahen sich schaudernd um dann mich an. Tränen liefen mir über die Wangen ich konnte sie nicht anhalten, sie rollten und rollten. Ein Geschnatter erhob sich von allen Seiten. Myriel brachte sie zur Ruhe, „Claire heraus mit der Sprache was ist hier los?“ Ich hörte die klare vernünftige Stimme Alexas, erzähle es ihnen. Deine Freundinnen geben dir Stärke. Und ich redete und redete, ließ nicht das Geringste aus. „So! Unser Raphael spielt den Idioten! Ich kann mich noch gut daran erinnern, als er mich auf den Kicker hatte. Das war gelinde gesagt die Hölle. Doch das hier, das ist zu viel! Nun Mädels was denkt ihr darüber?“ Sie krempelten die Ärmel hoch, innerhalb von Stunden war das gesamte Haus in Ordnung. „Wir wollten den Tag zwar am Strand verbringen, doch ich schlage vor wir gehen heute auf Tauchstation und später bringen wir Claire heim. Da darfst uns dann zu einem Kaffee einladen!“ Auf Tauchstation hieß wir hielten uns in der Nähe Luzifers auf. Er bekam dann zwar alles mit, doch ansonsten kein anderer Engel. Und Luz war teuflisch genug, kein Wort verlauten zu lassen. Dafür genoss er die Pläne der Damen viel zu sehr. Am Abend brachten mich drei Frauen nach Haus, sie waren lautstark über die Unordnung im Hause entsetzt. Wie Raphael sich nur so benehmen konnte, klagten sie theatralisch. Also das hätten sie ihn niemals zugetraut. Und so weiter. Es war abgesprochen, dass sie gleich in den Esssaal gehen sollten und ihr Entsetzen vernehmbar kundzutun. Skeptisch sah ich ihren Plan entgegen, Raphael würde sich wegen, ein paar entsetzten Frauen in keiner Hinsicht ändern. Er wollte mir das Rückgrat brechen dafür war ihm jedes Mittel recht. Aber die Frauen lächelten nur, denn schließlich haben sie ja auch Engel als Partner zwinkerten sie mir zu. Die Lawine rollte unaufhörlich auf mich zu. In der Nacht fing es an. „So du hetzt mir also die Weibsbilder auf den Hals!“ unsanft wurde ich von dem Geschrei aus den Schlaf gerissen. „Sei`s drum, du kleine Hexe, ich werde auch anders mit dir fertig.“ Fröstelnd zog ich meine Decke über die Schultern, er kochte vor Wut. Na das konnte ja was werden! „Na los! Steh auf! Ab sofort wirst du mir jeglichen Wunsch von den Augen ablesen! Du kannst sogar deine Gabe einsetzen. In meinen Augen bist du nichts als ein Sklave! Ich will duschen, du darfst mir frische Wäsche und Handtücher bringen.“ Wenn er das als jeden Wunsch ansah, bitte damit konnte ich umgehen. Schließlich habe ich manchen Engel bei intimeren Sachen geholfen. Schnell erledigte ich meine Aufgabe und wollte das Bad verlassen, „Du darfst meinen Rücken waschen!“ Auch das! Dann drehte er sich um, „Du kannst mich ganz waschen, vernünftig.“ Darin war ich mehr als geübt, Raphael jedoch schien seine Probleme zu haben, denn als ich ohne zu zögern sein bestes Stück einseifte reagierte er sofort darauf. Er erwartete wohl das ich erschreckt zurückwich. Doch im Hospital hatte ich genug Genitalien gewaschen. Also fuhr ich fort, und da er vernünftig gewaschen werden wollte, machte ich meine Arbeit natürlich sehr gründlich. Dann kniete ich mich vor ihm um seine Beine zu waschen, das war ihm wohl dann zu viel. „Verschwinde!“ fuhr er mich an. „Sollte ich dich nicht noch abtrocknen?“ fragte ich im milden Ton. „Raus!“ fuhr er mich an. Trotzdem wartete ich vor seinem aufgeschlagenen Bett. „Hast du sonst noch Wünsche?“ wütend stierte er mich an, ich konnte mein Grinsen kaum unterdrücken. Die Wölbung in seinem Short war unübersehbar. „Einen Drink? Eine Massage? Oder …“ „Mach das du, weg kommst!“ „Sicher, wie du wünschst, wenn du mich brauchst, ich erwarte deine Befehle.“ Aufseufzend fuhr er sich durch das Haar. Dieses Scharmützel habe ich gewonnen! Lachte ich innerlich. Dankend gedachte ich meiner Freundinnen und besonders Alexas. Am nächsten Morgen, stand Gab vor der Tür, er war zwar entsetzt sagte jedoch kein Wort. „Kleines! Ich wollte dich, für eine Shopping Tour abholen! Wie wäre es?“ „Warte Gab, ich werde nachfragen. Setz dich doch solang“, schnell stellte ich einen Stuhl auf. Dann klopfte ich an Raphaels Tür, „Darf ich dich stören?“ fragte ich laut genug damit auch Gab alles verstand. „Was willst du?“ fuhr Raphael mich schlaftrunken an. „Darf ich heute in die Stadt, oder brauchst du meine Dienste?“ er überlegte kurz zu müde um Gab unten zu bemerken. „Du bleibst hier! Räum den Dreckstall auf! Danach hältst du dich zu meiner Verfügung.“ „Wie du wünschst, schließlich bin ich ja nur ein Sklave!“ „Merk dir das!“ knurrte er mich an. Dann ging ich wieder hinunter, noch auf der Treppe rief ich, „Gab, es tut mir leid …“ Gab setzte mich einfach ein paar Stufen nach unten, „Du gehst mit mir in die Stadt!“ dann stürmte er an Raphaels Tür, die musste er jedoch nicht aufmachen, da Raphael sie aufriss. „Was machst du hier?“ fragte Raphael dröhnend. „Das wollte ich dich gerade fragen! Wir haben ein paar Worte miteinander zu reden.“ Was die beiden besprachen, konnte ich nicht verstehen, jedenfalls verbrachte ich den Tag mit Gabriel. Wofür ich äußerst dankbar war. Er wollte von mir genaustens wissen war los war. Doch ich sagte kein Wort, denn das ich die beiden heute morgen gegeneinander ausspielte, war mir schon schlechtes Gewissen genug. Am Abend brachte mich Gab zurück. Raphael stand düster die Arme vor der Brust verschränkt auf der Terrasse. „Danke Gab.“ Und er drückte mich kurz an sich. „Du weißt, wo du mich findest, Kleines!“ mit einem letzten warnenden Blick, an Raphael gerichtet. Dann schlenderte er davon, ich sah ihm noch lange nach, bis nur noch ein kleiner Punkt von ihm übrig war. „Was für ein erbärmlicher Taschenspielertrick!“ ertönte abwertend Raphaels Stimme, in meinen Rücken, ich ließ mich nicht davon beeindrucken. Und ging an ihm vorbei die Treppe hoch. War ich im richtigen Haus? Aufgeräumt, frisch gestrichen, der Boden in Ordnung. Sogar neue Möbel! Doch sollte er meinen ich ginge darauf ein, irrte er sich gewaltig. „Was kann ich für dich tun?“ befragte ich ihn diensteifrig. „Nichts!“ dann stürmte er davon. Klar das ich das Bad begutachtete, doch das Schlafzimmer betrat ich nicht. Da Gab und ich in der City gegessen hatten legte ich mich in den noch warmen Sand, langsam zog die Nacht herauf. Die Sterne funkelten, ich erinnerte mich an die Grotte, die Raphael mir damals zeigte. Die Vertrautheit jener Stunde war es je geschehen oder war es nur ein Traum, dem ich nachhing. Das Wohnzimmer war renoviert, mein Schlafplatz verschwunden. Seufzend dachte ich, ein Sklave hat kein Recht auf seinen eigenen Schlafplatz. Du hast mal wieder ganze Arbeit geleistet Raphael. Gratuliere! Deshalb legte ich mich draußen auf die Liege. Wenigstens etwas! Trotzdem schlief ich wie ein Murmeltier, die Liege war bequemer als sie aussah, dachte ich noch schlaftrunken. Dann! Entsetzt schreckte ich hoch! Doch ich lag in einem richtigen Bett! Davor stand Raphael, stirnrunzelnd beobachtete er mich. Vor Kurzem musste er noch neben mir gelegen haben die Wärme seines Körpers spürend. Seinen Duft auf meiner Haut sowie die deutlichen Abdrücke auf dem Kissen. „Du wirst gleich abgeholt!“ dann verschwand er. Zügig zog ich mich an, wer wollte mich abholen? Oder sollte ich fragen, wem gestattete es Raphael, mich abzuholen. Schon bald hörte ich die vergnügten Stimmen. Mein Dreiergespann! Uriel, Colin und Al! Sie scherzten unten in bester Laune. Eilig beendete ich meine Morgentoilette und flog geradezu die Treppe hinunter, geradewegs in Colins Arme, „He, wen haben wir denn da? Das nenn ich eine Begrüßung!“ er drückte mich an sich und reichte mich wie ein Paket weiter an Al. Der mich zwar ebenso freundlich doch zurückhaltender begrüßte. Uriel ging diese völlig ab, übermütig wirbelte er mich durch das Wohnzimmer bis hinaus auf die Veranda. „Ah, Claire wie immer ein schöner Anblick!“ er hielt mich an sich gedrückt. „Verdammt Raphael, da hast du dir wirklich das hübscheste Täubchen geschnappt!“ Raphael brummte irgendetwas in seinen Bart, indessen kamen die beiden Engel mit Kaffeetassen aus dem Haus. Mit den Dreien war es, keine Minute ruhig. Ich beobachtete die Vier und schlürfte meinen Kaffee dazu. Seit langen sah ich Raphael wieder schmunzeln, sogar seine Augen blitzten heiter auf. In mir zog sich alles zusammen, ihn so zu sehen. Nur damit ich, mich von seinem Anblick losriss, ging ich hinein. Colin rief hinter mir her, „Wenn du soweit bist, Claire brechen wir auf.“ „Eine Minute noch!“ von draußen hörte ich sie über mich witzeln, Frauen und die Toilette waren das ungemeine intelligente Thema. Als ich auf die Terrasse trat, versuchten die drei, Raphael zu Überreden mitzukommen. Doch er lehnte ab, wie ich erleichtert feststellte. „Wenn du doch Lust hast, ein wenig zu kraxeln wir sind natürlich auf den Höchsten.“ Ich hörte nur kraxeln und Höchsten, plötzlich wurde mir speiübel. Vorsichtig fragte ich nach, doch sie versicherten mir das der Boden unter mir kein Meter weit weg wäre. So war es auch dank der Insel. Ich kletterte an einer Bergwand hoch und der Erdboden kam hinter mir her. Was freilich die Engel sahen, wollte ich so genau nicht wissen. Nur als wir endlich den Gipfel erreichten erstreckte sich die ganze Insel vor uns aus. Die Aussicht war gewaltig, zudem seltsam genug. Steppe, Dschungel, Wüste, Wälder und mittendrin ein Klotz aus Stein. „Drehe dich um Claire!“ forderte Uriel mich auf, nun lag vor mir ein Winterreich, schneebedeckte Berge, Wälder und Täler. Man sah bunte Punkte, die schnell den Berg hinunterglitten. „Skifahrer!“ klärte mich Uriel auf, der neben mir stand. „Danke! Das ist …“ mir fehlten die Worte, er verstand mich auch so. „Ja, nicht wahr! Doch nun lass uns darauf anstoßen! Du hast deinen ersten Berg bezwungen.“ Mitten auf den Gipfel saßen wir und prosteten uns zu. Von diesem Anblick bekam ich gar nicht genug. Oft ging mein Blick zur Wüste die Oase war als winziger Punkt zu erkennen. „Er wird wieder, bald ist er genesen!“ wiederum war es Uriel, der mich aufmunterte. Er räusperte sich und Al und Colin verzogen sich ein Stück. Interessiert sah ich zu, was kam nun? Und schaute Uriel an. „Claire wir wissen, dass es zwischen dir und Raphael nicht so gut läuft. Du sollst wissen wir,“ er schloss Colin und Al mit ein, „sind deine Freunde, wenn wir für dich etwas tun können. Dann sprich mit uns!“ Sollte ich Raphaels Freunde mit hineinziehen? Nein! Das wollte ich nicht! Genau, wie ich es mit Gabriel hielt. Uriel sah mir die Entscheidung an, „Also wie du wünschst, trotzdem werden wir dich und Raphael besuchen ...“ Er lächelte grimmig, „… ein wenig im Zaun halten, wir kennen ihn gut genug oftmals schießt er über sein Ziel hinaus.“ Eines wollte ich nun doch wissen, erst Gab dann die Drei, woher wussten sie von dieser Misere einer Verbindung. Er lachte hell auf, „Dafür haben die Frauen gesorgt! Raphael hat es im Moment keineswegs leicht. Von allen Seiten bekommt er Druck. Luzifer hat ihn sogar auf Wasser und Brot gesetzt! Nun ja eine Einschränkung gibt es.“ „Antonia!“ vermutete ich, Uriel nickte bestätigend, „Ja sie und ihre Clique, sowie einige Frauen die sich noch nicht entschieden haben. Doch die Engel sind geschlossen auf deiner Seite.“ Ich lachte kurz auf, „Mit einigen wenigen Ausnahmen nehme ich an!“ erstaunt betrachtete mich Uriel, „nein, wie kommst du darauf!“ „Ich meine die Engel, die gebunden sind und dessen Frauen Antonias …“ er winkte ab, „da irrst du dich! In Antonias Haus herrscht genauso viel Stunk wie bei einigen anderen. Die Insel ist in zwei Lagern geteilt!“ „Oh, Gott! Das wollte ich nicht! Wie um Himmels willen konnte das geschehen? Was kann ich tun, um das zu beenden?“ „Kriech unter Raphaels Bettdecke! Ich sag`s ja immer ein guter …“ „Colin!“ fuhr Al dazwischen, „Sex ist keine Alternative!“ „Aber ein Anfang!“ beharrte Colin munter. „Ihr habt beide kein Unrecht, doch wie und wann, das liegt nicht in unserer Hand! Noch was daraus wird! Die Möglichkeiten halten sich die Waage! Schlussendlich müssen die Beiden sich entscheiden.“ Was das wiederum bedeutete, erfuhr ich in den nächsten Tagen, als ich mich bei Myriel und Kayle aufhielt. Dort lag ein Buch offensichtlich mit Bedacht niedergelegt. Es enthielt genau meine Situation, auch die der Insel, zwei verschiedene Auffassungen. Sollte es zu keiner Übereinkunft kommen, würde ein Rat einberufen werden, der dann entschied, wie das Paar zukünftig leben sollte. Es wurde genau beschrieben, wie der Rat vorgehen musste. Zuerst die Befragung des Paares, danach die eventuellen Streitpunkte schlichten. Das alles las sich wie ein Eheberaterhandbuch! „Du solltest auch das Ende lesen!“ empfahl mir Kayle. „Als letztes Mittel wird die Verbindung getrennt!“ „Und die Frau kann die Insel und den Engel verlassen?“ sinnierte ich weiter, „Nein Claire du könntest nicht fort, dafür weißt du zu viel. Aber einen neuen Partner kannst du erwägen, falls ein Engel diese Absicht hegt.“ Einen anderen Partner? Und Raphael immer wieder über den Weg laufen, nein! Undenkbar dafür liebte ich ihn zu sehr. Kayle grinste mich zufrieden an. Misstrauisch sah ich ihn an, „Kayle du kleiner mieser Spion, was machst du in meinen Gedanken?“ stand ich empört auf, ihn anfahrend, er wich vor mir zurück, „Luzifer, er hat mich beauftragt. Claire wir müssen doch … ich meine so geht das nicht weiter, also ich …“ „Hör auf zu stammeln, warum fragst du mich nicht einfach!“ „Was willst du! Schließlich haben dich Gab, Uriel und Luzifer auch schon befragt. Denen gestattest du es und ich werde angefahren.“ „Sie haben was? Soll das bedeuten sie haben mich ausspioniert? Diese kleinen hinterlistigen Würmer! Freunde! Wo sind sie, ich werde ihnen …“ vor Wut war ich so … ach ich könnte ihnen den Hals umdrehen. Warf das Buch in eine Ecke und stürmte hinaus, draußen erwartete mich bereits Gab. Der grinsend Kayle zuwinkte und mich dann in Augenschein nahm. „Hallo Kleines, wie ich höre bist du in Fahrt! Das wollte ich doch mal sehen!“ „Du … du …“ ich erstickte fast an meinen Worten. „Kayle ich übernehme die kleine Furie!“ er sah mich an und ich schwebte in seinem Blau. Wie das, ich dachte auf der Insel unmöglich! „Du musst noch viel lernen! Nichts ist unmöglich! Innerhalb Luzifers Mauern verzichten wir freiwillig darauf.“ „Das heißt ihr habt, könnt jederzeit!“ „Im Grunde ja!“ meine Wut war durch die Überraschung merklich abgekühlt. Doch war ich noch sauer! „Claire, wie du auf den Gedanken kamst wir könnten nicht … nun ja das ist was anderes. Aber zu dir und deiner Wut auf uns. Sicher müssen wir einschreiten! Wir kommen von einem Krieg zurück in dem viel schlimmeres passierte und noch im Gange ist. Die Menschen, Claire leiden noch immer, teilweise sind ganze Städte zerstört. Zuletzt wurden wir dafür verantwortlich gemacht, sie bekämpften uns und die Nephilim. Wir werden eine lange Zeit nicht unter ihnen weilen, alles hat sich verändert.“ Bekümmert sah er auf mich herab, „dann kommen wir nach Haus und was passiert ein Krieg bricht aus! Das können und wollen wir nicht hinnehmen. Deshalb haben wir in Erfahrung bringen müssen wie eure Standpunkte aussehen.“ „Warum fragst du mich nicht gerade heraus? Gerade du Gabriel!“ warf ich ihm vor. „Hättest du mir gesagt, dass du ihn noch liebst? Hättest du es Uriel ins Gesicht gesagt?“ unmerklich zuckte ich zusammen, Uriel. „Siehst du! Zwischen dir und Uriel bestand schon seit der ersten Begegnung ein Band. Was daraus hätte werden können wissen wir nicht. Das sind Vermutungen, in dieser Situation zählen allerdings nur Fakten.“ „Zu welchem Entschluss seid ihr gekommen?“ „So schnell geht das nicht! Wir müssen Uriel ersetzen, denn er hat seine Voreingenommenheit erkannt. Es ist schwierig, denn der Rat bestand aus den Erzengeln drei fallen aus. Du kannst dir also vorstellen, in welcher Lage wir stecken. Dann steht Raphaels … sagen wir Meinung noch aus.“ „Die kann ich dir sagen, er will mich so schnell wie möglich loswerden! Und in Anbetracht der Lage werde ich eine Trennung zustimmen, mit der Bitte mich von der Insel zu verbannen.“ „Verbannen? Claire das kann nur Raphael!“ „Dann rede mit ihm! Überzeuge ihn! Auf dich wird er hören, Gabriel! Sag ihm das es das Beste wäre. Du sagtest doch ihr kehrt zu den Menschen nicht zurück. Bis ihr dann, wieder zu ihnen geht, bin ich schon lange Staub. Bitte Gab, das ist …“ Er atmete tief durch, „Claire du darfst nicht nur an dich denken. Viele Engel werden dich vermissen du würdest eine nie zu schließende Lücke hinterlassen. Auch wenn ich es nicht gern sage, die tiefste Wunde würdest du Michael zufügen. Kannst du das?“ fragend blickten mich seine Augen an, er wusste es bereits, „Na siehst du! Zudem kann ich den Gedanken ebenfalls nicht ertragen. Ich liebe dich, Claire! Das vergiss niemals. Und ich bin nicht allein, der so fühlt.“ „Aber …“ „Warte die Zeit ab, Claire. Sieh du hast davon unendlich viel. Wer weiß, was das Morgen bringt! Habe Geduld!“ Er lebte ja nicht mit einem ungenießbaren Engel zusammen. Der dich erniedrigte, wo er nur konnte. „Wir sind für dich da!“ „Ach, wollt ihr Tag für Tag vorbeikommen und mich mitnehmen? Wie lange? Einen Monat? Ein Jahr? Irgendwann wird es euch lästig! Nein das will ich nicht. Nehmt es als Tatsache hin, es ist so, wie es ist! Belasst es dabei, ich werde mit Myriel reden sie wird die Frauen beruhigen. Dann kehrt der Frieden wieder ein.“ „Gott, Claire die Märtyrerin! Hör auf damit!“ seufzend schüttelte er resigniert den Kopf, „Du hast eindeutig einen Hang zur Theatralik. Wir sind deine Familie, merk es dir.“ Das er so mit mir sprach! War ich wirklich so schlimm? „Das bist du!“ verkündete er schon besser gelaunt. „So ich werde dich nach Haus bringen. Dann werde ich zusehen, einen vernünftigen Rat zu bilden. Und du mein Fräulein hältst deine Füße still!“ warnte er drohend. In Raphaels Haus hielt ich es nicht lang aus, erst ging ich zum Haus. Im Esssaal war hauptsächlich Antonias Gefolge, darauf konnte ich gerne verzichten. So entschloss ich mich eine Runde schwimmen zu gehen, bevor es zu dunkel wurde. Nur als ich zum Strand ging, erkannte ich Raphael im Wasser. Zögernd überlegte ich, was ich tun sollte. Raphael kam an Land, „Du kannst! Ich gehe!“ „Danke!“ brachte ich nur heraus. Im Wasser ließ ich mir Gabs Worte durch den Kopf gehen. Auch Raphael meinte mal ich würde nur weglaufen können. Niemals dem entgegen stellen, im Grunde jeden Kampf aus dem Weg gehen. Zu meinen Entsetzten musste ich beiden zu gestehen, genau so verhielt ich mich. Wie sagte meine Mom, Einsicht ist der erste Weg zu Besserung. Leise ging ich ins Bad, zwar brannte im Schlafzimmer noch Licht, doch ich wollte seine Aufmerksamkeit nicht wecken. Danach legte ich mich wieder auf die Liege. Kaum lag ich ragte der Rachegott persönlich vor mir auf. „Erst beschwerst du dich, wie mies ich dich behandle! Dann biete ich dir ein Bett an und lehnst es ab! Du schläfst dort, wo ich schlafe! Wage es nie wieder!“ Mit einem Satz lag ich auf den Boden und die Liege flog direkt aufs Meer hinaus. In einem Bruchteil von Sekunden wurde ich aufs Bett geworfen. Raphael legte sich hin als wäre nichts geschehen. Auf die andere Seite des Bettes krabbelnd bewahrte ich so viel Abstand wie möglich. Am Morgen jedoch fand ich mich in der Mitte des Bettes an eng an Raphael geschmiegt wieder. Vorsichtig löste ich mich aus seiner Umarmung. Das Beben seiner Brust ließ mich innehalten, er lachte! Dieser Teufel lachte! Ohne Rücksicht rückte ich von ihm ab. Nur um gleich darauf wieder an seine Brust zu landen, „Sieh es, wie du willst. Sobald dein Verstand abschaltet, weiß dein Körper, wo er hingehört.“ Zu einer passenden Antwort kam ich nicht, Raphael verschwand vor meinen Augen. Hundesohn, der er war das passte zu ihm. Den Tag verbrachte ich mit Al, wiederum lud er Raphael ein mitzukommen. Dieser lehnte Gott sei Dank ab. So verbrachte ich die Tage mit Freunden und in der Nacht versuchte ich nicht einzuschlafen, was mir niemals gelang. Genauso wenig den Abstand zu halten. Eines Tages kam Elias, vollständig genesen. Ich freute mich so ihn zu sehen, denn er war mir wirklich ans Herz gewachsen. Vor allem hatte er immer ein tröstendes Wort für uns, wenn wir wieder einmal völlig erschöpft waren. Kaum das ich ihn sah drückte und küsste ich ihn ab. Das war reine Wiedersehensfreude, Elias verdattert stand regungslos da, zu verblüfft. „Entschuldige Elias, ich freue mich nur, dich gesund und munter wiederzusehen. Deine Augen … mein Gott!“ sprachlos sah ich ihn an, grüne Augen, unvergleichlich sanfte Augen. Wie es zu ihm passte. Als er noch im Spital lag, war dort nur ein grau milchiger Augapfel zu sehen. „Ist irgendetwas?“ fragte er unruhig. „Nein! Alles in bester Ordnung, ich habe nur … du hast schöne Augen.“ Er blickte auf einen Punkt hinter mir, wie ich annahm Raphael. „Komm setz dich, darf ich dir etwas anbieten?“ „Ein Wasser! Vielleicht.“ wieder sah er auf Raphael, als bäte er ihn um Erlaubnis. „Ein Wasser! Kommt sofort!“ „Bringe mir doch einen Kaffee mit!“ verlangte Raphael, „wir gehen raus!“ teilte er mir dann noch mit und ich dachte die Sklaventage gehörten der Vergangenheit an. Und dann ganz etwas Neues, sonst trank er nie mit meinen früheren Patienten, sondern verzog sich. Raphael und Elias unterhielten sich rege, als ich dazu kam. Raphael ergriff das Wort. „Elias erzählte gerade das er heute aus Alexas Obhut entlassen wurde. Er hat sich sofort zu dir aufgemacht, weil er sich bedanken wollte für deine Fürsorge.“ „Du warst bei Alexa? Dann warst du in der Oase! Wie geht …“ „Claire du wirst doch unseren Besuch nicht in Verlegenheit bringen wollen. Er darf dir keine Auskunft geben.“ Meine Güte soviel Worte an meine Person gerichtet. Ich konnte mich nur wundern. Elias entging die Spannung zwischen Raphael und mir. Sondern erzählte ausführlich seine Tage im Krankenbett. „Ja es war schon hektisch, Claire jedoch behielt die Ruhe außer als … aber das kannst du dir ja denken. Wenn ich nur daran denke, wie Claires Stimme klang.“ „Nein ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst!“ erkundigte sich Raphael begierig. Typisch seine Neugierde. „Als du eingeliefert wurdest, da …“ „Elias, noch ein Glas Wasser? Oder etwas anderes?“ er schüttelte den Kopf, „Hast du schon Azael gesehen, schließlich ward ihr lange auf einem Zimmer.“ „Claire du bist unhöflich! Nun lass, doch Elias zu Ende erzählen!“ Raphael schaute Elias wohlmeinend an und half ihm den Faden aufzunehmen. „Claires Stimme, Elias!“ „Ja, sie war besorgt, mehr als das! Kann man ja auch verstehen, da du offensichtlich verletzt warst. Sie wusste das erste Mal nicht, was sie tun sollte. Sie war völlig konfus. Da hat Azael sie in den OP geschickt. Als sie zurückkam, war sie total fertig.“ Endete Elias seinen Bericht. „Ja, stimmt die Zeit im Krankenhaus!“ sinnierte Raphael in sich gekehrt. Dabei sah er mich mit einem so unergründlichen Blick an, dass mir alle Haare zu Berge standen. Bald darauf verabschiedete Elias sich und ich ging mit ihm, weil ich mich mit den Frauen im Haus treffen wollte. So lange wie möglich zog ich den Abend hinaus, in der Hoffnung Raphael nicht anzutreffen oder in schlafend vorzufinden. Das Licht war aus, also war er nicht da. Sonst ließ er ein Lampe brennen, wenn er ins Bett ging. Entspannt machte ich mich zur Nacht fertig, bis er kam konnte ich wenigstens ein paar Stunden schlafen. Denn sobald er heimkam, schreckte ich meistens auf. Doch ich irrte mich er lag im Bett und beobachtete jede meiner Schritte. Als ich mich wie gewohnt, an den äußersten Rand legte, sprach Raphael mich an. „Elias hat mir heute einiges zum Nachdenken gegeben.“ „Und was?“ „Deine Bereitschaft mir zu helfen. Oder besser ausgedrückt …“ „Das hatten wir schon, es war meine Aufgabe nichts Besonderes. Dann solltest du dich genauso bei den Frauen bedanken.“ „Aber ich bedanke mich doch gar nicht!“ klang er entrüstet. „Was dann?“ „Es ging um deine Person! Wie Elias schon sagte du warst für alle da, das habe ich nie so gesehen. Wie gesagt deine Bereitschaft, deine Fürsorge ich denke das wäre auch für Mike gut.“ Jetzt war ich baff. „Du willst mir damit sagen ich könne zu Mike?“ „Ich denke ja, doch zuerst rede ich mit Alexa! Sie trifft die endgültige Endscheidung.“ Ich drehte mich zu ihm um, „Danke Raphael das würde mir viel bedeuten.“ Das meinte ich vollkommen ehrlich. Brüsk meinte er, „Du brauchst dich nicht zu bedanken …“ „Ich weiß! Du tust es nur für Mike! Trotzdem Danke!“ nun war ich amüsiert, er konnte es einfach nicht leiden wenn ich mich bedankte. „Das belustigt dich was?“ fragte er schroff nach. Da er heute mit sich reden ließ, antwortete ich ihm auch. „Ja, weil du dich anstellst wie ein kleines Kind, wenn ich mich bedanke. Bei anderen ist das nie ein Problem, nur bei mir. Ich frage mich wieso?“ Außer sich vor Zorn fuhr er mich an, „Weil ich deinen verdammten Dank nicht haben will. Ich will deinen Körper.“ „Wenigstens bist du ehrlich!“ entgegnete ich darauf und legte mich wieder hin. Die Matratze wölbte sich, er kam zu mir. „Bleib da, wo du bist! Meinst du ein paar nette Worte und ich verzeihe dir. Womöglich sogar dich mit offenen Armen empfangen? Dann hast du falsch gedacht.“ „Ich wusste ja nicht das dich das so beschäftigt. Eigentlich wollte ich nur etwas trinken.“ Wie kann man in den Erdboden versinken? Ich biss mir fest auf die Lippen. Nun war es Raphael, der vergnügt vor sich hinlachte. Es war schwierig einzuschlafen, wenn der verfluchte Nebenmann, fortwährend laut griente. Am nächsten Morgen, scheuchte Raphael die Frauen davon, „Claire ist heute Morgen mit mir unterwegs!“ teilte er ihnen unfreundlich mit. Da ich gerade unter der Dusche stand, musste ich mir die Schroffheit gegenüber den Damen, hilflos mit anhören. Anschließend kam er ins Bad gestürmt, er riss die Duschtür weit auf. „Mach voran, Alexa erwartet uns!“ Ich schrie spitz auf, „Raphael! Raus hier! Was denkst du dir eigentlich!“ ungeniert starrte er mich an, „Worin liegt dein Problem? Schließlich kenne ich deinen Körper.“ Taxierend verweilten seine Augen weiterhin auf mich. Na warte, Bursche! Langsam drehte ich mich um die eigene Achse und fuhr mit meinen Händen über meinen Leib. Der Ausdruck in Raphaels Mimik änderte sich schlagartig, „Hast du genug gesehen? Dann verschwinde, denn das ist alles, was du bekommst!“ wütete ich. „Wir werden sehen! Bisher habe ich noch immer das Bekommen, was ich wollte, Claire! Einschließlich dich!“ „Nie, nie wieder!“ schrie ich hinter ihm her, unter Garantie schnüffelte er herum. Deshalb dachte ich an seine Erniedrigungen, die ich unter ihm zu erdulden musste. Anhand seiner verschlossenen Miene durchflutete mich ein warmes Gefühl der Genugtuung. Schweigend nahm er meine Hand, die ich ihm sofort entzog. „Ich habe keine Lust mit dir Händchen haltend herumzulaufen.“ „Nein?“ zog er das Wort in die Länge. „Dann eben auf die andere Weise, sieh mich an, Claire.“ Auch da zögerte ich, „Wenn du zu Michael willst, musst du mir schon in meine wunderschönen grünen Augen sehen, Claire.“ Dieses Aas von einem Engel! „So wunderbar sind sie ja auch nicht, wie ich festgestellt habe!“ konterte ich, sah ihn trotzdem an, sofort verschmolz ich mit ihm. Keine grüne Wogen, keine grün durchtränkten Wolken. Wir waren eins. Mir kam es ungeheuer lang vor, bis ich wieder ich selbst war. Verlegen trat ich einen Schritt zurück, das war mehr als ich ertragen konnte. Nicht nur das wir miteinander verschmolzen, nein es fühlte sich auch noch intim an. Jede Faser bis hin in den kleinsten Nerv. War ich durchdrungen von ihm. Verwirrt wollte ich nur noch eines weit weg von ihm, aus seiner Nähe, seinem Dunstkreis. Nur der Gedanken an Flucht beherrschte mich. Automaisch setzten sich meine Füße in Bewegung, „Wo willst du denn hin, Claire.“ Einschmeichelnd erklang seine Stimme, zart wie Samt, verführerisch lockend. Du musst hier weg! Sofort! Such einen Fluchtweg! Das ist lächerlich, Claire! So ist es nun einmal bei gebundenen Partnern, sie verschmelzen miteinander. So! Da habe ich etwas anderes gehört! Du hast das aus purer Bosheit getan! Gib es ruhig zu! Habe ich? Wenn ja, dann würdest du nun unter mir liegen, während meine Lenden sich Erleichterung verschaffen. Die Worte trafen mich, wie er beabsichtigte, brutal und grob. „Da seid ihr ja!“ freundlich trat Alexa auf mich zu, „Claire!“ begrüßte sie mich, „Ich hoffe das sich Raphaels Annahme bestätigt. Im Moment nehme ich jede Hilfe an.“ Sie führte uns in einen kleinen Raum, der ihr als Küche diente, überall standen Töpfe mit Kräutern. In einigen brodelte duftender Sud. Andere rochen weniger anmutig. Alexa lehnte sich an einem Schrank und forderte mich auf den einzigen Stuhl zu nehmen. „Ich will nicht groß herumreden. Michael liegt im Schlaf, eine Art Koma. So schöpft sein Körper Kraft, die ihm zugefügten Verletzungen zu heilen. Dies geschieht auch, langsam doch stetig. Meine Sorge ist seine seelische Verfassung.“ Alexa holte tief Atem, „es scheint, er befindet sich in der Vergangenheit. Er spricht von und mit seiner Frau und Tochter. Er erkennt mich nicht! Jedes Mal, wenn er erwacht, will er seine Familie sehen. Mich ignoriert er vollständig oder wirft mir vor seine Frau von ihm fernzuhalten. Die Einzigen auf die er reagiert sind Engel, doch auch da verlangt er nach seiner Partnerin.“ „Claire ich will dich vorwarnen, er ist nicht er selbst. Egal was er sagt, nimm es nicht persönlich.“ „Nein natürlich nicht!“ Wie kam sie nur darauf, ich würde so reagieren. Deshalb war mein Ton schärfer als beabsichtigt. „Vielleicht habe ich mich verkehrt ausgedrückt, bewusst erkennt er mich nicht. Doch er weiß genau, wer ich bin. Deshalb ist es ja so hart, er setzt seine ganze Kraft ein, schlägt in die zutiefst verborgenen Wunden. Wieder und wieder!“ Ich nickte, und Alexa war dieser Tortur schon so lange ausgesetzt. Auch wenn sie ein Wesen war, das keiner erklären konnte. Eines hatte sie gewiss ein Herz, Gefühle, die man verletzen konnte. Man sah es ihr an, wie sie darunter litt. „Wie kann ich dir also helfen, Alexa!“ denn nach meiner Meinung brauchte sie unbedingt mal ein bisschen Abstand. Sie lächelte mir verständnisvoll zu. „Zuerst denke ich ist es hilfreich, wenn du mir dabei hilfst, Michael zu waschen. Das machen wir zunächst gemeinsam. Bis du dir ein persönliches Bild gemacht hast.“ Und sie will wissen, wie ich damit fertig werde, sie will mich testen. „Er wird wach, sobald ich anfange. Es ist alles vorbereitet!“ Zielstrebig ging sie in den Nebenraum, dieser war hell und freundlich. Ein stetiger sanfter Luftzug sorgte für die nötige Kühle. Michael lag schlafend da. Erschüttert über sein Aussehen blieb mir die Luft weg. Hohlwangig und eingefallen war sein Gesicht. Die Arme waren nur noch dünne Stäbchen, die Hände sahen aus wie Krallen. Von Michael, den ich kannte blieb nur das schwarze Haar, indem sich nun silberne Fäden zogen. „Er verweigert jegliche Nahrung! Mit künstlicher Ernährung hatten wir auch keinen Erfolg, er hat sich alles herausgerissen.“ War Alexas einziger Kommentar dazu. Sie wies auf einen Stapel Handtücher, daneben stand eine Wanne mit Wasser. „Er kann aufstehen und sich waschen. In dieser Beziehung ist er so eigen wie immer.“ Lachte sie kurz und hart auf. „Wir müssen ihm nur hinüberhelfen und die Haare ausspülen. Dann anschließend rasieren. Sollen wir?“ wie ein Soldat vor dem Angriff straffte sie sich. „Ich helfe euch!“ bot sich Raphael an, wann war er eingetreten? „Na dann!“ zärtlich strich Alexa über Michaels Wange, ihre Stimme erklang so zart, wie ich es nie zuvor bei einem Menschen hörte. Es war als würde die Sonne aufgehen, die Vögel leise zwitschern, ein leiser wohltuender Wind über mich hinwegstreichen. Ein leises Flüstern einer Liebenden. Fast fühlte ich mich als Lauscher, das sollte kein Fremder mit anhören. Welch ein Gegensatz zu Michaels gemeine und garstige Stimme, der kaum als er die Augen aufschlug, Alexa auf schlimmste Beleidigte. Dann nahm er mich in Augenschein, sofort spürte ich, wie er meine Gedanken durchforstete, suchend nach verletzten Gefühlen. Ich ließ ihn gewähren, wehrte mich nicht. Sondern, schob die schönen Erinnerungen, meines Seelenverwandten in den Weg. Dank meiner Gabe konnte ich den Pfad folgen, den er ging, bei Raphael`s hielt er inne. Hier fand er genau das, was er suchte. Schon ging es los! „Claire, die Hoffnung meiner Lieben! Wie enttäuschend! Was bist du geworden die Mähre eines brünstigen Engels!“ Raphael schob sich zwischen Mike und mir, „Raphael mein Freund! Besorgst du es meiner Tochter auch gut genug? Wie ich spüre, ist das Flittchen unausgelastet! Hast dich wohl verrannt, was! Du Staub unter meinen Füßen, entferne deine Krummen von mir. Willst du vergnügen haben, musst du deiner Geilheit frönen.“ Ununterbrochen ging es in diesem Ton fort. Wen Michael genau ansprach, war ihm gleich in einem steten Redefluss beschimpfte er uns. Ich verhielt mich wie Alexa, vorsichtig und liebevoll. Denn sein Körper bestand nur aus Haut und Knochen. Jetzt da er wach war, sah mich ein Totenschädel an. Mike lachte irre auf, „Deine Mutter hat sich gut angefühlt, als ich dich zeugte. Raphael wie gut fühlt sie sich an? Ich hatte die Mutter du die Tochter lass uns vergleichen.“ Raphael grunzte zwar kurz auf, doch überging er die gehässigen Worte. Gackernd fuhr er fort, „Der Hörnerträger, den du deinen Dad nanntest …“ ich schaltete ab, er provozierte. Doch ließ ich mich keineswegs darauf ein, obwohl er sich auf mich einschoss. Wahrscheinlich, weil ich seiner Meinung nach, das schwächste Glied in der Kette war. Als er frisch gewaschen und rasiert im Bett lag, kam Alexa mit einem Teller Suppe. Abrupt hielt er den Mund fest verschlossen, nur seine aufmerksamen Augen schauten uns gehässig an. Die Lider klappten mehrmals hintereinander zu. Als ich das sah, zuckte ich zusammen, auch ein Werk Bens. Was nur musste Michael erduldet haben? Unwillkürlich ohne das es mir bewusst wurde setzte ich meine Fähigkeit ein, kaum das ich seinen Geist berührte schlossen sich sofort seine Augen und er schlief fest ein. Ein weiterer Grund Ben zu verdammen. Michael lag nun schlafend da. Scheinbar friedlich, seine Miene drückte nun weder Hohn noch die zuvor erkennbare Missgunst aus. Verblüfft sah ich Alexa fragend an. „So ist es immer! Raphael, Claire danke.“ An mich gewandt, „Wenn du mir nach diesem Erlebnis noch helfen möchtest?“ „Soweit ich kann, ja!“ sie überlegte einen Moment, „Warte, bis du deine Zusage gibst. Michael wird jedes Mittel nutzen.“ Warnte Alexa mich nochmals, „Du hast es gespürt nicht wahr!“ wollte sie wissen. Nickend bestätigte ich, „Er hat sich auf das erst Beste gestürzt.“ Die Achseln zuckend, „Mir ist klar das er das nächste Mal, tiefer in meinen Geist eindringt. Ich werde damit umgehen können. Schließlich habe ich eine Menge über mich gelernt, seitdem ich hier bin. Du kannst auf mich zählen.“ Sie sah mir fest in die Augen, studierte mich auf die ihr eigene Art. Am Ende willigte sie ein. „Die meiste Zeit schläft er, nur am Morgen und am Abend brauche ich deine Hilfe.“ „Wenn du möchtest, Alexa dann kann ich dir auch anderweitig helfen.“ Sie lenkte ab, „Täglich kommen Engel, sie erledigen die groben Arbeiten. Viel schneller als du es je könntest.“ „Dann sehen wir uns heute Abend! Claire kommst du?“ noch einmal nach Alexa schauend, doch sie bedeutete mir, zu gehen. Wieder empfand ich die Verschmelzung als intime Zusammenkunft. Schnell sah ich zu aus Raphaels Haus zu verschwinden und machte mich auf zum Gemeinschaftshaus. Dort fand ich erleichtert die Frauen vor. Natürlich wollten sie wissen, weshalb ich einige Stunden mit Raphael verbrachte. „Ich habe ihm bei einem Problem geholfen.“ War meine einzige Auskunft. Zum Glück waren sie lange genug gebunden. Sie stellten keine weiteren Fragen. Auch als ich ihnen mitteilte, dass ich ab sofort in den Morgen und Abendstunden weiterhin mit Raphael unterwegs sei, nahmen sie es als gegeben hin. Für sie stellte dies kein Problem da. Sie disponierten einfach um. Beatrice erinnerte mich an den morgigen Abend, an dem sich die Frauen mit ihren Partnern treffen wollten. Bisher habe ich Ausreden gefunden, um an diesen Treffen nicht teilzunehmen. Deshalb schob ich nun Raphaels Angelegenheit vor. Am frühen Nachmittag ging ich zurück und wartete auf Raphael. Als er endlich kam, forderte er mich schlecht gelaunt auf ihn anzusehen. Diesmal verspürte ich eine Distanz, ich fragte mich noch, wie das möglich sei, als Alexa auf mich zukam. „Abends, versuchen wir Michael zum Essen zu bringen. Zudem ein vernünftiges Wort aus ihm herauszubringen.“ Es lief wie am Morgen Michael beschimpfte uns, wieder fiel mir das Zuklappen der Augenlider auf. Sobald Alexa mit dem Teller hereinkam, schwieg Michael und schlief. Die ganze Prozedur dauerte nur Minuten. „Das wäre es dann!“ meinte Alexa und scheuchte uns davon. Warum sie wollte, das jemand dabei war Verstand ich nicht. Der einzige Grund, den ich darin sah, war Michael konnte mehrere Leute beschimpfen. Raphael nahm mich mit in den Nebenraum, „Warum?“ mehr brachte ich nicht heraus, denn schon war ich gefangen. Nun fehlte jegliche Distanz, das war ein frontaler Angriff! In dem Begehren, haltlose Leidenschaft lag. Völlig verwirrt von diesen Gefühlen stolperte ich ins Bad. Irgendwie musste ich wieder Herr meiner Sinne werden. Unten hörte ich Raphaels unterdrücktes Lachen, dieser hinterhältige Schweinepriester hat dies mit voller Absicht getan. Trotz meines Schimpfens und der Wut in mir wollte ich von dem Mistkäfer berührt werden. Oh nein! So leicht ließ ich mich nicht manipulieren. Pech gehabt Raphael! Schrie ich ihn in Gedanken zu. Seine lüsterne Erheiterung überflutete meinen ganzen Körper. Ich hörte, wie der Typ langsam die Treppe herauf kam. Die Tür bot keinen ausreichenden Schutz. Wenn er erstmal vor mir stand, würde ich ihm zu Diensten sein. Er würde seinen Willen bekommen, das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Flucht! War die einzige Garantie aus dieser Misere heraus zu kommen. Wie ein wildes Tier suchte ich. Das Fenster! Die einzige Chance von ihm wegzukommen. Er klopfte an der Tür. „Hör auf das Fenster anzuvisieren! Ich wollte dich nur daran erinnern, dass wir heute bei Beatrice eingeladen sind. Diesmal werden wir hingehen.“ Jedes Wort, das Timbre seiner Stimme hallte in mir nach. Was hat er nur mit mir angestellt? Ich kam mir wie eine läufige Hündin vor. „Wir?“ ich konnte es kaum glauben. „Glaub es! Wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir zu spät.“ Ich horchte, er ging die Treppe runter. War das eine Falle, wollte er mich nur aus dem Bad bekommen? Dafür brauche ich keine hirnrissige Ausrede! Da musste ich ihm zu meinen Leidwesen zustimmen. Also schlüpfte ich ins Schlafzimmer und zog mir eine Jeans und Shirt über, schnell noch mal ins Bad und ich war fertig. Dann ging ich hinunter, er wartete bereits draußen. Als Raphael mich sah setzte er sich in Bewegung und ich blieb in sicheren Abstand hinter ihm. „Willst du weiterhin hinter mir herlaufen?“ sein Grinsen breitete sich über sein ganzes Gesicht aus. „Ich würde niemals hinter dir herlaufen!“ knurrend schloss ich zu ihm auf. Die Zweideutigkeit seiner Frage brachte meinen Blutdruck in ungeahnte Höhen. Beatrice und die Frauen fingen sich schnell, als sie sahen mit wem ich kam. Flüsternd wurde ich befragt was dies zu bedeuten habe. Darauf wusste ich keine Antwort, deshalb meinte ich nur, „Vielleicht hat er heute keine anderweitige Beschäftigung.“ Die Damen waren ganz anderer Ansicht, sie glaubten es sei der erste Schritt zu einer Versöhnung. Raphael bemühe sich! Das müsste ich anerkennen. Und wie er sich bemühte! Bei den Damen zu Punkten. Er war äußerst charmant, zuvorkommend und sein Schauspiel kotzte mich einfach nur an. Was ich mir alles anhören musste, die ah`s und oh`s mir wurde richtig schlecht dabei. Vor allem weil ich begriff, wenn ich mich ihm gegenüber nun kalt verhielt, brachte mir das den Unmut der Frauen ein. So verzog ich mich in die hinterste Ecke und besah mir das Treiben von weiten an. Doch damit nicht genug. Nein Herr Raphael tat als wäre er um mich bemüht! Befragte mich mitfühlend, warum ich mich denn zurückzog. Was er mir denn, bringen dürfe oder solle er sich einfach nur zu mir setzen. Seine offensichtliche Ergebenheit ließ die Damen dahinschmelzen. Sie waren Wachs in seinen diebischen Krallen. Ihn hingebungsvoll anhimmelnd bedankte ich mich artig. Während sich in mir ein Vulkan entwickelte, der aus zwei Kammern bestand. Die eine aus Wut, die andere die pure Lust ihn an mich zu ziehen, um ihn zu fühlen. Welche der beiden schlussendlich siegte, war mir noch unklar. Raphael wusste es! Er spielte mit mir! Einen Ausweg, ich musste ein Schlupfloch finden. Eine kleine dringende Stimme raunte mir zu „Widersteh ihm! Du bist die Tochter des Erzengels Michael! Du stehst über allen anderen! Denn du bist ein weiblicher Engel!“ Die Stimme ließ mich frösteln unwillkürlich zog ich meine Gabe um mich herum, nur zu einem Zweck die schmeichelnde Stimme auszusperren. Raphael bemerkte mein Unwohlsein sofort. Wie er das bewerkstelligte da konnte ich nur raten. Denn er hörte auf, den charmanten Gast zu spielen. Sondern sah mich aufmerksam und beunruhigt an. Die Engel reagierten ebenso schnell auf Raphaels Veränderung. Ohne das ein Wort zwischen ihnen fiel, entstand ein kollektives Handeln. Mich umgab nicht nur Raphaels Sein, nein die Engel errichteten weitere Wälle um mich. „Du bist in Sicherheit, Claire! Niemand wird dir etwas zuleide tun. Lass mich sehen, was geschehen ist.“ Raunte er mir zu. Die Frauen schwatzten lebhaft weiter, nur Myriel sah sich besorgt nach mir um. Indessen zog Raphael durch meine Gedanken. Kurz darauf lösten die Engel die Wälle auf. Nur Raphaels Anwesenheit spürte ich deutlich. Zu deinem eigenen Schutz. Wer war das, die Stimme wie die einer Schlange. Zuklappende Augenlider! Ben! Genau wie bei Michael. Michael; der nicht er selbst war. Michael, der unter dem Einfluss des Nephilim stand. Der sprach durch Michaels Mund! Was sagst du da! Claire du bist ein Genie! Gott ja! Du hast eine Gabe, wie einfach, es ist keine Gabe! Du hast es in deinen Genen. Sowie dein Bruder! Michael hat … Raphael sprang auf, zog mich zu sich hoch und küsste mich kurz und leidenschaftlich. Dann wandte er sich den Engeln zu, an ihren Gesichtern erkannte ich ihr Erstaunen, das in Begreifen wechselte. Sie standen auf und verabschiedeten sich von ihren Frauen, auch Raphael kam zu mir herüber, „Dank deines Geistesblitzes, wissen wir nun, wie wir ihn aufspüren können. Alexa ist ebenso informiert, sie hat sofort begonnen, Michael mental abzuschotten. Die Jagd ist eröffnet, wir sehen uns bald. Übrigens du kannst jederzeit zu Mike, sämtliche Barrieren sind für dich geöffnet.“ Er sah die Engel auffordernd an, manche lösten sich noch aus den Armen ihrer Frauen. Doch in Sekunden waren sie verschwunden. Wir sahen uns gegenseitig verblüfft an, gerade noch saßen wir gemütlich beisammen. Dann mit einem Knall, diese Leere um uns. Myriel kam als Erste über den Schock hinweg, „Wir sollten Ordnung schaffen! Danach werden wir uns ablenken, es bringt uns nichts ein, wenn wir Trübsal blasen.“ „Sollen wir ins Hospital? Ich meine, wenn sie wieder nach den Nephilim jagen. Dann, es könnte doch sein.“ Beatrice beendete den Satz nicht, stattdessen hob sie hilflos die Hände. Alle sahen mich an, sie erwarteten von mir eine Entscheidung, ich zuckte die Schultern. Besann mich aber, „Das Hospital, nein ich glaube kaum! Es sind nur wenige Nephilim. Sie werden schnell wieder zurück sein, jetzt wissen sie nach was sie suchen müssen.“ Myriel stimmte mir zu, „Deshalb sollten wir nicht die Köpfe hängen lassen! Was haltet ihr davon, wenn wir in die Stadt gehen? Und so richtig shoppen?“ schlug sie enthusiastisch vor, wiederum wunderte ich mich über die Damen. Sie schoben einfach ihre Sorgen beiseite und stürzten sich in einen Einkaufswahn. Es wurde verabredet in einer Stunde am Gemeinschafshaus. Von dort sollte die Einkaufstour starten. Myriel nahm mich beiseite, bestimmt meinte sie, „Keine Ausreden, Claire! Du kommst mit! Und wenn ich dich an den Haaren schleifen muss!“ „Schon gut!“ versprach ich ihr mit in die City zugehen. Es war bei Weitem besser, als an Ben zu denken. Sowie an die zuflüsternde Stimme in meinen Kopf. Welch ein Hass dahintersteckte, war er wirklich der Ansicht mich so leicht zu manipulieren. Oder verdankte ich allein Mikes Genen, das bemerken Bens in meinen Gedanken. Hat er so meine Eltern umgebracht? Allein diese Überlegungen ließen in mir eine kalte Wut aufsteigen. Ich wünschte ich könnte die Insel verlassen, Ben suchen und ihn; ja was töten? Zumindest sollte er eingesperrt werden. Ohne auf den Weg zu achten, ging ich weiter und blieb dann geschockt stehen. Es war kein Zweifel möglich in stand vor der Bücherei, doch die Straße sah aus als wäre eine Bombe eingeschlagen. Die Bücherei, die ganzen Geschäfte waren entweder mit Brettern vernagelt oder total vernichtet. Menschenleer, keinerlei Verkehr die Straße wirkte wie ausgestorben. Was war hier los? Oder erlaubte die Insel sich einen Scherz mit mir? Zurückschauend aus der Richtung, die ich kam, das gleiche Bild der Verwüstung. Wo waren die Leute? Sonst herrschte ein reger Betrieb auf der Straße. Ich schaute durch eine Lücke in den Laden, soviel ich erkennen konnte, war dort auch gewütet worden. Schnell machte ich mich auf in meine Wohnung, bis mir einfiel, dass ich keinen Schlüssel hatte. Wohin dann? Sue! Mit meinen Slippern war ich nicht gerade gerüstet, durch dieses Schlachtfeld zu laufen. Vorsichtig machte ich mich auf den Weg. In jeder Straße das gleiche Bild. Autos, die verlassen dastanden. Zum Teil standen die Türen auf. Als wären sie fluchtartig verlassen worden. Nirgends eine menschliche Seele, noch nicht einmal ein Tier! Ich schaute in den Himmel auch keine Vögel. Es war totenstill. Kein anderes Geräusch als meine Schritte auf knirschendem Glas. Sogar die Bäume verloren ihr Laub, ein kühler Wind zog durch die Straßen. War es Herbst? Nein das konnte nicht sein! Wie lange war ich auf der Insel? Ein paar Wochen? Höchstens zwei Monate! Niemals konnte es Herbst sein, irgendetwas Schreckliches war passiert. Endlich erreichte ich die Wohnung, ich erkannte den Platz wieder. Hier standen wir als Sue und Niklas mit Uriel losfuhren. Eine andere Zeit, wie lange war es her? Mach dich nicht verrückt Claire, für alles gibt es eine logische Erklärung. Zuerst musst du dir einen Unterschlupf für die Nacht suchen. Die Haustür zu dem Haus stand auf, wenigstens ein Dach über den Kopf. Ein Geräusch! Still verharrte ich im Hausflur, das waren eindeutig Schritte. Vorsichtige schleichende; jeder Fuß wurde langsam aufgesetzt. Zum Glück wurde es langsam dunkler. Da Atemgeräusche kurz und flach. Bleib ruhig Claire, ganz ruhig. Es kam näher, ein Schatten wie in Zeitlupe. Die Gänsehaut in meinen Nacken sträubten die Haare. Ich konnte fast hören, wie sie sich aufrichteten, drückte mich weiter an die Wand. Der Schatten schnellte herum, „Keinen Schritt weiter! Ich habe eine Waffe!“ erleichtert sank ich in die Knie. Atemlos flüsterte ich ihren Namen, „Sue! Sue!“ Stille! Kein Geräusch, kein frohes Wiedersehen. „Ins Licht!“ kalt kam die Aufforderung. Dieser emotionslose Ton konnte unmöglich aus Sue Mund kommen. „Na los! Sonst schieße ich!“ Aber es war ihre Stimme. „Sue! Ich bin`s, Claire!“ sie musste mich doch erkennen und trat vor. Im Dämmerlicht erkannte ich sie, zumindest ihre Züge. Sie war dürr, ihre Haare zusammengebunden, ihre Augen wachsam auf mich gerichtet. „Was für Teufeleien sind das nun wieder? Gib dich zu erkennen du Satansbrut!“ „Aber Sue, ich bin es! Claire!“ hörte ich mich verzweifelt, warum glaubte sie mir nicht. Ich verstand es einfach nicht. Sue lachte hämisch auf. „Ja sicher! Und du, weißt wer ich bin!“ Der Schatten setzte seinen Weg fort, kam die Treppe herunter, „Wenn dir dein armseliges Leben lieb ist, rührst du dich besser keinen Millimeter von der Stelle.“ Sie erreichte nun die untere Stufe, „Los raus! Ich will deine Visage sehen!“ langsam ging ich zum Ausgang, als ich die Tür erreichte, sah ich Sue voll an, „Ich bin es! Wirklich, Sue!“ „Mein Gott! Claire?“ ich nickte nur, da sie noch immer mit einem riesigen Ding auf mich zielte. „Willst du das Gewehr nicht runternehmen!“ sofort war sie wachsam, argwöhnisch betrachtete sie mich. „Eine Frage! Wo habe ich eine Narbe?“ Ich überlegte fieberhaft, Sue hat noch nie eine Narbe gehabt. „Aber du hast keine!“ schoss es mir aus dem Mund schon dachte ich mein letztes Stündlein hat geschlagen. „Einfach! Doch davor wurde ich gewarnt!“ Sie wurde gewarnt, dann musste sie wissen! Sue musste von einem Engel aufgeklärt worden sein. Doch was wusste sie? „Sue, dann hat dich ein … Raphael hat er mit dir gesprochen?“ sie zuckte kurz mit den Schulten, „Wenn Raphael dich warnte, dann muss er dir auch gesagt haben das sie die Gedanken kontrollieren können. Sie manipulieren die Menschen.“ „Was du gerade versuchst! Doch so leicht lasse ich mich nicht täuschen.“ „Na gut! Wenn du mir nicht glaubst, es ist in Ordnung. Nur erschieß mich nicht! Sage mir lieber, was hier los ist. Die Stadt sie ist leer! Kein Mensch nichts noch nicht einmal Tiere! Wieso?“ rede mit ihr, sagte ich mir. Dann erkennt sie dich auch. „Die Stadt! Das Land! Die Erde überall das Gleiche! Zerstört!“ „Aber warum?“ „Das fragst du mich, du Kreatur! Ihr habt es getan, ihr in eurem Wahnsinn!“ „Kreatur?“ wen konnte sie damit meinen, die Nephilim oder die Engel. Vor mir entstand ein Bild; Raphael, wie er prophezeite, mit aller Macht zuzuschlagen. Nein! „Eine Kreatur wie Ben?“ aufgeregt leckte ich mir die trockenen Lippen, mein Mund war ausgedörrt und ich zitterte wie Espenlaub. Irgendwie musste ich Sue überzeugen, dass ich es war. Doch wie? Mein Kopf hämmerte, er war leer. „Genau, Ben und euresgleichen!“ sie umschloss das Gewehr fester, was sollte ich tun sie angreifen? Nein bevor ich mich auch nur von der Stelle rührte würde sie auf mich schießen. Ich sah es in ihren Augen, der feste Wille mit dem sie mich fixierte. „Dann schieß mir schon ein Loch in den Bauch, Herrgottnochmal!“ fauchte ich sie an, ich wusste keinen anderen Ausweg mehr. Doch sie tat nichts, während ich mein letztes Stündlein gekommen sah. „Bist du es wirklich?“ ihre Stimme klang unsicher. Ich riss die Augen auf, die ich verkrampft zusammen gekniffen hatte. „Ja! Nur wenn du jedes meiner Worte anzweifelst, wie kann ich dich überzeugen?“ und zuckte die Schultern. Sie ließ das Ding in ihren Händen tatsächlich sinken. „Was machst du hier?“ fragte sie mich, noch misstrauisch. „Ben! Er hat meine Eltern umgebracht!“ das Schluchzen in der Kehle niederkämpfend, „Er hat sie getötet, meine Mom, Dad! Dieser Mörder soll nicht ungeschoren davonkommen, ich will ihn …“ mir stockte die Stimme. Töten! Wollte ich das? Ihn die Hände bekommen, ja! Ihn den Schmerz fühlen lassen den er mir zugefügte, ja. Aber ihn töten? War ich dann nicht wie Ben? Ich raufte mir die Haare. Was wollte ich eigentlich. Unsicher sah ich Sue an. Und was tat sie! Sie grinste mich an, das Frauenzimmer grinste fett über ihre Backen. Dann ließ sie sich erschöpft auf die Treppe fallen. „Das ist so typisch für dich, Claire. Ohne Überlegung einfach drauf los! In Slippern und Täschchen! Was hast du denn für eine Wunderwaffe da drin?“ „Hätte ich gewusst, dass ich mitten in St.Paul aufkreuze, wäre ich vorbereitet! Was denkst du von mir!“ nun war ich echt beleidigt. Sue schüttelte nur den Kopf, „Lass uns hochgehen, dort können wir uns unterhalten.“ Sie deutete an ich solle vorgehen. Das war nicht die Art von Begrüßung, die ich mir vorgestellt hatte. Ganz das Gegenteil war der Fall. Keine freudige Umarmung, kein sentimentaler Austausch von Neuigkeiten. Nein eine harte Frau, die um ihr Überleben kämpfte, trat hinter mir in die Wohnung ein. Sie war noch immer skeptisch, ich spürte ihre bohrenden Blicke wie Pfeilspitzen in meinen Rücken, deshalb blieb ich mitten im Raum stehen. Wartete auf ihre weiteren Instruktionen. „Setz dich!“ befahl sie mir. Sofort kam ich ihrer Aufforderung nach und setzte mich an Ort und Stelle. Keineswegs wollte ich das wieder mit dem Ding auf mich zielte. „Erzähle!“ das war schier unmöglich, die Engel, die Nephilim, die Insel nichts konnte ich davon erwähnen. Deshalb fragte ich Sue, „Was ist passiert?“ „Du schützt ihn, also noch immer! Obwohl du siehst, was sie angerichtet haben. Unser aller Leben zerstört.“ Nein das wollte und konnte ich nicht glauben. „Wenn du von Raphael sprichst, dann ja! Zu so etwas ist er außerstande. Wenn du davon überzeugt bist das er das war haben wir uns nicht das Geringste zu sagen.“ Wütend streckte ich das Kinn vor, sollte sie mich doch abknallen! Doch die Engel würden niemals die Erde zerstören. Sue nickte nur, „Die meisten glauben das es Männer wie dein Raphael waren.“ Sue betonte und setzte Männer mit Anführungsstrichen. „Raphael und seine Freunde! Was sind sie künstlich hergestellt? Einige behaupten sie seien biomechanisch verstärkt, genmanipuliert, gezüchtet von der Regierung. Und nun außer Kontrolle.“ Sie betrachtete mich fragend, „Davon weiß ich nichts, ich kann dir nur sagen, dass sie niemals einem Menschen etwas antun würden.“ Mein Gott was für ein Durcheinander. „Ja, das habe ich aus eigener Erfahrung auch festgestellt. Genauso wie die Lügen die sie über dich verbreiten, jeder der dich kennt weiß, dass du zu solchen Taten unfähig bist. Aber für die Menschen bist du nun einmal diejenige, die das alles herbeigeführt hat. Sie sagen, dass du die Krieger, so nennen sie Raphael und Konsorte, manipulierst. Sie sind dir hörig!“ ich musste lachen, so unglaublich hörte sich das an. Wer kam nur auf solche absurden Ideen? „Sue erzähle mir alles!“ Sue lächelte bitter, „Komisch nicht wahr! Aber glaub es mir, wenn du einem von denen in die Hände fällst, vergeht dir das Lachen. Als es anfing, war Raphael hier. Er befahl mir Nahrungsmittel, alles, was man zum Überleben braucht einzupacken und schickte mich zur Hütte. Mein Gott er war so beängstigend ich machte mich sofort auf. Jedenfalls als ich ankam, waren dort schon Chris und Tony, sie waren ebenso geschockt wie ich. Dann kamen immer mehr Leute, doch einige konnten das Gebiet nicht betreten. Sie kamen einfach nicht weiter. Das sind die vor du dich in Acht nehmen musst.“ Warnte sie mich, ich nickte. Bestimmt waren diese Menschen von den Nephilim manipuliert. Sue erzählte weiter, „Wir waren in Sicherheit, täglich kamen Massen, die Schutz suchten. Dann fingen diejenigen die draußen bleiben mussten an dich und deine Freunde zu beschuldigen. Sogar in den Nachrichten wurde dein Bild gezeigt, deine Taten angeprangert. Viele glaubten du seist die Schuldige und sie glauben es noch. Dann fiel alles in sich zusammen. Keine Nachrichten, kein Telefon, kein Strom. Nur wir innerhalb des abgesteckten Gebietes waren davon nicht betroffen. Wir hatten ausreichend Lebensmittel, Strom, warmes Wasser, vor allen Dingen Frisches. Jenseits von uns sah es schlimm aus. Wir brachten lebensnotwenige Sachen dorthin und Tony ging mit noch einem Mann hinüber, sie kamen nicht zurück. Claire sie blieben einfach stehen horchten und dann klagten sie dich an. So blieben wir, wo wir waren.“ sie verkrampfte die Hände ineinander. „Dann eines Tages veränderte sich das Verhalten. Sie schüttelten sich, wie junge Hunde nicht begreifend was mit ihnen geschehen war. Tony sagte, dass Letzte das er bewusst wahrnahm, war als er die Lebensmittel verteilen wollte. Immer mehr erwachten aus diesem Zustand, doch eines blieb, sie beschuldigten dich weiterhin.“ Das musste mit der Dezimierung der Nephilim zu tun haben, anders konnte ich mir das nicht vorstellen. „Seitdem können wir das Gebiet verlassen. Ich komme in Abständen her, in der Hoffnung Niklas zu finden. Eine Nachricht oder wenigstens ein Lebenszeichen.“ „Ben! Hat er sich dort sehen lassen?“ „Ja!“ lachte sie auf, „Er hat versucht unser Gebiet zu betreten, vergebens. Und dann hat er mich gerufen, er war in meinen Kopf. Was er mir für schändliche Sachen“ sie hielt inne, verzog verächtlich den Mund, „jedenfalls kam ein Mann. Ich glaube es war einer von den Malern! Erinnerst du dich noch, die Männer die die Wohnung renovierten.“ Ich nickte bestätigend, „Also der kam auf mich zu und jagte Ben aus meinem Kopf. Ich schwör`s es war so.“ „Ich glaube dir ja!“ beruhigte ich Sue. „Wirklich? Dann bist du die Erste!“ meinte sie pikiert. „Ich glaube dir!“ versicherte ich nochmals, Sue sah mich eine Weile nachdenklich an. „Danach habe ich Ben nicht mehr gesehen.“ „Aber warum ist die Stadt leer? Wenn sie doch wieder Herr ihrer Sinne sind, ich meine weshalb bringen sie die Stadt nicht wieder in Ordnung?“ „Viele versuchen ihr Glück woanders, der Winter steht vor der Tür. Sie gehen in wärmere Gegenden. Oder schließen sich den neuen Sekten an. Die von Unheil und Gottes Strafe predigen. Überall laufen jetzt solche frommen herum. Außerdem haben wir wieder Radioempfang, die Regierung bittet alle Bürger auszuharren und die Terroristin Claire Garret und ihre Handlanger auszuliefern. Du bist die meistgesuchte Frau. Jede Frau, die nur eine gewisse Ähnlichkeit mit dir aufweist wird in Gewahrsam genommen. Wie konntest du ungesehen herkommen, Claire? Ich verstehe es nicht. So wie vieles was passiert ist. Raphael, der genau Bescheid wusste, als er mich warnte. Dann das Gebiet. Die Männer, die ständig nach uns schauten. Sie kamen und gingen doch sie wurden niemals aufgehalten, wie aus dem nichts waren sie unter uns und verschwanden ebenso wieder. Erklärst Du mir das!“ „Das kann ich nicht!“ meinte ich schlicht. „Du kannst oder willst nicht?“ fragte Sue argwöhnisch nach. „Spar dir die Antwort, dein Gesicht verrät dich! Dann brauche ich wohl auch nicht wissen, wo du das halbe Jahr warst?“ ich versuchte mir eine glaubhafte Geschichte auszudenken, doch Sue winkte ab, „Keine Märchen, dann schweig lieber. Doch was willst du? So wie du aussiehst, hast du keine Not gelitten, eher einen Urlaub hinter dir. Warum bist du zurückgekehrt?“ „Ben!“ mehr brachte ich nicht zustande, Sue war verändert. Aber sollte ich ihr daraus einen Vorwurf machen. Während ich in der Sonne gelegen habe. Meine einzige Sorge Raphael war und es mir gut gehen ließ. Durchlebte meine Freundin die Hölle. „Hattest du wirklich keine Ahnung?“ fragte Sue nach, ich konnte ihr dahin gehend wenigstens die Wahrheit sagen. „Nein, nicht die Geringste.“ Sie glaubte mir, „Raphael hat dich in Sicherheit gebracht!“ bevor ich antworten konnte, fuhr sie fort, „Ja das hat er, schließlich hat er ja schon immer wie ein Wachhund an deiner Seite geknurrt.“ Meinte sie lächelnd. „Und warum durftest du dein Domizil verlassen?“ Oh, das war ein wunder Punkt, darüber wollte ich im Augenblick keinesfalls nachdenken. „Aha!“ Sue las mal wieder jeden Gedanken in meinem Gesicht ab. „Na dann werden wir ja bald Besuch erwarten können.“ grinste sie mich schief an. „Das denke ich kaum! Er weiß nicht, wo ich bin!“ „Eines habe ich über Raphael gelernt! Er weiß immer, wo du gerade steckst und welchen Unsinn du verzapfst. Egal ob du es wahrhaben willst oder nicht. Dort wo du bist, ist er nicht weit.“ Sie beschwor sein Bild so realistisch auf, das ich mich umdrehte, weil ich dachte es stehe hinter mir. Sue lachte in sich hinein, dann sah sie auf ihre Uhr. „Wir haben noch einen gewaltigen Fußmarsch vor uns.“ Dann sah sie mich hintergründig an, „Dein Aussehen! Wir müssen daran was machen. Komm mit ins Bad. Gott seit Dank haben sie die Wohnung nicht verwüstet. Als Erstes zieh die Klamotten aus du brauchst was Wärmeres.“ Sie blieb stehen, „Nein lass alles an! Machen wir aus dir einen kleinen Pummel.“ Das Shirt flog schon daher und Sue sah mich verwundert an. „Meine Güte! Warst du im auf einer Beautyfarm? Du bestehst ja nur noch aus Muskeln! Wo sind deine Pölsterchen? Wow und deine Haut, deine Haare, wie hast du das geschafft?“ sie war geradezu begeistert. „Keine Ahnung! Ehrlich ich habe nicht darauf geachtet!“ skeptisch musterte sie mich weiterhin. „Aus dir ein hässliches Entlein zu machen ist unmöglich.“ Sie überlegte einen Moment, „Ich habs`s wir machen aus dir einen Jüngling. Sie hastete ins Schlafzimmer und meinte ich solle im Wohnzimmer in der Kommode nach einem Gürtel suchen. „Im Wohnzimmer?“ recht seltsam. „Ein Tick von Niklas, er zieht sich generell im Wohnzimmer an.“ Rief sie. Dort fand ich einen Gürtel, der zu passen schien. Traurig sah ich mich um, sie haben nicht viel Zeit in ihrem neuen Zuhause gehabt. Dann sah ich die Uhr und trat näher heran, es war die gleiche Uhr, die ich ihnen gerne geschenkt hätte. Leider war mein Geldbeutel dafür zu klein. „Raphael hat sie uns gebracht, er sagte du hättest sie ausgesucht, er sei nur der Bote.“ Mir darüber jetzt den Kopf zu zerbrechen, erschien mir mehr als geschmacklos. Es war so viel geschehen, es gehörte einer vergangenen Zeit an. „Hast du was gefunden? Wohin willst du eigentlich?“ „Na wohin wohl! Zur Hütte! Meinst du lasse dich allein durch die Stadt laufen? Ich hänge an mein Leben!“ da ich im Moment selbst nicht wusste, wohin ich sollte. Noch wie ich an Ben herankam. Erschien mir Sue`s Vorschlag der einzig vernünftige zu sein. Sie steckte mich in eine von Niklas Hosen, einen Pullover und Schuhen, die einige Nummern zu groß waren. Nicht dass die Hose passte, wenn ich sie losließ, rutschte sie runter. „Gib mir den Gürtel!“ damit schnürte sie mich ein. Den Pullover darüber, zum Glück reichte der bis über meinen Po. Sue trat einen Schritt zurück, „dein Gesicht, deine Haare. Hier!“ sie schwenkte ein baseballcap in ihrer Hand. „Warte ich steck dir das Haar dadurch!“ wieder betrachtete sie mich. „Besser du gibst dich als schwuler Jüngling aus. Dann fällt auch dein mädchenhaftes Gehabe nicht so ins Gewicht. Zum Glück ist Tony fort, er hätte dich sofort wiedererkannt.“ Sie reichte mir eine Jacke, kurz darauf zogen wir los. Am Tage durch die leere Stadt zu laufen war schon unheimlich. Doch nun in der Nacht war ein zusätzlicher Gruseleffekt. Schon bald hatte ich jegliche Orientierung verloren. Die Gebäude ragten finster auf, aus jeder Ecke zog die Finsternis hervor. Leise Geräusche, ein Rascheln hier dann dort. „Das sind Ratten!“ flüsterte Sue. Wenn es nur Ratten waren warum sprach sie so leise? Auch huschte sie von einem Schatten in den nächsten, sie hielt Ausschau, horchte auf Geräusche. Bange folgte ich ihr, ständig an ihrer Ferse ließ sie keinen Augenblick aus den Augen. Auch wenn sie mir nicht sagte, ich spürte die Gefahr direkt in meinen Nacken. Wie lange wir so schlichen, konnte ich keineswegs sagen. Meine Muskeln waren so angespannt wie eine Sehne, bereit loszustürmen. Was ich am liebsten täte. Blind voraus preschen, weg von dieser unsichtbaren Gefahr. Endlich richtete sich Sue aufatmend auf, „Jetzt ist das Schlimmste vorüber, hier hält sich meines Wissens niemand auf. Doch wir werden weiterhin vorsichtig sein, man kann nie wissen.“ „Wer war da hinter uns her?“ „Bisher niemand, doch in dieser Gegend halten sich besonders Frömige auf. Die Welt geht unter und solche Schwachköpfe, denen wollte ich nicht begegnen. Die können schon mal ausrasten, besonders wenn sie kleine Gruppen angreifen können.“ Sie lachte spöttisch auf, „Da hört die Nächstenliebe auf! Jeder ist sich selbst am Nächsten und morgen beten sie wieder, das Vater unser.“ Sie horchte in die Nacht, „Wir müssen den Highway überqueren, sei leise dabei. Nutzte die Autos, die herumstehen und wenn ich sage lauf, dann tust du es so schnell du kannst. Sollten wir getrennt werden, gehe in dieser Richtung. Du kommst dann zum Lager. Claire behalte deine Maskerade aufrecht auch dort bist du Staatsfeind Nr. 1, vergiss das niemals.“ Sie nickte mir zu und verschmolz mit der Dunkelheit und ich ihr nach. Ohne jegliche Schwierigkeiten erreichten wir die gegenüberliegende Seite. Sue marschierte sofort weiter. Ich wunderte mich über ihr Durchhaltevermögen, sie schien unerschöpfliche Kraftreserven zu haben. Seit wann führte sie dieses Leben? Dann fiel es mir wieder ein, ein halbes Jahr sagte sie. Sie unterbrach meine Gedankengänge, „Wir sind gleich da! Halte den Kopf gesenkt. Welchen Namen? Wir brauchen einen Namen für dich.“ „Wie wäre es mit Joe?“ „Nicht schwul genug! Oder?“ „Wie soll ich denn heißen, etwa Gerald?“ kiekste ich auf. Sie musste grinsen, „Dann eben Joe! Einfaltsloser geht es wirklich nicht!“ warf sie mir vor. Hinter ihr her trottend äffte ich ihr nach. „Ich hab Augen im Hinterkopf, Joe!“ dabei zog sie den Namen in die Länge. Nun erkannte ich den versteckten Waldweg, der zu Raphaels Hütte führte. „Von hier aus kann ich allein gehen! Ich will dich nicht in Schwierigkeiten bringen, Sue.“ „Du bleibst bei mir! Schließlich bist du nicht die Erste, die ich mitbringe!“ „Der! Sue!“ „Ja, sicher! Siehst du da vorn.“ Sie deutete auf eine Feuerstelle, je näher wir kamen desto mehr Lagerstellen wurden sichtbar. Die unglaublichsten Ungetüme von Zelten waren im Wald und auf der Lichtung zu sehen. Dicht an dicht drängten sie sich zusammen. Ein Gewühl aus Planen, Decken und man glaube es kaum Müllsäcken. Sue steuerte geradewegs auf eins der größeren Zelte zu. Sie grüßte knapp die Leute, die aufsahen und dann ihrer Beschäftigung weiter nachgingen. Während ich vor der Hütte stehen blieb, die Tür war ausgetauscht worden. Das Buschwerk war verschwunden. „Komm schon!“ Sue zog mich weiter. Aus dem Zelt trat gerade ein Mann, kräftig gebaut mit Vollbart im Gesicht, als er Sue erblickte, strahlte eine Zahnreihe in dem Urwald auf. „Sue! Endlich ich wollte schon nach dir suchen! Wen hast du denn da wieder aufgelesen? Ein weiterer Streuner?“ die Worte wurden durch das Lächeln gemindert. Soweit ich das erkennen konnte, bei diesem Gestrüpp im Gesicht. Dann erkannte ich ihn. Es war Chris! Nichts erinnerte mehr an den jungen Studenten. Dieser war ein Mann, strotzend vor Selbstbewusstsein. Er nahm mich in Augenschein, seine Augen wurden groß dann klappte der Mund weit auf. „Das ist Joe, Chris! Ich habe ihn unterwegs getroffen, er weiß nicht wohin! Seine Familie ist fort.“ Chris starrte mich noch immer unverhohlen an und Sue stupste ihm in die Seite, „Er wird Tony`s Bett nehmen!“ Kaum hatte Sue geendet wurde das Zelt heftig aufgeschlagen, „Moment mal, so geht das nicht Sue! Er ist ein Neuer also wird er gefälligst vorne schlafen!“ Max kam sauer herausgestürmt, „Ich habe meine Sachen schon rübergeräumt. Tony ist seit Tagen weg, also kann ich … oh!“ Max stierte mich an. „Du!“ Sue verteilte zwei Kopfnüsse, „Das ist mein Zelt! Wenn ich sage Joe bekommt Tonys Bett, dann ist es so!“ sie erhob ihre Stimme lauter als es nötig war. Doch als ich die neugierigen Blicke auf uns bemerkte verstand ich sie. „Hallo!“ begrüßte ich die Beiden mit einem charmanten Lachen und flatterte ins Innere des Zeltes. „Dummköpfe!“ schimpfte Sue leise vor sich hin. Von draußen hörten wir, wie die beiden von den Männern aufgezogen wurden. „Der ist doch schwul! Seid schön vorsichtig heut Nacht, wer weiß, unter welcher Decke er sich verirrt.“ Max und Chris hörten sich das eine Weile mit an. Bedauerten sich selbst und versicherten allen das sie schon auf sich aufpassen konnten. Eine Frau mischte sich ein, sie beschimpfte die Männer als Hohlköpfe und hielt ihnen einen Vortrag über Diskriminierung. Bald darauf stürmten sie das Zelt, sie übersahen Sues vorwerfenden Blick und starrten mich einerseits entsetzt, aber auch freudestrahlend an. Sue wies Max unwirsch an, sein Lager zu räumen. Dieser machte sich sofort ans Werk. Sue noch sauer marschierte hinter Max her, und Max fing an zu lamentieren, wie ungerecht die Welt sei und insbesondere Sue. Indessen grinste mich Chris unaufhörlich an, dann kam er schnell auf mich zu und umarmte mich, „Schön dich lebend zu sehen!“ an seine breite Brust gepresst nuschelte ich eine Erwiderung. Wo war der schlaksige hochgeschossene Student? Dieser sah aus wie ein muskelbepackter Strauchdieb. Im Gegenteil zu Max, der sich kein bisschen verändert hatte. „He du da! Hab meine Sachen!“ fuhr er mich schroff an, dabei zwinkerte er mich lustig an. Max schimpfte noch eine Weile und Sue keifte zurück. Chris war nach draußen verschwunden. „Wir brauchen Holz, Joe du gehst mit den beiden!“ verlangte sie. Murrend machte sich Max auf den Weg, während ich hinter ihm herlief in gezierten Schritten. Max sammelte Chris auf, der uns dann folgte. Wir gingen ein ganzes Stück bis Max sich umdrehte mich strahlend ansah und mit Fragen überhäufte. Ich erfuhr, dass wir im Lager sehr vorsichtig sein mussten, da jedes Wort von den Nachbarn gehört wurde. Vor allem weil sie alle glaubten, Claire Garret sei die Ursache ihrer Notlage. Sie gaben mir weitere Instruktionen, Sue habe im Zelt das Sagen. Die direkte Bewohnerin habe Ohren wie Rhabarberblätter. Der auf der anderen Seite, sei ein Typ, mit dem man sich besser nicht anlegte. Im Camp herrschte eine einfache Regel, dem Stärkeren sollte man aus dem Weg gehen. Nur wenige hielten sich noch an irgendwelche Gesetzte oder an Mitgefühl. Ich sollte auf keinen Fall allein hinausgehen, denn einigen Männern war es egal, ob sie eine Frau oder einen schönen Arsch vergewaltigen. Wobei den Frauen ein gewisser Schutz der Gemeinschaft sicher war, denn die Jungen schwiegen und litten lieber im Stillen. Wo war ich nur gelandet? Das war der reinste Albtraum! Max drückte es so aus, „Nur die Harten kommen in den Garten! Merk es dir Claire, hier ist jeder auf sich gestellt. Es gibt keine hochgelobte Menschlichkeit in diesem Lager. Nun fast nicht mehr.“ schränkte er ein. So verbrachte ich die Tage meistens im Zelt oder direkt davor. Sue gegenüber brachten die meisten einen gewissen Respekt entgegen. Da ich unter ihren Schutz stand, war ich vor Handgreiflichkeiten geschützt. Doch das hinderte einige Kerle nicht daran, mir eindeutige Angebote zu machen. Chris hatte sich als fähiger Gegner bewiesen, dies war ein zusätzlicher Schutz. Max wurde gemieden, weil er angeblich eine ansteckende Geschlechtskrankheit habe. Das war ein übliches Thema, nicht nur die allgemeinen Krankheiten wurden besorgt besprochen. Im Lager herrschten Infektionen jeglicher Art. Auch wenn eine ständige Rivalität herrschte, sobald ein Neuer oder eine fremde Gruppe ins Lager kam, rückten die Anwesenden zusammen. Sie bildeten eine Mauer, der Stärke. Erst wenn sich die Neuen als harmlos entpuppten oder weniger gewalttätig wurde sie in gewissen Maß akzeptiert. So auch der Mann, der vor einigen Tagen ankam. Er soll sich sofort mit einem der Rädelsführer angelegt haben. Seitdem wurde er misstrauisch beäugt. Täglich gingen neue Gerüchte um. Sue meinte solange der Kerl uns in Frieden lasse sollten wir ihm aus dem Weg gehen. Trotzdem hörten die Gerüchte nicht auf. Erst hieß es er habe ein Zelt wie aus Tausend und einer Nacht. Dann wurde gemunkelt er würde sich jede Nacht eine Frau ins Zelt holen. Er sei grausam und spieße die Frauen auf. Sie erzählten die schrecklichsten Erlebnisse. Als Sue davon hörte, lachte sie auf und verkündete laut, „Natürlich! Wenn ich aufgespießt wurde, erzähle ich am nächsten Tag froh und munter davon! Lächerlich!“ Das brachte die Tratschenden zwar nicht zu schweigen doch hüteten sie sich vor Sue. Jedenfalls war der Neue das Lagergespräch. Da er am anderen Ende der Lichtung hauste, war das sowie in einer anderen Stadt. Verstummen wollten die Gerüchte auch nach einer Woche nicht. Das war ungewöhnlich, laut Chris Aussage. „Meistens beruhigen die Gemüter sich sofort! Dafür ist das Leben zu hart. Der bringt uns noch eine Menge Ärger ein!“ Max und Sue stimmten Chris zu. „Wir können nur abwarten, bisher hat er sich nichts zuschulden kommen lassen.“ „Außer das er, Smith zusammen geschlagen hat sowie einige andere.“ Grinste Chris in sich hinein. Das fand ich schon seltsam. Chris klärte mich auf, „Smith ist ein Dieb! Ein starker Bursche, deswegen nimmt er sich, was er sieht. Nun hat er sich bei dem Falschen bedient! Nicht vergessen nur die Starken …“ „ … kommen in den Garten!“ vervollständigten Max und ich zusammen den Lieblingsspruch von Chris. „Hoffen wir das er bleibt wo er ist!“ damit war für Sue die Sache erledigt. „Solche wie der ziehen noch Schlimmere an!“ weissagte Max. So war es auch, denn schon Stunden später lief ein neues Gerücht um. Der Kerl sei nun nicht mehr allein! Zwei weitere seien angekommen. Sie schienen sich zu kennen. Einer noch wilder und der andere ein schmächtiger ausgezehrter, der kaum laufen konnte. Den gaben sie nicht mehr all zu lange. Sue zuckte die Schultern, wie sonst auch wenn neue Gerüchte im Umlauf waren. Sie sah besorgt zur Hütte hinauf, „Hoffentlich legen sie sich nicht mit denen an! Dann haben wir bald einen Krieg in diesem Lager.“ Sie meinte den der die Hütte mit seinen Bodyguards für sich annektiert hatte. Zuvor wurde die Hütte hauptsächlich für Kinder genutzt, die allein oder krank waren. Später im Zelt meinte sie, „Wir sollten verschwinden! Mir gefällt die Stimmung im Lager überhaupt nicht. Irgendetwas braut sich zusammen und ich möchte nicht zwischen den Fronten geraten.“ „Warum Sue? Vielleicht sind die Neuen genau die Richtigen?“ sie winkte ab, „Oder schlimmer als die jetzigen! Die lassen uns wenigstens in Ruhe. Denen geht es nur um ihre eigene Gemütlichkeit, willst du das Risiko eingehen?“ „Ich weiß nicht! Der Neue ist gar nicht so schlimm. Du kennst doch die kleine Tochter von Smith?“ Sue nickte bestätigend, „Sie erzählte mir, der Typ stecke ihr regelmäßig Lebensmittel, zu.“ Sue lachte verächtlich auf, „Für welchen Preis?“ empört meinte Chris, „Das Kind ist höchstens vierzehn!“ „Und?“ Chris schnaufte auf und wollte gerade Sue zurechtweisen, als unsere Nachbarin hinzukam. „Sue, der Chris hat nicht Unrecht!“ raunte sie uns zu, „hab selbst gesehen, wie er den Gören was gibt. So einer kann doch nich schlechter sein, als der da oben, oder?“ „Hast du es mit eigenen Augen gesehen?“ fragte Sue scharf nach. Die Frau nickte kräftig mit dem Kopf, „Hab sogar mit dem gesprochen! Der war an euch, besonders an dem, da“ sie deutete auf mich, „interessiert! Von wegen Frauen! Der ist wie der!“ gackerte sie belustigt. Sue sagte kein Wort grübelnd zog sie die Stirn kraus. „Chris sieh ihn dir an! Max du gehst mit. Seid vorsichtig und Max erwähne deine körperlichen Beschwerden.“ Lächelte sie grimmig. Die Beiden standen sofort auf und gingen los. Mit den Augen befahl sie mir ins Zelt zu gehen, bald kam sie nach. „Wenn Chris und die Alte recht haben, Joe. Dann habe ich Hoffnung für den Winter.“ Es war das erste Mal, das ich sie so sah, seitdem sie mich mit hernahm. Mir war schon lange bewusst das sie mich hauptsächlich mitnahm, weil sie dachte Raphael würde mir auf dem Fuße folgen. Doch ich konnte ihr unmöglich erklären, dass er das niemals tun würde. Er wusste ich hatte meine Entscheidung getroffen. Einen Weg ohne ihn! Sue musste sich damit abfinden, dass sie von seiner Seite keine Hilfe bekam. Das machte sie noch härter und unbeugsamer. Und nun diese Schwäche, die sie mir zeigte. Schnell nahm ich sie in den Arm und tröstete sie, „Wenn der Mann nicht das ist was du dir versprichst gehen wir. Das schaffen wir schon, schließlich sind wir zu viert.“ Sie löste sich aus meiner Umarmung. „Warten wir ab!“ und schenkte mir ein Lächeln, das ein wenig Hoffnung zeigte. Ich verstand sie nur zu gut, nun sah sie eine Chance, einen starken Verbündeten gefunden zu haben. Der das Leben im Lager menschlicher regelte, als der Jetzige der in der Hütte saß. Max und Chris kamen zurück, „Geht auf die Lichtung! Er erwartet euch dort!“ Sue war nicht davon begeistert, doch sie stimmte widerwillig zu. „Du bleibst hier!“ entschied sie, als ich ihr folgen wollte. Doch Max meinte, „Der Typ redet nur mit dir, wenn du Joe mitbringst! Er hat gehört, dass du ihn missbrauchst, darauf steht der Kerl überhaupt nicht. Deshalb ist es kein Risiko Joe mitzunehmen.“ Sue war noch unsicher, Chris sagte, „Sue er scheint in Ordnung zu sein! Nimm vorsichtshalber dein Gewehr mit und ich werde euch in sicheren Abstand nachkommen.“ Nun waren wir fast an der Lichtung, Sue zögerte noch einmal! Sah mich fragend an, „Was meinst du?“ „Wir sollten mit ihm reden. Dann sehen wir weiter, er ist vielleicht genau das, was du und einige Leute hier im Lager suchen.“ Sie lächelte heute schon zum zweiten Mal, „Dir entgeht nicht viel?“ ich zuckte nur grinsend, „Viel habe ich ja nicht zu tun. Da bekommt man schon so einiges mit.“ Wie ich bald nach meiner Ankunft heraus fand, gehörte Sue einer Gruppe an die sich gegen die Gewaltherrschaft auflehnte. Ihnen fehlte es einfach nur an Menschen, die genauso empfanden. In den Wochen seit meiner Ankunft vergrößerte sich die Gruppe. Vor allem wegen des bevorstehenden Winters, nahm ich an. „Dann sieh ihn dir an, Claire!“ sie redete mich seit langen mit meinen Namen an, es war ungewohnt so sehr hatte ich mich an Joe gewöhnt. „Bleib erst ein Stück zurück! Wenn was schief läuft, hol Hilfe.“ Diese Vorsichtsmaßnahme war nicht unbegründet, der Mann sah wirklich gefährlich aus. Wie alle trug er mehrere Kleiderschichten, sowie die meisten zierte ein dichter Urwald sein Gesicht. Das lange Haar fiel ihm auf die Schultern. Und er war verdammt groß. Sue ging langsam auf ihn zu, sie war vorsichtig und blieb zwei Meter vor ihm stehen. Ihre Waffe hielt sie griffbereit. Dann änderte sie ihre Haltung, ließ das Gewehr sinken und deutete auf mich. Mir war plötzlich ganz mulmig im Magen. Meine gesamten Sinne sagten mir eines; Lauf so schnell du kannst, doch ich konnte mich nicht rühren. Schon als ich der Blick des Mannes, mich traf. Wusste ich, wer da auf mich zukam. Langsam fast schlendernd, doch die Anspannung, die Bedrohung die von ihm ausging, eilten voraus. Warum? Warum nur? Konnte er mich nicht in Frieden leben lassen? Das durfte ich nicht zulassen! Die Insel selbst hatte mich gegen lassen. War das nicht genug? Was musste denn noch geschehen? Wortlos stand Raphael vor mir, er betrachtete mich mit zusammengezogenen Brauen. Ich hielt das schweigen nicht aus und fuhr ihn an, „Was willst du?“ „Von dir?“ er verzog höhnisch die Lippen, „Nichts! Es geht um die Menschen die hier Leben.“ Er zögerte einen Moment, „Und um Niklas!“ „Niklas?“ hauchte ich, schnell warf ich einen Blick hinüber zu Sue, „Ja, er ist im Lager, Sahalim hat ihn gefunden. Er ist schwer verletzt!“ Ich verstand nicht, warum standen wir noch hier herum, wenn Niklas Hilfe brauchte, „Dann lass uns gehen!“ Raphael schüttelte den Kopf, „Es geht um Sue, soll sie es wissen? Sie hat sich damit abgefunden, Niklas nie wieder zu sehen. Willst du ihr den Schmerz nochmals zumuten? Was ist, wenn er es nicht schafft und so sieht es augenblicklich aus.“ Wie konnte er nur! Wie konnte er denken, dass es besser für Sue war? Ihr verheimlichen, dass Niklas hundert Meter weiter mit seinem Leben rang. Ich dachte an meine Eltern, selbst wenn ich gewusst hätte, dass sie starben. Einen Moment mit ihnen, ein letztes Lebewohl. Ihnen zu sagen, wie sehr ich sie liebte. Dieser Augenblick war mit nicht gegönnt, doch Sue sollte ihn bekommen. „Für einen Engel bist du hartherzig!“ und wandte mich an Sue, „Komm schnell!“ rief ich ihr zu. „Wir müssen sofort in Raphaels Zelt!“ Raphael meinte, „Nicht jeder denkt wie du! Das solltest du dir überlegen!“ „Nein Raphael, es ist verkehrt, den Abschied zu verweigern!“ Sue war indessen zu uns herangekommen, „Claire? Du siehst …“ ich unterbrach sie, „Sue du musst dich zusammenreißen,“ sie nickte mir aufmunternd zu, „In Raphaels Zelt da ist Niklas - er ist - er kämpft mit …“ weiter kam ich nicht, denn Sue klappte in sich zusammen. Bevor sie zu Boden ging, fing Raphael sie auf. „Tolle Idee, Claire! Sue da ist Niklas, freu dich, denn er stirbt gleich! Und mich nennst du hartherzig!“ „Ach halt deine Klappe! Bring sie in dein Zelt! Haben dich Chris und Max erkannt?“ ich wartete, doch Raphael sagte kein Wort. „Na was?“ „Ich soll doch meine Klappe halten.“ Feixte er. „Gott du bist unmöglich! Der Freund meiner Freundin stirbt vielleicht und du machst Scherze! Ist dir denn irgendetwas heilig?“ „Gewiss! Sogar einiges!“ „Wissen die Beiden, wer du bist?“ wiederholte ich genervt meine Frage. „Zum Teil ja! Den, den sie wissen dürfen!“ „Gut ich gehe zu Sues Zelt, ich hole, was ich brauche. Du bringst Sue in dein Zelt und Raphael, lass sie zu ihm! Was für Verletzungen hat Niklas?“ „Die Schwerste ist ein Beinbruch, ein offener! Die Wunde ist infiziert, sie eitert und die Ränder sind schwammig. Wundstarrkrampf oder Blutvergiftung! Vielleicht sogar beides! Ich bin kein Arzt. Fieber, Schüttelfrost und er erkennt niemanden.“ Das hörte sich schlimm an. „Kayle? Kann er uns helfen?“ „Er ist unterwegs! Wann er zu Niklas kommen kann, ist ungewiss. Es sind einfach zu viele!“ Inzwischen gingen wir auf das Lager zu. Sue kam langsam zu Bewusstsein. „Warte! Ich glaube sie möchte lieber auf ihren eigenen Beinen ins Lager gehen.“ Da musste ich ihm zustimmen, jegliche Schwäche wurde wahrgenommen und ausgenutzt. Sue war der gleichen Ansicht. Sie befragte kaum das sie die Augen öffnete, „Hat das einer mitbekommen?“ sie rappelte sich auf, „Gut! Dann lasst uns zu Raphael gehen.“ Sue zeigte keinerlei Gefühlsregung, sie fragte Raphael nach Niklas Zustand, der ihr eine genaue Beschreibung lieferte. Wir waren fast da, als ich den Beiden zuwinkte und mich auf machte zu unserem Zelt zu gehen. „Wo willst du hin?“ wurde ich barsch aufgehalten, von Sue und Raphael! Ich wandte mich ihnen zu. „Na was denkt ihr? Sah ich sie entgeistert an. Das fehlte mir noch, nun zwei von der gleichen Sorte am Hals zu haben. Mir reichte schon Sue mit ihren Befehlen, jetzt auch noch Raphael war ganz und gar untragbar. Dagegen musste ich einschreiten. Sofort! „Eines kann ich euch gleich sagen ich bin kein Baby! Und jetzt geht!“ knurrend vor mich hinmurrend stapfte ich weiter auf Freunde und besonders Engel fluchend. Ungeschoren kam ich ins Zelt. Was für ein Wunder das sollten die Aufpasser wirklich erfahren. Wütend suchte ich meine Kräuter zusammen. Jetzt war ich froh nicht auf Sues und Max Sticheleien, gehört zu haben. Denn oft war ich mit Chris im Wald dort suchte ich alles zusammen, was für eventuelle Krankheiten, zu gebrauchen sei. Zwar war ich keinesfalls so kundig wie Alexa, aber einiges fand ich. Mein Tuch zusammenschlagend trat ich hinaus. Und wer stand dort? Raphael! Mit vor der Brust verschränkten Armen, zusammengekniffen Mund und Brauen. Unnahbar! Extrem gefährlich! Schon wollte ich ihn anfahren, doch hielt ich meinen Mund. Da einige Zuschauer neugierig herübersahen. „Joe was hast du mit dem zu tun?“ kamen auch schon die Fragen, einiger Anwesenden. Nicht mit allen war gut auszukommen. „Der hat mit Sue was zu tun! Ich habe nur was für sie geholt!“ sobald Sues Name fiel, wurden sie ruhiger. „Hat Sue nen Lover gefunden?“ wurde unter geiferndem Gejohle spekuliert. Ich kümmerte mich nicht weiter darum, sondern lief hinter Raphael her. Der im Sturmschritt durchs Lager fegte. Was dem wieder über die Leber gelaufen ist? Vielleicht der Ruf hinter uns. Einer rief nämlich Raphael sei vom anderen Ufer. Grinsend stellte ich mir Raphael in hautengen Höschen vor, extrem tuntenhaft! Als ich Niklas sah, verging mir jegliche gute Laune. Sue saß auf dem Boden neben ihn, hielt ihm die Hand. Tränen liefen ihr über die Wangen. „Hat er dich erkannt?“ sie schüttelte nur den Kopf. „Er ist nicht bei Bewusstsein!“ sagte jemand, in einer Ecke hockte ein Mann. Eindeutig ein Engel der sah aus wie; na eben Engel! Absolut alterslos! Einfach zu perfekt! Alles an ihm! Das war sogar unter den Engeln ein Kunststück. Ich musste mich von seinem Anblick gewaltsam lösen. Meine Güte wie kann man so aussehen? Niklas stöhnte leise auf, sofort konzentrierte ich mich auf ihn. Wie sich herausstellte, war Raphaels Einschätzung richtig. Da half mein bisschen Wissen rein gar nichts. Das Einzige was ich tun konnte war die Wunde zu reinigen und versuchen das Fieber zu senken. Das war es auch schon. Im Stillen betete ich Kayle möge kommen. Jedoch warteten wir vergebens. Mitten in der Nacht wurde ich durch leise Geräusche geweckt. Ich lag auf einem Bett aus gestapelten Stoffen. Abseits von Sue und Niklas. Das war eindeutig Kayles Stimme schnell rappelte ich mich auf. „Mehr kann ich auch nicht tun!“ hörte ich ihn gerade sagen. Sie kamen auf mich zu. Als Kayle mich sah, winkte er mir zu. Sofort war ich an seiner Seite. „Den Bruch habe ich gerichtet. Niklas ist geimpft, also kein Wundstarkrampf, aber die Wunde macht mir sorgen. Ich lasse dir Antibiotika da. Außerdem was gegen Fieber und Schmerzen. Normal müsste er in ein Krankenhaus, wie so viele.“ „Kannst du das nicht nähen?“ „Nein!“ er sah sich erschöpft nach Sue um, „Sieh zu das er trinkt, egal wie! Flöße ihm Brühe ein, aber langsam!“ er nickte noch einmal und verschwand. Leise sah ich nach Niklas keine Veränderung, Sue lag vor seinem Bett. Brühe! Woher sollte ich Brühe bekommen? Das Einzige was hier zur Verfügung stand war Dosenfutter nach Rationierung. „Ich werde dir welche besorgen!“ meinte der Superschönling von Engel und löste sich in nichts auf. Was war das? Konnte der meine Gedanken lesen, beziehungsweise hören? Ein paar Minuten später stellte er mir einen Topf vor die Füße. Ich hätte ihn küssen können! Doch er verzog sich in die hintere Ecke. Eindeutig ein seltsamer Bursche. Wie war sein Name noch gleich? „Sahalim!“ Also doch! Noch ein schnüffelnder Gedankenleser. „Wir müssen wissen, was ihr denkt!“ war seine lakonische Antwort. Darüber musste ich mit Raphael reden! Doch zuerst Niklas und kniete mich an sein Bett. Mit einem kleinen Löffel benetzte ich ihm die aufgesprungenen Lippen. Das hat vorher auch schon mit Wasser funktioniert das Unterbewusstsein arbeite mit. Zufrieden tröpfelte ich so einen guten Esslöffel in seinen Mund und er schluckte es hinunter. Jetzt blieb abzuwarten, ob es sein Magen verkraftete. Die weniger schöne Aufgabe lag in den Zäpfchen, die ich ihm verabreichen musste. Mit Hilfe von Sahalim stellte das kein Problem dar. Naja, wer nackte behaarte Ärsche mag. Zu denen ich keinesfalls gehörte. Nun konnte das Antibiotika anfangen zu wirken und das war wichtiger als meine Abneigung. Laut Kayle musste dieser Vorgang alle drei Stunden wiederholt werden. Zwei Tage und Nächte kämpften wir um Niklas Leben. Zuweilen wich Kayle nicht von seiner Seite, während wir nur zusehen konnten. Bis endlich das Fieber sank, das Bein anfing, abzuschwellen. Die Wundränder besser aussahen. „Ich glaube er ist über den Berg!“ wagte Kayle, vorsichtig zu sagen. „Dennoch ist er extrem geschwächt.“ Warnte er. Sue, die keine Sekunde von Niklas Seite wich, atmete erleichtert auf. Dann wieder ganz die Frau, die sie geworden war. „Wann ist er transportfähig?“ „Mindestens noch eine Woche!“ war Kayles Antwort. Doch ich verstand ihre Eile nicht, was machte es schon aus, wenn Niklas noch ein paar Tage in Raphaels Zelt blieb. Bisher hat er sich ihr und auch mir gegenüber vorbildlich verhalten. Doch auch Raphael verzog besorgt das Gesicht. „Wir müssen fort! Der Winter!“ raunte mir Sahalim leise zu. Fort? Aber ich dachte Sue wollte mit Raphaels Hilfe das Lager aufbauen. „Keine Lebensmittel, zu viele Menschen ihr würdet verhungern.“ Auch das war wieder Sahalim, es war seine Gewohnheit meine Fragen zu beantworten sowie jeden Wunsch zu erfüllen, sobald er sich auch nur bildete. Das war während der Pflege mehr als hilfreich doch nun musste das ein Ende haben. Er verstand wortlos und zog sich in seine Ecke, in der er unentwegt saß, wenn er nicht gerade einen Auftrag erfüllte. Tatsächlich erkannte Niklas Sue, auch konnte sie ihm einige Löffel Brühe einflößen. Doch das war schon zu viel für ihn und er schlief erschöpft ein. Diesmal war es ein tiefer gesunder Schlaf. Schon am nächsten Tag hörte ich wie Raphael und Sue sich darüber unterhielten, schnellstens aufzubrechen. „Ich werde mich umhören, wer mitkommen will.“ Versprach Sue gerade, „Was ist mit Cl – Joe? Hast du einen Plan?“ Das war ja interessant! „Ja! Hast du einen? Und wofür?“ fragte ich sauer, sie redeten über mich. Was war ich denn? „Den habe ich!“ grinste Raphael, „Aber dir wird er nehme ich an, weniger gefallen.“ Baute sich Raphael vor mir auf. Sue ging dazwischen, „Wir müssen für dich eine Absicherung schaffen! Es ist bekannt, dass du homosexuell bist. Zu viele Männer haben mich angesprochen, es gibt nicht genug Frauen!“ sie sah mich wissend an. „Mein Gott, du meinst die Heteros haben keine Schwierigkeit? Ich meine … nein das glaube ich nicht.“ angewidert trat ich zurück. „Du kannst mir glauben und ich habe ganz gute Angebote bekommen!“ versuchte sie mich aufzuheitern. „Das ist einfach nur ekelhaft!“ „Das ist die Natur der Menschen!“ warf mir Sue entgegen. „Sie sind nicht so, wie du! Das sind wilde Tiere der kleinste Auslöser und sie zerfetzen sich und dich gleich mit. Sieh es realistisch!“ fuhr sie mich bitter an. Was war ihr geschehen, sie musste Entsetzliches erlebt haben, schoss es mir durch den Kopf. Mich nochmals wütend ansehend ging sie im in der Vielfalt der Zelte unter. „Du hast dich vorher noch nie gefragt, woher ihre Veränderung herkommt, stimmt’s.“ „Ich brauche von dir keine Vorhaltungen, die mache ich mir schon!“ und das tat ich auch. Wie dumm von mir. Das harte Leben, na sicher Claire. Eine Frau allein, bedeutete gleich Freiwild! „Sue wird damit fertig! Sie ist mehr um dich besorgt!“ das war wieder Sahalim, der mir die tröstenden Worte zuflüsterte. „Verwöhn sie nicht so, Sahalim!“ ermahnte Raphael ihn nicht zum ersten Mal. Sahalim verzog sich wie gewohnt. „Wir müssen bald aufbrechen, bevor der Winter ausbricht. Deshalb habe ich im Lager diesbezüglich einige Andeutungen gemacht. Sue vertrauen sie mehr, als mir. Wir werden sehen wie viel mit uns ziehen. Übrigens habe ich meine Bezahlung von Sue erhalten!“ fügte er noch nebenbei hinzu. „Was für eine Bezahlung?“ ich grübelte noch immer und schalt mich eine Närrin. Deshalb hörte ich Raphael nur halb zu. „Nichts gibt’s umsonst! So müssen wir denken. Ich habe dich bekommen!“ Nun war ich hellhörig! „Mich?“ „Eben! Schließlich denken sie ich sei schwul. Zumindest an dir interessiert, du bist für mein Verlangen zuständig. Ich habe auch schon Angebote bekommen, falls ich dich satthabe.“ grinste er anzüglich. „Was bin ich eine Ware?“ „Du bist ein schutzloser Junge! Indem jeder Mann einen weichen Arsch sieht.“ Mir graute es, „Also halte dich an meiner Seite! Ständig!“ befahl Raphael brüsk. „Denn wenn dich einer auch nur anfasst und es herausbekommt, wer du bist. Dann werden sie dich erst benutzen und dann vielleicht ausliefern. Falls du das überlebst!“ Einige Tage später als ich gerade Wasser ausschüttete, kam ein älterer Mann auf mich zu. Da ich mich hinter Raphaels Zelt befand, konnte ich annehmen, ziemlich sicher zu sein. „Junge! Ich habe gehört du besitzt Kräuter?“ ich nickte, „Hast du auch was gegen Husten?“ wiederum nickte ich, „Bist du sicher? Denn wenn du mir Mist verkaufst, kannst du mich kennenlernen.“ Drohte er mir. „Hab was gegen Husten!“ murmelte ich, „Dann her damit, meine Frau ist krank!“ ich holte das Gewünschte und erklärte ihm, wie er einen Sud daraus bereiten sollte. „Du kennst dich damit aus, hm. Wer hat dir das beigebracht?“ „Meine Mom!“ log ich. „Was willst du als Bezahlung?“ ich wehrte ab. „Junge, du bist ein schlechter Geschäftsmann. Du musst dich bezahlen lassen.“ Ich zuckte die Schultern. „Du gehst doch mit dem Großen mit?“ Was ich bejahte. „Warte heute Abend hier! Ich bringe dir was!“ Am Abend schlich ich mich hinaus, der Alte wartete bereits. „Sei still!“ warnte er mich. „Wenn einer sieht, das ich dir das gebe hast du keine ruhige Minute mehr.“ er holte ein sorgsam längliches Paket hervor. „Es ist alt, aber brauchbar. Das kannst du bestimmt gebrauchen.“ „Was ist das?“ fragte ich nach, weil er mich daran hinderte, die Schnüre zu öffnen. „Ein Bogen! Meine Tochter hat ihn benutzt, zwar nur auf Scheiben doch man kann damit auch jagen und sich schützen. Zumindest ein geübter Schütze.“ Er sah hinter mich, „Auch sie sind nicht immer in ihrer Reichweite! Ich habe einiges mitgehört. Sie sollten auf der Hut sein wem sie vertrauen und mitnehmen.“ Wer hinter mir war daran bestand kein Zweifel. „Ich versteh nicht ganz!“ meinte Raphael fragend. Der Alte lächelte, „Ich habe drei Töchter, die reinsten Wildfänge, noch traue ich meinen Augen.“ Raphael spannte sich an. „Keine Sorge, ich habe seitdem sie angekommen ist geschwiegen. Warum sollte ich jetzt reden? Danke Junge, meine Frau atmet schon viel leichter. Es ist das Wetter, bald wird es kälter!“ „Warum kommen sie dann nicht mit? Ehrliche Leute sind uns willkommen.“ „Wir sind alt! Zu alt! Wir würden sie nur aufhalten.“ „Das sehe ich nicht so. Wir haben Kinder und ihre schwangeren Mütter, einen Schwerverletzten da werden sie locker mithalten. Zudem wollen wir bei passender Gelegenheit einen Wagen bauen.“ „Ich werde mit meiner Frau darüber reden.“ Er verneigte sich leicht vor uns. „Woher kennst du den Mann?“ fragte mich Raphael. „Er bat für seine Frau um Kräuter und wollte sie unbedingt bezahlen.“ Raphael war sauer, „Deshalb triffst du dich in der Nacht hinter dem Zelt mit ihm?“ ich zuckte die Schulter, mir war schon klar das ich nun einen Vortrag zu hören bekam. Doch der blieb aus, denn man war nie lange unbeobachtet. Einer der Schmierigen wie ich sie nannte kam näher. Er glotzte mich unverschämt an, dabei blieb es. Denn in Raphaels Nähe wagte sich niemand, mir ein Wort zu sagen. Das hatte Raphael gleich am ersten Tag allen klargemacht. Indem er den Erstbesten, der mich anmachte, zu Boden schlug. „Geh ins Zelt!“ befahl er mir. Und wandte sich an dem Mann. Sofort packte ich den Bogen aus, Sahalim kam und schaute ihn sich an. „Ein guter Bogen! Du musst lernen ihn zu gebrauchen, unterwegs lehre ich dich, ihn zu handhaben.“ Sahalim sah auf als Raphael ins Zelt eintrat, sofort verzog er sich wieder, und ich mit ihm. Um nach Niklas zu schauen, Sue meinte er sei kurz aufgewacht sie hätten sich kurz unterhalten und Niklas habe mehr gegessen. Hier konnte ich nichts mehr ausrichten so ging ich wieder mit bangem Gefühl zurück. Wie erwartet hatte sich Raphael nicht gerührt. „Du bist unverbesserlich! Was habe ich dir eindringlich gesagt. Du bringst nicht nur dich in Gefahr sondern auch deine Freunde.“ „Mir erschien der alte Mann nicht gefährlich!“ war meine lahme Entschuldigung, ich wusste, dass Raphael zurecht sauer war. Doch musste er ständig den Schulmeister herauskehren. „Es wird nicht wieder vorkommen!“ versprach ich kleinlaut. Mein Lager aufsuchend, „Du schläfst ab heute bei mir, es gefällt mir nicht, was im Lager los ist. Sahalim sage den beiden Burschen sie sollen abwechselnd wachen wir werden das Gleiche tun.“ Sahalim verschwand sofort, Sue kam wachsam zu uns. „Es wird Zeit das wir verschwinden.“ „Ja, die Kerle nehmen es uns übel, weil ein Großteil der Frauen, mit uns kommt.“ Sue nickte und grinste in sich hinein, „Das haben wir hauptsächlich dir und deinem schweigsamen Freund zu verdanken.“ Darauf reagierte ich wiederum sauer, denn die Frauen boten sich den Engeln regelrecht an. Nach dem was man sich erzählte waren sie beide nicht abgeneigt und suchten die Damen regelmäßig auf. Das brachte mich zur Raserei, auch wenn ich schwieg, grollte ich. Natürlich nur, weil sie nicht besser waren als die übrigen Männer. Das redete ich mir zumindest ein. Es waren nicht alle so schlimm, nein die meisten Männer behandelten die Frauen überaus höflich. Doch leider waren die wenigen in einer Gemeinschaft, die sich keiner widersetzte. Sahalim kehrte von Chris und Max zurück, er erklärte sie seien gewarnt. „Gut!“ meinte Raphael, „Ich übernehme die erste Wache, ruh dich nun aus.“ Es war einer jener seltener Augenblicke, indem Sahalim Raphael widersprach. „Du wirst morgen deine Kraft brauchen, ich werde wachen.“ Raphael nickte zustimmend und deutete mir an ihm in seinen Bereich zu folgen. Diesen Teil des Zeltes betrat ich nun erstmals. Auch Raphaels Lager bestand aus Stoffen, die einfach aufgeschichtet waren. Er kam mit einer Lage und legte sie mir in die Arme. „Hier ich hole den Rest, such dir eine Ecke aus.“ Als wir endlich mit meinem Bett fertig waren. Sah ich noch einmal nach Niklas, er schlief. Auch Sue lag eng angeschmiegt an Niklas im festen Schlaf. Fröstelnd ging ich zurück und zog mich schnell aus, einen Teil. Denn die Nächte wurden stetig kälter. Auch wenn die Tage noch angenehm warm waren. Nicht mehr lange und der Winter hielt Einzug. Ich fragte mich, wie wir mit Kindern und schwangeren Frauen die kalte Jahreszeit entkommen wollten. Ganz zu schweigen Niklas sein Zustand, er konnte keineswegs laufen. Er musste getragen werden, am besten auf einer Bahre. Doch wie sollten wir mit Zelten, Lebensmitteln und vor allen Dingen Wasser auch noch Niklas tragen? „Schlaf endlich!“ murrte Raphael von der anderen Seite. Was ich auch bald darauf tat. Mitten in der Nacht wurde ich zähneklappernd wach. Draußen tobte ein Sturm, der kalte Wind pfiff in alle Ecken des Zeltes der Regen prasselte laut auf das Dach und die Wände. Meine Stofflagen fühlten sich feucht und klamm an. Irgendwo musste der Wind die Nässe hereinblasen. Doch in der Dunkelheit konnte ich sowieso nichts daran ändern und zog meine Beine fest an die Brust. „Komm herüber!“ meinte Raphael genervt, „Bei dem Theater was du machst weckst du das ganze Lager auf.“ Das ließ ich mir kein zweites Mal sagen, schnell schlüpfte ich in Raphaels Bett. „Bist du von Sinnen!“ fauchte er mich an, „Zieh das feuchte Zeug aus!“ und zerrte schon an meinen Socken. Innerhalb von Sekunden saß ich nackt da. „Wo willst du denn jetzt schon wieder hin?“ als ich mir trockene Sachen holen wollte. „Ich will mich anziehen! Wir können doch nicht beide nackt … ich meine …“ verlegen brach ich ab, da Raphael vor sich hinlachte. „Claire ich habe dich des Öfteren nackt gesehen und einiges mehr! Nun leg dich hin! Das Einzige was ich von dir begehre ist deine Körperwärme!“ Er zog mich fest an sich, er hatte es verdammt nicht nötig, irgendwelche Körperwärme einzufordern. In seinen Armen war es richtig warm. Bereits nach Sekunden hörte ich seine tiefen Atemzüge. So leicht fiel mir das keineswegs, ich war mir viel zu sehr seines Körpers bewusst. In mir regte sich eine Sehnsucht, die mich erschauern ließ. Seine Hände, die solche Wonnen schenkten. Seine Lippen auf meiner Haut. Die leichten neckischen Küsse bis hin, zu fordernden glühenden. Wie zärtlich er sein konnte, um dann umso drängender fortzufahren. Mit war überhaupt nicht mehr kalt, eher zu heiß und meine Müdigkeit einfach weggeblasen. Denk an was anderes, sonst vergewaltigst du den Engel noch. Was mich überaus belustigte, doch wie würde er reagieren sollte ich mich auf diese Art nähern. Wahrscheinlich bekam er einen Wutanfall oder er verlachte mich, bei meinem Versuch ihn zuverführen. Das sind nur Hirngespinste, Claire! Ermahnte ich mich ausschimpfend. Trotzdem lag ich stundenlang wach, bevor ich wieder einschlief. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag ich allein auf dem Lager. Enttäuscht darüber, dass Raphael meine Gelüste übersah. Er hat es mitbekommen da war ich mir hundert Prozent sicher. Nun du solltest deine kindischen romantischen Vorstellungen begraben. Raphael hat kein Interesse mehr an deinen Körper. Punkt! Es war noch immer kalt, Sahalim saß vor dem Zelteingang als wäre es das schönste Wetter. Er begrüßte mich nur mit einem kurzen Kopfnicken. „Schlafen Sue und Niklas noch?“ er horchte in sich hinein. „Sie wachen gerade auf.“ ich wollte gerade zu ihnen als Sahalim meinte ich solle ihnen ein paar Minuten geben. Natürlich wie dumm von mir. Also nahm ich einen Topf mit Wasser und stellte ihn auf das Feuer. „Haben wir noch Tee?“ „Nur ein paar Krümel, es reicht gerade noch für eine Tasse.“ Erteilte er mir Auskunft. Aufseufzend dachte ich an das eklige Gebräu, das mir gleich bevorstand. Was würde ich, für einen heißen dampfenden Kaffee tun. „Warum machst du dir keinen Tee?“ ich sah Sahalim erstaunt an, „Das ist nicht dein Ernst? Warum fragst du mich so was?“ Er zog die Achseln hoch, „Du magst den Tee aus Wurzeln nicht. Du bekommst keinen Kaffee, den du dir ersehnst und trotzdem bereitest du dir keinen Tee zu. Warum?“ „Ich wollte den Tee für Niklas nehmen!“ „Aber morgen! Dann trinkt er das Gleiche wie wir, was macht einen Tag aus?“ „Im Grunde keinen. Doch für mein Gewissen einen Großen.“ Er sah mich prüfend an und schüttelte dann den Kopf, „Ihr Menschen seid vielschichtig. Einerseits gönnst du keiner Frau Raphael zum anderen gibt’s du Niklas den letzten Rest. Erkläre!“ forderte Sahalim. „Sag mal, warst du zuvor nie bei den Menschen?“ die Vermutung hatte ich schon oftmals, doch bisher wagte ich mich nie zufragen. „Nein! Noch niemals.“ Bestätigte er. „Warum jetzt?“ „Raphael hat mich darum gebeten, ich beruhige die Menschen.“ Deshalb also, Raphael machte sich seine Gabe zunutze. „Wo hast du vorher gelebt? Auf der Insel habe ich dich nie gesehen.“ Er lächelte, „ich dich schon! Immer wenn du im Meer schwimmen warst. Du liebst das Meer so wie ich. Die Sonne, wenn sie blutrot untergeht. Den Horizont in Orange färbt. Die Minuten der Ruhe zwischen Tag und Nacht. Die Dunkelheit, dann die Sterne, die sich im Wasser spiegeln. Ich vermisse es.“ Er zauberte ein realistisches Bild vor meinen Augen auf mit seinen Worten. „Ja, ich auch! Der Frieden, die Ruhe und die Einsamkeit! Hier ist es nie ruhig, ständig diese Geräuschkulisse. Ja ich vermisse die Insel!“ seufzend setzte ich mich zu ihm, meine Hände am Feuer wärmend. „Du lebst also im Meer!“ noch wollte ich mich nicht von den Erinnerungen lösen. Sahalim nickte, „Bald werden wir uns gemeinsam an den Strand setzen.“ Ich schüttelte den Kopf, „Nein Sahalim, zur Insel werde ich nicht mehr zurückkehren können und wollen.“ Und schüttelte, die schöne Erinnerung ab. „Sue steht auf!“ sagte er, dann wies er auf das kochende Wasser. Ich bereitete für uns den Tee zu. Sue ging gleich darauf zu Niklas. „Wir müssen ihn verarzten, aber erst nach dem grausigen Zeug. Wo ist eigentlich Raphael?“ „Er ist in keinem der Zelte!“ versicherte er mir lächelnd, „Sondern überprüft eine Möglichkeit für unseren Weggang.“ Schweigend tranken wir, „Du wirst mir deine widersprüchlichen Handlungen und Gedanken noch erklären, ja?“ durchbrach er die Stille. „Kaum!“ verneinte ich kopfschüttelnd, „Das solltest du selbst herausfinden. Menschen sind halt so!“ Sue rief mich und den Rest des Tages waren wir mit Niklas und packen beschäftigt. Sobald Niklas schlief, gingen wir hinüber zu Sues Zelt. Dort suchten wir gewissenhaft zusammen, was wir mitnehmen konnten. Da uns keine Rucksäcke zur Verfügung standen, knoteten wir uns aus Tüchern fantasievolle Ranzen. Trotz allem mussten wir weiter aussortieren. Es würde ein langer Marsch werden, darüber waren wir uns einig. Chris, der sich in Geografie besser auskannte, als wir alle zusammen. Rechnete mit vier bis fünf Wochen Fußmarsch, wenn alles glattging. Er meinte damit die herumstreifenden Banden, die Gruppen überfielen und ausraubten. Oder die überall aus der Erde schießenden Sekten, die einen aufhielten, um neue Mitglieder zu werben. Ebenso wussten wir nicht, inwieweit die Straßen passierbar waren. Die Städte waren sie noch bewohnt oder bildeten sich wie in St.Paul, verschiedene Gruppen, die sich auch noch gegenseitig bekriegten. All das musste man berücksichtigen, klärte uns Chris auf. Seine größte Besorgnis galt jedoch der Wasserversorgung und den Nahrungsmitteln. Am Abend legte ich mich wieder in Raphaels Bett, da meines völlig durchnässt war. Irgendwann in der Nacht legte sich Raphael durchgefroren zu mir. Ohne das er mich auffordern musste schmiegte ich mich an ihn, bald darauf schlief er ein. Auch am nächsten Tag, war Raphael wieder abwesend und aus Sahalim konnte man kein Wort herausbekommen. Doch als Raphael, wie in der Nacht zuvor sich kalt an mich schmiegte, wagte ich ihn zu fragen. „Morgen! Morgen werden wir aufbrechen dann wirst du sehen.“ Mehr sagte er nicht. Tatsächlich lag er noch im Bett, als ich aufwachte. Rekelnd suchte ich schlaftrunken seine Wärme. Mich an ihn kuschelnd, genoss ich den Augenblick ihn bei mir zu haben. „Es scheint das ein paar kühlere Temperaturen dich anhänglich machen. Wenn ich das eher gewusst hätte, dann wären wir nach Grönland gegangen.“ Amüsierte er sich königlich, doch ich ließ mich nicht ärgern. Das war längst Vergangenheit. „Heute brechen wir auf?“ fragte ich ihn seine Spötteleien überhörend, „Ja!“ antwortete er knapp. Meine Sorge galt Niklas. „Was ist mit Niklas? Wie wollen wir ihn fortbringen?“ sollte er sagen er bleibe hier, dann war es für mich keine Frage, ich würde ebenfalls bleiben und Sue so gut wie möglich unterstützen. „Wir werden ihn tragen!“ meinte Raphael „Sahalim baut eine Trage, damit wird es gehen. Beruhigt?“ ich war ehrlich genug dies zuzugeben. Von nun an ging alles sehr schnell. Max, Chris und Sue benachrichtigten die Frauen und Paare. Sue kam mit der Neuigkeit zurück das sich das ältere Ehepaar mit anschloss. Kaum eine Stunde später versammelten sich alle vor Raphaels Zelt. Sie alle waren ungewöhnlich ernst, sogar die Kinder verhielten sich ruhig. Natürlich lockte die ungewöhnliche Ansammlung weitere Leute an. Nach kurzer Zeit herrschte ein Heilloses durcheinander. Die Menschen hatten untereinander Freundschaften geschlossen, sie kamen, um Abschied zu nehmen. Oder auf die Gefahren hinzuweisen, die auf unseren ungewissen Weg lagen. Eine hochschwangere Frau wurde von einem Mann besonders bedrängt. Er versuchte sie mit guten Worten, dann mit Drohungen, zu bewegen zu bleiben. Verzweifelt schrie er sie an, „Du bringst dich und das Kind in deinem Leib um.“ Die Frau jedoch bleib stur, „Hier werden wir ebenfalls umkommen. So habe ich wenigstens etwas getan!“ beharrte sie weiterhin. Er schaute sich bekümmert um, nahm jeden Einzelnen ins Auge. „Also gut! Dann geh doch!“ verzweifelt marschierte er davon. Die Frau machte eine Bewegung wollte ihn aufhalten, ließ jedoch ihre Hand sinken. Traurig wandte sie sich von dem Mann ab. Ich war dem Gespräch fasziniert gefolgt, nun wurde mir bewusst das ich wie eine neugierige alte Vettel lauschte . Verschämt verließ ich meinen Horchposten. Sah aber immer wieder zu der Frau, die stolz und unnahbar ihr Bündel trug. Schlimmer waren die schmierigen Kerle, die bedrohlich auf uns zukamen. Sie verlangten von Sue die hälfte der Frauen zurückzulassen. Sue lachte ihnen höhnisch ins Gesicht. Einer besonders unangenehmer großer Kerl trat vor und verkündete er werde uns keinesfalls ziehen lassen. Dann sank er wie eine gekochte Nudel in sich zusammen. „Sonst noch wer?“ Fragte Raphael in die Runde der Männer blickend. Die zogen sich feige zurück. „Dacht ichs mir doch!“ Damit war für Raphael die Sache erledigt, er kommandierte uns herum wir sollten uns in Zweiergruppen zusammenrotten und ihm folgen. Ich fragte mich, warum er das Zelt nicht mitnahm. Wenn wir zusammenrückten, wäre für alle genug Platz. Bei der Kälte die auf uns zukam ein idealer Schutz. Max und Chris traten aus dem Zelt, sie trugen Niklas, der mit schmerzverzerrtem Gesicht dalag. „Bist du wirklich sicher? Ich kann dir noch etwas gegen die Schmerzen geben.“ Er verneinte abermals, denn schon vorher lehnte er es ab, zusätzliche Schmerzmittel einzunehmen. „Wenn du deine Meinung änderst, sag es mir.“ sagte ich ihm nochmals, dann stellte ich mich zu Sue, die hinter der Bahre stand. „Solch ein dickköpfiger Kerl!“ schimpfte sie auf Niklas. „Ich kann dich hören, mein Schatz!“ antwortete er, „Chris, wenn Sue weiterhin mit mir schimpft, musst du sie für mich knuffen.“ Chris schüttelte vehement den Kopf, „Lasst mich da raus.“ Der Zug setzte sich in Bewegung, langsam gingen wir durch das Lager. Den Trampelpfad entlang, der sich zwischen den Zelten schlängelte. Viele riefen uns Abschiedsworte zu, gefolgt mit Ermahnungen und guten Wünschen. Eine Frau verließ der Mut sie blieb einfach bei ihren Bekannten stehen. Auch sah ich den Mann, der die schwangere Frau umzustimmen versuchte. Er reihte sich in die Schlange ein, wortlos nahm er den Rucksack der Frau ab. Sie lächelte ihm zu in den Blicken, die sie sich zuwarfen, lag so viel Liebe, Verständnis. Wieder musste ich meine Augen von dem liebenden Paar gewaltsam lösen. Das war es! Ich beneidete das Paar, wie auch Sue und Niklas, das ältere Ehepaar. Sogar die Frauen, die allein unterwegs waren. Sie halfen sich gegenseitig, schlossen sich freundschaftlich zusammen. Mir wurde nur zu bewusst, dass ich keine solche Bindung eingegangen war. Mein Horizont erstreckte sich auf Max, Chris, Sue und Niklas. Dabei war mir vollkommen klar, mein Verhältnis zu Sue bezog sich nur auf die längst vergangene Freundschaft. Wir hatten uns verändert, jede auf ihre Weise. Sue unnachgiebig hart und zuweilen kalt. Ich dagegen in meiner Naivität auf ihren Schutz angewiesen. So verhielt es sich auch mit Chris, die beiden passten sich den Begebenheiten an. Während ich aus unerfindlichen Gründen unfähig dazu war. Doch das sollte sich ändern, ich nahm mir fest vor, für mich selbst zu sorgen. Ich konnte doch nicht mein Leben lang an irgendeinen Rockzipfel hängen. Der mich umsorgte und schützte. In meinen Grübeleien vertieft lief ich ohne auf den Weg zu Achten hinter Chris breiten Rücken her. Hinter uns waren weniger Leute, als ich zunächst annahm, einige mussten zurückgeblieben sein. Sue bemerkte meinen suchenden Blick, „Sie haben ihre Entscheidung getroffen, hoffen wir das Beste für sie! Und für uns, denn ob wir es schaffen, steht in den Sternen.“ „Weißt du, welchen Weg wir nehmen werden? Hat dir Raphael diesbezüglich etwas gesagt?“ „Mir? Nein! Ich dachte du wüsstest etwas.“ Sie schaute mich fragend an, doch ich wusste ebenso wenig wie sie. Chris musste zugehört haben, „wir halten auf die Pennington Avenue zu. Ich nehme an er will zum Afton Boulevard das ist die 18 und die führt zur 95, weiter auf die 65. Schnurstracks Richtung Süden. Wenn wir dieser Route folgen in diesem Tempo,“ er überlegte eine Weile, „dann sind wir grob geschätzt vier bis sechs Wochen unterwegs. Da kann viel passieren!“ fügte er besorgt hinzu. Also in den Süden Louisiana ich komme zurück. Wer weiß vielleicht konnte ich sogar mein Elternhaus besuchen. „Oh meinte Chris nach einer Weile, er ist gar nicht so dumm! Daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Doch wie will er …“ Chris schwieg, „Was? Chris rede schon!“ blaffte Sue ihn an. „Ihr werdet schon sehen, den Spaß will ich Raphael nicht verderben.“ „Du kannst es nun ruhig ausposaunen, Chris. Ich habe nur aus einem Grund geschwiegen, weil es für alle keinen Platz gibt. Und ob die Idee so gut war, werden wir im Verlauf der Reise erfahren.“ Chris stimmte Raphael zu, doch schwieg er, bis wir den St.Croix erreichten. Dort lagen in einem Hafen mehrere Boote. Besonders stachen drei Segelboote hervor. „Einfach genial!“ rief Chris begeistert aus. „Wir schippern leise den Mississippi runter.“ „Ja, wenn wir uns in der Mitte halten, der Strom erledigt den Rest. Doch was ist mit den Dämmen? Was ist, wenn sie nicht funktionieren oder sie besetzt sind.“ Wandte Max ein. Raphael der Lage vollauf bewusst, „Eines nach dem anderen soweit ich weiß sind die Nächsten benutzbar. Ein Fremder kam auf uns zu, er begrüßte Raphael. „Das sind also alle?“ er überblickte die Schar und nickte. „Wir haben genug Platz, die Kinder können zu zweit in die Kojen. Wer hat Erfahrung mit einem Segelboot.“ Sahalim trat vor, er grinste zuversichtlich und auch der ältere Mann, von dem ich den Bogen erhalten habe, hob seine Hand. „Zwar habe ich eine kleinere Jolle besessen, aber die Grundkenntnisse habe ich.“ Sofort teilte der Mann, er meinte wir sollten ihn Skipper nennen, uns auf. Auf dem größten sollten einige Frauen mit ihren Kindern. Dazu noch die Pärchen und Max. Das Nächste sollte mit den restlichen Frauen, Sahalim, Chris und mir. Raphael, Sue, Niklas, das ältere Paar auf dem anderen. Ich überreichte Sue die Medikamente sagte ihr noch einmal sie müsse jeden Tag die Verbände wechseln. Das meiste machte sie sowieso schon selbst eifersüchtig auf jede Sekunde, mit der sie Niklas teilen musste. Raphael jedoch hielt mich auf, indem er eine Hand auf meine Schulter legte. „Skipper der Junge bleibt bei mir!“ dieser nahm mich ins Visier, „Der Junge sieht leichtfüßig aus, der kann den Beiden helfen! Du kommst mit deinem Schiff allein zurecht!“ winkte er Raphaels Einwand ab, „Ich sagte der Junge bleibt bei mir.“ Raphaels Mimik verdüsterte sich, die des Skippers ebenso. „Das sind meine Schiffe und ich bestimme, wer wo auf welcher Jolle fährt.“ Der Skipper die Hände in den Hüften gestemmt, lehnte sich angriffslustig vor. „Ich kann segeln.“ Meinte ein zierlicher Junge, der Skipper spuckte dem Jungen vor die Füße, „Du bist kaum der Mutterbrust entwachsen, Junge.“ „Als Erstes bin ich kein Junge, sondern eine Frau. Außerdem habe ich größere Schiffe als diese Nussschalen kreuz und quer über die Meere befahren.“ Dem Skipper fiel vor Staunen die Kieferlade hinunter, als das Mädchen; junge Frau sich vor ihm aufbaute. „Verschwinde aufs Schiff.“ Befahl Raphael mir leise. Seine Besorgnis war völlig unbegründet, nachdem der Skipper die junge Frau eingehend befragt und geprüft hatte, war ich vergessen. Fast! Denn er rief Raphael zu, „Kannst den Knaben behalten! Wer weiß was sich unter dem Cap versteckt! Solltest besser mal nachsehen.“ Grölte er belustigt, dabei sah er mich genauer an. Ich versuchte nicht allzu schuldbewusst auszusehen, Raphael meinte das er wüsste, genau was er an mir habe. „Jedem das, was ihm gefällt.“ Zuckte der Skipper mit den Schultern und scheuchte die Damen auf sein Boot. Chris hievte gerade Niklas in die Höhe und Raphael nahm ihn an, „Das wird jetzt ungemütlich!“ prophezeite Raphael. Niklas biss die Zähne zusammen, als er nach unten getragen wurde. Der Segler besaß zwei Kabinen, ausgestattet mit Doppelbetten. In die größere trug Raphael den Verletzten und legte ihn auf das Bett. Niklas erleichtert stöhnte leise auf, der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Ich wollte mich sofort um ihn kümmern, doch Sue meinte sie erledige das schon. Ich sollte mich um das Paar kümmern. Wie ich kurz darauf erfuhr, hießen sie Henriette und Paul Boewen. Raphael wies ihnen die andere Kabine zu, was sie kategorisch ablehnten. Henriette erklärte Raphael gerade, „Wir kommen mit der Nische vollkommen aus. Ein großer Kerl wie sie in diesem kleinen Bett. Nein das lassen wir nicht zu!“ Sie legte ihr Bündel demonstrativ in die kleine Kammer. Raphael lächelte, „Ich weiß, wann ich geschlagen bin. Danke!“ er drückte Henriette einen Kuss auf die Wange und sie errötete wie ein kleines Schulmädchen. Ich sah mich um, dann konnte ich die Essecke nutzen. Für mich reichte sie allemal. Dann sah ich mich weiter um. Außer der Essecke war da noch eine kleine Küche kaum Platz für eine Person. Ich öffnete eine weitere Tür, eine Toilette! Kein Loch, das man erst schaufeln musste. Eine richtige Toilette, da hing sogar Toilettenpapier. Keine Blätter! Richtiges Papier. Und eine Dusche! Doch wahrscheinlich ohne Wasser, aber der Fluss war einigermaßen klar da konnte ich mich auch abschrubben. Oder auch nicht denn die Gefahr das ich gesehen wurde war zu groß. Sehnsüchtig dachte ich an ein ausgedehntes Bad. Auch Henriette sah sich um, ich setzte mich an den ovalen Tisch, damit sie sich ungehindert umschauen konnte. „Oh eine Küche! Jetzt fehlen nur noch die Lebensmittel.“ Meinte sie. Um sie aufzuheitern, deutete ich auf die Tür, wohinter sich die Toilette verbarg. „Das ist ja geradezu ein Paradies! Was meinen sie Claire, werden unsere verwöhnten Hinterbacken die frische Luft vermissen?“ ich lachte auf, „Meine gewiss nicht!“ dann erstarb mein Lachen denn Henriette und Paul starrten mich an. Raphael stürzte die kleine Treppe hinunter. Keiner sagte ein Wort, „Nur ruhig! Keine Angst Claire, Raphael von uns erfährt niemand, wer sie ist.“ Aufseufzend meinte Raphael, „Sie ist die schlechteste Schauspielerin der Welt. Ich wundere mich das sie noch keiner durchschaut hat.“ „Das liegt eher daran, dass sie sie so abschotten!“ vermutete Henriette. „Und daran, weil jeder mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist.“ Fügte Paul hinzu. In seinen Bart grummelnd ging Raphael wieder auf Deck. Paul meinte, er sollte sich ebenfalls nützlich machen und folgte ihm. „Was machen wir beide in der Zwischenzeit?“ wollte Henriette wissen. „Keine Ahnung, ich glaube ich werde meine Sachen unterbringen.“ Dabei untersuchte ich die Bank, auf der ich gerade gesessen habe. Leider waren die vollbepackt, das Gute mit Dosen und Gläsern voller Essen. „Mein Gott, damit können wir einige Mahlzeiten kochen. Falls dieser Ofen funktioniert! Ansonsten fache ich ein Feuer an. Die Kinder können es gebrauchen.“ „Meine Liebe, du musst nur für uns kochen, bei den anderen dampfen bereits die Töpfe und was für Düfte das sind. Einfach himmlisch.“ schwärmte Paul, als er den Kopf in die Kajüte steckte. „Wir werden gleich ablegen, das hat der Skipper beschlossen. Er ist der Ansicht, der Geruch könne alles mögliche anlocken. Übrigens die Duschen funktionieren auch, ihr dürft sie benutzten.“ Frohlockte er, „warmes Wasser!“ kurz darauf war er schon wieder da. „Raphael sagt nur kurz, Wasser ist kostbar!“ Duschen wir konnten wirklich duschen. „Also ich sehe zu das wir was auf die Teller bekommen, geh du - sie ruhig unter die Dusche!“ schlug Henriette vor. „Sie können mich ruhig duzen.“ schlug ich vor. „Du mich auch, schließlich sitzen wir alle im selben Boot.“ Als ihr bewusst wurde, dass dies wörtlich war, kicherte sie. „Ich frage meine Freundin, ich glaube sie freut sich noch mehr darüber.“ „Wie du meinst!“ flötete Henriette gut gelaunt, sie hantierte mit den Töpfen, prüfte und schaute in jeden Schrank. Amüsiert sah ich ihr zu, bis sie sich umdrehte, „Willst du lieber kochen?“ ich wehrte kräftig ab, „nein ich will nicht über Bord geworfen werden.“ Leise klopfte ich bei Sue und Niklas an, verstimmt öffnete Sue die Tür. Anhand ihrer roten Lippen ging es Niklas schon viel besser. „Sue entschuldige, aber möchtest du duschen?“ sie sah mich mit großen ungläubigen Augen an, „Duschen?“ ich nickte, „Du meinst richtig so mit heißem frischen klaren Wasser, das aus dem Hahn kommt?“ ich nickte wiederholend. „Was für eine Frage! Warte zwei Sekunden“ sie verschwand, schon stand sie wieder da. „Wo?“ „Da drüben!“ ich machte mich zu meiner eigenen Sicherheit ganz dünn. Sie flog geradezu auf die Tür zu, dann hielt sie inne. Sah zu Henriette in die Küche. „Essen?“ hauchte sie fragend. „Ja Kindchen!“ bestätigte Henriette. „Oh, man ich träume.“ Dann verschwand sie im Bad. Kurz darauf hörten wir ihre wohligen Seufzer. Grinsend sahen Henriette und ich uns an, vollstes Verständnis für Sues, gutturalen Laute. Ich machte mich an die andere Bank zu schaffen auch hier war alles mit Lebensmitteln vollgepackt. Dann öffnete ich die darüberliegenden Schränke, das wahr einfach zu schön. Saubere Handtücher, frische Bettwäsche. Sofort nahm ich eines mit spitzen Fingern und klopfte an die Badtür. „Ich beeil mich ja schon.“ Hörte ich Sue fluchen. „Mach die Tür auf!“ forderte ich sie auf. Sie steckte den Kopf heraus, „Bin gleich fertig!“ Ich streckte ihr das Handtuch entgegen. „Das ist besser als jeder Traum.“ Und riss mir das Objekt der Begierde aus den Fingern. Das Boot schwankte leicht, „Hoppla!“ rief Henriette aus der Küche, ich sah um die Ecke, „Nichts passiert. Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen, ist lange her.“ Während ich weiter suchte, erkundigte ich mich, wie es sei, in einem Boot herumzuschippern. Sie lachte, „Lass das nicht meinen Mann hören. Er nimmt das Segeln sehr ernst. Wenn er eine Route plante, dann ging er vor als hänge sein Leben davon ab. Nichts überließ er dem Zufall.“ „Das hört sich ja schrecklich an. Haben sie sehr darunter gelitten.“ Schon allein der Gedanke seinen Urlaub oder die Wochenenden genauestens zu verplanen war mir ein Gräuel. „Aber nein. Wir hatten viel Spaß, Paul wer entspannt, weil seine Pläne aufgingen, die Kinder waren froh ins Wasser zu kommen und ich bekam soviel freie Zeit wie niemals zuvor. Du musst wissen ein Haus voller Kinder da hört die Arbeit niemals auf. Doch wenn wir unterwegs waren, kam ich mir vor wie eine Fürstin.“ „Aber bei drei Kindern mussten sie doch auch auf einem Boot alle versorgen.“ Allein die Vorstellung drei Kinder ständig ruhig zu halten sie zu beschäftigen das musste nervenaufreibend sein. Henriette schüttelte den Kopf. „Es war einfacher!“ versicherte sie mir. „Sagst du den Männern, das Essen ist in ein paar Minuten fertig. Sie sollen dann herunter kommen und zwar in fünf Minuten!“ das hörte sich wie ein Befehl an. Als ich nach oben ging, kam Sue aus dem Bad. „Das war einfach herrlich, der Nächste kann!“ „Aber erst nach dem Essen.“ Warf Henriette ein, mir war es gleich. Bei dem Duft, der aus der Küche stieg, konnte die Dusche ruhig warten, die lief mir nicht davon. Paul und Raphael sahen von der Karte auf, die sie gerade studierten. Ich richtete ihnen Henriettes Aufforderung aus. „Dann sollten wir uns daran halten.“ Meinte Paul, „Sie kann sonst fürchterlich sauer werden.“ Prophezeite er dramatisch. Mir gefielen die beiden immer besser. Obwohl sie schon weit die sechzig überschritten waren sie jung geblieben. Anders konnte ich es nicht erklären. Ich sah mich nach den anderen Schiffen um sie lagen ganz in der Nähe, niemand war zu sehen. Paul war meinem Blick gefolgt. „Sie waren schneller als wir.“ Und rieb sich den Bauch. Doch ich sah mich weiter um rings um uns herum nur Wasser und ansonsten sah man Bäume, die einen dichten Wald bildeten. Es war friedlich und eine ungewohnte Ruhe erfasste mich. Das leise schaukeln des Schiffes trug ein weiteres dazu bei. Paul tippte mich an, „Wir sollten hinuntergehen, sonst ist es mit der Ruhe vorbei.“ Grinste er, Raphael bückte sich bereits und verschwand ins Innere. „Die Ruhe ist ansteckend.“ Und sah nochmals hinaus. „Die kannst du später genießen.“ Und stieg ebenfalls hinab, „Darf ich denn hier herauf kommen? Ich will euch ja nicht im Weg stehen.“ Paul lachte, „siehst du da neben dem Steuerruder, dahin kannst du dich verkrümeln.“ Das sah für mich wie ein Lenkrad aus, ich behielt das jedoch für mich, also Steuerruder! Darum waren in einem U Bänke angebracht. Unten saßen sie schon am Tisch, außer Sue und Niklas. Die Tür zu ihrer Kabine stand auf. Niklas lobte gerade Henriettes Kochkünste. Sie selbst füllte die Teller auf, Gott richtige Teller mit Besteck. Wie lange lag dieser Luxus zurück. Stumm verzehrten wir die Mahlzeit, Paul schob als Erster seinen Teller ein Stück zurück, er rieb sich den Bauch, lehnte sich satt zurück. „Das war seit langer Zeit, die erste Mahlzeit mir schmeckte.“ Grunzte er zufrieden. „Genießen wir es solange wie es anhält.“ Unkte er. Henriette sah skeptisch auf, „Was bedeutet das nun wieder?“ ihren Mann fest in Auge fassend. „Es ist nur so, die Schleusen! Wir wissen nicht, was damit ist. Sind sie benutzbar? Oder gar in der Gewalt irgendwelcher Profitgeier. All das können wir nur vermuten. Deshalb richtet euch nicht allzu häuslich sein.“ Warnte er uns vor. „Das ist nicht euer Ernst?“ fragte Sue zweifelnd nach. „Leider doch! Wir werden morgen sehen, was uns erwartet. Sollte die Schleuse besetzt sein, werden wir verhandeln. Ist sie jedoch außer Betrieb müssen wir die Schiffe zurücklassen und uns neue suchen.“ Klärte Raphael uns auf. „Warum hast du uns dann erst hierher geschleppt?“ klagte Sue ihn an. „Ganz einfach, bis nach Trenton liegt ein Fußmarsch von zehn Stunden vor uns, unsere Gruppe würde länger brauchen. Das ohne Verpflegung! Rechne nach wie lange halten wir das durch? So lassen wir uns von der Strömung treiben und genießen den besten Komfort.“ „Entschuldige zu hast natürlich Recht. Ich dachte wir haben nun freie Fahrt bis in wärmere Gegenden. Ich habe nicht nachgedacht.“ „Als wenn das alles wäre!“ Paul war keineswegs so leicht zu beruhigen, wie Raphael der Sue verständnisvoll zunickte. „Hat nur einer nachgedacht? Wie sieht es auf dem Fluss aus? Die Lastkähne versperren sie den Weg oder liegen sie in ruhigeren Buchten. Die Städte; die wir passieren müssen, was ist dort los? Wir haben die besten und schlechtesten Neigungen der Menschen erlebt! Welche begegnen wir? Es gibt so viele unvorhersehbare Gefahren.“ Henriette langte über den Tisch und legte beruhigend ihre Hand auf seine. „Und wir werden sie eine nach der anderen bewältigen.“ Versicherte sie bestimmt. „Wir haben unseren Glauben, starke Männer und Frauen, den festen Willen heil anzukommen. Wohin immer uns auch der Weg führt.“ Paul lächelte seine Frau an, „Wie immer findest du die richtigen Worte.“ Wieder war das Vertrauen der beiden Menschen deutlich sichtbar. Ich kam mir wie ein Eindringling vor, wusste jedoch nicht wohin. Einfach aufstehen? Den Augenblick zerstören, nein. Ich suchte einen unverfänglichen Punkt zu dem in schauen konnte und begegnete Raphaels Blick. Er betrachtete mich spöttisch mit hochgezogener Braue. Wie lange beobachtete er mich schon? Da ich keineswegs beabsichtigte auf seinen stillen Angriff einzugehen, sah ich demonstrativ aus dem Fenster. „Ja dann wollen wir uns auf den Weg machen.“ Hörte ich Paul aufseufzend sagen. Henriette räumte die Teller zusammen und ich half ihr, dann ging ich endlich duschen. Die Brühe zu meinen Füßen ließ mich im Nachhinein vor mich selbst ekeln. Zwar habe ich mich regelmäßig gewaschen doch mit kaltem Wasser. An den sogenannten Badetagen habe ich niemals teilgenommen. Wie auch die Männer hätten nicht schlecht geguckt. Kurz entschlossen wickelte ich mich in das Handtuch ein und wusch meine Sachen durch. Zumindest die die ich direkt auf dem Leib trug. Mit meinem nassen Gepäck bewaffnet steckte ich meinen Kopf hinaus. „Darf ich heraufkommen?“ Paul sah mich mit großen Augen an, „Nett dich kennenzulernen, Claire. Sicher darfst du, die anderen sind uns weit voraus.“ Raphael brummte auf, als ich mich auf die Bank setze. Mit meinen nassen Klamotten beschäftigt, die ich wohin hing? Paul meinte, „wring sie ordentlich aus, wir müssen so unauffällig wie möglich durch Prescott kommen. Gleich kommen wir zu einer Flussenge.“ Informierte mich Paul, „du solltest dich besser in die Kajüte begeben. Wer weiß, was da auf uns zukommt.“ Befürchtete er. „Die anderen sind ungehindert durch!“ behauptete Raphael, der sich weiterhin auf den Fluss konzentrierte. „Wird es gefährlich?“ „Nein! Wir müssen in der Fahrtrinne bleiben, Sandbänke!“ antwortete mir der ältere Mann. „Bist du zum ersten Mal auf einem Boot?“ ich nickte. Er erzählte mir von seinen früheren Fahrten, die er mit seiner Familie unternommen hatte. „Da ist sie, ganz vorsichtig Raphael!“ warnte er den Engel, er lief nach vorn und dann nach rechts und links. Ich sah nur den Sand, der sich am Ufer vor uns erstreckte, dahinter der dichte Wald. Wäre es Sommer würde diese Stelle geradezu dazu einladen hier zu verweilen. Schon ließen wir das schöne Stück Eiland hinter uns. „Du solltest dich anziehen! Nicht mehr lange und wir kommen durch Prescott. Es brauchen nur Leute auf der Brücke zu stehen oder in Ufernähe.“ Riet mir Raphael. Ich schaute auf mein nasses Bündel, „In meinen Rucksack findest du saubere Wäsche.“ Wie kam er zu sauberen Sachen? „Hab einfach was eingepackt!“ war sein bissiger Kommentar. Ich fragte nicht lange nach alles war besser. Von wegen einfach nur eingepackt, die Sachen waren aufeinander abgestimmt und nicht dazu gedacht lange anzuhaben. Das war Reizwäsche! Sie bestand nur aus hauchdünner Spitze. Mistkerl! Der lachte sich bestimmt gerade eins ins Fäustchen. In Ermangelung anderer Unterwäsche zog ich das Zeug an. Darüber die inzwischen abgetragenen Sachen von Niklas. Soweit ich angezogen war, ging ich hinüber zu Sue und Niklas. Niklas schlief tief und fest. „Wie sieht die Wunde aus?“ Sue meinte sie verheile, doch nahm ich mir vor, sie mir morgen selbst anzusehen. „Was denkst du, wie wir weiterkommen, wenn wir die Schleuse nicht nutzen können.“ fragte sie mich besorgt. „Keine Ahnung, zu Fuß oder mit anderen Booten.“ Sue betrachtete besorgt Niklas Gesicht, „Er ist noch zu schwach, falls wir zu Fuß weiterziehen müssen. Werden wir uns irgendwo eine Unterkunft suchen.“ Entsetzt setzte ich mich zu Sue, „Nein Sue! Wie wollt ihr den Winter überstehen? Das ist euer Untergang und das weißt du auch.“ Sie sah mich gleichgültig an, „Zu Fuß ist es auch nur eine Frage von Tagen, bis Niklas …“ Tränen liefen über ihre Wangen, sie schluchzte leise auf, „wenn ihm etwas zustößt will ich auch nicht mehr. Du verstehst!“ „Das ist doch ausgemachter Blödsinn! Glaubst du, ich lasse dich oder ihn, einfach zurück? Nein Sue!“ Sie lächelte bitter, „Wie willst du das verhindern? Du bist noch nicht mal selbst in der Lage für dich zu sorgen. Oder willst du deinen großen Beschützer auf uns hetzen? Das kannst du gleich vergessen, denn ich habe vorsorglich mit ihm geredet und er ist realistisch genug.“ Das konnte und wollte ich nicht glauben, Raphael würde Sue und Niklas nicht zurücklassen. Niemals! Nein? Dieses kleine Stimmchen wurde überlaut. Was war für ihn ein Menschenleben? Wie viele Leute hätten wir mitnehmen können? Wenn sie nur einen sicheren Weg in den Süden vor sich sahen. Doch er schwieg, absichtlich ließ er uns im Ungewissen. „Siehst du!“ Sue sah mir meine Zweifel an, „Ich möchte, dass du meine Entscheidung verstehst, Claire. Niklas ist der einzige Mensch der mir noch etwas bedeutet, ohne ihn will ich nicht weiterleben.“ „Aber Sue dafür ist das Leben zu wertvoll, du gibst auf. Du kannst nicht wissen, was dein Leben noch für dich bereithält.“ Sie unterbrach mich, „Nein meine Entscheidung ist getroffen!“ sie legte sich hin und schloss demonstrativ die Augen. Darüber war das letzte Wort noch nicht gesprochen. Und wenn ich Niklas über Sues alberne Idee informierte, er würde ihr schon den Kopf zurechtrücken. Paul kam herunter, aufgeregt sagte er das irgendetwas nicht stimmte. Überall standen Menschen, Soldaten würden auf der Brücke stehen. Sie hielten uns jedoch nicht auf. Dann meinte er ich solle meine Verkleidung anlegen. Henriette kam aus dem Bad, „Sollte das bedeuten das sich alles wieder normalisiert? Vielleicht können wir ja zu unseren alten Leben zurückkehren.“ Hoffnungsvoll sah sie ihren Gatten an. Der wusste darauf keine Antwort. „Wir werden sehen. Jedenfalls setzen wir Segel, dann sind wir vor Anbruch der Nacht vor der Schleuse, wenn Soldaten diese in ihrer Gewalt haben erfahren wir mehr.“ Sue und Henriette konnten es kaum erwarten anzukommen. Für Sue hieß Soldaten gleich Lazarett und Ärzte. Eine gemeinsame Zukunft mit Niklas. Sie klebte am Fenster der Kajüte und fragte ständig, „Wie lange noch?“ Auch Henriette wanderte in der Kajüte hin und her. Mir wurde es nur mulmig, Soldaten bedeuteten für mich eine Gefahr. Da war ich mir ganz sicher. Sie brachen nicht so einfach eine Suchaktion ab, nicht nachdem ich die gefährlichste Terroristin auf amerikanischen Boden war. Wie sie mich beschuldigten. Dann überstürzten sich die Dinge. Mit einem Mal waren die Boote von Kanonenbooten und Soldaten umzingelt. Sie mussten in die Einfahrt der Schleuse einfahren. Die Soldaten hielten ihre MGs in Schussposition. Barsche Befehle jagten uns an Land, wir wurden zusammengetrieben wie Vieh. Ich hörte noch, wie Sue sich weigerte, Niklas zu verlassen. Henriette wurde geholfen, die notdürftige Leiter hinunterzuklettern. Es war ein Heilloses durcheinander. Chris wurde von einem Soldaten niedergeschlagen, weil er einer schwangeren Frau zu Hilfe eilte. Nachdem wir zusammengepfercht von Soldaten umzingelt waren. Kam ein Offizier, der mit dem Skipper und Paul sprach. Er übersah die Lage, sie wechselten noch ein paar Worte. Dann wurde uns über Megafon mitgeteilt, das wir in ein Sammellager transportiert werden sollten. Paul kam zu mir hinübergeschlendert, „Ihr müsst verschwinden!“ teilte er mir mit. Da wurde mir erst bewusst Raphael und Sahalim standen neben mir. „So wie ich den Sergant verstanden habe, werden sie uns bei der Einlieferung des Lagers gründlich untersuchen. Natürlich nur aus gesundheitlichen Gründen!“ zweifelte er an. „Ich glaube eher sie wollen sicher gehen das wir keine Waffen bei uns tragen.“ „Sahalim wird bei euch bleiben, zu zweit fallen wir nicht so auf.“ bestimmte Raphael, „Sie werden bestimmt Laster benutzen.“ Meinte Raphael, „Danke Paul auch das du an unser Sorgenkind glaubst.“ Er schüttelte dem alten Mann die Hand und zog mich von der Gruppe ein wenig Abseits fort. Er sah zu, wie der erste LKW mit unseren Mitreisenden beladen wurde. Dann stellten wir uns an das Ende der Schlange. Die Soldaten nun zugänglicher, da sie von der Gruppe keine Gefahr erwarteten, beantworteten die Fragen höflich. So erfuhr ich das im ganzen Land vorerst der Ausnahmezustand herrschte. Das Militär habe die Aufgabe die Städte in ihre Gewalt zu bringen. Viele seien wie ein Königreich besetzt worden. Eine Handvoll habe das sagen und der Rest musste Untertan sein. Auch kleinere Ortschaften seien davon betroffen. Die selbst ernannten Despoten wurden ihrer Regentschaft entthront. Das ging oftmals nicht ohne Kampfhandlungen. Es herrsche das Chaos. Die Soldaten befragten auch uns, wo wir herkamen. Wie die Lage aussah, unter welchen Bedienungen wir gelebt haben. Sie versicherten uns, bald möglichst wieder nach Haus zu kommen. Doch vorerst wären wir in einem Lager besser aufgehoben, bis sie die Städte gereinigt hätten. Dann sollten alle Überprüften ein Passagierschein bekommen, diese durften dann in ihre Heimatorte zurückehren. Gerade in Minnesota herrsche eine strenge Überwachung, da die Terroristen noch frei herumliefen. Auch wenn die Soldaten freundlich antworteten, jede Frau wurde eingehend gemustert. Aber auch jüngere Burschen, mir fiel es schwer, ruhig dazustehen und darauf zu warten, endlich einzusteigen oder zu hören. Da ist sie, die schlimmste Verbrecherin die frei herumläuft. Knallt sie gleich ab, den Prozess erledigen wir später. „Joe! Du dummer Junge! Kommst du jetzt endlich! Du hältst alles auf, verzeihen sie meinen Sohn er ist ein Nichtsnutz. Aber doch mein Sohn!“ Henriette stand mit gestemmten Fäusten in der Hüfte mitten auf der Ladefläche. Im Gesicht puterrot, ihre Augen funkelten vor Zorn, als sie zu mir herabsah. Der Soldat, der mich gerade in Augenschein nahm, grinste mir zu. „Nun mach schon Söhnchen, bevor deine Alte einen Herzinfarkt kriegt.“ Rasch, kletterte ich auf den Laster, nur froh das die Soldaten sich über mich lustig machten. Henriette zog mich auf die Bank und schimpfte mich weiter aus. Raphael setzte sich neben mir, versperrte den Soldaten damit die Sicht auf uns. Kurz darauf fuhr der LKW an. Raphael warf Henriette einen dankbaren Blick zu und ich machte mich so klein wie möglich. Seinen tadelnden Blick ausweichend. Nachdem wir einige Zeit unterwegs waren und die allgemeine Aufmerksamkeit von uns abdriftete. Meinte Henriette zu Raphael, „Ihr werdet eine andere Verkleidung brauchen.“ Raphael brummte zustimmend. Wie lange waren wir nun schon unterwegs; eine, zwei oder sogar drei Stunden. Jegliches Zeitgefühl ging verloren. Eine Weile fuhren wir am Mississippi entlang. Doch durch die aufkommende Nacht sah man so gut wie überhaupt nichts. Dann durchfuhren wir eine Ortschaft, es wurde gemunkelt wir wären in Wisconsin. Doch niemand konnte bestimmen, wohin uns der Weg führte. Zuerst wurde leise darüber spekuliert, doch mittlerweile verstummten die Gespräche, es schien sogar das einige auf den unbequemen Bänken schliefen. Sehen konnte ich kaum etwas so dunkel war es. Raphael saß entspannt da, äußerlich zumindest doch ich fühlte seine Anspannung. Auch beobachtete er genau die Straße, die hinter uns dahin flog. Irgendwann tippte er mich an, erschrocken setzte ich mich auf. Er umfasste fest meine Taille, „Dreh dich zu mir!“ raunte er mir ins Ohr, kaum das ich seinen Befehl ausführte verlor ich jeglichen Bodenkontakt. Es währte nur Sekunden, dann spürte ich den harten Aufschlag sämtliche Luft entwich meinen Lungen. Raphael rappelte sich mit mir hoch und sprintete ins nahegelegene Gebüsch. Dort ließ er mich los und ich sackte wie ein nasser Sack zusammen, nach Atem ringend. Raphael beobachtete indessen die Straße, zufrieden kam er nach einer Weile zurück. „Bisher haben sie unser Fehlen nicht bemerkt. Wie ich sie einschätze, wird auch keiner ein Wort darüber verlieren. Das ist gut, unser fehlen wird den Soldaten nicht auffallen, sie haben es versäumt, eine Liste anzulegen.“ Grinste er vor sich hin. Das kam mir komisch vor, „Ich nehme an, das kam von dir?“ Gab ich meiner Eingebung nach. „Aber ja doch! Ansonsten hätten sie uns an Ort und Stelle überprüft. Bei deinen schauspielerischen Fähigkeiten säßest du schon in einem Verhörraum.“ Langsam stand ich auf, mir tat jeder einzelne Knochen weh. „Und was nun? Wir stehen inmitten von wo, hast du vielleicht eine brillante Idee.“ „Lass uns von hier verschwinden. Sicher ist sicher.“ Raphael marschierte auf die Straße zu. „Du willst auf der Straße laufen? Dann können wir ja auch gleich hier warten bis uns, einer aufließt.“ Ich hatte die Nase voll, vom Ewigen verstecken. Auszusehen wie ein verhungerter Junge, vorgebeugt zu laufen. Ich riss mir das Cape vom Kopf und fuhr mir durch die Haare, er kribbelte wie verrückt. Bestimmt nährten sich Tausende von Läusen an meinem Haupt. Noch immer meinen Kopf kratzend folgte ich Raphael, der nun auf den Wald zuhielt. Nicht schon wieder dachte ich, nicht schon wieder in ein erbärmliches Lager, voller stinkender, vor sich hinvegetierenden Menschen. Das tägliche Elend mit anzusehen, die Kinder, Frauen die sich gegen ein paar besonders primitive Kerle, erwehren mussten. Der ständige Hunger, ich wollte das nie mehr erleben, sollten sie mich doch fassen. Ich habe nichts verbrochen, das mussten sie doch begreifen. „Bist du fertig, mit deiner Jammerei?“ fragte Raphael, der einige Meter vor mir ging. „Schnüffelt der Kerl schon wieder in meinen Kopf herum!“ murmelte ich schimpfend vor mich hin, „Sollte mir lieber diese Krabbeltiere aus dem Haar holen.“ Inzwischen kratze ich wie eine Verrückte und war mir sicher das ich voll Läuse saß. Und nicht nur das wahrscheinlich tummelten sich auch noch Flöhe auf mir herum. Ich ging nicht weiter sondern rieb meinen Rücken genussvoll an einem Baum. Die harte Borke war einfach genial und zog meine Jacke gleich aus. Wie ein Bär rubbelte ich mich an den Baum, es war herrlich. Grunzend konnte ich einfach nicht mehr aufhören. Raphael sah zu mir herüber, erst amüsierte er sich über meine Liebelei mit einem Stamm. Doch dann kam er misstrauisch zu mir. Er hob das Hemd an und fluchte laut. „Ameisen! Zieh dich aus du sitzt voller Ameisen.“ Erstarrt stand ich da, Ameisen! Raphael riss mir schon das Zeug vom Leib und ich hampelte, kratzte und schrie wie eine Verrückte. Jede einzelne Lage purzelte ins Gras. Ich zappelte dermaßen herum, dass Raphael mein Knie vor dem Kopf bekam, als er meine Schuhe auszog. Die Hosen rutschten sofort herunter, befreit vom haltenden Gürtel. Das letzte Hemd. „Wow!“ auf Raphaels Gesicht breitete sich ein lüsternes Grinsen aus. Ich sah an mir herunter rote Pusteln überzogen meine Haut. „Das macht dich an?“ und kratzte mich wie eine Irre. „Nein!“ entrüstet, „ich meine das da!“ Gott die Reizwäsche, klar. Mit hochgepuschten Titten und einem Hauch von nichts als Slip. Dazu unrasierte Beine! Und der Bär vergrub den Slip mehr als er verdeckte. Besonders sexy! „Dass du das angezogen hast!“ wunderte sich Raphael Dauer grinsend. „Du hast doch gesagt, was hätte ich denn sonst nehmen sollen, etwa deine Unterwäsche?“ „Weiter unten hättest du die für dich bestimmten Sachen gefunden. Die war eigentlich nicht …“ Aha, daher wehte also der Wind, „ … nicht für mich bestimmt. Na, wenn das so ist.“ Wütend wie ich, war ich schneller aus der Wäsche, als er reagieren konnte, BH und Slip flogen, gegen seine Brust. „Kannst sie wieder haben.“ „Nein, nein“ wehrte er ab, „Sah doch ganz nett aus.“ Nett! Oh, es sah nett aus! War schon klar wie konnte ich mit einer Kate oder Anderen mithalten. Plötzlich schämte ich mich meiner Nacktheit, schnell nahm ich eines der Hemden und schüttelte es aus, suchte nach Ameisen. „Du hast noch welche im Haar.“ Das weiß ich auch, Herr Schlaumeier, sagte aber, „Hast du einen Kamm, Bürste oder Schere?“ „Woher sollte ich … verdammt halt still ich helfe dir.“ „Warte ich will mir das Hemd überziehen.“ „Damit die Viecher darunter krabbeln? Du bist unvernünftig wie eh und je.“ Raphael setzte seinen Willen durch. Er durchkämmte mein Haar mit den Fingern, pickte jede einzeln heraus. Mir wurde richtig kalt, zwar lenkte mich das vom Juckreiz ab. Doch ich konnte entweder erfrieren oder mit den Ameisen leben. Da war mir das Letztere lieber und schaute sehnsüchtig nach dem Baum. „So ich denke das war`s.“ Beendete Raphael seine Suche. Vorsichtshalber schüttelte ich das Hemd nochmals aus. Dann kam die Hose an die Reihe. Die Ameisen waren hartnäckige kleine Biester, doch ich gewann die Schlacht, bald schlüpfte ich in die Hose. „Willst du keine Unterwäsche? Sie ist Ameisenfrei!“ er hielt mir tatsächlich die Dessous vor die Nase. Die ich nur abfällig rümpfte. „Du kannst sie behalten. Ich besorge Neue. Kein Thema!“ Gab er mir freundlich zu verstehen. „Noch ein Wort, Raphael und ich werde zum Mörder!“ zischte ich ihm entgegen. „War nur nett gemeint.“ In mir krampfte sich alles zusammen. Das Wort nett wurde ab sofort aus meinem Vokabular gestrichen. Murrend folgte ich Raphael, der ungerührt seinen Weg ging. Ab und an krabbelte noch eine Ameise an den Beinen, im Rücken oder auf dem Bauch. Mir war es gleich, das Raphael drängelte, in diesem finsteren Wald kam sowieso nie ein Sonnenstrahl, da war es wohl egal, wie lange wir brauchten, um hindurchzukommen. Wie es aussah, endete der Wald überhaupt nie mehr, er wurde stattdessen dichter. Endlich hielt Raphael an, „Gleich sind wir da, dann kannst du dich ausruhen.“ Wo waren wir denn, nach meiner Meinung im nirgendwo. Inmitten darin tauchte eine Holzhütte auf. Schon wieder! „Noch eine eurer Absteigen?“ fragte ich Raphael, „Wie man es nimmt!“ Diese Hütte war weit weniger luxuriös als die in Afton. Doch sie besaß einen Ofen, der zum Heizen und Kochen vorgesehen war. Einen Holztisch mit zwei Stühlen, einigen Hängeschränken sowie einer Schwengelpumpe, die an einer steinernen Spüle befestigt war. Die Decke war zur Hälfte heruntergezogen, mit einer Leiter konnte man hinauf. Dort stand ein Holzbett, mit Fellen überseht. Raphael heizte sofort den Ofen an, während ich mich umsah. Im hinteren Teil entdeckte ich einen kleinen Verschlag, dort stand noch ein Ofen. Vielmehr ein seltsames Gerät. Der untere Teil war ein Ofen darauf stand ein riesiger Kessel. „Damit kannst du Wasser erhitzen für die Wanne oder Wäsche waschen.“ Klärte Raphael mich auf. Wanne ich hörte nur Wanne! Tatsächlich in einer Ecke an der Wand gelehnt war sie. Ein hölzernes Unikum, doch das war gleich. „Wie funktioniert es? Wasser? Wo bekomme ich das Wasser her?“ „Aus der Pumpe natürlich!“ was für ein Paradies. Sofort machte ich mich daran, Eimer über Eimer zu schleppen. Holzeimer! Die für sich schon ein beträchtliches Gewicht aufwiesen. Den Ofen anzuheizen und mich wie ein kleines Kind auf ein ausgiebiges Bad zu freuen. Leider erhielt meine Freude einen kleinen Dämpfer, kein Waschzeug, keine saubere Wäsche. Dann würde ich eben die Klamotten in den Bottich werfen, dort konnten sie richtig ausgekocht werden. In der Zwischenzeit kochte Raphael, das Aroma zog durch die gesamte Hütte. Schnuppernd umschlich ich den Topf, mein Magen meldete laut knurrend sein Bedürfnis an. „Eine halbe Stunde!“ ließ sich Raphael von oben vernehmen. „Deckst du den Tisch? In einem der Wandschränke müsste Geschirr stehen.“ Nichts lieber als das. „und gehst du bitte runter in die Speisekammer? Holst du Kaffee, Milch und Zucker hoch? Verschließ sie hinter dir, wir wollen ja keine Mäuse oder Ratten da unten als Dauergäste. Die Lampe hängt neben der Einganstür.“ Mir schwirrte der Kopf, Speisekammer? Neben der Tür hing nicht nur eine Öllampe sondern auch ein Gewehr. Nur wo war sie sogenannte Speisekammer? „Direkt vor deinen Füßen! Zieh an der Leine an der Wand!“ Raphael hatte mich von oben beobachtet, so nickte ich nur und zog an dem Seil. Und siehe da, Sesam öffne dich! Eine Luke im Boden tat sich auf. Vorsichtig stieg ich hinunter, mein Gott damit konnte man ein ganzes Regiment über Monate versorgen. Regale über Regale in ihnen fein säuberlich Lebensmittel aufgereiht. Es fehlte an nichts, sogar seinen heiß geliebten Rotwein! Was noch besser war, dort war ein Regal mit Seife, Shampoo, Waschpulver, ich glaub es kaum, mit Badeschaum. Zuerst raffte ich alles zusammen für mein bevorstehendes Bad und legte es zu der Leiter, dann machte ich mich auf den Kaffee zu suchen. Als ich vollbepackt die Leiter erklomm, nahm mir Raphael den ersten Schwung ab. Noch mal hinunter dann den Rest meines Feldzuges. Während des Essens fragte Raphael mich, ob er zuerst Bade dürfe, da er auf dem Boot nicht zum Duschen kam, willigte ich gnädig ein. Derweil räumte ich auf und wusch ab, immer darauf bedacht den Kaffee aufzubrühen. Zum Glück brauchte Raphael nicht lange, als er herauskam, sah ich ihn staunend an. Er trug saubere Jeans, Pullover und Socken. Saubere herrliche Socken! „Woher hast du …“ „Oben neben dem Bett steht eine Truhe dort …“ ich war schon auf den Weg nach oben, ich hätte in Tränen ausbrechen können. Das waren meine Sachen ordentlich gestapelt vorsichtig nahm ich heraus, was ich benötigte. In der anderen Truhe lagen Handtücher und Bettwäsche. Bepackt ging ich in die Kammer. Es war mollig warm, Nebelschwaden drängten sich an der Decke. Zum Glück besaß der Bottich einen Auslauf, nur war das Wasser inzwischen so heiß das ich kaltes benötigte. Seufzend holte ich kaltes Wasser. „Warte ich mach das schon!“ bot Raphael an, was ich nur zu gern annahm. „Wenn du Hilfe brauchst, ich steh dir zur Verfügung.“ Meinte er, setzte den halb vollen Eimer ab. „Damit kannst du dein Haar ausspülen.“ Kaum war er zur Tür hinaus schlüpfte ich auch schon aus meinen Klamotten. Toll! Einfach genial! Wie immer vor einem Bad musste ich dringend wohin. Doch wo? Noch mal streifte ich mir das Hemd über zurück in den Wohnraum. Raphael grinste, „Raus, links um die Ecke findest du das Örtchen.“ Na super! Mit nacktem Arsch und barfuß jumpte ich dorthin. Na das war echt ein highlight, ein Plumpsklo. Jedenfalls besser als irgendwo im Wald. Nun hielt mich nichts mehr auf, Wanne ich komme. Was für ein Vergnügen ich ließ mich ordentlich aufweichen, pickte noch immer Ameisen aus dem Wasser. Wusch mir das Haar immer wieder durch. Als ich nach dem Handtuch schnappte, sah ich es. Ein Rasierer! Hat Raphael sich rasiert, so genau habe ich ihn nicht angesehen. Jedenfalls war er gebraucht. Sollte ich? Rasiergel stand ebenfalls dort. Was soll`s, wenn schon denn schon. Mir machte es keineswegs etwas aus seinen Rasierer zu benutzen. Da das Wasser langsam kalt wurde, nahm ich den Rest des warmen in den Eimer. Nur den kopfüber zu stemmen, war kein Leichtes. Viel mehr unmöglich, an meiner Lippe knabbernd überlegte ich, ob ich Raphaels Angebot annehmen sollte. Warum auch nicht, schließlich habe ich vor ein paar Stunden nackt mitten im Wald gestanden. Also rief ich ihn, er kam sofort. „Kannst du mir helfen?“ fragte ich nach. „Selbstverständlich, wir sind hier draußen aufeinander angewiesen, falsche Scham ist unangebracht. Stell dich hin dann wirst du ganz abgespült. Ist das Wasser gut so?“ er fühlte die Temperatur. „Ja, schütte bitte langsam, dann kann ich mein Haar vernünftig ausspülen.“ „Wie Madame befehlen.“ Grinste er, er hat sich wirklich rasiert, der Vollbart war verschwunden. Wie geheißen goss Raphael den Eimer langsam über meinen Kopf aus. „Danke!“ prustete ich und wischte mir die Augen aus. „Du hast dich rasiert?“ kam es leise aus seinem Mund. Mir schwante Übles. „Ja!“ meinte ich keck und nahm herzklopfend das Handtuch als Schutzschild. Seine Augen wanderten zu seinem Rasierer, „Mit meinem …“ er deutete auf das Corpus Delicti, ich nickte und trocknete mich ab. „Damit gehe ich mir durchs Gesicht und du rasierst dich …“ „Was soll´s! Ob ich mich nun deinen Rasierer nehme oder du …“ errötend stockte ich. Er wusste auch so was ich meinte. „Claire!“ donnerte er mich an, „Das sind zwei verschiedene paar Schuhe! Du kannst doch nicht den Rasierer eines Mannes nehmen, das ist ein Sakrileg!“ er war wirklich entrüstet. „Aber ich will mich auch wie ein Mensch fühlen!“ entgegnete ich nicht minder laut. „Das ist ja so als würde ich deine Zahnbürste benutzen!“ steigerte er sich in seine Empörung hinein. „Wenns nicht anders geht.“ Zuckte ich die Achseln, vor allem wenn ein Engel sie nahm. Die hatten weder Karies noch sonstige Krankheiten oder Viren. Im Grunde klinisch rein. „Wechsle wenigstens die Klinge aus! Und spüle in gründlich ab.“ Gab er resigniert nach. „Mein Rasierer! Sie nimmt meinen Rasierer!“ kopfschüttelnd verschwand er aus der Kammer. Was er sich anstellen konnte. Als hätte ich die Krätze am Balg. Inzwischen war es Mittag, nach Stand der Sonne und Raphaels kundigen Blick. Bei den paar Strahlen, die sich verirrten, konnte es auch abends sein. So geschlaucht war ich. Aber auf Raphaels Rat hin legte ich mich nicht hin und hielt es aus. Nur brauchte ich dringend eine Beschäftigung. „Sollen wir ein Brot backen?“ ein genialer Einfall davon habe ich schon tausende gebacken. „Keine Sorge, wir haben Rezepte, komm lass es uns versuchen.“ Er ging in die Speisekammer und ich nahm die Utensilien entgegen. Es machte wirklich Spaß und das Warten war die reinste Hölle. Doch das Brot war köstlich, heiß nur mit Butter. Als wir so beisammensaßen, wagte ich mich endlich, nach Gab und den Engeln zu fragen. Im Lager ergab sich nie die Gelegenheit. Raphael sah mich ausdruckslos an. „Was soll ich sagen, du hast Kayles Reaktion gesehen. Und er ist einer derjenigen, die rasch verzeihen.“ Das ist also ein heikles Thema, ich konnte mir auch so ausmalen, wie sie auf mein Verschwinden reagierten. „Wie es Niklas wohl geht? Auch frage ich mich, ob es Henriette und Paul gut geht.“ Raphael lehnte sich zurück. Er betrachtete mich bedachtsam, was mich wiederum alarmierte. „Er ist in den besten Händen, Militärärzte sind gute Mediziner. Sue wird nicht von seiner Seite weichen. Und im Lager sind alle bestens versorgt.“ Er sprach zu überlegt, zu vorsichtig etwas entging mir. Bloß fand ich keinen Ansatzpunkt, es war greifbar lag mir auf der Zunge. Doch meine Müdigkeit hinderte mich daran, richtig zu denken. „Wir sollten aufräumen.“ Müde verrichtete ich die Arbeit, gähnend kaum noch die Augen offen haltend, stieg ich die Leiter hinauf. Kaum das ich lag bekam ich nichts mehr mit. Mitten in der Nacht, zumindest dachte ich es sei noch in Nacht, wusste ich, was mich die ganze Zeit beschäftigte. Wie kamen meine Sachen hierher? Der Vorratsraum. Die genaue Absprungstelle, er hat niemals die Straße aus den Augen gelassen. Hat gewartet, bis der Laster an genau dieser Stelle vorbeifuhr. Seine plötzliche Eile aus dem Lager zu verschwinden. Die Leute, die dort zurückblieben. Drei Segelboote, die zur Verfügung standen. Seine Gelassenheit, bevor wir in die LKW´s einstiegen. Das alles war von langer Hand vorbereitet. Er hat gewusst, dass die Soldaten auf den Weg waren, deshalb der eilige Aufbruch. Doch warum? Von unten hörte ich ein Geräusch, die Leiter knarrte, „Du bist also dahintergekommen?“ er leugnete es nicht. Keine umschriebenen Halbwahrheiten! „Das ging langsamer als ich dachte.“ Grinste er, „als du im Keller warst, habe ich damit gerechnet. Spätestens, wenn du die Truhe öffnest.“ „Warum?“ argwöhnisch versuchte, ich die Dunkelheit zu durchbrechen. „Warum! Dich vom Militär fernzuhalten, dass Ben noch immer über ein paar Personen führt.“ „Ben, ihr habt ihn noch nicht?“ irgendwie habe ich angenommen, er wäre geschnappt, vernichtet, Vergangenheit. „Weshalb bist du hier und jagst ihn nicht?“ das war vorwerfend, doch genau das wollte ich. „Weil Uriel ihn jagt. Er kennt mich, Ben hat jeden meiner Pläne durchkreuzt. Ein anderer Jäger eine andere Vorgehensweise.“ Erwiderte er, langsam auf mich zukommend, „Dann ist diese Scharade, die Flucht, die Befürchtung den Winter nicht zu überstehen. Alles nur ein Plan? Doch warum?“ „Das sagte ich bereits, dich aus dem Lager zu entfernen.“ „Du hättest mich in Sekunden, dort wegbringen können.“ wollte er mich verkohlen? Wusste ich doch genug über die Engel. „Claire, du hast die Insel verlassen. Das heißt auch mich, was sollte ich tun? Dich wie einen Mehlsack schultern und entführen?“ Das bedeutete also, die Verbindung war gelöst! Dann sollte er sich darüber doch freuen, er hat die Verbindung doch nur aus Pflichtgefühl auf sich genommen. „Da irrst du dich, ich habe niemals behauptet es sei aus einem Gefühl der Pflicht geschehen. Das war deine Annahme.“ „Warum dann?“ „Es gibt einen ganz einfachen Grund, ich wollte dich mit niemand anderen in einer Verbindung sehen. Allein der Gedanke, die Vorstellung daran, wie du dich einem Engel hingibst …“ er setzte sich an den Rand des Bettes, atemlos hörte ich zu. All meine Bedenken schmolzen dahin, lösten sich in Luft auf. Raphael nahm mich sacht in die Arme, er brauchte nichts mehr zu sagen. Es genügte mir ihn zu spüren, bei mir zu haben. Und ich war es die seine Lippen suchten, die so himmlisch viel versprachen und hielten. Die nächsten Tage verlebte ich in einem immerwährenden Hochgefühl. Kein Schatten verfinsterte meine kleine heile Welt. Auch wenn eine wispernde Stimme mir warnend zuflüsterte; das irgendetwas in Raphaels Verhalten lag. Doch ich ignorierte sie, verscheuchte sie wie eine lästige Fliege. Schließlich bekam ich all das, was ich mir schon immer erträumte. Ich gehörte zu ihm, in ihm fand einen festen Hafen. War ein Teil von ihm sowie er einer von mir. Wir konnten zusammen lachen, ernsthaft miteinander reden oder einfach albern herumtollen. Er war ein zärtlicher und zugleich fordernder Liebhaber. Nicht das ich Vergleiche anstellen konnte doch die Wonnen die ich in seinen Armen erfuhr waren unvergleichlich. Doch ein winziger Teil hörte niemals auf, seine Ungeduld das Warten auf etwas Kommendes, zu erkennen. Oh ja und eine Gewitterfront zog unaufhaltsam auf, doch ich ignorierte sie wollte mir das bisschen Glück nicht nehmen lassen. Raphael ging einmal am Tage für einige Stunden fort, er sammelte Neuigkeiten. Wenn er zurückkam, wirkte er düster, dann nahm er mich fest in die Arme seufzte tief auf und meinte, „Wie dumm können solch intelligente Menschen doch sein.“ So oder ähnliche Ausbrüche waren dann zu hören. Aber er brachte auch gute Nachrichten. Wie von Niklas dessen Gesundheitszustand der sich ständig verbesserte. Sue war bei ihm und sie wollten in den nächsten Tagen heiraten. Die entsprechenden Papiere besorgte ein inzwischen befreundeter Offizier. Paul und Henriette verließen das Lager und zogen zu einer Tochter. Die Suche jedoch nach der angeblichen Terroristin ging weiter. Gerade das machte Raphael so wütend. „Sie suchen nun speziell nach langhaarigen jungen Burschen. Es ist bekannt, dass du in Afton warst, dort verkleidet gelebt hast.“ Er schüttelte den Kopf, „Einer deiner Freunde muss es ausgeplaudert haben! Chris und Max sind ebenfalls nicht mehr dort.“ Fügte er hinzu. Gerade weil Raphael in dieser Stimmung war, schlug ich vor wir sollten verschwinden. „Wir können doch irgendwohin, du kannst mich doch mit deinem Engeltrick …“ er verneinte, „Es geht nicht, Claire! Wir müssen warten!“ Er und sein Pflichtgefühl, was ich ihm auch vorhielt. Raphael grinste dann nur, „So genau halte ich mich ja auch wieder nicht daran, gerade wenn es um eine gewisse weibliche Person geht!“ Doch ich war sauer, wollte von seinen Anspielungen nichts wissen. „Nun komm schon, Claire sei nicht beleidigt, du bist nun einmal meine Achillesferse.“ Wie konnte ich ihm böse sein? Wenn er mich so ansah, verlockend und lockend zugleich. Der kurze Unmut zwischen uns wurde beigelegt, indem er mich kurzerhand gierig an sich zog. „Du hast eindeutig zu viel an.“ Murmelte Raphael heiß, „Ich, sollte alles verbrennen, dann kann ich dich nehmen, wann immer es mir nach dir gelüstet.“ Spielerisch wehrte ich ihn ab, floh vor ihm. „Das kannst du vergessen!“ nutzte den Tisch, um aus seiner Reichweite zu kommen. „Glaubst du tatsächlich, das hält mich auf?“ gefährlich auflachend, wie ein Tiger schlich er langsam um den Tisch herum und ich am entgegengesetzten Ende. „Merk dir eines, du gehörst mir! Vom Kopf bis zu deinem kleinen Zeh.“ Ich hatte nun die Tür im Rücken, wenn ich schnell genug war. Konnte ich raus, ehe er mich fing. „Versuch es! Ich gebe dir einen Vorsprung, sagen wir dreißig Sekunden. Aber dann …“ mehr hörte ich nicht, lachend riss ich die Tür auf. Das Toilettenhäuschen als Fluchtpunkt in Ausschau. Rannte ich um die Ecke, direkt in jemanden hinein. Als ich erschrocken aufsah, starrte ich in zuklappende Augenlider. Jede Spur von Heiterkeit verließ mich. In mir brandete ein nie gekannter Zorn auf. Ein Hass, der mich innerlich verbrannte. „Diese hassverzerrte Fratze steht dir ganz und gar nicht, meine liebe Claire.“ Er hielt mich fest am Arm gepackt. „Ben! Wie schön dich zu sehen!“ hörte ich Raphael, gefährlich leise sagen, „Du wirst Claire sofort loslassen.“ Ben lachte höhnisch auf, jeder Versuch mich aus seinen Klauen zu befreien brachte nicht das Geringste ein. „Raphael, du siehst ein wenig verärgert aus! Liegt es daran, dass ich dein neuestes Spielzeug in den Händen halte?“ „Kaum“ antwortete Raphael seine Stimme klang ungewöhnlich kalt. „Du hast lange gebraucht, bis du uns einen Besuch abstattest.“ Ben versteifte sich einen Moment, entspannte sich sofort wieder. „Wie immer sehr einfallreich, Raphael. Nur habe ich das Gelände genaustens observiert. Somit weiß ich, keiner deiner Brüder ist in der Nähe.“ Er gackerte in sich hinein, „Bis die eintreffen, bist du Geschichte und die hier werde ich meinen treuesten Gehilfen schenken. Aus dem Schatten trat Toni hervor, welch eine Wandlung, mit ihm vorgegangen war, konnte ich nicht sagen. Er hatte nicht das Geringste mit meinem vergangenen Freund zu tun. Dieser war mir fremd, er vermittelte eindeutig etwas Düsteres. Eine körperlich spürbare Bedrohung ging von ihm aus. Der gepflegte junge Mann von einst sah abgerissen ja geradezu schäbig aus. Er vermittelte eine noch bösere Aura als Ben. Raphael trat einen Schritt vor, Ben warnte ihn er sollte sich sofort wieder zurückziehen, „Sonst werde ich deinem Täubchen die Gurgel umdrehen.“ Toni jammerte verzweifelt auf, „Bitte Herr, du hast sie mir versprochen. Sie ist mein.“ Ben hingegen kümmerte sich nicht um das Gejammer, sondern ließ Raphael keinen Augenblick aus den Augen. Der sich vorsichtig rückwärts bewegte. Nachdem er überzeugt war, dass Raphael dort blieb, wandte er sich zu Toni um. „Noch einen Ton von dir und ich kümmere mich selbst um die Schlampe. Sie hat etwas an sich das sogar mir gefällt.“ Er zog mich noch näher an sich heran. Schlang seinen Arm um meinen Hals. Dann tastete mich ab dabei grunzte er obszön auf. „In der Tat! Mit dir werde ich mich vergnügen.“ Er rieb seinen Unterleib über meinen Po, drückte mich noch fester an sich. Seinen schweren stoßweisen Atem in meinen Nacken hielt ich es nicht länger aus und wehrte mich aus Leibeskräften. Das schien ihn noch mehr zu erregen. „Warte die Zeit ab, meine Wilde. Bald gehörst du mir.“ Toni wimmerte vor sich hin. Auf den Knien kam er auf Ben zu, flehentlich bettelnd. Der Rotz lief ihm aus der Nase vermischte sich mit dem Speichel an seinem Kinn. Ben trat ihn gegen den Kopf ein Knarzen brechender Knochen war in der Stille zu hören. Toni kippte einfach ohne einen Ton von sich zu geben um. „Da waren`s nur noch zwei!“ kicherte Ben zufrieden auf. „So Engel, nun zu dir! Leider werde ich meinen Plan ein wenig ändern müssen. Doch das tut nichts zur Sache. Los fahre deine Barrieren runter, will doch mal sehen, was in deinem Scheißhirn so vorgeht.“ Raphael lächelte ihn nur höflich an. „Nun mach schon!“ fuhr Ben ihn gereizt an. „Oder um sie ist es geschehen!“ „Warum sollte ich? Es ist einerlei du bringst uns später sowieso um. Wobei ich mir ernstlich die Frage stelle, wie du das bei mir bewerkstelligen willst. Meine Wunden heilen schneller als das du sie mir zufügen kannst. Und gegen dein Wundermittelchen bin ich bereits immun.“ „Warte es ab, Engel du erfährst es dann!“ Raphael hingegen meinte, „Du benutzt also deine ererbte Gabe. Sag mir rein interessehalber, hast du so damit deine Schwester beeinflusst? Ja und deine Mutter ebenfalls, wir wussten, dass sie mit dir Kontakt hielt. Ich sehe es dir an, du hast sie also in den Tod getrieben.“ „Was faselst du da!“ Ben sprungbereit, sich jeden Moment auf Raphael zu stürzen. Mich schien er vergessen zu haben. In seiner Wut würgte er mir die Luft ab. Keuchend versuchte ich, von ihm loszukommen. Er lockerte seinen Griff nur kurzzeitig. „Das ist ein Geschenk Gottes oder des Teufels! Kein Nephilim besitzt diese Kräfte außer ich. Denn ich bin etwas Besonderes der Herr über die Nephilim oder ein Erznephilim. Aus mir wird eine neue Rasse entstehen. Vielleicht zeuge ich ja mit ihr den ersten Balg.“ „Das mein lieber Ben ist unmöglich! Du hast es doch schon mit deiner Schwester versucht. Meinst bei deiner Halbschwester funktioniert es. Bei einer Kandidatin? Einer Frau mit Verbindung?“ „Halbschwester? Hm, vielleicht finde ich sie deshalb so anregend? Sag mir Engel, fühlt es sich gut an? Ihr die Beine auseinander zureißen tief in sie zu stoßen, bis sie vor Schmerz und Lust schreit.“ Nur an die dunkler werdenden Augen Raphaels konnte ich einen Moment Wut aufblitzen sehen. „Gib dir keine Mühe, ich bemerke sehr wohl das du ein Schlupfloch suchst. Mit Wut kommst du bei mir niemals hinein.“ Raphael tippte sich an den Kopf, er verlachte Ben höhnisch. „Sie ist deine Partnerin! Du kannst gar nicht anders!“ Ben war völlig aus der Fassung. „Eine Verbindung besteht, das ist richtig. Doch überleg, würde ein Engel jemals seine Frau als Köder für einen wie dich benutzen?“ er wartete, bis sich das Begreifen in Ben festigte. Und nicht nur in Ben, auch ich war mir seiner Aussage nur zu gut bewusst. „Du opferst, ein Menschenleben um mich zu bekommen?“ war Bens einfache Frage. Das es sich hier um mein Leben handelte fand ich schon wichtiger. „Eines für viele! Das ist keineswegs neu!“ sprach Raphael kühl. Dann waren seine Worte nur Lüge, welche Worte fragte ich mich gerade? Allzuleicht bin ich ihm entgegengekommen. Er hatte nichts versprochen angedeutet mir servierfertig vorgesetzt. Das war schon alles. In diesem Moment wusste ich nicht, wen von den Beiden ich mehr hasste. Urplötzlich war es mir egal, ob ich starb, ich wollte nur eines sie beide, leiden zu sehen. Da ich sowieso schlaff in Bens Griff hing, achtete er nicht besonders auf mich. Und ich griff so fest ich nur konnte in seinen Schritt. Krallte mich daran fest, da er noch immer erregt war, fand ich einen guten Ansatzpunkt. Er schrie erschrocken auf, tja Junge damit hast du nicht gerechnet. Er schlug mich so das ich seitwärts taumelte, doch meine Hand umschloss sicher sein Gemächt. Dadurch kam Ben ins Straucheln, er verlor den Halt und ich rammte zusätzlich meine Faust in seinen Hoden. Dann wurde ich von ihm weggezerrt, Gabriel lachte mir ins Gesicht, „Claire und so etwas von dir! Damit hat niemand gerechnet.“ Er gluckste, während er mir das Haar aus dem Gesicht wischte. „Eine ganz schöne Beule, die werden wir kühlen müssen!“ er fühlte mir das Kinn ab, „Ansonsten ist alles in Ordnung. Deine Kauleiste wird dir einige Tage wehtun.“ Das ich nicht lache ich sah überall Sternchen. Und Engel! Als ich mich umsah, einige lächelten mir zu, andere grinsten mich keck an. Sie vergnügten sich königlich, deuteten auf mich und ihre unteren Extremitäten. Ständig warfen mir ergötzte belustigte Seitenblicke zu. „Raphael? Wo ist er?“ meine Wut, Enttäuschung und mein zerstörtes Vertrauen halfen mir auf die Beine. Zwar war mir schwindelig, „Hoppla Kleines! Langsam! Raphael hat anderweitig zu tun. Ich soll dir ausrichten bald ist er wieder bei dir.“ Gab stütze mich, ohne ihn wäre ich wahrscheinlich lang hingefallen. Natürlich hielten ihn seine Pflichten auf! Nun daran konnte ich derzeit nichts ändern. „Woher kommt ihr?“ „Oh, wir sind schon vor euch eingetroffen. Übrigens gehe Colin aus dem Weg, er ist sauer auf dich. Du wolltest ihn zerquetschen, behauptet er. Mehr kann ich dazu keineswegs sagen, er schweigt sich darüber aus.“ „Ihr habt Ben also eine Falle gestellt und mich als Köder benutzt? Wo habt ihr euch versteckt? Ich habe keinen bemerkt.“ „Das konntest du auch nicht, war der Sinn der ganzen Sache. Wir waren ständig in deiner Nähe, ein paar Geheimnisse haben wir noch. Naja das ist keines mehr, wir haben uns getarnt, oder wie ihr Menschen sagen würdet, verwandelt. Tiere, Bäume, Büsche alles Lebendige. Da große Tiere aufgefallen wären, mussten wir auf die kleineren zurückgreifen. Insekten, besonders eine Ameise ich nenne keine Namen hat Furchtbares durchlitten.“ Gab sah anzüglich zu Colin hinüber. „So und ihr seht zu wie Ben mich erwürgt. Wirklich tolle Freunde seid ihr. Ihr schimpft euch Engel!“ warf ich ihm vor, ich benötigte unbedingt ein Ventil ansonsten würde ich vor Wut platzen. Da er jedoch ein Engel war, gingen ihm die Ausreden niemals aus. „Wir mussten erfahren, wie er uns abmurksen wollte. Wer weiß der nächste Nephilim könnte die gleiche Strategie nutzen. Deshalb haben wir den Zugriff so lange herausgezögert. Konnten ja von deinem Zugriff nichts ahnen.“ Schmunzelte er frech. Dann lachte er lauthals heraus, „Das werde ich niemals vergessen, weiß Gott! Das wird dir immer anhängen.“ „Und das Schöne daran, Raphael kann es uns nicht verbieten! Wie die andere Sache!“ Uriel stand unversehens vor uns. Er musste sich genau wie alle anderen zurückhalten, das unentwegte Grinsen im Gesicht. „Wie geht es ihr? Sollen wir Kayle holen? Oder schafft sie es?“ „Hallo! Kannst du mich auch direkt ansprechen? Bin ja nicht taub!“ er überhörte meinen Kommentar, als wäre ich nicht da. Gabriel beteuerte meinen ausgezeichneten Gesundheitszustand. „Dann bring sie zurück.“ Erklang der Befehl. „Kannst du mir verraten, warum er nicht mit mir redet!“ Waren sie denn alle plemplem? „Er ist auch noch sauer, du hast die Insel verlassen, Claire. Das hat niemals eine Frau zuvor gewagt. Du kannst dir nicht vorstellen, was so etwas für uns bedeutet. Das gleicht einem Landesverrat. Aber sie werden darüber hinwegkommen, mach dir nur keinen Stress. Durch dein Eingreifen heute haben dir viele verziehen, dazu zähle ich auch, Kleines.“ „So dann lass uns mal zurück! Myriel wartet schon auf dich. Du solltest dich warm einpacken, es wird eisig.“ Rief Uriel uns zu. Doch ich wollte mich zuvor von einem Freund verabschieden und sah mich nach Toni um. „Er ist nicht mehr da, sie haben ihm ein schönes Plätzchen besorgt. Dort hinten!“ Gab deutete auf einen Baum, darunter war ein Erdhügel zu sehen. „Geh nur ich warte!“ meinte Gabriel verständnisvoll. So machte ich mich auf und verabschiedete mich von meinem Freund. Viele Frauen werden dich vermissen Toni. Du warst ein Opfer, genau wie meine Eltern wie so viele. In meinen Gedanken wirst du der charmante verlässliche Freund bleiben. Adieu Toni. Ich schwor mir Sue oder irgendjemanden, niemals von seiner Wandlung zu erzählen. Das hatte er nicht verdient. Genauso wenig wie sein zu frühes Ableben. Ich sah ihn vor mir, wie er vom Theater schwärmte. Als er mit Sue tanzte. Die Studenten aufzog. Ja so sollte er in meiner Erinnerung lebendig bleiben. „Kleines sollen wir? Du kannst nichts mehr für ihn tun.“ Ich nickte Gab nur zu. Sanft drückte er mich an seine breite Brust, „Sieh mir in die Augen, Kleines!“ ich konnte ihn kaum erkennen so verschwommen war mein Blick. Hätten sie eher eingegriffen, wäre Toni noch am Leben. Sein Tot hätte verhindert werden können. „Nein Claire er war schon lange tot, das was du zuletzt gesehen hast war nur ein Schatten. Keine lebendige Seele mehr, die hat Ben ihn genommen. So ist es besser für ihn, glaub mir.“ Das vertraute himmlische Blau umwogte mich, tröstend umhüllend. Wir standen am Strand, die Sonne stand im höchsten Zenit. Heiß verbrannte sie mir den Pelz, kein Lüftchen regte sich. Am Horizont bildeten sich dunkle Wolken, ein Unwetter braute sich zusammen. „Oje, das wird ein gewaltiger Sturm.“ Meinte Gabriel, dabei sah er mich mitleidig an. „Sie ist ebenso enttäuscht von dir.“ Na sicher, so wie ich von den Einen, dem ich nicht das geringste bedeutete. Das passte ja. „So! Da bist du ja!“ fauchte mich Myriel außer sich vor Entrüstung an. Zu ihr umdrehend, sah ich zu, wie sie mit langen empörten Schritten auf mich zukam. Innerlich wappnete ich mich, mir ihre Standpauke anzuhören. Egal wer mich auch verurteilte, ich bereute es keineswegs, die Insel verlassen zu haben. „Verschwinde Gabriel!“ befahl Myriel ihn. Sobald er außer Reichweite war, legte sie los. Innerlich schaltete ich ab, sah sie an und nahm kein Wort auf. Sie perlten von mir ab vermischten sich mit den Spuren von Bens ekligen Berührungen. Leer, in mir spürte ich eine gähnende Leere. Wann Myriel ging, wer weiß? Bedeutungslos! In den Sand niederkniend, beobachtete ich das Unwetter, das sich über dem Meer bildete und näher kam. Blitze zuckten in den dunklen Wolken. Das Grollen der Donner, die Erde erbebte unter mir. Dann kam der peitschende Regen, ich legte mich lang hin. Empfand diesen harten Wassertropfen als reinigend. All der Schmutz, die letzten Gerüche von Ben, die endlich ehrlichen Worte Raphaels wusch der Sturm fort. Der böige Wind durchfraß meine Kleidung, durchfuhr waschend mein Haar. Aufsetzend hielt ich mein Gesicht den inzwischen zerrenden Böen entgegen. Genau über mir entlud sich wütend das Gewitter. „Na gut du Insel, du bist wütend auf mich, doch wer hat mich nach Haus gelassen? Du!“ schrie ich wild gegen den Wind ankämpfend. „Du warst es, du hast mir den Weg geebnet. Du trägst genauso so viel Schuld daran, wie ich.“ Keinen Meter von mir schlug ein Blitz ein, „Du willst mich also braten? Na los, was kann mir schon noch passieren? Mir wurde alles genommen, mein erbärmliches Leben kannst du auch haben.“ „Claire das wollen wir doch gar nicht.“ sagte Alexa sanft, als sie sich zu mir setzte, „Du verstehst das Unwetter falsch, es soll dir helfen. Wie du zu anfangs festgestellt hast, ist es reinigend. Du musstest dich, einem Gegner stellen, der von Grund auf böse war. Hass ist ein schlechter Wegbegleiter er zerfrisst dich, deshalb haben wir dich gehen lassen. Nun solltest du zur Ruhe kommen, schließe mit deinem vergangenen Leben ab. Sieh in die Zukunft!“ Ich lachte hart auf, „Zukunft? Was für eine, mit einem Engel?“ „Raphael ist deine Chance!“ bestätigte Alexa. „Raphael!“ spuckte ich das Wort aus, „Niemals werde ich ihm seinen Betrug verzeihen. Er hat mich ausgenutzt, als Lockvogel missbraucht. Er kennt nur eines seine Verpflichtung gegenüber den Engeln und ihre verdammten Regeln.“ Alexa lächelte gutmütig, „Du bist wütend! Doch auf wen? Mehr auf dich, weil du ihm alles gegeben hast. Es sind deine verletzten Gefühle, die deinem Glück im Wege stehen.“ „Dann liegt es an mir? Weil ich enttäuscht bin? Nein Alexa, da ist mehr! Du vergisst Raphael.“ „Nicht Raphael habe ich vor mir, gerade rede ich mit dir, Claire. Habe ich gesagt, dass dein Partner vollkommen ist? Das ist niemand, nichts ist perfekt. Wir wünschen es uns, träumen davon, aber dann werden wir nur enttäuscht. Denke daran, es ist ein Rat.“ Der Sturm ließ nach, Alexa erhob sich, „Du wirst dir einiges anhören müssen, der erste ist auf den Weg. Sei nicht zu streng mit ihm, es war sein Plan! In dieser Hinsicht hat Raphael dich vollkommen aufgeklärt. Du findest mich bei Michael.“ „Wie geht es ihm?“ fragte ich mit schlechtem Gewissen nach. „Gut! Er hat sich vollkommen erholt, nur habe ich ihn darum gebeten, dir Zeit zugeben. Wenn du bereit bist, komm uns besuchen. Wir werden dir den Weg weisen.“ Alexa drückte mir kurz die Schulter, „Uriel, du kannst bleiben. Wir haben gesagt, was nötig war. Claire denke an meinen Rat!“ Es war schon ein wenig seltsam, wenn sie mal in der ich Form, dann wieder in der wir Form redete. Bisher habe ich angenommen die Insel und Alexa seien eins. „Du hast dich mit ihr ausgesprochen?“ wortlos bejahte ich seine Frage. Es war also Uriels geniale Idee mich als Köder zu benutzen. Wie sagte Raphael ein anderer Jäger eine andere Vorgehensweise. „Alexa wirkte sehr ruhig, ich dachte bei dem Unwetter …“ „Ja nicht wahr! Die Luft ist einfach herrlich.“ Unterbrach ich ihn, er begriff erstaunlich schnell. „Es war eigens für dich! Verstehe sie einer, ich habe es aufgegeben.“ Stirnrunzelnd sah er über das Meer, das strahlend den Himmel widerspiegelte. „Deshalb bin eigentlich nicht gekommen. Nun ja es fällt mir schwer! Entschuldige bitte!“ nuschelte er die letzten Worte schnell. „Bitte was!“ hakte ich nach. Uriel verdrehte die Augen, „Du verstehst mich ganz gut!“ meinte er empört. „Sicher aber weshalb entschuldigst du dich?“ „Oh! Aus mehreren Gründen, ich habe eine Gelegenheit gesehen, Ben dingfest zu machen und sie genutzt. Dann vorhin, als ich dich schnitt. Ich war besorgt und wütend zugleich. Auf dich, weil du uns verlassen hast. Auf Raphael, weil er dem Plan zustimmte. Auf mich, weil ich es war, der ihn ausheckte. Mir war nur zu bewusst, was ich tat. Erst als ich dich mit Ben sah, als er dich würgte – Claire es tut mir unendlich leid. Was ich dir zugemutet habe …“ Er machte sich Vorwürfe! Gut sollte er. Doch ich verstand ihn auch, es war seine Aufgabe Ben endlich zur Strecke zu bringen. Welche Möglichkeiten hätte ich ausgeschöpft, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre. Alle! War meine ehrliche Antwort. Deshalb konnte ich ihm nicht wirklich zürnen. So sprachen wir uns aus, auch er fand meinen Angriff auf Ben urkomisch. Noch eines hörte ich heraus. Es lag an Raphael, wann sie ihre Tarnung aufgeben sollten. Seine Aufgabe bestand darin aus Ben herauszubekommen, wie er den Engeln schaden konnte. Er hätte mich jederzeit aus den Fängen Bens befreien lassen können, doch er tat es nicht. Im Gegenteil, er unterhielt sich mit ihm. Daraus konnte ich nur eines folgern es war ihm gleich, was mit mir geschah. Ben hätte nur etwas fester zudrücken müssen. Nur ein Sekundenbruchteil war er wütend geworden. Was wollte ich mehr? Für einen Menschen reichte das doch, ebenso sagte es mehr als tausende Halbwahrheiten. Die Sonne schien nun in gewohnter Intensität, meine Kleidung fing an zu dampfen und ich bekam Appetit. Uriel schlug vor, wir sollten gemeinsam zum Haus gehen. Dafür war ich ihm dankbar, allein wäre ich keinesfalls gegangen. „Warte einen Moment, ich ziehe mich schnell um.“ Bat ich ihn. Als ich wieder trocken auf die Terrasse kam, meinte Uriel ein Bürstenstrich sei nicht verkehrt. Hinauf und die Haare gekämmt ein Haargummi, das reichte. Dann sah ich mich im Spiegel an, den geröteten Fleck am Kinn. Daran wie Ben meinen Körper wie eine Ware abtastete, seinen abstoßenden erregten Atem in meinen Nacken. Wie er sich an mir rieb aufgeilte. Vorbei Claire, das wird dich nicht umbringen, das es passierte da kannst du dich bei Raphael bedanken. Diese Gedanken abschüttelnd machte ich mich mit Uriel auf zum Haus. Wie erwartet wurde es totenstill im Esssaal. Nett fand ich es, das Luzifer sich zu uns setzte, noch netter, da er mir keinerlei Vorwürfe machte. Auch zog er mich in keiner Weise auf. Sein Gehabe war eher das einer Glucke die ihr Küken beschützt. Er versicherte mir mehrmals, er verstünde meinen Weggang. Ebenso begrüßten mich ein paar meiner Bekannten. Sie setzten sich nur nicht zu uns. Aber das lag mehr an Luzifers Stirnrunzeln und Uriels abweisende Miene. Das fand ich erheiternd, „Wollt ihr mich vor dem gemeinen Volke schützen? Oder warum seid ihr so garstig zu meinen Freundinnen?“ erkundigte ich mich belustigt. „Heute gehörst du ganz uns!“ bekräftigte Luzifer, „Du kommst nach dem Essen mit zu mir, dann bringe ich dich nach Haus. Wer weiß, was sich Alexa noch einfallen lässt.“ „Alexa war bei Claire.“ Informierte, Uriel ihn, „Ich hatte den Eindruck sie hat Claire Trost zu gesprochen. Verstehst du Alexa?“ „Bei Gott nein! Weibliche Wesen sag ich doch, ein Mysterium. Dann brauchen wir keine Angst zu haben, dass sie Feuer auf uns regnen lässt? Nach diesem Sturm?“ Uriel verneinte er sei der Meinung, dass es ein reinigendes Ritual war. „Frag Claire, mir ist das zu hoch.“ Luzifer höchst neugierig wandte sich sofort mir zu, „Erzähle mir alles. Jedes Wort!“ verlangte er zu wissen. „Das ist eine Sache zwischen mir und Alexa, frag sie-beide“ setzte ich abschließend hinzu. Luzifer lehnte gerne ab, er sei schließlich nicht auf dem Kopf gefallen. Zwar versuchte er mich zu überreden, bei ihm einzukehren doch ich wollte allein sein. Auch Uriels Begleitung lehnte ich ab. Luzifer meinte wir sehen uns sowieso morgen Abend. „Morgen?“ fragte ich nach. Er klärte mich auf, jedes Jahr wurde ein Fest begangen. Dieses Jahr wurden daraus drei Tage und Nächte. Schließlich hatten sie allen Grund zum Feiern. „Du wirst deine Garderobe aufstocken müssen, denn schon am Morgen fangen wir offiziell an.“ Auf stöhnend dachte ich das es drei Fastentage für mich geben würde. Daran war ich mittlerweile gewohnt. Denn ich hatte keineswegs die Absicht daran teilzuhaben. Leider freute ich mich zu früh, mein schlimmster Albtraum wurde wahr. Denn als ich Raphaels Haus erreichte, warteten bereits Myriel und Gabriel auf mich. Sie machten nicht viel Federlesens mit mir. In ihre Mitte genommen schleppten sie mich in die City. Dort musste ich zuerst einen Friseur aufsuchen. Sie kannten keine Gnade, insgesamt suchten sie acht verschiedene Ensembles aus. Drei für jeden Tag. Für den Morgen, den Nachmittag und den Abend. Nur fanden sie kein passendes Abendkleid, dies musste unbedingt etwas Besonderes sein, für die große Erneuerung. Was immer das bedeutete, denn dazu schwiegen sie sich einhellig aus. Endlich wurde ich entlassen und durfte nach Haus. Gabriel und Myriel wollten noch in ein Geschäft. Wie konnte man nur so viel Vergnügen daran finden, fragte ich mich wieder einmal. Die Tüten und Päckchen schleppend die sie mir in die Hand gedrückt hatten. Froh endlich Raphael Haus zu erreichen, erwartete mich die nächste Überraschung. Beatrice und Nadja saßen lustig girrend auf der Terrasse. Beide hielten Rotweingläser in der Hand, eines stand auf dem Tisch. Mein Herz holperte unregelmäßig gegen die Rippen. Er war also da! Da kam er auch schon, lächelnd aus der Tür. Panik überkam mich, weglaufen mein erster Gedanke. Ihn zur Rede stellen, meine Wut an ihm auslassen, meine Verachtung doch ich starrte nur hinauf. Zu keiner Bewegung fähig. Dieser Mistkerl bannte mich! „Seht ihr, das warten hat sich gelohnt. Da ist meine Frau ja schon.“ Lächelnd kam er die Stufen hinunter, nahm mir wie ein fürsorglicher Partner die Päckchen ab. So besorgt, dass er mich Ben als Fleischhäppchen zuwarf. Er zuckte zusammen, behielt jedoch sein freundliches Gesicht bei. Der Herr wollte also weiterspielen? Grinsend sah er mich an, wie du willst mein Freund, also spielen wir! Du hast die Karten gegeben ich bin am Zug. „Wie schön das ihr uns besucht, hat Raphael euch mit allem versorgt?“ Nadja bekundete ihre Zufriedenheit, „Erzähle doch nichts, wissen wir doch, wie sehr du Rotwein verabscheust. Raphael mein Lieber,“ schnurrte ich, „Besorgst du für Nadja einen Cocktail?“ Natürlich tat er es, als er Nadja den gewünschten Drink reichte, forderte ich ihn auf, in dem Sessel Platz zu nehmen, indem ich gerade noch saß. Er winkte höflich ab, „Nun mach dich nicht lächerlich und setz dich.“ Meinte ich nachdrücklich, indessen erzählte Beatrice weiter von ihrem Abendkleid, das sie morgen tragen wollte. Nadja unterbrach sie, „Du warst auch einkaufen, was hast du dir geholt?“ Verzweifelt rollte ich die Augen, „Ich? Nein das ist Myriel und Gabriels Werk.“ „Oh, Myriel hat einen ausgezeichneten Geschmack und Gabriel erst.“ Beatrice sprang auf, „Na los! Ich liebe es, die kleinen Schachteln zu öffnen. Das knistern, des Papiers! Der Duft ach halt alles.“ „Ja wir helfen dir! Nun beweg dich schon Claire.“ Zugegeben mit den zwei Frauen machte es sogar mir später Spaß, all die Taschen und Päckchen auszupacken und wegzuräumen. Nadja war voll bei der Sache, „Morgen früh trägst du dein Haar offen, mittags steckst du es lose hoch …“ „Nein das geht mal gar nicht, zu diesem Outfit muss sie eine strenge Hochsteckfrisur tragen. So ging es weiter bis Raphael im chaotischen Schlafzimmer auftauchte. „Wir wollen euch ja nicht stören, doch wir haben Hunger!“ Beatrice kicherte „Seit wann sprichst du denn“ sie senkte ihre Stimme, „Wir haben Hunger!“ Raphael lächelte amüsiert zu, „Du bist und bleibst ein Kindskopf, Bea! Mit wir meine ich eure hungernden Hälften.“ „Sie sind hier? Seit wann?“ fragten sie synchron. „Eine Weile, nun wie sieht es aus?“ „Fünf Minuten, wir bringen das hier schnell in Ordnung.“ Versicherte Beatrice, „Fräulein ich kenne dich! Die Uhr tickt!“ Beatrice streckte Raphael die Zunge heraus und schob ihn aus dem Zimmer. „Ach er ist einfach nur göttlich! T`schuldige Claire aber manchmal könnte ich ihn knutschen.“ „Jaah“ schwärmte Nadja, „besonders wenn er so charmant ist.“ „Tut euch keinen Zwang an!“ von mir aus konnten sie ihn geschenkt haben, ich war kuriert. „Du bist vielleicht eine Nuss!“ lachte Nadja, sie dachten ich machte einen Scherz. Weit gefehlt, es war mir bitterernst. Trotzdem war es ein vergnüglicher Abend, der endete sobald Raphael und ich allein waren. „Warum bist du sauer?“ fragte er mich direkt. „Sauer nein Raphael, das ist kein Ausdruck, der zutrifft. Sagen wir wütend, enttäuscht, benutzt, missbraucht das alles und noch mehr.“ „Ich verstehe, wir müssen reden, damit du mich wenigstens zum Teil begreifst.“ „Oh Raphael das tue ich. Wirklich!“ bestätigte ich, weil er mich zweifelnd ansah. „Nur zu gut!“ knurrte ich verächtlich. „Bitte Claire, du musst …“ „Raphael!“ zweifelnd fuhr ich durch mein Haar, „zu spät, es gibt zwischen uns nichts mehr zubereden.“ „Du bist wütend! Gut, in ein paar Tagen kannst du klarer denken, dann werden wir reden.“ „Du verstehst nicht, Raphael.“ ich blieb stehen sah ihn an, „Du hast mich zu oft belogen! Halt warte, bevor du etwas sagst, zu oft angedeutet. Im Raum stehen gelassen, den Bogen überzogen. Trotzdem eine Lüge.“ Dann ließ ich ihn stehen. Raphael hielt mich nicht auf, was mich ein wenig erstaunte. Ich wünschte mir keinen besonderen Weg, überließ es der Insel mich dorthin zuführen, wo ich endlich Ruhe fand. Wie sollte es anders sein, ich stand vor Gabriels Tür. Leise Musik war im Inneren zu hören, Stimmen. Eine weibliche Stimme und Gabs sonores Lachen. Da wollte ich nicht stören und ging. Zur versteckten Bucht, dort fühlte ich mich wohl. Kurz darauf atmete ich erleichtert auf. Ich zog meine Schuhe aus und spazierte im Sand auf und ab. Die ersten Sterne glommen auf, spiegelten sich im ruhigen Meer. Seufzend setzte ich mich nahe, des Dickichts in den Schatten eintauchend. Beobachtete sehnsüchtig, die Sterne die am dunklen Firmament dahin zogen. Egal wie ich es auch hinauszögerte, ich musste zurück in Raphaels Haus. Kein Engel noch eine Frau würde Verständnis aufbringen, wenn ich nun laut hinausposaunte. Ich wolle die Trennung von Raphael. Wie Alexa schon sagte meine Zukunft liege bei Raphael. Zögernd machte ich mich auf den Weg. Wie sollte ich ihm gegenübertreten? Die Frage erübrigte sich, Raphael war nicht da. So wie all seine Sachen. Am nächsten Morgen holte mich Gabriel ab, seine Stirn war sturmumwölkt. „Eines sage ich dir, du wirst dich in den nächsten Tagen zurückhalten. Ihr werdet höflich miteinander umgehen. Mir reicht es langsam mit euch, ich spiele nicht länger den Prellbock.“ Hielt er mir streng einen Vortrag. „War er bei dir?“ musste ich fragen, Gab warf mir einen bitterbösen Blick zu, „Natürlich, wo denn sonst!“ „Aber du hattest Besuch!“ fluschte es mir heraus, verdammt Claire denk erst nach. „So du warst also da! Warum bist du nicht hereingekommen?“ „Wie gesagt, Gab. Besuch!“ dabei sah ich ihn mit großen Augen an. Er lachte, „Aber nicht soo ein Besuch!“ „Konnte ich das wissen? Warum regst du dich dann auf?“ „Weil er mich die ganze Nacht wachgehalten hat! Er versteht deine Ansichten überhaupt nicht, er ist wütend auf dich.“ „Kann er, mir ist es gleich!“ Gabriel grollte fluchend, „Nimmt das mit euch niemals ein Ende?“ Auf diese Frage brauchte ich nicht zu antworten denn wir kamen zum Haus. Der Torbogen war festlich geschmückt, ebenso der Innenhof. Überall standen Tischgruppen, geschmückt mit Blumen. Von Fenster zu Fenster hingen Girlanden. Ein Teil des Innenhofes war mit einem Sonnenschutz ausgestattet. Die geschmackvoll gekleideten Engel, die eleganten Frauen vervollkommnend das Bild. „Wow, das nehmt ihr wirklich ernst!“ flüsterte ich Gab zu. „Claire es ist unser Fest, so wie ihr Weihnachten feiert.“ „Das wusste ich nicht.“ Gabriel zwinkerte mir zu, „Woher auch, du gehst lieber auf Wanderschaft. So mein Kleines, ich werde mich zu den Junggesellen begeben. Die Damen siehst du ja!“ „Gab warte, was soll ich denn …“ er grinste „alles zu seiner Zeit, lass dich überraschen.“ Zu der Gruppe der Damen hinüberblickend erspähte ich Myriel und Co. Gott sei Dank. Sie begrüßten mich aufgeregt. „Hast du schon gehört! Sie wählen für jeden Tag eine Ballkönigin!“ Auch das noch, mir wurde übel. Schon fühlte ich die taxierenden Blicke auf mich ruhen. Einerseits von den Wählenden und die schlimmere Variante von den Damen. „Mir geht’s gar nicht gut! Ich glaube ich gehe nach Haus.“ „Das könnte dir so passen! Du bleibst schön an meiner Seite.“ Myriel sah mich vorwurfsvoll an. „Niemand ist oder wird krank und wenn doch schleppe ich dich persönlich hierher!“ warnte sie mich vorsorgend. „Ich hasse solche Spielchen.“ Murrte ich. Doch Myriel kümmerte sich nicht weiter darum. Sie zog mich von einer Gruppe oder einzelnen Frauen zur nächsten. „Es geht los!“ Beatrice hüpfte beinahe vor Aufregung. Wir mussten uns in einer Reihe aufstellen und die Engel flanierten vor uns auf und ab. Sie arbeiteten einen Zettel durch. Dann durften wir uns wieder aus der Reihe lösen. „Was sollte denn das?“ Beatrice klärte mich auf, „Luzifer hat Fragen gestellt. Etwa welche Frauen tragen eine Blume im Haar. Wer die meisten Übereinstimmungen bekommt, ist die heutige Königin.“ „Ach so, ein Zufallsprinzip! Naja das geht ja.“ „Es ist aufregend findest du nicht auch.“ Beatrice freute sich so sehr, dass ich ihr meine Meinung lieber vorenthielt. „Oh, da kommt Luzifer!“ flüsterte sie erregt, lächelnd sah ich sie an. Sie bekam tatsächlich hektische rote Flecken im Gesicht. Ich wünschte ihr von Herzen Glück, „Noch niemals war ich Ballkönigin. Sie werden den ganzen Tag verehrt, dürfen sich alles Wünschen. Oh Claire es ist wundervoll, frag Myriel sie war es schon mal.“ Myriel grinste mich an, „Es ist wirklich super. Vor allem wenn dich dein Engel den ganzen Tag mit Luzifer an deiner Seite sieht!“ lachte sie keck. „Und Luzifer hat wirklich Charme. Still jetzt er verkündet die Glückliche.“ Es wurde totenstill, keiner regte sich. Luzifer schritt auf uns Damen zu, Beatrice hatte vollkommen recht, denn er besaß ein wirklich einnehmendes Äußeres. Er verbeugte sich vor einer, aus Antonias Gruppe, die Frau lief rot an. Geziert nahm sie Luzifers Hand. „Schade!“ meinte Beatrice traurig. „Ach komm Bea, morgen ist auch noch ein Tag!“ tröstete ich sie, „Du hast recht, nur ich würde es zu gern einmal sein.“ „Schau da kommt dein Mann und sei mal ehrlich. Er hat ebenfalls etwas an sich, mich erinnert er an einen Freibeuter. So einen aus einem Roman, heldenhaft, gut aussehend, gefährlich und dir in Liebe verfallen. „Ja er ist mein Pirat.“ Grinste sie schon wieder, die Enttäuschung vergessend. Nun löste sich die strenge Aufteilung der Geschlechter auf. In lockeren Grüppchen, hin und her wandernd unterhielt man sich. Das genau war mein Stichwort, nun sollte ich mich schleunigst in eine Ecke verdünnisieren. Denn mit diesem Small Talk; war ich einfach fehl am Platze. Umsehend fand ich keinen geeigneten Ort. Der Park erschien mir die beste Lösung zu sein, dort konnte ich auf einer Bank abwarten, bis die Gesellschaft sich auflöste. Laut Nadja würde das frühe Treffen höchstens eine Stunde dauern. Am Nachmittag trafen sich meistens die Engel, die Frauen hielten meistens ein Schläfchen und staffierten sich dann für den Abend aus. In einem Pavillon fand ich eine geschützte Ecke. Dort harrte ich die Schönheit des Gartens genießend aus. Die Kletterrosen, die den Pavillon emporrankten, dufteten herrlich. Nun fehlte mir nur noch ein gutes Buch, doch der Ausblick, auf die weite Rasenfläche mit ihren Blumenbeeten reichten vollkommen. Meine Mom hatte auch eines, das pflegte und hegte sie mit aller Sorgfalt. Das ist Geschichte Claire sowie Ben! Erinnere dich später an Mom und Dad, jetzt tat es noch zu weh, maßregelte ich mich selbst. Deine momentane Situation solltest du anpacken. Auch wenn die Auseinandersetzung mit Raphael. Bis nach den Feierlichkeiten warten mussten. In Raphaels Haus lagen Bücher über die Regeln. Irgendwo musste doch stehen, was ich in meiner Lage tun könnte. Es muss doch schon Ähnliches passiert sein. Ich konnte mir nicht vorstellen das Paar nach hundert Jahren oder mehr keine Probleme miteinander hatte. Schwerwiegende sogar, das eine Trennung unweigerlich vonnöten war. Die Gesellschaft löste sich langsam auf, bemerkte ich. Nun dann konnte ich einen Abstecher in den Esssaal machen und dann zurück. Myriel wollte mich am Abend inspizieren, bis dahin konnte ich einiges herausfinden. Die meisten Paare waren schon weg, wenige Engel saßen noch im Schatten des Innenhofes. Den Saal hatte ich ganz für mich allein. Schnell schlang ich mir mein Frühstück hinunter und machte mich auf zum geschmückten Tor. Dort saßen die Engel, die sahen nur mäßig interessiert auf. Wie ich erleichtert bemerkte, spielten sie Karten. Fast war ich schon an den Tischen vorbei, als einer rief, „He Raphael, willst du deine Frau nicht begleiten? Dann hätten wir auch mal die Chance ein Spiel zu gewinnen.“ Frotzelte die Stimme, „Claire nimm deinen Mann mit!“ ertönte eine andere, die ich als Colins erkannte. Nun musste ich anhalten, „Colin es ist dein Problem, wenn du kein Kartenglück hast. Höre auf!“ riet ich ihm freundlich. „Es ist ungerecht, Claire!“ stöhnte Amauel, den ich aus dem Spital kannte. „Was denn?“ bisher übersah ich Raphael, der legere auf seinem Stahl saß. „Er hat ne Frau und Glück im Spiel! Das ist einfach zu viel Glück, Claire.“ Murrte Amauel. Was sollte ich dazu sagen, so tröstete ich die beiden Verlierer und wünschte ihnen bessere Karten. Mich abwendend wurde ich nochmals aufgehalten, diesmal von Raphael. „So geht das nicht! Claire!“ langsam drehte ich mich um. Was wollte er denn nun? „Du wünschst meinen Gegner bessere Karten. Wo bleibe dann ich?“ Colin grinste auf, „Du hast eine liebevolle Frau! Reicht dir das nicht?“ Raphael ließ mich keinen Augenblick aus den Augen, ebenso fest erwiderte ich seinen Blick. Da durchzuckte mich ein Verlangen nach ihm. Urplötzlich stand ich in Flammen, seine Augen wanderte über meinen Hals hinunter. Und ich fluchte innerlich auf, weil ich einen hauchdünnen BH trug. Spitz ragten meine Brustwarzen durch die dünne Bluse. Colin und Amauel entging das keineswegs, sie sahen sich überrascht an. „Tja, ich glaube ich werde meine Frau begleiten!“ „Aber nicht doch!“ wehrte ich schnell ab, „Spiele ruhig weiter!“ Doch er stand schon auf, „Ich werde euren Rat annehmen und aufhören. Ihr habt doch nichts dagegen?“ Nein das hatten sie nicht, ihre Mimik sprach Bände. So schnell es ging lief ich voraus. Verräterischer Körper, der du bist! Wohin? Wo sollte ich mich verstecken? Denn wenn ich mit Raphael allein sein sollte, wer weiß, wie das endete. Da traute ich mir selbst nicht. Nicht mehr! Doch egal wohin ich mich auch wendete, dort erschien Raphael. Jedes Mal rückte er ein Stück näher. Schließlich fand ich es albern und blieb einfach stehen. „Was willst du?“ fragte ich ihn barsch. Dabei sah ich auf das Meer, ruhig spiegelte es die Sonne wieder. Die Wellen brandeten weit in den Sand. Ein perfektes Wetter, um hinauszuschwimmen, ein wenig zu kalbern, heiße Küsse zu wechseln … Claire Garret halt deine Fantasie im Zaune. „Mit dem verdammten Blödsinn aufhören!“ entgegnete Raphael genauso erbost zurück, dann riss er sich zusammen, „Es ist lächerlich, was du veranstaltest! Dein Getue ich lüge dich nur an! Das habe ich noch niemals!“ beharrte er. „Sicher aus deiner Sicht, meine ist eingeschränkter! Halbwahrheiten sind ebenfalls Betrug.“ „Oja, die perfekte Claire! Du läufst doch lieber davon, wenn es Probleme gibt. Entweder ziehst du nach Minnesota, nur damit du deiner Mutter nicht die Stirn bieten musst. Oder du entscheidest, in deiner Weisheit nichts mehr mit mir zu tun zu haben. Immer das gleiche Muster! Stell dich doch mal einem Problem!“ „Das tue ich gar nicht!“ stampfte ich wütend auf. „Nein?“ in seinem Gesicht war ein Anzeichen eines, amüsierten Lächelns zu sehen. „Warum läufst du dann vor mir weg?“ „Das ist, weil …, ich will … ich bin wütend auf dich und habe keine Lust mit dir zu reden.“ Vor allem auf mich, weil ich wie ein Kleinkind stotterte, das nach einer Ausrede suchte. „Keine Lust mit mir zu reden?“ irgendetwas erheiterte ihn maßlos, „Tja, wenn das so ist! Brauchen wir ja nicht zu reden! Mir reicht deine andere Lust vollkommen aus.“ grinste er mich unverschämt an. „Weißt du Raphael für einen Engel, bist du ungeheuer gewöhnlich. Das hätte ein drittklassiger Schürzenjäger besser hinbekommen.“ Geringschätzig schaute ich ihn an, doch er grinste weiter vor sich hin. „Dann passen wir ja zusammen! Du bist schließlich, die mieseste Schauspielerin die es gibt.“ „Was du wieder einmal sehr einseitig siehst!“ „Keinesfalls Claire, gerade das verrät dich! Wie lange willst du dein Begehren unter Kontrolle halten? Ich entsinne mich an deine erotischen Träume! Dein Sehnen nach mir, du stelltest dir vor, wie ich dich streichelte.“ Vergnügt fuhr er fort, „Nun wie lange hältst du es aus? Jetzt, nachdem du die Wonnen der Leidenschaft, im vollen Umfange kennengelernt hast.“ „Ich weiß nicht, was du meinst! Ich kann mich nicht an solche Träume erinnern! Da spielt dir wohl deine Fantasie einen Streich.“ Er schüttelte den Kopf, „Nein Claire, du hast dich nach mir gesehnt, nicht nur nach meinen fähigen Händen! Ich habe dir gefehlt!“ seine Miene strotzte geradezu vor Gewissheit, es abzustreiten, wäre genau das, was ich ihm vorhielt eine Lüge. Deshalb meinte ich, „Das bedeutet noch lange nicht, das ich gleich bei erster Gelegenheit mit dir schlafe.“ „Wann dann?“ kam die Frage wie aus der Pistole geschossen. Ich schüttelte niedergeschlagen, den Kopf, „Vielleicht wenn du endlich erkennst, dass ich nicht nur aus einem Körper bestehe. Wenn du mir dein Wort gibst, mich niemals mehr mit deinen Andeutungen zu täuschen. Wenn du endlich … ach was soll es! Das alles wird sowieso nie geschehen.“ Mir war gerade bewusst geworden, das ich ihn trotz allem nach wie vor liebte. Meine Wut verrauchte langsam, ich konnte inzwischen wieder logischer denken. „Du meinst, dass du mich trotz allem liebst? Gerade in diesem Punkt sah ich Hoffnung, dass du endlich einsiehst …“ ich lachte hart auf, „das ich nicht für dich so empfinde? Was willst du mir damit sagen. Meinst du wirklich, ich könnte das nicht selbst beurteilen?“ „Ja, das kann ich besser! Denn ich habe die entsprechende Erfahrung!“ wieder lachte ich, „Von welcher sprichst du? Berufst du dich als Begleiter?“ Er nickte, „Dann will ich dir eines sagen, ich bin weder ein kleines Kind, das du mit großgezogen hast. Noch ein verliebter Teenager! Denke darüber einmal nach!“ ich war es leid, wer seine Einstellungen nicht ändern wollte, mit dem konnte man auch nicht reden. „Einen schönen Tag noch, Raphael.“ und ging. Doch ich wandte mich dem Weg zu, es wurde Zeit mich mit Michael auseinanderzusetzen. In diesem Bezug musste ich Raphael zustimmen. Die Zeit des Weglaufens war vorüber. Bald darauf stand ich an einem hübschen Häuschen, mit kleinem gepflegten Vorgarten. Nun ja jeder nach seinem Geschmack. Viele hielten sicherlich meine Vorliebe zum Meer auch absurd. Bevor ich anklopfen konnte, öffnete mir Michael schon die Tür. Vor mir stand ganz der alte, keinerlei Spuren seiner Erkrankung, zierten sein Äußeres. Nichts erinnerte mehr an den abgezehrten Engel. „Wie schön, Claire. Ich freue mich wirklich über deinen Besuch.“ Geniert ließ ich mich von ihm umarmen. Das war neu, bisher scheute Michael vor allzu herzigen Umarmungen. Das war eher Gabriels Metier. Er führte mich ins Haus, Alexa brachte uns einen Kaffee auf die Terrasse. Obwohl es Michael keineswegs passte, blieb Alexa sitzen. Ohne Umschweife kam er auf das Thema, das ihn beschäftigte. Ich war ehrlich gesagt erstaunt. Vielmehr hatte ich erwartet, wir würden über seine Vaterschaft reden. Nein er sprach von Raphael und mir! Dass diese Verbindung ein scherwiegender Fehler sei, Raphael sei keineswegs der richtige Partner für mich. Es gäbe gewiss Engel, die besser mit mir harmonierten. Er sagte es nicht ausdrücklich, doch schien Michael seine Fühler bereits ausgestreckt zu haben. Das wurde mir dann doch zu Bunt, schon wollte ich aufstehen und gehen. Da fielen mir Raphaels Worte ein. Weglaufen, anstatt sich einem Problem zu stellen. In diesem Moment hasste ich Raphael regelrecht. Kurz und bündig erklärte ich Michael, dass ich seine Freundschaft schätze. Sollte ich einen Rat benötigen, würde ich mich vertrauensvoll an Alexa und ihn wenden. Je nachdem von wem ich einen Ratschlag wollte. „Aber Claire, ich bin doch verantwortlich. Muss ich denn nicht auf meine Tochter achten? Jahrzehnte durfte ich nur zusehen, niemals direkt eingreifen. Bitte ich will doch nur ein Bestes.“ Er meinte es gut, das sah ich ja ein. Aber bevormunden ließ ich mich nicht mehr. Wie sollte ich ihm das begreiflich machen. Alexa sah mich aufmunternd an, so wagte ich den Vorstoß. Erklärte ihm meinen Standpunkt. Zu meiner Verwunderung verstand er mich, zumindest respektierte er meine Ansichten. Das war für mich ein ganz neues Gefühl, kein Abwinken - du hast ja sowieso keine Ahnung; schließlich weiß ich besser, was gut für dich ist. Nein Michael vertraute mir, lächelnd sah er zu Alexa hinüber, „Du hast sie ganz schön umerzogen und ich nehme an auch Raphael. Denn diesen Ausdruck in deinen Augen kenne ich noch zur Genüge. Du liebst ihn also?“ Dazu kannte er die Antwort bereits, „Ich nehme an, mein Freund zweifelt daran?“ sein grinsen vertiefte sich. „Mein liebes Kind du willst ihn, dann solltest du dich auf einen harten Kampf einrichten. Denn außer dir gibt es keinen größeren Sturkopf.“ Er lachte in sich hinein, „Wir werden heute Abend zum Ball gehen, Alexa. Ich glaube wir wurden bereits schmerzlich vermisst.“ Alexa strahlte Michael an, „Das hat nichts damit zu tun, einen gewissen Freund zu piesacken?“ „Wie gut du mich kennst, mein Täubchen! Es wird Zeit ein paar alte Kontakte zu pflegen! Claire weißt du, wer schon alles da ist?“ „Wen meinst du?“ „Aber zum großen Fest werden alle kommen, von sämtlichen Inseln!“ mir fiel das Kinn herunter, „Du meinst es gibt noch mehr?“ „Claire!“ sah er mich vorwurfsvoll an, „Sicher gibt es die, wo sollten wir denn sonst, allesamt Platz finden. Du wirst einige neue Engel kennenlernen. Sie leben zurückgezogen, nur einmal im Jahr kommen sie zu unserem Jahresfest. Du wirst schon sehen, ich werde sie dir vorstellen und angeben. Sie sollen meine Tochter kennenlernen.“ Rief er fröhlich aus, dann sah er mich betroffen an, „natürlich nur, wenn du einverstanden bist.“ Bin ich, ansonsten würde mich Alexa ein Jahr lang zu solchen Veranstaltungen schicken.“ Sie nahm es auf, wie es gemeint war mit Humor. Bald darauf verabschiedete ich mich, jetzt musste ich mich wirklich in Schale werfen. Doch das tat ich diesmal sogar mit Vergnügen. Myriel kam wie verabredet und brachte noch Nadja mit, im Großen und Ganzen war Myriel zufrieden mit mir. Meine langen Haare fanden in ihren Augen keine Gnade. Doch Nadja kämmte und steckte es, dann trat sie zufrieden zurück. Inzwischen erzählte ich ihnen meine Auseinandersetzung mit Raphael. Den Besuch bei Michael und Alexa sowie sein Vorhaben mich den Engeln der anderen Inseln vorzustellen. Nadja sah mich erstaunt an, „Du erlebst ja mehr an einem Nachmittag als wir in einem Monat. Und die Seraphim lernst du auch kennen!“ meinte sie ein wenig neidisch. „Na ja schließlich gehören ja die Erzengel auch zu ihnen.“ „Was sind denn nun die Seraphim?“ fragte ich völlig unwissend nach. Myriel schüttelte vorwerfend ihren Kopf, „Was weißt du eigentlich? Hat Raphael dich denn in keiner Weise vorbereitet? Ihr hattet Monate, da solltest du wenigstens die Grundkenntnisse haben. Was habt ihr gemacht? Nur rumgeknuscht? Oder auch noch anderes?“ „Ja, das interessiert mich auch! Heraus mit der Sprache, was hast du mit unserem gestrengen Lehrer alles angestellt.“ „Meistens haben wir gestritten!“ informierte ich die beiden. „Mehr nicht?“ fragte Nadja ungeniert nach. „Manchmal auch ein bisschen geknuscht.“ Gab ich zu. „Na los! Wo habt ihr das erste Mal! Ich bin Raphael entwischt. Es war eine himmlische Erfahrung.“ Grinste sie, „Und Myriel, ist mit ihrem Kayle im Heu verschwunden!“ lachte sie Myriel frech an. „Nadja! Das stimmt überhaupt nicht, wir waren im Wald!“ Nadja kugelte sich vor Vergnügen, „Im Wald also!“ Myriel knallrot, fluchte laut vor sich her. Nadja bohrte weiter, „Claire du bist dran!“ „Da kann ich nicht mithalten. Wir wurden verbunden, dann haben wir, ihr wisst schon was.“ Myriel und Nadja kicherten laut. „Ja das hat unser Völkchen total erschüttert. Mein Mann kam völlig fertig nach Hause und stürmte ins Bad. Natürlich bin ich hinterher, es war das erste Mal, das sich mein Mann sich vor mir geniert hat.“ Das fette Grinsen im Gesicht, „er gestand er habe bis zum letzten Abgang mitgefühlt und das schlimmste empfunden. Er fühlte sich richtiggehend vergewaltigt. Claire im Grunde hattest du mit jedem Engel Sex!“ „Dein Mann war wenigstens nicht da! Kayle und ich sitzen gerade bei Tisch im Esssaal und da fängt er an, hin und herzurutschen. Stößt komische Geräusche aus und krallt sich am Tisch fest. Den Kopf fast im Teller. Dabei stöhnt er ständig mein Gott, oh mein Gott. Ich kenn doch meinen Mann und seinen Geräuschpegel! Wenn ich bedenke, dass ich ihn erst noch besorgt befragt habe und dann stöhnt er vor Leidenschaft auf.“ Myriel war im Nachhinein noch brüskiert. „Es war das reinste Rudelbumsen, denn nicht nur Kayle auch alle anwesenden Engel erlebten das einseitige Vergnügen! Die verschwanden dann schnell, Kayle ist sofort nach einer schnellen Dusche zu euch und ich mit. Das war wirklich kein Vergnügen. Doch habe ich die tollsten Geschichten gehört.“ „Die du den Damen später gewiss erzählen wirst! Inzwischen warten wir auf euch, seid ihr fertig mit euerem Gedankenaustausch?“ Wir drei zuckten erschrocken zusammen, in der Tür stand Raphael diabolisch grinsend. Mit hochroten Wangen und verlegen marschierten wir am wartenden Raphael vorbei, „Soso, Myriel! Im Wald! Gut zu wissen, Myriel! Nadja ich hoffe es wird ein himmlischer Abend!“ Myriel und Nadja duckten sich geradezu unter Raphaels zynischen wissenden Blick sowie über seine Worte. Dass sie sich so von ihm einschüchtern ließen? Sahen sie das Schmunzeln in seinen Mundwinkeln nicht oder den Schalk, der in seinen Augen tanzte. Nein sie waren völlig verängstigt. Ich machte schon den Mund auf, um sie auf Raphaels verräterisches Grinsen hinzuweisen. Raphael stoppte dies, indem er mich an sich zog, „Bitte lass mir den Spaß!“ flüsterte er mir zu. „Dafür brauchst du mich ja nicht gleich aufzufressen!“ schalt ich, spitzer als beabsichtigt. Mir wurde nur zu bewusst, wie leicht seine Hände auf meinen Hüften lagen, sein Duft in meine Nase stieg. Viel zu schnell flüchtete ich vor ihm, „Das müsste ich nicht, wenn du deine Barriere gegen mich abbaust.“ „Das hättest du wohl gerne!“ zischte ich ihn an, „Dann könntest du mich wieder nach deinem Willen tanzen lassen.“ „Das kann ich auch so, Claire!“ grinste er, schon konnte ich kein Glied mehr bewegen, „auch wäre es für mich ein leichtes deine kleine Mauer niederzureißen.“ Er trat dicht an mich heran, „Da du gerade ein wenig hilflos bist.“ Zärtlich strich er über meinen Hals dann drückte er mir einen Kuss auf die Lippen, „Du siehst hübsch aus, so zornig.“ Lachend verschwand er nach unten, dann erst konnte ich mich bewegen. „Claire was brauchst du denn so lange da oben?“ rief Myriel. Der Ball fand im Garten stand, woher der Saal kam, die riesige Terrasse mit der verspielten Balustrade, fragte ich lieber nicht. Engel! Sollten sie sich nicht lieber Zauberer nennen? Was sie alles zustanden bringen konnten! Sogar eine Kapelle spielte. In einem der anschließenden Räume war ein Buffet aufgebaut. Im nächsten war ein Kartenzimmer, dorthin konnten sich die Tanzmuffel zurückziehen, erklärte mir Myriel. „Schau dort können wir uns setzen. Wir werden später froh sein einen so übersichtlichen Sitzplatz ergattert zu haben.“ „Warum? Ist es denn so interessant, andere beim Tanzen zuzusehen.“ „Claire du solltest dich wirklich mal von Raphael unterrichten lassen! Nein die Engel führen ein Programm auf. Nicht so was Langweiliges, nein eher amüsant. Manche rechnen mit einem bestimmten ab.“ sie kicherte, „ich glaube Raphael wird heute das Thema des Abends beherrschen.“ „Du meinst wirklich, sie gehen nochmals darauf ein?“ sie sah mich entzückt an, „Wenn nicht wäre ich höchst enttäuscht.“ Girrte sie schelmisch, dann wurde sie von jemandem gerufen. „Bin gleich wieder da!“ Neben unseren Tisch wurden Stühle gerückt. Ich sah auf und schaute direkt in Antonias Gesicht. Sie musterte mich von Kopf bis Fuß. An ihre Nachbarin gewandt, „Nach heute morgen, hätte ich wirklich gedacht die kommt nicht!“ Die Frau sah kichernd zu mir herüber, „Vielleicht hat sie ja die Neuigkeiten noch nicht gehört. Es ist ja wirklich außergewöhnlich das ein Engel sich noch eine Geliebte hält.“ „Bei dem Aussehen seiner Frau kann ich Raphael nur zu gut verstehen! Ich war heute eigens in der Stadt, dort habe ich sie gesehen. Sie sieht wirklich atemberaubend aus.“ Stur sah ich geradeaus, ließ mir nicht anmerken wie getroffen ich war. Also hat er nicht lange gebraucht. Nun darin hat er mir wenigstens in keiner Weise etwas vorgemacht. Myriel kam zurück, sie setzte sich schwatzend. „Was ist dir denn über die Leber gelaufen? Du siehst aus als hättest du ein Gespenst gesehen.“ „Es ist nichts, wahrscheinlich bin ich nur ein wenig aufgeregt.“ Beruhigte ich Myriel, Antonia, kostete ihren Triumph in vollen Zügen aus. „Myriel du hast auf das falsche Pferd gesetzt, wir haben gerade über Raphaels neueste Eroberung gesprochen. Du hast doch davon gehört.“ Myriel stand auf, setzte sich und stand wieder auf. Sie sah aus, als ob sie Antonia an die Gurgel springen wollte. „Ist schon gut, Myriel! Raphael hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, er hält es nun einmal nicht lange bei ein und derselben Frau aus. Das wusste ich, seit ich ihn kenne.“ So daran konnten sie kauen. Sie drückte mir verstohlen die Hand, das war mehr als ich im Moment ertrug und zog entschuldigend meine Hand fort. Myriel verstand mich auch so. Beatrice und Nadja kamen zu uns. Schnatternd erzählten sie das bald der Einzug beginne. Als ich fragen wollte, meinte Beatrice ich solle mich überraschen lassen. Die Frauen saßen nun und die Stimmung ließ freudige Erwartung aufkommen. Mit einem Male wurde es totenstill. Ich drehte mich wie alle anderen auch zum Eingang, dort stand Alexa. Noch niemals habe ich etwas Ähnliches gesehen. Sie stand einfach nur da, füllte mit ihrer Aura, ihrer überirdischen Schönheit den gesamten Saal. Sie sah aus wie von einem anderen Stern. Ihre leuchtenden Augen blickend suchend durch den Raum. Dann lächelte sie und schwebte auf uns zu. „Mein Gott sie kommt tatsächlich zu uns!“ flüsterte Beatrice. Alexa glitt anmutig auf einem der freien Stühle zu. „Ihr habt doch nichts dagegen?“ fragte sie in ihrer melodiösen Stimme. „Nein, Nein zwitscherten meine Freundinnen überrascht. „Gleich fangen sie an.“ Meinte sie, „Claire für dich ist das neu. Unsere Engel marschieren am ersten Abend gemeinsam ein, jeder hat sich aus einer Epoche ein Kostüm gewählt. Das wird dir sicher gefallen. Die gebundenen Engel tragen zu Ehren ihrer Damen, meistens eine Gewandung, die zu deren Zeit passt.“ Eine Fanfare erklang, wie Alexa schon beschrieb, trugen die Engel Kostüme. Angefangen von Fellbekleidung, über frühzeitliche Mode bis hin zur extravaganten des Mittelalters, weiter zu unserer Zeitrechnung. Alles Mögliche war vertreten. Ich sah Gabriel mit weißer Perücke und rotem Jabot, dann folgte Colin in seiner Admiralsuniform, Ägypter, Musketier, Indianer ein bunter Haufen Geschichte. Als Kayle vorbeimarschierte, jauchzte Myriel fröhlich auf, „Das hat mein Vater getragen, genau solche Sachen. Nur fehlt meinem Mann der Bauch davor.“ Michael lief tatsächlich in einer abgewetzten Hose herum, er grinste frech zu Alexa hinüber. Alexa Wangen glühten vor Röte. Leise sagte sie mir, dass Michael seit unserem Gespräch wie ausgewechselt wäre. Bisher wusste jeder das sie ein Verhältnis haben, doch nie habe er öffentlich so seine Liebe bezeugt. Sie war den Tränen nahe, so gerührt war Alexa von Michaels Liebesbekundung. Auch Raphael zog vorbei, er in einer seiner Lieblingshosen mit dazu passendem Hemd. Leicht verbeugte er sich, als er an unserem Tisch vorbeikam. Danach mischten die Engel sich in normaler Abendkleidung unter den Frauen. Es wurde getanzt, gegessen. Man wanderte hin und her unterhielt sich dort und dann wieder weiter. Dank Gabriels Unterricht schlug ich mich ganz gut auf der Tanzfläche. An Tanzpartnern mangelte es nicht. Da die Frauen weit weniger zählten. Zwischendurch wurden einige Engel aufgezogen. Am meisten spielte Raphael eine Rolle dabei. Die Engel rechneten auf ihre Weise mit dem peinlichen Erlebnis mit ihm ab. Raphael selbst zeigte sich eher amüsiert. Mit Azael konnte ich wunderbar im Takt bleiben, er meinte das liege an seinem verletzten Fuße. Ich habe nur Angst ihn wieder pflegen zu müssen. Viele Engel kannte ich aus dem Hospital, einige sah ich heute das erste Mal. Michael hielt sein Versprechen und stellte mich jeden vor den er habhaft werden konnte. Das waren also die Seraphim, sie wirkten nicht anders als die anderen Engel. Sie waren genauso ausgelassen und charmant. Erschöpft ließ ich mich auf einen Stuhl nieder, meine Füße brannten und ich hätte am liebsten meine Schuhe abgestreift. „Na Kleines darf dein Lehrer dich auch auffordern oder willst du lieber deine Füße ins kalte Wasser baden.“ „Kaltes Wasser! Gabriel, eine ganze Wanne voll!“ „Dann lass uns welches auftreiben!“ lächelte er gutmütig. „Komm gib mir deine Füße ich habe etwas Besseres als Wasser.“ Er hob einen Fuß hoch, zog den Schuh aus, „Gab das kannst du doch nicht machen.“ Aber er umschloss schon mit seinen großen Händen den Fuß. Sofort spürte ich die Linderung nach einigen Sekunden war der eine Fuß, frisch für neue Taten. „Und meine Kleine?“ „Das ist Zauberei.“ Er brauchte noch nicht mal nach meinem anderen Fuß greifen, denn den hielt ich ihm freiwillig hin. „Zur Belohnung erwarte ich mindestens drei Tänze.“ „Die bekommst du!“ versprach ich. Er zog mich auf die Beine, „Dann meine Süße, löse dein Versprechen ein.“ Er bekam vier Tänze, wenn ein Engel zu uns trat, und um den nächsten Tanz bat, verscheuchte Gabriel ihn. Bis Raphael auf uns zukam, „Oje mein Kleines. Nun muss ich weichen!“ Gab trat verbeugend zurück, „Sei lieb zu ihr!“ mahnte er Raphael. Raphael hingegen verzog keine Miene, sein düsteres Aussehen sprach Bände. „Nun Madame, keine Ausflüchte? Keine Ziererei du wärest zu müde?“ „Aber nein, Raphael. Warum auch? Gabriel kam in genau dem richtigen Augenblick, er hat mich gerettet.“ Antwortete ich so liebreizend ich konnte. Denn wir waren im allgemeinen Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. „Wie darf ich das verstehen?“ fragte er höflich aber neugierig nach. „Ach es war nur eines eurer Engelfähigkeiten, er hat meine Füße neu belebt? Kann man das so sagen?“ „Ja kann man!“ sein Gesicht wurde noch grimmiger, „So du lässt dich also von Gabriel noch immer in jeder Lage helfen.“ „Er ist mein Freund, Raphael.“ „Ich vergaß, ihm vertraust du sogar dein Leben an.“ Lächelte er mich zynisch an. Die Musik endete, in diesem Moment und ich wollte die Tanzfläche verlassen. Raphael hingegen hielt mich fest. „Deinem Freund hast du vier Tänze gewährt, wie viele darf ich beanspruchen?“ fragte er ärgerlich nach. „Da du so guter Laune bist, belassen wir es bei dem einen. Du hast deine Pflicht damit erfüllt.“ Wieder ließ er mich nicht los. „Meine Pflicht? Glaubst du, ich tue es aus Pflichtgefühl?“ „Ja sicher!“ denn aus welchem Grund sollte er mit mir Zeit verbringen wollen. Sicherlich wollte er lieber bei seinem neuen Flirt sein. Steif nickte ich ihm zu, da in diesem Moment Colin mich um den nächsten Tanz bat. Raphael durchbohrte Colin mit einem strengen Blick, „Ich kann auch später …“ doch ich unterbrach ihn, „Nein nein Colin, Raphael wollte gerade seinen anderen Verpflichtungen nachkommen! Er wird in der Stadt erwartet!“ Es war also wahr, an der Reaktion der beiden Engel fand ich die Bestätigung. Colin rot vor Verlegenheit und Raphael mit zornesblitzenden Augen. Nach dieser Auseinandersetzung verlor ich jegliche Lust an dem Abend. Nach und nach wies ich die Engel ab. Nadja erschöpft, verabschiedete sich, „Warte Nadja ich komme mit.“ Sagte ich ihr, zusammen gingen wir zum Innenhof. Sie sprach mich direkt auf das Gerücht an, wie sie es nannte. „Nadja, es ist wahr, also versuche mich nicht zu trösten, damit kann ich durchaus umgehen.“ Sie blieb entsetzt stehen, „Das du so ruhig bist, ich würde durchdrehen, allein die Vorstellung mein Mann – nein noch nicht einmal das.“ „Raphael hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, eine Frau ist ihm nicht genug. Er liebt die Abwechslung.“ Aufstöhnend folgte sie mir, „ehrlich gesagt weiß ich nicht was ich davon halten soll. Das dürfte normalerweise nicht passieren, weißt du, wenn die Engel sich mit einer Frau in Liebe verbinden! Dann ist das für die Ewigkeit.“ Ich klärte sie auf, „Eben meine Verbindung mit Raphael besteht aus Begehren, Liebe spielte keine Rolle. Eher Pflichtgefühl, mich zu schützen. Es war eine verzwickte Situation, die Nephilim vor dem Schloss und in der Ortschaft. Michael gefangen von Ben. Da musste Raphael handeln.“ Was machte ich denn da? Tatsächlich ertappte ich mich dabei, wie ich Raphael verteidigte. Das konnte auch nur ich fertigbringen, anstatt auf ihn zu wüten, warb ich um Verständnis für ihn. Nadja sagte dazu nichts weiter, wir gingen unseren Weg, nachdem wir uns eine gute Nacht wünschten. Der nächste Tag begann wie der vorherige, wieder wurde eine Frau gewählt, die Luzifer hofierte. Beatrice kam ebenso schnell über ihre Enttäuschung hinweg. Nur konnte ich mich diesmal nicht verziehen, denn Michael ließ mich keine Sekunde von seiner Seite. Er stolzierte stolz herum, in jedem Arm eine Frau. Alexa und ich zogen ihn ein wenig auf. Gerade weil er wie ein Hahn sich in die Brust warf. Gutmütig ertrug er unseren Spott. Als Alexa einen Moment zurückblieb, zog Michael mich zur Seite, „Claire ich möchte, dass du heute Mittag in dem Rosengarten kommst.“ Bat er drängend, erzählte schnell er seine Absichten, „Alexa und ich werden die Verbindung eingehen, doch sag ihr das nur nicht. Ich muss sie erst noch fragen.“ Grinste er unsicher. „Sie liebt dich, Michael!“ „Das weiß ich doch, nur stimmt sie auch einer Verbindung zu? Heute ist ein idealer Tag, aufgrund ihrer unbestimmten Herkunft werden die Seraphim die Verbindung durchführen. Ich möchte eigentlich in aller Stille, doch die Engel würden es mir übel nehmen, deshalb heute Nachmittag, dann ist weniger los.“ Später fragte ich Gab, was ich als Geschenk mitbringen dürfte. „Dich! Wir schenken uns nichts. Zieh dich festlich an, das ist schon alles und wünsch dem Paar das Beste.“ Nagend biss ich mir auf die Zunge. „Kleines du bist unmöglich! Also gut ich werde dich abholen und dir etwas Entsprechendes mitbringen. Mein Schrank platzt ja schon aus allen Nähten, es wird Zeit, dass du deine Sachen abholst.“ Warf er mir vor. „Ja, ja sobald ich weiß, wohin mit mir.“ winkte ich ab, in Gedanken viel zu beschäftigt. Sollte ich Myriel und den anderen sagen, was geschah oder lieber den Mund halten. „Was beschäftigt dich nun schon wieder?“ Ich erzählte es Gabriel. „Michael wird diejenigen einladen, bestimmt auch Alexa. Wenn sie nicht in Ohnmacht fällt oder Michael schimpfend davonjagt!“ „Gab!“ rief ich erschrocken, „Du denkst doch nicht, Alexa würde ablehnen?“ „Bei Alexa ist alles möglich! Spätestens, wenn ein Unwetter über unseren Köpfen schwebt. Wissen wir, wie sie auf den Antrag reagiert hat.“ Vergnügt nahm er meine Hand und wir schlenderten hinüber zu Michael. Der uns lächelnd betrachtete. „Was habt ihr wieder ausgeheckt?“ „Glaubst du etwa, deine Tochter erzählt dir alles?“ fragte Gab keck zurück. Alexa rief mich und stellte mich einen Engel vor, als ich ihn ansah, verschlug es mir die Sprache. Wenn ich bisher Sahalim als den Hübschesten bezeichnete, so musste ich mein Urteil nun revidieren. Ismael so hieß dieser Ausbund an Schönheit, war zudem äußerst charmant, liebenswert; Gott der war göttlich! Stotternd beantwortete ich seine Fragen, mir lief es heiß den Rücken hinunter, als er mich anlächelte. Alexa schmunzelte gut gelaunt, „Pass gut auf sie auf, Ismael! Denn Claire hat die Angewohnheit einfach zu verschwinden.“ Er lachte auf, meine Knie wurden weich, ich hing gebannt an seinen Lippen. „Das werde ich Alexa! Jeder der sie mir entführen will, schlage ich nieder!“ „Darauf mein Lieber lasse ich es ankommen!“ hörte ich hinter mir Raphael sagen, „Du hast meine Frau bereits kennengelernt! Was sagt dir dein untrüglicher Instinkt?“ „Claire hat viel potenzial, mehr als Ben jemals haben wird. Ich werde ihre Ausbildung übernehmen, Raphael. Aber das wusstest du schon bereits, nicht wahr.“ Meinte er wissend. Raphael hingegen grinste ihn spöttisch an. Meine Ausbildung? Nun wurde ich hellhörig. Ismael schmunzelte, „Ja deine Ausbildung! Du verfügst über Talent, doch du musst lernen sie einzusetzen. Verantwortlich natürlich.“ Aber sicher, was denn sonst! Wurde ich jemals mal gefragt? „Verzeihung, Claire!“ verbeugte sich Ismael höflich, „wir sind manchmal übereifrig!“ So ganz was Neues, ich würde eher sagen ungestüm, hastig und übereilt. „Du gefällst mir, Claire!“ schmunzelte Ismael, „Wir werden uns verstehen!“ wieder wurden meine Knie weich, wie sollte ich in seiner Gegenwart lernen. Mein Kopf war hohl wie eine taube Nuss. „Entschuldige uns Ismael, ich wollte mit Claire ein paar Worte wechseln.“ Raphael sah hinüber zu Alexa, Ismael folgte seinem Blick. „Ja, sie wird die schönste Braut, die es je gegeben hat. Wir sehen uns bei der Zeremonie.“ Raphael ergriff meinen Arm und führte mich zum Tor. Doch anstatt das wir zu seinem Haus kamen, führte uns der Weg zu einem mir unbekannten Teil der Insel. Hier war es seltsam, ein Palmenstrand ein Sandweg führte weit ins Meer hinaus. „Was“ weiter kam ich nicht, denn Raphael gebot mir zu schweigen. „Das tut jetzt nichts zur Sache. Weshalb wir hier sind, scheint mal wieder eine von Alexas Ideen zu sein. Doch das weshalb! Ich will dich warnen, vor Ismael! Mir und allen anderen, ist aufgefallen, wie du auf ihn reagierst. Er ist für euch Frauen wahrscheinlich der Inbegriff der Männlichkeit. Ich habe zu oft gesehen, wie die Frauen von ihm schwärmen. Da du in Zukunft oft mit ihm zusammen sein wirst, solltest du dir das vor Augen halten.“ „Danke für deine Warnung! Doch eines will ich dir sagen Raphael. Eine Schwärmerei ist nichts Verwerfliches! Du solltest mal Alexas Schulbank drücken. Sie wird dich wahrscheinlich lehren, was der Unterschied zwischen Faszination und Liebe ist. Du kannst aber auch jedwede Frau befragen. Doch sie schlottern ja nur so vor Angst, das sie dir vermutlich genau das Sagen, was du hören willst. Deshalb mein Rat, gehe zu Alexa sie hat mehr Grips im Kopf, als du jemals haben wirst.“ Um ihn keine Chance einer Erwiderung zu geben, ging ich mit dem letzten Ton. Wie konnte er nur, mich vor einem Engel warnen. Kein Engel würde als Erstes einer gebundenen Frau zu nahe treten. Aber das war ja typisch für ihn, ein charmantes Lächeln und die Frauen vergaßen ihre Liebe. Er rechnete in seinen Maßstäben! Nur diese zählten für Raphael. Will mich warnen! Ha, der konnte sich seine Warnungen irgendwohin stecken, am besten dort, wo es richtig wehtat. Irgendwie musste ich mich abreagieren, eine halbe Stunde schwimmen. Danach musste ich mich zwar sputen, doch das war keineswegs so schlimm als über Raphaels beleidigenden Rat nachzudenken. Als Gab kam war ich gerade fertig, er trug einen halben Schrank auf den Armen. „Meine Güte Gab ich kann nur ein Kleid tragen.“ „Und ich habe nur einen Schrank!“ stellte er stur fest. „Wohin soll ich denn mit dem ganzen Zeug? Leg das erstmal über den Sessel, ich werde später sehen wohin damit. Was meinst du soll ich anziehen?“ Er lächelte schon wieder, niemals war er lange schlecht gelaunt. „Das hier! Genau passend für eine diese Art von Festlichkeit.“ „Super, ich zieh es schnell an, dann können wir.“ „Ja, nach der Wetterlage, findet die Zeremonie statt.“ Er trat nach draußen und ich folgte ihm, „Mein Gott ist der Himmel wirklich rosa?“ „Jeep! Rosa!“ seufzte Gab erschüttert auf. „Wer hätte das gedacht, Alexa und rosa! Fehlt nur noch das sie weiße Blüten regnen lässt.“ „Eine entzückende Idee, Gabriel!“ Alexa kam die Treppe herauf, hinter ihr fielen weiße Blüten zu Boden. Sie rieselten langsam herab. „Nun zufrieden, Gabriel?“ lächelte sie ihn zuckersüß an, er schnaufte bitter auf. „Nun die Verbindung findet demnach statt?“ fragte er sie, dabei sah er zu, wie der Strand langsam zu einem weißen Teppich wurde. „Hast du daran gezweifelt?“ „Bei dir weiß man nie! Willst du keine Vorbereitungen treffen? ´Denn das da“ er deutete hinaus, „ist eine Einladung, jeder wird wissen wollen, was mit dir los ist.“ „Genau!“ lächelte sie verschmilzt. „Oh der arme Michael! Ist es ihm bewusst, welch eine Frau er ehelicht?“ Fragte Gabriel grinsend. Alexa zuckte die Schultern, „Jetzt denke ich weiß er es. Weshalb ich gekommen bin. Claire ich möchte, dass du an meiner Seite stehst. Würdest du das für mich tun?“ natürlich willigte ich ein. „Danke Claire, wir sehen uns gleich, zuerst muss ich meinen Zukünftigen holen und ihn beruhigen. Von wegen, eine ruhige Zeremonie, innerhalb der Familie. Den Zahn habe ich ihm gezogen.“ Wir sahen zu wie Alexa ging, die Blüten umwirbelten sie in einem fröhlichen Tanz. „Dann lass uns mal zum Schauplatz wandern!“ meinte Gab, „Du weißt doch hoffentlich was das bedeutet, ihr zur Seite zu stehen.“ „Na hör mal Gab, blöd bin ich noch nicht.“ und knuffte ihn in die Seite. „Doch bist du! Du übernimmst die Aufgabe eines Zeugen! Du musst deine Barrieren fallen lassen. Der Begleiter, zwar nicht ganz zutreffend und die Zeugen des Paares bilden eine Einheit. Das kann nur geschehen, wenn sie sich öffnen. Deine Telefonnummer ist praktisch mit dem Begleiter und Zeugen eins. Eine Zentrale verstehst du.“ Ich nickte und hatte tausend Fragen. „Wer sind sie? Was muss ich tun?“ „Beruhige dich! Ich bin ja dabei!“ schelmisch zwinkerte er mir zu, „Welch ein Trubel, welch ein Jubel! Der Hof platzt aus allen Nähten. Wir werden uns unauffällig in den ersten Rang begeben, bleib bei mir, Kleines. Und schau nicht so schuldbewusst, das lockt nur die Neugierigen an. Sonst verdirbst du Alexa die Freude.“ Also versuchte ich genauso ratlos auszusehen, wie die meisten. Wir waren gerade an einem Pavillon angekommen, als eine Gasse entstand. Mike und Alexa schritten langsam auf uns zu. „Stell dich da links hin!“ deutete Gab. Er selbst stellte sich in die Mitte. Dann fungierte er also als Begleiter. Hinter ihm zogen die Seraphim auf. Ismael winkte mir zu und siehe da Sahalim gehörte zu den Seraphim. Inzwischen schritten Michael und Alexa durch die Gasse. Von allen Seiten wurden ihnen Glückwünsche ausgesprochen. Alexa war noch schöner, kaum zu glauben nach dem gestrigen Abend, diesmal strahle nicht nur ihre Augen. Nein sie selbst strahlte aus sich heraus. Nun fehlte nur noch Mikes Zeuge. Wer anders sonst! Das Dreiergespann war vollzählig. Von der anderen Seite begrüßte mich Raphael. Mein Magen zog sich schmerzvoll zusammen. Mike und Alexa traten zwischen uns. Gabriel sah das Paar an und grinste sie breit an. Die Seraphim schlossen nun einen Kreis um uns. Da entdeckte ich Uriel, er gehörte also ebenfalls zu ihnen. Sollte das bedeuten die Erzengel waren zugleich auch Seraphim? Anders konnte es gar nicht sein. Wieder etwas dazu gelernt. Doch dann konzentrierte ich mich auf Gabriel, der eine ungewöhnliche Rede hielt. Für mich zumindest, denn sie war gespickt mit Andeutungen in leichter Ironie verfasst. Michaels schnelle Entschlussfreude war sein Hauptthema. Schließlich warf er mir einen kurzen Blick zu, ich senkte meine Barriere. Sofort spürte ich Raphaels machtvolle Präsenz, Gabriel der weniger forsch zu Werke ging nicht minder mächtig. Wie ein kleines Lichtchen kam ich mir neben den beiden vor. Im Hintergrund empfand ich eine noch stärkere Präsenz, es fühlte sich an als wäre noch jemand im Nebenzimmer. Mir wurde bewusst wie gering meine Gabe, gegen die der Erzengel war. Falls Raphael meine Barriere überwinden wollte, konnte er dies mit Leichtigkeit. Warum er es nie tat, war mir ein Rätsel.