Winterharte exotische Pflanzen in Mitteleuropa

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Winterharte exotische Pflanzen in Mitteleuropa
Kurze Zusammenfassung zum Vortrag vom „Zaubergärtner“ Wolf Stockinger
Aufgrund Klimaveränderung verändern sich auch zunehmend die Lebensbedingungen für Pflanzen
Viele heimische und eingebürgerte, lang bewährte Pflanzen leiden immer mehr unter den
veränderten Faktoren (v.a. unter Hitze und Trockenheit)
Tatsache ist, dass daher einige sogenannte „Exoten“ , unter solchen Umständen mittlerweile besser
gedeihen.
Ich denke, dass man diese Tatsachen bei allen Bepflanzungen berücksichtigen sollte und daher nicht
starr auf der altbekannten „Botanischen Ausländer Raus – These festhalten sollte.
Hier sollte sensibel und nachhaltig denkend, vorgegangen werden, denn alles befindet sich im
Wandel…
Das Auspflanzen von „invasiven Pflanzen“ sollte jedoch möglichst vermieden werden!
Ebenso ist das Aussetzen von Exoten im intakten Grünland zu vermeiden und in ökologisch
wertvollen , geschützten Lebensräumen sogar streng verboten!
Bei der Pflanzenauswahl ganz wesentlich ist die Kenntnis der korrekten botanischen species,
eventuell der Unterart, der Form, der Sorte bzw. der Kulturform.
Da viele der besprochenen Pflanzen bei uns an die Grenze ihrer Frosthärte gelangen, ist auch die
Herkunft entscheidend.
Die ausgewählten Pflanzen sollten möglichst optimale Bedingungen, erhalten – ideal wären die,
welche sie auch an ihrem beheimateten Standort vorfinden – zum Glück sind viele Pflanzen ziemlich
anpassungsfähig!
Pflanzen mediterraner Herkunft benötigen meist durchlässigen, trockeneren Boden und einen
möglichst sonnigen, windgeschützten Standort (Sonnenfalle, vor Hausmauer, etc.)
Passende, mediterrane Begleitpflanzen dazu sind mediterrane Kräuter und Blütenstauden
Ostasiaten mögen meist humoses, kalkarmes Substrat, feuchteren Boden und bevorzugen meist
Halbschatten.
Passende Begleiter sind Hosta, Farne und viele andere Stauden
Die Winterhärte ist zumeist DER limitierende Faktor in unseren Breiten,
ein bewährtes, internationales Richtmaß dafür sind die USDA – Frosthärte – Zonen (1 – 13)
Diese geben die durchschnittlichen winterlichen Mindesttemperaturen einer Region an.
Doch es entscheiden sehr viele, weitere Faktoren für das Überleben der Pflanze!
(Sorte, Herkunft, Alter, Gesundheitszustand, Boden – Zusammensetzung –ph –Bodenfeuchte,
Luftfeuchte, Niederschlag, Wind, Zeitpunkt des Frostes, Frostdauer, Bodenfrost, Holzreife, Bemühen
des/der lieben GärtnerIn – Winterschutz , wesentlich DAS KLEINKLIMA - DIE Bedingungen an genau
DIESEM Standort – und und und,…, aber letztlich auch GLÜCK!)
Aus diesem Grund lassen sich Pflanzen nicht allein anhand von Frosthärtezahlen in Tabellen
einordnen –
FROSTHÄRTE ist ein rein ein Wert, der unter standardisierten Laborbedingungen hervorgeht
Die WINTERHÄRTE schließt ALLE Faktoren mit ein!
Winterschutz ist ein sensibles Thema, denn wer in unser heute so hektischen Zeit, wird seine Palme
bei einem Schneesturm vor Sylvester mühsam mit Schutzmaterial einwickeln wollen – Idealisten,
Mitarbeiter Botanischer Gärten & freaks ausgenommen…
Der bei weitem empfindlichste Teil der exotischen Pflanzen sind die Wurzeln!
Daher empfiehlt sich das Auftragen einer dicken Mulchdecke (Laub, Reisig,…) im Dezember.
Daraus folgt, dass Exoten im Topf bei uns kaum im Freien erfolgreich zu überwintern sind!
Langfristiges Einpacken von Pflanzen mit Folien führt oft zu Fäulnis – v.a. bei eintriebigen Palmen und
bei Immergrünen tödlich!
Daher: Winterschutz so spät wie möglich anbringen, für Lüftung sorgen und so früh wie möglich
wieder entfernen!
Die Pflanzen brauchen bewegte Luft und Immergrüne – v.a. Bambus(!) - benötigen bei Ballenfrost
Wassergaben in flüssiger Form – keine Pflanze kann ihren Wasserhaushalt aus einem Eisblock
ausgleichen! (daher gut mulchen!), sonst kommt es zu Frostrocknisschäden!
Für Stauden, die im Winter oben einziehen (z.B. Musa basjoo), empfiehlt sich ebenfalls eine sehr
dicke Mulchschicht , um das Rhizom frostfrei zu erhalten – zusätzlich wäre ein Regenschutz um den
Pflanzenbereich sehr vorteilhaft, um Rhizomfäulnis vorzubeugen!
Oft können scheinbar erfrorene Pflanzen aus Wurzelstock, Reserve- oder Beiknospen wieder
austreiben (manchmal erst im Juli!) – es lohnt sich daher, manchmal die Hoffnung nicht aufzugeben!
Allerdings sind solch geschädigte Pflanzen im Folgewinter besonders heikel!
Um das längerfristige Überleben von Exoten im Weinbauklima Mitteleuropas (Zone((6b)) 7a-7b) zu
gewähren, sollten, bei geringem Winterschutz, daher nur Pflanzen ausgewählt werden, die
zumindest -15°Celsius in erwachsenem Zustand vertragen!
Auswahlliste: (auf sehr heikle Pflanzen wird in dieser Liste verzichtet)
Hanfpalme, Trachycarpus fortunei, wagnerianus, takil – Windschutz! Herzschutz – nur 1 Trieb!
Wollmispel, Eriobotrya japonica
Aucuba japonica, Halbschatten, gut winterhart
Aralie, Fatsia japonica
Schirmakazie, Albizia julibrissin*, traumhafte, lange, duftende Blüten!
Himmels“bambus“, Nandina domestica
Kaki, Diospyros kaki*
Lotuspflaume, Diospyros lotus
Echter(!) Schwarzer Maulbeerbaum, Morus nigra, köstliche Früchte!
Chinesische Brustbeere, Jujube, Ziziphus jujuba, sehr trockenverträglich!
Chinesische Pistazie, Pistacia chinensis
Echte Pistazie, Pistacia vera*, wärmster Standort! Cave: getrenntgeschlechtlich!
Loriopetalum japonicum
Unzählige Bambus* – Achtung: v.a. viele Phyllostachys – Arten wuchern, daher Rhizomsperre!
Faserbanane, Musa basjoo, ausgepflanzt kann sie bei uns nicht fruchten!
Parfümjasmin, Jasminum officinale, Schlinger
Blaugurkenstrauch, Decaisnea fargesii
Akebie, Akebia japonica, Pflanze wächst mancherorts invasiv!
……
Feigenbaum, Ficus carica*, es gibt unterschiedlichste Sorten – cave: manche fruchten nicht bei uns!
Lorbeer, Laurus nobilis, Wurzelschutz! halbschattig!
Granatapfel, Punica granatum*, Frucht- und Ziersorten
Flieder des Südens, Lagerstroemia – Hybriden*
Pinie, Pinus pinea*
Echte Mittelmeerzypresse, Cupressus sempervirens*
Steinlinde, Phillyrea angustifolia und latifolia
Erdbeerbaum, Arbutus unedo, benötigt kalkarmen Boden!
Terpentinpistazie, Pistacia terebinthus
Steineiche, Quercus ilex*
Rosmarin, Rosmarinus officinalis*, steiniger Boden
……….
Wintergrüne Magnolie, Magnolia grandiflora*
Chilenische Araukarie, Araucaria araucana*
Amerikanische Kaki, Diospyros americana, gut winterhart
div. Palmlilien, Yucca sp.*
div. Feigenkakteen, Opuntia sp.*
div. Agaven, Agave sp.*
div. Eucalyptus, Eucalyptus sp.*, nicht bewährt, kein Kalk, überwintern daheim unter Schnee…
Nadelpalme, Rhapidophyllum hystrix*, wächst buschartig und langsam
bei den mit“*“ versehenen Pflanzen ist die Streuung bezüglich Frostresistenz besonders groß
daher sind Sortenwahl bzw. Herkunft hier ganz wesentlich
Für weitere Infos stehe ich Ihnen gern zur Verfügung!
Wolf Stockinger
ZauberGarten
Kalvarienbergstr. 9
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Tel.: 0660 66 111 66
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