Eosinophile Ösophagitis

Werbung
Ösophagus/Magen/Duodenum
19
Eosinophile Ösophagitis
Petr Hruz, Alex Straumann
Einleitung und Definition
Epidemiologie
Pathophysiologie
Differenzialdiagnose
Klinik
19
19
20
20
21
Einleitung und Definition
Diagnostik
Therapie
Langzeitverlauf und Prognose
Ausblick
21
24
27
27
Konzeptionelle Definition
Die eosinophile Ösophagitis (englisch: eosinophilic
Die eosinophile Ösophagitis repräsentiert eine chro-
esophagitis, EoE) ist eine junge Krankheit, die vor
nisch entzündliche, immunvermittelte ösophageale
knapp 20 Jahren im Rahmen von drei größeren Patientenserien erstmalig in der Literatur beschrieben wurde
[1 – 3]. Die breite Forschungstätigkeit der letzten Jahre
hat einige Einblicke in die immunopathogenetischen
Erkrankung, welche klinisch durch die Kombination
von ösophagealen Symptomen und histologisch
durch Infiltration der Ösophagusschleimhaut mit
eosinophilen Granulozyten charakterisiert ist.
Mechanismen und in die klinische Präsentation dieser
chronisch verlaufenden Krankheit ermöglicht. Seit Juni
2006 wird der schwer aussprechbare Begriff offiziell
Epidemiologie
mit dem Akronym „EoE“ abgekürzt [4].
Häufigkeitszunahme. Die EoE wurde bisher als eine
Definitionen. Zur Charakterisierung dieser entzünd-
Rarität angesehen, in den letzten Jahren wird diese
lichen Erkrankung der Speiseröhre werden klinische
Krankheit aber zunehmend häufiger diagnostiziert
und histopathologische Kriterien herangezogen. Defi-
[5, 6]. Es stellt sich somit die wichtige Frage, ob diese
niert wurde die EoE durch eine internationale Exper-
Zunahme eine Folge der verbesserten Kenntnis dieses
tengruppe im Jahre 2007 als „protonenblockerresis-
neuen Krankheitsbildes ist oder ob wir mit einer echten
tente, dichte Infiltration der Ösophagusschleimhaut
Zunahme der Krankheitshäufigkeit konfrontiert sind.
mit eosinophilen Granulozyten bei Vorhandensein von
Unabhängige Untersuchungen aus einigen industriali-
ösophagealen Symptomen“ [4]. Einige Aspekte dieser
sierten Ländern wie den USA, Australien und diversen
Charakterisierung haben sich zwischenzeitlich als
europäischen Ländern zeigen nun, dass sowohl bei
falsch erwiesen. In diesem Frühjahr wird von einer in-
Kindern als auch bei Erwachsenen eine echte Zunahme
ternationalen Expertengruppe eine modifizierte, kon-
der Krankheitshäufigkeit vorliegt. Die kumulative Prä-
zeptionelle Definition publiziert werden [Furuta et al.
valenz in einer geografisch klar definierten und bezüg-
J Allergy Clin Immunol 2011], die etwa der nachfolgend
lich EoE gut dokumentierten Region in der Schweiz
genannten Beschreibung entsprechen wird.
beträgt mittlerweile 35 Patienten pro 100 000 Einwohner und erreicht somit annähernd Werte der bekannteren chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. In Schwellen- und
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011 ê DOI 10.1055/s-0030-1256189 ê VNR 2760512011060002776
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
Übersicht
Eosinophile Ösophagitis
Entwicklungsländern hingegen scheint die EoE bis jetzt
nicht vorzukommen [4].
Tabelle 1
Differenzialdiagnose der eosinophilen Ösophagitis.
Alter und Geschlecht. Die EoE kann sich in jedem Lebensalter manifestieren [7]. Allerdings werden Männer
(Geschlechterverhältnis männlich : weiblich = 3 : 1) in
█
Gastroösophagealer Reflux (GERD)
█
Eosinophile Gastroenteritis mit Ösophagusbefall
█
Medikamentös induzierte Ösophagitis
█
Parasitäre Erkrankungen
█
Infektiöse Ursachen (Herpes, Candida)
█
Autoimmunerkrankungen
█
Hypereosinophile Syndrome mit Ösophagusbefall
█
Morbus Crohn
der 3. und 4. Dekade ihres Lebens am häufigsten von
dieser Affektion befallen [7 – 9].
Allergische Begleiterkrankungen. Das Auftreten von
allergischen Begleiterkrankungen wird in der Literatur
mit 50 – 70 % angegeben. Erwachsene Patienten berichten häufig über allergische Atemwegserkrankungen
wie ein Asthma bronchiale und/oder eine allergische
Rhinokonjunktivitis [6]. Ein saisonal gehäuftes Auftreten der EoE konnte trotz einzelner Berichte über saisonale Schwankungen der Symptome bisher nicht
glaubhaft belegt werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen sind Kleinkinder häufig mit Nahrungsmittelaller-
Th2-Typ-Reaktion. Neben den eosinophilen Granulo-
gien belastet.
zyten werden bei der EoE in der Ösophagusmukosa
In den letzten Jahren ist eine Zunahme der EoE zu
vermehrt spezialisierte T-Zellen sowie Mastzellen ge-
verzeichnen. Allergische Begleiterkrankungen lie-
funden, die Mediatoren einer sog. Th2-Typ-Reaktion
gen bei 50 – 70 % der betroffenen Patienten vor.
produzieren und bei allergischen Erkrankungen eine
wichtige Rolle spielen [4, 12]. Ob es sich beim initialen
Pathophysiologie
Trigger um eine Reaktion auf ein inhalativ oder peroral
aufgenommenes Allergen oder um eine Kombination
von unterschiedlichen Allergenen handelt, ist aller-
Unter gesunden Verhältnissen findet man in der Spei-
dings gegenwärtig unklar.
seröhre – im Gegensatz zu allen anderen Segmenten
des Gastrointestinaltraktes – keine eosinophilen Gra-
Bei der eosinophilen Ösophagitis findet man zellu-
nulozyten [10].
läre Elemente und Mediatoren einer allergieartigen
Entzündung, einer sog. Th2-Typ-Reaktion.
Immunvermittelte Antwort. Die pathophysiologischen Mechanismen, die zur Entstehung der EoE beitragen, sind bisher nur ansatzweise bekannt. Tierexpe-
Differenzialdiagnose
rimentelle Studien zeigen, dass es sich wahrscheinlich
um eine durch exogene Allergene getriggerte, immun-
Eine ösophageale Eosinophilie ist unspezifisch und
vermittelte Antwort handelt [4, 6]. Eine „klassische“
wird auch bei anderen, nicht allergieartigen Erkran-
Allergie im Sinne einer allergischen Sofortreaktion
kungen beobachtet, wie z. B. (parasitären) Infektionen,
oder einer Kontaktallergie scheint aber nicht vorzulie-
Autoimmunerkrankungen, eosinophiler Gastroenteri-
gen. Das Zytokin Interleukin-5 (IL-5) ist einer der zent-
tis, medikamentös induzierter Ösophagitis und gastro-
ralen Faktoren primär in der Differenzierung und spä-
ösophagealer Refluxerkrankung (Tab. 1).
ter in der Rekrutierung der eosinophilen Granulozyten.
Die Perpetuierung der eosinophilen Infiltration im
Refluxkrankheit. Im Speziellen sollte differenzialdiag-
Gewebe wird zusammen mit dem Chemoattraktant
nostisch die sehr häufige Refluxkrankheit beachtet
Eotaxin-3 gewährleistet. Bei Patienten mit EoE ist die
werden. Aufgrund von entzündlicher Aktivität kann bei
ösophageale Schleimhaut mit IL-5-exprimierenden
der Refluxkrankheit im distalen Ösophagussegment
Zellen infiltriert, und die ösophagealen Plattenepithel-
auch eine recht eindrückliche eosinophile Infiltration
zellen exprimieren massiv den wichtigen Entzün-
auftreten. Die endoskopische Untersuchung nach Vor-
dungsmediator TNFα [11, 12].
behandlung mit Protonenpumpenblockern mit gezielter Suche nach endoskopischen Zeichen einer Refluxkrankheit bzw. einer EoE sowie segmentale Biopsie-
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
20
Ösophagus/Magen/Duodenum
entnahmen aus dem proximalen und distalen Ösophagus ermöglichen aber meistens, diese beiden chronischen Krankheiten auseinanderzuhalten. Eine Alternative bietet die Durchführung einer 24-Stunden-pHMetrie.
Tabelle 2
Klinische Beschwerden bei Erwachsenen und
Kindern mit eosinophiler Ösophagitis.
Erwachsene
Helminthosen. Seltener werden schwerere eosinophi-
█
le Infiltrationen, die das Bild einer primären EoE kli-
█
nisch und histologisch imitieren können, im Rahmen
21
█
Dysphagie
Bolusobstruktion
Retrosternalschmerzen
von Infektionen mit Rundwürmern, z. B. Anisakis sim-
Kinder
█
█
█
█
█
plex, Gnathostoma spinigerum und Toxocara canis,
█
gefunden. Bei entsprechendem Verdacht – z. B. bei Pa-
Nahrungsverweigerung
Erbrechen/Speiseregurgitation
Bauchschmerzen
Gedeihstörung
Dysphagie/Sodbrennen
Bolusobstruktion
tienten aus maritimen oder tropischen Regionen sowie
bei Liebhabern roher Fischspeisen – sollten diese ge-
aufsteigend beschrieben werden und zudem auf Säu-
webeinvasiven Helminthosen mittels Serologie gesucht
reblocker nicht ansprechen (Tab. 2).
Kinder und Jugendliche. Im Gegensatz zu erwachse-
Eine ösophageale Eosinophilie kann auch bei ande-
nen Patienten zeigen Kinder und Jugendliche mit EoE
ren, nicht allergieartigen Erkrankungen vorkom-
ein viel breiteres Beschwerdespektrum (Tab. 2). Sie
men, so auch bei der häufigen Refluxösophagitis
verweigern die Nahrung und leiden unter retrosterna-
und bei Wurminfektionen.
len und abdominalen Schmerzen, Durchfällen, Erbrechen, Speiseregurgitation und gestörtem Gedeihen [4].
Klinik
Leitsymptome
Die körperliche Untersuchung ist bei Erwachsenen und
Kindern praktisch immer unergiebig.
Dysphagie und/oder Bolusimpaktierung ist bei jüngeren Patienten hochverdächtig auf das Vorliegen
Die klinische Symptomatik kann sich je nach Patien-
einer eosinophilen Ösophagitis.
tenalter unterschiedlich präsentieren.
Dysphagie. Das häufigste Leitsymptom bei erwachse-
Diagnostik
nen Patienten ist eine Dysphagie für geformte Speisen,
die von leichtem Würgen bei der Passage bis zu kom-
Endoskopische Befunde
pletten Obstruktionen von wenigen Minuten bis mehreren Stunden Dauer reichen kann. Mehr als ein Drittel
Die Endoskopie des oberen Gastrointestinaltraktes ist
der EoE-Patienten hat schon eine lang dauernde Im-
der erste diagnostische Schritt bei der Abklärung eines
paktierung mit der Notwendigkeit einer notfallmäßi-
Patienten mit Dysphagie und somit Verdacht auf EoE.
gen endoskopischen Bolusentfernung erlitten [13].
Bei rund der Hälfte der untersuchten EoE-Patienten
Beim Erheben der Anamnese sollte sorgfältig auf Aus-
sind die endoskopischen Befunde lediglich diskret aus-
weichstrategien geachtet werden, da EoE-Patienten
geprägt und leicht zu übersehen [14]. Sowohl bei Kin-
sich rasch an die Einschränkungen anpassen und has-
dern wie auch Erwachsenen können sichtbare Verän-
tige Nahrungsaufnahmen sowie trockene und faserige
derungen sogar fehlen und die Speiseröhre präsentiert
Speisen (z. B. Trockenreis, faseriges Fleisch) vermeiden
sich normal. Beim Vorliegen augenfälliger Abnormitä-
und die Dysfunktion des Ösophagus dadurch maskiert
ten besteht für den Untersucher zusätzlich die Schwie-
wird. Der typische EoE-Patient isst langsam, kaut sorg-
rigkeit, die Vielzahl der möglichen Zeichen korrekt zu
fältig und trinkt zwischen den Nahrungsboli viel Flüs-
interpretieren [14].
sigkeit, um eine möglichst ungehinderte Nahrungspassage zu gewährleisten.
Mögliche Veränderungen. Am häufigsten werden bei
aktiver Entzündung unscheinbare rötliche Längsfur-
Retrosternale Schmerzen. Eine Minderheit von 20 –
chen (engl.: red furrows, Abb. 1 a) und weiße, teils
50 % der Patienten klagt zusätzlich über Retrosternal-
stecknadelkopfartige, teils eher flächige Auflagerungen
schmerzen, die im Gegensatz zum Sodbrennen der Re-
(engl.: white exudates, Abb. 1 b) beobachtet. Die wei-
fluxkrankheit eine fixe Lokalisation aufweisen, nicht
ßen Exsudate können mit einer ösophagealen Soor-
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
werden.
Eosinophile Ösophagitis
Abb. 1 Endoskopische Befunde bei
der eosinophilen
Ösophagitis.
a Rötliche Längsfurchen. b Weiße
stecknadelkopfartige Veränderungen.
c Katzenösophagus
(tracheaartiges Aussehen). d Krepppapier-Mukosa.
e Tapetenähnlicher
Abriss. f Kombination von rötlichen
Längsfurchen, weißlichen Auflagerungen und angedeutetem Katzenösophagus.
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
22
infektion verwechselt werden. Sie entsprechen aber
geringen mechanischen Belastungen reißen kann. Bei
histologisch dichten Infiltraten von eosinophilen Gra-
Biopsieentnahme wird oft ein tapetenähnlicher Abriss
nulozyten, den sog. eosinophilen Mikroabszessen.
der Schleimhaut beobachtet (Abb. 1 e). Typischerweise
Biopsien aus diesen Arealen haben daher eine hohe
können mehrere Zeichen in Kombination vorkommen
Trefferquote für die Diagnosestellung der EoE. Des
(Abb. 1 f).
Weiteren werden solitäre Ringe, aber auch multiple
Ringe, die dem Ösophagus ein tracheaartiges Aussehen
Die EoE stellt für den Endoskopiker eine Heraus-
verleihen, beobachtet (Abb. 1 c). Die menschliche Spei-
forderung dar, da sich kein einheitliches Erschei-
seröhre weist damit Ähnlichkeiten mit dem Katzen-
nungsbild präsentiert. Selbst bei unauffälligem
ösophagus auf. Dieser wird auch „feliner“ Ösophagus
Aspekt müssen Biopsien entnommen werden, und
genannt. Nahezu pathognomonisch ist die sog. Krepp-
zwar aus verschiedenen Segmenten des Ösopha-
papier-Mukosa (Abb. 1 d). Hierunter versteht man eine
gus, um die zur Diagnose erforderliche Histologie
unelastische und fragile Ösophagusmukosa, die bei
zu erhalten.
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Ösophagus/Magen/Duodenum
23
Histologie
Die Diagnose einer EoE basiert zu einem wesentlichen
Teil auf der Histologie [4]. Die Diagnose ist praktisch
gesichert, wenn bei Vorliegen einer typischen Anamnese im Ösophagus histologisch ≥ 15 eosinophile Granulozyten pro HPF (High Power Field = 400-fache Vergrößerung im Mikroskop) gefunden werden. Da das
eosinophile Infiltrat oftmals inhomogen, fleckförmig
und segmentär verteilt ist, sollen multiple Biopsien an
verschiedenen Lokalisationen des Ösophagus entnommen werden – idealerweise sowohl im proximalen als
auch im distalen Ösophagus je eine Biopsie pro Quadrant, d. h. mindestens 8 Biopsien [14]. Zudem sollten
weiße Herde gezielt biopsiert werden, da diese eosino-
Pathologe in der Lamina propria eine relevante Fibrosierung, ist dies ein weiteres Indiz für das Vorliegen
einer EoE [15].
Abb. 2 Eosinophile Mikroabszesse in der ösophagealen Schleimhaut (Vergrößerung: × 40)
(freundlicherweise zur Verfügung gestellt von PD Dr. L. Tornillo, Pathologie Universitätsspital Basel).
Im proximalen und im distalen Ösophagus sollten
pro Quadrant je eine Biopsie, d. h. mindestens
Tabelle 3
8 Biopsien, entnommen werden.
Mit eosinophiler Ösophagitis assoziierte
histologische Merkmale.
Die diagnostischen Kriterien einer EoE sind nachfolgend zusammengefasst.
Diagnostische Kriterien (Quelle: [4])
█
klinische Symptome verdächtig für ösophageale
█
Dysfunktion
histologisch: ≥ 15 Eosinophile/HPF
adäquater Ausschluss anderer Ursachen einer öso-
█
phagealen Eosinophilie, insbesondere einer Refluxkrankheit (anamnestisch, endoskopisch und
ggf. mittels funktioneller Ösophagusuntersuchungen)
█
≥ 15 intraepitheliale Eosinophile/HPF
█
Eosinophile Mikroabszesse
█
Fleckförmige, superfizielle Lokalisation der Eosinophilen
█
Fibrose der Lamina propria
peutischen Konsequenzen hat [16, 17]. Eine Genmutation, ein Polymorphismus eines einzelnen Nukleotids
im Eotaxin-3-Gen (2496 T→G), kommt unabhängig
vom atopischen Status bei EoE-Patienten gehäuft vor
[17].
Labor
Im Differenzialblutbild findet sich bei ungefähr der
Allergietestung
Hälfte der Patienten eine leichte periphere Eosinophilie, und gut 70 % der Patienten haben erhöhte Werte für
Eine allergologische Abklärung mittels Hauttestung auf
das Gesamt-IgE [5]. Die Bestimmung der Th2-assoziier-
spezifische perorale oder inhalative Allergene kann
ten Zytokine IL-4, IL-5 und IL-13 hat in der klinischen
hilfreich sein, können doch bei über 70 % der EoE-Pa-
Routine zurzeit keine Bedeutung. Dies gilt auch für die
tienten Sensibilisierungen nachgewiesen werden.
Messung von eosinophil-spezifischen Granulaprotei-
Während bei Kindern Nahrungsmittelallergien im Vor-
nen wie z. B. EDN (eosinophil derived neurotoxin), MBP
dergrund stehen, sind adoleszente und erwachsene
(major basic protein) und ECP (eosinophil cationic pro-
Patienten mehrheitlich mit Atemwegsallergien belas-
tein). Der Chemoattraktant Eotaxin-3 zeigt zwar bei
tet. Eine Hauttestung auf Nahrungsmittelallergene
EoE-Patienten deutlich erhöhte Werte, dies ist aber
dürfte deshalb vor allem bei Kindern wegen der thera-
eine Information, die gegenwärtig noch keine thera-
peutischen Konsequenz einer Eliminationsdiät sinnvoll
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
philen Mikroabszessen entsprechen (Abb. 2) und die
Diagnosestellung somit erleichtern (Tab. 3). Findet der
Eosinophile Ösophagitis
sein. Am häufigsten werden Sensibilisierungen auf
Methoden vorerst im Rahmen von Studien besser eva-
Nüsse, Eier, Soja, Bohnen, Kuhmilch, Weizen, Roggen
luiert werden, bevor sie zum Einsatz in der klinischen
oder Schweinefleisch gefunden [4].
Routine empfohlen werden können.
Eine Hauttestung auf Nahrungsmittelallergene ist
bei Kindern im Hinblick auf eine mögliche Elimina-
Therapie
tionsdiät sinnvoll.
Grundlagen und Ziele
Bildgebende Diagnostik
Es gibt drei Gründe, eine EoE zu therapieren:
█
Die bildgebende Diagnostik hat in der Primärdiagnose
Patienten praktisch uneingeschränkt ernähren,
der EoE nur einen kleinen Stellenwert, da die Methoden nicht ausreichend sensitiv sind. Beim Auftreten
Bei einer gut eingestellten EoE können sich die
was ihre Lebensqualität verbessert.
█
Patienten mit gut eingestellter EoE haben große
einer endoskopisch nicht passierbaren Stenose oder
Chancen, nie eine der unvorhersehbaren, lang dau-
Striktur kann allenfalls eine Bariumschluckpassage
ernden und nicht ungefährlichen Bolusimpaktierun-
durchgeführt werden; bei Perforationsverdacht ist eine
thorakale Computertomografie hilfreich.
gen zu erleiden [13].
█
Es gibt zunehmend Hinweise, dass mit einer erfolgreichen Behandlung der Entzündung auch die gefürchtete Fibrosierung des Ösophagus verhindert
Funktionelle Ösophagusunterschungen
werden kann [15, 18].
Die konventionelle 24-Stunden-pH-Metrie und die
Therapieziel. Das Therapieziel sollte „absolute“ Be-
Ösophagusmanometrie haben bei der EoE kein krank-
schwerdefreiheit sein, d. h. Nahrungsaufnahme ohne
heitsspezifisches Muster gezeigt und sind somit weder
irgendwelche Einschränkungen wie Weglassen fasriger
zur weiteren Charakterisierung der EoE noch zu deren
oder trockener Speisen und ohne irgendwelche Aus-
Abgrenzung gegenüber der Refluxkrankheit hilfreich.
weichmanöver wie sorgfältiges und langes Kauen oder
Die kombinierte pH-Metrie/Impedanz-Messung hinge-
ausgiebiges Trinken. Dieses Ziel lässt sich bei der Mehr-
gen kann die EoE recht zuverlässig gegenüber der Re-
zahl der Patienten erreichen.
fluxkrankheit abgrenzen. Am erfolgversprechendsten
ist aber die Compliance-Messung des Ösophagus mit
Therapeutische Optionen. Zur Verfügung stehen topi-
Barostat oder mit Endoflip, dürfte doch der Elastizi-
sche und systemische Kortikosteroide, konventionelle
tätsverlust des Organs eine fast pathognomonische
Immunsuppressiva, Biologika, Leukotrien-Antagonis-
Veränderung der EoE sein. Dennoch müssen alle diese
ten, CRTH2-Antagonisten, hypoallergene Diäten und
Dilatation (Tab. 4).
Tabelle 4
Das Therapieziel bei der Behandlung der EoE sollte
Therapeutische Optionen zur Behandlung der eosinophilen
Ösophagitis.
Medikamentös
█
topische Steroide (Budesonid, Fluticason)
█ systemische Steroide (Prednison)
█ Biologika (monoklonale Antikörper gegen IL-5, IL-13 und IgE)
█ Immunsuppressiva (Azathioprin, 6-Mercaptopurin)
█
Antiallergika (Leukotrien-Antagonisten/CRTH2-Blocker)
Diätetische Maßnahmen
█ Eliminationsdiäten (individuell, allergenspezifisch)
█ „6-Food-Eliminationsdiät“ (Kuhmilch, Soja, Weizen, Nüsse, Eier, Meeresfrüchte)
█
Elementardiät
die Nahrungsaufnahme ohne Einschränkungen,
d. h. die „absolute“ Beschwerdefreiheit sein.
Protonenpumpeninhibitoren (PPI)
Eine PPI-Therapie ist zur Behandlung der EoE üblicherweise unwirksam. Zur Differenzierung zwischen GERD
und EoE kann jedoch eine der diagnostischen Endoskopie vorgeschaltete hoch dosierte PPI-Therapie
(mindestens zweiwöchige Behandlung mit doppelter
Dosis der Standardtherapie) hilfreich sein. Des Weiteren gibt es aufgrund der komplexen Beziehung zwi-
Endoskopisch
█ Dilatation von Strikturen
Gastroenterologie up2date 7
schen Säurereflux und EoE zwei Gruppen von Patienten, die von einer PPI-Behandlung profitieren (Tab. 5):
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
24
Ösophagus/Magen/Duodenum
█
Erstens sind das Patienten mit koexistierender
Refluxkrankheit [19, 20].
█
Zweitens spricht eine Untergruppe von Patienten mit
typischer EoE trotz ausgeschlossenen Refluxes auf
eine PPI-Therapie an [21].
Die Ursache dieses Phänomens ist noch nicht restlos
geklärt, jedoch gibt es Hinweise, dass PPI unabhängig
25
Tabelle 5
Hypothetische Beziehung zwischen gastroösophagealem Reflux
(GERD) und eosinophiler Ösophagitis (EoE) (Quelle: [40]).
GERD
refluxinduzierte ösophageale Eosinophilie
EoE
entzündungsbedingte Dysfunktion des unteren Ösophagussphinkters mit sekundärem Reflux
EoE + GERD
unabhängige Koexistenz von EoE und GERD
EoE
unklares primäres Ansprechen von EoE auf PPI
von ihrer säuresupprimierenden Wirkung die epitheliale Sekretion von Eotaxin-3 hemmen und damit eine
direkte antieosinophile Wirkung entfalten.
sprechen aus noch nicht völlig geklärter Ursache
auf aerogene Allergene vorliegen [26]. Präliminäre
auf eine Therapie mit PPI an; bei den meisten
Versuche mit individuellen Eliminationsdiäten haben
EoE-Patienten sind PPI jedoch unwirksam.
dementsprechend auch keine überzeugenden Resultate gezeigt [27]. Eine Ausnahme bildet die rigide 6-FoodEliminationsdiät, die in einer Studie eine ordentliche
Eliminations- und Elementardiäten
Wirkung gezeigt hat. Elementardiäten sind bei Erwachsenen aufgrund massiv eingreifender Verände-
Kinder. Kinder mit EoE leiden häufig unter Nahrungs-
rung der Ernährung nicht anwendbar und dement-
mittelallergien [22, 23]. Obwohl die Ergebnisse der pä-
sprechend auch nicht ausgetestet.
diatrischen Diätstudien nicht einheitlich sind, führen
individuelle Eliminationsdiäten, d. h. eine auf Allergietests basierende Ausschlussernährung, recht zuverläs-
Topische und systemische Kortikosteroide
sig zu einer Abnahme von Beschwerden und zu einer
Reduktion der Dichte der eosinophilen Entzündung
Topische und systemische Kortikosteroide sind sowohl
[23]. Demgegenüber kann die wesentlich eingreifen-
bei Kindern als auch bei Erwachsenen sehr wirksam in
dere Elementardiät, d. h. eine per Magensonde verab-
der Behandlung der EoE. Sie vermögen sowohl die
reichte, vollkommen proteinfreie und damit praktisch
Schluckbeschwerden als auch die eosinophile Entzün-
allergenfreie Nahrung, eine zuverlässigere Wirkung
dung zuverlässig zu behandeln. Ihre Wirkung ist bis
garantieren [24]. Bei der rigiden „6-Food-Eliminations-
jetzt in fünf prospektiven, kontrollierten Studien belegt
diät“ werden unabhängig vom Sensibilisierungsmuster
worden (Abb. 3) [18, 19, 28 – 30].
eines Patienten die 6 kritischen Nahrungsmittelgruppen Kuhmilch, Soja, Eier, Weizen, Nüsse und Meeres-
Topische Kortikosteroide. Die Wirksamkeit systemi-
früchte weggelassen. Eine konsequente 6-wöchige Diät
scher Kortikosteroide ist derjenigen der topischen For-
vermag Beschwerden und Entzündung ebenfalls weit-
men nicht überlegen, jedoch sind systemische Steroide
gehend in Remission zu bringen [25].
bekanntlich mit erheblichen Nebenwirkungen belastet
[30]. Mit Ausnahme der lokalen Candidiasis, die meist
Zusammenfassend können bei Kindern sowohl Ele-
auf lokale Maßnahmen anspricht, haben die topischen
mentardiät, individuelle Eliminationsdiäten als
Steroide ein günstiges Nebenwirkungsprofil und sind
auch die rigide 6-Food-Eliminationsdiät zur Be-
daher zurzeit bei adoleszenten und erwachsenen Pa-
handlung der EoE eingesetzt werden.
tienten als Therapie der ersten Wahl anzusehen. In
einer Langzeitstudie konnte nach einjähriger Dauer-
Nachteile all dieser Diätformen sind ihr großer Ein-
therapie auch keine mukosale Atrophie nachgewiesen
schnitt in den persönlichen Alltag sowie die Tatsache,
werden, eine Nebenwirkung, die aufgrund der nahen
dass bei Wiedereinführen der Speisen die EoE meistens
Verwandtschaft von ösophagealem und kutanem Epi-
rezidiviert. Zudem muss auf ernährungsbedingte Man-
thel theoretisch erwartet werden musste. Mit Flutica-
gelerscheinungen geachtet werden.
son und Budesonid stehen zwei inhalative Substanzen
mit vergleichbarer Wirkung zur Verfügung. Kritisch
Jugendliche und Erwachsene. Bei adoleszenten und
hingegen ist die galenische Form, sollte doch die Wirk-
erwachsenen EoE-Patienten sind die Verhältnisse hin-
substanz im Ösophagus möglichst lange haften bleiben.
gegen komplexer, da hauptsächlich Sensibilisierungen
Pulver, Schmelztablette und visköses Gel stehen zurzeit
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
Einige Patienten mit typischer EoE ohne Reflux
Eosinophile Ösophagitis
pädiatrisch
erwachsen
Granulozyten im Gewebe und im peripheren Blut bewirkt, jedoch persistierten sowohl die Beschwerden als
auch alle nicht eosinophil assoziierten Entzündungs-
100
vor Tx
marker [32, 33]. Eine Pilotstudie mit dem TNFα-Blocker
nach Tx
Infliximab zeigte ernüchternde Resultate, obwohl bei
80
der aktiven EoE das ösophageale Plattenepithel massiv
TNFα exprimiert [34]. Studien mit monoklonalen Anti-
Eosinophile/HPF (400x)
körpern gegen IgE und gegen IL-13 werden gegenwär-
60
tig durchgeführt, jedoch ist es noch zu früh, diesbezüglich bereits Empfehlungen abzugeben.
40
Azathioprin und 6-Mercaptopurin. Zu den etablierten
Immunsuppressiva Azathioprin und 6-Mercaptopurin
20
gibt es lediglich einen vielversprechenden Fallbericht
[35], jedoch ist deren Wirkung noch durch keine kontrollierten Studien bestätigt worden.
0
Tx
Konikoff
Schaefer
Fluticason
12 Wochen
Fluticason
4 Wochen
Aceves
Budesonid
12 Wochen
Peterson
Straumann
Fluticason
8 Wochen
Budesonid
2 Wochen
Zusammenfassend sollten schwere und therapierefraktäre EoE nur an spezialisierten Zentren im
Rahmen von Studienprotokollen behandelt wer-
Abb. 3 Wirksamkeit der topischen Steroide bei der Behandlung der eosinophilen Ösophagitis. Unter Therapie (Tx) mit den topischen Steroidpräparaten Fluticason oder Budesonid
zeigt sich in Studien bei pädiatrischen und erwachsenen Patienten ein deutlicher Rückgang
der Eosinophilen im Gewebe (HPF: High Power Field).
den, um möglichst bald besser fundierte Therapieempfehlungen erarbeiten zu können.
Antiallergika
in klinischer Erprobung, da noch viele grundlegende
Fragen ungelöst sind, so z. B. die erforderliche Dauer
Leukotrien-Antagonisten haben in einer offenen Studie
einer Erhaltungstherapie sowie die minimale Dosie-
eine Wirkung auf die Schluckbeschwerden gezeigt, je-
rung, die zur Erhaltung einer Remission nötig ist.
doch persistierte die eosinophile Entzündung und zudem wurden in den erforderlichen hohen Dosierungen
Systemische Kortikosteroide. Falls die Beschwerden
erhebliche Nebenwirkungen registriert [36]. CRTH2-
und die Entzündung trotz korrekter Applikation topi-
Blocker, eine neue Generation von Antiallergika, die
scher Kortikosteroide refraktär bleiben, sollte primär
einen gemeinsamen Oberflächenrezeptor bei in Th2-
ein Behandlungsversuch mit systemischen Kortikoste-
immunvermittelte Entzündungen involvierten Zellen
roiden durchgeführt werden, wobei die Behandlungs-
blockieren, werden momentan in klinischen Studien
dauer wegen der bekannten Nebenwirkungen auf we-
erprobt. Erste Resultate sind in 1 – 2 Jahren zu erwar-
nige Wochen beschränkt sein sollte [31]. Eine zeitlich
ten.
limitierte Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden sollte auch bei schweren Formen mit reduziertem
Allgemeinzustand der Patienten erwogen werden.
Dilatationsbehandlung
Topische Kortikosteroide sind die Therapie der
Die endoskopischen Verfahren sollten Patienten mit
ersten Wahl zur medikamentösen Behandlung
Stenosen und Strikturen vorbehalten bleiben, die nicht
der EoE.
oder nur ungenügend auf eine zuvor durchgeführte
medikamentöse Therapie angesprochen haben [37].
Obwohl Dilatationen durchschnittlich mehr als ein Jahr
Biologika und Immunsuppressiva
lang die Beschwerden unter Kontrolle halten, beeinflussen sie den Verlauf der den Stenosen zugrunde lie-
Monoklonale Antikörper. Bei steroidabhängigem oder
genden Entzündung nicht [37]. Zudem sind bei der EoE
steroidrefraktärem Krankheitsverlauf gibt es zurzeit
Dilatationen jeglicher Art mit einem erhöhten Perfora-
nur wenig Alternativen. So hat z. B. die Behandlung mit
tionsrisiko behaftet, und nach dem Eingriff leiden die
Mepolizumab, einem monoklonalen Antikörper gegen
Patienten während einiger Tage praktisch obligat noch
IL-5, eine eindrückliche Reduktion der eosinophilen
unter Schmerzen [38]. Das erhöhte Perforationsrisiko
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
26
Ösophagus/Magen/Duodenum
27
Kernaussagen
█
Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist
Patienten gut anspricht.
Bei steroidrefraktärem oder steroidabhängigem Verlauf sind Immunsup-
vermittelte Erkrankung der Speiseröh-
finden sich unspezifische Veränderungen wie rötliche Längsfurchen, weiß-
re, die eine markant zunehmende Prä-
liche Auflagerungen, Ringe und Steno-
pressiva und Biologika als mögliche,
valenz aufweist.
Sie zeigt mit einem Verhältnis von 3 : 1
sen.
jedoch für diese Indikation noch wenig
erforschte Alternativen in spezialisier-
eine deutliche Prädilektion für das
Die Diagnose der EoE beruht einerseits
auf der charakteristischen Anamnese,
männliche Geschlecht. Etwa 50 – 70 %
andererseits auf der Histologie mit dem
der meist jüngeren Patienten sind mit
Nachweis einer dichten eosinophilen
handelten EoE ist das sog. Remodeling
einer atopischen Diathese belastet.
Infiltration der Ösophagusschleimhaut.
des Ösophagus, das mit Fibrosierung
Differenzialdiagnostisch muss hauptsächlich eine gastroösophageale Re-
und Ausbildung von schweren Striktu-
„Dysphagie für geformte Speisen“,
fluxkrankheit in Betracht gezogen wer-
wird vorwiegend mit Dilatation behan-
„Bolusimpaktierungen“ und „therapie-
den.
delt. Durch eine frühzeitige und konsequente antiinflammatorische Therapie
eine chronisch entzündliche, immun-
█
eingesetzt, auf welche die Mehrheit der
Diagnostik
In der endoskopischen Untersuchung
█
Klinik
Eine Anamnese mit den Leitsymptomen
█
█
█
refraktäre Retrosternalschmerzen“
ist vor allem bei jüngeren Patienten
sehr verdächtig auf das Vorliegen einer
EoE.
█
█
ten Zentren einzusetzen.
Eine gefürchtete Spätfolge der unbe-
ren einhergeht. Diese Komplikation
Therapie
In der medikamentösen Behandlung
kann sie recht zuverlässig vermieden
█
werden vorwiegend topische und bei
werden.
Bedarf systemische Kortikosteroide
ist auch im Falle einer lang dauernden Bolusimpaktie-
Einer Fibrosierung der Speiseröhre, dem sog. Re-
rung zu beachten. Die Entfernung festgeklemmter Par-
modeling, sollte unbedingt durch frühzeitige anti-
tikel muss unbedingt fiberendoskopisch durchgeführt
inflammatorische Therapie vorgebeugt werden.
werden, da bei der starren Ösophagoskopie bei der EoE
ein Perforationsrisiko von etwa 20 % beobachtet wird
[13].
Ausblick
Endoskopische Verfahren sollten Patienten mit
Die EoE ist eine junge und noch wenig bekannte chro-
therapierefraktären Stenosen oder Strikturen vor-
nisch verlaufende Entzündung des Ösophagus mit –
behalten bleiben.
soweit heute beurteilbar – guter Prognose. Ohne Therapie beobachtet man in den meisten Fällen eine Per-
Langzeitverlauf und Prognose
sistenz von Schluckbeschwerden und Entzündungsreaktion, die möglicherweise zu Spätfolgen, dem sog. Remodeling führen. Gastroenterologen, aber auch in der
Aufgrund einer Langzeitbeobachtungsstudie wissen
Grundversorgung tätige Ärzte werden in den nächsten
wir, dass es sich bei der EoE um eine chronische Ent-
Jahren zunehmend mit dieser an Häufigkeit zuneh-
zündung mit Persistenz von Beschwerden und Entzün-
menden Krankheit konfrontiert sein. Um die Betreuung
dung über Jahre handelt [9]. Hauptsorge ist dabei die
der EoE-Patienten adäquat zu gewährleisten, müssen
der eosinophilen Entzündung eigene Neigung zur Fi-
viele offene Fragen zu Epidemiologie, Krankheitsver-
brosierung mit Ausbildung von Wandverdickung,
lauf und Therapie möglichst mittels multizentrisch
Wandstarre und Stenosen des Ösophagus [15, 39]. Ob
durchgeführter Studien noch beantwortet werden.
alle Patienten oder nur gewisse Risikogruppen der Gefahr strikturierender Verläufe ausgesetzt sind, ist aber
noch völlig unklar. Eine maligne Schleimhauttransformation wurde bis jetzt nicht beobachtet, jedoch ist die
Langzeiterfahrung diesbezüglich noch sehr begrenzt,
sodass zurzeit zu Aufmerksamkeit gemahnt werden
muss.
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
Epidemiologie
Eosinophile Ösophagitis
Über die Autoren
Petr Hruz
Literatur
1 Attwood SE, Smyrk TC, Demeester TR et al. Esophageal
eosinophilia with dysphagia. A distinct clinicopathologic
Jahrgang 1973, Dr. med., Dr. phil.
Studium der Humanmedizin an der
Universität Basel, 1998 und 2006 Promotion in Basel, 2006 Facharzt für
syndrome. Dig Dis Sci 1993; 38: 109 – 116
2 Straumann A, Spichtin HP, Bernoulli R et al. [Idiopathic eosinophilic esophagitis: a frequently overlooked disease with
typical clinical aspects and discrete endoscopic findings].
Schweiz Med Wochenschr 1994; 124: 1419 – 1429
Innere Medizin. 2007 – 2009 Post-
3 Vitellas KM, Bennett WF, Bova JG et al. Idiopathic eosinophilic
doctoral Fellow an der University of
California San Diego, Kalifornien, mit
4 Furuta GT, Liacouras CA, Collins MH et al. Eosinophilic esoph-
esophagitis. Radiology 1993; 186: 789 – 793
Forschungsschwerpunkt der chro-
agitis in children and adults: a systematic review and consen-
nisch entzündlichen Darmerkrankun-
sus recommendations for diagnosis and treatment. Gastro-
gen. In Ausbildung zum Facharzt für Gastroenterologie
und Hepatologie.
enterology 2007; 133: 1342 – 1363
5 Arora AS, Yamazaki K. Eosinophilic esophagitis: asthma of the
esophagus? Clin Gastroenterol Hepatol 2004; 2: 523 – 530
6 Rothenberg ME, Mishra A, Collins MH et al. Pathogenesis and
clinical features of eosinophilic esophagitis. J Allergy Clin Im-
Alex Straumann
munol 2001; 108: 891 – 894
7 Kapel RC, Miller JK, Torres C et al. Eosinophilic esophagitis:
Prof. Dr. med., Facharzt für Gastroenterologie und Leiter der „Swiss EoE
Research Group“, einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, engagiert in klinischer und in Grundlagenforschung
auf dem Gebiet der eosinophilen
Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Tätigkeit in einer Schwerpunktpraxis für eosinophile Erkrankungen
des Gastrointestinaltraktes in Olten und Professor am
Department für Gastroenterologie der Universitätsklinik
a prevalent disease in the United States that affects all age
groups. Gastroenterology 2008; 134: 1316 – 1321
8 Croese J, Fairley SK, Masson JW et al. Clinical and endoscopic
features of eosinophilic esophagitis in adults. Gastrointest
Endosc 2003; 58: 516 – 522
9 Straumann A, Spichtin HP, Grize L et al. Natural history of primary eosinophilic esophagitis: a follow-up of 30 adult patients
for up to 11.5 years. Gastroenterology 2003; 125: 1660 – 1669
10 Kato M, Kephart GM, Talley NJ et al. Eosinophil infiltration and
degranulation in normal human tissue. Anat Rec 1998; 252:
418 – 425
11 Gupta SK, Fitzgerald JF, Kondratyuk T et al. Cytokine expres-
Basel. Mitglied in mehreren internationalen Vereinigun-
sion in normal and inflamed esophageal mucosa: a study into
gen und Arbeitgemeinschaften mit Schwerpunkt „Eosi-
the pathogenesis of allergic eosinophilic esophagitis. J Pediatr
Gastroenterol Nutr 2006; 42: 22 – 26
nophile Enteropathien“.
Alex Straumann gehört zusammen mit Prof. Stephen Attwood zu den Erstbeschreibern der EoE. Unabhängig voneinander haben die beiden in den Jahren 1993 / 94 das
Krankheitsbild erstmals umfassend beschrieben. Alex
Straumann hat seither mehrere Grundlagenarbeiten über
eosinophile Entzündungen, aber auch viele klinische Studien über Spontanverlauf und Therapien der EoE publiziert.
12 Straumann A, Bauer M, Fischer B et al. Idiopathic eosinophilic
esophagitis is associated with a T(H)2-type allergic inflammatory response. J Allergy Clin Immunol 2001; 108: 954 – 961
13 Straumann A, Bussmann C, Zuber M et al. Eosinophilic esophagitis: analysis of food impaction and perforation in 251
adolescent and adult patients. Clin Gastroenterol Hepatol
2008; 6: 598 – 600
14 Gonsalves N, Policarpio-Nicolas M, Zhang Q et al. Histopathologic variability and endoscopic correlates in adults with eosinophilic esophagitis. Gastrointest Endosc 2006; 64: 313 – 319
15 Aceves SS, Newbury RO, Dohil R et al. Esophageal remodeling
Korrespondenzadresse
in pediatric eosinophilic esophagitis. J Allergy Clin Immunol
Dr. med. Petr Hruz
Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
Universitätsspital Basel
2007; 119: 206 – 212
16 Bhattacharya B, Carlsten J, Sabo E et al. Increased expression
of eotaxin-3 distinguishes between eosinophilic esophagitis
Petersgraben 4
and gastroesophageal reflux disease. Hum Pathol 2007; 38:
CH-4031 Basel
1744 – 1753
E-Mail: [email protected]
17 Blanchard C, Wang N, Stringer KF et al. Eotaxin-3 and a uniquely conserved gene-expression profile in eosinophilic esophagitis. J Clin Invest 2006; 116: 536 – 547
18 Straumann A, Conus S, Degen L et al. Budesonide is effective
in adolescent and adult patients with active eosinophilic esophagitis. Gastroenterology 2010; 139: 1526 – 1537, 1537.e1
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
28
Ösophagus/Magen/Duodenum
30 Schaefer ET, Fitzgerald JF, Molleston JP et al. Comparison of
meprazole to aerosolized, swallowed fluticasone for eosino-
oral prednisone and topical fluticasone in the treatment of
philic esophagitis. Dig Dis Sci 2010; 55: 1313 – 1319
eosinophilic esophagitis: a randomized trial in children. Clin
20 Remedios M, Campbell C, Jones DM et al. Eosinophilic esophagitis in adults: clinical, endoscopic, histologic findings, and
response to treatment with fluticasone propionate. Gastrointest Endosc 2006; 63: 3 – 12
21 Ngo P, Furuta GT, Antonioli DA et al. Eosinophils in the esophagus – peptic or allergic eosinophilic esophagitis? Case series
of three patients with esophageal eosinophilia. Am J Gastroenterol 2006; 101: 1666 – 1670
22 Spergel JM, Beausoleil JL, Mascarenhas M et al. The use of skin
prick tests and patch tests to identify causative foods in eosinophilic esophagitis. J Allergy Clin Immunol 2002; 109: 363 –
368
23 Teitelbaum JE, Fox VL, Twarog FJ et al. Eosinophilic esophagitis
in children: immunopathological analysis and response to
fluticasone propionate. Gastroenterology 2002; 122: 1216 –
1225
24 Markowitz JE, Spergel JM, Ruchelli E et al. Elemental diet is an
effective treatment for eosinophilic esophagitis in children
Gastroenterol Hepatol 2008; 6: 165 – 173
31 Liacouras CA, Spergel JM, Ruchelli E et al. Eosinophilic esophagitis: a 10-year experience in 381 children. Clin Gastroenterol Hepatol 2005; 3: 1198 – 1206
32 Stein ML, Collins MH, Villanueva JM et al. Anti-IL-5 (mepolizumab) therapy for eosinophilic esophagitis. J Allergy Clin Immunol 2006; 118: 1312 – 1319
33 Straumann A, Conus S, Grzonka P et al. Anti-interleukin-5
antibody treatment (mepolizumab) in active eosinophilic
oesophagitis: a randomised, placebo-controlled, double-blind
trial. Gut 2010; 59: 21 – 30
34 Straumann A, Bussmann C, Conus S et al. Anti-TNF-alpha
(infliximab) therapy for severe adult eosinophilic esophagitis.
J Allergy Clin Immunol 2008; 122: 425 – 427
35 Netzer P, Gschossmann JM, Straumann A et al. Corticosteroiddependent eosinophilic oesophagitis: azathioprine and
6-mercaptopurine can induce and maintain long-term remission. Eur J Gastroenterol Hepatol 2007; 19: 865 – 869
and adolescents. Am J Gastroenterol 2003; 98: 777 – 782
36 Attwood SE, Lewis CJ, Bronder CS et al. Eosinophilic oesopha-
25 Kagalwalla AF, Sentongo TA, Ritz S et al. Effect of six-food eli-
gitis: a novel treatment using Montelukast. Gut 2003; 52:
mination diet on clinical and histologic outcomes in eosinophilic esophagitis. Clin Gastroenterol Hepatol 2006; 4: 1097 –
1102
26 Simon D, Marti H, Heer P et al. Eosinophilic esophagitis is frequently associated with IgE-mediated allergic airway diseases.
J Allergy Clin Immunol 2005; 115: 1090 – 1092
27 Simon D, Straumann A, Wenk A et al. Eosinophilic esophagitis
in adults – no clinical relevance of wheat and rye sensitizations. Allergy 2006; 61: 1480 – 1483
28 Aceves SS, Bastian JF, Newbury RO et al. Oral viscous budesonide: a potential new therapy for eosinophilic esophagitis in
children. Am J Gastroenterol 2007; 102: 2271 – 2279; quiz
2280
29 Konikoff MR, Noel RJ, Blanchard C et al. A randomized, doubleblind, placebo-controlled trial of fluticasone propionate for
181 – 185
37 Schoepfer AM, Gonsalves N, Bussmann C et al. Esophageal
dilation in eosinophilic esophagitis: effectiveness, safety, and
impact on the underlying inflammation. Am J Gastroenterol
2010; 105: 1062 – 1070
38 Schoepfer AM, Gschossmann J, Scheurer U et al. Esophageal
strictures in adult eosinophilic esophagitis: dilation is an
effective and safe alternative after failure of topical corticosteroids. Endoscopy 2008; 40: 161 – 164
39 Mishra A, Wang M, Pemmaraju VR et al. Esophageal remodeling develops as a consequence of tissue specific IL-5-induced
eosinophilia. Gastroenterology 2008; 134: 204 – 214
40 Straumann A, Hruz P. What’s new in the diagnosis and therapy
of eosinophilic esophagitis? Curr Opin Gastroenterol 2009;
25: 366 – 371
pediatric eosinophilic esophagitis. Gastroenterology 2006;
131: 1381 – 1391
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
19 Peterson KA, Thomas KL, Hilden K et al. Comparison of eso-
29
Eosinophile Ösophagitis
CME-Fragen
1
Welche Aussage zur Pathophysiologie der eosinophilen Ösophagitis ist falsch?
A Eosinophile Granulozyten kommen bei Gesunden in der Speiseröhre nicht vor.
B Interleukin-5 ist ein zentraler Faktor in der Differenzierungskaskade von eosinophilen Granulozyten.
C Bei der EoE werden vor allem Mediatoren einer sog. Th2-Typ-Reaktion gefunden.
D Bei der EoE handelt es sich wahrscheinlich um eine durch exogene Allergene getriggerte Immunantwort.
E Der Entzündungsmediator TNFα spielt in der Pathogenese der EoE keine Rolle.
2
Welche Aussage zur Therapie der eosinophilen Ösophagitis ist richtig?
A Eine systemische Therapie der EoE mit Steroiden ist der topischen Behandlung deutlich überlegen.
B Die systemische Steroidtherapie ist wegen der geringen Rate an Nebenwirkungen der topischen Therapie vorzuziehen.
C Zur Behandlung der EoE werden üblicherweise topische Steroide geschluckt.
D Die Ansprechrate bei der topischen Behandlung beträgt weniger als 50 %.
E Immunmodulierende Medikamente sind etablierte Alternativen in der Behandlung der EoE.
3
Welche Aussage zu den Spätkomplikationen der eosinophilen Ösophagitis ist richtig?
A Eine Striktur oder Stenose im Ösophagus als Folge der EoE sollte primär immer mit Dilatation behandelt werden.
B Eine Striktur bei der EoE wird mit einmaliger Dilatation praktisch immer erfolgreich behandelt.
C Dilatation von Strikturen ist effektiv und ohne Risiko für den Patienten.
D Spätkomplikationen bei der EoE sind Folge von entzündungsbedingten Umbauprozessen in der Ösophaguswand.
E Bei der Dilatation von Strikturen in Folge der EoE besteht ein geringes Perforationsrisiko.
4
Welches endoskopische Zeichen wird nicht typischerweise bei einer eosinophilen Ösophagitis beobachtet?
A rötliche Längsfurchungen
B Krepppapier-Mukosa
C weißliche stecknadelkopfartige Auflagerungen
D Hiatushernie
E tracheaartig geringter, sog. Katzenösophagus
5
Welches der genannten ist kein typisches Symptom einer eosinophilen Ösophagitis?
A Speiseregurgitation
B Dysphagie
C Blähungen
D Bolusobstruktion
E unspezifisches retrosternales Brennen
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
30
Ösophagus/Magen/Duodenum
CME-Fragen
6
31
Eosinophile Ösophagitis
Welche Aussage zur Epidemiologie der eosinophilen Ösophagitis ist richtig?
A Inzidenz und Prävalenz der Erkrankung sind in den letzten Jahren stabil.
B Frauen sind öfter betroffen als Männer.
C Die meisten Patienten haben eine Anamnese für eine atopische Diathese.
D Eine eosinophile Ösophagitis wird vorwiegend bei älteren Patienten diagnostiziert.
E Die eosinophile Ösophagitis wird vor allem in Schwellenländern diagnostiziert.
7
Welches Vorgehen im Rahmen der Biopsieentnahme ist bei Verdacht auf eine eosinophile Ösophagitis richtig?
A Entnahme von je einer Biopsie pro Quadrant im distalen Drittel des Ösophagus, alle 2 cm, beginnend am gastroösophagealen
Heruntergeladen von: Universität Basel. Urheberrechtlich geschützt.
Übergang
B Entnahme der die Diagnose sichernden Biopsie am gastroösophagealen Übergang
C Entnahme je einer Biopsie pro Quadrant im proximalen und distalen Drittel des Ösophagus
D Entnahme von je einer Biopsie pro Quadrant im proximalen Drittel des Ösophagus
E Entnahme von je einer Biopsie pro Quadrant im distalen Drittel des Ösophagus
8
Wann kann die Diagnose einer eosinophilen Ösophagitis gestellt werden?
A bei histologischem Nachweis von ≥ 15 Eosinophilen/HPF
B bei Auftreten von Dysphagie oder Bolusobstruktion
C bei Ausschluss einer gastroösophagealen Refluxkrankheit
D bei erhöhtem totalem Serum-Ig-E
E bei Vorliegen der Kombination von A – C
9
Welche Laboranalyse sollte möglichst routinemäßig bei EoE-Patienten durchgeführt werden?
A Interleukin-4
B Eotaxin-2
C Interleukin-13
D periphere Eosinophile
E Mastzellen
10
Welche Aussage zur diätetischen Behandlung einer eosinophilen Ösophagitis ist richtig?
A Die Elementardiät zur Behandlung der EoE wird vor allem bei Erwachsenen angewendet.
B Die individuelle Eliminationsdiät hat einen Stellenwert in der Behandlung von Kindern mit EoE.
C Bei der Eliminationsdiät und Elementardiät sind sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern mit EoE gleichwertige Resultate zu
erwarten.
D Die Eliminationsdiät ist erfolgreicher als die Elementardiät bei der Behandlung von Kindern mit EoE, weil das spezifische Antigen
eliminiert wird.
E Keine der Aussagen ist richtig.
Gastroenterologie up2date 7
ê 2011
Herunterladen