Allgemeine Didaktik

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Allgemeine Didaktik
21. März 2016 Basel
Fachbezug der Module 3 & 4
Allgemeine Didaktik
(Theorie und Praxis
des Lernens und
Lehrens)
Methodik
Lernpsychologie
21.03.2016
Basel
Ruedi Stüssi
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Allgemeine Didaktik
Sie ist eine Disziplin der Pädagogik, die ihrerseits historisch aus der
Philosophie gewachsen ist.
Pädagogen (Philosophen), die im deutschsprachigen Raum grossen
Einfluss hatten:
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Comenius
Rousseau
Pestalozzi
Herbart
Dewey
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Johann Amos Comenius
(1592 – 1670)
Philosoph, Theologe und Pädagoge
« Didactica magna »
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Didactica magna (1632)
Didaktik ist „die vollständige Kunst, alle Menschen alles zu lehren“ und
die „sichere und vorzügliche Art und Weise, in allen Gemeinden, Städten
und Dörfern eines jeden christlichen Landes Schulen zu errichten, in
denen die gesamte Jugend beiderlei Geschlechts ohne jede Ausnahme
rasch, angenehm und gründlich
• in den Wissenschaften gebildet,
• zu guten Sitten geführt,
• mit Frömmigkeit erfüllt
• und auf diese Weise in den Jugendjahren zu allem, was für dieses und
das künftige Leben nötig ist, angeleitet werden kann“
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Grundsätze zu leichtem Lehren und
Lernen
Indem wir dem von der Natur vorgezeichneten Wege folgen, finden wir, daß die
Jugend leicht zu erziehen ist, wenn
i.
ii.
iii.
iv.
v.
vi.
vii.
Frühzeitig, bevor der Verstand verdorben ist, damit begonnen wird,
die nötige Vorbereitung des Geistes vorangeht,
der Unterricht vom Allgemeinen zum Besonderen und
vom Leichten zum Schweren fortschreitet;
wenn niemand durch die Menge des zu Lernenden überladen wird, und man
stets langsam vorgeht;
wenn man dem Geiste nichts aufzwingt, wonach er nicht aus freien Stücken –
der Altersstufe und dem Ausbildungsgang entsprechend – verlangt;
viii. wenn alles durch sinnliche Anschauung und
ix. zu gegenwärtigem Nutzen gelehrt wird;
x. wenn man immer bei derselben Methode bleibt.
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Jean-Jacques Rousseau
(1712 – 1778)
Philosophe, Schriftsteller und Komponist
« Emile oder über die Erziehung »
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Rousseaus päd. Prinzipien
1. Der Erzieher wird zum Freund, dessen der Zögling bedarf.
2. Die Leidenschaften werden ihrer Heftigkeit dadurch beraubt, dass man
sie Anlässen wie Sport, Jagd und Wandern aussetzt.
3. Neben der Selbstliebe ist Mitleid die zweite der ursprünglichen
Regungen; sie soll im Jugendlichen erweckt und gefördert werden.
4. Das Studium der Literatur und Geschichte sollen den Zögling in der
Rolle des Beobachters die Menschen sehen lernen lassen, wie sie sind.
5. Dem Zögling werden Begriffe, Ideen und eine Vorstellung vom Ganzen
gegeben, also Religion nahe gebracht.
6. Der Erzieher sucht die Gefährtin des Zöglings mit großem Bedacht
selbst aus. Er lässt ihn sich eine Vorstellung von ihr machen, und
dieses gedachte Ideal wird nun der Vergleich für jede wirkliche Frau.
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Johann Heinrich Pestalozzi
(1746 – 1827)
Philosoph, Sozialreformer und Politiker
« Wie Gertrud ihre Kinder lehrt »
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Pestalozzis Prinzipien
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Ähnlich wie bei Rousseau geht es Pestalozzi darum, bei den
Jugendlichen Kräfte zu entfalten, welche die Natur bereits angelegt hat.
Unterricht soll Kopf, Herz und Hand ansprechen.
Er vertraute darauf, dass Lerninhalte elementarisiert und im Unterricht
zu einer überdauernden Reihenfolge zusammengesetzt werden können.
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Johann Friedrich Herbart
(1776 - 1841)
Philosoph und Psychologe
« Allgemeine Pädagogik, aus dem Zweck der
Erziehung abgeleitet »
« Lehrbuch zur Psychologie »
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Herbarts Einfluss aufs Unterrichten
„Pädagogik als Wissenschaft hängt ab von der praktischen Philosophie und
Psychologie. Jene zeigt das Ziel der Bildung, diese den Weg, die Mittel und die
Hindernisse.“
Der Lernprozess als gestufte Abfolge (Formalstufen) nach Herbart:
Phase der Vertiefung
– Klarheit über das Vorwissen schaffen
– Assoziation = Aufnahme neuer Wissenselemente
Phase der Besinnung
– Einbau der neuen Wissenelemente in das System des vorhandenen Wissens
– Durch Einüben wird das neue Wissen als Methode anwendbar.
Herbarts Formalstufentheorie prägte die Methodik bis weit ins 20. Jahrhundert
hinein.
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John Dewey
(1859 – 1952)
Philosoph und Psychologe
« Democracy and Education: An
Introduction to the Philosophy of
Education »
« How We Think: A Restatement of the
Relation of Reflective Thinking to the
Educative Process »
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Deweys Position
Philosophische Prämissen:
• Er betonte den starken Zusammenhang zwischen Demokratie und
Erziehung.
• In einem demokratischen Gemeinwesen ist es zwingend, dass die
Individuen als freie, rational denkende Wesen agieren.
Pädagogische Grundhaltung:
• Lernen basiert primär auf Erfahrung.
• Learning by Doing.
• Grosses Augenmerk auf die Lernumgebung
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Allgemeine Didaktik
Allgemeine Didaktik
(Theorie und Praxis
des Lernens und
Lehrens)
Methodik
Lernpsychologie
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Methodik
Methodik
Werkstattunterricht
Projektunterricht
Planunterricht
Leittext
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Lernpsychologie
Lernpsychologie
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Um 1900: Introspektion
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Anfänge der experimentellen Psychologie mit Wilhelm Wundt und
Hermann Ebbinhaus
Vorwiegend durch Selbstbeobachtung (Introspektion)
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Um 1913: Behaviorismus
Klassische Konditionierung (Ivan Pavlov)
Ausgangssituation:
Grelles Licht (unkonditionierter Reiz) führt zu Schliessen der Augenlider
(unkonditionierte Reaktion)
Auslöser des Fotoapparats (neutraler Reiz) führt zu irgendwelcher
unspezifischer Reaktion (unbedingte Reaktion)
Lernprozess:
mehrmalige Paarung von grellem Licht (Blitz) + Auslöser der Fotokamera
(unkonditionierter Reiz + neutraler Reiz)
Lernergebnis
Auslöser der Fotokamera (konditionierter Reiz) führt zu Schliessen der
Augenlider (konditionierte Reaktion)
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Behaviorismus: operante
Konditionierung
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Die operante Konditionierung basiert auf
Forschungen, von Edward Lee Thorndike,
welche dieser schon vor 1900 mit Tieren
durchgeführt hatte.
Vereinfacht kann man sagen, dass Belohnung
als Folge eines erwünschten Verhaltens dazu
führt, dass dieses Verhalten öfter gezeigt und
immer effizienter ausgeführt wird.
Burrhus Frederic Skinner prägte um 1950 den
Begriff ‚operante Konditionierung‘, worunter
man sich ausgefeilte Verstärkungspläne
vorstellen kann, welche auch grossen Einfluss
auf das schulische Lernen hatten
(programmierte Lehrgänge).
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Um 1930: Gestaltpsychologie
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Wichtige Vertreter: Max Wertheimer, Wolfgang Köhler, Kurt Koffka und
Kurt Lewin.
Alle behavioristischen Lerntheorien betrachten lediglich den
Zusammenhang zwischen auslösenden Reizen und darauf folgenden
Reflexen. Was sich im Kopf abspielt interessiert dabei nicht. Er wird als
passive ‚black box betrachtet‘.
Die Gestaltpsychologen zeigten hingegen auf, dass der Mensch sehr
wohl einen Einfluss darauf hat, wie Informationen verarbeitet werden.
„Die Interaktion von Individuum und Situation im Sinne eines
dynamischen Feldes bestimmt Erleben und Verhalten und nicht allein
Triebe oder aussenliegende Kräfte oder feststehende
Persönlichkeitseigenschaften.“
Eine zentrale Aussage der Gestaltpsychologen: „Das Ganze ist mehr
als die Summe seiner Teile“
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Kippbilder
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Um 1960: kognitive Wende
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Die kognitive Wende stellte nicht
grundsätzlich frühere Lerntheorien in Frage.
Vielmehr wandte sich das
Forschungsinteresse auf die Frage, wie der
Mensch als informationsverarbeitendes
Wesen funktioniert.
Kognition umfasst Prozesse des
Wahrnehmens, Erkennens, Begreifens,
Urteilens und Schliessens.
Wichtige Vertreter: Jean Piaget, John R.
Anderson, Ulrich Neisser, Jerome Bruner
Enge Beziehungen bestanden zu Forschern
im Bereich der künstlichen Intelligenz wie:
Allen Newell, Herbert Simon und Marvin
Minsky, John R. Anderson und Noahm
Chomsky.
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Konnektionismus
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Konnektionistische Forschung beschäftigt
sich mit der Frage, wie sich Lernen auf der
neuronalen Ebene abspielt..
Entstanden sind daraus selbstlernende
Systeme, welche in der Technik Einzug
hielten (neuronale Netze).
Die Theorien haben bisher aber nur wenig zur
didaktischen Theoriebildung beigetragen,
weil der Fokus in der Regel auf sehr
rudimentären Lernvorgängen lag
(Mustererkennung).
Es gibt zwar neurodidaktische Ansätze,
deren Stellenwert aber noch unklar ist.
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Konstruktivismus
Ein paar Grundannahmen:
•
Wissenserwerb erfolgt konstruktiv in Abhängigkeit von
Vorwissen, Wahrnehmung, Handlungskontext und Affektlage. Er
kann nur gelenkt und nicht determiniert werden. Er erwächst aus
Problemlösesituationen.
•
Wissen ist im Idealfall vernetzt und daher produktiv, flexibel und
fachübergreifend transferfähig. Es ist bedeutungsstiftend,
sprachlich fassbar und rekonstruierbar. Es ist dynamisch ausaber auch abbaubar.
•
Wissen ist sozial ausgehandelt und situiert.
•
Wissensvermittler verstehen sich daher als Gestalter effektiver
Lernumgebungen und versuchen, die Lerner in bestimmte
Domänen der Expertenkultur einzuführen.
•
Kersten Reich:
Rekonstruieren (Entdecken von Welt),
Konstruieren (Erfinden von Welt) und
Dekonstruieren (Kritisieren von Welt).
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Kersten Reich
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Neurodidaktik
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Schüler müssen die Möglichkeit haben, konkrete Erfahrungen zu machen.
Wenn Lernprozesse in soziale Situationen eingebunden sind, sind sie effektiver.
Lernprozesse sind effektiver, wenn die Interessen und Ideen der Lernenden
berücksichtigt werden.
Lernen ist effektiver, wenn das vorhandene Vorwissen mobilisiert wird.
Werden positive Emotionen in das Lernen eingebunden, ist es effektiver.
Verstehen Schüler, wie die erlernten Details mit einem Ganzen zusammenhängen,
können sie sich die Details besser einprägen.
Mit der entsprechenden Lernumgebung wird das Lernen intensiver.
Lernen wird verbessert, wenn Zeit zum Reflektieren bleibt.
Es wird besser gelernt, wenn Schüler Informationen und Erfahrungen miteinander
verbinden können.
Lernprozesse sind effektiver, wenn auf individuelle Unterschiede der Lernenden
eingegangen wird.
Schüler lernen besser, wenn sie eine unterstützende, motivierende und
herausfordernde Umgebung haben.
Es wird effektiver gelernt, wenn Talente und individuelle Kompetenzen
berücksichtigt werden.
Manfred Spitzer
Herrmann, U. (Hrsg.) (2006). Neurodidaktik – Grundlagen und Vorschläge für gehirngerechtes Lehren und
Lernen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 215–228.
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Fazit
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Keine lernpsychologische Theorie eignet sich dafür, alle Lern- oder
Problemlösesituationen gleichermassen gut abzubilden.
Jede Theorierichtung dient aber als Basis, ganz bestimmte Formen des
Lernens zu erklären und didaktische Schlüsse zu ziehen.
Es liegt an der Lehrperson, die Erfordernisse zur Erreichung von
Informations- oder Leistungszielen zu analysieren, die
lernpsychologischen Erfordernisse einzuschätzen und die didaktischen
Folgerungen umzusetzen.
Implizit basiert jede lernpsychologische Theorie auf philosophischen
Grundannahmen über die Fähigkeiten und Bedürfnisse des lernenden
Individuums und auf Vorstellungen zu einer mehr oder weniger idealen
Gesellschaft.
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