Langinterview Dr. Höller – 5631 Zeichen (inkl. Leerzeichen) Wenn

Werbung
Langinterview Dr. Höller – 5631 Zeichen (inkl. Leerzeichen)
Wenn die „Menschmaschine“ ausbrennt
Aufbaukur gegen Burnout
Selten fühlten sich Menschen so belastet, so an ihre Grenzen getrieben wie heute. Große
Teile der deutschen Bevölkerung sind nicht nur mit den Nerven am Ende, sie fühlen sich
auch immer häufiger körperlich matt, ausgelaugt, erschöpft. Wir sprachen mit Dr. med.
Uwe Höller, Direktor des „Deutschen Institut für Präventive Medizin“ in Bergisch
Gladbach, über Vitaminmangel als Stressfolge und über eine kraftspendende Aufbaukur,
damit aus Erschöpfung kein Burnout wird.
Redaktion: Herr Dr. Höller, warum geraten so viele Menschen an ihre Belastungsgrenzen?
Dr. Höller: Die Belastungen für den Einzelnen steigen, auch weil die Welt nur aus Extremen zu
bestehen scheint, zwischen denen man sich einordnen muß. Held oder Weichei, Sieger oder
Memme. Die Zwischentöne gehen immer mehr verloren. Und wer will schon Verlierer sein. Also
werden die Zähne zusammengebissen, denn die „Maschine Mensch“ muß trotz dauerhafter
Stressbelastung laufen, muß den Anforderungen in Beruf und Alltag standhalten.
Redaktion: Nun hat alles bekanntlich seinen Preis. Den zahlt irgendwann der Organismus.
Dr. Höller: Richtig. Unter anderem droht eine zunehmende Verarmung an lebenswichtigen BVitaminen. Vor allem die Vitamin-B12-Speicher des Körpers werden durch Stress und
Dauerbelastung bis auf den Grund „leergesaugt“. Und dann kommt es zu den Eingangs
erwähnten Symptomen an Körper und Psyche. Man fühlt sich zunehmend schlapp und kraftlos,
schon kleinere Anstrengungen erscheinen als Belastung. Konzentrations- und
Gedächtnisprobleme treten auf, plötzliche Wortfindungsstörungen sowie eine dauerhafte
Tagesmüdigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen.
Redaktion: Langfristig droht dann der berühmt-berüchtigte Burnout?
Dr. Höller: Ja. Bei einem Burnout, auf Deutsch „Ausbrennen“, handelt es sich um einen
Zustand totaler Erschöpfung, der meist eine teilweise oder völlige Arbeitsunfähigkeit mit sich
bringt. Das kann bis zur totalen Verweigerung aller sozialen Kontakte gehen. Wer Anzeichen für
eine solche massive Erschöpfung bei sich erkennt, sollte etwas dagegen tun, damit ein Burnout
vermieden werden kann.
Redaktion: Reicht da Eigeninitiative?
Dr. Höller: Manchmal ist einfach auch ein Gang zum Arzt erforderlich. In der ärztlichen Praxis
sehr bewährt hat sich eine Injektionstherapie mit B-Vitaminen. Wir haben in unserem Institut
gerade eine Studie durchgeführt, die deren Wirksamkeit und den positiven Einfluß auf die
Lebensqualität eindrücklich beweisen konnte.
Redaktion: Wie war diese Studie aufgebaut?
Dr. Höller: Wir befragten vor und nach der bei den jeweiligen Hausärzten durchgeführten
Therapie 662 Studienteilnehmer anhand eines komplexen Fragebogens zu ihrer
gesundheitlichen Situation. So gewannen wir einen Überblick über zum Beispiel ihr allgemeines
Gesundheitsgefühl, ihr psychisches Wohlbefinden oder ihre subjektive Vitalität. Der Jüngste der
Teilnehmer war 16 Jahre alt, der Älteste 97. Wichtig: Alle Patienten befanden sich vor
Therapiebeginn in einem unterdurchschnittlichen Gesundheitszustand. Arbeit, Schule oder
andere tägliche Aktivitäten waren durch körperliche oder psychische Probleme zum Teil
erheblich beeinträchtigt.
Redaktion: Zur Behandlung wurde von den begleitenden Ärzten mittels Injektion eine
spezielle, genau abgestimmte Kombination von B-Vitaminen mittels einer Fertigspritze
verabreicht (Medivitan i.V.). Wie viele solche Injektionen waren nötig?
Dr. Höller: Bewährt haben sich jeweils zwei Injektionen pro Woche über einen Zeitraum von
vier Wochen. Danach wurden die Teilnehmer nochmals befragt. Und die nachgewiesenen
positiven Effekte waren eindeutig. So besserte sich das Allgemeinbefinden im Durchschnitt um
88 Prozent, die Leistungsfähigkeit um 84 Prozent und der subjektiv empfundene
Gesundheitszustand um 86 Prozent. Bei Personen, die besonders unter Abgeschlagenheit,
Vitalitätsverlust, Antriebslosigkeit oder Schwächeperioden litten, hat die Vitamin-Injektionstherapie somit erheblich zur Besserung der subjektiven Befindlichkeit beigetragen.
Redaktion: Worin sehen Sie das Geheimnis des Erfolges?
Dr. Höller: In der speziellen Zusammensetzung des Prüfpräparates und in der Verabreichung
direkt in den Blutkreislauf. Die einzelnen Bausteine Pyridoxin (B6), Cobalamin (B12) und
Folsäure (B9) müssen von der Menge und der Zusammensetzung her bei einer solchen
Therapie sehr exakt aufeinander abgestimmt sein, um ihren aufbauenden Effekt optimal
entfalten zu können.
Redaktion: Wäre es nicht wesentlich einfacher, die Vitamine als Tablette einzunehmen?
Dr. Höller: Nein, eine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt – wir sprechen von enteraler
Aufnahme – funktioniert oft nur unzureichend. Besonders das empfindliche Cobalamin (Vitamin
B12) wird sehr häufig nur schlecht in den Blutkreislauf übernommen. Durch eine Injektion in die
Vene können wesentlich höhere Blutspiegel erreicht werden, da das Cobalamin ohne Verluste
über den Blutkreislauf direkt in die Zellen gelangt. Und dann gibt es ja noch das Argument
Homocystein.
Redaktion: Inwiefern?
Dr. Höller: Männer über 40 und Frauen in den Wechseljahren haben häufig einen erhöhten
Homocysteinspiegel. Homocystein ist ein extrem zellschädliches Stoffwechselprodukt und steht
im Ruf, Depressionen auszulösen, die Blutgefäße zu schädigen und sogar Gehirnzellen zu
schädigen. B-Vitamine, vor allem B12 und B9 können diese Werte effektiv senken. Ich halte das
für einen ganz wichtigen Aspekt. Eine solche direkt vom Arzt verabreichte Aufbaukur ist somit
eine sinnvolle und wirksame Möglichkeit, dem Körper und der Psyche neue Kraft zu schenken,
damit aus einem Erschöpfungszustand kein echter Burnout wird.
Herunterladen
Random flashcards
Erstellen Lernkarten