Einführung in die Psychologie

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Pädagogische Psychologie
Volker Sprondel
Universität des Saarlandes
[email protected]
Allgemeine Übersicht
1. Einführung: Was ist Psychologie?
2. Allgemeine Psychologie I: Wahrnehmung,
Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Denken
3. Allgemeine Psychologie II: Lernen, Motivation und
Emotion
4. Entwicklungspsychologie
5. Sozialpsychologie
6. Differentielle Psychologie
7. Pädagogische Psychologie
8. Klinische Psychologie
Einführung in die Psychologie - Pädagogische Psychologie
2
Übersicht
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Gegenstandsbereich
Geschichte
Forschungsmethoden
Anwendungsfelder:
ƒ Familie und Norminternalisierung
ƒ Schule und Konzepte vom Lehren
Einführung in die Psychologie - Pädagogische Psychologie
3
Gegenstandsbereich
ƒ Vermittlerrrolle zwischen Pädagogik und Psychologie
ƒ Pädagogische Psychologie ist die wissenschaftliche Erforschung
der psychischen Seite der Erziehung, sie setzt Erziehungen und
Erziehung als gegebene Tatsache voraus und bemüht sich,
diese eigenartige Realität, Erziehung genannt, auf ihre
psychologischen Einschläge hin zu analysieren (Brugger et al.,
1993).
ƒ Bedingungen und Prozesse der (psychischen)
Veränderung, die längerfristig einen Einfluss auf die
individuelle Persönlichkeitsentwicklung haben
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Gegenstandsbereich
ƒ Was ist Erziehung?
ƒ Pädagogik:
ƒ beabsichtichtige Einflussnahme auf das Handeln
einzelnen Menschen oder einer Gruppe von Menschen
eines
ƒ Vermittlung von Fertigkeiten
ƒ Vermittlung von Normen
ƒ Psychologie:
ƒ Erfahrungsmöglichkeiten, die Lern- und Entwicklungsprozesse
vermitteln
ƒ Personale
Interaktion
Erziehendem
zwischen
Erzieher
und
zu
ƒ Größere soziale Zusammenhänge (Schule, Lernzentren,
etc.)
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Gegenstandsbereich
ƒ Was ist Erziehung?
ƒ Psychologische Fragen zum Erziehungsbegriff:
ƒ Ist Erziehung eine einseitige oder eine wechselseitige
Einflussnahme?
ƒ Explizite Erziehungsabsicht notwendig?
ƒ Was ist direkte, was ist indirekte Erziehung?
ƒ Gehören institutionelle Bedingungen (Gesetze) ebenfalls zur
Erziehung?
ƒ Sind immer zwei Personen notwendig? Gibt es Selbsterziehung?
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Gegenstandsbereich
ƒ Erziehung als Relation
A
B
ƒ A: Eltern, Lehrer, Trainer
ƒ B: Kind, Schüler, lernender Erwachsener
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Komponenten
A (Einflussnahme) B
indirekt oder direkt
zielt auf
nachhaltige
Veränderung
bewirkt
nachhaltige
Veränderung (ohne
explizite Absicht)
Erziehung
Sozialisation
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Gegenstandsbereich
ƒ Erziehung
ƒ Dauerhafte Veränderungen in
ƒ Verhaltenspotential (Erwerb von Dispositionen)
ƒ Zielen, Motiven und Interessen
ƒ Nachhaltigkeit (lebenslange Entwicklung)
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Gegenstandsbereich
ƒ Erziehung vs. Bildung
ƒ Erziehung:
ƒ motivationale und affektive Aspekte der Persönlichkeit, d. h.
Werthaltungen, Einstellungen
ƒ Bildung:
ƒ kognitive Aspekte der Persönlichkeit, d. h. Kenntnisse, Fertigkeiten
ƒ Erziehungs- vs. Bildungspsychologie
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Gegenstandsbereich
ƒ Einflussreichste pädagogische Settings:
ƒ Familie
ƒ Intuitive Elterntheorien
ƒ Bsp. „Ammensprache“ (baby talk):
ƒ Sprechen zwischen 400 und 700 Hz
ƒ Übertriebene Betonungen
ƒ Vermeiden komplizierter Grammatik
ƒ Schule
ƒ Bewusst strukturierte, institutionalisierte
Erziehungsmaßnahmen
ƒ Bsp. Diskussion über Bildungsprogromme:
ƒ Einschulung mit vier Jahren?
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Gegenstandsbereich
ƒ Bsp: Einschulung mit vier Jahren?
ƒ Großer Teil des Lernens findet außerhalb
der Schule statt (Gardner, 1993)
ƒ Mögliche negative Auswirkungen auf
andere Funktionsbereiche nicht absehbar
(Empathie, Selbstvertrauen, Furcht vor
Misserfolg)
ƒ Kulturübergreifender Beginn formeller
Erziehung bei 6 Jahren
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Ziele
ƒ Verbesserung des Bildungswesens
¾ Identifikation und Förderung von Hochbegabten
ƒ Untersuchung der Erziehungsstile von Eltern
ƒ Erklärung und Vorhersage des Schulerfolgs
ƒ Kritische Analysen im Bereich des (schulischen)
Beurteilungswesens
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Geschichte
ƒ
1899: „Zeitschrift für Pädagogische
Psychologie und Jugendkunde“
ƒ
Entwicklung
Ausrichtung,
Philosophie
ƒ
Forderung nach entwicklungsgemäßem
Unterricht (Reformschule)
einer
empirischen
Abgrenzung
von
der
ƒ „Erziehung muss Entwicklung wie ein
Schatten folgen.“
ƒ 1905
Entwicklung
der
ersten
Intelligenztests
ƒ
Bis
ca.
1950:
hauptsächlich
Anwendungsfeld
allgemeiner
psychologischer
Theorien
(Bsp.
Behaviorismus)
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Geschichte
ƒ
Seit den 1980er Jahren: Grundlagen- und Anwendungswissenschaft,
die Prozesse des Anleitens und der Vermittlung zum Thema hat
ƒ Heute:
ƒ Erweiterung der traditionellen Forschungs- und Anwendungsfelder
ƒ Lebenslanges Lernen
ƒ Lernen mit neuen Medien
ƒ Neue Schwerpunkte bei Lernprozessen
ƒ Selbstgesteuertes Lernen [Referat]
ƒ Evaluation von Bildungsmaßnahmen
ƒ PISA [Referat]
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Forschungsmethoden
ƒ Experiment
ƒ Planmäßigkeit
ƒ Wiederholbarkeit
ƒ Systematische Variation und Konstanthaltung von Bedingungen
ƒ Zufällige Zuteilung
(Randomisierung)
von
Versuchsgruppen
zu
Bedingungen
pädagogischen
Psychologie
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ƒ Erlaubt kausale Schlussfolgerungen
ƒ Aber: Randomisierung
häufig problematisch
in
der
Forschungsmethoden
ƒ Quasi-Experiment
ƒ Keine zufällige Zuordnung von Vps zu Bedingungen
ƒ Bsp.: Wirkung verschiedener Unterrichtsmethoden
ƒ Interne Validität: Veränderung der AV ist ausschließliche Wirkung
der UV
ƒ Fehlerquellen:
ƒ Diffusion des Treatments
ƒ kompensatorischer Ausgleich
ƒ Kompensatorische Anstrengung
ƒ negative Reaktion (der Kontrollgruppe)
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Forschungsmethoden
ƒ Korrelationsstudien
ƒ Angezeigt bei Nicht-Manipulierbarkeit
Erziehungsstil der Eltern)
der
Uv
(Sozialstatus,
ƒ Zusammenhangsmaße , Bsp. Erziehungsstil – Ängstlichkeit
ƒ Mehrdeutigkeit der Einflussrichtung
ƒ Lehrerverhalten
Schülerleistung
ƒ Schülerleistung
Lehrerverhalten
ƒ Lehrerverhalten
Schülerleistung
ƒ Drittvariable (Lärmpegel)
Lehrerverhalten & Schülerleistung
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Forschungsmethoden
ƒ Längsschnittstudien
ƒ Feststellung langfristiger Einflüsse
ƒ Bsp.: Einfluss der Heimerziehung auf Lebensbewältigung
ehemaliger Heiminsassen
ƒ Praktische Probleme:
ƒ Drop-Out Rate
ƒ Kontrolle potentieller Störfaktoren
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Forschungsmethoden
ƒ Qualitative Forschung
ƒ Qualitative Daten: 1-0-, oder kategoriale Daten; sprechen Merkmale zu
oder ab
ƒ Bereiche qualitativer Forschung:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Anamnese und Interview
Begriffs-, Inhalts-, textinterpretative Verfahren
Biografische Verfahren
Einzelfallanalyse
Explorative Untersuchungsverfahren
ƒ vielfältiger Informationsgewinn, insbes. bei der Generierung neuer
Hypothesen für quantitative Forschung
ƒ Bsp.: teilnehmende Beobachtung in einer Schulklasse
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Forschungsmethoden
ƒ Beispiel pädagogisch-psychologischer Forschung:
ƒ Analyse von Lehrer- Schüler-Interaktionen
ƒ FIAC (Flanders Interaction Analysis Categories; Flanders, 1967)
ƒ Beobachtung des Unterrichts durch Einwegscheibe
ƒ Beobachtungskategorien für das Lehrerverhalten:
1. Akzeptiert Gefühle von Schülern
Reaktiv
2. lobt, ermutigt
3. Verwendet Schülerideen
Lehrer spricht
4. Stellt Fragen
5. trägt vor, erklärt
Initiativ
Schüler spricht
6. gibt Anweisungen
7. kritisiert, rechtfertigt seine Autorität
Reaktiv
8. antwortet
Initiativ
9. Äußert sich spontan, stellt Frage
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Forschungsmethoden
ƒ FIAC
ƒ Ermittlung des Erziehungsstils
ƒ Nichtdirektivitätsquotient = Kategorien
1,2,3,4
5,6,7
ƒ Probleme:
ƒ Reliabilität:
ƒ Beobachterübereinstimmung
ƒ Stabilität:
ƒ Lehrer-Schüler Interaktionen oft von situativen Bedingungen abhängig
ƒ Validität:
ƒ mäßiger
Zusammenhang
Unterrichtsergebnissen
zwischen
Nichtd.Quotient
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und
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Forschungsmethoden
ƒ Methoden zur Erfassung kognitiver Strukturen und Prozesse
ƒ Direktere Methode im Vergleich zur Verhaltensbeobachtung
ƒ Psychometrische Verfahren (Leistungstests, Fragebögen)
ƒ Kriteriumsorientierte Tests zur Überprüfung von Lernfortschritten
ƒ Drei Bezugsnormen:
ƒ Soziale Norm: Normstichprobe
ƒ Individuelle Norm: Leistungsfähigkeit des Einzelnen
ƒ Sachnorm: Festlegung eines Lehrziels
ƒ Techniken der Ähnlichkeitsbeurteilung
ƒ Bsp. Ähnlichkeitsratings von Begriffen des Lehrers vor dem Unterricht
und Schülern nach dem Unterricht (Angleichung kogn. Strukturen)
ƒ Methode des lauten Denkens
ƒ Einblicke in Problemlöseprozesse
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Anwendungsfelder
Pädagogische
Psychologie
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Familie: Internalisierung von Normen
ƒ
Hoffman
(1983):
Überschreitungssituationen
(discipline
encounter)
entscheidend
für
Internalisierung
ƒ
Drei Verhaltensmöglichkeiten für Eltern:
ƒ Liebesentzug
ƒ Kontaktabbruch, körperliche Abwendung
ƒ Machtausübung
ƒ Drohen, befehlen strafen
ƒ Induktion
ƒ Herbeiführung von Einsicht in die negativen
Folgen von Fehlverhalten
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Familie: Internalisierung von Normen
ƒ
Induktion
fördert
nalisierung (Hoffman)
ƒ
Internalisierung
Facetten:
hat
Intermehrere
ƒ Affektiv-motivational: Normen
induzieren Schuldgefühle und
Verhaltensmotivationen
in
Konfliktsituationen
(ins
Kino
gehen vs. einen kranken Freund
besuchen)
ƒ Kognitiv:
Vorhersehen
und
Beurteilen der Konsequenzen
einer Handlung
ƒ Erlebnis: Normen werden als
Teil
der
Person
„erlebt“,
Lernprozesse in der Kindheit
i.d.R. unbewusst
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Familie: Internalisierung von Normen
ƒ
Induktion: ideales Ausmaß an arousal, das die Aufmerksamkeit auf
die Botschaft lenkt
ƒ
Effekte:
ƒ Kognitiv: Ursachenbeziehung zwischen Handlung und Folgen
ƒ Fähigkeit zu empathischen Schuldgefühlen
ƒ
Krevans & Gibbs (1996):
ƒ Empathiemediationshypothese
ƒ Zusammenhang zwischen Induktion und
Prosozialem Handeln wird von Empathie
vermittelt
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27
Familie: Internalisierung von Normen
ƒ
Was macht die induktive Erziehung überlegen?
ƒ
Grusec & Goodnow (1994):
ƒ Nicht Induktion per se, sondern: Wie erklären Eltern?
ƒ Entscheidend für die Internalisierung:
ƒ Genaue Wahrnehmung der Botschaft
ƒ Akzeptranz der Botschaft
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Familie: Internalisierung von Normen
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29
Familie: Internalisierung von Normen
ƒ Aber: Sozialisation keine Einbahnstraße!
ƒ Kuczynski et al. (1997):
ƒ Sozialisation als bidirektionaler Prozess (zwischen Eltern und Kind)
ƒ Internalisierung als wechselseitige Einflussnahme auf die inneren
Handlungsvoraussetzungen
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Anwendungsfelder
Pädagogische
Psychologie
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Anwendungsfelder
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33
Gegenstandsbereich
ƒ Qualifikationsprofil von Schulpsychologen
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Lernen und Verhalten von Kindern und Jugendlichen
Entwicklungs- und Erziehungsprozesse
Psychologische Krisenintervention im System Schule
Psychotherapeutische Verfahren
Unterrichtsdidaktik
Schulsystem im jeweiligen Bundesland
Psychosoziale Infrastruktur vor Ort
http://www.schulpsychologie.de
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Konzepte vom Lehren
Unterrichtsqualität
„Gute“ Lehrerinnen und Lehrer
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Begriffsbestimmung
ƒ Unterricht ist ein Interaktionsgeschehen, bei dem Individuen unter
pädagogischer Begleitung in planmäßig initiierten und geführten
Lernprozessen, zum Ziele ihrer Qualifikation, Personalisation und
Sozialisation, ausgewählte Inhalte von Kultur aufnehmen und
weiterentwickeln.
ƒ Schulunterricht nennt man Unterricht an einer Schule - eine
Organisationsform von Lehrveranstaltungen, die einen Austausch von
Wissen, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, also das Lernen,
ermöglichen soll.
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Begriffsbestimmung
1. Didaktische bzw. pädagogisch-psychologische Perspektive:
Organisation und Gestaltung von Lehr-Lernprozessen
2. Institutionstheoretische Perspektive:
Unterricht als soziales Geschehen, das durch den Rahmen der Schule
institutionalisiert wird
3. Professionstheoretische Perspektive:
Planung, Organisation, Gestaltung und Reflexion von Unterricht als
Kernkompetenz der Lehrkräfte
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Konzepte vom Lehren
ƒ Wie würden Sie Ihrer Erfahrung nach „guten Unterricht“ definieren?
„Guter Unterricht ist
………………………………………………………………….……
………..………………………………………………………………
…………………………………..………………….………….“
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Perspektiven zur Qualität von Unterricht
Was macht die Qualität von Unterricht aus?
Perspektiven:
Methodenorientierung
Wirkungsorientierung
ƒDer Unterricht „an und für sich“
ƒGegenstand der Lehrerausbildung
ƒ Ansetzen am Prozess des Unterrichts
ƒGefahr: methodische Fixierungen
ƒ empirische und output-orientierte
Sichtweise
ƒ wichtig in der Forschung zur
Lehrerwirksamkeit
Æ Gut ist ein Unterricht dann, wenn er
bestimmte unterrichtsmethodische
Forderungen erfüllt
Æ Unterricht ist so gut, wie die
Wirkungen, die er erzielt
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Perspektiven zur Qualität von Unterricht
Was macht die Qualität von Unterricht aus?
Perspektiven:
Variablenorientierung
Personenorientierung
ƒEinzelne Variablen (Bsp.: Häufigkeit
von Gruppenarbeit ) werden mit
Lernerfolg in Beziehung gesetzt
ƒGefahr des Verlusts einer
ganzheitlichen Perspektive
ƒLineare vs. nicht-lineare
Zusammenhänge
ƒ Identifikation von „Experten“
(Schulleitung, Kollegium, Schüler)
ƒ „Erfolgsgeheimnis“ dieser Lehrer wird
(explorativ) analysiert
Alle Perspektiven ergänzen sich gegenseitig!
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Perspektiven zur Qualität von Unterricht
ƒ Mögliche Klassifikationen der Kriterien eines „guten“ Unterrichts
ƒ
ƒ
Individuelle Zielkriterien (Veränderung bei einzelnen SchülerInnen)
vs.
Kollektive Zielkriterien (Bsp. Abbau von Leistungsunterschieden in
einer Klasse)
ƒ
Fachwissen vs. Schlüsselkompetenzen (Bsp.: verständiges Lesen)
ƒ „Denken lernen statt Fachwissen anhäufen!“
ƒ
Bildungsziele nach Weinert (2000)
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Erwerb
Erwerb
Erwerb
Erwerb
Erwerb
Erwerb
intelligenten Wissens
anwendungsfähigen Wissens
von Schlüsselqualifikationen
des Lernen Lernens
sozialer Kompetenzen
von Wertorientierungen
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Perspektiven zur Qualität von Unterricht
ƒ Mögliche Klassifikationen der Kriterien eines „guten“ Unterrichts
ƒ
Kurz vs. langfristige Effekte
ƒ
„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir!“
ƒ
kurz- und langfristige Perspektive notwendig (Langzeit- und
Absolventenstudien)
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Perspektiven zur Qualität von Unterricht
ƒ Aus dem Saarland:
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43
Forschungstraditionen zur
Unterrichtsqualität
1. Allgemeine Didaktik und Fachdidaktiken
ƒ
Wissenschaftliche Grundlagen des Lehrens
ƒ
Allgemeine Prinzipien und Regeln der Unterrichtsgestaltung
ƒ
Prozessorientierte Perspektive
2. Pädagogische Psychologie: Auf der Suche nach dem guten
Lehrer
ƒ
Das Persönlichkeitsparadigma
ƒ
ƒ
Das Prozess-Produkt-Paradigma
ƒ
ƒ
Charaktereigenschaften des guten Lehrers
Erfassung bestimmter Parameter des Unterrichtsverhaltens und
des –resultats
Das Experten-Paradigma
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Forschungstraditionen
3. Experimentelle Unterrichtsforschung
ƒ Internationale Unterrichtsforschung
ƒ In Deutschlang eher weniger etabliert
4. Interventions- und Trainingsforschung
ƒ Systematische
Schülern
Veränderungsversuche
bei
Lehrern
und/oder
ƒ Lehrertrainingsprogramme
5. Lernpsychologie und Motivationspsychologie
ƒ Informationsverarbeitungsprozesse
Funktionsweise des Gedächtnisses)
auf
Schülerseite
(z.B.
ƒ Erforschung von Lernprinzipien
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Forschungstraditionen
6. Leistungsvergleichsstudien
ƒ International: PISA
ƒ National: DESI
ƒ Primär Leistungsvergleiche
7. Schulentwicklungsforschung
ƒ Unterrichtsentwicklung als Teil der Schulentwicklung
ƒ Schule als „lernende Organisation“
ƒ Zeitschrift „Lernende Schule – Für die Praxis pädagogischer
Schulentwicklung“
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Forschungstraditionen
8. Forschung zum Lehrerwissen
ƒ Welche Wissensarten lassen sich bei Lehrern unterscheiden?
ƒ Haben
Lehrkräfte
Denkprozessen?
im
Unterricht
Zugang
zu
ihren
ƒ Handlungsleitendes vs. handlungsrechtfertigendes Wissen
9. Schul-, Klassen- und Unterrichtsklima
ƒ Wahrnehmungen und Beurteilungen
ƒ des Unterrichts
ƒ des Lehrer-Schüler-Verhältnisses
ƒ der Lehrperson
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Theorien und Modelle zur
Unterrichtsqualität
Merkmale guten Unterrichts
• Brophy (2000)
• Meyer (2000)
• Haenisch (1999)
• Helmke (2006)
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Zwölf Schlüsselvariablen der
Unterrichtsqualität von Brophy (2000)
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Elf Schlüsselvariablen der
Unterrichtsqualität von Brophy (2000)
ƒ Zentraler Punkt: Methodenvielfalt
ƒ „no single teaching method . . . can be the method of choice
for all occasions. An optimal programme will feature a mixture
of instructional methods and learning activities“ (Brophy,
2000, S. 6)
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Merkmale guten Unterrichts
(Meyer, 2000)
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Theorien und Modelle zur
Unterrichtsqualität
Modelle zur Unterrichtsqualität
• Slavin (1997)
• Ditton (2000)
• Helmke (2004)
• Treiber & Weinert (1982)
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Das QuAIT-Modell von Slavin (1997)
(Quality, Appropriateness, Incentives, Time)
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Quality of instruction
Appropriate levels of instruction
Incentive
Time
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Bedeutsame Unterrichtsfaktoren nach
Ditton (2000) in Anlehnung an Slavin (1997)
Qualität
ƒ
Struktur und Strukturiertheit des Unterrichts
ƒ
Klarheit, Verständlichkeit, Prägnanz
ƒ
Variabilität der Unterrichtsformen
ƒ
Angemessenheit des Tempos
ƒ
Angemessenheit des Medieneinsatzes
ƒ
Übungsintensität
ƒ
Behandelter Stoffumfang
ƒ
Leistungserwartungen und Anspruchsniveau
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Bedeutsame Unterrichtsfaktoren nach
Ditton (2000) in Anlehnung an Slavin (1997)
Angemessenheit
ƒ
Angemessenheit des Schwierigkeitsgrades
ƒ
Adaptivität
ƒ
Diagnostische Sensibilität / Problemsensibilität
ƒ
Individuelle Unterstützung und Beratung
ƒ
Differenzierung und Individualisierung
ƒ
Förderungsorientierung
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Bedeutsame Unterrichtsfaktoren nach
Ditton (2000) in Anlehnung an Slavin (1997)
Motivierung
ƒ
Bedeutungsvolle Lehrinhalte und Lernziele
ƒ
Bekannte Erwartungen und Ziele
ƒ
Vermeidung von Leistungsangst
ƒ
Interesse und Neugier wecken
ƒ
Bekräftigung und Verstärkung
ƒ
Positives Sozialklima in der Klasse
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Bedeutsame Unterrichtsfaktoren nach
Ditton (2000) in Anlehnung an Slavin (1997)
Unterrichtszeit
ƒ
Verfügbare Zeit
ƒ
Lerngelegenheiten
ƒ
Genutzte Lernzeit
ƒ
Inhaltsorientierung, Lernstoffbezogenheit
ƒ
Klassenmanagement, Klassenführung
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Angebots-Nutzen-Modell (Helmke, 2004)
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Zusammenfassung
ƒ Unterrichtsqualität als Thema/Inhalt verschiedener Disziplinen
und Forschungsrichtungen
ƒ Weitgehende Übereinstimmung der Theorien, Modelle und
Merkmalslisten in Bezug auf
ƒ Bedeutung der Lehrkraft als Experten
ƒ wichtige Komponenten von Unterrichtsqualität:
ƒ Strukturierung des Unterrichtsgeschehens
ƒ Lernförderliches Klima
ƒ Individuelle Förderung, Umgang mit heterogenen
Lernvoraussetzungen
ƒ Schülerorientierung
ƒ Kompetenzorientierung
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Zugehörige Unterlagen
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