Megatrend: Nachhaltigkeit Definition Nachhaltigkeit Bestimmt hast Du den Begriff „Nachhaltigkeit“schon einmal gehört. Politiker, Unternehmer oder Journalisten sprechen gerne von einer „nachhaltigen Entwicklung“, preisen die „Nachhaltigkeit“ihres Unternehmens oder fordern eine „nachhaltigere Bildungspolitik“. Was genau aber bedeutet „Nachhaltigkeit“? Zeitreise Besser verständlich wird der Begriff Nachhaltigkeit, wenn man ihn zu seinem Ursprung zurück verfolgt. Im Jahr 1712 sah der Förster Hans Carl von Carlowitz ein Problem: den Wäldern wurde durch Rodung immer mehr Holz entnommen. So gingen die Baumbestände in ganz Europa zurück. Damals erschienen die ausgedehnten Wälder der deutschen Fürsten den meisten Menschen eine unerschöpfliche Rohstoffquelle zu sein. Von Carlowitz aber erkannte, dass auch diese Holzvorräte einmal zu Ende gehen würden. Deshalb forderte er, den Wäldern nur so viel Holz zu entnehmen, wie nachwachsen konnte. Dieses Prinzip nannte er „Nachhaltigkeit“. Ein Konzept mit drei Dimensionen Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit also aus der Forstwirtschaft. Und auch heute denken viele Menschen mit „Nachhaltigkeit“sei so etwas wie Umweltschutz gemeint. Tatsächlich ist es nachhaltig, unsere Umwelt zu schützen. Nur wenn wir beispielsweise die Flüsse und das Grundwasser sauber halten, werden unsere Kinder und Enkelkinder genug Trinkwasser zur Verfügung haben. Neben dieser ökologischen Dimension (Größe) hat Nachhaltigkeit aber auch eine soziale und eine ökonomische Dimension. Diese drei Dimensionen stehen in engem Zusammenhang. Erst wenn alle drei Dimensionen gleichermaßen berücksichtigt werden, entspricht das dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Hans Carl von Carlowitz war klar, dass ein radikaler Stop der Holznutzung den Wäldern zwar die Möglichkeit zur Erholung gegeben hätte, aber für die Bauern, die das Holz zum Bauen und Kochen Nachhaltige benötigten, wäre das ein Entwicklung schwerwiegendes ökonomisches Problem gewesen. Von Carlowitz sprach sich also dafür Ökologie Gesellschaft Ökonomie aus, dem Wald weiterhin Holz zu entnehmen. Aber eben nur so viel Holz wie nachwachsen konnte. Ökologisch (Umwelt) Die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit bezieht sich vor allem auf die Umwelt, natürliche Ressourcen und „Serviceleistungen“der Natur, wie z.B. die Reinigung von Regenwasser durch das Versickern in verschiedene Bodenschichten oder die Reinigung von Luft durch die Photosynthese der Pflanzen. Zwei Dinge stehen hier im Vordergrund: zum einen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass auch Ressourcen wie Holz und Erdöl endlich sind. Wald, saubere Luft und Trinkwasser erscheinen uns oft als etwas Selbstverständliches. Doch schon von Carlowitz hat erkannt, dass die intensive (Über-)Nutzung dazu führen kann, dass nicht mehr genug davon für alle vorhanden ist. Eine Übernutzung der natürlichen Ressourcen nennt man auch „Raubbau“an der Natur. Zum anderen geht die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit über den schonenden Umgang mit Ressourcen, die in der Umwelt zu finden sind, hinaus. Die Bewahrung der Natur in ihrer Gestalt und Vielfalt wie auch die Bewahrung der natürlichen Kreisläufe, z.B. des Wasserkreislaufs, werden ebenfalls in die ökologische Dimension miteinbezogen. Ökologische Nachhaltigkeit heißt also nicht nur die „Nützlichkeit“der Natur für den Menschen zu erhalten. Auch der Schutz bedrohter Tierarten und das Aufrechterhalten von Ökosystemen gehören zur ökologischen Nachhaltigkeit. Sozial (Gesellschaft) Diese Dimension bezieht sich auf unser Zusammenleben in einer Gesellschaft. Der Zugang zu Ressourcen wie Erdöl und sauberem Trinkwasser ist auf der Erde sehr ungleich verteilt. In Deutschland sind wir an eine Wasserversorgung angeschlossen, die uns rund um die Uhr genießbares Trinkwasser in beliebiger Menge zur Verfügung stellt. Auch Strom ist immer verfügbar. In manch anderen den Ländern ist dies ein Privileg, das, wenn überhaupt vorhanden, den reichen Bewohnern vorbehalten ist. Aber auch in Deutschland gibt es Ressourcen und Chancen, die nicht allen Menschen gleichermaßen zugänglich sind. Bildung ist dafür ein Beispiel: die Schule ist kostenlos und so soll es theoretisch jedem möglich sein, das Abitur zu erreichen und danach vielleicht zu studieren. Doch aufgrund von unterschiedlichen Lebensbedingungen der Familien können Kinder außerhalb des Unterrichts unterschiedlich stark gefördert werden, was sich auch auf die Schulleistungen auswirkt, wenn sie z.B. ein Instrument lernen. Damit es für viele Schüler möglich ist, einen guten Abschluss zu erreichen und an Bildungsangeboten teilzunehmen, sind z.B. kostenlose außerschulische Angebote für alle ein Beitrag zu einer nachhaltigen sozialen Entwicklung. Die Bevölkerungsstruktur in Deutschland wird sich in den nächsten Jahrzehnten dahin verändern, dass es immer mehr ältere und weniger junge Menschen geben wird (Demographischer Wandel). Aus dieser Entwicklung werden sich viele gesellschaftliche Veränderungen ergeben, die ein Umdenken nötig machen, z.B. werden das Rentensystem und die Arbeitsstruktur sich ändern müssen. Eine sozial nachhaltige Einstellung könnte zur Folge haben, dass die Kompetenzen und Erfahrungen von älteren Menschen stärker gefragt sind und eine höhere Bedeutung haben als heute. In Deutschland ist es für viele Frauen schwierig, ihre berufliche Tätigkeit mit der Familie zu vereinbaren, so dass viele Frauen ihren Beruf zumindest eine Zeit lang aufgeben. Die Gründe dafür sind vielfältig: es gibt wenig Teilzeitstellen (vor allem in höher qualifizierten Berufen) bzw. wenige Arbeitsstellen mit flexiblen (frei beweglichen) Arbeitszeiten. Außerdem gibt es nicht überall genug Kindergartenplätze und diese sind oftmals zeitlich nicht so flexibel, wie es der Arbeitsplatz verlangt. Diese Problematik betrifft zunehmend auch Familienväter, die mehr Zeit mir ihrer Familie verbringen möchten. Ökonomisch (Wirtschaft) Nachhaltige Ökonomie betrifft vor allem die Wirtschaft. Unternehmen, die nachhaltig handeln, müssen ihre Geschäftsstrategie nicht nur auf eine lange Dauer ausrichten, sondern auch die zwei anderen Dimensionen der Nachhaltigkeit verfolgen. In eine nachhaltige und langfristig tragbare Unternehmensplanung müssen Investitionen (Anlage von Geld am Kapitalmarkt) in Forschung und Weiterentwicklung fließen, darüber hinaus ist die Fortbildung der Mitarbeiter und die Einführung von familienfreundlichen Arbeitszeiten wichtig. Auch ökonomisch und ökologisch sinnvolle Einkaufs- und Produktionsverfahren gehören dazu. Gerade im Bereich der Wirtschaft geht es aber auch darum, dass Unternehmen erkennen, wie eng die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit zusammenhängen. Unternehmen haben neben der ökonomischen auch immer eine soziale und ökologische Verantwortung. Denn wenn die natürlichen Ressourcen nicht zur Verfügung stehen oder die Kinder des Landes schlecht ausgebildet sind, kann ein Unternehmen nur erschwert seinem Geschäft nachgehen. Diese gesellschaftliche Verantwortung ist mit der Diskussion um Nachhaltigkeit in den letzten Jahren stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.