Fachinformation

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Labormedizinische Partnerschaft
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Laborinformation
08.01.2013
MRGN – Multiresistente gramnegative Stäbchen
Umsetzung der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO)
beim Robert Koch-Institut (RKI) – Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedelung mit
multiresistenten gramnegativen Stäbchen (1)
Erweiterung der Meldepflicht in Sachsen auf Carbapenemase-Bildner / erworbene eingeschränkte
Carbapenem-Empfindlichkeit (2)
Neben multiresistenten Staphylokokken (MRSA) und Enterokokken (VRE) sind besonders in den letzten 2-3
Jahren die sogenannten MRGN in den Mittelpunkt des Interesses bei der Erkennung und Verhütung von
ambulant und stationär erworbenen Infektionen getreten. Zunächst wurden Screening–Programme auf
ESBL-Stämme durchgeführt. Dies sind Stämme gramnegativer Bakterien (besonders E. coli und Klebsiella
spezies), bei denen auf Grund des erweiterten Spektrums des Enzyms ß-Laktamase die meisten
Cephalosporine (1.-4. Generation) unwirksam (resistent) werden. Inzwischen treten neben ESBL-Bildung
vermehrt weitere Resistenzmechanismen auf. Diese können sowohl chromosomal- als auch plasmidcodiert
vorliegen und zu Resistenz gegen verschiedene Antibiotikagruppen führen.
Zur Systematisierung dieser Resistenzphänotypen schlägt die KRINKO-Empfehlung eine Einteilung auf der
Basis der bei der Routinetestung gewonnenen Resistenzmuster gegen vier Antibiotika-Gruppen vor.
Untenstehende Tabelle ist aus der Empfehlung entnommen und fasst die Einteilung zusammen (2).
Antibiotikagruppe
Leitsubstanz
Acylureidopenicilline
3./4.GenerationsCephalosporine
Carbapeneme
Piperacillin
Cefotaxim und/oder
Ceftazidim
Imipenem und/oder
Meropenem
Ciprofloxacin
Fluorchinolone
Enterobakterien
4MRGN
R
R
Acinetobacter
baumannii
3MRGN
4MRGN
R
R
R
R
R
R
S
R
R
R
R
R
3MRGN
R
R
4MRGN
R
R
S
R
Pseudomonas
aeruginosa
3MRGN
Nur eine der 4 Antibiotikagruppen wirksam
(sensibel)
Diagnostik:
Die Feststellung einer Besiedelung oder Infektion mit 3MRGN und 4MRGN erfolgt in der Regel im Rahmen
der bakteriologischen Untersuchung auf Keime und Resistenz.
Zusätzlich zur therapeutischen Interpretation der Ergebnisse der Resistenztestung in sensibel (S), intermediär (I) und resistent (R) empfiehlt die KRINKO eine Einordnung gramnegativer Erreger in
à3 MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 Antibiotikagruppen)
à4 MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 4 der 4 Antibiotikagruppen)
Bei Nachweis von besonderen Resistenzen wird diese Einstufung im mikrobiologischen Befund unter der
Rubrik „Krankenhaushygienische Bewertung“ mitgeteilt.
Der Nachweis von Stämmen, die als 4 MRGN eingestuft werden, wird zusätzlich telefonisch bzw. per Fax
übermittelt. Bei stationären Patienten erfolgt ebenfalls eine Befundmitteilung an die zuständige Krankenhaushygiene-Abteilung.
Hinweis: Bei der Einteilung in 3MRGN und 4 MRGN müssen auch Besonderheiten einzelner Erreger,
therapeutische Optionen, Patientensituation, genetische Marker, berücksichtigt werden, daher kann diese
sehr schwierig sein und folgt nicht immer dem Schema der obenstehenden Tabelle.
2
Screening - Untersuchungen auf MRGN
Ein aktives Screening und die Isolierung bis zum Befund erfolgt für Risikopatienten und Risikobereiche.
Risikobereiche sind nach individueller Risikoabwägung, z. B. auf Basis des Patientengutes und baulichstruktureller Gegebenheiten festzulegen, wobei Intensivstationen, inklusive der Neonatologie und
hämatologisch-onkologische Stationen als Bereiche mit besonders gefährdeten Patienten gelten.
Als Risikopatienten gelten Patienten mit kürzlichem Kontakt zum Gesundheitssystem in Ländern mit
endemischem Auftreten und Patienten die zu 4MRGN-positiven Patienten Kontakt hatten, d. h. im gleichen
Zimmer gepflegt wurden.
Erregergruppe
Enterobacteriaceae
Acinetobacter baumannii
Pseudomonas aeruginosa
Grundsätzlich zu erwägen bei
Screening - Material
Rektalabstrich, Stuhl, ggf. Urin
Mundschleimhaut u. Leiste
Rektalabstrich u. Rachenabstrich
Wunden, falls intubiert Trachealsekret
Bitte beachten Sie, dass Screening-Untersuchungen nur die Untersuchung auf die 3/4-MRGN-Erreger
berücksichtigen. Eine darüber hinaus gehende Diagnostik muss mit einem extra entnommenen Material
erfolgen.
Meldepflicht:
4 MRGN weisen immer eine zusätzliche Resistenz gegen die Gruppe der Carbapeneme (z.B. Imipenem,
Meropenem) auf. Sie fallen daher in Sachsen unter die meldepflichtigen Erreger. Eine Meldepflicht besteht
bei Nachweis einer Infektion oder Kolonisation.
Enterobacteriaceae
Acinetobacter baumannii
Pseudomonas aeruginosa
Mit erworbenen Carbapenemasen oder erworbener eingeschränkter
Carbapenemempfindlichkeit
Mit erworbenen Carbapenemasen oder erworbener eingeschränkter
Carbapenemempfindlichkeit
mit erworbenen Carbapenemasen oder bei gleichzeitigem Vorliegen von phänotypischer Resistenz gegen Acylureidopenicilline,
Cephalosporine der 3./4.Generation, Carbapeneme und Fluorchinolone )
Zur Meldung wurde ein neues Labormeldeformular Meldepflichtige Nachweise von multiresistenten Erregern
eingeführt (berücksichtigt auch MRSA).
Die Meldung erfolgt vom Labor aus an das zuständige Gesundheitsamt. Gleichzeitig wird der Einsender über
die Meldung im Befund (Fax) informiert.
Krankenhaushygienische Maßnahmen:
Ziel der KRINKO- Empfehlungen ist es, die Übertragung von multiresistenten gramnegativen Erregern einzudämmen. Detaillierte Angaben zu Epidemiologie, Screening, Überwachung und Behandlung von Patienten
mit MRGN werden gemacht.
Festlegungen, wie in stationären Einrichtungen zu verfahren ist, werden von der zuständigen Abteilung
Krankenhaushygiene getroffen. Siehe dazu auch die Tab. 5 Seite 1344 in den KRINKO–Empfehlungen (1),
welche wir auf Anfrage gern zur Verfügung stellen.
Bei der Zusammenarbeit mit dem Labor steht die Informationsweitergabe von Laborbefunden an behandelnde Ärzte und Hygienefachpersonal im Mittelpunkt.
Wir bieten Ihnen an, sie bei der Erfassung, dem Screening und der Einstufung von resistenten Bakterienisolaten zu beraten und zu unterstützen. Statistiken über das Vorkommen multiresistenter Erreger können
über unser Hybase-Statistikprogramm erstellt werden.
Ansprechpartner:
Dr. rer. nat. Ulrike Grimmer,
Dr. rer. nat. Simone Geyer
Literatur:
(1) Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedelung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen
Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI).
Bundesgesundheitsbl. 2012 · 55:1311–1354
(2) Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz
über die Erweiterung der Meldepflicht für übertragbare Krankheiten und Krankheitserreger nach dem Infektionsschutzgesetz
(IfSGMeldeVO)1 vom 3. Juni 2002 rechtsbereinigt mit Stand vom 16. Dezember 2012
Nützliche Adressen:
www.lua.sachsen.de ; www.rki.de Infektionsschutz Infektions-und Krankenhaushygiene
www.gesunde.sachsen.de - Gesundheitswesen - Öffentlicher Gesundheitsdienst - Infektionsschutz - Verhütung und Bekämpfung von
Infektionskrankheiten - Meldebögen zum Vollzug des IfSG
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