2014-2_Doula Töne - DiA Doula Austria

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Plädoyer für artgerechte
Geburt
Die Sache mit dem
Geburtsschmerz
Ausgabe 2/2014
Doula
Töne
Austausch. Information. Vernetzung. September 2014
Inhalt
Vor & Wort3
Interessant & Brauchbar
Über subjektive Geburtswahrheiten
Plädoyer für eine artgerechte Geburt,
4
Babyzeit und Erziehung6
Medizin & Wissenschaft
Die Sache mit dem Geburtsschmerz
7
Geburt & Bericht
Ein wunderbares Geschenk9
Die Geburt von Hannah Mariella
10
Charlottes Weg ins Leben
10
Frage & Antwort
Dem Schmerz und der Angst Raum geben
Vor & Schau
12
16
Nach & Lese
Göttinnenkonferenz 2014
19
Buch & Film
Diesmal geht alles gut
20
Bei Anruf Baby
21
Als alle Menschen Schwestern waren
22
IMPRESSUM
Herausgeber:
Verein DiA - Doulas in Austria, Begleitung rund um die Geburt
3062 Kirchstetten, Birkengasse 12
Redaktionsteam:
Doris Moser, Marion Strohmaier
Gestaltung, Layout & Cover:
Marion Strohmaier
Mitwirkende dieser Ausgabe: Susanne Kornfeld, Nadja Leeb, Jasmin Nerici, Astrid Riediger,
Beiträge an:[email protected]
Doula Töne 2/2014
2
Liebe Doula Töne Leserinnen & Leser!
Fast unbemerkt hat sich dieser Sommer in den vergangenen Ferienmonaten durch unser Leben
geschlichen. Die Freibäder und Seen unseres Landes konnten wir nur an wenigen Tagen belagern.
Dafür gab es viel Zeit für Ausflüge, Lesen, Hausputz, Innenschau, Vernetzung, Fortbildung....
Und einige Doulas haben vielleicht auch aufgrund des Wetters die Zeit dafür gefunden, sich an ihren
Computer zu setzen und für uns einige interessante Artikel, Geburtsgeschichten und Buchrezensionen zu schreiben. Astrid berichtet uns über ihre Erfahrungen beim Stillkongress in Köln, Susanne und
Nadja bereichern uns mit ihren wunderbaren Geburtsgeschichten, Jasmin hat auch noch die Zeit
gefunden uns über ein von ihr gelesenes Buch zu berichten und Doris ist sowieso eine unermüdliche
Frau, die uns immer wieder mit ihren Schreib- und Interviewkünsten bereichert.
Unsere österreichische Doula-Schwesternschaft wächst unermüdlich, viele hochmotivierte Frauen
haben auch in diesem Jahr wieder ihrer inneren Stimme gelauscht und sind zur Ausbildung nach
Altenmarkt gepilgert. Ein herzliches Willkommen an dieser Stelle und vielleicht gibt es ja unter euch
einige Frauen, die auch den Wunsch verspüren ihr Wissen, ihre persönlichen Erfahrungen in den
Doula Tönen zu veröffentlichen und mit uns zu teilen. Die Beiträge jeder einzelnen Doula sind wertvoll und helfen dabei, unser Frauennetz dichter zu weben und den gemeinsamen Doulageist in die
österreichische Landschaft zu verströmen.
In diesem Sinne wünschen wir euch einen schönen Herbstbeginn und freuen uns auch zukünftig auf
viele Beiträge.
Doris Moser & Marion Strohmaier
Leise entschwindet die Seele des Sommers,
eine Ahnung des Gestern als Hauch,
nur spürbar die vergangene Blüte.
Buddhistische Weisheit
Fotoquelle: Marion Strohmaier
Doula Töne 2/2014
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Über subjektive Geburtswahrheiten
und was Schwangere wirklich wissen sollten
von Doris Moser, Wien
Frauenmagazine prägen unser (Frauen-) Leben. Sie diktieren uns, was gerade angesagt ist, erklären
uns die neuesten Diäten, zeigen uns die „hübschesten“ Frauen, erwecken durch Werbeanzeigen
das Gefühl des Haben-wollens und hinterlassen den schalen Geschmack, dass frau so wie sie ist,
nicht gut genug, nicht schlank genug, nicht schön genug, nicht reich genug, nicht sexy genug ist. Die
österreichische Frauenzeitschrift WOMAN fühlt sich jetzt sogar dafür verantwortlich, uns darüber
aufzuklären, wie Geburt angeblich wirklich ist (http://mobil.woman.at/a/wahrheit-geburt). Sophie
Hase lässt uns unter dem Titel „Ein paar Wahrheiten über Geburt“ an ihrer persönlichen Geburtserfahrung teilhaben und stellt diese als ultimative Wahrheit dar. Das ist Angstmache in Reinform, denn
dass Geburt auch ganz anders sein kann, wird an keiner Stelle erwähnt. Und obwohl höflich darauf
hingewiesen wurde, dass WOMAN mit seiner großen Auflagenzahl wohl meinungsbildenden Charakter hat und eine Gegendarstellung angebracht wäre, hat die zuständige Redaktion kein Interesse
daran gezeigt, das Thema Geburt wieder ins rechte Licht zu rücken. Hier also ein Versuch, sogenannte Geburtswahrheiten zu relativieren.
Wenn eine selbsternannte GeburtsvorbereitungskursStreberin, die bereits in der Schwangerschaft im Sinne
von Sicherheit und Kontrolle einen Marathon an Kursen
und Programmen absolviert hat, uns die „hässliche Wahrheit“ über Geburt nicht vorenthalten will, dann wird es
richtig schmutzig. Dann geht es um nicht auszuhaltende
Schmerzen, es wird geblutet, gepupst, geschrien und über
nicht standesgemäße Krankenhauswäsche gejammert.
Und was soll ich sagen? Ja, es stimmt, eine Geburt kann
schmerzhaft sein, Frau sieht sich mit Körperflüssigkeiten
konfrontiert, die sie sonst so nicht zu sehen bekommt, und
ja, nach einer Geburt gehören sexy Dessous nicht gerade
zum Standartprogramm – sie sind schlichtweg unnötig!
Aber Erfahrungen sind nun mal subjektiv und die Wahrheit über Geburt kann auch ganz anderes aussehen. Aber
erst mal eins nach dem anderen:
„Wenn es ernst wird, dreht man durch.“ Kennt nicht jede
das Gefühl, das sich einstellt, wenn ihr bewusst wird, dass
es JETZT tatsächlich losgeht und es nur noch eine Frage
der Zeit (und Anstrengung) ist, bis das Baby so wirklich geboren ist – und das bisherige Leben damit ein für alle Mal
der Vergangenheit angehört? Ja, diese Momente gibt es!
Und auch der Wunsch auf die Pausetaste zu drücken ist
vielen Müttern wohl bekannt. Aber was spricht dagegen,
das auch wirklich zu tun? Statt sich in den Kreissaal rollen
zu lassen und wie ein Stück Fleisch sämtliche angedachten
Prozeduren über sich ergehen zu lassen (und sich dabei
berechtigterweise überfordert zu fühlen), könnte Frau sich
doch tatsächlich eine Auszeit gönnen. Aufstehen, dem anwesenden Krankenhauspersonal mitteilen, dass einer das
gerade alles etwas zu viel und zu schnell ist und frau JETZT
mit ihrem Partner erst einmal eine Runde im Kranken
Doula Töne 2/2014
hausgarten spazieren geht, um sich noch einen Moment
der Ruhe zu gönnen, damit die Einstimmung auf die bevorstehende Geburt besser gelingen kann. Diese Maßnahme
erfordert vielleicht etwas Mut, aber lohnt sich in jedem
Fall.
Beruhigt, gestärkt und motiviert kehrt Frau dann in den
Kreissaal zurück und lässt sich auf das Abenteuer Geburt
ein. Ja, es stimmt: Eine Geburt kann schmerzhaft sein!
Das ist eine Tatsache, aber es ist auch eine Tatsache, dass
Frauenkörper grundsätzlich sehr gebärfähig sind. Geburt
ist vor allem auch eine Kopfsache. Der Kopf ist nämlich der
Teil des Körpers, der bei einer Geburt so rein gar nichts zu
melden haben sollte. Das meint auch die amerikanische
Hebamme und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Ina
May Gaskin, wenn sie meint: Lass es die Äffin in dir tun!
Also lasst uns alle zu Affen werden – zumindest unter der
Geburt! Bei einer Geburt geht es um das Loslassen, das
Zulassen und um das Abschalten des Verstandes. Da hilft
es beim besten Willen nichts, wenn dreißig kleingeschriebene A4 Seiten an Notizen aus dem Geburtsvorbereitungskurs in der Nachttischlade liegen. Und ja, es stimmt auch,
dass die wenigsten Geburtsvorbereitungskurse eine Frau
wirklich auf die Geburt vorbereiten können.
Auf das, was da auf eine zukommt, kann eine niemand vorbereiten und auch die Arbeit der Geburt kann einer niemand abnehmen. Das sind Dinge, die Frau mit sich selbst
auszumachen hat – und mit dem Baby in ihrem Bauch. Da
hilft auch die schnell gelegte und gut dosierte PDA nur in
den wenigsten Fällen tatsächlich, denn die Zusammenarbeit zwischen Mutter und Kind wird beträchtlich gestört
und der Großteil des Aufwandes dem ungeborene Kind
4
Fotoquelle: Astrid Riediger
überlassen. Und das tut sich dann meist besonders schwer
auf die Welt zu kommen, wenn von der im Bett dösenden
Mama so gar keine Hilfe mehr kommt.
Die Geburtsvorbereitungskurs-Streberin ist auch von ihrem eigenen Körper angewidert. Oder zumindest von
dem, was da alles aus ihrem Körper heraus will. Also nicht
das Baby selbst, das ist dann doch ganz nett anzusehen,
wenn es erst mal geboren ist und das durch den Geburtskanal leicht (oder auch sehr) verformte Köpfchen wieder
seine ursprüngliche Form angenommen hat. Auch die Käseschmiere und Blutreste sind von der Hebamme schnell
abgewaschen. So kann das Kindchen dann auch dem
frischgebackenen Papa zugemutet werden. Und während
der mit seinem neugeborenen Nachwuchs beschäftigt und
somit abgelenkt ist, gibt es dann doch noch so einige Dinge, die da noch raus wollen. Die Plazenta beispielsweise!
Die Geburtsvorbereitungskurs-Streberin fühlt sich an den
Film „Alien“ erinnert, wenn sie die Plazenta ihres Kindes
sieht. Also liebe zukünftige Mütter: Nein, die Plazenta hat
nichts mit Aliens oder anderen Horrorvorstellungen zu
tun. Was da noch geboren werden will, ist genetisch gesehen ein Teil eures Kindes. Es ist ein ganz wunderbares
und vielfältiges Organ, das euer Kind während der Bauchzeit am Leben gehalten hat und mit all dem versorgt hat,
was es brauchte, um sich optimal entwickeln zu können.
Sämtliche Körperfunktionen, die von dem ungeborenen
kindlichen Körper noch nicht selbstständig erledigt werden konnten, hat die Plazenta übernommen und dann
nach und nach eingestellt bis sie mit der Geburt des Kindes ihre Aufgabe endgültig erfüllt hat. Was ihr also zu sehen bekommt ist ein Wunderwerk der Natur. Gut, manch
ästhetische Ansprüche wird sie vielleicht nicht erfüllen,
aber ekelerregend oder grausig ist sie mit Sicherheit nicht,
die Plazenta. Schaut Frau also doch hin, dann gleicht die
Plazenta wohl am ehesten einem Stück Fleisch. So einem
Stück Fleisch, das die meisten von uns tagtäglich mit Genuss zu sich nehmen.
Doula Töne 2/2014
Und wenn wir schon bei der Wahrheit sind: Die Plazenta
ist nicht das Einzige (außer dem Baby), das während der
Geburt euren Körper verlassen wird. Da hätten wir einmal
das Fruchtwasser, vermutlich etwas Blut und ach ja, gepupst wird auch hin und wieder – wie auch die Geburtsvorbereitungskurs-Streberin feststellen musste. Aber das
ist noch immer nicht alles: Manchmal wird beim Pressen
auch etwas Kot ausgeschieden und die Presswehen bringen so manche Frau zum Kotzen.
Aber liebe Frauen, soll ich euch etwas verraten? Das alles hat einen Sinn. Die Darmentleerung macht dem Baby
im engen Geburtskanal mehr Platz. Und wenn wir schon
bei Ehrlichkeiten angelangt sind, dann kann ich euch nur
raten: Macht es nicht wie die Angsthäsin, macht es wie
die Äffin! Werft euren Stolz über Bord und gebt euch dem
Geschehen hin! Geburt ist ein natürlicher Körpervorgang,
nichts wovor ihr euch fürchten müsst.
Die Vorstellung vom Pupsen und Kacken vor fremden
Menschen, in Anwesenheit des nicht unhübschen Gynäkologen, der eure Geburt überwacht, klingt nicht gerade
prickelnd für euch? Dann überlegt euch einfach VOR der
Geburt, wo ihr diese Körpervorgänge schamlos und völlig
frei ausleben könnt. Na, klingelt es? Schon mal ein Schamgefühl verspürt, als ihr zuhause ungestört am Klo wart?
Vielleicht ist die Klinik nicht unbedingt der beste Ort, um
die Geburt mit all ihren unlustigen Wahrheiten über die
Bühne zu bringen. Und letztendlich habt ihr es in der Hand,
die Rahmenbedingungen der Geburt so zu gestalten, das
das Erleben für euch nicht zu einer Demütigung wird, sondern zum Moment eurer größten Würde und Kraft. Denn
es gibt auch diese Geburtsgeschichten: Selbstbestimmte,
kraftvolle und einzigartige Momente, in denen neues Leben geboren wird. Ihr habt es in der Hand!
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Plädoyer für eine artgerechte Geburt,
Babyzeit und Erziehung
von Astrid Riediger, Wien
Diejenigen unter uns, die mich näher kennen, wissen, dass dieses Feuer in mir brennt, das in
der Folge einer möglichst natürlichen Geburt und Stillzeit, ebenso einen artgerechten Umgang mit unseren Kindern fordert. Dazu gehören das Tragen, das Stillen, Windelfrei, Familienbett, babyled weaning etc., aber auch die respektvolle Begegnung mit kleinen Trotzköpfchen, angeblichen Schulversagern und pubertierenden Jugendlichen auf Augenhöhe.
Der jährlich in Köln stattfindende Stillkongress der AFS-Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen bot mir in diesem Jahr
die Möglichkeit, meine Fortbildungskurse und Fachforen rund ums Thema Artgerecht auszuwählen und zu belegen. Ich
habe am Kurs des Artgerecht-Projekts* teilgenommen, an „Kinesthetic Infant Handling“ und am Fachforum von Herbert
Renz-Polster, Kinderarzt, Wissenschaftler und Vater von vier Kindern, der vielen wahrscheinlich auch ein Begriff als Autor
ist.
In seinem Buch MENSCHEN-KINDER beschreibt er, wie die Entwicklung von Kindern mit Hilfe der Evolutionstheorie
besser verstanden werden kann. Ständig sich ändernde Erziehungstheorien und Ratschläge werden erst aufhören zu
boomen, so der Autor, wenn wir die jahrtausendealte Geschichte unserer Kinder näher betrachten. Denn Kinder kommen mit uralten Bedürfnissen und Erwartungen auf die Welt, die von Renz-Polster aufgezeigt und detailliert beschrieben
werden.
Es ist zu billig, den Eltern den schwarzen Peter zuzuschieben, wenn die Erziehung nicht klappt,
solange Eltern wie Kinder in einer wenig passenden Umgebung leben und kein Verständnis zu
erwarten haben. Eltern sollten mehr darüber erfahren, was für eine gesunde Entwicklung von
Körper und Seele in unser aller Evolutionsgeschichte von Bedeutung war, um die Aktionen und
Reaktionen ihrer Kinder zu verstehen. Und die artgerechte Kindheit gehöre dringend unter
Naturschutz gestellt, so Renz-Polster.
MENSCHEN-KINDER ist ein lesenswertes, Horizont erweiterndes Buch und allen zu empfehlen,
die sich lieber selbst Gedanken machen, als sich auf Ratschläge zu verlassen (www.menschenkinder-das-buch.de).
*Das Artgerecht-Projekt von Julia Dibbern und Nicola Schmidt
unterstützt Eltern beim Start ins Artgerechte Familienleben
http://www.artgerecht-projekt.de
„Es ist höchste Zeit, dass wir eine Frage für Menschenkinder stellen,
die bislang offenbar vor allem für Legehennen wichtig erschien: die
Frage nach der artgerechten Umwelt.“
Dr. med. Herbert Renz-Polster
PS.: Persönliche Anmerkung zum Zitat des Autors: Als Veganerin stellt mich das Resultat der Bestrebungen für die Lebensbedingungen von Nutztieren in keiner Weise zufrieden und so hoffe ich auf bessere Erfolge für die Zukunft unserer
Kinder.
Doula Töne 2/2014
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Die Sache mit dem Geburtsschmerz
von Doris Moser, Wien
Im April 2014 ist im Standard ein Interview mit der Hausgeburtshebamme Heidi Achter erschienen,
das einigen Staub aufgewirbelt hat. Unter anderem erwähnt Heidi Achter den Geburtsschmerz und
weist darauf hin, dass dieser einen Sinn hat. Sie kritisiert, dass der Geburtsschmerz gesellschaftlich
abgelehnt wird und die angebliche Schmerzfreiheit von der Ärzteschaft richtiggehend propagiert
wird. Daher würden viele Menschen glauben, dass der Schmerz unter der Geburt verzichtbar ist und
eine Ausschaltung mit Medikamenten nicht nur möglich ist, sondern auch ohne Folgen bleibt. Leider wurde das Interview an dieser Stelle abgebrochen, sodass nähere Erklärungen dazu ausbleiben
mussten.
Groß war daher auch das Echo und auf der entsprechenden Internetseite sind unzählige Kommentare zu dem Artikel nachzulesen. So schreibt beispielsweise Mahatma:
„Kein Mensch möchte Schmerzen verspüren, auch werdende Mütter nicht! „Schmerz verleiht der Gebärenden ein
Glücksgefühl, das später Kraft für die Mühen der Erziehung
verleiht?“ Geistiges Mittelalter oder eine rigide Wiedergabe des Alten Testaments? Hebammen? Nein, danke!“
Schmerz bei oder nach einer Verletzung und viele Frauen
auch nicht darunter „leiden“, scheint hierbei keine Rolle
zu spielen. Der Geburtsschmerz macht tatsächlich Sinn.
Allein schon aus einem psychologischen Blickwinkel. Ich
leiste schwere körperliche Arbeit, die mitunter eben auch
schmerzhaft sein kann, dafür darf ich einem kleinen Menschenkind das Leben schenken. Ich bewältige eine herausfordernde Situation und kann daran wachsen.
Und Whisker fühlt sich bemüsigt, uns diese Worte zukommen zu lassen: „Wenn man sich das teilweise esoterisch
anmutende Geschwurbel dieser Tussi so durchliest, kann
man nur froh sein, dass statt Hebammen in den Krankenhäusern immer noch Ärzte das letzte Wort haben.“
Dass der Schmerz unter der Geburt tatsächlich auch aus
physiologischer Sicht Sinn macht, wird den Frauen vor
allem auch von Seiten der Wir-können-alles-Medizin verschwiegen. Zu verlockend scheint demnach auch die Vorstellung zu sein: schwangere Frau rein, Kind raus und das
alles möglichst schnell und schmerzfrei!
Viele weitere, teilweise ebenso emotionale Posts gehen
in diese Richtung: Schmerz ist nicht natürlich, sondern
ein „Überbleibsel aus der Zeit vor der Aufklärung“, manche fühlen sich an das „tiefste Mittelalter“ erinnert und
die Sinnhaftigkeit von Geburtsschmerz wird mit der Sinnhaftigkeit diverser Foltermethoden verglichen. Natürliche
Geburt wird offensichtlich mit Esoterik gleichgesetzt und
das bewusste Erleben der (manchmal schmerzhaften) körperlichen Vorgänge während der Geburt scheint für viele
so absurd zu sein, dass Menschen, die diese Erfahrung gemacht haben und sie letztendlich als etwas Positives in ihr
Leben integrieren konnten, angefeindet und für verrückt
erklärt werden. Doch woher kommt diese Haltung?
Der Geburtsschmerz wird, ebenso wie jegliche Art von
Schmerz, gesellschaftlich abgelehnt. In unserem dualistischen Weltbild wird alles in die Kategorien gut oder
schlecht eingeteilt. ( Geburts-) Schmerz? Eindeutig
schlecht! Niemand möchte Schmerz erleiden. Leiden. Das
passt einfach nicht in unser Weltbild. Alles muss funktionieren, der Mensch muss funktionieren und die Frau hat
gefälligst ihr Baby zu gebären – und zwar schmerzfrei, weil
es möchte doch niemand zusehen müssen, wie so ein armes Geschöpf leidet. Dass der Geburtsschmerz allerdings
ein gänzlich anderer Schmerz ist als beispielsweise der
Doula Töne 2/2014
Doch Geburt ist und bleibt, trotz allem technischen Fortschritt und medizinischer Machermentalität, ein natürlicher physiologischer Vorgang. Und Teil dieses körperlichen
Vorgangs ist auch der so genannte Geburtsschmerz. Dieses
Gefühl, das Frauen während der Geburt ihrer Kinder erleben und manchmal als schmerzhaft empfinden, ist nicht
eine Strafe Gottes für den Sündenfall Evas, sondern ein Geschenk des Lebens an die Mutter und ihr Kind.
Warum? Vermutlich hat jede schon einmal gehört oder
gelesen, dass der Schmerz während der Geburt Teil eines
ausgeklügelten Prozesses ist, der vor allem das Hormonsystem der Mutter betrifft und Auswirkungen auf den Geburtsverlauf, aber auch auf das Bonding zwischen Mutter
und Kind hat. Bereits kleinste Eingriffe von außen können
diesen empfindlichen Vorgang stören und dazu führen,
dass die Geburt sich verzögert oder Komplikationen eintreten. Da die unter der Geburt freigesetzten Hormone
auch Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Bindung haben
und diese positiv beeinflussen, muss davon ausgegangen
werden, dass ein Eingriff in dieses komplexe System nicht
ohne Auswirkungen auf das Bindungsverhalten von Mutter und Kind bleibt.
7
„Wehen sind eine Gelegenheit
für Frauen, etwas über sich zu
lernen und die Stärke und
Weisheit ihres Körpers zu
entdecken.“
Deepak Chopra
Einen neuen Aspekt bringt Dagmar Margotsdotter-Fricke
in die Diskussion ein, wenn sie den Zusammenhang zwischen Geburtsschmerz und spiritueller Entwicklung herstellt.
Die durch Wehen unter der Geburt ausgelösten Schmerzen führen dazu, dass das Gehirn und der Rest des Körpers
mit Adrenalin, Oxytocin und Prolaktin überschwemmt
werden. Oxytocin, das eine halluzinogene Wirkung hat,
und Prolaktin werden gerne als Glücks- oder Liebeshormone bezeichnet. Endorphine, körpereigene Morphine
und Opiate spielen während der Geburt ebenfalls eine
bedeutende Rolle. Während der Geburt ist alles im Körper der Frau auf eine Veränderung des Bewusstseinszustandes eingestellt. Die Gebärende gerät in einen Rausch,
in Ekstase, in einen visionären Zustand. Viele von uns
kennen den entrückten Ausdruck im Gesicht einer Gebärenden oder beschreiben den Zustand während einer
Geburt als „nicht von dieser Welt“. Wir sagen dann: Die
Frau befindet sich gerade am „Geburtsplaneten“.
leicht sogar jede einzelne Wehe/Welle mit einem lauten
JAAA! begrüßen? Sind wir tatsächlich verrückt oder erinnern wir uns an die große Weisheit des Lebens, an die
Notwendigkeit der Hingabe in diesen Stunden unserer
größten Transformation?
Hinzu kommt noch die Komponente des Todes. Die Geburt als Übergang zum Leben beinhaltet immer auch
die Möglichkeit des Todes. Menschenfrauen können in
diesem außergewöhnlichen Bewusstseinszustand, für
den die Wehenschmerzen mitverantwortlich sind, die
Einswerdung mit allem was ist erleben. Doch nicht nur
die Mutter erlebt diesen Zustand, auch das Kind, das
gerade geboren wird, erhält über die Mutter diesen außergewöhnlichen Hormoncocktail. Dieser berauscht und
beglückt auch das Kind auf dem Weg ins Leben. Vollgepumpt mit „Liebesdrogen“ ist die Geburt offenbar nicht
als entsetzliche Todeserfahrung vorgesehen, sondern als
rauschende Orgie der Glücksgefühle.
Sind wir also tatsächlich esoterische Spinnerinnen oder
gar versteckte Masochistinnen, wenn wir uns auf das
Erlebnis der Geburt und die damit verbundenen körperlichen Symptome einlassen? Wenn wir das mitunter
schmerzhafte Geschehen dankbar annehmen und viel-
Doula Töne 2/2014
Fotoquelle: freeimages.com
8
Ein wunderbares Geschenk
von Susanne Kornfeld, Wien
Nachdem mir meine 1. Geburtsbegleitung mehr als 12
Stunden wirklichen Körpereinsatz abverlangt hatte, ging
ich davon aus, dass das eben so ist: Die Doula darf/soll/
muss körperlich nahezu ebenso gefordert werden wie die
Gebärende.
Dementsprechend gespannt erwartete ich mein 2. Doulababy im Juni 2013 - es sollte noch dazu mein erster Einsatz
als „allein verantwortliche“ Doula sein. Dass es dann sogar
eine Geburt ohne Hebamme werden würde, wusste ich zu
diesem Zeitpunkt (zum Glück?) noch nicht.
Meine Freundin wünschte sich schon bei ihrem 2. Baby
eine Hausgeburt. Da es in der Schwangerschaft aber leider
einige Komplikationen gab, wurde es schlussendlich eine
ambulante Geburt mit eigener Hebamme in der Babyvilla in Klosterneuburg. Obwohl alles sehr harmonisch und
auch, zumindest teilweise, selbstbestimmt abgelaufen
ist, war sofort klar, dass Baby Nummer 3 daheim zur Welt
kommen sollte. Diesmal war alles ok, es sprach nichts dagegen - eine Hebamme war schnell gefunden und dass ich
die Doula sein sollte, war auch von Anfang an klar. Eine
Backup Doula wollte die werdende Mama nicht.
Der 1. Juni war ein Samstag. Nach einem gemütlichen
Frühstück mit meiner Familie bekam ich am späteren Vormittag den Anruf, dass sich das Baby wohl auf den Weg in
unsere Welt macht - allerdings stand der Mama der Sinn
noch nicht nach Gesellschaft. Sie wollte die Eröffnungsphase alleine mit ihrem Mann und den beiden bald großen Geschwistern verbringen.
Ich war freudig aufgeregt und plötzlich nicht mehr wirklich
fähig, mich auf etwas zu konzentrieren. Um mich abzulenken, marschierte ich in ein Geschäft in unserer Nachbarschaft, um eine Puppe zum Geburtstag unserer Jüngsten
auszusuchen. Inmitten all der verschiedenen Puppen läutete plötzlich mein Handy und der aufgeregte bald 3fache
Papa bat mich, jetzt doch - und zwar so schnell wie möglich - zu kommen. Im Laufschritt ging‘s nach Hause. Meine Älteste, die ich ebenfalls per Mobiltelefon informiert
hatte, kam mir schon mit meiner gepackten Doulatasche
entgegen und war so lieb, mich zu meiner Freundin zu
bringen. Sehr praktisch, wenn das Töchterchen schon einen Führerschein besitzt, erspart sich die Mutter das Parkplatzsuchen. Und das sollte sich in diesem Fall als wahrer
Segen herausstellen.
Auf den ersten Blick war zu erkennen, dass es nicht mehr
lange dauern konnte, bis das Baby zur Welt kommen würde, allerdings war die werdende Mama völlig verkrampft.
Die Kinder waren, ob der offensichtlichen Schmerzen der
Mama, ein wenig irritiert und der Papa wusste auch nicht
recht, was er noch tun konnte. Im Gegensatz zum letzten
Mal, wo ich „meiner“ Frau durch Massage und Gegen-
Doula Töne 2/2014
druck sehr helfen konnte, wollte die Gebärende absolut
nicht berührt werden. So habe ich mich nur neben sie gekniet, sie ermutigt zu tönen und sich so zu entspannen.
Zuerst war sie genervt und zornig und wollte einfach nur,
dass der Schmerz aufhört, aber dann hat sie gemerkt, dass
das, was ich vorschlage, wirklich hilft und dass die Schmerzen durch die Entspannung besser auszuhalten waren!
Ganz schnell war klar, dass es die Hebamme, die gleichzeitig mit mir gerufen wurde, allerdings einen wesentlich längeren Anfahrtsweg hatte, nicht mehr rechtzeitig schaffen
würde. Mittlerweile hatte ich die Kinder ein bisschen abgelenkt und den Papa gebeten, sich hinter seine Frau, die
im Vierfüßlerstand vor der Couch kniete, zu setzen, um das
Baby aufzufangen. Keine Sekunde zu früh, denn da war das
Köpfchen schon zu sehen und mit der nächsten Wehe wurde das Baby völlig problemlos geboren ❤! Die Hebamme
hätte es beinahe doch noch geschafft - sie war schon im
Stiegenhaus. Danach übernahm sie Mama und Baby und
ich kümmerte mich um die beiden Großen. Gemeinsam
bewunderten wir das neue Brüderchen und versicherten
uns, dass die Mama ok war.
Nach meiner ersten, 12 Stunden dauernden Geburtsbegleitung, dauerte die zweite gerade mal 12 Minuten. Und
obwohl ich rein körperlich nichts tun konnte um der Frau
die Geburtsarbeit zu erleichtern, war es ein schönes Gefühl, zu merken, dass ich ihr aktiv helfen konnte, sich zu
entspannen. Alleine meine Anwesenheit hat ihr geholfen
und im Nachhinein wünschte sie, sie hätte mich früher gerufen!
So unterschiedlich und doch so gleich ist unser Doulasein
… jedes Mal ein wunderbares Geschenk ... danke Leben!
fotoquelle: freeimages.com
9
Die Geburt von Hannah Mariella
von Jasmin Nerici, Niederösterreich
Nachdem der wunderbare Geburtsbericht von Jasmin zu viele
Seiten für unsere Doula Töne beinhaltet, wir diese schöne Geschichte
weder kürzen, noch euch vorenthalten wollen, schicken wir euch
den Link, von dem ihr euch alles
runterladen und in Ruhe durchlesen könnt.
http://www.positivebirth.at/sowar-die-3-geburt-von-positive-birth-initiatorin-jasmin/
Charlottes Weg ins Leben
von Nadja Leeb, Oberösterreich
Eigentlich wurde ja der 25.12.06 als Geburtstermin unserer Tochter Charlotte ins Auge gefasst. Da
sie sich entschloss einen Sitzstreik (Beckenendlage) auszusitzen, wurde da auch nicht viel an Überzeit geboten und so wurde diskutiert am 25.12. einzuleiten oder eventuell doch den verhassten
Kaiserschnitt in Erwägung zu ziehen. Doch nach einer Untersuchung im Krankenhaus wurde davon
abgesehen die Geburt einzuleiten und da ich mich am 27.12. gegen einen KS aussprach, wurde eine
Galgenfrist bis 30.12.06 ausgemacht, doch dann sollte dringend was passieren. Mit diesen Worten
verließen wir das Krankenhaus, ich mal wieder depressiv, mein Mann nach einer Lösung bemüht.
Zu Hause angekommen setzten wir die angehenden Omas und Opas in Kenntnis, dass es wohl noch
dauern würde, bis sich der ersehnte Enkel einstellt.
Nachdem wir nun für diesen Tag nichts außer Geburt geplant hatten, beschlossen wir am Nachmittag schwimmen
zugehen. So fuhren wir nach Bad Ischl ins Solebad und genossen die Zeit zu zweit. Am Abend verpasste mir mein
Schatz noch eine tolle Massage und um ca. 22.00 Uhr wanderte ich fertig ins Bett. Ich schlief seid Wochen das erste
Mal wieder einfach so ein!
Doula Töne 2/2014
Um 2.30 Uhr wurde ich durch ein Ziehen im Rücken und
Unterbauch wach und wanderte aufs Klo und beim Zurückgehen schickte ich meinen lieben Mann ins Bett. Wieder schlief ich einfach so ein. Eine Stunde später wurde
ich durch dieselben Schmerzen geweckt. Ich dachte mir
noch: Komisch, was soll denn das wieder sein? 20 Minuten
später derselbe Schmerz, etwas heftiger. Da ich aber schon
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seid drei Wochen immer wieder Schmerzen hatte, dachte ich mir, ich bilde mir da was ein und entschloss mich
einfach weiter zu schlafen. Wenn ich schon mal schlafen
kann, dann nütz ich das doch gleich mal aus. Nach weiteren 10 Minuten wurde ich wieder geweckt und ich entschied mich für eine Dusche. Diese war herrlich, doch
auch da hatte ich wieder Schmerzen und ich musste mich
mal an der Duschwand festhalten, um diese auszuhalten.
Ich dachte kurz daran eine Hebamme im Krankenhaus anzurufen, aber das schlug ich mir wieder aus dem Kopf, weil
doch erst am Tag davor gesagt wurde, dass es noch dauern
kann.
Also zurück ins Bett, kaum zugedeckt: PLOPP und Wasser
kam aus mir raus. Das war um 4.34 Uhr. Ich weckte meinen Hasen auf und wir machten uns auf den Weg ins Krankenhaus, entschieden uns gegen einen Rettungswagen, da
der länger gebraucht hätte.
Dort angekommen (um ca. 5.00 Uhr) wurden wir empfangen, die Hebamme schimpfte, weil ich immer noch rumging und nicht die Rettung gerufen habe, aber laut CTG
war alles in Ordnung.
Ich musste mal aufs Klo und dort fing es an heftig zu werden. Ich konnte gerade noch den Papiereimer zum Mund
reißen und musste mich ein paar Mal herzhaft übergeben. Ab in den Kreissaal! Muttermund ging bis 9.00 Uhr
vollständig auf. Bis dorthin musste ich mich in so ziemlich
jeden Papiereimer übergeben, den ich fand. Ich wurde ermuntert zu gehen und mich zu bewegen, das war aber gar
nicht mehr so einfach. Nach der Infusion gegen Streptokokken und einem Einlauf ging alles immer schneller. Heftige Schmerzen, die ins Kreuz gingen.
Mein Mann hatte alle Hände voll zu tun, da wir so gut wie
alleine waren. Neben mir war eine andere Frau, die sich
die Seele aus dem Leib schrie. Ich wurde nervös, weil ich
dachte: OH GOTT, das steht mir auch noch bevor!
Die Hebamme rannte hin und her. Endlich kam der Oberarzt, der die Beckenendlage entbinden konnte und mich
schon die ganze Zeit betreut hat. Er untersuchte mich und
ermunterte mich nochmals auf Klo zugehen, damit mir ein
Katheder erspart bleibt. Dann sollte ich hocken und den
4-Füsslerstand ausprobieren. In jeder Position ein bis zwei,
besser drei Wehen verbringen. Der Pressdrang setzte ein.
Die Hebamme sagte mir, wie ich Charlotte runterschieben
konnte. Das tat ich, alles wollte ich befolgen, nur um einem
Kaiserschnitt aus dem Weg zugehen. Mein Mann machte
mir den Waschlappen nass, schmierte Lippenpflege nach,
gab mir Wasser, massierte wie verrückt meinen Rücken.
zurück. Der Arzt wollte mich nochmals motivieren aufs Klo
zu gehen, ich verweigerte. Ich konnte nicht mehr aufstehen. Dann untersuchte er noch schnell einmal und sagte:
„Nein, Sie stehen auch nicht mehr auf.“
Dann ging alles schnell und das Bett wurde umgebaut, der
Wehentropf höher gestellt. Der Kreissaal füllte sich mit
Leuten. Haha, das war eine Vorführung für die Leute, damit auch die mal sahen, wie so was laufen sollte! „Außerdem haben wir einen neuen Primar, der das unbedingt mal
sehen wollte (Manualhilfe nach Brecht)!“
Die Assistenzärztin zur Linken, Mann zur Rechten, vor mir
der Arzt und die Hebamme sowie zwei Turnusärzte und
der Primar. Nicht schön, nicht die intime Geburt, die ich
mir gewünscht hatte. Ich bekam einen Katheder gesetzt
und für den Dammschnitt eine Spritze. Die tat mir weh,
dann hörte ich die Schere. Dann folgten Kommandos in
meine Richtung vom Arzt, in die Richtung der Assistenzärztin, falls sie mir auf den Bauch drücken sollte. Bis dahin
hatte ich schon ein paar Presswehen und ich durfte mithelfen und dann wieder entspannen. Irgendwann fragte ich:
Was seht ihr da unten alles? Ich wurde gefragt, ob ich weiß
was es denn werden sollte. Ich sagte: „Ein Mädchen.“ Da
lachte der Arzt und sagte: „Genau das sehe ich schon!“ Irgendwann fühlte ich meinen Kreislauf zusammenbrechen.
Die Ärztin wollte mir einen stinkenden Plastikhandschuh
übers Gesicht halten. Ich sagte mir: REISS DICH ZUSAMMEN, SONST MACHEN DIE KURZEN PROZESS MIT DIR.
Der Arzt musste Charlotte etwas stoppen, da sie sehr
schnell raus wollte. Ein letztes Kommando an mich: Pressen bis er STOPP sagt!
Ich sah noch wie er etwas zur Hebamme flüsterte und
dachte, dass er ihr das Kommando gibt, dass sie mir auf
den Bauch springen soll. Und damit ich schneller bin als
die gute Frau, presste ich aus lauter Angst. Ich presste
noch, als ich ein Baby schreien hörte! Ich schrie die Luft
aus mir raus und wollte wissen was los ist. Dann kamen die
Worte: SIE IST DA!
Und da war sie! Schöner als erträumt und ohne jede Komplikation. Ohne Schmerzmittel und ohne KAISERSCHNITT!!!
Da ich niemanden außer der Hebamme, den Oberarzt und
meinen Mann an mich ranließ, hatte er alle Hände voll
zu tun. Eine Ärztin kam und wollte ihn unterstützen, ich
schaute sie an und sagte nur: „WEG! WEG!“ Sie verstand
sofort, dass sie nicht näher kommen brauchte.
Dann kam der Arzt endlich wieder von der anderen Frau
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Dem Schmerz und der Angst Raum geben
Vor allem Erstgebärende verbinden in ihrer Vorstellung Geburt mit dem Empfinden von
Schmerz. Eine Geburt ist schmerzhaft, muss schmerzhaft sein – etwas, das uns schon von
Kindheit an vermittelt wird. Dass Geburt auch anders sein kann und der Umgang mit Schmerz
eine sehr individuelle Sache ist, wird uns zumeist verschwiegen. Und so plagen uns vielfältige Ängste, wenn wir an die bevorstehende Geburt denken: Werde ich das schaffen? Bin
ich stark genug? Was, wenn ich die Schmerzen nicht mehr ertragen kann? An diesem Punkt
springt die Medizin mit zahlreichen Helferchen ein, um der werdenden Mutter ihre Angst zu
nehmen: schmerzstillende Mittel, PDA und gegebenenfalls die „schmerzfreie“ Geburt durch
den Bauch. Dass Schmerz nicht gleich Schmerz ist, dieser in Zusammenhang mit der Geburt
aber durchaus auch Sinn machen kann und es außerdem zahlreiche Möglichkeiten gibt, um
sich bereits in der Schwangerschaft mit diesem Thema auseinander zu setzen, zeigt uns im
Gespräch mit Doris Moser die zweifache Mutter und HypnoBirthing Kursleiterin Nina Winner. Der Kreislauf aus Angst, Anspannung und Schmerz kann durchbrochen werden und es
gibt zahlreiche Erfahrungsberichte, die belegen, dass eine Geburt nicht unbedingt mit einer
schmerzhaften körperlichen Erfahrung einhergehen muss. Das ist etwas, das alle Frauen erfahren sollten!
Liebe Nina, was gibt es über dich zu wissen?
Ich bin Mama von zwei Kindern, Ehefrau, Tänzerin, Bewegungsanalytikerin, HypnoBirthing Kursleiterin, BOLD Method for birth facilitator und liebe alles, was mitYoga, Meditation und Achtsamkeit zu tun hat. Mein Herzensthema ist
die Geburt, ich bin Bloggerin, Birth Visionary und Geburtsaktivistin. Ich brauche Musik in meinem Leben, hab schon
mal fast alles verloren, bin harmoniebedürftig und brauche
Himmel über mir und den Wind in meinen Haaren.
Ich bin in freier Praxis tätig und arbeite mit Kindern, Kinderwunschklientinnen, schwangeren Frauen, mit Müttern, die
eine schwierige Geburt erlebt haben, mit müden Mamas
und jeden Tag an mir selbst.
Woran denkst, du wenn du das Wort „Geburtsschmerz“
hörst?
Ich denke an Filmszenen, sterile Krankenhausgänge, Nadeln
und Kabel, Magazinartikel und Onlineforendiskussionen.
Genauso denke ich an ‚rite of passage‘, Frauenkraft, Leben
und Sterben, Über-Sich-Hinauswachsen.
Der so genannte Geburtsschmerz scheint die Geister zu
scheiden: Die einen wollen ihn mit Hilfe von Medikamenten ausschalten, die anderen sehen in ihm eine Quelle der
Kraft. Wie siehst du das?
Doula Töne 2/2014
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Schmerz ist ein Zeichen von Anspannung, es sei denn, man ist wirklich verletzt, was man bei einem normalen Geburtsvorgang in den allermeisten Fällen ausschließen kann. Schmerz kann ein Zeichen für Angst sein. Es kann auch ein Zeichen
von Erweiterung und Wachstum sein. Wir alle empfinden Schmerz auf eine ganz individuelle Art und Weise. Es hängt
deutlich davon ab, was wir im Laufe unseres Lebens für Erfahrungen im Umgang mit Schmerz, schmerzvollen Erlebnissen oder intensiven Empfindungen in unserem Körper gemacht haben. Wie ist generell unser Verhältnis zu unserem
Körper? Können wir seine Zeichen wahrnehmen? Respektieren wir seine Botschaften? Wie erleben wir unsere eigene
innere Kraft?
Verständlicherweise erscheint es erträglicher, nichts zu spüren, als Schmerzen zu spüren. Schmerz kann aber eine sehr
wichtige Botschaft unseres Körpers an uns darstellen. Er zwingt uns, hinzusehen, hin zu spüren, uns so anzunehmen,
wie wir sind.
Wo Angst zu Schmerz führt und Schmerz Angst macht, da ist auch die Frage zu stellen, was uns sonst im Leben noch unheimlich, unangenehm und schmerzhaft ist. Dem Schmerz und der Angst einen Raum zu geben – durch Meditation, Tiefenentspannung, therapeutische Unterstützung – kann im alltäglichen Leben, also auch während der Schwangerschaft,
schnell Linderung verschaffen. Unter der Geburt kann liebevolle Zuwendung des Partners, einer Doula, der Hebamme
einen deutlichen Unterschied im Schmerzempfinden machen. Was tun wir denn bei Kindern, die Schmerzen haben?
Wir trösten sie, wir streicheln und küssen sie, wir umsorgen sie nach all unseren Mutterkünsten. Das Gleiche darf auch
eine gebärende Frau erfahren, die Schmerzen hat. Ich finde es auch wichtig, dass das betreuende Geburtspersonal ganz
genau auf die persönlichen Bedürfnisse der Mutter schaut. Einfühlsames Fragen und liebevolle Ermutigung halte ich für
wichtiger als Vaginaluntersuchungen und CTG-Schreiben.
Ist eine schmerzfreie Geburt (abgesehen von Medikamentengabe) möglich?
Natürlich ist sie möglich. Wenn man sich andere Säugetiermamas unter der Geburt oder auch gebärende Frauen in
Naturvölkern, die noch im Einklang mit der Natur leben, anschaut, so findet man schnell viele inspirierende Beispiele
dafür. Aber diese Mütter leben auch im Einklang mit ihrem Körperempfinden. Für sie bedeutet eine intensive, vielleicht
auch unangenehme Körperempfindung nicht gleich Schmerz. Geburt wurde von der Natur aus so konzipiert, dass sie
möglichst komplikationslos, schmerzlos und kräftesparend stattfinden kann.
Es ist meiner Meinung nach auch eine Frage der Begrifflichkeit. Im Englischen heißt schmerzfrei ‚painless‘, also less pain
– weniger Schmerz. Schmerzfrei wird interessanterweise mit Nichts-Spüren oder Taubheit, gleichgesetzt.
Geburt - auch eine schmerzfreie Geburt - ist und bleibt eine sehr intensive körperliche, seelische und spirituelle Erfahrung. Hier kommt schließlich ein neues Wesen auf die Welt. Hier wird eine Mutter geboren. Sie darf anstrengend und
herausfordernd sein – sie muss aber nicht schmerzvoll sein.
In Zusammenhang mit „schmerzfreier Geburt“ ist immer wieder von HypnoBirthing die Rede. Wobei handelt es sich
bei dieser Methode genau? Und warum kann sie hilfreich sein, um die Geburt möglichst entspannt zu erleben?
HypnoBirthing ist ein Vorbereitungsprogramm zur Geburt, das, von Mary Mongan entwickelt, mit Selbst-hypnose, Tiefenentspannung, Atmungen, Affirmationen und Visualisierungen arbeitet. Es geht darum, ein positives inneres Bild von
Geburt herzustellen.
Im HypnoBirthing Kurs lernen die Eltern, was wirklich bei der Geburt geschieht (Entmythisierung) und sie begreifen, wie
sich Angst auf den Geburtsverlauf auswirkt. Was die Angst und den Schmerz betrifft, spricht HypnoBirthing vom AngstSpannungs-Schmerz-Syndrom. Dieser Begriff stammt ursprünglich vom englischen Gynäkologen Dr. Grantly Dick-Read
(„Mutter werden ohne Schmerz“).
HypnoBirthing nimmt sich die Vorzüge der Selbsthypnose, um die positiven Bilder tief im Unterbewusstsein zu verankern, um Ängste zu lösen und um die Denkweise zu verändern. Die Eltern lernen, welchen Einfluss die Gedanken und die
Sprache auf den Körper haben (psycho-physische Reaktion).
Die drei HypnoBirthing Atemtechniken helfen dabei, auf der Körperebene optimal mit den Geburtswellen mitzusurfen.
Der Partner bekommt eine zentrale Rolle im Geburtsgeschehen, die Mentor, Fürsprecher und Beschützer für die Mutter
sein kann.
Ziel ist es, die Endorphin-Ausschüttung so weit anzukurbeln, schließlich sind Endorphine 200 mal stärker als Morphium, so dass sich die Muskeln immer weiter entspannen können und sich die Mutter immer tiefer in ihren Körper und
zu ihrem Baby hin versenken kann. Je entspannter die Mutter ist, umso leichter kann sich der Muttermund öffnen. Die
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Muskeln sind weich und erlauben dem Baby so, in die optimale Position für die Geburt zu gelangen.
Mir persönlich ist es in den Kursen aber auch besonders wichtig, auf Selbstbestimmung und Mündigkeit der Eltern hinzuarbeiten. Das Besprechen der Geburtswunschliste und das Stärken des Selbstbewusstseins gehört also genauso in den
Kurs.
Ist eine schmerzfreie Geburt das Ziel aller Dinge (oder geht es vielleicht darum, der Geburt selbstbestimmt, entspannt
und angstfrei zu begegnen und dadurch auch einen anderen Zugang zum Schmerzthema zu erlangen)?
Jede Frau hat ihre ganz eigene Vision für die Geburt. Es ist wertfrei, ob sie nun gerne eine schmerzfreie oder gar orgiastische Geburt erleben will. Aber sicher hat es mit dem Zugang zu tun, den man zum Schmerzthema finden kann. Es besteht der Irrglaube, dass eine Geburt mit PDA oder durch den Kaiserschnitt schmerzfrei wäre. Das stimmt so nicht. Auch
hier kommen viele unangenehme Begleiterscheinungen dazu, besonders in den Wochen nach der Geburt. Auch wenn
das Ziel nicht direkt eine schmerzfreie Geburt, sondern eine selbstbestimmte, entspannte und angstfreie Geburt ist, so
kann es durchaus passieren, dass man eine schmerzfreie Geburt erlebt. Es macht einen großen Unterschied, in welcher
Umgebung man sich auf den eigenen Schmerz einlassen kann und welchen Raum dieser bekommt.
Wie hast du deine eigenen Geburten (in Bezug auf Schmerz) erlebt?
Ich habe beide meine Kinder zuhause im Schlafzimmer auf die Welt gebracht. Ich hatte die liebevolle Unterstützung meines Mannes, einer sehr engen Freundin und zweier Hebammen. Meine erste Geburt war eine schnelle, sehr intensive
und sehr schmerzhafte Geburt. Ich fühlte mich völlig außer Kontrolle, hilflos und der Ur-Gewalt meines eigenen Körpers
komplett ausgeliefert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich unter der Geburt dachte, warum ich mich bloß auf
diese blöde Idee eingelassen hatte und warum mir nie jemand gesagt hat, dass es so stark weh tun würde. Ich war froh,
dass ich zuhause war und mich in sicherer Umgebung und Privatsphäre mit mir selbst auseinandersetzen konnte. Aber
ich war völlig überwältigt von meiner eigenen Kraft. Sie ist wie ein wildes Pferd mit mir durchgegangen.
Meine zweite Geburt war entspannt, kraftvoll, fokussiert, anstrengend und schmerzfrei. Die Eröffnungsphase lief ruhig,
entspannt und sehr konzentriert ab. Ich wendete die HypnoBirthing-Techniken an und fokussierte mich auf meine Atmung und das Loslassen aller Muskeln. Mein Körper konnte so ganz das tun, wozu er gemacht war. In der Geburtsphase
ging es sehr sportlich zu, weil meine Tochter ein Sternengucker war (also mit dem Gesicht nach oben) und ich meinen
Körper in die für sie beste Position bringen musste. Aber in der intensiven körperlichen Betätigung fühlte ich mich zuhause. Ich wusste, wie stark mein Körper ist. Es war sehr anstrengend, aber ich hatte keine Schmerzen. Es war herrlich!
Ich brauchte die erste Geburtserfahrung, um die zweite erleben zu können. Ich denke, dass jede Geburt, die wir erfahren
dürfen, eine Chance ist, etwas über uns selbst zu lernen, über uns selbst hinauszuwachsen, unsere eigene Kraft zu spüren. Nicht unbedingt eine körperliche, muskuläre Kraft, sondern unsere innere Stärke. Wenn wir der Gefahr unerträglicher Schmerzen entgehen wollen, nehmen wir uns auch die Chance, uns selbst in dieser Ur-kraft zu erfahren.
Fotoquelle: Marion Strohmaier
Doula Töne 2/2014
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Was würdest du Frauen raten, die solche Angst vor der Geburt und ihren körperlichen Herausforderungen haben,
dass sie schon im Vorfeld auf PDA und/oder Kaiserschnitt setzen?
Wir alle haben ja einen bestimmten Lebensrucksack zum Tragen und verschiedene Lebensthemen zum Bearbeiten. Jede
von uns hat eine ganz eigene Geschichte und eigene Angstthemen. Niemals sollten wir eine Frau dafür verurteilen, wenn
sie ihr Kind durch einen Wunschkaiserschnitt zur Welt bringen möchte. Wir kennen ihre Geschichte nicht. Wir wissen
nicht, mit welchen Themen sie kämpft.
Ich denke, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten und Handlungsmustern nicht nur für die
Geburt sondern besonders im alltäglichen Leben von Vorteil sein kann. Unsere Kinder sind oft unsere besten Lehrer und
es kann sein, dass sie uns jeden Tag an unsere Grenzen führen, ob nun als Baby, als Dreijährige oder als Teenager. Hier
kann es immer helfen, mit sich ins Reine zu kommen.
Ich persönlich empfehle alles, was auf körperlicher und seelischer Ebene helfen kann. Eine Auseinandersetzung mit dem
Körper über die Bewegung - ob nun Yoga, Tanz oder Schwimmen (je nachdem, was gut tut und wo man sich zuhause
fühlt) – schult das positive Verhältnis zum eigenen Körper, schärft den Instinkt, macht den Körper stark und geschmeidig,
stärkt das Selbstbewusstsein und hilft bei der Ausschüttung von Glückshormonen. Auch tiefgehende Behandlungsmethoden auf der Körper-Seelen-Ebene wie Shiatsu, Osteopathie, Kinesiologie oder Cranio-Sacraltherapie aber auch Achtsamkeitstechniken und Meditation können Frauen bei der Angstbewältigung helfen. Auf psychischer Ebene halte ich persönlich viel von Methoden, die auch das im Körper und Unterbewusstsein gespeicherte Wissen mit in Betracht ziehen, so wie
z.B. die Hypnotherapie, Traumatherapie nach Dr. Gallo, EFT (Emotional Freedom Technique) und die Bewegungsanalyse.
Es heißt, dass die Art und Weise, wie wir leben, auch die Art und Weise ist, wie wir gebären. Das zu hören, mag sehr
unangenehm sein. Für uns alle. In welchen anderen Bereichen des Lebens lassen wir über uns bestimmen? Wo lassen wir
noch zu, dass unsere Grenzen überschritten werden? Wo sagen wir noch nicht genau, was wir wollen? Was wollen wir
noch nicht spüren?
Wir alle haben die Dunkelheit in uns. Ich kenne keinen Menschen, der angstfrei ist, es geht also um das Durchleuchten
dieser Dunkelheit. Jede Angst bietet uns die Möglichkeit zur Veränderung. Alleine geht es oft nur sehr schwer. Ich würde
also jeder Frau raten, die große Angst vor der Geburt hat, sich Hilfe zu holen und auf allen Ebenen ihre Angst zu umarmen.
Hast du sonstige Anregungen oder Gedanken, die du in diesem Zusammenhang noch anbringen möchtest?
Das Leben ist lebensgefährlich und wirkliche Sicherheit wird es nie geben. Das macht Angst. Wir alle stehen irgendwann
vor dem Ende, vor dem Sterben. Geburt ist wie das Sterben, nur in die andere Richtung. Wir sollten mit Ehrfurcht und
Respekt mit dieser Erfahrung umgehen.
Im Zeitalter der allumfassenden Versicherung und dem stetig steigenden Bedürfnis danach wird der Umgang mit Geburt
und Sterben jedoch zunehmend unerträglich. Das zeigt die steigende Zahl der verängstigten Frauen und der Kaiserschnittrate. Aus der vermeintlichen Versicherung wird zunehmend eine Verunsicherung, die auf Kosten der Mütter, der Väter,
der Babys geht. Was wir aber nicht wissen, was auch nicht erforscht ist, ist, wie sich die Art und Weise, wie wir geboren
werden und die steigende Zahl der Interventionen, auf unsere Gesundheit und die der folgenden Generationen auswirken
wird.
Dieses Thema wird in dem neuen Dokumentarfilm ‚Microbirth‘ behandelt. Die Filmemacher Toni Harman und Alex Wakeford (2012 brachten sie ‚Freedom For Birth‘ raus) schauen sich das Thema Geburt quasi unter dem Mikroskop an.
Weltweite Premiere findet ab dem 20.09.2014 statt. Informationen über eine Filmvorstellung in Wien wird es auf meiner
Homepage www.empoweryourself.at geben.
Nina Winner
praxispraterstern*, Afrikanergasse 11/10, 1020 Wien
Tel.: 0699/81993242
Email: [email protected]
www.empoweryourself.at
www.ninawinner.com
Blog unter: www.empoweryourself.at/blog
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Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe
Die selbstbestimmte Geburt. Existenzielle Erfahrung und/oder medizinische Performance
Neben zahlreichen Vorträgen, die die selbstbestimmte Geburt aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten, gibt es in Gruppenarbeiten die Möglichkeit zu Austausch und Vernetzung.
Auch Doulas sind bei diesem Kongress vertreten: Doris Moser hält den Eröffnungsvortrag „Wird
das Kind zu groß für die Spontangeburt? Entwicklungen in der Geburtshilfe aus Sicht der Anthropologie“ und Veronika Stampfl-Slupetzky leitet die Arbeitsgruppe „Hebamme und Doula. Chancen und Grenzen einer Zusammenarbeit im Sinne der selbstbestimmten Geburt“.
Jahrestagung
Österr. Gesellschaft
für Psychosomatik
Freitag 17. - Samstag 18. Oktober 2014
Anmeldungen für den Kongress, der in der Wiener Privatklinik Rudolfinerhaus stattfindet, sind
über die Kongresshomepage (www.psygyn.at/32jahrestagung.html) jederzeit möglich!
WURZELN DES LEBENS. Die Bedeutung der menschlichen Plazenta
Bei uns wird die Plazenta oft achtlos im Krankenhausmüll entsorgt, doch das ist nicht überall so. Es gibt
zahlreiche Belege für einen respektvollen Umgang mit der Nachgeburt.
Ein Streifzug durch die Geschichte und Gegenwart der Plazentaversorgung mit praktischen Beispielen.
VORTRAG
Mittwoch, 26. November 2014
19.00- 21.00 Uhr, Nanaya Wien
Vortragende: Doris Moser
Anmeldung über http://www.nanaya.at erforderlich!
Samstag 27. - Sonntag 28. September 2014
Es findet eine simultan-Übersetzung ins Deutsche statt. Alle Materialien und auch das Seminar-Skript sind
in deutscher Sprache verfasst.
Seminarbeitrag: 250 Euro
ANMELDUNG: Julia Sustatxa, Tel.: 0680 405 29 74 oder Melitta Maria Anscheringer, Tel.: 02167 31145
Die Ausbildung zum „Uterus-Segen“ :
-ist ein Zwei-Tages-Seminar.-verbindet dich mit der „Uterus-Segen“-Energie durch die MOON
MOTHER-Einweihung.
- lehrt dich, wie du den „Uterus-Segen“ an andere Frauen weitergeben kannst.
-zeigt dir die spirituelle Essenz, die die „Uterus-Segen“-Meditation beinhaltet.
-erklärt dir, wann die besten Momente sind, diesen Segen zu erteilen.
AUSBILDUNG ZUR MOON MOTHER
„UTERUS-SEGEN“- Seminar geleitet von Miranda Gray in Wien
-gibt dir eine einfache Technik zur Selbstheilung.
-lehrt dich, eine „Uterus-Heilung“ zu geben (eine Technik zur Unterstützung des „Uterus-Segen“).
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FrauenHeilTage - Das eigene Gleichgewicht berühren - mit den Doulas Yvonne Donnhäuser & Susanne Lutz
„Nur Da sein. Schlicht. Einfach. PUR.
Voller Lebendigkeit und Lebensfreude.
Das ist Schöpfung,
das ist Wunder,
das ist Schönheit.
Offen für das nicht Fassbare.
Bereit für das Unbekannte.“
In den FrauenHeilTagen geben wir weiblichen Raum, neue Erfahrungsmöglichkeiten, Inspirationen und praktische Impulse, die gleichwertig Körper/Geist/Seele zum klingen bringen.
An alle Frauen, die sich angezogen fühlen mit dabei zu sein, geht unsere Einladung mit uns gemeinsam Tage der Heilung
zu verbringen! Besondere Aufmerksamkeit wollen wir der Möglichkeit schenken, das eigene Gleichgewicht wieder zu
berühren und davon berührt zu werden.
Wir freuen uns sehr auf Euch!
HerzLichsT, Eure Yvonne & Eure Susanne
Geleitet werden diese Tage von den Doulas Yvonne Donnhäuser und Susanne Lutz.
Yvonne ist ausgebildet in KlangMassage, Massage, Yoga. Mutter zweier Töchter, seit 2012 als Doula tätig.
Mehr findest du hier: www.yoga-doula.de & www.yoga-donnhaeuser.de
Susanne ist seit 2012 als Doula tätig, lehrt & lernt im Bereich Bewusstsein/Bewegung/Berührung, ist Mutter eines Sohnes.
Mehr findest du hier: www.lutzsusanne.wix.com/geburtsbegleitung & kreative PhotoArbeit findest du unter: www.
erwachte-Kraft.de
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FrauenHeilTage - Datum: Freitag 31. Oktober - Sonntag 02. November 2014
Ort: 64625 Bensheim, genaue Adresse wird bei Anmeldung verschickt.
Gebühr: Freitag 40 Euro, Samstag 80 Euro, Sonntag 40 Euro
(alle Tage können einzeln besucht werden/ Gesamtbuchung aller Tage: 145 Euro
Anmeldung: bei Susanne Lutz: Email: [email protected] / Fon: 02643 - 800 92 75
oder bei Yvonne Donnhäuser: Email: [email protected] / Fon: 0178 - 399 63 99
geplanter Programmverlauf:
31.10.14 Freitag: 16-20h:
EinklangRunde, gemeinsames Film schauen „Things we don`t talk about - Stories from The Red Tent“ (der Film besitzt
deutsche Untertitel), Austausch/Ausblick/Inspirations - Kreis, AbschlussKlangMeditation.
01.11.14 Samstag: 10-18h:
Das eigene Gleichgewicht berühren - Workshoptag mit Bewusstseins/Energie/Körper - Erfahrungen, Meditation, KlangReise, praktische Inspirationen für den Alltag.
02.11.14 Sonntag: 10-14h:
Meditation, ErfahrungsRaum/Austausch - angepasst an die jeweilige Gruppe, AusKlang - KlangMassage.
Vorraussetzungen: keine
Teilnahmealter: ab 18 Jahre
Mitzubringen: bewegungsfreie Wohlfühlkleidung, eine Decke, ein (Sitz)Kissen,
Selbstverpflegungsessen, ein festes Tuch/Schal für Körperarbeit.
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Göttinnenkonferenz 2014
von Marion Strohmaier, Niederösterreich
fotoquelle: www.goettinnenkonferenz
Viele Frauen und Göttinnen folgten im vergangenen Mai dem Ruf der Wassergöttinnen und trafen sich 3 Tage lang im
wundervollen Schloß Laudon in Wien. Bei schönem Wetter feierten wir das Wasser, die Ur-Kraft aus der alles Leben
kommt.
In vielen Workshops und bei Vorträgen gab es Zugang zu altem Wissen und zukunftsweisenden Impulsen. Ich durfte tanzen und singen und verbrachte viel schöne Zeit mit gleichgesinnten und vor allem mit lieben Doula-Kolleginnen. Außerdem gab es Platz für Kuns, Musik, Austausch und Vernetzung. In einer Zermonie für die Wasser-Göttinnen brachten wir
Wasser aus unseren Heimatorten zusammen und ehrten damit die Flüssigkeit des Lebens und brachten alles ins Fließen.
Bei der großen Göttinnen-Gala stärkten wir uns zuerst bei einem wunderbaren Buffet und durften dann verschiedene
Tanz-Perfomances bewundern. Vor allem die österreichische Tanzgruppe mit ihren hawaiianischen Tänzen hat mich
fasziniert. Außerdem hatten wir das Glück die wunderbare Zsuzsanna E. Budapest mit ihren lustigen Geschichten über
den Beginn der Frauenbewegung in Los Angeles zu hören. Und am Markt der Fülle konnte frau sich mit vielen schönen
Dingen als Symbol für den Überfluss der Göttin eindecken. Ich freue mich auf eine weitere Göttinnenkonferenz im Jahr
2016.
Fotoquelle: Marion Strohmaier
Doula Töne 2/2014
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Angelika Markom
Diesmal geht alles gut Zuversichtlich in die neue Schwangerschaft
Goldegg Verlag, 2014
www.diesmalgehtallesgut.at
Kommentar zum Buch von Jasmin Nerici, Niederösterreich
In meinen Positive Birth Kursen begrüße ich sehr oft Frauen, die sich nach einer wenig erfreulichen
ersten Geburtserfahrung auf eine ganz andere Art von Geburtserlebnis einstimmen möchten. Literatur konnte ich dazu nur bedingt empfehlen. Zum Glück gibt es nun das neue Buch von Angelika
Markom.
In ihrem Werk geht die Autorin zunächst darauf ein, welche Erfahrungen die Leserin mitbringt und mit welchen Erwartungen und Wünschen man generell in eine Geburt bzw. eine Schwangerschaft gehen kann, die letztlich möglicherweise
nicht erfüllt wurden/werden. Trotz eines relativ neutralen und sachlichen Zugangs, lässt die Autorin trotzdem spüren,
dass es aus psychologischer und emotionaler Sicht durchaus eine Rolle spielt, wie die Geburt des eigenen Kindes erlebt
wird. Es wird hier also keineswegs ein Buch nach dem Motto „Wer nix erwartet, der kann nicht enttäuscht werden!“
präsentiert. Vielmehr wird darauf eingegangen, wie vielschichtig unser Erleben beeinflusst werden kann, welche Möglichkeiten man als Schwangere hat, um die Geburt nach dem eigenen Ermessen als positiv zu erleben und wie man
vergangene Erlebnisse gut verarbeiten und in seine eigene Geschichte integrieren kann. Zahlreiche Gründe, die eine
Geburt zu einem wenig erfreulichen Erlebnis machen können, werden erwähnt und so fühlt sich bestimmt eine Vielzahl
von Frauen mit diesem Buch angesprochen.
Das Buch ist weiters ein Plädoyer an eine zuversichtliche und selbstbestimmte Herangehensweise an die Geburt und gibt
Anregungen, sich mit den eigenen Wünschen und dem Kind zu beschäftigen. Ein eigenes Kapitel ist dem Thema Ängste,
Sorgen und Befürchtungen gewidmet. Diese, so die Autorin, sollten zwar realistisch in den Alltag integriert werden, dennoch legt sie der Leserin nahe, sich davon nicht kontrollieren zu lassen.
Thematisch werden sowohl problematische natürliche Geburtserfahrungen wie auch das Thema Kaiserschnitt behandelt. Die Leserin bekommt Ideen, welche Möglichkeiten sie in einer Folgeschwangerschaft hat, wer sie begleiten kann
und wie sie sich auf die mögliche bzw. gewünschte Folgegeburt – ob Kaiserschnitt oder nicht - einstellen kann. Ich finde
es sehr gelungen, dass dieses Buch Frauen darin bestärkt, sich für ihre Wünsche einzusetzen, unabhängig davon für
welchen Geburtsmodus sie sich letztlich entscheiden.
Das Buch ist leicht zu lesen und muss nicht nach Kapiteln bearbeitet werden. Auch Querlesen ist gut möglich. Ergänzt
durch zahlreiche Kommentare und Erfahrungsberichte von Hebammen, Fachpersonen und Müttern – vor, während und
nach einer Geburt, kommt keine Langeweile auf. Auch liebevoll formulierte Briefe, an das ungeborene Kind gerichtet,
stellen eine gefühlvolle Möglichkeit dar, mit dem Kind und auch den eigenen inneren Bildern und Vorstellungen in Kontakt zu kommen. Im Buch sind dazu Beispiele abgedruckt, die man gut zum Anlass für das eigene Schreiben nehmen
kann. Übungen und praktische Anregungen zum Tun im Alltag lassen sich einfach und gut umsetzen.
Aus meiner Sicht ist das Buch ein schöner Begleiter für Frauen, die sich umfassend mit einem vergangenen Geburtserlebnis auseinandersetzen und sich positiv auf eine neuerliche Schwangerschaft und Geburt einlassen möchten.
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Ursula Walch
Bei Anruf Baby.
Aus dem Alltag einer außergewöhnlichen
Hebamme
Wilhelm Heyne Verlag, 2014
Kommentar zum Buch von Doris Moser, Wien
Ursula Walch ist vor allem den Doulas unter uns ein Begriff. Die Hebamme ist bereits weit gereist
und lebte und praktizierte einige Jahre in Spanien, bevor sie nach Österreich zurückkehrte. Heute
lebt sie mit ihrem Mann und vier Kindern in Graz und arbeitet sowohl als Hausgeburtshebamme als
auch als Dolmetscherin und Autorin.
Im vorliegenden Werk liefert Ursula Walch neben ganz persönlichen Einblicken in ihr Privatleben zwölf wunderbare,
kurzweilige Geburtsgeschichte. Eingebettet in diese scheint immer wieder auch Ursulas Einstellung zur gängigen Praxis
in der Geburtshilfe durch und sie spart auch nicht mit wohldosierter Kritik an diesem System. Als Hebamme, die sowohl
im Krankenhaus tätig war als auch viele Erfahrungen als freiberufliche Hausgeburtshebamme sammeln konnte, hat sie
wohl erkannt, wie sehr die Erfahrung Geburt von den äußeren Umständen (nicht immer zum Positiven) beeinflusst werden kann.
Die ausgewählten Geburtsgeschichten sind außergewöhnlich und reichen von einer Zwillingsgeburt im eingeschneiten
Skihotel über Geburt in Beckenendlage auf einer einsamen Almhütte bis hin zur unerwarteten Geburtsbegleitung am
Flughafen von Algier. Mit Sicherheit keine alltäglichen Geburtsgeschichten, aber sie zeigen auch, dass Geburt ein normaler physiologischer Vorgang ist, nichts wovor frau Angst haben sollte.
Die Geburtsgeschichten sind erheiternd, manchmal spannend und oft kaum zu glauben. Beim Lesen kommt frau gar
nicht aus dem Schmunzeln und Staunen heraus. Ursula Walch hat mit diesem Buch ein Werk geliefert, das lustig und
leicht zu lesen ist und gleichzeitig mit Informationen versehen ist, die vor allem geburtsunerfahrenen Frauen erste Hinweise auf die Realität der gängigen Gebärkultur liefert und gleichzeitig Alternativen aufzeigt. Ein Buch, das Mut macht,
sich auf das Abenteuer Geburt einzulassen!
Wenn auch du einen Bücherschatz entdeckt hast, den du mit uns teilen willst: wir freuen uns über dein Kommentar zum Buch! Bitte per Mail an: [email protected]
Fotoquelle: Marion Strohmaier
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Irene Fleiss
Alls alle Menschen Schwestern waren. Leben in
matriarchalen Gesellschaften. Band 1
Christel Göttert Verlag, 2006
Kommentar zum Buch von Doris Moser, Wien
Die leider bereits verstorbene Autorin war lange Jahre in der Erwachsenenbildung zu den Themen
Matriarchat und Frauengeschichte tätig und liefert mit dem hier vorgestellten Buch ein umfangreiches, immerhin 405 Seiten starkes Werk zum Grundlagenwissen über matriarchale Gesellschaften in
der Vergangenheit und Gegenwart.
Eindrucksvoll wird verdeutlicht, dass sämtliche kulturell-zivilisatorischen Errungenschaften (z.B. Feuer, Werkzeuge, Heilkunst, Sprache usw.) zuerst von Frauen entwickelt wurden. Die Geschichte, wie wir sie kennen, ist nicht unsere weibliche
Geschichte. Frauen und ihre Leistungen wurden verleugnet, zum Verschwinden gebracht. Es wird Zeit, dass wir unsere
Geschichte neu schreiben!
Fleiss gibt uns Frauen eine Vergangenheit, erzählt unsere Geschichte so, wie sie uns bislang verschwiegen wurde und gibt
uns somit die Möglichkeit unser (Frau-) Sein neu zu denken und Visionen zu leben, die unser aller Zukunft beeinflussen
können. Dabei wird allerdings deutlich, dass es das eine Matriarchat nicht gibt und auch nie gegeben hat. Beschrieben
wird eine Vielfalt an Gesellschaftsformen im matriarchalen Kontext in der Vergangenheit und Gegenwart, die aber trotz
räumlicher und kultureller Distanz einige Gemeinsamkeiten aufweisen. So weist die Autorin beispielsweise ausdrücklich
darauf hin, dass das Matriarchat nicht als Umkehrung patriarchaler Verhältnisse gesehen werden darf. Es geht nicht
um Gesellschaften, in denen die Frauen die „Herrschaft“ ausüben und Männer unterdrückt werden, sondern egalitäre
Strukturen mit einem deutlichen Bezug zum Leben/zur Mutter/zur Frau als Mittelpunkt des Seins stehen im Zentrum.
Die Analyse von Fleiss zeigt zwar, dass die gegenwärtige Gesellschaft nicht naturgegeben und/oder von Beginn der
Menschheitsentwicklung an in dieser Form existierte, aber Fleiss weist auch deutlich darauf hin, dass unsere Zukunft
nicht in der Vergangenheit liegen kann, sondern dass mit Erkenntnissen aus der matriarchalen Vergangenheit die Überwindung des Patriarchats und die Erschaffung von etwas völlig Neuem, ein noch zu erschaffendes partnerschaftliches
System, eingeleitet werden kann.
Das Buch ist eine umfangreiche Informationsquelle für Frauen (und matriarchale Männer), denn nur wer informiert ist,
kann Entscheidungen treffen. Wir alle sind tief im Patriarchat verwurzelt, was auch (unbewusst) unser Denken, Handeln,
unsere Sprache und unser Sein beeinflusst. Diese Konstrukte müssen aufgezeigt, enttarnt und überwunden werden.
PS: Ist es nicht bezeichnend, dass das Rechtschreibprogramm meines Computers zwar patriarchale Gesellschaften akzeptiert, das Wort matriarchal aber nicht zu kennen scheint?!
Der zweite Band „Als alle Menschen Schwestern waren. Weiblichkeit in matriarchalen Gesellschaften - gestern und heute“ ist übrigens ebenso empfehlenswert
wie der hier rezensierte erste Band.
Weibliche Aspekte des Lebens wie Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Mutterschaft und Wechseljahre werden thematisiert und ein Überblick über aktuell
(noch) matriarchal lebende Gesellschaften (bzw. Gesellschaften am Übergang zum
Patriarchat) wird geliefert.
Doula Töne 2/2014
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