Quercus frainetto

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Quercus frainetto
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Quercus frainetto TEN., 1813
syn.:
Quercus conferta KIT., 1814; Quercus hungarica HUBENY, 1830;
Quercus farnetto TEN., 1831
Ungarische Eiche
engl.: Hungarian oak
franz.: Chêne hongrois
ital.: Farnetto
Familie:
Fagaceae
Unterfamilie: Quercoideae
Subgenus:
Lepidobalanus
Abb. 1: Quercus frainetto. Alter Einzelbaum
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10°
20°
30°
40°
40°
10°
0
250
500 km
20°
30°
Abb. 2: Natürliches Verbreitungsgebiet (• = Einzelvorkommen)
Die Ungarische Eiche – ein für die trockenen Eichenwälder Südosteuropas charakteristisches ostmediterranes Florenelement – ist eine relativ raschwüchsige, sommergrüne
Baumart mit verhältnismäßig kurzer Lebensdauer, guter
Ausschlagfähigkeit und äußerst haltbarem Holz, dessen
Bearbeitung sich jedoch als schwierig erweist.
Mit ihren großen, tief gelappten, fast sitzenden Blättern, der
dicht belaubten Krone und der gleichmäßig strukturierten
Borke wirkt sie außerordentlich dekorativ, wird aber in
Parkanlagen dennoch selten angepflanzt. Wegen ihrer
Dürreresistenz und ihrer geringen Ansprüche an die Bodenqualität eignet sie sich gut zur Aufforstung von Ödflächen.
Entgegen ihrem englischen, französischen und deutschen
Trivialnamen ist Quercus frainetto nicht in Ungarn heimisch.
Verbreitung
Q. frainetto ist in Südeuropa beheimatet. Ihr Areal erstreckt sich von Süditalien bis zum nordwestlichen Teil
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Kleinasiens. Die Nordgrenze in Italien liegt nahe des 42.
Breitengrades.
Auf der Balkan-Halbinsel kommt die Art besonders häufig vor und ist dort auch in nördlicher gelegenen Gebieten
(Kroatien, Slawonien, W- und S-Transsilvanien) vertreten.
An der Moldau und in der Dobrudscha erscheint sie hingegen nur sporadisch. Innerhalb des heutigen Staatsgebietes von Ungarn ist Q. frainetto nicht autochthon, sie
kommt dort nur in kleineren angepflanzten Beständen vor
[5, 6].
Insgesamt gilt Q. frainetto als eine kolline und submontane Art, die im südlichen Teil ihres Areals jedoch ins Gebirge vordringt und in Kleinasien auch in Auwäldern
wächst.
Im Norden des Verbreitungsgebietes kommt sie bis zu einer Meereshöhe von 450 bis 550 m ü. NN, ausnahmsweise bis 660 m vor, bevorzugt hauptsächlich die Südexposition und wächst vor allem in Mischung mit Ostrya carpinifolia, Carpinus orientalis, Fraxinus ornus und Quercus
cerris, bildet aber auch kleinere Reinbestände. In Westanatolien, dem östlichen Teil ihres Areals, findet man sie gemeinsam mit Castanea sativa in Schluchtwäldern [8, 13].
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Abb. 3: Varianz in Blattform und Blattgröße (nat. Größe)
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Beschreibung
als Stieleiche und Traubeneiche, jedoch früher als die
Zerreiche [1].
Ungarische Eichen erreichen beträchtliche Dimensionen.
Im Durchschnitt werden sie 30 m hoch, auf günstigen
Standorten sogar 40 m. Die Stämme sind schlank, gerade
und können 60 cm stark werden (BHD); sie ähneln der
Traubeneiche. Die Äste sind aufwärts gerichtet. Freistehende Bäume entwickeln eine aus starken Ästen bestehende, unregelmäßig geformte, weitverzweigte, große
Krone. Die rotbraune, relativ dünne Borke wird früh rissig; die sich ablösenden, weichen Teile lassen sich leicht
mit der Hand zerbröckeln [14].
Die jungen, relativ dicken, grünlich-braunen Zweige sind
reichlich mit großen, elliptischen Korkwarzen sowie mit
relativ langen und steifen, einfachen, rotbraunen Haaren
bedeckt. Letztere verleihen ihnen zusammen mit kleinen,
grauen Büschelhaaren ein wolliges Aussehen. Zur Winterzeit werden die Triebe kahl.
Das Wurzelsystem von Q. frainetto hat ebenfalls Ähnlichkeit mit dem von Q. petraea. Eine bereits bei Sämlingen
ausgebildete, kräftige Pfahlwurzel dringt etwa 2 bis 2,5 m
in den Boden ein. Über Mykorrhizierung ist nichts bekannt.
Knospen, Blätter und junge Triebe
Die Winterknospen sind relativ groß, länglich-eiförmig,
zugespitzt und von gelblicher bis hellbrauner Farbe. Die
Länge der Terminalknospen schwankt zwischen 8 und 10
mm, die der Lateralknospen von 4 bis 5 mm. Die Knospenschuppen haben lang- und steifhaarig bewimperte
Ränder; ihre Rückseite ist filzig behaart. Von den bleibenden Nebenblättern werden die Knospen mehr oder weniger deutlich umfaßt.
Die Blätter sind wechselständig angeordnet und stehen ein
wenig gehäuft an den Spitzen der Triebe. Sie sind verkehrt
eiförmig, relativ groß (12 bis 20 cm lang und 6 bis 14 cm
breit) und erreichen im obersten Drittel die größte Breite.
Der Blattstiel ist 2 bis 4 mm lang, stielrund und an seiner
Basis stark verdickt. Außerdem sind zungenförmig-lanzettliche, bräunlich wollige Nebenblätter vorhanden, die
bis zum Ende des Herbstes erhalten bleiben. Infolge des
sehr kurzen Blattstieles scheinen die Blätter fast sitzend
oder sogar ein wenig stengelumfassend zu sein.
Die ziemlich dünne Blattspreite ist am Grunde geöhrt, gelegentlich auch herzförmig. Die 7 bis 9 vorn abgerundeten
Lappen sind voneinander durch schmale, waagrechte
Buchten getrennt. Die mittleren Lappen weisen gewöhnlich Nebenlappen auf. Blätter alter Bäume sind manchmal
kaum gelappt, während Jungpflanzen und besonders die
Stockausschläge extrem tief eingeschnittene Blätter haben
[19].
Die Blattadern der 9 bis 11 Seitennervenpaare 1. Ordnung
stehen nicht exakt gegenüber und werden durch Interkalarnerven ergänzt. Frainetto-Blätter sind oberseits frisch
grün, unterseits eher graugrün. Anfangs wollig rotbraun
behaart, werden sie später kahl, nur entlang der Hauptnerven bleibt die Behaarung erhalten.
Bei Wind kann man die Ungarische Eiche an dem Wechsel
der leuchtend grünen und der graugrünen Blattfarbe
schon von weitem erkennen. Die Art belaubt sich später
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Blüten und Früchte
Bei Q. frainetto sind die Blüten monoezisch verteilt.
Die männlichen Kätzchen sind schlank, 6 bis 10 cm lang
und haben eine wollig rotbraun behaarte Achse. Die
dichtstehenden Blüten sind kurzstielig und haben 6 bis 8
zungenförmig-lanzettliche, außen fein wollig behaarte
Perigonblätter. Die 5 bis 10 Staubblätter haben ziemlich
lange Staubfäden und kleine, rundliche Antheren. Die
weiblichen Blüten befinden sich an den Enden der Triebe
und stehen in einblütigen Dichasien, selten auch in kurzachsigen Ähren. Der Fruchtknoten ist rund, filzig, die
Narben haben ausgerandete Spitzen und die Blütenhülle
ist tellerförmig ausgebreitet.
Q. frainetto blüht im allgemeinen 14 Tage eher als die
Traubeneiche.
Die fast sitzenden, ovalen Früchte sind in Gruppen von 2
bis 7 angeordnet. Ihre Länge beträgt etwa 2 bis 3 cm, die
Breite 1,5 bis 2 cm. Sie sind gelblich braun und haben
blaßbraune Streifen. Ihre Spitze endet in einem schmalen
Fortsatz. Die napfförmige Cupula kann 12 mm hoch werden und einen Durchmesser von 15 mm erreichen. Kennzeichnend sind ihre zungenförmigen, grauen oder filzig
gelblich braunen Schuppen, die sich locker überlagern und
einen bewimperten Rand aufweisen. Die oberen Schuppen
biegen sich gewöhnlich zurück. Früchte von Q. frainetto
entwickeln sich im Laufe eines Jahres; Gerbsäure enthalten sie kaum [2, 17].
Das Tausendkorngewicht der Eicheln liegt bei 2800 g. Das
Saatgut läßt sich bei reduziertem Wassergehalt etwa ein
halbes Jahr in Mieten aufbewahren. Mit einer Vollmast ist
in Abständen von 4 bis 6 Jahren zu rechnen.
Holz
Gemessen an Stiel- und Traubeneiche ist das Holz von Q.
frainetto heller, die Gefäße sind kleiner und der Jahrringverlauf ist gleichmäßiger. Das dichte, schwere und dauerhafte Holz ist in trockenem Zustand hart und schwer
spaltbar und deswegen nicht leicht zu bearbeiten. Wichtige Kennwerte lauten:
Rohdichte (r15) = 0,78 g/cm3
Druckfestigkeit = 7000 N/cm2
Härte = 47–53 N/mm2
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Taxonomie
Die bei Eichenarten oft auftretende große morphologische
Variabilität ist auch für die Ungarische Eiche gegeben. Die
wichtigsten Varietäten werden hauptsächlich aufgrund besonderer Blattmerkmale ausgeschieden [12]:
var. farnetto SCHWARZ – Die Blätter dieser besonders häufigen und im gesamten Areal vorkommenden Varietät sind
mehr oder minder sitzend; die Länge des Blattstieles erreicht maximal 6 mm und die Spreitenbasis ist tief herzförmig bis geöhrt oder stengelumfassend.
var. conferta MÁTYÁS – Länge des Blattstieles: 6 bis 9 mm,
Spreitenbasis intensiv geöhrt, jedoch nicht stengelumfassend. (Als Übergangsform zu betrachten.)
Abb. 4: Stammborke (links) und Stammquerschnitt
var. minor SCHWARZ – Blattstiellänge: 6 bis 12 mm,
Spreite am Grunde schwach herzförmig, niemals geöhrt
oder stengelumfassend. Vorkommen: hauptsächlich in Italien und Kleinasien.
Die Ungarische Eiche hybridisiert in ihrem Areal leicht
mit Eichenarten, deren Früchte ebenfalls im Laufe des ersten Jahres reifen. Vor allem aus Transsilvanien wurden
zahlreiche natürliche Artbastarde beschrieben:
Q. dalechampii x Q. frainetto = Q. chrysopoda BORB.*)
Q. petraea x Q. frainetto = Q. tufae SIMK.
Q. polycarpa x Q. frainetto = Q. tabajdiana SIMK.
Q. robur x Q. frainetto = Q. haynaldiana SIMK.
Q. pubescens x Q. frainetto = Q. széchenyiana BORB.
Abb. 5: Winterknospen (links) und reife Eicheln mit
abgelöster Cupula
Bastarde zwischen Q. virgiliana und Q. frainetto wurden
bisher nicht beschrieben, obwohl solche nach eigenen Beobachtungen wahrscheinlich existieren.
Ökologie
Q. frainetto ist eine thermophile und eher mesophile
Baumart, welche in Gebieten mit langen, warmen Sommern und milden Wintern am besten gedeiht, aber auch
Fröste vertragen kann. Gegen Spätfröste ist sie jedoch
empfindlich. Die Art bevorzugt südexponierte Hanglagen
und verträgt längere Trockenperioden. Im natürlichen
Areal liegen die jährlichen Niederschlagssummen zwischen 550 und 650 mm und die Jahresmittel der Lufttemperatur variieren von 10 °C bis 12,5 °C.
Hinsichtlich der Bodenstruktur erweist sich die Art als anspruchslos; sowohl auf steinigen wie auf dichten, tonigmergeligen Böden vermag sie zu existieren.
Abb. 6: Blätter im Herbst (links) und Blattunterseiten mit
verdickten Blattstielen
*)
Die aufgeführten Namen der Hybrid-Arten gelten auch für die reziproke
Kombination.
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Q. frainetto-Reinbestände von 80 bis 90 Jahren verlichten
sehr stark [4, 11, 16]. Wichtige Ertragsdaten gehen aus
den folgenden 2 Tabellen hervor [16]:
I. Standortsklasse
Alter in Jahren
Abb. 7: Bestand im Winter
Auf die chemische Zusammensetzung des Bodens reagiert
sie jedoch in verschiedenen Teilen ihres Verbreitungsgebietes unterschiedlich: Im Norden ist sie eher kalkliebend und
gedeiht auf Böden mit hohem CaCO3-Gehalt (pH-Bereich
6,5 bis 8,0), während sie im Süden hauptsächlich auf kalkarmen Standorten vorkommt (pH-Bereich 5,0 bis 7,0).
Trotz ihres hohen Lichtanspruches toleriert sie stärkere Beschirmung als die anderen der Sektion Dascia angehörenden Eichenarten, außerdem beschattet sie besser den Boden
[3, 7].
Holzmasse
m3/ha
laufender
Zuwachs
m3/ha
durchschnittl.
Zuwachs
m3/ha
30
106
4.1
3.5
60
249
5.0
4.1
90
377
3.8
4.2
120
457
2.2
3.8
IV. Standortsklasse
Alter in Jahren
Holzmasse
m3/ha
laufender
Zuwachs
m3/ha
durchschnittl.
Zuwachs
m3/ha
30
48
2.0
1.6
60
118
2.5
2.0
90
181
1.8
2.0
120
212
0.5
1.8
Daß Ungarische Eichen nur selten ein hohes Alter erreichen, hängt wahrscheinlich mit ihrem raschen Wachstum
zusammen. Über 200 Jahre alte Individuen sind kaum bekannt [10, 20].
Obwohl einige Bäume fast 40 m hoch werden, hört das
Höhenwachstum dieser Art – von den jeweiligen Eigenheiten des Standortes abhängig – bei 25 bis 30 m meistens
auf. Auch hinsichtlich des Stammdurchmessers sind keine
außergewöhnlichen Dimensionen zu erwarten. Brusthöhendurchmesser über 1 m sind äußerst selten.
Q. frainetto besitzt eine ausgezeichnete Ausschlagfähigkeit – wohl die stärkste unter den Eichenarten Mittel- und
Südosteuropas. Diese Eigenschaft bleibt auch im hohen
Alter erhalten.
Pathologie
Wachstum und Entwicklung
Das Wachstum der Ungarischen Eiche ist relativ rasch,
ihre Lebensdauer verhältnismäßig kurz. Mit 60 Jahren
kulminiert der laufende und mit 80 der durchschnittliche
Massenzuwachs. Im Alter von 60 Jahren produzieren
Zerreiche und Traubeneiche bereits eine höhere Holzmasse als die Ungarische Eiche.
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Q. frainetto wird von wesentlich weniger Schadinsekten
befallen als Stiel- und Traubeneiche. Häufig treten aber
durch Gallwespen verursachte Schädigungen auf. So die
sich an den Knospen entwickelnden, sogenannten Ungarischen Gallen (Cynips hungarica HTG.), welche manchmal
einen Durchmesser von 45 mm erreichen. Die an den Eicheln von Q. robur oft zu beobachtenden Cynips quercuscalicis BURGSD.-Gallen fehlen indessen an Q. frainetto.
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Nutzung
Wegen seiner Haltbarkeit verwendet man das Holz der
Ungarischen Eiche für viele Zwecke im Bereich des Tiefbaus, in der Hydrotechnik und im Bergbau. Sowohl über
dem Boden wie unter Wasser erreicht seine Dauerhaftigkeit das Doppelte des Stieleichen- und Traubeneichenholzes. Einst wurde es zur Herstellung von Radspeichen genutzt [15]; für die Anfertigung von Fässern und zur Möbelproduktion eignet es sich weniger gut.
Mit ihren tief gelappten Blättern, ihrem dichten Laubwerk
und dem harmonischen Erscheinungsbild gehört Q. frainetto zu den besonders dekorativen Eichenarten. Infolge
ihres raschen Wachstums, ihrer Dürreresistenz und der geringen Zahl von Schädlingen könnte sie ein besonders dekoratives Element in Landschaft und Park darstellen, dennoch wird sie für ästhetische Zwecke kaum angepflanzt.
Die Eicheln hat man als süßschmeckend bezeichnet, Bitterstoffe und Gerbsäure enthalten sie kaum. In früheren
Zeiten gaben sie nicht nur ein bewährtes Schweinefutter
ab, sondern wurden auch als menschliche Nahrung verwendet.
Die Rinde von Q. frainetto wird bereits im jungen Alter
(BHD 3 bis 4 cm) rissig, so daß sie sich nicht gut als Gerberlohe eignet.
Verschiedenes
Abb. 8: Q. frainetto nach langer Dürreperiode, Basilicata,
Süditalien (Foto: P. Schütt)
Balaninus glandium MARSH., eine Rüsselkäfer-Art, sticht
Frainetto-Eicheln an, aus denen dann im August und September nicht selten ein süßer Saft austritt, durch den Bienen stark angelockt werden.
Unter den pathogenen Pilzen ist der Erreger des EichenMehltaus Microsphaera quercina (SCHW.) BURR. zu erwähnen. Er infiziert vor allem Sämlinge und Jungwuchs und
verursacht neben Zuwachsverlusten eine Verzögerung der
herbstlichen Verholzungsprozesse [18].
Eichenwickler und Schwammspinner, zwei Schädlinge, die
in Mitteleuropa erhebliche Probleme aufwerfen, treten an
Q. frainetto nicht in Erscheinung. Gleiches gilt für jedwede Form des „Eichensterbens“.
– Die botanische Nomenklatur der Ungarischen Eiche ist
nicht immer eindeutig, denn in der Fachliteratur sind
zahlreiche Synonyme in Gebrauch. Anhand süditalienischer Exemplare wurde die Art zum ersten Mal von
TENORE im Jahre 1813 beschrieben und als Quercus
frainetto bezeichnet. Wahrscheinlich beruhte das
Epitheton „frainetto“ jedoch auf einem Druckfehler,
denn der italienische Name lautet „farnetto“. TENORE
selbst hat die Benennung 1831 in „Quercus farnetto“
umgeändert; durch die Prioritätsregel der Nomenklatur
behält jedoch die Bezeichnung „frainetto“ Gültigkeit.
– Im Jahre 1814, ein Jahr nach dem Erscheinen der Publikation von TENORE, gab KITAIBEL der von ihm in Slawonien gefundenen neuen Eichenart den Namen „Quercus
conferta“, ein Name, der aber nur als Synonym angeführt werden kann. 1830 erwähnte HUBENY die selbe
Art als „Quercus hungarica“. Dieser Name fand als Synonym hauptsächlich im deutschen Sprachraum Verbreitung. Außer den hier genannten sind ca. 13 weitere
Synonyma gebräuchlich [9].
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Weiterführende Literatur
[1] BORBÁS, V., 1886: A Quercus conferta KIT., Qu. Haynaldiana, stb. ismeretéről. [Über die Kenntnis der Quercus conferta KIT., Qu. Haynaldiana, usw.] Erdészeti Lapok 25,
723–740.
[2] CAMUS, A., 1936–54: Les Chênes. Monographie du genre
Quercus 1–3. Paris.
[3] CORTI, R., 1955: Le Querce italiane. Monti e Boschi 487600.
[4] FEKETE, L., 1888: A tölgy és tenyésztése. [Die Eiche und
ihre Anzucht.] OEE kiadása, Állami Nyomda, Budapest.
[5] FEKETE, L.; BLATTNY, T., 1914: Die Verbreitung der forstlich
wichtigen Bäume und Sträucher im Ungarischen Staate I-II.
Joerges Verlag, Schemnitz.
[6] FUKAREK, P., 1964: The north-western limit of todays distribution of hungarian oak (Quercus conferta KIT. = Quercus
farnetto TEN.). Sumarskog lista 3–4.
[7] GEORGESCU, C.C.; MORARIU, J., 1948: Monografia Stejarilor din România. [Monographie der Eichen von Rumänien.] Bucuresti.
[8] GLISIĆ M., 1956: Prilog poznavanju areala šume Hrastova
Ceri i Sladuna (Quercetum confertae-cerris BUDSKI) u severoistoc̆noj Bosni. Narodni Šumar 10, 21–26.
[9] HUBENY, J.L., 1830: Die Ungarische Eiche (Quercus hungarica). Gemeinnützige Blätter 20, 754–757, 778–781, 786–
788.
[10] KOSTADINOV, K.G., 1984: Growth of coppice oak forests
(Quercus petraea and Q. petraea/Q. frainetto) in eastern
Bulgaria, and the objects of management in them. Gorskostopanska Nauka 21, 41–55.
Der Autor:
Prof. Dr. DÉNES BARTHA
Lehrstuhl für Botanik
Universität Sopron
Bajcsy-Zs. u. 4.
H-9400 Sopron
Ungarn
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[11] KOSTADINOV, K.G., 1987: On thinning in Quercus frainetto/Quercus cerris high forests. Gorskostopanska Nauka
24, 8–18.
[12] MÁTYÁS, V., 1970: Taxa nova Quercuum Hungariae. Acta
Botanica Hungarica 16, 329–361.
[13] MEDWECKA-KORNAŚ, A.; DRENKOVSKI, R. et al., 1986: The
oak forest Quercetum frainetto-cerris on the foothills of the
mountain range Galičica (Macedonia). Acta Societatis Botanicorum Poloniae 55, 325–342.
[14] NEDJALKOV, S., 1955: Untersuchungen über die Zahl der
Äste von aus Samen gezogenen Quercus sessiliflora u.
Quercus conferta. Gorsko Stopanstvo 11.
[15] PATRONOV, D.; NIKOLOV, V., 1987: The calorific value of
some Quercus conferta stands in the eastern Stara Planina
mountains. Gorskostopanska Nauka 24, 3–9.
[16] PORUBSZKY, GY., 1886: A magyar tölgy ismertetéséhez. [Zur
Kenntnis der Ungarischen Eiche.] Erdészeti Lapok 25, 605–
612.
[17] SCHWARZ, O., 1936–39: Monographie der Eichen Europas
und des Mittelmeergebietes. Repertorium specierum novarum regni vegetabilis. Sonderbeiheft D Fedde’s, 132–137.
[18] SENTEI, A., 1880: A magyar tölgy. [Die Ungarische Eiche.]
Erdészeti Lapok 19, 617–627.
[19] SIMONKAI, L., 1890: Hazánk tölgyfajai és tölgyerdei. (Quercus et Quercetea Hungariae.) MTA kiadása, Franklin, Budapest.
[20] TURDIU, A.; HASIMI, K., 1987: Yield tables for three oak
species and the method used in their preparation. Buletini i
Shkencave Bujqesore 26, 65–74.
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