Mitteilungen - Stadt St.Gallen

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Stadt St.Gallen
Botanischer Garten
Mitteilungen
Januar 2017 / 66. Jahrgang Nr. 1
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Epidendrum ciliare: Spinnenblüten mit Prunklippen
Lippe und Säule verwachsen
Mitten im Winter bei Kälte und Schnee (endlich!) werden
Blüten noch mehr als sonst geschätzt, auch wenn sie
im Tropenhaus anzutreffen sind. Ganz besonders
brilliert jetzt diesbezüglich Epidendrum ciliare aus
dem tropischen Amerika. In Mittelamerika und
Westindien ist die hübsche Orchidee häufig wild
Anzutreffen. Weniger kommun ist sie im nördlichen Südamerika - und in Brasilien,
dem südlichen Rand ihres Verbreitungsareals, ist sie gar eine Seltenheit.
Wie der lateinische Gattungsname
Epidendrum (epi = auf, dendron =
Baum) trefflich aufzeigt, lebt die bis
ca. 50 cm hohe Staude kaum je auf
dem Erdboden, sondern in Baumkronen, wo sie
richtige Teppiche bilden kann. Sofern genügend Wasser vorhanden
ist, bringt sie dies auch an Felsen zustande. Dass sie an diesen
bodenarmen oder gar bodenlosen Standorten so üppig gedeihen kann,
verdankt die Orchidee auch ihren spezialisierten Luftwurzeln. Deren
äusserte Gewebeschicht stirbt jeweils schon wenige Wochen nach
der Bildung ab, bleibt aber als weisses, schwammiges Gewebe (Velamen) zurück. Wie ein Fliesspapier saugen die Velamen Meteorwasser
auf und geben es der Pflanze ab. Dank der weissen Färbung der Velamen werden die an sich lichtempfindlichen Wurzeln vor zu viel Strahlung
geschützt, sodass sie auch an sonnigen Standorten keine Schäden erleiden.
Eine Besonderheit ist auch das Blattgrün in den Wurzeln.
Mit über 1100 Arten gehört die Gattung Epidendrum zu den grössten innerhalb der Orchideen. Übertroffen wird sie von den Dendrobien (1200 Arten)
und den Bulbophyllen (1800 Arten). Das wichtigste Erkennungsmerkmal der
Epidendrum-Blüten ist die Lippe, die ganz mit der Säule verwachsen ist.
Bei der obersten Blüte in der nebenstehenden Skizze ist dies gut erkennbar.
Bei den Blättern fällt auf, dass sie nicht zweizeilig angeordnet und im jungen
Zustand gefaltet sind.
Bei allen Riesen-Gattungen fehlt es nicht an Anstrengungen der Systematiker,
sie aufgrund bestimmter Merkmale in kleinere Gattungen zu gliedern. Auch
bei Epidendrum ciliatum nicht, die mit etwa zehn weiteren Arten in eine neue
Gattung Coilostylis überführt wurde, was aber trotz klarer Argumente wenig
Anerkennung fand. So weisen die „Coilostylis“-Arten Stammverdickungen
(Pseudobulben) auf, die Fruchtknoten drehen sich, sodass die Lippen nach
unten zeigen und die Blütenstandsachse sind dicht mit Hochblättern (Brakteen)
besetzt. Bei den Epidendrum-Arten ist dies anders. Das Prunkstück der spinnenartigen Blüten ist zweifellos die dreiteilige Lippe, deren Mittellappen lang, schmal
und ganzrandig ist, während die beiden Seitenlappen fransenartig zerteilt sind. Mit ihrer
leuchtend weissen Färbung ist eine Bestäubung durch Nachtfalter anzunehmen. In der Tat
sind die Blüten tagsüber praktisch duftlos und beginnen in der Abenddämmerung einen
markanten Duft auszustossen.
www.stadt.sg.ch
Zeitgenössische Improvisationen im Tropenhaus
Am 20. Januar 2017 laden Robert Notter und Erwin Pfeifer zu einem ungewöhnlichen Konzert ins Tropenhaus ein.
Robert Notter ist ein häufiger und interessierter Gast im Botanischen Garten. Er hat sich
einen Namen gemacht durch akustisch-visuelle Performances mit Piano und Perkussion in
verschiedenen Schweizer Museen. 1998 hat er als erster St. Galler die magische Schönheit
des Tropenhauses für ein Konzert genutzt. Damals spielte er im Duo mit dem Saxophonisten
Ekkehard Sassenhausen. Erwin Pfeifer hat sich als versierter Gitarrist, Komponist und Arrangeur quer durch musikalische Genres zwischen Klassik, Fusion Jazz und frei improvisierter
Musik hervorgetan.
Fast 20 Jahre später folgt nun die akustische Neubespielung der üppigen tropischen Pflanzenwelt, unter anderem begleitet vom Klang kubanischer Pfeiffrösche - spontan, dialogisch,
zeitgenössisch.
Türöffnung: 19.30 Uhr, Konzertbeginn 20.00 Uhr, Kollekte.
Hauptversammlung des „Fördervereins Botanischer Garten“
Die nächste Hauptversammlung findet am Do, 16. Februar 2017 um 19.30 Uhr im Vortragsraum des neuen Naturmuseums St.Gallen an der Rorschacher Strasse 263 statt. Dieser Anlass ist öffentlich, auch Nicht-Mitglieder sind herzlich willkommen.
Den Auftakt wird Stadträtin Maria Pappa mit einem kurzen Statement zum Botanischen Garten übernehmen. Als neu gekürte Direktorin Planung und Bau ist sie zugleich oberste
Schirmherrin des Botanischen Gartens.
Nach einem kurzen geschäftlichen Teil ist Roman Kaiser mit einem Vortrag über „Bedeutsame Pflanzendüfte rund um die Welt“ an der Reihe. Dabei gibt er Einblick in die Welt der
Naturdüfte, auf denen die Duftstoff- und Aromenindustrie basiert, in der er während gut 40
Jahren als Forschungschemiker arbeitete. Die Beschäftigung mit Naturdürften führte den
Referenten in verschiedene botanischen Gärten und natürliche Biotope, so auch tropische
Regenwälder. Seine Erkenntnisse hat er in mehreren Publikationen festgehalten. Für seine
umfangreichen Forschungen und Veröffentlichungen wurde Roman Kaiser mehrfach ausgezeichnet unter anderem 1995 mit der Ehrendoktorwürde der ETH Zürich Der angekündigte
Vortrag basiert zu einem guten Teil auf zweien seiner Büchern und gibt der Hörerschaft die
Möglichkeit, elf der besonders bedeutsamen Pflanzendüfte am “Ursprungsort“ in Wort,
Bild, Duft und Duftstoffchemie näher kennenzulernen.
Öffentliche Führungen im Botanischen Garten
Sonntag, 5. Februar 2017 um 10.15 und 15.15 Uhr
Niklaus Brülisauer: Lichtmikroskopie – Technologie und Geschichte
Neugier und Wissensdrang führten schon vor Jahrhunderten zum Wunsch,
mit technischen Hilfsmitteln kleine und für das blosse Auge nicht erkennbare Dinge sichtbar zu machen. Schon die Römer brachten Vergrösserungen mit einfachen Glasschalen zustande, die sie mit Wasser füllten.
Eigentliche Lichtmikroskope entstanden jedoch erst vor ca. 400 Jahren.
Diese waren aber nur einer kleinen Gruppe von Gelehrten zugänglich. Die
Allgemeinheit musste sich mit billigen Imitaten zufrieden geben, die als Volksbelustigungen an Jahrmärkten angeboten wurden. Parallel zur Optik entwickelte
sich die Lichtmikroskopie nach und nach bis zum Stand zwischen 1980 und 1990,
der sich physikalisch bedingt nicht mehr weiter verbessern lässt.
Die Erfindung der Lichtmikroskopie kann keiner Einzelperson zugeschrieben
werden. Die Herren Carl Zeiss, Ernst Leitz und Ernst Abbe haben sich darum aber besonders
verdient gemacht. Anhand von Beispielen aus der Tier- und Pflanzenwelt zeigt der Referent,
wie sich mit verschiedenen Techniken unserem Auge ganz neue Welten erschliessen.
Zu diesen interessanten Vorträgen sind alle herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.
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