Fledermäuse in Aalen

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Hilfe für erschöpfte und
verletzte Fledermäuse
Fledermäuse:
Lebensweise – Bedrohung – Schutz
Tote und vor allem geschwächte oder verletzte Tiere sollten unbedingt
einer fachkundigen Person übergeben werden. Dabei sollten die
Fledermäuse stets mit Handschuhen angefasst werden, weil sie sich
gegen die vermeintlich drohende Lebensgefahr mit letzter Kraft wehren
und dann kräftig zubeißen können. Dabei können auch Krankheiten
übertragen werden, da sich Fledermäuse nicht die Zähne putzen.
Die „Patienten“ müssen in eine gut verschließbare Schachtel gelegt
werden. Die Schachtel muss dicht verschlossen werden, weil Fledermäuse
wahre Ausbruchskünstler sind. Zuvor macht man einige kleine Luftlöcher
in den Deckel und polstert die Schachtel mit einem Tuch aus. Es sollten
auf keinen Fall Fütterungsversuche unternommen werden, schon gar
nicht mit Fleisch oder Gemüse. Lediglich Wasser kann tropfenweise
verabreicht werden.
Rufen Sie danach über den Fledermaus-Notruf fachgerechte Hilfe. Die
Pflege von Fledermäusen ist eine befristete Notmaßnahme, denn
die einheimischen Fledermäuse sind keine Haustiere und können
vom Menschen nicht artgerecht über längere Zeit in der Wohnung
gefangen gehalten werden. Dies ist überdies gesetzlich verboten.
Erfahrene Fledermaus-Experten
pflegen verletzte Tiere. Säuglinge werden mit Spezialmilch
aufgezogen. Alle Pfleglinge werden schnellstmöglich wieder in
Freiheit gesetzt.
Fledertiere sind eine weltweit verbreitete Tierordnung, die sich in die
Unterordnungen Flughunde und Fledermäuse gliedert. Es gibt etwa
760 Fledermaus- und 160 Flughundarten auf der Welt. In Europa leben
derzeit etwa 35 Fledermausarten und 1 Flughundart.
Die Fledermausarten ernähren sich von Insekten, die sie hauptsächlich
in der Luft fangen. Sie jagen aber auch am Boden und in dichter Vegetation. Die nachtschwärmenden Insekten werden hauptsächlich in der
Luft gefangen. Aber auch vom Boden oder der Vegetation werden
Beutetiere aufgenommen.
Eine Fledermaus verzehrt in einer Nacht Beute mit einem Gewicht von
etwa 4 bis 10 Gramm. Eine 1000-köpfige Kolonie – davon gibt es im
Ostalbkreis noch eine einzige – kann somit in einer Jagdsaison von 200
Nächten Insekten mit einem Gewicht von bis zu 2 Tonnen (!) verzehren.
Zur Insektenjagd in völliger Dunkelheit haben Fledermäuse schon vor
50 Millionen Jahren ein vom Menschen unübertroffenes Sonarsystem
entwickelt. Sie stoßen Schreie mit Frequenzen im Ultraschall-Bereich
aus. Treffen diese auf ein Hindernis oder ein Beutetier, so werden sie
durch dessen Oberflächenstruktur, bzw. Flügelbewegungen verändert
und reflektiert. Die Fledermäuse hören die Echos und können so Hindernisse und Beute unterscheiden und erfolgreich jagen.
Alle Fledermäuse in Baden-Württemberg stehen auf der Roten Liste
der vom Aussterben bedrohten Arten und dürfen nicht verfolgt oder
gar getötet werden. Der Bestandsrückgang der Fledermäuse in den
letzten 30 Jahren hat vielfältige Gründe. Der Einsatz von Pestiziden in
Forst- und Landwirtschaft und eine zunehmende Landschafts- und
Quartierzerstörung durch Baumaßnahmen gelten als Hauptursachen.
Höhlen der Alb – Schwärmplatz
und Winterquartier
Wochenstube – Geburtsort der
Jungtiere
Langohr im Winterschlaf –
total mit Tau benetzt
Winterschlaf-Gruppe des
Mausohrs
Literaturhinweise:
GEBHARD, Jürgen (1997): Fledermäuse, Basel: Birkhäuser Verlag
MÜLLER, Ewald (1993): Fledermäuse in Baden-Württemberg, Karlsruhe:
Landesanstalt für Umweltschutz
Nagel, Alfred (2002): Abschlussbericht zu den Untersuchungen zur
Fledermausfauna der Stadt Aalen und Umgebung
SCHOBER, Wilfried (1983): Mit Echolot und Ultraschall, Freiburg:
Verlag Herder
SCHOBER, Wilfried; GRIMMBERGER, Eckhard (1998):
Die Fledermäuse Europas, Stuttgart: Kosmos Verlag
SIEMERS, Björn M.; NILL, Dietmar (2000):
Fledermäuse, Das Praxisbuch, München: BLV Verlagsgesellschaft
Fledermäuse
in Aalen
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Kartierung finden Sie im
Internet auf der Seite der Stadt Aalen (www.aalen.de/agenda21).
Impressum:
Herausgeber:
Text, Fotos:
Agendabüro der Stadt Aalen
Manfred Schäffler, Markus Schmid
Satz, Gestaltung, Druckkoordinierung:
Digitaal Werbeagentur, Aalen-Brastelburg, Tel. 07367/921392
Danksagung:
Wir danken für freundliche Unterstützung:
Zunächst möchten wir uns herzlich bei Frau Treß, Herrn Erbacher und
Herrn Kiefer (Stadt Aalen) bedanken, die uns bei allen Aktionen unterstützt
haben und insbesondere bei einer so kleinen Projektgruppe wie unserer
mit weit verstreut wohnenden Mitgliedern, wichtige Ansprechpartner
waren und sind. Herrn Dr. Alfred Nagel danken wir für den unermüdlichen
Einsatz bei der Kartierung, der den Rahmen des Auftrages deutlich
überstieg. Der Stiftung Naturschutzfonds und der Stadt Aalen danken
wir für die Finanzierung des Kartierungsprojektes. Gedankt sei allen
Bürgern und Bürgerinnen der Region Ostalb, die uns mit Informationen
über Fledermausvorkommen versorgten. Vor allem im Namen der
Fledermäuse möchten wir uns ausdrücklich bei allen Quartierbesitzern
und -betreuern bedanken, ohne deren Geduld und Toleranz diese
bedrohten Tiere nicht überleben könnten.
Fledermaus-Notruf:
(0 73 61) 3 38 24
Wolfgang Schmid,
Kantstraße 44,
73431 Aalen
Aalen
nachhaltig
erLeben
Bewahren Sie Ruhe
Hektische Bewegungen und Wegscheuchen können die Tiere vollends
in Panik versetzen, so dass sie in der Verzweiflung auch gegen Hindernisse,
wie z.B. Glasscheiben oder Personen, fliegen und sich verletzen.
„Fledermausforschung und -schutz
in Aalen und Umgebung“
Fledermaus-Notruf
„Fledermausforschung und -schutz in Aalen und Umgebung“ ist ein
Projekt der lokalen Agenda 21 der Stadt Aalen. Die Agenda 21 ist eine
weltweite Aktion, die auf dem „Umwelt-Gipfel“ in Rio de Janeiro 1992
beschlossen wurde. Danach sollen die Bürger jedes Landes auf
kommunaler Ebene Projekte ins Leben rufen, die zu einer nachhaltigen
Entwicklung der Umwelt beitragen.
Zu jeder Jahreszeit und fast jeder Tageszeit: Antworten auf Fragen rund
um Fledermäuse, schnellstmögliche Hilfe und sachkundige Pflege von
verletzten Fledermäusen, Beratung zu geplanten oder schon laufenden
Baumaßnahmen.
Im Rahmen der Agenda 21 der Stadt Aalen haben sich im Jahre 1999
einige Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz BadenWürttemberg, der Höhlen-Forschungsgruppe Ostalb/Kirchheim (HFGOK)
e.V. und des Naturschutzbundes Deutschland e.V. zusammengeschlossen.
Die Projektgruppen-Mitglieder sind zum Teil schon seit mehr als 20
Jahren an der Kartierung der einheimischen Fledermausarten beteiligt.
Das Ziel des von der Stadt Aalen beauftragten und gemeinsam mit der
Stiftung Naturschutzfonds finanzierten Projektes war auf lokaler Ebene
die Fortschreibung der seit 1980 laufenden Erfassung und wissenschaftlichen Untersuchung der einheimischen Fledermausarten. Die
Ergebnisse liegen der Stadtverwaltung vor, die nun die Möglichkeit hat,
durch politisches und planerisches Handeln den gemeinsamen Lebensraum von Fledermäusen und Menschen nachhaltig zu entwickeln.
Durch Umfragen unter der Bevölkerung, eigene Untersuchungen und
darauf aufbauend die Erstellung einer flächendeckenden Kartierung im
Stadtgebiet durch den Biologen Dr. Alfred Nagel konnte ein Artenspektrum
von 18 Arten nachgewiesen werden, darunter europaweit bedrohte
Arten wie die Mopsfledermaus, das Große Mausohr und die Bechsteinfledermaus.
Unmittelbar am
Projekt beteiligte Personen:
Dr. Alfred Nagel, Gutachter, Lange Str. 62, Münsingen-Apfelstetten
Fritz Rosenstock, Nelkenweg 9, Aalen
Markus Schmid, Waiblinger Weg 20, Heidenheim
Wolfgang Schmid, Kantstraße 44, Aalen
Manfred Schäffler, Projektleiter, Stationenweg 7, Trochtelfingen
Fledermaus-Notruf:
(0 73 61) 3 38 24
Wolfgang Schmid,
Kantstraße 44,
73431 Aalen
Im Sommer:
Im Sommer zieht jedes Fledermausweibchen ein Junges, selten auch
Zwillinge, auf. Findet ein Junges seine Mutter nicht mehr oder ist diese
gar gestorben, so verhungert es.
Herumirrende Jungtiere oder verwaiste Fledermaus-Säuglinge klettern
oft aus ihren Verstecken und hängen an Hauswänden herum oder
bleiben erschöpft am Boden liegen. Diese Waisenkinder sind meist sehr
geschwächt und brauchen sofort Hilfe.
Typische Fledermaus-Findelkinder in Wohnsiedlungen sind die Zwergfledermaus, die Bartfledermaus und das Braune Langohr.
Im Winter:
Im Winter fallen unsere Fledermäuse in tiefe Winterschlaflethargie. Sie
zehren in dieser Zeit von ihrem Fettvorrat. Wird ihr Winterquartier
zerstört, so sind sie kaum in der Lage, schnell ein Ersatzquartier zu
finden und kommen in der Kälte oft um.
Beim Fällen hohler Bäume oder beim Abtransport von lagerndem Holz
werden Fledermäuse immer wieder unbeabsichtigt in ihrem Winterschlaf
gestört.
Braunes Langohr – in Baumhöhlen
und Dachböden zu Hause
Benachrichtigen Sie einen Experten
Das Auftreten von Fledermäusen in Wohnungen ist für die Erforschung
der einheimischen Bestände von großem Interesse. Rufen Sie darum
die angegebene Telefon-Nummer an. Dort wird man Sie gerne beraten
und wenn möglich besuchen, um die Tiere zu bestimmen, sachgerecht
zu fangen und an geeigneter Stelle wieder freizulassen.
Fensterläden – seltene aber ideale
Quartiere
Fledermäuse, die in Höhlen überwintern, werden von Höhlen-Touristen
gestört und fliegen dann verzweifelt suchend in Wohnungen ein. Solche
Tiere brauchen sofort weitere Hilfe.
Typischer Überwinterer in Baumhöhlen ist der Große Abendsegler, in
Felshöhlen das Große Mausohr.
Fledermaus-Einflug in die Wohnung – Was ist zu tun?
Im Herbst und im Frühling unternehmen viele Fledermausarten weite
Wanderflüge zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren. Auf der
Suche nach günstigen Quartieren verirren sie sich gelegentlich in die
Innenräume von Gebäuden, aus denen sie u.U. nicht mehr herausfinden
und wo sie schließlich verhungern und verdursten. Das Invasionsverhalten
unserer Fledermäuse ist noch keineswegs völlig enträtselt.
In Gebäude verirren sich typischerweise die Zwergfledermäuse, die
Zweifarbfledermaus, die Breitflügelfledermaus und der Große Abendsegler.
Die Tiere können und wollen dem Menschen keinen Schaden zufügen.
Sie suchen lediglich geeignete Quartiere: stille, dunkle Plätze, zum
Beispiel Schlafzimmer, die am Abend noch gelüftet werden. Wenn dann
einige Zeit später die rechtmäßigen Besitzer schlafen gehen und das
Licht einschalten, bemerken die Fledermäuse ihre Fehlentscheidung,
sind aber schon in der „Falle“. Sie sind dann mindestens genauso
erschreckt, wie die Wohnungsbesitzer, und reagieren zunächst genauso
hektisch. Sie werden nach dieser Erfahrung in aller Regel nie wieder
kommen. Es geht nur noch darum, sie auf höfliche Art wieder hinaus
zu bitten.
Im Folgenden einige Tipps, wie man beim Vorfinden einer oder mehrerer
Fledermäuse in der Wohnung vorgehen sollte.
Falls Sie niemand erreichen
Wenn Sie die Tiere am Tage entdecken, lassen Sie sie am besten für
den Rest des Tages in Ruhe; es wird dadurch kein Schaden an der
Einrichtung entstehen, denn die Fledermäuse wollen in dieser Zeit nur
still an einem ruhigen Ort hängen. Am Abend öffnen Sie das Fenster,
durch das die Tiere eingeflogen sind, möglichst weit. Schalten Sie das
Licht aus. Sie müssen nun nicht mehr leise vorgehen. Nach einigen
Flugrunden werden die Fledermäuse von alleine wieder das Weite
suchen.
Mopsfledermaus – europaweit
bedroht
Großes Mausohr – Ruhe im Winter
ist wichtig
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