Der Burgwald - Verein für naturnahe Erholung eV

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Der Burgwald – eine geschichtsträchtige Region
Aus Sicht der Rosenthaler Burgwaldstädter
Der Bericht enthält einen geschichtlichen Abriss zum Burgwald mit seiner geologischen und
biologischen Vielfalt, über seine Waldeigentümer und Nutzer vergangener Zeiten, zur
Besiedlung des zentralen Burgwaldes und die daraus folgende Gründung der Stadt
Rosenthal.
Der Burgwald im Ueberblick:
Der Burgwald zählt mit einer Flächengrösse von 200 Quadratkilometern zu den
Mittelgebirgen und ist eines der grössten geschlossenen Waldgebiete Hessens. Wo die
Buntsandsteinplatte des Burgwaldes am weitesten nach Nordosten in das Rheinische
Schiefergebirge vorragt, liegt das Waldareal und ist weiträumig von den Höhenzügen des
Rothaargebirges, des Waldecker Berglandes und des Kellerwaldes umgeben.
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In den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf befindet sich der
Burgwald. Die Grenze bilden im Norden die Eder bei Frankenberg sowie die Wetschaft im
Westen. Im Süd-westen bilden die Lahn von Göttingen bis Cölbe und im Süden die Ohm
zwischen Kirchhain und Cölbe eine natürliche Grenze. Im Südosten ist es die Wohra
zwischen Gemünden und Kirchhain sowie die Schweinfe im Osten, von Römershausen bis zu
ihrer Einmündung in die Wohra. Die Namensherkunft des Waldareals ist unbekannt. Nach
einer Theorie leitet sich der Name von den zahlreichen vor- und frühgeschichtlichen Burgen
ab, die auch zugleich Fliehburg-Stätte waren. Wie beispielsweise die Kesterburg
(Christenberg), Burg Mellnau, die Lützelburg und Lüneburg.
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In den ältesten Urkunden begegnet uns schon der Name Burgwald. Im Vertrag von
Langsdorf aus dem Jahr 1263, heisst der Wald „Burchholz“. 1475 findet sich in Rosenthaler
Rechnungen der Name „Borgwald“, 1577 „Burkwaldt“ später Borgwaldt und Burgwald.
Neben dem Reinhardswald, der Söhre, dem Seulingswald und Habichtswald, wurde der
Burgwald schon immer zu den Hauptwaldungen Kurhessens gezählt. Seine besonders
interessante Geschichte, seine Bedeutung als Holz-Rohstofflieferant und Arbeitsquelle
rechtfertigen diese besonderer Herausstellung. Seit Jahrzehnten ist das Waldareal auch ein
bevorzugtes Wander- und Naherholungsgebiet mit über 700 Kilometern Wander- und
Radwege.
Geologisch stellt der Burgwald eine in die älteren Schichten des Rheinischen Schiefergebirges
vorspringende Buntsandstein-Halbinsel dar. Im Erdzeitalter Trias vor etwa 220 Millionen
Jahren entstand die Buntsandsteinplatte, die in mehreren Stücken zerbrach, als das Gebiet
eine tektonische Anhebung erfuhr. Diese Stücke bauten sich auf zu mässig hohen Rücken,
zwischen denen sich tiefe Erosionstäler hinziehen. Der Buntsandstein wird von einigen
Basaltmassen durchbrochen, wie dem grossen und kleinen Badenstein. Dies ist eine
geologische Besonderheit im Burgwald. Die Erhebungen der bereits abgetragenen
Basaltsteinbrüche sind noch zu erkennen.
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Die klimatischen Verhältnisse im Naturschutzgebiet Franzosenwiesen/Rotes Wasser sorgen
für eine ökologische Besonderheit in der Region Burgwald. Neben diesem grossflächigen
Naturschutzgebiet gibt es in dem grossen Areal weitere unter Schutz gestellte Waldkomplexe.
Auch Bannwald, der Urwald von morgen, gehört mit seiner strengen Form des Schutzwaldes
zu diesem Komplex.
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Der Wald und seine Geschichte:
Wie auch bei Waldlandschaften andernorts, war der Burgwald zunächst ein königlicher Forst
und gelangte im Mittelalter in den Besitz der Landgrafen von Hessen, für die er auch über
Jahrhunderte ein bevorzugtes Jagdgebiet blieb. Auch von den Bauern der umliegenden
Dörfern wurde der Burgwald intensiv genutzt. Rinder, Schafe und Schweine wurden zur
Mast in den Wald getrieben. „Hutewälder“ entstanden mit grossen, weit voneinander
stehenden Eichen- und Buchen Bäumen. Zudem wurde auch massiv für die Köhlerei Holz
eingeschlagen, so unter anderen für die Frankenberger Silber- und Kupferminen und den
Rosenthaler Eisenhammer. Um 1800 waren nur noch wenige Bäume vorhanden.
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Nach Standort und Klima wäre der Naturraum Burgwald überwiegend mit PerlgrasBuchenwäldern oder Hainsimsen-Buchenwäldern bestanden. Doch die erwähnte Hutung,
Köhlerei aber auch Laubstreugewinnung und Plaggenhieb haben seit dem Mittelalter viele
Buchenstandorte verwüstet. Auf den nährstoffarmen sandigen Böden traten vielfach
ausgedehnte Heideflächen an die Stelle ursprünglichen Waldes.
Den Nutzungsansprüchen der Bevölkerung standen landgräfliche Jagdinteressen entgegen.
Sie verhinderten ebenso wie besondere Besitzverhältnisse (Deutsch Ordenswald) den völligen
Niedergang des Waldgebietes.
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Man darf sich unter dem Wald in der „alten“ Zeit nicht das Bild unseres heutigen
Hochwaldes vorstellen, der zumeist gar kein Wald, sondern eine „Baumplantage“ ist. Der
mittelalterliche Wald war lichter Laubholzbestand, ein Mischwald verschiedenster Bäume
mit Unterholz und weiten Grasflächen. Als zu Landgraf Philipps Zeiten (nach 1500) die
Waldhege und die fürstlichen Hof Jagden ein dem Bauern unerträgliches Ausmass
annahmen, schritt man zu Waldschutz und sogar zu Aufforstungen. Verstärkter
Nadelholzanbau erfolgte in der „Preussenzeit“ auf den freien Waldflächen in der zweiten
Hälfte des 19.Jahrhunderts.
Schon bei den Germanen waren Wald, Weide und Wasser Allgemeingut (Allmende). Wald
und Weide waren als eine Einheit zu sehen, die sie auch bis in die zweite Hälfte des
19.Jahrhunderts geblieben sind. Unter Allmende verstand man einen Teil der Gemeindeflur,
in der Regel Weide und Wald, die der Gemeinde gehörte und gemeinsam genutzt wurde. Aus
der Allmende entwickelte sich die Markgenossenschaft, deren Siedlung das Markdorf mit den
Markgenossen, den „Märkern“ war. Ihre Rechte am Wald waren unter anderen das Schlagen
von Brenn- und Bauholz, die Waldweide wie Hutung und Mästung von Vieh und Schweine,
Meilerung von Holzkohle für Eisenhütten, Schmiede und Hausbrand sowie die Lohe von
Eichen für die Rotgerberei. Das Salbuch -eine Art Grundbuch- nennt die Waldrechte den
„Gemeinen Brauch“. Später kamen zum Gemeinen Brauch noch die Nutzung von Wiesen und
Weiden, Wegen, Strassen, Quellen und Brunnen hinzu.
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Die „Nichtmärker“, Dorfbewohner ohne Waldrechte, musste für die Nutzung des Waldes
Abgaben entrichten, wie Hutegeld, Forsthafer oder auch andere Dienste leisten.
Vermutlich hat das sogenannte Herrenrecht das Genossenschaftsrecht immer mehr
eingeschränkt. Ursprünglich noch herrenloses Wildland, dessen Nutzung den Siedlern
niemand verwehrte, ging auf die immer stärker vordringenden Grundherrschaften oder auch
freie und unabhängige Grundeigner über. Den hessischen Landgrafen wurde immer mehr
eine „Obermärkerfunktion“ zuteil.
Mit der Zeit fortschreitend und Folge der Städtegründung ab dem 13. Jahrhundert wurden
aber die Marken immer kleiner. Bei den Städten, die aus Landgemeinden entstanden waren,
galt bezüglich des Grundbesitzes in den Marken die Rechtsanwendung des Mittelalters. Die
Rechte (Allmende) der beteiligten alten Siedlungen, später Wüstungen, bescherten den
Städten eigene Standtwaldungen. So darf angenommen werden, dass der Waldbesitz der
Stadt Rosenthal von etwa 600 ha östlich der Stadt im „Hainaischen Burgwald“, hierin seine
Begründung findet. Hierüber sind Urkunden oder andere Nachweise nicht vorhanden. Doch
ist in Salbüchern nachweisbar, dass fast alle Städte die in der Zeit um 1200 entstanden sind,
ihren Wald teils aus den Marken übernommen haben, teils wurde er später durch
Verleihung, Ankauf oder durch Aufforstung begründet.
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Territoriale Ansprüche der Landgrafen und Mainzer Erzbischöfe:
Gebietserhaltung aber auch Gebietsvermehrung waren die Ziele der hessischen Landgrafen
und der Erzbischöfe von Mainz. Ihre Territorialgebiete waren vergleichbar mit einem
Flickenteppich. Beide Mächte, Hessen und Mainz, gaben schon früh zu erkennen, aus dem
Streubesitz ein einheitliches zusammenhängendes Gebiet zu schaffen. Diese gleiche Absicht
führte zu einem blutigen Streit, der sich fast 200 Jahre hinzog. So geht auch ueber
Jahrhunderte das Streben der hessischen Landgrafen, ihren Waldbesitz im Burgwald zu
vergrössern und ihr Recht auf die Hohe Jagd allein, ohne den Adel auszuüben. Die Hege des
Wildes ging so weit, dass im Winter Rotwild, Rehwild und Wildschweine gefüttert werden
mussten und dies zum grossen Schaden der bäuerlichen Felder. Auf Wildfrevel standen
schwere Strafen, sogar der Strang.
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Der Vertrag von Langsdorf vom 10.September 1263 belegt, dass der Bereich des Burgwaldes
und des Wollenbergs noch im 14.Jh. eine relativ grosse Mark gewesen war. Die Landgräfin
Sophie von Hessen und ihr Sohn Heinrich von Thüringen trafen mit dem Erzbischof Werner
von Mainz zusammen, um über den „Burchholz“ (Burgwald) sowie andere Rechte ein
Uebereinkommen zu erzielen, dass der Burgwald sowohl Mainz als auch Hessen gemeinsam
gehören sollte. Jeder von beiden hatte das Recht im gesamten Burgwald zu jagen, die
Einsetzung der Waldhüter sollte gemeinsam erfolgen.
Die Begründung der Städte und Burgen des Burgwaldgebietes um 1300 entsprang
machtpolitischen Tendenzen. Neben der wirtschaftlichen Seite, die der Wald als
Nutzungsobjekt mit sich brachte, wurde die raumpolitische Lage des Burgwaldes die Ursache
dafür, dass die Bildung eines geschlossenen Territoriums durch das Erzbistum Mainz
besonders nachhaltig angestrebt wurde. Die ebenfalls nach Landesherrschaft strebenden
Landgrafen von Thüringen-Hessen hielten dagegen und siegten letztendlich.
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1234/38 gelang es dem Erzbischof von Mainz, die Hälfte der Grafschaft Battenberg zu
erwerben. Dazu gehörten neben dem Amt Bentreff (später Rosenthal) weitere Zenten westlich
und nördlich des Burgwaldes die somit halb mainzisch waren. Im Grunde hatte um 1300
Mainz das alleinige Sagen in diesen Bezirken. Dieser Machterweiterung trat der Landgraf
von Thüringen-Hessen mit der Gründung der Städte Frankenberg (1233) und Frankenau
(1242)) entgegen. Schon im Jahr 1223 gründete der Graf von Ziegenhain im östlichen
Burgwald zur Sicherung seiner Herrschaft die Stadt Gemünden. Gegen die mainzische
Amöneburg baute Hessen die Frauenburg bei Marburg, und die Burg Mellnau war wiederum
eine mainzische Sicherung gegen Hessen.
So ist es auch erklärbar, wenn der Erzbischof von Mainz seinen Festungsgürtel Battenberg,
Mellnau und Amöneburg durch ein neues Glied mit die Gründung der Stadt Rosenthal (1340)
im zentralen Burgwald verstärkte.
Der Burgwald im Interessenskonflikt der Mächte:
Der grösste und bedeutendste Waldbesitzer zu Beginn des 14. Jahrhundert war das
Erzbistum Mainz. Schon zu Zeiten Bonifatius erfolgten die ersten Erwerbungen um
Amöneburg, später kamen die Gerichte Röddenau, Geismar und Bentreff hinzu, und noch
vor 1317 die ganze Bulenstruth. Somit war der gesamte Nordburgwald und der südliche Teil
dieses Waldgebietes in Mainzer Hand. Die mainzische Hälfte des Burgwaldes nach dem
Vertrag von Langsdorf (1263) wurde aber immer wieder finanziellen Interessen geopfert.
Mithin waren die Pfandherren Inhaber und Nutzniesser der verpfändeten Gebiete oder
Rechte. So wurden 1346 die in mainzer Besitz befindlichen Aemter Amöneburg, Rosenthal
und Bracht verpfändet, 1391 der Teil des Burgwaldes bei Mellnau.
Durch die häufigen Verpfändungen waren schon Mitte des 16. Jh. die Waldungen mithin
verwüstet. Mit dem Niedergang der Mainzer Macht in Oberhessen ging der Verlust der
Waldungen Hand in Hand. Das traf auch für Teile des Burgwaldes zu. Besonders durch
Verpfändungen, die nicht wieder eingelöst wurden, gingen Gebiete und deren Wald verloren.
Der Niedergang des mainzischen Waldbesitzes war zugleich die Entstehung des
landgräflichen Waldeigentums. Schon 1439 wurden die hessischen Landgrafen oberste
Landvögte der mainzischen Besitzungen in Hessen. In der Folgezeit waren die Landgrafen
von Hessen mit Erfolg dabei, Mainz aus dem Burgwald zu verdrängen.
Angaben im Salbuch des Amtes Rosenthal von 1591 haben besitzpolitischen Charakter und
setzen Burgwald und Landgrafenbesitz gleich. Sie schliessen aber den mitten im Burgwald
liegenden Mönchwald aus, weil dieser sich im Besitz des Deutsch-Ritter-Ordens befand.
Sehr alten Besitz hatten auch die Grafen von Ziegenhain in der Bulenstruth und
Rauschenberg - Himmelsberg. Im 14.Jahrhundert kamen Wohra-Langendorf von Mainz und
Hersfeld hinzu. 1367 bildeten diese Besitzungen die Aemter Rauschenberg und Gemünden.
Ziegenhain war mithin im südlichen Hainaischen Burgwald und an Teile ostwärts des
Mönchwaldes, auch im ganzen Südburgwald (Amt Rauschenberg) präsent. Diese Teile kamen
aber 1450 im Erbgang an die Landgrafschaft von Hessen.
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Der Deutsch - Ritterorden erhielt 1256 vom Grafen von Ziegenhain den Merzhäuser Hof und
den „Merzhäuser Wald“ inmitten des Burgwaldes zwischen Bracht, Langendorf und Wohra
geschenkt. In der Folgezeit erwarb der Orden weitere Waldungen hinzu, der mit diesen
zusammen den Mönchwald bildete und zugleich auch der grössten Ordenswald in Hessen
war.
Der Deutschordenshof hat fortbestanden bis zum Jahre 1809 als Napoleon den Deutschen
Ritterorden auflöste und den Besitz zum Staatseigentum erklärte.
Das 1188 gegründete Zisterzienserkloster Haina (in Nachfolge der Aulisburg -1144- bei
Löhlbach) erwarb beachtlichen Besitz und gehörte zu den wohlhabenden mittelalterlichen
Klöster des Ordens. Von den örtlichen Mönchs- und Ritterorden war das Kloster Haina der
grösste Waldbesitzer. Seine Waldteile machen im wesentlichen die Fläche des Hainaischen
Klosterbesitzes im Burgwald aus. Eine Flächenminderung gab es in grösserem Ausmass im
14. Jahrhundert wegen der Gründung der Gemeinden in der Bunstruth und der Stadt
Rosenthal (Stadtwald).
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Der Klosterwald der damaligen Zeit ist wie folgt abzugrenzen: Nach Westen durch die
Talwasser-scheide des Holzbachtales gegenüber der Bentreff (Stadtwald Rosenthal) und nach
Osten durch das Schweinfetal (Bunstruth). Ausser dem Stadtwald von Rosenthal war es fast
der ganze Nordostteil des Waldes beiderseits des Holzbachtales. Später finden wir im Salbuch
von 1556 auch genauere Angaben über die Forstgrenzen nach dem Stand von 1533 ( Die Walt
ordenung am Burckwalde)
Diese alte Waldordnung ist die Grundlage und Richtschnur für die Benutzung des Waldes.
1527 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst. Landgraf Philipp der
Grossmütige errichtete in den Klostermauern ein Hospital für arme und kranke Männer der
hessischen Landbevölkerung. Aus dem Hospital Haina entwickelte sich später eine
psychiatrische Einrichtung, die als Zentrum für soziale Psychiatrie vom
Landeswohlfahrtsverband Hessen heute in moderner und zeitgemässer Form geführt wird.
Aus dem ehemaligen Klosterwald wurde ein Hospitalwald.
Ein grosser Waldverwüster war auch der Köhler mit der von ihm betriebenen
Kohlenmeilerei. Für die Gewinnung von nur einem Zentner Roheisen waren 16 Zentner
Holzkohle aus Buchenholz nötig. Das war etwa der Jahreszuwachs von einem Hektar Wald.
Zum Betrieb von einer Eisenhütte gehörte demnach bei mittlerer Erzeugung ein Wald von
mehreren hundert Hektar.
Besonders starke Rodungen in der früh- und hochmittelalterlichen Zeit für die
fortschreitenden Siedlungen, im Sinne der Schaffung von Ackerland, gehörten auch
geschichtlich gesehen zur Waldvernichtung.
Bei den lokalen Waldordnungen des Burgwaldes war die hessische landesherrliche
Forstordnung von 1532 massgebend. So durften von nun an nur unter Aufsicht der Förster
und einer besonderen Erlaubnis Eichen und Buchen geschlagen werden. Nach der
Forstordnung wurde 1683 mit der Nadelholzpflanzung als Versuch begonnen und dies seit
1750 planmässig. Bis dahin waren Fichte und Kiefer im Burgwald seltene Gäste. Die
Waldmast kam um 1800 langsam in Abgang. Der von den Bauern erzwungene Anbau von
Kartoffeln war ein wesentlicher Grund hierfür.
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Der Burgwald wird Staatswald:
Im Januar 1831 wurden per Gesetz alle bisher herrschaftlichen Waldungen des Burgwaldes
einschliesslich des Mönchwaldes zu „Staatswald“. Hier hatte besonders bei der Wahrung der
Besitzrechte gegenüber dem Staat der Gesetzgeber die politische Gemeinde als wahren
Besitzer stark in den Vordergrund treten lassen. In den Staatswaldungen besass Rosenthal
früher dreierlei Rechte: Die Bürger durften hier ihr Vieh hüten, Streuzeug gewinnen und
Leseholz sammeln. Der Träger dieser Rechte waren nicht die einzelnen Bürger, sondern die
Stadt. Ebenso wie Rosenthal waren alle umliegenden Ortschaften mit diesen Rechten
ausgestattet. Die alleinige und gemeinschaftliche Nutzung und deren Bezirke war streng
vorgeschrieben. Insgesamt standen der Stadt zur alleinigen Nutzung -nach Angaben von
Himmelmann- 622,80 ha und 1038,28 ha als gemeinschaftliche Nutzung zur Verfügung. Zählt
man den Stadtwald und die städtischen Huten und Trieschen mit ungefähr 700 ha hinzu, so
besass Rosenthal 2361,08 ha Huteflächen. Doch wurde in den Jahren 1880 bis 1884 von Staats
wegen die Hutegerechtsame (vererbliches und veräusserliches Nutzungsrecht an
Grundflächen), die Leseholzberechtigung und Waldstreu sammeln beendigt. Insgesamt
erhielt Rosenthal für Ablösung der Rechte am Staatswald 54.448,19 RM. Eine Ablösung der
Rechte in Waldflächen wurde der Stadt nicht gewährt.
Entstehung der Stadt Rosenthal:
Die Geschichte der Burgwaldstadt Rosenthal beginnt mit dem Tag, an dem der erste
Ansiedler seine Hütte in der Gemarkung aufschlug. Mit diesem Satz beginnt Fritz
Himmelmann im Heimatbuch der Stadt Rosenthal die Entstehungsgeschichte zu erläutern. Zu
welcher dieser Zeit dies genau war und wie lange es gedauert hat bis der heimische Raum voll
besiedelt war, vermag niemand genau zu sagen. Doch bevor Rosenthal 1327 durch den
Mainzer Erzbischof gegründet wurde und 1340 die Stadtrechte verliehen bekam, war das
Gebiet grossräumig besiedelt. Auf dem nahen Christenberg und im Wetschaftstal lebten
schon vor der Zeitenwende die Kelten. Die Gegend um Rosenthal ist mindestens seit dem
frühen Mittelalter besiedelt.
Zwölf frühmittelalterliche Wüstungen aus dem 8. bis 10.Jahrhundert werden in der
Broschüre „Alte Dörfer Rosenthal“ vom Verein für Heimatpflege Rosenthal e.V. beschrieben.
Der Marburger Geo-graf Dr.Gerhardt Eisel hat die Wüstungen in den 50er-Jahren
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untersucht und zum Teil gegraben. Er hat seine Ergebnisse 1965 in der Reihe „Marburger
Geographische Schriften“ veröffentlicht. Nach seiner Meinung weisen die zahlreichen
Scherbenfunde eindeutig auf karolingische Ortsgründungen
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Für diese Orte war Bentreff, 1215 erstmals so und ab 1564 Bendorf genannt, in fränkischer
Zeit gerichtlicher und kirchlicher Mittelpunkt eines Sonderbezirks geworden. In diesem
Gericht gründete das Erzstift Mainz das Burgwaldstädtchen Rosenthal. Als Folge dieser
Entwicklung wurden innerhalb von neunzig Jahren 12 Orte in der Umgebung von ihren
Bewohnern aufgegeben. Am längsten von den ehemaligen Siedlungen bestand Bendorf. Erst
1427 wurde der hier ansässige Pfarrsitz nach Rosenthal verlegt. Ihre Toten bestatteten die
Rosenthaler bis 1624 in Bendorf.
Nur Siedlungskerne blieben im Burgwald bestehen, die kranzförmig von Wüstungen
umgeben sind. Die um 1300 einsetzende Städtegründung im Burgwaldraum zog die Bewohner
umliegender Dörfer zusammen. Kriegerische Ereignisse waren der Hauptgrund zum
Untergang der kleinen Dörfer. Kleine Fehden, die sich weniger durch Kampf als durch
Zerstörung von Hab und Gut bemerkbar machten, zwangen die Dorfbewohner zur Aufgabe
ihrer Behausungen. Diese Zustände zeigen, dass sich gerade die schutzlosen Bauern nach
Schutz sehnten. Dass bei der Gründung von Rosenthal neben den militärischen
Gesichtspunkten (Burg, Stadttore, Wallgraben) auch an Markt, Handel und Gewerbe gedacht
wurde, zeigt die Anlage des Marktplatzes am Rathaus.
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Infolge der Mainzer Stiftsfehde von 1461 bis 1463 verpfändet Erzbischof Dieter von Mainz
die Städte Battenberg, Rosenthal, Mellnau und halb Wetter mit den zugehörigen Aemtern an
Heinrich III. von Hessen-Marburg. Nach Beendigung der Auseinandersetzungen verblieb
Rosenthal in hessischer Verwaltung und kam mit Abschluss des Merlauer Vertrages 1583
endgültig an Hessen. Die Stadt fiel aber mit der Annexion des Kurfürstentums Hessen 1866
an Preussen.
Sehenswert ist das heute so schmuckvolle Rathaus -erbaut anno 1654- das mit anderen
Fachwerkgebäuden im Stadtkern nach dem grossen Stadtbrand von 1595 entstand. Auch die
evangelische Stadtkirche hat ihr heutiges Aussehen im Jahr 1888 nach umfangreichen
Umbaumassnahmen erhalten.
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Das tourismusfreundliche Rosenthal ist immer ein liebenswertes ländliches Städtchen
geblieben. Es lohnt sich die Stadt Rosenthal zu besuchen und den nahen Burgwald in seiner
Vielfältigkeit näher kennen zu lernen.
Bericht erstellt von:
Helmuth Vaupel und Günther Klingelhöfer
-vom Verein für naturnahe Erholung e.V. Rosenthal Quellennachweise:
Heimatbuch der Stadt Rosenthal von 1939 von Fritz Himmelmann
Der Burgwald von Dr.Heinrich Boucsein von 1955
Der Kreis Frankenberg Geschichte seiner Gerichte, Herrschaften und
Aemter von der Urzeit bis ins 19. Jahrhunder von 1928
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