Ulrich Beck Ulrich Beck - Fakultät WiSo Uni Hamburg

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Ulrich Beck
Ulrich Beck (* 15. Mai 1944 in Stolp in Hinterpommern) ist ein deutscher Soziologe.
Er war bis zum Sommersemester 2009 Professor für Soziologie an der Ludwig-MaximiliansUniversität München und ist BJS Visiting Centennial Professor für Soziologie an der London
School of Economics and Political Science. Beck hielt Ende Juli 2009 an der LMU München
seine Abschiedsvorlesung.[1]
Leben
Ulrich Beck wuchs in Hannover auf. Nach dem Abitur nahm er zunächst in Freiburg im
Breisgau ein Studium der Rechtswissenschaften auf. Später erhielt er ein Stipendium und studierte Soziologie, Philosophie, Psychologie und Politische Wissenschaft an der LudwigMaximilians-Universität München. Dort promovierte er 1972 und wurde sieben Jahre später
im Fach Soziologie habilitiert.
Professuren besetzte er von 1979 bis 1981 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und von 1981 bis 1992 in Bamberg. Er wurde in Konvent und Vorstand der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie gewählt. Heute lehrt er an der Ludwig-Maximilians-Universität
München und der LSE. Beck ist außerdem Mitglied des Kuratoriums am Jüdischen Zentrum
München. Er ist mit der Familiensoziologin Elisabeth Beck-Gernsheim verheiratet.
Ferner wirkte er jahrelang in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Vorstand.
Werke
In seinen Arbeiten befasst er sich unter anderem mit den Themen Globalisierung und gesellschaftlichem Wandel und den damit verbundenen Folgen für die Menschheit, zum Beispiel
Individualisierung oder soziale Ungleichheit.
Durch Beobachtungsgabe und Kombinatorik nehmen seine Schriften oft die Form des
Großessays an. In ihnen gelingt es Beck wiederholt, für gesellschaftliche Sachverhalte und
Entwicklungen eingängige Kurzformeln zu entwickeln. So prägte er zahlreiche Begriffe, die
nahezu alle Schlagwortcharakter haben. Darunter fallen: Risikogesellschaft, Fahrstuhleffekt
und soziologischer Kosmopolitismus, Individualisierung, Deinstutionalisierung, Enttraditio-
nalisierung, Pluralisierung sowie im Bezug auf die Globalisierung die Begriffe Zweite Moderne, Globalismus, Globalität, Brasilianisierung sowie Transnationalstaat.
Beck plädiert volkswirtschaftspolitisch dafür, neue Prioritäten zu setzen. Vollbeschäftigung
sei angesichts der Automatisierung nicht mehr erreichbar, nationale Lösungen seien unrealistisch, "neoliberale Medizin" wirke nicht. Stattdessen müsste der Staat ein Grundeinkommen
garantieren und dadurch mehr zivilgesellschaftliche Arbeit ermöglichen.
Eine solche Lösung sei nur realisierbar, wenn auf europäischer Ebene bzw. – im besten Fall –
auf diversen transnationalen Ebenen einheitliche wirtschaftliche und soziale Standards gelten
würden. Nur so sei es möglich, die transnational agierenden Unternehmen zu kontrollieren.
Zur Eindämmung der Macht transnationaler Konzerne (TNKs) plädiert er daher für die Errichtung
Transnationaler
Staaten
als
Gegenpol.
Die Welt sei eine Weltrisikogesellschaft geworden. Ein Aspekt, der dieses verdeutlicht, ist das
kosmopolite Bewusstsein der gemeinsamen Bedrohung durch den Terrorismus.
Ferner ist er der Ansicht, dass ohne den Auf- und Ausbau internationalen Rechts und rechtsprechender Instanzen die Beilegung transnationaler Konflikte mit friedlichen Mitteln ausgeschlossen sei, was er als Rechtspazifismus tituliert.
Manuel Castells
Manuel Castells (* 9. Februar 1942 in Hellín, Provinz Albacete, Spanien) ist ein spanischer
Soziologe.
In den 1970er-Jahren spielte Castells eine zentrale Rolle in der Entwicklung marxistischer
Stadtsoziologie. Castells bisher wohl bedeutendster Beitrag zur Soziologie und Medientheorie
ist die dreibändige Studie The Information Age. Economy, Society, and Culture zur Weltgesellschaft als Netzwerkgesellschaft, die zwischen 1996 und 1998 erstellt wurde und in Zusammenhang mit dem Internetboom zumal in Kalifornien weiten Anklang fand. Die wesentliche These dieses Werkes zielt darauf ab, dass ein neues Paradigma, das Netzwerk, zu einem
gesamtgesellschaftlichen Phänomen aufgestiegen ist, und nicht wie bisher nur gesellschaftliche Teilbereiche verändert. Das Werk erschien ab 2001 auch auf Deutsch.
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Leben
Manuel Castells wurde 1942 in Hellín (Spanien) geboren. Neben Hellín lebte er als Kind in
Albacete, Madrid, Cartagena, Valencia und Barcelona. Er studierte von 1958 bis 1962 Rechtsund Wirtschaftswissenschaften an der Universität Barcelona. Er engagierte sich gegen Francos Diktatur und musste nach Paris fliehen, wo er als politischer Flüchtling anerkannt wurde
und an der Sorbonne 1964 sein Studium abschloss. 1967 promovierte er an der Pariser Uni-
versität in Soziologie mit einer statistischen Analyse der Standortpolitik von Wirtschaftsunternehmen in der Umgebung von Paris. Castells erhielt außerdem ein geisteswissenschaftliches Doctorat d'Etat von der Sorbonne sowie ein Doktorat in Soziologie von der Universität
Complutense Madrid.
Castells unterrichtete zwischen 1967 und 1979 an der Universität Paris Soziologie, zunächst
am Nanterre Campus, dann ab 1970 am École des Hautes Études en Sciences Sociales. 1979
wurde er an das Department of City and Regional Planning der University of California, Berkeley berufen, und war von 1994 bis 1998 Professor am Berkeley's Center for Western European Studies.
Castells war außerdem Professor und Direktor des Instituts für die Soziologie neuer Technologien an der Autonomen Universität Madrid sowie Professor am Consejo Superior de Investigaciones Cientificas in Barcelona sowie an 15 weiteren europäischen, US- und lateinamerikanischen, kanadischen und asiatischen Universitäten. 2003 ging er an die University of
Southern California und die Annenberg School for Communication als erster Inhaber des Wallis Annenberg Chair of Communication. Er hielt Lesungen an über 300 akademischen wirtschaftlichen Einrichtungen in rund 40 Ländern.
Manuel Castells ist Professor Emeritus für Soziologie und Stadt- und Regionalplanung an der
University of California, Berkeley (USA). Er arbeitet derzeit an der Offenen Universität Katalonien sowie an der Universität Kalifornien in San Diego.
Werke
Castells hat rund 20 Bücher sowie über 100 Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und
weitere 15 Bücher herausgegeben oder als Ko-Autor mitverfasst.
Eine Auswahl seiner Veröffentlichungen:
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2009: Communication power. Oxford/New York: Oxford University Press. ISBN 019-956704-2
2006: Mobile Communication and Society: A Global Perspective. MIT Press (CoAutor)
2005: Die Internet-Galaxie. Wiesbaden: VS Verlag, 2005; ISBN 3-8100-3593-9;
Google Books
2001: Das Informationszeitalter (3 Bände; Kurzrezension):
o Band 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft [1996]. Opladen: Leske + Budrich Verlag 2001. ISBN 3-8100-3223-9
o Band 2: Die Macht der Identität [1997]. Opladen: Leske + Budrich Verlag
2002. ISBN 3-8100-3224-7
o Band 3: Jahrtausendwende [1998]. Opladen: Campus Verlag 2003. ISBN 38100-3225-5
2001: The Internet Galaxy. Reflections on Internet, Business, and Society. Oxford
University Press
2001: Cities and Social Theory. Blackwell (Hrsg. von Ida Susser)
2001: Bausteine einer Theorie der Netzwerkgesellschaft. In: Berliner Journal für Soziologie 11: 423-440
2000: Materials for an explanatory theory of the network society. In: British Journal
of Sociology. Special millennium issue 1, 5–24
Max Weber
Max Weber 1894
Max Weber 1878
Max Weber und seine Brüder
Maximilian Carl Emil Weber (* 21. April 1864 in Erfurt; † 14. Juni 1920 in München) war
ein deutscher Soziologe, Jurist und Nationalökonom. Er gilt als einer der Klassiker der Soziologie sowie der gesamten Kultur- und Sozialwissenschaften. Interdisziplinär wird Webers
Werk über Kontinente hinweg und quer zu verschiedenen politischen und wissenschaftstheoretischen Lagern anerkannt. Er nahm mit seinen Theorien und Begriffsdefinitionen großen
Einfluss auf die sogenannten Speziellen Soziologien, insbesondere auf die Wirtschafts-, die
Herrschafts- und die Religionssoziologie. Außerdem ist das Prinzip der Wertneutralität auf
ihn zurückzuführen.
Max Weber ist der Bruder des Kultursoziologen Alfred Weber und Ehemann der Frauenrechtlerin, Soziologin und Rechtshistorikerin Marianne Weber.
Leben und Wirken
Jugend
Max Weber wurde am 21. April 1864 als erstes von acht Kindern in Erfurt geboren. Seine
Eltern waren der Jurist und spätere Reichstagsabgeordnete der Nationalliberalen Partei Max
Weber sen. (1836–1897) und Helene Weber, geb. Fallenstein. 1868 wurde sein Bruder Alfred
geboren, der später ebenfalls Nationalökonom und Universitätsprofessor im Fach Soziologie
wurde. Max galt als Sorgenkind, das bereits im Alter von vier Jahren an Meningitis erkrankt
war. Von der Mutter wurde Max beschützt und übervorsichtig erzogen. Das Recht des Erstgeborenen machte er früh geltend, er fühlte sich als Vermittler von Streitigkeiten zwischen Kindern und Eltern in der Familie. Schon im Alter von 13 Jahren las er Werke der Philosophen
Arthur Schopenhauer, Baruch Spinoza und Immanuel Kant, aber auch literarische Autoren
wie Johann Wolfgang Goethe.
Studienweg, Universitätslaufbahn und publizistische Positionen
Nach dem Abitur am Königlichen Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Charlottenburg studierte
Weber von 1882 bis 1886 Jura, Nationalökonomie, Philosophie und Geschichte. Zunächst lag
sein Hauptinteresse bei der Alten Geschichte, doch dann emanzipierte er sich von seinem
Lehrer Theodor Mommsen und promovierte 1889 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu
Berlin in Jura (magna cum laude); der Promotionstitel lautete: Die Entwicklung des Solidarhaftprinzips und des Sondervermögens der offenen Handelsgesellschaft aus den Haushaltsund Gewerbegemeinschaften in den italienischen Städten.
In Heidelberg wurde er anschließend Mitglied der Studentenverbindung Burschenschaft Allemannia (SK). 1892 erfolgte die Habilitation für römisches, deutsches und Handelsrecht in
Berlin bei August Meitzen; Seine Habilitationsschrift trug den Titel: Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht.
1893 wurde er im Alter von 29 Jahren Außerordentlicher Professor für Handelsrecht in Berlin, im selben Jahr heiratete er in Oerlinghausen seine entfernte Cousine Marianne Schnitger,
die später als Frauenrechtlerin, Juristin und Soziologin aktiv wurde. Beide führten eine sogenannte Gefährtenehe.
Ebenfalls 1893 trat er in den Alldeutschen Verband ein, der eine nationalistische Politik vertrat. Diese Organisation verließ er jedoch 1899, als er sich in der so genannten Polenfrage mit
seiner nationalistisch und chauvinistisch begründeten Forderung nach Schließung der Grenzen
für polnische Wanderarbeiter nicht durchsetzen konnte.[1] In seinem Austrittsschreiben vom
22. April 1899 gibt M. Weber ausdrücklich die Polenfrage als Grund seines Austritts an und
beschwert sich, dass der Alldeutsche Verband den totalen Ausschluss der Polen nie mit der
gleichen Vehemenz forderte, mit der er sich für die Deportation der Tschechen und Dänen
eingesetzt hatte.[2] Im Alldeutschen Verband hatten nämlich die bäuerlichen Mitglieder, welche die Überwindung des Landarbeitermangels in den Vordergrund stellten, ihre Interessen
durchsetzen können.[3]
Bereits 1894 bekam er einen Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Albert-LudwigsUniversität Freiburg. 1896 nahm er einen Ruf auf den renommierten Lehrstuhl von Karl
Knies an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg an. Im selben Jahr zählte er mit Friedrich
Naumann zu den Gründern des Nationalsozialen Vereins, der durch eine Sozialgesetzgebung
die Voraussetzung für eine nationale Identifikation der Arbeiterschaft schaffen wollte.
Psychischer Zusammenbruch und Erster Weltkrieg
Max Weber (etwa 1907 oder früher)
1898 musste er wegen eines Nervenleidens seine Lehrtätigkeit einschränken und die Professur
1903 schließlich ganz aufgeben. 1904 übernahm er zusammen mit Edgar Jaffé und Werner
Sombart die Redaktion des Archivs für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik, nahm damit
seine publizistische Tätigkeit wieder auf und gründete 1909 zusammen mit Rudolf Goldscheid, der die Idee hatte, Ferdinand Tönnies, Georg Simmel und Werner Sombart die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS).
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Max Weber ein Jahr lang Disziplinaroffizier der Lazarettkommission in Heidelberg. Während der Lauensteiner Tagungen 1917 plädierte er für eine
konsequente Weiterführung des Krieges. Er warnte jedoch seit Kriegsbeginn mit Nachdruck
vor übertriebenen Annexionsforderungen, die einen Friedensschluss erschweren würden und
vor einer Kriegsführung, die einen Kriegseintritt der USA provozieren könnte.[4] Gleichzeitig
setzte er sich für ein Parlamentarisches System gemäß britischem Vorbild ein, das die politische Führungsrolle der Monarchen in Deutschland deutlich beschränken sollte.
Nach Kriegsende
Weber 1917 auf der Lauensteiner Tagung.
Nach Kriegsende war er Mitbegründer der links-liberalen Deutschen Demokratischen Partei
(DDP). 1919 wurde er zum Sachverständigen der deutschen Delegation bei der Friedenskonferenz zum Versailler Vertrag unter der Leitung des Reichsaußenministers Graf BrockdorffRantzau berufen.
Zwischen 1903 und 1918 fanden mehrere regelmäßige Gesprächszirkel im Hause der Webers
in Heidelberg statt, an denen Politiker und Geistesgrößen wie Georg Jellinek, Friedrich
Naumann, Emil Lask, Karl Jaspers, Werner Sombart, Georg Simmel, Georg Lukács, Ernst
Bloch, Gustav Radbruch, Theodor Heuss und andere teilnahmen und welche den „Mythos
von Heidelberg“ begründeten.
1918 nahm Max Weber in Wien seine Lehrtätigkeit wieder auf und folgte 1919 einem Ruf auf
den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität München, den zuvor Lujo Brentano
innegehabt hatte. Er lehnte Angebote der Universitäten Göttingen und Berlin sowie auf einen
speziell auf seine Interessen zugeschnittenen Lehrstuhl in Bonn ab. In München hielt Weber
seinen Vortrag über Politik als Beruf, in dem er drei Grundanforderungen für den idealen Politiker formulierte: 1. Leidenschaft im Sinne von Sachlichkeit. 2. Verantwortlichkeit im Interesse des Sachanliegens. 3. Augenmaß als notwendige persönliche Distanz zu Dingen und
Menschen. Er begründete überdies das staatliche Gewaltmonopol.
Während Max Weber während des Krieges dessen Fortführung publizistisch unterstützt hatte,
reagierte er auf die nach Kriegsende weiter fortschreitende Radikalisierung der deutschen
Rechten, die die Niederlage nicht akzeptieren wollte, mit zunehmendem Befremden. Ein Verhältnis zur Politik, das aus der Intensität der Ziele seinen Inhalt zog und der Gesinnungsethik
den Vorzug gegenüber der Verantwortungsethik gab, lehnte er als irrational ab.
Joseph E. Drexel, ein Student Max Webers im Wintersemester 1919/20, erinnerte sich, dass
rechtsradikale Studenten dessen Vorlesung an der Münchner Universität zu sabotieren versuchten und sprengten. Als der herbeigeeilte Rektor drohte das Licht abzuschalten, rief man
ihm zu: „Um so besser, dann können wir die Juden im Dunkeln verprügeln.“.[5]
Erkrankung und Tod
Webers Grab in Heidelberg
Wenige Monate nach diesem Vorfall konnte Weber seine Lehrtätigkeit krankheitsbedingt
nicht fortführen und starb am 14. Juni 1920 in München an den Folgen einer Lungenentzündung, die durch die Spanische Grippe ausgelöst worden war. Zu seiner Beerdigung, bei der
seine Frau Marianne Weber die Grabrede hielt, fanden sich knapp 1.000 Menschen zusammen.
Sein Grab befindet sich auf dem Bergfriedhof in Heidelberg.
Werke
Max Weber ist der jüngste der drei Gründerväter der deutschen Soziologie (neben Tönnies
und Simmel). Er wird als Begründer der Herrschaftssoziologie und neben Émile Durkheim als
Begründer der Religionssoziologie betrachtet. Auch zählt er neben Karl Marx und Georg
Simmel zu den bedeutenden Klassikern der Wirtschaftssoziologie. Zu zahlreichen anderen
Themen der Soziologie publizierte Weber ebenfalls grundlegend.
Er beschrieb die Soziologie als „Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen
und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.“ Der Begriff
des sozialen Handelns markiert in dieser Definition den zentralen Tatbestand, welcher für die
Soziologie als Wissenschaft konstitutiv ist (jedoch nicht: ihren einzigen Gegenstand).
Soziales Handeln wird von Weber dadurch definiert, dass es nach dem subjektiven Sinn der
Handlung und faktisch, in dessen Ablauf, an dem Verhalten anderer orientiert ist. Er unterscheidet zudem vier Idealtypen des sozialen Handelns, je nach Art der Gründe, die dafür geltend gemacht werden können: (1) zweckrationales, (2) wertrationales, (3) affektuelles oder (4)
traditionelles Handeln. Für die beiden rationalen Handlungstypen gilt, dass die Gründe auch
als Ursachen des Handelns aufgefasst werden können. Die Handlungstypen dienen schließlich
der empirischen Forschung als kausale Hypothesen, als Kontrastfolien für die Beschreibung
des tatsächlichen Sichverhaltens.[6]
Wissenschaftstheoretisch trat er für eine qualitative Methode ein (siehe auch Methodenstreit).
Des Weiteren bestand Weber auf einer Soziologie als werturteilsfreier Wissenschaft (siehe
auch Werturteilsstreit).
Darüber hinaus hat er wichtige Erkenntnisse zur Ökonomie beigesteuert. Webers zentrale
Forschung befasste sich mit den Gründen für die spezifischen Eigenarten des Kapitalismus im
Okzident (der westlichen Hemisphäre). Auch bei seinen soziologischen Arbeiten ging er
letztendlich von einem sozial-ökonomischen Erkenntnisinteresse aus.[7] Zentrales Thema waren dabei Gründe und Erscheinungen des sich in der westlichen Welt als kulturelle Basis von
'Wirtschaft und Gesellschaft' spätestens mit dem ausgehenden Mittelalter etablierenden „okzidentalen Rationalismus“. Man kann Webers ersten soziologischen Aufsatz im engeren Sinne, Die sozialen Gründe des Untergangs der antiken Kultur von 1896[8], als Grundlegung für
seine späteren Arbeiten ansehen. Die besondere Entwicklung des Okzidents zeigt sich danach
in einer großen Zahl von gesellschaftlichen Bereichen. Er nennt neben dem Ende der Sklaverei, die Entwicklung der okzidentalen Stadt, die rationale Betriebsgestaltung und Verwaltungsorganisation („Bürokratie“), nicht zuletzt auch die „methodische“ Gestaltung des Alltags
der Gesellschaftsmitglieder („Lebensführung“).
Zu seinen bekanntesten und den weltweit verbreiteten Werken der Soziologie zählen „Die
protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ und das Monumentalwerk „Wirtschaft
und Gesellschaft“, das erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde und eine grundlegende Darstellung seines Begriffs- und Denkhorizontes bietet. Seine Arbeiten, die er vor Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus publizierte, sowie seine spätere Vorarbeit zur
Musiksoziologie wurden und werden in der Soziologie kaum wahrgenommen.
Seine Begriffsbildungen werden bis heute in der Soziologie und der Politikwissenschaft oft
als Grundlage weiterer Forschungen genommen, z. B. seine Definitionen von Macht und
Herrschaft, der Begriff des Idealtypus sowie die – trotz ihrer weiten Verbreitung aufgrund der
impliziten Wertung vielfach als fragwürdig betrachteten – Einteilung des moralischen Handelns in Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Der Idealtypus ist ein theoretisches Konstrukt, das bestimmte, für relevant gehaltene Aspekte der sozialen Realität bewusst überzeichnet und in einen Zusammenhang bringt. Er ist stets auf logisch-gedankliche Perfektion hin
angelegt und wird über Beobachtung sozialer Phänomene, Abstraktion und auf der Grundlage
von allgemeinen Erfahrungsregeln gewonnen. Ziel der idealtypischen Konstruktion sind
trennscharfe Begriffe, mit denen empirische Phänomene unter dem Gesichtspunkt ihrer Kulturbedeutung verstanden werden können. Weber spricht sich eindeutig gegen eine normative
Betrachtung des Idealtypus aus, die Inbezugsetzung von Wirklichkeit und Idealtypus mit dem
Ziel des Vergleichs dürfe nicht verwechselt werden mit deren Bewertung.[9]
Seine Thesen über den Zusammenhang zwischen Protestantismus und Herausbildung des Kapitalismus sind auf große Zustimmung, aber auch auf mannigfaltige Kritik gestoßen.[10]
Die Kritik erscheint jedoch trotz der begrenzten Perspektive in Die protestantische Ethik und
der 'Geist' des Kapitalismus, die Weber durchaus bewusst war, fragwürdig. Denn er differenziert in der Mitte seines Werkes ausdrücklich:
„Aber andererseits soll ganz und gar nicht eine so töricht-doktrinäre These verfochten
werden, wie etwa die: daß der 'kapitalistische Geist' […] nur als Ausfluß bestimmter
Einflüsse der Reformation habe entstehen können oder wohl gar: daß der Kapitalismus als Wirtschaftssystem ein Erzeugnis der Reformation sei. Schon daß gewisse
wichtige Formen kapitalistischen Geschäftsbetriebes notorisch erheblich älter sind als
die Reformation, stände einer solchen Ansicht ein für allemal im Wege.“
Und gegen Ende des Werkes:
„…so kann es dennoch natürlich nicht die Absicht sein, an Stelle einer einseitig
'materialistischen' eine ebenso einseitig spiritualistische kausale Kultur- und Geschichtsdeutung zu setzen. Beide sind gleich möglich, aber mit beiden ist, wenn sie
nicht Vorarbeit, sondern Abschluss der Untersuchung zu sein beanspruchen, der historischen Wahrheit gleich wenig gedient.“
Weber behauptet kein Bestehen einer echten Kausalität zwischen Protestantismus und Kapitalismus, sondern eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines modernen Kapitalismus bei Zusammentreffen bzw. -wirken von Kapitalismus und Berufsethos bzw. innerweltlicher Askese.
Rezeption
Zu Lebzeiten standen Webers Arbeiten nicht im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Diskurses, obwohl seine Wirkung bereits in der Weimarer Republik beträchtlich war und im Nationalsozialismus anhielt. Ein Beispiel für die Rezeption Webers in der Weimarer Republik und
in der Zeit des Nationalsozialismus stellen die beiden Werke Christoph Stedings von 1931
und 1938 dar: Politik und Wissenschaft bei Max Weber, und Das Reich und die Krankheit der
europäischen Kultur.[11] Auch nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Max Weber als Soziologe,
anders als z. B. Ferdinand Tönnies und Georg Simmel, nicht an Bedeutung. Seine Werke finden weiterhin große Beachtung.
Im Fokus standen in der Nachkriegszeit in Deutschland zwar zunächst die Untersuchungen
zur nivellierten Mittelstandsgesellschaft Schelskys, die Konfliktsoziologie von Dahrendorf
und danach die Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno, der Philosoph Karl
Jaspers bezog sich aber explizit auf Weber.
Die deutsche Neubelebung Webers begann mit dem Heidelberger Soziologentag 1964, auf
dem den deutschen Soziologen zu Webers 100. Geburtstag durch Parsons, Herbert Marcuse,
Reinhard Bendix, Raymond Aron und Pietro Rossi der Stand der internationalen WeberRezeption vor Augen geführt wurde. Seitdem wächst die Sekundärliteratur zu Werk und Bedeutung Webers kontinuierlich an. Für die deutsche Rezeption wurden insbesondere zwei
Herausgeber der Max-Weber-Gesamtausgabe, M. Rainer Lepsius und Wolfgang Schluchter,
zu Fixpunkten einer beständigen Auseinandersetzung mit dem Weber'schen Werk.
In den USA wurde die Verbreitung der Ideen Webers durch den nach 1945 in der Soziologie
weltweit vorherrschenden Strukturfunktionalismus Talcott Parsons' und dessen Übersetzungen der Weber'schen Werke Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus sowie
Wirtschaft und Gesellschaft, ins Englische, maßgeblich voran getrieben. Insbesondere Webers
Schrift zur Bedeutung der protestantischen Ethik für die Entwicklung des modernen Kapitalismus wurde – in den USA, aber auch in Deutschland – ausgesprochen häufig und kontrovers
(s.o., Werk) diskutiert.
Bis in die jüngste Zeit zählt Weber zu den am häufigsten zitierten Soziologen. In dieser Hinsicht stellt Klaus Feldmann fest: „Von den Klassikern erweist sich Weber als der dauerhafteste.“ (KLAUS FELDMANN: Soziologie kompakt)[12] So sind auch in den jüngeren Theorieangeboten der Soziologie vielfältige Bezüge zum Weber'schen Werk enthalten. Der französische
Soziologe Pierre Bourdieu griff bspw. bei der Formulierung seiner Theorie der Praxis auf
Max Weber zurück. Selbst die frühe Systemtheorie von Niklas Luhmann und nicht zuletzt die
Theorie kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas grenzen sich zwar in zentralen
Punkten von Weber ab, dennoch tritt gerade darin dessen anhaltende Bedeutung für die deutsche Soziologie zu Tage.
Werke (Auswahl)
Bei den Werken, die in den Gesammelten Aufsätzen, Tübingen 1988, enthalten sind, wird der
dortige Veröffentlichungsort mit angegeben.
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1889 Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter, Stuttgart 1889. Habilitationsschrift in Handelsrecht, GASW 312–443, daraus das 3. Kapitel Die Familienund Arbeitsgemeinschaften separat veröffentlicht: Entwickelung des Solidarhaftprinzips und des Sondervermögens der offenen Handelsgesellschaft aus den Haushaltsund Gewerbegemeinschaften in den italienischen Städten, Stuttgart 1889, Inauguraldissertation
1891 Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht, Stuttgart 1891. Habilitationsschrift in Römischem Recht, Reprint Amsterdam
1962
1891–1892: Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland
1895 Freiburger Antrittsvorlesung Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik.
Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B Mohr, Freiburg i. Br. und Leipzig 1895,
GPS 1–25
1896: Die sozialen Gründe des Untergangs der antiken Kultur, in: Die Wahrheit, Bd.
3, H. 63, Fr. Frommanns Verlag, Stuttgart 1896, S. 57–77, GASW 289–311
1904: Veröffentlichung von
o Die 'Objektivität' sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in:
Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 19 (1904), 22–87, GAW 146–
214
o Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 20 (1904), 1–54 und 21 (1905), 1–110, überarbeitet in GARS I 1–206
1909 Agrarverhältnisse im Altertum [3. Fassung], in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften Band 1, Jena 1909 3. Auflage, 52–188, GASW 1–288
1915–1919: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen erscheint in Form von 11 Einzelaufsätzen GARS I 237–573, II–III
1918: Veröffentlichung der gesammelten Aufsatzreihe Parlament und Regierung im
neugeordneten Deutschland. Zur politischen Kritik des Beamtentums und Parteiwesens (GPS 306–443), mit der Weber eine Fundamentalkritik an dem deutschen Beamtentum und dessen althergebrachten Traditionen übt
1919: Erscheinen der Vortragsmanuskripte
o Wissenschaft als Beruf, München und Leipzig 1919, GAW 582–613 (Separatveröffentlichungen: Stuttgart 1995 (Reclam) ISBN 3-15-009388-0 und Schutterwald/Baden 1994 ISBN 978-3-928640-05-3) (Online Text)
o Politik als Beruf, München und Leipzig 1919, GPS 505–560 (Separatveröffentlichungen: Stuttgart 1992 (Reclam) ISBN 3-15-008833-X und Schutterwald/Baden 1994 ISBN 978-3-928640-06-0) (Online Text)
1920–1921: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie erscheinen in drei Bänden,
enthalten neue und überarbeitete bereits erschienene Schriften
Anthony Giddens
Anthony Giddens, Baron Giddens (* 18. Januar 1938, bei London) ist ein britischer Soziologe
Biographie
Giddens wurde in Edmonton, London geboren. Anthony Giddens war bis 2003 Direktor der
London School of Economics and Political Science und zuvor Professor der Soziologie an der
Universität Cambridge in England.
Giddens ist bekannt für seine Theorie der Strukturierung (siehe Struktur (Soziologie)), auch
Strukturationstheorie genannt. Dieser Ansatz der Soziologie versucht einen Mittelweg zwischen Positionen, die den Fokus entweder auf soziale Systeme oder auf das Individuum richten, zu finden. Giddens untersucht insbesondere, wie Handeln sich über Raum und Zeit erstrecken kann, und greift dazu den Bereich des unbewusst gesteuerten Alltagshandelns heraus.
Er argumentiert, dass individuelle Handlungen und soziale Strukturen in einer engen Beziehung zueinander stehen, d.h. es bilden sich in jeder Handlung eines Individuums soziale Systeme ab. Somit können aus individuellen Verhaltensweisen Rückschlüsse auf soziale Systeme
gezogen werden.
Soziale Strukturen, wie Traditionen und Institutionen beeinflussen das Individuum, jedoch
existiert auch Innovation, da die Strukturen ignoriert oder ersetzt werden können. Mit der
Strukturationstheorie ergaben sich vermehrt Querverbindungen zur Psychologie und zur Sozialpsychologie.
In seiner politischen Soziologie postuliert Giddens den so genannten „dritten Weg“ zwischen
liberalem Kapitalismus und Sozialismus. Der dritte Weg versucht die positiven Aspekte von
beiden Systemen zu vereinen.
Er befasst sich außerdem mit der Moderne und deren Einfluss auf die Identität von Individuen. Bekannt geworden ist er auch durch seine Stellungnahmen zur Globalisierung und deren
Aspekte von Risiko, Tradition und Demokratie.
In Bezug auf methodische Fragen der Sozialwissenschaft betont Giddens die Problematik der
doppelten Hermeneutik. Mit diesem Konzept verweist er auf das Spannungsfeld zwischen
Selbstinterpretation der Forscher und Interpretationen zweiter Ordnung.
Im Juni 2004 wurde Anthony Giddens mit der Verleihung des Titels Baron Giddens, of
Southgate im London Borough of Enfield zu einem Life Peer gemacht.
Kritik des Utopischen Realismus
Über das Schlüsselkonzept „Strukturierung“ hinausgehend hat Anthony Giddens in seinen
1991 erschienenen Büchern „The Consequences of Modernity“ und „Modernity & SelfIdentity. Self & Society in the Late Modern Age“ einerseits versucht, Modernität und Globali-
sierung als Leitvorstellungen jeder soziologischen Zeitdiagnose zu profilieren und in vier institutionellen Globalisierungsfeldern und Modernitätsgrundrisiken zu bündeln: Zunahme unkontrollierter totalitärer Macht und atomarer Gefahr; Zusammenbruch jeder Wachstumswirtschaft und Umweltkatastrophe. Andererseits verknüpfte er seinen Ansatz mit Blick auf das
handelnde Individuum.
Schriften
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Capitalism and Modern Social Theory (1971)
Politics and Sociology in the Thought of Max Weber (1972)
The Class Structure of Advanced Societies (1973)
o deutsch: Die Klassenstruktur fortgeschrittener Gesellschaften, übersetzt von
Cora Stephan, Suhrkamp, Frankfurt 1979
New Rules of Sociological Method (1976)
Political Theory (1977)
Emile Durkheim (1978)
Central Problems in Social Theory (1979)
A Contemporary Critique of Historical Materialism (1981)
Sociology (1982), ein beliebter Einführungstext in die Disziplin, auch auf deutsch erschienen:
o deutsch: Soziologie, übersetzt nach der 3. engl. Aufl. (1997) von Hans Georg
Zilian, Nauser und Nauser, Graz und Wien 1999, ISBN 3-901402-22-5
o Neubearbeitung: Soziologie, keine Übersetzung der englischen Ausgabe, vielmehr in Absprache mit dem Autor Giddens für deutschsprachige Leser bearbeitet von Christian Fleck und Mariana Egger de Campo, Nauser und Nauser,
Graz und Wien 2009, ISBN 978-3-901402-16-6
Profiles and Critiques in Social Theory (1983)
The Constitution of Society, Outline of the Theory of Structuration, Cambridge: Polity
Press 1984, ISBN 0-7456-0006-9
o deutsch: Die Konstitution der Gesellschaft, Campus, Frankfurt 1988, ISBN 3593-34744-X
The Nation-State and Violence (1985)
The Consequences of Modernity (1990)
o deutsch: Konsequenzen der Moderne, Suhrkamp, Frankfurt 1996, ISBN 3-51828895-4
Modernity and Self-Identity. Self & Society in the Late Modern Age (1991), Policy
Press, vii/256 p. ISBN 0-7456-0932-5
The Utopian Paradigm (1991), Communications 3.1991, pp. 283-318
The Transformation of Intimacy (1992)
Kritische Theorie der Spätmoderne, Passagen-Verlag, Wien 1992, ISBN 3-900767-785 (beruht auf einem Vortrag, den Giddens in Wien gehalten hat)
Beyond Left and Right (1994)
o deutsch: Jenseits von links und rechts: die Zukunft radikaler Demokratie, übersetzt von Joachim Schulte, Suhrkamp, Frankfurt 1997
The Third Way, The Renewal of Social Democracy, Cambridge: Polity Press 1998,
ISBN 0-7456-2266-6
o deutsch: Der dritte Weg, übersetzt von Bettina Engels und Michael Adrian,
Suhrkamp, Frankfurt 1999, ISBN 3-518-41044-X
Runaway World (1999, 2000)
o deutsch: Entfesselte Welt. Wie die Globalisierung unser Leben verändert,
Frankfurt am Main, Suhrkamp 2001,
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