www.evimed.ch Patienten mit peripherer Polyneuropathie: MRI’s werden wesentlich häufiger gemacht als der orale Glukosetoleranztest Frage: Welche diagnostischen Tests werden bei der Abklärung von Patienten mit einer Polyneuropathie durchgeführt? Hintergrund: Die periphere Neuropathie ist was die Diagnose als auch die Therapie angeht oft eine frustrane Angelegenheit. Studien haben ergeben, dass eine primär auf wenige Tests fokussierte Abklärung die beste diagnostische Strategie ist. Dazu gehören ein Nüchternblutzucker, die Vitamin B-12 Bestimmung im Serum, eine Serum-Proteinelektrophorese und ein 2-Stunden Glukosetoleranztest. Andere Tests werden nur in Ausnahmefällen empfohlen. Selbst nach extensiven Abklärungen bleibt die Ursache der Neuropathie aber bei vielen Patienten unklar und selbst wenn spezifische Ursachen identifiziert werden, gibt es keine Therapie. In dieser Studie wird untersucht wie Patienten mit Polyneuropathie weiter abgeklärt werden 8Grundversorger und Spezialisten). Einschlusskriterien: Die Daten stammen aus einer nationalen Kohorte in USA, die mit der nationalen Medicare verbunden ist. Eingeschlossen wurden alle Patienten mit einer in einem definierten Zeitraum diagnostizierten distalen symmetrischen Polyneuropathie. Aus der Datenbank konnten die Diagnosen und die diagnostischen Tests im Zusammenhang mit der Polyneuropathie extrahiert werden. Studiendesign und Methode: Kohortenstudie Studienort: USA Resultat: Von den 12 673 Teilnehmern an der Kohortenstudie wurde über den Zeitraum von 10 Jahren bei 1031 (8%) Patienten eine periphere Polyneuropathie diagnostiziert. Das mittlere Alter der über 1000 Patienten mit einer Polyneuropathie war 78 Jahre und 54% waren Frauen 42% dieser Patienten hatten einen Diabetes mellitus. Bei Pateinten ohne Diabetes wurde in 80% der Fälle die Ursache der Neuropathie als idiopathisch klassifiziert, 12% als Neuropathie infolge anderer Krankheiten, 5% hereditäre Neuropathien, und 4% neu diagnostizierter Diabetes. Die Anwendung der 15 am häufigsten angewandten diagnostischen Tests wurde analysiert. Die mediane Zahl an Tests pro Patient betrug 4, d.h. bei der Hälfte der Patienten wurden weniger und bei 50% mehr als 4 Tests gemacht. Insgesamt war eine enorm grosse www.evimed.ch Variabilität mit mehr als 400 unterschiedliche Kombinationen von Tests identifiziert werden. Durchgeführte Tests: Bei 23.4% eine Nüchternglukose, bei 43% einen HBA1C-Wert, bei 33% ein Vitamin B-12 Wert, und eine Serumelektrophorese bei 13%, nur bei 1% ein oraler Glukosetoleranztest. Ein MRI des Gehirns oder des Rückenmarks wurde bei 23% der Patienten gemacht und bei 20% eine elektroneurophysiologische Abklärung. Ein komplettes Blutbild wurde bei 73%, ein TSH-Wert bei 55% und eine Blutsenkungsreaktion bei 29% gemacht. Kommentar: Die Studie zeigt, dass Patienten mit einer Polyneuropathie auf sehr unterschiedliche Art und Weise abgeklärt werden. Bei einem Viertel der Patienten wird ein MRI angefertigt, während nur bei einem sehr kleinen Teil der Patienten mit unklarer Ursache der Neuropathie ein oraler Glukosetoleranztest gemacht wird. Obwohl heute der orale Glukosetoleranztest durch die Bestimmung des HbA1C ersetzt wurde, plädieren die Autoren dafür bei unklarer Ursache einer Polyneuropathie einen oralen Glukosetoleranztest durchzuführen. Er soll sensitiver sein als HbA1C sein und vor allem wird damit eine therapeutisch beeinflussbare Ursache identifiziert. Diese Daten deuten darauf hin, dass die Abklärung von Patienten mit einer Polyneuropahtie besser und effizienter gemacht werden könnte, oder anders gesagt, jeder macht das, was ihm gerade in den Sinn kommt. Für ein so häufiges diagnostisches Problem wäre es von Vorteil, für Patienten und das Gesundheitssystem, klarere Vorstellungen über eine adäquate Abklärung dieser Patienten zu entwickeln. Literatur: Callaghan B et al. Tests and expenditures in the initial evaluation of peripheral neuropathy. Arch. Intern. Med. 2012;172;127-32 Verfasser: Johann Steurer