Astrid Schneider (l.) und Linda Birri gehören zu den ersten Berner Hebammenstudentinnen mit Ziel Bachelor. Foto: Gerlinde Michel Im Gespräch mit Berner Hebammenstudentinnen «Hebamme wird man nicht wegen einem akademischen Titel» Hebamme.ch: Astrid Schneider, Linda Birri, wie verlief Ihr bisheriger beruflicher oder schulischer Werdegang? Astrid Schneider: In einem Vorpraktikum vor meiner Ausbildung zur Pflegefachfrau DN II lernte ich die Arbeit auf einer Geburtsabteilung kennen, die mich faszinierte. Ich arbeitete nach dem Diplom in unterschiedlichen medizinischen Abteilungen, bis sich der Wunsch nach der Ausbildung zur Hebamme meldete. Linda Birri: Vor drei Jahren schloss ich das Gymnasium mit der Matura ab. Nach einem Auslandaufenthalt mit Einblick in die Geburtshilfe und nach weiteren Arbeitserfahrungen machte ich ein Vorpraktikum auf einer Wochenbettabteilung. Dies alles festigte meine Überzeugung, dass Hebamme der ideale Beruf für mich ist. War das Fachhochschulniveau der heutigen Hebammenausbildung für Ihre Berufswahl entscheidend? 12 Hebamme.ch 11/2009 Sage-femme.ch AS: Für mich war das nicht entscheidend, ich hätte die Ausbildung auch in der Höheren Fachschule gemacht. So wie es jetzt ist, stimmt es aber für mich, auch wenn ich noch nicht recht sehe, wie der Bachelor im Berufsalltag integriert werden soll. LB: Auch für mich hat das gar keine Rolle gespielt, ich wollte einfach Hebamme werden, egal, auf welchem Niveau. Doch jetzt bin ich froh, dass ich mit einem Bachelor abschliesse, im Hinblick auf späteres Arbeiten im Ausland und ganz grundsätzlich wegen der Art der Ausbildung. Sie gehören zu den ersten Absolventinnen der Bachelorausbildung in Bern. Wie fühlen Sie sich dabei? AS: Ich fühle mich gut und bin auch ein bisschen stolz darauf. Manchmal geht es noch etwas chaotisch und unorganisiert zu, aber handkehrum ist alles auch sehr gut durchdacht – doch, mir gefällt es. LB: Es gibt beides: einerseits sind die Dozentinnen sehr motiviert, weil es ein neuer Studiengang ist, und alle geben sich sehr Mühe. Anderes ist hingegen noch nicht klar, z. B. wie viel wollen sie von uns, wieviel müssen wir selber geben. Da entsteht manchmal sehr grosser Druck, was viele von uns an Grenzen gebracht hat. Jetzt im 2. Jahr ist alles schon entspannter und hat sich eingespielt. AS: Ich finde gut, dass man miteinander reden kann. Wir können sehr kritisch sein, Feedback geben, und man hört uns zu, nimmt Dinge auf und ändert sie. Auf diese Weise können wir den nachfolgenden Studentinnen ein bisschen den Weg ebnen. Das ist jetzt noch viel besser möglich als in drei, vier Jahren. LB: Ja, von den meisten Dozentinnen fühle ich mich ernst genommen und die Kommunikation funktioniert meistens. Vor Einführung der Bachelorausbildung wurde vor einseitiger Akademisierung und Ver-Intellektualisierung des Hebammenberufs gewarnt, und Befürchtungen wurden laut, Hebammenkunst und Intuition könnten verloren gehen. Was meinen Sie dazu? AS: Ich habe nicht das Gefühl, dass dies eintrifft. Im Praktikum habe ich sehr stark erlebt, dass eine Hebamme eben eine Hebamme ist. Es kommt nicht auf das Ausbildungsniveau an, wie jemand mit einer Frau umgeht. Entweder hat man das Gspüri, oder man hat es nicht. Natürlich bringt der Bachelor vermehrt akademische Fächer mit sich, wie Statistik oder Forschung, aber ich denke nicht, dass sich der Beruf im Alltag verändert. Wenn ich Intuition habe, verliere ich die nicht wegen der Tertiärstufe. LB: Diese Befürchtungen im Vorfeld des Praktikums, in Form von Ängsten und Vorurteilen der angestellten Hebammen gegen uns «Theoretikerinnen», wurden zunehmend zu einem Thema. Meine Praktikumserfahrungen waren sehr positiv, ich konnte immer alles gut ansprechen. Viele Hebammen waren offen mir gegenüber und wollten sich informieren. Anderen bin ich begegnet, die glaubten, wir hätten fast nur noch Schule und gar keine Praktika. Ich für mich bin überzeugt: Hebamme wird man, weil man als Hebamme arbeiten will und nicht wegen einem akademischen Titel. Mein erworbenes gutes (zukünftiges) Wissen ist wichtig, es gibt mir den Hintergrund für das Fachliche aber auch Zwischenmenschliche und für die Intuition. Beides ist wichtig. Und je mehr wir wissen, umso besser können wir mit den Ärzten zusammenarbeiten. Wichtig finde ich auch, dass Hebammen eigene wissenschaftliche Studien vorlegen können. Wo sehen Sie Stärken der FH-Ausbildung? LB: Für die Realisierung des Studiengangs wurde viel überlegt, vieles verbessert oder dazu genommen, das es früher nicht gab, z. B. das Fach «Körperarbeit» oder das Skills-Center. Die DozentInnen aus unterschiedlichen Bereichen, die unterschiedlichen Lernformen und vielfältigen Lernmodelle machen für mich den Unterricht spannend und effektiv. AS: Im Vergleich zu meiner Erstausbildung auf HF-Niveau fällt mir als erstes der professionelle Umgang mit Dozentinnen und Dozenten ein, man ist nicht mehr per Du, aber unpersönlich ist es trotzdem nicht. Anders ist auch, dass ein Thema durch problembasiertes Lernen im Selbststudium, in Vorlesungen und gleichzeitig beim praktischen Üben im Skills-Center angegangen und vertieft wird. Das hilft mir sehr im Praktikum, das vorherige «Wichtig finde ich auch, dass Hebammen eigene Studien vorlegen können» Foto: BFH Archiv (Linda Birri). Üben am Modell gibt mir Sicherheit. Die FH-Ausbildung wirkt für mich deshalb sehr strukturiert. dem ganzen 4. Jahr im Praktikum, stellt sich für mich das Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis wieder her. Gibt es Dinge, die Ihnen fehlen oder zu kurz kommen? AS: Momentan stimmt für mich das Gleichgewicht nicht ganz, also zu viel Statistik und zu wenig eigentliches Hebammenwissen, oder zu viel Selbststudium und zu wenig Frontalunterricht. Aber auch wenn bei uns in der verkürzten Ausbildung alles sehr gedrängt daher kommt und vieles vorausgesetzt wird, finde ich nicht, dass etwas Wesentliches zu kurz kommt. LB: Im 1. Jahr kamen bei uns Diskussionen auf, ob wir nicht schon von Anfang an mehr Praktika haben sollten. Sehe ich das Ganze langfristig an, mit Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft als Hebamme vor? LB: Nachdem ich im Spital Erfahrungen gewonnen habe, möchte ich gerne eine Zeit lang im Ausland arbeiten. Später wäre ich gerne freiberuflich tätig. AS: Als angestellte Hebamme möchte ich am liebsten kombiniert im Gebärsaal und auf dem Wochenbett arbeiten. Auch das Ausland reizt mich, und später eine Kombination von frei praktizierender Tätigkeit und Spitalarbeit. Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Zukunft! Das Gespräch führte Gerlinde Michel Hebamme.ch Sage-femme.ch 11/2009 13 M O S A I K Bachelor-Ausbildung in Grossbritannien Theorie und Praxis gleichgewichtig In Grossbritannien ist es schon seit den Neunzigerjahren möglich, Hebamme zu studieren und mit einem Bachelor of Science abzuschliessen. Sandra Steinle Modularer Studienaufbau Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist modular aufgebaut, insgesamt sind es neun Module. Modul 1 heisst Gesundheit und Schwangerschaft, Modul 2 Schwangerschaft und Mutterschaft, Modul 3 Gebären und Geburt, Modul 4 Komplizierte Geburt, Modul 5 Die kranke Frau, Modul 6 Komplikationen vor und nach der Geburt, Modul 7 Betreuung und Pflege für Mutter und Kind, Modul 8 Qualität und Professionalität und Modul 9 Ganzheitliche Hebammenpraxis in der Gemeinde. In der Regel beginnt ein Modul mit vier Wochen Theorie an der Universität, darauf folgen sechs Wochen Praktikum und mit zwei Wochen Theorie wird das Modul abgeschlossen. In den ersten zwei Jah- Foto: University of East Anglia Für das Studium bewerben können sich Frauen und Männer mit einer Matura (A-Levels) oder einem erfolgreich bestandenen Vorbereitungskurs (Access Course in Midwifery), der als Abendkurs oder Fernunterricht angeboten wird. Je nach Universität bewerben sich auf einen Ausbildungsplatz bis zu 20 Leute. Im Unterschied zur Schweiz stehen aber nicht nur die Bewerber/innen in Konkurrenz, sondern auch die Universitäten untereinander. An einigen Universitäten kann die Ausbildung wahlweise mit Diplom oder Bachelor-Abschluss absolviert werden. Die University of East Anglia, wo ich studiere, bietet nur die Bachelor- Ausbildung an. Meine Klasse setzt sich aus 20 Studentinnen im Alter zwischen 19 und 40 zusammen, ein Drittel der Frauen sind selber Mütter mit bis zu vier Kindern. Wie meine Kolleginnen das mit 37,5 Stunden Präsenzzeit pro Woche bewältigen, ist mir ein Rätsel. Campus der University of East Anglia in Norwich. 14 Hebamme.ch 11/2009 Sage-femme.ch ren muss am Ende schnell stark in ihre jedes Moduls eine Praxis miteinbezoschriftliche Arbeit abgen. Die Praktika sind gegeben werden, Umsehr gut betreut, die fang jeweils 2000 bis Hebammen müssen 3000 Wörter. Im letzeine spezielle Mentoten Jahr ist dann eine rinnenweiterbildung Abschlussarbeit (Disabsolviert haben, und sertation) mit 10000 beim EvaluationsgeWörtern gefragt. Die spräch in der Mitte schriftlichen Arbeiten Sandra Steinle Hebam- des Praktikums ist jemenstudentin im 2. Jahr, Univertiefen immer eines versity of East Anglia. weils eine Lehrerin der Themen, die im der Universität anweModul wichtig waren. Das ständi- send. So ist einerseits die Unige Arbeitenschreiben und die im- versität über den Fortschritt mer näher rückenden Abgabeter- ihrer Studentinnen informiert, mine halten uns ganz schön auf andererseits können wir StudenTrab – vielleicht wird damit gleich- tinnen auch frühzeitig auf evenzeitig unsere Belastbarkeit in tuelle Schwierigkeiten hinweisen. Stresssituationen geprüft? Praktika in der Gemeinde Studien interpretieren lernen und im Spital Wir durchliefen nicht nur Lektio- In den ersten zwei Praktika benen darüber, wie man schriftliche gleitete ich eine GemeindehebArbeiten schreiben soll, sondern amme. Da in Grossbritannien auch sehr viele Lektionen, in de- Frauen nach einer normalen Genen wir lernten, wissenschaftliche burt sofort nach Hause geschickt Artikel aus Zeitschriften (für Heb- werden, erfolgt das Wochenbett ammen oder Gynäkologen) kri- und die Nachbetreuung durch tisch zu lesen und zu interpretie- die Gemeindehebamme. Morren. Besonders Letzteres fand ich gens ist die Gemeindehebamme sehr sinnvoll und lehrreich. In den also bei den Müttern und NeuTheoriewochen bekommen wir geborenen auf Hausbesuch, auch öfters Hausaufgaben, die wir Nachmittags arbeitet sie in einer dann in der Gruppe mit der Lehre- Art Gemeinschaftspraxis, wo die rin besprechen. schwangeren Frauen in die KonEine andere Lernmethode ist das trolle kommen, denn auch die Enquiry Based Learning, wo wir als vorgeburtliche Betreuung obliegt Kleingruppen in einer Präsenta- in Grossbritannien ganz der Hebtion vorstellen, was wir heraus- amme. gefunden und erarbeitet haben. Das dritte Praktikum absolvierte Auch da habe ich manchmal den ich im Gebärsaal. Die GebärabVerdacht, dass es nicht nur ums teilung in meinem PraktikumsInhaltliche geht, sondern auch spital hat 12 Zimmer; im letzten darum, zu lernen, als Team gut Jahr fanden hier 5800 Geburten zusammen zu arbeiten. statt. In 30 Schichten erlebte ich 28 Geburten. Ärzt/innen werden Theorie und Praxis nur bei Komplikationen beigezoim Gleichgewicht gen, bei denen auch die OberDie ganze Ausbildung ist genau in hebamme nicht weiter weiss. Bei 50% Theorie und 50% Praxis auf- den meisten Geburten waren nur geteilt. Diese Verteilung wird als die Frau, der Mann oder eine andas richtige Gleichgewicht be- dere Geburtspartnerin, die Hebtrachtet. Die Befürchtung, wir amme und ich als Studentin ankönnten zuwenig Erfahrung aus wesend. Obwohl dies eigentlich der Praxis mitbekommen ist un- nicht vorkommen sollte, müssen begründet. Unsere Praktikums- sich viele qualifizierte HebamMentorinnen haben alle Hände men aus Personalmangel manchvoll zu tun und so werden wir mal gleichzeitig um mehrere Ge- F O R U M bärende kümmern. Für die Studentin bedeutet dies, dass sie manchmal in der ganzen ersten Phase alleine mit der Gebärenden ist, immer wissend, dass da ein Knopf ist, den sie im Bedarfsfall drücken kann. Nie hatte ich jedoch das Gefühl, mir würde zuviel Verantwortung übertragen, es war immer genau das richtige Mass. Eine Engländerin ohne Komplikationen wird also während der ganzen Schwangerschaft, Geburt und auch postnatal nur von Hebammen betreut. Schon als Studentinnen werden wir deshalb angehalten, Abwei- chungen von der Normalität zu entdecken und die betroffenen Frauen dann an die geeignete Fachperson weiterzuleiten. Nur Evidenz zählt Das ganze Wissen, das wir an der Universität und in den Praktika vermittelt bekommen, soll nur Evidenz basiert sein. Und wir dürfen als Hebammen nur dieses – überprüfbare – Wissen benutzen. Komplementärmedizin oder überlieferte Hebammenerfahrungen haben keinen Stellenwert. Hebammen werden deshalb hier als professionelle medizinische Prak- tikerinnen hoch anerkannt. Frauen, die sich für alternative Therapien interessieren, gehen privat zu Homöopathen, Akupunkteurinnen oder Osteopathen und müssen diese auch aus der eigenen Tasche bezahlen. Fragen zur universitären Ausbildung Die Frage, ob die praktische Ausbildung bei einer Bachelor-Ausbildung noch ihren gebührenden Platz bekommt, kann in Grossbritannien, wie oben ausgeführt, sicher mit einem ja beantwortet werden. Da Intuition in der Praxis entwickelt wird, muss auch nicht befürchtet werden, dass diese wegen der Bachelor-Ausbildung verloren geht. Die in der Schweiz manchmal geäusserte Sorge, dass die Hebammen durch die Bachelor-Ausbildung ver-intellektualisiert werden, habe ich in Grossbritannien noch nie gehört. Dass hier auch gestandenen Müttern und Leuten ohne Matura die Ausbildung offen steht, trägt sicher viel dazu bei. Wie sinnvoll all die vielen Bachelor-Arbeiten sind, die entstehen – auf diese Frage kann ich vorläufig keine 왗 Antwort geben. Bitte mitdiskutieren! Was verstehen wir unter einer «normalen Geburt»? 2008 erschien in der englischen Zeitschrift Midwifery ein Artikel, der definiert, was eine normale Geburt ist [1]. Ich habe daraus die wichtigsten Argumente übersetzt. Die Definition wurde den Hebammen aus der Geburtsstation im Inselspital vorgelegt, nicht aber von ihnen genehmigt. Ich möchte damit eine Diskussion anregen, was wir in der Schweiz unter einer «normalen Geburt» verstehen. Es würde mich freuen, die Meinung vieler Hebammen dazu zu hören. Argumente pro Definition der normalen Geburt Wir haben bestimmte Vorstellungen, wenn von spontaner Geburt, Vakuum-, Zangen- oder von Sektiogeburt gesprochen wird. Oft sprechen wir von einer normalen Geburt. Aber man ist nie sicher, ob alle exakt dasselbe meinen, denn eine anerkannte Definition der normalen Geburt gibt es nicht. Es ist also nicht einfach zu verstehen, was beispielsweise in Statistiken mit «normalen Geburten» gemeint ist. Auch können die Raten normaler Geburten in verschiedenen Spitälern nicht verglichen werden. Will man normale Geburten fördern, dann sollten solche Vergleiche möglich sein. Gegebenenfalls können sie als PRArgument eingesetzt werden. Mithilfe einer allgemein anerkannten Definition können jährliche Statistiken zur Anzahl normaler Geburten in der Schweiz erstellt werden. Sie sollen aufdecken, ob und wo Handlungsbedarf besteht, um die Gesundheitskosten im Bereich Geburt zu kontrollieren [2]. Gehen wir davon aus, dass es zur Hebammenarbeit gehört, eine normale Geburt kompetent zu betreuen, stellt sich ebenfalls die Frage, was eine normale Geburt ist. Mit einer anerkannten Definition der normalen Geburt wird ein wichtiger Kompetenzbereich der eigenständigen Hebammenarbeit genauer umrissen. Ob eine Geburt normal verlaufen ist, lässt sich aus medizinischer Sicht nur in der Retrospektive feststellen. Trotzdem braucht es eine Definition, die schon während des Geschehens ein- oder ausschliesst, was eine normale Geburt ist [3]. Davon hängt zum Beispiel ab, ob ein Arzt hinzu gezogen werden muss oder nicht. Definition der «normalen Geburt» in England Im Artikel «Making normal labour and birth a reality» sprechen Werkmeister et al. [1] von einer normalen Geburt, wenn bei Frauen die Wehen spontan und ohne Medikamente beginnen und sie spontan gebären. Nicht ausgeschlossen sind Geburten mit einem (oder mehreren) der folgenden Merkmale: • Unterstützung der Wehen • Künstlicher Blasensprung (KBS), wenn der KBS nicht Teil einer medizinischen Einleitung ist • Lachgas • Opioide • Cardio-Toco-Gramm • Aktives Placentarmanagement • Komplikationen vor, während oder nach der Geburt (wie postpartale Hämorrhagie, Dammrisse, Naht einer Dammverletzung, Aufnahme des Neugeborenen auf einer Neonatalstation) Nicht eingeschlossen sind hingegen Geburten mit einem (oder mehreren) der folgenden Merkmale: • Einleitung (mit Prostaglandinen, Syntocinon oder künstlichem Blasensprung) • Epidural- oder Spinalanästhesie • Vollnarkose • Zange oder Vakuum • Kaiserschnitt • Episiotomie Engere Definition der normalen Geburt Einige Mitglieder der englischen Definitionsgruppe finden, die Definition sollte künftig enger gefasst werden, so dass auch folgende Eingriffe nicht zu einer normalen Geburt gehören: • Unterstützung der Wehen • Anwendung von Opioiden • Künstlicher Blasensprung • Aktives Placentarmanagement Diese engere Definition könnte dazu führen, dass man eine weitere Unterteilung vornimmt und beispielsweise «normale» und «natürliche» Geburten unterscheidet. 왗 Die Definition der normalen Geburt wurde erarbeitet von «The Royal College of Midwives», «The Royal College of Obstetricians and Gynaecologists» und anderen Berufs- und freiwilligen Organisationen und Forschern. Literatur [1] Werkmeister G., Jokinen M., Mahmood T., Newburn M.: Making normal labour and birth a reality – developing a multi disciplinary consensus. Midwifery 2008; 24: 256–259. [2] Schwab P., Zwimpfer A.: Gebären in Schweizer Spitälern; Spitalaufenthalte während Schwangerschaft und Entbindung. Bundesamt für Statistik: Stat Santé 2007; 1/2007. [3] Gould D.: Normal labour: a concept analysis. J Adv Nurs 2000; 31: 418– 427. Was meinen die Schweizer Hebammen dazu? Franziska Suter-Hofmann Hebammenexpertin MNS Frauenklinik, Inselspital Bern Hebamme.ch Sage-femme.ch 11/2009 15