Kai Wutte Paul-Schallück-Str. 33 50939 Köln Das Männerbild in der Anzeigenwerbung - eine empirische Untersuchung von Anzeigen der Jahre 1971/72 und 2001/02 Diplomarbeit im Fach Beschaffung und Produktpolitik Themensteller: Univ.-Prof. Dr. Udo Koppelmann Vorgelegt in der Diplomprüfung im Studiengang Betriebswirtschaftslehre der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln WS 2002/03 Köln, Dezember 2002 II Gliederung ABBILDUNGSVERZEICHNIS...............................................IV ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS .............................................. V 1. 2. EINLEITUNG ......................................................................1 1.1 Problemstellung ............................................................. 1 1.2 Ziel der Arbeit ................................................................ 1 1.3 Aufbau der Arbeit .......................................................... 2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN .................................3 2.1 Werbung in Printmedien................................................ 3 2.1.1 Werbung als wettbewerbspolitisches Instrument ... 3 2.1.2 Massenmedien und Werbung................................. 5 2.1.3 Printanzeigen.......................................................... 6 2.1.4 Werbeerfolg beeinflussende Faktoren ................... 8 2.1.4.1 Aktivierung durch Bilder ................................... 9 2.1.4.2 Die Wahrnehmung der Anzeige....................... 12 2.1.4.3 Die dargestellte Person als Kommunikator...... 13 2.1.5 3. Tendenzen in der Anzeigenwerbung.................... 15 2.2 Werbung und Gesellschaft ........................................... 17 2.3 Sozialisation durch Werbung....................................... 21 2.4 Das Männerbild in der Gesellschaft............................. 25 2.4.1 Die Geschlechterstereotype.................................. 25 2.4.2 Das männliche Geschlecht ................................... 27 2.4.2.1 Die männlichen Geschlechterrollen................. 27 2.4.2.2 Wandel der Geschlechterrollen........................ 29 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG.................................31 3.1 Hypothesenformulierung ............................................. 31 3.2 Zur Methode der Inhaltsanalyse................................... 33 3.3 Material und Untersuchungszeitraum .......................... 34 III 4. ERGEBNISANALYSE......................................................38 4.1 Formale Kriterien......................................................... 38 4.1.1 Häufigkeiten von Männern in Anzeige n.............. 38 4.1.2 Beworbene Produkte und Dienstleistungen......... 40 4.1.3 Alter ..................................................................... 42 4.1.4 Kleidung und Grad der Bekleidung ..................... 45 4.1.5 Körperliche Merkmale ......................................... 47 4.1.6 Räumliche Umgebung.......................................... 50 4.2 Verwendeter Werbestil ................................................ 51 4.3 Gratifikationsversprechen............................................ 57 4.4 Berufliche- und Sozia le Rolle ...................................... 59 4.5 Männertypen ................................................................ 61 5. HYPOTHESENTEST........................................................66 6. RESÜMEE..........................................................................68 ANHANG ....................................................................................VI Bildbeispiele ................................................................................VII Tabellen..................................................................................... VIII BILDNACHWEISE................................................................XXI LITERATURVERZEICHNIS............................................XXIII EIDESSTATTLICHE VERSICHERUNG ......................... XXX LEBENSLAUF .....................................................................XXXI IV Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Anzeige der Marke „Iglo“, 2001 ..................................................... 11 Abb. 2: Emotionale Konditionierung........................................................... 22 Abb. 3: „Whisky der Unbestechlichen“, 1972 ............................................. 41 Abb. 4: Unterwäschenwerbung, 2001 .......................................................... 42 Abb. 5: Alter der dargestellten Männer........................................................ 43 Abb. 6: Vitaler alter Mann, 2001 ................................................................. 45 Abb. 7: Kleidung der dargestellten Männer................................................. 46 Abb. 8: Haarwuchs der dargestellten Männer .............................................. 49 Abb. 9: Körpereigenschaften der dargestellten Männer................................49 Abb. 10: Männliche Schönheit als Objekt, 2002 ......................................... 50 Abb. 11: Räumliche Umgebung der dargestellten Männer.......................... 50 Abb. 12: Verwendete Werbestile ................................................................. 52 Abb. 13: Normabweichende Gestaltungsmaßnahmen................................. 54 Abb.14: Der „Berater-Stil“, 1971................................................................. 55 Abb. 15: Erfolgs- & Familien-Stil................................................................ 56 Abb. 16: Der „neue“ Vater ........................................................................... 60 Abb. 17: Männertypen.................................................................................. 61 Abb. 18: Mimik der dargestellten Männer................................................... 64 Abb. 19: lächelnder „Marlboro Mann“, 2001 .............................................. 64 Abb. 20: „Verhaltensdimension“ der dargestellten Männer ........................ 65 V Abkürzungsverzeichnis % Prozent Abb. Abbildung Anm. d. Verf. Anmerkung des Verfassers Aufl. Auflage betr. betreffend bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise C Codierer e.V. eingetragener Verein elektr. elektronische EP Erhebungszeitpunkt etc. et cetera evtl. eventuell f.d. für den geschlechtsspez. geschlechtsspezifisch H. Heft i.d.R. in der Regel k. A. keine Angabe mgl. möglich Mio. Millionen n Anzahl S. Seite u.U. unter Umständen u.a. unter anderem vs. versus vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel z.T. zum Teil VI Gliederung Anhang Bildbeispiele .................................................................................................... VII Tabelle zum Abschnitt 3.2..............................................................................VIII Tabellen zum Abschnitt 3.3...............................................................................IX Tabellen zum Abschnitt 4.1.1.............................................................................X Tabellen zum Abschnitt 4.1.2............................................................................XI Tabellen zum Abschnitt 4.1.3.........................................................................XIV Tabelle zum Abschnitt 4.1.4 ........................................................................... XV Tabellen zum Abschnitt 4.1.5.......................................................................... XV Tabelle zum Abschnitt 4.1.6 ..........................................................................XVI Tabelle zum Abschnitt 4.2............................................................................ XVII Tabelle zum Abschnitt 4.3........................................................................... XVIII Tabellen zum Abschnitt 4.4............................................................................XIX Tabellen zum Abschnitt 4.5............................................................................XXI 1 1. Einleitung 1.1 Problemstellung Bei der Konzeption einer Werbeanzeige muss entschieden werden, welche Informationen bewusst in der Anzeige enthalten sein sollen, damit sie den Empfänger „möglichst in dem gemeinten, beabsichtigten Sinne erreichen.“1 Wird nur Text bzw. Typographie als Gestaltungsmittel verwendet oder werden zusätzliche Bilder, in welcher Form auch immer, für die Ansprache genutzt? Werden als Bildelemente Menschen dargestellt, ist zu entscheiden, ob Männer, Frauen oder beide Geschlechter zu sehen sein sollen. 1.2 Ziel der Arbeit Diese Arbeit versucht empirisch zu erfassen, wie oft entschieden wurde bzw. wird, Männer als Bildelement in Anzeigen zu verwenden und ob in den letzen 30 Jahren vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Wandels Veränderungen in der Darstellung von Männern beobachtet werden können. Dabei wird untersucht, welche Produkte vor 30 Jahren bzw. 2001/02 von Männern in Anze igenwerbungen beworben werden, welche Werbestile dabei verwendet werden, wenn Männer Protagonisten einer Kampagne sind, und ob in diesem Zusammenhang ein neuer Werbestil entstanden ist. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Werbeindustrie bewusst oder unbewusst gesellschaftliche Normen, Werte und Vorstellungen zweckorientiert in die Werbung einfließen lässt. 2 Wie die Gesellschaft ist Werbung somit Veränderungen unterzogen. Eine dieser Veränderungen ist die Auflösung traditioneller männlicher Rollenmuster. 1 2 Rieck, G. (Tendenzen in der deutschen Printwerbung 1993), S. 80 vgl. Cölfen, H. (Werbeweltbilder im Wandel 1999), S. 11 2 Daher wird weiterhin untersucht, welche Männertypen in der Anzeigenwerbung zu sehen sind und in welchen sozialen oder beruflichen Rollen sie abgebildet werden. Sollte Werbung ein Spiegel der Zeit sein, so muss auch das von ihr gezeichnete Männerbild den Erwartungen und Vorstellungen von Männlichkeit in der Gesellschaft entsprechen. Dies gilt es anhand von Anzeigenwerbung der Jahre 1971/72 und 2001/02, nach quantitativen wie auch z.T. nach qualitativen Gesichtspunkten zu untersuchen. 1.3 Aufbau der Arbeit Zunächst werden im zweiten Gliederungsabschnitt theoretische Grundlagen beschrieben, die für das Verständnis der verschiedenen Darstellungsweisen von Männern in der Anzeigenwerbung hilfreich sind. Neben der Anzeigenwerbung und dem männlichen Geschlecht wird auch auf die interdependente Beziehung zw ischen „sozialen Verhältnissen“ und Werbung eingegangen. Während im dritten Gliederungsabschnitt die Vorarbeit für die empirische Untersuchung dokumentiert wird und Hypothesen formuliert werden, folgt im vierten Abschnitt die Darstellung der Ergebnisse sowie deren Analyse. Nach der Überprüfung der aufgestellten Hypothesen wird im letzten Gliederungsabschnitt ein Resümee gezogen. 3 2. Theoretische Grundlagen 2.1 Werbung in Printmedien Als Vorarbeit für die empirische Untersuchung wird in diesem Abschnitt auf Werbung als wettbewerbspolitisches Instrument eingegangen, die Bedeutung von Werbung im Bereich der Massenmedien erläutert, Besonderheiten von Printanzeigen dargestellt sowie die für diese Arbeit relevanten, den Werbeerfolg beeinflussenden Faktoren beschrieben. 2.1.1 Werbung als wettbewerbspolitisches Instrument Eine der bedeutendsten marketingstrategischen Überlegungen stellt die Positionierung von Produkten dar. Hierzu zählen alle Maßnahmen, die darauf abzielen, dass die Produkte auf zumeist gesättigten Märkten3 vom Kunden als attraktiv wahrgeno mmen und gegenüber Konkurrenzangeboten vorgezogen werden. Von primärer Bedeutung ist dabei oft nicht der objektive Produk tnutzen, sondern die Position der Produkte im Verbraucherbewusstsein. 4 Durch den kontinuierlichen Einsatz von Marketinginstrumenten, insbesondere der Werbung, soll sich die Position der Produkte in der Gedankenwelt des Kunden manifestieren und eine eigenständige Markenpersönlichkeit gestaltet bzw. gepflegt werden. 5 Werbung wird definiert als „versuchte Einstellungs- und Verha ltensbeeinflussung mittels besonderer Kommunikationsmittel.“6 Sie „ist nun nicht schlechthin Beeinflussung, sondern der systematische Versuch der Beeinflussung“ 7 anderer, damit sie sich „im Sinne der eigenen Zielsetzung verhalten.“ 8 3 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 104 vgl. Woll, E. (Anzeigenwerbung 1997), S. 9 5 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 3 6 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 581 7 ebenda, S. 581 8 Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 558 4 4 Koppelmann verweist auf die folgenden, „je nach werblicher Situation“ 9 relevanten Werbeziele: Die Anregung zum Erstkauf oder Wechsel einer Marke sind bedeutende Ziele. Aber auch die Gewinnung von Aufmerksamkeit der relevanten Käufe rgruppe, die Vermittlung von Wissen über Objekt- und Sachleistungsinformationen des Produktes, sowie seine Vorzüge gegenüber Konkurrenzprodukten können Zielinhalte darstellen. Weitere mögliche Werbeziele sind die positive Beeinflussung von Einstellungen, 10 als „Eignung eines Gegenstandes zur Befriedigung einer Motivation“ 11 sowie die Steigerung des Bekanntheitsgrades des Markennamens, des Logos, einzelner Produktmerkmale oder des Preises. 12 Auch die Motivierung zum intensiveren Verbrauch und zur Weiterempfehlung sowie die nachträgliche Bestätigung der Kaufhandlung stellen mögliche Zielinhalte dar. Neben der Werbung unterstützten weitere kommunikationspolitische Instrumente wie Verkaufsförderungsmaßnahmen, Produk tpublizität oder Anwendungsberatung13 die Profilierung von Produkten und Dienstleistungen. Diese Instrumente informieren potentielle Verbraucher über das Angebot, Preise sowie Besonderheiten der Produkte. 14 Meffert nennt als ein weiteres Kommunikationsinstrument den Bereich der Public Relations, die aber Werbung für das Unternehmen als Ganzes betreibt, während die anderen kommunikationspolitischen Maßnahmen sich auf Produkte bzw. Dienstleistungen konzentrieren. 15 Kommunikationspolitik ist neben entgelt-, service-, distributionspolitischen Maßnahmen nur eines der vier Vermarktungsinstrumente im Marketing-Mix bzw. in der Vermarktungsanalyse. 16 9 Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 112 vgl. ebenda, S. 112 ff. 11 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 168 12 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 112 ff. 13 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 557 14 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 106 15 vgl. Meffert, H. (Marketing 1998), S. 704 f. 16 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 515 10 5 Die einzelnen Instrumente können substituierbar sein, sie können in einer vollkommenen komplementären Beziehung zueinander stehen oder sich „kontraproduktiv zueinander verhalten, wenn sie nicht optimal aufeinander abgestimmt sind.“ 17 Zielsetzung der Marketingentscheidungen ist daher nicht die alleinige Optimierung kommunikationspolitischer Maßnahmen, sondern das Finden eines optimalen Marketing-Mixes. 18 2.1.2 Massenmedien und Werbung Werbung als ein Kommunikationsinstrument des MarketingMixes erfordert einige begriffliche Erläuterungen bzgl. des Kommunikationsprozesses. Kroeber-Riel versteht unter Kommunikation den Austausch von Informationen, durch die ein Mensch auf einen anderen einwirkt. 19 Kommunikation wird vielfach „als eigentlicher Träger des sozialen Geschehens bezeic hnet.“ 20 In dieser Arbeit werden Anzeigen aus Publikumszeitschriften analysiert. Da diese sich an ein breites Publikum richten, sind Merkmale der Massenkommunikation von Bedeutung. „Die Massenmedien sind die technischen Träger der Massenkommunikation.“ 21 Über sie wird von den Werbetreibenden versucht, die im vorigen Abschnitt erläuterten Werbeziele zu erreichen. „Massenkommunikation ist mehr oder weniger eine Einwegkommunikation über Medien.“ 22 Ein Modell zur Veranschaulichung des Kommunikationsflusses könnte nun wie folgt aussehen: Die vom Kommunikator beabsichtigte Botschaft wird durch Gestaltungsbausteine bzw. Zeichen zu einer Nachricht konstruiert, die über einen Übermittlungskanal den Empfänger erreicht. 23 Der Kommunikationsfluss kann hierbei direkt über ausgewählte Medien oder, wie oft von der Werbung genutzt, zweistufig über 17 Pickert, M. (Die Konzeption der Werbung 1994), S. 14 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 3 19 vgl. Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 487 20 ebenda, S. 488 21 Büttner, P. (Frauendarstellung in der Werbung 1996), S. 65 22 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 491 23 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 22 18 6 anerkannte Meinungsführer verlaufen. 24 Dies kann die Akzeptanz in der anvisierten Zielgruppe erleic htern. 25 Der Kommunikant wird mit der Nachricht konfrontiert26 und dekodiert die aufgenommenen Reize. 27 Die gewonnenen Informationen sind dann die Grundlage Kommunikanten. für diverse Verhaltensweisen des 28 In dieser Arbeit werden als Gestaltungsbausteine hauptsächlich Bilder als graphische Zeichen und als Übermittlungsmedium Zeitschriften analysiert. 2.1.3 Printanzeigen Die Verbreitung von Werbung kann über diverse Medien geschehen. Genutzt werden u.a. Medien wie Film, Funk und Fernsehen, daneben Plakate und Displays, Beilagen in der Tagespresse, PR-Aktionen, „Direct Mails“ oder Online-Angebote. 29 Für die Schaltung von Anzeigen sind Printmedien wie z.B. Tages- oder Wochenzeitungen, Publikumszeitschriften oder Fachzeitschriften am gebräuchlichsten. 30 In den letzten Jahren fungierten Tageszeitungen als stärkster monetärer Werbeträger in Deutschland. 31 Als täglich erscheine ndes Medium sind sie geeignet, relativ kurzfristig für Produkte, Diens tleistungen oder Veranstaltungen zu werben. Ein wesentlicher Nachteil von Tageszeitungen liegt allerdings im mangelnden Gestaltungsspielraum für Anzeigen. 32 Zeitschriften bieten eine bessere Druckqualität, die es ermöglicht, Bilder attraktiver und mehrfarbig abzubilden. Dies erlaubt die Verwendung emotional aufgeladener Motive. 24 vgl. Büttner, P. (Frauendarstellung in der Werbung 1996), S. 68 f. vgl. Bürgers, A. (Avantgarde 1997), S. 195 26 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 20 27 vgl. Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 489 28 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 20 29 vgl. Rieck, G. (Tendenzen in der deutschen Printwerbung), S. 14 30 vgl. Schierl, T. (Text und Bild in der Werbung 2001), S. 20 31 vgl. ZAW (Werbung in Deutschland 2002), S. 17 ff. 32 vgl. Zurstiege, G. (Männlichkeit in der Werbung 1998), S. 115 25 7 Anzeigen in Zeitschriften sind darüber hinaus länger präsent als in Zeitungen. Zeitschriften werden in der Regel von einem Leser mehrmals betrachtet, sind nach dessen Belieben frei verfügbar und werden u.U. an andere Personen weitergereicht. 33 Ein weiterer Vorteil ist, dass sich eine Zeitschriftenanzeige in vielen Fällen nur schwer vom redaktionellen Teil unterscheiden lässt, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Beachtung der Anzeige erhöht wird. 34 Publikumszeitschriften lassen sich nach inhaltlichen Schwerpunkten einteilen, in „General-Interest-Titel“ wie der „Stern“, Zie lgruppenzeitschriften wie „Brigitte“, oder „Special-Interest-Titel“ wie „Kicker“. 35 Auch wenn die Zielgruppenabgrenzung bei einem „GeneralInterest-Titel“ nicht immer zwingend eindeutig ist und somit z.T. Streuverluste in Kauf genommen werden müssen, sind jene doch im Vergleich zu den anderen Massenmedien gering. 36 Daher sind auch Publikumszeitschriften Zielgruppenmedien und somit Werbeträger, mit dem eine anvisierte Zielgruppe, bestehend aus Menschen mit ähnlichen demographischen, psychologischen und soziographischen Merkmalen, angesprochen werden kann. 37 Viele Zeitschriften haben sich in Aufmachung und Inhalt den Anforderungen der Werbetreibenden angepasst, d.h. sie sind zie lgruppenorientiert. Beispiel hierfür sind die verschiedenen Fraue nzeitschriften, Automagazine, Sportillustrierten, Kulturmagazine etc. In solchen Zeitschriften kann Werbung konzentriert eingesetzt werden, es gibt kaum Streuverluste, 38 und detaillierte Marktforschungsinformationen über die Leserschaft werden den Werbetreibenden von den Verlagen meistens kostenlos zur Verfügung gestellt. 39 33 vgl. Schweiger, G./Schrattenecker, G. (Werbung 1992), S. 219 f. vgl. McQuail, D. (Soziologie der Massenkommunikation 1973), S. 19 35 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 262 f. 36 vgl. Heinrich, J. (Medienökonomie 2001), S. 312 37 vgl. Schierl, T. (Text und Bild in der Werbung 2001), S. 20 38 vgl. Rieck, G. (Tendenzen in der deutschen Printwerbung), S. 14 39 Meffert, H. (Marketing 1998), S. 696 34 8 Trotz zumeist starker Spezialisierung besitzt die „Zeitschrift einen starken Unterhaltungscharakter, der sich auch in der Werbung niederschlägt.“ 40 Image, Glaubwürdigkeit und Exklusivität sind weitere positive Eigenschaften, die sich auf die platzierten Anze igen übertragen. 41 Da Zeitschriften aufgrund ihrer Heterogenität in der Themenbearbeitung und Zielgruppenansprache selten generell beschrieben werden können, muss die werbliche Eignung einzelner Titel analysiert werden, damit die Anzeige im richtigen Medium geschaltet werden kann. 42 2.1.4 Werbeerfolg beeinflussende Faktoren „Werbeerfolg ist Werbewirkung im Sinne formulierter Werbeziele“ 43 und nicht gleich Verkaufserfolg. Werbung motiviert zum Kauf oder unterstützt Kaufneigungen von Menschen, die sich nicht nur ökonomisch, sondern zum größten Teil außerökonomisch verhalten. 44 Werbung ist nur ein Instrument im Marketing-Mix, 45 so dass aufgrund der Wirkungsinterdependenzen mit den anderen vermarktungspolitischen Instrumenten eine direkte Messung der Auswirkung einer Werbeanzeige nicht mö glich ist. Es ist daher sehr schwierig, Werbeerfolg kurzfristig ökonomisch zu kontrollieren, vor allem in Anbetracht der langfristigen Wirkung von Werbung. Unter der Annahme des „S-I-R-Paradigma“ werden daher statt ökonomischen Faktoren, kommunikative Indikatoren gemessen, die Rückschlüsse auf den Erfolg der Werbemaßnahmen geben sollen. Das „S-I-R-Paradigma“ von Howard/Sheth46 beschreibt den Zusammenhang eines Reizes, der intervenierenden Variable und 40 Rogge, H.J. (Werbung 1988), S. 142 vgl. Schweiger, G./Schrattenecker, G. (Werbung 1992), S. 220 42 vgl. Heinrich, J. (Medienökonomie 2001), S. 312 43 Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994), S. 17 44 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994), S. 17 ff. 45 siehe hierzu Kapitel 2.1.1 „Werbung als wettbewerbspolitisches Instrument“ 46 vgl. Howard, J. A./Sheth, J. N. (Buyer Behaviour 1969), in: Schulz, R. (Kaufentscheidungsprozesse 1972), S. 64 ff. 41 9 der daraus folgenden Reaktion der Person. 47 Mit den nicht beobachtbaren intervenierenden Variablen werden u.a. affektive Prozesse wie Motivation, Einstellung etc., sowie kognitive Faktoren wie z.B. Kaufabsicht oder Erinnerung verstanden. 48 Nach diesem Modell ist die Person, auch wenn ihr individuelle Wahrne hmungsund Lernprozesse zugestanden werden, eigentlich passiv und von der Werbung beeinflussbar. 49 Um die Werbewirkung ex post festzustellen, gibt es (u.a.) zwei zentrale Methoden. Die Messung von Werbeerinnerungen durch „Recall- Tests“ sowie die Messung der Werbeerkennung durch Recognitions- Tests. 50 Es soll aber nicht Bestandteil dieser Arbeit sein, explizit auf Pre- oder Posttest als Prognose- bzw. Diagnosemethoden51 einzugehen. Vielmehr soll ein kurzer Überblick über Werbeerfolg beeinflussende Faktoren gegeben werden, um mögliche Darstellungsweisen von Männern in der Anzeigenwerbung verstehen zu können. Nach Meyer-Hentschel ist Werbung nur dann wirksam, wenn sie aktivierend, strukturierend, verständlich, einprägsam und emotional motivierend ist. 52 Im Folgenden sollen jene Erfolgfaktoren näher dargestellt werden, die die Verwendung von Personenabbildungen in der Werbung betreffen. 2.1.4.1 Aktivierung durch Bilder Dadurch, dass der Mensch täglich mit einer Vielzahl von verschiedensten Umweltreizen, wie z.B. Werbeanzeigen, konfrontiert wird, verfügt er über einen „Verteidigungsmechanismus“, „der dafür sorgt, dass nur ein Teil der Reize aufgenommen und verarbeitet wird.“ 53 47 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 25 f. vgl. Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 29 f. 49 vgl. Rosenstiel, L.v./Kirsch, A. (Psychologie der Werbung 1996), S. 50 50 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 94 ff. 51 vgl. Meffert, H. (Marketing 1998), S. 772 52 vgl. Meyer-Hentschel, G. (Werbung 1996), S. 73 53 Meyer-Hentschel, G. (Aktivierungswirkung von Anzeigen 1983), S. 7 48 10 Diese Reizauswahl heißt „Aufmerksamkeit“ und führt zu einer „vorübergehenden Erhöhung der Aktivierung“. 54 Aufgrund der zunehmenden Vereinheitlichung der meisten Erzeugnisse ist es für viele Unternehmen notwendig, dem Produkt einen Zusatznutzen zu geben, um sich hiermit der Konkurrenz gegenüber zu profilieren. Der Nutzen muss vom Kunden wahrgenommen werden, für ihn interessant sein, als vorteilhaft empfunden werden und dem Hersteller zugerechnet werden. 55 Für den Konkurrenten ist die Nachahmung eines „Persönlichkeitsbildes“ sehr viel schwieriger als die Imitation der Bestandteile, der Gestaltung oder der Qualität des Produktes. Ein „emotionaler Zusatznutzen“ kann daher ein wirkungsvoller Verkaufsfaktor sein. 56 Um Gefühle, Erlebnisse und Stimmungen in der Werbung zu vermitteln, verwendet die Printwerbung Bilder, Farben und eine gefühlsbetonte Sprache. Konkrete Erlebniswelten sollen mit dem Produkt in Verbindung gebracht werden. Emotionale Bildelemente, wie z.B. das Bild eines attraktiven Mannes, kann diese Erlebniswirkung erzielen und den Betrachter der Anzeige in eine Atmosphäre versetzen, die ihn die Werbebotschaft leichter verarbeiten lässt. 57 So können auch bei wenig involvierten Rezipienten die Gesetzmäßigkeiten der emotionalen Konditionierung58 wirken. Eine positive, verhaltensrelevante Einstellung dem Produkt oder der Firma gegenüber kann die Folge sein. 59 Weniger intuitiv als emotionale Reize wirken kognitive Re ize. Wenn Bilder mit den gelernten Erwartungen des Betrachters nicht konform sind haben sie evtl. ein gedankliches Ak tivierungspotential. Eine ungewöhnliche, u.U. widersprüchliche, vie lleicht auch neuartige Darstellung des Mannes kann Verwunderung bewirken 54 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 61 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 8 56 vgl. Packard, V. (Die geheimen Verführer 1958), S. 64 57 vgl. Woll, E. (Anzeigenwerbung 1997), S. 19 f. 58 siehe hierzu 2.3 „Sozialisation durch Werbung“ 59 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 91 55 11 und den Rezipienten zum Nachdenken bewegen. 60 Z.B. brachten Firmen im Jahr 2000 erstmals den Mut auf, gleichgeschlechtliche Paare zu zeigen. 61 Werden in Kampagnen der Lebensmittelindustrie zumeist Familienidylle mit traditioneller Rollenverteilung dargestellt, ist das erstmalige Abbilden eines homosexuellen Paares als innovativ zu bezeichnen. 62 In einer Anzeige der Marke „Iglo“ aus dem Jahr 2001 wird der klassische Werbestereotyp einer Partnerschaft dahingehend variiert, dass hier nun gleichgeschlechtliche Männer in einer traditione llen Rollenverteilung gezeigt werden. Eine solche eher avantgardistische Gestaltung Abb. 1: Anzeige der Marke „Iglo“, 2001 der Anze ige kann auch Nachteile gege nüber einer konventionelleren Aufmachung bedeuten. Eine Archetypgestaltung nutzt kollektive, bildhafte, zumeist kulturbedingte Vorstellungen und wird daher vom Rezipienten schneller akzeptiert63 und, wie im nächsten Abschnitt noch näher beschrieben wird, schneller gelernt. Eine rein avantgardistisch gestaltete Anzeige kann aufgrund des sehr hohen Neuigkeitsgeha ltes sowie durch den Bruch mit Traditionen zu Ablehnung oder Reaktanz führen. 64 Die Aktivierung der Betrachter einer Anzeige kann im weiteren auch durch physische Reize geschehen. Während emotionale und gedankliche Reize die größte Werbewirkung bei der anvisierten Zielgruppe auslösen, können physische Reize häufig weitgehend unabhängig von der Zielgruppe wirken. 65 Physische Re ize wie Größe, Form und Farbe wirken durch ihren „formalen Charakter“. 66 Sie sind wichtig um alle Kommunikationsmittel visuell einheitlich zu gestalten und ein Corporate Design zu entwickeln. 67 60 vgl. Meyer-Hentschel, G. (Erfolgreiche Anzeigen 1988), S. 41 ff. vgl. ZAW (Werbung in Deutschland 2002), S. 33 62 vgl. Bock, C. (Schwule in der TV-Werbung 2001) 63 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 351 ff. 64 vgl. ebenda, S. 357 ff. 65 vgl. Meyer-Hentschel, G. (Erfolgreiche Anzeigen 1988), S. 44 66 ebenda, S. 46 67 vgl. Quinque, V. P. (Corporate Design 2002), S. 82 61 12 2.1.4.2 Die Wahrnehmung der Anzeige Damit Werbung erfolgreich sein kann, muss sie die Wahrne hmungsschwelle der anvisierten Zielgruppe überwinden. 68 Die Gestaltungsmerkmale sollten prägnant, verständlich und attraktiv sein. 69 Dies kann durch die Wahl eines Werbestils geschehen. Ein Werbestil erleichtert die Wahrnehmung und formt das Image einer Firma oder einer Marke, wenn er prägnant gestaltet wird und wesentliche Gestaltungselemente im Zeitverlauf konstant beibehalten werden. 70 Das Prägnanzprinzip ist neben der „Figur-Grund-Gliederung“ und der „Figur-Binnen-Gliederung“ ein Basisphänomen der Wahrnehmungsorganisation. Prägnant bedeutet z.B. eine symmetrische, einheitliche, geschlossene, einfache oder regelmäßige Gestaltung der Werbeanzeige. 71 Eine Anzeige sollte schnell verstanden werden können. Es ist daher wichtig, eindeutige Darstellungsformen zu verwenden die dem Rezipienten bekannt sind. 72 Bilder, die bereits bekannte Kenntnisse verwenden, können beim Betrachter schnell bestehende Wünsche aktivieren. 73 Die Zuschreibung eines Geschlechts ist zumeist eindeutig möglich und mit Vorstellungen verbunden. Da die Geschlechtszugehörigkeit „zu den am tiefsten verankerten Merkmalen des Menschen“ 74 zählt, wird sie in der Werbung vielfach thematisiert. Personendarstellungen, insbesondere Gesichter, sind daher wirksame Werbebilder. 75 Wenn Wahrnehmungen auf Erfahrungen und Hypothesen der Rezipienten beruhen, wird von einem „top-down“ Prozess gesprochen. Nimmt der Betrachter eine Anzeige hingegen ohne jedes Vorwissen wahr, z.B. weil die Anzeige besonders aktivierend gestaltet ist, wird von einem „bottom- up“ Prozess gesprochen. 76 68 vgl. Rosenstiel, L.v./Kirsch, A. (Psychologie der Werbung 1996), S. 21 vgl. Bergler, R./Pörzgen, B./Harich, K. (Frau und Werbung 1992), S. 16 70 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 559 71 vgl. ebenda, S. 33 ff. 72 vgl. Meyer-Hentschel, G. (Werbung 1996), S. 77 73 vgl. Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 298 74 Goffman, E. (Geschlecht und Werbung 1981), S. 34 75 vgl. Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 298 76 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 40 f. 69 13 Auch wenn zumeist beide Prozesse ablaufen, funktioniert die auf Hypothesen beruhende Wahrnehmung „schneller und treffender“. 77 So wichtig kreative Gestaltungsmöglichkeiten bei Anze igen auch sind, sollten bereits bekannte Schlüsselbilder entha lten sein. 78 Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass die verwendeten Bildmotive der eigenen Marke oder Firma zugeordnet werden können. 79 Wird z.B. mit einem sehr häufig verwendeten Männertyp geworben, kann der Konsument dieses Bildmotiv schwer dem Produkt zuordnen. „Diese Austauschbarkeit geht auf Kosten der Positionierung.“ 80 2.1.4.3 Die dargestellte Person als Kommunikator Mehrere Faktoren sind nach Rode für den Rezipienten einer Anzeige bei der Einschätzung des Kommunikators von Bedeut ung. So ist die Glaubwürdigkeit des Kommunikators bzw. der dargestellten Personen von großer Bedeutung. 81 Die Zuschreibung eines Kompetenz-, Soliditäts-, und Ehrlichkeitsimage kann die Werbewirkung verbessern. 82 Der Kommunikator muss dem Rezipienten Interessenungebundenheit suggerieren. Der für sein eigenes Produkt werbende Firmenmitarbeiter wirkt aufgrund seines persönlichen Interesses weniger überzeugend als die als objektiver empfundene Aussage einer distanzierteren Person. 83 Da Werbung immer parteiisch ist, ist es schwer, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu erzielen. Auch der Einsatz von Prominenten und Experten kann die Reduktion von Kommunikationsrisiken zumeist nicht bewirken, da auch ihnen der aufgeklärte Konsument ein ökonomisches Interesse unterstellen kann. 84 Aufgabe der Werbung ist es allerdings nicht, für ausgewogene Informationen zu sorgen, sondern die Erreichung der in 2.1.1 77 Fischer, L./Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 160 vgl. Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 298 f. 79 vgl. Kroeber-Riel, W./Esch, F.R. (Strategie der Werbung 2000), S. 54 80 ebenda, S. 54 81 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation und Werbung 1984), S. 65 82 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 23 83 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation und Werbung 1984), S. 65 84 vgl. Zurstiege, G. (Männlichkeit in der Werbung 1998), S. 102 78 14 erwähnten kommunikationspolitischen Ziele, wie z.B. die Gewinnung von Aufmerksamkeit. Da Personenabbildungen neben der Anzeigengröße das wichtigste Kriterium sind um die Aufmerksamkeit des Rezipienten zu erregen sowie die Dauer des Anzeigenkontaktes zu verlängern, werden sie von den Werbetreibenden gerne genutzt. 85 Besondere Bedeutung hat hier die Attraktivität der dargestellten Personen. Attraktive Menschen werden i.d.R. mit einem größeren Interesse wahrgenommen. 86 Aufgrund gesellschaftlicher Zuschreibungen von positiven Attributen, wirken sie vertrauenswürdiger, sympathischer und glaubwürdiger. Man setzt sich mit ihnen lieber auseinander. „Dies wissen, heißt verstehen, warum Werbung wesentlich mit physisch attraktiven Schlüsselreizen operiert.“ 87 Auf der anderen Seite ist die Darstellung sehr schöner Menschen in Anzeigen für Produkte, die nicht auf Attraktivität bezogen werden können, nicht immer unproblematisch. 88 Physisch sehr attraktive Fotomodelle können von informativen Argumenten ablenken oder u.U. durch Vergleichsprozesse „Neid“ auslösen. Eine weitere Problematik könnte darin liegen, dass durch den Einsatz sehr ähnlicher, dem gleichen Schönheitsideal entsprechenden Darstellern eine Verwechslungsgefahr besteht. 89 Ein weiteres Kriterium ist das soziale Umfeld des Kommunikators. Je nach beworbenem Produkt oder anvisierter Zielgruppe kann der dargestellte Mensch zum einem aufgrund seines sozialen Status ein „Leitbild“ sein. Zum anderen können Beeinflussungschancen bestehen, wenn die abgebildeten Personen denen der Zielgruppe bzgl. Lebensstil, Wünschen und Selbstverständnis90 ähnlich sind. 91 85 vgl. Wehner, C. (Überzeugungsstrategien in der Werbung 1996), S. 42 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation und Werbung 1984), S. 65 87 Bergler, R./Pörzgen, B./Harich, K. (Frau und Werbung 1992), S. 16 88 vgl. Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 186 89 vgl. Schierl, T. (Text und Bild in der Werbung 2001), S. 137 90 vgl. Bergler, R./Pörzgen, B./Harich, K. (Frau und Werbung 1992), S. 47 91 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation und Werbung 1984), S. 65 86 15 2.1.5 Tendenzen in der Anzeigenwerbung Veränderungen der Gesellschaft wie z.B. die Reduzierung männlicher Dominanzen, die Demokratisierung innerhalb der Familie, speziell bei Kaufentscheidungen, Individualisierungstendenzen, längere Lebenserwartungen, ein steigender Grad an Bildung und Wohlstand sowie ein erhöhtes Medienangebot haben auch die Marktkommunikation verändert. 92 Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde als erster Erhebungszeitpunkt die Jahre 1971/72 ausgesucht. Der erste für diese Dekade bedeutsame Trend ist die Zunahme von provozierenden Werbebildern in Anze igen. Eine neue Sexualmoral, der zunehmende Konsum von Drogen, Alkohol und Tabakwaren, eine neue Popbzw. Hippiekultur sowie die Erprobung neuer Lebensformen, wie z.B. das Leben in Wohngemeinschaften, sorgen für eine Divergenz mit den traditionellen, tugendhaften Rollenbildern. Die Werbung entwickelt sich weiter und wird immer raffinierter gestaltet. 93 Sie nimmt den neuen Zeitgeist gerne auf, was aber zur Folge hat, dass sie mitverantwortlich für den Missbrauch von Alkohol und Zigaretten sowie für die Verbreitung eines diskriminierenden Frauenbildes gemacht wird. 94 Als Reaktion auf diese Vorwürfe wird 1972 von den im Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) organisie rten Firmen, Agenturen und Medien der deutsche Werberat gegründet. Seine Aufgabe besteht seit dem in der Vermittlung „zwischen Beschwerdeführern aus der Bevölkerung und werbenden Fir men.“95 Aufgrund der Beschwerden wird seitdem versucht, die Produkte mit mehr Reflexion und Präzision zu bewerben. Gezeichnete Figuren und bunte Zeichnungen, denen man die Schö nmalerei der Wirklichkeit vorwerfen kann, werden in vielen Anzeigenkampagnen durch Fotos ersetzt. Die Werbetreibenden versuchen hier92 vgl. ZAW (Werbung in Deutschland 2002), S. 28 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 39 94 vgl. Schulze, A. (Werbung an der Grenze 1999), S. 214 f. 95 ZAW (Werbung in Deutschland 2002), S. 59 93 16 durch ihre Absicht zu demonstrieren, mit dieser Darstellungsart die gesellschaftliche Wirklichkeit realitätsnäher abbilden zu wollen. 96 Seit den achtziger Jahren ist die Gesellschaft einer stetig ansteigenden Informationsflut ausgesetzt. Neue Printmedien, Privatsender und neue Radiostationen etc. bedeuten einerseits die Zunahme des für jedermann zugänglichen breiten Informationsspektrums, andererseits besteht die Gefahr der Überforderung, der Reaktanz und der Gleichgültigkeit. 97 Das Informationsangebot wächst wesentlich schneller als die Nachfrage und somit stößt die menschliche Verarbeitung der Information zunehmend an ihre Grenzen. 98 Infolge dessen ist das Rezeptionsverhalten des Konsumenten flüchtiger und selektiver geworden. 99 Nur Informationen, die ihm relevant erscheinen oder ihn aufgrund der Aufmachung interessieren, werden registriert und u.U. gespeichert. 100 Auf den zunehmenden Wettbewerb reagiert die Werbeindustrie durch kreativ und aktivierend gestaltete Anzeigen. 101 Botschaften und Informationen werden knapp gefasst und sollen für den Empfänger sofort verständlich sein. Bilder haben daher an Bedeutung gewonnen. 102 Sie werden gerade von weniger involvierten Betrachtern zuerst gesehen und schnell gelernt. 103 Seit den achtziger Jahren sind zwei weitere Trends zu erkennen: Zum einen wächst die verantwortungsvolle Haltung gegenüber der Umwelt und menschenrechtlichen Themen, zum anderen sind Individualisierungstendenzen und ein gesteigertes Körper- und Modebewusstsein zu erkennen. 104 96 vgl. Borscheid, P. (Werbung für Banken 1995), S. 334 vgl. Rieck, G. (Tendenzen in der deutschen Printwerbung 1993), S. 10 98 vgl. Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 90 99 vgl. Holdenried, U (Imitiert das Leben den Werbespot 1992), S. 55 100 vgl. Rieck, G. (Tendenzen in der deutschen Printwerbung 1993), S. 10 101 vgl. Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 90 102 vgl. Rieck, G. (Tendenzen in der deutschen Printwerbung 1993), S. 10 103 Meyer-Hentschel, G. (Erfolgreiche Anzeigen 1988), S. 17 104 vgl. Rieck, G. (Tendenzen in der deutschen Printwerbung 1993), S. 12 97 17 Erwähnenswert sind auch die ersten Anzeigen der Modefirma „Benetton“ Ende der achtziger Jahre, deren tabubrechende Motive soziale und wirtschaftliche Probleme dokumentieren. Sie lösen weltweit Widerstand aus und bringen laut dem Deutschen Werberat die Werbeindustrie in Verruf. 105 Dieser Werbestil ist allerdings eher eine Randerscheinung. Insgesamt wird der Trend der achtziger Jahre in den neunziger Jahren fortgesetzt. Zeitgewinn für die effektive Gestaltung der Freizeit wird immer wichtiger. 106 Die Werbung passt die Marken diesem Trend an und bewirbt neben Gesundheits- und WellnessProdukten zunehmend zeitsparende Convenience-Produkte, Energy-Drinks und Sport-Drinks. 107 Daneben ist eine zunehmende Anzahl von Personality-Werbung zu beobachten, wobei eine direkte Verbindung zwischen dem beworbenen Produkt und dem Prominenten immer seltener geknüpft werden kann. 108 2.2 Werbung und Gesellschaft Werbung unterliegt einer historischen Entwicklung, die stark mit dem ökonomischen und technischen Fortschritt zusammenhängt. 109 Ihrer Etablierung zu einem modernen Marketinginstrument geht eine Geschichte von vielen Jahrhunderten voraus. So ist belegt, dass bereits im antiken Ägypten Ausrufer mit ihrer Stimme versuchten, Waren zu bewerben, die nicht mehr ausschließlich zur Deckung der Grundbedürfnisse dienten. 110 „Die Entwicklung der modernen Werbung ist in hohem Maß an die industrielle Revolution gekoppelt.“ 111 Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die Produktionsleistung durch die Technifizierung 105 vgl. Kriegeskorte, M. (Werbung im Wandel 1995), S. 225 f. vgl. Meffert, H./Burmann, C./Koers, M. (Markenmanagement 2002), S. 214 107 vgl. Stoimenoff, L. (Appetit kommt beim Anschauen 1998), S. 29 108 vgl. Kriegeskorte, M. (Werbung im Wandel 1995), S. 221 109 vgl. Bau, A. (Zeitgeist und Werbung 1994), S. 46 110 vgl. Schweiger, G./Schrattenecker, G. (Werbung 1992), S. 1 111 ebenda, S. 3 106 18 größer als die spontane Nachfrage. Um Überkapazitäten zu vermeiden, musste die Nachfrage durch Werbung erhöht werden. 112 Die steigende Konkurrenz auf den Märkten, die zunehmende Unübersichtlichkeit des Angebots, 113 ein anonymer werdendes Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer sowie die Entwicklung der Massenmedien114 als Werbeträger sind weitere Ursachen für die fortschreitende Etablierung der Werbung. Durch sie entstanden Markenartikel, die ihre eigene Identität hatten und somit von anderen Produkten differenzierbar waren. 115 Die Gesellschaft hat sich im vorigen Jahrhundert „aus den Trümmerlandschaften der 50er Jahre in eine Überflussgesellschaft der 80er und in die Erlebnis-Gesellschaft der 90er Jahre“ 116 gewandelt. Werbung ist ebenso wie die Gesellschaft diesem Wandel unterzogen. Somit ändert sich nicht nur die Quantität von Werbung, es verändern sich auch die Themen sowie die Darstellungsweisen im Laufe ihrer Geschichte. 117 Durch einen von vielen Forschern diagnostizierten Wertewandel, „sei es im Sinne eines gesteigerten Hedonismus, dem Aufkommen postmaterialistischen Gesinnungen oder veränderten Einstellungen zur Freizeit“, 118 verändern sich auch die Konsumaktivitäten der Menschen. Wie in der Bedürfnispyramide von „Maslow“ 119 beschrieben, nimmt mit wachsendem Wohlstand die Befriedigung der Grundbedürfnisse ab, während lebensstilorientierte, postmaterialistische Positionen, wie das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, zunehmen. 120 112 vgl. Geiger, T. (Die Genesis der Reklame 1987), S. 330 f. vgl. Zurstiege, G. (Männlichkeit in der Werbung 1998), S. 84 114 vgl. Bau, A. (Zeitgeist und Werbung 1994), S. 46 115 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 29 116 Lippert, W (Vom grauen Flanell zum geheimen Verführer 1995), S. 9 117 vgl. Schulze, A. (Werbung an der Grenze 1999), S. 23 118 Wiswede, G. (Wirtschaftspsychologie 2000), S. 330 119 vgl. Maslow, A.H. (Motivation and Personality 1954), S. 153 ff. 120 vgl. Wehner, C. (Überzeugungsstrategien in der Werbung 1996, S. 48 ff. 113 19 „Der Marketingerfolg ist um so eher erzielbar, je mehr man von den Kundenansprüchen ausgeht.“ 121 Werbung als Teil des Marketing-Mixes muss sich an den Bedürfnissen und Vorstellungen der Rezipienten orientieren. Diese unterliegen den Einflüssen des sozialen Wandels bzw. Wertewandels. Werbung ist daher eng an soziale Veränderungen gebunden. „Das ergibt sich aus den Geboten des modernen Marketing, sich einen Absatzmarkt zu schaffen, indem man sich an Konsumentenwünschen und -verhalten orie ntiert.“ 122 Werbung muss daher den „gesellschaftlichen Puls der Zeit“ 123 aufnehmen. Dies wird aber für das heutige Werbesystem zunehmend zum Problem, da es „keine verbindliche Gesamtkultur der Gesellschaft mehr gibt.“ 124 Über den konkreten Zusammenhang zwischen Werbung und Gesellschaft gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen. Einerseits orientiert sich Werbung an den Ansprüchen des Kunden und schafft Bedürfnisse. Dadurch, dass die heutige Gesellschaft von Werbung durchsetzt ist, werden Kognitionen, Ideale (z.B. Schönheitsideale), Wertorientierung und Kommunikation der Menschen beeinflusst. 125 Ihr kann daher durchaus eine realitätsgenerierende Bedeutung zugeschrieben werden. Andererseits läuft Werbung dem Zeitgeist eher hinterher, da sie lediglich bereits Vorhandenes verstärkt bzw. „Entwicklungen hervorhebt, die bereits angelaufen sind.“ 126 Sie hängt sich an neue Trends, reflektiert sie, nutzt sie aus und verstärkt sie. Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft meint dazu plakativ, dass Werbung ein Spiegelbild der Gesellschaft sei. „Nicht die Werbung prägt die Gegenwart, sondern die Gegenwart prägt die Werbung.“ 127 121 Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 3 Ingenkamp, K. (Werbung und Gesellschaft 1995), S. 113 123 Dastyari, S. (Männlichkeit in der Werbung 1999), S. 15 124 Schmidt, S.J./Spieß, B. (Werbung, Medien und Kultur 1995), S. 40 125 vgl. ebenda, S. 38 126 Schulze, A. (Werbung an der Grenze 1999), S. 25 127 Nickel, V. (Frauenbild in der Werbung 1993), S. 14 122 20 Als Beispiel fügt er die „Sexwelle“ Anfang der Siebziger Jahre an, die nach Nickel, nicht von der Werbung, sondern „insbesondere durch die erhebliche Lockerung des Sexualstrafrechts im Jahre 1973“128 ausgelöst wurde. Die Werbung hat diese Liberalisierung aufgenommen, diese benutzt und ihre Bilder und Sprache den neuen gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. 129 Das heißt jedoch nicht, dass es keine Werbetreibenden gibt, die aus dem üblichen Rahmen ausscheren und dem Zeitgeist gelegentlich einen Schritt voraus sind. 130 Ein eindeutiges Erklärungsschema zur Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Werbung gibt es aber nicht. 131 Unabhängig von der Interdependenz bleibt jedoch festzuhalten, dass das Werbesystem alle sozialen Systeme, die es für relevant hält, auf verwertbare Kommunikationsthemen und Kommunikationsformen überprüft 132 und „ein Bild sozialen Lebens vermittelt, in dem meist positiv besetzte Leitbilder eine Rolle spielen.“ 133 Bilder sollen Wünsche und Bedürfnisse wecken sowie Vorbilder schaffen. Hierbei werden gesellschaftlich verankerte Rollenvorstellungen, z.B. aufgrund des Geschlechtsunterschiedes, aber auch idealtypisch konstruierte Rollenmodelle verwendet. 134 Kollektives Wissen, wie z.B. Stereotype werden verwendet, um Wahrne hmungsstörungen beim Adressaten zu vermeiden. Die Werbung bedient sich dieser Archetypen und steht dabei unter dem Druck, Modifikationen des bereits Bekannten als Neuheit zu präsentieren. Geschlechterdarstellungen sind oft stereotypisiert, da nur so, aufgrund der zumeist sehr kurzen Kontaktzeit bei Anzeigenwerbung 128 Nickel, V. (Frauenbild in der Werbung 1993), S. 13 vgl. ebenda, S. 15 130 vgl. Schulze, A. (Werbung an der Grenze 1999), S. 25 131 vgl. Hättenschwiler, D. (Der konsumierte Mann 1998), S. 215 132 vgl. Schmidt, S.J./Spieß, B. (Werbung, Medien und Kultur 1995), S. 42 133 Hättenschwiler, D. (Der konsumierte Mann 1998), S. 215 134 vgl. Hansen, R. M. (Informationsgehalt von Werbeanzeigen 1975), S. 75 ff. 129 21 eine breite Zielgruppe von Männern und/oder Frauen angesprochen und deren Aufmerksamkeit erweckt werden kann. 135 Unternehmen nutzen diesen Vorteil und versuchen ihre Produkte prägnant, verständlich und attraktiv zu bewerben. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft kann daher so manche eingereichte Beschwerde, zumeist die Darstellung von Frauen betreffend, nicht verstehen und spricht sogar von „ökonomischem Analphabetismus“, 136 wenn „Firmenlenker generell auf die Gegenseite von Moral geschoben werden.“137 Auch wenn immer weniger Anzeigen wegen unterstellter Fraue nherabwürdigung beanstandet werden138 bzw. Männerdiskriminierung nur sehr vereinzelt vorgewo rfen wird, 139 fungiert Werbung häufig als Ventil von gesellschaftlicher Unzufriedenheit. Das kann daran liegen, dass Werbung im Gegensatz zu theoretischen Debatten konkreter ist. Die beworbenen „Produkte sind in kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht etwas „Anfassbares“, das sich dingfest machen lässt.“ 140 2.3 Sozialisation durch Werbung Werbung richtet sich an Zielgruppen, die sich aus Menschen mit ähnlichen demographischen Merkmalen und qualitativen Gemeinsamkeiten, wie einem kollektiven Normen- und Wertesystem, zusammen setzt. In der Marketingsprache heißen diese Zielgruppen z.B. „Junge, gut verdienende, unverheiratete Angestellte.“ 141 Das Formulieren von Zielgruppen macht den soziologischen Bezug des Konsumierens deutlich. Werbung ist eine Instanz der Sozialisation und somit von Bedeutung für das Erlernen sozialen Handelns in der Gesellschaft. 142 135 vgl. Dastyari, S. (Männlichkeit in der Werbung 1999), S. 15 f. ZAW (Werbung in Deutschland 2002), S. 32 137 ebenda, S. 33 138 vgl. ebenda, S. 68 139 vgl. ZAW (Spruchpraxis Deutscher Werberat 1997), S. 106 140 ZAW (Werbung in Deutschland 2002, S. 33 141 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994). S. 211 142 vgl. ebenda, S. 211. f. 136 22 Wenn in der Werbung ein Bild, z.B. der Darstellung eines Mannes in Verbindung mit dem Produkt gezeigt wird, können beim Betrachter kognitive Lernprozesse ausgelöst werden. Lernen wird in einer „breiten“ Definition von Kroeber-Riel und Weinberg als „relativ überdauernde Änderung einer Verhaltensmöglichkeit aufgrund von Erfahrungen und Beobachtungen“ 143 beschrieben. Ziel des Lernens ist nach dieser Definition die Aufnahme bestehender geistig vorhandener Modelle und die Modifikation bereits erworbener kognitiver Konzepte. 144 Werbewirkung beruht häufig auf dem Prinzip der klassischen Konditionierung. Besonders „die emotionale Konditionierung, also das Lernen emotionaler Produktbedeutungen, (ist) von besonderer Bedeutung.“145 Das Produkt wird an ein attraktives Umfeld gekoppelt und das Modell erfährt durch sein Konsumverha lten Belohnung. 146 Trotz fehlender sachlicher Argumente oder Produktaussagen kann eine Einstellung bzgl. des beworbenen Objektes bzw. Subjektes aufgebaut werden. 147 So kann das Aufzeigen junger, tanzender Menschen an einem Palmenstrand als ein positiv behafteter Reiz in Verbindung mit einem eigentlich neutral bewerteten Produkt die Einstellung zu diesem Produkt positiv beeinflussen. 148 Ein sehr bekanntes Be iAbb. 2: Emotionale Konditionierung spiel ist hierfür die Werbung für die Marke „Bacardi“. Wie Abb. 2 zeigt, sind sich die Werbemacher der konditionierenden Wirkung ihrer Anzeige durchaus bewusst. 143 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 316 vgl. Schulmeister, R. (Grundlagen hypermedialer Lernsysteme 1997), S. 79 145 Schierl, T. (Text und Bild in der Werbung 2001), S. 191 146 vgl. Hastenteufel, R. (Mann und Frau in der Werbung 1980), S. 103 147 vgl. Schierl, T. (Text und Bild in der Werbung 2001), S. 192 148 vgl. Fischer, L./Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 52 144 23 Ein weiteres Beispiel für emotionale Konditionierung ist die Darstellung des Mannes in einer „Cowboywelt“ für die Zigarettenmarke „Marlboro“. Dadurch, dass die Werbung über Jahre nur mit marginalen Veränderungen stetig wiederholt wurde, lässt sich die Marke identifizieren, selbst wenn nur Nuancen dieser „Cowboywelt“ gezeigt werden. 149 Eine weitere „besonders wichtige Form des sozialen Lernens ist das Lernen durch Beobachtung.“ 150 Als Erweiterung des „instrumentellen Lernens“, das die belohnenden oder bestrafenden Konsequenzen von Verhalten betont, befasst sich das „Lernen am Modell“ mit der Imitation ganzer Verhaltenskomplexe. Ein Ind ividuum beobachtet ein Modell bzw. ein Leitbild, das bestimmte Verhaltensweisen anregt. Erfährt das Modell Verstärkung, z.B. in Form von Belohnungen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das beobachtende Individuum das Verhalten imitiert. 151 Der Ausdruck Modell „ist dabei inhaltlich sehr weit gefasst und schließt beispielsweise das Lernen über Medien“ 152 mit ein. Werbung, die mit solchen Modellen arbeitet, muss allerdings darauf achten, dass das Leitbild zur beworbenen Produktgattung und anvisierten Zie lgruppe, bzgl. Alter, Milieu, Geschlecht etc., passt. 153 Sind die dargestellten Personen dem Betrachter besonders ähnlich, sind sie für das „Erlernen eines Konsumverha ltens an Modellen“ 154 besonders gut geeignet. Obwohl die meisten Menschen behaupten, nach rationellen Gesichtspunkten zu konsumieren, entscheiden sie beim Konsum in den meisten Fällen emotional und aufgrund eines Bedürfnisses nach sozialer Anerkennung, auf ihre Mitmenschen bezogen. 155 149 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 81 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 620 151 vgl. ebenda, S. 620 152 Fischer, L./Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 66 153 vgl. Wiswede, G. (Wirtschaftspsychologie 2000), S. 295 154 Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 165 155 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994), S. 210 150 24 Da Konsumieren gelernt wird und somit sozial determiniert ist, orientiert sich die Werbung an aktuellen Normen und Erwartungen. 156 Gerade bei der Anschaffung teurer Produkte wird der Konsument von seine r Familie, dem Partner, der „Peer-group“, Vertrauenspersonen und Meinungsführern etc. beeinflusst. Das Ind ividuum versucht u.U. durch nach außen sichtbaren Konsum, der positiv bewerteten Aspirationsgruppe nah zu sein und sich von negativen Bezugsgruppen abzuheben. 157 Diese Leitbildfunktion wird besonders häufig von der Werbung aufgegriffen. 158 Sie zeigt Modeerscheinungen auf, beschreibt das Verhalten von vergleichbaren Personen und stellt die Vorteile sowie die Erfordernisse des sozialen Status heraus. 159 Nach Rosenstiel und Kirsch kann Werbung hierdurch aber auch eine schädliche Wirkung auf den Rezipienten haben. Die dargestellten Vorbildpersonen verkörpern Werte wie Lebensfreude, Erfolg, Sexualität etc., vernachlässigen aber z.B. Bescheidenheit oder altruistisches Verhalten. Im Sinne der Lerntheorie werden in der Werbung zumeist erfolgreiche, schöne und wohlhabende Modellpersonen gezeigt, jedoch kaum arme oder behinderte Menschen. 160 Dass sich die Rezipienten mit den dargestellten Personen vergle ichen, ist eher unwahrscheinlich. Ein Versuch von Cash, Cash und Butters 161 zeigte, dass Bilder von sehr attraktiven Modellen, die Selbsteinschätzung des Betrachters negativ beeinflussen können. Werden die Bilder allerdings als Werbung kenntlich gemacht, gibt es diese niedrigere Selbstbewertung der eigenen Attraktivität nicht. 162 Der Versuch zeigt, dass Werbefiguren nicht unbedingt auf den Alltag des Rezipienten bezogen werden. 156 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994), S. 211 f. vgl. Wiswede, G. (Wirtschaftspsychologie 2000), S. 333 158 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 72 159 vgl. Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 165 160 vgl. Rosenstiel, L.v./Kirsch, A. (Psychologie der Werbung 1996), S. 22 161 vgl. Cash, Cash und Butters (Self-evaluations of physical attractiveness 1983), erläutert bei: Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 171 162 vgl. Felser, G. (Werbe- und Konsumentenpsychologie 1997), S. 171 157 25 Trotzdem kann festgehalten werden, dass Werbung im Laufe der Zeit zu einem allgemeinen Kulturgut ge worden und von Bedeutung in der Sozialisation sowie im Bewusstsein von Kindern und Erwachsenen ist. Rode nennt daher das Massenmedium Werbung „eine Sozialisierungsinstanz“, 163 deren soziale Wirkung umso größer ist, je mehr der Rezipient seine Vorstellungen von der Wirklichkeit aus dem Medium bezieht. 164 2.4 Das Männerbild in der Gesellschaft Durch die unterschiedlichen Zielgruppen bietet die Werbung viele Facetten der geschlechtsspezifischen Darstellung an und kann deswegen einen didaktischen Zugang zur Beobachtung von Geschlechterstereotypen und Geschlechterrollen bieten. Als Vorarbeit für die Analyse der Werbeanzeigen wird in diesem Abschnitt daher auf soziale Rollen, Geschlechterstereotype sowie auf „Männertypen“ eingegangen. 2.4.1 Die Geschlechterstereotype Die Geschlechtszugehörigkeit gehört zu den „am tiefsten verankerten Merkmalen des Menschen.“ 165 Die Trennung der Geschlechtersphären in zwei konträre Pole, Weiblichkeit und Männlichkeit, ist mit gesellschaftlich und kulturell vermittelten Werten und oft unbewussten Zuschreibungen verbunden. Der englische Begriff „gender“ bezieht sich auf diese Konstruktion von Geschlecht und unterscheidet sich dementsprechend von der rein biologischen Separation, wie sie durch den englischen Begriff „sex“ beschrieben wird. In dieser Arbeit wird Männlichkeit im Sinne der „Genderforschung“ begriffen. 166 „Geschlechterstereotype werden als einfach strukturierte Muster von Einstellungen und Erwartungen zu Eigenschaften von Frauen und Männern definiert.“ 167 163 Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994), S. 211 vgl. Bandura, A. (Sozial-kognitive Lerntheorie 1979), S. 48 165 Goffman, E. (Geschlecht und Werbung 1981), S. 34 166 vgl. Dastyari, S. (Männlichkeit in der Werbung 1999), S. 25 167 Pasero, U. (Gender Studies 1999), S. 17 164 26 Sie setzen einen engen Rahmen für den Verhaltensspielraum der Menschen. 168 Es handelt sich um Leitbilder, 169 die nicht etwa Spiegel existenter Geschlechtsdifferenzen sind, sondern diese produzieren. Bestehende Differenzen werden übertrieben. Auch Massenmedien, einschließlich der Werbung, sind ein Grund dafür, dass sich traditionelle Geschlechterrollen-Stereotype halten und z.T. verfestigen. 170 Als typisch männliche Eigenschaften gelten Rationalität, Initiative und Dominanz, Aktivität, Selbstbewusstsein, Mut, Aggressivität, Stärke und Leistungsfähigkeit. Als typisch weiblich gelten Zuschreibungen wie Emotionalität, Sensitivität und Zurückhaltung bzw. Passivität. Sie gelten als intuitiv und warmherzig. 171 Ob der Mensch die entsprechenden Geschlechterstereotype unreflektiert übernimmt oder sich vo n ihnen distanziert, hängt von der Verbreitung des Leitbildes ab. Je mehr er Sanktionen für sein rollendiskrepantes Verhalten befürchten muss, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich auch sein Selbstkonzept am Geschlechterrollenstereotyp orientiert. 172 Das Geschlechterrollen-Selbstkonzept der Konsumenten ist von großer Bedeutung für eine geschlechtsbezogene Positionierungsstrategie. Je höher die Ähnlichkeit zwischen einem geschlechtsbezogenen Produktimage und der Selbstzuschreibung maskuliner Stereotypen is t, desto besser werden produktbezogene Stimuli, z.B. durch Werbung aufgenommen. Durch den Kauf bzw. den Gebrauch solcher geschlechtsbezogenen Produkte überträgt sich deren männliches „Image“ auf den Konsumenten. 173 168 vgl. Hastenteufel, R. (Mann und Frau in der Werbung 1980), S. 53 vgl. Hofstätter, P.R. (Das Denken in Stereotypen 1960), S. 13 170 vgl. Fischer, L./Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 457 171 Hastenteufel, R. (Mann und Frau in der Werbung 1980), S. 53 172 vgl. Fischer, L./Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 457 173 vgl. Zellerhoff, C. (Geschlechtsspez. Produktpositionierung 2001), S. 136 f. 169 27 Auch wenn das Geschlechterrollen-Selbstkonzept eine Möglichkeit bietet, Zielgruppen zu definieren, beeinflussen trotzdem hä ufig soziale Erwartungen an das biologische Geschlecht die Reaktion der Konsumenten. Bei der geschlechtsbezogenen Positionierung müssen daher soziale Einflussfaktoren einbezogen werden. 174 2.4.2 Das männliche Geschlecht Als Vorbereitung für die empirische Untersuchung soll in diesem Abschnitt auf allgemeine männliche Geschlechterrollen eingega ngen werden. 2.4.2.1 Die männlichen Geschlechterrollen In der empirischen Untersuchung wird die soziale und berufliche Rolle der Männer untersucht. „Rolle“ wird hierbei als Bündel von normativen Erwartungen verstanden, die mit sozialen bzw. beruflichen Positionen verknüpft sind. 175 Diese, von der Gesellschaft dem einzelnen zugewiesenen Kann-, Soll- oder Muss-Erwartungen176 sind „mit Sanktionen unterschiedlicher Verbindlichkeit verknüpft, wenn sich das Individuum nicht erwartungsgemäß verhält.“ 177 So können durch rollenkonformes Verhalten, z.B. im Kaufentscheidungsprozeß, soziale Risiken vermieden werden. 178 Gerade das sich entwickelnde Markenbewusstsein von Jugendlichen bestätigt, dass sich viele Konsumenten dieser durch Werbung gestützten Normierung des Konsums nicht entziehen können. 179 Für das Marketing bedeutet dies, dass die Beobachtung und Nutzung von sozialen Rollen die Prognostizierbarkeit von Konsumentenverha lten erleichtert. 180 Die Marketingansprache nutzt diesen Rollenbezug und richtet sich an definierte Zielgruppen. 181 174 vgl. Zellerhoff, C. (Geschlechtsspez. Produktpositionierung 2001), S. 196 vgl. Fischer, L./Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 428 176 vgl. Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 446 177 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 446 178 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 61 179 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994), S. 83 180 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 61 181 vgl. Rode, F.A. (Sozialisation durch Werbung 1994), S. 211 175 28 Die Zielgruppe „Mann“ kann „nicht als homogene Gruppe betrachtet werden, da ihre Rollenselbstbilder je nach Schulbildung, Alter, Familienstand und sozialem Lebensmilieu variieren.“ 182 Modernisierungs- und Individualisierungstendenzen haben sich klassen- und schichtspezifisch in einer anderen Intensität entwickelt. 183 Trotzdem versucht eine Studie von IVE Research International die Zielgruppe „Mann“ in vier grundlegende Typen einzuteilen: Den traditionellen Mann, den androgynen Mann, den „Softie“ und den „neuen Mann“. 184 Diese vier Männertypen unterscheiden sich in ihrer Ausprägung bzgl. der Dimensionen „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“. Der traditionelle Mann „gründet sein stabiles Selbstbild auf traditionelle Werte“ 185 und versucht allen weiblichen Eigenschaften auszuweichen. Er weint nicht, hält seine Gefühle unter Kontrolle und redet schon gar nicht über diese. Der klassische Mann sorgt alleine für den Lebensunterhalt seiner Familie, definiert sich im Wesentlichen über seine Arbeit und kümmert sich um die finanziellen Angelegenheiten. Seine oberste Maxime ist: Effektivität, Zuverlässigkeit und konsequentes Handeln. 186 Androgynie bedeutet „eine gleichzeitig maskuline wie feminine Geschlechterrollenidentität.“ 187 Während der androgyne Mann sich weder männlich noch weiblich darstellen will, orientiert sich das Selbstbild des „Softies“ an dem der Frauen. Er vernachlässigt männliche und betont weibliche Eigenschaften. 188 Der „Softie“ versucht sanft, friedlich und empfindsam zu sein. Dadurch, dass er weder Kraft noch Energie oder Leidenschaft ausstrahlt, ist der „Softie“ weder für die meisten Männer, noch für die meisten Frauen eine Alternative. 189 182 Schmidt, S.J./Spieß, B. (Werbung, Medien und Kultur 1995), S. 138 vgl. Kern, J. (Singles 1998), S. 48 184 vgl. Gehling, R. (Männlichkeit 1998), S. 100 185 Wadlinger, C. (Leitbild gesucht 2002), S. 6 186 vgl. Icon Business Consulting (Maskulinitätsindex 2001), S. 7 f. 187 Bierhoff-Alfermann, D. (Androgynie 1989), S. 19 188 vgl. Icon Business Consulting (Maskulinitätsindex 2001), S. 8 189 vgl. Gehling, R. (Männlichkeit 1998), S. 105 183 29 Der „neue Mann“ vereinigt „eine starke Männlichkeit mit weiblichen Eigenschaften wie Gefühl und Einfü hlungsvermögen.“ 190 Für sein Selbstbild versucht er, „beide Anteile in eine ausgewo gne Balance zu bringen.“ 191 Das Männerbild des „neuen Mannes“ wird in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit zunehmend positiv beurteilt. 192 2.4.2.2 Wandel der Geschlechterrollen Durch den Einfluss der Frauenbewegung und ihrem Anspruch auf Gleichberechtigung, durch Entkopplung von Geschlecht und Berufswahl sowie durch eine Anpassung an das neue, durch Wertewandel geprägte Weltbild hat sich ein ganz neues Männerbild entwickelt. Traditionelle Rollenmuster befinden sich „in einem Aufweichungsprozess und werden – obschon alters- und schichtspezifisch abgestuft – zunehmend kritisch-reflexiv hinterfragt und problematisiert.“ 193 Solange Frauen nur selten am Arbeitsmarkt partizipierten, gab es für die meisten Männer eine Trennung von beruflicher und privater Sphäre. Während Männer in der Arbeitswelt als aktive Konstrukteure auftraten, waren sie im privaten Bereich traditionellerweise zumeist Konsumenten. Für Männer bedeutet die Loslösung von traditionellen Rollenmustern demnach auch eine aktivere Gestaltung der privaten Sphäre. 194 Sie werden gezwungen, ein neues Verständnis zu entwickeln, „und es gibt bereits deutliche Anzeichen dafür, dass ein neues, positives Leitbild entsteht, das den neuen Anforderungen gewachsen ist.“195 Bereiche wie Gesundheit, Kosmetik, Mode oder Fitness, Lebenskraft auch im „Alter“ und die Familie prägen neuerdings den Alltag vieler Männer. 196 190 Icon Business Consulting (Maskulinitätsindex 2001), S. 8 Gehling, R. (Männlichkeit 1998), S. 106 192 vgl. ebenda, S. 106 193 Fischer, L./Wiswede, G. (Sozialpsychologie 1997), S. 458 194 vgl. Kern, J. (Singles 1998), S. 46 f. 195 GQ (Die GQ Männerstudie 2002), S. 6 196 vgl. Oehl, H. (Zielgruppe Männer 2002), S. 73 191 30 Dass die Rolle der Männer in der Erziehung stetig an Bedeutung gewonnen hat, verdeutlicht der Trend, dass von 1972 bis 1992 „der Anteil der alleinerziehenden ledigen Väter fast um das Zehnfache gestiegen“ 197 ist. Als Indikator für zukünftige Veränderungen zeigt die ShellJugendstudie auf, wie die junge Generation u.a. über geschlechtsspezifische Fragestellungen denkt. Die Studie stellt u.a. eine weitgehende Angleichung bei jungen Frauen und Männern fest. Typisch weibliche sowie typisch männliche Lebensmuster scheint es hiernach kaum noch zu geben. Familien- und Berufsorientierung und das Verständnis von Partnerschaft sind Felder, in denen die Übereinstimmungen zwischen den Geschlechtern groß zu sein scheint. 198 Der Wertewandel in der Jugend wird allerdings besonders von den Mädchen gestützt. Junge Frauen nähern sich teilweise männlichen Stereotypen an. So ist „Karriere machen“, „sich selbständig machen“ und „Verantwortung übernehmen“ für sie genauso wichtig wie für Jungen. 199 Dennoch gibt es traditionell von Männern dominierte Bereiche wie Technik, Computerspiele und Sport. Interessen wie Einkaufsbummel, Spazieren gehen und soziales Engagement werden weiterhin eher mit Mädchen als mit Jungen assoziiert. 200 197 Zander, M. (Geschlechterverhältnis 1997), S. 57 vgl. Fischer, F./et al. (Jugend 2000), S. 11 199 vgl. Hurrelmann, K./Albert, M. (Jugend 2002), S. 4 200 vgl. Fischer, F./et al. (Jugend 2000), S. 11 198 31 3. Empirische Untersuchung In welcher Weise der Mann in den vorliegenden Anzeigen dargestellt wird, gilt es im Folgenden nach quantitativen Gesichtspunkten zu untersuchen. Diese Entscheidung bedeutet aber nicht, dass in diesem Abschnitt die Darstellung von Männern nur deskriptiv vorgenommen wird. Mögliche Begründungszusammenhänge sollen involviert werden. 3.1 Hypothesenformulierung Hypothesen sind im Allgemeinen „Vermutungen über einen bestehenden Sachverhalt.“ 201 In der vorliegenden Arbeit werden Hypothesen über Veränderungen diverser Variablen wie z.B. Aussehen der dargestellten Männer in den beiden Erhebungszeitpunkten formuliert. Die Darstellung des Produktes und das Abbilden von Menschen gehört zu den am meisten verwendeten Motiven in der Anzeigenwerbung. 202 In dieser Arbeit wird nun untersucht, wie oft insbesondere Männer als Anzeigenmotiv fungieren und ob sich „die in der Literatur gefundene Überrepräsentation von Männern in den Medien“ 203 auch in den Anzeigen der Zeitschriften „Stern“, „Brigitte“ und „Kicker“ wiederfinden lässt. Die Hypothese H1 lautet: Es werden in den Anzeigen der Jahre 2001/02 mehr Männer als Frauen abgebildet. Im Weiteren wird ein Anstieg der Darstellung von Männern vermutet. Eine Aufgabe des Marketing ist, seine Zielgruppen neuen gesellschaftlichen Strukturen anzupassen. Während „der Einkauf“ früher in erster Linie von Frauen erledigt wurde, stehen „heute“ immer häufiger Männer an der Ladenkasse.204 Dies ist u.a. auf das veränderte Selbstverständnis der Männer, die neue Rollenverteilung innerhalb der partnerschaftlichen 201 Diekmann, A. (Empirische Sozialforschung 1998), S. 107 vgl. Stark, S. (Stilwandel von Zeitschriften 1992), S. 175 203 Brosius, H.B./Staab, J.F. (Emanzipation in der Werbung 1990), S. 296 204 vgl. Oehl, H. (Zielgruppe Männer 2002), S. 82 202 32 Beziehung sowie auf die gestiegene Anzahl von Singlehaushalten zurückzuführen. Aufgrund dieser neuen Zielgruppendefinitionen wird in Hypothese H2 die Vermutung formuliert, dass immer hä ufiger mit Männern für Produkte des täglichen Bedarfs sowie Mode- oder Kosmetikprodukte geworben wird. In der Vergangenheit wurde im Allgemeinen Schönheit und Attraktivität als gesellschaftliche Anforderung und damit als wicht iges Element der Selbstwahrnehmung i.d.R. mit Frauen in Verbindung gebracht. 205 Dies hat sich in den letzten Jahren geändert. So wie Frauen in männliche Lebenswelten vorgedrungen sind, erschließen sich Männer nun traditionell weibliche Sphären wie z.B. die Mode und entwickeln ein ganz neues Selbstverständnis bzgl. ihres Aussehens und ihrer Attraktivität. 206 Die Hypothese H3 nimmt daher an, dass Männer zunehmend attraktiv und jung dargestellt werden. Anderseits kritisiert Schönert, dass noch zu oft die Vorstellung vorherrscht, Werbung müsse unbedingt positiv sein. Sie müsse Wunschvo rstellungen wecken und „dürfe nicht das zeigen, was ist, sondern was der Verbraucher sich erträumt.“ 207 Diese Art von Darstellung wirkt auf Dauer unglaubwürdig und führt zu Gleichgültigkeit gegenüber der Werbung. In Amerika werden, so Schönert, die Menschen nicht immer nur jung und hübsch, sondern auch mit „Makeln“ dargestellt. Die Werbung sei dort realistischer, menschlicher und dadurch erfolgreicher. 208 Die Hypothese H 4 behauptet nun, dass dieser Trend auch in der deutschen Zeitschriftenwerbung zu beobachten ist. Das Männerbild in der Anzeigenwerbung ist „gegenwärtig“ realistischer als in den Jahren 1971/72. 205 vgl. Thoms, U. (Schönheitsideale in der Werbung 1995), S. 245 vgl. GQ (Die GQ Männerstudie 2002), S. 42 207 Schönert, W. (Werbung, die ankommt 1996), S. 58 208 ebenda, S. 58 206 33 Durch den zunehmenden Wohlstand in der Gesellschaft haben sich die Konsumgewohnheiten der Menschen geändert. 209 Da der technische funktionale Kernnutzen zunehmend an Bedeutung verliert, wird versucht, die Anzeigen aktivierender zu gestalten, um dem Produkt einen emotionalen Zusatznutzen zu geben. 210 Es wird daher in der Hypothese H5 angenommen, dass Erlebniswerte wie Lebensfreude und Freiheit im Zeitvergleich häufiger kommuniziert werden, während funktionale Leistungsmerkmale zunehmend seltener von Männern beworben werden. Unter der „Annahme einer allmählichen Konvergenz der Geschlechterrollen im Laufe der Zeit“ 211 wird in Hypothese H 6 angenommen, dass in den Anzeigen klassische Männertypen zunehmend von „neuen“ Männerbildern212 verdrängt werden. Der Mann wird z.B. zunehmend in der Ausübung traditionell weiblicher Tätigkeiten, speziell in der Erzieherrolle dargestellt. 3.2 Zur Methode der Inhaltsanalyse Die Werbeanzeigen werden in erster Linie quantitativ untersucht, das heißt, die Häufigkeit bestimmter Variablen wird festgestellt. 213 Die quantitative Vorgehensweise hat den Vorteil, dass Vergleichbarkeit erzeugt und Informationen verdichtet werden. Da allerdings wichtige Variablen wie „Körpermerkmale“, „Werbestile“ oder „Männertypen“ „nur“ nominal skaliert sind, 214 beschränken sich die Informationen aus der Messung i.d.R. auf den am häufigsten codierten Wert, den Modalwert. 215 Das alleinige Aufzählen der Häufigkeiten ist daher nicht differenziert genug, so dass die Darstellung des Mannes auch qualitativ beschrieben wird. 216 209 siehe hierzu Kapitel 2.1.5 „Tendenzen in der Anzeigenwerbung“ vgl. Meffert, H./Burmann, C./Koers, M. (Markenmanagement 2002), S. 115 211 Mayer, Hans (Werbepsychologie 1993), S. 215 212 siehe hierzu 2.4.2.1 „Die männlichen Geschlechterrollen“ 213 vgl. Mayntz, R./Holm, K./Hübner, P. (Empirische Soziologie 1978), S. 161 214 Nominal skalierte Kriterien erlauben nur die Klassifizierung von Ausprägungen, nicht aber das Bilden von Rangfolgen oder Verhältnissen. Die Zuordnung von Zahlen zu den Kategorien ist daher beliebig. vgl. Diekmann, A. (Empirische Sozialforschung 1998), S. 50 ff. 215 vgl. Kühnel, S.M./Krebs, D. (Statistik 2001), S. 29 216 vgl. Merten, K. (Inhaltsanalyse 1983), S. 49 210 34 Bei dieser Form der Analyse tritt bei der Codierung sowie bei der qualitativen Interpretation das Problem der Subjektivität auf. 217 Um die Reliabilität218 der Variablen zu bestimmen, wurden daher sechs weiteren Codierern fünf Anzeigen vorgelegt und auf die jeweils fünfzehn Variablen untersucht. Es wurde bei der Auswahl der Codierer darauf geachtet, dass sie Kenntnisse im Bereich Marketing besitzen. Insgesamt liegt die Übereinstimmung der Codierungen, einschließlich formaler Kriterien, bei 88 Prozent. 219 3.3 Material und Untersuchungszeitraum Die Untersuchung wurde auf Anzeigenwerbung beschränkt. Ein Grund hierfür liegt darin, dass sich Anzeigen aus Zeitschriften als Untersuchungsgegenstand für empirische Analysen gut eignen. Sie sind sehr attraktive Werbeträger 220 und außerdem vollständig archiviert und daher gut zugänglich. Um mögliche Veränderungen im Männerbild zu erfassen, wurde nach einem Erhebungszeitraum in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gesucht, in dem sich die politische und ökonomische Situation in Deutschland weitgehend stabilisiert hatte 221 und der sich zum anderen vor dem Höhepunkt der weiblichen Emanzipationsbewegung Mitte der 70er Jahre befand. 222 Die Jahre 1971/72 schienen daher geeignet und bilden im Folge nden den ersten, die Jahre 2001/02 den zweiten Erhebungszeitpunkt. Bei der Auswahl der Zeitschriften wurde erstens ein Titel gesucht, der kontinuierlich seit den 70er Jahren erscheint und zweitens eine quantitativ große Bedeutung als „General-Interest-Titel“ aufweist. Hierunter werden Zeitschriften verstanden, die mit allgemeinen 217 vgl. Hansen, R. M. (Informationsgehalt von Werbeanzeigen 1975), S. 114 Diekmann, A. (Empirische Sozialforschung 1998), S. 217: „Die Reliabilität eines Messinstruments ist ein Maß für die Reproduzierbarkeit von Messergebnissen.“ 219 siehe hierzu im Anhang „Tabelle zu Abschnitt 3.2“ 220 siehe hierzu auch 2.1.3 „Printanzeigen“ 221 vgl. Kellner, J./et al. (50 Jahre Werbung in Deutschland 1995), S. 97 222 vgl. Zurstiege, G. (Männlichkeit in der Werbung 1998), S. 67 218 35 Themen eine große Leserschaft ansprechen223 und somit von großer Bedeutung als Werbeträger sind. Durch die hohe Anzahl kontaktierter Personen gibt es Ähnlichkeiten zwischen der Struktur der Leserschaft und der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung. 224 Die breite thematische Vielfalt ist ein Grund dafür, dass in einem „General-Interest-Titel“ für eine größere Auswahl von Produktgruppen bzw. Wirtschaftsbereichen geworben wird als in Zeitschriften mit weniger oder spezifischeren Themenbereichen. 225 Diese zwei Kriterien erfüllt am besten die Zeitschrift „Stern“. 226 Der „Stern“ erschien erstmals am 1. August 1948 227 und ist „he ute“ mit wöchentlich 7,91 Millionen Lesern228 die reichweitenstärkste Publikumszeitschrift in Deutschland. Er erreicht alle Altersgruppen und wird zu 55 Prozent von Männern und 45 Prozent von Frauen gelesen, also von beiden Geschlechtern präferiert. 229 In der Media Analyse 2002/II wird hierzu angemerkt: „Positiv fällt auch die hohe Reichweite des „Stern“ bei den Frauen ins Auge. Dies besonders vor dem Hintergrund der zunehme nden Bedeutung gemeinsamer Kaufentscheidungen in Partnerscha ften.“ 230 Von der Zeitschrift „Stern“ gingen zehn Ausgaben der Jahre 1971/72 sowie zehn Ausgaben der Jahre 2001/02 in die Datenbasis ein. Es wurden insgesamt 1.530 Anzeigen des „Stern“ codiert, von denen 773 auf den ersten Erhebungszeitpunkt und 757 Anze igen auf den zweiten Zeitraum entfallen. 231 223 vgl. Kloss, I. (Werbung 2000), S. 262 vgl. Wehner, C. (Überzeugungsstrategien in der Werbung 1996), S. 62 225 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 224 226 vgl. Wehner, C. (Überzeugungsstrategien in der Werbung 1996), S. 62 227 vgl. Stern (Werbung im Stern 1998), S. 108 228 Anm. d. Verf.: Dies entspricht 12,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. 229 vgl. Media Analyse (Stern in der MA 2002), S. 6 230 ebenda, S. 11 231 Anm. d. Verf.: eine genaue Auflistung der codierten Ausgaben ist im Anhang zu finden 224 36 Dass der Datensatz der beiden Messzeitpunkte trotz gleicher Ausgabenanzahl nicht aus der gleichen Anzeigenmenge besteht, wurde nicht als Problem eingeschätzt, da zum einem ausschließlich Prozentzahlen für die Auswertung relevant sind und andererseits auch die unterschiedliche Anzeigenmenge eine Erkenntnis darstellt. Auch wenn nur Anzeigen codiert wurden, deren Format mindestens 40 Prozent einer Seite ausmachte, fällt auf, dass im Zeitverlauf die Anzeigen deutlich größer wurden. Zum Teil gehen die Formate „heute“ über zwei oder mehr Seiten. 232 Im Weiteren soll das Bild des Mannes in Zeitschriften betrachtet werden, deren Zielgruppe in erster Linie Männer bzw. Frauen sind: Welches Männerbild wird dargestellt, um explizit Männer bzw. Frauen auf die beworbenen Produkte aufmerksam zu machen? Um auch in diesem Fall Veränderungen beschreiben zu können, wurde nach zwei Zeitschriften gesucht, deren primäres Zielgruppenmerkmal das Geschlecht ist und bereits 1971/72 auf dem Markt waren sowie „gegenwärtig“ noch erhältlich sind. Als Titel, der sich für die Zielgruppe Frauen positioniert, wurde die „Brigitte“ gewählt und als Zeitschrift, die in erster Linie von Männern gekauft wird, wurde der „Kicker“ untersucht. Die Frauenzeitschrift „Brigitte“ ging mit fünf Ausgaben aus den Jahren 1971/72 bzw. 288 Werbeanzeigen in die Arbeit ein und wurde fünf gegenwärtigen Ausgaben mit insgesamt 318 Anzeigen gegenübergestellt. Die gleiche Anzahl von Ausgaben wurde auch beim „Kicker“ untersucht. Der „Kicker“ als „Special-Interest- Titel“ erreicht im Wesentlichen eine männliche Leserschaft, die sich für das redaktionelle Schwerpunktthema Fußball interessiert. 233 232 233 vgl. Brosius, H.B./Staab, J.F. (Emanzipation in der Werbung 1990), S. 295 vgl. Breyer, C. (Zielgruppe Männer 2001), S. 50 37 Es wurden 94 Anzeigen aus fünf Exemplaren des „K ickers“ der Jahre 1971/72 mit 88 Werbeanzeigen aus fünf aktuellen Ausgaben verglichen. Insgesamt sind somit 2.319 Werbeanzeigen aus vierzig Ausgaben der genannten Zeitschriften in die Analyse eingeflossen. Es wäre im Weiteren interessant gewesen, neue Zeitschriftentitel wie „Men`s Health, „GQ“, „Maxim“ oder die „FHM“ in die Analyse einzubeziehen, da gerade solche Lifestyle-Magazine auf das neue Männerbild reagieren, bzw. es unterstützen. Diese Titel sind jedoch erst seit einigen Jahren auf dem Markt, zum anderen finden sich gerade mal 10 bis 15 Prozent der Anzeigen in solche n „Männer- Lifestyle-Titeln“ wieder. Im Gegensatz zu Frauen scheinen sich Männer weniger über geschlechtsspezifische Themen, als über Interessensgebiete zu definieren und kaufen daher eher den „Kicker“ als ein Lifestyle-Magazin. 234 234 vgl. Breyer, C. (Zielgruppe Männer 2001), S. 50 38 4. Ergebnisanalyse Im Folgenden wird das Männerbild in der Anzeigenwerbung anhand der vorliegenden Zeitschriften mit Hilfe formaler und inhaltlicher Kriterien untersucht. Es wird dabei zumeist das Mehrheitsbild der Männer beschrieben, ohne explizit auf Generations- und Schichtunterschiede einzugehen. Nur am Rande sei angemerkt, dass die Kategorie „keine Angabe möglich“ der Übersichtlichkeit halber nie in die Grafiken integriert worden ist, obwohl sie im Rahmen der Codierung natürlich vorhanden war. Eine detaillierte Auflistung der Daten sowie weitere Bilder befinden sich im Anhang dieser Arbeit. 4.1 Formale Kriterien Die insgesamt 2.319 Anzeigen wurden zunächst auf formale Merkmale untersucht. 4.1.1 Häufigkeiten von Männern in Anzeigen Im „Stern“ sind zum ersten Erhebungszeitpunkt mit 43 Prozent genauso viele Männer zu sehen wie in den Jahren 2001/02. Sie werden „heute“ im „Stern“ und besonders im „Kicker“ häufiger als Frauen abgebildet. Nur in der „Brigitte“ sind Männer in der Unterzahl. 235 Im Folgenden wird der Fragestellung nachgegangen, mit wem Männer zusammen zu sehen sind und ob sie als Protagonisten oder eher als Statisten der Anzeige dienen. Hierzu wurden vier Kategorien gebildet. Sind „Männer alleine oder unter sich“, „Männer und Frauen zusammen“, „Frauen alleine oder unter sich“ oder „gar keine Menschen“ dargestellt. In der Zeitschrift „Stern“ sind „heute“ 50 Prozent mehr Männer „alleine oder unter sich“ zu sehen als dreißig Jahre zuvor. Die steigende Anzahl ging dabei in erster Linie auf Kosten der Darstellung von Mann und Frau zusammen. 235 siehe hierzu „Tabellen zu Abschnitt 4.1.1“ im Anhang 39 2001/02 werden im „Stern“ 30 Prozent weniger Männer mit einer Frau abgebildet als in den Jahren 1971/72. Auch in der Zeitschrift „Kicker“ ist die Anzahl der dargestellten Männer mit ca. 48 Prozent fast gleich geblieben. Erwähnenswert ist die seltenere Darstellung von Frauen in dieser Zeitschrift. Nur in 7,9 Prozent der Anzeigen sind „heute“ Frauen abgebildet. Wie im „Stern“ werden auch im „Kicker“ immer weniger Männer in Verbindung mit Frauen gezeigt und stattdessen häufiger „alleine oder unter sich“. Ein ähnlicher Trend ist auch in den Anzeigen der Brigitte zu beobachten. Zwar werden in den Ausgaben der Jahre 2001/02 rund 50 Prozent mehr Männer „alleine oder unter sich“ gezeigt, jedoch 45 Prozent weniger Männer mit einer Frau abgebildet. In allen drei Zeitschriften werden Männer somit seltener mit dem anderen Geschlecht dargestellt. Dies könnte mit gesellschaftlichen Individualisierungstendenzen, dem Trend zu Single-Haushalten236 oder mit der vermehrten Verwendung direkter Aufnahmen in der Menschendarstellung erklärt werden: Die einzelne Person wird öfter als Individuum abgebildet, und es wird häufiger über die Großdarstellung von Gesichtern kommuniziert. 237 Im Weiteren wird untersucht, ob der Mann häufiger als Protagonist oder als Statist in den Anzeigen dargestellt wird. Wenn Männer abgebildet sind, stehen sie in den „gegenwärtigen“ Ausgaben des „Stern“ und des „Kicker“ in jeweils 69 Prozent und in der „Brigitte“ in 63 Prozent der Anzeigen im Vordergrund. Dass im „Stern“ 33 Prozent mehr Männer als Protagonisten zu sehen sind, kann als eine positivere Bewertung des männlichen Geschlechts als Kommunikator in der Anzeige nwerbung gedeutet werden. 236 237 vgl. Meffert, H./Burmann, C./Koers, M. (Markenmanagement 2002), S. 105 vgl. Stark, S. (Stilwandel von Zeitschriften 1992), S. 177 40 Auch in den beiden geschlechtsspezifischen Zeitschriften ist dieser Trend zu beobachten. Im „Kicker“ werden 13 Prozent und in der „Brigitte“ 65 Prozent mehr Männer als Protagonisten dargestellt. 4.1.2 Beworbene Produkte und Dienstleistungen Den Einfluss von Männern und Frauen auf die Kaufentscheidung untersuchte Davis & Rigaux im Jahr 1974. Dass Ehemänner sich häufiger um Geldanlagen oder Versicherungen kümmerten und den größeren Einfluss bei der Kaufentsche idung von technischen Produkten wie dem Auto hatten, 238 entsprach dem damaligen Ro llenstereotyp. 239 Aufgrund dieser und weiterer Studien stellten Kroeber-Riel und Weinberg fest, dass der Einfluss des Mannes umso stärker ist, wenn es „um den Kauf von Gebrauchsgütern geht, die außerhalb des Hauses benutzt werden (wie Rasenmäher) oder technisch sehr komplex sind (wie Autos).“ 240 Ob diese Aussage auch „heute“ noch gilt ist allerdings fraglich. Die Rollenzuschreibung, das nur der Mann für technische Angelegenheiten zuständig ist, gilt in dieser Eindeutigkeit sicher nicht mehr. 241 Trotz dieses Wandels und eines stärkeren Interesses der Männer für Mode und ihren Körper, interessiert sich die Masse der Männer immer noch für Autos, technische Produkte 242 und die Männerdomäne Fußball. 243 In den neueren Ausgaben des „Stern“ wird daher in über 13 Prozent der Anzeigen in denen Männer zu sehen sind, für Autos bzw. Autozubehör geworben. Neben der Autobranche werden auch Produkte wie Finanzanlagen, Versicherungsprodukte oder Ba nken häufig von Männern beworben. Die Werbemacher scheinen dem männlichen Geschlecht immer noch eine einflussreiche Rolle als Kommunikator für solche Produkte zuzuschreiben. 238 Davis, H.L./Rigaux, B.P. (Perception of Marital Roles 1974), S. 53 ff. vgl. Wiswede, G. (Wirtschaftspsychologie 2000), S. 335 240 Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. (Konsumentenverhalten 1999), S. 454 241 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 66 242 vgl. Breyer, C. (Zielgruppe Männer 2001), S. 48 ff. 243 vgl. Wadlinger, C. (Leitbild gesucht 2002), S. 07 239 41 Vor allen Dingen in der „Brigitte“ werben Männer häufig für diese Produktgruppen. Z.B. ist der Anteil an Anzeigen für „Kfz und Zubehör“ in denen Männer zu sehen sind von 1,4 auf 18 Prozent gestiegen. Besonders signifikant ist im weiteren der Anstieg von beworbenen Produkten aus der Medien- und verständlicherweise aus der EDVBranche, während Alkohol und Tabakwaren sehr viel seltener beworben werden. Während 2002 über umfangreiche Beschränkungen der Tabakwerbung nachgedacht wird, 244 wurde 1972 noch besonders stark für diese Branche in Zeitschriften geworben. Dies lag daran, dass die Tabakindustrie freiwillig auf Fernsehwerbung verzichtete und somit ihre Werbemittel umschichtete. 245 Gerade in der Tabak- und Alkoholwerbung wurde zum ersten Erhebungszeitpunkt geschlechtsspezifisch kommuniziert. „Vielen Zigarettenmarken entAbb. 3: „Whisky der Unbestechlichen“, 1972 sprach je ein bestimmter Männertyp.“ 246 Ein echtes „Männerleben“ war ohne Tabak und Alkohol nicht vorstellbar. Die Freude am Ra uchen und Trinken war eine männliche Freude. 247 Dieses Klischee existiert „heute“ in der Anzeigenwerbung in dieser Form nicht mehr. 248 Von 6,9 auf 4,1 Prozent gefallen ist der Anteil der Anzeigen im „Stern“, die „Kosmetika explizit für den Mann“ bewerben. Allerdings ist diese Aussage zu relativieren, da mit dieser Kategorie auch Produkte wie Rasierapparate, Klingen und Rasierschaum codiert wurden. Besonders zum ersten Erhebungszeitpunkt wurde in der Werbung auf die technische Entwicklung in diesem Segment aufmerksam gemacht. Der Mann wurde außerdem höchstens bei der Verwendung von Körperpflegemitteln wie Rasiercreme, Mundwasser oder Zahnpasta dargestellt.249 244 vgl. Braunschweig, S. (Tabakverbot 2002), S. 9 vgl. Wenig, D. (Werbung für den blauen Dunst 1998), S. 40 246 Hättenschwiler, D. (Der konsumierte Mann 1998), S. 224 247 vgl. Falconnet, G./Lefaucheur, N. (Mann 1977), S. 30 248 siehe hierzu „Bildbeispiele B1“ im Anhang 249 vgl. Hättenschwiler, D. (Der konsumierte Mann 1998), S. 226 f. 245 42 Es war 1971/72 einfach nicht üblich, dass der Mann als „Herr der Familie“ Duftwasser, mit Ausnahme sehr herber Rasierwasser, benutzte. 250 In den „heutigen“ Anzeigen ist Parfümwerbung für Männer dagegen wesentlich häufiger zu finden als für Rasierapparate bzw. für moderne Elektrorasierer. 2001/02 versuchen die Werbetreibenden gerade in dieser Branche mit mehr oder weniger bekleideten Männern zu kommunizieren. Gerade Anzeigen und Produkte aus dem Bereich der Kosmetik, aber auch Produktkategorien aus dem Bereich Mode, wie Kleidung oder Uhren, sind vielfach geschlechtsbezogen Abb. 4: Unterwäschenwerbung, 2001 gestaltet. Dies wird durch das Design der Anzeigen und Produkte offe nkundig. 251 Die Gewichtung von Anzeigen solcher Branchen hängt daher in hohem Maße von der anvisierten Zielgruppe eines Titels ab. So liegt der Anteil der geschalteten Anzeigen im „Kicker“ für „Kosmetika explizit für den Mann“ und „Text ilien“ bei jeweils 9,5 Prozent. Dieser Anteil ist in Anbetracht der 29 codierten Produk tkategorien sehr hoch. Nur für Autos wird dort häufiger mit Männern geworben. Wurden bis hierhin alle 2.319 Anzeigen betrachtet, werden im Folgenden nur noch Anzeigen codiert, in denen Männer zu sehen sind. 4.1.3 Alter Das Lebensalter der dargestellten Männer lässt sich durch den Einfluss subjektiver Eindrücke nur schätzen. Auf Grund möglicher Fehleinschätzungen wurde daher eine eher grobe Einteilung vorgenommen. 250 251 vgl. Kreutzer, D. (Männer in der Werbung 1999), S. 64 vgl. Zellerhoff, C. (Geschlechtsspez. Produktpositionierung 2001), S. 107 43 Kinder werden zum zweiten Erhebungszeitpunkt mit 7,8 Prozent mehr als doppelt so oft in den Anzeigen der Zeitschrift „Stern“ abgebildet als Anfang der Siebziger. Sie tauchen in der Werbung nicht zuletzt deswegen auf, weil der Adressat mit Ihnen Authentizität und Spontaneität verbindet. 252 Da diese Arbeit aber das Bild der Männer untersucht, werden Anzeigen nur dann weiter codiert, wenn das geschätzte Alter mindestens vierzehn Jahre beträgt. Junge Männer werden in dieser Arbeit berücksichtigt, da sie als jugendliche Konsumenten immer mehr an Bedeutung gewinnen. 253 Gerade junge Menschen sollen vermehrt von der zune hmenden Freizeit- bzw. Erlebniskonsumbewegung angesprochen werden. 254 Da sie allerdings nur ganz selten abgebildet werden, kann vermutet werden, dass diese Ansprache nur bedingt über die hier untersuchten Zeitschriften geschehen soll. Wie die folgende Abbildung 5 zeigt, wurden drei weitere Altersgruppen gebildet. Die vier horizontal verlaufenden grünen Linien stellen den tatsächlichen Anteil einer Altersgruppe an der männlichen Gesamtbevölkerung des Jahres 2001 dar. 255 80,0% real Stern EP 1 60,0% Stern EP 2 Brigitte EP 1 40,0% Brigitte EP 2 20,0% Kicker EP 1 Kicker EP 2 0,0% 14-20 21-35 36-55 56 & älter Abb. 5: Alter der dargestellten Männer 252 vgl. Willems, H. (Glaubwürdigkeitsdramaturgie der Werbung 1999), S. 77 f. vgl. Dastyari, S. (Männlichkeit in der Werbung 1999), S. 46 254 vgl. Cölfen, H. (Werbeweltbilder im Wandel 1999), S. 210 f. 255 vgl. Statistisches Bundesamtes (Bevölkerung am 31.12.2000 nach Altersund Geburtsjahren 2001) 253 44 Waren zum ersten Erhebungszeitpunkt die eigentlichen Leistungsaktivisten in der Werbung mittleren Alters, also zwischen 36 und 55 Jahren, so zeigt die Untersuchung eine Trendwende auf. In jeder der drei Zeitschriften konnte eine Zunahme der Darstellung von jüngeren Männern aus der Altersgruppe der 21- bis 35Jährigen beobachtet werden. In den „gegenwärtigen“ Anze igen des „Stern“ sind 59 Prozent der Männer zwischen 21 und 35, was gegenüber den Jahren 1971/72 eine Steigerung von 37 Prozent entspricht. Im „Kicker“ wurden zum zweiten Erhebungszeitpunkt sogar 79 Prozent der Männer dieser Altersgruppe zugeordnet. Dies entspricht einer Zunahme von 72 Prozent. Das Klischee, dass die heutige Werbung in erster Linie junge Menschen abbildet, scheint sich tendenziell zu bestätigen. Allerdings ist ein weiterer Trend zu beobachten. Interessant gestaltet sich ein Blick auf die Werbefiguren in fortgeschrittenem Alter: Die Figuren jenseits der fünfzig sind fast immer männlich. Sie wurden 2001/02 weitaus häufiger abgebildet als dreißig Jahre zuvor. Ihr Anteil stieg im „Stern“ um mehr als das Dreifache von 2,8 auf 10 Prozent. Dies mag daran liegen, dass in den letzten Jahren, „vor dem Hintergrund eines stetigen Wachstums dieses Bevölkerungssegments“, 256 die Werbung versucht, auch Menschen der älteren Generation explizit anzusprechen. Der für das 19. Jahrhundert noch kennzeichnende Altersaufbau der Bevölkerung in Form einer „Pyramide“ ist durch demographische Veränderungen zunehmend der einer „Birne“ gewichen. 257 Während ein starker Rückgang bei den 14- bis 29-Jährigen sowie ein beträchtlicher bei den 30- bis 39Jährigen zu verzeichnen ist, nimmt die Zahl alter Menschen zu. Die ältere Zielgruppe gewinnt daher für die Werbung an Bedeutung. 258 256 Jäckel, M. (Die umworbene Gesellschaft 1998), S. 13 vgl. Statistisches Bundesamt (Datenreport 1999), S. 33 ff. 258 vgl. Darkow, M. (Werbung und Alter 2002), S. 30 257 45 Nur noch selten werben „ältere“ Männer für „altersexklusive“ Produkte wie medizinische Hilfsmittel oder Pharmazeutik. Mit 29 Prozent werben sie „heute“ am häufigsten im „Stern“ für Produkte wie Banken und Versicherungen. Das Lebensalter wird hier u.a. für die Erzeugung von Glaubwürdigkeit eingesetzt. Das „kollektive Wissen“ über das „Image der Alten“ wird genutzt, da gerade ältere Männer Klischees wie Re iAbb. 6: Vitaler alter Mann, 2001 fe, Erfahrenheit, Weisheit und Wohlstand repräsentieren. 259 Die Werbefigur „Dr. Best“ in der Werbung für die gleichnamigen Zahnbürsten ist ein bekanntes Umsetzungsbeispiel für den „älteren weisen Mann“. 260 Mit dieser „positiv konnotierten Symbolisierung des Alters“ 261 werden neben den bereits genannten auch Produktgruppen wie Büroartikel, EDV-Produkte, Medien und Autos beworben. Die dargestellten Männer wirken auffallend oft fit, aktiv und genussvoll. 262 Aufgrund der gewandelten Alters- und Kaufkraftstruktur der Bevölkerung ist für die Zukunft eine weitere Zunahme in der Darstellung von älteren Männern zu erwarten. 4.1.4 Kleidung und Grad der Bekleidung Den Mann nackt auf einer Fotografie zu zeigen, war bis Ende der 60er Jahre zumeist nur in Verbindung mit einem Feigenblatt oder medizinischen Kommentaren möglich. Auch in der Parfümwerbung trat der Mann nur sehr seriös im Smoking auf, bis der Modeschöpfer Yves Saint-Laurent 1971 die Welt schockieren wollte und sich für sein Markenzeichen „YSL Pour Homme“ nackt, in sitzender Pose, fotografieren ließ. 259 vgl. Willems, H. (Glaubwürdigkeitsdramaturgie der Werbung 1999), S. 77 f. vgl. Kroeber-Riel, W./Esch, F.R. (Strategie der Werbung 2000), S. 217 261 Thimm, C. (Alter in der Werbung 1998), S. 125 262 vgl. ebenda, S. 125 ff. 260 46 Mitte der achtziger Jahre war wohl das bekannteste Beispiel für den nackten Mann in der Werbung die Werbekampagne für „Davidoffs“ Männerduft „Cool Water“, in der ein muskulöser, anmutig wirkender Mann den südländischen Fluten entsteigt. Der Umsatz der Firma stieg daraufhin innerhalb eines Jahres um 12 Mio. DM an. 263 Anzeigen wie diese „enden dabei nicht selten an den Pinnwänden damenbestückter Großraumbüros. Das unerreichbare Ideal blickt nun auch dem Manne allerorten im Vierfarbdruck entgegen.“ 264 Als Folge solcher Kampagnen sowie der fortschreitenden Emanzipation und als Ergebnis einer neuen Geschlechterbeziehung stellt der leicht bekleidete oder nackte Mann ein Pendant zu den erotischen Abbildungen von Frauen dar. Dass männliche Werbemodels in den gegenwärtigen Anzeigen sehr viel häufiger nackt dargestellt werden als noch zum ersten Erhebungszeitpunkt, dokumentiert die folgende Grafik: 50,0% Stern EP 1 40,0% Stern EP 2 30,0% Brigitte EP 1 20,0% Brigitte EP 2 10,0% Kicker EP 1 0,0% Kicker EP 2 Anzug Arbeitskle idung Freizeitkle idung Sport- Bade-/Unter- nackt kle idung wäsche/ nackter OberAbb. 7: Kleidung der dargestellten Männer körper Wie Abbildung 7 zeigt, wurden zum ersten Erhebungszeitpunkt gar keine Männer vollständig nackt abgebildet. Im „Stern“ und im „Kicker“ sind „gegenwärtig“ 2,4 in der Brigitte 5,3 Prozent der dargestellten Männer vollkommen unbekle idet. Auffallend ist weiterhin, dass Männer immer seltener im Anzug, immer weniger in Arbeitskleidung und dafür wesentlich hä ufiger in Sportkleidung dargestellt werden. 263 264 vgl. Kreutzer, D. (Männer in der Werbung 1999), S. 65 ebenda, S. 65 47 Während in den Jahren 1971/72 Männer in der Freizeit durchaus auch einen Anzug trugen, ist durch Zunahme von Freizeitaktivitäten und einem Modewandel gegenwärtig Freizeit- und Sportkleidung immer häufiger in Anzeigen zu sehen. 265 In allen drei Titeln konnte diesbezüglich einen Anstieg beobachtet werden. Eine „kleine“ Ausnahme stellt hier der „Kicker“ dar. Hier sind weniger Männer in Freizeitkleidung zu sehen, es gibt aber einen signifikanten Anstieg bei der Abbildung von sportlich angezogenen Männern von 9,1 auf 48 Prozent. Wenn Sport- und Freizeitkleidung allerdings zusammen klassifiziert werden, bestätigt sich deutlich der Trend hin zu einer „lockeren“ und sportlicheren Herrenmode. 4.1.5 Körperliche Merkmale Wie sehen die dargestellten Männer in der Werbung aus? Aussehen und Körperlichkeit sind Bereiche, in denen Männer in der letzten Zeit einem Wandel unterworfen waren. Bis Ende der sechziger Jahre mussten Männer sich über diese Bereiche kaum Gedanken machen. Während sie sich als Beschützer oder erfolgreiche Versorger sahen, spielte Schönheit nur eine periphere Ro lle in der Selbstwahrnehmung. Muskeln war allenfalls ein Indikator für Stärke, jedoch nicht für Schönheit. Mit zunehmender Unabhängigkeit der Frauen, auch in finanzieller Hinsicht, 266 hat sich dieses Selbstverständnis der Männer geändert. „Heute müssen auch Männer attraktiv sein, um auf dem Partnermarkt Erfolg zu haben.“ 267 Schönert beschreibt den heutigen Mann in der Werbung daher „plakativ“ als jungen, ungewöhnlich hübschen Menschen, mit „Idealmaßen“, faltenfreiem Gesicht, keinen Leberflecken, keiner Brille und keinen Haarausfall. 268 „Alle haben ein makellos weißes Gebiss, das sie unentwegt ze igen, weil sie unentwegt fröhlich sind und lachen.“ 269 265 vgl. Hättenschwiler, D. (Der konsumierte Mann 1998), S. 227 vgl. GQ (Die GQ Männerstudie 2002), S. 34 267 ebenda, S. 34 268 siehe hierzu 2.1.4.3 „Die dargestellte Person als Kommunikator“ 269 Schönert, W. (Werbung, die ankommt 1996), S. 57 266 48 Dies spiegelt laut Schönert nicht die gesellschaftliche Realität wieder, da „90 Prozent aller Deutschen (..) weder besonders schön, noch besonders hässlich“ 270 sind. Die formulierten Hypothesen H3&4 vermuten einen Trend dahin, dass Männer in der ne ueren Anzeigenwerbung, je nachdem, für welches Produkt sie werben, zum einen attraktiver, zum anderen jedoch auch „realistischer“ dargestellt werden. 271 Diese Hypothese soll im Folge nden untersucht werden. Auch hier taucht das Problem der Subjektivität auf. Ob die Männer in der Werbung gutaussehend sind, lässt sich nur bedingt sagen, da eine solche Einschätzung des Schönheitsideals abhängig von der Zeit und der sozialen Gruppe bzw. Schicht ist. „Selbst ein einzelnes Individuum kann ganz unterschiedliche Ausprägungen der äußeren Erscheinung als schön empfinden.“ 272 So war in den Siebzigern das Tragen eines Schnurrbartes oder das Präsentieren der Brustbehaarung verbreiteter, moderner und daher auch sehr viel häufiger in den Anzeigen zu beobachten. „Heute“ dagegen scheinen durchtrainierte, unbehaarte Adoniskörper im Trend zu liegen. Um solche modischen und subjektiven Einflüsse nicht zu sehr in die empirische Untersuchung einfließen zu lassen, ist es notwendig, dass für die Analyse klar definierte, verifizierbare Kriterien benutzt werden. In diesem Abschnitt werden daher die Haare und die Figur der Männer beobachtet und codiert, da zu keinem der beiden Erhebungszeitpunkten eine Glatze oder ein dicker Bauch dem Schönheitsideal entsprach. Wie die folgende Abbildung 8 zeigt, wurde der Haarwuchs der abgebildeten Männer in drei Gruppen codiert. 270 Schönert, W. (Werbung, die ankommt 1996), S. 57 siehe hierzu 3.1 „Hypothesenformulierung“ 272 Thoms, U. (Schönheitsideale in der Werbung 1995), S. 245 271 49 80,0% Stern EP 1 60,0% Stern EP 2 Brigitte EP 1 40,0% Brigitte EP 2 20,0% Kicker EP 1 Kicker EP 2 0,0% dichtes Haar langes Haar Halbglatze/Glatze Abb. 8: Haarwuchs der dargestellten Männer Der überwiegende Teil der dargestellten Männer hat zu beiden Erhebungszeitpunkten dichtes Haar. Während 1971/72 allerdings kaum Männer mit dem Schönheitsmakel einer Halbglatze oder Glatze zu sehen waren, sind 2001/02 unabhängig von der Zeitschrift mehr Männer zu sehen, die keine volle Haarpracht aufweisen können. Im „Stern“ hat sich der Anteile der Männer mit lichtem Haar sogar auf 12,5 Prozent fast verfünffacht. Ein ähnlicher Trend ist bei der Variable „Körpereigenschaften der dargestellten Männer“ zu beobachten. Hierzu wurden zunächst vier Kriterien „füllig“, „durchschnittlich“, „muskulös“ und „hager“ gebildet. 273 Abbildung 9 zeigt, dass in allen drei Titeln eine Abnahme durchschnittlich gebauter Männer sowie eine überaus signifikante Zunahme von muskulös gebauten Männern, zu beobachten ist. 70,0% 60,0% Stern EP 1 50,0% Stern EP 2 40,0% Brigitte EP 1 30,0% Brigitte EP 2 20,0% Kicker EP 1 10,0% Kicker EP 2 0,0% füllig durchschnittlich muskulös hager Abb. 9: Körpereigenschaften der dargestellten Männer 273 vgl. Dastyari, S. (Männlichkeit in der Werbung 1999), S. 48 50 Die generelle Entwicklung einer höheren Bedeutung von Attraktivität und Fitness hat sich auch auf das Männerbild in den Anzeigen ausgewirkt. Die Ästhetisierung der gesamten Werbung führt dazu, dass auch zunehme nd männliche Schönheit als Objekt genutzt Abb. 10: Männliche Schönheit als Objekt, 2002 wird. 274 Oft ist sie „in puristischer Darbietung allein im nackten Körper präsent.“ 275 4.1.6 Räumliche Umgebung Um die räumliche Umgebung, in der der abgebildete Mann plagiiert wird, zu erfassen, wurden vier Kategorien gebildet. Er konnte sich entweder zu Hause, in seiner Berufswelt oder in einer Freizeitumgebung befinden. 276 45,0% Stern EP 1 Stern EP 2 30,0% Brigitte EP 1 Brigitte EP 2 15,0% Kicker EP 1 Kicker EP 2 0,0% Zu Hause Freizeit Berufswelt Abb. 11: Räumliche Umgebung der dargestellten Männer Wie die empirische Untersuchung zeigt, wird der Mann nur selten in seiner Berufswelt dargestellt, und wenn, dann ist dieser der Raum, in dem er sich selbst verwirklichen kann. 277 Zumeist wird er während seiner arbeitsfreien Zeit plagiiert. Dies könnte daran liegen, dass die meisten Konsumaktivitäten sich in der Freizeit ereignen und nicht in der Arbeitswelt. Außerdem kann argume ntiert werden, dass die Produkte Entspannung vom Alltagsstress des Berufstätigen darstellen. „Konsumerlebnisse lassen den grauen Alltag vorübergehend vergessen.“ 278 274 vgl. Thoms, U. (Schönheitsideale in der Werbung 1995), S. 281 Borstnar, N. (Männlichkeit und Werbung 2002), S. 98 276 Anm. d. Verf.: Die Codierung „Freizeitumgebung“ suggeriert die Darstellung des Mannes während einer Freizeitbeschäftigung 277 vgl. Borstnar, N. (Männlichkeit und Werbung 2002), S. 238 278 Szallies, R./Wiswede, G. (Wertewandel und Konsum 1991), S. 111 275 51 Im „Stern“ wurden zum ersten Erhebungszeitpunkt 30 Prozent der Männer während einer Freizeitbeschäftigung gezeigt. Da die Gestaltung der Freizeit seitdem an Bedeutung gewonnen hat, hat sich auch der Absatzmarkt für Produkte und Dienstleistungen für diesen Bereich weiterentwickelt. Dies könnte ein möglicher Grund dafür sein, dass sich der Anteil der in der Freizeit dargestellten Männer im „Stern“ auf 39 Prozent erhöht hat. Der Trend, den Mann zunehmend bei einer Freizeitbeschäftigung zu zeigen, ist auch im „Kicker“ und in einem noch deutlicheren Umfang in den Anzeigen der „Brigitte“ zu erkennen. In der „Brigitte“ werden mit 42 Prozent erheblich mehr Männer in ihrer Freizeit dargestellt als vor 30 Jahren. In Anbetracht dessen, dass im Durchschnitt 32 Prozent der Anzeigen keiner der Katego rien zugeordnet werden konnte, wirkt diese signifikante Zunahme noch bemerkenswerter. Daneben ist aber auch ein qualitativer Wandel von der Freizeitindustrie hin zu einer Erlebnisindustrie erkennbar. Konsumintensive Beschäftigungen machen Freude, bringen den meisten Genuss, und selbst der soziale Status kann vom Konsumverhalten in der Freizeit abhängen. 279 In der Werbung wird häufig Freizeit mit dem Wert „Freiheit“ verbunden. Wie häufig Freizeit als ein Produkt des Konsums in Verbindung mit abgebildeten Männern dargestellt wird, soll im nächsten Abschnitt näher betrachtet werden. 4.2 Verwendeter Werbestil Es wird im Folgenden untersucht, welche Werbestile verwendet werden, wenn Männer in einer Anzeige abgebildet sind. Werbestile können als „spezielle Klammerausdrücke aufgefasst werden, mit denen inhaltlich und formal ähnliche Werbemittelgestaltungsmaßnahmen zusammengefasst werden.“ 280 279 280 vgl. Szallies, R./Wiswede, G. (Wertewandel und Konsum 1991), S. 111 ff. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 344 52 Dies ist erforderlich, damit alle Werbeaktivitäten einer Marke von einem einheitlichen Erscheinungsbild geprägt sind und ein prägnantes Firmen- bzw. Markenimage entstehen kann. Formale Stilelemente können u.a. Formen, Farben, Firmen- Marken- oder Produktzeichen bzw. Symbole, Bilder sowie typographische Gestaltungselemente sein. 281 Unter inhaltlichen Werbemittelgestaltungsmaßnahmen werden zum einem Botschaftsstrategien wie der Werbeslogan oder der USP, 282 zum anderen Medienstrategien verstanden. Die Bildung eines Werbestils ist das Ergebnis einer prägnanten, sich von der Konkurrenz abhebenden, kontinuierlichen Werbestrategie, 283 die allerdings unter Beibehaltung konstanter Stilelemente immer mal wieder aktualisiert wird, um den gegenwärtigen Zeitgeist zu treffen. 284 Stern EP 1 Brigitte EP 2 Stern EP 2 Kicker EP 1 Brigitte EP 1 Kicker EP 2 20% 15% 10% 5% 0% Nobel-Stil Technische- LustigeLeistungs- Pfiff-Stil Stil GuteBeraterStil ErotikStil Freiheitund AbenteuerStil Abb. 12:Verwendete Werbestile Weuthen beschreibt siebzehn Werbestile und strukturiert sie nach den Folgenden „fünf Wirkfeldern“. 285 281 vgl. Schweiger, G./Schrattenecker, G. (Werbung 1992), S. 157 ff. Anm. d. Verf.: „unique selling proposition“ bzw. das „einzigartige Verkaufversprechen“ 283 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 559 284 vgl. Schweiger, G./Schrattenecker, G. (Werbung 1992), S. 163 ff. 285 Weuthen, I.G. (Werbestile 1988), S. 199 282 53 Der „Basar-Stil“ verhält sich in der Dimension „Wert“ disparat gegenüber dem „Nobel-Stil“. Während letzterer besonderen Wert auf die eher reservierte Besonderheits- und Ästhetikinformation legt, werden durch den z.T. aggressiv dargebotenen „Basar-Stil“ leistungsschwächere Produkte in erster Linie über Preisinformationen beworben. 286 Während der „Basar-Stil“ häufig in den Anze igen der Jahre 1971/72 verwendet wurde, wird er „gegenwärtig“ in nur 3,4 Prozent der Anzeige n des „Stern“ gebraucht. Der „NobelStil“ dagegen wird immer häufiger in Verbindung mit der Darstellung von Männern genutzt. Im „Stern“ stieg sein Anteil von 3,4 auf 8,8 Prozent an. Die Dimension „Zeit“ wird von dem vergangenheitsgeprägten, Sicherheit suggerierenden „Traditions-Stil“, dem zukunftorientierten „Future-Stil“, sowie dem gegenwartsbestimmten, Technik präsentierenden „Technische- Leistungs-Stil“ vertreten. 287 Während der „Future-Stil“ 1971/72 gar nicht codiert werden konnte, wurden der „Traditions-“ und der „Technische-Leistungs-Stil“ sehr häufig verwendet. Letzterer ist allerdings in den „gegenwärtigen“ Anzeigen der „Brigitte“ und „Kicker“ gar nicht mehr zu finden. Auch im „Stern“ sank der Anteil auf ein Drittel. Häufiger dagegen werden „originelle“ Werbestile in Verbindung mit der Darstellung von Männern verwendet. Die Dimension „Originalität “ wird durch den humoristischen und kreativen „Lustigen-Pfiff-Stil“, dem „Modern-Art-Stil“, dem „Snobistischen-Stil“, sowie dem „Individualistic-Stil“ repräsentiert. Der „Modern-Art-Stil“ unterscheidet sich von dem „Lustigen-PfiffStil“ durch eine noch kunst- und pha ntasievollere Gestaltung. 288 Er wird vor allen Dingen in der „Brigitte“ und dem „Kicker“ verwendet. 286 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 559 f. vgl. Weuthen, I.G. (Werbestile 1988), S. 199 288 vgl. ebenda, S. 224 ff. 287 54 Besonders signifikant ist die vermehrtere Verwendung des „Lustigen-Pfiff-Stils“. Als häufiges Motiv dient hier das Spiel mit klassischen Rollenverteilungen. Es werden kognitive Re ize 289 wie „normabweichende Gestaltungsmaßnahmen“ 290 eingesetzt, um die Anzeige humorvoll zu gestalten und dadurch die Aktivierung des Betrachters zu unterstützen. So trägt die Braut den Bräut igam über die Schwelle, eine adrett gekleidete Frau hilft einem Arbeiter in seiner Not, eine Frau chauffiert ihren Mann auf einem übergroßen Motorrad oder Carl Lewis startet mit Abb. 13: Normabweichende Gestaltungsmaßnahmen hochhackigen Damenschu- hen. 291 Es ist unumstritten, dass eine kreative, humorvolle Anzeige die Aufmerksamkeit der Betrachter erhöht und eine positive Auswirkung auf das Markenimage hat. Allerdings ist der letztendliche Einfluss von Humor auf das Käuferverhalten weitgehend ungeklärt. 292 Der „Snobistischen-Stil“ zeichnet sich aus durch seine Akzentuierung von Informationen, die für die meisten Menschen eher belanglos sind, der Zielgruppe aber Exklusivität signalisieren. 293 Er wird „gegenwärtig“ häufiger als vor dreißig Jahren verwendet. Ähnlich diesem Stil betont auch der „Individualistic-Stil“ das Besondere, bezieht sich aber noch stärker auf das Persönlichkeitsprofil des Verwenders. 294 Sein Anteil ist „heute“ im „Stern“ um das Siebenfache gestiegen. Dies bestätigt die in dieser Arbeit schon mehrfach erwähnten Individualisierungstendenzen der Männer, bzw. ihrer Darstellung in den Anzeigen. 289 siehe hierzu 2.1.4.1 „Aktivierung durch Bilder“ Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 347 291 vgl. Kriegeskorte, M. (Werbung im Wandel 1995), S. 221 292 vgl. Mayer, H. (Werbepsychologie 1993), S. 190 ff. 293 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 347 294 vgl. vgl. Weuthen, I.G. (Werbestile 1988), S. 242 290 55 Der „Solide-Stil“, der „Gute-Berater-Stil“, sowie der Natürlichkeit und Gesundheit suggerierende „Nature-Stil“ legen besonderen Wert auf den Aspekt der „Solidität“.295 Ähnlich dem „Soliden-Stil“ orientiert sich der „Gute-Berater-Stil“ an bekannten und bewährten Informationen. Die Werbung soll auf den Rezipienten vertrauensselig und glaubhaft wirken. Im Unterschied zum „Soliden-Stil“ liegt die Betonung auf dem Partnerschaftlichen, noch verstärkt durch die Darstellung einer beratenden Person. 296 Zum ersten Erhebungszeitpunkt dominierten gerade diese beiden Werbestile. Experten wie Ärzte, Zahnärzte, Apotheker usw. traten möglichst wissenschaftlich und kompetent auf. Arbeiter und Handwerker strahlten Fachwissen aus. Auch Interessenungebundenheit suggerierende Prominente nutzten ihre Popularität um als Ratgeber aufzutreten. 297 Der beratene Mann trug oft eine Brille, war häufig älteren JahrAbb.14: der „Berater-Stil“, 1971 gangs und durfte eine Glatze haben. 298 Während dieser Werbestil 1971/72 in 16 Prozent der Anzeigen verwendet wurde, findet dreißig Jahre später die „partnerschaftliche Belehrung“ 299 durch Männer nur noch halb so oft statt. Die Dimension „Atmosphäre“ wird durch den „Weltflair-Stil“, den „Romantik-Stil“, den „Erotik-Stil“, den „Freiheit- und Abenteuer-Stil“ und den „Geselligkeits-Stil“ repräsentiert. Besonders die Informationen über Anmutungsleistungen, also die emotionale Bindung zum Produkt bzw. der Dienstleistung, stehen hier im Vordergrund. „Die Internationalität der Produktverbreitung“, 300 die besondere Exklusivität des Produktes, die Verwendung internationaler Bildmotive, ist beim „Weltflair-Stil“ von Bedeutung. 301 295 vgl. Weuthen, I.G. (Werbestile 1988), S. 199 vgl. ebenda, S. 250 f. 297 siehe hierzu Abschnitt 2.1.4.3 „Die dargestellte Person als Kommunikator“ 298 vgl. Hättenschwiler, D. (Der konsumierte Mann 1998), S. 223 299 Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 560 300 Weuthen, I.G. (Werbestile 1988), S. 258 301 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 346 296 56 Immer häufiger entscheiden die Werbetreibenden, Männer auch in Anzeigen zu zeigen, die durch den „Erotik-Stil“ den Betrachter aktivieren sollen. Wurden im „Stern“ 1971/72 gerade mal zwei Anzeigen diesem Stil zugeordnet, sind es „gegenwärtig“ 13 Anzeigen bzw. 4,4 Prozent. Der vermehrte Einsatz von Männern als Blickfang stellt „eine neue Qualität des Einsatzes von Männlichkeit dar, die auf der Frauenseite schon länger bekannt war.“ 302 Dieser Trend ist in allen drei Titeln zu beobachten. „Erotik gehört zu den elementaren Bestandteilen der Kommunikation zwischen Menschen.“ 303 Es ist daher nur legitim, dass die Werbung „als Spiegel der Gesellschaft den Wandel auch in Sachen „Sexualmoral“ zu Zwecken der Marktkommunikation“ 304 verwendet. Zwei Werbestile wurden für die Analyse des Männerbildes „neu“ definiert. Der „Erfolgs-Stil“ und der „Familien-Stil“. Beide Stile beziehen sich in erster Linie auf inhaltliche Werbemittelgestaltungsmaßnahmen. Während der „Erfolgs-Stil“ erfolgreiche „Gewinnertypen“ darstellt, die aus eigener Kraft etwas besonderes geleistet haben, thematisiert der „Familien-Stil“ die glückliche Familie. Der „Familien-Stil“ ist durch Anmutungsinformationen geprägt. Im Mittelpunkt stehen Si- cherheits-, Vertrauens- und Geborgenheitsinformationen. Weniger zurückhaltend als der „Familien-Stil“ betont der „ErAbb. 15: Erfolgs- & Familien-Stil folgs-Stil“, neben emotionalen Produktversprechen wie „ein Gewinner sein“ oder „Erfolg haben“, stärker Sachleistungsinformationen. 302 Hättenschwiler, D. (Der konsumierte Mann 1998), S. 228 ZAW (Werbung in Deutschland 2002), S. 33 304 ebenda, S. 71 303 57 Als Bildzeichen dienen in beiden Werbestilen die realistische Abbildung von Menschen. Während im „Erfolgs-Stil“ erfolgreiche Personen dargestellt werden, symbolisieren im „Familien-Stil“, neben den glücklichen Eltern bzw. einem Elternteil, wenigstens ein Mädchen oder ein Junge das glückliche intrafamiliäre Beziehungsgeflecht. 305 Dementsprechend erfolgt die affektive Ansprache beim „Familien-Stil“ durch eine eher zurückhaltende Wortund Schriftzeichenwahl. 306 Diese ist beim „Erfolgs-Stil“ im Vergleich „aggressiver“ geprägt. 307 Beide Werbestile sind 2001/02 häufiger in den Anzeigen des „Stern“ zu finden. Vor allem im „Kicker“ werden mehr Anzeigen mit diesen Gestaltungsmöglichkeiten geschaltet als vor dreißig Jahren. 4.3 Gratifikationsversprechen Detaillierte Informationen für die Zielgruppenansprache bieten dem Marketing die Lebenswelten bzw. sozialen Milieus der Konsumenten. Die seit über zwanzig Jahren vom Sinus-Institut erhobenen Milieus beinhalten Aspekte wie soziale Lage, Freizeitgestaltung, Wünsche, Leitbilder etc. 308 Am stärksten sind nach dieser Studie 309 Männer in der Gruppe der Konsum-Materialisten, den Etablierten und den Hedonisten zu finden. 310 Während die „etablierten“ Männer zur gut ausgebildeten Elite gehören und sich mit ihren exklusiven Ansprüchen bewusst absetzen, versuchen sich die finanziell eingeschränkten „KonsumMaterialisten“ durch den Kauf relativ teurer Güter zu beweisen, dass sie mit der positiv bewerteten Aspirationsgruppe 311 mithalten können. 312 Es verwundert daher nicht, dass „heute“ sehr häufig 305 vgl. Goffman, E. (Geschlecht und Werbung 1981), S. 155 vgl. Koppelmann, U. (Produktwerbung 1981), S. 347 307 siehe hierzu „Bildbeispiele B2“ im Anhang 308 vgl. „Gefühlsstil“ in: Koppelmann, U. (Produkt marketing 2001), S. 76 ff. 309 Anm. d. Verf.: Es liegen die Studien für Gesamtdeutschland von 2001/02 vor. Ein Vergleich mit 1971/72 ist leider nicht möglich, da die Milieus erst seit 1979 für West- und später für Ostdeutschland separat erhoben werden. 310 vgl. Oehl, H. (Zielgruppe Männer 2002), S. 85 311 siehe hierzu 2.3 „Sozialisation durch Werbung“ 312 vgl. VuMA 2002 (Verbrauchs- und Medienanalyse 2002), S. 16 ff. 306 58 Gratifikationsversprechen wie Erfolg, Eleganz und Exklusivität kommuniziert werden. Dies passiert „heute“ zahlreicher als in den Jahren 1971/72. Signifikant öfter werden auch Produktversprechen wie „Freiheit“, „Abenteuer“ und „Spaß“ sowie neue, auffallende technische Lösungen313 in Verbindung mit der Darstellung von Männern verwendet. Sie sind zentrale Kategorien eines Trends zum Hedonismus, der sich in der „Suche nach Erlebnisqualitäten, dem Lus tprinzip und der nachlassenden Bereitschaft zur Beschränkung zugunsten langfristiger Ziele“ 314 äußert. Der Trend einer emotionaler werdenden Produktpositionierung315 ist somit auch in den Anzeigen zu erkennen, in denen Männer abgebildet werden. Informationen über Produkteigenschaften, Qualität und Leistung weichen der Darstellung emotionaler Erlebnisse. Zu deren Vermittlung dienen oft Markenfiguren, die durch ihre konnotierten Eigenschaften die Marke nicht nur unverwechselbar, sondern auch begehrenswert machen. Da die Werbefigur des „Marlboro“-Cowboys ein Symbol für Männlichkeit, Freiheit und Unabgängigkeit ist, 316 assoziiert man diese Attribute auch mit der Zigarettenmarke. 317 Kaum codiert wurden im weiteren erwartete Gratifikationsversprechen wie Gesundheit, Umweltverträglichkeit, physische Attraktivität und „Erfolg beim anderen Geschlecht“. Letzteres wurde sehr häufig in den Jahren 1971/72 als Verkaufsargument verwendet. Dank der beworbenen Produkte war der Mann „unwiderstehlich und herrlich männlich.“ 318 Auch wenn der Wunsch nach partnerschaftlicher Harmonie auch „heute“ noch von der Werbung aufgegriffen wird, ist das Produktversprechen „Erfolg beim anderen Geschlecht“ gegenwärtig in nur noch 2 Prozent der Anzeigen des „Stern“ zu finden. Vor dreißig Jahren war das ca. viermal so hä ufig der Fall. 313 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 79 Stark, S. (Stilwandel von Zeitschriften 1992), S. 63 315 siehe hierzu Abschnitt 2.1.5 „Tendenzen in der Anzeigenwerbung“ 316 vgl. Erfert, R. (Markenfiguren 1998), S. 56 317 siehe 2.3 „Marlboro“ Cowboy als Beispiel für emotionale Konditionierung 318 vgl. Falconnet, G./Lefaucheur, N. (Mann 1977), S. 39 314 59 4.4 Berufliche- und Soziale Rolle In dieser Arbeit wird zwischen sechs sozialen Rollen unterschieden. Dem Mann als Vater, als Großvater, in der Rolle des Ehemanns bzw. Partners, dem Mann als Sohn, als Freund und in der Rolle des Vorgesetzten. Zumeist sind die Männer als Partner, Väter oder Freunde in den Anzeigen zu sehen. Am häufigsten, wenn auch rückläufig, ist die Darstellung des Mannes als Partner. Zumeist wird die Beziehung als heile Welt dargestellt, in der zufriedene, gut aussehende Menschen gezeigt werden. Das Produkt fungiert hierbei entweder als Zeichen der Zuneigung oder als bedeutendes Kriterium für das partnerschaftliche Glück. Eine weitere Variable beschreibt nun die Beziehung zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Aktivität bzw. Dominanz und Passivität bzw. Rezessivität. 319 Wird der Mann als Partner der Frau dargestellt, so entsprach er 1971/72 in 51,9 Prozent dem Stereotyp des domina nten Mannes in der Partnerschaft. „Heute“ wird der Mann nicht zwangsläufig als aktiver Part der Geschlechterbeziehung gezeigt. In 21,4 Prozent der „Stern“-Anzeigen wird er aktiv und in 27,1 Prozent, entgegen dem Klischee von männlicher Dominanz, passiv abgebildet. Eine weitere häufige Darstellungsform des Mannes ist die in der Rolle des Familienvaters. Er wird allerdings im „Stern“ „gege nwärtig“ geringfügig seltener als 1971/72 in dieser gezeigt, in der „Brigitte“ und im „Kicker“ sogar nur halb so oft. 320 Allerdings wurden die Väter Anfang der Siebziger zumeist nüchtern und ein wenig abseits der anderen Familienmitgliedern abgebildet. Hierdurch entstand der Eindruck einer Beschützer- 319 Anm. d. Verf.: Eine solche Codierung wurde nur in eindeutigen Fällen vorgenommen (z.B. die Darstellung des Mannes auf dem Autobeifahrersitz, während eine Frau am Steuer sitzt) 320 siehe hierzu Prozentzahlen im Anhang „Tabellen zu Abschnitt 4.4“ 60 Beziehung. 321 Dreißig Jahre später ist diese „Distanzierung“ nicht mehr zu erkennen. Der Familienvater scheint sich gefühl- bzw. liebevoller um seine Kinder zu kümmern. Dabei wird 2001/02 oft auf das Klischee der Bilderbuchfamilie verzichtet und auch der Lebensalltag des alleinerziehenden Vaters dargestellt. Der neuen Vatertyp hat trotz Stress stets Zeit für die Sorgen und Anliegen seiner Abb. 16: der “ neue“ Vater, 2001 Kinder. 322 Im weiteren wird die berufliche Rolle der dargestellten Männer analysiert. Auch wenn die Berufsarbeit weiterhin einen zentralen Bestandteil der männlichen Geschlechterrolle darstellt,323 haben sich die Ansprüche gewandelt. Erfolg im Beruf wird nicht mehr über Prestige und Gehalt definiert, sondern auch über Selbstverwirklichung und Freude an der Arbeit. 324 Aber nicht nur die Ansprüche der Männer, sondern auch die Anforderungen des Arbeitsmarktes haben sich geändert. Während Frauen in kommunikationsorientierten Wissensberufen aufgrund guter Bildung immer bessere Chancen erhalten, gehen klassische Produktionsberufe für weniger gebildete Männer immer weiter zurück. 325 Es verwundert daher nicht, dass immer seltener Männer als Verkäufer, Handwerker oder allgemein als Arbeiter abgebildet werden. Auch wird der Kompetenz suggerierende Fachmann im „Stern“ 2001/02 nur noch halb so oft und im „Kicker“ gar nicht mehr abgebildet. Eine Ausnahme stellt allerdings die „Brigitte“ dar. Männer tauchen hier am hä ufigsten als Experte, Fachmann und als Koch auf. 321 vgl. Goffman, E. (Geschlecht und Werbung 1981), S. 161 vgl. GQ (Die GQ Männerstudie 2002), S. 14 323 vgl. Behrens, H./et al. (Das Bild des Mannes in der Werbung 1990), S. 165 324 vgl. GQ (Die GQ Männerstudie 2002), S. 26 325 vgl. Oehl, H. (Zielgruppe Männer 2002), S. 84 322 61 Dass beruflicher Erfolg allerdings weniger über Prestige definiert wird, findet in der Anzeigenwerbung keine Berücksichtigung. In jedem Titel sind Männer häufiger als vor dreißig Jahren als Manager bzw. Teil der Geschäftsführung dargestellt. Es entspricht sicher nicht der Realität, dass 11 Prozent der Männer, so viele sind es in den neueren Ausgaben des „Stern“, in solchen Berufsfeldern arbeiten. Zumeist werden diese Männer erfolgreich, seriös und kompetent abgebildet. Erwähnenswert ist weiterhin die wesentlich häufigere Darstellung des Mannes als Profisportler. Im „Stern“ stieg die Anzahl um das Vierfache, im „Kicker“ um mehr als das Siebenfache an. 4.5 Männertypen Männer wurden bereits in vier grundlegende Typen, den traditionellen Mann, den neuen Mann, den androgynen Mann, sowie den Softie eingeteilt.326 Die unterschiedliche Ausprägung wurde an den Dimensionen „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ beschrieben. 327 Da diese vier Typologien aber für eine möglichst objektive Codierung nicht spezifisch genug sind, muss eine weitere Klassifizierung vorgenommen werden. 55 % Stern EP 1 Brigitte EP 2 Stern EP 2 Kicker EP 1 Brigitte EP 1 Kicker EP 2 30,0% 20,0% 10,0% 0,0% erfolgre iche sportliche Mann Mann attraktive Mann Prakt iker Genießer Abb. 17: Männertypen 326 327 siehe hierzu 2.4.2.1 „Die männlichen Geschlechterrollen“ vgl. Gehling, R. (Männlichkeit 1998), S. 105 Sunnyboy 62 Abb. 17 zeigt die meistverwendeten Männertypen. 328 Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden nur sechs dieser Männerbilder dargestellt. Weitere Männertypen sind der fürsorgliche Familienvater, der Künstler, der „Softie“, der schwule Mann und der „Alleskönner“. Letzterer vereint verschiedene Eigenschaftsdimensionen wie z.B. emotionale und körperliche Eigenschaften. Der „Alleskönner“ ist z.B. tüchtig, kompetent, körperlich stark aber auch romantisch. 329 Dieser „neue“ Männertyp 330 ist zunehmend in der Anzeigenwerbung zu sehen. Am häufigsten werden im „Stern“ erfolgreiche und attraktive Männer abgebildet. Gerade der erfolgreiche Mann entspricht mit seiner sachlichen, unromantischen und leistungsorientierten Art dem traditionellen Männerbild. Er wird häufig in seinem beruflichen Umfeld gezeigt. Erfolg dient hier als Indikator für soziale Anerkennung, Status und Kaufkraft. Ähnlich wie der attraktive Mann, der aufgrund seiner erotischen Ausstrahlung die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht, ist dieser Männertyp immer noch von zentraler Bedeutung für die Werbung, auch wenn ein leichter Rückgang beobachtet werden kann. Außerordentlich signifikant ist dagegen die vermehrte Verwendung von sehr sportlichen Männertypen. Sport ist als „Bestandteil echter Männlichkeit“ 331 eng mit Wettkampf, Aggressivität und Rivalität, mit Sieg und Niederlage verbunden und bietet daneben ein sicheres Umfeld, um gut gebaute Männerkörper präsentieren zu können. 332 Klassisch männliche Werte decken sich mit „zeitgemäßen Anforderungen wie Gesundheit und Körperbewusstsein.“ 333 Der Sportlichkeit suggerierende Mann wirkt aktiv, erfolgreich und entschlossen. 328 siehe hierzu „Bildbeispiele B3“ im Anhang vgl. Zurstiege, G. (Männlichkeit in der Werbung 1998), S. 160 ff. 330 vgl. 2.4.2.1 „Die männlichen Geschlechterrollen“ 331 Falconnet, G./Lefaucheur, N. (Mann 1977), S. 29 332 vgl. Scherer, B. (Brust und Mähne 1996), S. 230 333 Gehling, R. (Männlichkeit 1998), S. 108 329 63 Er definiert Erfolg nicht nur über den Beruf sondern auch über Sportlichkeit. Die Werbemacher sehen in der Darstellung von sportlichen Männern anscheinend ein äußerst attraktives Leitbild für den männlichen Konsumenten. Dies gilt vor allen Dingen für den „Special-Interest-Titel“ „K icker“. Es wird deutlich, dass die Werbung in Zeitschriften mit spezifischeren Zielgruppen ein deutlich verzerrteres und somit realitätsfremderes Männerbild wiedergibt als ein „General-Interest-Titel“. Im vorigen Abschnitt konnte festgestellt werden, dass der „Gute Berater-Werbestil“ 334 „heute“ wesentlich seltener genutzt wird als in vor dreißig Jahren. Es verwundert daher nicht, dass immer seltener praktisch veranlagte und kumpelhaft wirkende Männer335 in den Anzeigen dargestellt werden. Während im „Stern“ und in der „Brigitte“ zumindest noch halb soviel „Praktiker“ abgebildet werden, sind sie im „Kicker“ überhaupt nicht mehr zu finden. Tendenziell häufiger dagegen werden Männertypen wie der wohlhabend und hedonistisch wirkende „Genießer“, der kreative Künstler sowie der ewig gutgelaunte „Sunnyboy“ gezeigt. Dies sind Männertypen, die sich dem „neuen“ und u.U. dem androgynen Männerbild zuordnen lassen. 336 Kaum relevant sind Männertypen wie der „Softie“ oder der „schwule Mann“. Während der „Softie“ für Männer und Frauen im allgemeinen nicht attraktiv ist, 337 verwundert es, dass kaum Anzeigen mit homosexuellen Männern als Bildmotiv geschaltet werden. Gerade diese Zielgruppe besitzt ein überdurchschnittliches Einkommen, Modebewusstsein und „Lifestyle“. 338 334 siehe hierzu auch 4.2 „Verwendeter Werbestil“ vgl. Zurstiege, G. (Männlichkeit in der Werbung 1998), S. 164 336 vgl. 2.4.2.1 „Die männlichen Geschlechterrollen“ 337 vgl. Gehling, R. (Männlichkeit 1998), S. 105 338 vgl. Breyer, C. (Zielgruppe Schwule 2001), S. 98 335 64 Neben der expliziten Erläuterung von Typen, Aktivitäten und Aussehen, wird das Männerbild im Folgenden auf Haltung und Mimik untersucht. 339 Auf der Basis eines semantischen Differentials, mit dem Hofstätter versuchte, Geschlechterstereotype abzubilden, 340 wurden die fünf Gegensatzpaare „hart – weich“, „stark – schwach“, „kühl – gefühlvoll“, „hart – sanft“, „nüchtern – verträumt“, gebildet. 341 Diese wurden vervollständigt mit dem Paar „vergnügt – missmutig“. So konnten im Stern 86,3 Prozent der Anzeigen codiert werden. In allen drei Titeln ist deutlich ein Trend dahingehend zu erkennen, dass immer seltener Männer schlecht gelaunt gezeigt werden. Aufgrund der quantitativ geringen Bedeutung ist diese Kategorie nicht in Abb. 18 integriert worden. Die verbleibenden Gegensatzpaare wurden zu fünf Kategorien zusammengefügt. Stern EP 1 50,0% Stern EP 2 40,0% 30,0% Brigitte EP 1 20,0% Brigitte EP 2 10,0% Kicker EP 1 Kicker EP 2 0,0% kühl/ gefühlschwach vergnügt nüchtern voll/verträumt Abb. 18: Mimik der dargestellten Männer stark/wild Die Anzeigen der Zeitschrift „Stern“, einem Titel, dessen Leserschaft die Bevö lkerungsstruktur am ehesten wiederspiegelt, zeigt einen Rückgang der kühlen bzw. nüchternen Außendarstellung der Männer: Sie fällt von 31 auf 13 Prozent. Selbst der „Marlboro-Cowboy“ als Inbegriff des coolen Machos, darf in den moderneren Anzeigen auch mal lächeln. Abb. 19: lächelnder „Marlboro-Mann“, 2001 339 vgl. Brosius, H.B./Staab, J.F. (Emanzipation in der Werbung 1990), S. 298 vgl. Hofstätter, P.R. (Differentielle Psychologie 1971), S. 300 ff. 341 vgl. Hofstätter, P.R. (Das Denken in Stereotypen 1960), S. 23 340 65 Im Weiteren wird der Mann vermehrt gefühlvoll und verträumt dargestellt. In den Jahren 1971/72 wurden im „Stern“ nur 5,6 Prozent der Männer auf diese Art abgebildet, „heute“ beträgt der Anteil 17 Prozent. Einen solchen Trend gibt es auch bei der Darstellung schwach oder ängstlich erscheinender Männer. Hier kann ein Anstieg von 0,3 auf 3,7 Prozent beobachtet werden. Im vorigen Kapitel342 wurde die Variable „Verhaltensdominanz“ explizit auf Anzeigen angewendet, die Männer in der sozialen Rolle als Partner darstellten. Im Folgenden soll diese Variable auf alle Anzeigen angewendet werden. Stern EP 1 90,0% Stern EP 2 60,0% Brigitte EP 1 Brigitte EP 2 30,0% Kicker EP 1 Kicker EP 2 0,0% aktiv passiv keine Verhaltensbeziehung Abb. 20: „Verhaltensdimension“ der dargestellten Männer In allen drei Titeln konnte zum zweiten Erhebungszeitpunkt seltener eine Verhaltensdominanz zwischen beiden Geschlechtern festgestellt werden als in Jahren 1971/72. Auch wenn eine Codierung daher nur in durchschnittlich 21 Prozent der Anzeigen vorgenommen werden konnte, zeigt die quantitative Analyse deutlich, dass das frühere Bild des Mannes als alleinige Autoritätsperson auch in der Anzeigenwerbung nicht mehr zu gelten scheint. 343 Der Mann wird immer seltener in einer handlungsbestimmenden Rolle abgebildet, während Frauen „heute“ sehr viel häufiger als dominierender Handlungspartner codiert werden können als noch vor dreißig Jahren. 342 343 siehe 4.4 „Berufliche- und Soziale Rolle“ vgl. GQ (Die GQ Männerstudie 2002), S. 14 66 5. Hypothesentest Die in Hypothese H1 formulierte Vermutung, dass Männer häufiger als Frauen in den Anzeigen zu sehen sind, hat sich für die Zeitschriften „Stern“ und „Kicker“, jedoch nicht für die „Brigitte“, bestätigt. Im weiteren wurde vermutet, dass 2001/02 mehr Männer zu sehen sind als vor dreißig Jahren. Dies konnte durch die Untersuchung nicht bestätigt werden. Allerdings sind Männer sehr viel häufiger die Protagonisten der Anzeigen. Auch Hypothese H 2 hat sich nur bedingt bestätigt. Männer sind nicht signifikant häufiger in Anzeigen der im Vorfeld definierten Produktgruppen wie Lebensmittel, Mode oder Kosmetik zu sehen, werben aber vermehrt für einzelne Produkte wie Parfüm, Fertiggerichte oder exklusive Herrenmode. Die Hypothese H3 behauptet, dass Männer zunehmend jung und attraktiv dargestellt werden. Der erste Teil der Hypothese kann bedingt für richtig befunden werden. Es wurde zwar die vermehrte Darstellungen von Senioren festgestellt, trotzdem sind die meisten abgebildeten Männer jünger als vor dreißig Jahren. Um den zweiten Teil der Hypothese, den Begriff der Attraktivität zu operationalisieren, 344 wurden Schönheitsmakel wie Haarwuchs und Körperfülle untersucht. Männer werden demnach vermehrt muskulös, erotisch345 und damit ästhetisch dargestellt. Dieser Teil der Hypothese hat sich daher bestätigt. Es gibt aber noch einen weiteren Trend: Die in Hypothese H4 vermutete realistischere Darstellung der Männer konnte aufgrund der Zunahme von Männern mit kleinen Schönheitsmakeln bestätigt werden. 344 hierunter wird das Herstellen einer Beziehung zwischen „inhaltlich interessierenden Begriffen und messbaren Größen“ verstanden (Kühnel, S.M./Krebs, D. (Statistik 2001), S. 25 345 siehe hierzu 4.2 „verwendeter Werbestil“ 67 Hypothese H5 hat sich bestätigt. Erlebniswerte wie Lebensfreude, Freiheit, Sportlichkeit werden „heute“ sehr viel häufiger mit der Darstellung von Männern kommuniziert. Informative Werbestile wie der „Technische-Leistungs-Stil“ und der „Gute-Berater-Stil“ werden seltener als Gestaltungsmittel verwendet. Hypothese H 6 behauptet, dass klassische Männerbilder seltener zu sehen sind und stattdessen Männer häufiger in „neuen“ Rollen, z.B. bei der Ausübung traditionell weiblicher Tätigkeiten, dargestellt werden. Diese Hypothese konnte in dieser Formulierung nur bedingt bestätigt werden. Besonders wichtig sind weiterhin Eigenschaften wie Erfolg, Attraktivität und Seriosität. 346 Neu hinzu gekommen sind Sportlichkeit, Kreativität, Individualität und Sens ibilität. 346 vgl. Bergler, R./Pörzgen, B./Harich, K. (Frau und Werbung 1992), S. 98 68 6. Resümee Individualisierungstendenzen, eine neue Singlekultur, die Emanzipation der Frau, das Loslösen von Rollenstereotypen und die zunehmende Bedeutung der jugendlichen und älteren Zielgruppe sind Tendenzen, die einen Einfluss auf die Werbegestaltung347 haben. Wie diese Arbeit zeigt, hat sich vor diesem Hintergrund auch das Männerbild in der Anzeigenwerbung geändert. Allerdings nicht in erster Linie auf Grund einer gesellschaftlichen Verantwortung, sondern aus reinem Eigennutz der Werbung. Die Berücksichtigung gesellschaftlicher Entwicklungen ist werblich effektiv, das heißt, es werden zielgruppenspezifische Informationen vermittelt, die somit eine bessere Erfüllung der Kundenansprüche gewährleisten. Männer werden immer häufiger als Protagonisten, in der Freizeit und zunehmend unbekleidet dargestellt. Die Anzeigenwerbung mit Männern wird erotischer, romantischer und lustiger gestaltet. Ein ganz neuer Werbestil ist durch die neue Darstellungsform allerdings nicht entstanden. Auch wenn zwei zusätzliche Werbestile identifiziert werden konnten, bleibt dahingestellt, ob diese explizit durch die Darstellung von Männern entstanden sind. Auch Frauen werden heute zunehmend ehrgeizig und erfolgreich abgebildet („Erfolgs-Stil“). Der „Familien-Stil“ wurde höchstens durch den liebevollen Vater ergänzt. Männerbilder wie der kompetente Experte, der „coole“ Macho, der selbstsichere und erfolgreiche Geschäftsmann und der sich selbst verwirklichende Abenteurer sind zwar auch in den gege nwärtigen Anze igen zu finden, jedoch wesentlich seltener als vor dreißig Jahren. Statt dessen werden weitere Männerbilder wie der treusorgende Familienvater, der „Genießer“, der „Alleskönner“ oder der sportliche Mann dargestellt. 347 vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing 2001), S. 63 69 Diese komprimierten Leitbilder werden von der Werbung aufgegriffen, um die immer differenzierter werdende Zielgruppe „Mann“ adäquat, leicht verständlich und ohne Wahrnehmungsfe hler 348 anzusprechen. Männer werden „heute“ in vielen Anzeigen leidenschaftlicher und in anderen smarter abgebildet. Manchmal jung, schön und hedonistisch, ein anderes Mal älter, jedoch fit und kompetent. Es wird daher immer schwieriger, ein generalisierbares Männerbild zu beschreiben. Männer werden in Zukunft ihr Leben selbstständiger organisieren müssen349 und zunehmend in traditionell weiblichen Verantwortungsbereichen zu finden sein. Die Werbung wird diese Entwicklung aufgreifen, allerdings weniger als Spiegelbild gesellschaftlicher Zustände, sondern mit der Darstellung von Werten und Wunschbildern der anvisierten Zielgruppe. 348 349 vgl. Dastyari, S. (Männlichkeit in der Werbung 1999), S. 15 f. vgl. Oehl, H. (Zielgruppe Männer 2002), S. 84 VII Bildbeispiele Bildbeispiele B1 Auch der Mann in der Zigarettenwerbung achtet heute mehr auf sein Erscheinungsbild. Er wird immer häufiger nackt... und passiv dargestellt. Bildbeispiele B2 der „Familien-Stil“ der „Erfolgs-Stil“ Bildbeispiele B3 der „erfolgreiche Mann“, 2002 der „Sunnyboy“, 2001 der „sportliche Mann“, 2002 der „Praktiker“, 2001 der „attraktive Mann“, 2002 der „Genießer“, 2001 der „Alleskönner“, 1972 der „Künstler“, 2001 Der „Familienvater“, 2002 der „Softie“, 1971 der „Abenteurer“, 2002 der „schwule Mann“, 2001 VIII Tabelle zu Abschnitt 3.2 Bestimmung der Reliabilität der Variablen Quelle Stern, 14/02, S. 38 Stern, 14/02, S. 71 Stern, 14/02, S.103 Stern, 14/02, S. 217 Stern, 14/02, S. 259 Codierer C1 C2 C3 C4 C5 C6 C1 C2 C3 C4 C5 C6 C1 C2 C3 C4 C5 C6 C1 C2 C3 C4 C5 C6 C1 C2 C3 C4 C5 C6 beworbene Produkte 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 0 1 1 1 0 Durchschnitt 0,9 Wer ist zu sehen? 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 0 1 1 1 1 1 1 1 0,86667 Alter der Männer 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 0 1 1 0 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0,86667 Protagonist private Rollenbilder 0 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0,9 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0,96667 Berufsrolle 1 1 1 1 1 1 0 0 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0,9 Räumliche Umgebung 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 0 1 0,9 Kleidung 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 0,96667 körperliche Merkmale 1 1 1 1 1 1 0 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0,9 Haarwuchs 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Männertypen 1 0 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 0 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 0,8 Verhaltensdimension 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 0 1 1 1 1 0,93333 Ausdruck/MimikDimension 1 0 1 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 0 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0,83333 Gratifikationsversprechen 1 0 1 1 1 0 1 0 1 1 0 1 1 1 1 0 0 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 1 0,73333 Werbestil 1 1 1 1 1 0 0 1 1 1 1 0 1 1 1 0 0 1 1 1 0 0 1 1 1 1 1 1 1 1 0,76667 Insgesamt liegt somitdie Übereinstimmung der Codierungen, einschließlich formaler Kriterien, bei: 0,88222 0 = keine Übereinstimmung 1 = Übereinstimmung C = Codierer IX Tabellen zu Abschnitt 3.3 Untersuchte Ausgaben Titel Jahr Ausgabe Titel Jahr Ausgabe Stern 1971 10 Stern 2001 14 Stern 1971 36 Stern 2001 20 Stern 1971 42 Stern 2001 32 Stern 1971 50 Stern 2001 46 Stern 1972 9 Stern 2002 13 Stern 1972 11 Stern 2002 18 Stern 1972 16 Stern 2002 24 Stern 1972 32 Stern 2002 27 Stern 1972 35 Stern 2002 31 Stern 1972 41 Stern 2002 42 Brigitte 1972 2 Brigitte 2002 6 Brigitte 1972 7 Brigitte 2002 13 Brigitte 1972 15 Brigitte 2002 15 Brigitte 1972 17 Brigitte 2002 18 Brigitte 1972 25 Brigitte 2002 21 Kicker 1971 30 Kicker 2001 20 Kicker 1971 68 Kicker 2001 92 Kicker 1972 12 Kicker 2002 50 Kicker 1972 42 Kicker 2002 54 Kicker 1972 98 Kicker 2002 64 Untersuchte Anzeigen Stern Brigitte Kicker Gesamt 773 Anzeigen bzw. 10 Ausgaben 288 Anzeigen bzw. 5 Ausgaben 94 Anzeigen bzw. 5 Ausgaben 1155 Anzeigen bzw. 20 Ausgaben Erhebungszeitpunkt 2 757 Anzeigen bzw. 10 Ausgaben 318 Anzeigen bzw. 5 Ausgaben 88 Anzeigen bzw. 5 Ausgaben 1163 Anzeigen bzw. 20 Ausgaben Gesamt 1530 Anzeigen bzw. 20 Ausgaben 606 Anzeigen bzw. 10 Ausgaben 182 Anzeigen bzw. 10 Ausgaben 2318 Anzeigen bzw. 40 Ausgaben Erhebungszeitpunkt 1 X Tabellen zu Abschnitt 4.1.1 Wer ist zu sehen zu sehen? Stern EP1 Brigitte EP2 Gesamt EP1 Kicker EP2 Gesamt EP1 EP2 Gesamt n % n % n % n % n % n % n % n % n % Männer 330 43 321 43 651 43 81 28 66 21 147 24 44 47 42 48 86 47 Frauen 330 43 265 35 595 39 185 64 208 65 393 65 22 23 7 8 29 16 Anm.: Alle Zahlen sind aufgerundet! Häufigkeiten dargestellter Männer Stern Häufigkeiten dargestellter Männer EP1 EP2 Gesamt EP1 Brigitte EP2 Gesamt EP1 Kicker EP2 Gesamt n % n % n % n % n % n % n % n % n % 322 42 312 41 634 41 86 30 82 26 168 28 44 47 45 51 89 49 121 16 180 24 301 20 17 6 28 9 45 7 28 30 36 41 64 35 Mann und 209 Frau zu sehen 27 141 19 350 23 64 22 38 12 102 17 16 17 6 7 22 12 121 42 170 53 291 48 6 6 1 1 7 4 288 100 318 100 606 100 94 100 88 kein Mensch zu sehen nur Mann bzw. Männer zu sehen nur Frau (en) 121 16 124 16 245 16 zu sehen Gesamt 773 100 757 100 1530 100 100 182 100 Sind die Männer als Protagonisten oder als Statisten zu sehen? Stern Protagonist Brigitte Kicker EP1 n % EP2 n % Gesamt n % EP1 n % EP2 n % Gesamt n % EP1 n % EP2 n % Gesamt n % 1 0,3 0 0 1 0,16 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Protagonist 167 52 204 69 371 60,3 27 38 36 63 63 49,2 27 61 29 69 56 65,1 eher im 151 Hintergrund 47 92 31 243 39,5 44 62 21 37 65 50,8 17 39 13 31 30 34,9 319 100 296 100 615 100 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 keine Angabe möglich Gesamt XI Tabellen zu Abschnitt 4.1.2 Stern Von Männern beworbene Produkte EP1 EP2 Brigitte Gesamt EP1 EP2 Kicker Gesamt EP1 EP2 Gesamt n % n % n % n % n % n % n % n % n % (elektr.) Haushaltsgeräte 3 0,9 2 0,7 5 0,81 4 5,6 1 1,8 5 3,91 0 0 0 0 0 0 Alkohol 34 11 14 4,7 48 7,8 4 5,6 0 0 4 3,13 2 4,5 2 4,8 4 4,65 31 10 42 6,83 0 0 3 5,3 3 2,34 1 2,3 2 4,8 3 3,49 Banken/Kreditkarten/Finanzanlagen 11 3,4 Bürobedarf/EDV/ Internet 0 0 32 11 32 5,2 0 0 3 5,3 3 2,34 0 0 2 4,8 2 2,33 Energieversorgung 1 0,3 2 0,7 3 0,49 0 0 0 0 0 0 0 0 1 2,4 1 1,16 Foto/Film/Optik 5 1,6 4 1,4 9 1,46 2 2,8 0 0 2 1,56 0 0 0 0 0 0 Gastronomie 0 0 1 0,3 1 0,16 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Haus/Hauszubehör 9 2,8 4 1,4 13 2,11 1 1,4 1 1,8 2 1,56 0 0 0 0 0 0 Hifi/Elektronik 11 3,4 4 1,4 15 2,44 0 0 0 0 0 0 1 2,3 0 0 1 1,16 Kfz und Zubehör 21 6,6 39 13 60 9,8 1 1,4 10 18 11 8,6 9 20 7 17 16 12 4,1 34 5,53 1 1,4 2 3,5 3 2,34 10 23 4 9,5 14 16,3 13 4,1 2 0,7 15 2,44 18 25 2 3,5 20 15,6 0 0 1 2,4 1 1,16 Lebensmittel 46 14 8 2,7 54 8,78 17 24 10 18 27 21,1 4 9,1 0 0 4 4,65 Logistik 1 0,3 4 1,4 5 0,81 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Medien 6 1,9 38 13 44 7,15 8 11 10 18 18 14,1 1 2,3 7 17 8 9,3 Mineralölfirmen 9 2,8 3 1 12 1,95 0 0 0 0 0 0 1 2,3 1 2,4 2 2,33 Möbel 5 1,6 2 0,7 7 1,14 1 1,4 1 1,8 2 1,56 0 0 0 0 0 0 Kosmetika (explizit für den Mann) 22 6,9 Kosmetika (nicht explizit für den Mann) 0 19 Mode/Textilien 22 6,9 10 3,4 32 5,2 5 7 2 3,5 7 5,47 4 9,1 4 9,5 8 9,3 Pharmazeutika 19 6 7 2,4 26 4,23 1 1,4 3 5,3 4 3,13 1 2,3 0 0 1 1,16 Reinigungsmittel 2 0,6 0 0 2 0,33 3 4,2 0 0 3 2,34 0 0 0 0 0 0 Schmuck/Uhren 2 0,6 7 2,4 9 1,46 1 1,4 0 0 1 0,78 0 0 0 0 0 0 sonstiges 0 0 3 1 3 0,5 0 0 0 0 0 0 0 0 1 2,4 1 1,16 Tabakwaren 32 10 4 1,4 36 5,85 3 4,2 0 0 3 2,34 8 18 1 2,4 9 10,5 Telekommunikation Telefon/ Handy 0 0 11 3,7 11 1,79 0 0 4 7 4 3,13 0 0 1 2,4 1 1,16 Touristik/Bahn/ Flugzeuge 17 5,3 23 7,8 40 6,5 1 1,4 3 5,3 4 3,13 0 0 3 7,1 3 3,49 Verbände/Organisationen/Kirche 12 3,8 8 2,7 20 3,25 0 0 0 0 0 0 0 0 4 9,5 4 4,65 Versicherungen 8 2,5 19 6,4 27 4,39 0 0 2 3,5 2 1,56 0 0 1 2,4 1 1,16 Weiterbildung/ Lehre/Ausbildung 1 0,3 1 0,3 2 0,33 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Werkzeug und Zubehör 7 2,2 1 0,3 8 1,3 0 0 0 0 0 0 2 4,5 0 0 2 2,33 XII Gesamt 319 100 296 100 615 100 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 XIII In Anzeigen der Branche... sind zu sehen... Quelle: "Stern" 1971/72 nur Mann nur Mann kein Mann und nur Frau kein bzw.Männ bzw.Männ Mensch Frau zu (en) zu Gesamt Mensch er zu er zu zu sehen sehen sehen zu sehen sehen sehen n % n % n % n % n % n % n % 2001/02 Mann und nur Frau Frau zu (en) zu Gesamt sehen sehen n % n % n % (elektr.) Haushaltsgeräte 14 0,6 1 0 2 0,1 5 0,2 22 1 10 0,7 1 0,1 1 0,1 2 0,1 14 1 Alkohol 45 0,5 11 0,1 23 0,3 5 0,1 84 1 15 0,4 6 0,2 8 0,2 6 0,2 35 1 13 0,5 3 0,1 8 0,3 1 0 25 1 16 0,3 21 0,3 12 0,2 14 0,2 63 1 1 1 0 0 0 0 0 0 1 1 9 0,2 25 0,5 9 0,2 6 0,1 49 1 Energieversorgung 1 0,5 0 0 1 0,5 0 0 2 1 3 0,3 2 0,2 1 0,1 3 0,3 9 1 Foto/Film/Optik 3 0,3 3 0,3 3 0,3 1 0,1 10 1 3 0,2 3 0,2 2 0,1 6 0,4 14 1 Haus/Hauszubehör 7 0,4 3 0,2 6 0,3 4 0,2 20 1 13 0,7 3 0,2 1 0,1 1 0,1 18 1 Hifi/Elektronik 19 0,6 5 0,2 6 0,2 1 0 31 1 3 0,4 2 0,3 3 0,4 0 0 8 1 Kfz und Zubehör 34 0,6 12 0,2 9 0,2 2 0 57 1 81 0,6 26 0,2 16 0,1 13 8 0,2 15 0,5 7 0,2 3 0,1 33 1 0 0 9 0,8 3 0,3 0 0 12 1 15 0,3 6 0,1 9 0,2 21 0,4 51 1 6 0,4 0 0 2 0,1 9 0,5 17 1 Lebensmittel 61 0,5 9 0,1 41 0,3 16 0,1 127 1 11 0,5 8 0,3 0 0 5 0,2 24 1 Logistik 0 0 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 2 0,4 3 0,6 0 0 5 1 Medien 7 0,3 4 0,2 3 0,1 8 0,4 22 1 41 0,4 21 0,2 21 0,2 17 0,2 100 1 Mineralölfirmen 5 0,4 6 0,4 3 0,2 0 0 14 1 2 0,3 2 0,3 1 0,2 1 0,2 6 1 Möbel 3 0,3 1 0,1 4 0,4 1 0,1 9 1 5 0,7 1 0,1 1 0,1 0 0 7 1 Mode/Textilien 9 0,2 10 0,2 12 0,3 15 0,3 46 1 9 0,5 6 0,3 4 0,2 1 0,1 20 1 Pharmazeutika 21 0,5 8 0,2 11 0,2 5 0,1 45 1 6 0,3 5 0,2 2 0,1 10 0,4 23 1 Reinigungsmittel 8 0,4 3 0,2 1 0,1 6 0,3 18 1 1 1 0 0 0 0 0 0 1 1 Schmuck/Uhren 4 0,7 0 0 2 0,3 0 0 6 1 5 0,3 6 0,4 1 0,1 3 0,2 15 1 sonstiges 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3 0,4 2 0,3 1 0,1 1 0,1 7 1 Sportgeräte 2 1 0 0 0 0 0 0 2 1 3 0,8 0 0 1 0,3 0 0 4 1 Tabakwaren 14 0,2 8 0,1 24 0,4 12 0,2 58 1 5 0,5 2 0,2 2 0,2 1 0,1 10 1 Banken/Kreditkarten/ Finanzanlagen Bürobedarf/EDV/ Internet Kosmetika (explitit für den Mann) Kosmetika (nicht explitit für den Mann) 0,1 136 1 Telekommunikation/ Telefon/Handy Touristik/Bahn/ Flugzeuge Verbände/Organisationen/Kirche 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 9 0,3 4 0,1 7 0,2 9 0,3 29 1 12 0,3 2 0,1 16 0,4 7 0,2 37 1 22 0,4 8 0,1 21 0,4 6 0,1 57 1 6 0,3 2 0,1 10 0,4 5 0,2 23 1 11 0,4 5 0,2 5 0,2 4 0,2 25 1 Versicherungen 1 0,1 3 0,3 5 0,5 2 0,2 11 1 20 0,4 7 0,2 13 0,3 5 0,1 45 1 Weiterbildung/Lehre/A usbildung 1 0,5 1 0,5 0 0 0 0 2 1 0 0 1 0,5 0 0 1 0,5 2 1 Werkzeug und Zubehör 8 0,5 5 0,3 2 0,1 1 0,1 16 1 1 0,5 1 0,5 0 0 0 0 2 1 XIV Tabellen zu Abschnitt 4.1.3 Alter der Männer, Quelle: Stern EP1 EP 2 Gesamt 0-13 11 3,3% 25 7,8% 36 5,5% Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent 14-20 2 0,6% 2 0,6% 4 ,6% 21-35 136 41,2% 174 54,2% 310 47,6% ≥ 56 9 2,7% 30 9,3% 39 6,0% 36 - 55 149 45,2% 81 25,2% 230 35,3% k. A. mgl. 23 7,0% 9 2,8% 32 4,9% Gesamt 330 100,0% 321 100,0% 651 100,0% Alter der Männer (ab 14) Stern EP1 EP2 Brigitte Gesamt EP1 EP2 Kicker Gesamt EP1 EP2 Gesamt n % n % n % n % n % n % n % n % n % 14-20 2 0,6 2 0,7 4 0,7 2 2,8 0 0 2 1,6 1 2,3 1 2,4 2 2,3 21-35 36 - 55 ≥ 65 k. A. mgl. Gesamt 136 149 9 23 319 43 174 59 310 50,4 47 81 27 230 37,4 2,8 30 10 39 6,3 7,2 9 3 32 5,2 100 296 100 615 100 27 38 1 3 71 38 54 1,4 4,2 100 32 18 3 4 57 46,1 43,8 3,1 5,5 100 20 18 1 4 44 46 41 2,3 9,1 100 33 6 1 1 42 79 14 2,4 2,4 100 53 24 2 5 86 61,6 27,9 2,3 5,8 100 56 59 32 56 5,3 4 7 7 100 128 Von älteren Männern beworbene Produkte Stern EP1 n % Alkohol 3 9 Bürobedarf/EDV/Internet 0 0 (elektr.) Haushaltsgeräte 0 0 Foto/Film/Optik 1 3 Hifi/Elektronik 1 3 Kosmetika (explitit für den Mann) 3 9 Lebensmittel 0 0 Medien 0 0 Mode/Textilien 1 3 Pharmazeutika 3 9 Schmuck/Uhren 1 3 Tabakwaren 1 3 Haus/Hauszubehör 1 3 Werkzeug und Zubehör 2 6 Kfz und Zubehör 5 16 Banken/Kreditkarten/Finanzanlagen/Versicherung 1 3 Touristik/Bahn/Flugzeuge 3 9 Telekommunikation/Telefon/Handy 0 0 Logistik 1 3 Verbände/Organisationen/Kirche 4 13 Weiterbildung/Lehre/Ausbildung 1 3 Gesamt 32 100 EP2 n % 0 0 7 18 1 3 0 0 0 0 0 0 1 3 6 15 0 0 1 3 0 0 0 0 0 0 0 0 5 13 11 29 2 5 1 3 2 5 2 5 0 0 39 100 XV Tabelle zu Abschnitt 4.1.4 Kleidung und Grad der Bekleidung Stern Brigitte Kicker EP1 n % EP2 n % Gesamt n % EP1 n % EP2 n % Gesamt n % EP1 n % EP2 n % Gesamt n % keine Angabe möglich 50 16 34 11 84 14 9 13 4 7 13 10 14 32 6 14 20 23 Anzug/Smoking 105 33 56 19 161 26 18 25 12 21 30 23 5 11 3 7,1 8 9,3 Sportkleidung 14 4,4 25 8,4 39 6,3 0 0 1 1,8 1 0,8 4 9,1 20 48 24 28 Freizeitkleidung 103 32 140 47 243 40 24 34 21 37 45 35 14 32 7 17 21 24 Unterwäsche/Badehose 7 2,2 11 3,7 18 2,9 4 5,6 5 8,8 9 7 1 2,3 0 0 1 1,2 nackt 0 0 7 2,4 7 1,1 0 0 3 5,3 3 2,3 0 0 1 2,4 1 1,2 nackter Oberkörper 8 2,5 12 4,1 20 3,3 8 11 4 7 12 9,4 1 2,3 4 9,5 5 5,8 Arbeitskleidung 32 10 11 3,7 43 7 8 11 7 12 15 12 5 11 1 2,4 6 7 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 Gesamt 319 100 296 100 615 100 Tabellen zu Abschnitt 4.1.5 Körperliche Merkmale (Figur) Stern EP1 EP2 Gesamt n % n % n % keine Angabe möglich 60 19 54 18 114 19 füllig 16 5 21 7,1 37 6 durchschnittlich 210 66 163 55 373 61 muskulös 7 2,2 38 13 45 7,3 hager 26 8,2 20 6,8 46 7,5 Gesamt 319 100 296 100 615 100 EP1 n % 13 18 1 1,4 47 66 2 2,8 8 11 71 100 Brigitte EP2 Gesamt n % n % 13 23 26 20 2 3,5 3 2,3 30 53 77 60 11 19 13 10 1 1,8 9 7 57 100 128 100 EP1 n % 10 14,1 55 77,5 5 7,04 1 1,41 71 100 Brigitte EP2 Gesamt n % n % 11 19,3 21 16,4 39 68,4 94 73,4 2 3,51 7 5,47 5 8,77 6 4,69 57 100 128 100 EP1 n % 12 27 1 2,3 27 61 2 4,5 2 4,5 44 100 Kicker EP2 n % 11 26 1 2,4 17 40 10 24 3 7,1 42 100 Gesamt n % 23 27 2 2,3 44 51 12 14 5 5,8 86 100 EP1 n % 11 25 29 65,9 1 2,27 3 6,82 44 100 Kicker EP2 n % 12 28,6 24 57,1 3 7,14 3 7,14 42 100 Gesamt n % 23 26,7 53 61,6 4 4,65 6 6,98 86 100 Körperliche Merkmale (Haar) keine Angabe möglich dichtes Haar lange Haare Halbglatze/Glatze Gesamt EP1 n % 62 19,4 220 69 28 8,78 9 2,82 319 100 Stern EP2 n % 61 20,6 191 64,5 7 2,36 37 12,5 296 100 Gesamt n % 123 20 411 66,8 35 5,69 46 7,48 615 100 XVI Tabelle zu Abschnitt 4.1.6 Räumliche Umgebung der dargestellten Männer Stern EP 1 n % EP 2 n % Gesamt n % EP 1 n % EP 2 n % Gesamt n % 24 34 18 32 42 32,8 21 48 19 45 40 46,5 15,8 20 28 6 11 26 20,3 2 4,5 2 4,8 4 4,7 210 34,1 16 0,2 24 42 40 31,3 13 30 16 38 29 33,7 13,2 11 16 9 16 20 15,6 8 18 5 12 13 15,1 319 100 296 100 615 100 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 38 105 36 zu Hause 57 18 40 14 FreizeitUmgebung 94 30 116 39 Berufswelt 46 14 35 12 Gesamt Gesamt n % Kicker EP 1 n % k. A. mögl. 122 EP 2 n % Brigitte 227 36,9 97 81 XVII Tabelle zu Abschnitt 4.2 Verwendete Werbestile, wenn Männer dargestellt werden EP 1 Stern EP 2 Gesamt EP 1 Brigitte EP 2 Gesamt EP 1 Kicker EP 2 Gesamt n % n % n % n % n % n % n % n % n % keine Angabe möglich 30 9,4 15 5,1 45 7,32 4 5,6 2 3,5 6 4,69 2 4,5 3 7,1 5 5,81 Basar-Stil 17 5,3 10 3,4 27 4,39 7 9,9 1 1,8 8 6,25 1 2,3 4 9,5 5 5,81 Nobel-Stil 11 3,4 26 8,8 37 6,02 1 1,4 1 1,8 2 1,56 1 2,3 2 4,8 3 3,49 Traditions-Stil 11 3,4 7 2,4 18 2,93 0 0 2 3,5 2 1,56 0 0 0 0 0 0 Future-Stil 0 0 2 0,7 2 0,33 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 TechnischeLeistungs-Stil 33 10 11 3,7 44 7,15 4 5,6 0 0 4 3,13 2 4,5 0 0 2 2,33 Lustige-PfiffStil 17 5,3 29 9,8 46 7,48 4 5,6 10 18 14 10,9 1 2,3 1 2,4 2 2,33 Modern-ArtStil 12 3,8 5 1,7 17 2,76 2 2,8 4 7 6 4,69 4 9,1 4 9,5 8 9,3 SnobistischeStil 2 0,6 9 3 11 1,79 0 0 2 3,5 2 1,56 0 0 0 0 0 0 IndividualisticStil 2 0,6 14 4,7 16 2,6 0 0 2 3,5 2 1,56 0 0 0 0 0 0 Solide-Stil 43 13 20 6,8 63 10,2 5 7 0 0 5 3,91 11 25 1 2,4 12 14 Gute-BeraterStil 50 16 23 7,8 73 11,9 10 14 7 12 17 13,3 7 16 3 7,1 10 11,6 Nature-Stil 1 0,3 6 2 7 1,14 2 2,8 2 3,5 4 3,13 0 0 0 0 0 0 Weltflair-Stil 7 2,2 11 3,7 18 2,93 1 1,4 4 7 5 3,91 0 0 2 4,8 2 2,33 Romantik-Stil 23 7,2 25 8,4 48 7,8 12 17 3 5,3 15 11,7 3 6,8 2 4,8 5 5,81 Erotik-Stil 2 0,6 13 4,4 15 2,44 2 2,8 3 5,3 5 3,91 0 0 2 4,8 2 2,33 Freiheit-undAbenteuer-Stil 24 7,5 31 10 55 8,94 1 1,4 6 11 7 5,47 3 6,8 4 9,5 7 8,14 GeselligkeitsStil 17 5,3 16 5,4 33 5,37 8 11 4 7 12 9,38 6 14 4 9,5 10 11,6 Leistungs/ Erfolgs-Stil 5 1,6 10 3,4 15 2,44 0 0 0 0 0 0 1 2,3 7 17 8 9,3 Familien-Stil 12 3,8 13 4,4 25 4,07 8 11 4 7 12 9,38 2 4,5 3 7,1 5 5,81 319 100 296 100 615 100 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 Gesamt XVIII Tabelle zu Abschnitt 4.3 Gratifikationsversprechen Stern EP1 EP2 Brigitte Gesamt EP1 EP2 Kicker Gesamt EP1 EP2 Gesamt n % n % n % n % n % n % n % n % n % Eleganz/Exklusivität 6 1,9 16 5,4 22 3,58 3 4,2 4 7 7 5,47 0 0 1 2,4 1 1,16 Erfolg (allg.) 11 3,4 26 8,8 37 6,02 1 1,4 0 0 1 0,78 2 4,5 9 21 11 12,8 Erfolg beim anderen 24 Geschlecht 7,5 6 2 30 4,88 6 8,5 1 1,8 7 5,47 2 4,5 0 0 2 2,33 Familienfreundlichkeit 10 3,1 11 3,7 21 3,41 9 13 5 8,8 14 10,9 4 9,1 3 7,1 7 8,14 Freiheit/Abenteuer 19 6 35 12 54 8,78 1 1,4 5 8,8 6 4,69 2 4,5 4 9,5 6 6,98 Funktionalität 1 0,3 5 1,7 6 0,98 4 5,6 0 0 4 3,13 1 2,3 0 0 1 1,16 Geldgewinn 8 2,5 8 2,7 16 2,6 0 0 0 0 0 0 0 0 2 4,8 2 2,33 Genuss 37 12 32 11 69 11,2 5 7 9 16 14 10,9 5 11 2 4,8 7 8,14 Gesundheit/Beschwerdelinderung 32 10 9 3 41 6,67 6 8,5 3 5,3 9 7,03 2 4,5 0 0 2 2,33 gute Technik 15 4,7 9 3 24 3,9 0 0 2 3,5 2 1,56 0 0 1 2,4 1 1,16 gutes Design 1 0,3 5 1,7 6 0,98 1 1,4 0 0 1 0,78 0 0 0 0 0 0 Hygiene 11 3,4 5 1,7 16 2,6 6 8,5 5 8,8 11 8,59 6 14 3 7,1 9 10,5 Individualität 2 0,6 6 2 8 1,3 1 1,4 1 1,8 2 1,56 0 0 0 0 0 0 k. Angabe mgl. 12 3,7 25 8,4 37 6,02 8 11 3 5,3 11 8,59 3 6,8 4 9,5 7 8,14 Lebensstil 11 3,4 6 2 17 2,76 0 0 0 0 0 0 1 2,3 0 0 1 1,16 Preis/Leistung 5 1,6 4 1,4 9 1,46 0 0 0 0 0 0 1 2,3 0 0 1 1,16 Qualität/Leistung 63 20 27 9,1 90 14,6 7 9,9 4 7 11 8,59 7 16 1 2,4 8 9,3 Service 6 1,9 1 0,3 7 1,14 0 0 0 0 0 0 1 2,3 0 0 1 1,16 Sicherheit 18 5,6 14 4,7 32 5,2 0 0 0 0 0 0 1 2,3 0 0 1 1,16 Spaß 24 7,5 40 14 64 10,4 13 18 12 21 25 19,5 5 11 6 14 11 12,8 Sportlichkeit 3 0,9 5 1,7 8 1,3 0 0 0 0 0 0 1 2,3 5 12 6 6,98 UmweltVerträglichkeit 0 0 1 0,3 1 0,16 0 0 3 5,3 3 2,34 0 0 1 2,4 1 1,16 319 100 296 100 615 100 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 Gesamt XIX Tabellen zu Abschnitt 4.4 Verhaltensdimension der dargestellten Männer Stern Brigitte EP 1 EP 2 Gesamt n % n % n % k. A. mögl. 229 72 254 86 483 78,5 aktiv/offensiv 81 25 20 6,8 101 16,4 passiv/defensiv 9 2,8 22 7,4 31 5 Gesamt 319 100 296 100 615 100 EP 1 n % 45 63 24 34 2 2,8 71 100 EP 2 Gesamt n % n % 45 79 90 70,3 4 7 28 21,9 8 14 10 7,8 57 100 128 100 Verhaltensdimension des Partners, Quelle: Stern EP 1 EP 2 Gesamt Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent keine Abgabe möglich 44 41,5% 36 51,4% 80 45,5% aktiv/ offensiv 55 51,9% 15 21,4% 70 39,8% passiv/ Gesamt defensiv 7 6,6% 19 27,1% 26 14,8% 106 100,0% 70 100,0% 176 100,0% Kicker EP 1 n % 36 82 6 14 2 4,5 44 100 EP 2 n % 39 93 1 2,4 2 4,8 42 100 Gesamt n % 75 87,2 7 8,1 4 4,7 86 100 XX Berufsrolle der dargestellten Männer Stern EP 1 n % Brigitte EP 2 n % Gesamt n % Kicker EP 1 n % EP 2 n % Gesamt n % EP 1 n % EP 2 n % Gesamt n % k. A. mgl. 239 75 190 64 429 69,8 57 80 34 60 91 71,1 33 75 16 38 49 57 Fachmann 31 9,7 12 4,1 43 6,99 2 2,8 7 12 9 7,03 4 9,1 0 0 4 4,65 Manager 15 4,7 33 11 48 7,8 1 1,4 5 8,8 6 4,69 0 0 2 4,8 2 2,33 Schüler/ Student 1 0,3 4 1,4 5 0,81 0 0 2 3,5 2 1,56 0 0 2 4,8 2 2,33 Sportler 6 1,9 24 8,1 30 4,88 0 0 0 0 0 0 3 6,8 21 50 24 27,9 Arbeiter 15 4,7 7 2,4 22 3,58 3 4,2 0 0 3 2,34 1 2,3 1 2,4 2 2,33 Polizist/ Feuerwehr 1 0,3 1 0,3 2 0,33 0 0 1 1,8 1 0,78 1 2,3 0 0 1 1,16 Handwerker 1 0,3 0 0 1 0,16 0 0 0 0 0 0 1 2,3 0 0 1 1,16 Verkäufer 3 0,9 0 0 3 0,49 2 2,8 0 0 2 1,56 0 0 0 0 0 0 Rentner 4 1,3 12 4,1 16 2,6 0 0 1 1,8 1 0,78 0 0 0 0 0 0 Künstler 1 0,3 12 4,1 13 2,11 2 2,8 3 5,3 5 3,91 1 2,3 0 0 1 1,16 Koch 1 0,3 1 0,3 2 0,33 3 4,2 3 5,3 6 4,69 0 0 0 0 0 0 Vorgesetzter 1 0,3 0 0 1 0,16 1 1,4 0 0 1 0,78 0 0 0 0 0 0 Masseur 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1,8 1 0,78 0 0 0 0 0 0 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 Gesamt 319 100 296 100 615 100 Soziale Rolle der dargestellten Männer EP 1 Stern EP 2 n % n % k. A. mgl. 164 51 192 65 Vater 26 8,2 22 Großvater 3 0,9 Ehemann/ Partner 106 Freund Vorgesetzter/ Chef Gesamt Gesamt n % EP 1 Brigitte EP 2 Gesamt EP 1 Kicker EP 2 Gesamt n % n % n % n % n % n % 356 57,9 27 38 32 56 59 46,1 25 57 34 81 59 68,6 7,4 48 7,8 16 23 6 11 22 17,2 6 14 3 7,1 9 10,5 1 0,3 4 0,65 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 33 70 24 176 28,6 25 35 17 30 42 32,8 9 20 3 7,1 12 14 18 5,6 10 3,4 28 4,55 2 2,8 2 3,5 4 3,13 4 9,1 2 4,8 6 6,97 2 0,6 1 0,3 3 0,48 1 1,4 0 0 1 0,78 0 0 0 0 0 0 319 100 296 100 615 100 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 XXI Tabellen zu Abschnitt 4.5 Männertypen Stern EP 1 EP 2 n % 72 23 35 12 60 19 46 8 2,5 48 n % EP 1 EP 2 Gesamt EP 1 EP 2 Gesamt % n % n % n % n % n % 107 17,4 14 20 8 14 22 17,2 8 18 3 7,1 11 13 16 106 17,2 7 9,9 6 11 13 10,2 3 6,8 1 2,4 4 4,7 30 10 38 6,17 0 0 1 1,8 1 0,78 5 11 23 55 28 33 15 43 15 91 14,8 15 21 11 19 26 20,3 5 11 4 9,5 9 10 9 2,8 11 3,7 20 3,25 2 2,8 3 5,3 5 3,91 0 0 0 0 0 0 26 8,2 19 6,4 45 7,31 15 21 6 11 21 16,4 6 14 3 7,1 9 10 16 5 11 3,7 27 4,39 2 2,8 1 1,8 3 2,34 2 4,5 2 4,8 4 4,7 der Sunnyboy 19 6 20 6,8 39 6,34 6 8,5 10 18 16 12,5 2 4,5 5 12 7 8,1 der Praktiker 22 6,9 9 3 31 5,04 8 11 3 5,3 11 8,59 8 18 0 0 8 9,3 der Genießer 33 10 44 15 77 12,5 2 2,8 6 11 8 6,25 3 6,8 1 2,4 4 4,7 der Künstler 4 1,3 24 8,1 28 4,55 0 0 2 3,5 2 1,56 2 4,5 0 0 2 2,3 der Softie 2 0,6 2 0,7 4 0,65 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 der schwule Mann 0 0 2 0,7 2 0,32 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 319 100 296 100 615 100 71 100 57 44 100 42 100 86 100 Gesamt % Gesamt Kicker n k. Einordnung mgl. der erfolgreiche Mann der sportliche Mann der attraktive Mann der Alleskönner der Familienvater der Abenteurer n Brigitte 100 128 100 Mimik der dargestellten Männer Stern EP 1 EP 2 Brigitte Gesamt EP 1 EP 2 Kicker Gesamt EP 1 EP 2 Gesamt n % n % n % n % n % n % n % n % n % 28 8,8 56 19 84 14 6 8,5 7 12 13 10,2 6 14 7 17 13 15 46 14 33 11 79 13 2 2,8 5 8,8 7 5,5 2 4,5 17 40 19 22 99 31 38 13 137 22 22 31 7 12 29 22,7 13 30 2 4,8 15 17 1 0,3 11 3,7 12 2 0 0 5 8,8 5 3,9 0 0 0 0 0 0 gefühlvoll, verträumt und 18 sanft 5,6 50 17 68 11 5 7 12 21 17 13,3 1 2,3 1 2,4 2 2,3 k. A. mgl. stark bzw. wild, kühl bzw. nüchtern schwach vergnügt 113 35 107 36 220 36 33 47 19 33 52 40,6 21 48 15 36 36 42 missmutig 14 4,4 1 0,3 15 2,4 3 4,2 2 3,5 5 3,9 1 2,3 0 0 1 1,2 319 100 296 100 615 100 71 100 57 100 128 100 44 100 42 100 86 100 Gesamt XXII Bildnachweise Abbildung 1: Anzeige der Marke „Iglo“, 2001, S. 11, Quelle: Stern, Heft 20/01, S. 73 Abbildung 2: Emotionale Konditionierung , S. 22, Kellner, J./Kurth, U./Lippert, W. (50 Jahre Werbung in Deutschland 1995), S. 182 Abbildung 3: „Whisky der Unbestechlichen“, 1972, S. 41, Quelle: Stern, Heft 42/72, S. 30 Abbildung 4: Unterw äschenwerbung, 2001, S. 42, Quelle: Stern, Heft 45/01, S. 56 Abbildung 6: Vitaler alter Mann, 2001, S. 45, Quelle: Stern, Heft 17/01, S. 22-23 Abbildung 10: Männliche Schönheit als Objekt, 2002, S. 50, Quelle: Brigitte, Heft 15/02, S. 139 Abbildung 13: Normabweichende Gestaltungsmaßnahmen, S. 54, Quelle: Kriegeskorte, M. (Werbung im Wandel 1995), S. 221 Abbildung 14: Der „Berater-Stil“, 1971, S. 55, Quelle: Stern, Heft 42/71, S. 161 Abbildung 15: „Erfolgs- Stil“, S. 56, Quelle: Kicker, Heft 64/02, S. 5 & „Familien-Stil“, S. 56, Quelle: Stern, Heft 18/02, S. 69 Abbildung 16: Der „neue Vater“, S. 60, Quelle: Stern, Heft 20/01, S. 199 Abbildung 19: Lächelnder „Marlboro Mann“, 2001, S. 64, Quelle: Stern, Heft 07/01, S. 10 Bildbeispiele B1: „Offen für Gleichberechtigung“, Anhang S. VI, Quelle: Kellner, J./Kurth, U./ Lippert, W. (50 Jahre Werbung in Deutschland 1995), S. 133 Bildbeispiele B1: „Life can be so simple“, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 34/01, S. 2 Bildbeispiele B1: „Gauloises Blondes“, Anhang S. VI, Quelle: Kellner, J./Kurth, U./Lippert, W. (50 Jahre Werbung in Deutschland 1995), S. 167 Bildbeispiele B2: „Familie Deutschland“, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 49/01, S. 64 Bildbeispiele B2: „Beton“, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 37/01, S. 73 Bildbeispiele B2: „Liebe braucht Sicherheit“, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 18/02, S. 69 Bildbeispiele B2: „Angestellte haben ist besser“, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 42/02, S. 137 Bildbeispiele B2: „Ebay gewinnt“, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 31/02, S. 29 Bildbeispiele B3: Der „erfolgreiche Mann“, 2002, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 24/02, S. 59 Bildbeispiele B3: Der „sportliche Mann“, 2002, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 13/02, S. 207 Bildbeispiele B3: Der „attraktive Mann“, 2002, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 24/02, S. 129 Bildbeispiele B3: Der „Alleskönner“, 1972, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 35/72, S. 11 Bildbeispiele B3: Der „Familienvater“, 2002, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 18/02, S. 193 Bildbeispiele B3: Der „Abenteurer“, 2002, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 14/02, S. 217 Bildbeispiele B3: Der „Sunnyboy“, 2001, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 30/01, S. 12 XXIII Bildbeispiele B3: Der „Praktiker“, 2001, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 15/01, S. 93 Bildbeispiele B3: Der „Genießer“, 2001, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 31/01, S. 8 Bildbeispiele B3: Der „Künstler“, 2001, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 10/01, S. 170-171 Bildbeispiele B3: Der „Softie“, 1971, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 42/71, S. 103 Bildbeispiele B3: Der „schwule Mann“, 2001, Anhang S. VI, Quelle: Stern, Heft 18/01, S. 24 XXIV Literaturverzeichnis Bandura, A. (Sozial-kognitive Lerntheorie 1979): Sozial-kognitive Lerntheorie, Stuttgart 1979 Bau, A. (Zeitgeist und Werbung 1994): Wertewandel - Werbewandel?: Zum Verhältnis von Zeitgeist und Werbung. Anpassung ökonomischer und politischer Werbung an veränderte sozialkulturelle Orientierungsgrößen in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt am Main 1995 Behrens, H./Haage, K. 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Die Arbeit ist in gleicher oder ähnlicher Form oder auszugsweise im Rahmen einer and eren Prüfung noch nicht vorgelegt worden. ........................... ............................................. (Ort und Datum) (Unterschrift des Verfassers)