Kurier 10.12. - Physio Austria

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Unabhängige Tageszeitung für Österreich
Wien, am 10.12.2016, 365x/Jahr, Seite: _
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Auftr.: 1161, Clip: 10225627, SB: Physiotherapie
Kinder und
Rheuma
Diagnose Rheuma.
Diese stellt Kinder und deren Eltern
vor Herausforderungen. Dank
moderner Medizin ist die Krankheit
heute aber sehr gut behandelbar.
A
n rheumatischen Erkrankungen würden nur alte
Menschen leiden - das ist
ein verbreiteter Irrglaube. Zwischen ein und zwei von Tausend Kindern und Jugendlichen erkranken unter 16 Jahren an der juvenilen idiopathischen Arthritis: einer Gelenksentzündung,
welche
die
Gelenke zerstört und länger als
sechs Wochen dauert. Führte das
Rheuma früher noch regelmäßig
zu schweren Entstellungen der
Gelenke undeiner beträchtlichen
Zahl an Gelenkoperationen, ist
dies durch den medizinischen
Fortschritt heute nur noch selten
der Fall. Bei frühzeitiger und richtiger Behandlung erreichen Kinder meist ohne Schäden das Erwachsenenalter.
Besonders Kinder im Kindergartenalter und im Alter zwischen zehn und 13 Jahren erkranken oft an juveniler idiopathischer Arthritis. „Das Kindergartenkind, dem die großen Gelenke
schmerzen
und
anschwellen, ist der am meisten
vertretene Patient", sagt Wolfgang Emminger, Leiter der
Rheumatologischen Ambulanz
an der Universitätsklinikfür Kinder- und Jugendheilkunde in
Wien. Er betreut mit seinem
Team rund 400 Dauerpatienten
und Dauerpatientinnen. Mädchen erkranken übrigens deutlich häufiger als Buben.
Schmerzen, Überwärmung
Die Entzündung führt zu
Schmerzen, Schwellung und
Überwärmung in den betroffenen Gelenken. Kindergartenkinder mit dieser Erkrankung
muss der Augenarzt mit einer
Spaltlampe untersuchen, um eine sich langsam ausbreitende
Augenentzündung frühzeitig
zu diagnostizieren. Der Weg
zur eindeutigen Diagnose und
damit auch einer deutlich erfolgreicheren Therapie ist heute glücklicherweise viel kürzer
als früher. „Es hat sichin denletzten Jahren in der Wahrnehmung, dass es die Krankheit
auch bei kleinen Kindern gibt,
sehr viel zum Positiven verändert", sagt Emminger.
Die Ursachen der Rheumakrankheit bei Kindern sind
nicht gänzlich geklärt. Es handelt sichnichtumeineErbkrankheit im klassischen Sinne, zumindest wurde noch kein Rheuma-Gen entdeckt. Ganz selten
trete familiär gehäuft ein einzelner Defekt in einem verantwortlichen Gen auf, sagt der Experte. Viel häufiger seien auch bei
diesen Fällen verschiedene Fehler des Immunsystems verantwortlich. Insgesamt sei es wahrscheinlich ein Zusammenwirken aus inneren Faktoren wie
fehlgeleiteten Prozessen des Immunsystems und äußeren Einflüssen wie Infektionen, Unfällen und psychischer Belastung,
was zur Entzündung der Gelenke führt. „Es gibt auch Hinweise, dass die Geburt auf natürlichem Weg und die Dauer des
Stillens mit einer geringeren Rate an der Entstehung von Rheuma bei Kindern einhergehen",
sagt Emminger.
Multidisziplinär
Bedeutete die Diagnose früher
eine enorme Einschränkung
der Lebensqualität, können die
meisten Jugendlichen heute ihren Alltag gut bestreiten. Dies
ist nicht nur auf moderne Medikamente zurückzuführen. Man
weiß mittlerweile, dass Kindern am besten mit einer multidisziplinären Behandlung geholfen wird. Dazu gehören neben denrichtigenMedikamenten
Kindergartenkinder sind die
am häufigsten
auftretenden
Patienten mit
juveniler
idiopathischer
Arthritis
die Ergotherapie, um Fingerund Handgelenke zu mobilisieren, Physiotherapie, die Psychologin und der regelmäßige Besuch beim Augenarzt. Wichtigist,
dassdiese SpezialistenErfahrung
darin haben, Kinder mit rheumatischen Erkrankungen altersgerecht zu versorgen.
Nachdem Ärzte die Krankheit noch nicht heilen können,
müssen die Kinder ein Leben
lang in medizinischer Betreuung stehen. In der medikamentösen Therapie setzen Mediziner zuerst nichtsteroidale Anti-
,Es hat sich in den letzten Jahren
in der Wahrnehmung, dass es
die Krankheit auch bei kleinen
Kindern gibt, sehr viel zum
Positiven verändert/'
Wolfgang Emminger, Leiter der Rheumatologischen Ambulanz an der
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien
zählt als: 5 Clips, erschienen in: Burgenland, Niederösterreich, Wien, Österreich 1. Ausgabe, Österreich
Zum eigenen Gebrauch nach §42a UrhG.Digitale Nutzung gem PDN-Vertrag des VÖZ voez.at.
Anfragen zum Inhalt und zu Nutzungsrechten bitte an den Verlag (Tel: 0590302*0).
rheumatika ein, welche die Entzündung im Gewebe reduzieren. Auch niedrig dosiertes
Cortison istbei schweren Verläufen hilfreich. Zusätzlich werden
auf überwärmte Gelenke Cool
Packs aufgelegt. „Diese nehmen den Schmerz, haben aber
keinenEinfluss auf Spätschäden
des Knorpels oder Knochens",
erklärt Emminger.
Um das Entstehen von Spätschäden zu verhindern, verabreichen Mediziner wöchentlich
niedrige Dosen von Methotrexat. Dieser Wirkstoff unterdrückt die bestehende Überaktivierung des Immunsystems.
Führt er nicht zu einer deutlichen Verbesserung, kommenBiologika zum Einsatz. Besonders
die Kombination der beiden
Therapeutika führt zu Erfolgen.
„Die Zahl der entzündeten Gelenke bei Kindern mit Polyarthritis fällt dadurch von zwanzig
bis zu dreißig auf null bis drei",
sagt Emminger. Sie müssen nur
mitwenigschmerzenden Gelen-
ken zur Schule gehen und können gut am Unterricht teilnehmen - in vielen Fällen auch am
Turnunterricht.
Notwendige Expertise
Die notwendige Expertise, um
Kinder zufriedenstellend zu behandeln, findet sich in größeren Kinderspitälern, aber fast
nicht im niedergelassenen Bereich. Emminger bezeichnet die
Versorgungssituation in Österreich zwar als ausreichend. Ein
multiprofessionelles Zentrum
zur Betreuung von zu rehabilitierenden Kindern und Jugendlichen mit Rheuma ist in Osterreichjedochnicht etabliert. „Viele Eltern und Kinder müssen gerade am Anfang der Erkrankungbeträchtliche Wege in Kauf
nehmen, um zu einem Therapeuten zu kommen", sagt er.
Auch wenn die Krankheit gutbehandelbar ist, stellt sie viele Familien daher vor große Herausforderungen im Alltag.
- MATTHIAS HUMER
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Auftr.: 1161, Clip: 10225627, SB: Physiotherapie
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Dank moderner Behandlungsmethoden können Kinder ohne Einschränkung am Unterricht teilnehmen
zählt als: 5 Clips, erschienen in: Burgenland, Niederösterreich, Wien, Österreich 1. Ausgabe, Österreich
Zum eigenen Gebrauch nach §42a UrhG.Digitale Nutzung gem PDN-Vertrag des VÖZ voez.at.
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Seit 35 Jahren schon veranstaltet das
Österreichische Jugendrotkreuz ein Feriencamp für Kinder, die an Rheuma
erkrankt sind. Dieses findet jeden
Sommer über zwei Wochen im Warmbad Villach statt. Für die jungen Betroffenen ist das einerseits die Gelegenheit, Gleichaltrige kennenzulernen,
die ähnliche Beschwerden wie sie haben. Andererseits erfahren sie dort
zwei Wochen durchgehend medizinische und therapeutische Begleitung,
von der ihre Gesundheit profitiert.
„Das Camp ist eine Mischung aus Therapie- und Ferienaufenthalt", erklärt
Katharina Jechart vom Österreichischen Jugendrotkreuz, die das Camp
organisiert. Die Kinder erhalten jeden
Tag eine individuell auf sie abgestimmte Ergo- und Physiotherapie durch
drei ständig anwesende Therapeuten.
Die medizinische Betreuung findet in
enger Kooperation mit der Kinderklinik
des AKH Wien, dem Preyer'schen Kinderspital Wien und der Orthopädie
des AKH Linz statt. Sollte es Probleme
geben, stehen durchgehend Ärzte zur
Verfügung. Eine Krankenschwester ist
vor Ort, um Medikamente zu verabreichen. Nachdem Kinder, die unter
Rheuma leiden, oft psychisch belastet
sind, steht ihnen auch eine Therapeutin zur Seite. Besondere Beachtung
wird außerdem der Ernährung geschenkt. Der andere Teil des Camps
ist dem Spaß gewidmet. „Es gibt jährlich ein Camp-Motto, zu dem wir Ausflüge und Spiele veranstalten. So wie
etwa letztes Jahr zum Thema Märchenwelt", sagt Jechart. Zu den Programmpunkten gehören: Kino, Ausflüge, verschiedene Veranstaltungen und
Schwimmen. Das Rote Kreuz organisiert außerdem einen Erste-Hilfe-Kurs.
siei
Ein Sponsor veranstaltet ein FotoShooting passend zum Camp-Thema.
Die Kinder sind in einer Tourismusschule, die den Sommer über freisteht
und dem Camp-Motto entsprechend
dekoriert ist, untergebracht.
Breite Zielgruppe
Jährlich fahren etwa 25 Kinder und Jugendliche nach Villach. Die Teilnehmer
sind in Therapiegruppen eingeteilt es gibt altersgerechte Angebote für
Kinder von sechs bis 18 Jahren. „Viele
Kinder kommen jedes Jahr wieder",
sagt Jechart.
Die Ärzte vor Ort erstellen am Ende
des Camps einen Abschlussbericht,
der an die betreuenden Ärzte der Kinder zu Hause geschickt wird. In diesem listen sie auf, welche Therapien
durchgeführt wurden und was die Mediziner bei ihren Patienten beobachtet
haben. So soll der langfristige Therapieeffekt über die Dauer des Camps
hinaus garantiert werden. Die Bekanntheit des Angebots lebt in erster
Linie durch Mund-zu-Mund-Propaganda. „Manchen Ärzten ist es sehr wichtig und sie legen die Teilnahme am
Camp vielen Eltern nahe", sagt die
Verantwortliche.
Keine Geldfrage
Der Elternbeitrag für das Camp beträgt
300 Euro. „Das ist nur ein sehr geringer Teil dessen, was das Camp tatsächlich kostet, der Rest wird über Förderungen und Spenden gedeckt", sagt
Jechart. Eltern, deren Kinder Probleme
haben, die Kosten zu tragen, können
sich dennoch an das Jugendrotkreuz
wenden. „Es gibt sicher kein Kind, das
bei uns nicht mitfährt, weil es sich die
Eltern nicht leisten können", sagt sie
J
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