P-Seminar Latein: Exkursion zum Golf von Neapel – Ein Reiseführer

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2014/15
P-Seminar Latein: Exkursion zum
Golf von Neapel – Ein Reiseführer
P-Seminar Latein
Jean-Paul Gymnasium Hof
2014/15
Inhaltsverzeichnis
Vorwort........................................................................................................................... 1
Exemplarisches Programm für eine Exkursion an den Golf von Neapel ............................. 2
Die Anreise nach Neapel und öffentliche Verkehrsmittel vor Ort ........................................ 2
Herculaneum .................................................................................................................. 6
Der Vesuvausbruch im Pliniusbrief .................................................................................. 8
Paestum ......................................................................................................................... 9
Pozzuoli ....................................................................................................................... 11
Führung durch Pompei .................................................................................................. 12
Haus der Vettier ............................................................................................................ 14
Kulinarische Geschichte Pompejis ................................................................................. 15
Wohnen in Pompeji ....................................................................................................... 16
Handel und Wandel in Pompeji...................................................................................... 17
Kulturelles Pompeji ....................................................................................................... 17
Thermen ....................................................................................................................... 18
Villa Oplontis ................................................................................................................ 19
Goethes Italienische Reise ............................................................................................ 22
Johann Joachim Winckelmann ...................................................................................... 23
Jean Paul und Italien..................................................................................................... 24
Vorwort
Der vorliegende Reiseführer resultiert aus der Vor- und Nachbereitung einer Exkursion an den
Golf von Neapel, die wir Schülerinnen und Schüler im September 2014 im Rahmen eines PSeminars im Fach Latein unternahmen. Er besucht nicht nur weltberühmte Stätten in dieser
Gegend, sondern versucht darüber hinaus, einige praktische Tipps zu Anreise und Aufenthalt
wie auch gewisses Hintergrundwissen zu vermitteln. Diese durch vulkanische Aktivitäten
geprägte Region hat seit jeher die Menschen fasziniert, stellte zugleich aber auch stets eine
große Gefahr für sie dar. Mit der folgenden Präsentation möchten wir dem Leser eine Reise in
diese faszinierende Region Italiens schmackhaft machen. Denn nicht nur kulinarisch hat eine
Fahrt nach Neapel einiges zu bieten, sondern sie lässt den Besucher u.a. auch die antike
Stätten, die Geologie und den Vulkanismus rund um den Vesuv hautnah erleben. So taten wir
es dem Namensgeber unserer Schule, Jean Paul, und vielen anderen Schriftstellern gleich,
um auf ihren Spuren diese Region Kampaniens zu entdecken. Auf den folgenden Seiten
möchten wir Ihnen einige Basisinformationen zu einer Reise an den Golf von Neapel geben.
Hierbei stützen sich die Beiträge der einzelnen Seminarteilnehmer auf eigene Recherchen.
Ihre Abfolge orientiert sich weitgehend am Reiseprogramm. Die Schrift erhebt natürlich keinen
Anspruch auf Vollständigkeit und Gewähr.
1
Reiseführer für eine Exkursion an den Golf von Neapel
Exemplarisches Programm für eine Exkursion an den Golf von Neapel
Tag
Programm
Verkehrsmittel
Anreise
Deutsche Bahn
Flug mit Lufthansa
Alibus
Stadtführung Neapel
Zu Fuß
Samstag
Sonntag
Funicolare (Vomero)
Montag
Besichtigung von Herculaneum Circumvesuviana
(Ercolano Scavi)
Fahrt auf den Vesuv
Circumvesuviana
Taxi
Dienstag
Tagesausflug nach Paestum
Regionalbahn
Mittwoch
Besichtigung der Campi Flegrei Metro
und des Vulkans Solfatarra in
Pozzuoli
Donnerstag Tagesausflug nach Pompei
Freitag
Samstag
Circumvesuviana
Besichtigung der Villa Oplontis Circumvesuviana
Ausflug nach Sorrent
Circumvesuviana
Abreise
Taxi
Die Anreise nach Neapel und öffentliche Verkehrsmittel vor Ort
Da Neapel über ein sehr gut ausgebautes Netz öffentlichen Personennahverkehrs
verfügt, lassen sich sämtliche Zielorte einer Exkursion mit öffentlichen Verkehrsmitteln
erreichen. Die Anreise nach Neapel kann je nach Belieben individuell gestaltet werden.
So ist es möglich, mit dem Zug über Rom dorthin zu gelangen. Praktischer und
komfortabler ist jedoch die Anreise mit dem Flugzeug. Zahlreiche deutsche Städte, wie
zum Beispiel München, bieten direkte Flugverbindungen renommierter Airlines an. Für
den Weg vom Flughafen zur Unterkunft dient der Flughafentransfer mit dem „Alibus“.
Er fährt insgesamt drei Haltestellen an. Vom Flughafen Cappodichino aus erreicht er
an der Piazza Garibaldi den Hauptbahnhof und gelangt am Hafen zur Piazza
Municipio. Wer zu den umliegenden Inseln übersetzen möchte, ist dort genau richtig.
2
Denn gegenüber befinden sich die Ablegestellen für die Fähren nach Capri und Ischia.
Da die Piazza Garibaldi auch den Knotenpunkt des Busnetzes darstellt, bietet sich das
nahegelegene Hotel „Starterminus“ für einen mehrtägigen Aufenthalt an. Der Fußweg
von der Unterkunft zum Hauptbahnhof beträgt ca. zwei Minuten. Die drei Linien der
Metro verbinden sehenswerte Schauplätze der Stadt und sind deshalb neben dem Bus
ein weiteres geeignetes Verkehrsmittel. Die „Circumvesuviana-Bahn“ macht ihrem
Namen alle Ehre und verbindet verschiedene Ortschaften rings um den Vesuv. Die
„Circumnapoli-Bahn“ ist ein weiteres Angebot des Verkehrsunternehmens „Unico
Campania“. Ein Highlight jeder Neapelreise ist wohl die Fahrt auf den Vesuv. Hierzu
nutzt man sinnvollerweise einen privaten Taxitransfer, der den Besucher von der
Bahnstation Ercolano auf den Vesuv bringt. Im Allgemeinen werden vergünstigte
Fahrkarten angeboten, die es zulassen, alle Verkehrsmitteln von „Unico Campania“ zu
nutzen. So erwirbt man einmalig ein „Unico Campania 3 T – Ticket“, welches ab
Entwertung drei Tage lang gültig ist. Da jedoch nicht selten Veränderungen
vorgenommen werden, sollte man sich vor Ort über aktuelle Fahrpreise informieren.
Insgesamt stellt sich das Nutzen der Öffentlichen Verkehrsmittel als sehr preiswert
heraus und der Besucher kann zügig und problemlos von A nach B gelangen.
Fahrpläne, Übersichten und Preise sind online unter www.portanapoli.de einzusehen.
Quellen: www.portanapoli.de
Tabea Schulz, Q12
Herzlich Willkommen in
Neapel, der wunderschönen
Hauptstadt
der
Region
Kampanien! Viel Kultur auf
engstem Raum. Dieser Satz
beschreibt
die
atemberaubende
Altstadt
von Neapel wohl am besten.
Sie
wurde
1995
zum
UNESCO-Weltkulturerbe
erklärt, und das zu Recht.
Eng an eng verwinkeln sich
hier die kleinen Gässchen,
sodass der Besucher immer
wieder
unverhofft
auf
Kirchen und unterirdische
Höhlen stößt. Hierzu zählen auch die Katakomben unter Neapel, die über einen
Eingang in der Altstadt leicht zu erreichen sind. Die alte neapolitanische
Volkskultur lässt sich noch heute auf Schritt und Tritt entdecken.
Die Zahl der Sehenswürdigkeiten in der Altstadt ist sehr groß, weshalb man sich
bei einem kurzen Besuch auf einige besondere beschränken muss. Welche
dabei auf keinen Fall ausgelassen werden sollten, werden Sie auf den nächsten
Seiten erfahren.
3
Im Herzen der Altstadt thront die barocke Kirche
Cattedrale di Maria Assunta, welche einen
dreischiffigen Hauptbau hat. Eingeweiht im Jahre
1315, ist diese Kirche der bekannteste religiöse Ort der
Stadt. Um die Kirche rankt sich zudem die Legende des
"Blutwunders". Diese handelt vom Märtyrer San
Gennaro, der während der Christenverfolgung getötet
wurde und dessen Blut man daraufhin direkt in einer
Ampulle auffing. Über Umwege gelangte diese
Ampulle im 9. Jahrhundert in eine kleine Kirche, an
deren Stelle 500 Jahre später die Cattedrale di Maria
Assunta gebaut werden würde.
Der "Blutwunder" Legende nach verflüssigt sich das
Jahrhunderte alte Blut immer wieder, woraufhin der
Stadt Neapel und ihren Bewohnern Gutes geschieht.
Aus diesem Grund beten Gläubige jedes Jahr am
Festtag des San Gennaro für die Verflüssigung des
Blutes.
Weit über die Grenzen Neapels bekannt ist die etwas
andere Krippenstraße, die Via San Gregorio
Armeno. Neben den "normalen" Krippenfiguren
Jesus, Maria und Co. findet man hier auch
Nachbauten bekannter, italienischer Politiker und
Fußballspieler. Ein Hingucker für Jung und Alt ist
zum Beispiel die Figur der Fußballikone Maradona.
In der Krippenstraße werden also weniger
herkömmliche Weihnachtskrippen verkauft, sondern
vielmehr Krippen, die das alltägliche Leben in Neapel
darstellen. Aus diesem Grund stehen eher
Pizzabäcker, Metzger und Händler im Mittelpunkt.
Für alle, die an der Antike interessiert sind,
ist
das
Nationalmuseum
(Museo
Archeologico Nazionale) ein Muss. Es gilt
als das bedeutendste archäologische
Museum Europas und beherbergt unter
anderem sehr gut erhaltene Fundstücke
von Pompeji und Herkulaneum. Auch die
Farnese-Sammlung, in der griechische
und römische Skulpturen ausgestellt
werden, gehört seit dem Jahr 1773 zum
Grundstock des Museums. Das Herz des
Museums ist aber ein aus über 1,5
Millionen Steinen bestehendes Mosaik aus dem antiken Pompeji, auf welchem mit
erstaunlicher Genauigkeit die Alexanderschlacht dargestellt wird.
Außerdem kann man im sogenannten geheimen Kabinett, dem gabinetto segreto, die
von den Ausgräbern als erotisch eingestufte Kunstwerke bestaunen.
4
Auf jeden Fall muss man aber die Festung
Castel Sant’Elmo besuchen. Das Castell
thront hoch über der Stadt auf dem
Vomerohügel, weswegen man von hier aus
eine wunderbare Sicht auf die Altstadt hat.
Aber auch der Vesuv und den Golf von Neapel
kann von hier oben bewundert werden. Die
Burg wurde im Jahr 1343 fertiggestellt und
dient
heutzutage
als
Kongressund
Ausstellungszentrum.
Auch Neapels weitläufige Katakomben, das
Napoli Sotterranea, gehören unbedingt zu
einer Stadtbesichtigung.
Schon im vierten Jahrhundert vor Christus begann man, den Boden unter der Altstadt
auszuhöhlen. Das mittlerweile 80 Kilometer lange Labyrinth diente in seiner langen
Geschichte unter anderem als Zisterne, geheimer Zufluchtsort oder Kultraum. Auch
ein unterirdisches, römisches Theater kann man dort besichtigen. Im zweiten Weltkrieg
diente "die Stadt unter Neapel" sogar als Luftschutzbunker.
Der Vomero Hügel überragt die Stadt und bietet eine wunderschöne Sicht auf die sich
vor ihm ausbreitenden Straßen und Häuser, aber auch auf den Vesuv und den Golf
von Neapel.
Neben dem schon beschriebenen Castel Sant Elmo ist auf dem Hügel auch noch das
Kloster San Martino vorzufinden. In diesem ist momentan ein Museum untergebracht.
Doch neben den imposanten Bauten hat die Erhebung inmitten von Neapel auch
kommerziell einiges zu bieten. Die Fußgängerzone Via Scarlatti mit ihren Boutiquen
und Schuhgeschäften eignet sich hervorragend für einen Einkaufsbummel.
Romantisch und beeindruckend sind zudem die Terrassengärten, welche sich am
Hang des Klosters befinden. Der perfekte Ort für einen entspannenden Spaziergang.
Lassen Sie Lärm und Gedränge der Stadt einmal hinter sich!
Quellen: http://www.portanapoli.de/neapel
Zoran von Waldenfels, Q12
5
Herculaneum
Im Gegensatz zu Pompeji, welches
35 Kilometer vom Vesuv entfernt ist,
liegt Herculaneum am Fuße des
Vulkans, in nur sieben Kilometer
Entfernung. Die kleine Stadt, welche
zu ihrer Blütezeit ca. 5000 Einwohner
besaß, war hauptsächlich von
Fischern bewohnt. Jedoch bauten
auch viele reiche Römer und
Pompejianer
ihre
Villen
dort.
Vergleichbar mit Pompeji hatte
Herculaneum im Jahre 62 n. Chr. durch ein schweres Erdbeben große Schäden
erlitten.
Am 24. August 79 n. Chr. war es dann um die Stadt geschehen. Wie Pompeji ging sie
beim Ausbruch des Vesuvs unter. Jedoch wurde sie nicht von Bimsstein und
Lavabrocken getroffen. Ebenso wenig erreichte Herculaneum der Ascheregen. Die am
Meer gelegene Stadt wurde von einer 16-18 Meter hohen pyroklastischen
Schlammlawine überrollt, weswegen sie heute besser erhalten ist als Pompeji.
Aufgrund des Fundes einiger weniger Leichen zu Beginn der Ausgrabungen 1927 ging
man davon aus, dass sich die Einwohner rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.
Nachdem jedoch Hunderte von Leichen in den sogenannten Bootshäusern am Strand
gefunden und untersucht worden waren, kam man zu dem Ergebnis, dass die
Menschen innerhalb von wenigen Sekunden durch eine ca. 500°C heiße
pyroklastische Gaswolke umkamen. Sie starben an multiplem Organversagen einen
schnellen Tod. Die Opfer der Wolke hatten nicht einmal genug Zeit, ihre Hände
schützend über ihr Gesicht zu legen, wie es in Pompeji der Fall war. Die besagten
Ströme, welche mit über 100 km/h über die Stadt hinweg fegten, zerstörten fast alles,
was ihnen in den Weg kam. Dennoch sind Möbel, Kleidung und vor allem Papyri
zahlreich erhalten. Durch die hohen Temperaturen wurden diese zwar verkohlt,
dadurch jedoch vor dem Verrotten geschützt. Vor allem die Papyri, welche durch
Infrarot-Technik analysiert und gelesen werden können, besitzen einen hohen Wert.
Die meisten von ihnen, etwa 1800, wurden in einer Villa gefunden, die heute den
Namen Villa dei Papyri trägt.
Die Stadt, welche erstmals 1709 bei Brunnenarbeiten entdeckt worden war, wurde erst
1927 ausgegraben. Im Jahr 2002 eröffnete das Museum von Herculaneum. Heute lädt
die Stadt besonders wegen ihrer gut erhaltenen Ruinen zu einem Besuch ein.
6
Besondere Gebäude sind:
•
•
•
•
•
•
Casa di Nettuno e Anfitrite (Haus des Neptuns und Amphitrite): Das Haus, welches
besonders durch seine schöne Mosaikverzierung beeindruckt, gehörte
wahrscheinlich einem reichen Kaufmann. Auch erlesene Bronzestatuen sind in
dem Haus zu finden.
Casa Samnitica (Samnitisches Haus):
Das älteste Haus, erbaut im
zweiten Jh. v. Chr., ist gleichzeitig
auch eines der am besten
erhaltenen.
Casa dei Cervi (Haus der Hirsche):
Das Haus aus der Zeit des Nero
ist
im
südlichen
Teil
Herculaneums zu finden. Die
Wandmalereien und Skulpturen
gaben diesem Haus seinen
Namen.
Casa del Tramezzo di Legno (Haus
mit hölzerner Trennwand): Das Haus, dessen Fassade bis zum 2.
Obergeschoss erhalten ist, zeichnet sich speziell durch das Atrium aus. Dort
finden sich die original hölzernen Trennwände.
Casa del Rilievo di Telefo (Haus des
Telephos-Relief):
Besonders
beeindruckend sind in diesem
Gebäude
Darstellungen
von
Satyrn und Theatermasken an den
Wänden des Atriums.
Casa del Atrio a Mosaico (Haus mit
dem Mosaikfußboden im Atrium):
Wie der Name des Hauses schon
verrät,
ist
neben
einem
wunderbaren Blick auf das Meer
der
Mosaikfußboden
von
herausragender Schönheit.
•
Villa dei Papiri (Villa der Papyrusrollen): Neben den
zahlreichen Papyri wurden in dieser Villa auch viele
Bronzestatuen gefunden, welche heute im Archäologischen
Nationalmuseum in Neapel zu betrachten sind.
•
Urbane Thermen (Stadtthermen): Die um 10 v. Chr.
erbauten Thermen lassen sich in einen Frauen- und Männertrakt
einteilen. Besonders die mit Mosaik verzierten Fußböden sind
sehr beeindruckend.
•
Suburbane Thermen (Vorstadtthermen): Die um 70 n. Chr.
erbauten luxuriösen Vorstadtthermen, gelten als die jüngsten
Gebäude der Stadt.
•
Ebenfalls sind zahlreiche Tavernen, Geschäfte und
Handwerksläden in Herculaneum zu finden.
Quelle: http://www.antikefan.de/staetten/italien
/herkulaneum/herkulaneum.html
Farsin Sörgel, Q12
7
Der Vesuvausbruch im Pliniusbrief
Heute gelangen Nachrichten in kürzester Zeit rund um die Welt. Passiert irgendetwas
Wichtiges, kann man es schon nach kurzer Zeit im Internet nachlesen. Gerade
Katastrophen erregen die Aufmerksamkeit der Menschen. Je spektakulärer die
Meldungen
sind,
desto
mehr
Menschen
interessieren
sich
dafür.
Katastrophenmeldungen besitzen jedoch eine lange Tradition. Bereits vor 2000 Jahren
wurde die erste Naturkatastrophe für die Nachwelt dokumentiert. In einem Brief an
Tacitus schildert Plinius der Jüngere den Ausbruch des Vesuvs und den Tod seines
Onkels. Die konkreten Hintergründe des
Ereignisses sollen hier kurz dargelegt werden.
Am 24. August 79 n.Chr. wird um 13 Uhr1 eine
Wolke von ungewöhnlicher Größe und Gestalt
gesichtet2. Zunächst ist unklar, woher die Wolke
kommt3, erst später stellt man fest, dass der
Vesuv der Ursprung ist. Die Wolke wird als
pinienähnlich beschrieben4. Es lässt sich am
Himmel ein kompaktes Wolkengebilde in Form
eines langen Stammes und einiger Verzweigungen erkennen. Plinius der Jüngere
mutmaßt, dass die Wolke durch Druck in die Höhe getrieben und dann dort durch ihr
Gewicht in die Breite geformt wurde5. Sie soll entweder weiß oder schmutzig
ausgesehen haben6. In der Nähe des Vulkans regnet es Bimsstein vom Himmel 7. An
Land sieht man große Brände an den Hängen des Vesuvs 8. Man vermutet jedoch,
dass diese durch die unbeaufsichtigten Herdfeuer der geflohenen Bevölkerung
verursacht worden sind9. Nachts kommt es zu Erdbeben, die als so stark beschrieben
werden, dass die Häuser anfangen zu wackeln10. Der nächste Tag wird als so dunkel
wie in der Nacht geschildert11. Außerdem werden überall Flammen und
Schwefelgeruch wahrgenommen, vermutlich von der flüssigen Lava 12. Damit erweist
sich der Pliniusbrief als die erste Berichterstattung, bei der nicht nur eine persönliche
Geschichte erzählt, sondern auch wissenschaftliche Fakten dokumentiert wurden.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
nonum kal. Septembres hora fere septima (Abs. 4)
nubem inusitata et magnitudine et specie (Abs. 4)
ex quo monte (Abs. 5)
arbor quam pinus (Abs. 6)
in latitudinem vanescebat (Abs. 6)
candida interdum, interdum sordida (Abs. 6)
cinis […] calidor et densior (Abs. 11)
latissimae flammae atque incendia (Abs. 13)
ignes relictos desertasque villas (Abs. 13)
tecta nutabant (Abs. 15)
dies alibi […] illic nox (Abs. 17)
flammae flammarumque praenantius odor alios (Abs. 18)
Quellen: http://www.gottwein.de/Lat/plin/plin06.php
Lukas Amann, Q12
8
Paestum
Im Lateinunterricht der 6. Klasse übersetzten wir den Satz: Graeci coloniam, quae
antea Poseidonia nominata est, condiderunt. Paestum war also eine griechische
Kolonie. Ihr ursprünglicher Name war Poseidonia, sie wurde als Handelskolonie von
Griechen 700 v. Chr. gegründet. Handel wurde vor allem mit den Etruskerstädten im
Norden betrieben und die Stadt gelangte zu großem Wohlstand. Die Gegend von
Neapel bis Sizilien hieß damals Magna Graecia (Großgriechenland). 274 v. Chr. wurde
Poseidonia zur römischen Veteranenkolonie und trägt seitdem den Namen Paestum.
Dort wurden römische Kriegsveteranen für ihre Dienste mit Land belohnt und
angesiedelt. Diese Gründung einer römischen Kolonie war ein einschneidendes
Ereignis für Paestum und ging mit erheblichen baulichen Umgestaltungen sowie mit
dem Austausch der Bevölkerung einher. Die Siedlung entwickelte sich von einem
Handelszentrum zu einem Zentrum des Ackerbaus. Zur römischen Kaiserzeit
schrumpfte sie zu einer Kleinstadt und im Mittelalter zu einem Dorf. Die Ebene, in der
sie lag, wandelte sich immer mehr in Sumpfland und wurde 930 n. Chr. verlassen. Das
Ruinengelände, das wir heute besichtigen können, entspricht weitgehend dem
römischen Paestum und nicht der griechischen Stadt Poseidonia. Die Römerstadt
wurde erst im 18. Jhd. zufällig wiederentdeckt. Von den Griechen wurde das
Straßennetz übernommen, und zwar mit drei breiten Ost-West-Achsen und unzähligen
kleinen Wegen, die diese Achsen rechtwinklig schneiden. Die massive, 5m starke und
4750m lange Stadtmauer ist noch über weite Strecken sehr gut erhalten. Sie weist vier
Stadttore auf, alle von den Römern erbaut. In der Mitte der Ausgrabungsstätte liegt
das Forum, ein Freiplatz von 60 x 150 Metern. Er wurde früher von Ladengeschäften
gesäumt. Die Stadt wird von drei guterhaltenen Tempeln geprägt. Im Norden liegt der
Athenatempel (oder auch Cerestempel genannt). Er wurde 600 v. Chr. im dorischen
Stil erbaut. Er besteht aus 6 x 13 Säulen und zeigt als Besonderheit einen
hochaufragenden Giebel mit vielen Verzierungen. Die Säulenhälse haben
Ornamentbänder. Die Vorhalle (Cella) wird von ionischen Säulen getragen, eine
Besonderheit des Baustils, wie auch bei klassischen Bauten in Athen zu sehen. Im
Süden stehen 2 Tempel. Zum einen die Basilika oder auch Heratempel. Er ist der
größte Steintempel seiner Zeit und der älteste der drei Tempel mit 9 x 18 Säulen. Die
Verjüngung der Säulen nach oben ist extrem ausgeprägt. Diese Säulenform wurde in
Mitteleuropa im Klassizismus oft kopiert. Der Giebel war mit reichverzierten
Terrakottaplatten verkleidet. Sie sind fast alle noch vollständig im Museum zu sehen.
9
Zum anderen beeindruckt der Poseidontempel, der jüngste Tempel in Paestum. Er
zeigt in Bezug auf die Höhe ausgewogene Proportionen, 2/3 Säulenhöhe und 1/3
Gebälk. Sein Aufbau ist von allen Seiten symmetrisch und er gilt als der besterhaltene
Tempel außerhalb Griechenlands. Die Tempel Paestums dienten nicht ausschließlich
religiösen Zwecken. In ihrem Inneren bewahrte man Götterbilder auf. Der Altar im
Innersten war der Platz für die Opferzeremonien. Die Tempel sollten aber auch jedem
zeigen, wie weit die Kompetenzen der Bürger von Paestum in wirtschaftlicher und
technologischer Hinsicht reichten. Der Bau derart großer Steintempel war ein
gewaltiger finanzieller Kraftakt und erforderte darüber hinaus neue Formen von
Handwerksarbeit, Transport- und Hebetechnik. Auch mussten viele logistische
Probleme gelöst werden. An der nördlichen Langseite des Forums befanden sich der
Kapitoltempel und das Gymnasium. Daneben lag der Versammlungsort der römischen
Bürger, das Comitium, eine kreisrunde offene Anlage mit einem Verwaltungsbau. Hier
fanden auch die Wahlen der römischen Magistrate statt. Dahinter befand sich ein
Amphitheater. Seine innerstädtische Lage war zur damaligen Zeit sehr ungewöhnlich.
An der südlichen Langseite des Forums stand das Macellum, ein großes
Marktgebäude. Ebenso befand sich hier die Curia, das Tagungshaus des Magistrats.
Quellen: http://www.reise-nach-italien.de/paestum-reise.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Paestum
http://www.antikefan.de/staetten/italien/paestum/paestum.html
Alex Weber, Q12
10
Pozzuoli
Geologisch gesehen ist die Umgebung Neapels zum
einen durch den Vesuv und zum anderen durch die
Phlegräischen Felder gekennzeichnet. Im Gegensatz
zum Vulkan Vesuv bestehen die Phlegräischen Felder
(phlegyros = brennende) aus 24 kleinen Kratern, die
sich über eine Fläche von 13 Kilometer erstrecken, und
direkt unter der Stadt Pozzuoli liegen. Schon seit der
Antike werden die durch unterirdische Feuer in dieser
Gegend erhitzten Quellen
genutzt. Die Stadt Pozzuoli
weist
neben
diesem
Phänomen auch andere
Sehenswürdigkeiten auf. So sind die Arena und das
Kellergewölbe des Flavischen Amphitheaters, welches das
bedeutendste Bauwerk der antiken Stadt darstellt, noch
gut erhalten. Rund 40.000 Menschen hatten auf der
Tribüne des drittgrößten Amphitheaters im Römischen
Reich Platz. Der Bau dafür begann bereits in der Mitte des
ersten Jahrhunderts nach Christus unter dem Kaiser Nero
und wurde erst unter Kaiser Vespasian fertiggestellt. Die
Pläne dafür waren dabei bestens organisiert, um
Sicherheit für die Zuschauer beim Betreten und Verlassen zu bieten. Die Arena, in der
die blutigen „Venationes“ stattfanden, besitzt eine ovale Form, ist 75 Meter lang und
42 Meter breit. Bei den „Venationes“ handelt es sich um Jagdspektakel mit wilden
Tieren, wobei Pozzuoli diese auch an andere Amphitheater weitergab. Durch das weite
Kellergewölbe war es möglich, die Tierkäfige von unten in die Arena emporzuheben.
In der Nähe des Amphitheaters liegt der „Tempio di Serapide“, bei dem es sich um
einen kleineren archäologischen Park handelt, der nicht betreten werden darf, der aber
durch seine tiefere Lage gut einsehbar ist. Nach ersten Ausgrabungen wurde der Park
wegen einer Statue mit der Ähnlichkeit zum Gott Serapis fälschlicherweise für einen
Tempel gehalten. Erst nach weiteren Untersuchungen konnte festgestellt werden,
dass es sich um ein „Marcellum“, den Lebensmittelmarkt der Stadt, handelt. 32
Tavernen bilden dabei einen Innenhof, in welchem sich 16 Säulen befinden. Einzigartig
ist dabei, dass der Untergrund im Laufe der
Jahrhunderte
abgesackt
und
wieder
aufgestiegen ist, was wegen der küstennahen
Lage zu Ablagerungen an den Säulen geführt
hat. Nachdem der Boden bis zum 16.
Jahrhundert auf einige Meter über dem
Meeresspiegel emporgestiegen ist, hat er
derzeit eine sinkende Tendenz. Als letzte
Sehenswürdigkeit ist der Vulkan Solfatara
anzuführen, der zweite ruhende Vulkan in Kampanien.
11
Er stellt gemeinsam mit dem Vesuv eine große Gefahr
dar, unterscheidet sich aber von diesem sehr in seinem
Erscheinungsbild. Im Gegensatz zum Vesuv ist die
Solfatara ein eher junger Vulkan und befindet sich nur
98 Meter über dem Meeresspiegel. Der Krater hat eine
Fläche von 770 auf 580 Meter und zeichnet sich durch
Fumarolen aus, aus denen Schwefeldämpfe
entweichen. Außerdem kann es zur Entstehung kleiner
Minivulkane kommen, wenn sich nach Regen das schwefelhaltige Wasser mit
tonhaltigen Materialien vermischt. Der Vesuv liegt 14 Kilometer südöstlich von Neapel
und bedeckt eine Fläche von 480 km². Es
handelt sich um einen Stratovulkan, der durch
übereinander
geschichtete
Lavaströme
entstanden ist. Vulkanische Asche und
Tephrapartikel treten dabei hauptsächlich durch
den Hauptschlot aus. Neben dem 1281m hohen
Vesuv liegt der durch das Tal „Valle del Gigante“
abgegrenzte, inaktive Monte Somma mit 1132m
Höhe.
Quellen: Reiseführer: Baedecker, Golf von Neapel
Markus Goller, Q12
Führung durch Pompei
Die Führung startet am Apollotempel, dem ältesten Heiligtum von Pompeji. Er wurde
in den Jahren 575-550 v. Chr. erbaut und im 2. Jahrhundert v. Chr. neu ausgestattet.
Aus dieser Zeit stammen auch die ionischen Säulen des Tempels und die
Bronzestatuen der Gottheiten
Apoll
und
Diana.
Die
Sonnenuhr außerhalb des
Tempels ist aus der Zeit des
Augustus.
Das
nächste
Gebäude stammt auch aus
dem 2. Jh. v. Chr., einer Zeit, in
der
Pompeji
prachtvoll
monumentalisiert wurde. Es
handelt sich um die Basilika,
die klassischer Weise als
Kaufhalle und als Gericht
genutzt wurde. Die Basilika
liegt an der Stirnseite des
12
Forums, welches zwar auch aus dem 2. Jh. stammt,
jedoch wurden die meisten Gebäude erst in späteren
Zeiten hinzugefügt und daher bietet das Forum keinen
geschlossenen Eindruck. So wurde es zuerst als
Versammlungsort genutzt, später fanden sich dort
auch Wohnhäuser.
Ein weiteres Gebäude auf dem Forum ist der
Kornspeicher.
Dieser
früher
als
Obst-und
Gemüsemarkt erbaute Lagerhalle wird heute als
Aufbewahrungsort von archäologischen Fundstücken,
die nicht aus Pompeji stammen, und auch von
Gipsabgüssen der Opfer des Vesuvausbruchs
genutzt.
In der Nähe befinden sich auch die Thermen des
Forums, die den klassischen Aufbau römischer Badehäuser vorzuweisen haben.
Aufgeteilt in einen Frauen– und Männerbereich findet sich zuerst der Umkleideraum,
dann folgt das Kaltwasserbad, genannt frigidarium, dann das tepidarium, das
Warmwasserbad, und schließlich das Heißwasserbad, das caldarium. Verziert sind die
Thermen mit Reliefs von mythologischen Figuren. Danach folgen zwei bekannte
Wohnhäuser Pompejis. Das erste wird Haus des Fauns genannt und ist vor allem
berühmt wegen der Bronzestatue eines Fauns, der dem Haus auch seinen Namen
gab, aber auch wegen des allseits bekannten Mosaiks, das Alexander den Großen
zeigt.
Das zweite, das Haus des Tragischen Poeten, ist ein typisches Atrium-Haus,
hauptsächlich berühmt wegen seines „Cave canem“-Mosaiks. Nach dem Besuch des
Ofenhauses, einer Großbäckerei, findet sich auch ein wenig Zeit für eine kurze Pause
im Schnellrestaurant. Danach geht es zur Villa der Mysterien, die ein wenig außerhalb
von Pompeji liegt. Es handelt sich dabei um ein gut erhaltenes Landhaus, das als
Zufluchtsort für die obere Klasse von Pompeji, die dem stressigen Stadtalltag
entkommen wollte, diente. Das Besondere an dieser Villa sind vor allem die
guterhaltenen Fresken, die mythische Kulthandlungen zeigen und so der Villa ihren
Namen gaben.
Wieder zurück in der Stadt, stehen die beiden Theater Pompejis auf dem Programm.
Das Große Theater weist 5000 Zuschauerplätze auf, die in drei Preiskategorien
aufgeteilt waren. In diesem Theater wurden in der Antike vor allem Komödien und Tanz
und Musik aufgeführt, während im Kleinen Theater hauptsächlich Gedichte
vorgetragen
wurden.
Einen guten Einblick in das Geschäftsleben Pompejis erhält man in der sogenannten
Stephanus-Fullonica. Die Fullones, Wollwäscher, bildeten ein großes Gewerbe in der
Antike, sie wuschen die Wolle, sponnen sie dann, schließlich wurde der Stoff gefärbt
und noch einmal gewaschen. Dass diese Fullonica einem Mann namens Stephanus
gehörte, zeigt eine Wahlkampfschrift an der Tür. Auf dem Weg zur letzten Station, dem
Amphitheater, findet sich ein freies Stück Natur im Schatten des Vesuvs: der
13
sogenannte Garten der Fliehenden, in welchem Gipsabgüsse zahlreicher Opfer des
Vesuvausbruchs im Jahr 79 n. Chr., die hier Zuflucht suchten ausgestellt sind. Die
Führung findet schließlich ihr Ende beim etwas außerhalb gelegenen Amphitheater,
das 20000 Zuschauern Platz bot und als Austragungsort für Gladiatoren diente, die
sich in Pompeji reger Beliebtheit erfreuten. So wurde nach einer brutalen
Auseinandersetzung gegnerischer Fans das Amphitheater für zwei Jahre gesperrt.
Haus der Vettier
Die „Casa di Vettii“ in Pompeji ist vor allem aufgrund ihrer gut erhaltenen
Wandgemälde bekannt, die durch die späte Ausgrabung zwischen 1894 und 1896
durch den Abtransport ins Nationalmuseum Pompejis bewahrt wurden. Das Haus
besticht allerdings auch durch seine architektonische Gestaltung, dessen zentrales
Merkmal das Atrium im Mittelpunkt des Gebäudes ist. Betritt der Besucher das Haus
durch den Eingang im Osten, so gelangt er in das Atrium, welches die wohlhabenden
Freigelassenen Aulus Vettius Restitutus und Aulus Vettius Conviva als zentralen
Mehrzweckraum nutzten. Durch das in der Mitte geöffnete Dach gelangen Licht und
Luft in die Halle, Regenwasser wird mit dem impluvium, einem Becken in der Mitte des
Raumes, aufgefangen. Vom Atrium aus erhält man Zugang zu den angrenzenden
Zimmern: vier Schlafzimmer (cubicula), zwei offene Räume (alae) und eine Halle
(oecus). Am südlichen Ende befindet sich eine Treppe ins Obergeschoss, am
westlichen ein großer Garten, der früher mit Skulpturen und Springbrunnen
ausgeschmückt war und von einem Säulengang umgeben ist. Über jenen Peristylium
erreicht man drei Speiseräume (triclinium) und eine große Halle (oecus), im Norden
ein zweiter, kleinerer Garten und ein weiteres Speisezimmer. Auf der Nordseite des
Hauses befindet sich ein weiteres Atrium,
dessen zugehörige Räume von Sklaven
genutzt wurden. Neben der Küche liegen
Speiseräume, die zwischen 18 und 24 Gästen
Platz boten.
Die Wandgemälde sind dem 4. Stil der
römisch-pompejanischen
Wandmalerei
zuzuordnen. Jener „Phantasiestil“ umfasst die
Zeit von 50 bis 79 nach Christus. Im Mittelbild
zeigt die Wand ein Gemälde, die Seitenfelder
zieren zumeist kleine Figuren, aber auch
tapetenartige Muster, die sich immer wieder
wiederholen. Der Stil ist illusionistisch und
stellt die phantastische der realen Welt
gegenüber. Häufig werden Szenen aus der
Mythologie dargestellt. Im Haus der Vettier
finden sich unter anderem Szenen, die
Pentheus, Priapos und die Amoren darstellen.
14
Kulinarische Geschichte Pompejis
Im alten Pompeji galten die zahlreichen Wirtshäuser als ideale Treffpunkte, um
Neuigkeiten auszutauschen und ausgiebige Unterhaltungen zu führen, aber auch um
sich mit Würfelspielen zu vergnügen. Gegessen wurde in Gastwirtschaften jedoch
nicht, nach der Vesper im eigenen Haus zog es die fast ausschließlich männlichen
Gäste in die Wirtshäuser, wo sie sich an Trinkgelagen erfreuten. Der Gastwirt oder
caupo, damals der Beruf mit dem sichersten Einkommen, reichte hierzu mit Wasser
verdünnten Wein. Als bestes Winzerprodukt Kampaniens erfreute sich der Falerner
großer Beliebtheit, aber auch der aus Latium importierte Setiner, der als
Favoritengetränk des Kaisers Augustus galt. Nach dem meist ausgiebigen
Alkoholgenuss taten die Gäste ihre Meinungen über die Qualität der dargebotenen
Getränke oder ihrem persönlichen Allgemeinbefinden auf den Wänden der
Gastwirtschaft kund. Man traf sich aber auch in den Villen wohlhabender Bürger von
Pompeji. Bei Symposien gab es exquisite Kost, etwa Leber von Papageienfischen,
Muränenmilch oder das Gehirn von Pfauen und Fasanen. Diesen Luxus konnten sich
freilich nur die reichen Pompejaner leisten. Fisch dagegen, welchen es aufgrund der
Lage am Meer reichlich gab, nahm in allen Bevölkerungsschichten einen Stammplatz
auf der Speisekarte ein. Bei den Reichen gab es Spezialitäten wie Muräne und
Seezunge. Hierbei spielte die Frage nach der Konservierung eine große Rolle. Wer
sich die Kühlung nicht leisten konnte, verzichtete auf Frischfisch. Stattdessen gab es
das berühmte garum, das in Pompeji seinen Ursprung findet und weit verbreitet war.
Die Fischsauce diente als praktische Beilage, aber auch als Gewürz, die Rezeptur ist
allerdings gewöhnungsbedürftig ebenso wie der strenge Geruch. Für die Zubereitung
von garum werden die Eingeweide von Fischen mit Salz vermengt und anschließend
zwei bis drei Monate in der Sonne gegoren. Das durch einen Sieb geronnene Extrakt
wird zuvor mit Gewürzkräutern vermengt.
Die üppige Vegetation rund um die fruchtbaren Böden des Vesuvs brachte auch
vielerlei Obst und Gemüse, aber auch Geflügel und Wild auf den Speiseplan. Durch
den Ausbruch des Vesuvs wurden viele Speisen durch die Asche konserviert und
ermöglichen heute, aufschlussreiche Informationen über die Essgewohnheiten im
alten Pompeji zu gewinnen. Im Laden eines Bäckers namens Modestus beispielsweise
fanden sich aufgeschnittene Brote, die in acht exakt gleich große Stücke aufgeteilt
waren.
Nach dem Erdbeben 62 nach Christus hatten sich die tradierten Gewohnheiten beim
Essen und Trinken enorm verändert. Das Beben hatte weitreichende Zerstörungen
angerichtet und noch immer herrschte ein großes Durcheinander. Der Bevölkerung
mangelte es an Zeit und so wurde immer öfter außer Haus gegessen. Die Stunde der
Schnellimbisse war gekommen. Neben einem Überangebot an Lebensmittelgeschäften und nicht weniger als 40 Bäckereien im Stadtgebiet entwickelte sich der
antike Vorläufer des modernen Fast-Food-Imbiss. Die Garküchen, die warme Speisen
und Getränke verkauften, gab es quasi an jeder Ecke der Stadt. Besonders gegenüber
von Thermen, in der Nähe des Theaters, aber auch in Wohn- und Arbeitsgebieten,
verzehrte man die sofort servierten, preisgünstigen Speisen vor Ort im Stehen. Das
Thermopolium war zur Straße hin mit einer großen Theke geöffnet, die runde
15
Vertiefungen für Wassertöpfe und Kochtöpfe aufwies. Die zu jeder Zeit verfügbaren
Speisen wurden auf einem großen Herd im Hintergrund des Lokals zubereitet und in
den Töpfen in der Theke warm gehalten. Zumeist gab es Wurst, gebackenen Fisch
oder Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen. Dazu wurde Wasser oder mit Wasser
verdünnter Wein angeboten.
Wohnen in Pompeji
Wer die Ruine eines antiken Wohnhauses
in Pompeji betritt, wird sich wohl aufgrund
der noch immer vorhandenen Pracht
fragen, ob die damaligen Hausbesitzer eine
Hausrats- und Diebstahlsversicherung
hatten. Denn Pompeji war schon immer
bekannt für seine hohe Kriminalitätsrate,
vor allem Kleindelikte wie Diebstähle und
Einbrüche. So stellten Einbrüche eine reale
Gefahr für die Bewohner dar, denen man
mit
Schlüsseln
und
wachsamen
Hauspersonal entgegenzuwirken versuchte. Weniger betuchte Hausbesitzer, die sich
den Luxus eines Hauspersonals nicht leisten konnten, brachten Warntafeln zur
Abschreckung von Dieben an:
Diebe raus, ehrliche Leute rein! (Eingang des Hauses V 3.9)
Für Nichtstuer ist hier kein Platz. Mach, dass du fortkommst, du Faulpelz! (Haus IV
2.2)
Perarius, du bist ein Dieb (Haus VII 7.5)
Obwohl die Reichen von Pompeji immer exquisite Speisen genossen, entsprach die
Küche in ihren edlen Villen nicht diesem Niveau. Die Küchen reichten in keinster Weise
an die heutigen Hygienestandards, waren sie doch oft dreckig. Den Gästen der edlen
Villen empfahl es sich also, besser keinen Blick in die Küche zu werfen. Zudem
herrschte erhöhte Brandgefahr, was auf die fehlenden Schornsteine zurückzuführen
ist. Zum Entlüften wurde lediglich ein kleines Fenster geöffnet. Die direkte Lage neben
den Toiletten war alles andere als ungewöhnlich, allerdings bestätigte es wiederum die
schlechten Sauberkeitsbedingungen. Während bei den Reichen nur die Küche ein
„dunkler Fleck“ im schicken Haus war, gestaltete sich das Leben der einfachen Leute
in den Wohnblöcken, den insulae, als weitaus spartanischer. Um der eklatanten
Wohnungsnot im antiken Pompeji zu entkommen, wuchsen die Häuser immer weiter
in den Himmel. Dadurch war aber auch eine Trennung von Wohnen und Arbeit
möglich, wurde dies durch die Stockwerke voneinander getrennt.
16
Handel und Wandel in Pompeji
Die von Handel geprägte Stadt am Golf von Neapel lockte seit jeher reiche Händler
aus aller Welt an. Das kommerzielle Herz Pompejis fand sich auf dem Forum: Die
Markthalle. Dort, im macellum, gab es Läden, Wechselstuben und sogar ein
Konferenzraum für die Priester.
Die internationalen Handelsbeziehungen der Stadt brachten Wein und Keramik nach
Neapel, importiert wurde besonders aus Gallien, Spanien, Sizilien und Kreta, daneben
herrschte ein enger Kontakt zu Alexandria. Die Bedeutung des Handels lässt sich auch
heute noch an manchen Wänden ablesen:
Zosimus verkauft Gefäße für Fischsoße (Haus III 1.1)
Am 19.April habe ich Brot gebacken (Haus IX 9, 1-3, im Schlafzimmer)
Die Oliven sind eingelegt worden am 16. Oktober (Haus II 2, 3, Schenke)
Eine besondere Berufsform neben dem Handel war der Arzt. So fand man im Haus
des Chirurgen bronzenes Operationsbesteck. Das Misstrauen, das die Römer gegen
griechische Ärzte hegten, teilten die Pompejaner nicht. Sie waren schon früh an die
griechische Kultur gewöhnt und hatten daher keine Vorurteile gegenüber Ärzten. Die
anderen Landsleute vertrauten lieber alten Hausrezepten. Der Arzt von Pompeji hatte
sogar eine gynäkologische Spezialabteilung.
Kulturelles Pompeji
Sport und Freizeit
Gladiatorenspiele erfreuten sich in Pompeji großer Beliebtheit, die von den
ranghöchsten Politikern der Stadt gesponsert wurden. Diese Popularität der
Gladiatoren äußerte sich in „Faninschriften“, die auch heute noch an den
Häuserwänden zu lesen sind:
Rustikus Manlius hat 12-mal gekämpft und 11-mal gesiegt. (Haus IV 2, 3)
Barca, verrecke! (II 6, Amphitheater)
In allen Kämpfen hast du gesiegt. Er ist eines der sieben Weltwunder (II 6,
Amphitheater)
Die Sehnsucht der Mädchen ist der Thraker Geladus (Haus IV 2, 3)
Auch Einladungen zu den Spielen sind erhalten:
Mai. Es wird eine Tierhetze sein, und die Sonnensegel werden aufgezogen (Haus VII
12, 15)
17
Thermen
Neben den aufregenden Gladiatorenkämpfen suchten die Bürger Pompejis in
den zahlreichen Thermen Entspannung.
Dort ging um es Erholung, Hygiene und
auch
um
das
Besprechen
von
Geschäftsbeziehungen und politischen
Themen. Die beliebtesten Thermen der
Stadt waren die Stabianer Thermen, die
schon im 2. Jahrhundert vor Christus in
Betrieb waren. Während in anderen
Städten Frauen und Männer nur zu abwechselnden Zeiten baden konnten, waren die
Stabianer Thermen groß genug, um ein gleichzeitiges Baden zu ermöglichen. Um
Missverständnisse zu unterbinden, war der
Eingang der Frauen mit den Lettern mulieres
gekennzeichnet. Die Damen zahlen dabei
doppelt so viel wie die Herren, wahrscheinlich
genossen sie einen kostspieligen Service für
Mode und Beauty. In den Stabianer Thermen
fanden sich auch Räume zum Ballspielen, was
vor allem bei den jungen Männern beliebt war.
Beim pilicrepi, dessen genaue Regeln nicht
bekannt sind, handelt es sich jedoch nicht um einen Vorläufer unseres modernen
Fußballs. Diesem Vergnügen wurde auf den Gymnasien gefrönt. Berühmte Fans des
Ballspiels waren Iulius Caesar, der Kaiser Augustus und dessen Freund Maecenas.
Amiantus, Epaphra und Tertius sollen spielen. Iucundus soll die Bälle holen. Citius
und Stacus sollen die Runden zählen! (Basilika in Pompeji)
Epaphra ist kein Ballspieler (Basilika in Pompeji)
Eine ähnlich beliebte Freizeitbeschäftigung war das Würfelspiel. Hier kennt man die
Regeln allerdings genauer. Man spielte mit drei oder vier Würfeln, derjenige, der die
meisten sammeln konnte, hatte gewonnen. Durch Wörter, Striche, Punkte oder andere
Markierungen wurde der Wert der geworfenen Steine ermittelt. Nicht selten wurde um
große Geldbeträge gespielt, so verwundert es nicht, dass viele zu unfairen Mitteln
griffen, woraus sich des Öfteren Schlägereien entwickelten.
Quellen: Sonnabend, Holger: Unter dem Vesuv. Alltag in Pompeji; Primus Verlag,
September 2007.
Dickmann, Jens-Arne: Pompeji: Archäologie und Geschichte; C.H. Beck Verlag,
2009.
Marcella Kleinhenz, Q12 und Felicitas Schörner, Q12
18
Villa Oplontis
•
Atrium: Das Atrium bildet heute den Eingangsbereich. Zu Zeiten der Römer war
es jedoch trotz seiner Größe nicht der Haupteingang. Diesen versperrt heute ein Kanal.
Die Öffnung im Dach leitet Regenwasser in das Becken, welches in der Mitte des
Raumes platziert ist. Die Dekorationen und Wandmalereien sind vom Zweiten
Pompejanischen Stil geprägt.
•
Küche: Die Küche war wohl der
wichtigste Dienstraum des Hauses.
Die Arbeitsfläche besteht aus
Backstein. Auf dieser wurde ein
Metallgitter (ähnlich wie ein Grill)
aufgestellt. Darunter wurde das Feuer
geschürt. Unter der Arbeitsfläche sind
halbkreisförmige
Öffnungen
zu
sehen,
worin
das
Brennholz
aufbewahrt wurde. An der Ostseite
des
Raumes
befinden
sich
Abflussbecken. Daneben, auf der
Südseite, liegt ein kleines Zimmer, welches wahrscheinlich als Schlafzimmer für die
Dienerschaft vorgesehen war.
•
Calidarium: Das Calidarium bildet einen Teil der
Thermenanlage. Der Raum wurde sehr raffiniert beheizt.
Die noch heute zu sehenden Tonsäulen sind hohl. Durch
diese wurde heiße Luft in den Boden geführt. Die
Terrakotta-Kacheln in der Wand sorgten ebenfalls für eine
angenehme
Beheizung.
Dekorationen
und
Wandmalereien sind dem Dritten Pompejanischen Stil
zuzuordnen. Die zu sehenden Bilder sind Kopien
griechischer Werke.
•
Tepilarium: Das Tepilarium bildet einen weiteren
Teil der Thermenanlage. Im Gegensatz zum Calidarium
wird es nur mit Warmluft und Fußbodenheizung erwärmt.
Die Terrakotta-Kacheln fehlen hier völlig. Künstlerisch
sind die abgebildeten Früchte pickenden Vögeln dem Vierten Pompejanischen Stil
zuzuordnen.
•
Saal I: Der Saal imponiert vor allem durch seine Größe. Dieser Raum
verdeutlicht bisher wohl am besten, in welchem Luxus der Besitzer lebte. Die
Wandmalereien beeindrucken durch ihre Detailtreue. Genutzt wurde der Saal
wahrscheinlich als Speiseraum mit Meerblick.
•
Triklinium: Das Triklinium wurde ebenfalls als Esszimmer genutzt. Man speiste
auf Liegen, welche in einem Kreis um einen Tisch in der Mitte aufgestellt wurden. Die
gut erhaltenen Wandmalereien gehören dem Zweiten Pompejanischen Stil an. Zu
sehen ist eine beeindruckende Säulenhalle, an deren Ostseite ein Tempel mit
Gottheiten zu bewundern ist.
•
Cubiculum: Das Cubiculum ist ein kleines Schlafgemach, in dem sich die Betten
an der Nord- und Ostseite befanden, unterhalb der Deckengewölbe. Beeindruckend
19
ist vor allem der Gipsabdruck des Fensters, welches zur Zeit des Ausbruchs halb
geöffnet war. Die Malereien im Zweiten Pompejanischen Stil zeigen hier im
Kassettenmotiv Landschaftsbilder.
•
Saal II: Der zweite Saal wird hauptsächlich durch seine Wandmalereien im
Zweiten Pompejanischen Stil definiert. So ist an der Nordseite ein Obstkorb zu sehen,
an der Südseite ist auf einer hohen Unterlage ein Kuchen abgebildet. Die Westseite
zeigt eine Maske, welche ein griechisches Bühnenbild darstellt.
•
Säulengang: An dem symmetrischen Gang westlich des Atriums sind an der
Hausseite kleine Schlafzimmer aufgereiht. Jeder Zimmertür liegt ein Tor gegenüber.
Der Gang diente aber hauptsächlich zum Schutz vor Hitze im Sommer und vor Kälte
im Winter. Das schräge Dach, welches restauriert wurde, wurde durch Wandmalereien
im Zweiten Pompejanischen Stil dekoriert.
•
1. Peristylium: Das Peristylium ist ein großflächig angelegter Garten am
Südhang, welcher abgeschieden und ruhig gelegen ist. Heute sind Lorbeerbäume
angepflanzt, welche auch früher zu finden waren. Umschlossen wird der Garten von
einem dreiarmigen Säulengang, der im Vierten Pompejanischen Stil dekoriert ist.
•
Flur I: Der Flur führt zu zahlreichen weiteren
Räumen. Ein Gang führt direkt zu einem riesigen
Schwimmbecken. An der Südseite ist ein Abstellzimmer
zu finden, in dem sich Werkzeug befand, z.B. eine
Traubenpresse, die wohl zur Produktion von Wein allein
für die Hausbewohner bestimmt war. Die Dekoration,
welche vor allem an der Decke an der Nord- Süd Seite
sehr gut erhalten ist, deutet durch ihre beeindruckende
Detailtreue auf einen wohlhabenden Besitzer der
Wohnanlage, der im Gegensatz zu vielen anderen Patriziern im alten Pompeji hohen
Wert auf Kunst gelegt hat, hin.
•
Wohnzimmer I: Die vieleckige Form des Wohnraums ist in der Größe des
Prachtsaals, der gegenüber dem Garten liegt, begründet. Sowohl die Wände als auch
der Fußboden des Zimmers waren mit Marmor verziert. Diese Verzierung wurde
jedoch bei einer Renovierung entfernt.
•
Wohnzimmer II: Das Wohnzimmer II ist symmetrisch zum Wohnzimmer I
angelegt und weist ähnliche Dekorationen und Wandmalereien auf. Die beiden Zimmer
sind durch einen kurzen Flur verbunden.
•
Schwimmbecken: Das Schwimmbecken ist eines der wohl beeindruckendsten
und neusten Einrichtungen des Hauses. Es hat riesige Ausmaße mit 17 Metern Breite
und 61 Metern Länge. Architektonisch gesehen ist es eine raffinierte Meisterleistung
der Römer. Sie neigten das Schwimmbad in südlicher Richtung, wodurch sie einen
Abfluss des Wassers und auch des Schmutzes erreichten. Es lag mitten in einer
Wiesen- und Baumlandschaft. An der Westseite befand sich ursprünglich ein
Säulengang. Dieser wurde aber entfernt, was daran zu erkennen ist, dass die Säulen
an anderen Stellen gefunden wurden.
•
Hospitalia: Diese Räume grenzen sich von anderen ab, da sie abgeschieden
liegen und relativ einfach dekoriert sind. Deswegen vermutet man, dass es sich hierbei
um Wohnräume für Gäste handelt.
20
•
Viridarium I: Das Viridarium ist eine kleine Gartenanlage, welche sich in Mitten
der Wohnanlage befindet. Vor allem kleinere Beete und kleine Pflanzungen wurden
hier angelegt. Dekoriert wurde dieser nach oben offene Raum durch Springbrunnen,
wie auch Wandmalereien, die ebenfalls Pflanzen und naturalistische Abbildungen im
Zweiten Pompejanischen Stil zeigten.
•
Saal III: Dieser Saal diente wahrscheinlich als Speisezimmer. An der Ostseite
weist er eine halbrunde Nische auf, in der sich früher eine Skulptur befand. Die Decke,
welche aus nur wenigen Fragmenten restauriert wurde, weist typische Merkmale des
Vierten Pompejanischen Stils auf.
•
Saal IV: Dieser Saal stellt den Mittelpunkt des neueren, symmetrisch
angelegten Teil der Anlage dar. Die Wände des Saals sind sehr schön dekoriert. Vor
allem die an den Fenstern zum Nordgarten gelegenen wurden mit Marmor verkleidet.
An der Nord- und Südseite öffnen jeweils Fenster den Ausblick zu der überdachten
und offenen Innengartenanlage.
•
Saal V: Saal V ist symmetrisch zu Saal III angelegt. Auch die Wandmalereien
und sonstigen Dekorationen sind fast identisch.
•
Flur II: Dieser lange Flur verbindet den alten Teil der Gebäudeanlage mit den
Wohnräumen und vor allem den neuen Teil, welcher der Körperpflege gewidmet war.
Der Flur jedoch wurde entweder benutzt, um zu warten oder zu entspannen. Die Decke
wird durch Balken in Quadrate unterteilt, die wie die Wände im Vierten
Pompejanischen Stil mit vielen kleinen Bildern von Tieren oder Medusenköpfen
dekoriert waren.
•
Latrine: Die Wände der Gemeinschaftslatrine, Gemeinschaftstoilette, waren mit
weißem Putz verkleidet. An der Nord-, Ost- und Südseite befanden sich Balken mit
Sitzlöchern aus Holz. Darunter liegt eine mit Terrakottaschutt ausgekleidete Rinne, die
mit Wasser aus einem Becken im Eingangsbereich ausgespült wurde. Im selben Raum
gab es auch eine einzelne Latrine an der Südseite, welche durch eine Zwischenwand
abgetrennt wurde.
•
2. Peristylium: Das Peristylium ist ein Garten mit Säulenumgang, um den sich
einzelne Zimmer für die Dienerschaft befanden. In der Mitte dieses Hofes befand sich
ein Springbrunnen.
•
Lararium: Dieser Bereich war hauptsächlich für die Hausherren vorgesehen. Im
Lararium befanden sich Bilder der Laren, Schutzgötter des Hauses. Der Altar befindet
sich in einer Nische auf der Westseite. Die Wände sind mit Fresken im Vierten
Pompejanischen Stil verziert.
•
Saal VI: Dieser Saal, welcher vermutlich als Esszimmer genutzt wurde, ist zum
Nordgarten hin offen. Der Fußboden ist mit schwarz weißen Mosaik verziert: Die
Wände sind wie die Säulen auf Grund von Umbauarbeiten nur weiß verputzt. Die
Innenwände jedoch weisen Dekorationen und Malereien im Vierten Pompejanischen
Stil auf.
•
Viridarium II: Dieser Garten, der gigantische Ausmaße aufwies, befand sich im
Norden der Anlage. Sämtliche Pflanzen, die angebaut waren, wurden identifiziert und
neu angebaut. Die von Hecken eingegrenzten Wege führen im Norden zu einem
Springbrunnen zusammen.
21
Quellen: Vor Ort zu erhaltener Reiseführer
Farsin Sörgel, Q12
Goethes Italienische Reise
Italien war Goethe schon seit frühester Kindheit durch die Erzählungen seines Vaters
und die von dessen Italienreise mitgebrachten Kupferstiche wohlvertraut. Am 3.
September 1786 um drei Uhr nachts startete Goethe schließlich seine erste Reise
nach Italien in Karlsbad mit der Postkutsche. Die Unternehmung sollte jedoch geheim
gehalten werden, da niemand wissen sollte, wann und wohin er reist. Deshalb reiste
er anfangs sogar unter falschem Namen, da er seine Reise geheim halten wollte, ohne
jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Im ersten Abschnitt führte ihn sein Weg
von Karlsbad über Eger, Regensburg, München, Innsbruck, den Brenner, Bozen und
Trient bis zum Gardasee. Nach kurzem Aufenthalt reiste er vom Gardasee aus über
Verona, Venedig und Bologna nach Rom. Dort verweilte er fast vier Monate und traf
unter anderem den Maler Tischbein, der ihn fortan begleitete. Die nächste Station auf
seiner Tour war Neapel. In der Küstenstadt hielt er sich knappe fünf Wochen auf und
unternahm von dort aus Ausflüge, auf denen er beispielsweise den Vesuv oder
Pompeji besichtigte. Von Neapel aus reiste er aber fortan nicht mehr mit der Kutsche,
sondern mit dem Schiff, und zwar nach Sizilien. Auf der Insel zog es ihn unter anderem
in Städte wie Palermo, Catania oder Messina. Somit war der Hinweg seiner Reise
beendet. Nach wochenlangem Aufenthalt in Sizilien begann er sich auf seinen
Rückweg zu machen. Dieser führte ihn über Neapel wieder zurück nach Rom. In der
italienischen Hauptstadt hielt er sich nun
knapp ein Jahr lang auf. Dort widmete er
sich neben dem Studium der Antike vor
allem
praktischen
Malund
Zeichenübungen und der Fortsetzung
seiner Arbeit als Schriftsteller. Auf seiner
letzten Etappe zurück in die Heimat
besichtigte er unter anderem Städte wie
Florenz, Mailand und Modena. Seine Reise
nach Italien dauerte insgesamt zwei Jahre
und er kehrte danach nach Weimar zurück.
Doch was waren die Gründe für seine Reise? Zum einen ist hier zu nennen, dass ihn
die Arbeit in Weimar zunehmend langweilte. Er war sehr unzufrieden und überzeugt,
dass ihn die Beratertätigkeiten am Fürstenhof in seiner literarischen Kreativität
blockierten. Zum anderen gab es auch persönliche Gründe, die vor allem seine
damalige Geliebte Charlotte von Stein betrafen. Des Weiteren war das klassische
Italien der griechisch-römischen Kultur seit seiner Kindheit an sein Traum gewesen. Er
hoffte, dass sich die Umgebung und die Kultur in Italien positiv auf seine Kreativität
und künstlerische Arbeit auswirken könnten. Insgesamt hatte die Reise einen positiven
Einfluss auf Goethe. Er schöpfte aus ihr neue Kraft für sein Leben. Goethe unternahm
22
in den darauf folgenden Jahren weitere Exkursionen nach Italien, die aber bei Weitem
nicht so lange dauerten und ihn auch nicht so weit ins Land hineinführten.
Johann Wolfgang von Goethe war allerdings nicht der Einzige aus dem Hause Goethe,
welcher eine Reise nach Italien unternahm. Im Jahre 1740, also knapp ein halbes
Jahrhundert vor der „Italienischen Reise“ seines berühmten Sohnes Johann Wolfgang
zog es Johann Caspar Goethe nach Italien. Das Gebiet des heutigen Neapels, am
Fuße des Vesuvs, reizte ihn besonders. Johann Caspar Goethe verfasste während
seines Aufenthalts das „Viaggio per I´Italia“, ein Reisebuch in italienischer Sprache. Im
Jahre 1741 kehrte er nach Deutschland zurück.
Quellen: m.dtv.de/titel-0-0/reise_durch_italien_im_jahre_1740-12680
Christoph Unger, Q12
Johann Joachim Winckelmann
Johann Joachim Winckelmann wurde am 09.12.1717 in Stendal geboren und starb am
08.06.1768 bei Triest. Er war Archäologe, Bibliothekar, Antiquar und Kunstschriftsteller
in der frühen Aufklärung. Außerdem trug er durch seine Arbeit viel zur Klassik bei und
beeinflusste diese maßgebend. Obwohl er aus ärmlichen Verhältnissen stammt,
konnte er die Lateinschule besuchen, weil er dem blinden Rektor zur Hand ging. Durch
seine Förderung ging er später noch auf verschiedene Gymnasien.
Dank eines Stipendiums konnte er studieren, brach jedoch seine Ausbildung ab, um
als Hauslehrer zu arbeiten. Von 1743 bis 1748 war er Konrektor der Lateinschule im
altmärkischen Seehausen.
Nebenbei betrieb er philologische, philosophische und historische Studien. Später
wirkte er als Bibliothekar und arbeitete unter anderem am Katalog der Bibliothek von
König August III. von Polen mit, was viele Leute beeindruckte. Der König entlohnte ihn
dafür sogar mit 200 Talern- eine hohe Summe für damalige Verhältnisse.
Winckelmann unternahm vier Reisen nach Italien, was für die damalige Zeit eher
untypisch war. Die meisten deutschen Schriftsteller, die von der Schönheit Italiens
berichteten, waren selbst nie dort. Winckelmann erhielt eine Unterkunft in Rom. Er
reiste nach Florenz, um an der Sammlung des Barons Philipp von Stosch zu arbeiten.
Als Ehrung wurde er unter anderem an der Accademia Etrusca aufgenommen.
Während dieser Zeit gestaltete er die Villa Albani mit Hilfe des Malers Anton Raphael
Mengs aus.
23
1763 lernte Winckelmann den Freiherrn Friedrich Reinhold
von Berg kennen und verliebte sich in diesen. Diese Liebe
blieb jedoch unerwiedert. Seine homosexuellen Neigungen
zeigte Winckelmann auch in seinen Kunstbüchern, in denen
er dazu aufforderte, die griechische Kunst nachzuahmen,
auch wenn diese einzigartig sei. Winckelmann verfolgte
auch gespannt die Ausgrabungen bei Herculaneum und
verfasste über diese mehrere Bücher. Durch seine Werke
beeinflusste er andere berühmte Schriftsteller der
Deutschen Klassik und gilt als einer der Wegbereiter der
Epoche.
Kurz vor seinem Tod packte ihn das Heimweh und er entschloss sich, nach
Deutschland zurückzukehren. Am 08.06.1768 stieg er in einem Gasthof nahe Triest
ab, wo er vor einem Fremden mit seinen Reichtümern prahlte. Dieser erwürgte ihn
daraufhin und raubte ihn aus.
Jean Paul und Italien
Der Namensgeber unserer Schule, Jean Paul, wurde am 21. März 1763 in Wunsiedel
geboren und starb am 14. November 1825 in Bayreuth. Literarisch gesehen, steht er
als Schriftsteller zwischen Klassik und Romantik.
Diese Bewegungen beeinflusste er stark, auch
wenn er heutzutage nicht mehr so berühmt ist wie
einige seiner Kollegen, wie zum Beispiel Schiller.
Sein Künstlername geht auf seine Bewunderung
für Jean-Jaques Rousseau zurück, denn sein
eigentlicher Name war Johann Paul Friedrich
Richter.
Zu Zeiten Jean Pauls ging ein Mythos durch die
Literatur. „Der Mythos Italien“ stieß nämlich
überall auf sehr großes Interesse und führte auch Goethe nach Italien. Die meisten
Schriftsteller aber, unter ihnen auch Jean Paul, schrieben zwar über Italien mit all
seinen Facetten und der Schönheit der Natur, waren jedoch selbst nie dort. Reisen
war zur damaligen Zeit einfach nicht üblich. Dies ist der Grund, weshalb fast alle
Schriftsteller der damaligen Zeit ihre Vorstellungskraft nutzten, die Schönheit Italiens
zu beschreiben, statt sie aus eigener Erfahrung darzustellen.
In einigen Werken Jean Pauls, vor allem in seinem „Titan“, der in vier Bänden zwischen
1800 und 1803 erschienen ist, geht der Autor näher auf Italien ein. Auf über 900 Seiten
erzählt Jean-Paul die Geschichte des Protagonisten Albano de Cesara vom Jüngling
zum gereiften Mann. Kritiker finden diesen Helden jedoch eher uninteressant, da es
mit diesem, trotz einer Liebesgeschichte, keine allzu unerwartete Wendung gibt. Die
24
Handlung der Hauptfigur sei einfach zu schwach, wohingegen die der Nebenfiguren
wesentlich interessanter gestaltet sei. Besondere Spannung entsteht nämlich gerade
dadurch, dass mehrere dieser Nebenfiguren unerwartet versterben. Sprachlich und
stilistisch weicht dieser Roman erheblich von anderen Werken Jean Pauls ab. Das
liegt daran, dass dieses Werk eine Annäherung an die Weimarer Klassik darstellt, mit
der Jean Paul sich in jener Zeit intensiv, aber auch kritisch auseinandersetzte. Die für
Jean Paul typische bildhafte und für damalige Verhältnisse humorvolle Sprache blieb
indessen erhalten.
Nichtsdestotrotz stellt sie für den heutigen Leser eine große Herausforderung dar.
Im „Titan“ macht de Cesara unter anderem auf Einladung seines Vaters eine Reise
nach Rom und durch Italien. Das Erstaunliche hierbei ist, dass Jean Paul extrem
bildreich und intensiv die umliegende Natur beschreibt, er geht sowohl auf die
Gewaltigkeit des Vesuvs als auch auf die Unruhe des Meeres ein. Auch die Dynamik
der Städte oder die Ausgrabungen bei Herculaneum lässt er nicht außen vor. Neapel
und Rom beschreibt er ausführlich in all seiner Dynamik. Er geht auch auf die
Bevölkerung und ganz besonders auf das nächtliche Treiben in der Stadt ein. Die
Ausgrabungen bei Herculaneum verfolgt er aufmerksam und schildert auch die
Stimmung, die ihn bei seinen dortigen Besuch erfasst. Daneben beschreibt er die
fiktive Heimatinsel Albanos, Isola Bella. Aus heutiger Sicht ist es unglaublich, wie JeanPaul dies nur durch Phantasie und Recherche so gut und ausführlich beschreiben
konnte, wenngleich er nie dort war.
Abschließend bleibt zu sagen, dass sogar Jean
Paul, ein führender Schriftsteller aus früherer
Zeit, sich damals mit Italien, Rom und auch
Neapel auseinandersetzte und er auch durch
seine italienisch angehauchten Werke seine
Zeitgenossen beeindruckte und die Epoche
stark beeinflusste.
Quellen: "Jean Paul und Italien" von Dieter Richter; "Mit einem imaginären
Reiseführer" von Jean Paul Friedrich Richter
Maximilian Dorsch, Q12
Redaktionsschluss: 09.01.2015
Layout & Bearbeitung: Vincenz Dippold, Q12
Fotos: Privat
25
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