Französische Revolution

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DIEFRANZÖSISCHEREVOLUTION–EINKURZERHISTROSICHERÜBERBLICK
1. UrsachenderRevolution
BeiderSuchenachUrsachenkönnenwirvonzweiAnnahmenausgehen:
 DasAncienRegime,dievorrevolutionäreStaats‐undGesellschaftsordnung
Frankreichs,gehtaninnerenlangfristigangelegten,strukturellenWidersprü chen
undKrisenzugrunde.EsfehltdemKönigtum,derRegierungundden
privilegiertenStänden,demKlerusunddemAdelanderBereitschaftund
FähigkeitzurReform.
 DasAncienRegimeerliegtdemAngriffneuersozialer,sichpolitischorganisieren‐
derundandieÖffentlichkeitdrängenderKräfteausdemBü rgertumundden
städtischenVolksschichten.
a. DieKrisedesAncienRegime
DasvorrevolutionäreFrankreichistgekennzeichnetdurcheine
traditionelle,technischrü ckständigeundimVergleichzum
fortgeschrittenenEnglandkapitalarmeLandwirtschaft.85%der
FranzosenlebenaufdemLand.DerAdelverfü gtbeigroßenregionalen
Unterschiedenimeinzelnenü bernahezu30%,derKlerusü ber6‐10%des
französischenBodens.InsgesamtbefindetsichmehralseinDritteldes
landwirtschaftlichnutzbarenBodensindenHändenderprivilegierten
Stände.GrundundBodensindmitvielfältigenfeudalenund
grundherrlichenAbgabenbelastet:
‐ esgibtjährlichundgelegentlichzuentrichtendeAbgaben,manche
inbar,mancheinNaturalien;
‐ Banngerechtsame,dassindgrundherrlicheMonopolez.B.aufden
GebrauchvonWindmü hlen,BacköfenoderKeltern.
‐ DieGrundherrenbesitzenteilweisenochdasRecht,ü berdie
BauernihrerLänderzurichten(Gerichtshoheit).
‐ InmanchenProvinzensindpersönlicheFrondiensteundandie
SchollegebundeneLastennochinKraft.DieBewegungsfreiheit
derbetroffenenLandbevölkerungistbeschränkt.
‐ ZudiesenLastentretendirekteSteuern,z.B.Grundsteuern,und
indirekteSteuern,z.B.Salzsteuer,sowiederKornzehnt.
DieVerteilungdesBodensaufAdel,Geistlichkeit,Bü rgertumund
Bauernschaftistregionalsehrunterschiedlich.DieAgrarfragewirdzu
einerSchlü sselfragederRevolutionwerden.DieBauernschaftwirdder
RevolutioneineungeheureSchubkraftverleihen;sieistregionaläußerst
differenziert,verfü gtentwederü berfreiesoderrechtlicheingeschränktes
EigentumanGrundundBoden.
AdelundKlerushabeninderhierarchischgeordnetenStändegesellschaft
einenhohenRechts‐undSozialstatus;siegenießenSteuerprivilegien,sind
fastvollständigvonKönigssteuernbefreit,habenEhrenrechteinne,sind
beiÄmter‐undStellenvergabeimHeer,inderVerwaltung,Diplomatieund
derKircheprivilegiert.EinganzerWasserfallsozialerVerachtunggehtvon
diesenPrivilegiertenaufdieBü rgerlichennieder;dieEhre,die
ständischenEhrenvorrechteundLebensformenwerdenvomAdelumso
stärkerundarroganterherausgekehrt,jeoffensichtlicherderAdelim
WiderspruchzumaufsteigendenBü rgertumunddessenLebensformen
steht.
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Feudalität,StändegesellschaftundköniglicherAbsolutismus,diedrei
PfeilerdesAncienRegimesindderSachenachundimBewußtseineiner
sichaufklärendenbü rgerlichenÖffentlichkeitbedroht.
Parlamente‐GerichtshöfezurRegistrierungundPrü fungköniglicher
Gesetze‐undNotabelnversammlungenmachenderabsolutistischen
MonarchiedasLebenschwer.TrotzallerKritikeineraufgeklärten
Minderheit,trotzAdelsoppositionundradikalenReformforderungendes
Bü rgertumsgiltderKönigvonFrankreichselbstinderschwachenPerson
einesLudwigXVI.immernochderMehrheitderFranzosenalsabsoluter
Monarch,alsdertragendeundkrönendeSchlußsteinimStaats‐und
GesellschaftsgebäudedesAncienRegime.WährendderKrönungsfeier
wirdermitdemheiligenChrisamgesalbt,ergiltdemgläubigenVolk
immernochalswundertätigerundheilenderKönig.ErleitetseineRechte
alleinvonGotther,istväterlicheAutorität,SchirmherrderKirche,lnhaber
allerdreiStaatsgewalten,Eigentü mereinesriesigenGrundbesitzes...
b. DerAngriffderneuenKräfte
 WostecktinderGesellschaftdesAncienRegimerevolutionäres
Potential?
 WorausrekrutierensichdieGruppen,diegegenü berdemAncien
RegimerevolutionäreForderungenerheben?
‐ Seitetwa1730läßtsichinFrankreicheinlanganhaltender
wirtschaftlicherAufwärtstrendfeststellen.DiePreise,zumaldie
Agrarpreise,steigenundinihremGefolgedieZinsenund
Gewinne;davonprofitierendieGroßpächter,nichtaberdie
Massederlediglichfü rihrenEigenbedarfproduzierenden
Bauern.DiereichenstädtischenBü rgerlegenihrKapitalmeistin
LändereienundGrundbesitzan,sielebenvonderGrundrente
undahmendenadligenLebensstilnach.ZudenreichenBü rgern
zählenBankiers,Unternehmer,Händler,Kaufleute,vorallemin
Nantes,Bordeaux,Lyon,Paris.Textilindustrie
‐ Bergbau,eisenschaffendeund‐verarbeitendeIndustrie,die
SchrittmacherdergeradeanhebendenindustriellenRevolution
inEngland,sindinFrankreichnochunterentwickelt;dasKapital
wirdimHandelundinderManufakturgebildet.Vorallemstellen
deshalbAnwälte,Notare,Ärzte,JournalistenundSchriftsteller,
AngehörigefreierBerufe,politische,rechtliche,sozialeund
kulturelleForderungenandaswenigreformbereiteAncien
Regime.
‐ ÖkonomischeKrisenerscheinungen,wiedasStagnierendes
Getreidepreises,dieÜberproduktionimWeinbau,
AbsatzschwierigkeitenderTextilherstellunginfolgeeines
englisch‐französischenHandelsvertragesvon1786,klimatisch
bedingteschlechteErnteerträgeundkurzfristighochschnellende
Getreidepreisebisum150%,HungerrevoltenindenStädten,
enormeStaatsverschuldung,NiederlageninKolonialkriegen,
SchwächeundpolitischeInkonsequenzdesKönigsverstärken
zunehmenddasKrisenpotentialundforderndieaufgeklärte
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kritischeÖffentlichkeitheraus.Halbherzigeverspätete
Reformversuche,wiedieEinberufungeiner
NotabelnversammlungundderVersammlungderGeneralstände
beschleunigenungewolltdenAusbruchderRevolution.
2. EineRevolutionoderdreiRevolutionen?
a. TrägerderRevolutionvon1789bis1791
1787begannmitderEinberufungderNotabelnversammlungder
AufstanddesAdelsgegendasKönigtum.DieAdligenwollten
gewissermaßendieUhrderGeschichtezurü ckdrehenvordie
ZeitderErrichtungdesAbsolutismus.VomFebruarbisMaitagteeine
NotabelnversammlungzurBehebungderFinanzkrisedesStaates,sie
wareineberatendeVersammlungangesehenereinflußreicher
PersönlichkeitenausallendreiStänden.DerKönigkonntedieseNotabeln
einberufen,wennerRü ckhaltinderÖffentlichkeitsuchteunddie
EinberufungderGeneralständevermeidenwollte.DasParlamentvon
Paris,einesvon14ParlamentendesKönigreiches,dasalleköniglichen
GesetzevorihremInkrafttretenprü fenundeinaufschiebendesVeto
dagegeneinlegenkonnte,forderteumdieJahresmitte1787untergroßer
ÖffentlichkeitswirkungdieEinberufungvonGeneralständen.Diesewaren
seitAnfangdes14.JahrhundertsvomKönigzurAkklamation
(ZustimmungdurchZuruf)undzurSteuerbewilligungunregelmäßig
einberufenworden,zumletztenMalimJahre1614.InFormvon
Beschwerdeheftenü berbrachtensiedemKönigKlagenund
Reformwü nschedervonihnenvertretenenStände.Jetztbewilligteder
KönigwiderstrebenddieEinberufungderGeneralständeaufden1.Mai
desfolgendenJahres1789.PolitischeClubsundGesellschaftenwurden
wiedereröffnet,diePressefreiheitwurdeeingefü hrt,eineganzeFlutvon
Reformbroschü renwurdegedruckt,eineWahlpropagandaliefanund
erstmalsdamiteineöffentliche,vonderZensurunbehinderteDiskussion
ü berReformundNeuordnungvonStaatundGesellschaft.DieRolledes
DrittenStandeswurdezueinergrundsätzlichenFrageerhoben.Siefü hrte
inderpolitischenAuseinandersetzungzurForderungnacheiner
Verdoppelungder300VertreterdesDrittenStandesinderVersammlung
derGeneralstände.DieRegierunggabnach,legtesichaberinzwei
anderenEntscheidungsfragennichtfest:
‐ SollendiedreiStändegemeinsamodergetrennttagen?
‐ SollnachKopfzahlodernachStändenabgestimmtwerden?
AndiesenVerfahrensfragen,indenendieMachtfragesteckte,solltendie
InstitutionderGeneralständeunddasReformkonzeptderRegierung
zerbrechen.DieWahlkampfdiskussionwurdevorallemdurcheine
FlugschriftdesAbbeSieyesangeheiztundpolarisiert.WasistderDritte
Stand?sofragteer–Alles!–WasisterbislanginderpolitischenOrdnung
gewesen?–Nichts!–Wasverlangter?–Etwaszuwerden!–Werden
möchteerdieVerkörperungunddieVertretungderunteilbarenNation.
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VomFebruarbisApril1789wurdenTausendevonBeschwerdeheften
erstelltundvonMärzbisMaidie1200VertreterderGeneralstände
gewählt,währendgleichzeitiginverschiedenenProvinzen
Hungerrevoltenausbrachen.
Am5.MaiwurdennacheinemfeierlichenGottesdienstdieGeneralstände
inVersailleseröffnet.MitteJuni(17.06.)erklärtensichdieVertreterdes
DrittenStandeszurAssembleeNationaleundschwurenam20.Juniim
BallspielhausvonVersailles,nichtauseinanderzugehen,bisdie
VerfassungdesKönigreichsgeschaffenundaufsichereGrundlagen
gestelltseinwü rde.DieNationalversammlungwidersetztesicherfolgreich
demBefehldesKönigszurAuflösungundproklamiertedieImmunitätder
Abgeordneten.
DerKöniggabnachundveranlaßteKlerusundAdel,sichder
Nationalversammlunganzuschließen.
IndieserPhasederRevolutionzeigtsichbesonderseindrucksvoll,daß
verschiedenesozialeKräfteaufdenRevolutionsprozeßeinwirken:
Bü rgerlicheEliten,städtischeVolksmassenundBauern.Siewenden
unterschiedlicheKampf‐undGewaltformenan,diesichmiteinander
verflechten.Am14.Julistü rmtenstädtischeklein‐undunterbü rgerliche
Schichten,diealsVolkselbstauftreten,dieBastille,einealteStadtfestung,
diebereitsindervorrevolutionärenPublizistikalsSymbolderWillkü r
angeprangertwordenwar;ihreEroberungschufeinenrevolutionären
Mythos:Die"achthundertSieger"wurdenöffentlichgeehrt,dieBastion
wurdegeschleiftunddieSteinealsnationaleGedenkreliquienverteilt.Bis
inunsereTagefindenGedenkfeiernstatt;der14.Juliwirdseitdemals
nationalerFeiertagbegangen.DasaufgeschreckteBü rgertumbildeteeine
NationalgardeundeineneueStadtregierung,dieKommune;alsZeichen
dererhofftennationalenEintrachtwurdedieTrikoloregeschaffen,diedas
RotundBlauderStadtfarbenvonParismitdemWeißdesköniglichen
LilienbannersderBourbonenverbindet.
EndeJulibrachenindenmeistenProvinzenBauernaufständeaus,eine
BauernbewegungvonelementarerKraft,GrandePeurgenannt.Die
ZentrenundSymbolederAdelsherrschaft,Schlösser,Archiveund
grundherrlicheUrkundengingenmeistinFlammenauf.Dieliberalen
AbgeordnetenderNationalversammlungsuchtendieseegalitäre,radikale,
bäuerlicheMassenbewegungdurcheinsorgfältiginszeniertesund
kalkuliertesSchauspielaufzufangen.Ineinerdemonstrativen
KollektivbegeisterungverzichtetendieAbgeordnetenvonAdelundKlerus
inderNachtsitzungdes4.aufden5.August"hochherzig"aufihre
feudalenPrivilegien–umausderZerstörungderFeudalitätnochzu
retten,waszurettenwar.PersönlicheRechte,RechtederGrundherren
gegenü berdenBewohnernihrerLändereien,wurdenunwiderruflich
abgeschafft,dieanGrundundBodenhaftendenEigentumsrechte
solltenrü ckkaufbarsein.DieGrundlageneinesneuenZivilrechtswurden
somitgelegt.EsbasierteaufformalerRechtsgleichheit,aufVertrags‐
undUnternehmensfreiheit.
Am26.AugusterklärtedieNationalversammlungdieMenschen‐und
Bü rgerrechte.ImNovemberbeschloßsiedieEinziehungderKirchengü ter
imInteressederNation.DerVerkaufswertinPapiergeld,insichrasch
entwertendenAssignaten,solltezurDeckungderStaatsschulddienen.Der
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VerkaufderKirchengü terunddieZivilverfassungdesKlerusspalteten
endgü ltigdiefranzösischeNation;PfarrerundBischöfewurdennämlich
staatlicheBeamte,dieinnerhalbderneuenVerwaltungsbezirkegewählt
werdenmußtenundverpflichtetwaren,einenTreueidaufdieVerfassung
desKönigreichesunddamitaufdieRevolutionzuleisten.Nursiebenvon
130Bischöfen,aberü berdieHälftederPriesterausdemniederenAdel
leisteteninderFolgediesenEid.DieKlösterwurdenaufgehoben.Weitere
einschneidendeVeränderungenundrevolutionäreMaßnahmenzum
NeuaufbauvonStaatundGesellschaftwarenindensogenannten
glü cklichenJahrenderRevolution1790‐91dieEinfü hrungvon83
Departements,dierechtlicheAbschaffungdesAdelsundder
Feudalgerichte,sowiederBinnenzölle,derZü nfteundKorporationen,das
VerbotvonBerufsassoziationen;dasbü rgerlicheZivilrechtersetztedas
geburtsständischeRecht,dieBeamtenleisteteneinenEid"alanation,ala
loietauroi",undam3.9.1791wurdedieersteRepräsentatiwerfassung
deseuropäischenKontinentsverabschiedet.IndiesemVerfassungswerk
kulminiertediesogenanntekonstitutionelleRevolution–aberdie
Revolutionwarnurscheinbarkonstitutionalisiert,dieAtempausesollte
trü gen,dieverfassunggebende"glü ckliche","tränenlose"Revolution
eskalierte,entgleiste(Furet).
b. DieVerfassungvon1791imKontextderRevolution:
DieRevolutionalsProzeßunddieRevolutionsverfassungstehenineinem
innerenWiderspruch.DieRevolutionverändert,setztneueKräftefrei,ist
dynamisch,dieVerfassungversuchtdieneuenfreigesetztenpolitischen
undsozialenKräftezubinden,zuinstitutionalisierenundzustabilisieren.
‐ DieNormenundPrinzipienderneuenliberalenVerfassungsordnung,
wiez.B.individuelleFreiheit,GleichheitvordemGesetz,
Rechtssicherheit,SchutzdesEigentums,Volkssouveränität,werden
ausderErklärungderMenschen‐undBü rgerrechteabgeleitetundmit
unterschiedlicherFolgerichtigkeitindieneuentstandenepolitische
undsozialeWirklichkeitFrankreichsü bersetzt.
‐ DasPrinzipderhorizontalenGewaltenteilungwirdimGegensatzzur
GewaltenkonzentrationdesabsolutistischenSystemsdurchgefü hrt.
Exekutive,LegislativeundJudikativesindvoneinanderunabhängig.
‐ VorderNationalversammlungleistetderjetztkonstitutionelle
MonarcheinenEidaufdieVerfassung;eristoffiziellnichtmehrKönig
vonFrankreich,sondern"KönigderFranzosendurchGottesGnaden
unddurchdasVerfassungsgesetzdesStaates".Eristseinersakralen
Wü rdeentkleidet,einGeschöpfdernationalenSouveränität,
gewissermaßennurnochderersteBeamteseinesStaates,besoldet
ü bereine"Zivilliste"undbeaufsichtigtvonderNation.Erbildetin
eigenerVerantwortungdieRegierungdurchErnennungderMinister
seinereigenenWahl,aberaufdiegewähltenBeamtendermittleren
undunterenVerwaltungsebenenhaterwenigodergarkeine
rechtlichenEinwirkungsmöglichkeiten.EristStaatsoberhaupt,
OberbefehlshabervonHeerundFlotte,erklärtKriegundschließt
FriedenimEinvernehmenmitderNationalversammlung.Weildie
AnordnungendesKönigsderGegenzeichnungderRessortminister
bedü rfen,diedamitdieVerantwortungü bernehmen,wirdder
DIEFRANZÖSISCHEREVOLUTION–EINKURZERHISTROSICHERÜBERBLICK
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Monarchfü runverantwortlichundunverletzlicherklärt.Politisch
kanneralsogarkeinUnrechttun.
AuchdieNationalversammlungwirdalsunverletzlicherklärt,sietagt
gewissermaßendauernd,istunauflöslich,hatdasalleinigeRechtzur
GesetzesinitiativeundzurGesetzgebung;siekanndieRegierungü ber
dasInstrumentderMinisteranklagebeimnationalenHochgerichtund
ü berdasBudgetrechtkontrollieren.DasdemokratischePrinzipder
WählbarkeitgiltaufallenEbenenundindenhauptsächlichen
BereichendesöffentlichenLebens.Beamte,Richter,Offiziere,selbst
Geistlichewerdengewählt.
DasWahlrechtistnichtallgemein,sondernzensitär,esgibtalsokeine
politischeGleichberechtigung.DasWahlrechtteiltdiemännlichen
Bü rgerFrankreichsin4Kategorienein:InPassivbü rger,dievom
Wahlrechtausgeschlossensind,inAktivbü rger,inWahlmänner
unterschiedlicherStellungundinKandidatender
Nationalversammlung.
Derbesitzbü rgerlicheCharakterderVerfassungistoffenkundig.Staat
undGesellschaftstehenineinemprekären,wechselseitigen
Spannungsverhältnis;siesindvoneinandergetrenntundgleichzeitig
miteinanderverschränkt.Esbestehtfü rdieBü rgergleichzeitig
"FreiheitvomundzumStaat".DieVerfassungvon1791,dieerste
geschriebenerepräsentativeVerfassungdesKontinents,wirdnachder
amerikanischeneinLeitbildfü ralleVerfassungendes19.
Jahrhunderts,auchfü rdieberü hmtebelgischevon1831.
DasneuerrichtetepolitischeGebäudeerwiessichalssehr
zerbrechlich.NachdemEiddesKönigsverkü ndetedie
Nationalversammlung:"DieRevolutionistzumAbschlußgekommen"
–dasaberwarsiegeradenicht,nichtinundmitdieserVerfassung.
c. ZähmungoderRadikalisierungderRevolution?(1791‐1794)
DasaufneuenGrundlagenerrichteteFrankreichderkonstitutionellen
MonarchieundderliberalenGesellschaftsollteundkonntekeinen
dauerhafteninnerenFriedenfinden.UngelösteodergarunlösbareFragen
radikalisiertendieRevolution.DieBauernstandenwohlkaumhinterder
ZweitenRevolution,denndiebessergestelltenunterihnenverteidigten
bereitsdieErrungenschaftenderbisherigen‐also"ihrer"‐Revolution.
ÄhnlichwardieInteressenlagederbesitzendenBü rger.TrägerundMotor
derRadikalisierungwurdendiekleinbü rgerlichenstädtischen
Volksmassen.SieorganisiertensichinpolitischenKlubs;derKlubder
Jakobiner,benanntnachseinemTagungsort,einemaufgehobenen
KlosterdesHI.Jakob,wurdederwichtigste.DieAktionendieser
Revolutionsphasewarenbewußtorganisiertdurchdie48neuen
Sektionen(Verwaltungssprengel)vonParisunddieneueStadtregierung,
dieKommune.HauptmomentederBewegungsinddieInflationder
Assignaten,dieTeuerungundLebensmittelunruhen,dieArbeitslosigkeit,
Versorgungsengpässe,Massenaushebungen,Kriegsfinanzierung,
militärischeNiederlagen,Bauernunruhen.Am20.April1792erklärtedie
neugewählteNationalversammlung,dieLegislative,dem"Königvon
BöhmenundUngarn",demKaiser,nichtseinemVolk,denKrieg.Hinter
derKriegspolitikstanddieeinflußreiche,ihrebesitzbü rgerlichen
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InteressenvertretendeFraktionderGirondisten,einerGruppeder
Jakobiner.DerKriegsolltenachihremKalkü ldieinBü rgerkriegen
zerrisseneNationzusammenbindenundvondenwirtschaftlichenund
sozialenSchwierigkeitenablenken.DieNationalversammlungerklärte:
"DasVaterlandistinGefahr",undrechtfertigtedamiteine
NotstandsdiktaturaufZeit.
DeralspolitischunzuverlässiggeltendeKönigsolltegezwungenwerden,
sichöffentlichzurRevolutionzubekennen.Am10.August1792stü rmte
jedocheineVolksmengedieTuilerien,denSitzderköniglichenFamilie
seitihremerzwungenenUmzugausVersailles,argwöhnischbewachtnach
demgescheitertenFluchtversuchdesKönigsinsAuslandimSommer
1791.JetztwurdederKönigeinGefangenerundSpielballderRevolution,
baldihrOpferundfü rdieKonterrevolutionwirksamerBlutzeuge.
IneinemwahrscheinlichvomjakobinischenJustizministerDanton
inszeniertenGewaltausbruchstü rmteimSeptember1792eine
VolksmengeGefängnisseundmassakrierteü ber1200politische
Gefangene.EtwagleichzeitiggelangdenRevolutionstruppenbeiValmyein
taktischerSiegü berdieösterreichischenundpreußischenTruppen.In
dieserneuenLagetratam21.September1792derneugewählteradikale
Nationalkonventzusammen.ErbeschloßmehrheitlichdieAbschaffung
derMonarchie,damitdieGründungeinerRepublikunddieEinfü hrung
einesneuenRevolutionskalenders.NurmitknapperMehrheit(361:360
Stimmen)wurdedieHinrichtungdesKönigsalsVaterlandsverräter
beschlossen.Am21.Januar1793wurdederKönigalsBü rgerLouis
Capetöffentlichguillotiniert.
InSektionssitzungen,Petitionen,Agitationenundinmanchanderen
patriotischenSymbolhandlungenpraktiziertendieSansculotten,
radikalisiertestädtischeKleinbü rger,FormendirekterDemokratie.Sie
entwarfenegalitäreSozialprogramme,warenmilitantpatriotischund
antiklerikal.
EineEntchristianisierungswellerolltean,vergleichbarderGrandePeur;
eidverweigerndePriesterwurdenverfolgt,KirchenundKlöster
geplü ndert,diehäufigzuTempelnderVernunftdeklariertwurden.Durch
Hinrichtungen,Deportationen,EmigrationundAbdankungenverlorder
katholischeKlerus15bis20%seinerMitglieder.Am8.Juni1794fand
untergroßemPompdasFestdesHöchstenWesensstattunterderLeitung
dessichzumHohepriesterstilisierendenRobespierre;zuvorhatteder
Konventbeschlossen,daßdieRepublikFrankreichdieExistenzdieses
HöchstenWesensunddieUnsterblichkeitderSeeleanerkenne,imGeiste
RousseauswurdeeineBü rgerreligion(religioncivile)eingefü hrt.
DamitbracheineSpaltungderNationineinekatholischkonservativeund
ineinelaiizistisch‐revolutionäreGruppierungauf.ErbitterteMachtkämpfe
umdieFü hrungderRevolutionsregierungimKonventundinseinen
wichtigstenAusschü ssen,demWohlfahrts‐undSicherheitsausschuß,
schienennundasge lü gelteWortvonderRevolution,dieihreKinder
frißt,zubewahrheiten.SeitDezember1793bestandeine
RevolutionsregierungdeslegalisiertenTerrors.DaszwölfköpfigeComite
deSalutPublic(Wohlfahrtsausschuss)kontrollierteVerwaltung,
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Produktion,Verteilung,Kriegfü hrung,PolizeiundJustizfasttotal.
Schätzungsweisewaren300.000bis800.000Verdächtige,dassindetwa1
bis4%derBevölkerung,zeitweiliginGefängnissenderRepublik
inhaftiert.DasRevolutionstribunalmachteimmerkü rzereProzesse,die
etwa40.000bis50.000hingerichtetenOpferdesTerrorsbildeteneinen
repräsentativenQuerschnittderBevölkerung.Einschneidende
wirtschafts‐undsozialpolitischeGesetzewaren:Höchstpreisefü r
Getreide,durchstaatlicheZwangsanleihenbeidenWohlhabenden
finanziert,entschädigungsloseAbschaffungderrestlichenFeudallasten,
dasallgemeineMaximum,dasHöchstsätzefü rLöhneundPreise
verordnete,eineallgemeineSozialfü rsorgewurdesogar
eingeleitet.
AusFurchtvoreinerneuenTerrorwelleließenam27.7.1794,am9.
ThermidordesJahresIIderunteilbarenRepublik,dieMitgliederdes
KonventsRobespierreundseineAnhängerhinrichten.
DerJakobinerklubwurdegeschlossenunddieGirondistenwiederinden
Konventaufgenommen.DasMaximumgesetzwurdeaufgehoben.Die
ThermidorianerfestigtennacheinemdurchdasMilitär
niedergeschlagenenAufstanderstderSansculottenunddannder
RoyalistenihreHerrschaft1795.
DieneueVerfassung,dassog.Direktorium,begannmiteinerErklärung
derPflichtenundRechtedesBü rgers.Nurnoch200.000Aktivbü rger
wähltenjetztdiegesetzgebendenKörperschaften,denRatder500und
denRatderAlten.DieExekutivewarkollegialauf5Direktorenverteilt.
InnenpolitischbliebdasLandpolarisiert.Diegroßbü rgerliche
Konsolidierungs‐undVersöhnungspolitikmißlang."Stutzer"–Banden
einerwohlhabenden"Jeunessedoree"rechnetengrausaminkollektiven
MassakernundindividuellenMorden,demweißenTerror,mitJakobinern,
AufkäufernsäkularisierterNationalgü terundmitkonstitutionellen
Priesternab.
d. KriegfürdieRevolution‐RevolutionierungdurchKrieg?
"DieausgefallensteIdee,dieimKopfeinesPolitikersentstehenkann,ist
dieVorstellung,eswü rdefü reinVolkgenü gen,mitWaffengewaltbei
einemanderenVolkeinzudringen,umeszurAnnahmeseinerGesetzeund
seinerVerfassungzubewegen",sowarnteRobespierrebereitsam2.
Januar1792imJakobinerklub–vergebens,schondamals.Dennohne
Unterstü tzungdurchdieVolksmassen–wasbliebdemDirektorium
anderesalsdieStü tzederArmeeundderKriegnachaußen.Seit1792,seit
derEröffnungdesKriegesgegendiealtenMächte,begannaucheine
Expansionspolitikgegenü berdenNiederlanden,demRheinland,der
Schweiz,Ober‐undMittelitalien.Tochterrepublikenwurdengegrü ndet
undnatü rlicheStaatsgrenzenFrankreichsangestrebt.Eroberungen
solltenhelfen,dieStaatsschuldabzutragennachdemZusammenbruchder
Assignatenwährung.IdeologischeMotivederVölkerbefreiungundder
MissionierungnachdemMotto"FriededenHü tten,KriegdenPalästen"
undauchdieBestimmungderRevolutionsverfassungvon1791,"die
französischeNationverzichtetdarauf,einenKriegzuunternehmen,um
Eroberungenzumachen",tratenindenHintergrundoderwurden
verdrängt.DerDruckdesMilitärsaufdieZivilregierungnahmimmer
DIEFRANZÖSISCHEREVOLUTION–EINKURZERHISTROSICHERÜBERBLICK
mehrzu.SeitderKriegserklärungderNationalversammlungvon1792
hattederKriegdenGangderRevolutionimInnernteilsverlangsamt,teils
beschleunigtundradikalisiert.DerKriegderRevolutionwargewolltund
kalkuliert.ErpervertierteletztlichdieRevolutionundfü hrtezueiner
VerselbständigungdesMilitärsunterdemDirektorium.DerItalienfeldzug
des26jährigenRevolutionsgeneralsNapoleonBonaparte,strategischals
einAblenkungsmanövervondemHauptangrifffranzösischerTruppenauf
WienquerdurchSü ddeutschlandgeplant,wurdezueiner
unvergleichlichenSiegesserie.Piemont,Mailand,Venedigwurdenerobert
undauchgeplü ndert.AuseigenerInitiativeschloßderGeneralmit
ÖsterreichdenFriedenvonCampoFormio1797;darinwurdederRhein
alsGrenzeFrankreichsanerkannt.NachdemÄgyptenfeldzugfü hrte
Napoleonam18.Brumaire(9.November1799)denStaatsstreichgegen
dasDirektoriumdurch.InderEinleitungzurneuenVerfassung,dem
Konsulat,ließermilitärischknapperklären:"Bü rger,dieRevolutionistan
diePrinzipiengebunden,nachdenensieangetretenist,dieRevolutionist
beendet".NapoleonstellteinnereOrdnungundSicherheitwiederher,er
versöhnteEmigrantenundKirchemitdemstarkenStaatundfü hrte
aristokratischeundbü rgerlicheElitenzueinemneuenVerdienstadel
zusammen.Ineinemvorbildlichenbü rgerlichenGesetzbuch(CodeCivil
undCodeNapoleon)ließerdasRechtaufdenPrinzipienbü rgerlicher
FreiheitundGleichheitkodifizieren.Am2.Dezember1804krönteersich
selbstimBeiseindesPapstesinNotreDamezumKaiserderFranzosen.
DiesepseudosakraleHerrschaftslegitimationwurdedurcheine
plebiszitär‐demokratischeergänzt:EineVolksabstimmungbestätigteihn
gewissermaßenalsKönigundErbederRevolution.Damitschließtsich
anscheinendderKreislaufderRevolution.
e. VersucheinerBilanzderFranzösischenRevolution
FragenwirausheutigerSicht,sowieTocqueville1856gefragthat:Was
hatdieFranzösischeRevolutioneigentlich(langfristig)bewirkt?Fü runs
tretenheutewegendergrößerenZeitdistanzentscheidende
VeränderungenundDauerwirkungennochmarkanterhervor:
‐ DersäkulareTrendderBevölkerungsentwicklungFrankreichs
setztesichauchinderRevolutionforttrotzgroßer
MenschenverlustedurchKrieg,Hinrichtungen,Emigration(1700:
21,5Mill.,1800:29MiII.).
‐ Wirtschaftsgeschichtlichbetrachtet,bremstedieRevolutionin
FrankreicheherdieEntwicklungzurIndustrialisierung,alsdaß
siediese'vorantrieb.Fü rdenriesigenBedarfderneuen
MassenheereanRü stungs‐undVersorgungsgü ternarbeiteten
handwerklichorganisierteundstaatlichreglementierte
Manufakturen.DieliberalePhasederGewerbefreiheit,der
AufhebungvonMonopolenundZü nftenwarnurvorü bergehend.
Eindirigistischer„Kriegsmerkantilismus"setztesichdurch.
Assignatenpolitik,InflationundKapitalfluchtruiniertenWährung
undKreditwesen.KapitalgewinnewurdenmeistinGrundund
Bodenangelegt.AbbauvonBinnenzöllenundzentrale
VerwaltungerweitertenzwardenBinnenmarktfü rfranzösische
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Gü ter,aberTransportschwierigkeitenbehindertendochdie
EntstehungeinesnationalenMarktes.
‐ DiewichtigsteagrarpolitischeErrungenschaftwardie
HerausbildungdesGrundstü cksmarkts.Dennochbliebendie
dörflicheAllmende,derFlurzwangunddasTriftrecht(dasRecht,
ViehaufdieWeidezutreiben)erhalten.DerGetreideanbau
behauptetesich(1789auf54%,1852auf61%dernationalen
Anbaufläche),1877stelltendieAllmendennoch9%der
nationalenBodenflächedar.EineAgrarrevolutioninden
BesitzverhältnissenundindenAnbaumethoden,etwader
englischenvorderIndustriellenRevolutionvergleichbar,fand
nichtstatt.DerfranzösischeBodenwurdeparzelliert,die
LandwirtschafthattekeinennationalenMarkt,sieverharrtenoch
weitgehendinSubsistenzwirtschaft(Selbstversorgung,
Eigenbedarf),erstabderMittedes19.Jahrhundertssetzteein
Agrarkapitalismusein.
‐ ImfranzösischenDorfverschärftendierechtlicheBefreiungdes
GrundeigentumsunddieVersteigerungdernationalisierten
Kirchengü terdieGegensätzezwischeneinerbäuerlichen
OberschichtundderLandarmut(KleinbauernundPächter).
‐ DerfranzösischeAdelundvorallemderkatholischeKlerus,sowie
dieAmtskirchewarendiegroßenVerlierer.1198Adligewurden
hingerichtet,16.431emigrierten,wennauchnurvorü bergehend;
siegewannenihrenverlorenenGrundbesitzabernurteilweise
wiederzurü ck.InderRestaurationszeiterhieltderAdel1825
eineMilliardenentschädigungausöffentlichenMitteln;dieKirche
hatihrenGrundbesitzfastvollständigeingebü ßt;derKlerushatte
15%bis20%seinesPersonalbestandesverloren;die
EntchristianisierungswellehattiefreichendeRü ckwirkungenin
denMentalitäten.SchuleundErziehungwurdengrundsätzlichals
öffentlicheEinrichtungenanerkannt.DieFestederRevolution
sindAusdruckeinerVolkskulturmitdemokratischenSymbolen.
‐ DiestädtischeMittel‐undOberschichtwarendieHauptgewinner
derRevolution.TrotzallerWahlrechtsänderungenrekrutierten
sichdieMitgliederderrevolutionärenVersammlungenaus
gebildeten,reformerischaufgeklärtenBeamten,ausAnwälten
undFreiberuflichen.HauptzieldieserneuenpolitischenElitewar
indesnichtdieEntfaltungderProduktionskräfte,derAusbauder
Infrastruktur,dersozialeFortschritt,sonderndieSicherungder
eigenenPosition.
‐ DieRevolutionfü hrtezueineraußerordentlichenSteigerungder
Staatstätigkeiten.Ausderzertrü mmertenabsolutistischen
Monarchieundausdenzerstü ckeltenundverzettelten
TeilgewaltenderStände,Körperschaftenundprivilegierten
FamiliendesAncienRegimegehteineenormestaatliche
Zentralgewalthervor.
‐ DieSteigerungderStaatsmachtzeigtesichbesondersinder
neuartigenKriegfü hrungundinderOrganisationdesMilitärs.
AusdemstehendenHeerwurdeeinVolksheerderallgemeinen
Wehrpflicht;dieehemaligenLinientruppen,diebü rgerliche
DIEFRANZÖSISCHEREVOLUTION–EINKURZERHISTROSICHERÜBERBLICK
Nationalgarde(Miliz,Bü rgerwehr)unddierevolutionären
Freiwilligenverbändeverschmolzenallmählich.Die
Tirailleurtaktik–aufgelösteSchü tzenordnungmitgezieltem
Einzelfeuer–löstediealteschwerfälligeLineartaktikab;die
StrategiederVernichtungdesfeindlichenHeeresverdrängtedie
alteManövriertaktikundErmattungsstrategieder
Kabinettskriege.
‐ DerKriegwurdeideologischgerechtfertigtundü berhöhtdurch
nationalesSendungsbewußtsein;inseinenMittelnundZwecken
warerinAnsätzenbereitstotal.
‐ RechtsordnungundRechtsprechungerfuhreneinschneidende
Änderungen.DasStandesprinzipwurdeverdrängtvomPrinzip
desbü rgerlichenPrivat‐undVertragsrechtsundder
Rechtsgleichheitfü ralle;dasErstgeburtsrechtunddasRechtder
sog."TotenHand"wurdenabgeschafft.DieväterlicheGewalt
gegenü berKindernundEhefrauwurdeeingeschränkt,
EhescheidungundZivilehewurdenrechtlichfreigegebenbeireal
fortdauerndersozialerBenachteiligungderFrau;das
Personenstandswesenwurdesäkularisiert,dasStrafrecht
humanisiert(VerbotderFolterundgrausamerStrafen),die
GrundrechtedesAngeklagtenundVerhaftetenwurden
garantiert.DieRichterwurdenanfangswählbarundvon
Geschworenenergänzt.DiePatrimonialgerichteunddas
PolizeirechtderGrundherrenwurdenaufgehoben.DieBildung
einerneuenpolitischenKultur,dieErweiterungderpolitischen
Öffentlichkeit,dieSchaffungeinernationalenIdeologie,sind
bleibendeErrungenschaftenundModernisierungen.Die
PolitisierungdesfranzösischenVolkesstießallerdingsan
Grenzen,nuretwa2%derBevölkerungindenStädtenund8%
aufdemLandtratenwährendderRevolutionpolitischenKlubs
bei.DieWahlbeteiligungü berstiegselten25%der
WahlberechtigtenmännlichenBü rger.DasVokabularunserer
PolitiksprachestammtzumgrößtenTeilausderRevolution.
RevolutionäreHandlungsformenderVolksmassen,diePraxis
einerrevolutionärenRegierung,dieEinschränkungbü rgerlich
demokratischerGrundrechteundFreiheitenimrevolutionären
Kampfwurdenerprobt.SielebtenindenFolgerevolutionendes
19.und20.JahrhundertsalswirksameErinnerungenwiederauf.
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