Hallo, ich bin Judith und seit gerade mal zwei Wochen - br-wehe

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Rede zur Lehrerinnentagung im Januar 2010
Hallo, ich bin Judith und seit gerade mal zwei Wochen eine der beiden neuen
Delegierten des BHSR. Meine Mitstreiterin ist Anna aus Dresden. So bin ich sehr
dankbar von der erfahrenen Catharina begleitet zu werden, die gleich im Anschluss
den zweiten Teil der Rede übernehmen wird.
Ich selbst bin gerade noch sehr damit beschäftigt, mich zu orientieren…. Kontakte
aufzubauen, unsere Aufgaben zu überblicken und mich vorzustellen. Neben der
großen Freude über die Wahl und das Vertrauen der anderen Schülerinnen hab ich
nämlich auch gewaltig Schiss vor der Verantwortung…bzw einfach nur hier zu
sprechen.
Zunächst möchte ich mich auch hier vorstellen und dann auch auf die Arbeit des
BHSR eingehen:
Mein Name ist Judith Jeron. Ich bin 27. und habe vor der Hebammenausbildung
Soziologie und VWL in Leipzig studiert. Habe im September 2008 meine
Diplomarbeit mit dem Thema „soziale Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung“
abgegeben und dann gleich im Anschluss im Oktober die Ausbildung in Wiesbaden
begonnen, bin also jetzt im zweiten Jahr oder wie es an anderen Schulen heißt: im
Mittelkurs.
Das ist nur eine kleine Wortwahl, aber es zeigt im Kleinen, wie unterschiedlich die
Schulen organisiert sind. In Wiesbaden haben wir beispielsweise den drei-jahresZyklus, wir 16 Mädels sind also gerade der einzige Kurs. Unterschiedlichkeiten
zwischen den Schulen findet man jedoch auf vielen Ebenen. Ein angegliedertes
Krankenhaus, oder die Rotation in mehreren Kreißsälen, Exernatzeiten von 2,5- 12
Wochen, verschiedene Systeme
in der Praxisanleitungen
und
den
Bewertungsbögen…
Die Punkte sind Ihnen sicher vertrauter, als uns, die wir immer wieder neu darüber
staunen, dass der Hase an den anderen Schulen so anders läuft.
Und genau das ist ein ganz wesentlicher Grund, warum die BHSR treffen so wichtig
für uns sind. Neben dem inhaltlichen Programm in den Vorträgen geht es viel um
Austausch. In Wiesbaden hat das Vorstellen der Schulen zwei ganze Abende
eingenommen. Es tut gut sich gegenseitig von Problemen zu erzählen oder sich tolle
Projekte vorzustellen.
Leider gibt es immer noch Schulen, die wir nicht erreichen, an denen wir keine
Ansprechpartnerinnen haben:
Vielleicht können Sie uns weiterhelfen?
Was bedeutet diese Heterogenität für mich, was bedeutet das für die Arbeit des
BHSR?
Wir sind eine sehr gemischte Gruppe, die zudem keine sehr lange Beständigkeit
zeigt…alle drei Jahr ist die komplette Mannschaft /Frauschaft ausgetauscht.
Und doch fallen einige Punkte auf, die alle Schülerinnen und Schulen beschäftigen.
Ich hab mir alte Reden des BHSR angeguckt und auch hier tauchen sie in
unterschiedlicher Schwerpunktsetzung auf:
•
•
Schülerinnen und Schulleitung,
Anleitung und Bewertungen auf Station oder Kreißsaal,
•
•
Externat,
und die Angst in der Ausbildung.
Vielleicht zum letzten und ersten Punkt gemeinsam:
Diese blöde Angst. Muss es denn immer noch sein, dass der Satz
„ Ausbildungsjahre sind keine Herrenjahre“ zutrifft? Wir sind doch Frauen! Und
wissen wir nicht alle, dass es sich mit Angst besonders schlecht lernt? Angst macht
dumm.
Und doch wird sich in vielen Kreißsälen immer noch gefürchtet, wird auf dem Klo
geweint und fühlen sich die Schülerinnen gedemütigt oder gar vorgeführt. Klar es gibt
solche und solche Hebammen. An jedem Haus. Und oft reicht ja auch nur eine
entwertende Hebamme und das Schülerleben wird schwer.
Vielleicht eine Interpretation, aber ich meine herausgehört zu haben, dass es den
Schülerinnen besonders zu Beginn der Ausbildung schlecht geht. So wie wenn
gerade den Neuen, Kleinen erst einmal gezeigt wird „wo´s lang geht…“ und solange
man nicht viel kann, man sich eh unsicher und im Weg stehend fühlt, wird einem das
dann auch gezeigt.
Die Schülerinnen, die dann weiter sind, versuchen oft die Kleinen zu „warnen“, zu
schützen oder- und auch das gibt es-…spielen das gleiche Machtspiel mit.
Sobald wir aber „einsatzfähiger“ werden, steigt dann der Respekt…man darf sogar
mal mit allen am gleichen Tisch zu Abend essen.
Ich weiß, auch keine Lösung auf die Schnelle. Oft sind das so feste Strukturen…aber
ich kann sie als Lehrerinnen einfach nur erneut bitten…sprechen sie mit ihren
Schülerinnen, lassen Sie sie nicht allen, stellen Sie sich schützend davor.
Denn und das ist der wirklich schöne Teil dieses Puktes:
Ein Großteil der Schülerinnen, die ich auf den letzten beiden BHSR-treffen kennen
gelernt habe, fühlt sich sehr von Ihren Lehrerinnen und den Schulleitungen
verstanden und gesehen. Es herrscht wohl an vielen Schulen eine sehr vertraute und
persönliche Atmosphäre. Und das ist doch wahnsinnig toll. Und das sollten Sie auch
als feedback gesagt bekommen:
So dann zum nächsten Punkt:
Anleitung und Bewertung auf Station und im Kreißsaal
Das ist der Punkt, der am schlechtesten zusammen zu fassen ist. Es gibt so
grundlegend verschiedene Modelle mit ihren Vor- und Nachteilen.
Das Externat:
Viele Ausbildungshäuser sind große Allversorger- Häuser. Häufig mit einer guten
Kinderintensivstation…Folge ist eine sehr hohe Sectiorate und die Betreuung von so
genannten Risikoschwangerschaften. Wir lernen abwechselnd Partusisten- oder
Syntocinontröpfe zu richten und schon in der 24 SSW die Herztöne mit dem CTG
einzufangen… Die ganz schlichte und rudimentäre Hebammenkunst kommt häufig
viel zu kurz. Ich gehe davon aus, ich spreche auch Ihnen aus ihrer Hebammen
Seele.
Ebenso beschränkt sich die Wöchnerinnenbetreuung auf die 3-5 Tage, eben die
Tage die, die Frauen nach ihrer Geburt im Krankenhaus bleiben.
Aber der Hebammenberuf sollte doch befähigen „ eine gesunde regelrechte Geburt
zu begleiten…Auffälligkeiten zu erkennen“.
Eine Chance Vorbereitungskurse zu erleben, eine richtige Schwangerenvorsorge
und Beratung kennen zu lernen, Geburten in einer ruhigen Atmosphäre und ohne
allzu große technische Interventionen zu beobachten und die Nachsorge zu Hause
zu begleiten ist das EXTERNAT.
Es ist ein so wichtiger Bestandteil unserer Ausbildung. Also auch hier die Bitte um
Ihre Unterstützung! Ermöglichen Sie Ihren Schülerinnen diese Erfahrung.
Werden nur 2,5 Wochen gegeben, wird man von keinem Geburtshaus genommen.
Auch nicht, wenn man zu knapp anfragt!
Es gibt Schulen, in denen zwei Externate a 4 Wochen ermöglicht werden: eines mit
dem Schwerpunkt auf Wochenbett und Stillen und eines mit dem Schwerpunkt:
Geburtshilfe. Das ist klasse! Auch gibt es Schulen, die die Zeiten so weit im Voraus
bekannt geben, dass es allen Schülerinnen möglich ist sich einen Platz zu
organisieren. Danke Danke Danke!
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