recife - Hilfe statt Mitleid eV Heppenheim

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RECIFE
Recife ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco im Nordosten
Brasiliens und liegt am direkt am Atlantischen Ozean. Im Großraum Recife leben rund 4
Millionen Menschen.
Der Name Recife leitet sich aus dem portugiesischen Wort für Riff ab.
Nach der Entdeckung Brasiliens durch den portugiesischen Seefahrer Alvares Cabral am
Weihnachtstag 1500 wurde die Gegend von Recife von den Portugiesen besiedelt.
Für rund zwei Jahrzehnte wurde die Gegend von Recife von etwa 1630 bis 1654 dann
allerdings ein Handelsplatz für niederländische Kolonisten die zu Konkurrenten der
Portugiesen geworden waren. Gouverneur der niederländischen Krone wurde Moritz von
Nassau unter dem sich Recife städtebaulich sehr entwickelte und der als eigentlicher
Begründer der Stadt gilt.
In zwei Schlachten bei Guararapes (15 km südlich von Recife gelegen) in den Jahren 1648
und 1649 jedoch unterlagen die Niederländer den Portugiesen und waren gezwungen ihre
Besitzungen in Pernambuco nach und nach aufzugeben. 1654 kapitulierte die Festung in
Recife.
Seit 1823 ist Recife die Hauptstadt Pernambucos und löste Olinda in dieser Funktion ab.
Johann Moritz Fürst von Nassau-Siegen
(1604-1679) – Geboren in Dillenburg
wurde ein Hesse der Gründer der Stadt Recife.
Zweite Schlacht von Guararapes 1649
Gemälde von Victor Meirelles (1879 )
Recife liegt an zwei Haupt-Flüssen, zu einem dem Rio Beberibe und zum anderen dem Rio
Capiberibe der hier nach 250 Kilometern in den Atlantischen Ozean mündet. Der historische
Stadtkern von Recife liegt auf zwei Inseln die in unmittelbarer Nähe zum Festland liegen.
Wegen seiner Wasserläufe und vielen Brücken wird Recife dadurch gerne als „Venedig des
Südens“ bezeichnet. Der Reiz der malerischen Altstadt ist zwar unbestritten, jedoch
angesichts der sozialen Probleme doch arg übertrieben.
Seit vielen Jahren bereits machen in der Stadt nicht nur Touristen mit Lust auf Sonne und
Kultur halt sondern leider auch Sextouristen aus aller Welt die in ihrem Schlepptau auch eine
nicht geringe Anzahl Pädophiler mit sich ziehen so dass die Kinderprostitution hier ein
trauriges Ausmaß angenommen hat.
Auf der Insel Joana Bezerra liegen die Stadtteile Santo Antonio und Sao Jose wo sich einige
Hauptanziehungspunkte für Touristen befinden, so u.a. das Theater, der Palacio das
Princesas sowie die 1697 eröffnete Goldene Kapelle.
Im Stadtkern befinden sich neben dem erst kürzlich neu gestalteten Casa da Cultura, wo
Kunsthandwerk verkauft wird, auch das Museo do Homen do Nordeste das vom
Anthopologen Gilberto Freyre gegründet wurde, nach dem auch der neue internationale
Flughafen der Stadt benannt ist.
Recife ist Heimstatt für einige berühmte Persönlichkeiten. Söhne der Stadt sind u.a. der
frühere Erzbischof von Recife und Olinda Dom Helder Camara, sowie etliche Fußballer mit
Weltgeltung wie etwa Ademir, Rivaldo oder Juninho Pernambucano von Olympique Lyon.
Stadtwappen von Recife
2 Die Goldene Kapelle (Capela Dourada)
1 Recife International Airport Gilberto Freyre
3 Casa da Cultura im Stadtteil Santo Antonio
4 Der frühere Ankerplatz für Luftschiffe im
Stadtteil Jiquia- Hier landete und ankerte
1930 auch erstmals die Graf Zeppelin
5 Häusermeer im Stadtteil Hier befinden sich
auch die Mehrzahl der Hotels der Stadt
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Impressionen aus Igarassu, ca. 40 km nördlich von Recife. In Igarassu steht die älteste Kirche
Brasiliens ( erbaut 1535 ).
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9 Fort Orange auf der Insel Itamaraca
10 Blick von Olinda nach Recife
Wie in anderen großen Städten nicht nur Brasiliens ist auch in Recife die Kluft zwischen Arm
und Reich ganz offensichtlich. An der Avenida Boa Viagem, der 8 km langen Prachtstrasse
entlang des Strands reihen sich Hochhaus an Hochhaus und die meisten großen Hotels der
Stadt. Unmittelbar am Ende der Boa Viagem liegt jedoch bereits mit Brasilia Teimosa eines
der ärmsten Stadtviertel in Recife.
Statistisch haben in Recife fast alle Bewohner Zugang zu Leitungswasser aus öffentlichen
Leitungen das allerdings oft nur nachmittags zur Verfügung steht besonders dann wenn im
Hinterland anhaltende Dürre herrscht. Einen Kanalanschluß besitzen nicht ein Mal 2/3 der
Haushalte so dass immer noch gerne Abwässer im Meer entsorgt werden.
Die Zustände im öffentlichen Gesundheitswesen spotten mitunter jeder Beschreibung.
Während die Einwohner mit geregelten Einkommen und privater Krankenversicherung auf
eine gute Versorgung mit meist sehr hohem Standard vertrauen können geht derjenige der
schneller sterben will am Besten in eines der hoffnungslos überbelegten staatlichen
Krankenhäuser der Stadt. Oft liegen die Kranken dort sogar auf dem Fußboden in den Fluren
und versterben dort weil sie nicht rechtzeitig behandelt werden.
Für einen profanen Termin zu einer Untersuchung im staatlichen Krankenhaus muss der
Patient oft ein ganzes Jahr warten. Entsprechend bedenklich sieht es daher auch bei der
Versorgung der Kinder aus.
Eine offizielle Statistik verlautbart eine Kindersterblichkeit im Kleinkindalter von 0,4 % pro
1000 Geburten, die der Realität in den Elendsvierteln kaum entsprechen dürfte. Dort
grassieren alle möglichen Infektionskrankheiten wie Scharlach, Diphtherie sowie
Durchfallerkrankungen durch mangelhafte Trinkwasserqualität. Erst vor wenigen Jahren
grassierte in der Stadt eine Masernepidemie die einer nicht bekannten Anzahl von
Kleinkindern das Leben kostete. Aktuell flackern in der Stadt und ihrer Umgebung immer
wieder Herde von Dengue-Fieber auf.
Bedingt durch die krassen sozialen Missstände ist die Kriminalitätsrate in der Stadt
entsprechend. Mit einer Quote von rund 90 Morden auf 100000 Einwohner ist Recife
mittlerweile sogar dem lange Jahre amtierenden Rekordhalter Rio de Janeiro weit enteilt.
Eine traurige Bilanz. Die Opfer sind meist Jugendliche und junge Männer im Alter von 14 bis
25 Jahren aus den Elendsquartieren der Stadt, die in Raub und Drogenhandel verstrickt sind
oder ganz einfach zuviel wissen.
Wie anderswo in Brasilien ist der Staat auch hier teils ohnmächtig und teils desinteressiert.
Polizisten werden schlecht bezahlt, sind daher unmotiviert, oft genug korrupt und handeln
selbst in krimineller Weise oder sie morden im Auftrag der besseren Gesellschaft die um ihre
Sicherheit besorgt ist. Man schätzt das 40% der Morde auf das Konto von so genannten
Todesschwadronen gehen, d.h. durch aktive oder ehemalige Angehörige der Polizei, so dass
man bereits offen von einer wirksamen „ethnischen Säuberung“ spricht.
11 Wohnviertel im Stadtteil Coqueiral – Die Mehrheit der Einwohner lebt in einfachen Häusern
wie diesen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Bundesstaates Pernambuco beträgt pro Kopf
ca. R$ 4500. Dies sind lediglich etwa € 1700 im Jahr.
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13 Recife und seine zwei Gesichter – Während es in den Favelas für Kinder keine Zukunft gibt
herrscht entlang des Strandes von Boa Viagem der Überfluß einer Touristenhochburg
14 Strasse entlang der S-Bahn im Viertel Sao Jose auf der Insel Joana Bezerra.
Nur eines von vielen Problemzonen in Recife.
Hier treten Armut und soziale Missstände in so geballter Form auf,
dass es einen erdrückenden Eindruck macht.
15 Bankrotterklärung einer Gesellschaft :
Das traurige Ende eines 21-jährigen Jugendlichen in Recife im Dunstkreis der
Favela Coque (Joana Bezerra ). Ermordet am helllichten Tag und auf offener Strasse.
Es heißt dass in Coque Menschen, dazu zählen auch Kinder, nur töten um einen guten Platz
zum Überfall auf Autofahrer zu verteidigen.
Bildquellennachweis:
1 INRAERO Aeroportos Brasileiros
2 Ricardo A. Frantz
3 Casa da Cultura de Pernambuco
4 L. Souza
5,6,7,8 Bernd Ertl
9 unbekannt
10 Belobrasil
11,12 Associated Press
13 Prefeitura do Recife
14 Bernd Ertl
15 Associated Press
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