Liebe auf den ersten Blick

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24.11.2015
Bonding‐ was ist das? Bindungs‐und Stillförderung im Kreissaal
• Bonding bezeichnet das emotionale Band zwischen dem Kind und seinen Eltern. Dies ist die erste Beziehung, auf die sich das Neugeborene einlässt.
• Bonding ist ein Prozess und kein isoliertes Ereignis
• Bonding wird beeinflusst von den eigenen Bindungserfahrungen der Eltern • Die innere Bindung an die Eltern ist biologisch gesehen die wichtigste Bindung, die ein Mensch eingeht
• Säuglinge werden mit einer Bindungserwartung
geboren, sie ist für sie überlebenswichtig • Elterliche Feinfühligkeit ist die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen der Bindung
Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Liebe auf den ersten Blick
Sichere Bindung
• Lässt „Urvertrauen“ bei den Kindern entstehen
• Kinder haben einen „sicheren Hafen“ von dem aus sie ausziehen die Welt zu erobern, in den sie aber bei Verunsicherung jederzeit zurückkehren können und wo sie sicher aufgefangen werden
• Haben erfahren dass die Eltern zuverlässig da sind wenn sie sie brauchen und adäquat und feinfühlig reagieren
• Sicher gebundene Kinder belohnen ihre Eltern für Ihre Liebe und ihr Umsorgen durch ein unkompliziertes und ausgeglichenes Wesen
• Sie weinen selten und sind kooperativ
Wehen‐ das wichtige Vorspiel für das Bonding
Warum Bonding so wichtig ist:
• besserer Mutter ‐Instinkt, weniger „verkopfte“ Mütter
• weniger Misshandlungen, Vernachlässigungen
• Erhöhte Bereitschaft zum 24h Rooming‐In, zum Stillen
nach Bedarf
• Sind zuversichtlicher über ihre Fähigkeiten als Eltern, bringen leichter all die Opfer fürs Kind!
• Väter kümmern sich mehr um ihre Kinder
• Bindungsqualität hat lebenslange Auswirkungen :auf eigene Partnerschaften, Bindung an eigene Kinder, Selbstwertgefühl, Einfühlungsvermögen…
Wehen‐ das wichtige Vorspiel für das Bonding
Oxytocin‐ das Liebeshormon:
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Wehenhormon, Bindungshormon, Milchspendereflex
Pulsatile Ausschüttung, wirkt auch als Neurotransmitter
lenkt den Blick auf die Augen des anderen
Fördert mütterliches Verhalten
Löst intensive Glücks‐ und Liebesgefühle aus
Fördert das soziale Erinnern, Wiedererkennen („Prägung“)
Steigert das Vermögen die Emotionen von anderen an deren Mimik abzulesen => Einfühlungsvermögen
=> Erhöhte Bindungsbereitschaft, Bereitstellen des Kolostrums
Endorphine:
‐ Stark analgetische Wirkung
‐ Wirken euphorisierend und bindungsfördernd
‐ Teil des körpereigenen Belohnungssystems, lösen Glücksgefühle aus, können „abhängig“ machen, prägen
‐ Pulastile Ausschüttung von Oxytocin steigert die Endorphinausschüttung
‐ Werden auch beim Stillen ausgeschüttet und sind Muttermilchgängig
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Die Rolle der Hormone
Intensiver Blickkontakt eines nicht einmal eine Stunde alten Neugeborenen mit seiner Mutter
Katecholamine:
‐ Machen Mutter und Kind hellwach und bereit für den Kontakt miteinander
‐ Noradrenalin bewirkt die geweiteten Pupillen des NG und macht die Augen besonders anziehend
Prolaktin:
‐ Erhöhte Streßtoleranz
‐ Reduziert Ängste und entspannt
‐ Fördert das intuitive mütterliche Verhalten
Abb. aus „Das Wunder der ersten Lebenswochen“ M.Klaus
Ungestörtes Bonding: Ablauf
• 1. Ansehen des Kindes • 2. Kontaktaufnahme durch vorsichtiges Berühren des Kindes mit den Fingerspitzen
• 3. Hochnehmen = „Annehmen“ des Kindes
• 4. Ansprechen mit hoher Stimme
• 5. En‐face‐Position, Hautkontakt, Streicheln, Kind sieht Eltern direkt an : „Flirten“
• 6. Selbstständiges Erreichen der Brust ‐ Stillen
Die erste Stunde:
„Selbst‐Andocken“
Die 9 Phasen des ersten Stillens nach Ann‐Marie Widström
Phase
Wann Was ist typisch?
1. Geburtsschrei
O min
Erster Schrei zum Entfalten der Lungen
2. Entspannung
Ende des Keine Mundbewegungen, Hände entspannt
Schreies
3. Erwachen
3 min
Kleine Bewegungen von Kopf und Schultern, Öffnen der Augen, etwas Mundbewegungen
4. Aktivität
8 min
Vermehrt Mund und Saugbewegungen, High Rooting
Suchreflex wird aktiv, Hand‐Mund‐Bewegung , Speicheln
35 min
Kind bewegt sich zur Brust hin, gleitet, stößt sich mit den Beinen ab, resultiert im Erreichen der Brust
7. Bekanntmachen 40 min
Schlecken an der BW, Berühren und Massieren der Brust,
Saugen an der Hand, Ansehen der BW, dauert ca. 20 min!
5. Pausen/ Ruhe
6. Robben/ Gleiten
Immer wieder zwischen den anderen Phasen
8. Saugen
60 min
Kind dockt selbst an und saugt
9. Schlafen
90 min
Baby und manchmal auch die Mutter schläft ein
Vorteile des frühen ersten Stillens:
Nahrung für den Körper…
• stabilere Körpertemperatur
und Blutzuckerspiegel
• bessere Mekoniumausscheidung und weniger behandlungsbedürftige Hyperbilirubinämie
• Schnelle Prolaktinausschüttung sichert langfristige Milchbildung
• Nach erstem Stillen innerhalb der ersten 2h pp: am 4. LTg signifikant mehr Milch (284 vs. 184ml) (Bystrova, 2007)
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… Nahrung für die Seele!
• Schnellerer Abbau des Geburtsstresses in Hautkontakt
• Kinder schreien in Hautkontakt sign. weniger
• Unterstützt optimal die Mutter‐ Kind‐ Bindung
„Nur kurz mal eben …“ ‐ das ist nicht egal!
Studie: L.Righard et al: „Effect of delivery room routines on success of first breast‐feed” Lancet(1990)336 S.1105‐1107:
• „separation group“: Trennung nach ca. 20 min zum Wiegen/ Messen • „contact group“: ununterbrochener Hautkontakt bis mind. 1 h pp. • In jeder Gruppe unterschieden nach Mütter mit und ohne Schmerzmittel ( PDA und/ oder Pethidin)
• Beurteilung nach effektivem/ ineffektivem Saugen (effektives Saugen=Mund weit geöffnet+Zunge unter der Areola+Milch in tiefen Zügen getrunken)
© Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Die erste Stunde: Hautkontakt
Dieses Wunder der Natur ist störanfällig…
• Ununterbrochener Hautkontakt bis zum ersten Stillen erforderlich • Schmerzmittel, PDA, Sectio stören den Prozess
• Kein helles Licht, keine Augentropfen
• Kein routinemäßiges Absaugen
• Möglichst wenig Ablenkung von Eltern und Kind
• Alle Routinemaßnahmen wie Wiegen, Messen etc. erst nach dem ersten Stillen
Kontakt‐Gruppe
Kontaktgruppe
Zahl
Gesamt
Korrektes
Saugen
Falsches
Saugen
Gar kein
Saugen
Kein
Schmerzmittel
17
16
1
0
Mit
Schmerzmittel
21
8
3
10
Trennungsgruppe
Trennungsgruppe
Zahl
Gesamt
Korrektes
Saugen
Falsches
Saugen
Gar kein
Saugen
Kein
Schmerzmittel
15
7
7
1
Mit
Schmerzmittel
19
0
4
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Effekte von Hautkontakt • Hautkontakt fördert die Oxytocinausschüttung und damit den Bindungsaufbau
• Hautkontakt stabilisiert die Temperatur
• Hautkontakt stabilisiert den Blutzuckerspiegel
• Hautkontakt beruhigt und entspannt
• Hautkontakt hilft den Geburtsstress schnell abzubauen
• Hautkontakt aktiviert die Stillreflexe
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Auswirkungen von Hautkontakt pp
Cochrane Database, 2012
• Positive Auswirkungen auf das Stillen 1‐4 Monate pp und längere Gesamtstilldauer
• Liebevollerer Umgang der Mutter mit dem Kind und verbesserte Mutter‐ Kind‐ Bindung
• Sign. Kürzere Schreidauer in Hautkontakt (10x)
• Höhere cardio‐respiratorische Stabilität ( v.a. von leicht frühgeborenen Kindern) • Höhere BZ‐Werte 75 bis 90 min pp
E. Moore et al:„Early skin to skin contact for mothers and their healthy newborn infants“, Cochrane
Auswirkungen von Hautkontakt pp
• Dosisabhängige Beziehung zwischen der Länge des Hautkontakts in den ersten 3 Stunden pp und vollem Stillen während des Klinikaufenthalts:
• n=21.800, prospektive Studie, Kalifornien
• 1‐15min: 1,37 fach häufiger volles Stillen
• 16‐30min: 1,66 fach…
• 31‐60min: 2,35 fach…
• Mehr als 60 min Hautkontakt : Kinder wurden 3,14 fach häufiger voll gestillt !
(Bramson et al: „Effect of early skin‐to‐skin mother‐infant contact during the first 3 hours following birth on exclusive breastfeeding during the maternity hospital stay” Journal of Human Lactation 2010)
Database Syst. Rev., 2012
Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Auswirkungen von kontinuierlichem Hautkontakt nach der Geburt
Welche Art der Geburtshilfe fördert das Bonding ?
Noch nach 1 Jahr (!)signifikante Unterschiede:
‐ Bessere mütterliche Sensibilität und Sensitivität
‐ Bessere kindliche Selbstregulation
‐ Bessere Abstimmung in der Interaktion zwischen Mutter und Kind
! Der negative Effekt einer Trennung in den ersten 2h wurde nicht kompensiert durch Rooming‐ In! => Hinweis auf eine sensible Phase • Die physiologische Spontangeburt ohne Interventionen bietet die beste Voraussetzung für ein gutes Bonding und einen unkomplizierten Stillstart • Grund dafür ist die Ausschüttung der Geburtshormone, die bei Mutter und Kind den Bindungsaufbau sowie den physiologischen Stillstart fördern
(Bystrova et al, Early contact versus separation: effects on mother‐infant interaction one year later. 2009) Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Es ist nicht egal wie wir geboren werden…
Auswirkungen von PDA auf Bonding und Stillen
• Hemmt die Oxytocin‐ und Endorphinausschüttung (Bacigalupo, 1990, Rahm 2002, Leighton 2002)
• Nach PDA noch am 2.Tg pp beim Stillen signifikant geringere Oxytocinausschüttung, am wenigsten bei PDA+ODI, (Jonas, 2009) • Häufiger Stillprobleme in den ersten Lebenstagen, mehr flaschengefütterte Kinder dosisabhängig (!) von der Fentanylmenge
(Jordan, 2005)
• Stört die mütterliche Temperaturregulation des Kindes in Hautkontakt (Jonas, 2006)
• Sign. weniger Kinder saugten in den ersten 4h pp an der Brust und diese wurden bei Entlassung sign. häufiger zugefüttert (Wiklund, 2007)
• Stört das Bonding: verbrachten weniger Zeit mit ihren Kindern • Auswirkungen auf die Psyche: Frauen nach PDA waren am 2. Tag pp. Durchschnittlich signifikant ängstlicher, zeigten weniger mütterliches Verhalten und waren weniger sozial im Umgang mit anderen und ihrem Kind. (Jonas,2008)‐> fehlendes Oxytocin!!
• Kinder nach PDA und ODI beginnen sign. seltener in der 1 h pp zu saugen trotz Hautkontakt ( Brimdyr, 2015)
• Signifikant kürzeres erstes Saugen an der Brust ( Gizzo, 2012)
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Auswirkungen intrapartaler Gabe von synthetischem Oxytocin
• Frauen die synt. Oxytocin unter der Geburt erhalten hatten stillten nach 2 Monaten seltener voll (Guv et al, 2015)
• Synth. Oxytocin unter der Geburt führt zu einem sign. höheren Oyxtocinspiegel 8 Wochen pp, mit unbekannten Langzeitfolgen! (Prevost et al, 2015) ( Guv et al, 2015)
• Synth. Oxytocin intrapartal störte das kindliche Saugverhalten und sign. weniger Frauen stillten nach 3 Monaten pp ( Fernandez et al, 2012)
• Je mehr Oxytocin i.v. die Mutter unter der Geburt erhalten hatte, desto niedriger waren ihre Oxytocinspiegel während einer Stillmahlzeit am 2. Tag pp ( Jonas et al, 2009) • NG nach Geburten mit synth. Oxytocingaben haben signifikant schwächere Reflexe ‐> beeinträchtigt also das NG (Marin G et al, 2015)
Gute Geburtsbegleitung: Kontinuierliche emotionale Unterstützung unter der Geburt (nach M.Klaus)
• Sectio (‐50%), Wehenmittel (‐40%), Schmerzmittel (‐30%), PDA (‐60%), Geburtsdauer (‐25%) • Stärkt das Bonding
• Weniger Depressionen pp
• Positivere Geburtserfahrung
• Höhere Sensibilität für die Bedürfnisse ihrer Kinder
• Doppelt so häufig Anlegen nach Bedarf und volles Stillen
• Lassen Kinder weniger allein, nehmen sie schneller hoch
Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Kontinuierliche Unterstützung bei der Geburt
Cochrane Database, 2013 (Hodnett et al) n=15288
Diese Frauen hatten signifikant:
• Häufiger Spontangeburten
• Weniger Schmerzmittel
• Kürzere Geburtsdauer
• Seltener Sectio oder vaginal op. Geburten
• Seltener PDA
• Seltener Kinder mit niedrigem 5 min Apgar
• Seltener negative Geburtserfahrung
Bonding nach Sectio: Hautkontakt im OP
Besonderheiten des Bondings nach Kaiserschnitt
Fotos: Peter Braun
• V.a. bei der Primären Sectio: veränderte hormonelle Ausgangslage! (weniger Prolaktin, Endorphine, Oxytocin)
• Besonders gute Stillunterstützung da anfängliche
Stillprobleme zu erwarten sind :niedrigere Kolostrummengen, verspäteter ME, Saugprobleme • Bindungsförderung durch viel Hautkontakt!
Bonding nach Sectio im Entbindungszimmer
Christine Lang, IBCLC
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Sensitive Periode auch bei FG
Wichtig bei verlegten Kindern:
Studie: Mehler et al, 2011 aus Köln
62 VLBW‐Frühgeborene wurden untersucht ‐ FG, deren Mütter sie innerhalb der ersten 3h nach der Geburt das erste Mal gesehen hatten, waren im Alter von 1 Jahr sign. häufiger sicher gebunden! (76% vs 41%)
‐ Hinweis auf eine sensitive Phase auch bei FG
J Perinatol. 2011 Jun,31(6): 404‐10) Mehler et al: Mothers seeing their
VLBW Infants within 3 h after birth are more likely to establish a secure attachment behavior: evidence of a sensitive period with
preterm infants?)
Bei verlegten Kindern: Mutter sobald möglich zum Kind bringen
( innerhalb 3h pp!) Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Welche Maßnahmen sind also förderlich? • Möglichst viel kontinuierliche Eins‐ zu –Eins‐ Betreuung
unter der Geburt
• Alle Maßnahmen zur Senkung der (v.a.primären) Sectiorate
• Reduzierung von PDA und Gabe von Opiaten
• Zurückhaltende Gabe von Oyxtocin
• „Mothering the Mother“ in der Begleitung von Gebärenden und Wöchnerinnen (Vorbildfunktion)
• Mutter‐ Kind‐ Trennung vermeiden und so schnell als möglich Haut‐ und Blickkontakt nach einer Trennung ermöglichen (= „Nachbonden“)
• Stillförderung = beste Bondingförderung (Hormone!)
Bonding endet nicht im Kreißsaal!
• Gemeinsame Verlegung von Mutter und Kind auf die Station in Hautkontakt
• 24h Rooming‐ In und Familienzimmer unterstützen
• Körper‐ und Hautkontakt von Mutter und Kind auch im Wochenbett fördern! • Tragen in Körperkontakt • Baby Bay Bett
Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Christine Lang, Hebamme und IBCLC, Fachtag Schwabing 2015
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